Zwei Welten. Roman von Emma Mer?. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 5. An dem Morgen, an dein Hildegard zur Porträtjitzung kommen sollte, klagte Frau Bernhobler über einen „verdorbenen Magen" und behauptete, es sei ihr unmöglich, anszn gehen. Vielleicht verschlimmerte der Gedanke an jenes Atelier, die Erinnerung an die unerwartete Begegnung, die sie dort gehabt hatte, ihr tlebelbefinden. Hildegard wollte eben ein Absagebillett an Grönberg schreiben, als Marianne von Flassan zu ungewohnt früher Stunde zu Besuch kam. Bernhobler war nicht mehr zu Hanse. Ihn rief eine heilige Pflicht: der erste Salvatorbier-Ausschank, die Probe dieses frühjährlichen Labetrunkes, bei der er als hervorragender Kenner des „Stoffes" nicht fehlen durftet Seit dem vorgestrigen Abend bei der Großmutter herrschte eine recht ungemütliche Stimmung. Hildegard ivurde von dem Papa mit einer brummigen, von der Mama mit einer trübseligen Miene gestraft. Da sie unter diesen Verhältnissen von Herzen gern fortgegangen wäre,'rückte sie sofort mit der Bitte heraus: „Ach Tante Marianne. Wenn du in das Atelier des Malers Grönberg mitgehen könntest! Er hat doch mein Bild angefangen. Er erwartet mich. Es ist ihm gewiß, ärgerlich, wenn im letzten Moment die Sitzung abgesagt wird, gleich das erstemal! O, bitte, tu mir den Gefallen!" „Geh, was fällt dir ein?" rief Mali dazwischen, die ihren Einfall, d-ie Tochter malen zu lassen, längst ver- wünschte. „Die Mariair wird gleich Zeit haben, sich da hinz'setzen und Langweil blasen. Es pressiert ja nicht!" Aber Marianne hatte Zeit und war gern bereit. Es schien fast, als hasche sie nach einer Gelegenheit- Mit der Richte allein zu sprechen. Sie hatte eine Einladung für Hildegard für den Abend gebracht. i ,,Mein Mann will ein paar Bekannte bei sich sehen, er hat mich beauftragt dich aufzufordern,",hatte sie mit.ihrem müden, traurigen Gesicht gesagt, mit einem Ton, der ein heimliches Unbehagen über diese Bestellung verriet. Als die beiden Damen dann allein auf der Straßp waren, faßte die Tante plötzlich die Hand des jungen Mädchens und flüsterte mit ihrer leisen Stimme, durch die eine merkliche Erregung gitterte: i ■ //Ich möchte dich warnen, Kind. Mein Mann scheint eine bestimmte Absicht zu haben,. wenn er dich mit diesem Leutnant Schmidt einladen will. Diu sollst wissen, daß, ich in seine Pläne nicht eingeweiht bin, haß ich nicht big Samstag, den Rpril IS SIE' H ■ K Hand im Spiele habe, mich nur schweigend füge, wie immer." ! Es klang so hart und bitter, daß Hildegard mit verwunderten Augen in das ernste, schöne Gesicht aufblickte. "Die Worte ergäben ihr einen erschütternden Einblick in das Herz dieser Frau, die sonst niemals von sich sprach, die für das junge Mädchen immer etwas so Unnahbares hatte, daß sie nie wagte, über das Geheimnis dieser seltsam zusammengewürfelten Ehe nachzusinnen. >,Jch danke dir, Tante," sagte sie warm. „Aber sei ganz unbesorgt. Ich lasse mich nicht so leicht einfädelch wie die Großmutter zu meinen scheint. Vorgestern habe ich es gleich erraten, daß dieser Leutnant meinetwegen eingeladen war. Es ist ja sehr wunderlich, daß sich nun auch Onkel Flassau seiner annimmt. Aber ich habe viel zu viel Widerspruchsgeist, um mich nicht gegen jede Beeinflus- sung und Bevormundung zu wehren." ; l,Ach, Kind," erwiderte Marianne mit einem Seufzer. „Es ist ja schwerer als du glaubst, klare Augen und ein scharfes Urteil zu bewahren, wenn,ein Mann sich Mühe gibt, nns zu gefallen. Da drinnen in unserem Herzen ist ein Flämmchen, das brennen Mil; Der erste, der es entzündet, scheint uns so leicht der Rechte. Die schöne Wärme in uns wiegt uns in Illusionen."! Man fühlte wohl, es war ihr eigenes Herzensschicksal, das sie erzählte. Hildegard wagte Tein Wort zu erwidern. Schweigend gingen die beiden eine Weile in der Sonne dahin, die heute so warnt schien, daß der Schnee taute und es von allen Dächern tropfte. Schmutzige Straßen, aber heller Himmel — immerhin eine erste Frühlingsahnung. Plötzlich stieg dem jungen Mädchen eine Blutwelle in die Wangen. Aus einem der Häuser, ganz in der Nähe des Gröu- bergschen Ateliers, trat ein junger Mann, kant ihnen entgegen. ■ | Ihr -unbekannter Freund ans dem Theater. Ha das war wieder das leuchtende Gesicht, das mit so warmem Interesse zu ihr aufgeblickt hatte. Sie sah, wie auch ihn die Freude durchzuckte Wer das Wiedererkennen. I Ihre Augen begegneten sich einen Moment. Es war wie ein heimlicher Gruß zwischen ihnen. | Roch lange nach der raschen Begegnung durchrieselte! sie ein Glücksgefühl, eine Heitere Regung, die lote ein Sonnenblitz in ihre gedrückte Stimmung hereinfiel. Grönberg hatte die Damen erwartet und kam bei ihrem Klopfen an hie Türe, uni sie zu empfangen. Er prallte zurück in staunender Ueberraschnng, als statt der biederen Frau Bernhobler i die stolze, elegante Gestalt Mariannens über die Schwelle trat. -Einen Moment lang verließ ihn völlig seine heitere Gewandtheit. 242 Manz verlegen verbeugte er jidj, i während Hildegard die Tante vorstellte, mit ein paar Worten erklärte, warum fi», in einer anderen Begleitung komme. Mit einer Erregung, die er kaum zu beherrschen vermochte, schob er den Renaissancestuhl, den Tisch mit den Photographiemappen, die er zum Ansehen hergerichtet, für die schöne Frau zurecht, und immer wieder glitt sein Blick mit pinem Ausdruck verblüffender Bewunderung- ■ über die vornehmen Züge, die der leise Schimmer der Trauer nur unk so anziehender, um so interessanter machte. Er mußte alle Selbstbeherrschung aufbieten, um die nötige Ruhe und Sammlung für seine Arbeit zu finden und fich mit voller Aufmerksamkeit dem jugendlichen Mädchen- köpf zuzuwenden, den er vor einigen Tagen mit soviel Eifer zu malen begonnen hatte., -„Meine Skizze gefällt mir nicht mehr!" rief er ungeduldig, nachdem- er seine Leinwand eine Weile vergleichend betrachtet. „Ich will von neuem beginnen." „O, ich finde die Studie fehr gut!" meinte die Baronin. -„Hildegard sieht zuweilen so strahlend fröhlich aus, so übermütig jung!" | Sie schaute mit Interesse gilt, tote der Maler mit wenigen Kvhleustrichen die Umrisse des hübschen Gesichtes ausz-eich- uete, wie die Stirn, die Brauen, die Angen aus dem Grau der Untermalung herauswuchsen, Farbe, Leben bekämen. Eine Weile blieb es ganz still in dem Atelier. Dann unterbrach Mariannens leise Stimme das Schwei- geu: I -„Ich denke eben darüber nach-, daß doch jeder Mensch ein gutes Porträt von sich zurücklassen sollte," sagte sie. „Das ist förmlich wie ein Fortleb-en über seine Existenz- hinaus. Mein kleiner Paul wird ja jetzt noch wenig Verständnis für ein Bild feiner Mutter haben. Aber ich will mich doch für ihn malen lassen, so lange ich noch nicht ganz alt bin. Würden Sie Zeit haben fiir ein Bild von mir, Herr Grönberg?" | Der Künstler legte die Palette, die Pinsel einen Monte ut weg. | -Seine Augen glänzten, eine warme Blutwdlle durch- slutete seine Wangen, als er sich lebhaft zu ihr wandte: ^„Gnädige Frau, ich möchte in diesem Augenblick wirklich an die Macht eines heißen Wunsches glauben. Seit ich Sie hier eintreten sah, habe ich kaum anderes zu denken vermocht, als das eine: Wenn ich versuchen dürfte, dieses Gesicht zu malen! Wie soll ich es wagen, um diese Gunst zu bitten? lind nun sprechen Sie selbst das erlösende Wort. Sie haben keine Ähnnng, tote diese Aufgabe mich lockt!" -Sie lächelte ruhig und gelassen. - Sie sah den Blick nicht, den er über ihre Gestalt gleiten' ließ, diesen bewundernden Blick, in dem mehr lag!, als künstlerische Begeisterung. Sie hatte die Augen gesenkt und betrachtete die schöne Reproduktion eines Ban Dyk in einer der Mavpen, die sie durchblätterte. ,-,Jch möchte ein einfaches Bilch ganz schlicht. Kein prunkhaftes KostüM So wie eine gute Mama ausschien üruß, die ihrem Sohn in lieber Erinnerung bleiben will," sagte sie. Ein Schatten flog über ihre Stirn. Er hatte sie in Gedanken in kostbare Gelv-änder gehüllt, er hatte sie vor sich gesehen, strahlend, in königlicher, sieghafter Haltung. Eine so wehmütige, müde Resignation klang durch ihre Stimme. Dieses Weib, das geschaffen schien, um Leidenschaft M Decken, nm zu lieben und- geliebt zu lverden,- wollte! Mr Muttter sein, nur für den Sohn sollte ihre Schön- HM festgehalten werden! Nicht 'für den Gatten? Nicht für den Wann, der sie doch glühend bewundern mußte! So sprach keine Glückliche. i Das Interesse an ihrem Schicksal schürte noch die Flamme, die ihr Anblick in ihm geweckt/ Verwirrt, erregt mit dem Vorgefühl, daß etwas Ereig- msvolles, Unvergeßliches mit dieser Frau in sein Leben gekommen,/ verabschiedete er sich von den Damen. Als inan im Flur die Schritte, die Stimmen hörte, wurde die angrenzende Ateliertür geöffnet, und der ernste, graue Kopf des nachbarlich wohnenden Malers' kam zum Vorschein. , -Hildegard begegnete wieder den düsteren, flehenden. herzbewegenden Augen, die sich so traurig auf ihr Gesicht hefteten. Obwohl das Anstarren sie verlegen machte, weckte das Gesicht, in das das Leben starke Leidensfpuren gegraben, ihr doch warme Sympathie, und- sie nahm sich vor, den Maler Grönberg um das Schicksal des Mannes zu. fragen, der etwas so Scheues, Rätselhaftes in seiner Haltung und seinem Mick hatte. Als des Llbcnds Hildegards Droschke bei Flassans hielt, schritt eben auch Leutnant Schmidt auf das Haus zu. Er h-alf ihr aus dem Wagen und begrüßte sie mit solcher Freude Und solcher Liebenswürdigkeit, daß sie doch tn ganz heiterer Stimmung mit ihm die breite, teppichbelegte Treppe emporstieg und es momentan vergnüglich fand, einen „Verehrer" zu haben. Eine junge hübsche Person, die erst seit kurzem bei der Baronin war, öffnete die Tür. „Grüß Gott, Auguste," sagte Hildegard, die gegen Untergebene immer einen freundlichen Ton anschlug, mit einem Lächeln. Wie verwirrt das Mädchen den Leutnant anblickte. Wie verlegen er plötzlich war. Auguste, die sonst so gut geschult und gewandt 6cim! Anziehen half, nahm- ihr nicht einmal den Mantel ab. Sie hastete davon und ließ sie stehen, ohne auch dem Offizier behilflich zu sein. Es war unverkennbar, daß sie über sein Erscheinen vollständig die Fassung verloren hatte. Er hatte gar nicht dergleichen getan, als iväre sie ihm bekannt, er hatte über sie hinweggesehen, als sei sie eitel Luft. Aber ganz behaglich schien es ihm auch nicht zumute, und er zögerte einige Augenblicke vor dem hellbeleuchteten Spiegel im Flur, ehe er sich wieder mit ruhigem Gesicht dprn Fräulein z-nweudete. (Fortsetzung folgt.) Zur Vaugeschichte von Rodheim a. d. Meder. Ein Mahn wort zur Erhaltung des Alten. Bon Hugo H e y m a n n. Zu Rvdheinl an der Bieber wird seit einiger Zeil eilt ziemlich hartnäckiger Kampf geführt um das Recht des kleinen Mannes, sich auszudehnen. Nennen ivir's mit einem vornehm klingenden Namen: um ein Ortsbaustatut. DaS ist so, wie die Rodheimer Verhältnisse liegen, eine ziemlich zwecklose Sache. Deshalb glaube ja keiner, ich wolle in dieser Hinsicht Besserungs- Vorschläge machen. Fallt mir nicht ein: ich habe nicht die Absicht, mir die Finger zu verbrennen, denn — es hat absolut keinen Zweck. Ich möchte als Freund des Alten unseren Blick in die Vergangenheit richten. Nun soll aber wieder niemand meinen, ich wolle von längst gewesenen Dingen reden, dafür interessiert sich ja doch kein Mensch, höchstens ein paar „Altertümcrsucher", von denen man sagt: Na ja, es mutz auch solche Narren geben! Nein, ich will, soweit das möglich ist, untersuchen, wie das heutige Rod heim entstanden ist und dabei einige Anregungen zur Erhaltung alten B a u g u t e s gebens Anregungen, die-----auf steinigen Boden fallen werden! Doch das tut nichts zur Sache! Tie Bauart Rodheims ist bedingt durch das langgestreckte Tal der Bieber, das Baumaterial durch die umgebenden Wälder und den fetten Lehmboden. Die alle Sage wird wohl recht haben, wenn sie uns Späteren verkündet, die alten NodHeimer hätten sich nm die Adelshöse angesiedelt. Aber von diesen ältesten Edelhöfen sowohl, wie von den ältesten Baneru- hülten steht nichts mehr. Außer der' Kirche ist wohl kein Gebäude älter als 300 Jahre, d. h. auS der Zeit vor 1600 haben wir nichts mehr. Tie ersten Ansiedelungen geschahen naturgcmätz auf dem Hügel, der vom Bach aus langsam sich erhob, auf dem die Kirche mit den umliegenden Gehöften steht, llud in der Tat drängen sich um die Kirche auch jetzt noch die ältesten Gebäude,: eS ist der K'ern des alten Rodheim. Da wären als älteste Hos- ftätten zu neunen: der rote Hof = die alte Schule. (Versetzen wir uns drei Jahre zurück.) Der schwarze Hof, int geteilten Besitz von Jakob Bechtold V., Wilhelm Moos, Wwe., und Ludwig Schmidt. Ferner „Kralles Hob"; weiter das Anwesen von Joh. Georg Wagner, das von Kaspar Stork, der Ravenauische Hof, der Pfarrhof und Ludwig Weils Haus in der Pfarrecke. Bevor wir das Alter zu beftiminen suchen, noch eine allgemeine Bemerkung: Man findet in R. viel weniger als beispielsweise in den Dörfern des Hinterlandes, daß- die Baucrn- hauser mit reichen Verzierungen und Schnitzereien ausgestattet sind. Etittge Ausnahmen kommen weiter unten zum Wort. Das lag zweifellos an den gedrückten Verhältnissen, unter denen un- 243 fere Vorfahren jahrhundertelang seufzten. Sonst unterscheidet sich die Bauart der alten Rodheimer Häuser nicht von deni hessischen Bauernhaus: hohe, steile Dächer, niedere Stockwerke, der zweite Stock übergebaut, reich gegliedertes Fachwerk (Brustriegel, wilder Mann, Betonung der Gebälkslagen zwischen den Stockwerken) Nun zum Alter der frühesten Häuser. Die alte Schule gehörte in ihren: ältesten Bestandteil Wohl dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts an. Mr früherer Name „rotes Haus" rührte wohl von dem roten Menniganstrich des Gebälkes her. Der gleichfalls ehemalige Leschische benachbarte „schwarze Hof" rst gebaut, wie eine vor etwa 8 Jahren entfernte Inschrift lehrte, in den ersten Jahren des 30 jährigen Krieges. Ich möchte dieses alte Haus mit seinem hohen Giebel eine Art Wahrzeichen von Rodheim nennen. Denn von drei Seiten her fällt cs auf. Man mag von Gießen Herkommen, oder von Bieber, oder auch den Launfcheidsberg heruntersteigen, stets sieht einem das ragende alte Haus ins Auge. Von Kralles Hof steht kein Gebäude mehr aus der Zeit vor 1700. Davon in der nächsten Periode. Dagegen möchte ich Ihnen Georg Wagners Haus noch dem 17. Jahrhundert zuweisen. Die eine zu seinem Hof gehörige Scheuer stammt aus der Zeit kurz nach dem dreißigjährigen Krieg. Man beachte nur cinuial den reichlichen Aufwand von Holz an diesem Gebäude (längs der Straße, der Post gegenüber). Wenn das Haus vom Verputz befreit wäre, könnte man Genaueres über >em Alter sagen. In dieselbe Bauperiode gehöre:: dem Stil nach Kaspar. Storks Haus und Ludwig Weils Haus der Marrecke. Die mündliche Ueberlieferung läßt beide von den: gleichen Merster gebaut sein. Das kann leicht möglich fein, da d:e Schnitzereien an den Balken der Mittellage große Aehntich- re:t aufweisen. Derselben Zeit endlich möchte ich das alte 'Gebäude zuwelsen, das im' geteilten Besitz, von Christian Strackbein II. unö Karl Becker ist. Wenn man nur einmal herauskriegte, was eS mit der alten Sage auf sich hat, das sei früher ein Pfarrhaus geweien. Eine besondere Bewandtnis hat es mit den: hochgelegenen Haus von Ludwig Gerlach. Auf diese Besoiiderheit bin ich anderweitig eingegangen. Das ist ein prächtiger Fachwerkbau: man betrachte sich einmal die Hofseite! Tic dazu gehörige Scheuer, letzt im Besitz von Jakob Schlierbach, ist 1651 erbaut, gleichzeitig HW Wohl das Haus. Das wäre so ziemlich alles, was aus dem 17. ^aorhuudert noch erhalten ist, höchstens ist das Gebäude der mooheimer Mühle jenen: Zeitalter zuzurechnen. Tainit wäre daun jene erste Periode schon erschöpft,, die Zeit vor 17 0 0. Einen reichhaltigeren Stoff bietet die zweite Periode, das 18. Jahr h i: iid er t. Da. hat im Anfang des 18. Jahrhunderts, um 1710 herum ein Zimmermann gelebt, der eine besondere Eigenart an sich hatte. Er scheint außerordentlich gut Bescheid gewußt zu haben im Buch der Sprüche. Denn mehrere Gebäude, die noch von ihm erhalten sind, tragen Inschriften aus jenem alttestameiitlichen Buch voll handfester, nüchterner Lebensweisheit. Bestimmt von jenem Mann stammt Ludwig Rums Wohnhaus und die Scheuer von Karl Bender an der neuen Schule. Aber auch das Nachbarhaus von L. Rinn, cs gehört Karl Schlierbach am Eingang der Mühlecke, weist einen ganz ähnlichen Baustil auf. Ungefähr um die gleiche Zeit wirkte ein anderer Handwerks- meiftcr, der eine andere bauliche Eigenart an sich hatte. Tie Erscheinung des wilden Mannes wiederholt sich bekanntlich an den Seitenflächen der Gebäude, abgesehen von dem Eckbund. Ter ivilde Mam: kommt in der Hauptsache dadurch zustande, daß zwei schiefe Streben sich an einen. Mittelpfosten anlehnen. Diese beiden Streben nahm nun jener Zimmermann auseinander und stellte sic einander gegenüber. Ohne Zeichnung ist's nicht zu erklären: man gehe deshalb hin und betrachte sich die Sache. Tie erhaltenen Gebäude sind das Hofhaus von Koalles Hof, Kaspar Steinmüller und Ludwig Schlierbachs Witwe neben Her Post. Das letztere Hans ist auch das älteste in Rodheim, das eine Durchfahrt hat. Wenn die mündliche Ueberlieferung recht hat, daß nämlich diese Torfahrt ihre Entstehung bem' engen Raum verdanke, daun wären die benachbarten Häuser, die Post und Ludwig Krauskopfs Haus, älter. Viel älter als das der Witwe Ludwig Schlierbach können sie nicht gut fein. So um 1710. Ich wollte, diese beiden Häuser wären von ihrem häßlichen^ Putz befreit! Hierbei gleich noch eine Bemerkung ein» geflochten. Das Rodheimer Bauernhaus ist ein Arme-Lente- Haus. Man erkennt deutlich, daß die früheren Rodheimer kleine Bäuerchen waren, wie auch heute noch. Sie waren besitzlose unfreie Leibeigene, denen eine drückende Adelsherrschast kein freieres Atemholen gestattete. Und das zeigt sich auch in den Häusern und Höfen,. die dies gedrückte Geschlecht baute. Gerade wenn man sich die weitläufigen Gehöfte, die oft reich verzierten Wohnhäuser der hiesigen Gegend, am Fuße des Vogelsberges, betrachtet, fällt t®., ungc, wie arm unsere alten Rodheimer gewesen sein wusseii. Aber trotzdem hat im ganzen 18. Jahrhundert eine rege co^utatigkelt geherrscht. Das beweisen die erhaltenen Urkunden der Markerschaft, bereit Wald das Holz lieferte. Das beweisen die noch vorhandenen Gebäude selbst. Ich will mich begnügen nut der Aufzahcung der Wohnhäuser, die jener Periode entstammen, außer den bereits erwähnten. Ludwig Pausch, Georg Schaubs Witwe, Konrad Jung, Georg Schmidts Erben (Posteck), Johannes Bodenbcnder, Wilhelm Strackbein, Christian Dönges, Karl Bender (Schmied), Philipp Steinmüller, Karl ^ung (FriechPeters), Isaak Rosenbaum, Andreas Pcpplers Witwe, Christian Platts Witwe -Mühlbach), Georg Philipv Gerlach (des vorigen Nachbar) Ludwig Lapp, Ludwig Weil (oberste Ecke), Georg Feiling Wilhelm Lapp, Johannes Schlierbach, Ludwig Bender -Schmied), Karl Schlierbach (Klanhannese), Phil. Schmidt, Joh, Georg Schmidt (Peterhannjer), Andreas Dönges (?), Ludwig -öenber '-Anllerschütze), -Jakob Pfeifer, Hermann Rosenbaum, Georg Pepplcr, Konrad Failing, Ludwig Schneider III., Karl Schlier- baaj (Hamiams), Jakob Schlierbach, das Haus des ehemaligen Rabenau,chen Hofes, Andreas Steinmüller, Hirsch Rosenbaum. Kleinere Hauser, in deren Bauart sich nichts Charakteristisches auspragt, stnd weggelassen. , Ter Kundige sicht sosort, daß Rod- heiin nn 18. Jahrhundert eine bedeutende räumliche Ausdehnung erfahren ha, Es ist zweifellos nicht nur so, daß anstelle abgängig geworbener Gebäude Ersatz geschaffen wird. Es muß trotz der mancherlei Widerwärtigkeiten eine ziemlich bedeutende Be- vollerungs'vermehrung stattgefunden haben, die eine größere Ausdehnung bedingte. Und da ist cs merkwürdig, daß diese Ausdehnung nicht nach der Seite hin geschah, die uns heute die natürlichste scheint, nach Osten, nach Gießen zu. Man wählte die entgegengesetzte Richtung. Zwei Gründe scheinen mir diese Entwicklung herbeigeführt zu haben. Es ist Charakteristikum der oberhessijchen Dörfer, daß die Häuser in dichtem Komplex auf- eiiiandcr hockten. Es gewährte ein Gefühl größerer Sicherheit, wenn die Dorfbewohner möglichst nahe beieinander saßen/ Das ist nn Rodheimer Unterdorf der Fall. Ausschlaggebend war ein anderer Grund: der Grund und Boden an der Straße nach Gießen hin war in den Händen der adligen Großgrundbesitzer, und denen fiel es natürlich nicht ein, ihr teures Laiid herzugeben, bloß weil ein armes Bäuerlein ein Haus darauf bauen wollte. — Es geht , die Sage, daß ähnliche Dinge sogar heute noch Vorkommen sollen. — In jenen Zeiten wurden ausgebant: die Mühl- vach- samt der oberen Ecke, die Erbsengasse, die Linsengasse. Wir kom'nicn zu der dritten Periode, dem 19. Jahr- hu n d cr t. Diese Zeit möchte ich wieder in z w ei Ab schnilt e teilen — vor 1870 und na ch 18 7 0. Tie geplagten Rod- fieim'er Bauern atmeten erlöst auf, als der Leibeigenschaft ein Ache gemacht wird. Sie machen sogar große, anerkennenswerte Anstrengungen, den hemMendstcii Pfahl in ihrem Fleisch zu bc- seitlgen — die großen Güter. Zum üeit ists ihnen gelungen. Ihr Rodheimer könnt euren Vätern und Großvätern dankbar sein, daß sic solches geleistet haben. Die neugewonnene Bc- wegungSfreihcil zeigt sich in einer äußerst gesteigerten Baulust. L>0 um 1800 1820 haben die Rodheimer eifrig gebaut — trotz der napoleonischen Kriegsjahre. Ta verdient der damalige Zim- inermetfter rühmende Erwähnung, der eilte große Anzahl von Gebäuden errichtet. In dem Riegel über der Haustüre hat er jedesmal die Erbauungsinschrift angebracht. Er ist der letzte gewesen, der beit zweiten Stock etwas über beit Unterstock über» ragen ließ. Ein Musterbeispiel für seine Bauart ist Lubwig ftubenhofcrs Hans. Es ist nicht mehr wie recht und billig, baß jener Zimmermann, Philipp Schmidt hieß, er, weiterlebt in den: Torsnamen ferner Nachkommen: Zeammermanns. , etwas mehr Wohlstand in Rodheim eingezogen, war, zeigt sich auch darin, daß man die Toreinfahrt der Höfe etwas reicher gestaltete. Es entstanden in den zwanziger und dreißiger Jahren die schonen Torhäuser, die wohl im Hüttenberg ihre Vorbilder hatten. Besonders schön sind die von Christian Platt Erben und Euristiau straccbein I. Daneben sind zu nennen: Tie Tore von Georg Bender II., Andreus Steinmüller, bas Tor zu, Kralles Hof. efch deute hier nicht an Tordurchfahrten, die sind zu verschiedenen Seiten gebaut. Ms in den dreißiger Fahren die Märkerschast sich auflöste, die den Leuten das Bauholz geliefert hatte, setzte eine für Robhcim- uicht sehr ehrenvolle, aber trotzdem denkwürdige Bewegung ein Tos war nämlich der — Holzdiebstahl. Ter Atzbacher Berg mit seinen Erchen lag auch zu verführerisch vor den Blicken der Rodhermer. Ta half alles nichts, selbst der sagenberühmte Wald- schütz Puhl nicht: In Rodheim steht manche Scheuer aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, „bei der der Ätzbacher Berg zum Eulenloch heransguckt", wie sich einmal ein alter Mann ausbrückte. Tas ist auch ein Stück 'Rodheimer Kulturgeschichte, dem die Rodheimer nebst vielen Scheuern auch ihren Spitznamen verdanken. Ticweilen sie sich nämlich nicht damit begnügten, kleine Lasten Holz zu holen, sondern gleich ganze Bäume — Raitel requirierten, deshalb nannte man sie die „Raat". Ausgebaut wurden in der Zeit vor 1870 weiter die Mühlbach-, Erbsen- und Lmscugasse und als neues Baugelände kaut die Schäfers Hohl hinzu, zunächst bloß die rechte Seite. All die Gebäude ans jener Zeit weisen deutlich den empfiudlichci: öcangel an Eichenholz auf. Tie Balken sind sehr schmal, die Innenwände und das Tachwerk bestehen nur noch aus Tannenholz, sodann ist jegliche Kunstübung aus deut Zimmermannshandwerk geschwunden. Philipp Schmidt war der letzte, der nicht bloße Zweckbauten errichtete, sondern auch auf gefälliges, künstlerisch gestaltet^ Aeußere sah. Nur eins ist aus jener kunstlosen, nüchternen Bauperiode hervorzuhcben: Tic anheimelnden kleinen T-ächer über der Haustüre, deren eine Anzahl erhalten ist. Es W sehr zu begrüßen, daß man jetzt auf diese schöne Sitte in Rodheim wieder zurückgreist. 244 &tu imitmen zu der Zeit natf« 1870. War wahrend der «ninzeil Seit von 1800 an in langsamem, Tempo gebaut worden, s können wir nun eine außerordentlich rasche Entwicklung beob- schten. In den drei Jahrzehnten von 1870—1900 sind wenigstens 50 Wohnhäuser gebaut worden. Der Baustil bleibt tnt grossen und ganzen noch derselbe. Vielfach wird auch zu den Außenwänden Tannenholz genommen. Die Gefache werden letzt vielfach mit Stein ausgentauert. Das alte Flechtwerk kommt nach und nach nicht mehr zur Anwendung. Aber noch ist die Gestalt des Bauernhauses die alte: Die schmale Giebelseite der Straße zugekehrt, an der Langseite des Hauses die Eingangstür. Mit dieser beim hessischen Bauernhaus sehr alten Bauart wird erst aufgeräumt seit der Wende des Jahrhunderts, wenn auch schon vorher einige „Vorboten einer neuen Zeit" dem Dorfbild seinen Charakter nahmen. * Wir wollen nicht versäumeu, den Namen des Rodheimer Zinimermeisters zu erwähnen, der als letzter beim „Bauheben" einen Zimmerspruch von der First herunter zu sagen pflegte: Hellwigs Kaspar, mit bürgerlichem Namen Friedrich Kaspar Koty. Er starb in beit achtziger Jahren. Seit 1870 wurde vor allem die Straße nach Gießen ausgebaut, bis 1873 war auf der einen Seite die alte Schule das letzte Haus. Ferner die linke Seite der Schäfers Hohl, die Erbsengasse und die Linseugasse. Seit rund 1900 ist die Baugeschichte Rodheims in ein neues Stadium getreten, das einen Abschluß, noch nicht erreicht hat. Es bedeutet leider Gottes das vollständige Aufhören jedes Geschmacks und vor allen Dingen jeder heimischen Bauweise. Wer sich beispielsweise Neu-Rodheim am Vetzberger und Krof- dorfer Weg betrachtet, der sieht dort die herrlichsten Früchte neuzeitlicher Geschmacksverirrung. Von dieser jüngsten Vergangenheit wollen wir deshalb schweigen; auch diese Entwicklung hat ihre Begründung und ihre Berechtigung; die näheren Gründe ».vollen nur nicht erörtern. Nur aus ein Hans möchte ich Hinweisen, das den Rodheimern neue Bahnen für dörfliche, hei- mifche Bauweise weisen kann: Das Haus, des Landwirts Friedrich Weber au der Froschbach. Es ist ein prächtiges neuzeitliches Bauernhaus. Und eins hat mir große Freude gemacht: Durch das völlige Verschwinden des Fachwerkbaues drohte auch die Sitte unterzugehen, die weißen Gefächor mit Sprüchen zu verzieren. Weber hat eine originelle Lösung gefunden^ die Nach- ahinung verdient: Er läßt die Gedichte auf die Fensterläden nialen. Und nun einige Winke zur E r h a l t u n g und Erneuerung alten Bau gut es! Wir wiesen schon darauf hin, daß das Rodheimer Bauernhaus im Gegensatz zu anderen Gegenden ein schmuckloses Haus ist. Um so wertvoller sind uns die' schönen alten Gebäude, die noch erhalten sind. Das sind eilte ganze Anzahl. Aber sie kranken alle unter einem schweren Leiden, das aber nicht unheilbar ist: Ihre Schönheit und ihre Eigenart ist ihnen genommen durch den eintönigen gräßlichen Verputz. Man muß, wie anderwärts, so auch in Rodheim seit 1870 eilte wahre Wut gehabt haben, alles Fachwerk über Holz zu ziehen. Der Weißbinder, der heute noch einen Fachwerlbau verputzt, begeht eine Todsünde an der Schönheit des Dvrsbildes. Man sollte im Gegenteil die Bewegung möglichst begünstigen, die sich hier in Hessen vielfach geltend macht: Man lege das Holzfachwerk wieder frei! In Hessen stehen für diesen Zweck staatliche Mittel bereit; ob das freilich int Hinterlandkreife auch schon der Fall ist, ist eine andere Frage. Sicher ist eins: in Rodheim ruht manch schönes Fachwerk mit schöner Schnitzerei unter einer häßlichen Verputzschicht verborgen. Von einigen weiß ich's ganz bestimmt. Da ist vor allen Dingen Kaspar Storks Haus. Es wäre eine prächtige Zierde für den Rathausplatz, wäre dieses Haus vom Verputz befreit. Die Eckpfosten sind kunstvoll geschnitzt, wie an einem — nach der Kirche zu — zu sehen ist. Schöne Schnitzereien enthalten desgleichen die Häuser von Andreas Steinmüller und Hirsch Rosenbaum. Wenn das Dorfbild Rodheims eilten ländlichen Charakter wieder erhalten soll, müßten etwa folgende Gebäude von der Verputzschicht befreit werden:*) Die Post, Ludwig Kraus köpf, Christian Strackbein I., Karl Becker, die Schmiede von Karl Bender, weuigsteits das Obergeschoß der Vorderseite, Christian Platts Wwe., Mühlbach, Georg Philipp Gerlach (des vorigen Nachbarhaus), Karl Schlierbach (neben Mauks Wirtschaft). Bei diesem Haus ist die Erbauungsinschrift über der Haustüre durch den Bewurf verdeckt, ebenso bei Konrad Jungs Wohnhaus, sonst einem schönen Fachwerkbau, und am alten Backhaus, ferner die Häuser von: Hermann Rosenbaum, Georg Peppler, Ludwig Gerlach (Manergekabsn Kaspar Stark, Koh. Georg Wagner, Andreas Steinmüller, Hirsch Rosenbaum, die Wirtschaft von Heinrich Pansch. An letzteres Haus denke ich, weil dadurch in die Straße von Gießen her ein viel mehr ländlicher Charakter käme. Das ist eine wirklich bescheidene Auslese der älteren Häuser, die als *) Die, auf die es mir besonders attkommt, sind gesperrt gedruckt. Fachwerkbanken dem Straßeubild in jedem Fall eine ungemein« Belebung verschaffen würden. Der Gemeinde Rodheim kamt man den Rat geben, das alte Backhaus schon um der Inschrift willen (s. oben) und das alte Rathaus (Oberstock) freizulegen. Wenn ich auch befürchte, daß in absehbarer Zeit keines der genannten Gebäude in ursprünglicher Schönheit wieder hergestellt wird, so ist doch durch den vorstehenden Aufsatz hie und da einiges Interesse geweckt worden, für die. Bauperiode vergangener Zeit, für ihre Bauart und vielleicht auch etwas Freude an dem noch erhaltenen alten Rodheimer Haus. Doch die letztere Erwartung wird wohl Erwartung bleiben ll Vsr'mrschte». kk. u e b e r O r ch i d e e N a l s Z i m m e r p f l a N z e N finbeit wir in den letzten Heilen des Kosmos, Handweisers für Naturfreunde, einen Aufsatz aus der Feder von Max Heßdörffer, der mit prächtigen Abbildungen geschmückt ist und dem wir folgendes entnehmen: Tie Orchideen eignen sich als Liebhaberblumen nicht nur iür die oberen Zehntauseiid, die eigene Treibhäuser für deren Zucht haben, sondern auch als gute Zimmerpflanzen für den einfachen Haushalt; sie sind aber empfindlich gegen die trockene, staubige Zimmerluft, gegen Zug und starke Tempernturschwankungen. Deshalb muß mau sie in besonderen Treibhäuschen pflegen, deren richtige Stellung zur Sonne stets von Wichtigkeit bleibt. Besonders hohe Tem- peratnr verlangen nur wenige Arten und diese kommen für Zinuner- gärtnerei nicht in Frage. Es dreht sich alles um die Erhallung einer gleichmäßigen Temperatur von 12 bis 150 C int Jahresdurchschnitt bei feuchter Lust, erzielt durch seucht zu haltenden Sand auf dem Boden des Treibhäuschens und durch Ucbersprühen der Pflanze mit dem Zerstäuber, wodurch auch das Ungeziefer ferngehalten wird. Die Stelle des Zintmerlreibhanses kann auch ein verbreitertes Doppelfenster vertreten, das man bei strenger Kälte tut Notfälle durch einen tvinzigeu Petrolenmheizapparat erivärmen kann. Auf diesen setzt man ein flaches, mit Wasser gefülltes Gefäß. Durch die während der Heizung einsetzende Wasserverdnnstung wird die nötige Luftfeuchtigkeit erzeugt. Aller Anfang ist schwer, deshalb beginnt der angehende Lrchideenzüchter nicht mit seltenen und kostbaren Wirten, sondern mit den anspruchslosen Handcls- pflanzen, unter denen die Venttsschuhorchideen, verschiedette Odonto- giossnm, Lycaste, Oncidium und Dendröbintn an erster stelle zu nennen wären. Das Pflanzenmaterial, das man in Gefäße ans Rinde und Holzkästen, mitunter aber auch die Farn- und sonstigcn Stammstücke gibt, besteht in der Siegel aus Wnrzeliasern eines Tüpfelfarnes (Polypodium), gemischt mit halbverrotteteni Buchenlaub und zerschnittenem weißen Sumpfmoos (Sphagnum). Es ist bei allen Orchideen selbstverständlich zwischen Wachstums- und Ruheveriode zu unterscheiden. Tie Ruhezeit muß durch entsprechendes Trockenerhalten des Pflanzenmaterials beobachtet werden. Die Entivicllung der Blütenknospen zeigt in der Siegels das Ende der Ruheperiode an. Auf die Blüte folgt der junge Trieb, d. h. die eigentliche Wachstumsperiode, und nachdem dieser entwickelt und abgeschlossen ist, tritt wieder die Ruhezeit ein. UonigZproRsnads. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß mau — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht. Auslösung in nächster Nummer. erst magst die du zwei aus not ge- wännst dll spir [erb gen kranz rasch welkt in der dir zeigen wer schwer! ein ver- kannst was - Und ne du das pelt dop du ivenn dir bist lau fest dop gürte das glück lose (rüden nisch hebe ftirne pelt die den dir kehtt die kühn Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Sei hochbeieligt oder leide: Das Herz bedarf ein zweites Herz; Geteilte Freud' ist doppelt Freude, Geteilter Schmerz ist halber Cclnuerz! Pebaftion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen