Montag, den H- April Ulf & gSaa£a./tflfc££iftag&a i 31 AWW ^MWWWWW Zwei Welten. Roman von Emma Merl. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nun erschrack sie, als sie ihren Namen rufen hörte und blickte sich, tvie erwachend, um. Es rührte sie, tote die Mutter so besorgt auf sie Nitrat: „Schau, Kind, da hab' ich dir noch was Gut's 'bracht, fönt hast ja heut so wenig essen mögen," sagte sie, ein Schüsselchen mit Eingesottenem auf den Tisch stellend. Ach, Hildegard hatte so oft erfahren, daß die gute Mama alle Schmerzen ihrer jungen Seele mit Süßigkeiten heilen wollte. Aber ihrem herzensguten Don konnte sie nicht widerstehe!!. t,Was hast denn heut auf einmal? Sonst bist doch immer so gut aufg'leat, lieb's Kind." „Es ist schon toteoer vorbei, Mama. Es macht mich nur manchmal traurig, daß ich keine Geschwister habe, sv gar niemand jungen, mit dem man einmal auch ausgelassen sein könnte oder nach dem Theater zuweilen ein bißchen schwärmen dürfte." „Ja, ja, freilich, du bist auch so allein bei uns alte Leut'," gab Mali zu und schaute wie schuldbewußt auf das junge Mädchen. „Mußt dir halt wieder ein paar Freundinnen einladen." Da Hildegard schwieg, fuhr sie mit einem Schmunzeln fort: „Du, ich muß dir noch etwas fA^n. Ich mocht' nämlich meinem Mann an unserem dreißigsten Hochzeitstag eine rechte Freud' machen, und da t,«. mir eing'fatlen, daß ich dich malen laß'. Ja, ein schönes, lebensgroßes Worträt in eitlem noblen Goldirahmen. Der Herr Grönberg soll jetzt der beste Kunstmaler sein für so was. Er ist zwar ein bißl teuer. Aber das tut nichts. Man möcht' doch gleich was Ordentliches haben. Morgen sollen wir hinkommen miteinander. Es trifft sich grad' gut, daß der Papa in der Früh zu seiner Mutter hingehen wird zum Gratulieren, denn er darf natürlich nichts merken." „Nein, das muß eine großartige Ueberraschung werden," stimmte Hildegard lebhaft zu, vergnügt über die Abwechselung, die ihr bevorstand. Sie fing an, von dem Eingesottenen zu naschen. „O, diese Aprikosen sind aber gut, danke schön, Mama." „Wicht mehr weinen, gelt, lieb's Kind?" sagte Mali ihr Wnickend und begab sich dann friedlich und seelenruhig in ihr eheliches Schlafgemach, wo Adolf schon gleichmäßig schnarchte. Hildegard wachte noch lange. Der Zwiespalt, unter dem sie seit Kindertagen litt, quälte sie in ihrer erregten Stimmung stärker, beklemmen- der denn je. Die Eltern waren ja so aut, sie hatte sie so lieb, und doch war's wie eine große Oede in ihrem Herzen, doch kam sie sich oft so fremd und verirrt vor in diesem friedlichen Heim, doch hätte sie mit Faustscher Verzweiflung, mit einem verständnislosen Kvpsschütteln aufschreien mögen: Das ist deine Welt! 3. Es ward Hildegard.ganz seltsam zumute, als sie in Begleitung Malis das Atelier Grönbergs betrat." Wie eilte dunkle Traumerinnerung überkam es sie bei diesem Farben- und Terpentingeruch, der den Raum durchzog, bei dem Anblick der Studien an den Wänden, tot dem scharfen Nordlicht, das zu dem breiten Fenster hereinströmte. Als dämmerte ihr längst Vergessenes, als tauchten schattenhafte, verworrene Bilder vor thr auf, die sie nicht zu halten, zu fassen vermochte, und die doch unabweisbar aus der Tiefe ihres Gedächtnisses emporsttegen, süß und schmerzlich zugleich, als sollte sich ihr das Rätsel ihre- Wesens lösen, wenn sie nur die Schleier zu durchdringen vermöchte, die ihr diesen mächtigen Eindruck noch umhüllten. Der Müler Grönberg, ein hochgewachsener Mann von imponierender Erscheinung, mit rotem Vollbart und heiterem Gesichtsausdruck war ihr völlig fremd. Er begrüßte die Damen mit liebenswürdiger Höflichkeit und brachte es mit seiner Weltgewandtheit und feines lustigen Natürlichkeit fertig, daß sie sich sofort in dem Atelier behaglich fühlten . Eugen Grönberg hatte sich schon einen Namen gemacht als Porträtist. Aber die Aufgabe, das hübsche junge Gesicht zu malen, war ja an sich recht angettehm und verlockend. Und obendrein -eine Bernhobler! Der Umstand fiel auch ins Gewicht! Wenn diese reichen Spießbürger, die sich im allgemeinen ja recht gleichmäßig gegen die Kunst verhielten, einmal für ein Bild was verausgaben wollten, mußte man sie in diesem löblichen Bestreben durch ein besonders freundliches und aufmunterndes Entgegenkommen unterstützen. Er hatte schon vorher in seinem Atelier eine großs Säuberitng vornehme" w'fen, auch alle Aktstudien entfernt, so daß er nun der Newgierde der jungen Dame, die mit so lebhaften Augen her-^avlickte, mtt größter Bereitwilligkeit Rechnung tragen und ihr alle umherhängenden Arbeiten zeigen konnte. Eigentlich sollte bei diesem ersten Besuch das nähere! vereiichart, das Kostüm, die Stellung besprochen werden. Aber Grönberg hatte ja das junge Mädchen gebeten, den Hui abzunehmen und den Mantel wegzulegen, und al« sie nun in dem Hellen Licht vor ihm stand, war er so entzückt von dein rötlichen Schimmer ihres kastanienbraunen Haares, von dem Farbenreiz des feinen Kopses, von dem merkwürdig nachdenklichen, tote suchenden Ausdruck ihres Gesichtes, daß er mit ungeduldiger Schaffenslust rief: „O, bitte, bitte, gnädiges Fräulein, behalten Sie diese Stellung! Ich muß sofort eine Studie anfangen. Die w» leuchtung ist zu reizvoll." 230 Mali hatte sich in einem Renaissancesessel medergs- lassen, froh, daß sie ,nieder sitzen durfte und .ihre Hut- bänder gelockert. Sie fand eK recht angenehme berm Malen zuzusch e ^Qin.en ^ürfe-n sich natürlich miteinander unterhalten," bemerkte GrönberL, der bald eifrig bei der Arbeit mar. „Ich möchte nicht, daß Sie sich langweilen, gnädiges ^Tniifciu." , Aber Frau Bernhobler wußte überhaupt nicht viel zu reden, und Hildegard, die sich bei den schweigsamen Eltern angewöhnt hatte, in sich hineinzudenken, war heute besonders zerstreut und versunken, weil sie die sonderbare Empfindung, als habe sie diese Umgebung schon ost im Traum gesehen, nicht los werden konnte. So blieb es ziemlich still in dem Atelier, nur der Maler warf zuweilen ein heiteres Wort hin. ,,Jch meine, ein weißes Gewand,. nicht modern, nur eine'leichte griechische Draperie, und ein grüner Kranz im Haar, bas müßte sich famos machen. Das Bild wird gut werden, das stehle ich!" Er war so voll Begeisterung her der Arbeit, daß er ein leises Klopfen überhört hatte. Die Tür wurde geöffnet, ein Kopf erschten vor der Portiere. ,,O, verzeihen Sie Grönberg," bat eine leise, tiefe Stimme. „Ich wußte nicht — ich wollte Sie nur bitten um eine Tube Kremser-Weiß. Ich verliere so viel Zeit, wenn ich weglaufen muß." Der Maler hatte eine ungeduldige Bewegung gemacht, die Störung war ihm ärgerlich. Aber er sagte dann freundlich: „Gern, sofort, lieber Holst." Frau Bernhobler, die so bequem in ihrem Fauteuil gesessen hatte, daß sie fast eingenickt wäre, ritz plötzlich groß und weit die Augen auf und schaute in jähem Eiit- setzen, blaß und verstört auf das ernste, stark durchfurchte Männergesicht mit dem grauen Bollbart, oas sich in scharfen Umrissen von dem roten Vorhang abhob. Grönberg, der unter seinen Tuben kramte, war ihr besorgter Blick entgangen. Aber der Fremde hatte ihr Erschrecken bemerkt und richtete auch seine Augen auf die rundliche Erscheinung. Er griff sich an die Stirn, wie von einer Erinnerung durchblitzt. Unwillkürlich trat er ein paar Schritte in das Atelier vor und sah nun die junge Gestalt, die von ihm abgewendet, im Luftraum des Fensters stand. Er fing zu zittern an. Sein Mund öffnete sich, wie zu einem Schrei. Atemlos, mit ausgestreckten Armen, mit einem Ausdruck wirren Staunens, in bebender Erschütterung starrte er auf die feine Prvfillinie, auf das rötlich-braune Haar, so (leistesabwesend, so fassungslos, so ganz in Schauen Der» unken, daß Grönberg, der sich nun zu ihm wendete, ihn verwundert beim Arm packte und ihm zuflüsterte: „Wer Holst! Ich bitte Sie! Was fällt Ihnen denn ein? Hier ist die Tube. Die Damen werden die Störung übelneh- tnen. Ich darf auch keine Zeit verlieren, war gerade so gut im Zug. Komnren Sie." Hildegard hatte nun auch den Kopf zurückgebogen, und sie begegnete einem heißen, sehnsuchtsvollen, todtraurigen Blick, der ihr bis in die Seele drang. „Entschuldigen Sie vielmals," bat Grönberg, der den Besucher förmlich zur Tür hinausgeschoben hatte. „Es ist mein Ateliernachbar, ein stiller, verschlossener Mann. Er soll viel Trauriges erlebt haben. Heute ist er mir wirklich unheimlich vorgekommen, wie er da stand und Sie anschante, als wäre er nicht ganz bei Sinnen." Frau Mali hatte sich mit schwerem Seufzer in ihren Stuhl zurücksinken lassen. Sie überlebte nun 'in völlig verstörter Gemütsverfassung, daß Hildegard dieses Atelier nie wieder betreten dürfte, daß sie auf das! Bild und ihre Ueberraschimg verzichten wolle. Mit schmerzendem Kopf suchte und suchte sie nach einer Ausrede, die Porträtbestellung rückgängig zu machen, um nur so rasch als möglich aus diesem Haus fliehen zu können, auf Mmmerwiederkehr. Wer es fehlte ihr an Kraft und Schlagfertigkeit, nm diesen Entschluß durchzuführen. Der Maler fand es selbstverständlich, daß die Damen nächstens wieder zu. einer Sitzung kommen würden. Hildegard hatte ihr jede Ausflucht abgeschnitten, indem sie angegeben: ^,O, wir haben immer Zeit." „Also übermorgen, nicht wahr?" wendete sich Grönberg an das junge Mädchen, das sofort zustimmte. Was {-vxte sie denn nur sagen? Tie arme Fran wußte sich keinen Rat. Sie wollte doch auch Hildegard nicht g!U! verwunderten Fragen, zu einem Nachgrübeln über ihre plötzliche Sinnesveränderung veranlassen. Nur das nicht! Ihre verlegene Miene, ihre Niedergeschlagenheit wurden nicht beachtet. So verließ sie das Haus, mit einem Kummer belad en,- mit einer Angst bedrückt, die ihr um so schwerer zu tragen waren, als sie ihrem Adolf ja doch verschweigen mußte-/ welche Begegnung sie gemacht hatte. „Was hast denn, Masi?" fragte er bei T.isch, „bin schmecken heute die Dampfnudeln nicht und sind doch so- gut. Ja, was wär denn des?" 3. Es waren fast lauter Verwandte, die sich in dem großen/ altmodischen Salon bei Frau Walburga Bernhobler zusam- menfauben, aber trotzdem begrüßte man sich steif und förmlich und stand einsilbig, verlegen umher, nachdem den Blumenstrauß, den jedes der Gefeierten „um Namenstag mitbrachte, überreicht und der Glückwunsch gesagt war. Die Siebenundachtzigjährige saß auf ihrem Lehnstuhl wie vor einem fl einen geschmückten Altar und schaute nut ihren scharf, noch immer lebhaft glänzenden Angen neugierig von einem- zum andern und warf ab und zu eine chrer scharfen, nicht gerade höflichen Bemerkungen hin. Wenn sie lachte, dann schienen alle die vielen feinen Falten in ihrem ein gerunzelten kleinen Gesicht mitzulacheu/ und ihre ziegelroten Bäckchen färbten sich noch röter. Sie war mit den Jahren immer kleiner geworden — eine winzige dürre Gestalt, aber mit dem schneeweißen Scheitel unter dem Matronenhäubchen, mit der frischen Farbe und den guten eigenen Zähnen, auf die sie ungemein stolz war, machte sie immer noch einen ganz angenehmen Eindruck. In dem behaglichen Bewußtsein ihres Reichtums, in ihrer Stellung als umschmeichelte Familienmutter, hatte sie sich angewöhnt, ihrer Aufrichtigkeit die Zügel schießen zu lassen und ihre Meinung stets mit derber Offenheit auszusprechen. „Ich bin froh, daß ich noch ein paar fremde Lent' ein- g'laden hab. Ihr seid's immer so langweilig, wenn wir bloß unter uns sind," sagte sie, die flaue Stimmung bemerkend. „Schau, da kommt grad' der Leutnant Schmidt. Tas ist schön. Gelt, Sie freu’it sich auch, wenn Sie was Gutes zu essen kriegen? Lassen Sie sich's nur recht gut schmecken. Es ist genug da. Und so ein junger Herr, der macht doch eilt bißl den Mund auf und iv-eiß eine Unterhaltung. Die Mali schaut heut' so aus, als Wenn ihr der Hund das Brot genommen hält', und die Michaela geht ja immer umher wie ein g'schundener Märtyrer." Michaela, eine ihrer Schwiegertöchter, ward noch einett Schatten bleicher, aber sie zwang sich zu einem ergebenen Lächeln. Die -Späße der Großmutter mußten liebenswürdig aufgenommen toerbetj, das war Stil in der Familie. (Fortsetzung folgt.) Die RMehr zur Natur in der Kinderstube. Eine Plauderei aus dem pädagogischen Jahrhundert. Bon Tr. Paul Lauda u.' „Seine Majestät das Kind" — so lautet der Titel einer Geschichte von Rudyard Kipling, die wie ein Huldig ungshymuus' klingt zum Anbruch unseres „Jahrhunderts des Kindes". „Wie elend, jammervoll und grausam ist doch das Schicksal der Kleinen; wie Knechte und Gefangene werden die gehalten, ans denen die Zukunft unseres Geschlechtes ruht!" tlagt mehr als 100 Jahre früher einmal Campe, der so warm und -eifrig für das Glück der Jugend gewirkt hat. Der große Umschwung war damals, schon erfolgt; die Natur war in den.großen Erziehungskämpfen des 18. Jahrhunderts, das- man mit Recht das „pädagogische" genannt hat, auch in die Kinderstube eingezogen, und wenn noch nicht alle die geistigen Schranken und moralischen Fesseln gefallen waren, so hatte der linde Frühling des Rousseanschen Evangeliums doch das Eis gebrochen, das lange Zeit die zarten „Gottes- pflänz-chen" in der rauhen Kälte grausamer Zucht und starre« Unwmtr hatte verkümmern und vertrocknen lassen. Noch heute wirkt jene gewaltigste Revolution in der Kinderstube nach; erst heme retreii ane «mtentraume, die damals fern erschaut, erfüllen sich alle die Forderungen, die damals aufgestellt wurden. 281 imb so ist es MM Verständnis der modernen „Kinderftage", die ja löte stets eine Lebensfrage der Kultur ist, von hoher Wichtigkeit, Ursprung und Beginn dieser auch jetzt noch nicht völlig abgeschlossenen Entwicklung zu verfolgen. Wie seine Jugend ist der Mensch. Ten ersten, ihrer Verantwortlichkeit sich voll bewußten Mannern jener Epoche, deren höchster Ausdruck Kants kategorischer Imperativ wurde, merkt Man es an, daß Sonnenschein ihre ersten Jahre nur spärlich erhellte, und wo diesem gefestigten Bürgertum gieriger Lebensgenuß rind zügellose Unbeherrschtheit gegenüber stehen, da äußern sie sich nicht selten als leidenschaftlicher Gegensatz gegen die „Sklaverei" der Jugend, zeigen seine krampfhafte und krankhafte Hast, die nach langer Hemmung in maßloser Steigerung losbricht. Der Naturvergewaltigung des großen Gartenkünstlers Lenötre gleich, suchten auch Kinderpflege und Kindererziehung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Geist und Körper der jungen Menschensprossen nach Richtschnur und Lineal zu strecken, alle üppigeren Triebe und jede überschüssige Kraft zu beschneiden und einzudämmen. Symbolisch für diese herrschsüchtige, despotisch willkürliche Art, wie die mit einer großen Schere durch die Gärten des Lebens ging, war gleich das „Wickeln" des Säuglings. „Man legt den Kopf fest," so wird in einem „Handbuch für Mütter" angegeben, „die Beine lang ausgestreckt und die Arme an den Seiten des Körpers liegend. Dann wird das Kind in Leinen und Windeln von aller Art eingehüllt, die es hindern, seine Lage zu ändern — manche Hebammen finden ein großes Verdienst darin, drei oder vier Schiruren und Windeln um das Kind zu wickeln —; daraus bindet man noch den Kopf mit einem Häubchen fest." Nach dieser qualvollen Prozedur tritt sogleich der unheilvolle Brauch des möglichsten Warm haltens in Kraft. Tas kleine Paket, „zugeschnürt, als ob man es auf 100 Meilen verschicken wollte," wird in her Wiege an den heißen Ofen geschoben und alle frische Luft sorglich von ihm ferngeh rlten. • m * G'ößeren Kinder werden nou) in dicken Schafkleidern, Mrt Pelzmützen auf dem Kopf, unter schwere Federbetten gelegt. Stets tragen sie „Brustbettchen" und „Brustfleckchen", doppelte Leiochen, Fuchsschwänze um den Hals, Pulswärmer usw. Schwitzen ist das Beste, denn „gut ausdünsten erhält gesund", heißt es. Gs gab Kinder, besonders aus vornehmen Häusern, die deswegen und zur Erlangung eines schönen weißen Teints überhaupt nicht m die freie Luft, ja nicht einmal an ein offenes Fenster gelassen wurden. Elisa von der Recke erzählt, wie ihr Kopf bei jedem Ausgang in vielfache Hauben und Florkappen gehüllt wurde, so daß sie kaum etwas sehen konnte. Nie durste sie spazierengehen, und als sie mit 11 Jahren zunr erstenmal auf einer Fahrt die undurchdringlichen Schleier lüftet, Sonnenlicht und würzigen Luft- hanch spürt, ruft sie unter FreudentrLnen aus: „O Gott! Wie schön ist das! Ich bin wie im Himmel!" Nächst der weißen Haut war der schöne Wuchs beim Mädchen das Wichtigste. Die Mrchlbare Folter der Schnürbrust drohte schon den ganz kleinen Dingern, die in dem langen Fischbeinpanzer sogar nachts liegen mußten und darin kaum atmen noch essen konnten. Den Erfolg solcher Marter berichtet uns Salzmann in seinem „Krebsbüchlein": „Die frische Farbe von Fräulein Luischeu verlor sich und verwandelte sich in Blässe, die eine Schulter und Hüfte wurde hoher als die andere und auf dem sonst kerzengraden Rücken erzeugte sich eine Erhöhung." , Nicht Kinder, sondern kleine Erwachsene sollten die Knaben Und Mädchen sein. Deshalb erscheinen sie schon in der Kleidung als Herrchen und Dämchen., Im Schößesrack, der.Staatsweste, den Kniehosen und Schnallenschuhen paradierten die Knaben, den Dreispitz unterm Arm, den Galanteriedegen mit langer seidener Bandschleife an der Seite. Schreckliche Stunden verbrachten die Ungeduldigen Jungen beim Frisieren, wo ihnen der Zopf mit Pomade und Puder gesteift, das Toupet mit Wachs und Nadeln geglättet und zu Rollen getürmt wurde. Der riesige Reifrock erlaubte den Mädchen nur geringe Bewegung, auch wenn ihnen das M.e d?, ende Leibchen noch Lust dazu übrig gelassen hätte. Tie Stöckelschuhe machten die Füßchen unsicher, die langen Handschuhe preßten die Hande zusammen. Tie Riesenfrisur mit hohen Federn wurde durch, eine „Flor-Dormeuse", ein enges Häubchen, fest- gehalten. So angetan, konnten die Kinder nicht unbefangen herumtollen: Wehe ihnen, wenn sie nicht ihren zierlichen Putz tn aller Ordnung und Schöne erhalten hätten! Das Spiel, heute als, das beste und wohltätigste Tun des Kindes erkannt, war verpönt. Goethe und Jean Paul haben ihre kindliche „Gefangenschaft" geschildert, aus der sie sehnsüchtig in die verbotene Dreiheit der großen Plätze und Gärten blickten. Ter Philologe. Fr. 'Mug. Wolf hat in seiner Jugend nie. gespielt, Charlotte von Stein me eine Puppe gehabt. Spiel galt als „Müßiggang", und davor bewahrte man sein Kiiid als vor dem Anfang aller Laster. Früh lernen mußten die Knaben. Diese Zeit, der Wissen das Höchste war, konnte nicht früh genug mit dem „Eintrichtern" beginnen. Mit Wolf wurden die ersten Lehrversuche „gleich am Ende des 2. Jahres" gemacht. „Ich tvar immer eine forciert« Treibhauspflanze, urteilte der alte Wieland. „Von meinem vierten Jahre saß ich, die Brust an die Schärfe des Tischraiides geklemmt. Ein typisches Bild dieser Frühreife, die auch bei Goethe hervortritt, ist das Kuabeiipotträt des kleinen Gotthold Lessing lm.it den vielen dicken Büchern. Auch di« Mädchen mußten bald in die Schule, damit sie wenigstens „Alle sitzen" lernten. ranzen ist die einzige Leibesübung, die den Kindern gestaltet ist, aber es soll nicht die Glieder geschmeidig machen, sondern einzig und allein zu „galantem Benehmen" erziehen. Eine gute Verbeugung machen, ein Menuett schreiten, das war das Wichtigste; die Komplimentierkunst ward durch den „Maitre" emgebläut; ein möglichst geziertes, unnatürliches Betragen. „Herr Barer' und, „Frau Mutter" wurden mit „Sie" angeredet; noch 1806 sieht der Kabinettsrat Brandes in dem „Du und Du zwischen Eltern und Kindern" die Vernichtung aller elterlichen Autorität., Auf Autorität aber, nicht auf Liebe, war das Verhältnis in der Familie begründet und mit dem Stock wußten die harten Väter , auf die grausamste Weise den Willen des Krudes zu beugen. Nie ist so viel geprügelt worden; Schläge waren das tägliche Brot der Knaben, Fichte und Tieck, Gluck mid Beethoven, Schiller und Jean Paul und unzähliger anderer. So entstanden verängstigte, gedrillte Zierpuppen, die galante Redensarten drechselten und preziöse Briefchen schrieben, sich früh in koketten Schäkereien übten, sich bereits als Sechsjährige „nach dein Zeremoniell anmelden" ließen, auf Kinderbällen und bei Theateraufführungen es ganz den Großen nachtaten. Der zarte Zauber des Kindlichen war ihnen geraubt; ein eleganter Miniatursalon war aus der Kinderstube gemacht. Es gab keine Kinder mehr! Sehr bald erhoben sich einsichtsvolle Erzieher gegen diese naturwidrige Pädagogik. Der erste Prophet eines neuen Geistes war der Philosoph Locke, der auch in Deutschland Anhänger fanb, der einflußreichste Gellert. Tie „moralischen Wochenschriften' , diese frühsten Verbreiter einer modernen Weltanschauung, eiferten bereits gegen die Schnürbrust und Verweichlichung. Aber der große Sturm gegen die Unsitten wurde erst durch Rousseaus „Emil" entfesselt; das Werk des Genfers prägte seiner Epoche den Stempel auf, machte aus ihr das „pädagogische Jahrhundert". Tie Erziehungswissenschaft wurde das Modestudium der Zeit, rmd die deutschen Philanthropinisten waren wohl die ersten und zunächst die einzigen, die es mit der Verwirklichung der Ronsseau'schen Ideen ganz ernst nahmen. Weg mit der Wiege! hieß es; sie macht „betäubt, trunken, schwindlig und dumm". Tas Wickeln „ftort das Wachstum und schwächt den Körper"; gan^ frei soll das Kindchen von Anfang an liegen. „Fort mit den geheizten Schlafstuben, den dicken Kleidern, den schweren Betten!" Tas Warmhalten schadet den Kleinen fürs ganze Leben. Licht und Luft in die Kinderstube. Sie soll nach Struve das größte und hellste Zimmer sein. Abhärten lautet die Devise. Salzmanns Schwiegersohn Lenz läßt z. B. sein neugeborenes Töchterchen sogleich am offenen Fenster liegen, trägt das Eintägige nackend hinaus in den Regen, wäscht es sofort mit kaltem Wasser, wälzt es mit wenigen Monaten im' Schnee und zieht so ein kerngesundes, kräftiges Kind heran. Kalte Waschungen werden überall schon dem Säugling verordnet. Tie Schädlichkeit der Schnürbrust wird durch Preisfragen erwiesen; die Anwendung des Marterinstrumentes als eilt Verbrechen gebrandmarkt. Cursius meint 1796; „Es freut sich gewiß jeder Kluge, daß die gewaltsame Art, Kinder mit Panzern zu peinigen, immer mehr nachläßt," und 1798 stellt Struve fest, daß die „Blankscheite" höchstens noch in den kleinen Städten und bei den niederen Ständen gebräuchlich sind. Die Kinder werden nun auch äußerlich zu Kindern. Knaben und Mädchen sollen wenigstens bis zum vierten, fünften Jahre gleich gehen, in Röckchen, kurzen Strümpfen, mit bloßen Armen. Tann sollen die Knaben lockere Kittel tragen und vor allem soll das „närrische Frisieren" uitterbleiben. Struve verlangt, daß sie wenigsteits bis zu 12 Jahren „mit rund abgefchnittenen Haaren" und stets mit „freiem Haupte" gehen. Nun erkennt man auch den Segen der kör pe rti che n U e b u ng en. „Freie Luft und viel Bewegung, darin sind die besten Schlafmittel",- meint der Theologe Petsche in feinen „Beiträgen zur Beförderung einer vernünftigen Kinderzucht" und wendet sich damit gegen die Betäubungsmittel, die man früher Kindern ein- gab. Tie Kinder müssen „tüchtig laufen, springen, schlittern, Schlittschuhlaufen, reiten, Ball spielen und kegeln", heißt es bei Struve. Ein halbes Jahrhundert früher hatte Collin in seinen „Christlichen Gedanken von guter Kinderzucht" all das als höchst gefährlich und gottlos bezeichnet und besonders vor dem Schwimmen gewarnt. Jetzt soll „nach dem achten Jahre sowohl Knabe wie Mädchen im Fluß baden" und „die sehr' nützliche Kunst des Schwimmens lernen". Für die Jugend werden öffentliche Spielplätze verlangt. Das Spielzeug soll nicht all^u kostbar, belehrend und kompliziert fein, denn die Kinder sind „am zufriedensten mit dem, was sie sich selbst anfertigten". So wird allmählich! dem Kinde fein Recht wiedergegebech fein Recht auf Spiel, fein Recht auf Leibesübungen, fein Recht auf die „Dumpfheit" unbewußten Sinnens und Träumens. Freilich die „geistige Schnürbrust" war schwerer abzureißen, als die des Körpers. So lange die Aufklärung herrschte, blieben noch» die belehrsamen Spiele, die mit ihrem ewigen Fragen und Forschen den kindlichen Geist überanstrengten und erregten, während schon Rousseau für „die größte, die wichtigste und nützlichste Regel der ganzen Erziehung" erklärt hatte: „nicht Zeit gewinnen, sondern Zeit verlieren!" Erst Campe klagte aas Mer das schädliche Früh- und Vielwissen der Kinder", und dem Eturm und Drang und in höherem Maße dann der Romantik blieb es Vorbehalten, die in göttlicher Ahnung und fruchtbarer Stille wohnende Seele des Kindes zu entdecken, als sie diese unbewußten Tiefe?! der Menschenbrust überhaupt Ivieder offenbarten. Allmählich erkannte man — zuerst wohl Jean Paul, der das Gegenbild so arg erfahren hatte, daß die heilige Unberührtheit des Jugendparadieses unangetastet bleiben müsse, daß hier besondere Kräfte schlummerten, die nur mit verstehender Liebe und behutsamer Pflege geweckt werden konnten. So schwanden auch die grausamen Strafen niehr und mehr, wenngleich noch nicht alle Eltern zu dem Ideal vorgedrungen sind, das der Justizrat Schröder bei Reuter ausspricht: „Ich. schlafe nie mein Kind: ment Kind ist mein Freund". Der blasierte Lskimo. Vilhjalmur Steiaufson, der durch seine Entdeckung der »weißen Eskimos" berühmt geworden ist, beschreibt seine kühne Polar-Expedition, die ihn zu bisher ganz unbekannten Eskimo- stämmen führte, in mehreren Aufsätzen von Harpers „Magazine". In dem letzten dieser Beiträge schildert er seinen ersten Tag unter den Tolphin- und Union-Straits-Eskimos in Viktoria-Land, die noch nie vorher einen weißen Mann gesehen hatten, ihn aber voller Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft auitiahmen. Stefansson, der drei Jah>e lang unter beit westlichen Eskimos gelebt hat, konnte sich mit diesem freundlich gutmütigen Menschenschlag, der noch ganz in der Kultur der Steinzeit lebt, trefflich verständigen. Hier ivar der in der Geschichte der Entdeckungen gewiß sehr seltene glückliche Zufall vorhanden, daß der erste Weiße, der zu einem primitiven Volke kommt, sich sogleich mit ihm in seiner Sprache unterhalten kann. Die Eskimos luden beit Forscher mit seinen Begleitern sofort zum Mahle ein, erbauten ihm ein schönes und geräumiges Haus, damit er sich bei ihnen gemütlich niederlassen könne, und tauschten mit ihm ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus. Dabei bemerkte der Reisende zu seinem Erstaunen, daß sie über seine Erscheinung gar nicht verivundert ivaren, und auch mit seinen Erzählungen von der modernen Zivilisation konnte er ihnen keineswegs imponieren. „Ich fragte, was sie wohl von mir dächten, ob ihnen meine Augen nickt ausfielen (bie blau sind) und mein Bart (der hellbraun ist), ob sie nicht meinten, ich gehöre zu einem anderen Menschenschlag Ihre Antwort war sehr bestimmt: „Wir haben gar keinen Anlaß, dich für etwas Besonderes ztt halten. Deine Sprache unterscheidet sich nur wenig mehr- von der unserigen, als die einiger Stämme, mit betten wir Handel treiben. Deine Augen und Bart sind denen einiger unserer Nachbarn sehr ähnlich, die du besuchen mußt." Blich iitteressierte es, sie mit ihren starken Bogen und langen, mit ftupferfpigen versehenen Pfeilen schieben zu sehen, rote sie jeder Mann des Stammes trug. Ein Ziel wurde in einer Entfernung von 70 Meter ausgestellt, eine Strecke, auf die sie gewöhnlich das Karibu erlegen. Dann stellte ich den Stock in einer Entfernung von 20t) Meter auf und feuerte danach. Als die Leute, die herumstanden, Männer, Frauen und Kmder, den Knall des Gewehrs hörten, verkrochen sich Frauen und Kiiider in ihren Häusern und auch die Männer zogen sich hinter eine Sckneemauer zttrück. Ich forderte sie auf, mit mir die Wirkung des Schusses zu besehen, aber zum Unglück hatte ich gefehlt. Sie protestierten nun dagegen, daß ich noch einmal schösse, weil der Lärm alle Seehunde aus ihren Jagdgründen verschettchen würde und sie dann sterben müßten. Aber ich beruhigte sie und schoß noch einmal. Diesinal traf ich; doch das Einschlägen der Kugel machte viel geringeren Eindruck auf sie als der Knall. Als ich ihnen erklärte, ich könnte einen Polarbären ober einen Karibu auch auf 400 Meter erlegen, imponierte ihnen das ivieder nicht im geringsten, sondern sie fragten mich, ob ich mit meiner Flinte ein Karibu auf der anderen Seite eines Berges töten könnte. Als ich dies verneinen mußte, erzählten sie mir, ein großer Schamane eines Nachbarstammes habe einen Zauberbogen, mit dem er zedes Karibu auf der anderen Seite des allerhöchsten Berges töten könne. Mein Gewehr sei gar nichts. Hatte ich ihnen erzählt, ich könne mit einem ihrer Bogen 50 Bieter weiter schießen wie sie, dann loären sie grenzenlos erstaunt gewesen, aber Dinge, die sie nicht kennen, nehmen sie einfach als Wunder hin, und das Wunder ist in ihrer Weltanschauung etwas Natürliches. So ging es mit allen meinen Herrlichkeiten. Als ich ihnen mein Fernglas zeigte, mit dem sie Rudel von Karibus in weiter Entferniing sehen konnten, ivaren sie sehr interessiert, meinten aber dann: „Nttn sieh auch einmal nach den Karibus aus, die morgen kommen werden, damit ivir schon heute mitten, wo sie sind iind sie bester beschleichen können." Als sie horten, daß mein Fern- gla8 nicht in die Zukunft sehen könnte, waren sie höchlichst ent- tauscht und berichteten mir von Mezidinmännern, die sehen könnten, was morgen passiere. Ein ander Mell, als ich von der Geschicklichkeit unserer Aerzte berichtete, erzählte ick, sie fönnten einen ä“lu Schlafen bringen und während des Scklaies ihm ein ©tuet seines Qnnerit Iiernusnehmen, ohne dcrsz er beim (^rivcicbeit davon eine Ahnung habe; sie könnten auch die Organe eines Menschen auf die eines anderen überpstanzen. Ich hätte zwar so etiuaö noch nicht gesehen, aber diese Leistungen wären in meinem Vaterlande ganz üblich. Das gäbe es bei ihnen auch und noch mehr, antwortete eines meiner Zuhörer. Er selbst hätte einett greunb gehabt, der hatte grobe Rnckenschmerzen, bis ein berühmte* Medizinmann ihm in einer Nacht während des Schlafes die Wirbel- säule herausnahm und — was das Wunderbarste wäre — eine andere einsetzte, ohne daß man irgend etwas davon an der Haut bemerken könne. Wie er das gemacht habe, habe er, der Erzähler, Zwar nicht gesehen, aber es sei allgemein bekannt und üblich bet ihnen, daß so etwas vorkomme. Einem anderen hätte man an» stelle seines kranken Herzens ein neues, gesundes gesetzt. Kurz, der Eskimo glaubte an das, was er mir erzählte, ganz so fest, wie ich an meinen Bericht, und die Leistungen [einer Medizinmänner waren wunderbarer als die meiner Aerzte. Ich schwieg, denn ich hätte ihn doch nicht überzeugen können, und so behielt er das letzte Wort mit dem stolzen Bewusstsein, unsere Doktoren wären denen seines Laiides nicht ebenbürtig . . ." Vermischtes. * Iockei - Einnahmen. „Es wird nicht mit Unrecht behauptet," so führt I. T. Bolton in einem Aufsatz über „The Derby" tn „Everybodys Weekly" an, „daß die einzigen Menschrn,- me auf bte Taner auf dem Turf gewinnen, nur die Buchmacher und Jockers find. Dafür sprechen einwandfreie Zahlen und Beispiele in großer Menge. Der bekannte Reiter Mr. Fred Archer fchutzle S- B. seine Renneinnahmen selbst auf 2000 Pfund ©tert. (40 000 Mk.) ein. Dazu gesellen sich noch in vielen Fällen Belohnungen, welche die erfreuten Besitzer von Rennpferden an ihr« Jockeis aushändigen, wenn sie den Sieg erfochten haben. MH John Well im Jahre 1868 mit „Blue Gvwn" als Sieger beim Derby hervorging, erhielt er von Sir Joseph Hawley, dem Be- sitzer des Pferdes, die ganzen Wetten in Höhe von 3000 Pfunds ©tert. (60 000 Mk.) eingehändigt, um ihm sein Entzücken über den Sieg zu beweisen. Mr. Daley erhielt ebenfalls 3000 Pfund Sterl. von Mr. Chaplin, als er mit „£>ermit,y im Jahre 1867 den ersten Preis erfocht, während Mr. Job Marston 2000 Pfund Sterl. tn Empfang nehmen durste, als er „Teddington" zum! Stege führte. Belohnungen von 1000 Pfund Sterl. und darüber fmb gang und gäbe. Büchertisch. — Euphorion, Zeitschrift für Literaturgeschichte, herausgegeben von August Saue r. Neunzehnter Band. Drittes Heft. Leipzig und Wien, k. u. k. Hof-Buchdimckerei itnö HostBerlags-Buch- hanvlung Carl Fromme, 1912. — Wenn dieses umfangreiche Heft auch wichtige Beiträge zur Literaturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts enthält, zu Grimmelshausen, zu Wieland, zu Schiller und anderen Dichtern älterer Zeiten, fo erhält es doch seine ganz bestimmte Prägmig durch grundlegende Untersuchungen zur Geschickt« der deutschen Romantik. Ferdinand Josef Schneider in Prag beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen der Romantik forschung, P. I. Reis! in Urbana, Ist, steuert ein Kapitel au« einem abgeschlossenen größeren Werk über die Romantik bei, worin er den Einstuß des bisher vernachlässigten Neuplatonikers Plotm auf die ältere Romantik, besonders auf Novalis darlegt; noch bedetitsamer ist ein Weckruf Johannes Nohls in Villepreur zur Erforschung des tiefsinnigen Philosophen der Romantik Franj v. Baader. Nette Beitrage zu Schenkendorfs Leben und Dickten von Paul C z y g a n in Königsberg und Studien zu Heines Gedichten von Jonas Fränkel in Bern, sowie eine Besprechung der neuesten Heine-Literatur durch Paul Beyer in Frankstirt a. M. reihen sich diesen Aufsätzen an. In das spätere 19. Jahrhundert führen die aufschlußreichen Uiitersucknngen von Gottfried Bohnenblust in Zürich über die erste vollständige Ausgabe der Gedickt« Heinrich Leuthotds und heitere Mitteilungen an3 Kinkels Bonne« Freundeskreis, dem sog. „Maikäfer" von M. Pahnke in Neu- Haldensleben. viamMtrütfel. Auflösung In die Felder nebeiistehender Figur sind die Buchstaben a a a a a, e e e, f f f, g g, m. r r r r, s, t t t, u, y y derart einzutrageit, daß die tvagerechte« Reihe» folgendes bedeuten: 1. Einen Buchstaben, 2. Eigenschaftswort. 3. Nordische Göttin. 4. Deutschen Dichter. 5. Schädliches Tier. 6. Nebenfluß der Donau, 7. Einen Bilchstaben. Die senkrechte und ivagerechte Mittel- reihe ergeben das Gleiche, in nächster Nummer. Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert Nur wer fielt selbst verlässt, der ist verlassen. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universstäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langh ©iejjafc