Samttag, -en 15. September »Bf I a MR ÄHi Dom Pikkolo zum Millionär. Heitere Erzählung von Harry Nitsch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ' ^rich hatte so ziemlich verstanden. Er wußte, daß er sich in der französischen Schweiz, am Genfer See, wo die Fremden Winter und Sommer über wohnen und die Ho- tels füllen, eine Stellung suchen sollte, um dort an der Quelle Französisch zu lernen. Herr^Gerstner hatte ihm auch weiter geraten, von der Schweiz ans, wenn er des Französischen mächtig sei, direkt nach London zu reisen, um auch dort die Landessprache an der Quelle zu studieren. Darum befand Erich sich, mit seinen Ersparnissen von 800 Mark in der Tasche, auf der Reise nach der fernen Schweiz. Dem armen Jungen zitterte ein wenig das Herz, wenn er an den weiten Weg dachte, den er allein in die unbekannte Welt zurücklegen sollte. Aber er erinnerte sich Herrn Gerstners, der ganz ebenso als junger Mensch in die weite Welt gefahren war und das stärkte sein etwas abschiedgeschwächtes Gemüt. Was Herr Gerstner konnte, wollte er auch vollbringen. , In Dresden machte Erich einen Tag Station, um einem entfernten Verwandten der Mutter guten Tag zu sagen. Dieser, ein kinderreicher Handwerker, war liebenswürdig genug, dem hereingeschneiten Neffen, der nicht einmal ein richtiger Neffe war, einen halben Tag feiner kostbaren Zeit zu widmen. Er führte den staunenden Fungen in der Stadt umher, zeigte ihm den Zwinger und seine zoologischen Schätze, welche an diesem Tage eintrittfrei zu besichtigen waren, und fuhr bann mit ihm auf dem Dampfschiff hinaus nach Loschwitz, von dessen Höhe aus der ganz betäubte Erich die riesige Stadt vor sich liegen sah. Die Nacht über blieb Erich in einem der kleinen Gast- Häuser der Neustadt, in denen der nicht mit Glücksgütern gesegnete Reisende für eine Mark ein sauberes Bett und frisches Wasser zum Waschen findet. Am nächsten Morgen fetzte Erich die Reise über Frankfurt, Basel nach dem schönen Genfer See fort. 15! : * Schüchtern stand Erich Sanner vor dem Haus Rue Ge- vray 17, an dessen Eingang zwei Schilder in schreienden Farben das Plaeierungsbureau von Wilhelm Schutz für sämtliches männliches und weibliches Hotelpersonal ankündigten. Nach langem Zögern trat Erich endlich klopfenden Herzens in das Haus, in dem sich das Schicksal seiner nächsten Zukunft entscheiden sollte. Rechts führte eine niedrige, dunkle Treppe zu dem im Hochparterre gelegenen Bureau des Stel- lenvermittlers. Bescheiden klopfte Erich an die Türe, welche ein Schild: Eingang für Stellensnchende! trug. Vielstimmiges, mit lau» tem Lachen untermischtes „Entrez! — Herein! — Man immer rinn" hallte dem verlegen eintretenden Erich entgegen, der ganz erschreckt wieder zurückprallte. Im ersten Augenblick sah der (Sintretenbe überhaupt nichts, so bicht lagerten bis aus zahlreichen Zigarren und Zigaretten aufsteigenden Rauchwolken über alle Personen und Gegenständen des mäßig großen Zimmers. Einige junge Leute, deren Kleidung einen .englischen Zuschnitt zeigte, rauchten ihren Tabak aus einer, kurzen Stummelpfeife. Als Erich sich an die dicke Luft des Wartezimmers gewöhnt hatte und wieder Gebrauch von seinen Hellen braunen Augen machen konnte, musterte er die Anwesenden neugierig. Wohl gegen dreißig Personen füllten das Zimmer, darunter mehrere jüngere Mädchen oder Frauen, die mit den Männern in ungenierter Unterhaltung begriffen waren. Das sind also meine Kollegen! dachte Erich und ein banges Gefühl bemächtigte sich seiner, als er alle diese so W versichtlich und selbstbewußt dasitzenden Herren betrachtete. Er selbst kam sich dagegen so nichtig, so klein und unbedeu-i tend vor, daß er am liebsten davongelanfen wäre. Erich wußte nicht, daß gar manche von diesen gut, ja elegant gekleideten jungen Herren in vier Wochen viel weniger zuversichtlich und elegant aussehen würden. Die Wintersaison war kaum zu Ende, mit bereit Berbienst in ber Tasche glaubten viele, Berge einreißen zu können; sie weisen baher gar manche Stellung ab, bie ihnen nicht gut genug erschieß. In einigen Wochen, wenn bie Chancen immer geringer würben, weil bie Sommersaisonstellen alle besetzt waren, war man weniger wählerisch. Dann hatte ber fesche, neue Sommerüberzieher oft bent alten, in Sturm und Winb bewährten toieber Platz machen müssen, unb auch von bem tabellosen englischen Smoking war nur ber Pfandschein als Erinnerung übrig geblieben. Denn ach, die Ersparnisse nehmen in der großen Stadt oft ein schnelles Ende, und mit ihnen schwinden auch die Aussichten auf ein gutes Engagement. So ist schon gar mancher junge Mann verbummelt, und bann verborben unb gestorben. Ein junger Mann mit einer sanften, wohllautenden Stimme, und einem weichen, runden Mädchengeficht, nahm sich des Fremdlings freundlich an und fragte Erich, indem, er ihm auf die Schulter klopfte: „Pardon Monsieur, vous cherchez une place, n'est ce pas? Bons ne connaissez Pas ce Bureau? Jl faut b’attenbre --Sie sind Deutscher", unterbrach er sich, als er Erichs verlegenes, hilfloses Gesicht sah: „Nicht wahr?" „Ja! Ich bin erst gestern abend angekommen und verstehe nur sehr wenig französisch." „Nun, das macht nichts, Sie werden es schon lernen« Hier in der Schweiz kommt ein Deutscher auch ohne Französisch ganz gut durch. Ich wollte Ihnen nur sagen, daß Sie warten müssen, bis an Sie die Reihe kommt. Herr Schuß befindet sich dort in jenem Zimmer und läßt immer nur fünf Mann Mammen bei sich eintreten. Sie sahen mir gleich so fremd aus und da wollte ich Ihnen behilflich sein," — 570 — Erich dankte dem freundlichen jungen Mann herzlich, ließ sich neben ihm auf einen Stuhl nieder und unterhielt sich mit ihm. Der Fremde nannte ihm seinen Namen, Jules Christen; er war aus einem kleinen elsässischen Nest und sprach Deutsch und Französisch seit seiner frühesten Jugend. Während seiner Unterhaltung lauschte Erich neugierig auf die Gespräche der anderen Stellungsuchenden. Neben ihm saß ein großer, vierschrötiger Mensch, der trotz seiner eleganten Kleidung recht gewöhnlich aussah. Er unterhielt sich in überlauter Weise quer durch das Zimmer hindurch mit zwei aufgeputzten Dämchen, die am Fenster standen und sowohl das Zimmer, als auch die Straße im Auge behielten. Der Große renommierte mit seinen Erfolgen, die er bei Frauen hatte und machte dazwischen zweideutige Witzchen, bei denen die beiden jungen Mädchen laut und ungeniert kicherten. Eben war der Große dabei, dem einen, gar nicht unüblen Mädchen eine regelrechte Liebeserklärung vor versammeltem Volk zu machen, und sie für den Abend zum gemeinsamen Besuch eines etwas zweifelhaften Vergnügungslokales einzuladen, als das Mädchen lebhaft und offenbar freudig erregt ausrief, dabei eifrig jemand auf der Straße zuwinkend: „Mieze, dort gehen Charles und Wilhelm, ich glaube, sie suchen uns. Komm schnell, Stellung finden wir morgen auch noch. Fix!" Hastig eilten die Mädchen davon, au dem Großen vorüber, ohne ihn auch nur eines Blickes oder Grußes zu würdigen. Ihnen folgte das spöttische Gelächter der Anwesenden, welche dem als Renommisten unangenehm bekannten Großen die Blamage gönnten und mit ihrem Spott und Hohn nicht geizten. Jules Christen machte Erich leise flüsternd auf verschiedene der Anwesenden aufmerksam: „Der Kleine dort, mit dem glatt gescheitelten schwarzen Haar und den unsteten, dunklen Augen, ist ein Bulgare. Er spricht sechs Sprachen, ist außerordentlich tüchtig, und doch behält ihn kein Prinzipal lange. Er trinkt und ist sehr- schmutzig. Saubere Oberhemden und tadellos weiße Binden sind bei ihm eine Seltenheit. Der elegante junge Mann mit den sanften blauen Augen, der neben der dicken Köchin sitzt, ist ein Landsmann von Ihnen. Er bekommt in Deutschland in keinem besseren Hotel mehr Stellung, weil er sich in Berlin eifrig an der sozialpolitischen Bewegung beteiligt hat und bei den Prinzipalen daher als Aufhetzer der Leute verschrieen ist. Jetzt ist er nach der Schweiz gekommen, er will sich jedoch an keiner politischen Bewegung mehr beteiligen, weil die Kellner es nicht verdienten, daß man sich für sie opfert, — so sagt er. Jener dort ist Herr Legrin. Ich meine rechts den alten Mann mit dem weißen Haar und den grauen Koteletten. Er war vor zehn Jahren noch eine unserer ersten Kapazitäten. Er hat in Frankfurt am Main, in Paris, in Nizza und hier in Genf hervorragende Stellungen bekleidet und riesig viel Geld verdient. In Nizza erzählt man sich heute noch tolle Stückchen von ihm, tote er sein Geld wieder auszugeben verstand. Vierspännig ist er von Nizza nach Monte Carlo gefahren, hat dort am Spieltisch, trotzdem den Angestellten der Hotels der Besuch des Kasinos verboten ist, mit der Miene eines echten Grand Seigneurs Tausende verspielt und ist dann im Vierspänner in der Nacht wieder nach Nizza znrück- gefahren. Wer ihn um Geld anborgte, erhielt es, die Hundert- franknoten trug er lose in der Westentasche, und ich bin sicher, wenn Legrin heute all' das Geld, was er in seiner Glanzzeit leichtsinnig und ohne Schuldschein verborgt hat, wieder zurück erhielt, so könnte er sich eine sorgenlose Existenz gründen. Denn jetzt arbeitet er hier als Aushilfskellner, bedient bet großen Diners, die er früher als Maitre angeordnet hat, und Bei denen er eine Schar von Kellnern kommandierte, oder er hilft bei Bällen und Festlichkeiten ans, wenn das Personal der Häuser nicht ausreicht. Es ist ein trauriges Brot, mit dem er sich kaum achtzig bis hundert Franken im Monat verdienen kann, und doch ist er froh, daß er es hat. Denn infolge seines früheren flotten Lebens yat fein Gedächtnis gelitten, die Füße wollen nicht mehr mit und auch die Hände versagen häufig den Dienst. ^n den,Hotels will man ihn gar nicht mehr haben, weil er mehr eme Last als eine Hilfe ist; Herr Schutz hat Muhe, den Alten noch unterzubringen. Er tut dies auch nur aus alter Erkenntlichkeit, denn Herr Schutz soll von Legrin gar manche Hundertfranknote extra für die ihm besorgten StellunSeit erhalten haben." ...... Erich iah den interessanten alten Herrn mit mitleidigem Staunen an, ihm war weh ums Herz und bang vor der Zukunft. Was würde sie ihm Bringen? Doch sein neuer Freund, welcher sich wohl verpflichtet glauBte, den jungen Fremdling tn alles einznweihen, ließ Erich keine Zeit zu Reflexionen. Er fuhr im Bisherigen Flüsterton fort, nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß von den jetzt noch Anwesenden, die teils in lebhafter Unterhaltung waren, teils m ausliegenden oder mitgebrachten Zeitnngen lasen, nic- Mand auf ihr Gespräch achtete: „Sehen Sie das hübsche Mädchen mit den roten, frischen Lippen, den Weichen runden Wangen und den sanften, unschuldigen und so lustigen blauen Angen? Jetzt Blickt sie zu Ihnen herüber und lächelt Sie an, sehen Sie nur, wie ihre weißen Zähne blitzen. Sie gefallen ihr. Die hübsche Kleine heißt Hedwig Gassen und ist die Tochter eines wohlhabenden deutschen Hoteliers. Man erzählt sich von ihr, daß sie als Siebzehnjährige mit einem Kellner ihres Vaters durchgegau- gen ist, der sie nach einem halben Jahre sitzen ließ. Jetzt ist sw Zimmermädchen, wechselt aber ihren Dienst sehr oft, da sie kein Prinzipallange im Haus behalten kann." Erich sah das Mädchen neugierig von der Seite an. Es fmg den Blick auf und nickte ihm vertraulich zu. Purpurrote iiberzog Erichs frisches, offenes Gesicht, und in dent- ucher Verlegenheit fragte er seinen neuen Bekannten: „Warum behält man sie denn nicht? Ist sie nicht tüchtig?" Christen lächelte verschmitzt und flüsterte Erich ins Ohr: „Sie soll sogar sehr tüchtig fein. Aber sobald Hedwig vier Wochen in einem Hanse ist, gibt es unter dem männlichen Perlonal Mord und Totschlag. Man weiß, daß sie ein verliebtes Persönchen ist, jeder möchte von ihr geliebt sein mib so ist denn einer aus den andern eifersüchtig. Mau beobachtet ich, und wenn die Beobachtungen das traurige Resultat ergaben, daß ein anderer der Glückliche war, der — na, Sie verstehen schon, dann gibts Radau." Erich nickte verlegen. Ihm wurden da so ungeniert Dmge enthüllt, von denen er bisher nichts wußte. Er war froh, daß ihn Herr Christen jetzt auf ein paar ältere Leute aufmerksam machte, die ziemlich ärmlich gekleidet waren und lorgenvoll und übernächtig anssaheu. ^Das sind Kollegen von Legrin, lauter Aushilfskellner. Der Magere mit dem riesigen Schnauzbart war bis vor drei Jahren Hotelier, er hatte ein gutgehendes Geschäft am Bahnhof eines größeren Fremdenplatzes. Eine Compagnie wollte ihm sein Hans vorteilhaft abkanfen, weil sie dort ein großes Aktienhotel hinznbanen beabsichtigte. Martin, so heißt er, ging jedoch nicht darauf ein, er wollte überhaupt nicht verkaufen. Da setzte ihm die Gesellschaft eine riesige Kaserne aus dem Grundstück eines Nachbars so dicht vor fein Hans, daß Martins Hotel Luft und Licht genommen war; vom Bahnhof ans sah man es überhaupt nicht mehr. Martin klagte und gewann den ersten Prozeß. Die Gesellschaft legte aber Rekurs ein, in der zweiten und dritten Instanz verlor Martin und nach zwei Jahren meldete er den Konkurs an. Als Oberkellner nimmt ihn niemand mehr, dazu ist er zu alt. Andere Stellung fand er nicht, und so ist er Aushilfskellner geworden, um seine Familie nicht verhungern zu lassen. Schutz protegiert ihn, weil Martin als Hotelier fein ganzes Personal von ihm nahm. Der Blasse neben Martin, der mit dem vergrämten, aufgedunsenen Gesicht, hat vor längerer Zeit unschuldig im Gefängnis gesessen. Eine Dame, die in dem Hotel logierte, wo Flumm angestellt war, vermißte eine Brillantbrosche. Sie beschuldigte Flumm kurzer Hand, weil man ihn ans dem Zimmer der Dame hatte herauskommen sehen. Nach langen Monaten fand sich die Brosche Beim Ausklopfen von Möbeln in dem Sosa jenes Zimmers. Sie war zwischen der Rückenlehne und dem Sitz durchgerntscht, und hatte dort im VerBorgeneu gesteckt, bis der Hausdiener Beim Klopfen etwas Hartes traf. Als man Flumm wieder frei ließ, war er viel zu schwach und kränklich, um wie vordem Stellung anzunehmen. Er hat dann einige Zeit für ein Wäschegeschäft gereist, und hat die Angestellten der Hotels, seine ehemaligen Kollegen, Besucht. DaBei hat er sich das Trinken angewöhut. Er wurde Bummlig und mußte entlassen werden. Jetzt ist auch er Aushilfskellner, Herr Schutz kann ihn jedoch nur in Lokale zweiten Ranges schicken, weil er in Besseren Häuern seiner häufigen Trunkenheit halBer nicht mehr geduldet wird. Früher soll er einer der nüchternsten, gewissenhaftesten Menschen gewesen fein." (Fortsetzung folgt.) j f r i i 8 i' r h e L d 571 Der „Zägerkaspar". 'Erlebnisse eines Dorfjagers aus dem Kögelsberg. Kon Hermann S t r a ck. (Schluß.) ' ■ ' VIII, Eine Rebhühnerjagtz. ,^"?" fragt Hannkasper seinen Schwager, -„ich hu tzehott, off Kerlsberg war a fürchterlich grüß Kerre Reab^ Hühner. Do will ich amol nochgih."- _ Hü" erwiderte ihm Baltin, „ich komme fpärer ?50t) mx Hannkasper war schon eine gute Weile fort, da kommt krn Mann zu Valtin und sagt: „Mach dich on Keilsberg! pöer Hannkasper fchäißt alles z'sonrme. Der Kerle bombt, m’r mahnt^ eas wär Manöver." wann er ach auf krihe dät!" lächelt "Baltin. Nun hangt Kalten die Flinte um den Ranzen und eilt Hannkasper nach. Auf dem Berge trifft er Hannkasper mit der Verfolgung krncr Rebhühnerkette beschäftigt. „Woas hoste tritt?" fragt "ihn Valtin. _ . "Die Leackfötz," entgegnet ärgerlich Hannkasper, mit dem Taschentuch sich den Schweif von der Stirne trocknend. Es war ein warmer Septenrbertag. st. bombst d' "joa doach on aner Reih!" sagt Valtin. s Unglock woaß, entgegnete Hannkasper, „se wäi ich schäiße Mil/ klmmt Mersch vor, als wann immer inner d'm Reabhuh Mach a Schauwe (Schatten) Heng." ,,D' fchäißt oawer auch immer off d' Schauwe," sagt Valtin. , >'y°a, spricht Hannkasper weiter, „ean dobei eas schwer- vcrnlS1?6' r ■ .rttn-erschare, woas Rebhühner oawer woas Woachten (Wachteln) sei! s släiht alles dorchenaner, grüß ean klah."' Was Hannkasper für Wachteln hielt, waren spät ausgegangene. Noch ganz kleine Rebhühner, die sich zu einer bereits ausgewachsenen Kette geschlagen hatten. "facht ffch Kaltin an die Verfolgung der Hühner, deren ^agd allerdings in den Bergen eine fchwierigere ist als in der stiegen toe^ ""f den Bergen die Hühner meist bogenförmig Auch Valtin hatte Pech; er traf keins der Hühner. Zornig fuhr er nun Hannkasper an, der — seit Valtin anwesend — poch kernen Schuß getan: „Warüm fchäißt d' bann nitt?" "Weils doach kan Wert hott — mir wässert d's ane Aag f— ean do kann ich nitt geziele ean naut getreaffe." Mit diesen Worten machte Hannkasper Kehrt und ging heim, wahrend Valtin noch weiter der Jagd oblag und auch nicht ohne Erfolg. IX. Der Jäger ohne Flinte und der Dachs. Wieder stand der Winter vor der Türe. Um diese Zeit geschehen in den Dörfern die Hausschlachtungen. Auch Hannkasper, ma!l im Dorfe nunmehr „Jägerkasper" nannte, hatte Schlachttag Beim Schlachten muß neben dem Metzger auch der Hauscherr den Wurstteig der einzelnen Sorten versuchen, damit die Wurst das richtige Maß von Gewürz erhält. Da versteht es sich denn von selbst, daß jedesmal das Versuchen einer Teigsorte mit etwas Flüssigem hinabgespült wird, um den Geschmack für eine andere Sorte rein zu präparieren. Was eignet sich hierzu bester als der „Schnaps"?. So wurde denn tagsüber von Hannkasper nicht schlecht „geläppelt", so daß er es spürte. Obwohl es' an einem Schlachttag vielerlei im Haufe zu tun gibt, vermochte es Hannkasper doch nicht übers Herz zu bringen, einmal vom Anstand wegzubleiben. Ja, er dachte, für einen Schlachttag müsse man erst recht durch einen Jagdgang Ausgleichung suchen. So schickte Hannkasper zu Baltin, und ließ ihm sagen, daß er zum Anstand komme. An einem Wegpünkte, der an einem Walde gelegen, wollten sie sich treffen. Valtin war bereits auf der Stelle, als er Hannkasper den Fußpfad "heraufschreiten sah. Mit ernem prüfenden Blick musterte er den inzwischen Heran- gekommenen. „No, wuhi?" „Woas vör a Frog?" entgegnet ärgerlich Hannkasper. „Witte dann d's Wöld tuthaage?" „Schwermut!" fährt Hannkasper ärgerlich herum und sieht nach ferner Seite, an der nur der Ranzen hängt, „etz hu ich jo — woaß d'r Himmel — die Flente d'haam g'losse! Dorch den Dorchenaner mett d'm Schloachte hu ich. se," — er schlug sich dabei an den Kopf — vergeasse. Ham gihn ich oawer nitt, ich geawe mol off's Weald oacht." Als die Nacht sich herniedersenkt, so daß der Anstand am Walde beendigt war, kam Hannkasper angewalzt. Baltin hörte ihn schon von weitem murmeln und ärgerlich mit sich selbst leben, fo baß er ihm entgegen rief: „No, woas eas?" „Kreuz, Krenk, woas ärger ich mich, beaß ich ka Fleute halt'. ^chHu a jDeng (Ding) geseh, ich woas nitt, woas Wo ar. Ich woar a ü"nk eangedusselt/ erzählt Hannkasper, „do hier ich off amol eabbes uwer die Wisse wusseln. Ich schnappe off ean gläwe, 's las a Sau daher. Wäi ich oawer genaer gucke, sehn ich, deaß doch fa Sarr woar." "Doas woar ean Dachs!" ruft Baltin überzeugt aus. „Kreuz Krenk!" sagt Karmkasper/ „waanS Brei rahnt (regnet) nüS?Ä?rÖffif’ CalVCr Timm^ ’r :m’r wirrer!" Der Dachs kam aM X. Ein eigenartiger Feldhase. ' In den Gebirgsgegenden kommt der Hase nicht so zablreicki vor wie in der Ebene. Wenn in ersteren Gegenden die -sainilie Samye in ihrer Entwicklung durch ungünstige Witterung gehemmt w-rd, dann ist der Hase im Herbste dort oft selten in?Felde anzu- ttesfen. Der erfahrene ^ager schont deshalb die späten Sätze der Mutter Lampe und laßt die Nachzügler erst auswachsen. r s Maltin batte am benachbarten Berge in der Nähe des Dor- rückständige Hasensamilie gefunden. Bei einem Jagd-- gange Hannkaspers den dieser ohne Baltin antrat, schärfte er ihm . kleinen Hasen zu schonen Und nicht zu schießen. Haun- brauchst b’ mir nitt erscht z' sage, E vo sealwer." Kaum aber ist Hannkasper einige Mi- "ulen weggegangen, so daß er bie ersten Aecker am Dorfe er« laicht, da kracht auch schon ein Schuß. xf" seiner Gaststube ben Schuß gehört, knurrt argettich „R hott off a Häsi geschosse! Raut banne gih geloste." Hannkasper zurück, mit itiumphis- render Miene einen Hasen hochhaltend und rufenb: „Glaich eam erschte Deackworzacker Huhn ich den erwöscht." Baltin betrachtete schmunzelnd beit eigenartigen Felbhasen". „Doas eas io," - ruft er aus, - „'n Stallhoas!" nitt //Woas? entgegnet gedehnt Hannkasper, „doas gläwe ich „Ei betroacht doach sei Läf, wäi korz däi sein!" spricht Kaltm." , ^;Ach hn 'n eam Feld geschosse — ean do eas a Fcalb- hoas ,- erklärt bestimmt Hannkasper. Am Abend kam, „betröppelt" der Junge, dem der Stallhas gehörte, zu Hannkasper unb bat Um bie Herausgabe seines, ihm entlaufenen Stallhasen. „Ich därf d'r ’n eigentlich nitt geawe, ich hu ean eam Feald seschosse, ean do gehirt ’r zour Jähb; oawer weil dous beast, will ich d’rn geawe." ' Mit biefen Worten überreicht er dem Jungen den bereits abgezogenen Hasen, unb Hannkasper war um einen Sonntags- braten ärmer. XI. Die Feldkatze n. 1 Wehe ber Katze, ber Hannkasper auf "feinen Jagdgängen im Selbe begegnete! Sie war verloren. Recht hatte er damit. Derartige Katzen sind nicht ifur schlimme Bögelfeinde, sondern auch Wildschädiger. Deshalb ist eine Schrotlabung für solche Felb- katzen die beste Nahrung. Hannkasper war wohl einerseits aus biesem Grunbe ein geschworener Feinb ber Felbkatzen, andererseitA ntaUte er aber auch aus purer Jagblust gerne auf sie, weil sie ein besseres Zieh, d. h. leichtes boten als Hühner unb Hasen, Hatte Hannkaspers "Jagdhund eine Feldkatze gestellt, bann eilte Hannkasper schnell herzu unb — „stach" ihr eine, wie er zu sagen pflegte. — Ans einem Heimwege vom Anstand, auf dem ber Jägerkaspar mit Baltin gewesen war, wurde der Jagdhund plötzlich gn einem Zwetschenbaume standlaut, ber sich am Raube ber Straße befand. „Eil dich!" sagt Baltin zu Hannkasper, „m’r woaß immer nitt, woas 's eas." Er wußte aber Wohl, was das sein konnte. Hannkasper eilte voran und war bald beim "Hunde, der am Baumstämme hinaufsprang. So scharf auch Hannkasper ach Stamme hiilaufspähte, er konnte wegen der Dunkelheit nicht erkennen, was auf dem Baume sich befand. „Ich seh naut wäi ean dunkle Botz," bemerkte er zu dem inzwischen herangekommenen Baltin. Dabei hatte er bie Flinte bereits im Anschlag. „Bums"! krachte der Schuß. Der dunkle Gegenstand auf dem Zwetschenbaume rührte sich nicht". Hannkasper tritt nun dicht zum Baumstämme hin und "sieht an ihm scharf hinauf. Da gibt das unbekannte Wesen oben seine Visitenkarte ab direkt in Hannkaspers Gesicht in Gestalt einer Flüssigkeit. „Saukatz, verdammte!" ruft entrüstet Hannkasper, „etz steach ich d'r a extra!" Dabei bornierte bie zweite Labung auf 'bie Katze, bie nunmehr in einem Bogen zur Erbe flog. Valtin lachte unb zündete ein Streichholz an, um bie tote Katze zu beleuchten. „Donnerwearer!" ruft er Betroffen aus, „'s eas jo dem Balser sei vierfoarwig Katz! Wann der 'sch erführt, kimmt b on dich!" Der Balser war ein .Stammgast in Baltins Gastwirtschaft. „Sah naut ean schweih stöll, bann erführt ’r, woas d’r Sicher Tambur hat!' getromnit!" mahnt Hannkasper. Nachdem aber int Hause Balsers bie wertvolle Katze einige Tage gefehlt hatte, sagte er am Abend "zu Hannkasper: „Ich woaß nitt, mei Katz fehlt schn drei Toag; ich gläwe, Hannkasper, boit boft, d'r b’ _ Tud ongeton. Wann ich's ausmache, nooch sollst d’ seh! Läiwer härr ich ean Do al er verlorn, wäi bäi Katz!" Hannkasper aber beteuerte hoch und fest, baß er von dieser Katze nichts 'wisse. Doch Balser sprach noch lange von seiner .Katze, so daß Hannkasper ärgerlich ausrief: „Loß m’r amol mei Rouh mett betet Katz! Ich fei doas Katzegefchwätz mend ean foat (satt)."- 572 [ p ' : XII. .Ein sonderbarer Rehbock. Ein friH>er Oktobertag. Ein feuchter Nebelschleier lagert jtter dem leeren Felde. Der Nordivind ballt die Nebelmassen zu riesigen Klumpen, so daß bald Helle, bald dunkle Stellen entstehen. Nach dern Anstande schreiten Baltin und Hannkasper. Das ist just das rechte Wetter, nm sich nahe genug an äsende Rehe zu schleichen. Eine im Rechteck ins Feld vorspringende Waldecke wird zum Standplatz von beiden Jägern gewählt. An der Vorderseite des Waldes postiert sich Hannkasper, an der Rückseite Baltin. Trotz dem Nebel kommt kein Reh zum Vorschein. Der Abend senkt sich nieder. Da verlieren sich die Nebenschleier, das Feld wird, obgleich der Abend dunkelt, übersichtiger, klarer. , Baltin verläßt seinen Stand und pfeift ab. Dieses Pfecken gab Hannkasper das Zeichen, daß der Anstand aufgehoben sn. Der Uebereinkunft zufolge erwiderte der eine Jäger den Pfiff des anderen. Geschah das jedoch nicht, dann wußte der eine, daß der andere noch in Anspruch genommen war. Ans den Pfiff Baltins blieb die Antwort vom Jägerkasper au3. Baltin ging »tun vorsichtig vorwärts. Als er Bet Hannkaspers Stand vvrbeikam, sah er, daß dieser ihn verlassen. Auf denl Stande aber lagen Hannkaspers Ranzen und Jagdstuhl. Baltin strengte seine Augen an und suchte die Dunkelhert ztl durchdringen, um zu entdecken, wo eigentlich Hannkaspcr war und waS -er mache. . . , Da sieht er zu seiner Ueberraschung, tote Hannkasper über den nächsten Stoppelacker vorsichtig auf Händen und Füßen kriecht. „Der sieht ein Reh," denkt 'Baltin, „und will sich hinzu^ schleichen." Mit Spannung erwartet Baltin das Ende dieser Pirschjagd. ~ Da — bums! ein Schuß— bums! noch einer. Der Jager- kaspar ist jetzt aufgesprungen und steht wie angewurzelt, starr nach einer Richtung blickend. Baltin ist in wenigen Sätzen über Acker und Rain bei ihm. „Häi guck!" ruft ihm Hannkasper zu. >,Mahnt m'r dann nitt m'r tritt die Krenk! D' ganze Owend seh ich häi owe 'n Rihboack stih. Ich seh, wäi e sich bewegt, bahl hinüwer, bahl herüwer. Do schleich ich mich herbei; ich rötsche off Dann ean Feuß ütoer die Aecker. Häi guck, wäi ich ausseh!" — Er sah aus, als wenn er in einer Lehmgrube gesteckt hätte. „SHoßfertig die -Fleute om Backe, komm ich endlich noh genunk. Ich packe m'r d' Boack fest offs Koarn — ean baf—baf. Wäi der Raach sich verzage, et, ft stiht jo d's' Oos noach off d'r sealwe Stelle, wär ertot. Nu seh ich aach, deaß jo -dem Ortsdiener sei — Pluck (Pflug) eas, den der eaM Feald'stih gelosse hott. Nu guck amol sealwer, eobs nitt vo weirem aussieht wäi a Rihboack!" —«■ Jetzt kann sich aber Baltin nicht enthalten, in ein herzliches Lachen auszubrechen: „Doas eas der richtig Rihboack für dcrich. Der hält aach — ean woas horr e jtoa Hörner!" sägt, immer dabei lachend, Baltin. -„Etz will ich oawer doach aach am'ol seh, oab ich 'n aach richtig getroaffe hu." Mit diesen Worten schreitet Hauukasper zu dem vermeintlichen Rehbwck. Beim Pfluge angekommen, zündet Lr ein Streichhölzchen an und beleuchtet ihn auf und ab, bann ruft er voller Verwunderung: „Donnerkeil! Wann doas a richtiger Boack gewease wär, der hält'- d''Platz nitt verwahndt!" Vermischtes. »Die richtige Hungerkur. Daß,Hungern nicht nur schädlich, sondern auch nützlich sein kann, ist eine Tatsache, die die Aerzte mehr und mehr erkannt haben und die Zahl derer, die sich heute aus hygienischen Gründen den Schmachtriemen enger ziehen, ist sehr groß. Welches ist aber nun die beste und gesündeste Form einer solchen Hungerkur? Mit dieser Frage hat sich ein amerikanischer Arzt Dr. Sergius Morgulis experimentell beschäftigt und kommt int „American Naturalist" zu dem überraschenden Resultat, daß die strenge und konseqtiente Speiseenthaltung die heilsame Form darstellt, währeitd kurze Perioden von Unterernährung, wie sie gewöhnlich empfohlen werden, den Körper schwer schädigen. Als Versuchstiere benutzte Dr. Morgulis Salamander. Wenn er die Tiere erst gut ernährte, ihnen dann wenkger zu essen gab, daraus wieder zur normalen Fütterung überging und dann eine neue Periode der Unterernährtmg eintreten ließ, so stellte er fest, daß sie im Wachstum zurückblieben und krastlos wurden,. Es erwies sich, daß der Prozentgehalt von Wasser im Organismus dieser Tiere etwas, um 1,5 Proz. höher war als der gewöhnliche, und so ist cs ihm wahrscheinlich, daß sich durch diese unterbrochene Hungerkur Wasser in den Geweben ansammelt, das das Wachstum verhindert. Bei einer streitg durchgesührten Speiseentziehung, der dann eine gesteigerte Nahrungszttfnhr folgte, zeigte sich nun eine ganz andere Wirkung. Ter Organismus tvurde ivohl erschöpft, aber so lange jene fortgeschrittenen Stadien des Hungers verntieden waren, durch die ein allgemeiner Berfall eintritt, waren die Folgen des strengen Hungerns nachher außerordentlich günstige. Tie Ent- ziehttng hatte einen kräsiigenden Einfluß aus die Organe, der seine Parallele nur in dem Wachstnnt des Embryo findet. Die zeitweilige Ruhe der Verdauungsorgane mag viel zu der späteren gesteigerten Tätigkeit beitragen: der Hauptgrund für die Wiederbelebung und Verjüngung des Organismus, die danach eintfat, liegt aber in deut gesteigerten Bedürfnis der Zellen nach Nahrung» Jedenfalls erivies sich eine periodisch wiederholte Hungerkur m« schädlicher für den Organismus, als ein strenges Hungern, dem reichliche Nahrungszufuhr folgte. Im ersten Falle blieben di« Tiere unter dem Niveau der normal ernährten Salamander; im anderen Falle dagegen entwickelten sich die Tiere besonders gut und kräftig. Diese Resultate dürsten nach der Ansicht des Gelehrten auch für die Ernährung des Menschen gültig sein. kf. Zufallsfunde. Kürzlich hat, wie berichtet worden ist, ein Pariser Antiquar zahlreiche Stücke eines kostbaren alten Gobelins in einem weltverlorenen Dorfe entdeckt; die Bäuerin hatte diesen soliden Stoff für gut genug gehalten, um damit die Hosen ihrer Buben auf eine recht widerstandsfähige Art auszubessern. Solch« Zufalls- und Glückssunde hervorragender Kostbarkeiten sind durchaus nicht so selten, wie man annehmen möchte. So wurde z. B. einer der schönsten aller bekannten Diamanten bei einigen Neger- jungen gesunden, die ihn als Ball benutzten; sie hatten immer gemeint, es sei ein wertloses Stück Glas. In einem berühmten europäischen Museum befindet sich — so erzählt die Zeitschrift „Psle- Mdle" — ein Selbstbildnis von Rembrandt, das vor seiner Entdeckung die Ehre hatte, in einer Kneipe auf dem Lande als Wachstuch auf einem Tische zu dienen. Einem Zufallsfunde verdankt auch die weltberühmte Magna Charta von 1215, bekanntlich die Grundlage der englischen Verfassung, ihre Erhaltung. Sir Robert Cotto entdeckten das Pergament in der Werkstatt eines Flickschneiders, der es zum Zuschneiden benutzen wollte. Der russische Sammler Tischendorff, ein sehr bekannter Gelehrter, besuchte ein Kloster, das am Abhange des Berges Sinai liegt, und bemerkte in der Küche unter Hausen von Papierfetzen, die vor dem Ofen lagen, verschiedene Pergamentrollen; er ließ sie sich geben und entdeckte darin einen Teil des kostbaren Manuskriptes, daS gegenwärtig in Petersburg aufbewahrt wird. Noch im verflossenen Sommer ereignete sich ein höchst inerkwürdiger Glücksfund in einem Dorfe Schottlands. Dorthin kanr eine Radlerin auf einer Tour und trat in den Laden des Dorfes ein, um sich eine neue Ventil- kette zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit bot ihr der Slmtfmann ein Perlenhalsband an, das zweifelsohne falsch war, das sie aber auch dafür um den geringen Preis von 20 Franken erwerben konnte. Als sie das Geschmeide einem Juwelier in London vorlegte, bot er ihr dafür 10 000 Mark an; jetzt aber wurde die glückliche Besitzerin des Schmuckes mißtrauisch und sie lehnte das Gebot ab, in der Hoffnung, daß das Halsband vielleicht eine noch höhere Summe einbringen könne. Und wirklich stellte es sich zuletzt heraus, daß das Collier nichts anderes als das berühmte Perlenhalsband der Maria Stuart war; das Stück wurde mit über 300 000 Mark k^MJaüra am Klavier. Im Saale einer süddeutschen Kuranstalt stand ein Klavier, das von musiklieb-enden Damen etwas! reichlich in Benutzung genommen lvurde. Eines Tages fand sich aui dem Deckel des Instruments folgende Inschrift: „Eh' dein Finger durch die Saiten meistert, Laura! Ueberleg' dir zwauzigmal. Ob' die Melodie, die dich begeistert, Nicht für fünfzig anb're wird zur Qual!" Der „Anschlag" soll von vorzüglicher Wirkung gewesen semi --------- ;.J tzprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. • Reklamieren. „Da muß ich einmal reklamieren . Wie oft sagt das nicht der deutsche Kaufmann! Warum eigentlich? Kann er nicht deutsch sagen: Da muß ich einmal erinnern, nachforschen, mich beschweren? Oder etwa: Das muß ich nachsordern, einfordern, nachbestellen usw. ? Aber reklamieren sagt das angeblich alles auf einmal, und drum gebraucht es jeder gedankenlos immer wieder. Wer aber etwas auf seine Sprache hält, der sucht sich besser und — deutlicher auszudrücken. Jedenfalls lohnt es die kleine Mühe, denn man übt dabei Nachdenken, und das hat noch keinem geschadet. Zitatenratsei. Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehinen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, Da kann sich kein Gebild gestalten. >' 2. Diejenige Regierung ist die beste, die sich überflüssig macht. 3. Und Roß und Reiter sah ntcm niemals wieder. 4. So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen. 5. Was man einmal ist, das muß man ganz sein. 6. Ich könnte besser einen Bessern missen. 7. Man nannte ihn stets einen dummen Burschen, Doch war er klüger als sein Herr. 8. Dieses war der erste Streich, Doch der zweite folgt sogleich. L Auflösung in nächster Nummer. ’ v. i Auflösung des Ergänzungsrätsels.in voriger Nummer Das kleine Wörtchen „muß" Ist doch von allen Nüssen, Die Menschen knacken müssen, Die allerhärt'ste Nuß. Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»