Zamttag, den 13. Dezember IM W WA WN * Ä SIEBS Das achte Gebot. Novelle von Gerhard Walter. (Nachdruck verboten.) Es war ein Schneetag, wie er int Buche steht. Ohne Aufhör rieselten leise in der windstillen Luft die Mocken hernieder in dichter Fülle. Auf den Zweigen der Tannen lag der Schnee in massigen Polstern, die Aeste der großen Linde trugen weiße Decken und in der Welt ringsum war es so kirchenstill, als wäre alles Leden erstorben und begraben. In dem turmgekrönten Landhänschen, das mitten im Schuü der Tannen und Linden im Garten vor dem Städtchen lag, friedlich in all die Ruhe hineingebettet, saßen zwei am Fenster und schauten behaglich hinaus in die stille Winterlandschaft. „Ach, du hast es gut hier!" sagte der eine, den Rauch seiner Zigarre in langem Kegel von sich blasend, „wir von der See lernen so etwas nur auf Urlaub kennen, wir „fahrendes Volk"; ihr Herren von der Feder habt's besser. Ich wollt' auch, der liebe Gott hält' mir ein Tintenfaß und eine Feder als Patengeschenk in die Windeln gebunden gilt späterem geneigten Gebrauch, und ich könnte mir damit eine Villa zusammenschreiben, toie deine hier und solche prächtige Frau hineinschreiben, ivie deine ist. Wenn ich nicht irre, schriebst du mir doch einmal nach Westindien, du hättest deine Frau als Honorar.für eine 'Novelle bekommen. Wie war das eigentlich damit?" „Will ich dir erzählen!" gab der Hausherr mit leisem Lachen Kur Antwort, dem man das stille Glück eines freude- gesättigten Herzens anhörte. „Aber erst laß ich uns noch eine Flasche Rauenthaler holen, damit wir zum Schluß meiner kurzen und wahrhaftigen Geschichte miteinander anstoßen können. Bitte, bewege deinen langen Arm etwas nach rückwärts und drücke dreimal kurz auf den elektrischen Knopf da; das bedeutet, daß meine Frau kommen soll." Die Tür tat sich auf und eine reizende Frauengestalt erschien unter dem dunklen Türvorhang, blond und blauäugig wie eine Lichtelfe und au Wuchs einer Walküre ähnelnd aus Odins Reich. So wenigstens hatte der Korvettenkapitän von ihr geschwärmt, der in seiner Jugend nordische Mythologie getrieben hatte. Und er hatte recht! Mer das beste an ihr war daß sonnige Lächeln, das dem Gesicht der jungen Frau seinen ganz eigenartigen Zauber gab. , „Und was soll ich denn?" fragte sie mit klangvoller Stimme. . . . „Mir einen Kuß geben und uns eine Flasche Wern bringen und dann machen, daß du fortkommst, Frau! Der Kapitän hier will hören, wie Mir Mann und Frau geworden sind." c „Ums Himmels willen!" lachte sie; „das fehlte mir noch, mich dazu zu setzen! Im übrigen glauben Sie ihm nichts, Herr Kapitän, soweit es mich angeht; Sie wissen ja, er ist Dichter!" Und sie neigte sich mit strahlendem Lächeln über den Gatten und küßte ihn leicht auf den Münd. „Ei, du Donnerchen!" sagte der Kapitän leise und sah aus dem Fenster und einer Schwarzdrossel zu, die in einen faulen Apfel hackte. Die Gläser klangen mit feinem Geläut zusammen. „Im Grunde läuft die ganze Geschichte auf einen Irrtum seltsamster Art hinaus," begann der Hausherr. „Bitte, betrachte dir einmal die Wände hier in meinem Zimmer; fällt dir nicht etwas auf, Kapitän?" „Allerdings!" gab der Gast zur Antwort; „das kleine Bildchen dort mitten über dem Sofa mit dem unverhältnismäßig schweren und kostbaren Goldrahmen." „Bitte, sieh es dir 'mal genau an und sage mir dein Urteil!" „Hm! Feine Dilettantenarbeit und viel Talent! Der Vorwurf ist von glänzendem Humor, und die Beleuchtung vorzüglich. Ist ganz offenbar nach dem Leben gemalt. Diese ideal häßliche Alte, die sich quält, die Ziege zu melken, und das Zicklein, das ihr mit allen Vieren auf den Buckel gesprungen ist, während das zweite an ihr hoch klettert, und das Ganze im Halbdunkel einer einzigen Laterne mit gelbem Licht — eine höchst achtungswerte Aquarelleistung! Wer hat das Bildchen gemalt, und in welcher Beziehung steht es zu meiner Frage?" „Bueno! wie du so schön zu sagen pflegst! Setze dich und schenk dir ein und höre zu, und ich werde dir nach und nach auf alles Antwort geben. Ich habe dir seinerzeit meine kleine Novelle „Im Dämmerlicht" zugeschickt. Es ivar und ist wohl mein bestes Werk und verdiente den Jllustrationsschmuck durch unseren ersten Illustrator vollauf. — Um diese Zeit machte ich einen Sommerbesuch bei einem Herrn, den ich mit Fräulein Tochter im Bahnzuae kennen gelernt hatte, eine Bekanntschaft, die mit jener ^Einladung endete. Die Tochter war ein allerliebster Kobold und der Vater -ein gutsbesitzender Biedermann in Thüringen. „Kommen Sie, wann Sie wollen! Ein stilles Arbeitszimmer steht zu Ihrer unbeschränkten Verfügung, reisen Sie ab, wann Sie wollen, und wenn's möglich ist, lassen Sie es sich bei uns Wohlgefallen." Und Fräulein Emmas Augen blitzten freundlich übermütig in die Einladung drein. Also ich kam und blieb vierzehn Tage da und lebte daselbst wie der Papst in Frankreich, und kam allmählich in Gefahr, mein Herz von den -erwähnten Augen etwas! ansengen zu lassen. Sie ging mit dem Feuer aber auch unverantwortlich sorglos um. Ich bin am Tage des heiligen Florian, dem Schutzpatron gegen Feuersbrunst, am 4. Mai, geboren; darum schrieb ich ihr auch in ihr Privatalbum in all den andern Un- und Blödsinn, der von zur hau Mädchenhänden darin eingetragen war: „Heilger Florian, verschon dies Herz — zünd' andere an!" Es schien «aber auch diese Beschwörungsformel nicht viel helfen zu wollen. — 778 W liictt eint letzten Abend meines Dortseins. Wir hatten sehr vergnügt Lei Tisch gesessen und gingen selbander durch den blühenden Garten. Jetzt standen wir vor einem herrlichen alten Gattenhäuschen, das bis über den Dachfirst mit Bseifenkrcnit bewachsen und überrankt war. Das war Emmas Atelier, in dem sie in ihren Freistunden hauste und mit Oel- und Wasserfarben hantierte. Und das Mädel hatte Geschmack und Talent. Aber mit der Ausdauer haperte es etwas. Wir traten ein und sie zeigte mir ein eben ange--> iegtes Bildchen, das ganz versprechend aussah. Ich tociv menschenfreundlich aufgelegt, und ich mochte, wie gesagt, das Mädchen auch wirtlich gern. „Wissen Sie was?" sagte ich ihr und sah ihr gerade in die mutwilligen Augen; „wir wollen einen Tausch machen! Ich dediziere Ihnen meine nächste Novelle, und Sie malen mir ein Bild! Wollen Sie, Fräulein Emma?" . Sie war dunkelrot geworden vor Freude. „Ja!" rief sie laut; „ein Mann, eiu Wort?" und hielt mir die Hand hin; „wirklich?" ' „Ein Mädchen, ein Wort?" fragte ich und schlug ent, und zog die kleine, schmale, geschickte Hand an meine Lippen. —. Ach, und sie ließ sie mir so willig! Und wenn ich damals den Arm um sie gelegt und gefragt hätte: „Wollen tote nun so zum Papa gehen?" sie hätte sicher nicht „nein" gesagt. Wer ich tat es diesmal doch nicht und ließ chre Hand wieder los, und wir gingen friedlich zusammen auf das Herrenhaus zu. Und am nächsten Morgen reiste ich ab. Emma stand auf der Freitreppe und sah mir ins Gesicht. Einen Augenblick faßte mich heißes Verlangen nna es war mir, als müßte ich sie fragen: „Emma, soll rch wiederkommen, oder lieber gleich hier bleiben?" Aber ich tat es doch nicht. „Wort halten!" sagte sie freundlich. „Das versteht sich!." antwortete ich, „wir sind ehrliche Leute!" Der Wagen fuhr von der Rampe. Es ging auf den Winter. Meine Novelle war längst in rotem Saffian mit Goldschnitt in Emmas Händen. Sie hatte mir in warmen Herzenstönen gedankt. „Haben Sie noch Geduld mit mir!" bat sie am Schluß. „Es will mir nichts recht gelingen. Nnd ich tnöchte Ihnen gern etwas Gutes' schicken." Und es rührte mich!, wenn ich mir das lebenslustige Mädchen vorstellte, wie sie still über ihr« Arbeit gebeugt in ihrem Atelier saß und für mich arbeitete nnd cm mich dachte, lind ich dachte oft genug an sie. Und endlich, gerade am Weihnachtsabend, stapfte der Postbote durch den Schnee des Vorgartens und brachte mir eine flache Kiste aus Thüringen. Aha! dachte ich. Richtig! Und wie ich im Licht meines einsamen Tannenbaumes das Bildchen, das da an der Wand hängt, zuerst erblickte, da wallte mein Herz hoch auf vor Freuden. Das war ja ein kleines Meisterwerk für ein so junges Mädchen. Und mir zuliebe hatte sie so studiert und gearbeitet und ihr Bestes gegeben, weit mehr, als ich ihr zugetraut hätte! Sie lvar mächtig gewachsen in ihrem Können. Und ihr Lehrmeister? Nein, es lvar eine Lehrmeisterin gewesen: die Liebe! — Und mit einem Herzen voll heißen Dankgefühls stellte ich das Bild unter dem Weihnachtsbaum auf; und leise klang es drinnen: „Nebers Jahr, zur Zeit der Pfingsten Pflanz' ich Maien dir vors Haus!" Mein Danlbrief fiel danach aus. Und ich gab deut reizenden Bildchen den besten Platz an der Wand. — Unid oft" stand ich davor und sah mir's in stillen Gedanken an. Nur eins störte mich allmählich: das war der breite, weiße Rand, der es damals umgab. Ich hasse diese weißen Ränder, denn sie ziehen den Blick zu sehr von dem Bilde selbst ab. Wenn das Bild in grauen Karton gelegt wurde, mußte es noch weit erfreulicher wirken. Und eines schönen Tages machte ich mich selbst vorsichtig an die Arbeit. Aus den Händen geben mochte ich es nicht. Dazu hielt ich zuviel davon — und, jetzt wußte ich es: auch von ihr, von; Emma! Mit äußerster Sorgfalt entfernte sch alle Stifte und Pappen und Streifen, bis das Bildchen, deut weißen Karton aufgek'lebt, ohne Hülle vor mir lag. Behutsam hob ich e6i aus dem Rahmen: ha fiel mein Auge auf eine seine Weil' stiftschrift, die auf der Rückseite sichtbar wurdd. Was war das? Ich las und las, und traute meinen Augen nicht —j ha stand: „Thora Hachtmcmn fee. Düsseldorf 16. 11. 93," schräg über eine Ecke geschrieben^ (Schluß folgt.)' Das vom Sturm entführte Zelt. Aus: Kapitän Scott, Letzte Fahrt. (Brockhaus, Leipzig. Dr. Wjlsou, der wissarschastliche Begleiter Scotts, der mit ihm auf der Rückkehr von Südpol, nahe dem rettenden Lager/ umkam, hatte zu einem zoologischen Zweck eine Reise nach Kap Crozier in Nacht und Kälte eines antarktischen Winters unternommen. In seinem Bericht schildert er das nachstehende aben-- Der Südwind, der schon am Tage geblasen hätte, war in der Nacht zu Stärke 8 angeschwollen und schien es ganz besonders auf das Segeldachtuch unserer Hütte abgesehen zu haben. Deshalb stapelten wir am anderen Morgen große Platten vereisten Schuch auf die Segelleinwand, nm sie gleichmäßig niederzudrücken und ihr Fortfliegen zu verhindern, und was wir an weichem Schnee finden konnten, packten wir um die Hütte, bis an der Außeniette keine Ritze mehr W sehen war. Dann hotten wir unser Zelt aus der Grube herauf, stellteu cs dicht bei der Hütte an der geschütztesten Stelle auf Nnd beschwerten es sorgfältig ringsum mtt Schneeplatten und Steinblöcken. Ich hoffte, im Zelt unsere Alec- der besser trocknen zu können als in der, Hütte, denn das wett offene Dach der letzteren ließ alle Hitze sofort entweichen. Der Speckofen verbreitete denn auch bald im Zelt eine Temperatur, daß wir sogar unsere Finnenschuhe holten, um sie mit den übrigen Kleidungsstticken zu trocknen, und allerdings jeden Augenblick das Verbrennen der ganzen Bescherung erwarteten. Als wir das Essen kochten, erstickten wir fast vor Qualm Nach dem Essen schabten wir einen der erbeuteten Pinguinbälge gründlich aus, füllten mit dem Fett den ganzen Ofen und kehrten dann zuM Schlafen in die Hütte znntck. Cherry-Garrard und ich hatten dabei unsere Sachen ebenfalls mitgenommen. Am Abend war eS völlig windstill, aber der Himmel war bedeckt; doch fühlten wir uns in der Hütte durchaus sicher uttit bequem und zweifelten nicht int geringsten, daß das, Dach halten würde, bis wir einen festeren Ueberzug aus Robbenfellen würden herstellen können. Mitten in der Rachut guckte ich noch einmal hinaus: noch immer..war kein Lüstchen zu spüren. Aber bald nach 3 Uhr begann es plötzlich zu wehen, und am Morgen des 22 Juli weckte uns der Schreckensruf von Bowers: „Bill! Bill! Das Zelt ist weg!" Wir stürzten hinaus: das Zelt mit seinen Stangen, mtt Innen- und Außenwänden und allem Zubehör wir verschwunden! Der Platz, wo es gestanden hatte, war mit Kleidungsstücken besät, die während der Nacht int Zelt hatten trocknen sollen. Der Schnee siel so dicht und der Orkan war so stark, daß wir uns kaum aus den Beinen halten konnten, als wir daran gingen, wenigstens unsere Habseligkeiten vor dem Schicksal des Zeltes zu retten, Bowers und Cherry rafften alles zusammen und reichten es mir in die Hütte hinein. Aufrecht gegen den Wind zu stehen, war einfach unmöglich: Bowers wurde ohne weiteres umgeweht; wenn die beiden etwas Von unserer Habe erwischt hatten, kostete es jedesmal einen Verzweifelten Kampf mit dem Wind, um die paar Meter bis zur Hütte zu bewältigen. Doch schließlich war alles beisammen, und als wir nachzählten, war außer dem Zelt nichts verschwunden als zwei Kocherplatten, die wir auch nie wieder- gefnnden haben. Der Kocher selbst war uns geblieben. Auch Bowers' Sack mit seinen Kleidern war noch da, und das Wunder- barste lvar, daß alle unsere Finnenschuhe noch genau an derselben Stelle lagen, wo wir sie am Abend vorher zuriickgelassen hatten/ auf dem Boden des Zeltes, da, wo es im Schutz unserer 'Schney-- tzütte gestanden hatte. , , , ,, Drinnen in der Hütte begann der feine Trecbschnee, der durch die Ritzen der Wetterwand und der Türseite hereindrang, uns allmählich zu begraben. Wir versuchten ihm die Eingangspforten mit Socken zu verstopfen, aber während löte eine verschlossen/ fand er bereits wieder eine andere, und nach und nach lagerte sich über alles Inventar der Hütte eine Schneeschicht von zehn Zentimeter Dicke. Das Heulen des Sturmes klang tote das Sausen eines Schnellzugs durch einen Tunnel. Wenn er den Abhang hinaufwehte, zog er unser Dachsegel in die Höhe und ließ es mit entsetzlichem! Knall herunterfallen. Eine Unterhaltung war nur bei lautem Brüllen Möglich. . Den ganzen Tag verbrachten wir mit dem Kämpf gegen den eindringenden Schnee. Endlich hörte es auf zu schneien; statt! dessen wirbelte jetzt feiner, schwärzer Moränenstaub herein und legte sich wie Miß überall hin. Der Orkan nahm an Heftigkeit! zu und hob unser Dach, trotzdem es Mit schweren Platten vereisten Schnees beschwert war, ganz in,bte Höhe; es reckte und dehnte sich nach außen und oben wie eine feste Kuppel und spannte sich straff tote ein Trommelfell. Aber es scheuerte und rieb sich dabei nur an einer Stelle, am obern Mäuerrand der geschützten ©eite/ und hier verstopften wir jede Höhlung zwischen dem ^Segeltuch und den Steinwänden mit Pyjantas, Pelzhandschuhen, Socken und dergleichen. Solange noch die Eisblöcke auf dem Dach lagen, schien! es uns Ziemlich sicher zu sein. Unsere einzige Furcht war, in! der anfgeschütteten Umwallung der Hütte könnten Lückett entstände fein, weil die Wetterwand gar so viel Schnee und Staub herein ließ/ und der stete Winddruck nach oben könne daS Segeltuch unteto. der Aufschüttung herausziehen. Wer darin lag nicht.die Gefahr« in der totr schwebten; bte Eisblöcke blieben bis zuletzt fest, un$ die an den Mäuern eingegrabene Leinwand zog sich reinen Zeirtm Meter breit hinaus. 779 Daß wir dnrchdas Kett der drei Pinguüchälge auf einige wage Brennmaterial besntzm, also den Orkan sich einigermaßen austoben lassen konnten, ohne unsere letzte Kanne Petroleum arv- plbrechen, war unS während dieses Tages eine große Beruhigung. Nm Wend versuchten wrr uns auf dem Speckofen eine Mahlzeit IU rochen. Wir Kündeten ihn an, aber er ging ohne jeden Grund wieder aus; wir wiederholten daS Experiment — derselbe Erfolg; Md als wir versuchten ihn in der üblichen Weise mit «netz Spirituslampe ttt Gang zu bringen, brach plötzlich die Mllröhre ab; sie war losgeschniolzen und machte so den ganzen Ofen un- vrauchbar. ,Wir gossen Nun das -erschmolzene Fett in andere Behälter, um es, falls uns die Kerzen ausgingen, auf der Heim- reise für Lampen zu benutzen, an denen wir Socken und Faust- .handlchuhe auftauen und trocknen konnten. Cherry-Garrard Wlte fast «ine gewisse Erleichterung, daß der Speckofen dieses .Ende nahm, denn er hatte ihn immer Ur em ganz gefährliches Ding gehalten. Aber davon abgesehen war lnrsere Lage ernst genug. Bon dem verschwundenen Zelt hofften Wrr wenigstens die Stangen wiederfinden zu können, und mit dem Segeltuchdach der Hütte ließ sich zur Not ein, neues Zelt Herstellen, wenn nach ohne doppelte Münde. Mer Unsere.fünfte Kanne Petroleum enthielt nur noch so viel, als zum einmaligen Füllen des Primuskochers nötig war, und auf die unbestimmte Möglichkeit hin, Nach Mflauen des OrkanS eine Robbe erbeuten Und einen Speckofen improvisieren zu können, unsere letzte Kanne Petroleum in Angriff zu nehmen, erschien denn doch zu g ei trogt. Wrr kochten also unser Essen auf dem Primus fertig und ve- schloßen, uns ohne warmes Essen zu behelfen, solange her Orkan Uns.zur Untätigkeit verurteilte. So lagen wir also in unseren Schlafsäcken, Während draußen der Orkan tobte, naß, wenn auch nicht kalt, und fast ohne jedes Zeltbewußtiein, und dachten über unsere Lage nach. Wie das «^rt Mtte wcggeweht Werden können, war uns einfach nnbe- greiflich. War hatten es auf breiter Basis aufgestellt und ganz besondere Srcherheitsmaßregeln .getroffen. Das 'Fallblatt ivar nicht allem unter Schneehaufen begraben gewesen, sondern noch an lebet Falte mit vier oder fünf Felsstücken beschwert; ehe wir m bte Hütte hurückkehrten, hatte ich mit Bowers einen schweren Sack mit Kleibern, der von einem Mann kaum gehoben werden konnte, auf den Saum an der Wetterseite geworfen, und schließlich hatte das Zelt im Schutz unserer Hütte gestanden. Derselbe saugende Wasserstrom, der das Hüttendach unaufhörlich emporhob, mußte auch das Zelt in die Höhe gerissen und heruMgewirbelt haben. ..Wer >vas stützte uns diese Ueberlegung; fort war es. Und ehe wir darnach auf die Suche gehen konnten, mußte erst der Orkmr sich legen. Aber der machte dazu nicht die geringste Mene; Bowers schätzte den Wind auf Stärke 11, und auch die Nacht hindurch wurde es sticht besser. Aber es kam noch schlimmer. Am andern Morgen drang zu unserm Schrecken ein matter Licht, chimmer in die Hütte. Die Schneeblöcke, die das Dach be- ichwerten, waren alle weggeweht, die Spannung des .Segeltuchs nach aufwärts noch ebenso stark, und das Aufklatschen des'Daches Über der Türseite hatte zngenomni'eit. Da, wo die Leinwand über der Tür festgespannt war, begann sie an den schweren Steinen, die sie mied erhielten, zu zerren und zu rütteln und drohte, sie auf Uns hmunterzuiverfen. Obendrein schien das Segeltuch an einer Stelle, wo es eingeschlitzt ivar, bedenklich dünn geworden. Bowers kroch aus seinem SHlafsack und versuchte, die Steine wieder Wrechtzurücken und die 'Süden mit Kleidern Und Socken zu stopfen. Cherry und ich saßen aufrecht in unfern Schlafsäcken und halfen ihm dabei mit Bambnsstangen — als «das ganze Dach mit einem mächtigen Knall längs der ind abgekehrten Seite in sechs oder ffeben Streifen aus- einanderplatzte und in etwa einer halben Minute in Hunderte Von, flatternden Fetzen zerrissen war. Zugleich prasselten die Steine, die die Leinwand beschwert hatten, auf uns herab, ohne Uns jedoch "zu Verletzen, und eine zum Ersticken dichte Schneemasse wälzte sich mtf uns hernieder. » Hals über Kopf krochen wir wieder in ,unsere Säcke, über Bowers et froren die Hände, ehe er noch den seinen erreicht hatte. Dann drehten wir Uns in den Säcken um, so daß die Klappen Unter uns lagen. Und ergaben uns in unser Schicksal, während Stunde auf Stunde wie zersetzten Segeltuchenden eine betäubende Gewehrsalve nach der .andern .losließen. Was jeden Von uns während dieser Stunden beschäftigte, wüt bet Gedanke, wie Wir uns gus dem Fußbodensegel, auf dem wir lagen, und auS den Fetzen unseres Daches ein neues Zelt für die Heimkehr nach der Hüttenspitze würden herstellen können. Wir lagen unter freiem Himmel, froren aber in unfern Säcken sticht; nur waren Wir sehr naß, weck doch ziemlich viel Schnee in sie hineingedrungen war. Und.jedesmal, wenn wir uns aufridjp leten, um über die Wände hinauszugucken, neuer Schnee, der sich dort »Heu angesamMelt Hatte, ans uns herunterrieselte. Menn diestr Orkan, wie Wit das vion Kap Evozier von früher her Wußten, fünf oder gar acht Tage dauerte, so sah es überhaupt Mit unserer Rückkehr recht trübe auS. „unsere Lage war geradezu entsetzlich," heißt es in Cherry MarrardS Tagebuch. „Ich wußte, daß Deary einmal fort Sommer Während eines OrkanS in seinem Schjlaffack jm Freien gelegen hatte. Aber daß menschliche Wesen daS auch tni Winter aushauen könnten, Mt jch für Msgeschlossen. tzch fragte mich, ob eA wjrh-. M der Mühe Wert fei, sich Warm M hatten, und gestehe, daß ich unser Ende für gekommen hielt. Mas half eS uns schließlich, wesen Orkan, zu überleben, wenn wir uns auf dem Rückweg nach Kap Gvansiede Nacht in Schnee eingraben und dann doch der Kälte zum Opfer fallen Müßten. Das wollte ich keinesfalls, viel lieber Bill um Morphium bitten, um unfern Schmerzen ein Ende Lu machen Im Übrigen betete ich und wartete ab. Zeitweise lagen wir iin Halbschlaf; ich erinnere mich, daß ich einmal aufwachte .undBill ein frommes Lied fingen hörte; auch Bowers soll, wie Bul sagt, gesungen haben; ich summte ein bißchen mit, aber nicht lange." ^sbse TagebuchnotH zeigt den Ernst Unserer Lage. Jm übrigen ioar bte Unterhaltung an diesem Tage so einsilbig wie möglich. Bowers steckte einmal seinen Kopf aus dem Schlafsack und sagte mit einer Stimme, die sich seinem gewöhnlichen Tonfall näherte, so weit, er es vermochte: „Uns geht es ja ganz gut!" Worauf auch wir nicht anderes zu sagen wußten als: „Ja, uns geht's recht gut!" Und dann schwiegen wir alle drei weiter. Dieser Tag, der 23. Juli 1911, War ein Sonntag und zufällig auch! mein Geburtstag. Am selben Tag wurde auch am Katz Evans ein Maximum der Windstärke registriert. Bis Mitternacht tobte der Orkan mit unverminderter Wut; dann flaute er ein wenig ab und noch vor Tagesgrauen standen wir auf, um nach unserm Zelt zu suchen. Aber wir sahen draußen Kitte Hand vor bett Augen, und da unter uns ein schroffer, vereister Abhang lag, bet in einer Eisklippe endete, die ihrerseits m das Preßeis hineinging, so war auf ein Wiederfinden des Zeltes letzt nicht zu rechnen, wenn sich auch im stillen jeder an diese Hoffnung klammerte. Wir kehrten also wieher in die Hütte zurück, um auf bett Augenblick zu warten, wo es hell genug sein würbe, Weiter zu suchen. Inzwischen schlug Bowers vor, uns ein Frühstück zu bereiten. Seit fast achtundvierzig Stttnben hatten Wir nichts Warmes gegessen, und so hielten wir nun die ihren äußeren Umständen nach unheimlichste Mahlzeit, die wohl je im Norden der Süden Verzehrt worden ist. Wir swpften das Fuß- bobensegel unter bte Kopfenden unserer Schlaf sticke, krochen in diese hinein, zogen das Segel über den Kops und zündeten unter diesem Schutzdach bett Primus M, um bann den Kochtopf mit der Hand dicht über die Flammte zu halten. Erst kochten wir uns Tee und hinterher Pemm-ikan. Das auf dem Boden des Topfes klebende Pinguinfett brannte an und gab dem Tee einen unangenehm brenzlichen Geschmack. Gleichwohl tranken wir ihn mit dem größten Genuß; aber keiner von uns wird diese Mahlzeit je vergessen, und jener brenzliche Geschmack wird uns immer an den Tee erinnern, den Wir in der Morgenfrühe des 24. Juli 1911 genossen haben. Dann lagen wir wieder in den Schlafsäcken und warteten, bis sich allmählich ein schwacher Lichtschein am Himmel zu zeigen begann. Sofort standen wir auf, um wieder auf die Suche nach dem Zelt tzu gehen. Mit der Windrichtung stiegen wir abwärts; überall, hingen taschetttttchgroße Fetzen unseres grünen Segeldachs; aber nichts von einem Zelt. Bowers war vor uns mehr östlich auf die Suche gegangen und hatte einen Bergrücken erklettert, um Ausschau zu halten. Plötzlich hörten wir ihn laut rufen: er hatte das Zelt liegen sehen! Schnell eilte er bergab, und in feiner Hast Vorwärts zu kommsen, rutschte er sitzend einen 100 Meter hohen Schneehang hinunter. Wir folgten ihm nach, kamen ebenfalls ins Gleiten und langten so halb freiwillig, halb gezwungen an der Stelle an, wo das Zelt wirklich lag, einen Kilometer von dem Platz, wo wir es aufgeschlagen hatten. Eine der Stangen war aus dem Bezug herausgedreht, und die untern Bänder des Jnnenzeltes waren alle mehr ober weniger weggerissen; aber das eigentliche Zelt War.heil und unversehrt geblieben. Wir Waren so dankbar, daß wir nichts zu sagen Wüßten. So schnell Wie möglich trugen wir das Zelt zurück, denn die Lust War recht trübe .und sah aus, als ob es jeden Augenblick Wieder losstürmen wollte. Das Zett fchlngen wir an der alten Stelle in der Schneegrube unterhalb unserer Hütte auf, wo es bei unserer Ankunft gestanden hatte. Während Bowers und Cherry unsere Sachen aus der Steinhütte herunterholten, grub ich die glücklich Wiedergewonnene Behausung so tief wie möglich in den Schnee ein. Schließlich waren wir mit .allen unfern Sachen geborgen, nur meine Pelzhandschuhe, die irgendwo in einem Loch zwischen den Steinen der 'Hütte eingefeilt Waren, ließen sich nicht mehr finden. Dann Bereiteten wir uns eine Mahlzeit und suchten später am Abhang nach den Kocherplatten, sanden aber nichts als nur Fetzen unseres Segeltuchdachs. Nun besprachen wir unsere Lage. Unser Petroleum war bis auf eine Kanne verbraucht, und da der Speckofen ebenfalls per- dorben togr, kamen Wir bald zu dem Schluß, daß uns nichts! weiter Übrig blieb, als nach Katz Gians zurückziikehren. Lin Weihnachtsmärchen för die Minen. tZi ' Bon Felicitas Wo l Y> Vor vielen- tiMen Jahren lebte in einer großen Stadt eins tfttne yvan mit ihrem fünf Jahre alten Sohn, eie hatte ihren Mann verloren, als Hänschen, (o hieß ihr Söhnchen, zwei Jahre »tt MV. Mühsam hatte sie sich und Hänschen das tägliche Brot verdien^ Sie War in. die Wusep der Reichen geganE 780 und hatte dort geputzt und alle urögliche Arbeit getan, und was sie dafür betont, hatte gerade zu Brot und Kohlen gereicht. Es war Winter, kurz vor Weihnackten. Mr waren die Kohlen alle geworden, und das letzte Stückchen Brot war verzehrt, aber sie hatte keine Arbeit.Schon seit fünf Tagen hatte sie keine Arbeit mehr bekommen, und morgen war Weihnachten. Im Zimmer war es eisig kalt und Hänschen wickelte sich frierend in die dünne Bettdecke. Zitternd vor Kälte erhob sich das arme Weib, um ihren beschwerlichen Weg wieder zu beginnen. Traurigen Blicke« sah sie Hänschen an und sprach: „Armes. Hänschen, ich kann dir heute nichts zu essen geben, denn lvir haben Nichts mehr. Wenn ich heute keine Arbeit finde, oder etwas geschenkt bekomme, müssen wir verhungern. Bleibe zu Hause unb bete, das; Gott die Herzen der Menschen erweiche, und sie sich unserer Atot erbarmen. Dann ging sie. Sie ging in alle Häuser, tn denen sie schon oft gearbeitet hatte. Aber niemand wollte sie nehmen, denn sie sah sehr schlecht und halb verhungert aus, und die Leute dachten, sie könne nicht genügend arbeiten, aer Atzend brach an, und noch immer irrte sie in der Stadt umher. Niemand hatte sich ihrer erbarmt, alle dachten nur an sich und kannten weder Armut noch Hunger. Zuletzt lant sie ohnmächtig ans der Treppe einer Kirche nieder. Unterdessen hatte Hänschen den ganzen Tag am Fenster gestanden, und, die Händchen gefallet, den Blick aufwärts zum Himmel gerichtet und hatte gebetet: Lieber Gott, mache doch bitte, daß Mama Brot bekommt, wir müssen sonst verhungern." Immer wieder hatte er von vorn angefangen, und dabei liefen ihm die Tränen die Wangen hinunter. Nun war es Abend geivorden und die Mutter war immer noch nicht da. Der Mond stand am Himmel und seine Strafen fielen in daS Stübchen, übergossen alles mit silbernem Lichte. Hänschen blickte zum Monde auf und dachte, der Mond ist ge- wiß ein Fensterchen vom Himmel und die Engelchen können durch es auf die Erde hinunter sehen. Wie er noch fo hinschaute, sah er plötzlich eine lichte Gestalt auf sich zuschweben. Ehe er sicho versah, stand sie vor ihm im Zimmer. Es war em wunderschöner Engel, mit großen, weißen Flügeln und langem, goldenem Haar * Auf dem Kopse trug »er einen Kräng Blumen, di« blitzten und blinkten wunderbar, denn es waren lauter Edelsteine. Er hatte ein langes, weißes Gewaiid an, welches tote gefrorener Schnee glänzte. Er lvinkte Hänschen und schwebte zum Fenster hinaus, auf gen Himmel. Hänschen flog neben ihm her, batte kleine silberne Flügelchen an den Schultern und hatte em weißes Kleid an. Sie brauchten nicht lange zu fliegen, da kamen sie an einem großen Tore an und Hänschen erkannte, daß es der Mond sei, 'den er für ein Fenster gehalten und der em großes, silbernes Tor war. Der Engel schlug mit einem Palmenzweig gegen das Tor. Da öffnete sich dasselbe und sie traten em. Welche Pracht, welch ein Glanz war das, Hänschen mußte geblendet die Augen schließen. Als er sie wieder aufmachte, wh er unzählige große, wunderschöne Christbäume und um dieselven schwebten oder gingen, Hänschen konnte es nicht erfennen, unzählige Engel, einer immer schöner als der andere. Der Engel nahm das staunende Hänschen bei der Hand und führte es weiter tn den Himmel hinein. Ueberall standen große Tische Mit Lebkuchen, Backwerk und allen Süßigkeiten beladen, die ein Kinderherz er- freueil können. Die Engel nahmen Hänscheir an den Händen und tanzten mit ihm. Er wußte gar nicht, ivo er zuerst hm- schauen sollte, so schön war alles. Nachdem er alle die vielen Herrlichkeiten gesehen hatte, fragte ihn der Engel, ob er hier- Vleiben wolle, oder ob er wieder zurück auf dre Erde wolle, ^a sprach Hänschen: „Lieber Engel, wie kannst du nur so fragen? Meinst du, ich wolle mein Muttchen allein lassen? Nein, nein, wenn meine Mutter nicht auch hier sein ,kann, will ich auch nicht dableibeu." Ta. sprach der Engel: „Folge nur." Er führte ihn noch weiter in den Himmel hinein und siehe, plötzlich sah er seine Mama auf sich zueilen und flog ihr jubelnd in bte Arme. Nun durften sie. im Himmel bleiben und waren aller Not und Sorge enthoben und ewig glücklich. Unten auf der Erde aber fand man die Frau erfroren auf der Kirchentreppe und Hänschen ebenfalls erfroen am Fenster des Stübckfens. vermischte». * Ter Weg zu den guten Bildern. Der große Zlauberer unseres Jahrhunderts, die Technik, hat auch einer breiteren gebildeten Schicht eine der reinsten Freuden zugänglich gemacht, an der früher nur wenige Auserwählte teilhatten: die Freude am Besitz künstlerischer Bilder. Es liegt int Wesen der Malerei, daß die Originale zumeist in den Galerien hängen, und so selbst der Begüterte sich zu Hause mit Reproduktionen begnügen muß. Es Miß daher die Frage nach den Möglichkeiten der repro- duziereiideii Technik weite Kreise der Kunstliebhaber und Bilder- sreunde aufs lebhafteste interessieren. Der „Vereinigung der Knnst- fremtbe", die im Jahre 1883 von der Direktion der Königlichen Nationalgalerie zu Berlin ins Leben gerufen wurde nfit dem Programm, die malerischen Kunstwerke von bleibendem Wert durch „gediegene Wiedergabe zum Gemeingut aller Kunstfreunde zu machen", ist es durch unermüdliche Arbeit am eigenen Werk gelungen, Wert und Güte der farbigen Reproduktion immer nreffe zu steigern und sie immer mehr dem Original zu nähern. Mitglied! der „Bereinigung der Kunstfreunde" kann.jedermann gegen den mäßigen Jahresbeitrag von 20 Mark werden. Dafür erwirbt er das Recht, alljährlich künstlerisch ausgeführte Originalreproduktionen der Gesellschaft aus mehr als 600 Blättern int Ladenpreis» von 30 Mark unentgeltlich nach freier Wahl zu beziehen. Dia Mitglieder sind außerdem berechtigt, alle von der Beremigungl hergestellten Bilder in beliebiger Anzahl zu Preisen zu erwerben, die bedeutend unter dem Ladenpreis bleiben. In jedem dritten Jahre der Mitgliedschaft erhalten die Mitglieder ein weiteres Blatt der erschienenen Publikationen nach freier Wahl als Prämie ebenfalls umsonst. Als ein neuer ungemein glücklicher Ausbau der Bereinigung muß die Herausgabe der Zeitschrift „Der Kunst- fteund" begrüßt werden, die vom 1. Oktober an den Mitgliedern unentgeltlich zunächst monatlich zugestellt wird. Damit. ist ein Organ geschaffen, das unter Mitarbeit erster Fachleute^ die Leser über alles unterrichtet, was ans dem Gebiete der Kunst, des Kunstgewerbes und der Kultur Bedeutung hat. Bon der Fülle der Bilder, die die Vereinigung ihren Mitgliedern darbietet> gibt der neu erschienene Katalog das beste Bild. Welche Köstlich- teiten werden da dem Kunsthungrigen geboten! Aus der llnendlich- keit der vergangenen und der modernen Malerei ist mit beitem Geschmack und unter Vermeidung des Exaltierten aus allen Lagern das Beste und Bleibende ausgewählt und so jedem künstlerischen Geschmack Schönes geboten. Wenn man in dem schönen weiten Raum der „Vereinigung der Kunstfreunde" in der Markgrasemstraße in Berlin umhergeht und von Corots schlichtem und so überraschend eindringlichem „Damenbildnis in Blau" zu einer in flimmerndem Sonnengold und leuchtendem Blattgrün prangenden Landschaft Thomas Theodor Heines und von dieser wieder zu einer irdischen, in ihrer zustäudlichen Armut und Zerbrochenheit ach so irdischen Madonna des modernen Krakauers Vlastimil Hofmann schrecket — so verliett man, durchaus das Bewußtsein, vor Reproduktionen und nicht vor Originalen zu stehen! Wenn irgendwo, so ist hier ein MHg für die nach dem Schönen im eigenen! Heim sich sehnende Menge gebahnt, die Farben der Kirnst über den Werktag auszubrecken. * Der Detektiv. „Ich sage Ihnen, die Hazel, die hat das Zeug zu einem ganz großen Detektivs!" „Nein, glauben Sie wirklich?" „Ja, wir waren gestern abend zusammen in der Operette und sie hat die ganze Handlung verstanden." * • Der sicherste Beweis. „Ich werde nicht heiraten, wenn es nicht ein Held fein kann." Alice: „Dann gib ihm nur eine Aufstellung deiner jährlichen Ausgaben: und wenn der Bewerber dann nicht zurücktritt, daun ist er einer." Viichertisch. — Der große illustrierte W e i h n a ch t s k a t a l o g für das Jahr 1914, der ein ausführliches Neuigkeiten Verzeichnis des Jahres bringt, ist uns von der Ferber scheu Universitätsbuchhandlung (C. Koch) überreicht worden. Er enthält das gewohnte Verzeichnis vorzüglicher Bücher und Atlanten; eigene Anzeigen großer Verlagsanstalten erhöhen den Wert des Kataloges, der mit einer ganzen Reihe schöner Abbildungen geziert ist. Gleichzeitig überreicht uns diese Buchhandlung das von einer Anzahl hervorragender Verleger herausgegebene Bücherverzeichnis Das Buch des Jahres, daS eine gute Auswahl hervorragender Bücher dieses Jahres erwähnt. — F örst ers M ar iechen. Roman von E Veli). Kürschners Bücherschatz Nr. 924. Hermann Hillger Verlag, Berlin. Im ersten Zauber des jungen Lenzes tritt .uns die Heldin des neuesten Romans von E. Vely entgegen. Försters Mariechen ist eine echt weibliche Frauennattw. Wie sie alle Lasten trägt, um zuletzt durch eine befreiende Tat über sich selbst hinanszu- wachsen, das muß Man selbst lesend miterteben. versteckratsel. Aus jedem der folgenden Wörter sind der Reihe nach drei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß sich daraus ein „geflügeltes Wort" vom Fürsten Bismark ergibt. Heinrich — Schildknappe — Forellen — Wanderbursche — Kieler — Durchmesser — Nachtfalter — Augenbinde — Phonetik — Emden — Leibknlscher — Kirschen — ZeichneiM't — Druckerschwärze — Pfennig — Thema — ,^elfengrotte — Steine — Schottland. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wenn jemand schlecht von deinem Freunde spricht, lind scheint er noch so ehrlich: glaub' ihm nicht! Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht: Mißtrau' der Welt und gib dem Freunde Recht! Nur wer so standhaft seine Frennde liebt, ^st wert, daß ihm der Himmel Frennde gibt. Redaktion: K. N e u r a i h. — Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Laiigtz. Biege»