ArüerhaltunzsblaU M/MchmerAnzeiger Aeneml-AnMger) 68 S ’Ocrr . Lauernblut. Eoman von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Alle drei drangen mit vorsichtig schleichenden Schritten weiter in den Garten ein. Vorläufig blieben sie noch längs des Seeufers, erst bei den zwei großen Linden, die in der Verlängerung der Querachse des Schlosses, genau der Gartensaaltür gegenüber, ihre mächtigen Wipfel in den Wassern des Sees spiegelten, wollte Peter, der die Führung übernommen hatte, rechtsum machen und sich direkt nach dem Schlosse wenden. Der Regen hatte wieder nachgelassen, der noch immer entfesselte Sturm schnaubte jetzt mit so weichem, mildem Obern, daß es sommerlich warin wurde. Plötzlich zuckte ein ?rünlich blendender Schein über den See hin, und in der urzen, magischen Erleuchtung erkannte Peter das am Ufer angekettete Bo.N, in dem, ivie er wußte, das Töchterlein des Schloßbesitzers sich auf den Wellen zu schaukeln pflegte. „Wir werden doch kein Gewitter bekommen?" murmelte der als Fritz Vorgestellte und schaute besorgt nach oben. „Das würde uns schlecht passen, es würde die Leute auf dem Hofe alarmieren." „Ach," versetzte Carvalho, „das scheint nur ein harmloses Wetterleuchten, dem kein Donner folgt. Aber lvo wollen Sie denn hin?" rief er dem plötzlich ans tiefere Ufer hinabeilenden Peter nach. Dieser winkte beschwichtigend mit der Hand zurück, als wollte er sagen: „Lassen Sie mich nur machen; das, was ich vorhabe, ist gut für uns alle!" Am Ufer angelangt, bückte er sich und versuchte möglichst geräuschlos die Kette, durch welche der Nachen am Lande fcstgehalten wurde, zu lösen. Es gelang, die Kette war nur mehrfach um einen Pfahl geschlungen, ohne durch ein besonderes Vorhängeschloß versichert zu sein. Dann stieg er ins Gefährt, überzeugte sich, daß zwer Riemen darin lagen, hing das Steuerruder ein, ergriff die beiden Riemen und rief seinen Genossen mit gedämpfter Stimme: „Ich bringe das Boot an die großen Linden; erwarten Sie mich dort." Carvalho hatte begriffen, im Falle der Not sollte die Flucht über den See hinweg bewerkstelligt werden könnens Er nickte zufrieden und brummte, zu seinem Genossen Fritz gewendet: „Der Narr stellt sich gar nicht so dumm an — schade, daß wir ihn nicht öfter werden brauchen können." Peter trieb mit leisen Ruderschlägen das leichte Boot durch die Wellen. In seinem Herzen regte sich die Unternehmungslust, und der Reiz der Gefahr ließ ihn Reue und Angst vergessen, die ihn eben noch gequält hatten. Er war jetzt mit ganzer Seele bei einem Werke, das ihm vor kurzem noch als eine Vernichtung seiner bürgerlichen Ehre erschienen war. So wandelbar ist der Mensch und so leicht kommen in ihm die Instinkte der Urzeit, da das menschliche Leben nur ein ununterbrochener, wilder Kampf gegen jedes andere Leben war, wieder zur Geltung. Als das Boot am Fuße der Linden angekettet lag, schlugen die drei Männer die Richtung nach dem Schlosse ein. Dieses war ein langgestrecktes, altertümliches Gebäude mit nur einem einzigen Stockwerk und unverhältnismäßig hohem Ziegeldachs. Es lag mit seiner Front von fünfzehn Fenstern dem Schloßgarten zugewandt, wurde an der Westseite von einem zinnengekrönten, uralten, seit Jahrhunderten immer wieder ausgeflickten Turme flankiert und hatte im Giebel der Ostseite drei hohe, schmale Fenster, hinter denen das Wohn- und Schlafstübchen Ellens, der lieblichen Tochter des Schloßherrn, lagen. „Gut, daß der Wind so heult!" raunte Peter. „Man kann uns kaum im Hofe hören." „Wer sollte da noch wach sein?" fragte Fritz mit seiner hohen zuversichtlich klingenden Stimme. „Vielleicht Juno, die Hühnerhündin, die ich oft genug gestreichelt habe — ich hoffe aber, sie liegt an der Kette/ sie wurde wenigstens früher immer während der Nacht angebunden. Man stand unmittelbar vor den Fenstern des Schlosses, die sich etwas mehr denn mannshoch über dem Erdboden befanden, aber bequem zugänglich waren, da der hintere Teil der Mauer des Gebäudes mit hölzernen Latten benagelt war, an denen sich Kletterrosen und allerlei Schlinggewächse emporrankteu. „Wahrhaftig, Du hast recht gesehen," belobte der angenehm überraschte Carvalho seinen schon als Späher tätig gewesenen Genossen, „nicht einmal Fensterläden! Diese Leute haben ein gutes Zutrauen zur Sicherheit der Berliner Umgegend." „Dafür hat der Baron auch ein ganzes Arsenal von Flinten und Pistolen über seinem Bette hängen," warf Peter dazwischen; „bofsentlich machen wir keine Bekanntschaft mit diesen Waffen." „Unbesorgt, ich gehe, ihn zu überwachen," sagte Fritz und schlich sich auf den Fußspitzen davon. Er begab sich nach dem westlichen Ende des Hauses, um dort die beiden Schlafstubenfenster, die ebenso wie alle anderen Fenster des Hauses finster waren, unter scharfe Beobachtung zu nehmen. Carvalho zählte, mit der Tür des Gartensaales, in der Mitte beginnend, die Fenster ab. „Eins, zwei, drei, diese beiden müssen es sein. Nun, halten Sie mir die Laterne, lassen Sie sie aber noch geblendet, ich brauche noch kein Licht." Er stieg an dem Spalier in die Höhe, holte aus seiner Paletottasche eine Rolle, wickelte sie auseinander und drückte sie gegen eine der altmodischen Fensterscheiben. Die Rolle blieb kleben. Nun wartete er, bis sich der Sturm wieder kräftig erhob, und als der Aufruhr des Luftmeeres wieder brausend und heulend um das alte Turmgemäuer tobte, drückte er mit beiden Armen kurz und herzhaft gegen das Pechpflaster; ein dumpfes, knirschendes Geräusch, das aber 710 von der entfesselten Windsbraut übertönt wurde, unb bet Zugang zu bcm ben Schatz bergenbeit Zimmer war geöffnet. Jetzt griff Carvalho mit seiner Linken burch ben des Glases beraubten mittleren Rahmen bes zu brei Scheiben eingerichteten Fensterkreuzes entlang, fanb bett messingenen Wirbel, drehte ihn um unb stieß ben Flügel auf, ließ ihn aber vorsichtigerweise nicht aus ber Hand, bamtt ihn iiuiir, etwa ber Sturm erfaßte unb mit lautem Schalle hm- unb he.schlüge^ un§ I]ocf) me[)r Mühe machen können!" raunte er dem unter ihm stehenden Peter zu, „reichen L>i« Mir die Laterne!" Er öffnete die Blende und leuchtete Mit einer Halbkreisbewegung der Hand das Zimmer ab. „Ueber- all Teppiche; wir können die Stiefel anbehalten. Folgen Sie mir!" „ , Schon hatte er sich über die Fensterbrustung gefchwnn- gen; er hob den beweglichen Fensterflügel aus und stellte ihn auf den Fußboden. Peter kletterte hinterher und beide traten nun vor das Oelgemälde zur Linken, das die feinen Spalten einer Schranktür in der Tapete nicht gänzlich verdeckte, sondern für bas Auge bes Eingeweihten eine Spanne breit sichtbar werben ließ. „Hier ist es!" flüsterte Peter, mit bent Finger nach ber Wanb deutenb, auf bie ber Strahl aus Carvalhos Laterne fiel, „nun lassen Sie uns schnell machen!" „Keine Ueberstürzung!" mahnte ber kaltblütige Gefährte, „erst wollen wir uns für alle Fälle sichern." Das Zimmer hatte bret Türen; eine beit Fenstern gegenüber nach bent Korribor, eine östliche, bie nach bent Gartensaal führte, unb eine westliche nach ber Bibliothek. Carvalho fanb, baß bie Türen zum Korridor und zum Saal schon gesperrt waren, nur bie Tür zur Bibliothek war unverschlossen, ber Schlüssel steckte aber auf ber Außenseite. Leise, leise öffnete er biefe Tür nur so weit, baß er mit gewanbtem, unhörbarem Griffe ben Schlüssel von außen abziehen konnte, bann brückte er sie wieber zu, steckte ben Schlüssel von innen ins Schloß unb brehte ihn zweimal um seine Achse. „So, jetzt sinb wir sicher wie in Abrahams Schoß! Sehen Sie nur, ba blitzt es wieber; wir hätten uns bie Laterne! sparen können." Sie hatten bas Bilb abgenontnten, auf ben nahen Diwan gelegt, unb musterten nun bas Schlüsselloch, bas in ber Tapete sichtbar geworben war. „Soll ich bie Tür sprengen?" fragte Peter, inbent er ein Stemmeisen aus ber Brusttasche hervorlangte. „Pscht, Pscht!" machte Carvalho, „vielleicht geht es so." Er hielt wieber seinen 33unb Nachschlüssel int Stummel ber Rechten unb suchte nun mit ber Linken bie passenbe Nummer aus- „Ha, ha," triumphierte er, „bas schließt wie Butter! Ein ganz ordinäres Fabrikschloß! Das hätte man auch mit einem Zahnstocher aufschließen können!" Das eiserne, tapetenüberklebte Türchen stand offen, unb Carvalho überzeugte sich mit raschem sicherem Blick, baß ber gesuchte Schatz in guten Noten der Reichsbank vorhanben War. Sieben Paketchen, jebes zu zehntausenb Mark, steckte er in eine ber unergrünblichen Taschen seines Ueberziehers: !en aus kleineren Scheinen und mehreren Gelbrollen be- Eebenben Rest ließ er fingerfertig in ben Taschen seines Bein- lewes unb in einer Brusttasche verschwinben. Peter hätte iohl beanspruchen können, baß auch ihm ein Teil bes Gelbes anvertraut würbe, er spürte aber gar kein Verlangen banach, er würbe sich burch bie Berührung bieses Gelbes erst für Wirklich befleckt gehalten haben, unb so war er ganz froh, daß sein Genosse dieses Geschäft allein besorgte, und mahnte nur, als es beendet war, zum eiligen Rückzüge. Carvalho hatte aber, wie es schien, noch Zeit übrig, War es wirklich nur der Durst, ber ihn bazn antrieb, ober trug er einem abergläubischen Branche Rechnung? Genug, er spähte nach etwas Trinkbarem im Zimmer umher unb trat, als er es enblich entbeckt hatte, vor ein Eckborb, auf bent eine angebrochene Flasche Portwein unb mehrere verschieden geformte Gläser standen. Die niedlichen Schnaps- aläschen dünkten ihm gar zu winzig; er ergriff ein Bierseidel, bas sich ebenfalls hierher verirrt hatte, goß ben ganzen Inhalt ber Flasche hinein unb reichte bas Seidel bent un- aebulbigen Gefährten: „Schnell noch einen Schluck auf glückliches Entkommen!" Widerwillig nahm Peter bas Glas, unb nur um ben Aufenthalt nicht noch mehr zu verlängern, kostete er von bent Carvalho stürzte ben Rest hinunter, stellte bas Seibel auf bas Borb zurück, blenbete bann seine Laterne, steckte sie ein unb schlüpfte, gewanbt wie eine Eichkatze, wieber zum offenen Fenster hinaus. Als Peter ben gleichen Weg nahm unb schon braußen an bent Spalier nieberftieg, entfiel ihm das Stemmeisen. — „Nichts zurückgelassen!" gebot ber vorsichtige Carvalho, ber bas Geräusch gehört hatte, „suchen Sie das Verlorene." Peter bückte sich, griff mit der tastenden Hand durch das Blätter- und Aestegewirr der Spalierpflanzen und fühlte endlich dicht an der Mauer des Hauses die alte eiserne Klinge des verlorenen Werkzeuges. „So, ich habe es." „Dann fort nach dem Boote!" kommandierte Carvalho. Sie schlichen nach dem Seeufer zu, unb auch Fritz, ber bisher unbeweglich nach ben letzten Fenstern bes Schlosses gespäht hatte unb nun mit scharfem Ohr bie Schritte ber Kameraden hörte, gab seinen Posten auf und schlug dieselbe Richtung ein. Sie hatten alle drei beinahe schon bie alten Stuben erreicht, unter denen bas Boot lag, als ein urplötzlicher Windstoß Peters Schlapphut erfaßte unb in ber Richtung nach bent Schlosse entführte. „Zum Teufel! So geben Sie doch besser acht!" fuhr ihn Carvalho verdrießlich an. „Nun können wir wieder wart»n, bis Sie ben alten Deckel eingefangen haben. Na, vorwärts, vorwärts! Jagen Sie ihm nur nach! Als Visitenkarte können Sie ihn doch Nicht zurücklassen!" Peter begriff, daß fein Hut, wenn er von anderen auf- gefuitben wurde, sehr leicht auf bie Spur der Täter führen konnte; er lief bem Hute nach, ber wie ein rollendes Rad in der Mitte eines schräg nach der westlichen Schlohecke führenden Weges luftig dahintanzte. An der Schloßecke angekommen, bückte er sich, um den Flüchtling' zu ergreifen, aber ehe er ihn noch erfaßt hatte, entführte der Wind ihn aufs neue und jagte ihn nach der Giebelseite des Schlosses. Dort befand sich ein freier, kreisrunder, mit feinstem Kies bestreuter Platz, auf dem Ellen mit bett jüngeren Gästen des Hauses gelegentlich die aus der Fremde eiugefuhrten Kugel- und Ballspiele zu spielen pflegte. Dieser Platz war mit einer dichten Weißdornhecke eingefaßt, und in dieser Hecke blieb endlich ber windgepeitschte Hut hängen, so daß ihn Peter, dessen Augen sich schnell an das Dunkel gewöhnt hatten, wieder gewinnen konnte. Als Peter ihn atemlos aufhob, hörte er über sich ein Geräusch und wandte, noch unbedeckten Hauptes, das Antlitz forschend in die Höhe. Im selben Augenblick ging eine blendende Helle über den Himmel, und er erkannte im! Scheine des Wetterleuchtens bas Schloßfräulein, das in weißem Nachtgewande am offenen Giebelfenster stand und in den Garten hinunterspähte. Einen Herzschlag lang blieb er wie zu Stein erstarrt stehen, doch plötzlich kam ihm der Gedanke, daß, so beute lich er das Fräulein von Brank erkannte, er wahrscheinlich ebenso deutlich von ihr erkannt wurde. Heftig erschrocken stülpte er den Schlapphut auf den Kopf und tauchte pfeilgeschwind in bas Dunkel der Sträucher und Gebüschgrup^ pen zurück. Daun lief er,'was er laufen konnte, nach dem Seeufer, sprang in das Boot zu seinen schon darin sitzenden Genossen und stieß es mit kräftiger Hand vom Lande.! Sollte er seine Begegnung mit Elen erwähnen? Er sand nicht recht den Mut dazu. Wenn er wirklich erkannt worden war, dann lag es eigentlich in Carvalhos Intern esse, ihn auf irgendeine Weise schnell zu beseitigen, damit er nicht festgenommen und nach feinen Helfershelfern aus- gefragt werden konnte; der Brasilianer würde nach seinen von ihm öfters geäußerten Grundsätzen in solchem Falle kaum vor einem Morde zurückschrecken. Und Fritz? Was wußte Peter von diesem Unbekannten? Sicher würde er dem Brasilier beistehen — der See forderte geradezu zu einem solchen Verbrechen auf —, die beiden gewissenlosen Subjekte würden ihn sicher über Bord werfen, um ihn für immer stumm zu machen und so ihre Sicherheit zu erlaufen. Es mußte also geschwiegen werden. Aber mit geheimem Grauen betrachtete nun Peter seine Genossen; dabei überlegte er immer wieder, ob er von Ellen erkannt worben war ober nicht. Ö, wie verwünschte er jetzt feine Beteiligung an biefem Einbruch, seine Verbindung mit Carvalho, der ihm mehr und mehr im Lichte eines Erzgauners und Bösewichtes erschien, ber ihn, den deutschen Michel und idealistischen Schwärmer, übertölpelt unb ins Garn gelockt hatte! (Fortsetzung folgt.) 711 DK wett des Kinöes. Bon Prof. Dr. Richard D o h f e. Mein und unbedeutend mag vielen oberflächlichen Beschauern kne Welt erscheinen, die das Kind umfaßt, und die es sein eigen nennt. Wie reich und groß aber ist sie in Wirklichkeit für den, der sich die Mühe gibt, sie zu ergründen und in sie uuterzutauchen. Es cht dre unerschöpflich bunte Welt der Wunder und Märchen, der Träume und Spiele. — Das Land des.Ernstes und der Sorgen noch fern, weit hinter den Bergen. Vor ihnen aber breiten sich die Täler aus, sonnbeschieuene, blumige Wiesen, über die des «Abends die Nebelsrau schreitet, Wälder, in denen das Märchen zu Hause ist, weite Heerstraßen, auf denen Ritter und Reisige reiten, Felder und Auen, zu Spiel und Lust bereitet. Dazu das elterliche Haus für das Kind noch eine Welt für sich, wo jedes noch so unscheinbare Ding seine Bedeutung bekommt, wo das Spielzimmer von einem Zauber umwoben ist, dessen Reize Tag für Tag aufs neue ausgekostet werden. Und kommt dann die Schule, so ist auch sie für das Kind noch eine Welt der Wunder, und ein vor- sichtlger und feinfühliger Lehrer wird sich dies zu Nutzen machen Und gleichsam spielend die Kinder ans Lernen und an den Ernst gewöhnen. SBie ber Lehrer, so sollten aber auch die Eltern und alle die, bre die Welt des Kindes ernst nehmen, so wie sie es verdient, das Kinderparadies hüten, so lange es nur möglich ist; sie sollten es achten und ehren und selber mit dazu beitragen, es auszubauen, je nach Bedarf und Gaben. Freilich, nicht geringe Gaben gehören dazu, diese große und wichtige Mission richtig zu erfassen und auszuführen. In der Schule versucht man es mit dem „fröhlichen Unterricht", die Fibeln werden vom Schematismus befreit Und farbenfreudig gestimmt, so wie es der Jugend entspricht, die Eltern sorgen für zweckentsprechenden Schmuck des Kinderzimmers, dre besten unserer Maler und Schriftsteller sind eifrig am Werk, ihre Kunst in den Dienst des Kindes zu stellen, die deutschen Verleger gehen mit ihnen Hand in Hand und bieten der wunder- und • märchengläubigen Phantasie neue Nahrung. Es ist Jahr um Jahr aufs neue eine Freude, gerade diesen Bestrebungen nach einem guten, wohlfeilen und doch literarisch und künstlerisch einwandfreien Anschauungsmaterial ftir das Kind seine Aufmerksamkeit zu schenken. Altes wird aus der Vergessenheit gezogen und pietätvoll in neuem Gewände geboten, Neues wird geschaffen. Es ist ein Wetteifer und ein unermüdliches .Streben auf der ganzen Linie; beinahe zu üppig prangt allweihnachtlich der Gabentisch der Künstler und Verleger, zu üppig deswegen, weil auch beim allerbesten Bemühen nicht alles gut und empfehlenswert sein kann und manche Spreu unter dem Weizen zu finden ist. Das ist für das Elternhaus eine nicht geringe Gefahr, und darum scheint mir ein Fingerzeig, um den Weg zum wirklich Gediegenen und Guten zu weisen, immer gerade vorm Fest der Liebe, wo jeder mehr als sonst der Kinderwelt seinen Tribut zu zahlen gewillt ist, besonders am Platze. Liebe ftir das Kind und seine Welt, ein klarer Blick für das, was seinen künstlerischen Bedürfnissen nottut, ein feines Verständnis für eine glückliche Verbindung des guten Alten mit dem Neuen und endlich ein uneigennütziges Einsetzen aller Kräfte, um eine moderne, gesunde deutsche Kunst für das Kind zu schaffen, das sind schwerwiegende Forderungen, die heute an den deutschen Kinderbuchverleger und seine Mitarbeiter herantreten, und nur wenn diese Forderungen in idealem und praktischem Sinne eine uneingeschränkte Lösung finden, wird ein aus einem Guß geformtes literarisch-künstlerisches Bilderbuch für das Kind entstehen. Unter den Berufenen und Gleichstrebenden steht nun seit Jahren an führender Stelle der Verlag von Jos. Scholz in Mainj, ein Verlag, dessen Schöpfungen gerade auf dem Gebiet der Kunst für das Kind bahnbrechend gewesen sind. Jahr um Jahr wird in Rastloser und verständnisvoller Arbeit Neues geschaffen, und auch Heuer ist wieder der Schatz um ein Beträchtliches vermehrt worden. Klar gegliedert ist der Gesamtaufbau der großen Scholzscheu Sammlungen. Da sind zurzeit Anschaubücher für die ganz Kleinen, dann Lieder, Gedichte, Erzählungen, Mär- Wen für die Größeren bis zum 10. Jahr und noch später, weiter eine, Sammlung „Vaterländischer Bilderbücher" und endlich künstlerische Volks-Bilderbücher zu ganz billigen Preisen. Es ist also die ganze Welt des Kindes ins Auge igefaßt und aufgefangen worden im Spiegel des Bilderbuchs. . Für die Kleinen ist besonders das Tier eine Quelle der janschauenden Freude. Und was da auch in diesem Jahre wieder der Maler Eugen Oßwald geschaffen hat, das unzerreißbare Bilderbuch „Meine Lieblings-Tiere", reiht sich seinen früheren Tierbilderbüchern aus der gleichen Sammlung würdig an. Wieder staunt mau über die satte und leuchtende Farbenpracht der Bilder und über die besondere Begabung des Mnstlers, die Tiere in irgend einer charakteristischen Tätigkeit und Bewegung lebendig zu machen. — Neu ist auch das Büchlein „Wieviel sind's", in dem Adolf H olst "in lustigen Reimen Und der Münchener Meister Arpad Schmid Hammer in Bchst drolligen Anschaubildern die Kleinen in die geheimnisvolle 'eit der Zahlen spielend einführen, ein auch in der Ausführung höchst originelles Buch, an dessen Hand das Kind zweifellos Freude am Zählen und Rechnen gewinnt, — Wenn es dann etwas weiter ist, kann es die Fibel des gleichen Mnstlers, Schmid- Hammer, zur Hand nehmen, wo es in gleich fröhlicher Weise icherzvolle Volks- und Kinderreime in Verbindung mit der grille des köstlichen Bildermaterials in die Anfaiigsgründe des Schreibens geführt wird. Bald wird sich dann des Krnde^o Welt und sein Gesichtskreis so geweitet haben, daß es auch ichon au kleinen Liedern und Gedichten Gefallen findet. Auch Imiur ist geborgt durch eine ganze Reihe gleich schöner Bücher jur Knaben und Mädchen. . . Wüter eilen die Jahre. Das Kind wächst und freut sich an ;eder Kräfte- und Energieentfaltung. Dem kommt ein Buch aus bei dicsiahrlgen Ernte entgegen pon Oßwald und Holst. In o si, "<> ir t u § führen die beiden das Kind, und es ist eine xu|r, nMen zu folgen. Die Bilder in großzügiger Manier, zum ^^.."ddpblseitrg, rn blendender Farbenpracht und häufig von unwiderstelsticher Komik. Wie das springt und tanzt, wie Kraft und Gelchickllchkert rhre Triumphe feiern! Zugleich wird das Buch dem Krude eine Fülle von reinem Unterhaltungsstoff und mancherlei Anregung zum nachahmenden Spiel Bieten. Auch die Natur und ihre Wunder Beginnen das Kind zu löckeu, wenn es in ein Besinnliches und nachdenkliches Alter kommt. Da wll es das neue Buch von Schmid Hammer-Kotzde in die Hand nehmen. Arpad Schmidhammer, der hier sein Bestes geboten hat und Wilhelm Kotzde, der unermüdliche Herausgeber , . menten Scholz'schen Sammlungen, der den lustigen und zugleich unaufdringlich lehrreichen Text geschrieben hat, gehen gemeinsam mit dem Kind auf „Die Fahrt zu den Ameis- l e u t c n" und geben ihm neben allerhand lustigen und fabelhaften Abenteuern einen Einblick in das Staatenleben der Ameisen, dieses Wunderwerk der Natur. Wie wird da die Natur lebendig in Wort und Bild, besonders auch in den Bildern, in denen Schmidhammer in bewundernswürdiger Weise das Leben und Treiben der Ameisen in Verbindung bringt mit dem Menschenleben. Auch die ewig jungen Märchenbücher — und gerade sie in erster Linie — sagen diesem Alter des Kindes Besonders zu. Das ist eine phantastisch-buntbewegte Welt für sich, geschildert in der altbewährten Form der Brüder Grimm und mit Vollbildern und Textillustrationen der besten Meister der Farbe versehen, wie Ernst Liebermann, Diez, Münzer, Lefler und Ur» ban, Iü11ner u. a. Nicht zuletzt von EugeuÖßwald, der früher schon das Märchen „D e r W o l f u n d d- i e s i e b e n G e i tz- lei n" mit ganz unübertrefflichem Humor illustriert hat und nun als neueste Gabe „Den gestiefelten Kater" bringt, der hei den Kindern Helle Freude wecken wird. Auch die seit dem vorigen Jahre von dem Scholz'schen Verlage ins Leben gerufenen „Paterländischen Bilderbücher" kommen den Bedürfnissen des Kindes in vorgeschrittenem Alter entgegen. „Kein Mensch gedeihet ohne Vaterland!" Daher soll schon in das Kind frühzeitig der Keim zu einer gesunden und heute mehr als je nötigen Vaterlandsliebe gesenkt werden. Das ist die große Aufgabe, der auch die Scholz'sche Sammlung dienen wfll. Sie stellt die Großtaten und die Kraftgestalten deutscher Geschichte mitten in die Welt des Kindes hinein, und so hört dann die Jugend in schlicht und einfach geschriebenen Einzeldarstellungen von Friedrich dem Großen und seinen Kriegen, von Deutschlands Not und Befreiung, von den Jahren 18 7 0/71, von „Kaiser Rotbart" und „B i s m a r ck". Die Hauptsache sind auch hier wieder die Bilder, die von Prof. Angelo Jank, Müller-Münster, Karl Bauer und Franz Stassen stammen. In wahrhaft monumentaler Weise werden namentlich die Gestalten Rotbarts, Heinrichs des Löwen, Albrechts des Bären und des Alten aus dem Sachsenwalde in den bedeutendsten Zeitabschnitten ihres Werdeganges lebendig. Es ist eine Reihe höchst dankenswerter künstlerischer Gaben. So ist auch in diesem Jahre wieder der Scholz'sche Verlag seinem Grundsätze treu geblieben, dem Kinde zu bieten, was ihm frommt, und was hineinpaßt in seine Welt der Märchen und Wunder. Und gerade dieses beharrliche Weitergehen auf dem einmal als richtig erkannten Wege, das ist was die Scholz'schen Unternehmungen besonders auszeichnet und schätzenswert macht. Es ist nun Sache der Eltern, auch ihrerseits ihren Kindern das Beste zu bieten und ihre kleine Welt auszubauen in sorgfältig ah- 'wägender Weise und in unaufdringlich erzieherisch wirkendem Fortschreiten vom Einfachen zum Komplizierten. Immer muß es bedacht und wohl erwogen werden: Für die Kleinen ist nichts zu klein, alles ist ihnen groß und wichtig und gewinnt Bedeutung; alles wirkt und trägt Früchte. Und gerade daher ist ein gedeihliches Zusammengehen und Zusammenschaffen von all denen, die die Welt des Kindes Hegen uni) pflegen sollen, von allergrößter Bedeutung, denn es ist eine ernste und heilige Sache, um die es sich handelt, und es wäre gut, wenn in diesem Sinne das Wort des alten Jean Paul wirklich wieder Allgemeingut würde: „Ihr Kleinen steht nahe bei Gott, die kleinste Erde ist ja der Sonny am nächsten!" Liszt und fein Friseur. Amüsante Erinnerungen an Liszt weiß der 82jährige Friedrich M i e r, der in den Jahren 1859—1861 der Barbier des großen Komponisten in Weimar war, in der New Uorker Zeitschrift Musical America zu erzählen. Der Figaro, der seit 1872 in Amerika 718 lebt, hat ttorf) mancherlei Dokumente an diese „große Epoche Mier, „bewohnte einen Flügel deS herzoglichen Palastes in der Nähe des,Parks; dort rasierte ich ihn ßr (Kitte aitcb itod) einen %tt)eut fin* bie önnte. ÄZäyreno ML rafiert bielt erdieAugn geschlossen und belegte eine KLr, Ivie wenn er auf einem unsichtbaren Klavier melk, Kam ihm ein musikalischer Einfall, dann sprang ek plötzlich ani lief aus seinem Schlafzimmer in das angrenzende Gemach, wo ein Flügel stand, und das Gesicht ganz mit Sette bedeckt, tirieftc er manchmal so lange, daß man ihn erst an die Wirklich! erinnern mußte und an meine Verzweiflung wesen der verlorenem steil. Tas konnte 3—4 mal während einer einzigen Satzung vast sieren Manchmal kam es sogar vor, daß durch die Gewalt de. Spieles, dem sich der verzückte Meister hingaM eme Satte des Flügels sprang. Tann rief er mich und ich mußte ihm ßeljeit, bm. « aüier von bett vielen Gegenständen zu befreien,bie c8 bedeckten, damit er es öffnen und eilte neue Saite einipanneu konnte, stunt Lohn schenkte et mir dann Zigarren, die fast lmmec auo- Zeichnet waren Eines Morgens gab er mir welche und empfahl m?r dabei sie nur nach einer Tasse schwarzen Kaffees zu rauchen, indem er mich versicherte, ich würde daran meine ganz befon- dere Freude haben Noch am selben Abend probierte, ich das Geschenk aber die erste Zigarre war abscheulich und dm beiden andern 'die ich dann probierte, schienen mir noch entsetzlicher. Unser 'Zimmer war durch den Gestank so verpestet, daß meine Frau hereinstürzte und fragte vb haare m Dmnd geraten seiew Am andem Morgen verfehlte Liszt Nicht, mich zu fragen,, wie ich die Zigarren gefunden hatte. „Schrecklich, nickt zu rauchen. Kf ich. Da lachte er sehr und sagte zu mir: „Ja, mein hebet Miet, es sind ncht den besten; man kann sw für ein Paar Pfennige kaufen, aber sie sind unbezahlbar, um des. Dienstes willen den sie Ihnen leisten, denn Sie werden nach dieser Sorte die andern desto besser finden." „Ich hütete wich wohl, gegen diese i-m *» w* bezeichnende Episode. „Liszt hatte neben semem Schlafgemach «in Kabinett, in dem Weine und Liköre für die Leute stauben, die ihn besuchten. Eines Tages sand ich ein halbes Tuhend ÄnMeö bei ihm, barurtter Eduard Lassen und einen bekannten.^nnst tritifer. Man unterhielt sich so angeregt und h«ter, daß ich sehr lange warten mußte. Als ich dann mit meiner Arbeit fertig wat, ging Liszt in das Kabinett und füllte zwei Gläschen Mit Kognak. Er bot mir das eine an, stieß mit mir an, und dann tranken wir beide. Der Musikkritiker zuckte über diese Vertrautheit des Meisters mit mir die Achseln und rief : „Sie machen sich doch wohl ein wenig zu populär." Liszt runzelte die «fttm, wandte ihm ohne zu antworten den Rücken, holte zwei neue Gläschen und sagte: „Run wollen wir noch einmal trinken und zwar auf Ihre Gesundheit, Herr Mier." Alles lachte nut Ausnahme des Kritikers, der einige Mühe hatte, die Lektion zu verdauen. Mier hat auch Wagner 1861 in Weimar rasiert. Dabei fragte ihn einmal Liszt plötzlich: „Welche -Ober von SSagntt hnbprt (Sie am liebftcn?" ^Intivntt * ,,jTva wäre ich sicherlich rasch Millionär geworden . . . Verm??ehtss. * Heber den Ursprung der Ki r chw e ih f eie r n. Worauf gründen sich unsere Kirchweihfeiern, welchen Ursprung haben sie in den meisten Gemeinden? Unzweifelhaft gründen sie sich auf die Einweihung der Kirche, des Gotteshauses einer Gemeinde, und zwar das erste, das in einer Gemeinde erbaut wurde. Dafür ist ein Beleg der erste Eintrag in unserM ältesten Kirchenbuch von der Hand des zweiten Pfarrers der Gemeinde (die Pfarrei wurde 1607 gegründet, vorher waren die Gemeinden nach Schiffenberg eingepfarrt), des trefflichen Johannes Weiß von Garbenteich. Er lautet: „September 1624. D. 19ten Tag auf die Kirchweih ist getauft worben Hans Heuset's Töchterlein Elisabetha genannt, dessen Gevattern: Hans Meurer's Dochter, Wenzel, des Webers Sohn, und Elisci- betha, Veltens Henrichs Dochter." Die vielbekannte Watzenborner Kirchweih wurde also vor 300 Iahten genau lauf denselben Tag gefeiert wie heute, nämlich auf den 20. September oder den Sonntag, der diesem Termin am nächsten liegt. Da bie Kirche im Laufe des dreißigjährigen Krieges arg verwüstet und dann erweitert und umgebaut iuurbe, so ist einleuchtend, baß der Tag bet jetzigen Kirchweihe auf uralte Zekk. bie erste Weihe der ältesten Kirche zurückweist. r . * Wolsertshausen. Vor vielen, vielen Jahren stand nordöstlich von Ranstadt in dem Tale zwischen dem Kirchwalde und dem Rülis walde der Ort Wolsertshausen. Noch jetzt führt eine Stelle, wo der Ort gestanden hat, den Namen „bie Kellerhecke", und man Hal hier noch vor etlichen Jahren Steinstiisen gesehen,, die von einer Kesterirepve herrührten. Auch heisst noch ein Feldstück in der Nähe „der Linden garten" und ein anderes größeres „die Bennde" (Benne). Tie Beunde ist ein eingesriedigtss Land, und es waren hier wahrscheinlich Gartenstücke von Wolseitshausen. Von Ranstadt nach dem Woliertshäuser Tale führt der Weg über das Niddabächlein; die Brücke heißt „Ganbrücke" (Garndrücke). Der Name „Ganbrücke" bedeutet wohl gemeinschastliche Brücke. Kommt man in daS Tal, so ist gleich rechts oben ein Platz, der heißt „Kirchallen" (Kirchaller, Kircheller). Di- Kirchallen war wohl früher ein Heiligtum. (91( ah ein Tempel). Und hier aut diesem Anger in einem Winkel des Kirchwaldes soll die gemein» schastliche Kirche von Ranstadt und Wolsertshausen gestanden haben. In dieser Kirche sollen die zwöls Apostel in Gold auf,gestellt gewesen sein. Nun geschah es, daß in den Zeilen des,30jährigen Krieges eine raubsüchtige Kriegerschar das kleine Tal heimsuchte. j~er Ort wurde von Grund aus zerstört, und ivas von den Bewohnern nicht entkam, iuurbe niedergemacht. Die Entkommenen siedelten sich später in Ranstadt an. Der Küster, der neben der Kirche wohnte, hatte vorher die zivöls Apostel in Sicherheit gebracht und sie in einem dichten Gebüsche des Kirchwaldes tief ein gegraben. Die Kriegsräuber hatten von dem Golde gehört; sie suchten nach und aus Aerger zerstörten fie die Kirche; auch der Küster verlor, hierbei sein Leben. So waren nun der Ort und die Kirche ver» schwunden, und die zwölf Apostel liegen verborgen bis ans den heutigen Tag. Mcherttsch. — Zwei neue Ullstein-Ingenb-Bücher. Jeder Band> reich illustriert, 19)0. Parsival von Gerhart Hauptmann. Das Buch schildert, wie Parsival, der Vater Lohengrins, in der Wildnis der Walbnatur heraiiwächst, iuie er in Kampf und Not bie Welt durchirrt, bis er erlöst wird und als König in bas Wunderland des heiligen Grals einzieht. — Gudrun von Helene Bühlau. Die bekannte Dichterin altweimartscher Geschichten gibt in bieseni Buche dem alten Epos von Gudrun, der blonden Königstöchter, von ihrem Unglück und ihrer,hoheitsvollen Herrlichkeit eine neue, des Originales würdige Fassung. — Musik für Alle. Das Farmermädchen, Georg Jarnos melodiöse Operette, ist in dem neuesten Heft der Noten-Zeitschrift „Musik für Alle" zum Abdruck gelangt. Die schönsten Nummern der Operette sind in einer leicht spielbaren Form vom .Herausgeber der „Musik für Alle" zusammengestellt. ~ r — Trowitzsch's (Volks)Kalender 1914. 87. Jahrgang, Trowitzsch u. Sohn, Berlin SW 48. Ans dem reichen Inhalt des neuen Jahrganges 1914 sei zunächst ein vaterländischer Rückblick erwähnt, den A. O; Klaußmann beit fortschreitenden Be- freinngstaten von 1814 und 1815 weiht. Darauf ein kurzes Lebensbild des berühmten Verlagsbuchhändlers und echten deutschen Mannes Friedr. Perthes und seiner Frau, bie besonders schwer unter der Franzosenherrschaft zu leiden hatten. In die moderne Zeit führt uns Ernst Nientaims „Deutsche Arbeit . Dr Valentin Scherer gibt einen willkommenen Uüberblick über bie Entwickelung der Balkanstaaten, und wie immer findet sich eine geschichtliche Uebeischau des vergangenen Jahres in einem reich illustrierten Artikel verzeichnet. Der unterhaltende Teil, der, je nach Eigenart der Verfasser, neben dem Ernst den köstlichsten Humor zur Geltung bringt, weist Namen auf wie K. van Beeker, Luise Koppen, Frida Schanz, Paul von szezepanski, S. v. Adelung, 9N. Kritzinger. Reiche Illustrationen, Anekdoten, Rätsel, Gedichte und bgt sorgen für Kurzweil, während der mit besonderer Sorgfalt ausgeführte praktische Teil mit allem wissenswerten in Astronomie, Meeres- und Erdkunde, [in Handel und! Wandel, Haus und Landwirtschaft, Samariterpslege und Post- wesen den Kalender zu einem guten Rachschlagebuch macht. Gleichllang-Ratsel. Du findest mich in der Niere der Rinder, Im dunkeln Erdreich, am Rosjeshuf, Doch schätzen mich liamentlich Frauen und Kinder, Jetzt, wo eine weiße Gestalt mich erschuf. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in voriger NumMrj Nennet Vi,k»rest London Tobolsk Turin - Venedig 6ger Redaktion: K. Neuratb. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kchen Unwersitats-Nuch- und Steindruckerei, R. Lange. ®ieM