«ft1 Mttlvoch, den (7. Dezember •':9 «a - V > t ff i; i H Taute Bertas Weihnachtsgabe. Bon E r n-ft Georg y. (Nachdruck verboten.) rcilt Weber hatte mit bet» blutjungen Dienstmädchen Die ganze Woche vor dem Fest hart gearbeitet. Jetzt leuchtete die r lei nc^ Wohnung dafür auch bis in die verstecktesten Wiu- m. vor Sauberkeit. Im Wohnzimmer hatten sie ein Tischchen vor den altmodischen Spiegel gestellt und den dürftigen Tannenbauin auf die weiße Decke gehoben. Mit Plätt-, bolzen, die unter Tauneureisern mühsam versteckt wurden, hatte man das ivackelnde Miumchen sorglich gestützt. — Die blaße kleine Magd verschwand in ihrer Küche, wo es noch viel zu scheuern und zu putzen gab. Frau Weber selbst holte aus einem Schubfach der Kommode den großen Pappkarton hervor, in dem sie von Jahr zu Jahr den billigen Baumschmuck aufbewahrte. Nachdenklich, freudlos begann sie die goldenen Papierketten, die bunten Lichthalter und die Wachs- engelchen in den schwachen Zweigen zu befestigen. Dann schraiibte sie die Kerzen fest und steckte den großen Stern auf die Spitze. Nun war das Werk getan! — Die alte Dame .trat ein paar Schritte zurück, betrachtete den Christbaum lange Zeit in Gebauten versunken und seufzte tief. — Gerade wollte sie aus der große» Markttasche Aepfel, Misse und Pfefferkuchen in einige bereitgestellte Schüsseln sortieren, als draußen au der Eingangstür der Wohnung die. Klingel heftig und lange gezogen wurde. Frau Weber erschrak und horchte, nach einem Blick auf die Uhr, hinaus, Berta öffnete und sprach mit einem Fremden, dessen tiefe, heisere Stimme der Lauscherin bekannt erschien. Gleich darauf kam das Mädchen herein: „Frau Weber, da ist ein Herr aus Pommern. Der will Sie spreche». Er fei der „alte Hahn", sagt er. Mehr wär' nicht nötig!" — „Hahn?! Unser alter Hahn?" Frau Weber schrie förmlich vor Aufregung und stürzte hinaus. — „Herr Pfarrer, Herr Pfarrer — schluchzte sie und streckte dein großen, starken Mann, der in Pelzmütze, Pelz und lieberschuhen schneebedeckt wartete, beide Hände entgegen. — Er eilte zu ihr und, selbst erschüttert, lachte er nur rauh und stieß die paar Worte „Liebe alte Freundin" schwer heraus. — Endlich hatte sie ihm aus seinen Umhüllungen geholfen und ihm im warmen Zimmer neben dem Ofen ihren Lehnstuhl angewiesen. Geschäftig, freudestrahlend eilte sie hin und her, um deiu Durchfrorenen eine heiße Tasse Kakao auf dem Schnellkocher zuzuberciten. „Nun erzählen Sie, Herr Pfarrer, ivas hat Sie bei dcui furchtbaren Wetter nach hierher gelockt? Ich freue mich ja unglaublich, ich lasse Sie auch nicht fort! Franz und Matchen iverden ja selig sein über das unerwartete Weihnachtsgeschenk. Nein, Sie bleiben bei uns und verleben den heiligen Abend bei uns. Bescheiden, aber einfach und friedlich. Mehr können wir uns nicht gestatten!" — — Sie schwatzte erregt und hörte erst aus, als sie die dampfende Tässe vor ihm auf ein Tisch« I chen gestellt und sich neben ihm niedergelassen hatte. „So sprechen Sie doch, Herr Pfarrer!" drängte sie.' Er lachte behaglich und rieb sich die Hände: „Ich will schon, liebe Frau Weber; aber ich komme ja nicht zu Wort. Also, ich habe auf dem Konsistorium ohnehin zu tun. Ich bin um meine Pensionierung eingekommen, und da dachte ich, es sei besser, wenn ich gleich persönlich für meinen Hannes ein paar gute Worte einten«. Er hat sich nun lange genug als Marineprediger in Südamerika aufgehalten. Man hatte ihm so fest eine gute Anstellung in Deutschland versprochen. Da hoffe ich denn, wenn ich ein bißchen uachhelfe, daß man ihn zu meinem Nachfolger ernennen wird. Der Hannes in meinem Amt, auf meiner Kanzel! Ich glaube, daß Sie und die ganze Gemeinde sich mit mir freuen würden, nicht wahr, meine alte Freundin?" Tie Gefragte nickte lebhaft mit dem Kopfe: „Es wäre nur natürlich und richtig!" rief sie. Jedoch auf ihren faltigen Wangen lagen zwei rot abgezirkelte Flecken. Zwischen dem Hannes Hahn und ihrem Matchen lag etwas Unausgesprochenes. Da hatte es früher etwas gegeben; gber er war in die Fremde gegangen. Fast sechs Jahre waren verstrichen. Das Mädchen sprach nicht mehr von dem Jugendgeliebten, und sie erwähnte ihn schon längst nicht mehr. Wozu auch?"----„So übertrug ich denn dem Hilssprediger meine Vertretung für das Fest und dämpfte nach hier durch Schnee und Eis. Das ist einmal ein harter Winter. Unser Dorf ist ganz eingeschneit!" — — „Wie sieht es auf Tänuen- berg aus?" unterbrach sie ihn bitter. Hahn sah sie treu* herzig an: „Es sitzt Ihnen also doch noch im Herzen, trotz des schönen großen Berlins?" — r— „Ich bin ein Landkind, auf dem Gute bin ich geboren, erzogen. Dort hat sich mein Leben abgespielt, bis der Zusammenbruch kam. Mein Mann starb, und wir mußten fort!" —„Das Ende mit Schrecken war besser als der Schrecken ohne Ende, Frau Weber! Nach Ihnen ist schon der zweite Besitzer da und quält sich zu Tode. Tannenberg war total abgewirtschaftet!" sagte der alte Geistliche und trank vorsichtig den kochendheißen Kakao. „Das ist auch eins von den Dingen, die ich meiner Schwägerin Berta über das Grab hinaus Nachträge. Gott schenke ihr den ewigen Frieden; aber sie durfte uns nicht in die Stadt lassen! Sie war die reiche Witwe, hätte sie Franz und mir noch' einmal geholfen, uns die Hypothek gegeben, wir hätten das Gut gehalten!" — — „Nie und niemals, Frau Weber! Sie hätten sich totgearbeitet und daran verblutet. Franz luar so jung und unerfahren. Was wußte der vom Leben, vom kaufmännischen Rechnen?" — — „Er hat es gelernt!" rief sie bitter.^ „Er ist der beste Angestellte, klug, tüchtig, gewissenhaft. Seine Chefs halten mehr von ihm als seines Vaters leibliche Schwester!" — — Der Pfarrer nahm ihre zuckende Hand. „Sie sind ungerecht, liebe Freundin!" sagte er ernst. „Ihr lieber Junge hat sich erst im Leid gefestigt und durchgerungen. Jetzt ist er ein ganzer Mann. Glauben Sie, daß Berta das nicht gewußt'hat?" — — „Natürlich hat sie es wissen müssen. 786 Sie war ja lange genug in Berlin, bei, uns, bei seinen Chefs. — Sie hat sehen müssen, wie er sich nach Lust und Licht heimlich verzehrte, wie unglücklich er sich in den vier Kontorwänden fühlte; aber sie, die reiche Erbtante, half ihm nicht. Noch mehr, sie sah, daß der arme Junge sni) in seinem Idealismus mit der armen Lieschen Burger versprach. Sie sah das Brautpaar sich in seiner Sehnsucht von Jahr zu Jahr schleppen; aber sie gab nicht entert Pfennig her von ihrem Mammon!---Ach, Herr Pfarrer, Gott soll mich nicht strafen; aber ich kann nur mit Bitterkeit am meine Schwägerin Berta denken!" Frau Weber sprang auf und eilte im Zimmer auf und ab. „Franz und Lieschen altern und warten. Malchen arbeitet sich um ihre Gesundheit an der Gemeindeschule, klaglos und freudlos. Um meinetwillen, weil sie mich ernähren müssen, komnten die beiden kreuzbraven Kinder um ihr Leben und Glück! — — Und Frau Berta Lange stirbt, und ihr schönes, schuldenfreies Gut wird zu einer Stiftung, und ihr Geld--"--„Nun, und ihr Geld?" --- „Was weiß ich, Herr Pfarrer? Nur eins weiß tch, wir haben es nicht bekommen! Wir nicht! Berta i)t doch bald acht Wochen tot. Wenn wir die Erben wären, so hätte man uns doch benachrichtigt! Nicht wahr?" — — Sie stand vor dem alten Freunde still. Er schüttelte sanft den Kopf. „Liebe Frau Weber, wie unrecht tun Sie alle der Seligen! Sie alle haben die einsame, kinderlose, verbitterte Fran stets verkannt. Ich selbst habe sie erst, zu meiner Schande sei's gesagt, auf dem Krankenbett verstehen lernen! Frau Berta hungerte nach Liebe. O, wie hat sie, die Reiche, die arme Frau Weber um ihr Heim, um ihre Kinder beneidet! — Ganz elend kam sie von Berlin, nach dem letzten Weihnachten, in Ihrem Kreise!" ---„So?" fragte die alte Frau erbittert. „Auch das noch? Und wie haben wer sie gehegt und gepflegt, die gute Erbtante, die so nach Versöhnung rang. Was haben wir ihr aufgebaut!" — --„Ich weiß, die Verstorbene hat mir alles mit tränenden Angen gezeigt. Hat sie Ihnen, Franz und Malchen nichts geschenkt?" — i— Der alte Hahn rieb seinen weißen Bart und schaute im Zimmer umher.--Frau Weber wurde etwas verlegen. „Doch," meinte sie, „ich bekam ihren Pelz, den ich ja auch trage. Franz erhielt meines Schwagers alten Schreibtisch und Malchen ihren alten Nähtisch." ---„Und wo stehen die Sachen?"---Wieder errötete die alte Dame. „Lieber Gott," sagte sie, „unsere Wohnung ist ohnehin so klein und vollgepackt. Wir mußten die großen Stücke auf den Boden schaffen!" — — „Ach so! /Sagen Sie mal, liebe Freundin, taten Sie das gleich? Ich meine, noch solange Frau Berta in Berlin war?" — — „Wir mußten ja, sonst hätten wie uns nicht rühren können! Schon am ersten Feiertag schleppten wir die beiden Stücke hinauf!"--Der Pfarrer erhob sich. „Dar- itut auch, so so! Nein, teure Frau, das hätten Sie nicht' tun dürfen! Frau Lange hing mit wahrem Kultus an jedem Stück ihres Besitztums. Wenn sie sich schon von zwei Möbeln trennte, so war das für sie eine ungeheure Tat. Wie muß es sie geschmerzt haben, als ihre Gaben so lieblos beiseite geschafft wurden!" — — Frau Weber schwieg betroffen. „Aber sie kannte ja die Räumlichkeiten. Sie sah doch, daß wir nicht aus noch ein wußten! Wir entschuldigten uns genug, und Malchen weinte sogar. Sie freute sich wirklich und hatte sich lange einen Nähtisch gewünscht. --Es ging doch nicht, sie sah es selbst ein!" meinte Frau Weber alsdann. „Sie wollen doch nicht fort? Herr Pfarrer?"--„Ich muß noch einmal in die Stadt, liebe Freundin, ich treffe mich mit einem jungen Amts- brnder," entgegnete der alte Hahn, nach der Uhr sehend. „Aber Ihre Einladung für den heiligen Abend nehme ich an. Den möchte ich nicht ohne Weihnachtsbaum im Hotel verleben. Ich habe sogar eine große Bitte." — — „Und die wäre?" — — „Darf ich meinen lieben jungen Freund mitbringen? Er ist hier auch fremd und wäre sicher glückselig, wenn Sie es erlaubten." ---Frau Weber zögerte. An solch intimem Familienfest ist man lieber unter sich. Aber sie kannte ihren alten Freund und willigte etwas zurückhaltend ein. Der alte Geistliche wandte sich zur Tür. Sie geleitete ihn und half ihm in seine Uebertleidung. Schon stand er auf dem Treppenvorplatz, da kehrte er sich noch einmal um. „Frau Weber," sagte er. „Sie müssen mir noch einen Gefallen tun. Ich schicke Ihnen Ihren Portier hinauf, das ist ein kräftiger Mann. Der kann Ihnen helfen, den alten Schreibtisch und den Nähtisch vom Boden zu holen!" ---„Nanu?" stieß sie überrascht hervor. „Ja, das hilft nun nichts! Es muß sein!" sagte er energisch. „Da an der Ofenwand und neben dem Groß- väterstuhl ist noch Platz für beide Möbel!" •—, — „Aber — —" — — „Kein Aber, teure Freundin, es muß sein! Ich bin, das wissen Sie eben noch nicht, Testamentsvolk- strecker des letzten Willens Ihrer verstorbenen Schwägerin. Ich habe die Schlüssel zu den Möbeln bei mir und Ihnen etwas mitzuteilen! Also eilen Sie, ich schicke Ihnen den Mann sogleich hinauf!" Damit stampfte er treppab und ließ die alte Dame bestürzt zurück. Ehe sie noch Acht zur Besinnung kam, erschien schon der Hausmeister und sagte: „Na, gnädige Frau, da bin ich. Also Sie wollen die ollen Kisten wieder 'runter vom Boden haben, die luir letzten Weihnachten hinaufgeschleppt haben? Der Herr hat es mir schon verraten!" — — Und dann fand sich Frau Weber eine Viertelstunde später mit ihrer kleinen Magd auf dem Fußboden kniend. Beide staubten und lederten das Nußbaumholz gründlich ab, bis auch dieses spiegelblank war. So fand sie ihre Tochter Amalie, die mit Paketen hochbeladen aus der Stadt heimkehrte. „Das ist ein Wetter, brr, Mamachen! Dabei ganz Berlin auf den Beinen!" rief sie schon im Vorflur und fügte eintretend überrascht hinzu: „Aber, Mamachen, was machst denn du da? Was soll denn das? — —. Die Mutter schickte das Dienstmädchen fort und schaute erregt die Tochter, ein hübsches, kräftiges Mädchen von sechsuudzwanzig Jahren, an. „Ach, Kind, Kind, mein Kopf schwirrt! Ich fiebere ordentlich vor Erwartung. Paß auf, hier sind Schätze für euch drin aufbewahrt. Mir ahnt so etwas!" — — „Mamachen," sagte das Mädchen und musterte besorgt die alte Dame. „Doch, doch, Tu wirst es ja sehen. Hahn weiß etwas. Hahn ist Testamentsvoll!- strecker. Hahn will es doch haben!" (Schluß folgt.) Das ZchMwer Schloß. Eine liebreizende Idylle hat das dämonische Element blind zerstört, indem es sich auf das Schweriner Schloß warf. Begucm nud behaglich breitet sich die Residenzstadt Schwerin, von blauen Seen umgeben, in der Nicdernng ans, nicht eben reich an großartigen Bauwerken, wohl aber an gemütlichen, guten alten Bürgerhäusern, und ansgezeichnct durch jenen feinen Zug gepflegter Kultur, der all diesen kleinen deutschen Residenzstädten ein so eigenes und reizendes Gepräge gibt. Hat der Besucher die saubere Stadt schlendernd durchwandert, so erwartet ihn das schönste Bild, das Schwerin zu bieten hat. Auf einer Insel.zwischen dem Burgsee und dem Schweriner See, gleichsam unmittelbar ans dem Waner aufsteigend und nur durch eine Brücke mit dem Lande verbunden, erhebt sich, türme- und erkerreich, höchst malerisch das Großherzvg- liche Schloß, auf allen Seiten umrahmt vom dichten Grün der Parkanlagen und wiedergespiegelt im stillen klaren Wasser der Seen. Die Stätte, wo es steht, lud durch ihre Natur schon srlih die Herren des Landes ein, sich hier eine wahrhafte Residenz zu errichten; auf eine alte Wendenfeste folgte später ein stattliches Nenaissanceschloß, an dem besonders Herzog Albrecht I. gebaut hat. Nur noch bescheidene Reste von diesem alten Schlosse, dessen interesfanteste Uebcrrestc die Terrakotten sind, die im Schweriner Museum aufbewahrt werden, sind in den Neubau mit übergegangen. Es ist der Großherzog Friedrich Franz II. gewesen, der, als das alte Schloß in einigen Teilen schon sehr baufällig geworden war, sich zu einem umfänglichen Neubau entschloß, in dessen Plan von vornherein auch die schönen Parkanlagen am Ufer des Burgsees mit einbezogen wurden. Der Mann, dem der Neubau anvertrant wurde, war der tüchtige Hofbaurat Georg Adolf Demmler. Es war die Zeit, da man für jede bankünstlerische Aufgabe großen Stils nach Vorbildern in der Vergangenheit suchte; Gottfried Semper, der übrigens zur Begutachtung der Demmlerschen Pläne nach Schwerin berufen wurde, hatte das Verständnis für die Schönheit der Renaissance erweckt, und so war es denn der Stil der französischen Renaissance aus der Zeit Franz I., der für das Schloß gewählt wurde. Demmler reiste zum Studium dieses Stils eigens nach Frankreich, wo er besonders die Schlösser von Blois und Chambord eingehend besichtigte. Man sagt gewöhnlich, daß das Schweriner Schloß sich in erster Linie an das Vorbild von Chambord anlehne; das ist indessen nur teilweise richtig. Eine gewisse äußere Aehn- lichkeit besitzen beide Bauwerke allerdings, wie Ludwig von Hirsch- seld bemerkt, in den großen runden Ecktürmen, die die Fassade flankieren. Während indessen Chambord einen symmetrischen Bau auf dem Grundrisse eines regelmäßigen Viereckes darstellt, ist der Grundriß des Schweriner Schlosses ein. unregelmäßiges Fünfeck mit fünf gänzlich verschiedenen Fassaden. Auch der große Haupt- 1 turnt, die zwei Kuppeln und die mannigfaltigen Aussprünge, Erker, — 787 — Giebel, Loggien und kleineren Seitentürme, denen das Schweriner Schloß in erster Linie seine bewegte, malerische Silhouette verdankt, sehsen dem Schloß der Touraine. Für die Einzelheiten hat vielmehr das Schloß in Blois die meisten Anhaltspunkte geboten. Im Frühjahr 1845 wurde mit dem Abbruche des alten Schlotes begonnen. Am Fortgänge des Baues nahm der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV., der darüber mit seinem Neffen Friedrich Franz korrespondierte, regen Anteil. Die Baugeschichie erhält einen ganz besonderen Zug durch den Konslikt, in den die Regierung mit bcm Bauleiter, dem tüchtigen Demmler, geriet. Demmler war Demokrat und hielt sich als Bürgerreprüsentant stramm zur Opposition. Er ging hierin so weist, daß ihn schließlich die Regierung vor die Wahl zwischen seinen Pslichten als Großh. Beamter, und als Bürgerreprüsentant stellte. Darauf trat Demmler von fernem Amte zurück, und die Oberleitung des Schloßbaues wurde nun Stüler in Berlin übertragen, dem die Pläne schon vorher vorgelegt waren, während Strack die Zeichnungen für die inneren Dekorationen und für das Mobiliar herstellte. Das Innere wurde zum Teil sehr prachtvoll ausgeführt. Die große Paradetreppe aus schwarzem Marmor und die vordere weiße Marmortreppe zählen zu den Prunkstücken des Schweriner Schlosses, das außerdem reich mit Bildwerken geschmückt wurde. In der oberen Loggia über dem Hauptportale fand eine Reiterstatue des alten Obotrrtenfürsten Niklot Platz, die Genfchow schuf. Schon im Februar 1857 konnte der großartige Waffensaal, in dem eine reiche Sammlung untergebracht ioar, dem Publikum zugänglich gemacht werden, und am 26. Mai desselben Jahres, dem Geburtstage der Großherzogm, erfolgte die feierliche Einweihung des Schlosses, dem auch das preitB. Königspaar unsd der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm L, beiwohnten. Der in der Ornamentik des Schlotes haiifig wiederkehrende Namenszug des fürstlichen Bauherrn veranlagte den witzigen König damals zii der scherzhaften Bemerkung, daß hier wirklich alles aus dem „ff" sei! Seitdem ist noch manches schone und edle Werk der Ausschmückung des Schweriner Schloßes hergestellt worden, und vieles, was. das Großseuer dieser Tage zerstört hat, ist als unersetzlicher Verlust zu beklagen. Vermiete». * Weihnachtsbctrachtung. Gelegentlich meines täglichen Spazierganges stellte ich in dieser vorweihnachtlichen Zeit auch einmal Beobachtungen an, welche der prächtig ausgestatteteu Schaufenster am meisten Anziehungskraft auf das Publikum ausüben Erfreulicherweise zeigt sich dabei, daß die Auslagen der Kunsthandlungen am meisten umlagert sind, eine Tatsache, die beweist, daß der'Hunger nach guter Kunst ein sehr starker und ertreulicher Eharakterzug des deutschen Volkes ist. Dazu stimmt leider schleckst der Eindruck, den die Waiidbilderausstattung der meisten Wohnungen auf den aufmerksamen Beobachter macht. Er sindet hier leider zumeist eine erschreckende Rückständigkeit des künstlerischen Geschmackes In dem Drange, die Wohiumg zu schmücken uud dadurch behaglich zu gestalten, ist recht häufig ein derartig Minderwertiges, zum Teil sogar geschmackloses Bildermaterial an den Wänden ausgchängt, daß die Frage „warum" oft nahe liegt. wird bann geantwortet, „wir sind schon oft Mit dem Entschluß wcggegaiigcn, einige neue Bilder zu kaufen. 88en.it wir aber vorher die Schaufenster, um uns zu orientieren, mufterteu, dann zeigten diese Preise, die weit über unsere Verhältnisse gehen und wir sind dann schleunigst umgekehrt". Der alte Irrtum, daß gute Bilder notwendigerweise auch teuer sein müßten, ist also noch ganz allgemein verbreitet und es erscheint mir gerade jetzt angebracht, auf ein Unternehmen aufmerksam zu machen, das für einen verblüj- fend billigen Preis großzügige, farbige Bilder erster deutscher Künstler liefert, bei denen jeder Strich auf beit »um Druck! verwenbeten Platten, jeder Farbenton des Künstlers eigener Hand seine Entstehung verdankt, die also in jeder, auch der kleinsten Einzelheit daS sind, was der Künstler darstellen wollte, nnd infolgedesleu mit vollem Rechte als Originale angesprochen werden können. Ich meine die Original-Künstlersteiiizeichniingen aus R. Voigtlünders Verlag Leipzig. Tas sind prächtige Steinkunstgemälde, die künstlerische Schönheit mit Geistesgehalt verbinden und so berufen sind, das Wandbild des deutschen Hauses zu werden. Gerade jetzt zerbrechen sich Tausende den Kopf, womit sie sich oder anderen eine große dauernde Freude bereiten können, statt ort recht frag-" würdiger „Neuheiten" der Geschenkindustrie, die als Lückenbüßer meist verwendet werden, können hier tue dasselbe Gstd ober Md) weniger Kunstwerke verwendet werden, an denen ber Besttzer ^ahr- selntte laug seine Freude haben werd uitb au'.? die er mit Recht stolz sein wird. An Auswahl fehlt es ebenfalls nicht, denn es gibt bereits über 300 verschiedene Bilder versthiedener Formate zu Preisen von Mk. 1.— bis Mk. 6.—V Gutgelungene kleine farbige Äbbildungen aller Bilder enthält der „Hauptkatalog", ber für 50 Pfg. durch jede Buch- und Kunsthanblung, oder auch vom Verleger R. Voigtlänbers Verlag, Leipzig, geliefert wird. * Die Scholleufischerei in der Nordsee. Durch die Einführung der Dampfkraft in der Hochseefischerei, insbesondere mit Verwendung des Ottetrawls oder Scheerbrettnetze-, in der Grundiietzfischerei hat die Fischerei der Schollen und Schellfische in der 'Nordsee einen so -bedeutenden .Aufschwung genommen, daß schon jetzt Klagen über ‘eilte Ueberfifchung der Nordsee nicht zur Ruhe kommen. Während die Zahl der ge- fangenen Fische in den letzten Jahren nahezu Die gleiche geblieben ist, hat die Zahl der gefangenen großen Schollen relativ und absolut ab genommen, sodaß es, wie Fr. Keincke in seinen „Untersuchungen über die Scholle" ausführt, notwendig fein wird, internationale Vereinbarnngeit über die Mindestgröße der fangbaren Schollen zu treffen. Etwa 22 Zentimeter Länge dürfte das Minimalmaß der ans Land gebrachten Schollen betragen, alle kleineren müßten wieder ins Meer freigelassen werden. Die meisten Schollenfänge machen die englischen Fischer. Die Gesamtzahl der im Trawl gefangenen -Nordseeschollen wird auf 305 Millionen Stück geschätzt. Der Gesamtbestand der drcihunderttauseud Quadratkilometer befischten Nordsceftäche dürste sich ans ein und eine halbe Milliarde Stück belaufen. * Der Tangokoffer. Der Tango ist nicht nur ein Vergnügen, er stellt auch hohe körperliche Anfordermtgeit. Jeder Beobachter kann feststellen, daß es begeisterten Tangotäitzern bei der Ausführung ihres Vergnügens keineswegs allein ums Herz warm w-ird, kstrz, der Tango ist nicht nur ein Tanz der Mode, sondern — um diskret eilt Fremdwort zu gebrauchen — der Tanz der — Transpiration., Kein Ballherr wird bestreiten, daß es eine peinliche Situation ist, wenn man, nachdem man um 10 Uhr zum Feste etntraf, um 11 Uhr die Entdeckung macht, daß der Kragen sich von jeder künstlichen Beeinflussung durch das Bügeleifen frei gemacht hat und das -Taschentuch im' Salon nicht mehr recht gebrauchsfähig ist. Und das Taschentuch, das gar ost über Stirn und Nacken des echten Tangotänzers dahinstreifen muß, ist ein unentbehrliches Requisit dieses exotischen Vergnügens. Die schwierige Frage, wie man diesen Nachteilen begegnen könne, hat Paris jetzt gelöst: der moderne Ballherr, der Tangotänzer, erscheint zur Abendgesellschaft nicht mehr mit einem Blumenstrauß, sondern mit — einem schmucken kleinen Handkoffer. In ihm verwahrt liegen alle jene kleinen Garderobestücke, die der Tänzer im Laufe eines Tanzabends des öfteren wechseln muß, wenn er salonfähig bleiben will. Der Dame des Haistes aber wird es zur Pflicht, bafür zu sorgen, baß btefer Salon- kofser, dieser Tangokoffer, auch, seinen Zweck erfüllen kann. Und fo wird den Herren in einigen Pariser Häusern neuerdings ein UmÜeidezimmer zur Verfügung gestellt, in dem sie von Seit zu Zeit Taschentuch, Kragen und unter Umständen auch das Oberhemd wechseln können. Freilich, das Ideal wird erst erreicht fein, wenn für die geschickten Tänzer und die schönen Tänzerinnen neben dem Tanzsaal gleich ein Brausebad eingerichtet wird; eine interessante und lohnende Aufgabe für Architektur, Kunst- geroerbe und gesellschaftlich!- Hygiene . . kos. Eine merkwürdige Affen Mahlzett. Ein Offizier ber unsere Kolonie Deutsch-Sübwestafrika burchstrerft bat, erzählt, daß er bet Regenstein in beit Anasbergen Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie ein Hunbsasfe, bort allgemein „Pavian genannt, ein Ziegenlamm raubte. Da nun dieser Affe Fletsch nicht nimmt, wartete der Offizier gespannt, was folgen würde. Der Affe machte seine Beute im Weglaufeit und Hmausklettern auf Felsen wohl ungewollt durch Anschlägen an Klippen tot. Dann riß er ihm den Leib auf, nahm den Wagen heraus und fraß den Mageninhalt: geronnene Milch. Der Beobachter toar etwa 80 Meter von dem Tier entfernt und verfolgte den Vorgang! durch ein sehr gutes Goertzglas. Eingeborene .bestätigten ihm später außerdem das Gesehene. * Wurst wider Wurst. Wenige Tage vor Weihnachten konnte die junge Frau ihr Geheimnis nicht mehr für sich behalten „Ach, Lieber," flüsterte sie ihm ins Ohr, „tch kann nicht bis zum heiligen Abend warten. Ich muß dir fetzt sagen, was ich dir schenke." „Nun, was ist's denn?" fragte er gespannt. „Ich schenke dir einen neuen Kochapparat und die entzückendsten Spitzeuvorhätige für mein Zimmer. Und was hast du dir wohl für mich iiusgebacht?" Nachdenklich stand er da: „Von mir kriegst dn einen Rasierapparat und einen schönen Humpen, »Die Anerkennung. Der alte.Buchhalter wird von dem Chef in ein freundliches Gespräch gezogen, von dem- er hofft, daß es die Einleitung zu einer Extragratiftkatton sei. „öo, ja, Herr Chef," sagt er, „es sind nun schon 20 Jahre, datz ich. bei Ihnen in Stellung bin, und meine Haare sind tn ^hrem Dienst weiß geworden ..." - Darauf der Chef: „Na, deut ist doch ab- zuhelfen. Da, da haben Sie 5 Schilling, kaufen Sie sich ein neue Winter mode. Ein kleines Mädchen, das auf der Straße eine nach beirt neuesten Stil mit Pelzen über und über behangene DhiUe sieht, ruft eifrig ihrer Mama zu: „Sieh mal, Mutti, die Dame dort, die hat Pelze zu verkaufen . . . * U e b e r t r u m p f t. Es war ein Vortrag in der Sonntags- schule. Ein junger Mann sollte sprechen und fein Thema war „W Licht". Und er fing an: „Im Anfang jagte Gott, es werde LiaK, und es ward Licht. Und nun wollen mir uns zu den moderneu Verbesserungen wenden." „ * Praktische Winke. „Eine wirklich gute HciusNuuM- »eitung denkt doch an alles." — „Nun, was enthält benn die neueste Nummer?" — „Unter den „Praktischen Winken eine genaue Anweisung, wie man aus einer alten Tomatenouchse die prächtigste Sufsragettenbontbe macht," 788 Yüchertlsch. — Französische Klassiker hat der aus diesem Gebiete verdiente Verlag von Georg Müller in Leipzig auf den Markt gebracht. Ta sind vor allem Michel de Moütaig- nes gesammelte Werke in 8 Bänden, herausgegeben von Will). Weigand und Otto Flak«. Jvh. Joach. Bode, der Zeitgenosse und Mitarbeiter Lessings, hat Montaignes „Essays" in ein vortreffliches Deutsch übersetzt, und diese im Buchhandel längst vergriffene Leistung ist der vorliegenden Ausgabe zu Grunde gelegt. Äenderungen sind in besonderen Anmerkungen vorge- nommen worden, und ein Vorzug dieser Uebertragung ist ihre Vollständigkeit, denn Montaigne hat nicht nur seine berühmten Essays hevansgegeben, sondern auch ein umfangreiches Reisetagebuch, das ganz außerordentlich interessant und unterhaltend zu lesen, ist. Es ist mit Jakob Burckhardts jüngst veröffentlichten Reisebriefen zu vergleichen, der gleichfalls so weis« und weltmännische Urteile gefällt hat, sei es über die seinem Fachwissen so naheliegende Kunstwelt, sei es über seine sonstigen Beobachtungen. Montaigne hat 1580—1581 zum Teil dieselben Städte und Landschaften bereist: die Schweiz, Süddeuischland und. Italien. Montaignes Essays sind über Lobsprüche erhaben, man darf aber wohl daran erinnern, daß er gerade in heutiger; Zeit, wo wir von allen philosophischen Systemen den erforderlichen. Abstand haben, mit seiner Psychologie, mit seinen so fein und weltmännisch begründeten Beobachtungen und Anregungen vermehrte Aufmerksamkeit verdient. Er zog alle die Tinge und Probleme in den Kreis seiner Untersuchungen, die auch heute sich vorzugsweise aufdrängen. Das umfangreiche Personen- und Sachregister, das dieser Ausgabe beigefügt ist, gestattet.die zwanglose Lektüre ganz nach Bedürfnis und Stimmung; man erstaunt, wie ungeheuer groß der.Wissens- und Wirkungskreis des großen Moralisten gewesen ist. Wilh. Weigand hat im Schlußbande auch eine notwendige, ausführliche Biographie Montaignes gegeben. Ganz besonders fesselnd such übrigens in dem erwähnten Reisetagebuch die Kapitel, die die deutschen Lande betreffen. Montaigne hat u. a. in Konstanz, Lindau, Kempten, Augsburg, München, am Walchensee, in Innsbruck, Brixen, Bozen und Trient geweilt, und er vermittelt uns frische und anschauliche Beobachtungen und Erlebnisse aller Art. Auf seiner italienischen Fahrt, namentlich in Venedig, Florenz und Ronr entrollt er ein imposantes Bild der damaligen großen und kleinen Welt. Derselbe Verlag hat auch M e i st e r Franz Rabelais „G a r g a n t u a und P a n t a g r u e l" auf Grund der bekannten Regisschen Uebertragung herausgegeben; Wilh. Weigand hat einige Äenderungen vorgenommen und in Anmerkungen das Regissche Vorgehen charakterisiert. Die erforderlichen Erläuterungen sind praktischer Weise in knappsten Umrissen in Fußnoten beigegeben, so daß die Lektüre der satirischen Schrift erleichtert wird. Da man Rabelais so häufig zitiert, wird man hoffentlich auch die Gelegenheit wahrnehmen, sein Hauptwerk einmal zu lesen. Man kommt sicherlich dabei auf seine Rechnung, denn wenn es sich in diesen beiden Bänden auch nicht um ein planvolles Kunstwerk handelt, so sprüht daraus doch eine so lebensfrische Laune und der Satiriker erfüllte sein Werk mit so viel munteren und kritischen Betrachtungen seiner Zeitgenossen, daß einem die Zeit nicht lange wird, die man daran verwendet. Wilh. Weigand schickt den beiden Büchern eine längere, fesselnde Biographie Rabelais' voraus, von dem auch ein Bildnis geboten wird. -z. — Larrey. Der Chefchirurg Napoleons I. 1812 bis 1813. Von Prof. Dr. Peter Bergell und K. Mischer. Mit zwei Bildnissen Larreys. (Berlin SW. 68, Carl Marschner, Preis brosch. 2,50 Mk., geb..3Mk.) — Das vorliegende Buch bietet jedem, der sich für die Geschichte des großen Napoleon interessiert, wertvollen Lesestoff und neue Gesichtspunkte. Wenn auch die Acrztewelt frühzeitig Larreys Erfolge anerkannt hat, und seine Lehren in ber- Schlachtchirurgie Allgemeingut geworden sind, so ist doch bisher für den rein historischen Interessenten nirgends so klar und bildartig zutage getreten, welchen gewaltigen Einfluß rein medizinische Fragen auf das Geschick des ersten Kaiserreiches hatten. — Künstlerbri^efe aus dem 19. Jahrhundert. Ein verdienstvolles Werk hat der Verlag von Bruno Cassirer in Berlin unternommen, als er eine reiche Anzahl von Briefen zahlreicher berühmter und namhafter Männer der bildenden Kunst in einem umfangreichen Bande zusammenstellte. Von Chodowiecki bis rn die Gegenwart, bis Böcklin, van Gogh und Max Liebermann, sehen wir alle führenden Kräfte des Jahrhunderts in ihren Au- nchten über Kunst im allgemeinen und über ihr eigenes Lebenswerk, so daß eine Art „Kunstgeschichte in Briefen" entstanden rft. Um bte Künstler und ihre Auffrischung am sichersten kennen zu lernen, gebt es nichts besseres als ihre Werke und ihre eigenen Aeußerungen. Welch eine Fülle lehrreicher und ungemein unterhaltender Aufklärungen erhält man in diesen Briefen! Man tut Bucke in Leben, Freud und Leid der Kunst, die manchmal über» ivaltigend sind; der Kampf mit den irdischen Nöten steht oft wie em unvermeidlicher Schatten neben dem unbesiegbaren Optimismus und Idealismus der Schaffenden; wir sehen diese sich äußern im Verkehr mit ihren Anhängern, daneben dann unvergleichlich inniger mit ihren Freuden oder Familiengliedern. Wie anziehend ist $. B. die Beschreibung des jungen Schwindt, die er von feinem Zui sammenarbeiten mit Cornelius gibt, wie anschaulich die Darstellung Rethels, wie er zum erstenmal eine Audienz bei König Friedrich Wilhelm IV. hatte! Das Buch, das schöne Abbildungen enthält, ist indessen fesselnd von der ersten Seite bis zur letzten, mH, was die Hauptsache ist, nach der Lektüre hat man einen dauernden Gewinn. -z. — Der Robinson gehört zu dem..festen Bestand unserer Jugendliteratur und kaum ein deutscher Junge wird groß, ohne dieses spannende und zugleich auch ethisch wertvolle Werk zu seinen Lieblingen zu zählen. Die bekannteste deutsche Ausgabe i|t die Gräbnersche, die jetzt in einer neuen Auflage vorlisgt. Gräbuer, Robinson Crusoe, Jubiläums-Neubearbeitung, Volksausgabe, 38. Auflage, mit 5 Bunt-- bildern, 2 Karten und zahlreichen Textillustrationen, gebunden 2 Mark, reich illustrierte Prachtausgabe elegant gebunden 4,80 Mark (Verlag von (Gustav Gräbner in Leipzig). In mehr denn 100 000 Exemplaren hat Gräbners „Robinsohn Crusoe" Eingang in die deutsche Leserwelt gefunden und unzählbar groß mag wohl die Zahl derer sein, die sich an der schlichisn, fesselnden und zugleich belehrenden Erzählung und Darstellung des Gräbnerschen Robinson Crusoe, der unter Mitwirkung zahlreicher erster Pädagogen nach langwierigen, umfassenden Besprechungen und Beratungen herausgegeben wurde, erbaut haben. Der Wunsch und Leitgedanke jener Männer, etwas Bleibendes äu schaffen, hat sich verwirklicht, trotz aller Ucberschwemmung des Büchermarktes mit.Jugendschristen aller Art Hal Gräbners Robinson Crusoe seinen ersten Platz in der Jugendschriftenlektüre zu behaupten gewußt, und wird ihn auch ferner wohl behaupten. — Der Weg ins neue Reich. Ein Münchener Roman. Mit Titelzeichnung von Willy Geiger. Einhorn-Verlag in Dachau. 2,80 Mk„ in Halbpergament 3,80 Mk. München, „die Stadt der Freude" mit ihrem sorglosen Leichtsinn, ihrer Lebenslust, ihrer süßen Lasterhaftigkeit, mit ihrer Kunst und allem waS sie so liebenswürdig _— bestrickend macht, ist hier de'r Schauplatz der Entwicklung eines jungen Norddeutschen, mitten in einer Umgebung, die den ganzen Reiz des süddeutschen — münchnerischen Wesens hat; reich begabt, aber nicht willensstark, überwindet er doch diese verweichlichenden Einflüsse; er kommt zu der Erkenntnis, daß die unter eitriger moralischer Indisposition leidende, weiche Gennßwelt überwunden werden muß durch die Tatkraft und zielsichere Arbeit des Nordens. Der Weg, auf den ihn schmerzliche Erfahrung und Erkenntnis drängen, ist „Der Weg ins neue Reich", in ein besseres, freieres Deutschland, das sich in der neuen Zeit seine alten großen Vorzüge n>ld unverlierbaren Werte, das eigentlich Deutsche zurückerobert. — Alfred Huggen berg er: Bauernland. Mil einer Einleitung vonDr. Kimo v. d. Schalk und Bildern von Rudolf Münger. („Hausbücherei", Bd. 50). Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis- Stistung in Hamburg-Großborstel. 160 Seiten. Preis geb. L Mk. Ter Verfasser dieses merkwürdigen Werkes ist ein einfacher Schweizer. Bauer, der noch heute nicht weit von den Ufern des Bodensees sein Stückchen Land bestellt. Wer dies« wirklich meisterhaften Er- zählungen liest, die es mit den besten Leistungen unserer berühmtesten Romandichter aufnehmeii können, möchte es kaum für möglich halten, daß sie von einem Laiidmaiine geschrieben sind, der für die Entwicklung seiner dichterischen Begabung nur auf eine dürftige Schulbildung angewiesen war. Huggenberger zeichnet mit sicherer Hand und eigenartigem fräftigen Stile wundervolle Männer- und Frauengestalten aus dem. Dorfleben, an deren Schicksal der Leser warmen Anteil nimmt. Durch das ganze Buch weht ein Hauch frischen, würzigen Erdgeruches. Das mit hübschen Zeichnungen ausgestattete Buch ist eine der merkwürdigsten und beachtenswertesten Neuerscheinungen des Büchermarktes. — Die „Fliegenden Blätter", dies bekannte im Verlag von Braun und Schneider in München erscheinende Witzblatt hat uns, die im letzten Halbjahr erschienenen Nummern gebunden vorgelegt und wir sehen daraus, daß das Blatt, wie von jeher, auch heute noch den volkstümlichen Humor in sympathischer Weise pflegt: (Abonnementpreis vierteljährlich 3,50 Mk.) Logognph. Feinschmecker lieben mich zärtlich, im Meere ist meine Heimat; Aeuderst ein Zeichen du nur, siehst cm bei Reifenden mich. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung deS Tiamaist-NatselS in voriger Nummer: 11 Cap Stuhl R a ii p a c 11 G r a in- m A c s h Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R, Langes Gieße»