Samstag, den HZ. Mar U „Ja, liebe Frau Stockmann, das ist freilich eine recht schwierige Sache, in der sich nicht gut raten läßt. Ich meine doch, es ist am besten, Sie reden mit Ihrem Mann. Er sieht gar nicht wie ein Wüterich aus, und es macht mir stark den Eindruck, als wäre er eigentlich ein bißchen unter Ihrem Pantoffel." Sie lachte wieder fröhlich auf. „-In kleinen Dingen ja. Da gibt er immer nach. Er hat. auch nur um meinetwillen einen solchen Haß auf Martin. Aber Sie staben wohl recht. Mit dem Geheimhalten! und Hinausschieoen quält man sich nur. Heute Abend sage ich's ihm in Gottes Namen!" Sie sah am nächsten Tage wieder frischer und heilerer aus, und es dauerte auch nicht mehr lange, so begegnete Grönberg einem blassen, jungen Menschen auf der Treppe, der sich scheu an ihm vorüb erdrücktes der aber in einem Hausanzug herumging, als wäre er keineswegs nur auf der Durchreise, sondern als gehörte er zu dem Personal des. Hotels. Es gab sehr viel zu tun; die Zimmer füllten sich mit Wintergästen, und er hatte mehrere Tage lang keine Gelegenheit mehr, sich mit der jungen Wirtin zu unterhalten. Am Sonntag traf er sie dann, als sie eben in ihrem schönsten Stadtanzug aus der Kirche heimk'am. „Guten Morgen, Herr Grönberg," sagte sie vergnügt. „Ich habe mich wirklich einmal los machen müssen, um unserm Herrgott zu danken, weil mir eine solche Angst, eine solche Sorge vom Herzen ist. Ja, überhaupt, weil ich eine» gar so guten, braven Mann hab'. Sie glauben gar nicht, wie vernünftig, wie nett er war. „Das ist sehr einfach," hat er gesagt. „Wenn dein Müder arbeiten und sich nützlich machen ivill, dann soll er nur dableiben. Daß wir einen Faulenzer nicht ernähren können, das wird er selber einsehen." — „Wenn Sie mir die Buchführung ab- nehmen, Herr Schmidt, dann haben Sie hier Kost. und Logis und einen B-uchhaltergeHalt." — Das hat er Meinem Brüder ohne viel Umstände auseinandergesetzt, als er vor -etlichen Tagen spät abends, ganz elend und gedrückt, hier angenommen ist." „Und er hat natürlich angenommen?" fragte Grönberg mit einem heimlichen Schauder über diese rasche Wendung in einem- jungen Dasein. „Ach, ganz rührend ist's gewesen, wie dankbar er war! Denken Sie, was er getan hat: er hat mir die Hand geküßt. So hai's kommen müssen!" fügte sie mit einer stolzen Kopfbewegung hinzu. „Der Herr Leutnant, her einmal so hoch droben war, daß er unsereins nicht einmal gegrüßt hat, ist jetzt abhängig von meinem guten Willen, von der Gusti, die daheim immer das Aschenbrödel gewesen ist. -Du liebe Zeit! Wenn das die Mutter erlebt hätte!" Es war unverkennbar: bei aller gutmütigen Freude darüber, daß sie dem Bruder helfen konnte, genoß sie doch auch ihre Rache an dem Exleutnant. (Fortsetzung folgt.) Einsamkeit. Skizze von Maurice Level. Aut. Uebersetzuug von Gulti Alse» (Königsberg). Sie hieß Felicitas. Und war ein armes, alterndes Mädchen! ohne jck>e Schönheit. Am Abend, wenn alle Lüden und Arbeitsstuben sich leerten,- ging sie auf die Straße hinunter und schritt hier mit der Miene einer einwandsfreien Hausfrau einher. Bisweilen verlangsamte sie ihren Schritt unmerklich. Dann nahm sie wieder ihre frühere: Gangart an. Für die Kinder, die spielend nach ihr griffen, hatte sie mütterliche Gebärden und für ihre Mütter ein gerührtes Lächeln. Sie liebte weder Geschwätz noch Geräusch und mischte sich nur unter größere Menschenmengen, uni weniger auffällig zu wirken. Die Nachbarn begrüßten sie im Borübergehen, lind da sie für sich allein lebte, aller großen Freuden und allen großen Kummers bar, so bewahrte sie selbst bei ihrem traurigen Gewerbe eine solche Sanftmut und eine so natürliche Demut, daß niemand sie mißachtete. Vielleicht hatte sie vor langer Zeit, wie so viele andere, den brennenden Wunsch nach Luxus und die Hoffnung auf ein fröhliches Leben gehabt. Wer das alles lag jetzt so weit hinter ihr, daß sie sich ergeben damit begnügte, ihr Leben fristen zu können. Als sie an einem Abend, — nachdem es den ganzen Tag hindurch geregnet hatte und die Nacht nun über die nassen Straßen hereinbrach, — nach Hause zurückkehren wollte, wurde sie von einem Manne, einem Herrn fast, angesprochen: „Guten Tag, Felicitas." - „Guten Tag, mein Herr." „Erkennen Sie mich denn nicht wieder?" Aus Höflichkeit murmelte sie: „Doch," und da er dann hinznsügtc: „Es regnet stark, kommen Sie unter meinen Schirm 299 und geben Sie mir den Arm," so faßte sie ihn unter. Die Straße lag vereinsamt da, sie schritten ganz allein dahin, und ein dumpfes Bedauern darüber, daß niemand sic so gehe» sah, stieg in ihr auf. Er sprach sehr freimdlich mit ihr. An einer Gaslaterne schlug sic die Augen zu ihrem Gefährten empor und betrachtete ihn. Er mochte etwa fünsundvierzig Jahre alt sein. Obgleich er nicht schön war, berührte sein gutes, ein wenig trauriges Gesicht sehr angenehm, und es kam ihr vor, als ob sie ihn in der Tat schon kannte. Sie waren an ihrer Türe angelangt, und sie blieb nun stehen: „Hier wohne ich . . ." Er antwortete: „Es ist zu spät, und ich speise heute ber Freunden. Wenn Sic nicht sehr eilig Ivären, würde ich Sie darum bitten, noch ein >venig mit mir zu plaudern." Das verwirrte und entzückte sie. Er sprach so höflich und so liebenswürdig mit ihr, wie man zu achtbaren Frauen zu sprechen pflegt, und sic beeilte sich, ihm zu versichern: „Durchaus nicht, ich bin gar nicht eilig, ich bin Herr meiner Zeit." Sie machten sich wieder aus den Weg. Er erzählte ihr ein wenig von seinem Leben, — v! nichts besonderes, — von feinen Beschäftigungen, seinen Burcaustundcn, von dem kleinen Restaurant, in dem er zu Abend aß, und sie lauschte ihm! . . . Wie lauge war cs her, daß man so zu ihr gesprochen hatte? . . . Sic erzählte nichts von sich, eine furchtsame Scham war über sie gekommen. An einer Straßenecke verlangsamte er den Schritt. „Hier wohnen meine Fremidc. Ich freue mich, den Weg mit Ihnen zusammen gemacht zu haben. Wir haben heute Dienstag, nicht wahr? Was haben Sie am Sonnabend vor?" „Nichts." „Wenn es Ihnen nicht lästig ist, so werde ich Sie gegen fünf Uhr besuchen. Aus Wiedersehen, Felicitas." „Aus Wiedersehen." Während sie nach Hanse zurückkehrte und an jedem Tage, der nun folgte, dachte Felicitas immer wieder: „Wie anständig dieser Herr ist," und am Sonnabend ging sie, ihrer Gewohnheit entgegen, gar nicht aus. . Während sic auf ihn wartete, kostete sie den Reiz, ruhig in ihrem gut durchwärmten Zimmer zu sitzen, voll und geruhsam aus. Gegen fünf Uhr erschien er. Er hatte Kuchen mitgebracht, und der Tisch, an dein sie ihren Tee eiu- nahmen, hatte ein Aussehen von Wohl anständig kcit und Bürgerlichkeit angeuommeu. Er verließ sic nm sieben Uhr. Die Zeit war allzu rasch verflossen. Am folgenden Sonnabend kam er wieder und so alle Sonnabende, die nun folgten. Es Ivar jetzt ein festes Abkommen zwischen ihnen. Einmal wöchentlich, am selben Tage, zur selben Stunde kam Herr Cacheux, — sie nannte ihn selbst in ihren Gedanken „Herr" — mit seinem Küchen. Man plauderte. Sie erzählte allerhand Geschichten, die sie früher gehört hatte, doch nur andeutungsweise, um überhaupt etwas zu sagen. Er sprach ihr von allen Neuigkeiten aus seinem Bureau. Sie interessierte sich für seine Geschäfte, er nannte ihr die Namen seiner Kvllegen und besprach die Hoffnungen seiner Gehaltserhöhung mit ihr. Zuweilen las er ihr auch aus Zeitungen vor, und wenn sie ihn alle Vorkommnisse so deutlich erklären hörte, wunderte sie sich darüber, ihn in jeder Hinsicht so wohl unterrichtet zu finden. Unmerklich wurden diese ruhigen Sonnabendnachmittagsstunden ihr zur Gewohnheit. Sie wartete darauf die ganze Woche hindurch und freute sich, wie man sich als Kind auf Feierstunden freut. Sie umgab ihn mit den liebevollsten Aufmerksamkeiten. Da er eines Abends mit durchnäßten Füßen angekommen war, stickte sie ihn: Pantofseln. Und nun fand er die jedesmal, sobald er erschien, durchwärmt am Kaminfeuer vor. Der Frühling kam und dann der Sommer. Zwei oder dreimal waren sie an schönen Abenden nach ländlich gelegenen Wirtschaften gegangen, die ein wenig entfernt von ihrem Viertel lagen, damit man sie nicht erkenne. Zuweilen fragte sie sich: „Liebe ich ihn?" Doch wenn sie sein gutes, ein wenig trauriges Gesicht betrachtete, sagte sie sich, daß sie ihn nicht liebe. Sie empfand nur ein großes Vergnügen, ihn erwarten zu können, ein großes Wohlbehagen, wenn er bei ihr war . und einen gewissen ruhigen Stolz, seine Vertraute zu fein. In ihrem Leben, das so lange Jahre hindurch weder Zweck noch Ziel gehabt, in ihrem Leben, in dem ein gleichförmiger Tag dem andern folgte, wurden diese beiden Stunden am Sonnabend ein fester Stützpunkt, und wenn sie im Laufe der Woche irgend einen Aerger hatte, so tröstete sie sich in dem Gedanken, daß es jemand gab, mit dem sie darüber sprechen konnte. So flössen zwei Jahre dahin, die beiden friedvollsten Jahre ihres Lebens. Wenn er kam, so sagte er immer noch: „Guten Tag, Felicitas." Und immer verließ er sie mit dem nämlichen: 7,Auf Wiedersehen nächsten Sonnabend." Niemals hatten sie regend einen Streit. Sie billigte stets alles, was er ihr erzählte. Es war wie eine kleine Glücksrcnte auf Lebenszeit. Niemals hatte sie daran gedacht, daß dies einmal enden könnte. Eines Abends kam er früher, als sonst. Das ivar etwas so Außergewöhnliches, daß sie erschrack. Schon auf der Schwelle sagte er chr: „Guten Tag, Felicitas." Und es kam ihr vor, als ob er diese cinsachcu Worte in einem ganz seltsamen Tone, mit einer ganz veränderten Stimme späche. Er legte seine Kuchen auf den Tisch und blieb stehen. Sie schob ihm einen Stuhl hin: „Setzt du dich nicht?" Er setzte sich und streckte seine Füße nach dem Kaminscuer ans. Da reichte sie ihm seine Pantoffeln. Doch er wies sie sanft zurück und sagte: „Nein, Felicitas, ich bin heute ein wenig eilig und außerdem habe ich mit dir zu sprechcu . . . Felicitas, ich werde dich niemals mehr besuchen können. Ich will mich verheiraten. Ich habe ja nicht mehr das rechte Alter dazu, das weiß ich sehr gut, aber gerade in meinem Alter braucht man ein eigenes Heim, braucht mau jemand, der um einen ist." Sic schwieg gesenkten Hauptes. „Ich habe das niemals so sehr empfunden, als in den verflossenen zwei Jahren. Im Umgang mit dir ist es mir zum Bewußtsein gekommen. Ich freute mich darauf, dich am Sonnabend zu treffen, über alles mit dir zu Plaudern und meine Pantoffeln am traulichen Kaminfeuer vorzufinden. In unserem Alter, nicht wahr, meine gute Felicitas? ist man nicht mehr verliebt. Aber mau sehnt sich darnach, ein wenig verwöhnt, ein wenig verhätschelt zu werden . . . Jst's nicht so?" Felicitas nickte beistimmcnd mit dem Kopfe. Diese Zustimmung galt eben so ihr selbst, wie ihms Er hatte ihr soeben das erklärt, was sie selbst unklar empfunden. Diese zwei Stunden der Woche waren zwei Jahre hindurch, für ihn das Abbild, für sie die Illusion des häuslichen Friedens gewesen. Er sprach immer noch. Doch sie hörte kaum auf ihu. Er schwieg schließlich, nahm einen Hnndertsranksschein ans seiner Brieftasche und gab ihn ihr: „Kans dir ein hübsches Kleid dafür." Wie lieb auch dies wieder von ihm war! Er hätte plötzlich fortbleiben und jhr nichts geben können. Bis zum Schlüsse war er gütig und voller Rücksichten für sic. Er küßte sie ans beide Wangen: „So leb denn wohl, Felicitas. Ich kann nicht länger bleiben, laß' es dir immer gut gehen." Und er ging. Felicitas blieb allein zurück. Die Uhr schlug einmal. Es war erst halb sechs. Sie dachte: „Ich werde ein wenig ausgehen," Doch sic fiihlte sich sehr matt. Es regnete draußen und die Leute beeilten sich und strebten ihten Zielen zu. Im Kamin verglomm das Feuer. Sie setzte sich und drehte den Geldschein in ihren Händen hin und her. Mechanisch blickte sic nm sich und ihre Augen irrten von den gestickten Pantoffeln zu dem Paket Kuchen, das auf einer Ecke des Tisches lag. Es schlug sechs. Sic sagte sich: „Ich bin wirklich ganz unvernünftig. Ich müßte ausgehen." Dennoch blieb sie sitzen. Ihre SB eine schienen ihr ganz kraftlos geworden. Tic letzten Kohlen erloschen. Nacht legte sich über alles, eine langsam anbrechcnde Nacht, die nur noch ein klein wenig trübes, schmutziges Tageslicht von draußen erhielt. Durch das geöffnete Fenster sprühte der Regen auf den Fußboden des Zimmers. Felicitas' fühlte sich so allein, plötzlich ganz verlassen. Noch einmal sagte sie sich: „Ich müßte ausgehcn!" und lehnte sich dabei ans Fenster. Sie sah von der Höhe ihres fünften Stockwerks auf dis Straße hinab, ohne etwas zu sehen, ohne zu denken. Unaufhaltsam murmelte sie: „Ich langweile mich! Ich langweile mich. . ." Boni vierten Stockwerk tönte Lachen herauf. Dort unten waren sie glücklich. Der Manu hatte am Tage vorher eine sehr gute Anstellung in dem Hause, in dem Herr Cacheux 'arbeitete, gefunden. Sie hatte keine Zeit gehabt, es ihm zu erzählen, und er hatte ihr nicht mehr gefaxt, ob sein Geschäftsbericht Anerkennung gefunden. Ganz' plötzlich, mit einem Male, war sie von der ganzen Welt abgeschuitten. Nie mehr wi'irde sie jetzt jemand etwas erzählen, nie mehr würde man ihr etwas erzählen. i Sie murmelte: „Wie ich mich langweile! Wie einsam cs um mich ist! Wie einsam cs werden wird!" . . . Nun war es ganz dunkel geworden. Der feuchte Schatten und das Schwergen des Meinen Simmers hinter ihr legten sich wie eine schwere Last auf ihre chultern und stießen sie sachte, unwiderstehlich, der Straße zu, die bei den flackernden Lichtern der Gasflammen leuchtend, immer beweglich, sich von ihr zu entfernen schien. Noch einmal seufzte sie: „Wie einsam ich bin! . . ." lind ohne jede Anstrengung, ohne jedes Bedauern, säst ohne es zu wollen, beugte sic den Oberkörper vor, neigte sie den Kopf immer tiefer. Dann stieß sie eine schwache Klage aus — und fiel. Sie hieß Felicitas. Und war ein armes, alterndes Mädchen, ohne jede Schönheit. Die Reichsuhr. Int Berliner HaupttelegrapheuMnt pochen und klopfen nNd WnUiern die Apparate am Tage und in der Nacht unaufhörlich. Fortwährend sind von dieser Zentralstelle aus Nachrichten in die Welt zu senden, niemals sind die Morse-, die Hughes'-, die Murrah-Apparate ohne Material. Der Windhund Nachricht hat keinen Augenblick Ruhe: immer gibt es einen Ort, zu dem er dringend laufen muß. Ter telegraphische Verkehr, der von Berlin aus mit den anderen wichtigsten Orten Deutschlands und des 300 übrigen Europa unterhalten wird, ist logar so stark, daß> vst mehrere Leitungen nach derselben Stadt laufen nnd auch drese den Ansturm der Telegramme kaum bewältigen können, trotzdem die einzelnen Worte mit Hilfe sehr sein ausgedachter Apparate üuüerst schnell hindurchgejagt werden. Viele Drähte muffen es sich' gar gefallen lassen, daß mehrere Telegramme gleichzeitig mi/ Hilfe dm subtilen Methoden der Mehrfachtclegraphre durch h Ausnutzung jeder Minute, die im Ber- liner Haccvttelegraphenamt zur Bewältigung der Arbeit notwendig M gibt es dennoch an jedem Tag fünf Minuten, wahrend deren das Ticken Hümm'rn und Pochen der Apparate gänzlich ver- Es T« Äu-sftild- wR>rI VMI tai a'ÄflMn S Deutschland ein Beamter. Plötzlich Magen überall slerchmakig die Hebel in kurzen Rhythmen an. Sobald der letzte wcl,lag t er ffunnpn ist blicken alle auf ihre Uhren und stellen sie, mlls sie g&rts WisK “Ä'ft Berlin steht eine astrononmch genau gehende, Uhr. Durcy rieng Umschalter werden kurz vor acht Uhr niorgens'sämtliche ^»itungeu des Mmts an einen in ihrem Werk befindlichen Kontakt geschaltet. Wenige Sekunden vor acht sendet der Kontakt die «tromswßss iN die ITvühte.' Die Stromgebung hört bis auP/1900.SeUinde genau in dem Augenblick auf, da die astronomische Zeit acht Uhr ist. Auf diese Weise ist die Einheit der Zeit int ganzenReiche^gesichi rt Diejenigen Orte, welche keine direkte Drahtverbindung imt Berlin haben, erhalten das Uhrenzeichen vom der nagten an ine Berliner Leitungen angefchlossenen Stadt «us. selbst tw zu den kleinsten Postagenturen an den Dörfern drrngt noch die Kunde von der richtigen Zeit. Zhnen kommt das Signal durch die Klingel des Telephons. Denn sobald von Berlin her die Vor anküiwigung des Uhrenzeichens komm, werden überall in den Orten, die Nachgeordnete Postämter habiN, die Tasten M gedrückt oder die Weckerkurbeln der Fernsprecher gedreht, sobald Berlin das Zeichengeben beschließ, hören auch die Unterämter damit auf, so dass dieser Modus die groß e Sicherheit liii tne rirfniae Uebermittlung des Uhrenzeichens bietet. Kurz nach dem eben beschriebenen Vorgang quittieren alle Anstalten nach Berlin oder der ihnen übergeordneten Provinz- stadt, daß sie das Uhrenzeichen ordnungsmäßig empfangen haben. Das ist zugleich eine Bekundung darliber, daß alle Leitungen ii betriebsfähigem Zustande sind. 'Tann i|t die stille Zeit im Reich der Drähte abgelaufen, und die hastende Tagesarbeit nimmt wieder ihren Anfang. Neuerdings aber ist ja das Telegraphieren nicht mehr auf das Reich der Drähte beschränkt. Alan depeschiert ja nun auch drahtlos. Und niemanden kann es Wunder nehmen, ivenn er hort, daß die drahtlosen Telegraphenämter als Betriebe altern, uester Art dafür gesorgt haben, daß sie in bezug auf die genaue Zeit- kontrolle nicht schlechter dastehen, als dre alteren scluvesterimtitute Auch das Reich der Aetherwellen hat sein Uhrenzeichen ~nrd) den Raum hindurch, der der zeitlosen Ewigkeit angehort, sendet der Mensch Zeichen von den kurzen Etappen, ut die er sein be- Vegrenztes Leben eingeteilt hat. Die Ursprungsstelle des drahtlosen Uhrenzeichens, das zu gleicher Zeit Mit dem durch die Drähte gehenden Mlsgesendet wird, ist die Telefunkenstation Norddeich. Die große Antenne, du hur an eisernen Masten hängt, strahlt kurz vor acht Uhr Wellen von einer ganz bestimmten, ein für alle Male festgeUgten Lange aus, die ebenfalls Punkt acht Uhr kurz abbrechen. Dre Schuft auf der See, in den nördlichen Meeren und tief un Atlantischen Ozean, Wunen ihre Zeitmesser jeden Tag auf diese Weise mit vor Mittel- europäischen Zeit vergleichen. Welch ein Fortschritt gegen lruher, wo ein Uhrenzeichen für Schiffe nur gegeben werden tonnte, fo- lange sie sich so nahe an der Küste befanden, daß ste diese durch ihre Fernrohre noch sehen konnten! Da fiel nm zwölf Uhr mittags in Swinemünde und in einigen anderen Hafenorten aus den Truck einer Taste in der Berliner Sternwarte ein Ball an einer Stange Herunter: der Zeitball. Wer von den Schiffern die Verhältnis- Mäßig kleine Kugel nicht zu sehen vermochte, der erhielt kein Uhrenzeichen. , . . Heute schwirrt das Norddeicher, Signal über viele hundert Kilometer hinweg. Da das drahtlose Uhrenzeichen aber bet der kugelförmigen Ausbreitung der Aetherwellen nicht nur auf das Wasser hinausgeht, sondern auch über das Land hnreili, so kann es auch hier von jeder mit entsprechenden Enrpfangsapparawu ausgerüsteten Station empfangen werden. Und cs hat sich gezeigt, daß das Bedürfnis, jeden Tag von „neuem' eine völlig qenano Zeitangabe zu erhalten, heute so groß ist, daß das Norddeicher Uhrenzeicheu nicht nur von den ohnedies bestehenden drahrlom» Stationen aufqefanaen wird, sondern daß Privatleute sich mis- schließlich zu dem Zweck, das Uhrenzeicheu zu erhalten, Anter,ne und Empfangsapparate anleqea. Eine weitere Stelle, von der Uhrenzeichen übermittelt ivetben, ist die Königliche Sternwarte auf deM Enckeplatz zu Berlin. Diese gibt ihr Zeichen nach der Zentrale der Gesellschaft Normalzeit, die alle öffentlichen Uhren Berlins regelt. Wenn' die Sternwarte, was imt nächsten Jahre der Fall fein, dürfte, nach Potsdam verlegt sein wird, so wird auch sie die Berbindimg Mit der Gesellschaft Normalzeit auf drahtlosem Wege Herstellen. Vermischte». "Die Eiitstehnng kalter Sommer. Der Direktor des astro-physikalischen Laboratorimns des Smithsonian-Jnstituls in Washington, Prof. C. G. Abbot, hat ein Buch: „Vulkane und Klima" veröffentlicht, in dem er die vulkanische Tätigkeit der Erde für abnormale Temperaturen verantwortlich macht. Bisher hatten, wie man weiß, die Meteorologen z. B. kalte Sommer in Zusammenhang mit den Sonuenslecken gebracht: wenn die Sonne viele Flecken zeigte, so sank die Temperatur an der Erdoberfläche. Im vergangenen Jahre war jedoch kein Zusammentreffen beider Erscheinungen zu bemerken; der Sommer war kalt, ohne daß ein Maximum von Sonnenflecken beobachtet worden wäre. ^Auf der Suche nach der Erklärung für die Temperatur des letzten Sommers ist nun Abbot zu seiner Theorie gelangt. Am 6. Juni 1912 hat der Vulkan Katmai, an der Südküsie der Alaska-Halbinsel, einen gewaltigen Ausbruch gehabt, und die Rauchwolken, die er dabei ausgestoßen hat, haben nach AbbotL Theorie einen direkten Einfluß auf die Entstehung de? kalten Sommers gehabt. Zur Zeit des Vuikanailsbruches war Abbot in Algier; in Bassour, etwa nenn« bis zehntausend Kilometer vom Herd des Ausbruchs entfernt, beobachtete er Höhennebel von rötlicher Farbe. Gleichzeitig war auch auf dem Observatorium des Mount Wilson dieser merkwürdige Höhennebel beobachtet worben, und bald sand man, daß er auf den Ausbruch des Katmai zurückging. Stach Avbots Berechnungen können nun durch diese Staub- und Rauchwolken erhebliche Mengen der Sonnenwärme auf dem Wege zur Erde abgeiangen werden, wie er schätzt, ein Zehntel oder gar mehr, so daß der Durchschnitt der Jahrestemperatur um beinahe drei Grad Celsius herabgedrückt werden kann. Er ist daher zu der 'Annahme gelängt, daß der Tätigkeit dieses einen Vulkans der kalte Sommer in Europa wie in Nordamerika zugeschriebeu werden kann. Nach den Beobachtungen, die der amerikanische Regierungskutter „Männing" bei dem Ausbruch des Katmai, in 150 Kilometer Entkernung, an- gestellt hat, sind so ungeheure Aschemnengen auSgeitoßen ivorden, daß der Himmel einen Tag laug versinsterl war. Bisher war ge- ivchnlich nur auf Dämmerlmgserscheinungen hingewiesen worden, wie sie die vulkanische Asche verursacht. Der Zusammenhang mit der Temperatur, den Abbot auch bei früheren Vulkanausbrüchen festgestellt haben will, ist natürlich von ungleich größerer praktischer Bedeutung. * Unerwartet. „Haben Sie noch Tee von der Sorte, die ich neulich bei Ihnen kaufte?" — „Aber gewiß, gnädige Fran!" — „Schön, dann werde ich wiederkommen, ivenn Sie keinen mehr davon haben!" r. , k * G e m ü t l i ch. Bauer (zum neu antretenden Knecht): „Also merk' dir, ivenn i mit dem Kopf wink', bann kommst; i mach mt gern viel Wort'." — Knecht: „Da passen mer ja zusamme; ivenn t mit dem Kopf schüttel', bann komm i net." * Er weiß Bescheid. Sohn: „Papa, was ist denn em Märchen?" — Papa: „Wenn es in einer Geschichte heißt: Sie verheirateten sich und lebten glücklich und in Frieden. SilbenrötfeL alt, ber, berg, ehe, doli, ei, erb, gi, ing, isch, le, ött, reu, ri, solle, se», sil, tib. AuZ vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen das Ziel vieler Perguügungsreisender bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Gelehrigen Bogel. 2. Bayrischen Wallfahrtsort. 3. Edles Metall. 4. Berg in der Schweiz. 5. Türkische Stadt. 6. Einen Baum. 7. Deutschen Dichter. 8. Nahrhafte Hülsenfrüchte. Auflistung ui nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Tenn die Unsterblichen lieben der Menschen Weitverbreitete gute Geschlechter Und sie seinen das flüchtige Leben Gerne dem Sterblichen, wollen ihm gerne Ihres eigenen ewigen Himmels Mimen eßendes fröhliches Anschau'ii Eine Weile aö'.uten und lassen. Rebääün7"R. Neurath. - Notatw,isdruck uTb Verlag der"MÜH?sthen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Langs, Gieß«-.