IBM !sö U launml ffirnenraulch. Roman von Paul G r a b e i n. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Etwas erstaunt schaute sie der Führer an, aber Bessow kam seiner Antwort zuvor. „Mein gnädiges Fräulein, auf den Wunsch Ihrer Frau Tante niöchte ich mir doch erlauben „Bitte, Herr Bessow!" Mit leicht sich rötendem Antlitz sagte sie es, sehr nachdrücklich. „Die Sorge meiner Tante ist ebenso grundlos wie zwecklos. Wollen Sie ihr das sagen?" Und der Wink ihrer Augen hieß ihn gehen. Bessotv aber blieb. „Ganz Prinzessin!" dachte er iir diesem Augenblick und fand sie mit dem Hochmut in dem feinen rassigen Gesicht begehrenswerter als je. „Tas gnädige Fräulein hat nämlich noch niemals eine Hochtour gemacht,", wandte! er sich, dann an den Führer. „Und Sie werden selbstverständlich doch unter solchen Umständen eine Ortlerbesteigung nicht anraten und verantworten wollen. Nicht wahr, mein Lieber?" _ „Ah!" Ein leiser Zorneslant entfuhr Gottliebe, und heftig wollte sie Bessow erwidern. Aber da traf sie ein beredter Blick des Alten vor ihr, ein beschwichtigendes Zuwinken mit seinen klugen Augen, als wolle er sagen: „Nur still und laß mich machen. Ich sehe schon, wie hier die Sache steht!" „Der Herr haben scho ganz recht," erwiderte er Bessow höflich und bescheiden, „ich tät dem Fräula a so net glei grab' zu der Ortlertour raten. Es wär' scho besser, das Fräula möcht' zuvor an' leichtere Tour machen; wann's dann gut gange is, nacher stünd' halt dem Ortler a nix mehr im Wege." Gottliebe war im ersten Augenblick mit diesem Vermittlungsvorschlage nicht gerade zufrieden. Hatte sie doch erklärt, morgen gleich diese Besteigung machen zu wollen. Aber da der Führer sich 'offenbar weigern würde, ihrem Wunsch zu entsprechest — was sollte sie machen? Und war es nicht schließlich immer noch besser, ein oder zwei Tage später ihren Plan anszuführen als gar nicht? Sie hatte sich nun einmal tu den Gedanken verbissen, und je mehr Schwierigkeiten sich ihr entgegenstellten, desto fester ward nur ihr Entschluß, Bessow zu zeigen, daß sie nicht leere Worte machte und daß sie auch konnte, was sie wollte. So entschied sie sich denn doch, den Vorschlag des Alten anzunehmen. „Nun gut! Und was wäre solche leichtere Tour, wie Sie meinen?" „Die Geischterspitz' von der Ferdinands höhe aus. Das ist ane sehr schölte und. lohnende Tour und halt gar net schwer. Immer über ebene Gletscher furt, bloß zum Schluß an der Spitz a bissel Steigung." „Aber da können Sie doch gar nicht sehen, was man leisten kann, wenn's gar so leicht ist!" weinte GcckKKiHc enttäuscht. „Ah, das seh ich schon," beruhigte sie der Alte. Toni, das mirkt man halt bald, ob an' Herrschaft gehn kann oder net," wandte er sich au seinen jüngeren Begleiter, der bisher schweigend dabei gestanden hatte, von Gottliebe kaum beachtet. „Jo freut," bestätigte er jetzt kurz mit Kopfnicken, und Gottliebe wandte den Blick auf ihn. Es War ein hochgewachsener blonder Bursche mit offenen männlichen Zügen, anscheinend etwas verlegen ituit unter ihrem musternden Blick. „Ja, das alles ist ja recht schön und gut, mein Lieber," mischte sich jetzt Bessow mit herablassend wohlwollendem Ton ein. „Aber es fragt sich nur, ob für das gnädige Fräulein eine Hochtour überhaupt zulässig ist. Ich bitte doch sehr," er wandte sich mit einer leichten Wärme im Ton an Gottliebe, „ehe Sie sich definitiv entscheiden, mir freundlichst doch noch einmal zu gestatten —" Aber sein diplomatischer, vorsichtiger Verschleppungs-^ versuch scheiterte an ihrer rücksichtslosen Entschlossenheit. „Ich bin bereits vollkommen entschieden!" fertigte sie ihn kurz ab. „Also wir gehn auf die Geisterspitze, morgen ab gemacht?" Und sie hielt dent Alten die Hand hin. „Abgemacht!" Kräftig schlug dieser ein. Sie besprachen dann noch das Nötige, während Bessow sich verletzt abwandte und zu Frau Morell zurückging. Er war ja nun überflüssig hier. * „No, do wär'n wir halt so weit. Den Proviant hab' t a im Rucksack — wann's den Herrschaften also recht wär', nacher gäng'u ma." „Ich bin fertig, längst!" Gottlie.be führ schnell von ihrem Stuhl auf, als sich so der alte Stadler-Franz, ihr Führer, meldete. Sie hatte mit Bessow gemeinschaftltch den Kaffee im Gastzimmer des Berghauses auf der Ferdinandshöhe ein- genomtneit. Der Regierungsrat war nun auch mit von der Partie. Eigentlich war er zwar fest entschlossen gewesen, sich nach der erneuten Abweisung von Gottliebe Rhyngaert ganz zurückzuziehen, und grollend iw er ihr auch vorgestern abend und gestern morgen ferngeblieben, in Gedanken schon die Abreise erwägend. Da aber hatte ihn Fra.u Morell zu finde« geivußt. Tie arme Dame war in Verzweiflung: Gott- liebe wollte ja nun wahrhaftig auf die Berge laufen, sich mit Gewalt den Hals brechen! Sie war nicht abzubringen von dein Vorhaben. Aber wenn nun schon einmal die Verrücktheit vor sich gehen sollte, so würde es ihr, so versicherte die Tante, doch eine große Beruhigung sein, wenn wenigs stens ein treuer, zuverlässiger Freund wie der Regierungs-- rat dabei wäre. Ob er sich denn nicht entschließen könnte, mitzugehen — ihr zu Gefallen? Bessow war zuerst zwar über diese Zumutung sehr betroffen gewesen; aber schließlich — die alte Dame guälte 434 so unausgesetzt, und insgeheim kam ihm selbst der Wunsch, Gottliebe nicht allein zu lassen; es zog ihn trotz allem ja zu ihr, er sorgte sich selbst um sie — kürzUm: Bessow hatte kich gestern mittag zum Mitgehen bereit erklärt. Gottliebe war es schließlich recht. So würde er wenig- lens Zeuge sein, wie sie spielend die kleinen Schwierigkeiten dieser Tour überwinden würde. Denn das hatte sie ich vorgenommen: Sie. wollte mit Anspannung aller Energie ne Besteigung ausführen, daß der Führer ganz zufrieden mit ihr war. Und sie hatte bisher noch immer gekonnt, was sie gewollt hatte. Zu dieser geheimen, prickelnden Bor- sreude auf ihren Triumph kam noch eine kleine boshafte Neugier: Wie sich Bessow bei der Geschichte wohl austellen würde? Sie konnte sich diesen Mann der stets tadellosen Plättfalte und des ewig glänzenden Stehkragens einfach nicht vorstellen auf Fels und Firn. Ja, sie hatte ihn im Verdacht, daß er nicht mit übermäßiger Courage ausgestattet wäre. Wie gottvoll, wenn sie ihn in einer schwachen Minute ertappen würde! Tann wollte sie sich mit beißendem Spott revanchieren für seine Ueberwachungsdienfte, die er der Tante leistete. Nun war es also so weit: die Probe sollte beginnen, für sie beide. Auch Bessow erhob sich und folgte mit Stadler Gottliebe nach, die schnellen Schrittes in froh fiebernder Erwartung ins Freie eilte. Draußen stand schon der Spängler-Toni mit Rucksack Und Eispickel, Has Seil um die Schultern, zum Aufstieg gerüstet. Er streckte ihr treuherzig mit einem „Grüß Gott" pie Hand hin. Gottliebe erwiderte den Gruß mit kräftigem Handschlag, und ihre Augen strahlten den jungen Führer hell an. Das Bewußtsein, einmal etwas ganz Neues, Un- gewohntes zu unternehmen, ihre Kraft und ihre Energie zu erproben, verlieh ihr einen frohen Aufschwung. Leicht und eilig schritt sie mit Toni voran, in die Vergmulde hinein, die sich gleich hinter dem Hause öffnete Und wo, nur wenige Minuten ab, im Frühlicht die weiße Schneedecke des Gletschers leuchtete. Sie brannte vor Begierde, zum erstenmal ihre Nagelschuhe auf den Firn zu setzen. „Ein herrlicher Morgen heute. Werden wir Aussicht haben? Sicherlich doch? Was meinen Sie, Spängler-Toni?" Sie war währende des gestrigen Aufstiegs zur Ferdi- Uandshöhe mit den Führern schon gut bekannt geworden, Und der vertraulich-freiere Ton der Berge machte ihr Spaß. »Ich glaub' schon, daß wir Aussicht haben werden;. Tie Nebel sind heut früh! alle zu Tal gestrichen. Da droben herum wird's schon klar sein, mein' ich." „Herrlich! Denn eine Kraxelei ohne Aussicht ist doch nur eine halbe Sache, gelt, Toni?" Und sie lachte aus fröhlichem Herzen ihren Begleiter an, dann noch eifriger aus- fchreitend. „Bitt' schön, Fräulah Net gar so schnell! Tas tut nimmer gut beim Steig'n," klang da hinter ihr die Stimme des alten Stadler. Gottliebe folgte der Mahnung, aber nur mit geheimen Verdruß. Alles Mahnen und Steuern war ihr wider den Sinn. Der langweilige alte Stadler! Mochte er doch mit dem Regierungsrat, wenn der nicht mitkam, ruhig hinten nachtrotten. Ihr Würde es schon nicht zu viel werden, sie kannte sich. Da war doch der Toni hier neben ihr ein ganz janderer Kerl! Dem fiel es nicht ein, sie zu dirigieren — sie hatte es gestern schon gemerkt — der machte vielmehr stillschweigend alles mit ihr mit, jede kleine Laune; ja, es schien ihm ordentlich selber Spaß zu machen. Und plötzlich flüsterte sie leise ihrem Begleiter zu: „Wenn wir hernach angeseilt Werden, nehmen Sie mich! Hören Sie, Toni?" „Ja, ja — gewiß!" Eifrig nickte ihr der Begleiter zu, mit froh aufstrahlendem Blick, und eine leichte Röte der Freude stieg in sein offenes Gesicht. Diese Auszeichnung machte ihn stolz. Eigentlich hätte die Dame ja mit dem Stadler gehen sollen, den sie zuerst und speziell für ihre Person als Führer engagiert hatte. Er war ja dann erst noch genommen worden, als auch der Herr mitgehen wollte. Daß sie nun aber ihn dem alten Stadler vorzog, das machte ihm eine geheime Freude. Er ging ja mit ihr viel lieber als mit dem Herrn dcw hinten. Ter Ivar gar so arg vornehm und sprach kaum mal ein Wort. Tat ex's aher, so war's dem Toni immer, als pb jener ihm ein Almosen gab. Das Fräulein hier aber war so leutselig, plauderte mit ihm ivie mit ihresgleichen und schaute ihn mit ihren lustigen, glänzenden Augen so freundlich an. Tas war jedesmal, als ob es ihn mit samtweicher Hand streichelte. So war denn der Toni ordentlich glücklich, daß er nun mit ihr gehen sollte. Es dauerte gar nicht mehr lange, da kam die Stelle, wo die Führer ihre Schutzbefohlenen ans Seil zu nehmen pflegten, an dem kleinen Wasscrgerinue, das vom Gletscher herniederkam.. „So — bitt schön, Fräula. Jetzt, ivenn S' so gut sein wollten" — und der Toni blieb vor ihr stehen, löste behend das Seil von der Schulter und band es sich um den Leib, mit hastigen Griffen, als ob der Stadler ihm zuvorkommen möchte. Aber die Sorge war unnötig. Der Alte war dahinten schon stillschweigend dabei, den Herrn ans Seil zu nehmen. „'s geht schon alles gut!" Mit heimlichem Lächeln raunte Toni es seiner Schutzbefohlenen zu. Toni trat auf Gottliebe zu, um ihr das andere Ende des! Seils um die Hüfte zu legen. Bedächtig zog er dann die Schlinge um ihren schlanken Leib fest. „Es muß schon fest sein," entschuldigte er sich, „aber uet gar zu arg. So wird's gut sein, gelt?" „Fein, Toni! Ich merke nicht die Spur," lobte Gottq liebe und reckte sich, die Hände aus die Hüften gesetzt, hoch auf. „Nun vertraue ich mich Ihnen also au — auf Leben und Tod! Sie werden mich doch auch heil wieder abliefern?". Scherzend blickte sie ihn au. „Ta hat's keine Not," versicherte Toni treuherzig ernst,. „Sie können sich schon ganz auf mich verlassen." „Na, dann los!" kommandierte sie erwartungsfroh. „Ein bißchen schnell, daß uns die anderen nicht so auf den Leih rücken!" drängte sie leiser. Willfährig begann der Spängler-Toni auszuschreiten, durch das Bett des Schneewassergerinnes hindurch auf die Firndecke hinüber. Knirschend setzten sich Fuß Und Bergs stock aus den hartgefrorenen Neuschnee. Hoch auf atmete Gottliebe. Nun betrat sie zum erstenmal in ihrem Leben den ewigen Schnee droben auf den Firnen, die sie bisher imwer nur bewundernd drunten aus der Tiefe angestaunt hatte. Ein herrliches, frohes Gefühl dnrchströmte sie plötz-- lich, wie wenn sie einen feurigen Wein getrunken hätte; ein Gefühl der elastischen Jugend und tatenbegierigen Kraft, Äh, wie wonnig, so dahinzuschreiten durch die freie, reine Lust der Höhen; hoch, hoch über beni törichten Men- scheutreiben da drunten! Da lagen sie noch alle im dumpfen Schlaf in stickiger Stubenluft und ahnten nichts von dem Glück, den krafterzeugenden Axther hier oben mit tiefem Zug zu schlürfen, sich den frischen Hauch der Höhe um die Schläfe wehen zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Aus alten bersröder Ariegsrechnungen, besonders der 3*1795 bis 1815 und andere mündliche Erinnerungen aus dieser Zeit. Von Lehrer Wolf- Bersrod, (Fortsetzung.) Schon im Jahre 1794 wurden im Torfe Kricgssteuern gezahlt und zwar monatlich. Jeder Ortsbürger wurde je nach seinem Vermögen dazu herangezogen. Der Name des Besteuerten und sein Steuerbetrag standen in einer Liste, der Kontributionsliste., Eine beträchtliche Anzahl dieser Listen aus den Jahren 1793 bis 1803 sind noch vorhanden und unterliegen wie sämtliche alten Gemeindeakten der Ortsurkundenpflege, so daß sie nicht mehr ver« loren gehen. Die Listen sind alle von dem damaligen Gemeinschreiber und Gerichtsschösf Andreas Linucustruth gefertigt, der ein geistig geweckter Mann gewesen sein muß. In allen Gemeindeakten der damaligen Zeit begegnet man seinem schwung- voll geschriebenen Namen, den er später in Lindenstruth abänderte.. Mit der 'Kontributionsliste ging ein Mitglied des Gemeindcrats von Haus zu Haus, erhob die Steuer und quittierte durch einen meist mit rotem „Riegelstein" gemachten Strich beim NamsN des Zahlenden. Für die ärmlichen Verhältnisse im Dorfe wär diese Steuer, der doch durchaus kein Aequivalent gegenüberstand, die man größtenteils für den Unterhalt, ja für das Wohlleben französischep Truppen zahlte, eine große und ärgerliche Last, denn man mußte darben, um den Feind zu sättigen, und der Abgaben an Geld und Naturalien an die Busecker Herrschaft waren es wahrlich auch genug. Gin einzigmal fand ich in der Rechnung eine Gegen« leistung der Bnsecker Herren, indem sie der Gemeinde zur Bestreitung der Kriegskostep —. 3 ganze Kunden überwiesen» Sie 435 sagt doch Schiller in seinem Reiterlied: Man sieht nur Herren und Knechte! Das war die gute, alte Zeit, die wir nie mehr hcrbeiwünscheil wollen. Denn untern wie eine Zitrone ausgepreßten Bauern stand gar oft, Ivie die Neberlieferung bestimmt versichert, der Hunger nur zu deutlich im Gesicht geschrieben nut hohlen Backen und tiefliegenden Augen. Armut damals war mit dem Entbehren der nötigsten Lebensbedürfnisse auf kürzere oder längere Zeit verbunden, während unsere Armen von heute sich nur höhere und verfeinerte Lebensgenüsse versagen müssen. Wie schlechte Witterung die Armut der Dorfbewohner noch vermehrte, zeigt eine Liste aus 1794, welche angeben soll, „was btc Bewohnerschaft an Fourage abgeben kann". Das klägliche Ergebnis der Leste sucht der Aussteller zu rechtfertigen, indem er am Schlüsse schreibt: „Daß der Mangel an Lebensmitteln sowohl vor Menschen als vor Vieh nllhier sich befinde und kern Ueberfluß, sondern vielmehr Mangel sei, ist 1. daß die hiesige gelinge Lands- Gemarkung kalt sei und jedoch durch viele Einwohner besetzt ict; 2. da das Frühjahr das Korn in der Blüte gestanden, durch em Kisselschlag so beschädigt worden, daß zum Teil das Fuder nur 6 Westen ergiebig ist, und 3. durch die trockene Witterung diesen verflossenen Sommer die Sommerfrüchte und Fourage sehr gering ausgesallen sei. Daß dieses sich also befinde, wird mit Pflichten attestiert." Eine andere Liste aus 1797 gibt uns nut hürren Worten einen Einblick in die schlechte Vermögenslage der Leute. Sie beginnt mit der Aufforderung des Amts: „Denen auswärts genannten Bürgermeistern wird hierdurch aufgegeben, eilt genaues Verzeichnis der Einwohner in jedem Ort,mit genauer Bestimmung ihrer Vermögens Umstände — d. h. welche wohlhabend, mittelmäßig oder ganz arm sind — längstens bis morgen mittag nm 1$ Uhr dahier einzuliefern ufw." Die Liste zählt auf als vermögend 1, mittel 15, arm aber 29 Haushaltungen. Wie erbärmlich muß man in diesen armen Familien gelebt haben, und mit welch bitteren Gefühlen wird man der schmausenden, trinkenden und dabei rohen und gewalttätigen Soldateska zugesehen haben! Unsre Jugend von heute weiß/von diesen Entbehrungen nichts mehr und will sie nicht glauben: sie hat Bedürfnisse, an welche die Jugend vor 100 Jahren nicht einmal denken, geschweige sie wöchentlich oder gar täglich befriedigen konnte. Zigaretten und Schoppen waren ihr unbekannte Tinge. Tw Lebenshaltung und die Vermögenslage der heutigen Bewohner des Busecker Tales ist doch eine ganz andere und in vielen Beziehungen bessere und eine Liste der „Verinögens-Umstände" hätte ein anderes und freundlicheres Gesicht als um 1800. Das oft gebrauchte Wort von der Verelendung der Massen wäre aus unser Dorf, überhaupt auf das Land — soweit wir es beurteilen können — durchaus nicht anwendbar. Unsere Landarbeiter und die, welche täglichen Verdienst in der Stadt suchen, leben in auskömmlichen Verhältnissen und kleiden sich und ihre Familien gut, ja manche leisten sich darin mitunter recht Ueber- flüssiges, und unsere Bauern bearbeiten ihren Boden recht intensiv, was schon die neuen Scheuern bestätigen, reine Protzen neben den alten der Vorväter, die auch meinteu, groß genug gebaut zu haben. Nachdem wir ans den Kriegsakten die große Armut geschaut, trotz welcher die Gemeinde die unerhörtesteit Kriegsforderungen befriedigen mußte, kehren wir wieder zu den geschichtlichen Ereig- nissen zurück. Im März 1796 brach, nachdem Preußen 1795 Frieden geschlossen hatte, von neuem Krieg aus zwischen Oesterreich und Frankreich. Während Napoleon in Oberitalien gegen die Oesterreicher siegreich blieb, errang der österreichische Feldherr Erzherzog Karl am Rhein einige Erfolge. Auf der Flucht vor ihm ergossen sich französische Heeresabteilungen in die Dörfer und Städtchen der Wetteran und des südlichen Vogelsberges. Rach hier scheinen sie nicht gekommen zu sein, beim die Rechnung erwähnt nur Fonragelieferungen an die Franzosen, als auch an die Oesterreicher. Von letzteren waren auf kurze Zeit ungarische Husaren, Berchiny-Husaren und Tiroler Scharfschützen in geringer Zahl bei uns einguartiert. Leihgestern, Nidda und vor allen das kleine Städtchen Lißberg hatten aber unter den wutschnaubenden französischen Revolutionssoldaten schwer zu leiden. Was hatte der Rcvolutionsruf von erträumter Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, den sie so ost gebrüllt, ans diesen Gesellen gemacht? Eine Horde lüsterner, beutegieriger, grausamer Teufel. Das waren die Söhne der Revolution, deren Kricgsrus nun lautete: Mord, Brand, Plünderung. In Leihgestern und Lißberg hatten sre dermaßen gehaust, daß sich die öffentliche Wohltätigkeit für btc armen Dörfer regen mußte. Auch in Bersrod wurde eine Kollekte veranstaltet. Da Bargeld sehr rar war, so gaben die Leute Naturalien, Korn und Gerste, was wohl auch der ersten und schlimmsten Not, dem Hunger, am besten abhalf. Der Ortsvorstand brachte 1 Achtel und 7 Westen Korn und ebensoviel Gerste m- fantnten. Wenn wir bedenken, daß unsre Gemeinde schon 179t> und auch 1796 Kriegsfuhren bis nach Frankfurt und Limburg ihm müßte und mit Kriegslieferungen aller Art geplagt war, die gerade viel Frucht Wegnahmen, so sehen wir an dieser Gabe, tote Itnfere Dorsvorfahren ans eigner Anschauung die Not dieser miß- tzandelten Dörfer verstanden und fühlten. Zwar ging den Einwohnern unseres Dorfes persönlich nur wenig verloren, da die Gemeinde alle, selbst die kleinsten bei Kriegsfuhren erlittenen Ver- Aste in Geldeswert ersetzte, wie uns eine „Spezifikation", d. h. Rtne Aufführung der Einzelheiten belehrt. So wurden verloren Begangene Säcke- Joche, Spaunketten, Kenstränge, Wagentücher, Liesenzapfen usw. bezahlt. Auch die von umhcrschweifenden Pa« trouillen den Einwohiterit abgepreßten Gelder, was öfters auch Bet Fouragelieferungeu vorkam, wurden ersetzt. Vielfach kam es auch vor, daß bei Kriegsfuhren das Fahrvieh, Ochsen und Kühe, kurzerhand im Lager behalten und abgeschlachtet wurde. Dadurch wurde der schon sehr strapazierte Gemeindesäckel allemal um viele blanke Gulden erleichtert. Wie kam nun der seiner besten Fahrkuh oder Fahrochseu beraubte Bauer daheim mit seiner Arbeit zurecht? „Da siehe du zu!" dachte der übermütige Feind. Bald wurde man schlauer und ließ die Fuhren durch „Gäulsbauern" der benachbarten Dörfer gegen Bezahlung ausführen. Bemerkenswert ist auch, daß die Gemeinde für abhanden gekommene Gewehre, die von den Franzosen mitgenommen worden waren, 52 Gulden zahlte. Nach dem Friedensschluß mit Oesterreich 1797 fluteten nun die franz. Truppen zurück, und die Einguartiertingen nahmen auch in unserem Dorfe kein Ende. Manche Abteilungen blieben wochenlang hier liegen, und wir können an Hand der vielen Einquar- tierungslisten genau die Truppenteile feststellen, was aber zu weit führen dürfte. Sittliche Ausfchreituitgen, wie sie uns ans dem 30 jährigen Kriege int Simplizissimus-Roman geschildert werden, kamen in der Franzosenzeit ganz ähnlich vor, was sich B'ei langer, fauler Kriegsdauer und den räudigen Schafen, die jede Armee der Welt in sich birgt, immer wiederholen wird. Zwei Fälle, in hiesigen Familien weitererzählt, seien angeführt. Die Fran des Gemeindeschäfers, der nachts draußen beim Pferche sein mußte, hatte in einem jungen Franzosen Wünsche unkeuscher Art geweckt. Der junge Mann glaubte durch das ihm von der Frau gezeigte Benehmen seiner Sache sicher zu sein und wagte sich an sie heran, fuhr jedoch ab. In plötzlicher heißer Aufwallung schlug er wütend nach der Fran. Im ersten Schrecken hielt diese: ihr kleines Kind -vor sich, und ein unglücklicher Faustschlag traf, wenn auch ungewollt, das arme Wesen. Es soll später an den Folgen des Schlages gestorben fein. Als am andern Morgen die Soldaten a>x getreten waren, meldete die Frau dem Hauptmanne den Vorgang und bezeichnete den Missetäter. Der leugnete nicht. Sofort liefe der Offizier eine Gasse bilden und den Ilebeltäter Spießruten laufen- wobei er so zerschlagen wurde, daß die Dorfbewohner Mitleid für ihn empfanden und der leichtfertigen Fran alle Schuld beimaßen.- Der so furchtbar Gezüchtigte wurde der Truppe nachgefahren und soll an seinen Verletzungen gestorben sein, Der andere Vorfall ist einfach brutal. Im heutigen Dammschen Hause lebte zur Zeit der Franzosenkriege der Landwirt Will). Lindenstruth. Auch thm hatte man, wie schon so oft, das Haus wieder einmal-voll Fran- zoscn gelegt. Diesmal schienen ihm die Burschen keinen vertrauenerweckenden Eindruck zu machen, denn als er eines Tages au'i längere Zeit über Land mußte, bestellte er für die Abendzeit einen baumstarken Torsbewohner in sein Haus, damit dessen Anwesenheit böse Dinge verhüte, wenn er selbst noch nicht zurück sein sollte. Er hatte die Vögel richtig erkannt. Als der von ihm ^Beauftragte gegen Abend sich dem Hanse näherte, hörte er Gestampfe und Gepolter in der Stube, wie wenn sich Menschen darin.balgten, Ta tat sich auch schon ein Fenster auf, und heraus sprang die in andern Umständen befindliche Frau des Hauses. Er ftng sie gerade in seinen Armen auf, sonst hätte ihr dieser Sprung recht verhängnisvoll werden können. Von rohen Soldaten gepeinigt, hatte die Frau in ihrer Verzweiflung kernen andern Ausweg gewußt. Während sie nun von dem treuen Freunde tu Sicherheit gebracht wurde, war das Dienstmädchen, das aus Linden- strnth stammte — der Name ist nebensächlich — den Wüstlingen schutzlos preisgegeben, lieber eine Bestrafung der traurigen Helden ist nichts bekannt geworden. , Neben diesen schweren Ausschreitungen, sei auch em heiteres Stücklein erzählt. Ein im Strohschen Hause einquartierter Franzose hatte sich zu seiner Unterhaltung einen jungen Star gefangen. Liebevoll besorgt um seinen Schützling, setzte er ihn an em warmes Plätzchen, in die — Pelzkappe des .Hausherrn. Der machte gute Miene zu diesem Frevel an seines Hauptes, warmer Bedeckung. Als aber der junge Star nach Wiedehopfart sein molliges Nest bei reichlichem Futter weiß und grünlich beklexte, da wallt' dem Deutschen auch sein Blut, und er schwur dem Star Rache. Als der Soldat auf einige Stunden weg mußte- drehte der Pelzkäppenbesitzer dem Stärlein kunstgerecht das Genick 'um Der Soldat kam, besah nichtsahnend seinen toten Vogel und sagte: „Viel krak, viel krak." (titel krank - tot) Der schlaue Bauer machte ein dummes Gesicht und bedauerte lebhaft mit Wenn auch die Franzosen in ihren Worten höflicher waren als später Preußen und Russen, so waren sie um so anipruchs- voller. Was ihnen alles geliefert werden mußte, davon hier eine Probe: Eisen, Nägel und Hufeisen, Schmiede-, Satiler- unb Wagnerarbeiten, Kleibungsstücke, besonders Hemden, Schuhe und Stiefel; Holz, Licht und Besen für die Wachtstnbe; Wein, Branntwein, Bier, Butter, Eier, Brot, Federvieh, Korn, Weizen, Gerste und Hafer, Heu und Stroh, lebendes Rindvieh, besonders Ochsen, geschlachtetes Fleisch, sowohl Rind-, wie Hammel- und Kalbfleisch, Salat, Gemüse, Salz, Oel, Essig, Senf, Zwiebeln- Käse, Mehl, Kartofseln, Zucker, Tee, Aasfee; Federn und Papier, Haarpuder und Pomade (siehe 70 u. 71), Rauch- und Schnupftabak. Diese bunte Reihe mag genügen, doch will ich noch bemerken- daß sie als gute Köche auch im Quartier meist selbst kochten und die Wilchsiippe sehr liebten. Kam diese ttoeb recht 435 heiß auf den Tisch, so war ihre stehende Redensart: „Die Supp hat viel Sommer." Wie unerbittlich die Nachfahren der Gallier bei Lieferungen vorgingen, zeigen folgende zwcr Verfügungen des Ganerbschaftsanites Gr. Buseck über die Lieferung von Mehl, und des Bürgermeisters von Reiskirchen über eine solche von Hafer und Heu. Sie lauten: „Da von dein franz. General Legrand an das Buseckertal eine Forderung von 4080 Pfund Mehl gemacht worden und es hieran der Gemeinde Bersrod 221 Pfund erträgt, so wird dem dasigen Bürgermeister aufgegeben, sothane 221 Pfund Mehl binnen hier und überinorgen, Dienstags morgens um 9 Uhr längstens und so gewiß nach Gießen abzuliefern, als sich sonst zu gewärtigen, daß er dieses Mehl doppelt prästieren müsse. Die Ablieferung geschieht in den Rappen, wo sich ein thalischer Deputierter (vom Amt Gr. Buseck) aufhalten wird." „Wenn die Gemeinde Bersrod bis morgen 7 Uhr an die Reiskircher Kantonierungstruppen nicht bis 15 oder 20 Achtel Hafer benebst 100 Rationen Heu, die Ration 15 Pfund, anherr liefert, so wird solche Gemeinde mit franz. Exekution belegt oder bestraft. Reiskirchen, den 28. April 1797. Bürgermeister Heinrich Schneider." Dieser letztere Befehl ist von einem Offizier mit einer Erklärung in franz. Sprache versehen, deren Inhalt nur erraten werden kann, denn die Schrift ist zierlich und durch schwungvolle Verschnörkelungen größtenteils unleserlich, sticht aber merkwürdig ab gegen die großen, klobigen Schriftzüge der Reiskircher Bürgermeisterfaust. Aber auch deutsche Truppen unterstützten ihre Lieferungsbefehle mit drohenden Worten. Das ist halt der Krieg. . So wird für eine Brotlieferung verordnet, „daß das Brot gegen den Regen mit Tücher und Stroh wohl verwahret werden soll, sonst muß jeder fehleude Laib sogleich mit schwerem Geld bezahlt oder in Natura nachgeliefert werden. Hiernach ist sich unfehlbar zu achten." Welchen unangenehmen Scherereien mitunter die Gemeinde bei Fouragelieferungen ausgesetzt war, zeigt die drei volle Bogenseitcn umfassende Rechnung über den Ankauf und die Lieferung einer Kuh für das franz. Lager in Kloster Arnsburg 1797. Da im Dorfe keine zu befummelt war, kaufte man eine in Alten-Buseck für 60 Gulden 12 albus (1 Gulden = 60 Kreuzer = 40 alb.) und gab 1 Gulden und 15 albus „Schmußgeld und Weinkaus". Die arme Kuh mußte bald da, bald dorthin geliefert und dabei Trinkgelder an einen franz. Oberst und die Wachen im Kloster Arnsburg gezahlt werden. Als man nicht mehr wußte, wohin mit der „Wanderkuh", versteigerte man sie kurzerhand. Aber da wurde die Lieferung abermals verlangt und einem Bauer, der Fourage nach Arnsburg brachte, wurden die Ochsen für die Kuh im „Arrest" behalten. Nun bekamen es die unglücklichen Kuhlieferanten mit dem Amt Gr.-Buseck und dem Herrn Regierungsrat Meier in Gießen zn tun — wegen der Kuh. Sie kauften das Unglückstier dem Steigerer wieder ab und lieferten es nun zum dritten Male im Kloster ein. Die Ochsen wurden aus dem „Arrest" entlassen, aber die Kuh ist wahrscheinlich nicht mehr lebend cherausgekommen. Durch die vielen Gänge und Trinkgelder war die Rechnung auf 91 Gulden 20 albus angewachsen, wurde jedoch vom Amt auf 82. Gulden 20 albus beschnitten. Wahrlich, für die Bersröder wäre dieses Hornvieh historisch, wenn es noch lebte. Ueberhaupt find die Jahre 1797 und 98 für unsere Gemeinde, sowie für das gesamte Buseckertal, die bittersten von allen gewesen. Von Anfang April 1797 bis Ende 1798 betrug die franz. „Kriegs- Schadens-Rechnung" 17 084 Gulden, als Anteil Bersrods an der Gesamtlieferung des Busecker Tales, ohne die eigenen Lie- iernngen, allein von Ende April bis 20. Sept. 1797 = 6178 Gulden, also monatlich über 1200 Gulden. Um diese hohen Summen aufzubringen, mußte die Gemeinde bei einer Anzahl Privaten Kapitalien ausnehmen und Schulden an Schulden reihen. Der Kuriosität halber seien einige Posten der Kriegsrechnung 97/98 hier angeführt: 1. Dem Herrn Schulmeister Koch für Bett-, Weiß- und Tischzeug, Zinß Und mehrere Bedürfnisse zu stellen 75 Gulden. 2. Einem franz. Marketender für 54 Mas roten Wein 64 Gulden 24 albus. 3. Dem Lorenz Spaar von dem prisson für die Franzosen 3 Gulden. 4. Dem Konr. Döring, hat ein Leintuch ll>/e Woch für ein Offizier in Konr. Büchers Haus hergegeben 15 albus. 5. Dem Melchior Linnenstruth von Beuern für mit 2 Pferden 11 Tage geleistete Vorspann bis Köln 30 Gulden 2 albus. 6. Einem Commando Dragoner (franz.) Erpreßtes Geld müssen bez. 16 Gulden 18 albus. 7. Dem Jak. Sommerlad für 5 Mann Berchinp Husaren Mund Portion und Pferde Ration 2 Gulden 10 albus. 8. Demselben für Zehrung 2 Tiroler Scharfschützen mit 2 Weiber 15 albus. 9. Dem Balser Hofmann für Branntwein, als ein Kommando franz. Dragoner in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai großen Aufruhr machte 2 Gulden 9 albus. 10. Dem Glaser Damm von Beuern, von Fenster in des Gerichtsschöff Linnenstruth Stub wieder zu machen, so durch die Offizier durch Walzen (-Tanzen) zerbrochen worden 1 Gulden 24 albus. (Schluß folgt.) Vermischter. * F a rbe und Appetit. Wählt man in einem Speisehausr ein Gericht, das schokoladenfarben ist, so beweist man damit unwillkürlich, daß man ein Mann von Geschmack und Bildung ist. Hat man dagegen eine Borliebe für gelbe oder sasranfarbene Speisen, so zeigt das einen ordinären Geschmack. Zu dieser Schlußfolgerung kommt nach einer eingehenden Untersuchung über Essen und Farbe LLr. I. S. Goodall in einer englischen Zeitschrift. Nach den Ergebnissen vieler Versuche, die er vorgenommen, stellt Dr. Goodall folgende Regel auf: — Kultivierte und gebildete Leute ziehen schokoladenfarbene Speisen vor. Ungebildete Leute essen gelbgefärbte Speisen gern. Kinder aller Stände haben eine Vorliebe für Essen, das rot gefärbt ist. Dr. Goodall behauptet, daß die Farbe der Speisen von viel größerem Einfluß aus den Appetit und die Verdauung ist, als man gewöhnlich an» nimmt. „Zuerst stellte ich Versuche mit Katzen an," erzählte er. „Eine Katze läßt sich durch die Farbe ihrer Nahrung sehr beeinflussen. Bei einem Versuche legte ich mehrere Fleischstücke, von denen jedes anders gefärbt war, einer Katze vor. Genau sah sich das Tier jedes Stück an und wählte dann das rotgesärbte. Hunde hingegen scheinen ihren Gesichtssinn nicht so zu Rate zu ziehen, wie das die Katzen tun. Wenn die Nahrung nur gut riecht, frißt ein Hund alles. Silber auch Menschen sind hinsichtlich der Farbe ihrer Nahrung sehr empfindlich. Durch Umfragen bei Lieferanten stellte ich fest, daß sich schokoladenfarbene Speisen in den besseren Klassen großer Beliebtheit erfreuen. In ärmeren Gegenden jedoch findet Kuchen und Backwerk, das eine hellgelbe Farbe aufweist, den meisten Absatz. Rosa ist die beliebteste Farbe bei Kindern. Läßt man einem Kinde die Wahl zwischen Zuckerzeug, das rot und gelb gefärbt ist, so ivird es stets das rot- gefärbte wählen Blinde, die ihren Gesichtssinn nicht mehr gebrauchen können, scheinen Speisen mit einem stark ausgeprägten Geruch zu bevorzugen, namentlich haben sie gewisse Gemüse gern." Eiir anderer Forscher, Dr. G. Norman Meachem, will ebenfalls beobachtet haben, daß „die Besucher von Speisehäusern in ihrem Appetite sehr durch die Farbe der Speisen, die ihnen vorgesetzt werden, beeinflußt find. Gewisse Farben reizen den Appetit und die Verdauung an, andere haben die entgegengesetzte Wirkung. Speisen, die künstlich grün gefärbt sind, werden allgemein gemieden. Weiße Speisen, wie Weißfisch, reizen beit Appetit an." Ein Grund dafür, daß, wie Dr. Goodall behauptet, die ärmeren Klassen eine Vorliebe für gelbe Speisen haben, mag vielleicht der sein, daß sie glauben, solche Speijen sind üppiger und reicher als andere. „Was mich selber anbetrifit, so ist mein Appetit oft durch gewisse Farben angeregt worden So bringen braun geröstete Kartoffeln diese Wirkung bei mir hervor. Nach meiner Theorie sind Grün ober Blau einem gesunden Appetit nicht förderlich. Wenn man sich zum Mahle in einem grün tapezierten Zimmer niedersetzt, so wird einem oft der ganze Appetit zum Essen verleidet." * Die Rache. Der Schauplatz ist ein kleines Postamt. Am Schalter kauft ein Herr eine Zehnpfennig-Marke. Der 9lffiftent reicht ihm die 'Starte und fragt freundlich: „Vielleicht ein Postanweisungsformular gefällig?" „'Nein, danke". „Oder einige Postkarten? Es sind heute nette eingetroffen." „Nein, heute nicht." „Aber ein Kartenbrief?" „Nein, ich danke. „Wollen Sie vielleicht ein Postscheckkonto eröffnen? Oder ein Postfach gefällig „Nein, durchaus nicht." Und der Käufer entfernt sich eilig. Ter Post- direktor, der unbemerkt die kleine Szene mit ansah, nähert sich sehr empört: „Wer war dieser Herr und tvie kommen Sie dazu, ihn so zu belästigen?" Aber der Assistent lächelt nur zufrieden: „Oh, es ist mein Friseur," erklärt er, „und immer, wenn ich mich rasieren lasse, besteht er daraus, mir eine Gesichtsmassage, Haar» schneiden, Shampoonieren und diverse Haarwasser dringend anztt- empfehlen, obgleich ich nichts von alledem tvünsche. Da wollte ich doch einmal int Leben den Spieß umkehren und sehen, wie ihm das gefallen würde " Sfat=2lufgab$. Da alles paßt, tourniert Vorhand mit folgender Karte: cr> Q <7 Q Er tourniert so günstig — jedoch keinen Wenzel — daß er fein Spiel mit Schneider gemimten konnte. Mittelhand hat in ihren Karten ein Auge weniger als Hinterhand. Was lag tut Skat, tvie waren die übrigen Karten verteilt und tvie mußte gespielt werden? Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer: Fahnenflucht — Beinerz — Albatros — Nicolai - Luckervogel; Franz Liszt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheit Uitiversitäts-Buch» und Steindrttckerei, R. Lange, Gießen»