Donnerstag, den 14- August ii X dl -ÄzW MMT! WM-ÄLZM «ÄWi'iSSkM Lirnenrsulch. Roman von Paul Grabern. 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jetzt ließ Gottliebe das Näherkomnren Herrn von Mal- tnorts aus ihrem Sinnen auffahren. Er trat bis dicht an den Vorbau des Kamins. Dort blieb er aufrecht stehen, den linken Fuß auf den etwas erhöhten Nischenboden gesetzt und die am Band um den Hals getragene Gitarre nun Zum Spiel bereit haltend. Wie er so da stand, schlank und hoch in seinem eng anliegenden Bergkostüm — er trug sich, wie es schien, stets nur fo — das dunkelbärtige Antlitz von roter Feuerlohe übergossen, erschien er Gottlicbe wie einer jener adligen Sänger des Mittelalters, deren schwertgewohnte Hand auch das Schlagen der Laute in höfischer Zucht nicht verschmähte. Nun ein paar einleitende Akkorde, dann setzte leise die Stimme ein, wie es Gottliebe gleich beim ersten Begegnen empfunden hatte, eine selten weiche, tiefe Manncs- stimme von großer Innigkeit des Tons, deren Eindruck noch durch die Art des Vortrags gesteigert wurde, durch ein dämpfendes Zurückhalten oder ein seelenvolles Anfärben des Tons. Herr v. Malmort sang ein fremdländisches Lied, das sie nicht verstand — vermutlich ein ladinisches Volkslied hier aus den Bergen —, aber die schwermutsvolle Weise sprach zu ihrem Herzen. Es lag eine so ergreifende, müde Traurigkeit in dem Liede und der Art des Sängers. Nun war es wieder still. Keiner von den Dreien sprach. Gottliebe war ergriffen, aber sie mochte ihm kein banales Wort über sein Singen sagen. Er schien es aber auch gar nicht zu erwarten. Mit seinem unveränderlichen, ruhigen Ernst stimmte er einige der Saiten noch einmal genauer. Dann griff er wieder ein paar Akkorde; diesmal ein heiteres, schnelles Tempo. „Nün 'mal was Froheres," sein Blick flog mit einem eigenen Ausdruck zu Gottliebe hin. „Eine Capreser Künstler- Reminiszenz!" Und er gab nun eine lustige Romanze, die ein heiteres kleines Abenteuer an Bord des Sorrentiner Marktschiffs schilderte. Er sang wieder sehr ausdrucksvoll; aber Gottliebe gefiel das weniger. Der Ton lag ihm nicht; daran hatte seine Seele keinen Anteil. Er hatte das lustige Intermezzo wohl auch nur gewählt, uni den ersichtlich tiefen Eindruck des ersten schwermutsvollen Liedes auf Gottliebe schnell wieder zu verwischen. Jetzt sah er, das Instrument vom Hals nehmend- mit leichtem Lächeln zu ihr hin. „Nun find Sie doch enttäuscht — nicht wahr?" Ein ernster Blick traf ihn, mit geheimem Vorwurst und leise schüttelte sie den Kopf. „Ich höre Sie mit innerstem Genuß. Nur gefiel mir Ihr erstes Lied besser — ich sag' es ganz offen —, bitte, singen Sie noch eins in dieser Arf!" Ihr Auge bat ihn mit einem weichen Ausdruck, den er bisher noch nie bei ihr bemerkt hatte. Mit einem leisen Verwundern im Blick nahm er es wahr; dann aber senkte er die Lider und griff, wie gedankenverloren, schweigend auf dem Instrument. „Siehst du, Vater? Ich sage es dir ja auch immer," bestätigte schnell Rehe Gottliebes Meinung. „Und nun sing das schöne Lied aus dem Rattenfänger — mein Lieblingslied, bitte, bitte, Vater!" Herr v. Malmort antwortete nicht ja und nein. Als hätte er nichts gehört, spielte er weiter, in sich versunken. Dann begann er leise zu pfeifen, mit weicheni, schmelzendem Laut; es klang wie eine schluchzende Vogelstimme in grünem Waldgedämmer. Gottliebe stützte lauschend, in ein Träumen hineingelockt, den Kopf in die Hand. Er phantasierte offenbar auf dem Instrument; es war keine bestimmte Weise, die er hören ließ!, sondern nur der andeutende Ausdruck dunkler Stimmungen, die in dieser Minute seine Seele bewegen mochten. Nun aber entwickelten sich die zerflatternden Tonbildungen zu einer festen Melodie, einer wunderbar zu Herzen sprechenden, wehmütigen Melodie. Und dann begann er zu singen es war das von der Tochter erbetene Lied. Und wie er das Lied sang! „Ich habe durchfahren das weite Land, Durchfahren dahin, daher, Und was allerwegen vom Glück ich fand- Davon ist das Ränzel nicht schwer. Die Blumen am Wege, am Himmel die Sterne- Die einen verwelkt, die andern so ferne — Mein Herz, in der Welt so allein, Wer denkt noch dein?" — Und wie er das Lied sing! Gottliebe konnte den Blick nicht von dem männlich- ernsten Antlitz wenden, dessen Züge der rote Feuerschein des Kamins jetzt warm überlohte; den Kopf ein wenig nach vorn geneigt, starrten seine dunklen Augen mit halb geschlossenen Lidern verloren in die Glut des Feuers. So sang er, seiner Hörerinnen nicht achtend, allmählich von dem Zauberklang der Weise selbst umsponnen, wie für sich allein — ein Ausströmen der Empfindungen, die ihn in tiefster Seele bewegten, in Tönen, in halblauten, aber unbeschreiblich aus Herz rührenden Tönen. Was mochte er empfinden bei seinem Sange? Gottliebe ahnte es: Bei der heißgeliebten, früh verlorenen Frau waren sicherlich seine Gedanken, die sein Glück mit sich ins Grab genommen hatte, daß er seitdem nur noch als ein Armer, Heimatloser auf Erden wallte, im tief innersten, unstillbaren Sehnen nach der Verschiedenen i— Sehnen nach einem verlorenen Glück. 502 Eine tiefe Wehmut, ein leis zitterndes Gefühl stieg! in Gottliebe auf. Wie mußte das für eine Frau sein, so geliebt zu werden, von einem echten Manne, keinem Weichling! Ein dunkles Sehnen überkam sie und eine Trauer zugleich, daß sie das nie kennen lernen sollte, was doch — wie sie in dieser Stunde zum erstenmal klar empfand — das Höchste, das Seligste int Leben einer.Frau war. Wie arm, bettelarm war die, die das nie genössen! Was war dagegen der fadenscheinige Stolz mannweiblicher, vermeintlicher Ueberlegenheit? Er reichte nicht einmal hin, die jammervolle Blöße zu decken! Noch nie hatte sie das so empfunden. So saß sie denn auch noch zusammengesunken, einen Ausdruck herben Wehs um den -Mund, regungslos da, als Malmort längst geendet und.die Rechte über die Saiten gebreitet hatte, um das Nachschwirren nach dem letzten, wie einen heimlichen Aufschrei hinaus gestoßenen Ton zu verhindern. Wieder suchte sein Blick Gottliebe, und wieder stand ein Verwundern darin, als er sie so in sich gesunken, schmerzlich bewegt, sitzen sah. Hatte das traurige Lied- bei ihr solch ivehes Echo geweckt? Langsam wandte er sich der Tochter zu: „-Da hast du nun Seinen Willen gehabt, Rehe; aber ich fürchte, unsertn Gast ist damit kein Gefallen geschehen: Nicht, Fräulein Rhyngaert?" Da sah sie -auf zu ihm, und ihre Blicke trafen sich. Was für ein feuchter, sehnender Glanz lag doch in ihren Augen, hie sonst so selbstsicher und -gelassen blickten! Wie verschönte sie dieser Ausdruck weiblicher Hingabe überraschend! Ganz betroffen, festgebannt, hielt er die Blicke in die ihren getaucht. Das war wie ein plötzliches Ahnen bei den beiden, daß da in der Tiefe beim andern etwas heimlich schlnin- jnerte, was er scheu der Welt verbarg: -etwas Verwandtes hei beiden, das sie plötzlich mit unsichtbaren Banden, aber stark und- lockend, zueinander hinzvg. So schauten sie einander tief in die -Augen, bis Gottliebe die Lieder niederschlug und wegsah, den Kopf neigend. Wgr es nur die Kaminglnr, die ihr Antlitz so rosig übergoß? Rshe aber brach das so beredte Schweigen der beiden. „Wahrhaftig, Gottliebe! Sie sind ja ganz- still und traurig geworden!" Zärtlich schmiegte sich das liebe Kind an die -ältere Freundin. „Was haben Sie denn?" Da kam es plötzlich über Gottliebe. Mit einer fast leidenschaftlichen Bewegung riß sie das Mädchen -an sich und vergrub ihr erglühendes Gesicht in die duftigen weichen Locken; insgeheim, ihm nicht sichtbar, preßten sich ihre Lippen heiß auf den feinen Nachen. So küßte fie sie wortlos — Malmorts Tochter. . Er aber stand- und- sah es mit großen Augen. Ein etgenes Leuchten erschien darin. Ahnte -er, was da in ihr vorging? Dpch wohl nicht! Denn er kehrte sich langsam ab und hrng die Gitarre an ihren Platz zurück. Und als er dann tower zu den Mädchen trat, war sein Ton unbefangen- von ruhigem Ernst wie immer- Den vierten Tag war nun schon Gottliebe zu Gast in Hein: älten Kastell; -auch heut noch, wo- die Sonne wieder lachte und hinauflockte aus die Firnenyaupter da drüben, die ihre Silberkronen heute um so glänzender in den in neuenr, jun-gent Blau erstrahlenden Himmel reckten. Sie war auch heut noch geblieben, in einem ihr selbst Mnz fremden, plötzlichen Hang zur Seßhaftigkeit. Und tvenn etne innere Stimme sie eine Treulose, eine Verräterin an -der alpinen Sache schalt, der fie sich doch mit Leib und Seele verschrieben hatte, ihr Vorwürfe über das müßige Verljegen machte, so wandte sie schnell als Entschuldigung ejn, daß Herr v. Malmort ihr ja versprochen hatte, mit ihr einige noch kaum bekannte Hochtouren in seinem eigensten Reich hier zu machen, im schnee-gekrönten Zackengebiet der Fumarellagruppe, deren steil ansteigende Vorberge das Tal drüben, über dem See, begrenzten. zu- doch keine verlorenen Tage hier! beschwichtigte Gottliebe sich selbst. Wenn sie freilich auch heute-nur, zu dntt mit Rehe, deren Zartheit ihr eigentliche Bergfahrten verbot, einen harmlosen Älmenschlender machten, hinaus zur Breza bet Malmorti. Einer kleinen Bergkuppe, die das -ganze, dem Geschlecht seit altersher gehörige Dal beherrschte und wo auch, nach einer Familiensage, einst der erste Mal- Mort von Hirten als hilfloses' Kind aufgefünden worden ,ein sollte — dem Gemunkel nach — der Sohn einet* „©aKgen" und eines verwegenen Alpenjäg-ers, der sich bis ins Reich der Berggeister verstiegen hatte. So wenig reizvoll für Gottliebe sonst ein derartiger Familienausflug gewesen wäre, so sehr freute fie sich heute dieses harmlosen Weges in der Gesellschaft der beiden prächtigen Menschen, die ihr so schnell Freunde geworden waren. Verband sie doch sogar, feit einer traulichen Stunde gestern abend m Rehes Erker, auf deren Bitten das innige Du mit dem lieben Kinde. .. So schritten sie langsam, in heiterem Geplauder, über grüne Almen, hinauf zu der Felsenkuppe. In anderthalb Stunden waren sie auf der Höhe. ,/Willkommen an der Wiege unseres Geschlechts!" Mit einer Handbewegung deutete Herr v. Malmort auf einen verwitterten, moosgedeckten Felsblock vor sich: „Hier, ist sie — der Sage nach." Mit einem leisen Lächeln schaute er ein Weilchen sin- auf den Fels; dann aber flog sein Blick hinaus in die Weite, das ganze Tal entlang mit seinen grünen Matten, bis es etne Biegung weit hinten dem Auge -entzog. Und stolz wies er chber die schönheitsreiche, färbensalte B-erglandschaft: „Soweit das Auge reicht, Mälmortscher Boden — seit Menschengedenken. Und das ist keine Sage!" Gottliebe sah auf den hohen, straff aufgerichteten Mann, aus dessen Zügen ein edler Stolz leuchtete. Wie ein rechter Herr stand er hier auf eigenem Grund und Boden, des 'uralten Besitzes sich freuend. Bewundernd folgte dann Gottliebes Ange seinem Blick. „Wie herrlich!" entfuhr es ihr warm. „Solch stolzer Besitz, immer in der Hand eines alten Geschlechts!" siJmmer?" -Der scharfe, bittere Ton machte sie aufsehen. Mit einem Male hatte sich sein Gesicht verdüstert. Betroffen, fragend traf ihn ihr Blick. „Ich bin der letzte meines Namens. Mit mir erlischt das Haus der Malmorts." Gottliebe blieb stumm. Daran hatte fie ja gar nicht gedacht. Aber nun bewegte es sie int Innersten. Das mußte dem Stolzen ein tödlicher Schmerz fein, daß der Name verklingen sollte, der an tausend Jahr mit Ruhm hier getönt hatte, daß gerade ihn es treffen mußte, ohne Sohn zu bleiben, die lange Kette der Vorfahren nicht um das nächste Glied vermehrt zu haben. In ersichtlichem Schmerz ruhte Malmorts Blick auf Rehe, und auch auf ihrer kleinen Stirn stand eine Wolke. Sie empfand es ja saft wie eine Schuld, daß fie gekommen war und nicht der so sehnlichst erhoffte Erbe des Namens und Besitzes. Malmort ahnte ihre Gedanken, und in seiner vornehmen Güte strich er leise, zärtlich über das Haupt der Tochter, als wolle er sagen: Laß gut sein, mein Kind. Du kannst jä nichts dazu, bist meinem Herzen auch so teuer. Gottliebe sah schweigend auf Vater und Tochter. Daß ihm, dem Schwergeprüften, auch dies letzte nicht erspart geblieben war, daß ihm das Schicksal, das ihm die geliebte Frau entrissen hatte, nicht wenigstens zum Trost dafür den Sohu gegeben hatte! Aber dann kamen ihr andere Gedanketi, wie sie ihn s» kraftvoll nud jugendschlank trotz seines angegrauten Haars da stehen sah: Warum hatte er, da ihm doch so viel an dem Erben gelegen war, nicht noch einmal geheiratet? Gar leicht hätte er ja doch wieder eine Frau, gefunden, die ihm ihre Hand gereicht hätte. Ja, ivelch hohes Glück mußte es nicht für eine Frau fein, sich gerade einem Mann wie ihm tzn weihen, ihm den innersten Wunsch feines Lebens zu erfüllen — den ersehnten Sohn und Erben zu schenken? Ein geheimer, süßer Schauer überrieselte plötzlich Gott- liebe; aber schnell, als könnte Malmort ihre geheimsten Gedanken ahnen, wandte sie sich ab-, anscheinend aufs Ge-- birge drüben blickend. i So bemerkte sie nicht, wie Malmort plötzlich die Hand über die Augen legte und schärfer hinabblickte auf die Alm bruiiten. „Da kommt doch jemand, ganz eilig, vorn Schloß heraus?" Auch Rehe beugte sich vor, unb' Gottliebe brehte sich gleichfalls toieber herum. Wirklich, ba bewegte sich ein Mensch ans bent Sennenpfad drunten, und jetzt, so schien's ihrem scharfen Auge, schioenkte er den Hut in der Rechten, um die Aufmerksamkeit der drei da oben -auf sich zu lenken. „Das gilt mir. Ein Bote ohne Zweifel, in dringlicher ©adje. Aber was?" (Fortsetzung folgt.) 503 — Am Hüttenfeuer. Von Carl I. Luther- München. Mus fröhlicher Walz ließen wir uns eines Tages auf der Alp Belarda, bei Jaun, am Fuße der Gastlosen, ganz hinten tm Galmrstal des schweizerischen Kantons Freiburg, häuslich meder. Mehr als eine Woche schliefen wir dort oben aus Dem Heu, saßen mit den Sennen um den rohen Tisch, und nährten ynS patriarchalisch aus einer Schüssel. . . ®.’ ist nicht jedem gegeben, so Mötzlich den Kulturmenschen *yte Inr Gewandstück abzustreifen Und zu einem gewissen Ur» Menschentum zurückzukehren, wer's aber vermag, kann Tage reinsten Genusses verleben. Uns hat der Aufenthalt in der Belarda viel Spatz gemacht and voll Sehnsucht denke ich an jene Tage zurück. Mit offenen Augen und gespitzten Stift durchstreiften wir die Gegend. Sonntags stiegen wir ins Dors hinab und sangen mit den Mädeln auf dem Chor die Messe, abends saßen wir an den Feuerstätten der Sennen und ließen uns Sagen erzählen und gaben lustige Schwänke und Schnurren, auch Gehaltvolleres dafür. .Ueberall wo wir vorsprachen, und um Geschichten und Sagen und !um Aufklärung über Sitten und Gebräuche baten, fanden wir Wette Türen und die Mädchen waren gerne um uns, wenn wir lustige Lieder sangen. Es waren eigen schöne Stunden, die wir des Abends auf Belarda am prasselnden Feuer verbrachten. Nach dem Abendbrot, wenn ess schon zutrachtete und die Tenne stockfinster Ivitrbe, £e0te ber Felix, unser Hausherr, einen knorrigen Holzklotz in die Glut, dann lagerte sich jeder um die offene Feuerstätte wie es ihm beliebte. Zumeist saßen wir auf den niederen,Dreibeinen im Halbkreise, die Ellenbogen aus die Knie gestützt, das Kinn Mischen den Fäusten .Guckten iti die Glut und sagte keiner etwas. Bis irgendeiner sich räusperte und etwas ein kurzes „Ja" aus- stietz, das die Frage enthalten mochte: „Na, weiß denn heute .keiner was zu erzählen?" Wenn der Felix erzählen wollte, räusperte er sich fürs erste- wal einmal gewaltig, legte neues Holz aufs Feuer und eine Kohle in die Pfeife und — schwieg. Dann stocherte er im Feuer herum, paffte gewaltige Rauchwolken aus seiner kurzen Pfeife, spuckte recht kräftig ins Feuer und sagte: „Ja!" Und dann legte er ein 83eüi übers andere und brummte nochmals: „Ja!" Nach einer kurzen, aber gewichtigen Pause, während der er uns der Reihe nach forschend anschaute, begann er seine Geschichte, erst langsam und bedächtig im schwer rollenden Dialekt seiner Heimat, der, sich oft anhört wie das Rauschen eines Wildwassers, drin, Steine kollern. Einmal im Schuß, war er seiner Sache sicher und kam ohne Stockung zum Schlust Wenn er dann zu Ende war ünd nicht gleich einer etwas sagte, wiederholte er die Pointe nochmals, oder gab einen erklärenden Zusatz, so etwas wie eine „Moral von der Geschichte" drein. Mit sichtlichem Behagen erzählte Felix in breiter Ausführlichkeit von Hexen, Zwergen und allerhand Spuk. Wie fest der Glaube an Wesen mit übernatürlichen Kräften in Sagen und Märchen im Wolke, nainentlich im Gebirgsvolk, wurzelt ünd lebt, erkannte ich an jenen stimmungsvollen Abenden. Nicht nur, daß unsere Freunde an die Wahrhaftigkeit der Sagen, die in ihrer Heimat und Umgebung lokalisiert sind, unbedingt glauben, sie Äußerten nie einen Zweifel an der Existenzfähigkeit irgend eines klngeheuers, Riesen oder Wundertieres der Geschichten, die wir ihnen zutrugen. Mochten wir nun erzählen von Hirtenknab und Prinzessin, von König und Bauer, Riesen und Zwergen, wehrund zauberbewachten Schätzen, aus Wahrheit und Dichtung, Mythologie und Geschichte, so lasen wir deutlich im Mienenspiel unserer Zuhörer, daß sie alles glaubhaft aufnahmen und hörten ans ihren Zwischenrufen des Erstaunens, Schreckens und der Bewunderung, daß für sie keiner der Vorgänge, keine der Gestalten in das Reich des Uebernatürlichen gehörte. Ja, von vielen unserer Erzählungen fanden die von Spuk und Zauber die glaubwürdigste Aufnahme. Diese Empfänglichkeit für das anscheinend Wunderbare, diese felbstverständliche Anerkennung ungewöhnlicher Kräfte bei Mensch Und Tier ist der innigen Verknüpfung von Leben, Arbeit und Sterben des Gebirgsbewohners mit der ihn umgebenden wechsel- fchroffen Natur, ihren Mächten, Gefahren, Schrecknissen und ihrer gigantischen Großartigkeit wohl begründet. Ihm erscheint alles viel plastischer, Leben und Tod treten in viel schrofferen Gegensätzen an ihn heran, er kennt die grollenden Naturkräfte in ihrem Werden, Zerstören Und Vergehen und fürchtet Angeheuer in den Vorgängen, denen er machtlos gegenüber steht. Wenn er aus großen Bedrängnissett errettet wurde, wenn Wildbach und Lawine Alp und Hütte verschont und kein Steinschlag das Vieh getroffen hat, dann dankt er diese Fügungen dem Eingreifen guter Feen, freundlicher Zwerge und guter Bergmännchen. Denn nach seinen Vorstellungen ist Rettung ans den Fährnissen der Gebirgswelt nur durch übernatürliche Machte möglich Ans vorschristlicher Zeit hat sich ein traditioneller Aber- ?taube unter allen Gebirgsvölkern bis zur heutigen Stunde er» alten. Warum sollen diese Leitte nicht an Wesen glauben, die rätselhaft und geheimnisvoll mächtig sind in Güte und Tücke s Die Abgeschlossenheit der Gebirgsvölker, das Aufsichangewiesensein ßrhält die Tradition unverfälscht Und lebensfrisch. niemand etwas Fremdes dazwischen trägt oder aar Aui- n'nnd welche sich das Bergvolk in solche,?Dingen m sträubt, wachsen diese Ueberliefernngen &.FÄÄÄ $3S*" """ arat*,t"»** birJnfta Ä Sß9c! alf Dörflein eines Ge- fcTie9!, ‘Pnnhp l als beä Germanentums im web Men Lande von ;eher auf sich selbst angewiesen. Der Hana der Ä» flVsen Gewohnheiten und Bräuchen ist säst sprich- wortltch geworden, ^a, ihre Abgeschlossenheit selbst gab Anlaß ®s9,elr' ■ w daß im Jauntal das Land durch keinen un? daß die Jauner folglich fein Brot essen. 20_Ju f 0tu F Saun auch keinen Pflug. Noch vor ä. wahren galt der Brotgenuß als Luxus. L^,«werg- und Hexensagen sind eigentliche Typen für Jaun Mochten nur auilopfen wo immer wir wollten, stets eröffneten n -m11 0utert Zwerglein und den bösen Hexen den Reigen der Erzählungen, wayrend die Leute nach Geschichten von anderen Wesen sichtlich mühsamer ihr Gedächtnis durchkramen 4* Hl le prachtvollen Morgen nach anstrengender Kletterei über den Nordabsturz der Vorder-Gastlose in der Hütte „auf dem Grat rastete, erzählte mir der Senne eine sehr schöne feage von den Zwerglein tm Heidenloch am Oberbergli. Da seien sie .. noch anzutreffen. Und des Sennen Handbub, ein vier- äebniabnger -junge, mit bleichen Wangen, schwarzen Augen und pechstrahmgem Haar, erzählte, daß er selbst schon gesehen habe, wie sie, von semem Tritt verscheucht, schnell in den Felsen- spalten verschwanden. Daß es Murmeltiere gewesen sein könnten, bestritt er energisch. „ Den Sagen von Zuweisung heilsamer Tränklein und Arzenet- trauter durch die Zwerge zu Zeiten großer Sterben begegnet man überall tut Gebirge. Der Felix erzählte eines Abends: Einstmals war ein großes Sterben im Tale. In Jaun lagen schon alle Einwohner auf dem Gottesäcker. Nur drei Fa- milien waren i»n_ber todbringenden Krankheit verschont geblieben!. Doch wollte die Seuche auch noch nach ihnen greifen. Da hörten ste eines Abends, wie ein Zwerglein mit heller, freundlicher Stimme vom Berge niederrief: „Esset Dickdamm und Bibernell, So sterbet ihr nicht so schnell!" . Die Leute folgten dem Rat des Zwergleins und die Medizin wirkte. Zwar brannte der Dickdamm sehr scharf ayf der Zunge und Bibernell schmeckt auch nicht gut, aber die Krankheit wich und das neue Geschlecht von Jaun entstammt diesen drei Familien. Ain meisten Spaß machte mir der Domenik, der Holzknecht. Der fiel bei jeder für ihn interessanten Stelle mit einem verwunderten „Gwöß" (gewiß) in den Gang der Erzählung. Da ging „feine Geschichte zu Ende, ohne daß er nicht sein redlich Teil „Gwöß" dazwischen geworfen. Beifall zollte er nach Geschichten ernsten ober doch wundersamen Inhaltes mit 'der aufrichtigen Versicherung: „Nei, das isch e schnderhaft schöne G'schicht" während er lustige Schwänke „schnderhaft löcherig" fand, was ich ihm gern glaubte, wenn er in Lachsalven beinahe erstickt war. Er fand alles schnderhaft, womit er den Superlativ feiner Befriedigung bezeichnen wollte. Als ich ihm eines Tages eine eben vollendete Aguarellskizze unter die Augen hielt, sand er sie „schnderhaft schön" und „schuderhaft farbig". In Bezug auf das letztere mag er nicht ganz unrecht gehabt Haben. Von unseren Erzählungen fanden Episoden aus den deutschen Heldensagen am meisten Beifall. Wenn wir erzählten von Siegfried und Hagen, von der starken Brünnhilde, von Kämpfen und Heldentod, dann starrte der Handbnb mit großen Augen ans uns, der Holzknecht warf mit „Gwöß" nur so um sich und schlug dabei mit einem Stecken ins Feuer, daß die Funken zum Rauchfang stoben, und zum Schluß fanden unsere Zuhörer die .Geschichte „schuderhaft schön". JFden katholischen Gebirgsgegenden findet man allgemein den Glauben verbreitet, daß arme Seelen in Menschen- und Tiergestalt umgehen und auf Erlösung warten. Ein Bauer aus! Jaun sagte mir im Brustton vollster Uebrrzeugung, daß es gar viel solcher armer Seelen gäbe, der frühere Herr Dechant habe gar manche erlöst. Stets fei er, wenn das Gerücht ging, es tut sich irgendwo was kund, ausgegangen und habe die arme Seele beschworen. So lange sie noch in Menschengestalt erscheine, fei immer noch Hoffnung auf Erlösung. Wenn die arme Seele aber in Tiergestalt umgehen müsse, dann sei nichts mehr zu machen. Im Pfarrhaus von Jaun ging eine arme Seele ünt, bis sie vom Herrn Dechant in den Keller zur Ruhe gebannt wurde. Ich habe den Keller gesehen. Au die Türe waren drei Kreuze mit Kreide gezogen und im Dunkeln lagen Kartoffeln. Die Pfarrersköchin hatte gar keine Angst, obwohl sie recht hoch in Jahren war, bestritt aber auch gar nicht die Möglichkeit eines solchen Vorkommnisses." Mer wenn der Herr Dechant die arme Seele da hinein gebannt hat, dann ist sie auch ruhig geworden, denn der Herr Dechant war ein frommer, mächtiger Hepr." 504 Der Aanksnsteln. Bon Hans Otto Becker. «Die Burgruine Frankenstein auf ihrem waldigen Berge gehört Wohl zu den beliebtesten Ausflugsorten. Und üt der Tat verdient mich der Frankenstein in vollstem Maße die Sympathie, deren er sich erfreut. Tie guten Beziehungen zwischen Darmstadt und dem Frankenstein sind schon recht alt, sie reichen bis ins Mittelalter zurück. In jenen alten Tagen, da der Humor noch in Bolksgebräuchest und Strafvollzug zu seinem Recht kam, bestand zwischen Darmstadt und den Herren von Frankenstein, entern heute noch blühenden, aber nicht mehr hier ansässigen Geschlechte, ein Bertragsverhältnis, das bekannte Eselslehen. Hatte eine Frau in Darmstadt ihren Mann geschlagen, so ward sie vorn Gericht der „Bösen Hundert" dazu verurteilt, aiif einem Esel durch die Straßen der Stadt zu reiten, den der Pantoffelheld führen mußte. Den Esel hatten die Frankensteiner zu stellen. Droben aus der Burg sehen wir ihn noch auf einem steinernen Wappenschild, und eine bildliche Darstellung des Eselsrittes findet sich aus einem hübschen Karton, der in der Restauration hängt. Unsere humane, moderne Zeit kennt ja so etwas nicht mehr, obwohl es vielleicht nicht ganz ausgeschlossen ist, daß ein geplagter Ehemann sich nach der alten, galten Zeit zurücksehnt. Die Burg Frankenstein stammt wohl aus dem 13. Jahrhundert Und ist Wohl von Reitz von Breuberg evbaut. Die Ritter von ^Frankenstein wurden von den benachbarten Grafen von Katzen- elnbogen und später von den Darmstädter Landgrafen offenbar als die schwächeren so lange bedrängt, bis sie ihre Bllrg verkauften. So kam sie 1662 an Hessen. Im 18. Jahrhundert blühte dort die Schatzgräberei mit allem dazu gehörigen Zauberspnk, bis die Behörde einschritt. In neuerer Zeit verfiel die Burg, wurde aber leider dann zum Teil sehr störend unecht und stillos wieder aufgebaut, was den Gesamteindruck immerhin beeinträchtigt. Um so schöner ist aber das Mte und Echte: der durch einen Gang im Burggraben zu erreichende, ain Südende der Ruine stehende alte Pulverturm ist ein trotziger Geselle, die Wappenschilder sind beachtenswert, und von hohem Interesse sind die in der Burgkapelle verwahrten Steinbilder rind Grabmäler der Frankensteiner. Schön ist die natürliche und landschaftliche Umgebung der Burg. Aus riesigen moosigen Steinen und grünen Büschen wächst sie hervor; eine uralte Linde beschattet den Eingang und nach allen Richtungen umschließt sie herrlicher Hochwald, den zu durchwandern ein hoher Genuß ist. Prächtig ist die Aussicht von der Burg: im Westen der Rhein und die weite Ebene, im Morden die riesigen Darmstädter Waldungen, die Stadt und Billenvororte, im Süden ein Teil der Bergstraße und im Osten das Schloß Lichtenberg, Nmnkircher Höhe und die Feste Otzberg. Auf dem Frankenstein fllhrt der dort stationierte Förster eine vielbesuchte, gemütliche Restauration. Um von Darmstadt zum Frankenstein zu gelangen, wird man entweder von Eberstadt aus oder vom Beerbachtal aus den Berg ersteigen. Bon Eberstadt, dessen hochgelegene Kirche gleich-- falls Frankensteiner Wappen und ein Grabmal aufweist, führt der am meisten begangene weiß markierte Pfad (Pallisander- Grabenweg) zum Ziel. Zuerst geht es durch eintönigen Kiefernwald, dann aber durch schönen Buchenwald zur Höhe empor. Lohnend ist der Umweg Wer das nahe Pfaffenbrünnchen, oder über die Kellersruhe, Hüttenhäuschen'buche. Andere von derselben Seite den Berg ersteigende Pfade sind der Schloßweg, Stirnweg, Strohweg, Pürschweg, die auf den Karten eingezeichnet und leicht KU gehen sind. Man kann auch erst Uach Molchen (gelb +) gehen und von hier aus den Frankenstein besuchen. Born Beer- bachlal Uhren gleichfalls mchrere Wege zur Höhe; von Darmstadt aus geht man zunächst die am Martinspfad beginnende blauweiße Nebenlinie, die das Mühltal an der Papiermühle kreuzt und über den Kohlberg das Beerbachtal bei der Frankenberger Mühle erreicht, um dann auf einem ziemlich steilen Aufstieg, -„Himmelsleiter" genannt, den Berg zu erklimmen. Es ist dies die sehr alte „Lange Schneise", die dem ganzen Rücken des Frankensteins von Norden nach Süden bis ins Oberbeerbacher Tal folgt. Wem dieser Weg zu steil ist, der wähle die bequeme, mit ihren Windungen den Pfad mehrmals schneidende Fahrstraße. Ein anderer Weg, der „Waldsaumpfad", Uhrt von der ehemaligen Restauration „Billa Burgwald", die jetzt — Ironie des Schicksals — in eine Trinkerheilstätte umgewandelt worden ist, zum Berg hinauf und gestattet schöne Ausblicke auf Nieder-Beerbach und Nieder-Ramstadt im Tal und die Neunkircher Höhe drüben rm Osten in weiterer Ferne. Auch vom „Kühlen Grund" aus, am Hahnweg, Uhrt ein Ausstieg zum Berg hinauf. , „ Hat man so den Frankenstein erstiegen, so wird die Wander- lust den Touristen auch zum weiteren Marsch locken. Und daran fehlt es nicht. Die weiße Linie, der „Odenwälder Pfad" führt uns nach Ober-Beerbach, mit prachtvollen Aussichten auf Felsberg und Melibökus; nahe bei Ober-Beerbach fesselt das „Schweizer Loch durch landschaftliche Schönheit. Nach Süden läuft die >,Lange Schneise" über die seltsame Baumbildung der „Galgen- buche, zwer durch einen Ast miteinander verbundene Stämme, Um Karlsplatz; die blau-werße Nebenlinie folgt zu einem kleine« Teil dieser Schnerse und berührt vorher den hölzernen Elisabethen- türm, von dem man eine herrliche Aussicht aus Gebirg und Ebene hat. Einige neue Wegmapfierungen haben die Seeheuner in dem ^^dehnten Bergwald angelegt und ihn damit richtig erschlossen- m'eLe Ä enden in dem lieblich gelegenen Kurort Seeheim' Nahe bei dem Frankenstein liegt der Magnetberg, ein stark eiseu- vaI;tlS.er, die Magnetnadel beeinflußender Stein, rind die Reste alten „Schlosses', die kaum über den Boden ragen. Nahebei beginnt ein 1905 angelegter Weg, von der blau-weißen Markierung abzwelgend und später wieder zu ihr zurückkehrend, der eine sehr fesselnde Partie des Berges zugänglich macht, der sog „Felsenpfad". Zur linken desselben hat man den steilen Bera- hang nach Osten, rechts aber liegen eine große Anzahl mächtiger Gabbro-Fessen, die es recht wohl mit den Kolossen des Felseu- meerS aufnehmen können, die zugleich aber durch ihren anmutigen Farnkraut, Eugüsüß und Moos das Ange erfreuen Nach Osten endlich fällt der gelb + markierte Weg steil bergab I -^Beerbach, einem ehemals Frankensteinschen Dorf. Der Ort hat eine große Sehenswürdigkeit, die steinernen Standbilder an der Kirche. Rechts vom Eingang steht das Bild eines Edel- frauleins rn der spanischen Tracht aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, rm Halb-Relief; links, fast ganz frei vom Hindergrund, die Statue eines Ritters in der Plattenrüstung von 1530. Die Austuilg ist m allen Einzelheiten vorzüglich nachgebildet; leider T. Bildhauer Nicht bekannt. Der Ritter trägt Schwert und Streithammer, zu feinen Füßen liegt ein Drache. Es ist der Ritter Georg von Frankenstein, der Dracheiitöter, der, wie die Sage kündet, einen das Nieder-Beerbacher Tal verheerenden Lindwurm tötete. Dem Untier mußten als Opfer junge Mädchen dargebracht werden, und als die eigene Braut des Ritters Georg, das Försters- kind Mariecheu, geopfert werden sollte, bekämpfte er das Tier, aber verendend stach ihm dieses unter die Kniescheibe, daß auch der Sieger den Too fand. MI Stelle, wo der Lindwurm gehaust haben soll, wird der sog. Katzenborn genannt, der auf dem zum Frankenstein lnnaufführenden Weg siegt; es ist ein noch aus dem Mittelalter stammendes Brunnenhäuschen, das bis vor etwa zehn Mbren noch den Frankenstein mit Wasser versorgte. In der Nieder-Beerbacher Kirche finden sich noch weitere Frankensteiner Grabrnaler. Jach dem Gesagten erwartet den Wanderer bei einem Besuch bes» Frankensteins eine Fülle von Naturschönheiten und historischen oder romantischen Erinnerungen, so daß er gewiß nicht unbe-, friedigt Heinikehren wird. Vermischtes» ,, !Ter 100. Geburtstag des modernen Bein- kleides.^ Unter den vielen Jubiläen dieses Jahres muß auch der 100. Geburtstag des modernen Beinkleides in England erwähnt werden. Es soll durch die französische Revolution aufgekommen sein.,Sicher aber war es bereits vor Jahrhunderten int Gebrauch gerne)en und nur durch die Mode des kurzen Beinkleides, der Kmehose, verdrängt worden. !Der Pionier des langen Beinkleides in England war B r it m m e l, der König der Dandys. Er hat das neue Kleidungsstück zuerst getragen, und zwar soll es eine schwarze Hose gewesen fein, die am Knöchel zugeknöpft wurde. Er hat damit ungeheures Aufsehen hervorgerusen. Doch vermochte er mit seiner Neuerung nicht durchzudringen. Nach dem Krieg in Spanien führte Wellington die moderne Form ein; die Hosen ivaren unten weiter, an den Seiten geöffnet und wurden mit Schleifen zusammengebunden. Später hat sich denn der Steg, der unter den Schuhen durchgezogen wurde, entwickelt. Wellington aber nmßte für seine Kühnheit eine empfindliche Geldstrafe bezahlen. Er tat dies, verzichtete aber nicht auf das Tragen des neuen Kleidungsstückes. Die Neuerung wurde von der Geistlichkeit und den Universitäten heftig bekämpft. Erst im Jahre 1829 kam sie allgemein in Gebrauch. Aber bis auf die heutige Zeit wird das lange Beinkleid in England nicht als hoffähiges Gesellsch.ifts- lleid angesehen. Bei allen Hoffestlichkeiten und anderen Anlässen der hohen englischen Aristo'krasie wird noch die alte Kniehose getragen. * Alte Bekannte. „Wie ging's denn zu, daß Sie Ihre gestohlene Uhr so schnell wiederbekvmmen haben?" — „Denken Sie sich, der ,Dummkopf von Dieb trug sie ins Leihhaus, rind da hat man sie sogleich als die meinige ernannt." Veränderungs-Mtsel. Raft — Gder — Rand — Sieb — Gillel - Laub — Hase. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind der Reihe nach durch andere zu ersehen, so das; ebenso viele neue Wörter entstehen, deren Ansangsbuchstaben eine Stabt am Niederrhein ergeben. Auflösung in nächster Nummer.. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Wohltun tragt reichliche Zinsen. Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sieindruckerei, R. Lange, Gießen.