8 SU au | oii.'Gi'is sä’ "H'wbcicH' u. Ci 8 M TI48 M ilsD W WÜM Zwei Welten. Rvman von Emma Merl. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 15. Marianne saß an dem Abend int Kreise ihrer Verwandten. Michaela feierte im Mai ihren Namenstag, und ihr Ehren gab es bei Emil Bernhoblers alljährlich die große Familieneinladung. Baron Nassau hatte sich entschuldigen lassen, er sei erkältet, habe Kopfschmerzen. Leine Frau wußte, daß er von seinem „Herrenfrühstück" mit einem Kater heimgekommen war, der ihm als willkommener Vorwand erschien, nm sich von der Gesellschaft zu drücken. Seit Hildegard ihre Adoptiveltern verlassen hatte, war die Familie zum ersten Male wieder beisammen. Man fühlte sich so recht unter sich. „Ich weiß riet warum, aber ich find's heut so gemütlich löte schon lang tret mehr! Mir hat'» so gut g'schmeckt," sagte Frau Walburga, die mit erhitzten, kleineu roten Bäckchen sehr vergnügt am Ehrenplatz saß itnb mit ihren pfiffigen, scharfen Awgen über den silbernen Tafelaufsatz hinweg von einem zum anderen guckte. Lauter brave, fügsame Gesichter, auf denen keine schneidige Rebellion rind keine mobenten Gedanken zu lesen waren. „Das ist recht, das ist g'fcheit!" nickte Emil höchlichst geschmeichelt, und auch über das zerwühlte Gesicht Michaelas, die heute wieder manchen grimmigen Merger mit ihren Dienstmädchen zu überstehen gehabt hatte, zög's wie ein Schimmer von Freude über dieses Lob, das sie für all die Aufregungen, die das Verwandtenesseu ihr jedesmal verursachte, belohnte. „Ja, urgemütlich ist's," wiederholte auch Gustav und stemmte seine beiden Ellenbogen auf den Tisch und nickte seiner dicken Fanny zu, die, glühend rot, nach all den genossenen guten Dingen den Kragen aufgeknöpft hatte, und ihrem fetten, weißen Hals ein wenig Freiheit gewährte, um besser atmen zu können. Adolf Bernhobler, der noch immer etwas bedrückt war, sich aber um keinen Preis etwas merken lassen wollte, denn nichts wäre ihm verhaßter gewesen, als ein Wort des Bedauerns, hatte mit kräftigem Appetit gegessen und viel getrunken, um fidel zu werden. Nun saß' er schwer und müde in seinem Stuhl und gähnte so recht nach Herzenslust. Sein Schwager Flassau mit seinen gespreizten Mattieren, vor dein man sich immer ein bißchen zusanunen- nehmen mußte, war jck zum Glück nicht da. „Prosit!" rief Anton, der Sohu des Hauses, mit seiner rauhen Stimme über den Tisch. Auch er, der sonst Gesellschaften nicht leiden konnte^ war heute in guter Stimmung und erzählte den Herren ungezogene Anekdoten, die ein prustendes Gelächter her- vorriefen. „Geht's, spielt'» ein bißt Klavier!" befahl Fanny ihren Töchtern, da sie fürchtete, die Mädchen könnten die saftigen Geschichten, hören. „Ich bin so froh, daß diese eingebildete Hildegard nicht mehr da ist," tuschelten die jungen Mädchen daun im Nebenzimmer, während sie nach den Noten suchten. '„Ja, sie hat immer so ein fades Gesicht g'schnitteu, als wenn ihr alles zu du,mm war', was man Mit ihr red't." „Ich grüß' sie net mehr, wenn sie mir begegnet." „Die wird jetzt bald in einem schönen Verzug daher- konnnen. Vielleicht wird sie jetzt Malerin." - „Das sieht ihr gleich. Sie hat ja immer einen Beruf haben wollen. So was Tumm's!" „Ich weiß schon, warum's heut so gemütlich ist, weil diese überspanitte Hildegard nicht mehr dasitzt und einen so spöttisch anschaut, als wenn ihr nix gut g'nug wär'.", „Jetzt kamt sie sich die Finger äblecken nach so -einer G'sellschaft wie bei uns!" bemerkte atlch Anton Beruhobler int Kreise der Herren, der sich jetzt immer enger zusammen- zog, in dem allmählich bei der sich steigernden Hitze auch der Vorschlag, die Röcke auszuziehen und in Hemdsärmeln weiter zu kneipen, Anklang fand. Tie Frauen saßen beisantmeit und ergingen sich in Klagen über ihre Köchinnen und Stubenmädchen. Nur zwei der Geladenen vermochten sich nicht zu der zufriedenen, vergnügten Laune der übrigen auszuschwingen. Mali störte indes niemand mit ihrer stillen Betrübnis. Sie war nur schweigsam und in sich versunken, als könnte sie sich jetzt, da die Jugend aus ihrer Nähe geschwunden wär, nicht mehr aus einer chronischen Schläfrigkeit aufraffen. Blasser und stiller noch als sonst hatte Marianne zwischen ihren beiden Brüdern gesesfen. Mit ihren feinen, vornehmen Zügen, mit ihrer schlaukeii Gestalt in denk weichen, blaßgelben Crepe de Chine-Gewand ivirkte sie wieder so recht wie ein verirrter Fremdling zwischen bett Bernhobler schen Fleischmassen. Während sie geduldig ihrem Bruder zuhörte, der ihr in seiner mühseligen, trockenen Redeweise von seiner Jagd erzählte, dachte sie, wie einsatn sie doch immer im Kreise der Ihren gewesen, wie wenig Fühlung sie von je mU ihren nächsten Angehörigen gehabt, wenn sie auch niemals den Mut besessen, sich äußerlich loszusagen. Sie war eine zu friedliebende, zahnte Natur, um gegen das Hergebrachte zu kämpfen. Aber weil zu vieles itt ihrer Umgebung ihren angeborenen Geschmack, ihren feineren Sinn verletzt hatte, darnnt war sie in ihrer Unerfahrenheit so blindlings durch glatt« 290 Manieren getäuscht worden, darum hatte sie der: Mann, der ihr aus einer vorrrehinen Weit Air kommen schien, Wie ihren Erretter begrüßt. Nie hatte es ihr so klar und deutlich vor Augen gestanden, wie sie in ihr Schicksal hineingetriebien worden war, als im diesem Abend, an dem es' alle so „ur gen tüt- lich" fanden. Nie hatte sie den großen Irrtum ihres Lebens bitterer bereut als mit der nacMtteruden Erinnerung an die Liebes- Worte, die an diesem Tage an ihr Ohr geklurmen wären, die sie so grausam aus ihrer entsagungsvollen Stimmung aus- geschreckt hatten. Rings um sie her dieses satte Wohlbehagen, diese träge Eedankensvsigkeit. Ein solches Bol'lgeuügeu, weil sie nUr alle gut gegessen und getrunken hatten! Und nirgends, nirgends ein Blick über dieses Zimmer, über diesen engen Kreis hinaus', feine Ahnung von all Heu wilden Differenzen des Lebens, nicht einmal von den Qualen des zerrissenen Herzens, das mitten unter ihnen weilte. Unwillkürlich suchte sie Malis Nähe. Die gute Frau, die manchmal mit einem schläfrigen Blick vor sich hin seufzte, durfte ja auch nicht zeigen, wieviel ihr genommen worden, wie arm ie tvar in all dem Wohlstand und in all dein Behagen, durfte tticht zeigen, daß in ihrem Herzen eine schmerzliche Sehnsucht nach dem verlorenen Kinde blieb, wenn sie sich auch schweigend unter den Willen ihres Gatten in den Bernhvblerschcn Familien- zwang 'fügte. > 16. Indessen folgte in dem Dors am Chiemseeuser ein blauer Tag dem andern. Holst hatte sich in einer schlaflosen Nacht auf das ernsthafteste vorgenommen, daß, er die Augen offen halten, seine Vaterpflicht erfüllen und seine Tochter vor einer unvernünftigen Liebesheirat behüten wollte. All den Jammer einer unsicheren Existenz, all die lähmenden Sorgetr seiner eigenen Ehe, das namenlose Wnstserelend, das ihn zur Verzweiflung getrieben, hatte er sich zurückgerufen, um sich zu festigen und zu wappnen AN einem Kampfe gegen die Hoffnungen ititb Wünsche, die vielleicht in zwei jun gen Kerzen in seiner Nähe empor- blühten. Aber am hellen Morgen hatte er wieder viel rosiger gesehen und gefunden, bnfi er noch gar keinen Grund habe, äls grimmiger Mahner und Zerstörer dazwischen zu fahren, wenn seine Tochter sich lachend mit Reichmann unter- hielt, der schon mit Malkasten und Schirm bepackt, gerüstet zum Studienweg, am Gartenzaun stand und „Guten Morgen" wünschte. Hildegard saß ja daitn auch so vergnügt bei ihrem! alten Vater und strich ihm Butterbrote und plauderte lustig, mit ebenso rosigen Wangen und' lachenden Augen wie zuvor. Ach Gott, weil ihm einmal der Argwohn erweckt worden, Weil er er nun zu beobachten aufing, konnte er sich ja auf die Mauer nicht verhehlen, daß van der Tecken wohl nicht so unrecht haben Mochte, daß die beiden jungen ßeute wirklich einander sehr Att gefielen. Aber es wollte ihm! kein strenges Wort.gegen Reichmann über seine Lippen. >Naber der Firma und den beiden sehr klein gedruckten Worten „Zürich" und „Schweiz" kein deutsches Wort zu finden ist, di« aber in auffälliger Schrift dje Bezeichnung Milk Chocolate tragen und im übrigen nur französischen Aufdruck. Vielleicht ist diese in der Hauptsache französische Aufmachung von der Firma Rod. Lindt Als der Als wegen gewählt worden, und der englische Ausdruck Milk Chocglate,, tueil er doch gar anders klingt als das armselige deutsche „Milchschokolade", das sich neben deut Choeolat au leit ausnehmen würde ivie der Bauer auf deut Hösbach Aber das ist noch gar nichts gegen das Verhalten der Firma F. L. Cailler in iöroc. Diese Firma bringt eS wahrhaftig fertig, uns zuztmmlen, ihre Schokolade in Deutschland in rein englischer (!) Aufmachung zu kaufen: Cailler’s Genniue Swiss Milk Chocolate is warranted to consist solely ok the best unskimmed an sterilized Swiss Milk, Coco and Sugar usw. Tie Firma ist natürlich „established 1819" und natürlich in „Switzerland“. Auf einer anderen Packung derselben Firma findet sich neben der englischen und französischen Lebens- beschreibung der Genuine Swiss Milk Chocolate allerdings auch eine deutsche, und die Bezeichnung Milchfchokolade ist wenigstens auf der Kaule der Umhüllung angebracht, aber der Hauptaufdruck ist Englisch. Eine andere Packung dieser Firma zeigt in der Hauptsache französischen Aufdruck, auf der Kante und der Rückseite allerdings auch deutsche Bemerkungen. Nur eine Sorte dieser Firma ist mir in deutscher Aufmachung begegnet, die „Bittere Qualität". Was macht mau nun dagegen'? Es gibt ein sehr einfaches Mittel, und das heißt: „Deutsche, kaust in Deutschland keine Schweizer Schokolade in französischer oder gar englischer Aufmachung". Und wenn ihr dann noch euren Kindern sagt, es sei beschämend, solche Schokolade zu essen, dann wird der ärgerniserregende Unfug bald aufhören. Am besten aber ist es, man versucht einmal, ob den Kindern gute deutsche Schokolade nicht genau io gut schmeckt, wie die Genuine Swiss Milk Chocolate, oder Choeolat Suiste Extrafin. Meinen Kindern schmeckt die deutsche Schokolade besser, nachdem ich ihnen dies alles erzählt habe, und die Erzeugnisse unserer deutschen Schokadefabriken sind wirklich nicht zu verachten. Ich kaufe von jetzt ab nur noch deutsche Schokolade. Zum Schluß noch eine bescheidene Anfrage an die Firma Cailjer: Haben Sie schon einmal versucht, Ihre Schokolade in deutscher Aufmachung in Frankreich ober in England zu verkaufen? kf. W i e Sarah Bernhardt den Zollbeamten ein Schnippchen schlug. Von einem drolligen Reiseabenteuer Sarah Bernhardts weiß die Pariser Theater-Zeitschrist „Comödia" zu erzählen: Vor einiger Zeit fuhr Sarah Bernhardt gerade um Mitternacht über die belgische Grenze. Die Zollbeamten machten pflichtgemäß die Runde durch alle Wagen des Eisenbahnzuges; natürlich wurde die Künstlerin aufgeweckt, und als die Zollbeamten sie baten, auszusteigen, erteilte sie ihnen eine ziemlich ungnädige Antwort, weit sie aus dem besten Schlafe gerissen worden war. Die Zollbeamten,. die an dergleichen gewöhnt waren und Sarah Bernhardt nicht kannten, verloren keine weiteren Worte, sondern kuppelten den Sonderwagen der Schauspielerin einfach ab, warfen die Koffer auf die Plattform und begannen mit der Durchsuchung des Gepäckes. Ihre Tätigkeit dauerte sehr, sehr lange, denn Sarah Bernhardt führte eine ganz erkleckliche Anzahl von Koffern mit sich aus Reisen. Sie waren noch lange nicht fertig, als ein Pfiff der Lokomotive ertönte. „Ter Zug fährt doch nicht ohne mich ab?• fragte Sarah Bernhardt, „bitte, kuppeln Sie meinen Wagen sogleich wieder an!" — „Sobald wir fertig sind," ermiberten die Zollbeamten, worauf sie weiter die Koffer durchsuchten. Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Sarah Bernhardt ergriff eine Decke, legte sie unmittelbar vor der Lokomotive auf die Schienen, setzte sich dort nieder und sagte: ,So! Jetzt fahren Sie ab, wenn's gefällig ist!" D e r H a r t s ch ä d e l. „Erschrecken Sie nicht, Frau Krause! Ihrem Manne ist die Tampfrainme auf'n Kopf gefallen." — „Ach, du lieber Gott — jetzt, wo wir das Geld so nötig brauchen! Was kostet denn so'ü Ding?" ___Magisches öahknquadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats ;— sollen die Ziffern 3 11 15 22 r— viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeder der senkrechten, wagerechten und Diagonalreihen stets 51 \____ beträgt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Krenzrätsels in voriger Nummer: ■ A A 8 n n c d t h Andromeda Antoni n u s Schmirgel „ eng d u e a s 1 Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.- Lange, Gieß«»