Doniurstas, den 18. September D W, W ■ Vom Pikkolo zum Millionär. Heitere Erzählung von Harry Nitsch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Frohwinkel, den 28. Mai 1885. Mein lieber Sohn. Deine beiden lieben Briefe wollte ich Dir schon lange beantworten, aber meine Augen wollen nicht mehr so mit und auch die Hände. Seitdem Du bon Frohwinkel fort bist, bin ich recht schwach geworden und habe sogar drei Tage im Bett liegen müssen, weil ich so Herz- krämpfe hatte. Aber jetzt geht es wieder besser und brauchst Du Dich nicht zu ängstigen. Es freute mich recht, daß Du, so viel schönes gesehen hast. Bleibe nur immer brav und ehil ch, dann wirst Du Deinen Weg schon finden. Herr Pastor Töpfer war gestern bei mir, und ich habe ihm Deine Briefe lesen lassen, lieber den letzten hat er sich herzlich gefreut und soll ich Dich grüßen. Wer Hedwig Gassen ist fragte er und ob sie jung oder alt sei. Ich wußte es nicht und da sagte er, Du solltest Dich hüten, Hedwig gefiele ihm nicht. Du solltest fleißig arbeiten und lernen und Dich an Deine gutgesinnten Kollegen halten. Nicht au die Mädchen, denn vom Weibe komme vieles Schlechte, wobei er mich aber nicht meinte, setzte er hinzu. Ich glaube Herr Pastor hat recht, findest Du einen Kollegen, der Dir französische Stunden vielleicht gibt. Aber Du wirst es schon recht machen, denn Du warst ja immer mein guter Sohn und vielleicht ist Hedwig Gassen schön alt und kann Dir Deine ferne Mutter ersetzen, die Dich recht herzlich grüßt. Nimm Dich nur vor Erkältungen in acht, und gehe nicht in den Zug, wenn Du geschwitzt hast. Ich habe noch zwei Hemden von Dir gefunden, welche ich Dir aber nicht schicken will, weil das Porto zu teuer ist sagt der Herr Pastor und auch der Zoll noch dazu käme. Laß bald von Dir hören. Es grüßt und küßt Dich vielmals Deine Dich liebende Mutter. Lausanne, den 2. Juni 1885. Mein gutes, liebes Muttchen. Mit Deinem letzten lieben Brief hast Du mich recht erschreckt. Ich hoffe aber, das es Dir nun schon wieder besser geht und Du gans gesund bist. Hattest Du auch Jemand, der Dich gepflegt hat? Ich habe mich recht gesorgt und mir Vorwürfe gemacht, das ich nicht in Frohwinkel geblieben bin und mir dort ein Stelle gesucht habe, um bei Dir zu sein. Jetzt macht mir daß hier gar keine Freude mehr, wenn ich Dich nicht mehr gesund weis. Mit den Hotels hier daß ist aber doch ein gans gewaltiger Unterschied gegen Frohwinkel. Die feinen Leute hier, ich sage Dir, daß kann ich Dir gar nicht beschreiben. Die Damen alle in Seide und daß knistert und rauscht immer nur so, wenn Die an einem vorüber gehen. Die Zimmermädchen sagen, das die feinen Damen auch die Unterröcke und iogar die Wäsche aus Seide haben. Was sagst Du dazu? Ind Trinkgelder geben Sie, so nobel. Ich merke ja allerdings nicht viel davon, weil ich in der vierten Etage bin, wo fast nur Turisten und deutsche Beamte und dergleichen wohnen, die nichts bezahlen wollen und immer über die Trinkgelder schimpfen und am liebsten umsonst wohnen möchten. Ob die Leute gar nichts davon wissen, das wir Kellner alle keinen Gehalt bekommen und von den Trinkgeldern leben müssen? Ich kann mir jetzt fast gar nichts mehr sparen, denn ich bekomme nicht viele Trinkgelder und die brauche ich für die Wäsche, welche so furchtbar teuer ist. Ich muß fast jeden Tag ein frisches Oherhemd anzieheu, sonst schimpft der Direktor. Liebes Muttchen. Du schreibst auch, ich soll nicht mit Hedwig Gassen, sondern mit meinen Kollegen verkehren. Ich habe es versucht, aber ich komme mit meinen Kollegen nicht zu Rande. Biele denken fast nur ans Trinken und Spielen und wenn Sie spät abends nach beendeter Arbeit in Ihren verräucherten Kneipen sitzen, dann führen Sie immer so häßliche Gespräche, von den Weibern und so schlechte Witze, das ich nicht mehr mitgegangen bin. Und dann haben Sie immer bis um zwei, drei ja sogar vier Uhr gesessen, währenh Wir doch nach der Hausordnung um zwölf Uhr im Hotel fein sollen. Dann sind Sie im Hinterhaus durchs Fenster geklettert, was einer vorher immer aufgemacht hat. Und da sind manchmal auch eilt paar Mädchen, meistens Herdmädchen aus der Küche, dabei gewesen aber Hedwig Gassen nie. Und daß hat mir gar nicht gefallen und ich halte mich deshalb für mich, weshalb Sie mich den Sonderling schimpfen. Hedwig Gassen ist noch jung, aber Sie ist so gut mit mir wie eine Schwester und unterhalten wir uns immer nur so miteinander. Sie läßt Dich auch schön grüßen. Nicht war, gutes Muttchen, Du schonst Dich recht, damit Du wieder gesund wirst und es auch bleibst? Denn Du sollst mir später doch mal mein Hotel leiten, wenn ich viel Geld verdient habe, denn ich heirate nie und will immer mit Dir zusammen bleiben. Adieu, liebes Muttchen, es küßt Dich tausend Mal Dein treuer Sohn Erich Sanner. Vier Monate war Erich Sanner bereits int „Orientale" in Lausanne. Er hatte sich an die großen Verhältnisse gewöhnt und angefangen, seine kleinstädtische Schüchternheit abzulegen, die ihn bei jedem Wort erröten machte, das distinguierte Fremde an ihn richteten. Hedwig Gassen hatte dabei keinen geringen Anteil. Sie war ein merkwürdiges Geschöpf. Aus guten, geordneten Verhältnissen stammend, hatte sie die Bildung und Manieren eines Mädchens aus gut bürgerlicher Familie. Sie hatte Stunden heftigster, bitterster Reue, in denen sie über ihr verfehltes Leben weinte und jammerte, kurze Zeit darauf konnte sie wieder ausgelassen lustig herumtollen und mit irgend einLm hübschen Jungen kokettieren. Ihr heißblütiges Temperament machte das hübsche, kluge Geschöpf zum Spiel- ball wechselnder Launen. Der erste Schritt vom Wege war für Hedwig Der Anfang zum letzten, sie war nickt die Natur, welche sich leicht auf den geraden Weg zurückfindet. 682 Jetzt hatte Hedwig eine leidenschaftliche Zuneigung zu Erich ergriffen, das Reine, Unberührte an Erich lockte und fesselte das sinnliche Geschöpf und brachte ihr Blut in Aufruhr. Ihr kluger Sinn sagte ihr, daß sie ihn vielleicht für immer verlieren könnte, wenn sie ihn behandelte wie die anderen Männer vor ihm, denn sie wußte wohl, daß Erich in ihr nicht das Weib suchte und sah wie jene. Ihn abstoßen und erschrecken, hieß ihn verlieren. Deshalb zwang sie sich dazu, eine Andere, Bessere zu werdeu. Während sie Erich in heißem Begehren gern an ihr stürmisch klopfendes Herz gezogen hätte, scherzte und lachte sie harmlos mit ihm und teilte ihm spielend ihre Kenntnisse der französischen Sprache mit. Da Erich und Hedwig auf derselben Etage waren, hatten sie Gelegenheit genug, sich in dem kleinen, für das Personal bestimmten Office zu sehen. Diese Gelegenheit wurde namentlich von Hedwig durch allerlei Heute Liste« vermehrt. Auch Erich fühlte sich trotz der Warnung der Mutter, die ihn wohl einige Tage ängstigte, zu dem liebenswür- digeu Mädcheu hiugezogen. Hedwig erschien ihm wie ein Stück Heimat, an welcher er mit allen Fasern seines Herzens hing. Schon deshalb suchte er jede Gelegenheit, mit dem lustigen Mädchen zusammen zu sein, um mit ihr von Frohwinkel zu sprechen, welches Hedwig von einem flüchtigen Besuch her kannte. Dann war Erich der Verkehr mit Hedwig noch in anderer Beziehung nützlich. Weil sie ihn lieb hatte, suchte sie ihn ntännlicher, steifnackiger zu machen. In fernem. Beruf war Schüchternheit schlecht angebracht, Hedwig bekämpfte daher diesen Charakterzug Erichs mit einem sehr wirksamen Mittel: sie lachte ihn aus und verspottete ihn, wenn er sich wieder einmal von seiner schwachen Seite gezeigt hatte. Dann suchte sie ihn auch noch in andrer Beziehung umzumodeln. Erich war nicht etwa dumm, er hatte sogar einen scharfen Verstand, schnelle Auffassungsgabe und vor allem den Trieb zum Lernen. Seine Schnlkenntuisse waren aber leider sehr mangelhaft. Während feiner Lehrzeit hatte er wenig oder keine Gelegenheit, diesem Mangel abzuhelfen, und so war er in allen Dingen, die ein besseres Wissen und eine bessere Vorbildung vvraussetzen, von einer rührenden Unerfahrenheit. Hedwig gab ihm gute Bücher, die sie gelegentlich von Hotelgästen geschenkt erhalten und mit Verständnis gelesen hatte. Doch damit nicht genug. Sie weckte seiu Verständnis für das Gelesene auch dadurch, daß sie mit ihm den Inhalt der Bücher besprach, das ihm Unverständliche, so ioeit sie es selbst vermochte, erklärte und mit bei ihr sonst fremder Geduld und Unermüdlichkeit seinen Fragen Rede und Antwort stand. So wär sie- zunächst noch Erichs guter Genins. Die andereu männlichen Angestellten des Hotels betrachteten dieses merkwürdige Verhältnis natürlich mit schelen Augen. Die schöne Hedwig war in ihren Kreisen als heißblütiges, liebebedürftiges Weib bekannt, sie glaubten daher nicht an den freundschaftlichen, rein kameradschaftlichen Verkehr der beiden. Unter Erichs Kollegen war auch ein junger Italiener, ein leidenschaftlicher, rachsüchtiger Mensch. Gio- vanm Gerasimi, so hieß der vierundzwanzigjährige, dunkeläugige Jtaliano, war zugleich Erichs direkter Vorgesetzter, denn er war der Erste auf dessen Etage. In der internationalen Sprache der Hotels wird dieser Posten mit Ches d'ötage bezeichnet. Gerasimi hatte ans verschiedene Annäherungsversuche von Hedwig stets ziemlich brüske Ablehnung erfahren, er war deshalb auf Erich, dem er die Schuld beimaß, sehr schlecht zu sprechen. Wen« er diesem etwas in den Weg legen konnte, so tat er es. Allerdings machte Erich ihm dies ziemlich schwer, denn der junge Zimmerkellner besorgte sein Service tadellos und kam willig und stets freundlich jeder Anweisung seines Chef d'otage nach. Um so eifriger war Gerasimi dem Verhaßten auf der Fährte, um ihn womöglich bet einer Ungehörigkeit zu ertappen. — — Es war an einem Freitag nachmittag zwischen drei und vier Uhr, einer Stunde, zu welcher trotz der augenblicklich im Hotel herrschenden Hochsaison wenig zu tun war, deshalb batte Erich sich in das winzig kleine Office zurückgezogen, m welchem den ganzen Tag Licht brannte, weil der Raum nur ein einflügeliges Fenster nach einem dunklen Gang hatte. Der junge Mann las eifrig in einem französischen Roman, den er von Hedwig erhielt. Neben ihm lag ein Wörterbuch, yiß und wieder suchte Erich mit feiner Hilfe sich über ein nicht verstandenes Wort Aufklärung zu verschaffen. Das Fenster wH geöffnet, denn der heiße Sommertag hatte, unterstützt von der brennenden Gasflamme, in dem kleinen Kämmerchen eine Temperatur erzeugt, die an eine russische Dampfbadzelle erinnerte! Erich war so in sein Buch vertieft, daß er das Oeffuen der Türe ganz überhörte. Er faß an dem kleinen Tisch, der zum Abstellen des Frühstücksgeschirres der Hotelgäste etc. diente und drehte dem Eingang den Rücken zu. Erschreckt fuhr Erich daher auf, als ihm plötzlich zwei weiche Hände die Augen zuhielten, während eine verstellte Stimme fragte: „Wer bin ich?" „Fräulein Hedwig natürlich," rief Erich amüsiert, und suchte sich von den weichen Fesseln zu befreien. Trotzdem Hedwig doch schwerere Arbeiten zu verrichten hatte, waren ihre Hände doch weich und gut gepflegt, die Nägel stets sauber, rund geschnitten und glatt poliert. Auch in ihrer Kleidung stach Hedwig von den meisten ihrer Kolleginnen vorteilhaft ab. Sie trug nur helle Waschkleider, eine weiße Schürze mit koketten Volants und breiten Bändern, während das glänzende, seidenweiche Blondhaar von einem zierlichen Spitzenhäubchen gekrönt war. Beim Treppensteigen hob Hedwig stets kokett den Kleiderrock, und zeigte dabei ab-, sichtlich oder unabsichtlich weiße, nette Unterkleider, zierliche schwarze Halbschuhe, gut geformte Knöchel und zuweilen auch eine runde, schön gezeichnete Wade. Lachend, mit immer noch verstellter Stimme, entgegnete Hedwig auf Erichs Ausruf, iudem sie seine Befreiungs- Versuche abwehrte: „Falsch geraten, mein Herr. Hedwig Gassen würde es im Traum nicht einfallen, einem jungen Menschen tote Erich Sanner die Augen znztthalteu. Da sucht sich Hedwig Gassen andere Kerle aus, uicht solchen schüchternen, gleichgiltigen Dachs." „Und es ist doch Hedwig Gassen," rief Erich triumphierend. „Ich kenne die Stimme viel zu genau." „Unsiun! Ich bin ein Mann mit einem riesigen Schnurrbart. Wollen Sie sich vielleicht selbst davon überzeugen, junger Herr?" „Gewiß, Fräulein Hedwig, denn Sie sind es, ich weiß es ganz sicher." , „Gewiß? Sie sind Ihrer Sache so sicher, mein Herr? Nun warten Sie mal---" Blitzschnell hatte Hedwig sich zu Erich geneigt und ihre roten, frischen Lippen auf seinen warmen Mund gepreßt. Mit einem tiefen Atemzug rief sie dann, die Hände von Erichs Gesicht wegziehend: „Nun, mein Herr, haben Sie den Schnurrbart gefühlt?" Erich war wie mit Blut übergossen. Lautlos blieb er auf feinem Stuhl sitzen und starrte wie geistesabwesend ins' Leere. In seinen Augen stieg ein schimmernder Glanz auf und die Nasenflügel bebten. „Hedwig!" wie ein Schrei rang sich der Name von den Lippen des Jünglings los, in dessen Brust ungeahnte, nie gekannte Gefühle mit einander stritten. Der Mann in ihm war geweckt, geweckt von den heißen Lippen des jungen Weibes. Hedwig zog sich einen Stuhl neben Erichs Sitz und ließ sich darauf nieder. Ihre Brust hob und senkte sich stürmisch, sie suchte es aber zu verbergen und brach in helles Lachem aus: „Eine gelungene Ueberraschung, nicht wahr? Nun habe ich doch keinen Schnurrbart gehabt. Das tut Ihnen wohl leid, Erich? Sie machen wenigstens ein Gesicht, als ob Ihnen Küsse von beschuurrbarteten Lippen lieber wären. Haben Sie überhaupt schon mal ein Mädchen geküßt? Ich meine andere Mädchen als Ihre Schwestern ---ach so. Sie haben ja keine, na, dann, waren Sie noch nie verliebt?" „Ich glaube nicht," kam es leise von Erichs Lippen. „Natürlich, Sie Goldsohn, wie konnte ich bloß fragen. Wenn Ihnen mein Kuß unangenehm ist, können Sie ihn mir wiedergeben. Wie?" Ihre Augen blitzten ihn so heiß an, von ihrem warmen jungen Körper ging ein solches Liebessehnen aus, daß Erichs Pulse fieberhaft schlugen. Sein Hals war rauh, seine Zunge und Lippen so trocken, als wäre ein glühender Wind vorübergestürmt und habe Erichs Innerstes ausgetrocknet. Er wollte reden, brachte aber keinen Ton hervor, die Zunge klebte ihm! am Gaumen. „Nun, wollen Sie den Kuß wieder haben, Erich?" fragte Hedwig nochmals, aber diesmal nicht lachend und spöttisch, sondern weich und lockend. Ihre Stimme hatte einen Klang angenommen, der an das Liebesklagen der Nachtigall erinnerte. Erich preßte die Hände auf die Augen. Plötzlich sprang er heftig auf, riß Hedwig mit sich empor, umschlang sie mit 583 seinen Armen und bedeckte ihren Mund und ihre Augen mit Küssen. Hedwig lag wortlos an seinem Hals und hielt Erich immer wieder die durstigen Lippen hin. „Du Lieber, Du Guter, ich habe Dich so lieb", stammelte sie zwrschen seinen Küssen. Dann ließ sich Hedwig langsam ans den Stuhl nieder. Da stürzte Erich vor dem Mädchen auf den harten Boden auf die Knie und barg seinen Kopf in ihrem Schoß. Ein heftiges, konvulsivisches Beben erschütterte seinen Körper. Weich und kosend strich Hedwig ihm über das volle braune Haar, beugte sich hin und wieder zu ihm herab und druckte einen Kuß auf das Haar. Indessen nahten draußen auf dem Gang, auf den das geöffnete Fenster mündete, leise, schleichende Schritte, ein dunkler Kopf erschien sekundenlang am Fenster, verschwand dann aber blitzschnell. Die schleichenden Schritte verhallten Jedoch nicht wieder, der Lauschende schien am Fenster Rast gemacht zu haben. Hedwig bemerkte von dem allen nichts, weil sie sich nur mit Erich beschäftigte. Da ertönte vom Treppenslur her zweimal der schrille Klang der elektrischen Glocke, das Sigiial, daß Hedwig von entern der Gäste gewünscht wurde. _ . Das Mädchen und Erich sprangen beide auf, Hedwig strich sich schnell die Hgare glatt, welche die ungeschickten Hande Erichs stark in Unordnung gebracht hatten, und wollte davoneilen. Doch impulsiv umschlang sie den Jüiigling noch einmal mit ihren runden Armen, preßte ihre heiße Wange an die seine und flüsterte ihm hastig, in leidenschaftlicher Erregung zu: „O du liebster, liebster Mann. Ich möchte dich küssen und immer wieder küssen. Küsse auch du mich. Wieder. Und immer wieder. Ohne Ende. Komme heute abend, wenn alles ruhig ist, dann wollen !vir uns lieb haben und küssen. Ach komine. Liebster. Ja, koinme, du — — du--" Die Glocke ertönte zum zweitenmal, diesmal lange und ungeduldig. Hedwig machte sich los und eilte davon, denn draußen auf dem Korridor hörte man laute, uäher kommende Schritte. (Fortsetzung folgt.) wie sind Baudenkmäler zu betrachten? Non Professor Dr.-ing. Paul Klopfer (Weimar). Die Ruine der Klosterkirche Paulinzella, nordwestlich vvn Schwarzburg in Thüringen, wird jährlich von Tausenden biefuchp Fragt man den oder jenen, der dort war, was er gesehen hat, dann wird er sicher begeistert antworten, daß sie großartig sei, oder malerisch: und wenn er seinen Bädcker durchgelesen hat, wird er zufügen, daß sie „romanisch" sei, daß mehrere der Säulen aus einem einzigen Stücke wären und daß die Fran Truchseß Paulina, die Tochter des Ritters Moricho, das Kloster um 1111 (diese Zahl ist leicht zu merken) gegründet hätte. Von der in der letzten Hälfte des vergangenen Jahrhun- bert# erbauten Dorfkirche in Tausenburg unweit Dornburg berichtet der Reiseführer durch Thüringen, sie wäre „gotisch". Sie hat nämlich einen spitzen Turm mit einer Kreuzblume, Strebepfeiler und Spitzbogenfenster. Der Reisende, der nicht Architekt oder sonst bildender Künstler ist, der also in die Geschichte der Baukunst tieferen Einblick nicht gewonnen hat, wird auf seinen Wegen, sobald sie ihn durch alte Städte, in Kirchen Und Schlösser führen, oft genug vor den alten und ebenso sehens- wie merkenswerten Denkmälern über die Art und Weise in Verlegenheit geraten, wie er die Eindrücke in seinem Hirn festlegen könnte. Er sieht wohl die Herrlichkeiten in den Formen, die Feinheit der Abmessungen in den Teilen, er empfindet wohl gar die Sprache des Raumes', aber er weiß das alles nicht in ein seinem Innern verständliches Idiom umzusetzen. Er wird eine Lücke in sich selbst gewahr, die ihm zwar bisher im Geschäft,. im Leben und Borwärtskommen überhaupt nicht ausgefallen ist, bie er aber, wenn er tiefer und weiter denkt, nur zu gern und möglichst gründlich ausfüllen möchte. Nun kauft er sich wohl ein dickes Buch über die Geschichte der Baukunst. Sicher wird er schöne Stünden damit verbringen, die Probe aufs Exempel aber wird ihn belehren, daß das Studium aus dem Buche heraus mit dem vom Steine her in den lKoPf zwei verschiedene Dinge sind. Fehlt ihm nur das geistige Maud. Nun ist keineswegs zu tierneitten, daß die Kenntnis der Bauwerke eine äußerst schwierige Wissenschaft ist — ausgebreitet Und aufgebaut auf den Tiefen der Menschengeschichte und hinein- Gewölbt bis in luftigste Höhen rein Persönlichen Formenempfin- dsns — aber ihr Weg ist klar und logisch. Und wenn aus unseren S^^^eWÄ^chMe einmal mehr die Beziehungen von Kultnr und Geschichtsgaug brächte an Stelle der vielen Schlachtenzahlen und tfelMterrennamcn, bann wäre dem Verständnis für die gewaltigste Kultursprache, für die Architektur, der Boden schon etwas geebnet. Denn wie die Schlachten ihre Ursachen und Ver- anlapungen haben, die unter Umständen sehr tief hineinsübren koniien in die Kulturgeschichte eines Volkes, so liegen auch für die Baukunst die Wurzeln in Kultur und Weltgeschichte, und diese kenneii, heißt schon die größte Voraussetzung für das Verstehen der Bauwerke erfüllt haben. Was Hilsts nun aber, wenn wir wissen, daß Paulina die Ge- mahliu des Truchsesses Heinrich IV. das Kloster Paulinzella in den tiefsten Einsamkeiten der Thüringer Berge gegründet hat? Vor den großen Säulen finden wir von dem Berichte des Geschichtsschreibers zu den Steinen der Klosterkirche immer noch keine Beziehung. Fehlt das geistige Band. Es ist auch in Fachkreisen gar nicht so lange her, daß der Suche nach dem geistigen Band Tinte und Papier in Mengen geopfert wurde. Die Architekten unserer Tage entstammen ja wohl alle den Jahren, in denen „die akademischen Regeln in konstruktiver und dekorativer Hinsicht alles waren, die Wirkung nichts". (P. Behrens.) Die Sehnsucht nach dem Ganzen in der Baukunst ist noch jungen Datums. Zwar war das vergangene Jahrhundert vor allen anderen reich an wissenschaftlichen Äuf- nahmen der alten Bauwerke, aber arm an Verständnis für das Gewonnene, das durch „Reilovierung" und „Rekonstruktion" Und „Restauration" zu einem artigen und langweiligen Neubau ergänzt wurde; zwar konnten die kunstgeschichtlich Gebildeten an einem Steinmetzzeichen, an einer Blattbiegimg Meister und Schule und Jahreszahl sagen — aber der Begriff des ‘ Ganzen, des Raumes, das Empfinden für seine Wirkung, und die Wißbegier oder wenn auch nur Neugier, den Gesetzen für diesen Raum nachzufpüren, war bei biefeit Gelehrten nicht zu finden. Und doch ist gerade die Kenntnis dieses Teiles unserer Baukunst am ersten imstande, im Latien den Sinn für das Bauen zn wecken und ihm einen bleibenden Gewinn aus dem Gesehenen zu sichern. Unseren Reisehandbüchern ist zumeist eine kunsthistorische Einleitung beigegeben, in der der Verlauf der Architekturperioden in den wichtigsten Erscheinungsformen därgestellt wird. Abgesehen von einer Unmenge fachlicher Ausdrücke, die der Laienwelt natürlich fremd find, fehlt diesen kunsthistorischen Exkursen Kürze und Uebersichtlichkeit — sie verlieren sich leicht in Feinheiten, die die Aufnahmefähigkeit des Lesers erlahmen — und außerdem fehlen ihnen ein paar klare Skizzen. Bleiben wir, nm ein Beispiel zu nennen, bei der Klosterkirche Paulinzella: die Grundrißskizze einer romanischen Basilika, etwa 'noch ein Querschnitt, der das Verhältnis der Seitenschiffe zum Hauptschiff zeigte, darunter eine kurze Erklärung der raumtech- nifdjen Ausdrücke, genügte. Im Texte selbst könnte ohne weiteres auf den Prototyp verwiesen und in wenig Worten könnten die davon abweichenden Eigenheiten des genannten Baues hervorgehoben werden (fünf Absiden, runden Chorabschluß, Säulen statt Pfeiler). Besonders wichtig aber für das Raumverständnis wären nun noch Angaben über die Verhältnisse der Breiten nnd Höhen int Bau. Mir itottrben daraus erfahren, daß jtoir es', chic hei allen ernsten Werken der Baukunst, auch hier mit ureinfachen Räümgesetzett zu tun hätten, die hier auf dem Prinzip der Quadratur beruhen, und int Grundriß wie im Aufriß in ganz klaren Zahlenwerten geradezu „auszurechnen" sind. Die Breite der Kirche ist gleich der Höhe und gleich der halben Länge — die Säulenabstände untereinander gleich der halbe» Weite des Mittelschiffs' üsw. Das Prinzip der romanischen Baukunst, dieser einfachen Rechnerin int Stein, wird uns ohne weiteres dem Bau gegenüber selbständig und verständnisvoll machen. Wir lernen das Werk nun gleichsam auswendig, erringen es zu bleibendem Besitz. Und das ist wohl auch der Zweck unserer Reise gewesen, als wir Paulinzella auffudjten! Freilich, die Automobilhast ist in unseren Tagen dem Sich- hineindenken in so langsamlebige Zeiten abhold. Die fromme Tochter des tapferen Ritters Moricho würde sich wohl oft genug in ihrem Grabe umzudrehen haben, weit» sie wüßte, mit welcher Hast ihr Werk angesehen und abgeurteilt wird! Je nun, es gibt doch soviel noch zu machen heute, sag'en die Autofahrer — dann gchts nach Blankenburg, wo in Löschers Hall („hall" muß eS heißen, nicht Gasthaus) „diniert" wird, bann weiter die Saale abwärts, um schnell noch Klosterlaußnitz, Thalbürgel und die anderen romanischen Kirchen abzumachen, und in Jena bet einer kälten Ente länger zu verweilen als in den Ruinen sämtlicher Klosterkirchen Thüringens zusammen. Für diese Reisenden ist der Bädeker noch viel zu wissenschaft- lich. Für die attderen aber mürbe wie gesagt, eine Redaktion der Führer durch Skizzen Nnd Türte Angaben über die wichtigsten Ranmmcrkmale recht von Nutzen fein. (Aus der Dürer-Bundes-Korrespondenz.) 584 Erganzungsrätsel. herrsche: „Da ist Herbst! V. dB. H. et 2. M. aB Redaktion: L, A -> urath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen, r.ttbat, . S..e.z, i d. n, . -e.z! Jetzt erhält der Spieler keinen Stich mehr und bleibt somit im Schneider. Hätte er das aA nicht eingestochen, so würde ihn Vorhand doch immer ivieder mit der langen a-Farbe traktiert haben. Außerdem mußte er ans Spiel zu kommen juchen, um die übrigen Wenzel herauszuziehen. Da diese aber in einer Hand standen, mußte das Spiel bei gegenivärtiger Kartenverteilung verloren werden. vermochte». * Esperanto-Geld. Der schöne reformatorische Eifer, mit dem die Anhänger des Esperanto für eine allen Völkern der Welt gemeinsame Sprache kämpfen, schickt sich an, nun auch auf das Münzwesen überzugreifen. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Esperanto-Kongreß in Bern sind bereits die ersten Geldstücke eines einheitlichen internationalen Münzwesens geprägt worden. Auf der Vorderseite dieser Münzen sieht man das Kopfbild des Dr. Zamenhof, des Erfinders des Esperanto, auf der Rückseite ein Esperantowappen mit der Umschrift: „Jubiläo de Esperanto 1887—1912" und die Wertbezeichnung der Münze: „1 Sm." „Sm" ist die Abkürzung für das Wort spesmil, der Grundlage der angestrebten internationalen Münzeinheit. 10 spesmils enthalten genau 8 Gramm Gold, 1 spesmil entspricht in seinem Werte ungefähr 2 Mk. oder 2,50 Franks. Durch diese Münzeinheit hoffen V.e.e. t.i.e d.i.e . l.. n M. n.. r. e t. u W..i. E.l.n d.i.e herbstlicher. In Winter, Lenz und Sommer teilten unsere Vorfahren das Jahr noch zu Zeiten des Tacitus ein. Unbekannt iuarett damals dem Germanen „Namen und Güter des Herbstes". Noch trieb der Deutsche keinen Weinbau, an Obst erntete er nur das was ihm !vild zuwuchs. Fremd war ihm also das Angenehmste, Schönste und Charakteristischste an der dritten Jahreszeit: die resche Obst- und Weinernte. Kein Wunder daß diese Zeit gleichsam eindruckslos an ihm vorüberstrnch, daß sie ihm gar nicht als selbständiger, wichtiger Jahrcsabschnttt erschien, daß er sie mit untergehen ließ sn der langen, unfreundlichen Winterperiode, in der die Menschen von der Natur nichts Gutes mehr zu erwarten hatten! Das änderte sich dann Verhült- Uismäßig balv. Man lernte die nachsommerliche Zeit als fröhliche Zeit der Wein- und Obsternte kennen und auch als solche benennen. Im Althochdeutschen bereits finden wir darum das Wort „herbist“, das zunächst wohl nur jene Erntezeit bezeichnete, später der ganzen dritten Jahreszeit den Namen gab. Der Ursprutig des Wortes soll eine im Germanischen verloren gegangene Wurzel harb gewesen sein, die dem indogermanischen karp — Frucht entspricht. Demnach wäre unser „Herbst" stammverwandt mit dem griechischen karpos = Frucht und dem lateinischen carpere = Pflücken und bedeutete soviel als „die Zeit, in der man die Früchte pflückt". Auf anderem Wege gelangten andere zioar zu der Vermutung, daß der „Herbst" vielleicht eher den Begriff des „Schnittmonats" decke und damit die Zeit der Getreideernte bezeichne. Die erste Deutung klingt aber wahrscheinlicher, tvenn man bedenkt, daß selbst heute noch in Oberdeutschland unter dem Worte „Herbst" fast, nur die Obst- und Weinernte, namentlich die letztere, verstanden wird. Der Norddeutsche ist es nicht gewohnt, den Ausdruck in diesem Sinne angewandt zu sehen, und ihn berührt es darum ganz eigenartig, wenn er in Süddeutschland hört, daß man z. B. die zur Weinlese erforderlichen Gerätschaften das „Herbstgeschirr" nennt, daß der Aufseher bei der Lese der „Herbstherr" heißt usw. Außer für Wein und Obst wird das Wort „Herbst" auch für die Ernte, den Jähresertrag im allgemeinen gebraucht. Wohl in diesem Sinne heißt es in Schillers „Teilung der Erde": „Was tun?" spricht Zeus, „die Welt ist weggegeben, Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein." Hier in diesem Fall würde den großen Schwaben keiner seiner LandÄeute mißverstehen. Wenn aber der Dichter ein andermal ein Bild gebraucht wie „Die Blätter fallen Von den Bäumen und mein Herbst ist kommen", so könnte ein schwäbischer Bauersmann, der die Stelle mundartlich auffaßt, der Meinung sein, daß für den Betreffenden nicht etwa eine Zeit der Wehmut, sondern dje Zeit des Erntens und Einheimsens gekonimen sei! Für das, was in schristdeutscher Sprache als „Herbst" bezeichnet wird, hat der Schwabe zwei ganz besondere Ausdrücke: „Spätling" und „Spätjahr". ( i Als Spätling, als „Spätsommer" sahen auch hie ältesten Griechen den Herbst an. Allerdings entsprach diese Jahreszeit nicht ganz unserem Herbst, denn sie begann so früh, daß sie noch die heißesten Sommertage in sich einschloß. Erst ungefähr seit dem 5. Jahrhundert P. Ehr. schufen sich die Griechen einen eigentlichen Herbst, dessen Name verdeutscht etwa lauten .würde: „Deii Spätsommer vernichtend." Bei einer Anzahl von Völkern erhielt die dritte Jahreszeit auch den Namen „Vorwinter", so bei den Iren und den Tschechen. Eine sozusagen malerische Auffassung des Herbstes spricht aus seiner litauischen Benennung, die soviel tote „braunrot" besagt, also eine Anspielung auf die Laubverfärbung ist. Wie dagegen die Römer zu ihrem Herbstnamen gekommen sind, ist schwieriger zu sagen. Man meint, daß vielleicht in dem Worte antumnus der Name einer alten Gottheit stecke, und alte Zusammenhänge lassen vermuten, daß dieser Name wiederum! mit den Begriffen „Wachstum" oder „Wohlstand" identisch sein könnte. Darin liegt etwas Ueberzeugendes. Denn als eine Zeit des Wohlstandes gilt ja fast überall der Herbst, weil der Mensch in ihm geerntet hat, was ihm zuwuchs, weil Hann die Scheunen Voll sind. Sagt doch darum mancherorts auch bei uns das Volk, um anzudeuten, daß irgendwo Fülle, Wohlhabenheit, Ueberfluß . n s. r. ä.. t. n . u. d. i Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: (Mit a, b, c, d werden die vier Farben bezeichnet; A — Aß, U — Unter, Bube, Wenzel; D — Dame, Ober.) Vorhand erhielt: bü, dü, aA, aZ, aK, aD, a8, a7, b8, b7, im Skat lagen a9 und cZ, Hinterhand hatte die Uebrigen. Spielgang: 1. V. aA M. bB H. c7 die Anhänger des Esperanto eine Brücke zwischen dem Dezimal- system und beit Abarten der britischen Währung zu schlagen. Der Anreger dieser Münze ist der Privatdozent an der Genfer Uno» versität Rene de Saussure. Die internationale Esperanto-Ge-» meinde hat sich das Ziel gesetzt, mit der Zeit die Einfiihrung dieser Münze als eine Art internationaler Hilfswährung in allen Kulturstaaten durchzusetzen, um damit die Auswechselung fremder Münz- arten zu erleichtern. * DieSteigerung derPelzpreise. Die außerordentliche Verteuerung der Pelze, die durch die schonungslose Ausbeutung des Tierbestandes und die dadurch hervorgerufcue Verkleinerung der Jagdgebiete entstanden ist, wird in einer Zusammenstellung des „Bulletins der belgischen Gesellschaft für koloniale Studien" beleuchtet, Hier ist eine Statistik gegeben, die den Wert der Pelze int Jahre 1880 und 1910 miteinander vergleicht. Danach kostete ein Bärenfell 1880 37,50 Frs., 1910 150 Frs., Biber 5 Frs. und 35 Frs., Hermelin 0,30 Frs. und 5 Frs., Schwarzfuchs 125 Frs. und 12 500 Frs., Silberfuchs 125 Frs. und 1250 Frs., Rotfuchs 3,10 Frs. und 30 Frs., Weißfuchs 3,10 Frs. und 50 Frs. Ein Luchsfell hatte 1880 einen Preis von 3 Frs. und 1910 von 30 Frs.; Marderfelle variierten zwischen 25 Und 100 Frs., Bisamfelle zwischen 25 und 250 Frs., Fischotter zwischen 5 und 250 Frs. Das Fell einer Moschusratte kostete 1880 0,30 Frs. und 1910 5 Frs., das eines Vielfraßes 6,25 und 35 Frs., das eines Schwans 3,10 und 15 Frs. In den drei folgenden Jähren ist die Aufwärtsentwicklung der Preise noch weiter fortgeschritten. Der teuerste Pelz bleibt nach wie vor der be^1 Achwarzfuchses, da dieses Tier jetzt fast völlig ausgerottet ist. * D i e Heilung des „blinden Bettlers". Durch Schuld eines gar zu modernen und gar zu durchsichtigen geschlitzten Damenrockes schmachtet fetzt ein armer Bettler int Arbeitshaus von Kansas City. Am Freitag sah Mr. Mc Cartp einen armen Teufel durch die Straße humpeln; auf der Brust trug der Bettler einen Zettel, der mitleidigen Gemütern verriet, daß der Träger blind und taubstumm sei. Mr. Mc Carty las die daran anschließend auf dem Zettel verkündete Leidensgeschichte und war so gerührt, daß er dem armen blinden Manne ein reichliches Almosen gab. Der Spender wollte gehen, als er zufällig sah, wie eine sehr reizende junge Dame aus den Alten zutrat und ihm ein paar Cent gab. Sie trug einen modernen, sehr gewagten Schtitzrock, und der arme blinde Bettler konnte den Blick nicht von diesem Schlitzrock reinen, ja, als die schöne Mildtätige weitergiug, drehte sich der Blinde sogar noch um und sah ihr nach und murmelte dabei etwas in den Bart. „Verrückt, aber ganz nett," sagte der Taubstumme, keineswegs tadelnd, dann aber wurde er sestgenommen und mußte beichten, daß er angesichts dieses Schlitzrockes die Sprache wieder- gesunden und auch wieder sehend geworden war. kf. Falsch verbünde n. Eine niedliche Telephongeschichte, die, wie der „Ganlois" versichert, den Vorzug hat, durchaus wahr zu sein, hat sich letzthin in Paris zugetragen. Ein Mann, dessen Frau von einer plötzlichen Ohnmacht und von heftigen Schmerzen befallen worden Ivar, telephoniert an den Arzt um Rat. Es entwickelt sich folgendes Gespräch: „Meine Frau beklagt sich über allgemeine Schmerzen und über heftiges Seitenstechen. Was jst da zu machen?" „Mächen Sie ihr sofort warme Umschläge und dann . . .", in diesem Moment wurde das Gespräch unterbrochen und der besorgte Gatte hörte folgenden wohlgemeinten Ratschlag, .der aber offenbar an die Adresse eines Dampfkessel-Besitzers gerichtet war: „Lassen Sie sie während vierundzwanzig Stunden völlig abkühlen; dann schlagen sie mit kräftigen Hainrnerschlägen die Schlacke heraus, nehmen einen Wasserschlauch und spülen sie unter starkem Druck ganz gründlich aus." * Die Ueberraschung der Suffragette. „Nun weiß ich endlich, wo mein Mann immerfort seine Abende verbringt !" — „Ach? Wo beim?" — „Zu Hause, ich ging gestern zufällig nicht aus und dadurch entdeckte ich die ganze Geschichte , I i 1 i j i i ! 1 i t c i 1 f t s l s c r e i c f i i $ s ( s s