MZ iiss ;-i ,1 S&Ätaft i 8 0 W MW ■ -.-■» MW Mittwoch, den 18. Zun'l Kr. 93 1913- h KEDElenLl S S W beginnt. Wenn ich neu Reste mit Die Flümmenzeilhen rauchen Roman -ans deni Jahre 1813 von Miaix Karl Böttcher-Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Nachricht von der Niederlage der Franzosen war am 1 frühesten Morgen durch einen Boten ans Wessel gebracht I worden und hatte die Patrioten in einen wahren Sieges tau'.nel versetzt. Dem Zuge der Empörten schloßen such Neugierige an, und als der Schultheiß Peter Wendt von I dem Lärm erfuhr, eilte er mit Etzinger nach dem Schloy,, nm den alten Heißsporn, Johann Schwind, den Sstim«, i vor Torheiten zu bewahren, denn noch waren sre Vertrags- i mäßig napoleonische Untertanen, und Linthardt khwite I durch seine Weigerung, mitzulämpfeu, Lei der franzoistchen Verwaltung auf Unterstützung der Behörden rechnen. Dadurch Märe natürlich dem Dorfe nicht geringer Schade I zugesügt worden. I Der Erbjunker stand auf dem Altan und sprach, als etwas Ruhe geworden war, zu den im Hofe Versammelten: „Was wollt Ihr von mir, Leute? Laßt mir meinen Frieden, wie ich Euern nicht gestört habe!" . I /Was, Frieden?" rief der Schmied. „Ist eine Art für einen adligen Herrn, sich jetzt in die,er schweren Zeit auf die Bärenhaut zu legen, jetzt wo der Bonaparte vertrieben werden soll und kann!" ,/Darüber zu urteilen, steht Ihnen kein Recht zu, mem | bester Schwind. Außerdem rate ich Euch, diese aufruhre- , rischen Reden zu lassen. Ihr scheint vergessen zu haben, daß Ihr französischer Untertan seid, imd Euch dwse Wotte leicht den Kopf kosten können!" Ha, wollen Sie drohen, Junker? Ja, setzen Sie Ihrem Verrat an der guten Sache die Krone auf und zeigen ^te mich bei der französischen Kommission in Wessel an! Bei dem Worte Verrat zuckte Linthardt zusammen und wurde bleich, dann sagte er: „Was Ihr vou Verrat verstehe ich nicht! Ich tue, was jedermann an meiner Stelle tun würde: ich erhalte mir und den Meinen und nicht zittcht deui deutschen Nationaleigentum ein Riesenvermogeu. Was nützte dem Lande die eine Faust, der eine Degen der nach der ersten Stunde des Kampfes schon tot und nutzlos st tu Tann, wenn das Land nach dem Kriege, mag er aussatten wie er will, eine feiner herrlichsten und reichsten Besitzungen an Frankreich verliert? Was nützt ..." Worte! — Nichts als Worte!" schrie einer dazwischen, und ein andrer: „Verräter!" — Und dieses Wort entflammte einen Wutausbruch bei allen, und sie drangen gegen die Freitreppe vor und hoben ihre Fäuste, und auS 1 Mg f^s^W^nnd^Widlich' umlauern, noch iM«H° zwanzig Kehlen schrie es dem Junker entgegen. „Vmua, . I rait €J—fiemntrt. Wenn ick -- Kämpfen oder weg vom Schloßt" - s nL1T ' 1 Linthardt stand mit steinerner Ruhe, aber bleich, auf dem Altan und schaute auf die wilde Horde Nieder, und Frau von Bourgee und Tomette flohen m die entferntesten Gemächer des Schlosses, benn sie fürchteten für ihr Lebern — Das war der Augenblick, wo einer der französischen Reiter in den Hof einritt. „Hallo, Leute!" schrie . er in den Lärm, und int Augenblick verstummten dw zornigen Schreier. Alle wandten sich dem franzostschen Ordonnanzoffizier zu. „Ich suche den Schloßherrn!" tSo ist das Volk! Im Slugewb lick noch bestritten sie, daß Linthardt ein Recht auf das Schloß habe, fetzt blickten alle nach Linthardt. Der Offizier gruMe höflich, sprang vom Pferde und schritt bann durch die Wenge, die ihm willig Bahn machte. Da trat der Schultheiß Peter Wend, der eben mit Etzinger angekommen war, dem Reiter m den Weg: „Verzeiht, §err. Ich bin der Schultheiß de Ortes und habe Euch zu sagen, d-aß dieser fuiige Mann da oben nicht der Schloßherr ist. Der eigentliche Herr, der Freiherr von Altenlohe, hat das Schloß verlassen, und & ist rechtmäßig an ei« franMische HemsMst, FEvv» Bourgee, überlassen worden, die fetzt int Schloß, wohnt. Sie muß auch raust!" schrie einer dazwischen, die andern stimmten bei, und Linthardt winkte mit den Armen, als wolle er wieder sprechen. Als sich die Leute berühmt batten, sagte der Offizier kurz und fetzt weniger höflich. I Ich bin nicht hier, zu untersuchen. Wem da--- Schloß gehört, 'ist mir auch ganz gleich. Jedenfalls wird es sofort instand gesetzt, einen großen Transport Verwundeter auf- zunehmen. Euch, den Schultheiß, mache ich für ordnungs- niästiae Ausführung dieses Befehls verantwortlich. Ihr und Säle kommt, ferner day in großen Bottichen I Trinkwasser in allen Gängen und Korridoren steht, und I schließlich werdet Ihr noch Brot und Milch, zu liefern haben. W Ärd Lch K Furageoffizier, der Euch im SchE- beivenamt sucht, genauer sagen. Und "un geht ssfovt an die Arbeit. Bei Nichtbefolgung dieser Befehle oder bei der geringsten feindseligen Haltung gegen die ^stquar- tierung und gegen die Kranken und Verwundeten wird der Bürgermeister, der Pfarrer und eine dritte angesehene I Person erschossen und Dors und Schloß biv aus die Leite | '^^Mit dumpfern Schweigen hatten die Leute diese Drohung vernommen unb nun erhob sich ein Murmeln und leises I Fluchen nm welches sich jedoch der Offizier nicht t munterte. ® “Ä« «i d°m Aiü», ->b-i her ®rti«ntet w°r »«. I schwnndeii. Dann bestieg er sein Vs^rd. I Als er in die Lindenallee einbog, kamen seine beiden I Kameraden geritten, in ihrer Mitte den Pfarrer Tempel I führend Der Pfarrer trat zu den Dorfleuten und sagte zu ilmen: Hört, Ihr Sieben, ich bin erstaunt und betrübt, I -^ßr' in diesen schweren Zeiten, wo Not und Feindschaft vag I j i ) , :,.mYmtprrt. nocki IM eia- 370 auch Euern Zorn und Eure Erbitterung gegen Linthardt von Nltenlohe verstehe und mit Euch teile, so verstehe rch doü) nicht, wie Ihr konntet, ohne meinen und des Schultheißen Rat zu hören, hierher ziehen und mit Gewalt einem Menschen edle Gesinnung aufzwingen wollen, oder viel^ keicht gar gegen ein paar wehrlose Damen, die wahrscheinlich auch noch in ihrem guten Rechte sind, Feindseligkeiten eröffnen. Denkt doch an Euern guten alten Freiherr^, der ein Menschenalter für Euch sorgte wie ein Vater für seine Kinder, und nehmt uni seinetwillen Rü.cksicht auf seinen Erstgeborenen. Tas Schicksal wird ihn strafen, verlaßt Euch darauf. — Und nun geht an die Arbeit! Schleppt Stroh herbei aus den Gemeindescheuern, und jeder Häusler gibt selbst zwei Bund von seinem eigenen Stroh, ich selbst schicke zwanzig Bund herüber. — Jeder bringt fern Stroh auf das Schultheißenamt, wo Ihr Quittung darüber erhaltet. Und alles in Ruhe und Ordnung und ohne Feindseligkeiten gegen die Soldaten!" Ohne Murren hatten sie diese Standrede des Torspfarrers über sich ergehen lassen, und ohne Murren gingen sie auseinander. * Die französische Armee hatte sich am Tage nach dem eigentlichen Gefecht wieder gesammelt und sich in der Richtung auf Wessel und Heidehorst zurückgezogen, immer verfolgt von Dorcks Kavallerie und beunruhigt von kleinern Plänklerabteilungen, gebildet aus dem Bataillon Reihenstein. Werner und Paul Wintzer, beide unverletzt, marschierten wieder im Bataillon des Majors Reitzenstein, der die Aufgabe hatte, die feindliche Armee beim Beziehen der Quartiere zu stören, überhaupt in jeder Weise zu beunruhigen, damit die Hauptmasse Iorcks Zeit gewönne, noch einen letzten, vernichtender- Schlag gegen den Kern des französischen Heeres zu wagen. Lange, unendlich lange Reihen Wagen verwundeter, stöhnender Soldaten, klagender Verstümmelter und. in dumpfer Ergebenheit auf dem blutigen Stroh, liegender Halbtoter zogen von Wessel, das keinen Raum mehr für die Aermsten hatte, nach Heidehorst und nach den andern Dörfern nnd Herrensitzen der Umgebung. Etwa vierzig Wagen mit zweihundert Verwundeten fuhren auch in Schloß Heidehorst ein. Dieses Bild des größten Jammers erweichte selbst das härteste Herz des glühendsten Franzosenhassers, und jeder im Dorfe eilte herbei, zu bringen, was ihm der Krieg noch gelassen an Leinwand und Wäsche und Nahrungsmitteln. Hier gab es nicht Freund noch Feind, nicht Franzosen nicht Deutsche, hier gab es nur ein großes Mitleid von diesen leidenden Menschen. Ein Regimentsarzt und ein Feldscher, das war alles an ärztlicher Hilse, die diesem Transport von zweihundert Menschen zur Verfügung stand, dieser Menschen, deren einziges Wort, was die siebernden Lippen noch sprechen konnten, ein Flehen und Jammern um Linderung der Schmerzen war. -Außerdem gab es noch ein Dutzend Krankenträger. Die Dörfler griffen wacker mit zu, die Verwundeten aus den Wagen zu heben und auf das Stroh in die Säle des Schlosses zu betten, und manche der Frauen, die Blut und Wunden nicht scheuten, halfen mit verbinden, vielleicht im Herzen die Hoffnung, daß ihr eigner Junge, der mit im Felde stand und der jetzt vielleicht auch in Blut und Schmerzen irgendwo jammerte, eine mitleidige Seele finden werde, die ihm Hilfe nnd Linderung verschaffen werde. Da, mitten in dieses Werk der barmherzigen Liebe, ertönte der Ruf: „Die Preußen! Die Preußen!!" Die einheimischen Pfleger rannten, so schnell sie konnten, nach ihren Wohnungen, um sich zu verbarrikadieren und zu verstecken, obgleich ste doch selbst von ihren eignen Landsleuten nichts zu besürchten hatten. Tie eben in die Quartiere eingerückten Soldaten der französischen Armee eilten zu ihren Waffen und Sammelplätzen, und nun ging es wieder hinaus, zum Tode erschöpft, frierend und hungernd. Ein feiner Regen riefelte aus den grauen Wolken hernieder. Die Erdschollen der halbbestellten Felder klebten an den Stiefeln, so daß die Krieger wie aus Stelzen einherschritten. Die Gräben am Feldraine und längs der Straßen waren mit lehmigem Wasser angefüllt, und diese Stellung mußten die Franzosen besetzen. Bis an die Hüften standen sie im Wasser oder knieten in schlierigen Tümpeln. Der Orts- und Lagerkommandant, ein blutjunger, durch seine Tüchtigkeit im russischen Feldzug. schnell beförderter Oberstleutnant, befehligte die Verteidigungsstellung. Vom Hauptquartier war ihn: Befehl zugegangen, Ort und Schloß Heidehorst unbedingt so lange zu halten, bis Verstärkung und Entsatz eingetroffen sei. Jetzt lagen sie in den nassen Gräben und spähten nach dem Feinde, der am käunr acht« hundert Meter entfernten, düstern Waldrande erscheinen mußte. Dort knirschte und knackte es von tausend Fußtritten, ein hastiges Vorwärtsdrängen, ein Zwängen durch das Gestrüpp, ein Klirren von Waffen und Montierungsstücken,- ein Fluchen und Kommandorufen, mit einem Worte: Kriegsmusik. Nun brachen'sie hervor. Himmel, fpieh denn die Erde Krieger aus? Wer säte diese Saat, die jetzt an hundert Flecken aufging, und schnaubte und stöhnte und jagte und- rannte, von wilder Gier erfaßt? Hei, Grüß Gott, alter Kirchturm! Grüß Gott, altes Schloß! Und da drüben, das grüne Haus mit rotem Dach, stand da nicht meine Wiege und sang mir nicht unter jener Linde die Mutter traute Weisen?! „Du, Kamerad, das ist mein Ort!" rief der eine dem andern zu. — Kameraden aus dem Bataillon Reitzen- stein waren es, Heidehorster Jungen, die vor Wochen aus- gezogen waren, die schon vorgestern bei Möckern so tapfer mitgefochten und die nun das Schicksal an den Rand des Heimatdorfes trieb. Das waren heimatliche Fluren, über die sie schritten, zehnmal von ihnen selbst bestellt, die Pslua- schar in die Scholle drückend, den Samen darübertragend-, — Jetzt trugen sie andres Eisen, spitz und blank, und andern Samen, den Tod! — „Du, Kamerad, in dieser Kirche haben wir das heilige Mahl gekriegt und den Segen -von Pfarrer Tempel, ehs wir auszogen!" Bum — Krach! — Rollen, Zittern — Donnern. -- Die preußische Artillerie hat das Wort, da schweigt alles still. Es ist ein Langes, ahnungsvolles Schweigen, das im Kriege den ersten Geschützdonnern folgt. „Welche Kirche! meinst Du, Kamerad? — Ich sehe keine," fragte der Nachbar, ein Hamburger. „Mensch, bist Du blind, sieh doch dort!" Er reißt jetzt selbst die Augen auf. — Ja, Himmel, noch eben stand ja dort der Kirchturm, noch eben hatte er ihn gesehen, und jetzt, jetzt stieg am selben Fleck eine schwache Rauchsäule auf. (Fortsetzung folgt.) Die schwedin. Von Otto S t o e ß l. Aus einer nordischen Reise kam der österreichische Ingenieur zu einer kleinen Halbinsel int südlichen Schweden, wo er eilt paar Wochen der Erholung zu verbringen gedachte. Diese Landzunge war wie die Spitze eines Pseilers in das Meer gebohrt,- mit steilen Graniiwänden absallend, oben dicht bewaldet. Es gab nur zwei halbwegs offene Plätze, die als Badestellen, und Häfen dienen konnten. Der eine lag einsam als eine winzige leere Bucht da und hatte bloß eine Badehütte und einen Landungssteg für die anlegenden Boote, der andere öffnete sich weiter und trug ein schmales Fischerdorf, das wegen der Stille der dahinter ansteigenden Buchenwälder und ivegen der klaren Luft von fremden Badegästen viel besucht wurde. Ihre meisten Wanderungen bewegten sich über den dicht bewaldeten, unablässig aus- und niedersteigenden, hochwelligen Rücken der Halbinsel, vont Dors zur andern Bucht und von dieser wieder zum Dorse zurück. Unser Ingenieur war eben stundenweit allein gegangen und verspürte jenen leisen, doch- nagenden Durst nach Menschen, wie man ihn bei lange anhaltender Einsamkeit gar wohl empfinden mag, wo man, ohne näheren Umgang und Verkehr zu verlangen, doch wieder menschliche Gesichter, Stimmen, Lachen wahrnehmen will, um sich zu vergewissern, daß man nicht ganz allein auf der Welt verlassen ist. So trübselig und gleichsam von außen her zum Schweigen verdammt, erblickte der Ingenieur plötzlich den dunkleren Schimmer des Meeres neben dem helleren des Himmels durch die Stämme. Nach ein paar Schritten fand er sich auf dem abspringenden Granitfelsen des Randes etwa sünfzig Meter über der kleineren Bucht. Und er sah dort unten ein Menschenkind, ein schönes noch dazu. In einem Bademantel saß ein schlankes Wesen, dessen kornsarbenes Haar in glatten dichten Strähnen über die Schultern bis zu den Hüften Heng, aus einer Klippe in der Sonne und schlenkerte mit den nacktem weißen Beinen. Die Fußspitzen berührten das Wasser. Der Ingenieur stand da Und schaute freudig erstaunt auf tue Helle Ueberraschnng. Jetzt sprach mit einem Mal fein Gemüt, das 371 Sie jauchzte: ,/Fa, das will ickp eine Tür will ich offen lassen. Alle Türen sollen mir offen fein r Blumen im Aornfelde. Im rauschenden Gewoge des Kornfeldes recken prächtige bunte Blumen ihre Köpke empor, dem Landmanue zum bitteren Aerger, bem Naturfreunde zur grobten Freude: „Ei, sieh nur, Vater, welche Pracht! Das hat der liebe Golt gemacht", wie der Sohn des Bauern in Reinicks Gedicht ausrust. „Korn- Lier Ingenieur tiopfie an Das ebenerdige Fenster des reinlichen I blumen sind es, Mohn und Raden" — und sie sind in der Tat die Weitzen Häuschens, da öffnete das Mädchen noch ganz schlaf- i schönsten, bekanntesten imb verbreitetsten „Unkräuter" des Korn- rrunren. den Laden» IN einem weißen Mprgenkleide, das hundert-^ri.^ es. Der Landmann ist durchaus im Recht, wenn er sie aus Jetzt sprachen Himmel und Meer, blaues, sounedurchblitztes, Wasser, grüne, weithinglänzende Küste, Weißes, rauschendes Segel I int Wind und vor allem das aufjauchzende Gemüt des Gastes 1 eine andere Sprache als vordem. Früher war die ganze Natur stumm dem Stummen gegenüber gestanden, jetzt, da dieses junge Mädchen am Steuer saß und ihre Hand und die kühlen Blicke strahlten, glänzte alles und lachte mit tausend Stimmen. Dem Ingenieur schien das junge Mädchen völlig den siegenden Schlacht- jungfrauen der giordischen Sage zu gleichen, so unberührt, so einfältig, so erhaben saß sie da, ruhig atmend, schauend, lebend, ihr war bie Welt noch heilig, die Erde noch neu, das Dasein noch göttlich. Sie war der erste Tag und war's' eine ganze wunderbare Jugend lang. Im funkelnden Grün des durchsonnten Waldes wie in einem | stimmig jauchzende blonde Haar strahlte uw ihr Neig-s m. öden Wolkentag mißmutig geschwiegen hatte. Jetzt hielt er still, sicht. 0 ,na51tc um heißes Gräber in seinem herzklopfenden Lauschen lag eine gewisse wort- ~ " lose Beredsamkeit. Seine Augen spähten zaghaft, als könnte ein allzu lauter Blick die lichte Erscheinung wie einen Schmetterling verscheuchen. Die Frau nuten spielte still mit ihren glänzenden nackten Beineu, welche sich wie zwei tanzende Geschöpfe im Sonnenlicht bewegten, während das blonde Haar ruhig , ml,e. plauderte unbefangen, und den Fahrgast, der von ihr Lei\< r, nicht wenden konnte, dünkte kaum eine Viertelstunde verflossen, als schon im Abendlicht das Dorf an der Küste mit seinen weißen Häuschen auftauchtc. Dort wohnte sie bei ihren Eltern. Er wollte sie Wiedersehen. Da brauchten sie nur morgen wieder eine Bootfahrt zu machen. Mit dieser Verabredung schieden si.e. Der Fährmann und seine Tochter reichten dem Fremden me Hand und das Mädchen tauchte mit wenigen Schritten in me Dämmerung. Am nächsten Tage stand der Schiffer schon mit seinem Boote arn Ufer bereit. Er war längst draußen auf Fischfang gewesen. Der Ingenieur klopfte an das ebenerdige Fenster des reinlichen tgudwerk lernen könnend «lÄSth»™ KW* »™6- « ** ">-di ÄÄ'te” HWftWS aufnehmen. I wie man aussieht." In Kopenhagen aber habe sie einen Hut! 0« f ^meUx ^esa,n.rt icn &tna£’äuFl[et:tern, «’u&tc I Sie machte eine gebieterisch umfassende Handbewegung, als be- es aber aufgeben da er keinen Pfad fand und. abzusturzen fürchtete, schriebe sie einen Umkreis Über die ganze Halbinsel; einen solchen "E 5r hus5^. I Hut hatte sie in Kopenhagen. Da brauchte sie sich! nicht ctn toem®' IC^ lüI“ ®tc herunterholen, I schämen. Der Ingenieur lächelte in sich hinein: „Wenn die Wat- an&L&n ?rtlts'nc’Q; r-j ; ... , .. I küren zu reden beginnen!" Wer wie gleichgültig, was sie sag ft, ?h .cr ^an krch aufrichten, leichtfüßig über die I wenn sie lachte und von Kopenhagens Herrlichkeiten fabelte, ware!N stukS,r„pFelsen und Büschen zum I ihr Mund, ihre Äugen Und ihr zurückgeworfenes Haupt und jedes Badehause verschwinden. Mittlerweile legte das Boot au der! goldene Haar auf ihrem Kopf tausendmal weiser, als all sein Landungsbrücke an, Fremde stiegen aus, der Fahrmann wartete. I Verstand. Nach ivenigcn Minuten kam ihm die Frau entgegen, be- 1 " ' " " - ' — - ■ reits reisefertig angetaii, sie war schöner als seine Wnung, ein großes, schlankes, stattliches Mädchen, mit blühenden Wangen und Äugen, städtisch, aber einfach in graues Tuch gekleidet, lieber dem nassen, in schwerem Knoten aufgesteckten Haar saß ern wenig schief eine weiße Leinenmühe. Der kindlich unerschrockene Ausdruck des Gesichts, das zurückgeworfene Haupt, die gerade Haltung gaben ihr etwas Kühnes, dabei freundlich Offenes. Sie erwiderte lachend seinen verlegenen Gruß und führte ihn einen versteckten Pfad hinab. Nach kurzem Abstieg sahen sie sich auf dem Kies der Bucht. Und sie hatte auch einen Bräutigam. Ei, wer war denn das? Ein reicher .junger Schtvede aus aiigesehenem' Hause. Da werde sie wohl bald heiraten. Sie schüttelte lachlend den Kopf. Tas könnte ihr gerade ein# fallen, so dnmist sei sie weder geboren, noch geworden, ihresj Vaters jüngste Tochter sei kein Kalb, lachte sie und tanzte Mit ihrem leichten Gang voran. Ja, weshalb sie sich, denn nun eigentlich verlobte? Damit sie in die Welt hinauskomme. Ihr Bräutigam müsse sie führen, dazu habe sie ihn auserwählt, Kopenhagen gelte noch „Der Vater ist schon bereit," sagte sie. Also war sie des I , nichts, sie wolle nach Berlin, nach London und auch Nach Fährmanns Tochter. Der war hochgewachsen wie sie und von | Paris, sie wolle schöne Kleider tragen und noch viel schöneH freiester Haltung, wie ein Edelmann. Einsame Fischer, die nur 1 Hüte, gls einer zu Kopenhagen in ihrer Lade liege, sie wvH unter des Meeres Herrschaft stehen, werden und bleiben wohl tm! Wagen fahren, ins Theater kom'men, reifen und alles Verso, gebräunt, graubärtig, aufrecht und gegen Fremde von höf- I gnügen haben, das auf der weiten Erde wachse. - Wozu sei st« licher Zurückhaltung, indem sie ihre Dienste als Gastgeschenk denn jimg und leidlich Hübsch, wozu gebe es denn sonst Städft nicht als Ware bieten. Der Ingenieur erfreute sich der vor- I und Musik und Tanz und Schmuck und alles Wunderschön^, nehmen Art, mit welcher ihm der Schisser die Hand bot und Tabei breitete sie die Miste gegen beit blauen Himmel aus ist in gebrochenem Deutsch über die bevorstehende Fahrt sprach einer kindlich einfachen Bewegung und stand mit offenen Armen,- Das Mädchen stieg über die Querbänke des Bootes hinüber und I das Haupt zurückgebvgen da, als umfasse sie die ganze einsam« setzte sich fröhlich beim Steuer zurecht, so daß sie den Gast voll I grüne Erde hier. Dabei hatte ihr Gesicht einen unsäglich rühren? anblickte. Nun fuhr das Boot ab und hielt sich längs der Küste »en, unbeholfenen Msdruck von heiliger Zuversicht, die an das im Sonnenschein. I Leben glaubt. Sie ging so schnell, gleichsam der leuchtenden Zukunft sich Mtge'gmhebenb, daß der Ingenieur sich elfen Mußte, Um an ihpe zu kommen. Er wagte nur gelegentlich, dieses hohe Wesest anzuschauen, dessen Blick und Gesichtsausdruck etwas traumhaft Entriicktes hatte, etivas von einem' Kinde und etnms von eines Mutter. Die Unberührbarkeit jedes siegreichen Frauenwesens schwebte wie ein goldener Schein über jeder Bewegung Mer Gestalt und auch über den Worten, die alle Torheiten der |®rbi8 kraft eines strahlenden Willens zu eben so vielen Wundern machtest. Er schüttelte den Kopf und sagte endlich leise: „Wemi Sie also Ihren Verlobten nicht heiraten, sondern nur mit ihm in der großen Welt herumtziehen wollen, um! alles zU genießen, dunst haben Sie sich gebnndeii, uM erst recht frei zu sein. Ta wollen Sie wohl eine Tür offen lassen?" „Ich bin eben aufgestanden." „Wann werden Sie fertig? In einer Viertelstundevielleicht?" h-T ''S“8 denken Sie, erst muß. ich mich ankleiden und dann essen, Mel essen, denn ich habe großen Hunger, und dann erst kann ich kommen, frühestens in einer Stunde." über den Schultern stand und'leuchtete. Aber eine Frau fühlt! erfteS @te^bf^^e^^\^>ienn^ett ma^ toirb Ciebe^neueriftUintmer Üben, noch so verborgenen Bück, ber ihr bestimmt ist, und das wieder das erste. Aber nach einer SMnde kam sie ibm lacknnd Auge des Mannes trifft sie von weitem tote ent Pfeilschust. I entgegen. ' m tc “ö)cnö So wandte die Badende unten plötzlich ruhig mit langsamer | Sie fuhren manche Stunde im Seaelbont ihres snnfpra linh, halber Umdrehung ihres Oberkörpers das Haupt nach ihm, schützte I schlossen eine kühle, aber heitere Bekanntschaft Der Tnaenieur die Augen mit der rechten Hand und sah ihn an. Er konnte hätte sein eigenesGefühl verletztwenn er sie n ckt mit Ge° lHre Zuge , nicht , genau unterscheiden, doch schienen sie ihm von danken und Worten durchaus als das königliche Wesest ÄiteS weiteni schon, wie ihre Haare und vollkommen, tote ihre weißen j hätte, das sie war a " •«.eien oeyanoeir und schämte sich zwar seines Lauerns, . .Mer da selbst ein Wunder, wenn auch mit Himmelslauten, aber mit nreuden. . I irdische Worte vermmmt und spricht, erfuhr der Fremde, das Jetzt hörte er von ivettem Rufe aus einem Boote, das | Mädchen sei die jüngste von sieben Töchtern alle leien vielernak sich dem Strande näherte. Da wollten Fahrgäste wohl landen. | schöner als sie selbst versicherte sie alle verheiratet alle nackt feie war er erstaunt, als die Frau unten, die sich nach ihrem Amerika,London? Kopenhagen und in fl^^e aBe[Moriae^^n Sw kurzen Blick wieder ruhig von ihm abgewandt hatte, ihm mut | allein wohne bei den Eltern aber nur im Sammer 4 im plötzlich einige schwedische Worte laut zurief. Er verstand sie Winter sei dies arme Fischernest greulich da z ehe sie nach ‘V1?'neinte' toelte ri)n unb SMeM füfi I Menbagen, wo sie ihr Brot als Frffeurinverdiene 1 Noch blieb er unschlüssig, da rief sie in deutscher Sprache zu | Da ist es schön da ist die Welt anders als diele arliw» zum fcf“>urflä fajefalIÄ “"lege, Hölle da," lachte sie.' Ter Ingenieur scherzte,'an ihren eigenen 8 J Älirlegem ipoile. I tollen Haaren habe sie wohl ihr feines Handwerk lernen könnest. .Änı Ä. sagte i/t meinIaar ganz.häßM.L 372 dem Kornfelds ausmerzen möchte. Denn schon der fünfzigste Teil der Radekörner färbt beispielsweise das Mehl der Brotfrucht schwärzlich und verleiht ihm eine Schärfe, die sich durch Reiz und Brennen verrät imb aus den Giftstoff zurückgeht, der in dein prächtigen Unkraut cnthallcn ist. Im Mittelaller erhob man gegen die Rade noch schwerere, freilich unberechtigte Vorwürfe: in. den roten, zungenförmigen Blunrenblättern ivollte man lodernde Flamiuen erblicken, die den Brand iin Getreide verursachen sollten, und das bloße Ansehen der Rade sollte Augenschmerzeu Hervorrufen. Die vielbesungene Kornblume mit ihrem leuchtenden Blau ist vielleicht die schönste Blume unter asten Schätzen des Kornfeldes. Sie hat eine eigentümliche Geschichte, denn in der altdeutschen Zeit war sie das Sinnbild des Wankelmutes uttb der Untreue, während sie uns heute das Gegenteil, das Sinnbild der Treue _ und Beständigkeit ist, und in diesem Sinne haben Schiller, Rückert und andere Dichter sie besungen. Eine hübsche Erklärung , dafür, warum der Deutsche sie besonders liebt, hat Peter Rosegger einmal gegeben: „Sie war die Lieblingsblume der Königin Luise, die unter den Franzoseneinfällen so gelitten. Dann hat ihr Sohn, Kaiser Wil- Helm, die Kornblume erwählt und dabei wohl kaum geahnt, daß die liebliche blaue Blume das Sinnbild seines weltgeschichtlichen Werkes werden sollte. Welch ein deutscher Fürst immer das Reich zur Einheit geführt haben würde, diese und gerade diese Blume hätte sein Symbol werden müssen. Weiß wohl auch jeder, der die Kornblume im Knopfloch trägt, wie sie gestaltet ist? Einen Kranz von vielen Sonderkrönlein vereinigt sie zu einer Krone. So wie Wilhelm I. die deutschen Fürsten vereinigt hat zum deutschen Kaiserreiche. Die Kornblume ist das Zeichen der politischen Einheit Deutschlands, der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Die große Beliebtheit der Kornblume in Deutschland geht übrigens nicht allein auf die Königin Luise zurück, sondern findet sich schon in früherer Zeit. Die Kreuzzüge haben sie wahrscheinlich mit dem Mohn zusammen in unser Klima versetzt und im 16. Jahrhundert wurde sie wegen der Schönheit ihrer Blütensarbc allgemein in Gärten gezogen. In anderen Ländern spielte sie übrigens auch eine Rolle: bei den Deutsch-Böhmen ist sie natürlich Sinnbild des Deutschtums, in Belgien dagegen ist sie das liberale Abzeichen, und in Frankreich wird sie von den Antisemiten getragen. Tie Mohnblume oder Mahnblume, wie Lessing sie noch nannte, ist, wie bereits angedeutet, auch eine Orientalin. Ihr Lob haben fast ebenso- viele Dichter gesungen, wie das der Kornblume. „Golden prangt die Ernte schon, Durch die schlanken Halme lauschen Blaue Blumen, roler Mohn, Morgen wird die Sichel rauschen", so singt Riickert, und bei.Goethe heißt es: „Fern erblick ich den Mohn; er glüht. Doch komm ich dir näher, Acht so seh ich zu bald, daß du die Rose nur lügst." Für das leuchtende Glührot des Mohns hat Masius einmal die folgenden treffenden Worte gefunden: „An der Sonnenlohe selber hat er seine flatternden Blätter angezüudet und in diesem Brande eilt nun auch das Korn zu retten.* Die volkstümliche Beliebtheit der Mohnblume stammt ebenfalls aus ziemlich alter Zeit. Im Jahre 1540 erzählt schon Leonhard Fuchs: „Die Kinder haben ihre Kurzweil mit den Blumen, indem sie mit den Blättern Schnallen in der Hand oder Stirn machen". Noch heute ist es allgemein verbreitete Sitte, daß die Kinder die dünnen, seidenglänzenden Blütenblätter über den au§ Daumen und Zeigefinger gebildeten Ring legen imb mit der anderen flachen Hand darauf klatschen. Die Blumenschatzkammer des Korittelbes ist mit diesen drei Blumen natürlich lange nicht erschöpft : sie enthält unter den größeren noch die Kamillen, die große Wucherblume und den prächtigen blauen Rittersporn; im Kornfeld wächst das niedere Volk der Wicken, der Winden, Vergißmeinnichtarten, Stiefmütterchen usw. bis zu den ganz kleinen, den Vogelmieren imb dein Ackergauchheil abwärts. Vermrschts». * (Sine Sprachecke a u s ocm Jahre 184 9. Am Am 28. Oktober 1849 fand in Zwickau die erste öffentliche Schwurgerichtsverhandlung statt. Obgleich aber das diesen großen Fortschritt bringende Gesetz, wie so viele Veröffentlichungen jener bewegten Zeit, in gutem Deutsch abgesaßt war, gefielen sich Richter und Verteidiger so sehr in reichlichem Gebrauch von Fremdwörtern, daß ein Leser des Zwickauer Wochenblattes seinem Ingrimm hierüber in einem Eingesandt Luit machte. Das Eingesandt, das man als einen Vorläufer unserer Sprachecken ansehen kann, ist noch heuie lesenswert. Es heißt da: Viele Rechtsgelehrte sind leider daran gewöhnt, sich einer Menge fremder Ausdrücke aus der Gelehrtensprache zu bedienen, weil sie bisher nur für Gelehrte — schrieben. Im öffentlichen Verfahren aber müssen sie für das Volk und für Männer aus dem Volke, sirr die Geschworenen reden. So sehr mau auch von letzteren einen gesunden Verstand und allgemeine Bildung erwarten kann und muß, so ist ihnen doch weder zuzutrauen noch zuzumuten, daß sie Latein und Griechttch verstehen, weil sie eben meistens keine Gelehrten, sondern einfache Bürger sind und in einem deutschen Gerichte ihr Urteil sprechen. Die Pflicht aller bei den Verhandlungen als Redner Auftretenden rst es daher, deutsch und somit für die Geschworenen verständlich zu reden. Geschieht dies nicht, so leidet die Sache darunter, inbetrt die Geschworenen das Verhandelte nicht getreu und richtig auf» fassen können. Ausdrücke, wie wir sie vernommen haben: „Mein Tuend", „Mein Defendend", „a priori statuieren", „ich brauche die Negatwe nicht zu beweisen" und vieles dergleichen sind für den einfachen Bürger und Bauersmann nicht deutlich. Kann man nicht sagen: „Mein Schützling", „von vornherein annehmen" usw>? Tie deutschen Ausdrücke tun hier und in allen Fällen der Sache keinen Eintrag. Mau muß sich nur bemühen, für die lateinischen Floskeln die entsprechenden deutschen Ausdrücke zu finden; man wird nie vergeblich suchen. — Möge bei künftigen öffentlichen Gerichtssitzungen der mir aus Teilnahme für die gute Sache ausgesprochene Wunsch Beherzigung finden: Redet vor dem deutschen Volke deutsch! Nau (Zwickau). Büchertisch. — D a s Biedermeier int Spiegel seiner Ze i t. Briefe, Tagebücher, Memoiren, Bolksszenen und ähnliche Dokiw mente gesammelt von Georg Hermann. Deutsches Berlagshaus Bong & Co., Berlin. — Wie ein glückliches Eiland, eine -onsel, auf der noch Frieden und Stille, behagliche Lebensfreude und harmlose Heiterkeit zu Hanse ist, so erscheint uns heute die Biedermeierzeit, und unsere Sehnsucht zieht uns zurück zu jenen noch gar nicht fernen und doch schon so fremden Jahren zwischen! 1815 und 1848. Damals, als Dampf und Elektrizität snoch nicht unser Leben in eine lärmende Hetzjagd verwandelt hatten, als es noch keine Millionenstädte in Deutschland gab und sogar Berlin ein deutlich gegliederter, charakteristischer und gemütlicher Ort war, damals — so kommt es uns vor — gediehen auch originellere und herzlichere Menschen, die es verstanden, ihr Heim mit Möbeln und Geräten geschmackvoll und sinnreich auszustatten, die gerne zu harmlosen Vergnügungen zusammenkamen und einen Schatz besaßen, der uns allen verloren gegangen ist: Zeit. Mit diesen Menschen geistigen Umgang zu pflegen, gehört zu den köstlichsten Genüssen. Voll Freude nehmen wir daher das obengenannte Buch in die Hand, das ebensogut ein Buch über die Biedermeierzeit wie eines aus der Biedermeierzeit genannt werden kann. Georg Hermann, der sich in seinem vielgelesenen Roman „Jettchen Gebert" . als der beste Kenner jener Epoche erwiesen hat, schüttet hier die ganze Fülle seiner Kenntnisse aus, um in originalen Zeugnissen wie Briefen, Tagebüchern, Memoiren, Zeitungsberichten, Volksszenen, Gassenhauern usw. die Zeit selbst unmittelbar zu uns sprechen zu lassen. Von ihm geführt, betreten wir die großen lavendelduftenden Zimmer mit den geblümten Tapeten und steifen Möbeln, mir wandern durch das damals noch so stille Berlin, besuchen die berühmten Konditoreien und gemütlichen Gartenlokale, wir freuen uns an dem derben und schlag- fertigen Berliner Volkswitz; aber auch Wien, als der zweite Mittelpunkt der Biedermeierzeit, wird uns vorgeführt; wir lernen die Welt des Theaters, der Literatur und Kunst kennen; die sozialen Verhältnisse, die geistigen Strömungen kommen zu Worte, und so werden wir allmählich auch mit dem Ernst der Epoche bekauntgemacht, sehen die Reaktion am Werke und erleben die ersten Sturmzeichen der Märzrevolutiou. Mit diesem entzückenden Buch, von Georg Hermanns gewandter Feder eingeleitet, wird die rühmlich begonnene Sammlung „B o n g s S ch ö n Süd) er ei" aufs beste fortgesetzt. Der Vorzug origineller und dem Inhalt angepaßter Buchausstattung ist auch diesem Werke eigen. Als besonderer Schmuck find fünf ganzseitige Neproduktionen zeitgenössischer Bilder wiedergegeben, welche uns graziös und geschmackvoll das echteste Biedermeier sichtbar vor Augen führen. Dabei beträgt der Preis wiederum nur zwei Mark. Wann immer wir dieses Buch in die Hand nehmen, und an welcher Stelle tvir es auch aufschlagen, stets werden uns die köstlichen Dokumente einer reizvollen Zeit belehren und unterhalten und uns über dir Gegenwart hinausheben. Rätsel. Man hat mich der Gottheit Geschenk genannt, Bei allen Völkern bin ich bekannt. Ich bin beliebt und unentbehrlich, Sobald der Winter fällt beschwerlich. Erheb ich mich aber und wachse an, So flieht und haßt mich jedermann. Ich brachte manchen um sein Gut, Der nicht vor mir war auf der Hut. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: CHINA HAHN IHR N N A Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-