Montag, den JO. November al--slil WWW äi W H £eE „ Lauernblut. Eflman von Gerhart v. A m h n t o r (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Peter und der Marquis Carvalho saßen bald in einem nach dem Hofe hinaus gelegenen, nur halbhellen Zimmer, und der Wirt hatte vor jeden die geforderte Tasse Mokka hingestellt. „Haben Sie sich entschieden?" fragte der den Marquis Spielende sein Gegenüber, nachdem der Wirt wieder hinausgegangen war. „Ich habe nur noch Bedenken," versetzte Peter, indem er auf des andern rechte Hand blickte, an der der Zeige- und der Mittelfinger fehlten. „Und das wäre?" „Ich will mich zu allem verpflichten, was irgend geeignet sein kann, die Lage von uns Enterbten zu verbessern, ich will mich aber nicht hüllenlos in die Hand mir unbekannter Oberer geben, die da jedes Verbrechen von mir verlangen können." Carvalho lächelte geringschätzig: „Was heißt Verbrechen? Nehmen Sie mir's nicht übel, Herr Dechner, Sie sind noch der richtige Deutsche, der sich mit Traumgespinsten und Altweibermärchen herumquält. Für Männer unseres Schlages gibt es keine Verbrechen, weil wir das Sittengesetz, das diese Ausbeuterbestien aufgestellt haben, nicht gelten lassen, es vielmehr als das erkennen, was es wirklich ist: eine freche Heuchelei, ein^ plumper, bauernfängerischer Schwindel. Es gibt doch für Sie nur eine Frage: WollenSie heraus aus dem Sumpfe dieser Gesellschaft, aus dem Pestpfuhl dieses Staates?" „Das will ich." „Gut, so müssen Sie auch die Mittel wollen, die Sie vor dem Versinken schützen können. Daß Ihnen der Anschluß an diese politischen Schwätzer rein gar nichts nutzen kann, daß er Ihnen vielmehr nur schadet, und Sie zuletzt noch gänzlich brotlos machen wird, das, denke ich, werden Sie endlich eingesehen haben. Und bleibt Ihnen denn etwas anderes übrig, als in unsere Hand einzuschlagen?" „Wer ist es aber, der mir diese Hand bietet, und will man mich am Ende gar zur Teilnahme an einem Verbrechen verleiten?" Wieder glitt ein flüchtiges Zucken um die Mundwinkel des sogenannten Brasiliers, er zwirbelte mit den Fingern der Linken seinen schwärzlichen Schnurrbart und stieß ungeduldig hervor: „Zwingen Sie mich doch nicht, Ihnen immer wieder dasselbe zu sagen. Sie haben weiter nichts zu tun- als unserem Zentralvorstand Gehorsam zu schwören und unverbrüchliches Schweigen über jeden, der zu unserer Verbindung gehört; den gleichen Schwur werden Sie demjenigen abnelunen, den Sie Ihrerseits für unsere Sache werben werden. Sobald Sie sich uns eidlich verpflichtet haben, wird ^I)t Name von mir weiter gemeldet an den, der mich dereinst geworben hat, und so geht es heimlich weiter und weiter, bis er zur Kenntnis des Zentralvorstandes gelangt. Befehle, die Ihnen von diesem Vorstande oder direkt oder durch mich zugehen, haben Sie ohne weitere Prüfung auszuführen; die sittliche Verantwortung für diese Befehle tragen nicht Sie, sondern der Vorstand. Glauben Sie mir, es ist gar nicht so unbehaglich, sich der Last des Gewissens dadurch zu entledigen, daß man sie auf fremde Schultern abladet; tut der Soldat ins Kampfe nicht das gleiche? Auch Sie sollen ein Soldat des Kriegsheeres der „Männer der Tat" werden und die Kriegsartikel dieses Heeres anerkennen — ist das so schwer?" „Das Geheimnis, mit dem sich dieses Heer umgibt, macht mich mißtrauisch." „Es sollte Sie vielmehr mit dem höchsten Vertrauen erfüllen, denn das Geheimnis dient doch nur der Sicherheit jedes einzelnen Mitgliedes dieses Heeres, daher auch Ihrer eigenen Sicherheit. Ein Verräter unserer Sache wird mit dem Tode bestraft; Sie werden das ganz so in der Ordnung finden, und sollte Ihnen, was ich übrigens durchaus nicht, voraussetze, etwa einmal der Befehl werden, einen solchen Verräter dem Tode zu überliefern, so würde Ihr Gewissen dabei doch gänzlich unbeteiligt bleiben, denn ein solcher Befehl wäre ja nur ein Art unumgänglich gebotener Notwehr; hat man nicht auch das Recht, ein wildes Tier niederzuschießen oder einem Menschenscheusal zuvorzukommen, das gegen uns die mörderische Hand erheben will?" Peter nickte, halb gewonnen, und der andere fuhr eindringlich fort: „Ich fühle Ihnen alle Ihre Bedenken nach; ich habe sie seinerzeit auch gehabt, und es hat mich ebenfalls Zeit und Mühe gekostet, bis ich endlich klar sehen konnte. Der Bourgeois hat in seinem Sittengesetz zwei Hauptparä- graphen: Du sollst nicht stehlen und du sollst nicht morden. Zwischen Gleichstehenden und Gleichbegünstigten mag es sich nach diesem Rezept ganz gut leben lassen; nachdem aber die Faust des Stärkeren den Schwächeren überwältigt und zum fronenden Sklaven erniedrigt hat, wäre die Beachtung jener Verbote ein selbstmörderischer Wahnsinn, denn sie würde uns zur ewigen Zinsknechtschaft gegenüber den Ausbeutern und zur ewigen Leibeigenschaft gegenüber den Machtanmaßern und Tyrannen verurteilen. Hier gilt es, im Sinne eines moderneil Denkers die bisher gültigen Werte umzuwerten: wir sollen unseren Feinden den Besitz zu entreißen streben, mit dem sie uns niederhalten und knebeln; wir sollen ihnen an die Kehle fahren oder die Kugel durchs Hirn jagen; wir sollen unsere Wege kreuzen und uns mit Galgen und Rad bedrohen! Zahn um Zahn, Äug' um Auge. Hätte die Welt ein echtes und rechtes Erbarmen, dann gäbe sie Ihnen jetzt auch das Brot zu dem Ihnen aufgedrungen Leben und den Erfolg für Ihr reiches Wissen und Können als Baumeister; aber man läßt sie ruhig hungern, weil sie kein Freund der sattenprotzigen Dummheit sind, und gibt die Aufträge liebex 702 jenen, die vor den Staatserhaltenden auf dem Bauche liegen Und schweifwedeln." Bei der Anspielung auf die mancherlei ihm wegen letncr politischen Gesinnung entgangenen Aufträge schlug Peter wütend auf ben Tisch und wetterte: „Gemahnen Sie mich nicht daran, sonst könnte ich fuchswild werden und irgend etwas anrichten, was keinem, auch Ihnen nicht, gefallen toüroe!" „Doch! mir würde es gefallen; aber Zorn und Unüberlegtheit würden Ihnen selber schaden, und das wünsche ich nicht. Ich weiß Besseres für Sie, werden Sie unser, und wer werden eine Zeit heraufführen, in der dieser Staat aus den Fugen gehen und unter seinen Trümmern auch die Knoblauchs und Haßlachs und Lamperts begraben wird." „Was wissen Sie von den Lamperts?" quoll es fast höhnisch über Peters Lippen. „Nun, sind es nicht Ihre Pflegeeltern?" Peter biß ingrimmig die Zähne aufeinander und dabet nickte er mehrmals langsam mit dem Kopfe. Dann seufzte er tief aus seiner breiten, sich mächtig hebenden Brust und stuste in dankbarer Erinnerung an seine Pflegemutter: „Frau Julie Lampert, das bitte ich mir aus, die lassen Sie mir aus dem Spiele; sie hat sich Mühe genug mit mir gegeben, und wenn's nach ihr gegangen wäre, ich wäre längst berühmt und säße im eigenen Palaste, wie die Made im Speck. Aber den Goldschmied gebe ich Ihnen preis; er führt zwar stets die christliche Nächstenliebe im Munde, in Wahrheit ist er aber ein hartherzig knickeriger Schuft. Er hat mir verboten, je wieher seine Schwelle zu überschreiten, weil ich ein Politiker sei, aber — ha, ha, ha! ich kenne den Grund besser: der Geiz- Vals hat nur Angst, daß ich ihn anpumpen könnte." Peter stieß heftig das Brett mit der Kaffeetasse von sich, so daß die Obertasse klirrend umfiel und den Rest ihres Inhaltes auf Brett und Tisch ergoß. Doch er achtete dessen gar nicht; seine Gedanken waren auf andere Dinge gerichtet. Er drehte seinen Stuhl eine. Viertelschwenkung nach rechts, streckte die Beine lang von sich, stützte^den linken Ellbogen, aus die Tischplatte und ließ seine aderstrotzende Schläfe auf den Rücken der linken Hand sinken. In dieser Stellung verharrte Peter eine Zeitlang schweigend, indem er den vielen Enttäuschungen, die ihm das Lehen bereitet hatte, nachsann. Ein bitteres Weh durchwühlte sein Herz, daß er nie das Antlitz seiner leiblichen Mutter gesehen, nie bewußt an ihrem Halse gehangen und von ihren Lippen den Segen ihrer Liebkosungen getrunken hatte; wäre ihm die Sonne der Mutterliebe nicht schon gleich nach seiner Geburt untergegangen, er wäre sicher ein anderer geworden; Ml Glanze jener Sonne hLtten sich auch ihm die schemenhaften Pläne und Hoffnungen seiner Jugendjahre zu wirklichen und greifbaren Erfolgen verdichtet. Wenn ihn wenigstens woch die Liebe eines Vaters entschädigt hätte! Aber auch der Pater war ihm von einem feindlichen Schicksal geraubt worden; er hatte hinüberfahren müssen über das große Wasser, nm drüben im Lande der Freiheit und Vorurteilslosigkeit den Daseinskampf besser und ertragreicher zu kämpfen, als er ihn je Bet uns in den engen, einschränkenden Verhältnissen des deutschen Vaterlandes gekämpft hätte. O, diese hochmütige, deutsche Gesellschaft! Sie, nur sie hatte ibn des väterlichen Segens beraubt; nicht ein feindliches, mystisches Geschick, das wohl nur ein leeres Wort, ein Popanz für die Einfalt war. Diese deutsche Kleinwelt war es auch, die seine politische Richtung nicht begriff, die ihn, den Feind der kapitalistischen Gesellschaft, mied, wie einen Pestkranken, und Ihn gern durch Arbeitslosigkeit zum langsamen Hungertode gebracht hätte —Tod und Teufel! Sollte er wirklich stillhalten zu den physischen und moralischen Mißhandlungen, die ihm das Bourgeoistum bereitete? Er schnellte von seinem Sitze empor und gewissermaßen das Schlußergebnis der für ihn qualvollen Betrachtungen ziehend, sagte er grimmig entschlossen: „Dies Hundeleben soll ein Ende haben! Hole der Teufel alle meine Bedenken und Rücksichtnahmen, die mich nur in meiner Tatkraft lähmen! Sie haben recht: nicht ich trage die Verantwortung, sondern die anderen, die mich gewaltsam hinausstoßen aus. oem Banne des Friedens. Kampf denn, Kampf bis aufs Messer allen, die diese verfluchte Welt noch zu stützen suchen!" Eine schattende Wolke zog draußen über die Nachmittagssonne und hüllte den Hof und das Gastzimmer plötzlich in Dämmerung. Der Erregte bemerkte es gar nicht. Hätte Peter das traurige Ziel geahnt, dem er mit seinem nur in Ler halben Unzurechnungsfähigkeit einer schier maßlosen Verbitterung gefaßten Beschlüsse entgegenging, er hätte den Handstummel, den ihm jetzt der Brasilianer bot, mit Abscheu zurückgestoßen. So aber ließ er seine Rechte willig von den drei umklammernden Fingern des anderen drücken und sich dessen Belobigung gefallen: „Bravo, mein lieber Freund!" Er legte auch noch seine Linke auf Peters immer noch festgehaltene Hand und fragte feierlich: „Schwören Sie, von Stund an ein Mann der Tat sein zu wollen?" „Ja, ich schwöre es." „Auch treu zu bewahren unser Geheimnis?" //3> „Jeden Verräter zu strafen?" //\5 „So sind Sie unser, und nur der Tod kairn uns noch trennen." Er näherte seinen Mund dem Ohre Peters und flu- fterte ihm ein Wort zu. „Dies ist unsere Losung, unser Erkennungszeichen. Was übrigens Ihren Eid anbetrisst, uns ist der Eid nur eine leere Form; erst wenn Sie durch die Tat mit uns verbunden sind und ein Rücktritt für Sie nicht mehr möglich ist, erst dann werden Sie unsere nächsten Ziele kennen lernen." Und wie ihn Peter fragend anblickte, setzte er erläuternd hinzu: „Sie werden noch heute abend Näheres von mir erfahren. Ich denke, ich werde gegen Zehn zu Ihnen kommen; jetzt lassen Sie uns aufbrechen, der Tag nimmt ab und bald werden hier Gäste erscheinen." Carvalho klopfte mit dem Löffel an seine Tasse, und als der Wirt hereinkam, schob er ihm ans dem Tische den kleinen Betrag der Zeche hin. Dann verließ er mit Peter das Wirtshaus. Auf der Straße trennten sich beide und gingen nach verschiedenen Richtungen auseinander. * Es war eine stürmische Herbstnacht, die schmale Mondsichel war längst untergegangen und nur hin und wieder glimmte ein Stern durch einen Spalt der schnell über den Himmel jagenden Wolken. Ein langer Pfiff übertönte das Brausen des Windes, sauchend und puffend näherte sich der Vorortzug der Station, hielt am Bahnsteige still, um zwei Passagiere zu entlassen, und fuhr dann weiter in die Nacht und den jetzt beginnenden Regen hinein. „Wir bekommen nasses Wetter," brummte unzufrieden der Kleinere der beiden Ausgestiegenen. „Das kann uns nur erwünscht sein," sagte der Größere mit gedämpfter Stimme; „je schlechter das Wetter, desto besser für uns." Sie hatten den Bahnhof des kleinen Vorortes verlassen und schritten nun am Bahndamm entlang in der Richtung, die der weitergefahrene Zug genommen hatte. Ab und zu blickten sie sich um, ob ihnen nicht etwa irgend ein lästiger? Dritter nachfolgte; doch keine Menschenseele war zu sehen, es war auch kaum anzunehmen, daß noch zu so später Stunde und bei solchem abscheulichem Wetter hier jemand lustwandeln würde; wer aber aus geschäftlichen Gründen noch nach' Giesdorf gewollt hätte, der wäre unzweifelhaft der gut ge-, bauten und jedes Jrrgehen ausschließenden Landstraße gefolgt, die dazu noch der wesentlich nähere Weg war. „Treten Sie leiser auf," mahnt der Größere, „damit uns der Wärter dort nicht vorübergehen hört." Er deutete auf eine Wärterbude vor ihnen, aus der ein rotgelber Lichtschein hinaus in die Nacht zitterte. (Fortsetzung folgt.) Line Natmsorscherm des Mittelalters. Die wissenschaftliche Bedeutung der Hildegard von Bingen. Von Dr. Franz Strunz. Der Wiener Hochschullehrer Dr. Frauz Strunz, der durch seine glänzenden Arbeiten zur Geschichte der Naturwissenschaften der historischen Forschung ein ganz neues Gebiet erschlossen, veröffentlicht demnächst im Berlage von Eugen Diederichs in Jena eine Reihe von Abhandlungen unter dem Titel „Die Vergangenheit der Natursorschung", von denen wir eine der interessantesten, die das eigenartige und sympathische Bild einer gelehrten Fran vor 800 Jahren enthüllt, unseren Lesern schon heute vorlegen, D. Red. Die Natursorschung der Mystik hat in einer hochbegabten Frau ihre Vertreterin gefunden, die letber in diesem Zusammenhänge fast nie genannt wird: die Aebstissin Hildegard von B i n gen (1098. bis etwa 1186). Sie entstammt aristokratischem Hause und wurde 703 km Schottenkloster Disibodenberg erzogen. In späteren Jahren gründete sie ein Frauenkloster auf dem Rupertsberge bei Bingen. Hildegard ist nicht nur die ..erste große geistliche Seherin Deutschlands. sondern auch die erste literarisch tätige Aerztin unter iut§ Deutschen. Sie knüpft an die Naturforschung an, wie sic damals der Benediktinerorden trieb. Seine mönchischen und volksmedizinischen Ueberlieferungen waren ihre eigentlichste /Quelle. Hildegard gehörte ja diesem Orden an. Von ihr stammen wertvolle medizinische Werke und vor allem auch die sogenannte „Physica", die .Paul Kaisers verdienstvolle Forschungen wieder in den Vordergrund des Interesses rückten. Neben dieser Schrift ist eine zweite zu nennen, die ebenfalls bedeutsam ist: „Beatae Hildegardis Causae et Curae“ (über compositae medicanae). Alle ihre Arbeiten waren bis ins 16. Jahrhundert rühmlich bekannt. Die wissenschaftlichen Voraussetzungen ihrer Ansichten toaren wohl die Äaturforschung und Heilkunde des damaligen Benediktinerordens und seiner Ueberlieferungen, und dann vielleicht die Weltanschauung der Mystik. Was Hildegard in ihren Schriften bietet, ist so recht der Stand der deutschen Naturwissenschaft im 12. Jahrhundert. Sowohl die Physica als auch das aridere Werk causae et curae enthalten historisch interessante Gedankengänge. Einige davon im folgenden. Hildegard vertritt die Ausickft, daß aus dem Milieu des ewigen Gottes der Weltstoff oder die vier Elemente hervorgegangen seien. Gott ist Licht und allmächtig. Er schuf mit allem auch das Himmelslicht. Die Soune besteht aus Feuer und Luft. Sie hält das Uui- versum zusammen und macht durch ihre Bewegungen den Wechsel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Sonne und die Übrigen Planeten drehen sich dem Firmament entgegengesetzt. „Dieses dreht sich auch, doch erst seit Adams Fall — täte es das nicht, so würde die Sonne den ganzen Sommer und ohne Nacht strahlen, und im Winter wäre ewige Nacht. Am jüngsten Tage wird das Firmanient wieder stillstehen." Diese besagte Drehung erzeugt Töne. Da sie weit von uns erklingen, hören wir sic nicht. Much die Sterne hat Gott geschaffen, die an Größe wie Berg und Hügel verschieden sind. Sie dienen und leuchten den Menschen. Wichtig sind vor allem die Planeten. Der höchste von ihnen (ocultis genannt) und der, der dem Moude am nächsten steht (pauper), lassen Blitze in den Wolken leuchten, wenn sie etwas Künftiges prophezeien. Die Sterne werden vom Monde beleuchtet, denn kommt dieser in die Nähe der Sonne, so empfängt er von ihr seine Glut und wird allmählich ganz mit Licht erfüllt, „wie ein Scheiterhaufen allmählich anglüht; wenn er aber voll ist, so daß er mit einer gesegneten Frau verglichen werden kann, gibt er sein Licht wieder an die Sterne ab." Diese erwärmen die Luft und erzeugen den Tau. Es gibt immer einen Kampf zwischen Luft und Feuer. Die Sterne können an die Luft ihr Feuer abgeben (Meteore, Sternschnuppen u. a.). Der Mond ist das wichtigste Gestirn. Er nimmt alle Schädlichkeiten der Luft und Wärme in sich auf. Durch einen Zusammenstoß der Elemente und Stürme entstehen Mondfinster- nisfe. Die vier Elemente, aus denen doch Gott die Welt geschaffen hat, sind untrennbar. — Hildegard bespricht recht eingehend die berschiedenen Formen dieser Grundstoffe und weist insbesondere auf ihre meteorologische Bedeutsamkeit hin. Auch über Heilquellen, Brunnen und Meerwasser sagt fie viel Zutreffendes, das ein feines medizinisches Verständnis verrät. Es ist schon gesagt worden, daß Hildegard von Bingen vieles aus der damaligen Volksmedizin schöpft. Da ist sie Kind ihrer Zeit. ^Viele ihrer oft wunderlichen Glossen sind uraltes Völkergut. Auch ihr Kampf gegen Dämonen und seelische Verwirrungen bekommt von hier aus seinen Standort. Der Mensch lebe immer unter der Gefahr, vorn Teufel verführt zu werden. Der Manu wird zu unsinniger Liebe zum Weibe gereizt. In den Monaten des Frühlings sei die dämonische Macht am stärksten. Man kann aus dem Lachen eines besessenen Menschen erkennen, welcher Dämon von ihm Besitz genommen hat. Ueberhaupt ist die Art des Gelächters ein Kriterium zum Erkennen von Charakteren. Die Dämonen verbinden sich mit Tieren und vor allem mit Wolf, Katze, Maus, Drache, Schlange, Laubfrosch, Elster. Dagegen gibt es auch reine Tiere, die vom Teufel gemieden werden und als Abwehr gegen Dämonen gelten: das Rind, das ja schon in frühester Zeit g-eopfert wurde. Hirschhorn oder die Gräten des Störes werden zum Schutze gegen die Luftgeister im Herdfeuer verbrannt. Der Hund ist das Tier der Treue. Wertvolle Amicktte sind die Leber von der Amsel, gewisse Teile des Kamels, Dromedars, Löwen und Walfisches. So gibt es auch Pflanzen, die gegen die Dämonen schützen (Pimpernell, Zypressenholz), aber auch solche, die der Teufel liebt Und den „Geifer der Elemente in sich haben". Immer und immer wieder betont Hildegard, daß des Menschen inneres und äußeres Leben mit dem großen Gang der Natur zusammenhängt, mit all den Masken und Spiegelungen der Welt und allumfassenden Wirkungen. Da ist vor allem der Mond. Er beherrscht Körper und Seele. Die Konzeption sei durch ihn beeinflußt. Darum kommen die verschiedenen menschlichen Charaktere von den täglichen Aeuderuugen des Mondes. Die. Seele des Menschen wohnt im Herzen ujnb regiert von hier den ganzen Körper. Vom Weibe sagt die Aerztin und Aebtissin: „Jene ehrsüchtige, von ihrem Ich erfüllte und eitle Frau wird von Fremden mehr geliebt als von den Ihrigen; die ihr neu sind, behandelt sie mit Freundlichkeit, doch ihre Angehörigen vernachlässigt sie. Arbeitsam und klug und liebebedürftig ist eine andere, aber man liebt sie nicht, und sie neigt sich zur melancholischen Schwermut. Bei ihren Mitmenschen steht eine dritte in Mißgunst, aber ihre stillen Seufzer und ihr verheimlichtes Weinen wird nur von Gott gehört. Der wackeren und geliebten Frau steht die anmaßend törichte Schwätzerin gegenüber,, der liebreizenden Spröden die keusche und züchtig liebende. Lieblich wie eine Lilie ist die eine, glücklich und geliebt; leicht erregt, arbeitssroh und redselig eine andere. Tie Wankelmütige und Unverständige, die Belehrung nicht annimmt, t|t unbeliebt. Ohne Anmut ist jene, aber verschlagen und weiß guten Rat zu geben. Manche ist demütig und arbeitsam und hält auf Ehre, aber Liebe wird ihr nicht zuteil. Eine ist durch ihre Schwatzhaftigkeit,ermüdend, eine andere einfältig, zänkisch und auf- brailsend. Diese ist verschlagen und hat Fuchssinu, und es kommt ihr darauf an, redliche Menschen ins Verderben zu stürzen; jene Törm liebt man zwar, aber man hilft ihr nicht, wenn sie in Not ast. Die verräterische Giftmischerin, die Aengstliche, die sich selbst vor einem Kinde fürchtet, die Keusche aber Unberatene, die Kluge, die den Menschen wacker erschien, aber es nicht ist, die Schöne, die Tugend heuchelt" — sie alle sind für Hildegard Typen interessanter Weiblichkeit, die sie mit den damals noch oft recht harmlosen Mitteln der Seelcnkunde untersucht und deutet. Das ist die Fraueilpsychologie vor etwa 800 Jahre». Sie findet in den alten naturwissenschaftlichen und medizinischen Schriften ihren Platz. Es märe ein Kapitel für sich, wollte man Hildegards Heilkunde und Diätetik nachgehen. Sie sagt auch hier viel Fesselndes. Gesundheit ist Müßigkeit in jeder Hinsicht und Vermeidung seelischer Exzesse, Abwechselung in den Speisen, nüchtern warme Getränke genießen, Obst als erstes Esfen vermeiden, dagegen unt Mittag die erste Nahrung nehmen, frühes Abendbrot und hernach noch Bewegung, nach Mahlzeiten nicht schlafen, nach dem Schlafe teilt Getränk (vor allem nicht Wasser), im Winter Wein oder Biep trinken, im Sommer lauwarmes Wasser, gehaltreichen Wein immer verdünnen u. a. m. — das sind vor allem Hildegards Leb'ensregeln. Wer ist gesund? Der, der starken Haarwuchs hat. Was ist weiter das Keunzeichen irischen Lebens? Die Leuchtkraft und Farbe des Auges, die Farbe der Wangen, die helle Stimme, seelische Munterkeit. Die Augen sind die „Fenster der Seele". Hier heraus blickt aber auch zuerst das Sterben, wenn uns der Tod überfällt. Hinter dem Augc stehen die tiefen Geheimnisse und Süchte, und sein Leuchten wird gedämpft, wenn sich mählich das Blut kühlt und das Herz langsam geht. Im Herzen aber sitzt die Seele. Alles Träumen und Ersehnen hört erst auf, da der Mensch zum Sterben kommt oder wie schon der Prediger Salomouis sinnt, ,wenn die Gesichter der Leute an den Fenstern trübe werden"......Das ist der Tod. Da schweigt der Puls, den man sonst so deutlich an der rechten Armbeuge oder unter dem Knie fühlt. Dort ist dann Ruhe. Hildegard vou Bingen hat als Aerztin insbesondere auch über das Wesen des Menschen und seine Krankheiten nachgedacht. Echt mittelalterlich auch hier, sagt sie, Gott habe den Menschenleib ans Erdenlehm geformt und ihm dann die durch die Vernunft beschwingte unsterbliche Seele gegeben. Der Sitz der Seele ist das Herz und beeinflußt von hier aus den ganzen Menschen. Mit de» Elementen steht der Mensch im engsten Zusammenhang, beitu sie sind in ihm enthalten und beeinflussen ihn, und vielfach ist er nur wie ein Spiegelbild der ganzen großen Welt ... Da klingen bei Hildegard plötzlich Gedanken an, die in die Zukunft weisen. Trotz ihres theologischen Standortes scheint sie hier Gott, Welt und Seele als etwas Einheitliches zu fassen, echt mystisch, aber auch ganz im Geiste der Renaissance; Gott ist die Welt, die Welt ist beseelt und die Seele ist göttlich. Darum der unendliche Wert der letzteren. Das Göttliche ist die Vollendung, es ist der Endpunkt aller Evolution, denn alles will — wie bann Theophrastus Paracelsus am Anfänge ber neuen Zeit Jagte — im „Lichte der Natur" volleubet sein. Und alles ist aus der Wallfahrt zu Gott. Der Mensch ist die Natur und die Natur ist der Mcnfch. Doch das ist schon das neue kosmische Gefühl und die Gefiihlsphilosophie der Renaissance, aber auch ihre senfualistische Verherrlichung des Menschen und der neue Blick für Leben, Sterben und Werden. Eine neue Menschenkunde hebt an und mit ihr eine andere Weise, die Dinge zu seben und zu sagen. Es war wie eine Flucht aus den Schmerzen und der Herbheit einer trauerbeladenen Zeit. Auf Hildegard folgt Franz von Assisi. Aber den Geist jener Tage, in die der Bettelmönch getreten ist, hat sie bereits gespurt. Sie hat das bewegte, wolkige 13. Jahrhundert nicht erlebt. Bei aller Wärme und Einfalt ihres Herzens und heiterem Leuchten ihrer klugen Menschlichkeit hört sie diese Stimmen aus der Ferne, wie aus dunkeln Wäldern, die vor ihr liegen. Das 13. Jahrhundert setzt dann ein. Aus ihm heraus hat der mittelalterliche Mensch das Tiefste gesagt, was in ihm wohnte, atembenehmende Angst und doch wieder leuchtende Hoffnung formten seine Gebete und Hymnen, die er aus schwerer Luft zuin Himmel sandte, das Menschliche, allzu Menschliche glitzert durch die dunkeln Flore der Trauer, aus dem Grunde der Seele herauf klingen Morte und Gedanken, einer Innigkeit voll, wie sie die Vergangenheit nie kannte. Dse Luft des ersten Vorfrühlings ging durch die Seelen. Man sucht einen tiefen und letzten Sinn, ber hinter den großen ernsten Wirklichkeiten steht. Aber schon in diesen Tagen wächst ganz mählich im Menschen wieder jenes Gefühl des großen und zähen und ewigen Zusammenhanges zwischen Ich und Universum, und dieses Erlebnis wandelt Laut und Farbe der Dinge. Man spürt wieder die unendlichen Gemeinschaftlichkeiten des Weltganzen. Die Mystik kommt und nimmt von Kindern der Seele und Naturfreunden Besitz, 704 Sie sind erfüllt von jener „Vereinigung mit Gott", von jenem tiefsten Naturgefühl, das sich schon in der Zeitigen Hildegard von Bingen zu einer seltsamen Weltlehre verklärte. Warum ich in keine Konzerte gehe? Tiefe, manchem wohl etwas verwunderlich erscheinende Frage beantwortet Karl Spitteler in einem lehrreichen Artikel tm 2. Oktoberheft des „Kunstworts" folgendermassen: Schon öfters ist über die Zulässigkeit von Mißbilligung^-' äußerungen ans der Zuhörerschaft gesprochen worden: fast immer mit dem Ergebnis, daß Mißbilligungsäußerungen zwar grnndNtz- lich nicht minder berechtigt wären als Berfallsaußerungen, daß jedoch ratsam sei, sie auf das Äußerste zu beschränken: wenn uia)t von Anstands tvegeii so doch aus Achtung vor dem Puoükum, vor den Aussührenden, und vor allem aus Achtung vor sich selber. Nachdem ich mir wiederholt mein Teil dabei .gedacht, ist nur eingefallen, warum ich nicht auch mein Teil dazu sagen sollte. Ich bin mit dem obengenannten Ergebnis, man solle aus Tarr- gründen, Anstaudsgründen und Achtungsgrunden Miß- billigungsänßerungen unterlassen, durchaus , einverstanden, wenn es sich um Vorführungen in einem P.rrvat- »ir fe[, also in einem Salon, handelt. Denn wenn ich'Mich in einen Privatkreis begebe, so übernehme ich damit die Verpfirch- hing, mich höflich aufzuführen. , Mag eine Sängerin noch so schrecklich schreien, sie ist gleich mir der, Gast der Dame, die uns beide beehrt hat — ich werde also manierlich stillhalten: e» tann mir vielleicht sogar gelingen, die Sängerin, dm mich soeben angeschrien hatte, über ihr elegantes Kleid zu bekomplementieren. Uebernehme ich aber die nämliche Verpflichtung, wenn ich mich in ein öffentliches Konzert begebe? Ich behaupte, nein. Ein öffentliches Konzert ist eine anspruchsvolle Anstiftung; es behauptet durch seine Anpreisungen, durch seine Inserate, durch das Eintrittsgeld, das es fordert, etwas Vorzügliches zu leisten; leistet das Konzert Mittelmäßiges oder, Unerträgliches, so begeht es mithin einen Vertragsbruch, mindestens eine Täuschung. Es ist auch keine Dame des Hauses vorhanden, der ich Ehrerbietung schuldete; ich biu von -niemand namentlich eingeladen worden, ich Habs nicht die geringste persönliche Beziehung zu den Konzertgebern, ich kenne sie nicht und sie kennen mich nicht und kümmern sich nicht um mich; ich bin folglich jeder Rücksichtnahme enthoben, so daß mein Urteil vbn feder Hemmung befreit ist. Ich, sollte aber Lleichwohl aus den obengenannten Gründen, falls mein Urteil abschützend lautet, es nicht laut werden lassen, die Faust rm Sack machen? „Es geschieht einem ja keine Beleidigung.' Just das bestreite ich, daß einem keine Beleidigung durch schlechte Musik geschehe. Gewiß, ein indolentes, unmusikalisches Publikum kann durch keinerlei Musik beleidigt werden; und daS Kunststück, stumm und still zwei Stunden lang manierlich dazusitzen und über sich ergehen zu lassen, einerlei was, ist für solch ein Publikum nicht schwer. Aber nehmen Sie ein echt musikalisches und eins von Temperament, eins, das mit seiner Seele auf jeden einzelnen Satz antwortet: sitzt das so diszipliniert da? kann es so diszipliniert'still sitzen bleiben? einerlei, was auf dem Podium geschieht? Nein, es kann gar nicht anders, als bei einem entzückenden und entzückend vorgetragenen Kunstwerk sich zu entzücken, also zu jubeln, Und von einem üblen Takt oder falschen Ton Ivie gestochen aufzujucken, und zwar in dem nämlichen Augenblick, wann's sticht, mitten im Stück. ,, , „ , Und nun will ich bekennen, warum rch tit keine öffentlichen Konzerte gehe: .. ■ Erstens, weil man mir willkürliche Programme anfstellt, die ich in Bausch und Bogen annehmen müßte, wenn ich nicht dem ganzen Konzert fernbliebe. Man geht folglich entweder von .der Voraussetzung aus, man dürfe einem Publikum jedes beliebige Musikstück Vorfüyren, es schlucke alles, oder von der Voraussetzung, die Konzertgeber seien in musikalischen Dingen über uns so hock- erhaben wie der Lehrer über dem Schüler. Beide Voraussetzungen empfinde ich für mein Teil als unzutreffend. Mein Wunsch und mein Trotz verlangt, daß man über Konzertprogramme sich erst miteinander verständige. Da das in öffentlichen Konzerten nicht angeht, so verzichte ich lieber. Zweitens, weil ich nicht, ohne aufzufallen, mich retten, das heißt, den Saal verlassen kann, ehe eine solche Nummer kommt, die anzuhören für mich eine Seeleuguäl bedeuten würde, um nachher Ku einer andern Nummer wieder einzutreten, — nötigenfalls en- und dreimal während eines Konzertes hinaus und wieder ein. Ich könnte also öffentliche Konzerte nur ambulando genießen. Drittens, weil man mir das Nachlebcn, das ein herrliches Meisterwerk in meinem Herzen verursacht, durch unmittelbar nachfolgende Werke verdirbt. Viertens, weil ich bei einer mir verächtlichen Komposition meine Verachtung nicht durch Störung kundtuu und bei einer niederträchtigen nicht aufspringen und dem Dirigenten das Pult umstürzen darf. Fünftens, weil ich, durch tausendmalige Erfahrung belehrt, voraus weiß, daß, wenn ein ganz elendes Machwerk verübt wird. zum Beispiel ein impotentes, von allen Musen verfluchtes Salow* adagiogewinsel, der Unrat unfehlbar, ohne Erbarmen mit mir, stürmisch da capo verlangen wird. Und diese Vergewaltigung vertreibt mich vollends. Ich kann mich, möglicherweise, darein schicken, um dreier erfreulicher Kon-» zertnummern willen sechs abscheuliche mit in Kauf zu nehmen: aber Pas abscheulichste unter den abscheulichen, nachdem es Gott sei Dank endlich überstanden ist, nochmals von vorne bis hinten zu erdulden — nein. Darum also gehe ich niemals in ein. Konzert. Karl Spitteler, vüchertisch. — Beiträge zur Geschichte der alten Gießener Burschenschaft; Burschenschaftliche Lebensbilder aus dem Jahre der großen Relegation (1828) von Christian Scriba, Pfarrer i. P. in Gießen. Mit einer Einleitung von Geh. Hofrat Dr. Herman Haupt. Gießen 1913. Eine Geschichte der deutschen Einheitsbestrebungen im allgemeinen wird nur dann den Anforderungen wissenschaftlicher Methode gerecht, wenn sie rein- sachlich der Geschichte der alten deutschen Burschenschaft int befon- dern den gebührenden Platz einräumt; erstere ist ohne letztere nicht denkbar, jene ist an dieser mit 1000 Ketten verankert. Eine Darstellung aber, welche die Ziele der Burschenschaft von ehedem nur anmerkungsweise streift oder gar unberücksichtigt läßt, lädt den Vorwurf tendenziöser Färbung oder der Unvollständigkeit auf sich. Denn wahrlich groß ist die Zahl der Burschenschafter, die für di« deutsche Einheitsidoe gestritten und gelitten haben, aber unentwegt den Pfad, der ihnen keine Rosen, aber desto mehr Dornen brachte, weitergegangen sind; Beharrlichkeit führte auch damals, allerdings erst spät, zum Ziel. Haben auch nur wenige aus der. Reihe jener „Rufer im Streit" dies erlebt, Tatsache ist es aber, daß deren politisches Glaubensbekenntnis unaufhaltsam in immer weitere Kreise des deutschen Volkes drang und so allmählich die Saat zur Reife gebracht wurde. Es ist mehr als die Erfüllung! einer Dankespflicht, wenn die „Burschenschaftliche historische Kommission" die Mitglieder-Listen der alten Burschenschaft herauszugeben gedenkt: ein solches Verzeichnis stellt zugleich einen ivert- vollen Beitrag zur Geschichtsforschung des 19. Jahrhunderts überhaupt dar. Für Gießen wird Geh. Rat Haupt sich dieser Aufgabe unterziehen: in dem Pfarrer i. P. Ehr. Scriba hat er einen Mitarbeiter gefunden. Sein obengenanntes Schriftchen, das 'er bei Alfred Töpelmann verlegt hat, gliedert sich in 2 Teile; der erste bringt die Namen und Lebensbilder der Gießener Burschenschafter, über die am 28. Juni 1828 tveaen Teilnahme an verbotener Studentenverbindung die Strafe der Relegation auf ein Fahr verhängt wurde. Zn diesen gehören z. B. der Theologa Karl Hundeshagen, ferner Sartorius, Karl Soldan, August Scriba (der Vater des Verfassers), Otto von Stockhausen, Wilhelm Trautwein und andere Namen von bestem Klang, im ganzen 32. Eine Art Ergänzung zum ersten bedeutet der zweite Abschnitt, wo uns der Verfasser mit den hiesigen Burschenschaftern der Jahre,1826 bis 1828 bekannt macht, die vor der Relegation bewahrt! blieben. Auch hier finden sich Persönlichkeiten, deren Namen wir nur mit der größten Achtung aussprechen; ich denke hierbei an Karl Bücking aus Gießen, Friedrich Kraft (Grürtberg), Karl v. Ochsenstein- Rudolf Oeser (Otto Glaubrccht) aus Gießen, Karl v. Schmittburg- den Juristen Karl Seit, den verdienstvollen Leiter des hessischen Schulturnens Ad. Spieß — u. a. m. Der erste Anhang bringt den Abdruck einer Reihe von Stammbuchblättern, darunter solche von Oeser und Hundeshagen, und in einem zweiten Anhang finden sich die Namen der 16 Korpsstudenten (es waren je 8 Mitglieder der Hassia und Starkeuburgia), die ebenfalls und zwar aus demselben Grunde Ivie ihre Leidensgefährten, jene 32 Burschenschafter- im Juni 1828 auf 2 Semester relegiert wurden. Alles in allem: eine beachtenswerte Abhandlung, gehaltvoll genug, gelesen zu werden nicht nur von allen alten und jungen Burschenschaftern Gießens, sondern von jedem, deitl für das Studentenleben jener Zeit des Sturmes und Dranges einiges Interesse hegt. Ber gar vielen wird dies schon vorhanden sein, und bei solchen, wo es fehlt, wird es, das steht zu erwarten, wach werden. Gießen, den 3. November 1913. Dr, K. Bernbeck^ Magisches Tuadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben ABEEI1ILLL 0 0 B R 8 8 derart cinzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Beliebtes Getränk. 2. Figur aus einem Schisterschen Trama, 3. Griechische Landschaft. 4. Weiblichen Vornamen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Speck, Specht. Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der BAihl'ickien Un>versitätS-Buck>- und Steindruckerer, R. Lang«, Gießen»