^WS Mittwoch, den P. Dezember i’pTW Tü| i’11 Sa»M s KpTi 8<5fcWl'-'&ÄSÖ lÄl „ Lsurrnblut. Esntan von Gerhart v. Amyntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Sortierung.) Das Geläut sämtlicher Glocken, das Zum dritten Male angehoben hatte und bei dem ehrfurchtsvollen Schweigen der sonst so geräuschvollen Stadt auch deutlich zu vernehmen war, war verstummt. Erwartungsvoll richteten sich alle Angesichter nach Osten; es herrschte Totenstille, das trauernde deutsche Volk harrte der Leiche seines Kaisers Weißbart entgegen. „Da, Herr Justizrat! Da wird eine Schwadron sichtbar!" raunt Ellen ihrem Nachbar zu — unwillkürlich dämpft sie die Stimme. „Es scheinen Gardehusaren." „Neunen Sie mich nicht „Justizrat", gnädiges Fräulein, nennen Sie mich kurzweg bei meinem bäuerlichen Nainen." „Wie Sie wünschen, Herr Tell," kommt es fast schalkhaft von ihren Lippen, „dann verbitte ich aber auch mir das steife, zeremonielle „Mein gnädiges Fräulein"." „Darf ich Sie kurzweg „Fräulein Ellen" nennen?" „Sie dürfen mich so nennen, wie Sie es früher schon getan haben", sagte Ellen schlicht. Das Herz schlug ihm bis an den Hals. War es denn Wahrheit oder mir'ein berauschender Traum, daß fte sich noch jenes Tages erinnerte, da er sie im Giesdorfer Schloß- garten, ermutigt durch ihre Huld und den Zauber einer zeugenlosen Plauderstunde, schwärmerisch nur „Fräulein Ellen" angeredet hatte? i „Ich glaubte, wir wären alte Freunde", setzte sie fast vorwurfsvoll hinzu. Freunde? Nur Freunde? dachte er im stillen, indem er plötzlich wieder in fein altes Mißtrauen zurückfiel; nimm dich in acht, du Tor, daß du dich keinen Täuschungen hingibst!" „Wie Sie befehlen," versetzte er kühl und gemessen; „so oft Sie mich bei meinem schlicht-bäuerlichen Namen nennen, werde auch ich des Abstandes zwischen uns vergessen und Ihrem Wunsche Folge leisten." Sie merkte den drohenden Umschlag seiner leicht veränderlichen Stimmung und sagte warm und vertraulich: „Abgemacht, Herr Tell! Und vergessen Sie für immer diesen Abstand! .Er besteht nur in Ihrer.Phantasie." Die Trompeter der den Zug eröffnenden Gardehufaren sind näher gekommen, man kann jetzt deutlich den Choral hören, den sie blasen. ' Die Unterhaltung zwischen Tell und Ellen verstumint. Näher und näher kam der Leichenzug. Alle Häupter unteu waren bloß, alle Angesichter bleich und ergriffen, fast aller Augen schwammen in Tränen. Tiefbewegt schauten beide auf den langsam vorüber- Kiehenden Wagen, auf dem unter einem Baldachin der mit dem kurbrandeuburgischen Goldhelm geschmückte Kaisersarg schwankte. Ellen hatte unwillkürlich die Hände gefaltet, ihre zuckenden Lippen schienen ein Gebet zu murmeln. In tiefernster Stimmung trennte sich nach der Feierlichkeit die Gesellschaft. In Teils Herzen aber war ein neues Hoffen erwacht. * Die roten und weißen Blütendolden des Weißdorns leuchteten im Scheine der Junisonne; der Meder duftet^ durch den Park von Sanssouci und der Goldregen ließ seine grellgelben Blütenkaskaden von den grün belaubten Zweigen herabstürzen. In dem langen Mittelwege des Parkes, der sich vom Obelisken bei den großen Fontänen vorbei bis hin zum Neuen Palais zieht, wandelte Kopf an Kopf, in gemessenem, langsamem Schritt eine zahllose Menge nur leise flüsternder Spaziergänger. Wohl sah man reizende Sommeranzüge und bunte Sonnenschirme, unter denen gelegentlich ein holdseliges Mädchenangesicht wie ein Frühlings-Evangelium her- vorguckte; aber kein lautes Wort, noch weniger ein silbernes Lachen wurde vernehmbar. Schon seit mehreren Tagen herrschte dieses geheimnis- volle und bedrückende Schwergen unter den altehrwürdigen Bäumen, und doch war noch zu keiner Zeit der breite Weg bei den Fontänen vorbei von einer so dichtgedrängten, sich regelmäßig schon mit dem ersten Frühlicht einstellendeu und erst am späten Abend wieder weichenden Menschenmenge! angefüllt gewesen, wie jetzt, da ein vielgeliebter, hoher Kranker da hinten im Neuen Palais sich heldenhaft rüstete, den letzten Kampf zu kämpfen. Ein breitschultriger Mann von hohem Tännenwuchse, den Zylinder auf dein militärisch kurz geschnittenen Blondhaar, in schwarzem Ueberrock, auf den der lange/ kräftige Vollbart in zwer auseinanderstrebenden, leicht gekräuselten Spitzen herabwallt, schreitet ernst und sinnend dem Gitter zu, das, quer über den Mittelweg gezogen, die allernächste Umgebung des Schlosses vor dem Hereiufluten der Mcnschen- wogen wie eine schützende Schleuse sichert. In unaussprechlichem Meh gedenkt er des kaiserlichen Dulders da drüben, zu den: er Zeit seines Lebens wie zu einem hold blinkenden Sterne der Verheißung ausgeblickt hat. Tiefaufatmend wandert er dahin. Er versucht, sich das Bild Ellens, die sicher in diesen schweren Tagen mit ihm empfindet und mit sorgt und bangt, vor feine Sinne zu zaubern, um seinen trüben Gedanken eine andere Richtung zu geben; aber immer wieder kehrt sein Geist zu dem erlauchten Dulder zurück. Dem einsam Wandelndeir geht ein Vers durch den Sinn, den er? gestern abend in einem Blatte gelesen und der sich ihm jetzt in seinem trüben Sinnen über das Geschick des großen Dulders aufdrängt; leise murmelt er die Schlnßzeile vor sich hin: „Verwelkte Rosen, verwelktes Glück!" „Nun, verehrtester Herr Nachbar, üben Sie sich hier in Monologen?" tönte eine etwas verwunderte, tiefe Stimme an sein Ohr, und wie er den zur Erde gerichteten Blick hebi^ 770 erkennt er den Freiherrn von Brank, der mit seinem Sohne Walter vor ihm steht. , „Uh, die Herren v. Brant! Ich habe Sie ui der Tat nicht kommen sehen — entschuldigen Sie, ich ivar in gar schmerzliche Betrachtungen vertieft." „Zu denen wir alle in dieser trüben Zeit Veranlassung haben)" fügt Kurt von Brank hinzu. „Wo wollen Sie hier hin?" , vz ,,, , „Ich hoffte, auf diesem einsamen Wege vielleicht dem Kaiser zu begegnen." Der alte Herr kneift die Lippen zusammen und schüttelt schmerzlich das Haupt. Dann schiebt er seinen rechten Arm unter den linken Teils und i'.ötigt ihn mit sanftem Zwange zur Umkehr. , ’ , „Kommen Sie mit uns," hebt er mit verhaltener Stimme an, und seinen Münd nahe an das Ohr des anderen bringend, raunt er bewegt: „Den Kaiser!wcrdcn Sie schwerlich noch cininal sehen. Es steht schlecht, sehr schlecht um ihn — habe vorhin jemand vom Hofe gesprochen — wir müssen auf das Schlimmste gefaßt sein." Langsam schreiten die drei Männer wieder idem sHaupt- Wege zu; Walter hat sich auf Tells andere Seite begeben und scheint sich selber Trost zusprechen zu wollen, indem er halblaut vor sich hinnmrmelt: „Es ist wohl Christen- pflicht, denr geliebten Monarchen die baldige Erlösung zu gönnen." Tell entging die ernste Stimmung Walters nicht 1111b sie ließ ihn den jungen Freiherrn in einem sympathischeren Lichte erscheinen. Es kam zu einem längeren Gespräch zwi- schen beiden, iit dessen Verlauf die früheren Antipathien immer mehr schwanden und dessen Endresultat war, daß sie, ivemt auch noch nicht als Freunde, so doch mit dem Ausdrucke der gegenseitigen Hochachtung voneinander schieden. Am späten Abend dieses Tages stand Tell am Seeufer vor seiner Villa und schaute sinnend hiiiüber nach den cr- leuchteten Mittelfenstern des Giesdorfer Schlosses. Nun hatte er auch mit dem einstigen Erben da drüben seinen Frieden geinacht. Warum sprang er denn nicht in den zu seinen Füßen angeketteten Kahn, um sich hinüber zu rudern und um die Hand jenes Wesens zu bitten, nach dessen Besitz sein Herz immer stürmischer verlangte? Konnte er denn das geheime Widerstreben, das sich immer wieder im tiefsten Grunde seiner Seele regte, nicht endlich überwinden? Wovor fürchtete er sich denn? Daß man ihn abweisen würde?... Das war doch nach allen Anzeichen kaum noch anzunehmen. Aber meint man ihm auch die Tochter des Hauses vielleicht uicht verweigern würde, irgendein leises Naserümpfen der altadeligen Sippe war doch noch möglich, wenn man bei dem später unvermeidlichen Hochzeitsfeste etiva mit seiner Verwandtschaft zusammenkommen würde. Zwar seines Stiefbruders, des jetzt zu Wohlhaben- heit und Ansehen gelaugten Fabrikauten, hatte er sich uicht zu schämen; die Firma Haßlach und Dechner war hochgeachtet, und Adolf war ein sittlich-tüchtiger, dabei bescheidener und formensicherer Manu — aber die Pflegemutter? Wie würde man denn der sonderbaren Frau Lampert be-, gegnen? Er konnte sie doch unmöglich verleugnen und mußte ihr doch den gebührenden Anteil bei den im Falle einer Hochzeit üblichen Festlichkeiten gönnen. Hatte ihm nicht die gutmütige, aber immer eitler und Protzenhafter werdende Dame erst heute wieder einen heillosen Schreck mit der Bilderkiste eingejagt, die sie ihm hinausgesandt hatte? Sie hätte die alten Pastellgemälde bei einem Trödler gekauft — er möchte sie im Salon der Villa aufhängen lassen — kein Mensch wüßte, wen sie eigentlich vorstellen, und so möchte er sie nur dreist als Ahnenbilder der Lamperts oder auch der Tells ausgeben — so etwas machte sich nobel und gehörte nun einmal zu der Einrichtung eines vornehmen Hauses. War denn die gute Alte gänzlich übergeschnappt? Er würde keine kleine Mühe haben, ihr diese Tollheit wieder auszureden; aber lächerlich würde er sich ihr zuliebe sicher nicht machen. Er seufzte unwillig auf. Mußten sich denn immer wieder Hindernisse auftürmen zwischen ihm und seinem Glücke? Sollte der Vers, der ihm heute nicht aus dem Sinn wollte, auch für ihn seine Bedeutung haben? „Verwelkte Rosen, verwelktes Glück!" Einen heißen, sehnenden Blick warf er noch hinüber nach den erleuchteten Fenstern, hinter denen, wie er wußte, die Geliebte nun mit den Eltern und dem Bruder beim Nachtmahle saß, dann wandte er sich und kehrte langsam nach dem Hause zurück mit schwerem, liebeskrankem Herzen. Nach wenigen Tagen ließen zum zweiten Male in diesem Jahre die Trauerglocken sämtlicher Landeskirchen ihr dumpfes Geläut ertönen; die fast bis zum Unerträglichen gesteigerte Angst und Beklemmung der deutschen Volksseele hatte sich in eine stille, ergebungsvolle Trauer verwandelt) der gekrönte Dulder, der das unvergeßlich schöne Wort: Lerne leiden, ohne zu klagen! seinem Volke als ein teures Vermächtnis hinterlassen hatte, war von aller irdischen Qual erlöst und heimgegangen in die Gefilde des ewigen Friedens. In der Jaspisgalerie des Neuen Palais steht zwischen Lorbeer- und Myrteubäumen die Leiche des Verklärten aufgebahrt, und in feierlich-schweigender Prozession wandeln die ungezählten Scharen des leidtragenden Volkes nach dtefer heiligen Stätte, um noch ein letztes Mal in das bleiche, schöne Angesicht des dahingeschiedenen Lieblings zu schauen. Von der Wildparkstation her wogen in ununterbrochener Folge die ernsten, schwarz gekleideten Massen heran,; am eisernen Gitter des Schloßhofes ordnen sie sich zu einer Heersäule zu zweien oder dreien, und wie eine dunkle Riesen-? schlänge windet sich der düstere Zug, sich rhythmisch vor- wärts schiebend, um den Theaterflügel des Schlosses herum, um von der Parkseite her den Zutritt zu dem Aufbewahrungssaale zu gewinnen. Militärische Posten fassen diesen Weg ein, um ein Ausbrechen aus dem vorgeschriebenen Gang zu verhüten; aber die Vorsichtsmaßregel erweist sich als überflüssig, denn, wenn auch fast das halbe Deutschland schon seit Tagen in nicht endenwollendem Zuge hier herandrä-ngt, alles ist fügsam und geduldig, keiner versucht, dem anderen! zuvorzukommen, ein jeder trottet langsam und sich bescherdend voran, bis auch ihm endlich der Eintritt frei wird in jene Galerie, die plötzlich zu einem Mekka der deutschen Ehrr- stenheit geworden ist. „Wird es Dich auch nicht zu sehr ermüden, liebe Claire?" flüstert der Herr v. Brank, sich zum Ohre seiner neben ihm schreitenden Gattin beugend. Frau Claire hebt ihr durch die Trauer nur verschöntes Matronengesicht und schaut den heute die Uniform seines alten Regimentes tragenden Gatten fast vorwurfsvoll an. Ihr stummer Blick, den sie mit leisem Kopfschütteln begleitet, will sagen: „Aber Kurt! lvie könnte mich das ermüden? Und wenn es bis in die Nacht dauerte, ich würde, tapfer aushalten, um noch einmal unseren Kaiser zu sehen!" Hinter deut Elternpaar schreitet die Tochter, in schwarze Trauergewandung gehüllt. Dem freiherrlichen Paare folgt mit ernster Miene, die Lippen leicht zusammengepreßt, der Justizrat, dein der jüngere Brank zur Seite geht. Die beiden Herren haben während des ganzen Weges nur wenige, aber ans der Tiefe der Empfindung quellende Worte gewechselt; jetzt, da sie die Schwelle zur Galerie überschreiten und mehr Raum gewinnen, trennen sie sich, und Tell begibt sich auf die linke Seite Ellens. (Schluß folgt.) . „Ku tiir und Zivilisation". Mit diesem Thema leitet der Herausgeber des „Kunstworts" das erste Heft des neuen, 27. Jahrganges 1913/14 ein. Wie ganz über alle Maßen gescheit wir sind, dessen freut sich ein jeder. Aber seltsam: wenn man nun so in der Sonne sitzt und zum blinkenden Zeppelin hiuaufschmunzelt (an dem man sich, als Zeitgenosse, halb und halb „mitverdient" fühlt): da ist doch irgendwo irgendwelch unangenehmer Geselle in einem! drin —i berlinisch zu sprechen, der muckt auf. Aus irgendeinem tiefftett Dunkel heraus nörgelt er: „Wenn das da oben erst in Hummel- schwörmen saust, werdet ihr dann auch noch „weg" davon sein? Wenn ihr immer aufpassen müßt, ob euch nichts auf den Kopk fällt? Wenn ihr erst richtig überlegt, was ihr im Grund „gewonnen" habt: eine neue Waffe, die von Jahr zu Jahr gefräßigen werden wird nach Geldern, Kräften, Menschen. Warum? na, weil die andern sie eben auch haben — wsirs wie früher, hätte sie keiner, so brauchte sie keiner." „Still!", wir verweisen den Lästererr „Daß der Mensch fliegen gelernt hat, bedeutet das .nichts?" „Bedeutet was!", nickt er, „aber wozu, benutzt er's? Was fangt ihr denn mit euren Erfindungen Gescheites an? Seid ihr etiva übers erste Verblüfftsein hinaus selber damit zufrieden? Kommt mir's nur so vor, als schimpftet ihr über die Automobile? lieber dir Quasselstrippen und Mfeltuten? Seid ihr von den „KieutöPPen" 771 lehr entzückt?" Und der Nörgelkobold- pfeift uns eine der n em ein» sten Gassenhanermelodien impertinent unter die Nase: „Da sitzt er nn mit sein Talent und kann es nicht verwerten". Es ist leider nicht nur der inwendige Nörgler in uns, es sind ttmch soweit vernünftige M-enschen, die sagen: ob die Erfindung der Flugzeuge zum Segen ist, ja, wer weiß das? Borläufig, mindestens, sieht es nicht so aus. Im Wettbewerb der Völker kam die Erfindung, keines konnte sich ihr entziehen, ohne zurückzubleiben, flöge man aber überhaupt nicht, so hätten alle nichts weiter zn entbehren, als — eine Mehrbelastung. Den phantastischen Schein und eine gelegentliche Extratour reicher Leute beiseite, so bleibt vom Fliegen: tzu den alten Schrauben ohne Ende beim Wettrüsten nun iroch eine neue Schraube, voraussichtlich gleicher Art. Und bei wie vielen Erfindungen noch müssen wir zweifeln, ob Schaden oder Nutzen überwiegt — irgendein Aber ist fast immer dabei. Nur: must es so bleiben? Dämmert hier wirklich das Tragischste von allem Tragischen herein: daß die Menschheit durch ihr Erkennen ge- trieben wird, gerade mit ihren Fortschritten Mehr und- mehr von ihrer Natürlichkeit zu opfern .und- endlich sich selbst zu vernichten? Oder: kann sie sich mit der Zeit an all das Neue anpassen? Mit andern Worten: wird- die Zivilisation nach und nach überall zum dienenden Mittel der Kultur werden,? Oder wird die Kultur in der Zivilisation ersticken, wie der Fisch in der Luft? wir bei dieser Fragestellung, dann fällt uns etwas auf, was alltäglich und doch merkwürdig ist. Kultur und Zivilisation, wre^ grundverschieden sind- die beiden Begriffe, und wie lvenig Werden sie doch bei den Tageserörterungeu auseinandergehalten! Alles gärt da noch, ich kenne bis zum heutigen Tag nicht cinnml erne knappe schlagwortartig brauchbare Definition. Wie wär es nnt dieser: Kultur: die Pflege unserer Eigenschaften, Zivilisation: die Pflege und Entwicklung unserer Mittel. So viel ich sehen kann, nimmt g. Die äußerlichste sogar der Eigenschaften, die Reinlichkeit " lutr nennen einen Menschen, der sie pflegt, „kultiviert", der Mann aber, der Seife und-Zahnbürsten herstellt, dient durch seine Fabrikate wohl der Kultur, fabriziert aber keine Kultur. Wenn die Technik eine bessere Bilderreproduktion ermöglicht, schafft sie dadurch Zivilisation, die der Kultur dienen kann, oder auch, bei Wichs? Verwendung, nicht. Wer die Waffen, die Werkzeuge, die Maschinen aller Art verbessert, schafft Mittel, die schaden können voer nutzen _— mit der Kultur haben sie immer nur so weit zu tun, als unsere Eigenschaften, als ivir selber durch sie entwickelt, veredelt tverden. Danipftnaschiuen, Eisenbahn, Telephon, Kino, drahtloie Telegraphie, Flugzeuge — all das sind- Mittel, ob daraus Segen kommt oder Unsegen, darüber ist mit dem Namen der Er» simungen selbst noch nicht ein Titelchen gesagt. Die meisten aber reden und denken, als wäre Zivilisation an sich schon Kultur. Und versäumen bei diesem immer wiederkehrenden Znsammen- werseu vor Bewunderung der Zivilisation, darauf mit allem Ernste zu achten, wie die Mittel uns selber nützen oder schaden können, nllo: wie sie ans unsere Eigenschaften förderlich oder schädlich wirken.. Meint inan, die Zivilisation an sich mache die Mensch- hert stark, so ist das ja ein Trugschluß. Wie der: du hast ein vortreffliches Auge, denn du siehst durch den Operngucker mehr als ich ohne eineü, oder: lu-ic rasch sind deine Beine, denn nie rasch kommst du mit dem Auto vorwärts. Solche Trugschlüsse können gefährlich fein,'nie der: du bist gescheit, alles weißt du auS deinem Buch, und wie der: du bist geschickt, denn deine Maschine arbeitet gut. Operugucker, Auto, Buch, Maschine sind nicht wir. Maschinen und Juslruinente können uns Geschicklichkeiten anch abge- wöhncn, können Fähigkeiten anch verringern, können Organe durch Wegnehmen der Uebung verschlechtern. Dabei kann 'sich's um Entbehrliches, um Gleichgültiges handeln, aber auch um Wichtiges Wenn der „Wilde" mit einer Menge«von Fähigkeiten uns „über" ist, so sind diese Fähigkeiten unzweifelhaft besser kultiviert bei ihm als bei uns; sein Auge sieht, sein Ohr hört schärfer, seine Hand kann manches, was die unsere verlernt hat. Die Zivilisation gibt Ersatz mit Instrumenten und Einrichtungen — gut, wir vermissen das hier Verlorene nicht, solange wir in zivilisierter Umgebung ble.ben. Aber wie steht's mit den geistigen Fähigkeiten? Auch die können durch Zivilisationsgeschenke verkümmern, wenn wir nicht auf der Hut sind. Ob die „Wilden" schlechthin „bessere Menschen" sind, wie Seunie meinte, mag sehr fraglich sein, aber wohl auch niemand hat bestritten: daß auch die geistigen und- seelischen..Eigenschaften .minder zivilisierter Völker mitunter die von höher zivilisierten übertreffen. Lassen wir das Ethische beiseit, wie steht es beispielsweis mit der bildnerischen und dichterischen Phantasie? Uebertrafen uns darin die Griechen oder nicht? Das jedenfalls ist gewiß: daß keineswegs ein so einfaches Verhältnis besteht: je höher die Zivilisation, desto höher die Kultur. Wir müssen unsere Eigenschaften Pflegen, dann beherrschen wir mit der Zivilisation uns und die Welt. Wenn aber unsere Eigenschaften, wenn wir herunterkommeu, dann wird die Zivilisation aus unserer Dienerin unsere Herrin, und sie kann uns erniedrigen. Ja so: sind denn die Zivilisationsmittel überhaupt schon in nnserm Dienst? Zunächst lassen wir ja die Erfindungen zn unserer Beherrschung benntzen von denen, in deren Dienste sie stehn. Denn da sind ja alle die Einrichtungen, die sie zum Privateigentum! machen: Urheberrecht, Patentschutz, Kapitalbeteiligung, Verwertung. Die Zivilisation selbst ist ein millionenhändigcr Riese in goldenen Ketten. Und den verwechselt man mit Kultur! Also darauf kommt es an, daß die gesunde, starke, entwickelte Menschheitskraft die Mittel, daß die Kultur die Zivilisation benutzt. Was für Gefahren hier lauern, mir Merken's am besten, wenn wir einmal auf ganz andere Verhältnisse blicken. Die Südseeinsulaner, die wir neulich abbildeten, zeigten in der von ihnen selbst aitä ihrem Wesen entwickelten Wohnung und Tracht Kultur, im europäischen Schneiderwerk zeigten sie Barbarei, obgleich diese „Wilden" recht „ungebildete" Leute waren nnd die Schneider sehr zivilisierte Europäer. Die höchsten Gaben selbst der echten Kultur werden sofort zum Tande, wenn sie dem Beschenkten die entsprechenden Eigenschaften verschlechtern, die er aus sich selber entwickelt hat. Mit Kultur kann sich keiner beschenken lassen, Kultur muß erworben, verarbeitet werden — das zeigt ja auch jeder Parvenü. Der Bauer, der in sein Haus nichts hereinnimmt alö was innerlich mit ihm verwachsen ist, betätigt Kultur, der „Oeko- nom", der seine Möbel vom Warenhaus bezieht, hat keine. Eigenschaften entwickeln sich nur aus Eigenem stark, mögen sie sich auch an Fremdem nähren. Nur soweit man'S verdauen, einfleischen, eingeisten kann in das, was man von den Vorfahren ererbt hat, nur soweit entwickelt man sich innerlich stark. Es gibt keine Kultur ohne Wurzeln, Wenn aber die Pflege und Entwicklung der Eigenschaften letzten Endes eine persönliche Sache ist, so ist die Pflege der Kültur trotzdem auch Volkssache. Will man Beispiele aus dem Völkerleben, so denke.man an die Veräußerlichung der Antike bei innerlich ihr fremden Völkern oder an die Berderbung der japanischen Kunst durch die europäische. Das sind Gegenbeispiele. Und wo sind gute? All unsere neuen ernsten und tiefen Reformbestrebungen bis zum Kampfe gegen den Alkohol hin gehen auf Pflege der Eigenschaften aus, auf Tüchtisung, und sind eben deshalb Arbeit um Kultur. Arbeit, die einem* Volk die Bedingungen dafür verbessert, daß der Einzelne seine Eigenschaften verbessern kamt. Die großen Kulturmittelschaffer werde» wahrhaftig nicht entwertet dadurch, daß wir gegen die Verwechslung sprechen, die in ihnen schon Schöpfer von Kultur sieht. Ein Kulturschöpfer war Goethes alter Faust, der die Mittel der Zivilisation benutzte, damit auf freiem Grund ein freies Volk, umrnngen von Gefahr, sich täglich das Leben erobere. Nicht aber waren es seine Werkmeister und wäreus die besten und nützlichsten Erfinder in der..Technik gewesen, Land vom Meer zu gewinnen. Die große Aufgabe ist auch hier: Organisation der Bildung, damit sie sich stark genug dazu mache, ihrerseits die Zivilisation zu beherrschen. Die Einsicht in die tiefwesentliche Verschiedenheit von Kultur und Zivilisation ist längst den Gebildeten klar, int Allgemeinbewußtsein aber entwickelt sie sich eben erst. Im Alltagslärm wirbeln noch beide Begriffe durcheinander. Und unsre Zeit verwirrt sie deshalb besonders leicht, weil sie -eine zum Staunen hohe Zeit der Zivilisation ist, wie seit dem „Zeitalter der Entdeckungen" keine mehr war. Zivilisatorische Güter erobern wir ja heut wie im Fluge siegende Heere, um Kulturgüter aber kämpfen wir mühselig Schritt um Schritt — und leider durchaus nicht ohne Verluste. Sollte die Klärung über diese Fragen nicht beschleunigt wer- werden? Erst, wenn die Klarheit über sie so allgemein ist, daß keine Phrase nnd kein Privatinteresse die Einsicht verdunkeln kamt, erst dann werden auch die Organisationen der Kulturarbeit über die Grenzen der einzelnen Völker hinaus sich mit den politischen Mächten verbünden können. Gerade die Flugzeuge sind ja wieder ein Beweis dafür, Wie weit die Menschheit da zurück ist: wäre sie organisiert, sie müßte doch fähig sein, sich hier und beim Rüstxn überhaupt zu einigen. Wie wüstet die Menschheit noch mit ihren Kräften! Wie wenig erfassen wir noch die ungeheure Wichtigkeit der Kulturorganisationen! Wir sprachen früher davon, daß jede falsche Verwendung einer Menschenkraft einen Verlust nicht nur an Einzelmenschenkraft bedeutet, sondern an Nationalvermögen. Wir Müssen ergänzen: jeder Fortschritt der Zivilisation, der in den Dienst der Unkultur gestellt wird, bedeutet in der Entwicklung der Eigenschaften, und das heißt der Menschheit einen Rückschritt." hessische Aumtmeir. (Ein Beitrag zur hefsisehen Volkskunde). Jakob Grimm empfahl schon vor hundert Jahren, die alten hessischen Zeitunqen und ihre amtlichen Bekanntmachungen der Grundstücksverkäufe und so weiter zu studieren, um einen Einblick in das Wesen der Flurnamen zu gewinnen. An diese Mahnung erinnerte im Kasseler Verein Inr hessische Volkskunde Bibliothekar Dr. Lange gelegentlich eines Vortrags, den er über 2l!ter!nms- sorschung und Flurnamen hielt. Das Volk ist in der Umwandlung von Namen unberechenbar. ES hat Namen geschaffen, deren Ursprung heute nicht mehr festzustellen ist. Bei andern zeigt sich deutlich, daß aui merkwürdigste 2trt und Weise Umwandlungen vorgenammen warben sind. Co hat das Wort „211t" in Altenburg, Altenberg, Altenstadt und ivie sie alle heißen, nicht ctiun die Bedeutung von „alt" im Gegensatz zu „neu". Es stammt vielmehr aus der Römerzeit und tvurde von ala = Heiligtum abgeleitet. An den Stätten, die mit „Alt" bezeichnet sind, bat un- ziveiielhast in grauer Vorzeit eine heilige Stätte bestanden Andererseits scheint mancbes von den Römern abzuslammen, das mit den Römern nichts zu tun hat, so der Römersberg. In ^Wirklichkeit heißt diese Statte Rommersberg. Interessant ist auch die 772 Bedeutung des Wortes Bergen in seinen mannigkachen Ver- bindungen. Bergen ist eine g rmanische Bezeichnung üir Burgen, fiir Befestigungen nller Art, für Ctte, in deren Stüde Ringwalle vorgefunden ivorden |inb. Besonders iüngs des alten röm.scheu Grenzwalls, des Liines, trifft mein die Bezeichnung von Bergen sehr viel, allerdings oft in versteckterer Form. _ Der zahlreich auftreiende Name Hiniel iHiukelsberg, Hmkels- bürgt ist auf dein Umweg über Hühner auf alten Ursprung zmück- zufiihren. Letzten Endes kommt es auf Hünen heraus, mit denen die Römer, aber auch die Fremdlinge überhaupt bezeichnet wurden. Bei der Altertumsforschung flößt der Forscher oftmals aus das Wort Keller, beispielsweife in Kellerwald, und es Hebt fest, daß Keller mit unserem Borratsraum nichts zu tun hat. Vielmehr hängt das Wort anscheinend mit unterirdischen Räumen, mehr Burgruinen und aller, in der Erde verborgener Mauerreste zusammen. Eharakteristisch ist auch die Bezeichnung Wüsten- garten. Unter »Garten" verstand man in alten Zetten durchweg einen der Oeffentltchkeit dienenden cingebegten Raum. Es wird sich wohl um eine Gerichtsstätte gehandelt haben. Garten kommt Öfters vor, namentlich in Verbindung mit Linden, tveil die werichts- stätten in der Regel mit Linden umpflanzt waren. . Auch das ost- mals auftretende Wort Rosengarten ist in diesem Sinne zu erklären. Rosengarten deutet allerdings mehr auf Grabstätte hin, denn die Rose ist die Grabblume. Tn jedoch die Rose aus Rom importiert ist, muß man mit Grabstätten aus der nachrömischen Zeit rechnen, ivenn nicht vorgezogen wird, Rosen mit Rasen zu identifizieren. Römischen Ursprungs aber ist sicher die Flurbezeich- »ung Weiler, die wohl aus den Billen der Romerzeit abgeleitet ist. Rudolph Möbius. * D i e „gute Kinderstube" gilt noch immer für die beste Mitgist, die ein Kind von seinen Eltern empfangen kann. Tie märchenerzählendc Mutter (sie hat keine Zeit mehr) ist lange, sehr zum Schaden der müßigen Jugend, durch die minderwertigste Schundliteratur ersetzt ivorden. Deshalb ivar es ein glücklicher Gedanke, als eine Reihe um die Volkswohlfahrt besorgter Männer den Entschluß faßte, das schlechte Buch auch durch das gute und bessere Buch zu verdrängen und die „Deutsche Jugendbücheret", die, vort den vereinigten deutschen Prüfungsausschüssen für Jugendschristen begrüitdet, vom Dürerbund herausgegeben und von der Firma Hermann Hfllger, Verlag in Berlin W. 9 vertrieben wird, ins Leben riefen. Die Zehnpfennigheite haben sich schnell bei der Jugend durchgesetzt und zu ihrer Beliebtheit iverden die neuen Reklameinarken nicht wenig beitragen. * Einfluß der Zeit auf rotes Glas. Dr. C. H. Würtzen, Kopenhagen, hat drei Jahre lang zahlreiche Untersuchungen an rotem Glas angesteüt. Die Resultate dieser spektroskopischen Untersuchungen hat er jetzt im „Brit. med. Journ." veröffentlicht. Darnach verliert roteS Glas seine Absorptionskraft im Laufe der Zeit (zuweilen schon nach ein bis zwei Jahren), auch wenn es nicht dem chemischen Einfluß der Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Tie zu verschiedenen Zeiten gekauften Scheiben behielten ihr Absorptionsvermögen verschieden lange. Die spektroskopische Untersuchung beim Ankauf ließ absolut kein Urteil über die voraiissichlliche Haltbarkeit zu. Diese Untersuchungen sind nicht nur interessant für die medizinische Praxis (Rotlichtbehandlungi, sonderii auch für weite Kreise des Publikums, da bekanntlich auch die in den weitesten Kreisen beliebte Amateurphoiographie der roten Zylinder bedarf. ok. Eine Trtnkg eld ges chichte. Es war ein ehr- ivürdiger, freundlicher alter Herr im Gewände des englischen Geistlichen. In einem bekannten Londoner Hotel, aus dem man nicht wieder entschlüpfen kann ohne das fürchterlichste Spteßrutenlaufen durch die erwartungsvollen Reihen der Hotelangestellten, nahm er ein freundliches Zimmer im obersten Stock, „mit Aussicht auf den Dom von St. Paul, wenn ich bitten darf." Er schien in Hotels nicht sehr bewandert zu sein, beim er haste keine Seife milgebracht. Diese bestellte er also beim Kellner, unb auch eine Wachskerze, da er, tute er sagte, ihr gesundes Licht dem elektrischen vorzöge. In seiner Rechnung am folgenden Morgen fand er unter anderem: Seife 1 Schilling, Kerze 6 Pence. Der alte Herr sah wohlivollend auf die Rechnung herab, aber ehe er sein Zimmer verließ, steckte er die Seife in die linke Rocktasche, die Kerze in die rechte. An der Hotelpforte staiideu sie schon in Reih und Glied. Der alte Pfarrer nahte mit gütigem Lächeln. Dem Liftboy tätschelte er den Krauskopf. Dein Manne, der dazu da ist, graziös nichts zu tun, sagte er ein freundliches; Danke recht schön. Ein fataler Anfang für die Kompagnie Dennoch kamen Hausknecht und Portier heran mit ausgestreckten Händen. Da zog er aus den Tiefen seiner Tasche erst die Kerze und drückte sie dem boots in die Hand mit den Worten: Sir Pence für Sie. lind die Seife in die Hand des Mannes mit den Goldtressen: ein Schilling für Sie, mein Freund. Die überraschten Empfänger sahen sich immer noch ihre Trinkgelder an, als der alte Herr schon in seiner Autodroschke dahinrollte. * E i n b e g e h r t e r Poste n. „Warum bewerb en sich eigentlich bei Ihnen so viele Leute um das Amt des Postmeisters,iu dieser kleinen Stadt?" fragte der Fremde, „der Posten kann doch nicht so gilt bezahlt fein." — „Gewiß nicht," antwortete der Einheimische, „aber sehen Sie, jeder möchte halt gern der erste feilt,- der die Postkarten liest." * Das ungenügende Lexikon. Die Suffragetten weigern sich auf das Entschiedenste, die Enzhelopedia Americana in ihrer Bibliothek aufzustellen. Warum? Weil unter dem Schlagwort .„Eva" nur steht: „Siehe Adam." * Falsch verstanden. Vater: „Ihr Gehalt genügt abev nicht, um einen Hausstand mit meiner Tochter zu gründen.". — Freier (eifrig): „Wie freue ich mich, daß Sie das fo rasch gemerkt haben!" Bücherüsch. — EgmoittSeherlen, Tie schmerzliche Scham. Roman.- (S. Fischer, Verlag Berlin.) Geh. 6 Mk., geb. 7,50 Mark. An Büchern über die Entwicklung von Kindern und jungen Leuten ist kein Mangel. Aber die vorliegende Geschichte einer Jugend, erzählt von einem bisher gänzlich unbekannten Verfasser als Ersb- lingswerk, wird mit allen sonstigen Büchern dieser Art nicht ver- wechselt werden. Es ist so reich und exakt, daß es zu den Quellenschriften über das Thema gerechnet.werden kann. Insbesondere wird die moderne psycho-analytische Schule, die sich um den Namen Freuds sammelt, in unferm Buche Bestätigung, Anregung und vor allem Material in Fülle finden. Von der Geburt bis zuntj ersten selbständigen Ausbruch des JnnglingS in die Welt führt das Buch. Und indem es sich fast wissensiyaftliche Pflichten auferlegt, ist es doch immer ein Buch der Phantasie und Gestaltung; es ist sogar ein durch und durch romantisches Buch. — DiegeboreneCanthussen, Roman von E. V e l h. Verlag von Philipp Reelain jun. Leipzig. — Die beliebte Schriftstellerin hat hier mit meisterhafter Charakteristik einen seltsamen Frauentypus gezeichnet, ein berückendes Weib, dem einzig feine eigene Schönheit und die Triumphe, die sie mit ihr feiert, Lebensinhalt ist. Die bewegten Ereignisse 'ihres Lebens, die Erlebnisse von drei Ehen vermögen an ihrem Wesen nichts zu ändern, und sie stirbt wie sie lebte, mitten im Rausch der Lebenslust. Pauk Heyse, dem der Roman im Manuskript vorlag, soll ihn „ein hervorragendes Werk, ein glänzend durchgeführtes Charakterbild" genannt haben. ' / — Rosa Breiten, Roman von Alexandra von Hoffe. Verlag von Philipp Reelam jun. Leipzig. — Die Geschichte einer aus leidenschaftlicher Liebe geschlossenen Ehe zwischen einem Italiener und einer Deutschen. Der Unterschied der Tentperainente und der Lebensgewohnheiten, die im Volkscharakter begründeten Gegensätze zwischen den beiden Menschen führen unausbleiblich zu tragischen Konflikten, so daß der Tod der Heldin als eine Erlösung erscheint. — Wenn Götter lieben. Erzählung aus der Zeit des Tiberius. Von Richard Voß. Zweite Auflage. Oktav. XII, 254 Seiten Text. Verlag von I. I. Weber (Illustrierte Zeitung) in Leipzig. Gerade noch rechtzeitig für den diesjährigen Weihnachtsmarkt erscheint die neue, zweite Auflage des durch seine zahlreichen Werke auf dem Gebiete der schönwissenschaftlichen Literatur rühmlichst bekannten Verfassers. Wie bei fast allen feinen Erzählungen, führt uns auch hier Richard Voß nach Italien, ins alte Rom, und zwar in die Zeit, wo es unter dem Drucke der Herrschaft des Kaisers Tiberius arg litt. Es ist ein prächtiges, zum Teil düster gehaltenes, Sittengemälde, das durch den ersten Eindruck der christlichen Botschaft eine milde Färbung erhält. Unter den Stimmungs- nnd Charakterschilderungen treten vor allem die meisterhaft gezeichneten Züge des dem Wahnsinn verfallenen Despoten fcharf hervor. » — „Die Quelle", Zeitschrift für Literatur, Kunst und Theater. Herausgeber: Dr. Reinhard. Verlag C. W. Mantsch u. Co., Leipzig, 7. Jahrgang. 24 Hefte 5 Mk. Einzelhefte 25 Pfg. Die bekannte literarisch-belletristische Zeitschrift erläßt in ihrem „D e h m e l - H e f t", in dem das Schaffen des Dichters unter vollständiger Zitierung von zahlreichen Gedichten Dehmels durch Julins M. Becker eigenartig beleuchtet wird, ein bemerkenswertes Preisausschreiben für das beste soziale Gedicht. Charade. Recht viel icbenk' dir der Himmel von bett ersten Beiden, Bewahre dich vor Trübsal und vor Leiden. Wenn Kummer nur und Sorgen arg dein Herz beschweren, Kannst btt bisweilen dich der Drei-Vier nicht erwehren. Sind alle Sitben nun zum Ganzen eng verbunden, So hast du unverhofft ein großes Glück gefunden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer! RUBI N URAL BAN I L N Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langq. Gießeq,