-srmerrtag, den 15. Ma! L, f U Zwei Welten. Roman von Emma Wü«L (Nachdruck verbot«».) (Fortsetzung.) Holst hätte ihm sagen können, sagen müssen: O, tote das trügt! Seien Sie nicht zu vertrauensselig! Aber er war viel zu gutmütig, viel zu sehr Stimmungs- Mensch, der sich von einem freudigen Moment mit fort- veitzen ließ, um dieses glühende Entzücken, diesen Zw kunftsglauden durch einen Miß,klang zu stören. Und an diesem Tage geschah's. Da kant ein junges Paar Arm in Arm zu seinem Studienplatz am Waldesrand, und heiße, bebende Stimmen jubelten: „Baker! —- „Lieber Herr Holst! — Wir haben uns lieb!" Es waren so selige Worte, es waren so selige junge Gesichter. Ihm wurden die Augen nag, und in seinem toärnten Herzen stieg ein fester Et:tschluß empor: Er hatte so ivenig für sein Kind getan. Nun konnte fit seine Schuld sühnen. Sie sollte ihr Liebesglück haben, ungeschmälert, schattenlos, ohne Angst urid erschlaffendes! Warten. — An ihm, dem Baier ivar's, sich zu opferm er nahm einfach wieder eine Stelle als Zeichner an, er ging wieder in den Frondienst einer Zeitung, schuftete wieher vom Morgen bis zum Abend. Jetzt hatte er ja Be- Ziehungen, Empfehlungen, sogar Anfragen unfr Angebots, die er nur nicht berücksichtigt, weil er sich eine künstlerische Freiheit hatte wahren wollen. — Vorbei damit! Er kam Mr nicht in Betracht! Wenn er seinem Kinde das Beste gewahren durfte, was die Welt zu bieten hat: ein echtes Herzensglück, bann durfte er endlich die Last von seinem Gewissen abschütteln und sich sagen: ich bin doch ein guter Mater gewesen, dann lohnte er es ihr, daß sie mutig zu ihm gekommen war. Als Reichmaitn nach hem ersten Gefühlssturm dann, ettvas zögernd, aber mit seinem offenen Augetiaufschlag, bemerkte: „Leider, leider bin ich kein wohlhabender Mann. Aber ich habe, ja jetzt Aussicht auf Bestellungen, und ich besitze ein so festes Vertrauen auf die Zukunft und einen so starken Willen, der Geliebten -ein sorget:freies Los zu schaf- fett," — da drückte Holst ihm die Hand und sagte gerührt: „Es wird schon gehen, Kinder! Euer Vater ist ja auch noch da und wird euch helfen, so gut er kann!" Immer reicher wurde das Blühen, immer grüner der Wald, immer farbiger, bunter die'Wiesen. An den Bauerngärtchen duftete es nach Flieder, und der Jasmin hatte weiße Knospen. Arm in Arm ging nun das Brautpaar die ein)amen, tni Sotmenzaüver prangenden Wege. Sie saßen am Seeufer auf dem kleinen Bänkchen und küßtet: sich in der Laube, um! die der üppig wuchernde wilde Wein schon seine bergendet: Ranken schlug. Es strahlte ihnen soviel Glück aus dep Augen, daß sogar die beiden Junggesellen davot: bewegt wurden und van der Tecken wieder einmal zu seiner eingerosteten Leier griff und ihnen ein formvollendetes Gedicht widmete, das er in prachtvoller altdeutscher Schrift auf PerpaMentpapiev für sie aufzeichttete und mit gemalten Anfangsbuchstaben ausschmückte. Steinberger kom:te nicht dichten, aber er brachte,in seiner Weise seinF Huldigung dar und stiftete manche:: schönen Hecht, manche Schüssel voll' Renket: ftir das gemeinsame Mittagsmahl. So fröhliche,''selige Tage waren es, daß Emanuel jeden Morgen sagte: „Mer ich muß in die Stadt fahren, süßer Schatz!" und sich bann doch nicht loszureißen vermochte. Ehe er sich zu 'der kurzen Trennung entschloß, war sch!on 'der Plan gefaßt worden, in der reizenden Idylle zu verweilen bis zu der Trauung, die in der Heinen Dorfkirche stattfinden sollte. Reichmaim wußte in der Nähe seines Ateliers eine hübsche kleine Wohnung, 'die er mit Begeisterung anpriest „Ein Gartenhaus! Ganz im Grünen! Bäume vor den Fenstern! Ein Stück Natur mitten in der Stadt! Wie geschahen für uns!" Holst bekam ganz junge Augen, wen:: er at: das Heim der Kinder dachte, in dem er auch ein Stübchen haben sollte, er, der so lange eit: heimatloser, ein Einsamer gewesen. Als der junge Maler aber bann wieder an das still« Seeufer zurückkehrte, war er einigermaßen enttäuscht in seinen Erwartttngen. Er brachte ja einen Auftrag mit, aber der geträumte Mäcen, der ihm eine Reihe glänzender Biestelluttget: in Aussicht gestellt hätte, war noch ::icht gefunben. Die Wohnung, die ihn immer noch entzückte, obwohl er ja zugeben mußte, daß bas Haus nicht gerade neu und elegant war, kostete nicht viel, und das schien in seiner wieder bescheiden gewordenen Stimmung die Hauptsache. Man schloß schriftlich die Miete ab. Der Vater fand es überflüssig, einen schönet: Sommertag mit einer Reise in die Stadt zu versäumen, und Hildegard erhob keinen Widerspruch. Sie war bisher eine „Lilie auf den: Felde" gewesen. So vertraute sie vollständig dem Künstlergeschmack ihres Liebste:: und stellte sich eine nette, bescheidene kleine Villa vor, mit behaglichen vier Zimmerchen voll Licht und Sonne, gar nicht luxuriös und prunkvoll, aber mit einem gewissen poetischen Zauber bei aller Einfachheit. Während sie allein geweset: und ein Wenig aus ihrem Glücksrausch zur Besinnung gekommet: war, hatte sie viel at: ihre gute Mama gedacht. Es hatte sie förmlich gedrängt, der treuen Beschützerii: ihrer Kindheit, von der sie so viel 294 Liebe erfahren, ihr Herz auszuschütten, rhr |o recht aus Voller Seele zu danken für alles, was sie für sie getan, rhr Mi erzählen, wieviel sie seit der Trennung erlebt, wie tounderbar es das Schicksal gefügt, daß zweff Menschen sich KUsammenfanden, die eine solche Fülle von Sympathie und Sehnsucht und Liebe für einander besaßen, daß sie sich gut gewesen, ehe sie nur das erste Wort getauscht. Mit nassen Augen und klopfenden! Herzen hatte sie geschrieben, mit einem überströmenden Gefühl, das leichter, wärmer Ausdruck fand als früher, als hätte der, Kuß des Geliebten ihr auch für die Mutter die spröden Lippen gelöst. Und als Antwort kam ein Brief von Adolf Bernhobler, der kurz und grob, in feiner schroffen Art er». nnrte: , „Ich erlaube meiner Frau nicht, daß |te dir schreibt. Wenn dein Bräutigam geglaubt hat, daß du meine Adoptivtochter bist und bleibst, dann hat er sich verrechnet. Das kann man rückgängig machen, und das geschieht auch. Du Hast uns picht gefragt, bevor du dich verlobt hast. Tu bist einundzwanzig Jahre alt und brauchst keine Einwilligung mehr. Aber darum mußt du auch halt selber schaileu, wie es dir gehen wird, wenn du einen Maler heiratest. Tein Vater sollt' a'scheiter sein. Die Mali, die ja so eine gute Seel' ist, will dir eine kleine Aussteuer schenken, damit du doch nicht grab' wie ein Bettelmädel deine Eh' ansängst. Aus ein paar Tausend Mark zur Einrichtung kommt es Mir ja nicht au. Deine Möbel, die in deinem Zimmer gestanden sind, kannst du auch haben. Wir mögen's nimmer lehen. IM übrigen haben wir nichts mehr miteinander zu schaffen. Du hast es dir selber zuz'schreiben." Hildegard weinte bittere Tränen über das Blatt. Daß die Familie Bernhobler die Hand von ihr abzog, überraschte und erschreckte sie nicht. Darauf war sie gefaßt gewesen, als sie zu ihrem Vater ging, sie wußte auch zu wenig vom Leben, um sich vor beschränkten, unsicheren Verhältnissen zu fürchten. Es tat ihr nur namenlos weh, daß sie sich nie mehr ihrer armen, guten Mama nähern durfte, ohne wie eine Bettlerin angesehen zu werden, die nach dem verlorenen Reichtum hinschielte. „"Ihr Geld! Immer nur ihr Geld! Wie sie es heilig halten, wie es ihnen die Seele mit Riegeln verschließt! —" dachte sie in schmerzlicher Empörung. Und dann hob sie mutig das Haupt und trocknete die Tränen, und wie das Land der Freiheit, des echten Men- schenglücks, grüßte sie das schlichte, arme, sorgenvolle Leben Unter dem Künstlervolk, das keine Schätze anzusammeln versteht, das sich aber auch durch zähes Anklammern an den Besitz das "Herz n'icht verknöchern läßt. Zu ihnen gehörte sie ja nun in aller Zukunft! 17. Monate wären vergangen. Es war Herbst geworden, ein kühler, grauer, ernster Herbst in München und. im Gebirge, aber ein strahlend heller, sonniger über dem Brenner, am Gardasee. Nach manchen Wanderungen, manchem Hin- und Herfahren in Tirol, nach langem Aufenthalt in stiller Hoch- gebirgseinsamkeit landete der Maler Grönberg nun an den Ufern des blauen Sees, nachdem ihn Schnee und Sturm aus der Höhe fortgetrieben und ein längeres Verweilen in den Bergen unmöglich gemacht hatten. Er war nicht wieder nach München zurückgekehrt, seit er in verzweifelter Stimmung so jählings Reißaus genommen, aber wenn ihn auch der Ekel vor der Stadt Monatelang nicht verlaffen hatte, die Freude an der Arbeit, die ihm eine Weile ganz abhanden gekommen war, hatte er doch wiedergefunden, und er brachte eine ganze Sammlung von Studienlöpfen mit. In dem Tiroler Hochtal hatte er einen schönen Menschenschlag entdeckt, und statt hübscher, zarter Damengesichj- ter nun zur Abwechselung einmal verwitterte! alte Jäger, braune Sennen, schwarzäugige kleine Wildlinge und ein paar greise Mütterchen gemalt. Als er nach Gardone kam, freute er sich vor allem Wer das Wiedersehen mit der Sonne, und über so manches Behagen in dem hübschen, neuen Hotel, das er durch einen Zufall entdeckt hatte. Die Besitzer oder Pächter waren junge Leute, denen man die Zärtlichkeit der Jungverheirateten anmerkte und die in ihrem frischen Glück einen angenehmen Eindruck machten, die sich auch in jeder Weise bemühten, ihre Gäste zu> friedenzustellen. Mit dem Wirt hatte Grönberg einige Male geplaudert, auch ivohl bemerkt, daß der Mann ein Süddeutscher wär. Eines .Abends, als der Maler noch allein bei seiner Flasche Wein int Speisesaale saß, näherte sich ihm die junge Fran mit der freundlichen Absicht, ihm Gesellschaft zu leisten, da er so gar keine Ansprache hätte. Sie erzählte, daß sie den Sommer über das Alpenhotel am' Schlern bewirtschaftet und nun erst seit einigen Wochen hier eingezogen seien, daß sie nur Pachter seien und daß das hübsch eingerichtete Haus hier am See, ebenso wie das hochgelegene Schlernhaus leider nicht ihnen, sondern einer großen Aktiengesellschaft gehören, daß sie aber mit ihrem ersten Halbjahr recht zufrieden seien und für den Winter ihr Haus schon fast besetzt hätten. Sie sagte das so bewegt und dankbar, daß man ihr wohl anmerkte, sie war keine von den Sorglosen, die es nur einfach recht und billig finden, daß es ihnen gut geht, sondern sie hatte wohl so manches Bittere und Traurige erlebt, trotz ihrer jungen Jähre, und betrachtete es nun förmlich als ein,schönes Wunder, daß sie so vertrauensvoll in die Zukunft blicken konnte. „Sie sind wohl noch nicht lange verheiratet, Fran Stockmann?" fragte Grönberg freundlich. „Erst seit dem Mai/^ erwiderte sie mit einem Lächeln. „Ich hätte nie geglaubt, daß ich es einmal so gut kriegen, würde, wie jetzt. Wenn ich mich auch plagen muß von früh bis spät," das tue ich gern. Jetzt habe ich nach niemand mehr zu fragen, als nach meinem braven Mann. Und früher — 0 du lieber Gott! Wenn ich nur mit den Sprachen besser fort könnte! Nur wenigstens Französisch. Wer dazu hat's bei uns zu Hause nicht gelangt!" Ein finsterer Ausdruck trat aus ihr blühendes Gesicht, und sie schien von einer Erinnerung gepackt, die ihr die Stimmung verdarb. „Ach, mein Herr," begann sie dann leiser, fast flüsternd, und mit sichtlicher Verlegenheit. „Ich hätte eine Frage: Sie sind ja aus München, nicht wahr?" „Gewiß, Frau Stockmann. Zwar kein geborener Münchener, aber doch fast ein Landsmann von Ihnen, da ich schon so lange in München wohne." „O, sagen Sie, kennen Sie vielleicht zufällig einen Leutnant Schmidt Martin Schmidt, von der Infanterie?" Grönberg sah die junge Frau etwas befremdet an Wollte sie sich bei ihm nach einem früheren Liebhaber erkundigen? „Nein, bedaure," erwiderte er kürz. _ „Ich habe in der Zeitung gelesen, daß er seinen Abschied hat nehmen müssen. „Mit schlichtem Abschied, hat es geheißen. Nicht wahr, das ist doch etwa# Trauriges für einen Leutnant? Und bann muß er doch sehr viel Schulden gehabt haben!" Grönberg mußte unwillkürlich lachen. „Allerdings. Wenn ein Leutnant wegen ein bißchen Schulden immer gleich feinen Abschied bekäme, das wäre schlimm. Es müssen da schon erschwerende Umstände dabei gewesen fein. Aber mein Gott, die jungen Leute fallen oft einem Wucherer ober Halsabschneider in bie Hände. Erst vor kurzem stand solch ein Prozeß in der Zeitung." „Ach, sehen Sie," fuhr bie junge Frau mit angstvoller Miene fort. ’ ... > Schmidt ist mein Bruder!" „Ihr Biuoer?-- ries Grönberg erstaunt, aber mit mehr Interesse als bisher. „Ja, ich habe ihm immer gegeben, soviel ich nur konnte. Er war doch der Abgott von unserer Mutter, und es hat immer geheißen: der Martin muß einen Zuschuß haben, sonst kann er sich nicht halten. Aber als ich mich bannt verlobt hatte, und wir Aussicht hatten, uns zu heiraten, erlaubte mein Bräutigam nicht mehr, daß ich dem Herrn Leutnant Geld! schickte. Dann ist ja auch unsere Mutter gestorben, und ich bin fortgezogen von München. Als ich dann in der Zeitung gelesen, von dem schlichten Abschieds ist mir doch schwer aufs Herz gefallen, ob! ich am End' schuld bin, ob ich ihn noch hätte retten können." „Das glaube ich nicht," meinte Grönberg nachdenklich. (Fortsetzung folgt.) 295 *) Benutzt: Akten des Haus- und Staatsarchivs iu Darmstadt Hessische Truppen unter Napokeonr Kähnen im Jahre (8(3.*) Won Dr. H. Berger- Gießen. III. Vorgänge während des Waffenstillstandes zu Poischwitz. (4. Juni bis 15. August 1813.) Die Nachricht von dem Abschluß! des Waffenstillstandes zu Poischwitz wurde mit gemischten Gefühlen ausgenommen. Bei den Rheinbnndfürsten herrschte große Befriedigung; man hoffte aut baldigen Frieden. Nicht so in Preußen. Hier hatte das Volk in ungeduldiger Begeisterung statt einer Waffenruhe einen entscheidenden Schlag seiner kampscntbrannten Heere erwartet, der dann den Frieden diktieren sollte. Mit Abschluß des Waffenstillstandes verläßt Napoleon den schlesischen Kriegsschauplatz und. begibt sich nach: Dresden. Die verbündeten Monarchen nehmen ihr Hauptquartier in Drachen- herg, um hier weitere Beratungen zu pflegen. Die beiderseitigen Truppen beziehen ihre Lager in Schlesien. Die hessischen Truppen kommen mit der 39. Division Marchand in das Lager bei Lüben. Hier wird Tag und Nacht eifrig gearbeitet, um feste und zweckdienliche Baracken zu errichten. Bis zu ihrer Fertigstellung am 22. Juni kommen die Truppen in Lüben und Umgegend ins Quartier. Man hatte nichts versäumt, für eine sechswöchige Dauer den Truppen eine gute, gegen die Unbilden der Witterung schützende Unterkunft zu schaffen. Die Wände der Baracken waren mit Holz bekleidet, die Dächer mit Stroh gedeckt. In dem Lager werden die Truppen durch alle möglichen militärischen Uebun- gen gefördert. Am 30. Juni hält Marschall Ney eine große Revue ab, bei .der ihm die h e s s i s ch e ^Truppen besonders gut gefallen. Eine Ordre vom 1. Juli givr bekannt: „Bei der großen Revue ist Herr Marschall, Prinz von Moskau, mit den großherzoglichen Truppen besonders zufrieden gewesen. Er lobte die gute Haltung und Reinlichkeit der Soldaten, die Präzision des Manövers und den Marsch bei Defilieren." Auch an Kurzweil fehlte es den Soldaten nicht. Der Kaiser hatte angeordnet, daß „zur Belustigung der Soldaten und als zweckmäßige Beschäftigung" Scheibenschießen mit P r o b e s ch i e ß e n statt- sinden sollte. Die drei besten Schützen einer jeden Kompagnie sollten Prämien erhalten, wonach wieder ein Konkurrenzschießen innerhalb der Bataillone und der Divisionen stattfinden sollte. Die Verpflegung der Truppen machte Schwierigkeit, da^das Gebiet von Lüben zu den weniger fruchtbaren Gegenden Schlesiens gehörte. Bon Zeit zu Zeit wurde Schwefelsäure an die Soldaten abgegeben, die, mit Branntwein und Wasser verdünnt, ein präservativer und zugleich angenehmer, kühler Trunk ist, der zur Belebung und Erhaltung der Gesundheit dienen soll." Tie Offiziere erhielten Kirschwasser, das ihnen die Großherzogin geschickt hatte. Auch sonstige Beweise der allerhöchsten Zufriedenheit erhalten die hessischen Truppen im Lager zu Lüben. Am 19. Juni wird . an 30 Personen unter den großherzoglichen Truppen, darunter an 16 vom „leichten Regiment" der französische Orden der Ehrenlegion verliehen, teils „wegen ihrer Bravour während her russischen Kampagne, teils für ihre Tapferkeit in der Schlacht bei Lützen". Wegen ihrer Bravour bei Lützen wurden vom 1. Bataillon des „leichten Regiments" dekoriert: die Kapitäne von Schäffer nnb Fresenius, ferner der Feldwebel Berghöfer. Eben gibt eine Ordre vom 21. Juni bekannt, daß der Großherzog! gleichfalls an 16 Personen seiner Regimenter für ihr rühmliches Verhalten in der Schlacht bei Lützen den hessischen Ke rdienstor d en verliehen habe. Der Landessürst spricht dabei die Ueberzeugung aus) daß das im Jahre 1813 neu gebildete Korps bei jeder Gelegenheit seinen alten hessischen Ruhm behaupten werde. Durch Ordre vom 17. Juni bestimmt der Großherzog ferner, daß das „provisorische leichte Regiment" zu einem wirklichen Regiment unter dem Namen: Gardefüsilier-Regiment erhoben werde „um seine Zufriedenheit dem zu einem provisorischen Regiment 'seither vereinigten Garde-Füsilier- und Leib-Bataillon zu bezeugen". Der 17. Juni ist somit der Gründungstag des heutigen 2. hessischen Infanterie-Regiments, des Kaiser-Wilhelm-Regiments Nr. 116 in Gießen. Das Regiment als solches begeht also in diesem Fahre den 100 jährigen Gedenktag seines eigentlichen Bestehens. Am 26. Juli trifft das neu errichtete 1. Marschbataillon „Augmentationsbataillon" unter dem Kommando des Kapitäns Eigenbrodt im Lager von Lüben ein. Es hatte eine Stärke von 24 Offizieren, 76 Unteroffizieren, 20 Spielleuten und 907 Gemeinen. Dieses Bataillon sollte zur „Komplettierung" der anderen Regimenter im Felde dienen. Unter den Mannschaften des Bataillons befanden sich viele, die ehedem schon bereden Regimentern gewesen und sich heimlich entfernt hatten. 500 Mann waren nach und nach während der Gefechte aus Furcht vor Gefahr davoiigelaufen und waren in ihre Depots wieder zurückgekehrt. Tas Desertieren war damals nichts Außergewöhnliches. Nun luarcn sie wieder in das Marschbataillon eingestellt worden. Das neue Gardefüsilicrregiment erhielt davon: 6 Offiziere, 15 Unteroffiziere, 1 Tambour, 193 Gemeine und 3 Trainsoldaten. Das „Augmentationsbataillon" war am 28. Juni in Darmstadt abmarschicrt, hatte seinen Weg über Würzburg, Bamberg, Gera genommen und war am 17. Juli in Dresden angekommen, wo es vor dem Kaiser Napoleon Revue passierte. Auch ein 2. „Augmentations-Bataillon" wurde am 28. Juli in Darmstadt gebildet. Es marschierte von da am 5. August unter dem Kommando des Majors Kraft ab und zählte-808 Mann, 8 Reitpferde und 43 Zugpferde. Am 15. August kam es in Weimar an und wurde der Division Dejean zugeteilt: am 23. August marschiert es nach Torgau. Am 21. Jul: marschierte das II. Chevauxlegers-Regiment unter dem Kommando des Rittmeisters v. Boy ne bürg von Darmstadt ab; es zählte 5 Offiziere, 9 Unteroffiziere, 5 Trompeter, 307 Gemeine und 9 Trainsoldaten mit 355 Reitpferden und 6 'Zugpferden. Es nahm seinen Weg über Würzburg, Bamberg, Menburg nach Dresden. Tie ungeheueren Kriegskosten, die die Ausrüstung der.nachgeschobenen Mannschaften erforderte, mußten von der hessischen Regierung durch außerordentliche Kriegssteuern gedeckt werden. Im Juni wurde Vs Prozent neue Steuer festgesetzt, 30 Kreuzer von 100 ff. Tie hessische Regierung zeigte einen besonderen Eifer für Napoleons Sache. Obschon sie nach der Rheinbundsakte nur 4000 Mann zu stellen hatte, unterhielt sie sogar 7000 Manu unter den Waffen. , Ter Waffenstillstand von Poischwitz war am 20. Juli abgelaufen, wurde aber bis zum 15. August verlängert. Da der Geburtstag des Kaisers am 15. August, da die Feindseligkeiten wieder beginnen sollten, nicht gefeiert werden konnte, wurde bestimmt, daß „der Napoleonstag" schon am 10. August im Lager zu Lüben festlich begangen werbe. Für die Festfeier im Felde wurde angeordnet: „Morgens um 5 Uhr sollen alle wegen Fn- disziplin im Arrest befindlichen Individuen entlassen werben." Um 6 Uhr morgens erhält jeder Soldat eine doppelte Portion Branntwein und Bier, 1 Pfund Fleisch, Reis und Brot. Außerdem wird einem jeden Mann „zur Verbesserung der Nahrung 1 Frank extra vergütet. Um lUl Uhr findet großes feierliches Hochamt Und Te-Teum statt. Nach der kirchlichen Feier !mrd eine große Parade über die ganze Division abgehalten. Dre Truppen defilieren vor bem General und rufen: „Vive l'empereur!" Nachmittags findet großes Wettlaufen und Wettspringen statt. Um 10 Uhr abends wird ein großes bengalisches Feuerwerk abgebrannt. „ „ , Die Waffenruhe erwies sich für Preußen nützlich; es konnte seine Landwehr formieren und ausrüsten. Durch den .Vertrag von Reichenbach am 14. Juni trat England auf fetne Serie. Dre Verhandlungen mit Oesterreich gestalteten sich ttdoch: fckMerrger. Doch toar schon viel für die Verbündeten errercht, als Gras Stadion am 27. Juni im Namen seiner Regierung erklärte, falls Napoleon die Vorschläge der Verbündeten nicht annehme, würde Oesterreich mit 150 000 Mann bereit stehen, um fettt Gewicht in die Wagschale zu werfen. Metternichs Sendung nach Dresden brachte nicht den Frieden: Napoleon schlug eine Verlängerung des Waffenstillstandes vor, um Zett zu gewinnen. Unter» dessen würben die Friedcnsverhanblungen in Prag korsgesctzt, jedoch ohne Ergebnis. Weber Preußen noch Napoleon wünschten ^"^End? Jul?reiste Napoleon nach Mainz und hielt dort einen glänzenden Hvftag ab, auf dem er mit feiner Gemahlin, der Kaiserin Marie Luise zufammentraß Napoleons plötzliches Erscheinen erregte großes Aussehen. Der Großherzog von Hessen reifte trotz seines Gichtleidens zum Empfang nach Mainz,, und auch die gleichfalls kranke Großherzogin folgte mit dem Prinzen Christian nach. Boll Zuversicht erklärte Napoleon bem Großherzog, bis (Silbe August könne er noch Oesterreich Trotz bieteii. Arn 1. August kehrte Napoleon als „Fürst von Neuchutel nach Dresden zurück; bald nach seiner Ankunft er olgte Oesterreichs Beitritt zu den Verbündeten,- noch vor Ablauf des Waffenstrll . standes. ______________ Der grüne Teich. Mn Märchen von Haus M ack-Frankfurt a. M.. Es ist eine alte Tatsache, daß empfängliche Menschen, wen« sie mal ganz frühe des Tags aufstehen, immer etwas besonderes, erleben. — — Es lag die Tagesfrühe noch int frischen Morgentau; es perlte und glitzerte in den tzartcn Sonnenstrahlen. Und sricdvolle Ruhe lagerte noch allgemach! über dem betriebsamen Kleinstadrchen, das sich erst ein paar Stunden nach dem Erwachen der Riesenstädte regt. Hier hat man ja auch noch! Zeit. Dies Bewußtsein, immer noch Zeit zu haben, das haftet fest im ganzen Menschen; drum ist et auch hier nicht so geschäftig schnell im Urteil über die Mitbürger. Langsamer erteilt er Lob und! Tadel, tiefer begründet er eine Abneigung, einen Haß. — Hier und da schlürft ein Bäckerbursche über das holperige Pflaster. Er fährt keinen bonnernben Karren vor sich her. Er 296 Rösselsprung. (Auflösung in der nächsten Nummer.) Auflösung des magischen Zahlenquadrats in voriger Nummepj Rcbaftion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeres, R. Lauge, Gieße» Vermachter. * Der glückliche Kellner. Mr. George A. Lamaze ist fortan nicht mehr allein der schönste Kellner von Boston, sondern bis aus weiteres — der glücklichste Kellner Amerikas, denn über Nacht ivard er zum Kapitalisten und zugleich zum glücklichen Ehemann. Eines der schönsten Mädchen von Baltimore, das außerdem noch die Tugend hat, eine reiche Erbin 51t fein, hat ihn zum Gemahl erkoren. Die resolute junge Dame ist Miß Nancy Redding: und ihren „schönen George" lernte sie vor wenigen Wochen kennen, als er ihr und ihren Gästen in einem Bostoner Hotel das Diner servierte. Es war, ivie die glückliche junge Frau behauptet, „Liebe aus den ersten Blick". Tie junge Dame, die in Baltimore die Notre-Dame-Akademie absolviert hat, hatte ihren Baler, einen reicheil Eifenbahnmagnaten, oft sagen hören, daß seine Tochter einen Mann der arbeitenden Klasse heiraten sollte nicht irgend einen verivöhuteu Nichtstuer. Aber als sie mm die demokratischen Prinzipien ihres Herrn Papa aus die Probe stellte und ihm nüt- teilte, daß ein Kellner aus Boston um ihre Hand angehalten habe, war der alte Herr doch reichlich verblüfft. Schließlich raffte er sich doch dazu aus, dem jungen Paare Glück zu wünschen, und überreichte ihm als Hochzeitsgabe einen Scheck über einen sünistelligen Betrag. Am Samstag toub die Hochzeit statt. Nach den Flitterwochen wird das Paar in Oil City Aufenthalt nehmen, ivo der „schöne George" in einem Vergnügungspark, der seinem Schwiegervater gehört, die Führung eines Restaurants übernehmen wird. * Vom lustigen Onkel Sam. Die Rache in dchr K u n st. „Das hier," so sagte bet 'Futurist "und wies' stolz auf das Bild, das er soeben beendet hatte, „das ist mein Versuch, die Unendlichkeit darzustellen." „Aber was hat Ihnen beim die Unendlichkeit nur getan?" fragte der Betrachter mit unschuldiger Miene. — Es Mt einmal. Die kleine Alice kommt zur: Frühstückszeit nach yause mit ein Paar recht schmutzigen Händen, Tie Mutter sieht groß aus die Hände der Kleinen und sagt vorwurfsvoll: „Hast du je meine Hände so schmutzig gesehen tote deine?" „Nein, Mama," antwortet Alice, „aber Großmutter." — Warnm er so vertieft w ar. Ter 8jährige Donald konnte gewöhnlich in der Kirche nicht still sitzen und wurde von seiner Mutter oft ermahnt. Eines SonutlMs sah nun die Mutter zu ihrer freudigen Ueberraschung, wie Donald unbeweglich mit gefalteten Händen dasaß, den Kopf gebeugt, und während der ganzen langen Predigt brauchte er nicht einmal zur Ruhe verwiesen zu werden. Ms sie die Kirche verlassen hatten, lobte die Mutter ihren braven Sohn Donald, und über das Gesicht des Knaben huschte ein Strahl der Freude, wie wenn eine schöne Erinnerung in ihm aufleuchtete. „D a s war ’ne Fliege," kicherte er, „genau zweihundertsiebzigmal ist sie in meine Hand 'raus lind 'rein gekrochen . . ____________ hütet sich gleichsam, die Morgenstunde zu stören. Er schlürft in roten Filzen an den Häusern vorbei. r An her dicken Schloßmauec mit den unregelmayigen Sandsteinquadern schlich ich mich entlang, bis ich an ein, angelehntev Pförtchen kam, das mannigfache Schlinggewächse dicht umrantt hatten Tas Türchen war sonderbarerweise offen: vielleicht tst diese Nacht Golt Amor selbst auf leichten Sohlen hmourchge- schlüpft. Doch ist dies kein zwingender Grund; denn man hat sagen hören, daß der lose Strick auch über die Mauern klettere. Ich ging durch das enge Türlein hinein in den Park. Der Gärtner hatte durch seine Pflege ihm' nicht allzuviel Natur ge- uom'men. Er ging sparsam um mit der Heckenschere, lind auch manch Hälmchen durfte sich mitten auf dem Wege zeigen wurde nicht peinlich gejätet. Alle Erlen hingen ihre ttmten Zweige in das dunkle Wasser eines Teiches. Das Wasser hatte einen gar verborgenen Grund: denn ein feines grünes Gewebe überzog die stille Oberfläche. Auch mochte, der Boden sehr Warnung fein. Kurz, man konnte an keiner stelle des Ufers auch nur einen Meter tief hineinschauen. „ c .... Mit Erlenzweigeu dicht verwachsen stand em verschwiegen Winklern am Wasser. Mt und morsch war es. Wetter und Schnee Mögen lange, lange Jahre darüber hingegangeu fern. , Ein balsamischer Duft von blühendem Jasmin legte W nur um die Schläfen; ich ward müde, mußte mich setzen. Es hielt mich dock iwch aus das verwitterte.Bänkchen. Dieser Stimmung friedvoller Harmonie in der Natur gab ich mich ganz hin: und ich begann zu träumen . . . Ich fühlte, wie mir, unmerklich fast, ganz langsam die Sinne fchwanden; und doch begann es wieder hell zu werden im schlummernden Bewußtsein, und ich glaubte mit geschlossenen Augen zu schauen. . . . Die bemoosten Treppenstusen stteg ein junges Mädchen mit schleppendem, wehendem Gewände in weiß herab. Es atmete in schnellen Zügen die köstliche Morgenluft ein, während es schnellen Schrittes auf den See zueilte. Das Wasser schien sich geändert zu haben. Die Fläche wär gekräuselt und es plätscherte von fernher. Das Wasser war klar und lebendig. . Das Jungsräulein schaute lange sinnend in die Wasier hinein, als wolle es etlvaS auf dem Grunde suchen. Vielleicht fiel ein Ringlein hinein? Oder wollte es nur lange und prüfend seine Gesichtszüge erschauen? Und ich' hörte es auf einmal reden, — wohl zu seinem Spiegelbilde? — Und das junge Antlitz ward ernst und traurig, als es kaum vernehmbar murmelte: „Ihr Floren Wasser, ihr seht Meine Locken und meine Augen zum letztenmal. Meine Glieder werdet ihr nicht inehr kühlend und erquickend umkosen. Denn 'heute ist mein Hochzeitstag. Und einem! Gatten muß ich folgen, weit — weit hin. Ganz weit fort muß ich! Vielleichi sehe ich. dich mein lieber See, und auch Meine lieben Bäume nie mehr, nie mehr. . ." Und aus den ernsten Kinderaugen tropften ein paar Tränlein in das Wasser. „Bleibe bei uns," schienen die Fluten zu raunen. Und das Mädchen streckte verlangend seine weißen Arme den Fluten entgegen ... * Wie Nebel uüd seiner Dunst lag es vor Meinen Augen. Ich sah noch ängstlich spähende Menschen kommen und gehen. Ich sah sie suchen mit Ruderstangen. Zurufen wollte ich. ihnen: „Hier, hier rnUtz es fliegen, hier verschwand es, es kann ja gar nicht tot fein . . ." Doch ich war gebannt an meinem Ort, und die Stimme versagte mir; nur stöhnen konnte ich noch! und mich winden in Meiner 'Angst. Mer sie zogen schon den Körper heraus, leblos hingen die ArMe herab. Häßlich klebte das nasse Haar iM Gesicht. Und sie trugen das tote Mädchen fort, sie stiegen die bemoosten Stufen hinan, und der ganze Zug verschwand im Schlößchen. Fest verschlossen schien die Tür wieder, wie ich sie zuerst gesehen. Das Plätschern des Wassers War erstorben. Die frischen Zuläufe aus den nahen Quellen waren versiegt. Düsterer Ernst lastete über der Fläche. Und es Menen fleißige Hände pi.it schimmerndes Gewebe über den See zu ziehen. i$rft war es weitmaschig, gleich einem 'Fischernetz. Darm ward es' enger und dichter int Gewebe, bis es einem grünen Tuche glich . . . Das Waren wohl die emsigen Nixen, die ein grünes Laken über ein kühles Grab breiten wollten. Doch die neidischen Menschen hatten ihnen den toten Liebling entzogen . . . Es zwitscherte ganz dicht an Meinem Ohr. Ich schlug die Augen auf: erschreckt flog ein kleines Vöglein fort, das auf der Lehne des Bänkchens sein Morgenlied singen wollte. Da lag der dunkle, grüne See vor mir, ganz wie vorhin. Und die Erlen hingen ihre tiefsten Zweige ins Wasser. Was hatte ich da all zusammengeträumt! Geträumt? — Ach nein, die Wassernixe hat es mir selbst alles erzählt. Sieh dott ent- schwand sie in ihrem weißen Morgenschleier. Aber du glaubst, es sei der zerstteßende Nebel gewesen, der aus dem' See allmorgendlich ausstiege! Nein, ich weiß es besser. Wer nämlich einmal ganz früh morgens anffteht, der hak mitunter ein besonderes Erlebnis, zumal wenn der Jasmin so stark, und schwer dnftet wie damäls . . . denn flüch gen ne ver sten ches ihm Him ihres brei bas roi ger weit fri te die tige et las An len U Leben m eis Wei schau'n gön e sie Menschen Un te ge und ne fett früh wo! mit gerne ei le nett neu der und gute sterb Sterb nie schiech lie chen des dem ge ge licken li ßen ter ben 3 ! 11 22 15 15 j 22 11 3 11 3 15 22 22 115 3 11