MWl? t II ■ .rmi 4Tti • •___________________. ■ W^aS sä JFirnenrauIdj. Roman von Paul Grabern» 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Gottliebe erwiderte den Handschlag mit einem festen, Nervigen Druck, der Herrn v. Malmort unwillkürlich überrascht auf ihre schlanke, wettergebräunte Rechte sehen ließ, während sie mit einem Lächeln evwiderte: yö, es war nicht der Rede wert. Ich habe schon manch Gewitter schutzlos in den Bergen durchgemacht und gut überstanden." Wohlgefällig blickte Herr v. Malmort ihr in die offenen, hellen Augen. „Sie sind für eine 'Dame selten abgehärtet, ich vermute Wohl nicht mit Unrecht, eine ernste Alpinistin?" „Ich denke, dafür gelten zu dürfen." „Dann freut es mich um so mehr, daß Sie uns dieser Zufall ins Haus geführt hat — ich selbst bin ein großer Freund der Berge. Aber bitte, mein Fräulein, nehmen Sie doch Platz — vielleicht da droben im Fenster? Es sitzt sich gut da, wenn draußen das Wetter tobt — bitte!" Gottliebe schritt dankend die Stufen, empor und ließ fich auf der einen Bank in der Nische nieder, ihr gegenüber Herr v. Malmort mit der Tochter. Sie hatte nun im Licht Gelegenheit auch den Schloßherrn zu sehen. Er mochte ein Mann vielleicht von vierzig Jahren sein. Sein dunkles Haar und der spitz geschnittene Bart wiesen aber bereits einen grauen Anflug auf. Das wettergebräunte Gesicht mit den dunklen ernsten Augen erinnerte sofort an die Tochter, und doch waren da wieder Unterschiede zwischen den beiden. In dem Mädchen lag bei aller Herbheit zugleich eine so schmiegsame Grazie, etwas so Weiches, Suchendes im Wesen, das nicht zu der festen, scharf ausgeprägten Eigenart ,in Aussehen und Wesen des Mannes da paßte — ein fremdes Element im Blute der Malmorts, wohl ein Erbteil der Mutter. Ter Mutter! Im Fluge drängte sich Gottliebe, während sie den Blick zum Fenster hinausschickte, die Frage auf: Wo mochte die Frau des Hauses sein? Melleicht — wahrscheinlich nicht mehr am Leben! Das einsame Hausen hier von Vater und Tochter ließ wohl darauf schließen. Doch Herr v. Malmort lenkte ihre Gedanken alsbald änderen 'Dingen zu. „Der arme Domletsch unten kämpft noch immer mit dem See," er wies hinaus auf die wild aufgepeitschte Wasserfläche drunten, wo in der Tat der kleine Nachen, den Gottliebe vorhin gesehen hatte, noch immer auf und nieder tanzte. . * „Der Aermste!" Mitleidig rief es die Tochter aus. Sie stand, das Antlitz dicht «an die Scheiben gepreßt, jetzt zwischen Gottliebe und dem Vater, den rechten Arm um dessen Schultern ge-, schlungen. „Ist der See gefährlich?" forschte Gottliebe. Herr v. Malmort nickte, mit ernster Miene auf |b'ett gebrechlichen Nachen drunten schauend. „Bei solchem Wetter, ja! Der Sturm stößt unvermutet aus allen Ecken, und es sind heimtückische, scharfe Riffe im Wasser. — Sieh, sieh — wie es ihn umherwirft!" Zur Tochter sprechend, war Herr V-. Malmort plötzliche unruhig aufgestanden. Sein geübtes Auge unterschied drunten deutlich die schwere Not des Fährmanns in dem hoch mit Heu beladenen Nachen. Auch Gottliebe war aufgesprungen, den Blick besorgt nach drunten richtend. „Sie kennen den Mann da?" „Ja — mein Fischereipächter, der Jürg Domletsch «UZ Thalwys drunten," und mit zusammengezogenen Brauen verfolgte Herr v. Malmort weiter den Kampf drunten. Gottliebe ahnte die Gedanken, die sich hinter seiner hohen freien Stirn bargen: Ob es nicht Pflicht sei, dem Mann oort unten beizuspringen. Plötzlich ein leiser Aufschrei der Tochter, Unwillkürlich hatte sie den Arm des neben ihr stehenden Vaters gepackt, und Gottliebe warf die Blicke wieder hinab nach dem See. Eine gischtsprühende Woge hatte eben für einen Moment lang das Fahrzeug drunten begraben. Um Gottes willen! Wenn — Wer, nein! Da tauchte der Nachen ja. Gottlob, wieder auf. Wer wer weiß, wie lange er dem Ansturm der Wogen noch Stand halten würde? „Man muß dem Mann da unten zu Hilfe kommen!" Fest klangen die Worte plötzlich von Gottliebes MUnd, im selben Augenblick, wo Herr v. Malmort in schnellem Entschluß die Tochter beiseite geschoben hatte. Nun trafen sich einen Moment ihre Blicke: Sie hatten dasselbe gedacht. „Ja — und das schleunigst!" Und schon war Herr v. Malmort die Stufen hinab. „Ich komme mit." Gottliebe eilte ihm nach. Stehenbleibend, musterte sie einen Moment der Hausherr, erst verwundert, dann mft einem Aufleuchten im Blick. Zugleich fiel ihm der Händedruck von vorhin ein; es war Mark in ihr, da konnte ihre Hilfe wohl von Nutzen sein. „Kommen Sie!" Kurz nickte er ihr zu, aber sein Blick machte sie stolz. „Vater! Tu wirst aber an dich denken — und mich?" Leise bat es die Tochter, nun auch herzugekommen, und ihre durchsichtigen Hände umfaßten beschwörend die Hand des Vaters. „Es wird mir nichts geschehen!" Ein flüchtiger Kuß auf ihre weiße Stirn, dann drängte er die Tochter sanft beiseite. Stumm, aber in geheimer Angst leuchteten ihm die dunklen Augensterne nach. Sie kannte 494 Wohl nur zu 'gut sein ebleS' Selbstvergessen in fremder Menschen Not. t „„„ Da hörte sie plötzlich und herzlich tröstendes Flüstern im Ohr: „Seien Sie ohne Angst! Ich wache über Ihren Vater!" Mit weichem Dank blickte sie Gottliebe an, die ihr dies Versprechen gab und dann Herrn v. Malmort nacheilte. Zwei Minuten später lief sie, wieder in den nassen Mantel gehüllt, mit dem Schloßherrn über den Hang der Alm bin, alsdann den Zickzackweg der Wand hinab stürm end, die -steil zum See abfiel. Weit hinter ihnen folgte mit seinen steifen Beinen der alte Anselm, erst sorglich darauf bedacht, sich dicht in seinen Wettermantel zu hüllen; er brachte ein Seil mit für alle Fälle. Als erster war Herr v. Malmort drunten am Gestade. Auch er hatte sein Bergseil von droben mitgebracht, um es dem mit den Wogen Kämpfenden zuzuwerfen. Noch aber war der Domletsch für seine Hilfe unerreicht bar. Er trieb wohl an hundert Fuß weit ab draußen auf dem See, dessen nachtdunkle, schaumgekrönte Wellen wild brausend und sich überschlagend ans steinige Ufer rollten. Nun war auch Gottliebe heran, und mit sturmgepeitschtem, flatterndem Mantel stand sie jetzt neben Herrn v. Malmort. „Er treibt gerade auf eine Felsbank zU!" Aufgeregt wies er auf eine Stelle vor ihnen im See. wohin Sturm und Wogen den Kahn drängten, trotz der verzweifelten Anstrengungen des Mannes darinnen, ihn nach dem Ufer hinzudrängen. -Ein Moment bangen Harrens und Ratschlagens. Da richtete sich Herr v. Malmort auf, in einem Entschluß. „Anselm — dein Seil her!" Auch der Mte war inzwischen herangekommen. Mit einem Griff entriß ihm sein Herr das Seil und wand sich das eine Ende um den Leib. „Mein Gott — Sie wollen doch nicht —-?" Angstvoll trat Gottliebe auf ihn zu, ihres Versprechens eingedenk. „Ohne Sorge!" beschwichtigte sie Herr v. Malmort. „Anselm und Sie werden mich halten. Bitte, hier!" Er reichte ihr schnell das andere Ende des langen Seils hin. das sie nun stumm, mit geübten Griffen, sich selbst um die Taille legte, -den Rest Anselm zu gleichem Tun hinreichend. „So — Und nun Gott befohlen!" Malmort hatte inzwischen auch eilends das zweite, ihm gehörende Bergseil um seine Hüften befestigt und, das andere Ende aufgerollt vor sich hinhaltend, stürzte er sich mit Sprungschritten in die schäumend heranrollende kalte Flut des Sees, in der Richtung des treibenden Kahnes hin. Klopfenden Herzens sah ihm Gottliebe nach, wie seine hohe Gestalt sich mit mächtiger Kraft durch ben Wogenprall vorwärts arbeitete. Bald stand er bis an die Schultern sm Wasser, und nun verschwand er glanz im Gischt ber Brandung. Mein Gott! Er hatte den Grund verloren. Gottliebe krampfte sich fekundenlang das Herz zusammen, während! sie mit schmerzend aufgespannten Augen hinausspähte. Halt! Da tauchte er wieder auf, er schwawm offenbar durch eine tiefere Stelle des Sees. Aber nun hatte er toieber festen Boden unter sich, stand, ging wieder, und jetzt ein Ruck, den sie leicht am Seil spürte — er war am Ende, weiter reichte es nicht. Nun kam es darauf an. Mit angehaltenem Atem schaute Gottliebe Malmort zU, wie er hoch in der Rechten ba§; zusammengerollte Bergseil haltend, wuchtig ausholte und es dann nach dem Kahn hinwarf, dem er sich jetzt bis auf ettoltt dreißig Fuß genähert haben mochte. Da, jetzt flog es los — aber leider, vom Sturm abH getrieben, etwas 'zu weit rechts. Also noch einmal! Schnell holte Malmort das Seil wieder ein, rollte es auf und abermals ein Wurf! Aber zugleich ein heftiger Ruck am Seil und bann ein Schlaffwerden — ein Heller Angstruf aus Gottliebens Munde — die Gestalt da draußen pit Wogengebraus war verschwunden. Boni allzu starken Schwung mochte fein Fuß, ausgeglitten sein, er war gestürzt und von ben brandenden Wellen begraben. Barmherziger Gott! Gottliebe haste psötzlich die Empfindung, daß das angstvoll harrende Mädchen da droben im einsamen Schlosse diesen Moment furchtbarer Spannung ahnte, mit durchlebte; sie sah ganz deutlich das blasse Gesicht mit den verzweifelt aufgerissenen dunklen Augen: Wo habt ihr meinen Vater? Was wachtet ihr nicht besser über ihn? Du versprachst es mir doch! Sekundenlang verwirrt sich alles in Gottliebe, aber nur einen Atemzug lang. Dann ein Aufzucken: Los — hin zu ihm! Vielleicht, daß du ihn noch retten kannst! Schon wollte sie mit fliegender Hand die Schlinge des Seils um ihren Leib lösen, da fühlte sie an diesem ein erneutes Rucken, ein so starkes und anhaltendes Anspannen des Seils, daß es sie, die dessen nicht gewärtig war, fast umgerissen hätte. Nun aber stemmte sie sich mit stählernen Muskeln dagegen; ihre geübte Kraft verdoppelte plötzlich ein frohes, jubelndes Gefühl: Er lebt, er hat das Seil mit den Händen ergriffen, er zieht sich daran -empor! Und du gibst ihm' Halt und Schutz. Ja, sie wirklich allein! Denn sie verschmähte es, den Alten hinter ihr zur Mithilfe heranzurufen. Sie ganz allein wollte ihm helfen, ihn vielleicht retten — ben flehenden dunkeln Augen da droben erhalten. Sie hielt ihr Wort! Noch nie hatte sie das Bewußtsein ihrer Körperschaft und eisernen Energie so stolz gemacht wie in dieser Stunde, wo sie vielleicht ein Menschenleben damit vor der Vernichtung bewahrte. v - So hielt sie dem kurzen, aber gewaltigen Ruck am Seil, den Leib weit hintübergeworfen, die Füße in den Fels! gebohrt, mit zum Zerspringen angespannten Müskeln stand. Dann aber tauchte die Gestalt da draußen im See wieder auf., Gott sei Dank — unversehrt! Einen Äkugenblick rang Malmort nach Luft, das Haupt entblößt, er hatte beim Sturz die Mütze verloren, schaute er während dieses Luftschöpfens her zum Ufer. Sein Blick traf Gottliebe, und sein scharfes Auge erkannte an der Stellung der beiden, daß sie allein eben die Kosten der Arbeit bestritten hatte. Da winkte er ihr lebhaft zu, dann aber ging er gleich wieder ans Rettungswerk. Zum drittenmal holte er das Seil ein, zUm drittens mal warf er es aus, nach kurzem Zielen mit neuem gewaltigen Schwünge, und sieh! — endlich gelang, es: Der Mann im Nachen erhaschte im Fluge das über ihn dahin gleitende Seil. Fast wäre zwar, im gleichen Augenblick der Kahn umgeschlagen von seiner heftigen Bewegung beim Auf fangen, aber er kehrte doch poch einmal wieder ins Gleichgewicht zurück. Nun würde das Seil am Kahn vorn befestigt und mit riesenhaften 'Kräften begann jetzt Walmort den Nachen zu sich heranzuziehen, während der Mann darin an seinem Teile mithalf. Schritt für Schritt nur kam das Fahrzeug zwar heran, aber das Werk gelang doch. Wip schade nur, daß sie beide Bier am Ufer müßige Zuschauer bilden mußten! dachtö Gottliebe, wie sie dem Anringen der beiden Männer gegen die Wut des Sees so zusah. Endlich aber war der Kahn bei Malmort angelangt. Nun schwang sich dieser hinein, das zweite Seil ward befestigt/ und den vereinten Bemühungen jetzt aller Vier gelang es', den Nachen so ans Ufer zu bringen. Schwer atmend traten die Männer aus Land', unter der gebräunten Haut beide bleich von der schier übermenschlichen Anstrengung. „Bergelt's Gott, Herr!" Der Domletsch, ein untersetzter, bärtiger Mann, drückte dem Gutsherrn mit seinen harten, schweren Fäusten bewegt die Rechte. „ „Das war Hilfe zur rechten Zeit! Hätt's allein wohl nimmermehr geschafft. Ich wollt schon von Kräften kommen. Daß ich nun doch noch einmal heil zu Weib und Kindern komme, das dank ich Euch mein Lebtag, Herr!" „Laßt's gut fein, Domletsch; e infach Christenpflicht/ wehrte Malmort gelassen ab. Dann aber wandte er sich nach Gottliebe herum, die sich inzwischen vom Seil befreit hatte. „Wenn Ihr aber dankt, dann vergeßt auch hier die Dame nicht, Domletsch! Sie hat sich um Euch und mich verdient gemacht, bei meinem Purzelbaum da vorhin unter Wasser/ Treuherzig hielt der Manu auch Gottliebe die Hand hm. ,-,Vergelt's Gott auch Ihnen, Fräulein." Dann aber ergriff Malmort ihre Rechte; ein macht- 495 — Voller Druck preßte sie, während ^in Auge mit warmem Aufleuchten sie traf, und halblaut sagte er ihr: „Brav gemacht, Kamerad!" Wie sie das schlichte Manneswort stolz machte, als wäre ihr eben ein Orden verliehen worden! Und war es nicht auch berechtigt? Von einem Hochgesinnten, der sein Leben unbedenklich für einen seiner Leute einsetzte, als Kameradin eingeschätzt zu werden, war das nicht etwas? Sie erwiderte Malmort nichts; aber die helle Freude in ihren offenen Augen sprach für sie. Die drei kehrten dann ins Schloß zurück; während-Dom- letsch weiter hinab ins Dal eilte, heim nach Thalwhs, wo die Seinen in Angst seiner harren mochten. (Fortsetzung folgt.) MegLrbttöer aus dem bufeüertal. Man begegnet eben überall den Erinnerungen an die grafe 8üt vor hundert Jahren, und es ist natürlich, daß man da in erster Linie die Taten und Lebensbilder der Großen und derjenigen Männer vorführt, die eine 'hervorragende Rolle damals gespielt haben. Mer es Wäre ungerecht, wollte man nicht auch wenigstens einzelner aus den Reihen des .gemeinen Mannes gedenken, die sich durch ihre Eigenart oder durch ihre Leistungen von der großen Masse der Tausenden und 'Abertausenden unter Waffen, abheben. Eine kleine Schar unserer Mtkrieger aus dem Busvckertal, beabsichtigt der Verfasser hier vorNlsühren und ihr Gedächtnis wieder aufzusrischen. Ihr Bild kann freilich ein vollständiges' nicht werden, da der Mund unserer Helden längst geschlossen ist^ und die auf-gezeichneten Nachrichten, wie die Ueberlieferung meistens' sehr lückenhaft sind. Das Volk pflegt die Kämpfer aus den früheren -Kriegen je nach der Waffengattung, der sie angehört haben, oder nach den Völkerschlachten zu benennen, mit denen sie in feindliche Berührung gekommen sind. Noch heute leben diese Beinamen zum Teil in. den betreffenden Familien weiter, und halten das Gedächtnis an die Vorfahren in wirksamer Weise fest. So haben wir in Beuern Dragoner-, Spanioler- und Russenfamilien. (Die Feldwebels und Tambours stammen aus späterer, nachkriegerischer Zeit, noch neuer sind die Holsteiner.) Den ersten Platz unter unseren alten Kriegern nehmen die beiden Mebr. Arnold, gebürtig aus dem Hause Nr- 4 in der Metzengasse in Beuern, ein, das nachweislich über 200 Jahre im Besitz der Familie Und das Stammhaus feier weitverbreiteten Glieder derselben ist. Der älteste dieses Brüderpaares wurde kurzweg der alte Dragoner genannt. Sein Ruhm, daß er eine große Heldentat vollbracht und mit -einem hohen Orden ausgezeichnet worden sei, war in aller Munde und weckte in mir das Verlangen, darüber genaueren Aufschluß W -erhalten. HaüptMaun Wald-ecker, der frühere Schriftleiter des „Hess. Kamerad", und Gendarmeriemajor SM (letzterer selbst ein Sprößling einer Buseckertalfamilie), warm so freundlich, im 'Großh. Haus- und Staatsarchiv Nachforschungen anzustellen. Es vergab sich, daß Arnold I. (der alte Dragoner) schon 1807 Soldat war und im August 4 f. 39 kr. Löhnung erhielt. -Am 27. Dezember 1809 erhielt bei Reichenau der Ch-evauxleger Arnold bei der 1. Eskadron des Großh. Chev-auxleger-Regiments die 2. Klaffe des Verdienstordens (jetzt Rittevkr-euz 2. Klasse des Ludwigordens. Der Grund der Auszeichnung war nicht ün- g-egeben. Der Regiments-kom'mandmr war Major von Münchingen. Mm 22. April 1809 kam' es am Inn bei Feichten, unweit Nmmarkt, zum Gefecht gegen die Oesterreicher. Ulanen brachen plötzlich hervor, hierbei wurde Major v. Münchingen durch einen Lanzenstich verwundet und nur durch die Bravour des Premierleutnants v. BoynebUrg, des Sekondeleutnants v. Küchler, sowie des Wachtmeisters Dornseiff und des Korporals Wonrad vor Gefangenschaft gerettet. Hauptmann Waldecker meint, ieS sei möglich, daß Arnold I. an diesem Ueberfall beteiligt gewesen sei, jedenfalls aber habe er sich im Verlauf des Feldzuges gegen Oesterreich so ausgezeichnet, daß er mit einem so hohen Orden bedacht worden sei, den im ganzen Regiment nur 30 Offiziere und 14 Unteroffiziere und Mannschaften erhalten haben. Much züm Orden der französischen Ehrenlegion waren die Gebrüder Arnold eingegeben. Sie erhielten ihn aber nicht, weil der Kurier, der denselben überbringen sollte, von den Kosaken Bet Kassel ausgehoben worden war. Führm wir uns die aus amtlicher Quelle stammende Nachricht von dem Ueberfall bei. Feichten, in welchem der Regimentskommandeur Major v. Münchingen von seinen Leuten befreit wird, vor und vergleichen damit, was der alte Dragoner bei Lebzeiten als Grund seiner Auszeichnung wohl zu Hunderten Malen erzählt hat, so ergibt sich ohne Zweifel, daß unser alter Freund nicht nur bei jenem Ueberfall zugegen gewesen ist, sondern daß gerade er die Hauptrolle dabei gespielt hat. Nach seiner Aussage spielte sich die Geschichte in einem Hohlweg ab. Er sah seinen Vorgesetzten, der an der Schulter verwundet worden war, von ö oder 6 feindlichen Reitern umringt und in Gefahr, gefangen zu werden. Blitzschnell sprengte er mit seinem äußerst lenkbaren Pferde hinzu und dank seiner eigenen Gewandtheit und riesigen Korpercraft gelang es ihm, den Offizier aus seiner bedrängten Lage zu befreien. Es muß wahr gewesen sein, was er in femep dero-en Ausdrucksweise berichtete: „er habe zugchauen, nicht wissend, -ob es Hunde- oder Katzenfleisch sei, was er zurichte." Die Umform hmg ihm in Fetzen am Leibe, der Säbel war zcrtrüm- \er Major (und spätere Oberst) v- Münchingen tatsächlich tn dein alten Dragoner seinen Lebensretter sah, be- wecst me rührende Anhänglichkeit, die er ihm zeitlebens erzeigte. Er hat rhn mehrfach eingeladen, zu ihm nach Darmstadt zü kommen, wozu er aber nie zu bewegen war, obgleich ihm ein befreundeter Bauer in jener eisenbahnlosen Zeit ein Pserd für dce Reise zur Verfügung stellen wollte. Er hat ihn aber auch unterstützt und er war dessen bedürftig, denn der alte Dragoner war mtt einer starken Familie gesegnet und nach und mach voll- standtg verarmt. Einer seiner Söhne, der weithin bekannte, alte Vaniatob, sagte, daß sie zeitweise nur einen Löffel hatten/ der auf der Reihe herumgfng. Der Grund der Verarmung lag aber mcht allein tn den schlechten Zeiten und der zahlreichen Kinder- fchvr, sondern auch in der starken Neigung zum Trunk, dre sich Bet dem alten Dragoner allmählich entwickelt hatte. Als er etnft zum Militär ausgehoben wurde, hatte seine Mutter gesagt : „Wie wird es dem armen Jungen gehen, da er keinen Tropfen Schnaps trinkt." Er hatte es aber während der langen Kriegsläuften nur zu gut gelernt. Um nochmals kurz auf den erwähnten Ueberfall zurückzukom- men, so dürfte noch zu erörtern sein, warum unser alter Held erst viel später seine Auszeichnung erhielt. Es gibt da wohl keinen anderen Grund, als daß er übersehen worden ist, wie das so manchmal geht. Daß sich bei Reichenau während des kurzen österreichischen Feldzuges noch ein zweiter, dem ersten bei Feichten ganz ähnlicher Ueberfall mit Lebensrettung desselben hohen Offiziers zugetragen haben sollte, läßt sich kaum annehmen. Das dauernde/ dankbare Verhalten des Obersten v. Münchingen dem alten Dragoner gegenüber beweist vollends des letzteren hervorragendste Teilnahme an dem fraglichen Ueberfall, insbesondere seiner Lebensrettung. „ Im Jahre 1848 starb der alte Dragoner. An seinem Sarge prangten die Felddienstzeichen und das goldene Kreuz des Verdienstordens. Vor der Einsenkung trat der damalige Bürgermeister heran und nahm das letztere in Verwahrung. Lange Zeit hindurch waren die Angehörigen des Verstorbenen in dem Wahne, als ob das mit Unrecht geschehen sei und noch in den 70er Jahren haben sie sich deshalb nach Darmstadt gewandt. Bekanntlich gehen aber alle wirklichen Orden nach dem Wleben des jeweiligen Trägers an die Ordenskammer zurück, schon des Geldwertes wegen und werden erforderlichenfalls gerichtlich eingetrieben. Die Felddienstzeichen und sonstigen Auszeichnungen verbleiben der Familie. Die älteren Leute von der Kavallerie wurden bei Beginn des russischen Feldzuges 1812 gar nicht mehr einberufem Der alte Dragoner erhielt seinen Abschied. Sein jüngerer Bruder dagegen, Arnold II., wie er aufgeführt wird, der bei der 2. Eskadron des Gr. CHevauxleger-Regiments diente, hat nicht nur diesen, sondern außerdem angeblich noch 4 Feldzüge mitgemacht und in 7 Jahren die Heimat nicht gesehen. Mit 4 Kameraden (Stiehl-Alten-Buseck, Haas-Steinbach, ? Hattenrod, ? Saasen) kam er endlich nach Haufe. Von Einzelheiten aus seiner kriegerischen Laufbahn sei erwähnt, daß er einst in Gefangenschaft geraten und zum Tode verurteilt wurde, weil er sich beharrlich weigerte, seinen Fahneneid zu brechen und in fremde Dienste zu treten. Es gelang ihm aber glücklicherweise, zu entkommen. Daß er sich besonders ausgezeichnet haben muß, beweist schon die erwähnte, ihm zugedachte Verleihung des Ordens der französischen.Ehrenlegion. Noch lebt einer seiner 4 Söhne, der nahe an den 90ern stehende Leonhard Arnold zu Burkhardsfelden. Er wie seine etwas jüngere Gattin erfreuen sich noch einer ziemlichen Rüstigkeit. Ihm verdaM ich die vorstehenden, wenigen Angaben über seinen Vater, den er persönlich, glsich dem Vetter Dragoner, als einen sehr starken und tatkräftigen Mann schildert. wie Giftschlangen bekämpft werden. Daß bei uns ein Mensch durch den Biß einer Kreuzotter ge* tötet wird, gehört zu den Ausnahmen; in anderen Ländern aber, hauptsächlich in Brasilien und in Indien, werden jährlich Tausende von Menschen durch Gistschlangen getötet, und in Indien erreicht nach der letzten amtlichen Statistik die Anzahl der Opfer der Giftschlangen eine Höhe von über 20 000 im Jahre. Weswegen gerade in Indien die Bekämpfung der Gistschlangen so schiver ist, teilt Professor Hermann K ü t t n e r (Breslau) in einem Aufsatze der „Naturwissenschaften" mit, der die giftigen Tiere und ihre Bekämpfung überhaupt zum Gegenstände hat. Danach scheinen in Indien die Abwehrmatzregeln gegen die Giftschlangen nicht durchführbar zu fein. „Der Malabare", so erzählt Küttner, „in dessen Haus eine Eobra ihr Wesen treibt, bricht ihr nicht mit einem wohl- gezielten Stockschlage die Wirbelsäule, sondern bittet sie freundlichst, hinauszugehen, hält ihr Speisen vor, um sie sorhulockeit, und ruft, wenn auch dies nichts Hilst, den berufsmähigen Zauberer und Schlangenbeschwörer, der gegen entsprechende Entschädigung der Schlange rührende Verstellungen oder bittere Vorwürfe macht. 496 Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße» L e 2 n. e 4 T f 2 — b 2 Schwarz, b 5 n. e 4 am besten. K e 4 — ä 5 am besten. K d 5 n. c 4 ob. — c 6. Log'ogriph. Mit ,9)1" ein Mensch, der nirgends beliebt: Mit ,Z" es dem Leckermaul Freude gibt. Auflösung in nächster Nummer. 1. 2. 3. D f 1 n. c 4 f ___... 4. 8 4 7 — b 6 ob. b 8 f und Matt. r v , v w i v v iv v u U l c i c [l H II U D ? r ba§ Krähen austreiben kann. .Die $e[e» erzählt Zwei lustige Geschichten, wie man den Eseln das schreien und den Hahnen das Krähen austreiben könne. Während r®$tna tm ^ahre 1745 konnte der Pater Euaristo Nachte lang.kvegen des ungeheuerlichen Geschreies meh- ier Esel absolut nicht schlafen. Er beklagte sich darüber bei erf^unte er, als in der folgenden Nacht die Esel sich durchaus rnhrg verhielten. Der Missionar erkundigte dÄ' Welchem Mittel diese überraschende Wirkung erzielt wör- a ®e7 e6tnefe 9/tb iljm jur Antwort: „Es gibt nichts Echteres, als den Eseln das Schreien auszutrciben. Sie sind gewohnt, beim Schreien stets den Schwanz zu bewegen. So- vatd man ihnen also einen schweren Stein an den Schwanz bmdet, lassen sw das Brüllen von selbst sein." Der Erfolg be- wtf seiner Auffassung Recht hatte. Auf ?l,ne Änderbare Methode, . den Hahnen das Krähen auszutreiben', ist wahrend des Krieges in Algier ein französischer Unteroffizier verfallen. Er führte immer einige Hähne mit sich, die er sowohl kUr Abhaltung der Soldaten, als auch als letzte Reserve für den Kochkessel betrachtete. Aber die Hähne besaßen die Untugend, 'jo shn reden Morgen beim ersten Sonnenstrahl aus dem Schlaf krähten, wahrend seine Kameraden noch gemütlich ein Stündchen weiterschlafen konnten. Der Haß gegen die unhöflichen Tiere steigerte sich und schließlich verfiel er auf ein Heilmittel. Er naljm .die Hahne mit sich in sein Schlafzelt und band jedem oine Schnur um den Fuß und zog nun, sobald ein Hahn den Schnabel öffnete, das Tier von der Stange herunter. Das wiederholte er mehrere Male. Nach drei Tagen hatten die Hähne ihre Stimme vollständig verloren. Sie getrauten sich nicht einmal mehr am hellichten Tage, wenn sie frei herumgehen durften, iu krähen. Ein Mittel, das für die Störungen der Sommerfrische zu empfehlen ist! vermischter. kf. Eine Heiratsanzeige und ihre Wirkung. In einer New Yorker Zeitung suchte jüngst eine „Einsame" einen Gatten, indem sie sich selbst als schön, nicht fett, unter vierzig und begütert hinstellte, und von ihrem zukünftigen Gatten verlangte er solle selbstlos und anständig sein, es dürfe kein älterer f?err sein und das Liebste sei ihr ein guter, natürlicher Narr. Dieses Schlagwort zog gewaltig, denn im Handumdrehen liefen in der Expedition der Zeitung 3000 Angebote ein; es kommen noch fortwährend neue hinzu, und der Strom scheint nicht versiegen zu wollen, weil viele andere Zeitungen die merkwürdige Anzeige in ihren Text aufgenommen haben. Bei dem Herausgeber sind auch viele Anfragen eingelaufen, wer die Dame sei, allein er wahrte sein Berufsgeheimnis und verriet mir, die Dame sei wirklich eine gute Partie Daraufhin ist die Flut der Angebote gewaltig gestiegen. Tie Einsame" wird eine schwere Wahl haben, um aus den vielen Tausenden die sich gemeldet haben, den richtigen Narren herauszufinden. kf. „Warumich Meinen Gatten heiratete." Warum ich meinen Gatten heiratete? — Weil ich ihn liebte! Das ist der Kern aller Antworten auf eine Preisfrage, die die englischle Monatsschrift „Women tot Home" ihren Leserinnen vorgelegt hat Die Preisfrage bestand aus einzelnen Unterfragen, auf diese sind aus dem Kreise der Leserinnen viele hunderte von Antworten! «ngegangen, und die Zeitschrift teilt das Ergebnis der Einzelantworten nun zusammenfassend mit. Die erste Uuterfraqe lautete: „Woher wußten Sie, daß es der rechte Mtonn war?" Tie meisten Frauen berufen sich in der Antwort aus ihren Instinkt. Es war zwar nicht die ,„Liebe aus den ersten Blick", aber doch etwas Aehn- durchzuckte sie wie ein elektrischer Schlag, sie erkannten plötzlich, daß sie mcht ohne ihn leben könnten usw., ja in einer der Antworten heißt es sogar: woher ich es wußte? Ich wußte f$. damit gut. Seine Krawatte war zwar greulich und Lieblingshut noch greulicher, aber — ich liebte ihn. Welche eniCnQ ®t,annSd T 4j> lautete die zweite Frage — »u!u dm Ausschlag gegeben? Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, ^/^Eerswerden am häufigsten angeführt, ferner Gute, besonders Gute der Mutter gegenüber und Liebe zu Kindern I Bei der wirksamen Bekämpfung der Giftschlangen unterscheidet Küttiier 3 Punkte. Das bekannteste Mittel ist die Aussetzung staatlicher Prämie n für die Vertilgung von Giftschlangen. Preußen beispielsweise bezahlt für Kreuzottern 20 Pfennige bis 1 Mark, und im letzten giftschlangenreichen Sommer bezahlten einige schlesische Landratsämter Hunderte von Mark aus. Ebenso gibt es in Frankreich Prämien für Giftschlangen, ferner in Indien, in Florida und in Brasilien, und in den schlimmsten Giftschlangenländern gibt es berufsmäßige Schlangenjäger, wie z. B. Peter Gruber in Florida, der bereits 50 000 Giftschlangen auf seinem Konto hat und einen bekannten Schlangenfänger an der Goldküste, der seit zwei Jahrzehnten jährlich im Durchschnitt 1500 Giftschlangen abgeliefert hat. Ein zweites Mittel zur Bekämpfung von Giftschlangen besteht darin, ihnen die Lebensbedingungen zu erschweren, indem man ihre Beutetiere, z. B. Ratten und Mäuse, in der Nähe menschlicher Wohnungen I das läge "nicht am' Leben" in‘77177 ‘Lt1 “T71Vut>CIc vernichtet, und ihre Schlupfwinkel, z. B. Stein- und Schutthaufen VorstÄmigihresIdeals und bünae mit d? der faMM zerstört. Hierzu sind die Eingeborenen in Indien freilich nicht zu I lich feien, gar nicht zusammen IWirmpJä Jte bringen- Das beste Mittel im Kamps gegen Giftschlangen ist aber I rinnen der angeführten Zeitschrift hie ben r wohl Pflege und Schonung der natürlichen Feinde der Giftschlangen, haben, nur zweidie In ihren eigenen Reihen haben die Giftschlangen wirksa>ne Feinde. * 1 ungleich verheiratet zu fein. Die größte aller Giftschlange», die Königshntschlaiige, die41/, Meter |