*TeT W Samstag, den y. Oktober ?! Lsuernblut. Bontan von Gerhart v. Amhntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Nun, meine Herren, seien Sie mir noch einmal herzlich willkommen; ich danke Ihnen, daß Sie meiner Einladung so freundlich gefolgt sind." Der vor kurzem erst zum Rittmeister und Schwadronschef beförderte Herr von Tollen sagte es feierlich, indem er sein mit perlendem St. Peart) gefülltes Glas erhob, sich gegen seine Gäste an der Tafel höflich verneigte und dann das Glas in einem Zuge leerte. Es war in einem der kleinen Säle des „Kaiserhof^s". Der neu ernannte Rittmeister gab dort seinen Freunden und Bekannten vom Zivil ein Festessen, nachdem er schon am Tage vorher im Kreise der Regimentskameraden int Kasino seine Beförderung gebührend gefeiert hatte. Unter den Gästen befanden sich auch der Freiherr von Brank, der Leutnant von Gotenberg (der zwar schon gestern im Kasino mitgefeiert hatte, aber als Intimus be§' Festgebers auch im „Kaiserhofe" bet der „Begießung der beiden Sterne" nicht fehlen durfte), ferner der Maler Völker ttnb William Tell, der seinerseits vor kurzem den Sprung vom Assessor zum Staatsanwalt ebenfalls glücklich ausgeführt hatte. „Aber Tollen", sagte int Laufe der Unterhaltung der Freiherr, der zur Ehre des Tages im Frack steckte und unter seinem Johanniterkreuze einen fremdherrlichen Orden an feuerrotem Bande um den Hals hängen hatte, „warum dulden Sie diesen französischen Unfug?" Er hielt die Tischkarte näher an seine Augen und las: „Chaud-froid de supremes de gelinotte flanquees de cailles ä la Luculius -— —:?• Mich soll der Teufel holen, wenn ich genau weiß, was das bedeutet; auch möchte ich nicht gerade eine Wette auf die ganz einwandsfreie Orthographie dieses Küchenfranzösisch halten." „Drücken Sie 'nachsichtigst ein Auge zu, Herr von Brank", erwiderte der Gastgeber, „es ist nicht meine Schuld; ich habe vergessen, einen deutschen Küchenzettel zu bestellen." „Wenn er Major ivird, muß er es uachholen!" rief Gotenberg, der eben eilte Wachtel, die wie eine Nachbildung aus Schokolade aussah, auf seinem Teller zerlegte; „dann gibt er uns ein deutsches Essen und deutschen Schaumwein; heute, sehe ich, läßt er in leichtsinniger Weise auffahren." „Das alte Vorurteil der Deutschen", bemerkte Tell, „wenn sie etwas ganz Besonderes zum besten geben wollen, daun holen sie es aus der Fremde." „Ihr Wort in Ehren, Herr Staatsanwalt", wandte der Maler Völker ein, „ob aber unser deutscher Schaumwein immer auf der Höhe des französischen steht, das ist denn doch so 'ne Sache." „Sie sind nicht schlechter, als die französischen in derselben Preislage", entgegnete Tell. „Warum sollen wir denn die Speisen und den Zoll für den importierten Champagner immer noch besonders bezahlen? Wahrlich, wir werden nicht klug." Der Leutnant von Gotenberg, ein reicher, aber sehr sparsamer Herr, stimmte dem Staatsanwalt bei. „Der Staatsanwalt hat Recht. Es ist mit dem Weine, wie mit den Frauen; für gewisse Leute hat eilt Dämchen, wenn sie nur aus der Fremde stammt, allemal mehr Reize, als eine vielleicht weit schönere Landsmännin." „Nun, das möchte ich denn doch nicht so ohne weiteres behaupten," lächelte der Freiherr, „int allgemeinen gibt mau der eigenen Rasse wohl immer den Vorzug." „Seid Ihr Herren schon wieder bei den Frauen?" grollte Tollen, der hartnäckige Junggeselle. „Lassen wir doch dieses Thema unberührt; seit Evas Apselbiß ist uns von den Frauen nur Unheil gekommen." „Aber auch viel Glück und Somteuschein", fügte der Freiherr mit einem leichten Seufzer hinzu. „Sie denken an Ihre Frau Gemahlin", sagte Tell galant, indem er sein Glas ergriff. „Wer wie Sie, Herr von Brank, in der Ehelotterie das große Los gezogen hat, der hat ein Recht, so zu reden. Die Schloßfrau von Giesdö«. meine Herren!" Die Gläser klangen aneinander und wurden bis zur Nagelprobe geleert. Nachdem die Teller gewechselt waren und eilte Schüssel mit Champignons die Runde gemacht hatte, hob Herr von Brank wieder an: „Sie haben, meine Herren, vorhin meiner Gattin so freundlich gedacht, daß ich mich für verpflichtet halte. Ihnen allen int Namen derselben zu danken. Sie sehen in mir einen glücklichen Ehemaitn,und ich wünsche den Mitgliedern dieser Tafelrunde, auch Ihnen, mein lieber Herr von Tollen, daß Sie es mir bald nachmachen und eilte geliebte Frau an den eigenen Herd heimführen mögen." „Hm, hm!" machte Tollen und schüttelte äußerst energisch seinen Blondkopf. Der Freiherr achtete der kleinen Unterbrechung nicht und fuhr überzeugt fort: „Ein gutes Eheweib ist das Beste und Herrlichste, was sich der Mann int Kampfe des Lebens erobern kann; es feit ihn gegen alles Ungemach und schützt ihn vor Reue und der trostlosen Vereinsamung der alten Tage. Ja, er kann gar nicht zeitig genug nach solchem Schatze und Talisman streben; hätte ich selbst nur rechtzeitig diese Lehre befolgt, ich hätte mir manche schwere' Stunde in meinem Leben erspart." „Sie müssen doch aber schon als ziemlich junger Herr geheiratet" haben, Herr Baron", warf der Maler dazwischen; „Sie sehen heute genau wie ein wohlkonservierter Rittmeister aus." „Sehr gütig, Herr Professor; Sie übersehen nur den Schnee, den mir die Jahre schon auf den Scheitel zu streuen beginnen." „Nur ein kleidsamer Anflug von Rokokopuder, der Ihr jugendliches Antlitz um so blühender erscheinen läßt." 634 zückens/ (Fortsetzung folgt) „Und doch habe ich zu spät geheiratet, zwei ganze Jahre - zu sM." t , n„, „Wieso das?" fragten die anderen tut Chor. . I „Weil ich aus diesen beiden Jahren eine Erinnerung ttt | mein späteres Leben hinübergenommen habe, die nnch oft I genug unleidlich gequält hat." I „Ach, ich weiß, Herr von Brank", rief der weinfröhliche Tollen, „Ihr famoses Abenteuer mit der schönen Amerikanerin, das Ihnen einst die Strafversetzung aus unserem. Kegimente eintrug." „Was wißt Ihr jungen Herren davon? Garnichts! Ich bin ein alter Mann im Vergleiche mit Euch und darf es daher ohne Umschweife sagen: Ihr ahnt nicht tut entferntesten, um was es sich damals für mich gehandelt hat. „Nun, einiges hat die Ueberlieferung in unserem Kreise doch ausbewahrt", wandte Gotenberg höflich etn. „Sie sollen als Offizier der wunderschönen Gattin eines aus Amerika I herübergekommenen, reichen Mannes sehr auffällig den Hof I gemacht und allem Anscheine nach auch nicht ganz vergeblich geschmachtet haben.... Sie waren eben, tote man bet uns immer noch mit einem gewissen Stolze berichtet, ein ganz unwiderstehlicher Herzensbezwinger.... ja, \a, Herr von Brank, leugnen Sie nicht! Wir erteilen Ihnen nicht nur Indemnität, wir gratulieren Ihnen vielmehr zu Ihren Pagenstreichen und beneiden Sie darum." Die Erwähnung einer jnngen schönen Amerikanerin I hatte dem Assessor einen ahnungsvollen Schrecken bereitet; j er hatte von dem Schicksale seiner Mutter immer nur in halben Andentnngert sprechen gehört; Fran Lampert hatte den natürlichen Gefühlen des Sohnes, soweit dies ihrer Redse- 1 Tigteit möglich war, stets Rechnung getragen, aber bunj war ihr ab und zu ein Wort entschlüpft, das dem aufmerksamen Sohne mehr verraten hatte, als er eigentlich wissen wollte. Ein banges Vorgefühl preßte ihm jetzt das Herz zusammen, über den Rücken rann ihm ein kalter Schauder, wahrend die jähe Hitze in sein Hirn schoß--, was würde er da noch zu hören bekommen? Zinn Glücke kamen die Kellner mit dem Nachtische her- I ein und schnitten durch ihr Erscheitten jede toeitere Mitteilung des Freiherrn ab. Man kostete ein Scheibchen Pumpernickel, zu dem man sich aus einem Quodlibet von allerlei französischen Sahnenkäsen irgend eine Probe herausgelesen hatte; dann nahm der Gastgeber sein Glas zur Hand und bat die Gäste, auszutrinken. „ , . „In diesem Sekt ist Geist und Leben!" rief Volker, der sich mit schnalzender Zunge noch am Nachgeschmack des Weines erlabte; „so müßten auch alle Damen sem! Wenigstens wünsche ich unserem liebenswürdigen Wirt, daß die Dame, die er dereinst wählt, nicht weniger Geist habe." „Den haben ja die Damen im Ueberfluß — nämlich Widerspruchsgeist!" versetzte Tollen. „Sie Unverbesserlicher!" lachte der Freiherr und boh Tollen mit einem kräftigen „Prosit Mahlzeit!" die Hand. Man ging in .rin Nebenzimmer, wo kleine Schalen mit duftigem Mokkaextrakt und die obligaten Liköre nrib Kisten mit Havanna-Zigarren bereit standen. Schon nach einem Viertelstündchen lichtete sich der Kreis; es blieben nur der Freiherr, der Staatsanwalt, Gotenberg und der Maler bei ihrem Wirt zurück. Teil hätte sich am liebsten auch zurückgezogen, aber eine Art Trotz gegen fein eigenes Schicksal bewog ihn, anszn- harren und den Faden jenes bei Tische unterbrochenen Gespräches wieder aufzunehmen. „Sie erwähnten vorhin einer fremdländischen Schonen", tvandte er sich tzegen den Freiherrn, „und meinten, wir ahnten nicht, um was es sich damals für Sie gehandelt hätte. Sie haben uns neugierig gemacht, Herr Baron; ist ess indiskret, wenn wir Sie um Mitteilung des näheren bitten?" „Ihr sollt's erfahren, meine sperren; es ist freilich nichts besonderes, immer die alte Geschichte, die ewig neu bleibt; und wenn mir auch nicht das Herz dabei entzwei gegangen ist, so hätte ich sie doch lieber nicht erlebt---Doch nein! Tausendmal nein! Ich freue mich, sie erlebt zu haben, denn was ist schließlich köstlicher, als die Liebesgunst eines süßen Geschöpfes, das überhaupt zum erstenmal seine Seele öffnet, wenn man dabei auch bitterböse Erfahrungen machen muß?" „Um Gotteswillen, Herr von Brank", fuhr Tollen in komischer Angst dazwischen, „Sie wollen uns doch nicht etwa einen Roman erzählen?" Waldfraulein. Novellette Von P. G. Heims. (Gerhard Walter). Der Doktor Billung fafe am Morgen am.Fenster seiner Ferien- Wohnung. Es war schon hoch in den Herbst hinetn. wraußen fickcN die Blätter in leisem Wirbel von den Baumen und Betteten sich still ins" Waldmoos. Mild und golden,schien rie Sonne dazu vom klarblauen Himmel. Es war kirchenstill im Focht. — Nachdenklich schaute der jToktor hinaus. 'Tiefe unbegrenzte Einsamkeit tat ihm unglaublich wohl. Er holte tief Atem in der duftigen Waldlust. Acht Tage von feinen tzerbstfcrien hatte er schon verlebt im Hause des Försters; eine Woche lag noch Vvr ihm. In herzlichem Behagen streckte er die Arme von sich: „Gott sei Dank . Er hatte noch, eine kleine Spanne Wanderzeit vor sich, ehd er nt das Getriebe des Gymnasiums, zurück mußte. „Ick, ja," sagte er lächelnd von sich hin, „die Schulzeit ist eine unangenehme Unterbrechung der Ferien, wie mein Freund Jahn zu sagen pflegt." — Er stau» auf und griff nach Stock und Mütze. . Aus dem Hausflur traf er mit cmem jungen Mkdcheii zusammen. Er reWe ihr schnell die Hand: „Fräulein Elisabeth „Silentium!" kommandierte Gotenberg, der sich, wiS Völker meinte, einen ziemlich dunklen Kopf angeraucht hatte, „der Freiherr Brank von Giesdorf hat das Wort; ich bitte, Platz zu nehmen." Man ließ sich aus den umherstehenden Polstersesteln nieder und lauschte dem Land-edelmanne, dem die Lust getont« men war, einmal den jüngeren Herren ein Slbentener aus feinem früheren Junggesellenleben anzuvertrauen. „Ich war eben erst zum Offizier befördert wo wen , hob er mit gedämpfter Stimme an, „als ich eines Abends im Theater die Bekanntschaft einer reizenden Zungen Dame machte. Der Duft und Zauber einer Rose läßt sich Nicht beschreiben, und ebenso wenig könnte ich die magische Wirkung schildern, die die großen, nachtduuklen, träumerischen Augen dieser Schönen auf mich ausübten, ^jd) hielt jte erst für eilt Mädchen und benutzte die erste beste Gelegenheit, mich ihr vorzustellen und mit ihr zu plaudern; da erst erfuhr ich von ihr, daß sie verheiratet und erst seit einigen Monden mit ihrem Gatten von Amerika nach. Berlin ubergcitedelt war. Schon am anderen Tage hatte ich ihre Wohnung er- mittelt, und da man mir mitteilte, daß der Gatte auf großem Fuße lebte und auch Herren der besseren Gesellschaftskreise in seinem Hause empfinge, so.machte ich dem. -P^are. einen förmlichen Besuch. Drei oder vier Mal wurde ich auch eingeladen. Ich fand tneistens nur Herren dort; tue Tarnen, schien es, hielten sich von den zwar anscheinend wohlhabenden, aber doch immerhin etwas zweifelhaften Leuten fern. Besonders war nicht herauszubringen, was er, der Amerikaner, drüben eigentlich getrieben hatte; er sprach wohl dann und wann von seinen früheren Geschäften, verriet aber nut keiner Silbe, welcher Art diese Geschäfte gewesen waren. Dagegen bewies er einr staunenswerte Geschicklichkeit durch allerlei I Kunststücke, mit denen er bei Tische und auch nach der Mahl- I zeit seine Gäste zu unterhalten pflegte. So erinnere ich mich eines Abends: er stand nur drei Schritte vor Wnns, zog sein rotseidenes Sacktuch, drehte und knotete es derart znsammen, daß es einer kleinen Puppe glich, stellte diese Puppe vor unseren Augen auf den Fußboden und siehe da, die Puppe fing an, aufrecht zu marschieren und nach der Walzermelodie, die er pfiff, taktmäßig L" tanzem Wir I waren wirklich ziemlich verblüfft, da wir beim besten Willen I nicht entdecken konnten, womit er die Puppe eigentlich bewegte. Seine Gattin stand neben meinem Sessel; ich flüsterte ihr zu: er hat wohl an Pferdehaaren das Tuch befestigt? Sie schüttelte das Köpfchen, neigte sich zu nur herab und I hauchte mir ins Ohr: „Ich weiß es selbst sticht, rite er e„> I macht; auch mir will er es nicht verraten." ^chj fsthlte den I wannen Odem des jungen WeLbes und war tote berauscht; auch muß es wohl im Rausche gewesen seist, daß ich ihr zto flüsterte: „Wie kann er vor Ihnen ein Geheimnis haben? Wen man lieb hat, dem schüttet man sein ganzes Herz ans; stelleii Sie mich ans die Probe, ich wäre nicht imstande, Ihnen irgend etwas zu verschweigen." Ich fühlte, das war ziemlich unverblümt gesprochen und ich fürchtete schon, ste I mürbe mir meine Kühnheit Übelnehmen, tote ich ^ber unsicher den Blick zu ihr erhob, bemerkte ich zu metner größten I Genugtuung, daß sie tief errötet wär. Das besiegelte mein Geschick; nun wußte ich, ich war ihr nicht gleichgültig, und dieses Bewußtsein versetzte mich in einen Taumel des Ent-, 635 sagte er mit herzlichem Ton. Sie legte die ihve hinein. Sie war eine feine Dirne. Schlank und schön tzu schauen. Mit dunklem Haar und langen, schwarzen Ungenwimpern. Eines der schwarz- draunen Mädel, von beneit das.Lied singt. Ein eigenartiger Liebreiz! war über sie ausgegvfsen. Er blickte schnell um sich. . ''®!e Mutter ist im Garten," sagte sie leise, „und der Vater rnr Revier!" Elisabeth tolar 18 Hahr alt. Ein Bruder war Förster fcrnhrn an der Weser. Sie lebte hier ganz einsam und allein mit den Eltern im Walde. Erst tolar sie ihm scheu ausgewichen. Aber dann wiar er einmal zufällig mit ihr oben auf dem Rotenhorn zu- sanrmengelroffen, da hatte, beim Mich auf die weite Waldeinsamkeit, das Waldfräulein Vertrauen zu ihm gefaßt. Es war so ganz von selbst gekommen. Sie hatte ihm erzählt von ihirer verborgnen Jugend und Dion den zwei 'Jahren, in denen eine Dante der Mutter sie zu sich genommen in die Stadt und für sie gesorgt hatte. Ta war sie eine 'Dame geworden, die es mit ihrem sicheren Gefühl für das, was sich schichte, und mit dem', was sie mit Feuereifev gelernt, und in ihrer unendlichen Herzensgüte aufnahm mit allen, die der Doktor draußen kennen gelernt in seinen Kreisen — und «r war kein Jüngling mehr. Vor zwei Jahren hatte er an der Bahre seiner ersten Frau gestanden. Aber ohne Tränen. !Tie £rfte_ Heirat war ein Irrtum gewesen. Jetzt stand er dem jungen Försterskind gegenüber und sah sie mit brennendem Herzen und fragenden Augen darauf an, ob sie ihn trösten könne über ein Lebensglück, das er bereits verloren gegeben. Es war schnell und gewaltsam über ihn gekommen. Sie hatte sich mit starkem Vertrauen an ihn angeschlossen. Es durfte es feiner wissen. Ter Vater war ein harter, rauher Mann und ein Tyrann im Hause. „Er würde mich schlagen, sähe er mich mit Ihnen zusammen," sagte sie und sah ihn an mit den tiefen, leuchtenden Mädchenangen. Er hatte ihr vorgelesen oben auf dem Rotenhorn, int Schatten einer gewaltigen Kiefer. Und es waren Stunden tiefen Friedens gewesen. ^Tie Sonnenstrahlen hatten auf dem Buch gespielt, und sonnige Strahlen neuen Glücks waren in den Augensternen Elisabeths ja ufgegangen. Wie er sie so ansah, tat ihm das Herz weh um sie. Sie waren Freunde. „Heute um 4 Uhr?" sagte er auf dem Hausflur. Sie nickte freudig: „Gewiß! Ich freue mich so!" flüsterte sie. _ draußen schallten Schritte. Schnell Aog sie ihre Hand ans seiner uitb eilte davon. Tiefgesenkten Hauptes ging er in den Wald zu weitem Weg durch die herbstliche Einsamkeit. Und es zogen Wolken über den Himmel hin: lichte Wolken, und eS zogen Wolken über seine Seele bin: schwere Wolken. Ader bann brach die Sonne durch. Und sie siegte. Ter letzte Nachmittag kam. _ Sie wußten es ohne Worte, wo sie einander treffen würden. £er Sturm ging durch den Wald. In ganzen Geschwadern riß er die welken Blätter herab und streute sie durch den Wald : die roten, raschelnden Blätter der Buchen, die goldleuchtenden des Ahorns; Ünd'die Fichten neigten sich knarrend vor der Macht des Gewalttgen. Unter dem vorspringenden Felsendach saßen zwei. Sie schauten schweigend ins Land hinaus, über den Wald, wie er ihnen zu Füßen brauste und rauschte in tiefer, herbstlicher Trauer. Ter Doktor hatte seine Hand auf Elisabeth gelegt. Sie sah ihn wieder an mit jenem Blick grenzenlosen Vertrauens, hinter dem !es stand wie verhaltene Tränen. „Denken Sie freundlich an mich, Elisabeth!" sagte er leise. Tas Buch fiel von seinen Knien. Sie hatten heute nichts gelesen. Sie sagte wohl nichts. Wer es stand alles in ihren Wgen. „Sie sind ein junges Kind," fuhr er fort, „und ich bin noch einmal so alt wie Sie." Sie lächelte fein. Es war, als wollte sie etwas erwidern. Biber sie schwieg. Nur ihr Blick lag voll auf ihm. „Elisabeth —■_ soll ich einmal wiederkommen?" Schnell Ijiob sie das Haupt wie im freudigen Schreck. „Ja!" sagte sie mit seltsamem Ton, als käme er aus dem allertiefsten Herzen. „Nun nehmen wir Abschied für diesmal, Elisabeth! Haben Sie Tank 'für alles. Sie liebes Mädchen!" Er hielt ihr die Hände hingestreckt. Ta neigte sie sich schnell Und küßte sie mit weichen Lippen. Tann sah sie ihn an mit leuchtenden Augen: „Nicht böse sein!" bat sie weich, „nehinen Sie den Tank des Kindes, das ihn nicht anders äußern kann." Sein Atem ging schwer. Er nahm ihren Arm unter seinen. So stiegen sie langsam zu Tal durch den rauschenden, brausenden Wald und die knarrenden Stämme. ♦ » * Es war Weihnachten. Es dämmerte auf den Heiligen Wend. Elisabeth stand in dem einfachen Wohnzimmer und war geschäftig Nm einen kleinen Weihnachtsbanw, eine Edeltanne, und schmückte sie mit geschickten Händen. Aber ihre Gedanken waren in der Ferne. — Sie hatte nichts von ihin gehört. Einmal nur hätte er an den Vater geschrieben. Ta drin stand ein Gruß an sie, den nur sie verstand. Wo war 'er, der Einsame, den ihre junge Seele so Nnsäglich lieben gelernt, auf den sie stolz war und doch bereit zu allem Entsagen? Wie die Sonne Mer den Wald, so war er über ihr Leben dahingegangeti, erwärmend, zum Leben erweckend, Licht und Glanz ins Dunkle werfend. , Ter Vater saß am Fenster mit der langen Pfeife und schaute m Gedankeii^oder gedankenlos hinaus in den ganz verschneiten Wald. Tre Mntter klirrte in der Küche mit dem Kochgeschirr zur Abendmahlzeit. Auch hier draußen gab's das Jülgericht der Germanen: Schweinskopf und Grünkohl. , „Ob der Hugo wohl schreibt?" fragte der Förster vom Fenster her, plötzlich des Sohnes gedenkend. Elisabeth sah auf und warf «nen Blick hinaus, wo die Dämmerung tiefer über den Wald herabsank. So stand sie vorgebeugt. Plötzlich gab sie einen Freudenschrei und stürmte hinaus. Der Förster sah ihr mit Behagen nach. Bei all seiner Rauheit war er doch im Grunde mächtig stolz auf stin schönes und tüchtiges Kind, und fein Herz hing an ihr. „Die kriegt nicht jeder!" hatte er gesagt, als sein Sohn im Sommer auf einen Forstgehilfen angespielt, der mächtig in Lisbeth verliebt sein sollte. Und dabei hatte er mit der Faust auf den Wirtshaus- ttsch geschlagen, daß die andern zusammenfuhren. Mit den Augen ging es in letzter Zeit nicht mehr so recht. Er trug jetzt jdiraußen eine Brille. Er hatte sie gerade verlegt. Wer wunderlich war es doch, was er undeutlich draußen erkennen konnte. Der Postbote mußte viel abzugeben haben, — und — der Alte sprang im grimmen Zorn auf und warf die Pfeife gegen den Schreibtisch. „Ist der Kerl verrückt?" schrie er hinaus —•< da hatte der Bote ja den Arm um seine Tochter gelegt, und sie, sie lehnte an ihm und sah tzu ihm auf. Ter Alte stürmte hinaus : „In drei Deibels Namen!" brauste er — da blieb er stehen mit offenem Münde. ,Jch bin's!" sagte der Doktor, „und will mir Ihre Tochter zü Weihnachten schenken lassen! Ich hielt's nicht mehr ans!" „Loslafsen!" kommandierte der Förster, der als Feldwebel bei den Gardeschützen gedient hätte: „Marsch, Lisbeth, ins Haus! Wird's bald?" Seine Stimme klang wie grollender Tonner. Lisbeth schlug die Hände vors Gesicht und trat ins Haus. „Sie bleiben draußen," fuhr er den Doktor an, „bis Sie mir einige [fragen beantwortet haben!" Er faßte ihn am Rockknopk Und sah ihm finster in die Äugen: „Mfo: Sie wollen mein Kind heiraten? Geringer Leute Kind?" „Ja!" klang es freudig zurück, „Elisabeths Herz' ist mir vornehm genug!" „Wissen Sie, daß sie arm ist wie eine Kirchenmaus? Aber im Ernst!" ,L>ch bin Mannes genug, für meine Frau zu sorgen!" tarn' die kurze Antwort, „und ich will sie haben, wie sie geht und steht." „Wissen Sie auch, daß Sie mich und meine Frau mitheiraten?" fragte der Förster dringlich weiter. „Ich lasse sie mir nicht nehmen und will keinen Schwiegersohn, der sich unser schämt und uns nicht im Hause Haben mag." Ta lachte der Doktor lustig auf. „War wirklich mein einziges Bedenken," gab er zurück, „und ich habe ein Merteljahr darüber nachgedacht, aber auch auf die Gefahr hin: ,Zs, ich habe das Mädchen lieb!" „Sind doch ein ehrlicher Kerl!" sagte der Förster anerkennend und ließ den Knopf los, und ein milderer Zug legte sich um feinen Mund: „Kommen Sie herein, sonst kriegen Sie den Schnupfen. Lisbeth!" rief er ins Haus hinein. > Ta stand sie im dunkeln Flur und hatte zitternd die Arme um die Mutter geschlungen. „Mutter," sagte der Förster, „er will wahrhaftig dich und mich mitheiraten: wollen wir sie ihm geben? — Ja? Tann komm her, Elisabeth —", das sagte er nur .in ganz feierlichen Augenblicken — „brauchst dir 'aber nichts darauf einzubilden! Mutter, dein Kohl brennt an, marsch!" Er schlug die Stubentür hinter sich tzu und zog seine Streichhölzer aus der Tasche, um die Lichter an dem' kleinen Weihnachtsbaume selbst anzüzünden. Endlich riß er die Tür auf, daß der helle, gelbe Kerzenschein auf die beiden fiel, die noch versunken draußen beieinander standen. „Nun man herein mit der Bescherung! Nehmen Sie mit der Lisbeth allein vorlieb! Weiter nichts für Sie da! Mög's Ihnen nie leid tun!" Hell strahlend fiel das Licht der Kerzen, ivie sie im stillen Glanz vom Banme leuchteten, auf den Schnee Dornt Hanse und leuchtete wie ein Stern tief in den Wald hinein. * » * Tie Kerzen am Bannt waren längst verlöscht. Der Doktor und Lisbeth saßen noch auf. Die Eltern wären zur Ruhe gegangen. Der Weihnachtsmond schien nun mit blassem Glanz durchs Fenster, an dem die zwei standen. Sein Licht spiegelte sich in den wunder - fchönen, verklärten Augen des Mädchens: „Wie kamst du doch dazu?" fragte sie flüsternd. — „Ich wollte auch noch glücklich sein auf Erden!" erklang es' ihr. — „Ja," sagte sie und legte ihm sacht die Hände lauf die Schultern, „wie der Vater sprach: Mög' es dir nie leid tun! Ich bin dein eigen, das weiß Gott! Abttr ich wär's auch geblieben, hättest du mich nicht geholt! — Vielleicht aber wäre ich dann gestorben!" setzte sie für sich selbst hinzu. „Waldfräulein!" rief er innig und tat die Arme auf, weit auf. Ungestüm warf sie sich hinein. «86 eilt weinte sie. Gellert. den als Cs war in jener Epoche, in der es sich um die Scheidung handelte. Herr Mols, der zum Justizminister und Präsidenten des Kassationshofes ernannt werden sollte, suchte sich bei dem Kaiser sehr einzuschmeicheln. ~ , _. Eines Abends befand sich Napoleon int Fannliemalon. Die Kaiserin, der Erzkanzler und Jerome waren auch dort. Herr Mols hatte sich in eine Ecke geschmiegt. Talleyrand und Fouchs traten ein. Sie hatten irgend etwas ihrem Herrn nicht recht gemacht. Der Kaiser, der, bis dahin gelächelt hatte und vergnügt gewesen war, hielt es für richtig, nun zornig zu werden. „Ach! Herr Bischof! Ach! Herr Mönch!" . . . Wie zwei Missetäter wurden die beiden von ihm behandelt. Schweigend hörten der Fürst von Bsnsvent und. der Herzog von Otranto zu und ließen das Gewitter kaltblütig und unbeweglich über sich ergehen. Talleyrand mit seiner Gipsmaske, Fouchs mit seinem pfefferkuchenbraunen Gesicht taten so, als ob das Donnerwetter sie gar nichts anginge, sondern ganz über wen anders losgebrochen wäre. Doch ich habe mich int Ausdruck vergriffen, d« kaiserliche Ansprache war kein Donnerschlag, sie war ein Fußtritt. Als die Angelegenheit beendet war, verneigten sich beide tief. Seine Majestät und Jerome zogen sich zurück. Die Herren vom Dienst sahen, wie sie mit zufriedenem Gesicht durch Las Vorzimmer schritten. In Jerome aber wirkte dieser Vorfall nach. Er war so etwas wie in- seiner Menschenwürde beleidigt. Weil er sich ganz unerfahren als ein kleiner Prinz neben dem großen Kaiser fühlte, als ein Zwerg neben einem Riesen, ein Kind neben einem Helden, schmollte nnd schwieg er, wenn er anderer Ansicht wie Napoleon war und ihn irgend etwas ärgerte. Der Kaiser trat näher an ihn heran. „Nun, was ist Ihnen denn, Herr König von Westfalen? „Majestät..." „Sprechen Sie!" „Majestät..." , ... „Aber so sprechen Sie doch, kleiner König!" „Nun Majestät, wenn ich mich über Talleyrand und Fouchs zu beklagen hätte, und wenn.ich Kaiser wäre, würde ich fte erschießen oder hängen lassen, aber ich würde sie nicht in solcher Form demütigen." Der Kaiser lachte. . „Sie müssen nicht erschießen oder hängen sagen, mein.Lieber, Sie müssen erschießen und hängen sagen. Talleyrand erschießen, Fouchs hängen, das wäre das Richtige und in der Ordnung gewesen." Sodann wurde sein Gesicht ernst. „Und was meint der Herr Erzkanzler?" „Majestät, ich meine, daß der König von Westfalen nicht ganz Unrecht hat." t ,, . Der Kaiser wurde nachdenklich und schwieg. Der Vorfall war bezeichnend. Gewiß haben andere Ursache« später seinen Sturz herbeigeführt, aber der Rattenzahn beleidigter kleiner Geister hat mit an der Falle graben helfen, die ihm zum Verderben ward... „ _ . " In Dresden hatte der Kaiser einen wahren Hof von Königen um sich. Nicht jeder durfte vor ihm erscheinen. Napoleon wählte aus. Wie einst die Grandseigneurs von Frankreich unter Ludwig XIV. sich nach Marly drängten, um dem König ihre Aufwartung machen zu dürfen, so wetteiferten nun die Fürsten Europas darum, in Dresden empfangen zu werden. Allabendlich hielt der Kaiser Cercle. Die großen iind kleinen Souveräne stellten sich ein und alle neigten sich in gleicher Ehrerbietung vor dem kleinen Mann, und je mächtiger sie waren/ desto demütiger wurden sie vor ihm. Die Großen hatten doch mehr als die Kleinen zu verlieren, deshalb war ihre Furcht größer und diese Furcht äußerte sich in höherem Respekt. In diesen Ergebenheitsbezeugungen war man damals so weit gekommen, daß die Monarchen sich in Napoleons Gegenwart nicht mehr zii setzen wagten. Mit dem Hut in der Hand standen sie um ihn herum, warteten darauf, daß der Kaiser fte ansprach und gaben sich Mühe, ihr schönstes und liebenswürdigstes Lächeln aufzusetzen. Wie ein Schwiegervater auS einer Posse sah der Kaiser von Oesterreich in weißem Frack, weißen Kniehosen und weiß- Jin Unglück gern an's Glück, Im Glück an'S Unglück denken. 20. November 1848. II. seidenen Strümpfen aus. Eines Abends gab sich diese Stimmung so deutlich kund, als der Kaiser von Oesterreich und andere Fürsten wieder neben Napoleon, der auf einem Kanapee lag, standen, daß die vor Unwillen rot gewordene Kaiserin von Oesterreich sich nicht enthalten konnte, ihrem Mann einen Wink zu geben, sich zu setzen. Doch ihr Stirnrunzeln und ihr Achselzucken übten keinerlei Wirkung aus Kaiser aus, der stehen blieb. , Wahrlich! Stehen bleiben ist ut solchem Fall beinahe so viel, sich auf die Erde legen . ? .! Anagramm. Aul meinem Rücken ohne Ruh und Rast Wird lortgetragen manche große Last. Veränderst du jedoch der Zeichen Stand, So bin ich dir als schlauer Mensch bekannt. Auflösung in nächster 'Rümmer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Willst du dich in dem Glück nicht ausgelassen freun, Im Unglück nicht unmäßig kränken So lern' so klug wie Eulenspiegel sein, humoristisches. * Auch ein Lob. Die alte Dame will dem neuen Prediger Kompliment über seine Predigten machen. „Wirklich, Ehr- würden," versichert sie strahlend, „ehe Sie zu unserer Gemcind.e 'kamen, iw'ußten wir überhaupt nicht, was Sünde ist. Lisbeth!" klang es aus der Kammer der Eltern! „Gute Nacht'---" Draußen ging der Mond über den Wald. Waldfräulein lag wach mit seligem Herzen und sah in den Uni/ an seinem Bett saß das Glück und sang ihn leise in Schlaf. Unveröffentlichte Blätter von König Jerome. Äug dem Nachlaß und in der Bearbeitung von Victor H u g o. Unter den mannigfachen Dokumenten, die der Nachlaß Victor HcigL noch birgt fanden' sich einige bedeutsame Blätter, die von dem Bruder Napoleons, König Jerome von Westfalen, herftam- men und dem großen Dichter wichtig genug erschienen, um ihnen eine künstlerische Bearbeitung und Abrundung angedeihen zu lassen Die erste dieser Aufzeichnungen ist denkwürdig, west sie in! Gegensatz zu anderen Darstellungen dem Stiefsohn des Kasters dem Vizekönig von Italien, Eugen, eine, entscheidende Rolle in der Scheidungsgeschichte des Kaisers von seiner Mutter zuwetst; die andere gibt einige intime Szenen aus dem Leben am kaiserlichen Hof Gerade in diesen letzten Septembertagen jahrt sichitt zum 100 Male die Zeit, da durch den kühnen lieber fall des Generals Tscheruitscheff und seinen Einzug ist Kassel die Herrlichkeit des Königreichs Westfalen den Todesstoß erhielt und der König Morgen wieder lustick" seine Rolle auf deutschem Bechen endgültig ausgespielt hatte. Wir haben daher von dem Verwalter des Huaoschen Nachlasses, Gustave Simon, das Recht erworben, diese fitr Jerome und seine Zeit charakteristischen Dokumente denen einer von Frankreich' größten Poeten eine anmutige Form verliehen, in deutscher Uebertragung zu veröffentlichen. .<<) I C v 0 . I. Ein Bericht König Jeromes. Die Scheidung hätte durch eine Kleinigkeit verhütet werden können. Wie Jerome sich ausdrückte: „Der Kaiser hatte sich an^ die Kaiserin gewöhnt." Es wurde ihm schwer, Josephine au^zugeven. Jeromes Meinung war di-, daß Eugen be Beauharnais zur Unzeit eine übertriebene Bereitwilligkeit an den Tag gÄegt hatte sonst wäre die Scheidung nicht erfolgt. Der Kaiser hegte nicht das Verlangen, dazu gedrängt zu werden. Napoleon sprach sich mst Eugen über die Scheidung aus. Er hatte lebhaften Widerstand erwartet und fand sofort Gehorsam und Resignation. Der Vater trat vor dem Herrscher her Eugen in den Hintergrund. Er liebte den Kaiser nicht wirklich, er schmeichelte ihm nur. Er fühlte sich nicht als Sahst, sonderst er sagte zum 'Kaiser: „Ich tue, was Sie wollen", und so opferte er ferne 9JtUt®er Ministerrat vereinigte sich zur Erörterung dieser Frage. Sie wurde zuerst von dem Erzkanzler aufgeworfen. Der Kat, er war selbst anwesend. Nach der Rede des Erzkanzlers erteilte Napoleon Eugen das Wort. In diesem Augenblick wäre noch alles möglich gewesen. Hätte Engen Einspruch dagegen erhoben, wäre der Kar er unschlüssig geworden, hätte Eugen geweint, , würde der Kasten nachgegeben haben. Tränen konnte Napoleon ja nicht widerstehen. Aber Engen zeigte eine stoische Ruhe, das heißt, er betrug sich als vollendeter Höfling. Er erklärte, daß weder er noch feine Mütter irgendeinen Einspruch erheben würden, gegen alles, was der Nutzen des Staates und der Willen des Kaisers erforderten. Nach Eugen sprach Jerome. Er sprach mit Zurückhaltung und fügte sich nur dem formellen Befehl des Kaisers. Er trat für Josephiiie. ein; er verteidigte sie. Ihr glücklicher Stern ichren ihm eng mit dem des Kaisers verbunden; nie sollte das Schicksal des Korsen von dem der schönen Kreolin getrennt werden Doch feine Rede war überflüssig. Der Hieb, der die tiefste Wunde ins Herz dieser Frau schlug, saß. Eugen hatte ihn Josephtne versetzt. Der Kaiser beharrte nun bei seinem Entschluß, den nur Eugen ganz allein hätte ins Schwanken bringen können, und der Rat stimmte in Ergebenheit zu. Nach beendeter Versammlnng kam Josephine in ihr Gemach, das neben dem Beratungszimmer lag; sie setzte sich neben dem Bett nieder, das sie nicht mehr mit Napoleon teilen sollte, rind da sie fühlte, daß alles zu Ende war, Redaktion: K. Ne« rath. - Rotationsdruck und Verlag der BstWfchen Umversitäts-Btn^' und Steindruckerei. N. Lange, Gießen»