Samstag, den A Februar MF rWwS iS itil M Von Frühling ;u Frühling. Roman von Erich Eben st ein, (Nachdruck verboten.), (Fortsetzung.) Wer Prinz stand ans und ging einige Male int Zimmer auf nnd nieder. Wann setzt er sich neben Meta ans die Chaiselongue, ergriff ihre Hand und sagte weich: „Nein, ich werde ihn nicht preisgeben. Aber ich werde nicht dulden, daß er Sie länger seine Gattin nennt. Er war Ihrer niemals würdig — heute darf ich es ja ohne Scheu aus sprechen. Ich litt unsäglich bei deut Gedanken, Ihre Seele durch diese Neigung entwürdigt zu wissen." Meta ließ das Haupt tief auf die Brust sinken und schwieg. „lind zu denken," fuhr er fort, ,/daß nur ein Zufall sie augefacht haben muß; denn sie kann nicht von Anbeginn an in Ihnen gelegen sein." „Nein!" "Ich wußte es! Und nun, Meta, sind Sie zum zweiten Male frei — denn ein Weib, dem man das antat, ist frei! Ich werde Montellis Schulden bezahlen und als Preis dafür von ihm Ihre Freiheit fordern. Uttd dann.. ", Ec erschrak vor dem entsetzten Mick, mit dem sie plötzlich von ihnr wegrückte, ihm ihre Hand mit einer heftigen Bewegung entreißend. „Hoheit," stammelte sie außer sich, „sprechen Sie nicht weiter — kein Wort mehr — o, haben Sie dock) Erbarmen e-1 bin ich noch nicht elend genügt' Reinsperg blickte sie schmerzlich erstaunt an. „Nein, »aber —" Wieder ergriff er ihre Hand. „Ich weiß, daß Sie mich «nicht lieben. Noch nicht! Daß Sie wund und müde sind vom Leben — es hat Ihnen ja so wenig Sonnenschein gebracht. Aber ich werde werben um Sie und warten, bis Ihr Herz sich mir freiwillig zuwendet. Der Gedanke, Sie durch treue, selbstlose Liebe vergessen zu machen, was Sie durch andere litten, wird das Glück meines Lebens sein. Ich bin kein fehlerloser Mensch und durchaus kein bedeutender... aber sehen Sre, Meta, ich habe mir doch einiges herausgerettet über alle Stürme des Lebens, das nicht ganz ohne Wert ist: die Wertschätzung reiner, hoher Ideale >md das, was man so gemeinhin anständige Gesinnung nennt. Ich meine, eine Frau —■ selbst eine Frau Ihres Schlages — würde Nicht unglücklich an meiner Seite werden. Vielleicht kann ich mich nicht so geschickt ausdrücken wie manch anderer Mairn, aber ich glaube doch, daß Sie den Wert eines Ihnen ganz und treu für alle Zeit ergebenen Herzens nicht verkennen werden und daß dann Ihr eigenes Herz wieder kern.en wird, zu sprechen." - Meta schlug plötzlich die Hände vor das Gesicht uiiÜ brach in Tränen aus. „Sie weinen?" fragte der Prinz bestürzt. „Warum weinen Sie, Meta?" „Weil — weil ich nie — wie treu und edel Ihre Liebs auch ist — sie erwidern kann." Reinsperg ivurde sehr blaß. ■ '• „Wann lieben Sie einen andern!"-. Meta schwieg. ' , „Wer ist es?" Sie sah bittend zti ihm auf. „Nein — ich will Sie nicht quälen," murmelte er Uttä stand auf. Wann trat er an oas Fenster und blickte lanW schweigend hinaus an den dunklen Sommerabend. Unbeweglich stand ün Westen eine schwarze Wand, in der es zuweilen bläulich aufflammte. Kein Stern am Himmel weit und breit. Nur eine dumpfe, bleierne Schwüle, die atemlos über der Ebene lag und alles Leben in sich gesogen §11 haben schien. Und Reinsperg dachte und dachte. Jahre zurück au diesen und jenen, an alle, die je mit der geliebten Fran in Berührung gestanden hatten. Und plötzlich lief ein Zittern durch seinen Leib. Dünkle Röte überflog sein Gesicht. Ein Fest fiel ihm ein, eilt schmähliches Fest, das er, von Niki Petermann gedrängt, veranstaltet hatte und zu dem er sie eingeladen hatte. Sie war nicht gekommen. Und er sah einen ManU vor sich stehen, der eben den Abschied aus seinem Dienst erbeten hatte. Er hörte noch die Worte flammender Entrüstung aus dem Munde dieses Mannes: „Und Hoheit haben wirklich geglaubt, daß eine Dame, welche ihre Selbstachtung bewahren will, diese Einladung annehmen könnte?" Damals hatte er selbst noch gedankenlos hingetriebeu int Strome der Welt. Damals war ihre laxe Moral noch die seine gewesen. Seitdem war er ein anderer geworden. ... Er wandte sich wieder um und trat zu Meta. Sie weinte noch still in sich hinein. Wie rührend lieblich sie ihm erschien! Jetzt, wo Cti er sie verloren hatte für immer, mehr denn je! Sanft beugte er sich hinab zu ihr. „Weinen Sie nicht. Meta! Ich weiß jetzt — es ist Münster. Und er ist besser als ich . . . was ich wegen Moutellis Verpflichtungen sagte, soll trotzdem aufrecht er-. halten bleiben —" Meta stand hastig auf. „Nein — bitte, Hoheit — es gibt eine Großmut, welche demütigt, wenn . . . wenn man sie mit nichts vergelten kann. Ich selbst werde alles ordnen. Ich kann es. Mama Petermann wird meine Bitte nicht abschlagen. Ich will noch heute an sie schreiben." Sie reichte ihm die Hand zum Abschied und er drückt« schweigend einen Kuß darauf. 102 Dann ging sie hinüber in ihr Zimmer, schrieb einen langen, ausführlichen Brief cm Fran Bettina und rief das Mädchen, damit sie ihn noch heute Wend durch einen Boten zur Station tragen lasse. Montelli ließ sich nirgends blicken, nud sie dankte Gott, daß ihr sein Anblick erspart blieb. Sie Ivar grenzenlos müde. Ein stechender Schmerz durchbohrte ihre Schläfen. Leise schloß sie die Tür ab und schlich an ihr Bett. Nur schlafen — schlafen — vergessen! Als das Mädchen am anderen Morgen an Metas Tür pochte, erhielt es zuerst keine Antwort. Erst nach wiederholtem Pochen wurde geöffnet. Die Magd erschrak, als sie ihre Herrin erblickte. Meta war noch in' denselben Kleidern wie am Tage zuvor. Die fieberglänzeudeu Augen trugen tiefe, dunkle Ringe, die schmalen Wangen brannten dunkelrot. „Was wollen Sie?" fragte Meta und blickte die Magd sonderbar verwirrt an. „Ich wollte wegen des Frühstücks fragen . . . aber du lieber Gott — gnädige Fran sind ja krank! Soll ich um den Arzt schicken?" „Nein — nur Ruhe — Ruhe . . ." Meta taumelte an das Bett zurück und warf sich darauf nieder, ohne die Magd weiter zn beachten. Das Mädchen eilte ratlos in die Küche hinab, um bei der Köchin Rat zu holen. Beide waren sehr bestürzt. Was sollte man tun? Der gnädige Herr war nach Pest gefahren noch gestern Abend. „Melden Sie es Seiner Hoheit," meinte endlich die Köchin. „Vielleicht weiß er, wann der Herr zurückkommt oder wohin man ihm Nachricht senden soll." Nein, er wußte es nicht, aber man brauchte auch den Herrn gar nicht. Mariska sollte sofort zur gnädigen Fran gehen, sie auskleiden und bei ihr bleiben, bis die Pflegerin kam, welche der Prinz sofort telegraphisch aus Pest be- rufen wollte. Man möge ihm rasch ein Pferd satteln lassen. Der Kutscher sollte unverzüglich zum Arzt fahren. Als der Prinz mit bem Arzt eine Stunde später in Metas Zimmer trat, lag sie in hohem' Fieber und erkannte niemand. Der Arzt verordnete Ruhe und Eisumschläge. Es sei ein Alterationsfieber mit beunruhigend erhöhter Herztätigkeit. Nachdem der Arzt sich entfernt hatte, holte sich Reins- perg ein Buch aus seiiiem Zimmer und kehrte in Metas Krau ke »zimmer zu rück. Mariska saß «eben Metas Bett und häkelte. Es war schließlich nicht viel zu tun — alle halbe Stunde ein frischer Eisbeutel und stündlich einen Löffel Medizin, und selbst dies nahm ihr nun der Prinz ab. Die Kranke lag scheinbar ganz ruhig mit geschlossenen Augen da. Zuweilen kam ein Seufzer über ihre Lippe«, zuweilen bewegten sich die schmalen, weißen Hände auf der Decke nervös. Dann stand Mariska jedesnial auf und wollte einen frischen Eisbeutel auf die heiße Stirn Metas legen, -und jedesmal nahm ihn ihr Reinsperg stnmm aus der Hand und winkte ihr, sich zu setzen. Mit einer Geschicklichkeit, um die ihn jede geschulte Wärterin beneiden konnte, richtete er die Kissen auf und schob neue unter, je nach Bedarf, denn der Arzt wollte, daß die Kranke möglichst hoch liege. Er flößte ihr Limonade ein und gab ihr Medizin und dabei ruhte sein Blick mit dem Ausdruck eines wehmütigen Glückes auf Meta. Reinsperg hatte die Nacht, ruhelos auf- und nieder- wandernd, in seinem Zimmer verbracht. Er hatte vieles niederzukämpfen, mit vielem fertig zu werden. So selbstlos ist kein Mensch, daß er leichten Herzens darauf verzichtet, worauf er mit ganzer Seele gehofft hat. Diese schwüle Julinacht, die sorgungslos begann und gegen Mitternacht plötzlich in wilden Gewitterstürm überging, wurde sein Golgatha. Aber als am Morgen der erste Sonnenstrahl in sein Gemach fiel, hatte auch er wie die Natur draußen den Sturm überwunden. Um Mittag hatte er abreisen wollen. Ta meldete man ihm Metas Erkrankung, und es erschien ihm wie ein Gnadengeschenk des Himmels, daß er nun bis zur Ankunft der Wärterin ihre Pflege übernehmen durfte. Einmal, während er ihr den Eisbeutel erneuerte, schlug sie die Augen auf und sah ihn lauge an. Es kam ihm vor, als glitte der Schimmer eines dankbaren Lächelns über ihre Züge. Hatte sie ihn erkannt? Oder zauberte ein Fiebertraunr die Gestalt eines anderen an ihr Lager? Reinsperg fühlte keinen Schnrerz mehr bei dieser» Gedanken. Was er für Meta heute empfand, war so geläutert und rein, daß es hoch über der Region persönlicher Wünsche! stand. Es war das beste, was Menschen einander überhaupt geben können: Durch völlige Entsagung zur Freundschaft gesteigerte Liebe. Gegen Abend kanr die Pflegerin. Es war eine ältere Frau, wohlerfahren und freundlich, der man die Kranke beruhigt anvertrauen durfte. Dennoch fiel es Reinsperg schwer. Er meinte, daß niemand so sorgfältig auf alles achten könne, wie er selbst. Indessen hätte er es sich nicht verziehen, wenn er seinen Posten länger eingenommen hätte, als durch die Verhältnisse! gerechtfertigt wär. Mit der Weisung, ihm am nächsten Morgen sofort Bericht über die Kranke zu erstatten, entfernte er sich. Am nächsten Tag war das Fieber bereits gesunken und zwei Tage später erklärte der Arzt, daß keinerlei Gefahr mehr bestehe und nur noch Ruhe vonnöten sei. Am Vormittag erschien Reinsperg, um sich persönlich von Meta zu verabschieden. Er hatte die Absicht, nach Ordnung verschiedener Angelegenheiten sich einer Expedition nach Tibet anzuschließen, welche in zwei Wochen Oesterreichs verlassen wollte. Der Abschied war kurz und herzlich. Mit keinem Worte wurden die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit gestreift. Was Meta in dem klaren, warmen Blick Reinspergs las/ wirkte beruhigender, als Worte, die er hätte sprechen können. Mit wehmütigem Blick sah sie auf die Tür, welche sich hinter ihm geschlossen hatte. Sie fühlte es: der hier von ihr Abschied genommen hatte für lange, lange Zeit — vielleicht für immer — war ihr ein wahrer, treuer Freund geworden, wie das Schicksal sie nur wenigen gibt. (Fortsetzung folgt.) Max Reger. Persönliches und Allgemeines« Von Max Hetze in' an«. Im Hinblick auf die Gießener Musiktage, an denen uns de« berühmte Zeitgenosse zwei seiner neuen Werke zugleich als Dirigent vorführt, glauben wir mit der Veröffentlichung dieses Artikels viele» unseren Lesern einen Dienst zu erweise«. Tie Red. Es ist noch keine zehn Jahre her, da saßen in München verschiedene Musiker beieinander, und sprachen über einen dort ansässigen jungen Kollege». Einer von ihnen — er ist mittlerweile ein berühmter Mann geworden — meinte, man solle ihm möglichst oft Gelegenheit zum Konzertbesuche geben, denn es sei sehr wichtig, daß ein Musiker wie dieser höre, „wie ein Horn klingt". Der junge Musiker, von dem da die Rede war, ist heute Leiter der Meininger Hofkapelle, Hofrat, Professor und Ehrendoktor zweier llniversitäten, und heißt M a x Rege r. Den hat man lange als musikalisches Kuriosum betrachtet, das man sich auf den Tonkünstlerversammlungen zeigte, von dem aber die wenigsten eine Note kannten. Eines Tages aber hatte er einen Namen, bald war er berühmt, und heute wäre die deutsche Musik ohne Reger überhaupt nicht mehr zu denken. Daß die Musiker sich so plötzlich für Reger interessierten, mag wohl auch daran gelegen haben, daß ein Nichtzünftiger ihnen ins Handwerk pfuschte. Und das kanr so. Auf der Frankfurter Tonkünstlerversammlung im Jahre 1904 spielte Reger mit Martealt seine be—rühmte C-dur-Sonate, zum Entsetzen vieler, die solch bösartige Musik nicht wohlgetan fanden. Als die Sonate zu Ende war, ging ich zu Reger hin, und bot itznt zu seinem größten Erstaunen ein Konzert in der damals zu Essen bestehenden und von 'mir geleiteten Musikalischen Gesellschaft an. Am 6. Januar 1905 sand dieser Abend statt, und brachte zunächst die E-dur- Sonate op. 72, das A-m!oll-Trio op. 77, das D-moll-Quartett op. 74 mit dem W ald emar-M ey er-Quartett aus Berlin und schließlich die Beethoven-Variationen für zwei Klaviere. Ein Musikfest bringt nun nicht mehr Musiker und Dirigenten auf die Beine als dieser KamMermusikabmd, wo alles auf einen kolossalen Hereinfall lauerte und zum Schlüsse das Publikum — es waren etwa! 1200 Personen — wie eine Mauer stand und vor Enthusiasmus sich die Hände wund schlug. Es gab Leute, die vorher an meinem Verstände zweifelten, daß ich, so etwas unternommen hatte. Man erzählte sich von dm sechzig Proben, die das Quartett gehalten, wie von den Stimmen, die vor Wut eß' solchen Studierens in die Ecke geflogen waren, und drückte uns vorm Konzert die Hand wie Menschen, von benen man in der nächsten Stunde Hals- und Beinbruch erwartet. Diese AbschiedsstiMmung schlug allerdings 103 jMMich u'm, und die Folge war eine ganze Reihe von Reger- abenden in Rheinland und Westfalen, wo sich denn mich schon einmal Zischei: in die musikalischen Klänge mischte. Dann kam anfang Oktober 1905 die Uraufführung der Sinfonictta unter Felix Mottl in Essen, der, als er sie in München schließlich herausbrachte, ein ganzes Konzert auf Hausschlüsseln und Hunde- Pfcifcu heranfbeschwor. Wer der Bann war gebrochen und Reger in aller Munde. Um' die Sinfonietta gehen allerdings noch heute die Dirigenten herum' wie um einen bissigen Hund, und halten sich lieber an die in« Jahre darauf erschienene freundlich schwärmerische Serenade oder die genialen Hillervariationen, das Poetisch- Verklärte Bild frohbewegten Lebens. Tie Haben den: Komponisten gar viele Freunde gewonnen, und doch sind manche gerade durch den furchtbar ernsten, rücksichtslosen Prolog zn einer Tragödie aus den Weg zu Reger geführt worden. Zwischen eisig ablehnendem Schweigen und ergriffener Zustimmung wechselt hier die Haltung der Hörer, die oft ratlos vor diesem Koloß stehen, der die Tragödie selbst, und daher alles andere wie ein Vorspiel ist. An diesem Prologe nun wird wie in seinen großen Orgelwerken und dem 100. Psalm offenbar, was Reger, abgesehen von -allem Musikalischen, aus der Reihe der anderen modernen Kom- ponisten rückt. Das ist sein andächtiges Verhältnis zur Gottheit. In ihm lebt die religiöse Sehnsucht unserer Zeit, und selbst in die von fröhlichstem' Getümmel bewegten Schöpfungen dringt ost plötzlich ein geheimnisvoller Klang wie aus einer anderen Welt. So derb seine Musik manchmal auf den Füßen steht, ihr Herz schlägt im Lande der tiefsten Geheimnisse und seine Töne geben Uns Kunde, was er dort in mystischem Schauen gesehen itnb erlebt. Wer acht gibt auf Regers AdagioS, vor allem das in: Klavierkonzert und Sextett, iver seine großen, übersinnlichen Lieder kennt,_ der findet den Schlüssel zum Herzen dieses sensiblen Riesen, zum Herzen eines Mannes, der wie einer die Freuden und Leiden der Modernen Menschen in der Tiefe seiner Seele erlebt und in: musikalischen Bilde einfängt. Daran müssen wir festhalten, daß Reger, trotzdem er auf Bach fußt, nur als moderner Mensch, als ein Geschöpf unserer Zeit verstanden werden kann. Man hat vielfach nur ein verwegenes harmonisches Spiel in alten Formen sehen wollen, wo in Wirklichkeit ein heiß empfindender Mitmensch sein Herzblut verspritzte. Weil eben der Jnl-alt so unmittelbar aus unserer Gegenwart geschöpft war, verstand man oft die Sprache dieser Musik nicht. Tenn Reger ist wie alle Heutigen ein individualistischer Künstler, dessen Musik auch die kleinste Seelenregung spiegelt. l$t hat Lieder geschrieben, die zart sind wie ein duftiger japanischer Farbenholzschnitt oder ein hingehauchtes Aquarell, Lieder, deren freie melodische Linie sich hoch und höher schwingt, als wollte sic schier kein Ende nehmen, Sonaten, die nichts sind als ein einziges Rezitattv. Sie sagen die leisesten Tinge, singen von Glück und Wonne, von Wehmut und bitterem Schmerz, vvn Verzweiflung und Vertrauen zu dem, der alle Wege zum Guten lenkt. Und daneben stehen dann trotzige Stücke von ungeberdiger Kraft, wie die grandiose Passacaglia für zwei Klaviere und das Klavierquartett op. 113, sowie auch Lieder, denen unsere berühmten Sänger scheu aus dem Wege gehen. Wo aber ist des Lebens Arbeit und Geschäftigkeit, seine Freude und Köstlichkeit in unseren Tagen Nttickstrahlender besungen worden, wie in den Hillervariationen, den:' Streichquartett op. 109 in Cs-dur, und den sonnigen Beethovenvariationen, dessen StaNimgästeu der Kammermusiksäle? Älter Meister Kunst lebt mit neuem Inhalt auf in Regers Konzert in: alten Stile op. 125. Dieser Mann ist eine so komplizierte Natur, daß er die größten Gegensätze in sich vereinigt, und Werke der verschiedensten, ja widersprechendsten Art hervorbringt. Tie schroffen Stimmungswechsel seiner Werke sind nichts, wie ein Spiegel seines Innern. Er ist wie ein Janus köpf; sein eines Antlitz schaut zurück in die Vergangenheit, das andere in eine ferne Zukunft, und so kommt cs, daß seine Werke manchmal etwas Zwiespältiges haben, und die alte Form festhalten möchte, was in ivildem Drange vorwärts stürmt. Auch in Regers Suchen und Wollen, in: Gelingen wie Mißlingen sehen wir das Ringen der Gegenwart. Wie wäre er nun ein moderner Musiker und nicht zugleich ein Meister der Farbe? Allerdings nicht jenes schillernden Orchesterkolorits, das Richard Strauß sich znM Zwecke subtilen Ausdrucks bildet, sondern jener unendlich mannigfaltigen Akkord- farben, jener „Hangeant-Harmonik", die allen Tust zarter Wechselfarben, wie die schwere Pracht reicher Gewänder hat. Bon der leisesten Regung des Gemüts bis zur erschütternden Gewalt des die Seele durchtobenden Sturmes ist dieser Harmonik alles untertan. All die Augengespenster, die uns auf den Notenblättern schrecken, sie lösen sich unter Regers Händen am Flügel auf in Gebilde, über denen als höchstes Gesetz der Adel des Klanges steht. Wir einstens Mozart, so möchte dieser von Dissonanzen zerrissene Mitkämpfer unserer Zeit all seine Wonnen und Leiden in Schönheit anflösen. Tie alte Musikersehnsucht lebt und tönt dort wie hier. Wer näher zusieht itnb sich durch die Fülle einander Verwandter Werke nicht verwirren läßt, weist auch, daß Regers Weg kein Stillstehen kennt. Er ist kein Schoßkind des Glückes gewesen, tind wie bisher sein Leben Arbeit war, so steht auch jetzt, wo er als ein Großer anerkannt ist, als erstes vor ihm die Pflicht gegen das ihm verliehene Pfund. Es ist die eiserne Strenge gegen sich selbst, die ihn groß gemacht hat, ihn aus kleinsten Aufäugen hinauf zur Höhe führte. Schoir jetzt läßt sich erkennet:, und spätere Werke werde:: es erweisen, daß dieser Individualist voi: dem' Sehen ins Kleine und Kleinste der Seele hinein nach den: großen Schauen strebt, wo der Tondichter zum Künder dessen wird, was uns alle bewegt. , Die Musik hat die Entwicklung vom Ausdruck des Allge- Memen zu dem des Besonderen bis in die feinsten Verästelungen durchmessen, nicht zuletzt gerade durch Regers Kunst. Was sie dabei gewonnen, wird ihr von höchstem Nutzen sein auf dem Pfade, den sic jetzt wohl beschreiten will. Am Anfang unserer lebenden Musik steht die jeden Vergleiches bare Gestalt eines Johann Sebastian Bach, der ivie kein anderer das Schauen ins Kleinste hinein mit den: Blick ins Große verband und beides in unerhörte musikalische Taten umsetzte. Sein Vorbild steht als leuchtendes Fanal am Ende des Weges, den die Musik nun wieder vor sich sieht. Daß er uns dorthin führen möge, ist der Wunsch, mit dem wir Reger auf seinen Pfaden begleiten! Das Opfer des Südpols. Drei Jahre sind seitdem verstrichen. Am Morgen hatten Zeitungsausrufer mit heiseren Stimmen bei: Triumph Shakletons burch die Straßen Londons gerufen. Bis aus 97 geographische Meilen vom Südpol war Shackleton vorgedrungen. Wenn irgend wer die Bedeutung dieser Leistung schon im ersten Augenblick! in ihrem vollen Umfange würdigen konnte, so war das jener britische Marineoffizier, der jetzt zur Abendstunde, nach einen« anstrengenden Arbeitstage, in der Admiralität, in sein kleines hübsches Häuschen am' Buckingham-Palace-Road zurückkehrte. Ein Freund erwartete den Heim-kommenden, und aus ihrem Atelier eilte die junge Frau, den braunen Leinenkittel der Arbeit noch über ihr Kleid geworfen, Herbei, um bei: Gatten zu begrüßen. An jenem Abend, ber ben Kein: seines künftigen Schicksals in sich trug, war Robert Falcon Scott in gehobener Stimmung. Tie Begeisterung über den Triumph des Kameraden war so groß und ehrlich, daß sie sogar die heitere und stille Gelassenheit des Kapitäns durchbrach. Ter Freund, 'den der Zufall zum Augenzeugen dieses Wends im friedlichen Heime machte, erzählt, wie die Freude über den Erfolg seines cinssigen Leutnants in seinen Augen widerstrahlte. Von einen: kleinen Tische nahm Scott seine Pfeife, und lächelnd holte die junge Frau, die die Gedanken ihres Mannes so gut erriet, die große Karte der Südpolarregionen herbei. Auf seinen Knien breitete der Kapitän den Bogen aus, die Frau kniete neben ihm an der Seitenlehne des Sessels, und mit dem Finger oder mit der Pfeife zeigte Robert Falcon Scott ben Weg, den sein Freund Shackleton und dessen Getreuen int Kampfe mit dem Schnee und dem Eise überwunden haben mußte. Schritt um Schritt erklärte er die gefahrvolle Reise, hob immer wieder die Schwierigkeiten hervor und sprach von dein' Lande, mit dem einst auch er gerungen hatte, sprach von bei: Schrecken itnb bei: Schönheiten der Schneeeinsamkeit in den Regionen des Südpols. Und in seinen Augen leuchtete immer wieder die große Freude über das Errungene auf, während die Frau lauschte und der heimliche Stolz auf ihren Mann sich in ihrem' Antlitz immer deutlicher spiegelte. „Wirst du wieder hinausziehei: ?" fragte ihn der Freund; und Scott schwieg einen Augenblick, dann blickte er auf seine Frau und schüttelte leise ben Kopf. In feinen Augen aber, so berichtet ber Freund, leuchtete doch das Feuer der Entbeckerfreube wieder, der Wille des Mannes, wieber hinauszuziehen und im Kampfe mit ber Einsamkeit feinblicher Elemente zu krönen und zn volleichen, was er einst begonnen. Seine Pfeife ging aus, sein Blick wurde unbestimmt und schien in weiten Fernen zu weilen, und nun sprach er von den: gewaltigen grenzenlosen Eisfelde, bas durchquert werden müsse, sprach von der Anzahl der Meilen, die täglich bewältigt werden könnten, wenn Menschen ihre ganze Kraft und ihren ganzen Willen einsetzcu. Er sprach von bei: Hunden, ihren Gewohnheiten, ihrer Zähigkeit und die junge Frau neben ihn wurde etwas unruhig, als sie fühlte, wie immer stärker die Wanderlust des Entdeckers in seine Worte strömte. An jenem Abend entschieden Robert Falcon Scott und Kathleei: Scott über ihr Schicksal. Sie war schweigsam', und man sah', wie sie mit einem Entschlüsse kämpfte, der ihr schwerer wurde, als Worte das zu schildern vermöchten. Aber in dieser Stunde der Krisis blieb Kathleei: Scott die Siegerin, mit stummer Selbstüberwindung stellte sie seine heimliche Sehnsucht über die Wünsche ihrer Liebe. Und eine halbe Stunde später ermutigte sie ihn, die Fahrt in sein Reich wieder zn wagen, bestärkte ihn in seinem heimlichen Vorsätze. Erst einige Wochen später erfuhr die Welt, daß Kapitän Scott willens se i, noch'einmal die Fahrt gen Süden anzutreten, aber der Entschluß z'n diesem Beginnen, das nun ein so tragisches Ende genommen hat, ward an jenen: Allen Abend erweckt, da er mit seiner Frau auf der Karte Shacklctons Laus verfolgte und sie ihn« wortlos das höchste Opfer brachte, das eine glückliche Frau sich abringen kann. Zwei Jahre und ein paar Monate später saß diese Frau in demselben Zimmer des kleinen Hauses, aber diesmal allein. Tas war im März 1911; an jenem Tage besuchte sie ein befreundeter englischer Journalist. Wieder hielt Kathleei: Scott jene Südpolarkarte vor sicch-iu ihren Zügen lag eine frohe gefestigte Zuversicht, und während ihr Finger über die Polregion hin- 104 glitt, tagte sie tritt' einem Lächeln, in beut Freude Küd ein leises Dangen der Ungewißheit sich seltsam vermahlten: „Hier ist der Südpol DaS alles ist Els unb Sckmee und eine Kalte von,50Grad Celsius unter Mill. Irgendwo dort arbeiten sich letzt mein Mann innd feine Expedition ihrem Ziele entgegen. Und dann rief sie ans dem Nebenzimmer ein blondlockiges kleines Kindlern herber Und Ivies ihm lächelnd die Karte: „Komm, sieh! wo dem Pappr jetzt ist." Und dann erzählte sie: „Ich werbe ihm zis seiner Rückkehr nach Neu-Seeland entgegenfahren. Noch weiß ich nicht, tvann das sein wird. Ich habe ihn so lange nicht gesehen, und sirr mich und unseren kleinen Sonny rst es ohne ihn so enttarn. Und noch heute, während die Welt das traurige Ende des Entdeckers bereits kennt, wartet diese Fran froh und hosftiuimUooll auf das Wiedersehen, blickt hinans über die Fluten des Stillen Ozeans und zählt freudig die Meilen, die sie ihrem! Ziele und dem Wiedersehen naher führen sollen. Bor ent paar Wochen erst war sie von daheim aufgebrochen, hatte ihre Arbeit belferte gestellt, ihr Bildhaueratelier verschlossen, war nach Amerika gefahren, und vor ein paar Tagen erst ist der Dampfer, der sie nach Neuseeland bringt, von San Franzisko ausgelanfen. Noch, verhüllt ihr die Weite des Ozeans die furchtbare Wahrheit, die sie schwerer treffen Muß, als irgend einen Menschen auf dieser Welt. Der Friede von huhettusburg. (Zum 150. Gedenktage, 15. Februar.) Am 15. Februar 1763 flog die frohe Botschaft vom Ende des Siebenjährigen Krieges durch die deutschen Lande; wohl niemals hatte man die Segnungen der Stille und Eintracht so dringlich herbeigesehnt, seitdem 1648 die 30 jährige Not geendet. Die Friedenssehnsucht Maria Theresias war schon nm die Mitte des Jahres 1762 aufs höchste gestiegen; sie konnte den Frieden kaum erwarten. Wer aber sollte den ersten, den entscheidenden Schritt tun? Rußland hatte seine Vermittlung ungebeten, aber die Kaiserin hatte abgelehnt, und da sie wußte, daß Friedrich ein Eingreifen Frankreichs und der ihm verhaßten Pompadour mit Hohn, Verhandlungen Englands mit Entrüstung zurückweisen würde, so war sie Mitte November so weit, ihren Stolz zu überwinden und sich unmittelbar an den Gegner zu wenden. Diese Demütigung wurde ihr aber noch im letzten Augenblick erspart, indem Sachsen dazwischen trat. Der sächsische Geheimrat von Sank erschien in Wien, und ihn benutzte der Meisterdiplomat Kaunitz zum Vorwand, nm eine Konferenz zu berufen, in der er erklärte, „bloß und hauptsächlich" durch die Rücksicht auf das bedrängte Sachsen wolle die Kaiserin die Friedensverhandlungen einleiten. Ein dem König von Preußen schon bekannter friiherer sächsischer Beamter, der Freiherr von Fritsch, wurde nun mit einem Handschreiben des sächsischen Kurprinzen ins preußische Hauptquartier gesandt, offiziell nur mit dem Auftrage, für Sachsen Erleichterungen zu erbitten, tatsächlich aber mit dem gleichen Befehl, .Friedrich die Bereitwilligkeit der Kaiserin zu einem „billigen mtb anständigen" Frieden zn erklären. Fritsch wurde am 29. November in Meißen von dem König empfangen, erhielt aber von ihm nach manchen beißenden mtb ironischen Ausfällen lediglich die Antwort, man solle in Wien angeben, was man unter einem „billigen" Frieden verstehe. Unterdessen suchte die Zarin Katharina durch einen eigenhändigen Brief, den ersten, den sie nach ihrer Thronbesteigung an den König richtete, ans ihn einznivirken, indem sie unter allerlei Artigkeiten unzweideutige Drohungen einftrente. Aber Friedrich wußte diesen Hieb geschickt zu parieren, und gar bestimmt «lauteten die Worte seiner Antwort: „Ich habe einige Vorteile gehabt, die mich jetzt desser als ehedem in den Stand setzen, zu verhandeln." Am 19. Dezember war Fritsch znin zweiten Male beim König, erhielt aber auf seine jainmernde Frage: „Was machen Ew. Majestät mit uns armen Sachsen?" nur die einfache Entgegnung: „Ich gebe Euch Euer Land wieder," sonst würden sie „kein Dorf und keinen Groschen" von ihm bekommen. Friedrich hatte es überhaupt mit den Friedensverhandlungen nicht eilig; er ließ alles an sich herankommen und verlangte von Fritsch, daß die Verhandlungen unter seinen Augen in Leipzig geführt Würden. In Wien war man der Ansicht, daß inan bett König nicht als „Friedensdiktator" anerkenneit dürfe, und so suchte man unter den: gezwungenen Vorwand, das Geheintnis der Verhandlungen ließe sich in dem bei Wermsdorf gelegenen Lustschloß HnbertuSburg besser bewahren, den Ort der Zusammenkunft hierher verlegen. Friedrich, der von vornherein erklärt hatte, ihm sei die Wahl des Platzes völlig gleich, sandte-den Geheimen Legationsrat von Hertzberg dahin, so daß zwischen Hertzberg, Collenbach und Fritsch am 30. Dezember in dem von einem preußischen Freibataillon 1761 ausgeplünderten und völlig verödeten Lieblingssitz des Königs August die erste Sitzung stattfinden konnte. Ain 15. Februar wurden die Friedcnsnrkuudeu unterzeichnet. Am 17. traf der König auf seiner Fahrt von Leipzig nach Meißen selbst in Hubertnsburg ein. „Es ist doch ein gutes Ding um den Frieden, den wir abgeschlossen haben," sagte er zu Hertzberg, „aber man muß sich das nicht merken lassen." Uebrigens hatte mich der schwedische Gesandte verlangt, an den Verhandlungen teilzunehmen. Aber Friedrich sagte ihm: „Sein König hat mit "meinem Obersten Belting Krieg geführt, mit dein soll er auch Frieden schließen." „Alt, fast kindisch, grau , wie em Maultier, täglich einen Zahn einbüßend, von der Gicht Halo zum Krüppel gemacht," so meinte der König, kehre er aus dem siebenjährigen Verzweifluugsriugen heim. Aber er kam als Sieger, dem sein Volk im stolzen Hochgefühl zujubelte. Maria Theresia aber war tief verstimmt, und auf das Gerücht mit, Friedrich habe ihr einen eigenhändigen Brief geschrieben, verneinte sie dies in einem Kries an den, Grafen Ulfeldt und meinte, sie sei ihm dafür dankbar; „meine Feder hätte rhmj niemals geantwortet. Mein Herz sagt nichts dahin." Vsrm! Achtes« * Das „güldene Ei". Nur wenigen dürite heute, so entnehmen wir der „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens , das „güldene Ci" bekannt sein, das in früheren Zeiten als eine wertvolle Universalmedizin galt. Damals verwendete, inan in der Heilkunde die Eier nicht allein zur Ernährung schwächlicher und kranker Personen, wie wir das auch heute tun, sondern schrieb ihnen noch besondere Wirkungen zu. Gern venvendete man zn Heilzwecken Eier, die selten waren. So empfahl man bei Rheuma und Podagra, die schmerzenden Teile mit dem Gelb von Piaue>ieiern zu bestreichen. Das Eulenei, in Wein gequirlt und nüchtern getrauten, sollte gegen die Trunksucht helfen. Des größten Rufes erfreute sich aber das „güldene Ei". Es tvurde nach besonderen Bot schritten hergestellt, die man häufig gel einhielt. In der Regel öffnete man das Ei am stumpfen Ende und ließ das Eitveig herauslawen; dann füllte man den leergewordeuen Raum mit Safran, allen inöglichen Gewürzen und seltsamen Stossen, wie pulverifierten Schmetterlings- rauveti, Käsern, Krebsaugen und dergleichen. Zuletzt schloß man die Oessnung und stellte das Ei an einen warmen Ort so lange, bis der Inhalt völlig verdorrte und sich zu Pulver zerreiben ließ. Dieses „güldene Ei" halt nun gegen allerlei Fieber, gegen die Pest und sonstige Gebresten. Anderen Arzneien hiitzttgelügt, machte es diele um so heilkräftiger. Dieses kurioies Heilmittel war für geriebene Heilmittelschwmdler buchstäblich ein güldenes Ei, denn es wurde von Leichtgläubigen oft mit Gold nnigemogen. * Der erste Freiwillige von 1813. Der Landtag der Provinz Ostpreußen war imi Februar 1813 zusaminengetreten und hatte in patriotischer Treue als das Notwendigste eine allgemeine Landesbeivafsnung vorgeschlagen. Graf Lehndorff, der auf Yorks Wunsch die Organisation des Korps .übernommen hatte, erließ nun eine öffentliche Aufforderung zum Eintritt, ins Regiment, und schon nach wenigen Tagen erschien in der Königsberger Hartnngschen Zeitung eine Anzeige, die bekannt machte, daß seit der Publikation in der vorhergehenden Nummer, das National-Kavallerie-Regiment betreffend, diesem letzteren zu Königsberg an Freiwilligen, beritten, und völlig eqnipiert und armiert, beigetreten seien: 1. Stndiosus Heidemann, Sohn des Oberbürgermeisters, und noch viele andere junge Männer aller Stände. Da nun unbestritten dieses Regiment das erste im Jahre 1813 in Preußen errichtete Regiment Freiwilliger ivar und Studiosus Heidemann sich zn allererst znm Eintritt in dasselbe gemeldet! hat, so ist derselbe unbedingt als der erste preußische Freiwillige des Jahres 1813 anznerkennen. Heidemann hat ruhmvoll in den Schlachten mitgefochten, in denen sein Regiment sich auszeichnete; namentlich an der Katzbach und bei Leipzig; in der letzten Schlacht aber wurde er bei Möckern schwer verwundet. Scheinbar geheilt, wollte et dem Heer nach Frankreich imch- folgen; aber seine schweren Wunden brachen auf deni Marsche wieder auf, und er fand in Weimar gastliche Aufnahme und Pflege. Als Offizier schied er ans dem Kriegsdienste und wurde später Postmeister zn Weißensee in Thüringen. In den Ruhestand getreten, zog er sich dann nach Weimar zurück, ivo er sich literarischen Arbeiten widmete und hochbetagt starb. Versteckrätsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben itt folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Weinkeller — Böllerschuß — Moses — Löwenmaul — Wurstkiste — Schärfe — Lichtwerfer — Ardennen — Leinenwcberei — Schwertlilie. Auflösung in nächster Nummer. , Auflösung des Königszugs in voriger Nnmniesr r Bricht unter dir die Brücke, Denk nicht, daß Gottes Hand Dich aus dem Wasser zücke Und heb ans trock'ne Land. Gott wollte sich erbarmen, Als er dir Arme gab; Nun rubre mit den Armen Dich selber aus dem Grab. Wackernagel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch« und Stemdruckerei, R. Lange, Gieße»