J[ X W i SO« ■^'■iu^.-F *d Firnenrsulch. Roman von Paul Grabe im 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In der Halle, wo Anselm und die alte Magd die Herrin snit einem Handkuß begrüßten, stand weiter zurück auch Gottliebe, sich leicht verneigend. Wie Frau v. Malmort ihrer ansichtig wurde, stutzte sie unwillkürlich und nahm die Lorgnette aus Auge. Äh, was war denn das für eine neue Erscheinung — überraschend modern und Weltdame für diese Entourage! Denn die Person da war ja doch wohl Rehes Gouvernante. „Bon jour, Demoiselle!“ Ehe noch Malmort die Vorstellung ausführen konnte, sagte sie es schon, und mit herablassender Freundlichkeit nickte sie im Vorbeigehen dem vermeintlichen Fräulein zu. Ein leises Rot schoß in Gottliebes Wangen, und Malmort zuckte zusammen. „Pardon, mein , gnädiges Fräulein!" Zum erstenmal gebrauchte er die formelle Anrede Gottliebe gegenüber, und zwar mit einem besonderen Nachdruck. „Erlauben Sie, daß ich Sie mit meiner Frau bekannt mache? — Fräulein Rhyn- gaert, ein lieber Gast unseres Hauses, —< «eine Freundin unserer Rehe." „Ah!" Höchlichst überrascht griff Ninon Malmort noch einmal zur Lorgnette. Eine Freundrn der Meinen,^des Kindes da, die doch fast doppelt so alt wie Rehe war? Sonderbar, dies merkwürdige Freundschaftsverhältnis! Mit leis ungläubigem Lächeln musterte sie Gottliebes Züge, mit einer Ungeniertheit, die dieser einen Ausdruck unverhüllten Unmuts in die Stirn trieb und in Wulfrin Malmorts Augen ein Wetterleuchten aufblitzen ließ. Er schämte sich für seine Frau; aber seine Lippen preßten sich fest aufeinander. „Freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen," mit einer nachlässigen, leichten Bewegung streckte Frau v. Malmort nun Gottliebe die Fingerspitzen hin, die diese nur mit äußerstem Zwange flüchtig berührte. „Sie sind Deutsche — nicht?" Ihr Blick streifte dabei Gottliebes einfache Bluse und den Touristenrock. Nur ein stummes Kopfneigen war die Antwort Gottliebes, zu der jetzt Rehe, sich zärtlich anschmiegend, trat, als wolle sie die Taktlosigkeit der Mutter eben gut machen. Frau v. Malmort bemerkte es wohl, und ein mokanter Zug erschien nnt ihren reizenden Mund. „Sie sind wohl schon lange mit Rehe befreundet?" forschte sie. „Wir kennen uns erst seit vier Tagen." „Tiens! Das ist ja schnell gegangen!" Leise lachte die schöne Frau auf; aber aus der glockenhellen ©ttmme klang unverkennbar der Spott. Da traf sie ein Blick Gottliebes, scharf, durchdringeiid und kalt, ein Blick voll einer überlegenen Geringschätzung. Univillkürlich wandte da Frau v. Malmort die Augen fort. So etwas war ihr immer fatal. Im regelrechten Frauen> kampf — in boshaften, eleganten Sticheleien unter liebenswürdigem Lächeln — war sie Meisterin; aber wenn ihr einer entgegentrat, der mit kalter Gelassenheit zufaßte, da war sie entwaffnet. Solch plumpem Drauflosgehen — wie sie es bei sich naumte — war ihre zierliche Geschmeidigkeit nicht gewachsen. Schnell wandte sie sich daher jetzt dem Gatten zu. „Aber gehn wir nun! Ich habe einen guten Appetit bekommen von der langen Fahrt. Hoffentlich hat eure alte Bärbe recht was Gutes in Bereitschaft." Und mit leichten Schritten eilte sie seideknisternd die Treppe zum ersten Stock empor. * Gottliebe saß allein in dem Gastzimmer. Sie hatte sich alsbald nach dem gemeinschaftlichen Abendessen zurückgezogen. Nun saß sie hier in der Dunkelheit am Fenster uud hing ihren Gedanken nach. Trüben, wehmutsvollen Gedanken! Es war ja nun gekommen, wie sie es geahnt hatte gleich heute morgen bei der Ankunft der Depesche._ Die schöne Harmonie zwischen ihnen allen war gestört. An ihrer Stelle eine gezwungene Konversation, ein ängstliches Sichzurückhalten — keiner sagte mehr, was er dachte. Was sollte das? Wozu blieb sie denn noch? Sie zu ihrem Teil brauchte doch wenigstens diese traurige Komödie nicht mitzuspieleu. Wenn sie wenigstens wirklich Rehe oder ihrem Vater mit dem Opfer ihres Bleibens hätte nützen können! Aber wie sollte sie das? Ihr war ja als Gast dieses Hauses der Mund einfach verbunden gegenüber dieser Frau, hinter deren bestrickendem Lächeln so viel Bosheit lauerte. Ärmer Malmort! Was mußte er leiden unter dieser Frau! Gerade er, der vornehme, ernste, gütige Mann! Wie hatten sich diese zwei so grundsätzlich verschiedenen Naturen nur jemals finden können? Uud wenn nun doch — warum tat er nicht den einzigen Schritt, der ihn befreien konnte von dem Unheil seines Lebens ? Was trennte er sich nicht von dieser Frau, die seiner so wenig wert war, die ihm ja nichts mehr galt, ja, die selbst ihrem eigenen Kinde eine völlig Fremde geworden war? Dunkle Rätsel — wer gab ihr die Lösung? So starrte Göttliebe, immer tiefer in ihre Gedanken versinkend, vor sich hin. Sie achtetemicht darauf, daß drüben die Lichter int Hauptbau des Schlosses allmählich verloschen und es gattz finster um sie wurde. Da plötzlich ein leises Pochen an ihrer Tür! Stuf ihren Zuruf huschte es leicht herein, sie sah mchts, aber sie wußte, wer. „Rehe?" 510 Stott jeher Antwort ein leises Aufschluchzen, und im nächsten Augenblick hielt sie dos Mädchen, das fassungslos vor sich hinweinte, in ihren Armen. Gottliebe ließ sie eine Weile ruhig so gewähren; donn zog sie die Schmerzerschütterte zu sich ouf einen Diwan. „Sprich dich aus, meine Rehe, erleichtere dir dein Herz. Du weißt ja, ich verstehe olles und ich hab- dich lieb, so lieb/ meine arme, kleine Rehe!" Do umschlang dos Mädchen sie und klagte verzweifelt: „Mich zerreißt so ein furchtbarer Zwiespalt! Du kennst ja nun meine Mutter und wirst verstehen, wie es bei uns ist, daß mein Vater und ich die unglücklichsten Menschen find' — durch sie!" „Ach, es ist ja so entsetzlich! Seine Mutter bei Lebzeiten zu verlieren, nein, sie überhaupt niemals besessen zu.hnben! Seit ich denken kann, war es.so wie jetzt. Die Mutter auf Reisen irgendwo draußen in der Welt, und mein armer Vater einsam hier mit mir. Ein verbitterter, freudloser Mann, ein menschenscheuer Einsiedler." „Und dos alles nur durch sie! Früher ist er ganz anders gewesen, von unserm alten Anselm und der Bärb-e- weiß ich es. Frisch und froh war er da und gern in heiterer Gesellschaft. Er hatte viel Freunde, namentlich unter jungen Künstlern, mit denen er lange in Italien zusammengelebt hatte. Die waren dann nachher oft hier bei ihm zu Gast — das sollen herrliche Tage hier auf Molmort gewesen sein! Wer alles das war dann vorbei mit der Heirat. Meine Mütter hat ihren Mann, statt ihn glücklich zu machen, fast zugrunde gerichtet. Er ist ja jetzt nur noch ein Schatten von sich selbst. Und fie ahnt es nicht einmal, was sie ihm angerichtet hat. Lächelnd kommt und geht sie, wenn die Laune — Sehnsucht nach mir, wie sie sagt! — sie nach jahrelanger Frist einmal wieder hertreibt, als ob nichts gewesen sei. Oj wie ich sie hasse, wie ich sie verachte!" In einem leidenschaftlichen Ausbruch ballte Rehe, krampfhaft am ganzen Körper bebend, die zarten Hände. ,Mcht doch, nicht!" Erschrocken Wer die furchtbaren Worte^ hielt ihr Gottliebe hie Hgud aus den.zuckenden Münd. -Wiedei machte die leidenschaftliche Erregung einem völligen inneren Zusamtnenbrechen bei dem armen Geschöpf Glitch. Schluchzend Und weinend lag sie nun, wie aufgelöst, in den Armen der Freundin. Dann richtete sie sich wieder auf. ^.Siehst, du, -das ist es ja gerade, was mich so martert im Innersten !— dieser entsetzliche Zwiespalt: Ich kann meine Mütter nicht achten und lieben — und ich soll sie doch lieben und ehren; die Natur, die'Religion fordert es, sss ist -das heiligste aller Gebote. Wie verworfen bin ich, daß ich gegtn dieses Verbot verstoße! Wie soll mir Gott jemals solche Todsünde verzeihen?" Kn zitternder Pein bebte alles an dem jungen Leibe. Erschüttert schwieg Gottliebe eine üßetle, nur liebevoll beruhigend das tränenfeuchte Antlitz an ihrer Brust streichelnd. Wgs sollte sie der Aermsten erwidern? Endlich sand sie aber die rechten Worte. „Du hast recht, Rehe!" Sehr ernst sprach sie es. „Das heiligste aller Gebote ist das: du sollst deine Mütter lieben und ehren; die Mutter, die mit Einsatz ihdes Lebens dir das deine geschenkt hat. Darum mußt du deine Mutter mit anderen Augen betrachten als bisher. Was deine Mütter auch ün deinem Vater gefehlt hat, d u bist nicht berufen, es zu richten." Uehe zuckte leise zusammen, und- mit dem Gefühl, daß sich ihr mit diesem Wort plötzlich! ein nie geahnter Licht- schimtner, einAusweg aus dem Wirrsal ihrer Empfindungen böte, hluschte sie weiter den Worten der Beraterin. „Lerne deine Mütter als eine arme, schwache Frau betrachten, der das Schicksal die schöne CharakierfeMgf- keit, all die herrlichen inneren Gaben deines Vaters versagt^ hat. So glänzend sie erscheint mit ihrer blendenden Schönheit, so arm ist sie im Innern. Was hat sie, das ihr das Herz warm, das sie wirklich zufrieden macht? Ihre innere Unruhe, ein ewiges Sehnen nach Neuem, nach- Genüssen treibt sie unstet umher; sie ist im Grunde nur ein bedauernswerter Sklave ihrer Triebe, für die sie doch nichts kann, die die Natur in sie hineingelegt hat, ohne ihr das Gleichgewicht eines festen, sittlichen Willens zu geben." „Sie ist also, sie muß- so sein, wie sie ist. Darum, Rehs, richte du nicht Wer sie! Sei im Gegenteil freundlich Und milde zu ihr, suche das @ktte, das doch auch- irgendwo' in ihr steckt — kein Mensch ist ja ganz schlecht — zu wecken, zu stärken mit deiner Kindesliebe — werde du, die Starke, die Garte, die Führerin deiner blinden Mutter auf dem Wege zum Bessern ! Tas, meine Rehe, muß fortab deine Aufgabe sein. Nimm sie ernst und groß-, so wird der Zwiespalt in deiner Seele schwinden. Und solltest du dich wirklich- vergebens mühen, so wirst du still sein im Bewußtsein, voll getan zu haben, was deine Pflicht war." Rehe antwortete nicht gleich. „Sag, Kind-, hab ich denn nicht recht? Fühlst du es nicht auch?" Zärtlich besorgt, wie eine Mütter zu ihrem Kinde, beugte sich Gottliebe zu ihr nieder. Da fühlte sie plötzlich 6ren* uend-e Küsse auf ihrer Hand. „Bleib bet mir, Gottliebe — immer, immer! daß ich gut werde wie du!" * „S-ehu Sie, da! — jetzt lugt der Gipfel durch — da! haben Sie den „Garten her Saligen". Malmort wies auf einen wildgezackten, mit silberigem Firugeäd-er durchzogenen Felsenkamm, der durch den Einschnitt in den Vorbergen plötzlich- hoch -oben vor ihnen sichtbar wurde Gottlieb musterte die kühnen Bergzinnen mit aufleuch-^ ten-hem Blick. Ein doppeltes Interesse boten sie ja für sie. Dort droben hin verlegte ja die Volkssage -das Reich der „Saligen Fränlein", der geisterhaften Bergfrauen, deren eine die ©tammutter des Geschlechts Ma-lmort geworden sein sollte. Aber noch wehr reizten sie die wilden Schroffen als Bergsteigerin. Waren sie doch ihr Wanderziel und hatte sie doch von Malmort gehört, daß der „jardiz delle domntzelle"/ der „Garten der Saligen", eine Tour ersten Ranges sein sollte, obwohl seiner Lage wegen in dem unerschlossenen Bergwinkel hier in Alpinistenrreifen noch kaum ber-auuk. Wer der Aufstieg, besonders über die schwindelnde Süd> wand, die „Diavolezza", sollte -ganz seinen Mann fordern. Schweigend, doch mit beschleunigtem Herzschlag, in prickelnder, kühner Erwartung des kommenden Kampfes, grüßte Gottliebes Auge die Hochburg, die es zu nehmen -galt. „Es ist keine leichte Arbeit." Noch einmal überflog Malmvrt mit ernstem Blick die schlanke Gestalt der Begleiterin, gleich ihm in voller Berg-, ausrüstung, in Beinkleid und Gamaschen, wie, forschend/ ob sie auch wirklich dem Kampfe .gewachsen sein mochte. Wer sie sah ihn fest an: „Sie können sich auf mich- verlassen wie auf einen Mann." Ihre Blicke trafen sich einen Moment. „Dann vorwärts!" Mit einem frohen Schein im ernsten Antlitz nickte er ihr zu, und eifrig stiegen sie die Geröllhalde hinauf, die es zunächst zu passieren galt. (Fortsetzung folgt.)' Pilgerfahrt in Angkor. Die Ruinenstadt im Walde. Von Pierre Loti. In Zeiten, die nichjtj mehr genau M bezeichnen sind, wlar das ÜUn schon Jahrhunderte ljang Völlig begrabene Angkor eine der Herrlichkeiten der Welch So wie der alte Nil allein durch seinen Schlamm in seinem Tat eine prächtige Kultur erblühen! ließ, schuf hier der Mekong, dessen Gewässer sich alljährlich kus- breitet-en, den Reichtum, und so erstand das prunkvolle Reich! der Kherms. In der Zeit Alexanders von Mazedonien lieh sich ein aus Indien eingewandertes Volk an den Ufern des Mekong nieder, nachdem es die furchtsamen Eingeborenen, Menschen mit kleinen Augen, Schlangenanbeter, unterjocht hatte. Die Eroberer führten die Götter der BrahmaneNlehre ein, die schönen Legenden des Ram-ayana, und wie ihr Reichtum auf diesem fruchtbaren Bvden wuchs, so erhoben sich schnell überall riesenhafte Tempel« in die Tausende -von 'Figuren hineingemeihelt waren. Später — einige Jahrhunderte später, man weiß es nicht genau, denn das Dasein dieses Kolkes ist in der Erinnerung der Menschen fast äusgelöscht— sahen Anglers mächtige Herrscher aus dem Westen Missionare in gelben Gewändern nahen. Ma'N war hier -auf das Höchste über die Träger der neuen Erkenntnis verwundert: Buddha kam, uni Indien aufzuklären, und seine Ab- gesandten verbreiteten sich bis zu den äußersten Punkten Asiens, um hier eine Lehre des Mitleids und der Liebe zu predigen, wie sie 511 k'uch von den Jüngern (Sfjtifti Tntje Zeit vorher in Europa verkündet worden war. Die spröden Tempel Brahmas wandelten sich in buddhistische Weihestätten, die Bildnisse auf den Altären veränderten die Haltung und senkten die Blicke mit sanfterem Lächeln. Wie es scheint, erreichte Angivr unter dem Buddhismus seinen höchsten Glanz. Aber keine Ueberlieferung -erzählt die Geschichte seines schnellen und geheimnisvollen Verfalls. Ter Wald, der es Überwucherte, hütet das Geheimnis. Das kleine Kambodscha, das heute noch besteht und den verworrenen Ritus bewahrt, ist nur ein Ueberrest des gewaltigen Reiches der Kherms, das seit mehr als fünfhundert Jahren völlig im Schweigen der Bäume und des Mooses erloschen ist. . . Durch das Dunkel hindurch gelangen wir an „das Siegestor", das uns zuerst der Eingang einer Grotte zu sein scheint. Ungeheure Figuren Brahmas, von umschlingenden Wurzeln.verstockt, überragen es, und an jeder Seite stehen unter dem Laubwerk, wie in Nischen, dreiköpfige, unförmige Elefanten. Schreiten wir durch das Dor, das mit finster dreinschanen- den Gesichtern geschmückt ist, so gelangen tvir an den Ort, wo einst die gewaltig große Stadt stand. Es muß einem erst gesagt Werder:; denn auch innerhalb der Mauern breitet der schattige, dichte Wald seine hundertjährigen Zweige ebenso Ijlcdji aus. Wir verlassen unser» Wagen und verfolgen zu.Fuß die kaum sichtbaren Pfade, die von wilden Tieren als Fährte gebahnt wurden. Mein Führer, ein Dolmetscher aus' Kambodscha, kennt den Weg zu der: Ruinen genau. Lautlos verhallen unsere Schritte im.Gras, wir hören nur das leise Dayingleiten der Schlangen und die fliehenden Affen. Ueberall stößt man auf unkenntliche, architektonische Trüm- mer, die sich zwischen Farren, Sagopalmen, Orchideen und jette ganze Flora drängen, die sich in diesem ewigen Halbschatten, unter den großen Baumgewölben, ausbreitet. Zahllose buddhistische Götzenbilder, kleine, mittelgroße oder riesenhafte Götter, sitzen auf Thronen und lächeln ins Leere; sie sind in sehr harten: Stein gemeißelt und stehen weiter an ihrem Platze, auch nach dem Einsturz der Tempel, die aus geschnitzten: Holz gewesen sein mögen. Fast immer wurde ihtten von frommen Pilgern ein Strohdach errichtet, um sie gegen Gewitterregen zu schützen; Man Hat ihnen sogar Weihrauchstöcke abgebrannt und ihnen Blumen gebracht, doch keiner der Bvnzen wagte sich in ihrer Nähe eine Wohnstätte aufzuschlagen; denn das schreckliche Waldfieber gestattete ihnei: nicht, unter dem dichten grünen Laubdach zu schaffen, und selbst in jenen Zeiten der großen Pilgerfahrten mußten die Götter die Nächte einsam, ohne ihre Priester verbringen. An dieser Stätte standen einst Paläste, in denen außerordentlich prunklicbende Könige lebten — man weiß nichts mehr von ihnen, sie sind in das Reich der Vergessenheit versunken, ohne ihren Namen in einen Stein oder in das Gedächtnis der Menschen geprägt zu haben. Die hohen Felsen, die jetzt mit dem Wald eins sind und von tausend Wurzelarmen Umklammert werden, sind von Menschenhänden geschaffen worden. Pflanzen können hartnäckig in ihrer Zerstörung sein. Der Fürst des Todes, den die Brahinanen Shiva nennen, und der für jedes Tier einen besonderen Feind erzeugt hat, der es verschlingt, scheint bei dem Entstehen aller Wesen vorattsgesehen haben, daß die Menschen versuchen würden, durch ihre Schöpfungen zu überleben. Um nun ihve Werke zü vernichten, hat er neben änderest zerstörend wirkenden Kräften Mauerpflanzen und besonders jenen >,Ruinenfeigenbaum" geschaffen, dem nichts widerstehen kann. Heute ist der „Ruittenfeigenbaum" der Herr auf den Ruinen Angkors. Wie im Triumph breitet er überall seine fahlen, glatten Zweige aus, die bunt getüpfelt wie eine Schlangenyaut. sind und breite Blätter tragen, und sie zerreiben nach und nach die Paläste Und Tempel völlig. Einst war dieser gewaltige Baum nur ein winziges Samenkörnchen, das der Wind auf den Fries oder die Spitze eines Turmes geweht Hatte. Aber sobald es keimen konnte, zwängten sich seine faserigen Wurzeln durch die Steine hindurch, immer Und immer wieder schlängelten sie sich hinab und von einem sicheren Instinkt wurden sie bis Kum Fußboden getrieben. Als sie diesen erreicht hatten, schwollen sie schnell durch seinen nährenden Saft zu einem gewaltigen Umfange an, sie trennten die Steine und brachten sie aus dem Gleichgewicht, öffneten so die dicken Mauern tiitm oben Ns unten, und nun war das ganze Bau- wcrk unrettbar verloren. Immer Weiter gehen wir durch den düsteren, beklemmenden Wald. Feindlich, mörderisch empfindet Man ihn, der auf Fieber Und Tod sinnt; man möchte ihm entfliehen, aber er sperrt eirt, er flößte Schrecken ein . . . Die wenigen Vögel, die noch sangen, sind verstummt; was hat das plötzliche Dunkelwerden zu bedeuten? Die Abendstunde ist noch nicht gekommen, also muß es etwas anderes !als das dichte Laub sein, das die Pfade in Nacht hüllt . . Auch ein Prasseln erklingt auf dem Blätterdach Aber uns, ein sintflutartiger Platzregen fällt herab! Wir hatten nicht bemerkt, wie der H:mmel Über den Bäumen sich plötzlich schwatz färbte. Jetzt rieselt Wasser herab und ergießt sich in Strömen über uns; schnell flüchten wir unter das schützende Strohdach eines größten, sinnenden Buddha. Tie Gastfreundschaft, die wir von dem Gotte annehmen müssen, währt lange. Und wie unendlich traurig ist das Mysterium des Waldes, während der Tag Kur Neige geht. Als d:e Smtflut endlich aufhört, ist eS Zeit, den Wald zu verlassen, wollen wir nicht vvn der Nacht überrascht werden. Aber w:r sind fast in Bahorr, einem Heiligtum des ältesten Angkvr, das durch ferne „.türme mit den vier Gesichtern" berühmt ist. turcy den halbduEen Hochwald kam: man .es schon bemerken. Es gleicht einem Felsenchaos. Sv wollen wir noch den kurzen Weg zurucklsgett, der uns von den: Tempel trennt. Roer um zu dem Heiligtum zu gelangen, muß man sich durch i-jorncn uno nasse Schlingpflanzen mit Stockschlägen einen Weg duhuen. Von allen Seiten wird der Tempel von dem Walde eng umschlossen, die Bäume ersticken und zerstoßen ihn; die gewaltigen ,,Jtuillenfeigenbäume" tragen noch zu seiner völligen Zerstörung vei; bis :n die höchsten Spitzen der Türme, die ihnen als Schemel dienen, haben sie sich eingenistet. Die Türei: sind von langem Wurzeln, deren tausend Fasern wie Fransen herabhäng-eu, drapiert, Äst te mkttchm in der.späten, dunklen Stunde unter dem regest- schw-eren Himmel tiefen schwarzen Löchern, vor denen man zögernd stehen blerbt. Bor der Pforte, die uns zunächst ist, sitzen Affen im Kreise umher, als ob sie Rat abhälten wollten. Sie haben hier wohl Schutz gesucht und bei unferm Anblick entschlüpfen sie, aber ohne Eile und ohne Geschrei; es scheint, als ob dieser Ort Schweigen auserlegt. Verstohlenes Wasserrauschen bringt an unser Ohr: nach dem Platzregen tropft es noch von den Blättern und dest Steinen. , Der -Führer besteht ans unferer Umkehr. Er Meint, daß wir keine Laterne an unseren Karren haben und stoch vor der Stunde des Tigers zu Hause sein müssen. .. Ws ich mich entferne, erhebe ich die Blicke noch KU den völlig nut Grün bekleideten Türmen, und in einem unbekannten Angst- gefuhl erschauere ich plötzlich, als- ich ein starres Lächeln sehe, das Mich von dort oben trifft. . . von einem andern Mauerwinkel wieder -ein anderes Lächeln . . . und dann lächeln drei, fünf, z-ehst Gesichter, überall sind sie, und ich bin von allen Seiten überwacht. . . „Tie Türme mit vier Gesichtern." Ich hatte nicht an sie gedacht, obgleich man mir von Ihnen gesprochen hatte! Diese in die Luft ragenden, -aus Stein gehauenen Masken haben übermenschliche Dimettsioneu, daß man Zeit braucht, sie.zu begreifen; unter ihren großen platten Nasen lächeln sie, und man möchte sagen, daß sie die Lider mit berechnetem weiblichem Ausdruck .halb geschlossen hab-en, sie erinnern an hinterlistige alte Tarnen. Es sind Götterbilder, die in längst entschwundenen Zeiten vvn Menschen ang-ebetet wurden, deren Geschicke man nicht mehr kennt; es sind Bilder, denen weder der langsam zerstörende Wald,- noch die schweren zersetzenden Regenfälle in den vielen Jahrhunderten den „Ausdruck" ironischer Gutmütigkeit nehmen konnten, der noch beunruhig-euder wirkt, als der weitaufgerissene Mund der Ungeheuer Chinas . . . Unsere Ochsen traben auf dem Rückweg so gut einher, als errieten sie, daß man -vor Anbruch der Nacht au§- diesem in warmes Wasser getauchten Wald herauskommen müsse, in dem es schon ohne Dämmerung fast plötzlich dunkel geworden ist. Krw die Er- innerung an die großen alten Damen, die heimlich über dest Ruinen hinter uns herlächeln, verfolgt mich beständig während der schnellen holprigen Fahrt durch die Büsche . . , ,-akademische Freiheit" ist in Oxford und Der „Unbergratmate" ist den Regeln der studsntenleben in Gxford. (Nachdruck verboten.) Wenn jetzt das Sommerseinester schließt, so fragt sich mancher Student: „Wo studiere ich das nächste Semester?" — .Für den Neuphilologen ist ja wohl, solange er noch in den mittleren! Semestern steht, ein Aufenthalt im Auslände vvn dein denkbar größten Nutzen. Und so beantwortet vielleicht einer oder der ändere diese „schwierige" Frage mit: „Ich gehe einmal nach Oxford", Dann dürfte es von Interesse sein, einiges ganz allgemeine über diese uralte Universität zu wissen, Und vielleicht regen diese Zeilen dazu ton, daß mancher, der bis jetzt zögerte/ sein Bündel schnürt Und — fei es für einen Ferienaufenthalt, sei es für ein Semester — hinüberfährt zu unseren englischen Vettern. D-er Wege gibt es eine ganze Menge, um den Kanal ztt überkreuzen. Selch empfehlenswert ist die Reise mit der „Great- Eastern-Railway Company" über Köln—Antwerpen—Harwich— London—Oxford. (2. Kl. Köln—London 31,90 Mk.) li/i Stunden totott London liegt am Oberläufe der Themse jene Universität, die 872 vvn Mfr»d dem Großen gegründet wurde. D-as älteste Universitätsgebäude ist „Universith-College". !Di« Universität setzt sich aus 23 „Colleges", einzelnen Körperschaften mit -eigenen Gebäuden, eigener Verwaltung, eigenen Gesetzen ttsw. zusammen. — Die „akademische Freiheit" ist in Oxford und Cambridge unbekannt. ®er „Unbergrabuate" ist dep Regeln der Universität und feines „Colleges" unterworfen. Einige dieser Regeln feien hier erwähnt: Es ist dem „Un-bergrabmte verboten: die Bar eines Hotels, Cafss oder Restaurants zu besuchen, einem Tanzvergnügen beizuwohnen, _ t r , , vor 1 Uhr mittags und nach 10 Uhr abends Billard zu sprelen, an Tontaubenschießen, Karussellfahren oder,ähnlichen Sports teilzunehm-en, ein Motorrad ober Automobil ohne besondere Erlaubnis der Universität zu besitzen usw. 512 Tas deutsche Korporationswesen ist in England unbekannt. Etwas ähnliches sind die „Colleges". Sie sind oft herrliche Gebäude, mit ihren eigenen Kirchen, prachtvollen Garten und Sport- plätzen. Unter «nein Jahre wird man in ein „College" nicht ausgenommen. Auch sind die Kosten bedeutend höher als in Deutschland. Für den deutschen Studenten ist es ratsam, sich bei den „Non-Collegiate-Students" immatrikulieren zu lassen. Die Gebühren 'für Immatrikulation, Vorlesungen nsw. betragen rund 240 Mk. pro ersten „Derm". Die späteren „Terms" sind billiger, da dann die Jmmatrikulationsgebühr wegfillt. Das akademische Jahr besteht aus 4 „Terms": dem „Michaelmasterm" vom 10. Oktober bis 17. Dezember, dem „tzilaryterm" vom 14. Januar bis zum Samstag vor Palmsonntag, dem „Easterterm" vom' 22. Äpril bis 5. Mai und dem „Trinityterm" vom 6. Mai bis 9. Juni. Die beiden ersteren dauern je 8 Wochen, die beiden letzteren je 4; sie werden jedoch für die Gebühren als ein „ternt" gerechnet. Nach der Immatrikulation erhält man den „academical dreß", bestehend au§' „cap and gonm". !Tas erstere ist eine Kopfbe- dechung, die oben durch eine viereckige Platte äbgedeckt wird, in deren Mitte sich eine Quaste befindet: das „gown" ist ein Halblanger schwarzer ärmelloser Ueberwnrf. Diesen „dreß tragt der englische Student, wenn er zu den .Vorlesungen geht vder wenn er abends nach 9 Uhr außer dem Hause ist. Der „Undergraduate" darf nicht wohnen, wo es ihm beliebt^ Falls er nicht in seinem „College" Wohnt, muß er in einem „liceused House" wohnen. Die Häuser unterstehen der Aufsicht der Universität und werden von den „Proctoren", einer Art „Universitätsschutzleute", überwacht. Die Proctoren üben überhaupt die Aufsicht über das Betragen der Studenten aus. Sre melden Verstöße gegen die Regeln bei dem Vorsitzenden (Head) des Colleges, zu dem der ertappte Missetäter gehört, der ihn mit Geldstrafen belegt. Die Hauswirte müssen die Haustüre um 10 Uhr schließen. Wer nach dieser Stunde nach Hause kommt, wird vom Hauswirt in das „gate-book" eingetragen, das dieser allwöchentlich dem Proctor vorlegt. Auf dem Zn-spät-nach-Hause-kommen ruhen Gell'strafen und Mar: nach 11 Uhr 50 Pfg., nach Vs 12 Uhr 2,50 M'k, nach 12 Uhr 5 Mk. Wer ohne besondere Erlaubnis sich weiter als 15 englische Meilen aus Oxford entfernt, wird mrt 20 M'k. Geldstrafe bestraft (falls der „Proctor" ihn erwischt). Diese Strafen werden vom „Caution Money" abgezogen und der Rest wird bei der Exmatrikulation z-urückbezahlt. Das' „Caution- money" beträgt L 2 -- 40 Mk. Einen großen, ja fast den größeren Teil feiner Zeit widmet der englische Student dein Sport. Fußball, Kricket, Tennis, Golf Ünd Rudern erscheinen ihm — wenigstens in der ersten.Zeit — wichtiger als Chamer und Shakespeare! Und wenn nun gar das große Bootsrennen zwischen Oxford und Cambridge bevorsteht, ist Mit den „Collegebohs" schon gar nichts mehr anzufangen. Dann heißt die Parole „Training". Mer wenn nach heißem Kampf der Sieg errungen wurde, dann jubeln nicht nur die Kameraden, dann jubelt ganz England den Siegern zu! W. W. G . g. Die angstvollste Minute im Leben berühmter Flieger. Unter welche Gestalt hat sich der Tod den Helden der Luft am furchtbarsten dargestellt, welche Minute war die angstvollste in ihrem Leben? Diese Frage haben die bedeutendsten Flieger in den packendsten Bekenntnissen beantwortet, die Georges Prade in >K'e sais tont" veröffentlicht. Die größte Angst hat der berühmte Gar ros bei seinem Höhenrekordslug ausgestanden, bei dem er bis z'n 5000 Metern emporstieg. Statt des ruhigen Surrens des Motors hörte er plötzlich ein furchtbares Geknatter: er erkannte, daß der Apparat aus dem Gleichgewicht gekommen war, und fürchtete das schlimmste. „Der Angstschweiß stteg mir lauf die Stirn, 'und im Hetzen spürte ich dies harte kalte Schlagen, das üns besser als alles Nachdenken wie .ein reiner Instinkt die wirkliche Minute der Gefahr anzeigt. Ich hatte glücklicherweise den guten Einfall, möglichst rasch den Zünder abzustellen, und nun stand auch nach einigem beunruhigenden Rucken der Motor still. Es Handelte sich 'nun darum, die 5000 Meter herabzusteigen, und das ist ja leichter wie das Hinaufkommen. Die Normandie bietet ein gutes Terrain; ich ging also so langsam wie möglich herab, üud es glückte vortrefflich." Eine ähnliche Panne in bedeutender Höhe brachte den durch feine großartigen Weitflüge bekannt gewordenen Gilbert in die furchtbarste und gefährlichste Lage. Bei dem Fluge von Paris nach Vittoria lohne .Landung befand er sich in 2000 Meter Höhe über den Pyrenäen, als plötzlich sein Motor versagte, ohne daß er die Ursache ahnte. „Ich hatte noch 30 Sekunden zum Leben, juM den Grund meiner Panne zu finden und ihm abzuhelfen. Diese Sekunden der Angst waren nur nicht lang: sie erschienen Mir schrecklich kurz. Ein sehr starker Benzingeruch erregte glücklicherweise meine Auftnerksamkeit. Wie ein Blitz schoß es mir durchs' Hirn: es ist das Benzin. Mein Motor hat davon nicht zu wenig, sondern zu viel. Ich habe zwei Reservoire mit Essenz, von denen das eine leer ist, da ich seit Paris fliege, ohne gelandet AU haben. Mein Motor wird also jetzt durch mein Meites Reservoir gespeist, und da ich den Verbindungshahn zwischen den beiden Reservoiren vfsen gelassen habe, ist der Luftdruck auf. dem zweiten Reservoir zu stark und bringt zu viel Flüssigkeit in bett Motor. Der Motor ertrinkt also vor Benzin und stockt deshalb. Schnell schließe ich den .Verbindungshahn und > vierte. Wird der! Motor wieder einsetzen? In diesen bangen Sekunden der Er- . Wartung, in diesem langen Abstieg, das Ohr gespitzt, die Nerven gespannt, ab und zu den Blick durch das Dunkel der Wolken bohrend, um die Erde zu sehen, zieht mein ganzes' Leben vor mir vorbei. Eine tragische Minute. Sieg! Der Motor hat, wenn auch zögernd, wieder zu arbeiten angefangen, und nun setzt er ein in einem fröhlichen Rhythmus, in einer Jubelsansare, die mir das Herz höher schlagen läßt. Ich stelle das Höhensteuer: wir steigen wieder." Der Held des Fluges über die Mpen Bielovucic meint, daß ihm die Ueberquerung der hohen Berge lange nicht so viel Augst gemacht habe als ein einfacher alltäglicher Flug, den er zwischen Reims und Chaumont unternahm. Das Wetter toar prächtig, die Fahrt ging vortrefflich. Als er über die Marne flog, lenkte ein_ Fischerboot seine Aufmerksamkeit auf sich, in dem heftig gestikulierende Fischer standen. Er glaubte, sie wollten ihm nur zu winken, aber als er über sie weggeflogen war, machte ihn das unruhig, und auf einmal stand sein Apparat fast senkrecht. ,/Jch weiß heut noch nicht, was geschehen war. Alles, woran ich mich erinnere, ist, daß ich während einer Strecke von mehr als 300 Metern — und sie schien mir sehr lang — senkrecht herabschoß/ die Augen beständig auf das Fischerboot hinter mir geheftet. Die Leute standen noch aufrecht, und diesmal — darüber konnte ich mich nicht täuschen — zeigten mir ihre Gebärden die Katastrophe an. Der Stoß war so furchtbar, die Veränderung der Lage so plötzlich, daß ich fast die Besinnung verlor. Das war nicht eine Minute, sondern eine Sekunde der Todesangst, die mir das Herz durchbohrte. Jin letzten Augenblick aber konnte ich noch den Apparat ins Gleichgewicht bringen und meine Fahrt ohne weiteren Unfall fortsetzen." Die entsetzlichsten Minuten, die der Eroberer des Poinmery- Pokals Guillanx durchlebte, waren aus seinem berühmten Ruud- flug durch Frankreich, Belgien und Holland. Ten ganzen Tag .Wer war er geflogen, und gegen 6 Uhr abends befand er sich über der Zuidersee. !£>er dichte Nebel ließ ihn nicht sehen, aber in 50—60 Kilometer Meerflug, d. h. in einer halben Stunde etwa Mußte er Land unter sich Haben. Er ging vorsichtig nieder, als die Halbe Stunde vorbei war, aber zu seinem Schrecken sah er immer noch Wasser. Er hatte die Richtung verloren, der Abend nahte, seine Nerven und Kräfte waren am Ende. „Das alles versetzte mich in eine furchtbare Niedergeschlagenheit. Das war wirklich die Angst, die lMngst des Kiüdes, das Furcht hat vor dem Dunkel. Endlich ein wenig vor 7 Uhr sah ich die flache Küste, und niemals habe ich ein Wand, «s sei das schönste der Welt, mitsolcher Freude begrüßt." Der Flieger Br s g i, der als erster Marokko mit der Flugmaschine d urchguerte, hat dort seine schlimmsten Minuten durch- gemacht. Einmal versagte der Motor. Der einzige Flock zum Landen teuf dem sehr schwierigen Terrain war ein kleines Stück Erde, auf der einen Seite von einer Maner umgeben, auf der andern von einem Mgrund. Wie ein Reiter int Sattel sein Pferd zurnckreißt, so drängte er noch im letzten Moment des Niedergleitens den Apparat von der Mauer weg, die ihn zerschmettert hätte. Zwei heute sehr bekannte Flieger, Alfred Leblanc, der Gewinner des Ost-Rundflnges, und Ganbert, der Sieger im Wettbewerb von Monaco, behaupten ihre angstvollsten Minuten in ihrer Anfängerzeit durchlebt zu hieben. Leblanc geriet bei einem Schaufliegen in England in so gefährliche Näh'e des Publikums, daß er jeden AugeWlick mit seinem Apparat auf die dicht besetzten Tribünen herabznstürzen fürchtete, und Ganbert fühlte sich bei seinem allerersten Flug wie in einer Hölle, bis er zu seinem grenzenlosen Erstaunen erkannte, daß er sich auf diesem fett» famen Ding ganz sicher befand. Den grausigsten Augenblick seiner Fliegerlaufbahn hat der Sieger im Gordon-Bennett-Rennen W e y - mann nicht auf der Flugmaschine, sondern beim Anblick seines! abgestürzten Kameraden, des Leutnants Ducourneau, durchlebt. Er war wenige Minuten vorher auf derselben Maschine unter den gleichen Bedingungen aufgestiegen, ohne den Tod z'u ahnen, be6 schon fein Opfer suchte. -------------- Anagramm. Ein Fluß bin icb, gar wohlbekannt, Und fließe durch das Sauerland. Nimmst du den Kops mit jetzo fort, So sind'st du mich an jedem Ort, In jeder Stadt, in jedenc Haus; Du hörst mich überall heraus. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer; A arm Kanne Arnheim Rhein mir ui Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Vetlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.