-B ■ EUMWW -MAO i .^£ fc- ^fifltiCjSE-SreRcZw' Zwei Welten. Roman von Emma Mer (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Michaela, die Fran des ältesten Bernhoblers, deS schweigsamen, aber seelenguten Emil, der mit seinem Bruder Gustav das väterliche Geschäft leitete, sah in der Tat tviie von Leioenschaft zerwühlt aus. Wer man hätte ihr bitterlich Unrecht getan, wenn man nach ihrem Gesicht auf eine bewegte Vergangenheit geschlossen hätte, etwa hätte glauben wollen, daß heftige Liebesstürme über ihr Herz, hinweggebraust wären. Sie war eilte höchst tugendhafte, von keinerlei sündhafter Regung bewegte Frau. Nur der beständige erbitterte Kampf, den sie mit ihren Dienstboten führte, Hatte die düsteren Schatten unter ihren Augen eingegraben, ihren Lippen den herben Zug ausgeprägt? Ihr Mann war leidenschaftlicher Jäger, guter Fußgänger, und wenn es ihm daheim zu ungemütlich wurde, dann schlupfte er in seine Joppe, nahm Gewehr -oder Bergstock und fuhr davon. Ihr Sohn Anton, ein hochgewachsener, junger Mensch von dreiund-zwanzig Jahren, trat vollständig in die Fuß- tapfen des Vaters, nur daß er noch mehr Wildling und Naturmensch geworden war, sich auch nicht gern im Geschäft Halten ließ und übelster Laune war, wenn er, wie heute, einen schwarzen Rock anziehen und sich dem Zwang der Familie unterwerfen mußte, statt in der Kneipe zu sitzen vder sich mit Jägern umherzutreiben. Gustav und seine behäbige Frau Fanny waren die lebenslustigen Bernhoblers. Sie lÄten ja auch nicht gesellig, aber sie hatten ein halbes Dutzend 'frischer Kinder — Vier rotwangige Mädchen waren heute auch mitgekommen —, und da sie keine der vielen Gelegenheiten vorübergehen ließen, bei denen sich nach altem Münchener Brauch ein Fest feiern läßt, so !var immer ein Vergnügen bei ihnen tos', und „stets drehte sich der Braten am Spieß". Das Ehepaar, das zuletzt ankam, fiel vollständig heraus gus dem Rahmen der übrigen Gesellschaft. Walburgas einzige Tochter hatte sich vor einigen Jahren Mit dem Baron von Flassan verheiratet. Sie war eine schöne, blasse, elegante Frau, die mit ihrer schlanken Gestalt, ihren ruhigen Bewegungen, mit ihren ernsten vornehmen Zügen wie eine Fürstin erschien neben den untersetzten, linkischen Brüdern und deren schlichten plumpen Gattinnen. Ihr Manu hatte ein scharf geschnittenes, nicht uninteressantes Gesicht, aber seine fahle Hautfarbe, der verschleierte Blick, der blasierte Zug um seinen Mund, der Übertrieben elegante Anzug bei seinem krankhaften Aussehen Machten seine Erscheinung höchst unsympathisch. Er war der einzige, von dem Frau Walburga sich ei» wenig einschüchtern ließ, dem sie nicht so herrisch gegenüber» zükreten wagte, als den übrigen. Man merkte ihm deutlich genug an, wie zerstreut er war, während er sich mit seinen Schwägerinnen unterhielt welchen Zwang er sich antun mußte, um in die träge, hin- flüsternde Unterhaltung mit einzustimmen, die sich hauptsächlich um das Geschäft, um Geldsorgen, um die Kinder, um die jeweiligen Dienstboten drehte. Als sich auch der Ehrengast, der Herr Stiftspropst, ei» wohlbeleibter Herr, mit rotem, rundem Gesicht, noch eingefunden hatte, setzte man sich endlich zu Tisch. Ein paar bescheidene Jünglinge, Patenttuder Fra» Walburgas waren neben die jungen Mädchen gesetzt worden, die schüchtern und wortkarg auf ihren Teller schauten und auf die an sie gestellten Fragen nur mit Ja oder Nein antworteten. Hildegard hatte Leutnant Schmidt als Tischnachbarn! bekommen, der sich sichtlich bemühte, artig und liebenswürdig gegen sie sein. * Da sie so wenig in Gesellschaft kam, war sie gar nicht verwöhnt mit Unterhaltung und sand die harmlosen Anekdoten und abgedroschenen Witze, die der Offizier erzählte^ noch ganz neu und erheiternd. Es war ja auch meistens so unbeschreiblich langweilig bei diesen Verwandteneinla- düngen, daß jede Abwechselung ihr willkommen war. Allmählich fiel ihr aber auf, daß die Großmutter beständig zu ihr hinüberschaute, jede ihrer Bewegungen, ihr« Mienen beobachtete, diesmal eher in freundlicher, als i» kritischer Weise. Die alte Frau hatte durchaus kein Talent zur Diplomatie. Bei einem der Kaffeenachmittage, bei denen ihre gute« Bekannten bei ihr saßen und über die schlechten Zeiten und über die bösen Menschen von heute loszogen, war auch einmal ein warmes Lob laut geworden -und zwar für den hübschen Leutnant Schmidt. Frau Kleinmeier, eine entfernte ärmere Verwandte der Bernhoblers kannte ihn, er war ihr Zimmerherr, und sie hatte für ihn ein mütterliches Wohlwollen. „Er ist ein braver Mensch, wenn er auch nicht viel Geld Hat. Ich könnt ihn wirklich empfehlen, wenn Sie für ihn eine Partie wüßten. Er möchte so gern heiraten, natürlich als Offizier muß er ja ein bißchen aus Vermögen schauen, aber das tun ja heutzutage die jungen Herren bereits alle. Ich glaube, er tät ein guter Ehemann werden, und er wär' sehr dankbar, wenn er in eine solche Familie hereinkäm'." Die Großmutter war nun der Ansicht, daß es süv Hildegard Zeit sei, sich zu verheiraten. Für alle die Schrullen, die das junge Mädchen im Kopf hatte, gab es nach ihrer Meinung kein besseres Heilmittel, als einen Mann, einen Haushalt und Kinder. 284 Stoau Walburga war keine geizige Natur; im Gegenteil, fit gab und schenkte gern. Aber sie wollte auch, daß, man sich ihr zur Dankbarkeit verpflichtet fühlte, daß sie in ihrer ganzen Umgebung als Gönnerin angesehen wurde. Gerade weil Hildegard sich ihr zu wenig unterordnete, gefiel ihr der Gedanke, die Widerborstige durch eine Herrat mit einem armer: Offizier in eine abhängige Stellung zu bringen, in der sie sich inmrerfort bervußt bleiben müßte, wieviel Dank sie der Großmutter, der Familie schuldig Ware. So war Walburga nicht abgeneigt, ein wenig zu kuppeln. , Ter Leutnant machte seinen Besuch mw wurde emgemden. Aber Hildegard durchschaute noch während des Abendessens den Plan der Großmutter. Daß überhaupt ein Fremder in der: Verwandtenkreis- hiueingezogeu iwr,be, war ja schon auffällig genug, dazu dieses prüfende, neugierige Interesse, das die alte Frau an ihrer Unterhaltung mit dem Tischnachbar verriet. Sie hatte eine Weile ganz lebhaft und freundlich mit dem Offizier geplaudert. Sobald sie sich klar gemacht, welcher: Zweck sein Hiersein hatte, änderte sie ihren Ton und ward schnippisch und kürz angebunden gegen ihn. Leutnant Schmidt, der bisher sehr zufrieden mit sich und seiner Nachbarin gewesen war, mußte sich zum ersten Mal den Kopf zerbrechen, was er nun reden sollte. Er wollte natürlich dem Fräulein etwas Angenehmes sagen, sich bei Hildegard einschmeicheln, als er höflich bemerkte: „Ach, Sie glauben gar nicht, wie wohl es einen: jungen Wann tut, daß er in diesem Kreise so häusliche junge Mädchen antrifft. Sie sind leider recht selten geworden." („Was verstehen Sie unter häuslich, Herr Leutnant? Daß wir immer zu Hanse sitzen und nichts tun?" fragte Hildegard lachend. ' „Aber ich bitte Sie, gnädiges* 1 Fräulein. Sie beschäftigen sich doch alle so nützlich-, so echt weiblich in der Hauswirtschaft, verstehen so viel von Dem; was einem Mädchen das wichtigste sein soll." „Glauben Sie doch nicht, daß wir uns beschäftigen. Nein! Weder ich noch die andern. In allen den Familien unserer Verwandten sind eine Köchin und ein Stubenmädchen, bei manchen auch noch ein Diener. Die Mamas nehmen sich mit ausschließlichem Interesse des Haushaltes an. Wir sind dabei gänzlich überflüssig." „Aber der ganze Geist des Hauses, die Erziehung! Es würde doch keiner von Ihnen einfallen, einen Berns wu ergreifen, zu studieren! Ich muß gestehew , mein gnädiges Fräulein, vor einer Malerin oder gar einer Studentin, da gerät meine Galanterie ins Wanken. So eine Emanzipierte ist mir gräßlich. Den Kurzhaarigen gehe ich in einem weiten Bogen aus dem Wege. „Die Bedauernswerte::!" lachte Hildegard spöttisch. „Dieses Mißgeschick müssen Sie wohl tragen lernen. Ja, ich gestehe, daß. ich. aus die Gefahr hin, auch von Ihnen in Acht und Bann -getan zu werden, jede Malerin, jede Studentin, überhaupt jedes Mädchen, das eine ernste Arbeit hat, ganz unsagbar beneide. Ich wollte ich dürfte studieren !" Der Offizier schüttelte mit drolligem Entsetzen den Kopf Und schlug die Hände ineinander: „Nein! Wer gnädiges Fräulein! Nein, so etwas! Diese Bemerkung hätte ich wahrlich nicht von ihnen erwartet. Ich würde sie gar nicht glauben, wenn ich sie nicht selbst von Ihnen gehört hätte." । Die Großmutter, die ihre Augen unablässig auf das Paar gerichtet hielt, denn der neben ihr sitzende Stiftspropst war so mit Essen beschäftigt, daß, er nicht viel Zeit Mm Reden hatte, bemerkte die erschreckte Bewegung des Of^iers und rief' bei einer allgemeinen Pause über den „Herr Leutnant Schmidt, was sagte dem: die Hildegard, was Sie gar so auseinander bringt?" „O, ich habe nur meiner Abneigung gegen Malerinnen, Studentinnen usw. Ausdruck gegeben, und da behauptete das junge Fräulein, sie sei durchaus nicht meiner Meinung, sie möchte sogar selbst studieren!" „Das war nicht :hr Ernst," erwiderte die Großmutter mit lauter Stimme. „In unserer Familie gibt es feine emanzipierten Frauenzimmer, da dürfe:: Sie ganz ruhig fein! Wir ärgern uns alle über die neumodischen Faxen, und die Hildegard macht bloß Spaß mit so einem dummen Gered." Das junge Mädchen war dunkelrot geworden. Einen Moment zögerte sie; dann hob sie mutig den Kopf unbi entgegnete mit trotzigen Augen: ( „Nein, Großmutter! Ich habe nur Festigt, was ich denke! Es war kein Spaß, sondern mein voller Ernst. Ich habe unbegrenzten Respekt vor den Mädchen, die etwas lernen und anstreben, vor allen, die sich selbst ihr Leben verdienen, vor allen, die nicht so nutzlos in den Tag hineinleben wie ich!" Einen Moment saß alles mit verblüfften Mienen da, als wäre in dem Zimmer eine Bombe geplatzt. Adolf Bernhobler sah aus, als müßte ihn in: nächsten Moment der Schlag treffen. Ein offener, kecker Widerspruch gegen die Großmutter' an ihrem eigenen Tisch, an ihren: Namenstag! Das war einfach unerhört! Dann wurde die bisher so schleppende Unterhaltung mit einem Male belebt. Alles redete, alle waren entrüstet und ereiferten sich über Hildegards Ungezogenheit und über! ihre verdrehten Ideen. Auf Frauen und Mädchen, die sich selbst Geld verdienen mußten, schauten sämtliche Bernhoblers, jung und alt, mit geringschätzendem Mitleid herab, „Notige Lent' halt", eine Menfchenklasse tief unter ihnen. Baron von Flassan, der am reb-^getoanbteften war, sprach mit erhobener Stimme über die edle Weiblichkeit, die durch solche emanzipierten Gelüste ihres schönsten Zaubers beraubt werde, über die Zerrüttung der heiligsten Familien-, bände durch derartig zerfetzende moderne Einflüsse. Man stimmte ihm lebhaft zu. Nur feine Frau blickte ihn mit einem bitteren Lächeln an, mit einen: düsteren Blick, der zu sagen schien: „Du, wagst es, alle diese schönen Phrasen in den Mund zu! nehmen?" Aber sie schwieg. Sie war so gewöhnt, zu schweigen. Nur der schmerzliche Zug um ihre Lippen sprach von traurigen Erfahrungen und in ihren schönen dunklen Augen lag ein Ausdruck stolz getragenen Leids. Teilnahmsvoll schaute sie auf die junge Nichte, die eine eigene Meinung zu haben fragte, die nun mit zornigen! Blicken, mit allgemeiner Entrüstung gestraft wurde. Zum Glück für Hildegard-, der diese letzten Minuten, während sie die Zielscheibe aller Augen war, zur Marter wurden, zur großen Erleichterung für bei: Leutnant, der natürlich bereute, diese Szene herbeigeführt zu haben, stand! man nun bald von: Tische auf. Gustavs rotwangige Töchter spielten vierhändig und fangen Duette, ein junger Herr kratzte auf der Violine, —i wohlgemeinte Hausmusik, die um so mehr auf Beifall rechnen durfte, als sie keine altzu. seinen Ohren beleidigte und die mühsamen Stunden nach den: Essen, wahrend alle noch! träger und redefauler waren als sonst, hinbringen half. Baron von Flassan hatte einige Male mit heimlicher Ungeduld nach der Uhr geblickt. Er schien auszuatmen, als endlich der Wagen gemeldet wurde. Nun gab es einen allgemeinen Aufbruch. Als Hildegard der Großmutter „Gute Nacht" jagte,- zog die alte Frau sie in eine Ecke und fuhr sie heftig an. «„Weißt, wenn's mir nicht um meine andern Gast' g’toefen wär', dann hätt' ich heut mit dir ein anderes Wörtl gerebt! Mach, daß du fortkornmft von meinem Tisch! hält' ich g'sagt, du frech's Ding! Du gehörst nicht zu uns herein. Du hättest schon so eine Malerin werden sollen, mit kurze Haar, die Zigaretten raucht. Das liegt dir im Blut!" (Fortsetzung folgt.) hessische Truppen unter Napoleons Zahnen im Jahre 18J3.’) • Von Dr. H. Bergör - Gießen. I. Ausmarsch der Truppen und ihre Formierung im Feld. (Von Januar bis Ende April 1813.) Zu Beginn des Jahres 1812, da Napoleon seinen Kriegs^ zug nach Rußland plante, konnte Hessen-Darmstadt dem Protektor des Rheinbundes 7322 Mann Mr Verfügung stellen. Iw *) Benutzt: AktendesHans-undStaatsarchivZ zu Darmstadt: Kriegsakten VIII., B. I. Nr. 13, Konv, 1 und 2. 235 Vergleich zu der geringen Einwohnerzahl von etlva 1/2 Million Seelen war dies das stärkste Kontingent, das unter bett Rheinbundfürsten ein kleiner Landesfürst bene französischen Gewalthaber zuführen konnte, lieber 4000 Mann Linientruppen befanden sich in der Heiniät, wahrend 1500 Mann vom Regiment „Groß- und Erbprinz" noch in Spattien bluteten und 1540 Musketiere vom Leibregiment in der Festung Danzig französische Heeresdienste zu leisten hatten. Das L e i b r e g i m e n t, das vor seinem Ausrücken ün Jahre 1811 in Gießen garniso- üiert war, mußte als erstes hessisches Regiment von Danzig ans mit bee „großen Armee" nach Rußland marschieren und mit Ihr alle Schrecknisse bes verhängnisvollen Feldzuges bnrch- 'Müchen. Tie hessischen Regimenter Leibgarde und Che- v a u xlegers folgten später nach und stießen erst ans die frair- zösischen Korps bei Smolensk, als diese schon ans dem Rückzug waren. Auch das „leichte Infanterieregiment", das sich erst während des Feldzuges aus dem Garde- und Leib- süsilierbataillon formierte, und dem ursprünglich die Sicherung der pvmmerschen Küste gegen die Engländer und Schwe- ben übertragen war, mußte erst am 17. September zur „großen Armee" abrücken. Am 2. November befand es sich in Wilna, wo ihm bie Aufgabe zu fiel, im Verband des 6. französischen Armeekorps unter General v. Wvede den Rückzug der Hauptarmee über die Beresina zu decken. Immerhin hatte auch das „leichte.. Infanterieregiment" die Widerwärtigkeiten einer auf dem Rückzug befindlichen geschlagenen Armee mit zu erdulden. 400 Mann waren dem Regiment verloren gegangen; es zählte anfangs Dezember noch 600 Mann, welche Zahl bis zum 16. Dezember auf 40 Offiziere und 276 Mann znsammengeschmol- zen war. Hier in Wilna traf auch beim „leichten Regiment" am 8. Dezember Prinz Emil ein. Er hatte von seiner Brigade nur 31 Offiziere und 24 Unteroffiziere und Soldaten retten können, bte kümmerlichen Reste vom Leibgarbe- und Leibregiment. Sie würben in das „leichte Regiment" aufgenommen. Während Prinz Emil am 12. Januar 1813 mit den entbehrlichen Offizieren in die Heimat zurückkehrte, wurde der Rest der hessischen Brigade unter den« Befehl des Obersten v. Schönberg zu einem „provisorischen Bataillon" zusammengezogen. Es kehrte nicht iit die Heimat zurück, sondern wurde der französischen „alten Garde" zugewiesen und kam mit ihr nach Berlin, Leipzig unb zuletzt nach Magdeburg, bis es am 2. Mai 1813 bei Lützen in die aufs neue ins Feld gerückten hessischen Ergän- tzniigstruppen emrangierte. , Nur 300 Mann waren Ende Dezember 1812 von 3 Jnfan- ierteregim entern übrig geblieben; beinahe 5000 Mann waren ein Opfer des russischen Feldzugs geworden. Tas Chevauxle- sersregiment war gleichfalls fast aufgerieben worden. Seine Reste befanden sich auf den« Marsch in die Heimat, wo sie am 17. Februar 1813 in etnetnl Bestand von 5 Offizieren, 42 Unteroffizieren unb Reitern ankamen. Das Regimcttt hatte einen Verlust von 400 Mann zu beklagen. Ans Spanien waren 500 Mann vom Regiment „Groß^- unb Erbprinz" (später Reg. Nr. 118) zurückgekehrt. Alles in allem zählte der hessische aktive Truppenkörper noch 1000 Mann gegen 7000 Mann, die er zu Anfang des Jahres 1812 aufzuweisen hatte. Tas Bekanntwerben der Konventioit vott Tauroggen am 30. Dezember 1812 zwischen dem preußischen General v. Porck Und deut russischen General Tiebitsch steigerte das Verlangen des preußischen Volkes ttach Befreiung vom französischen Joch. Und wenn auch König Friedrich Wilhelm III. Yorcks Tat äußerlich nicht gutheiß,en konnte, so sah er sich doch innerlich genötigt, !er allgemeinen Stimmung seines Landes durch baldiges ent» chlossenes Handeln Rechnung ju tragen. Ein Krieg zwischen Treusten und Frankreich schien unvermeiblich. Unterdessen war tapoleon, noch ehe Preußens Kriegserklärung erfolgte, schon rührig am Werk. Schon im Januar 1813 ergingen seine Befehle zu neuen Rüstungen und Aushebungen innerhalb des Bereiches feiner Machtsphäre. Mn« 31. Januar überbrachte der .französische Gesandte Vandeuil benii Großherzog von Hessen ein Schreiben Napoleons, in dem! die abermalige Stellung des gesamten Kontingents, wie beim Beginn des letzten Feldzuges, gefordert wurde. Der Großherzog versprach sein Bestes, so schwer es ihm auch fiel, Napoleons Wünschen nachzukommen; denn recht traurige Zustände herrschten im Lande. So berichtet der bayerische Gesandte Sutzer in Darmstadt an seinen Herrn, den König Max: Joseph, nach München: „Was das Land, in dem ich bin, angeht, so scheint selbst die Wiederherstellung des Matenalverlustes ans Unmögliche zu streifen. Ohne Arsenale, phne Vorrat an Waffen unb Kriegszubehör, die zur Reorgani- mtwn des ganzen Korps genügen würden, von dem wesentlichsten Materiale, den« Gelbe entblößt, laßt sich schwer vorans- seheii, durch welche Mittel ntan all diesen Bedürfnissen abhelfen "ann .... Schon am 1. Januar 1813 hatte der Groß,Herzog von Hessen, nachdem bte Unfälle tn Rußland und die gegenwärtige Lage Teiner Truppen zu seiner Kenntnis gekommen waren, befohlen, „daß zur Ergänzung des an die kaiserlich alte französische Garde attachierte tut Felde zurückgebliebenen Restes des provisorischen leichten Infanterie-Regiments aus den qualifizierten Soldaten des Depots und der Reserve '2 CoMpletiernngs-Bataillone zu Ub^wtguten formiert unb am 1. Februar marschfertig fein Tas erste Ergänzungsbataillon für die Gardefiifiliere vitrde iit Darmstadt gebildet und setzte sich zusammen ans: 125 Mann vom wepot der Garde, 250 Mann vom Depot de« Re- giments „Groß- und Erbprinz" unb 250 Mann vom Reieroe- bataillon L>tarümbnrg. Das zweite Ergänzungsbataillon' fvr- mterte sich tu ®tefen: es nahm auf 125 Mann vom Depot des Lerbregrments, 2oÖ Mann vom Dechot des Regiments „Gcoß- Uhd Erbprinz" und 250 Mann vom Reservebataillon Hessen. K/arke eines jeben. Ergänzungsbataiklons betrug demnach 62o Mann. An Fuhrwerken wurden den Bataillonen zu- geteilt: 2 vierspännige Offiziers-Egutpage-Wageu, 2 zwei- spanmge Kesselwagen, 1 zweispänniger AMkütlanceivagen und 1 zweispanmger Kommandeurwagen. ... der Formierung der Ergänzungsbataillone zeigte es sich, welcher Geist in den großherzoglichen Truppen herrschte. Er war genährt worben durch die Veteranen der irorjnf»eigen Ehemalige Soldaten und Rekruten meldeten sich freiwillig zur Aufuahme in die Bataillone, so daß der Großherzog sich veranlaßt sah, durch eine öffentliche Ordre vom 20. Januar ben Freiwilligen zu danken. Durch das fretwülige Angebot konnte bleursprünglich vorgesehene Stärke der Bataillone mit je 625 Mann auf bo0 erhöht Werben. Doch war dieser effektive Stand am 1. Februar bei dein Gardefüsilierbataillon in Darmstadt noch nicht vollzogen. Weit ein Teil her zugedachten Mannschaft sich noch auf dem Marsche aus Westfalen befand, dessen südlicher Teil damals zum Großherzogtum Hessen gehörte. Tas Kommando über das Gardefüfilier-Ergänzungsbataillon übernahm Major von Carsten, der aus dem Felde znrückgekehrt War, das des Leibfüsilier-Ergänzungsbataillons Major Nebel. Am 21. Februar setzten sich die beiden Ergänzimgsbatail- lone aus den Garnisonen Tannstadt und Gießen in Marsch unb tarnen über Umstadt am 1. und 2. März an ihrem Bestimmungsort Würzburg an, wo sich mittlerweile auch die anderen Kontingente der Rheinbundfürsten versammelten. Tas Garde- füsilierbataillon zählte: 9 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 659 Ge- meine, das Leibfüsilierbataillon: 10 Offiziere, 34 Unteroffiziere, 646 Gemeine. Gleichzeitig war dein Bataillon zngeteilt worden: ein Artillerie-Detachement von 1 Offizier, 7 Unteroffizieren, 55 Gemeinen und 3 fechspfündigen Kanonen.. Tie hessischen Truppen bezogen zunächst in und bei Würzburg ihre Kantoniere. AM 18. März hielt ein Ordonnanzoffizier des französischen Kaisers Revue über die beiden „Completiernngs-Bataillone" und die Artillerie ab, ließ sie exerzieren und manövrieren und drückte seine Zufriedenheit über die Haltung der Truppen aus. Am 25. März läßt der französische General Marchand die beiden Ergänzungsbataillone mit der Artillerieabteilung über Schweinfurt nach Königshofen aufbrechen. Hier kantonieren die Bataillone bis znm 10. April und benutzen die Zeit zu ihrer „höheren taktischen Ausbildung". Während des Marsche vom 25,/26. März desertieren von der 2. Kompagnie der Garbefüsiliere 33 Gemein« unb 1 Trainsoldat. Es waren Westsalinger, die schon früher öfters sich entfernt hatten. Am 28. und 29. März marschierten auch die außer den Er- gänzungsbatailloiien neu ausgestellten Jnfanterieregimcnter inS Feld, aus Gießen das Leibregiment, ans Darmstadt das Leibgarderegiment, nachdem der Großherz!og vorher in Darmstadt eine Revue über sie abgehalteu hatte. Den Regimentern folgte noch die neu gebildete „Artillerie-Division", bestehend aus 136 Köpfen vorn' Train und 89 Arsilleristen mit 3 fiebenpfündigen Haubitzen, 2 fechspfündigen Kanonen, 8 Geschütz,-Munitionswagen, 5 Jnfan- terie-Munitionswagen und 1 Feldschmiede. Tas Kommando über sämtliche im Feld stehenden hessischen Truppen sollte wieder des Großherzogs jüngster Sohn, der im. Januar aus dem russischen Feldzug zurückgekehrte Prinz EmiMbernehmen. Bis zur Ankunft des Prinzen sollten die Truppen einstweilen dem! Kommando des Obersten v. Follenins unterstellt sein. Am 18. April Werden sämtliche hessischen Truppen der 30. Division unter dein sranzösischen General Marchand unb dem 3. französischen Armeekorps unter Marschall Ney zugeteilt. Die Division Marchand zählte an Infanterie: 2 Regimenter Badener, 3 Regimenter Hessen, 1 Bataillon Frankfurter; an Kavallerie: 1 Regiment Badener Dragoner, 1 Regiment französische Husaren, an Artillerie: 1 französische Batterie zu 8, 1 badische Batterie zu 8 und 1 hessische Batterie zu 8 Geschützen. Ta die Division meist aus Deutschen besteht, so Wird sie auch als Deutsche Division Marchand bezeichnet. Am 22. April marschiert die Division nach Suhl, am 24. nach Ilmenau, am 25. nach Weimar. Am 24. April stößt Oberst v. Schönberg mit einigen Resten des provisorischen Regiments, das, Wie bereits erwähnt, mit den anderen Ueberbleibseln der hessischen Brigade nach dem russischen Feldzug bei der „alten französischen Garde" in Magdeburg verblieben War, zu den hessischen Truppen, übernimmt das Kom- niando über die beiden „Complefierungs-Bataillone" und formiert sie äimt „provisorischen leichten Infanterie-Regiment". Der feit» herige Kommandeur, der als ältester Offizier die beiden Bataillone geführt hat, Major Nebel, kehrt nach Darmstadt zurück. Am! 22. April rückt das wieder neu tzergestellte Chevaux- legers-Regiment unter dem Kommando des Obersten von Münchingen in einer Stärke von 339 Mann, 326 Reitpferden und 286 24 Ritabferbeit ins Feld. DaS Mische Reiter-Negm^nt kommt nickt zur 39. Division, sondern wird der Kavatlene-Division Boaunwut des 6. französischen Armeekorps Marmont zugetter trttft aud) Mrinz Emil von Hessen ein, der nun das Generalkommando der hessischen Brigade übernimmt. JBn Weißenfels, besteh-. Ende April die Avantgarde des 3. französischen Korps ern rühmliches Gefecht. Obschon sie nur aus rnngen französischen^nfantersiWi beschick, schlägt sie doch alle auf sie gerichteten Angriffe von <'000 feindlichen Kavalleristen zurück , und rechtfertigte das Vertrauen, das der 'französische Kaiser auf diese junge Mannschaft gesetzt hatte. „Tie häufigen Patrouillen und Rekognoszierungen, die be- toto etlichen iVcIbftxiicfycri, bic iQNge ^cuieic bei* fiingcn SJtofSX einen Begriff von den Strapazen zu geben, die ern Feldzug mit sich bringt. Aber alle meie Beschwernisse werden ziemlich nut, Gleichmut ertragen, und auch bei den militärischen Uebungen zeigt sich der gute Geist, der unter den hessischen Soldaten herrscht. Vermischte». Lk. Ein neues Beriahren, Trinkwasser keim- srei zu machen. Der Pathologe der Universität LeedS, Dr. Myr CoplanS, veröffentlicht ein neues, von ihm erfunoeneS Verfahren, Trinkwaffer keimfrei zu machen. CovlanS schlagt vor, die schädlichen Keime des Trinkwassers gewissermaßen durch eure Art „VeMeinerungsprozeß" auszuiällen. Ties erreicht er durch die Vereinigmrg von zwei verschiedenen Maßnahmen: sueru werden dem Wasser verschiedene Chemikalien zugesetzt, die kleine, feite Körper, die darin herumschwimmen, mit einer gallertartigen Schickt umgeben. Einerlel, wie stark verunreinigt das Wasser auch ist, alle festen Teilchen, darunter natürlich auch Mikroben, werden auf diese Weise gefangen, und wenn man das Wasser »un sich selbst überließe, mürben sie allmählich zu Boden sinken. Tiefe Selbstreinigung beschleunigt Dr. Coplans durch den zweiten ,