M3 — Ur. 177 M'lttWoch, den <2. November ♦ M MW I ■ W Ssurrnblut. k^omaii von Gerhart t>. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Sortierung.) „Bei diesem Hundewetter wird er die Bude nicht verlassen, unser Zug ist längst vorüber und der nächste Zug aus der anderen Richtung ist noch nicht gemeldet." Der Kleinere hatte es gesagt: jetzt, da ein plötzlicher starker Windstoß ihm die Nässe ins Gesicht jagte, schlug er den Kragen seines Rockes hoch und zog den schlappen dunklen Filzhut noch tiefer in die Stirn, dann brummte er: „Wenn wir den Weg nur nicht umsonst machen." „Das fürchte ich nicht, vorausgesetzt, daß Ihre Mitteilungen richtig waren." • „Ich habe alles direkt von meinem Bruder, der erst gestern nachmittag draußen war, um den neuen Steinwap aufzustellen und zu stimmen. Der Verkauf des Vorwerkes Doben hat tatsächlich stattgefundeu; der alte Lampert hat es erstanden und wird nach Auflösung seines Geschäftes hin- ausziehen, uni dort selbst zu wirtschaften. Der Bourgeois ist satt und wird nun den Landjunker spielen; ha, ha, ha!" „Aber der Kausschilling? Das Geld?" fragte Carvalho, dessen Gedanken nur auf dieses Ziel gerichtet waren. „Ist, wie ich Ihnen sagte, gestern von Lampert bar erlegt worden, wenigstens teilweise", sagte Peter Dechner. „Mein Bruder, der draußen war, hat es selber gesehen, wie der Baron 75000 Mark in das in die Mauer eingelassene Schränkchen gelegt hat." „Sonderbar," murmelte der Brasilianer, „daß der Baron dabei einen Zeugen duldete." „Weil er ihn brauchte. Das eiserne Türchen des Wandschränkchens war verbogen, und da rief der Baron, der übrigens einen Gichtanfall hat und sich nur schwer bewegen kann, meinen Bruder herein und ersuchte ihn, die Sache wieder in Ordnung zu bringen." „Und Ihr Bruder selbst hat das Geld gesehen? „Der Baron hat es ihm sogar gezeigt und dabei lachend ausgerufen: „Ja, ja, mein lieber Herr Dechner, so führt man die Spitzbuben an: dort in meinem Arnheim stecken nur meine Bücher, das Geld meines Pflegevaters aber kommt hier in dieses Spind: hier sucht es kein Mensch, zumal das Türchen durch ein darüber gehangenes Oelbild versteckt ist." Die nächtlichen Wanderer waren unbemerkt bei der Wärterbude vorübergegangen; jetzt bog der sich längs des Bahndammes hinziehende Fußsteig rechts ab und führte über ein Wiesengelände einem kleinen Nadelgehölz zu. „Gehen wir hierher?" fragte Carvalho, nach dem Gehölz deutend. . Peter nickte. Er hatte, als er noch als Parlier m Giesdorf arbeitete, diesen Weg ungezählte Male zurückgelegt. Er Übernahm die Führung und schritt voran, quer über die Wiese. Das Erdreich war weich find sumpfig; der Fuß drang bei jedem Schritt in den morastigen Boden ein und erzeugte jedesmal, wenn er wieder gehoben wurde, einen schnalzenden, glucksenden Laut. Dabei heulte der Sturm jetzt mit solcher Gewalt, daß eine Unterhaltung unmöglich war; schweigend kämpften die beiden gegen die Windsbraut an und erst als sie das schützende Gehölz und trockenen festen Boden unter sich erreicht hatten, hob Carvalho wieder an: „Wenn nur das Geld noch an Ort und Stelle ist." „Warum sollte es fort sein?" „Der Baron hat es vielleicht schon nach der Bank gebracht oder Schulden damit bezahlt." Peter lachte ingrimmig: „Schulden? Der int Fett geborene Junker hat sie wohl nie kennen gelernt! Und nach der Bank hat er sein Geld noch nicht bringen können, die Gicht hält ihn ja zu Hause gefangen." „Warum verkauft er den Grund und Boden, wenn er so reich ist?" „Weil das .Vorwerk jenseits des Sees liegt und seine Bewirtschaftung deshalb mit vielen Unzuträglichkeiten verknüpft ist. Aber seien Sie versichert, für die paar Morgen, die er dem alten Lampert verkauft hat, wird er diesseits des Sees gelegentlich das Zehnfache wieder ankaufen, um sein Gut immer noch zu vergrößern; so ein grundbesitzender Protz ist wie ein Krebsschaden, der weiter und weiter frißt, bis er die ganze Umgegend aufgezehrt hat." Wieder versanken sie in Schweigen und bemühten sich, nicht gar zu kräftig auf das den Fußpfad bedeckende dürre Bruchholz aufzutreteu. Peter dachte darau, wie froh und unbefangen er früher diesen Weg am lichten Morgen oder in der Dämmerung des Abends zurückgelegt hatte. War es nicht ein Wahnsinn, an einem Einbrüche in das Giesdorfer Schloß teilzunehmen? Wenn sie nun entdeckt und abgefaßt wurden? War es dann nicht mit ihm vorbei für alle Zeiten? Und wenn die Sache wirklich gelang und sie mit heiler Haut ihren Raub in Sicherheit brachten, !vas hatte er denn von dem Gelde? Hatte Carvalho nicht erklärt, daß sie nur int Auftrage jenes unbekannten Zentralvorstandes handelten und daß sie diesem das Geld abzuliefern haben würden? Wozu sich also bemühen? Etwa für die lumpigen tausend Taler, die ihm die Auftraggeber, nach Mitteilung Carvalhos, bewilligen wollten, damit er im Falle der Not Berlin verlassen und sich nach Loudon begeben könnte, wo weitere Aufträge seiner harren würden? Immer ängstlicher wurde ihm zu Mute, immer quälender packte ihn die Reue, sich auf das verhängnisvolle Abenteuer mit eingelassen zu haben. „Hören Sie, Carvalho, oder wie Sie sonst heißen mögen — der Teufel mag Ihren richtigen Namen wissen! — wollen wir nicht lieber umkehren? Bedenken Sie nur: dieses Hundewetter! Die Bewohner des Schlosses werden wach liegen; man wird uns hören und wahrscheinlich mit Waffen zu Leche gehen." in der Giebelstube." „Und auf der anderen Seite des Hauses," fiel Fritz ein, , o......- — v-~ --- . , ,.My Mch dem Hofe hiuaW< f$fgjen die HaMmötzde • we^eltze W Mt dex dicht behaarten «Rute und to W ein alter Diener; die Inspektoren und Wirtschaftsbeamten sind alle in den Gebäuden des Oekouomiehofes untere gebracht. Daraufhin habe ich nun folgenden Plan enfc worfen: Zwei von uns steigen vom Garten her bequem in das Herrenzimmer ein und suchen das Geld zu bekommen; währenddessen hält der dritte Wacht vor den beiden Schlafstuben fenstern des Erdgeschosses. Solange sich dort nichts rührt, gibt es keine Gefahr, wird es aber in der Schlaft stube hell und lebendig, dann muß der Baron abgehalteu werden, nach seinem Zimmer zu gehen, ich denke, sicherste ist dann, wenn der, der die Wache hält, eine Fensterscheibe zertrümmert und laut in die Stube schreit: „Herr Baron! Herr Baron! Kommen Sie schnell! Der große Speicher brennt!" Während der Erschreckte sich au- kleiden und über den Korridor nach dem Hofe eilen Wirch haben die beiden von uns, die eingestiegen find, volle Muße, das Weite zu suchen." .. „Einverstanden," entschied nach kurzem Nachfinnen der Brasilier. „Peter und ich werden das Nest mit den goldenen Eiern ausnehmen, und du, Fritz, wirst die Wache halten." Fritz nickte zum Zeichen seiner Zustimmung, dann sagte er bedenklich.: „Bleibt nur die Frage wegen des großen Hundes, der frei umher patrouilliert." „Sie meinen den Neufundländer?" fiel Peter ein, „das ist Tyras, mein alter Freund, den übernehme ich, er wird mich sicher noch kennen." „Mer andern gegenüber vielleicht laut werden/ ergänzte Carvalho, indem er in die Brusttasche griff und ein kleines Paketcheu hervorzog; „bitte, nehmen Sie dies, locken Sie den Hund an sich und reichen Sie es ihm, es wird ihn sofort stumm machen." Wieder wollte fich in Peter der Geist des Widers i spruchs regen: warum sollte der schöne brave Hund getötet werden, der wahrscheinlich weit besser war tote die meisten Menschen, die er kannte? Doch Carvalho mochte recht haben, wer konnte wissen, ob der Hund nicht Lärm machen und das Gelingen des Unternehmens stören würde? Peter steckte den vergifteten Bissen zu sich, und alle drei, die bisher stillstehend verhandelt hatten, setzten sich I wieder in Bewegung. Das Gehölz dehnte sich bis zum See aus, zu dem der Fußpfad führte, dem die gerau schlich I Dahinwandelnden folgten. Am See bog der Pfad recht-- ab und lief parallel mit dem Ufer weiter, bis man an eine kleine Brücke gelangte, die über einen Graben gewölbt war der in den See mündete. Dieser Graben bildete feite Grenze des Schloßgartens. Auf der Brücke war ein hohes, eisernes Gitter, das während der Nacht abgesperrt wurde. „Steigen wir über oder waten wir durch den Graben? Er hat nur eine Hand hoch Wasser", fragte Peter leise. „Wir schließen der Bequemlichkeit halber auf", versetzte I gut gelaunt der Brasilier. Er holte einen eisernen Ning, an dem zahlreiche Dietriche der verschiedensten Größen hingen, nebst einer kleinen Blendlaterne aus seiner, wie es schien, unerschöpflichen Paletotrasche, zündete die Laterne im Innern seines abge- nommenen Hutes an und ließ einen nur schmalen Licht- ftreifen auf das Schloß des Gitters fallen. „Das soll gleich besorgt sein," fuhr er fort; „da Fritz, halte die Laterne! Blende sie wieder ab, ich bedarf des Lichtes nicht mehr." _ | Nach kaum einer Minute hatte der Brasilier das Schloß geöffnet. Peter erstaunte über die Geschicklichkeit Carvalhos, der, obgleich er fast nur die Linke gebrauchte, da ihm zwei Finger der Rechten fehlten, doch ebenso schnell und sicher I arbeitete wie ein gelernter Schlosser mit zehn Fingern. Die drei Männer überschritten die Brücke und befanden sich im Garten des Giesdorfer Schlosses. Ein Geräusch, wie wenn ein Wild durch die Busche I bräche, kam näher. Sofort standen die drei still, und Peter flüsterte: „Das wird Tyras fein." „Gehen Sie-ihm entgegen," raunte Carvalho, „sprechen Sie mit ihm, das wird ihn beruhigen!" „Tyras, mein aller guter Kerl! Was machst du denn?" schmeichelte Peter dem Hunde, der ihn knurrend gestellt Wäre es heller gewesen,, würde er gesehen haben, wie ge- । riiigschätzig der Brasilier grinste. I Das würde ihnen schlecht bekommen, auch ich habe meinen sechsschüssigen Revolver in der Tasche und ich kalkuliere, I Sie werden ebenfalls so etwas wie einen Freund m der Not zu sich gesteckt haben. Uebrigens," fuhr er nach kurzer Pause fort, „wollen wir, wenn irgend möglich, die Sache ohne jeoes Aufsehen abniaüien; ich liebe reinliche Geschäfte. Abenteuer, bei denen es knallt, sind nicht nach meinem Geschmack; für unsere Sicherheit habe ich auf andere Weise gesorgt." „Aus welche?" „Sie werden's, denke ich, gleich erfahren." Man war aus dem Gehölz herausgetreten und hatte nun ein größeres Feld vor sich, an dessen.jenseitigen Rande sich ein dunkles, langgestrecktes Gebäude erhob „Ist das dort nicht die Schäferei?" fragte Carvalho. „Jawohl. Woher wissen Sie das?" „Habe heute früh hier eine kleine Rekognoszierung gemacht. Wir werden hinter der Schäferei einen dritten Genossen treffen; er wird uns den Kriegsplan feststellen helfen. I Peter erschrak, bei dem geplanten Unternehmen hätte er vorgezogen, von keinem dritten gesehen zu werden; doch bald tröstete er fich, daß jener dritte int Bunde Itct) ja ebenfalls auf verbotenen Wegen befand und immerhin ein willkommener Beistand bei einer etwa plötzlich eintreteuden Gefahr fein konnte. „Nicht dorthin," sagte er zu Carvalho, der sich rechts, wenden und der neben der Schäferei vorbeiführenden Landstraße zustreben wollte, „wir könnten dort unerwünschte Begegnungen haben; folgen Sie mir auf dieser Seite, wir nähern uns so dem Schlosse durch den Park." Er hielt sich links, umging in weitem Bogen die Schäferei und tauchte jenseits derselben mit seinem Gefährten wieder in ein Laubgehölz ein. Der Schrei eines Käuzchens ertönte, als der Sturm gerade auf einmal den Atem verlor. Carvalho blieb stehen, horchte gespannt, und als sich der Schrei wiederholte, antwortete er auf gleiche Weife. Nun hörte man Schritte am Rande des Gehölzes näher kommen, und endlich gewahrte Peter, die Gestalt eines schlanken Menschen, der etwas größer als er selber war, dessen Gesichts- züge aber in der herrschenden Dunkelheit ziemlich unerkennbar blieben. L c „Die Herren kennen einander noch nicht, jagte der Pseudo-Marquis, der stets auf eine gewisse Würde hielt und auch die Geschäfte des Anarchismus mit der Haltung des Gentleman betreiben zu wollen schien, „darf ich eie miteinander bekannt machen? Herr Fritz — Herr Peter — die Vornamen genügen einstweilen; die Herren sind Mitarbeiter an einer großen Sache. — Nun, Fritz," wandte er sich an den neuen Ankömmling, „haft Du etwas ermittelt?" „Ja," versetzte dieser mit heller, klangvoller Stimme, die auf eine gewisse Jugend des Sprechenden schließen ließ. „Ich bin heute vormittag als Hausierer im Schloß gewesen Und habe auch dem Baron in feinem Zimmer meine Bernsteinsachen vorweisen dürfen. Das Bild, hinter welchem sich das Türchen zum Wandspinde befindet, hängt, wenn man vom Korridor her das Zimmer betritt, zur Rechten, genau in der Mitte der Wand; unterhalb des Bildes kann man noch einen Teil des Türchens erkennen, das mit seinen Rändern das Tapeteiimnster fein dnrchfchneidet. Vom Fenster ans gesehen, durch das wir wohl werden eindringen müssen, hängt es also links." ~ „Wo schläft der Baron und jenie Familie? „Das Braulsche Ehepaar schläft im Erdgeschoß," versetzte Peter, „die zweite Stube neben dem Herrenzimmer." _ „Ganz recht," bestätigte der als Fritz Vorgestellte, „wir wollen einmal die Fenster zählen: in der Mitte der dreft fenstrige Gaiiteusaal — das mittlere Fenster bildet zugleich die Gartentür — links daneben das zweifenstrige Herren- Minmer mit dem Geldschrank, das ich betreten habe, dann weiter links die zweifenstrige Bibliothek, in die ich hinein- seheu konnte, und dann wahrscheinlich das Schlafzimmer; von der Tür des Gartensaales ab gerechnet also ein, zwei, drei, vier, fünf, das sechste und das siebente Fenster sind Me Schlafziminerfenster." „Hinter denen aber nur das Ehepaar schläft", nahm f$®«r wieder das Wort; „die Töchter schläft über den Eltern Tyras spitzte die Ohren und tzog mit beweglichen Nüstern die Luft ein. Stimme und Witterung des Fremden kamen ihm bekannt vor. Prüfend näherte er sich dem Eindringling, der freundlich begütigend mit der Zunge schnalzte, und beschnüffelte dessen Kleider. Sofort erkannte er feinen alten Freund aus der Zeit des Dreibhausbaues; hocherfreut 707 kosend und ganz feine, fast quietschende Begrüßungstöne ausstoßend, seinen mächtigen Kopf an Peters Knien. „Na, siehst du. Jetzt weißt du, wer ich bin, mein altes, kluges Tier!" .. „Vorwärts, vorwärts!" mahnte Carvalho, „geben Sie ihm den Bissen!" Peter empfand einen Stich im Herzen, aber er sah ein, er mußte gehorchen. Er hielt dem Hunde die verräterische Gabe hin; dieser verschluckte sie argslos und begann sich schon nach wenigen Sekunden in Krämpfen zu winden. Peter hatte ein Gefühl, als ob er einen Menschen umgebracht hätte; er kam sich ehrlos und erbärmlich vor. „Das arme Vieh! Sehen Sie doch nur!" jammerte er bereuend zu Carvalho, der, soweit es die Dunkelheit gestattete, gespannt dem Todeskampfe des Hundes zuschaute. „Nur keine Sentimentalitäten!" versetzte barsch der Brasilier, faßte Peter an den Schultern und drehte ihn eine halbe Wendung um seine Achse, so daß er dem schnell und klaglos verendenden Hunde den Rücken zuwandte. „Nun ist der Eintritt frei, mag der Ausgang ebenso bequem fein! Unser Werk ist ein heiliges; wir sind keine gemeinen Diebe, wir sind Soldaten, welche auf Befehl ihres Generals eine Requisition in Feindes Land vornehmen, denn jeder Besitzende und im Schoße des Staates Gedeihende ist unser Todfeind, dessen Gut wir zum Vorteil unserer heiligen Sache verwenden dürfen. Darum vorwärts mit gutem Mut und Gewissen!" (Fortsetzung folgt.) Deutsche Typen in Italien. Was ein römischer Fremdenführer erzählt. Bon Curt Bauer -Rom. Um von seiner Berufsarbeit Erholung und Ruhe zn ftnben, geht der Deutsche in die Bergwälder nach der Schweiz oder ans Meer. Begibt er sich indessen für einige Wochen nach Italien, so setzt er sich dabei von vornherein das Ziel, möglichst viel — soviel wie möglich auf einmal zu sehen und zu lernen. Meist hat er sein Gedächtnis bereits vorher mit einem Wust von Wissen aus Altertum, Renaissance und Barock augesüllt, das er während der langen Winterabende in Büchern las oder in Vorträgen hörte. Alle Sehenswürdigkeiten wurden im Baedeker angestricheu, die Zeit bis auf den Tag eingeteilt. Sobald dann in Deutschland der Schnee zu schmelzen beginnt, besitzt er bereits eine durch alle wissenschaftlichen Kenntnisse gefestigte Meinung über Italien. Seine Augen sahen in zahlreichen Träumen die ewige Stadt emportauchen. Der Wirklichkeit selbst gelingt es später mir schwer, diese Träume zu korrigieren oder zu zerstören. Gewöhnlich findet er in der Geschwindigkeit der Reiseeindrücke keine Zeit, sich eut- tijuscheii zu lassen. Er kehrt ebenso klug zurück, wie er abgefahren ist. Ueberkommt ihm jedoch bei längerem Aufenthalt das Bewußtsein des Unterschieds zwischen Vorciugenommenheit und Wirklichkeit, dann fühlt er eine seltsame Verwirrung, deren Ursack)« er in der Beschaffenheit des Landes und des Volkes sucht. Diese Umstände bestimmen in erster Linie das Verhältnis der deutschen Reisenden zum Lande seiner alten Sehnsucht. Er ist nicht auf cmen neuen Eindruck gespannt, den man erst abwarten muß, sondern will hier eine ganz vertraute Stimmung wiederfinden„ auf die er sich mühsam vorbereitet und eingestellt hatte. Nicht e r will sich den Verhältnissen, dem Lande, dem Charakter seiner Bewohner einfügen, diese sollen sich vielmehr ihm, seiner einmal gefaßten Vorstellung, anpassen. Jeder wird begreifen, daß unter solchen Bedingungen ein scharfer Kontrast zwischen seinem Ich und der Umgebung nicht ausbleiben kann. Ein Kontrast, der sich sogleich seinem ganzen Wesen und Verhalten aufprägt, ihn leicht zum Spott der Italiener macht und ihm eine Sonderstellung — die des Außenjicdlers, des Straniero — im bunten Strom des südländischen Volkes anwcist. „Freilich" — erzählte mir kürzlich einer jener vielgeplagten Fremdenführer —, „der Römer hat gut lachen, wenn solch ein langer Herr mit kurzgeschorenen Haaren, den Kneifer auf der Nase, mit Strumpfhosen und Rucksack, oder ein ältliches hageres Fräulein mit Bändern am Hut und fahlgrauem Regenmantel durch die Stadt zieht und erstaunt umherblickt. Wer einen Monat Fremdenführer war, der lacht nicht mehr über ihre seltsame Außenseite, er erschrickt vielmehr, wenn er gerade diese deutschen Typen unter feinem Publikum erscheinen sieht. Sie sind von einer gefährlichen Selbstsicherheit und pedantischen Gewissenhaftigkeit. Während ich gemütlich eine Statue, ein Bild „erkläre", blättert irgend einer von ihnen in seinem Handbuch und ruft: „Das stimmt nicht!" Der Baedeker nämlich ist das vertrakteste Buch von der Helt, das cs jedermann ermöglicht, im Handumdrehen mehr zu wissen als wir. Dazu wurde es in allen Sprachen übersetzt und brachte uns so in Konflikt mit dem WeisetzMikum sämtlicher Nationen. Der Himmel schütze uns vor denen, die bereits in der Heimat eitlen ausreichenden Wissensschatz über Rom ansammelten! Sie kümmern sich den Teufel um unser mühsam einstudieres Führungsprogramm, wenden sich verächtlich bei unfern Erklärungen weg und wollen grade das alles wissen, was wir ihnen nicht beantworten können. Solange solch ein deutscher Gedächtnis-Athlet sich damit begnügt, vom Hintergründe auf mich herabzulächeln, mag er es ruhig tun. Ich bin daran gewöhnt. Selten jedoch läßt es der deutsche Mann beim holden Lächeln bewenden. Besonders Namen und Daten gegenüber versteht er keinen Scherz, fein gordisches Wissen gilt ihm mehr als unsere welsche Höflichkeit. Meinen schwungvollsten Redestrom unterbricht er mit sachlicher Trockenheit, die mir die Kehle zuschnürt und meine _ Stimme verlegen stottern macht. Wo ich just auf ein Relief eingearbeitet bin, beginnt er lateinische Inschriften zu entziffern. Mit unendlicher Bereitwilligkeit — ohne jede Beachtung — speist er die andern aus seinem Wissenschatz, der die Führerpreise herunterdrückt. Ich stehe schließlich als nebensächliche Person beiseite wie ein hölzerner Wegweiser, der mit einem Arm aus den Apollo, mit dem andern stumm auf Laokoon zeigt. Menschlich atmet meine Brust erst wieder, sobald ich die Honorare in der Hand fühle. Der gelehrte Herr zahlt meist mehr als die andern, versteht sich, nicht für meine Führung, sondern weil ich ihm Gelegenheit bot, sein Licht leuchten zu lassen, von dem sonst vielleicht niemand in der Welt etwas gemerkt hätte. Die ältlichen hageren Fräulein mit den langen Bändern am Hute sind selten so gelehrt, aber dafür desto neugieriger. Sie wollen lauter belanglose Nebensächlichkeiten hören, an die ein verständiger Mann niemals denkt. Möchten sie sich doch stets gewärtig halten, daß wir alles, was wir wissen — mehr sogar — schon von selbst sagen. Da erzählte ich die Geschichte des schönen Palazzo Farmese, und solch ein Fräulein unterbricht mich, um zu erfahren, aus welcher Zeit irgeiib ein dancbenstehendes altes Haus stammt. Habe ich mir in dem Treppengewirr der Peterskuppel den Kopf verkrempelt, gleich fragt mich jedesmal jemand, in welcher Richtung Berlin läge. Und ich blicke verlegen in zwei weitgeöffnete bebrillt blaue Mädchenaugeii. Sie bilden für uns Führer trotz ihres Alters das „enfant trerrible" und nehmen ein unterschiedsloses Interesse an allem, was in den Kreis ihrer glücklicherweise meist kurzsichtigen Augen tritt." „Sie übertreiben doch wohl" — unterbrach ich. hier meinen Freund — „wir können uns doch eigentlich nicht darüber beklagen, daß nur die Auslese deutscher Gelehrsamkeit nach Rom käme. Das große Reisepublikum besteht wohl hauptsächlich aus Schaulustigen der wohlhabenden Berufsschichten, die sich mit der Oberfläche der Eindrücke zufrieden geben, ja, froh find, wenn sie schnell durchkommen, nicht mit trockenem Wissen aufgehalten werden, um dann im Hotel beim Diner in dem erhebenden Gefühl zu schwelgen, möglichst viel an einem Vormittag gesehen und gehört zn haben." — „Was diesen Punkt anbetrifft," erwiderte der Fremdenführer, „so ist das eine besondere Sache. Ich sprach bisher nur von den Unbeguemlichkeiten unseres Berufes, es liegt mir fern, mich über die Masse beklagen zu wollen. Sie läßt sich stets leichter leiten als der einzelne Störenfried und schließlich füllt sie unsere Tasche. Besonders das deutsche große Publikum zeigt sich viel bereitwilliger, dankbarer und idealistischer denn irgend eine andere Nation. Der Engländer gerät durch keinerlei Eindrücke aus dem seelischen Gleichgewicht. Er sagt nur „O Yes!", als handelte es sich um ein gutes Londoner Beefsteak, seine Begleiterin, eine schöne aschblonde Miß, ruft immer „beautyfull", auch wenn sie das Schweißtuch der heiligen Veronika erblickt. Vollends pietätlos schreitet der Amerikaner durch die ciuige Stadt. Er klopft der Kapitolischen Venus vertraulich auf die Schulter und fragt mich, was sic kostet. Demgegenüber erscheint das deutsche Reiscpubliknm idealistisch und respektvoll. Es-ist neugierig, aber auch leicht zu befriedigen. Man zeigt ihm einen alten Mauerrest, beschwört mit halblauter Stimme die Manen Augustus oder Neros und ein andächtiges „Ach" antwortet im Steife. Beim Sonnenuntergang auf dem Pincio sagen sie: „Ganz wie ich mir es vorgestellt!" Die Billen finden sie von Ponssin gemalt. Den Schmutz nennen sie malerisch, die Bettler charakteristisch für Rom, ohne damit die ewige Stadt beleidigen zn wollen. Wahrend der Hitze atmen sie entzückt „italienische Stuft". Beim kargen mitgebrachten Frühstück in den Ruinen des Palatin fühlen sie sich als Gäste des Domitian. Die schamlose Zudringlichkeit des Volkes nennen sie „Naivität", den Gassenbuben, die hinter ihnen herlaufen, streicheln sie die schmutzigen Wangen und geben ihnen Schokolade. Den „Oste" reden sie „Signore" an, das Stubenmädchen „Signotina" und finden deren verfchmitzte verblüffte Gesichter voller natürlicher Liebenswürdigkeit. Die Anforderungen, die solch eine Gruppe an uns Fremdenführer stellt, find äußerst bescheiden. Ein Esel, der seine Straße weiß, könnte uns hier ersetzen. Diese Leute verlangen nur soviel sachliche Anhaltspunkte, um zu Hanse behaupten zu dürfen, sie seien in Rom gewesen. Nie werden unsere Vorträge von ihnen unter» brachen. Sie hören andächtig zn, und sobald sie selbst etwas bemerken, können wir es meist unverändert einpacken und gegen Honorar an die „Fliegenden Blätter" senden. Neulich zeigte ich ' einem Berliner Millionär die eztatische Santa Tcrese mit dem Amor von Bernini, die Statue gefiel ihm so gut, daß er mich ersuchte, die Adresse des Künstlers ausfindig zu machen und diesen in sein Hptel zu schicken. Er wollte ihm einen Auftrag Tie Kvoninsignien bestehen aus der Krone, betrt Reichsapfel/ Zepter, Schwert rind Siegel des Königs und der Krone der Königin. Bei allen ist außerordentliche Kostbarkeit angestrebt —- pures Gold und eine Fülle auserlesener Juwelen verleihen ihnen höchsten Glanz. Die Krone des Königs, nach dem Katalog der bayerischen Schatzkammer, 24 Zentimeter hoch, unten 20 und in der Mitte 28 Zentimeter weit, besitzt ein mit Brillanten, Smaragden, Saphiren und Rubinen besetztes und von orientalischen Perlen besäumtes Goldband mit einem völlig aus Diamanten gebildeten' Reif, dem acht mit Rubinen und Smaragden geschmückte goldene Hauptbügel entwachsen, die an ihrer Wurzel goldene Blätter, je mit einem großen Smaragd im Kranze funkelnder Brillanten tragen und oben vereint den durchbrochen gearbeiteten und nut Brillanten und Rubinen gezierten Reichsapfel stützen. Bei feierlicher Benutzung der Krone wird oben an Stelle eines blauen Glasflusses der blaue Diamant eingesetzt — ein durch Klarheit und Reinheit der Farbe ausgezeichneter Stein von 39,0 Karat Gewicht, der sich vor Mitte des 48. Jahrhunderts int Besitz dep Kaiserin Amalie, Gemahlin Kaiser Karls VII. von Bayern, befand. An der Krone der Königin, die etwas kleiner als dw des Königs ist, wurde die ursprüngliche Fassung von 1807 aus Befehl König Ludwigs II. durch den Hofjuwelier Merk in München umgeändert. Das geschah int Sommer 1867 und läßt darauf schlteßeti, daß sich damals der zweiutidzlvanzigjährige Monarch ernstlich nut Bermählungsabsichten trug. Auch diese Krone ist am Goldblatt, am Reif, an den acht Bügeln und am Reichsapfel reich mit Brillanten, Rubinen, Smaragden und Perlen in fein erdachter koloristischer Zusammenstellung besetzt. Acht Perlen in Birneit- form, die zwischen den Bügeln stehen, sind von besonderer Große und Schönheit^ ßo(benej. RxichsaM, 20 'Zentimeter hoch und 13 Zentimeter breit, besetzt mit Perlen, Brillanten, Smaragde», Saphiren und gekrönt von einem mit Brillanten und drei großen Rubinen geschmückten Kreuz trägt die Majuskel-^nschrlft „m Signum Concordiae Patris Ac Patriae. Anno Dom. MDCCCVI (Zum Zeichen der Eintracht zwischen Baler und Baier land). Das 89 Zentimeter lange Goldzepter, ebenfalls mit Brillanten, «ma- ragden, Saphiren, Rubinen und Perlen besetzt und oben eine kleine, mit Juwelen gezierte Krone tragend, weist die MalEl Inschrift auf: Cui Non Civium Servitus Tradita, Sed lutela (Ihm ist nicht die Unterdrückung, sondern der Schutz der Burger übertragen). Nicht minder kostbar ist das 96 Zentimeter lange Schwertz An seinem goldenen Griff suttkeln Juivelen, insbesondere vorn ein großer Smaragd, dem hinten das bayerische Wappen entspricht. Auf seiner Klinge sind innerhalb einer Goldfasfnug der bayerische Löwe und das bayerische Wappen, fowwie der -oahl- svruch: „Nec Temere, Nec Timtde“ (Weder verwegen, noch furchtsam) eingeätzt. Die Scheide besteht ans goldverziertem ^ani- met mit goldenem Schuh und Edelsteinschmuck. SämtlicheEilschriften siiid vom König Maximilian Joseph I. nach verschiedenen Vorschlägen der historischen Kla^e der Komgl Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Das Siegel imrd bewahrt m einem achteckigen Kästchen aus vergoldetem Silber, auf besten Deckel zwei Genien einen Lorbeerkranz über dem bayerischen Wappen halten. Ebenso ruht das Schwert in einem mit goldbesticktem rotem Sammet überzogenen, Behälter, dessen beide Schließhaken gleich der mit einem Mednsenhaupte ornamenttertzn Schließe von Gold sind. Im Verein mit den zahlreichen anderen, bis ins frühe Mittelalter zurückreichenden Kostbarkeiten des bayerischen Königshauses — erinnert sei nur an das Gebetbuch Karls des Kahlen aus der Mitte de?, 9. Jahrhunderts — werden die Kroninsignien in der Schatzkammer der königlichen Residenz zn München aufbenuchrt. , ..., fr;,, ; .rttdnr frischer Backfisch verlangte angesichts der s»-Eenen^aViko mischen Wölfin den Verbleib der kapitolinischen Gänse zu erfahren und ob sie,am Ende von den Wölfen aufge- sreiien seiend Am neuen Riesenmonument Viktore Emanuels ragten mich meine Landsleute oft, vb die imposante Retter- statue Kaiser Wilhelm darstelle. Derartige Phrasen, wetm sie » irrmifte t in die Ohren dringen, wirken unterhaltend und schüren die Munterkeit meiner Klienten, ohne daß ich mich dabei sm bemühen brauche. Aber leider besteht nur selten der ganze ttirkel aus so angenehmen Gästen. Einer oder zwei slnd fast £ darunttr die dem Leithammel das harmlose Verhältnis zu seinen ihm anvertrauten Landsleuten versalzen. o$6r nickt besser" — fragte ich den gesprächigen Fremdenführer —, „Euch aller wissenschaftlichen Erörterungen »u enthalten und dafür deut Fremden praktische Wmke über rweckmäßiaes Verhalten, Gesundheitsregeln usw. zu erteilen, die ihn vor Betrug, Ausbeutung und anderen UngAegenlMten 9/, Weit aefeblt!" rief jener. „Bevor ich Gelegenheit ' hatte das' große Publikum in Masse zu beobachten und zu begleiten, glaubte auch ich, Glück und Unglück hinge au ^Reisen von braktischen Erfahrungen, von Kenntnis der i_audechltien, der Sprache, der gesundheitlichen Zustände, der Teniperatur usw. ab Ich studierte die allgemeinen Winke der Reisebucher, erkundigte mich bei ortsverständigen Freunden nach den kleinsten Einzelheiten. Jetzt weiß ich, daß dies alles uberftust.ig ist. Es aibt unter den Menschen Glückspilze und Pechoogel Der Italiener jedoch hat einen ganz perfiden Instinkt, diese be^en Gruppen mit einem Blick heräuszuerkennen, und weiß besonders den Pechvogel unter einer hundertköpsigen Menge zu finden. Sem vor- tiifitiaes (Sinbcri&iciten, feine ftet§ beni Unglittf b'O’rp’eiiQenbe NKt verrät ihn unmittelbar und erscheint, den leichtsinnig dahinlebenden Kindern des Südens von vornherein verabscheuens- würdiq Er, der im kühlen Norden unangefochten durch alle Verhältnisse gleitet, wird im Süden der Spielball leglicher.Augen- b'lickslaune des Schicksals und des Volkes. Bereits, der Gepäckträger am Bahnhof merkt es ihm an, daß er sich., reichlich mit sroßem Gelde versehen hat und wenig Kupfermünzen m der Dasthe führt. Will er schnell wechseln, so ist in ganz Rom kein einzelner Soldo zu finden, und um sein Gepäck nicht im Stiche zu lasten, zahlt er in der Eile 1 Lire statt 25 Centimes. Dasselbe wiederholt sich mit dem Droschkenkutscher usw. Der Kellner such,, auf sein bloßes Gesicht hin alle seine falschen Münzen zusammen. Niemand vermag ihm zu raten, keine Erfahrungen ihn zu behüten. Denn sämtliche Regeln machen ihre Ausnahmen, sobald er in Szene tritt. Italien ist für diesen Typus „Pechvogel .geradezu Treibhausluft, es züchtet, entwickelt ihn bis m die äußersten Nervenfasern wie kein anderes Land." Da mein Gewährsmann an dieser Stelle zu einer Führung abbemsen wurde, sei es mir erlaubt, den deutschen Reisenden in Rom vor einem weiteren Typ. zu warnen, nämlich vor. den öffentlichen Fremdenführern. Er kostet. Geld und bringt nichts Reckte?' ein Er hat, wie. wohl aus seinen obigen Erzählungen genugsam hervorgeht, nicht gerade die. idealste Auffassung von seinem Beruf. Die Art, das seiner Leitung anvertraute Puoli- kum zu kritisieren und zu spezisizieren,. ist wenig sympathisch, vor allem viel zu allgemein und vom eigenem Berufsstandpunkt aus betrachtet. Bin ich doch überzeugt, daß sich unter den nach Rom reisenden Deutschen auch viele erfreulichere Typen befinden, zn denen, hoffe ich, ebenfalls der verehrliche Leser gehören wird, falls er seinen Kiel einmal in das sonnige ytahen zu lenken beabsichtigt. . humoristisches. * Zarter W i n k. Der erste Tanz ist vorüber, er geleitet sie zu ihrem Platze zurück. „Ach," meint er begeistert, „ich konnte im Tanze sterben. Sie nicht auch?" Sie: „Ach, mir wäre es wirklich kein Vergnügen, zu Tode getrampelt zu werden. Geographisches Verschiebrätsel. . Neavel — Bukarest — Loudon — Tobolsk — Turin — Venedig — Eger. Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Bnchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer chinesischen Stadt ergibt. Auflösung tu nächster Nummer. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: Die baierischen Uronmsigmen. Die baierischen Kroninsignien sind noch sehr jung, obwohl das Haus Wittelsbach sehr alt ist, denn ferm Ahnherr ist Markgraf Luitpold, gestorben tm sichre 907. Nachdem Kurfürst Maximilian IV. Joseph durch seine Proklamation vom 1. ^anuar 1806 „den dem vormaligen Beherrscher der bayerischen Nation an- aestammten Titel eines Königs von Bayern" als König Maxi- mitian Joseph I. angenommen hatte, wurde der Hosjuw.elier Borgnis in Frankfurt a. M. beauftragt, sofort die. erforderlichen Kvoninsignien in Arbeit zu geben, und zwar nach Zeichnungen, die in Paris gefertigt und im Stil des Empire gehalten waren Die zum Schmuck der Insignien notwendigen Perlen und Edelsteine wurden teils dem königlichen Schatze entnommen, darunter solche, die von zerbrochenen Schmuckgegenständen de» Pfälzischen Hauv- schatzes und alter Klosterschätze herrührten, teils von dem Hof- bankier E. Seeligmann hinzugekauft. Binnen Jahresfrist war der Auftrag erledigt, so daß die Ablieferung tu München bereits am !■> März 1807 staltsinden konnte. Es scheint, daß Borgms einige Arbeiten'm Paris hat ausführen lasfen, und zwar in berjelben Werkstatt, in der wenige Jahre vorher die Kronmfignien für den am 2. Dezember 1804 in der Pariser Notre-Dame-Kirche gesalbten Kaiser der Franzosen gefertigttwareii. Jedenfalls oekundet sich m der Metalltechnik und in der Fassung der Edelsteine und Perlen hohe Vollendung. — Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Uuiversitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, ießen, kl I E R I L 0 1« L I 8 1 H4 ! | cXJ 1 0 8 A