Samstag, den 8. November M B llir U UIQJ W*?T< . £ g— |r-—-pryJ11 ^WMWÄMW Sabine und Haßlach in Gesellschaft Adolfs fand. Sabme gegenüber hatte er ein ziemlich schlechtes Gewissen, und gegen Haßlach, der ihm trotz seiner dringenden Bewerbung die Ausführung des Neubaues im Hofe durchaus nicht hatte übertragen wollen, hegte er einen rachsüchtigen Groll. Mit verbissener Miene trat er näher, drückte feinem Bruder flüchtig die Hand und machte den beiden anderen nur eilte steife Verbeugung. _ , „Hätte ich geahnt, Adolf, dass ich Dich bei der Mahlzeit störe und in so angenehmer Gesellschaft (auf das Wort „angenehmer" legte er einen herausfordernd spöttischen Nachdruck-, ich wär' ein andermal gekommen." „Du störst mich nie, mein lieber Bruder", versetzte Adolf mit Wärme. Der feindliche Ton Peters tat ihm weh, wenn er auch wußte, daß er ihm selbst nicht galt, so liebte er doch den Bruder viel zu innig, als daß ihn dessen galliges Wesen nicht hätte schmerzen und beunruhigen sollen. „Komm setz' Dich ein wenig zu uns -- zu essen kann ich Dir leider nichts mehr anbieten, aber eine Zigarre wirst Du wohl nicht verschmähen." Er reichte dem Bruder seine Zigarrentasche, dann machte er Kehrt, um aus dem Nebenzimmer einen Stuhl zu holen, aber Peter hielt ihn fest: „Laß nur, Adolf, ich setze mich nicht erst, ich habe nicht viel Zeit." „Ein Maurermeister, der nicht viel Zeit hat, ist h.eute zu beglückwünschen", bemerkte Herr Haßlach, „das Baugewerbe trägt jetzt goldene Früchte." Peter lachte höhnisch auf: „So, meinen Sie das, Herr Haßlach? In dieser faulen, verrotteten Zeit trägt nur der Schwindel und Betrug Früchte; für ehrliche, mühevolle Arbeit sind unsere gegenwärtigen Zustände ein gänzlich unfruchtbarer Boden." „Nu, nu, nu!" mahnte Adolf, „gehe nür nicht gleich wieder durch! Ich gebe Dir gern zu, daß noch lange nicht alles so ist, wie es sein könnte; aber wir leben doch in einem Zeitalter der Reformen, und wir müssen anerkennen, daß es zwar langsam, aber doch mit jedem Tage besser wird." „Unsinn!" platzte Peter gereizt heraus, „nichts wird besser! Schlimmer wird es mit jedem Tag, und diese Welt wird nicht eher begreifen, was ihre Aufgabe ist, als bis ihr die Bude über dem Kopfe brennt." „Ei, Herr Maurermeister", warf Haßlach dazwischen, „Sie wollen doch nicht etwa helfen, ihr die Bude in Brand zu setzen?" Peter maß den also Fragenden mit einem grimmigen Blicke; alle Unzufriedenheit, die in seinem Herzen gärte, mußte sich diesem Manne gegenüber einmal Luft machen. „Das werden andere besorgen, Herr Haßlach, die Esel, die sich in dieser Bude behaglich fühlen! O, wenn Sie auch ungläubig lächeln, ich sage Ihnen, der Tag der Abrechnung wird eher anbrechen, als Sie vermuten!" Haßlach war einen Moment betroffen und sagte dann kühl: „Ich ziehe es vor, dieses Zimmer zu räumen, ehe ich mir von einem Manne Anzüglichkeiten sagen lasse, auf die ich Ssurrnbiut. ßtontan von Gerhart v. A m y n t o r (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Sie waren noch mit Messer und Gabel beschäftigt, als die Tür aufging nnd Herr Haßlach, wie immer sorgfältig, aber altmodisch gekleidet, über die Schwelle trat. Sein ehrliches, pockennarbiges Gesicht, das ans zwei hohen, steifen, dolchähnlich zugespitzten Vatermördern heraussah, nahm einen Ausdruck vorwurfsvollen Staunens an: „Hier speisen die Herrschaften? Mein Gott, das ist ja noch ungemütlicher als in einen Biwak. Warum sind Sie denn nicht zu mir heraufgekommen, verehrter Herr Sozius? Das Fräulein hätte doch oben wenigstens ein Tischtuch und eine Serviette gefunden." Adolf lächelte gutmütig : „Nehmen Sie es uns nicht übel, Herr Haßlach, aber wir trauten Ihrer Junggesellenwirtschaft keine besondere Leistungsfähigkeit zu. Sie sehen, es geht hier ganz vortrefflich; ich habe einen wahren Wolfshunger." „Das glaube ich, Sie haben auch Wunder gewirkt; die Werkstätten für die Holzblasinstrumente sind ja schon fix und fertig — bin eben dort gewesen." „Hier sitzt mein Helfer", sagte Adolf, auf Sabine deutend „ohne Fräulein Meerholts llnterstützung wären wir noch lange nicht so weit. Haßlach schaute mit Wohlgefallen auf das Mädchen, so hübsch wie heute war sie ihm noch nicht erschienen; wenn er auch ein hartnäckiger Junggeselle war und sich heimlich gefreut hatte, als damals seinem Sozius von Sabinen der Laufpaß geschrieben worden war, so dachte er doch unwillkürlich, daß die Anwesenheit eines so reizenden Frauenzimmers in feuient öden, fast nur von Männern bewohnten und besuchten Hause gar nicht so übel gewesen wäre. . „Da muß ich mich also bei Ihnen, Fräulein Meerholt, noch besonders bedanken", versetzte er mit einer altfränkischen Verbeugung: „ich habe bisher nicht gewußt, daß Frauenhände auch bei der Einrichtung einer Werkstatt von Nutzen sein köni en." „Was man gern tut, Herr Haßlach, das lernt man auch bald verstehn", erwiderte Sabine, die ihr reizend geschnittenes Näschen aus dem großen Bierglase hob, aus dem sie ebeu getrunken hatte; „es ist nicht das erste Mal, daß ich Herrn Dechners Werkstatt in Ordnung gebracht habe —, wenn er nur mit diesem Freundschaftsdienste zufrieden ist! O, wie entzückt lauschte Adolf diesem unbefangenen Geständnisse! Vielleicht durfte er doch noch hoffen, daß ihm Sabine ihr Herz wieder erschließen würde; Freundschaft zwischen den Geschlechtern ist ja mit Liebe so nahe verwandt! Eine vierte Person trat unvermutet ins Zimmer. Es war Peter, der im Vorbeigehen nachsehen wollte, wie sein Zwillingsbruder hier untergekommen war. Er stutzte, als er 698 mir eine Antwort habe: stillschweigende Verachtung." Er verbeugte sich gemessen vor Adolf und Sabine und ging mit energischen Schritten hinaus. , Adolf war, aufs peinlichste berührt, hinter Peter getreten und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du hättest Dich nicht so gehen lassen sollen,. Peter: Wozu soll das führen? Du hast Dir einen Feind mehr gemacht und ganz vergessen, daß ich der Sozius des Herrn Haßlach bin." ’’ „Er wird Dir's nicht nachtragen", sagte Peter, den Kopf nach dem Bruder herumwendend; „daran werden ihn schon die schönen Augen Deiner Braut verhindern, die doch nun wohl bald hier als Hausfrau schalten und walten wird; er ist, wie die meisten alten Junggesellen, ein verliebter Geck, der für einen huldvollen Blick Sabinens wie ein Pudel über den Stock springen wird." „Du sprichst von meiner Braut?" versetzte Adolf in höchster Verwirrung; das Blut war ihm bis in die Stirne emporgeschossen. „Du scheinst zu vergessen, daß — ich — ich habe doch keine Braut mehr." „Was sagst Du dazu, Sabine?" fragte Peter, nun mit dem Forscherblick eines Inquisitors das purpur-übergossene Antlitz des Mädchens musternd. „Erlaubst Du ihm, daß er Dich so schnöde verleugnet?" Und da Adolf und Sabine in verlegenem Schweigen verharrten, fuhr er belustigt fort: „Kinder, so verstellt Euch doch nicht länger! Mir werdet Ihr doch nichts weiß machen wollen; daß Ihr Euch längst wiedergefunden, das sieht ja ein Blinder. Wer anders, als nur die Braut, richtet dem Bräutigam mit so viel Hingabe und Umsicht das Nest ein? Und wenn Ihr in meiner Gegenwart so kühl gegeneinander tut, so will ich gehen, um Eurer Zärtlichkeit nicht länger im Wege zu sein." Er hatte sich erhoben und Sabinens zuckendes Händchen gefaßt: „Ziere Dich nicht so, Sabine! Ich bin wahrlich nicht eifersüchtig, ich gönne Dir ihn von Herzen, meinen viel besseren Bruder. Daß ich nicht zur Ehe tauge, das habe ich längst eingesehen; ich bin ein unsteter, friedloser Gesell, ich könnte kein Weib glücklich machen. So geh' und gib ihm einen Kuß, damit ich sehe, daß ich Euch nicht hinderlich bin." Er schob sie mit sanfter Gewalt seinem Bruder zu. Sie sträubte sich und stammelte mit schämig gesenktem Köpfchen: „Ich weiß ja nicht, ob er mich überhaupt noch mag —-?" „Ich Dich nicht mögen?" jauchzte Adolf beseligt. „Sabine! Geliebte! Soll's denn wahr sein? Darf ich Dich wieder meine süße, kleine Braut nennen?" Sie hob ihr Antlitz und nickte ihm durch Tränen lächelnd zu. Da zog er sie stürmisch an seine Brust und bedeckte ihre Stirn und Wangen mit Küssen, die nicht minder feurig waren, als einst die Küsse seines Bruders; die lange Trennung von der Geliebten hatte eine Glut in ihm angeschürt, deren er früher gar nicht fähig gewesen wäre. Peter, der das Glück der beiden betrachtete, empfand ein schmerzliches Zucken des Herzens; etwas wie Reue wollte sich in ihm regen, daß er jetzt Zuschauer sein mußte, wo er selbst die Rolle des Liebhabers hätte spielen können. Aber schnell ging diese Empfindung vorüber; er hatte nicht mehr Zeit und Neigung, an die stillen Freuden der Liebe zu denken, jetzt, da er ganz andere Dinge im Kopfe hatte. Ein Gefühl der Genugtuung überkam ihn, daß er mit seinem berechneten Verhalten ein altes Unrecht gesühnt und zwei Herzen wieder zusammengebracht hatte, zwischen die er als rücksichtsloser Störenfried getreten war. Adolf war ihm immer eilt so zuverlässiger Freund und Bruder gewesen, daß er sich die eben bewirkte Versöhnung des Brautpaares wie-einen wenigstens teilweisen Abtrag seiner Dankesschuld gegen ihn anrechnen zu dürfen glaubte. „Ich sehe, ich bin hier jetzt übrig", hob er leicht spöttisch an; „wenn Ihr nach dem Standesamte fahrt, steh ich Euch als Zeuge zur Verfügung, nur verlangt nicht von mir, daß ich der kirchlichen Trauung beiwohne. Und nicht wahr, Sabinchen, Du trägst Deinem Schwager nichts nach? Wenn er auch ein gallsüch tiger Patron ist, er meint es doch-gut mit seinen Freunden." Er stand schon im Rahmen der Tür, als er, sich noch einmal zurückwendend, dem Bruder winkte. Adolf folgte dem Zeichen und ging mit dem Scheidenden durch die anstoßenden beiden Zimmer bis nach dem Flur. Dort näherte Peter seine Lippen dem Ohre des andern und sagte dringend: „Du mußt mir einen Dienst erweisen: Wieviel Geld kannst Dir augenblicklich entbehren?" „Entbehren? Nun, weißt Du, Peter, entbehren kann ich augenblicklich so gut wie gar nichts. Der Umzug, die Neueinrichtung ......" „Kosten Dich Geld, natürlich. Aber trotzdem mußt Du mir unter die Arme greifen; kannst Du mir wenigstens dreihundert Mark leihen? Ich bin völlig auf dem Trockenen." „Dreihundert! Das ist ein wenig viel — könntest Du Dich nicht mit der Hälfte begnügen?" „Willst Du mit mir feilschen? Ich bin in der Not!" „Wenn Du in Not bist —, dann freilich, dann gebe ich dir das Letzte, was ich habe." Er hatte schon seine Brieftasche hervorgelangt und entnahm derselben drei Einhundertmarkscheine. „Hier, Peter, steck es ein, es ist der Restbestand meiner Monatskasse, aber ich werde mich schon durchschlagen." „Dank, Du Guter! Wenn Du mich einmal nötig hast, so rechne auf mich!" Wehmütig blickte Adolf dem Enteilenden nach. „Der Aermste," dachte er, „ist stets in Verlegenheit, und doch hätte er es mit seinen herrlichen Anlagen schon längst zu einigem Wohlstände bringen können. Ein brüderliches Herz hat er aber. Nur seiner freundschaftlichen Vermittlung verdanke ich die wiedergewonnene Braut; nie will ich ihm vergessen, was er heute an mir getan hat." Peter eilte in der Friedrichstraße nordwärts, kreuzte die Straße Unter den Linden und erreichte die Wölbung der Stadtbahn, die nahe dem Bahnhofe Friedrichstraße einender kräftigst pulsierenden Verkehrsadern der Reichshauptstadt überbrückt. Er zog die Uhr und sah, daß er die Stunde des verabredeten Stelldicheins schon um zehn Minuten überschritten hatte. „Guten Tag, Herr Maurermeister!" grüßte ihn ein hochgewachsener, elegant gekleideter Herr, der ihm lässig entgegengekommen war und nun Kehrt machte, um ihm das Geleit zu geben. Leiser murmelte er ein vorwurfsvolles „End- / lich! Ich glaubte schon. Sie hätten sich anders besonnen." „Ich habe A gesagt", gab Peter ebenso leise zurück, „und werde nun auch B und E und so fort sagen bis zum Z." „Bravo! Das wird uns. beiden nützen!" „Wohin gehen wir?" „Immer gerade aus; dort weiter unten ist eine Kneipe, in der wir um die jetzige Stunde kaum jemanden treffen werden, außer dem Wirte, uud für den stehe ich ein." Peter nickte; er war mit dem Vorschläge seines Begleiters einverstanden. Wer die beiden genauer betrachtet hätte, würde sie für Vertreter ganz verschiedener. Gesellschaftskreise gehalten haben; der untersetzte, mittelgroße Peter in seinem bescheiden neu, schon ziemlich abgetragenen schwarzen Tnchrocke, einen zerknüllten, weichen, grauen Filzhut auf dem unordentlichen dunklen Fetthaare, die kräftig entwickelten Hände ohne Handschuhe dem Staube und Sonnenbrände ausgesetzt, verriet auf den ersten Blick den in die Tretmühle der Erwerbsarbeit Gebannten, und die tiefe Falte zwischen seinen schwarzen Brauen und der herbe Zug um seine glattrasierten, geknif-» fetten Lippen ließen nicht gerade vermuten, daß für ihn das Handwerk einen goldenen Boden habe; der andere in seinem modischen, hellen Sommeranzuge, einen hellgrauen, mit glänzender Seide gefütterten, leichten Ueberzieher über dem Arme, beit spiegelblanken Zylinder auf den grau gesprenkelten, ziemlich kurz geschorenen Haaren, in prall fitzenden, mäusefarbenen Glacss und hocheleganten, ziegenlcdernen Schuhen, erschien vom Scheitel bis zu den Zehen als ein vornehmer Kavalier, dem die Prosa der Nahrungssorge wohl noch nie im Leben nahegekommen war. „Donnerwetter!" spöttelte Peter nach einer Weile stillschweigenden Fortschreitens, während der er seinen Begleiter wiederholt von der Seite flüchtig gemustert hatte - - „mit einem so patenten Herrn darf ich mich eigentlich gar nicht sehen lassen — man wird mich für Ihren Bedienten halten." „Der würde eine Livree tragen," belehrte ihn der andere, „und nicht die Bourgeois-Uniform: den.verdammten schwarzen Tuchrock. Uebrigens, es ist mir ganz erwünscht wenn man mich für was besonderes hält, seit acht Tagen bin ich es auch — er neigte sich zum Ohr seines Begleiters und flüsterte: „Ich bin der Marquis Carvalho." „Wozu denn die ewigen Vermummungen?" „Die haben ihre guten Gründe; diesmal bin ich direkt von Rio de Janeiro gngekommen und halte mich nur wenige Tage hier auf; in kurzem gehe ich in eines der böhmischen G99 Bäder und kehre dann im Spätherbst nach Brasilien zurück. Doch da ist die Kneipe — Kommen Sie! Wir wollen eine Tasse Kaffee trinken." (Fortsetzung folgt.) Die Mche im November. Von A. B u r g. Ans fctft. allen Gegenden Deutschlands kann man es hören: Der Kohl dieses Jahres ist im allgemeinen vorzüglich wohlschmeckend und gut geraten. Ganz besonders beliebt in der Saison der Gänse und der Hasen ist der Rotkohl und der Sauerkohl, die beide eilte angenehme Zukost bilden. Nun hat man schon öfter die Frage und Klage gehört, baß der int Hause aufgetischte Kohl nicht so gut schmecke wie der im Restaurant. Vielleicht liegt das daran, daß in Speisehäusern ost der Sauerkohl mit Weißwein gewürzt wird, eine Zutat, welche die Hausfrau nicht leicht spenden kann; manchmal aber auch daran, daß der Kohl nicht ganz richtig behandelt wird. Auf jeden Fall muß man beim Einkauf darauf achten, daß man den Kohl möglichst aus der Mitte erhält. Dauu muß er in kaltem Wasser gut aus- gewaschen und, abgetropft, daraus tznit siedendem Wasser gebrüht, oder 5—6 Minuten abgewellt, mit frischem gekühlt, ausgedrückt und abgetropft werden. Am besten nimmt man zum Kohlkochen gutes reines Schweine-, nach Belieben auch Gänsefett. Außerdem ist ebenso wie beim Rotkohl darauf zu achten, daß der Kohl in ganz weiß emailliertem Kochgeschirr gekocht wird. In Eisengeschirr bekommen beide Kohlarten eine häßliche/' unappetitliche Farbe, und irdene Kochgeschirre, die eigentlich die allerbesten dazu sind, sind im allgemeinen selten vorhanden. Die Farbe von Rotkohl frischt man übrigens ganz zu Ende der Kochzeit auf, (schon nachdem man ihn mit etwas in Zucker gedünstetem Mehl seimig gekocht hat), indem man schnell einige Löffel kochenden milden Essig dazu mischt. Daß der Rotkohl am besten mit dem einfachen Süß- mittel unserer Großmütter und Urgroßmütter, dem braunen eoirup, gesüßt wird, ist nicht allgemein bekannt. Er gibt dem Gemüse ein besonders gutes Süßaroma,das sich ebenso vorzüglich für Teltower oder einfache weiße Ruben eignet. Es ist selbstverständlich, daß jede Hausfrau ein so wohlfeiles Gericht, wie es unser guter Sauerkohl darstellt, öfter einmal aufzutragen wünscht, doch scheitert dieser Wunsch oft au der Tatsache, daß ihr nicht zahlreiche Bereitungsarten bekannt sind. Zunächst wird in der deutschen, Küche dep Sauerkohl fast stets nur als Gemüse, niemals als Salat gereicht, eine Form, in der in Rußland außerordentlich beliebt ist. Dazu wird der Kohl mit klarem Wasser gewaschen, ausgedrückt, wenn man will, mit siedendem Wasser abgewellt, mit frischem gekühlt, ausge- drückt und mit einer aus Senf, Oel, Essig, Zuckers Pfeffer, wenn man sie dazugeben will, auch etwas saurer Sahne angemacht. Ein wohlfeiles Gericht ist eine Sauerkohlpastete mit Aepfeln und Schinken oder mit durchwachsenem Speck'. Ter Kohl wird gewaschen, gebrüht, gekühlt und ansgedrückt, die Aepfel werden geschält, in Viertel geschnitten und vom Kernhaus befreit, der Schinken wird in Schechen geschnitten. Eine feuerfeste Form oder Auflanfform streicht man mit Butter aus, legt eilte Schicht Sauerkohl hinein, bestreut es mit Butter- oder Schmalzflöckchen, läßt eine Schicht Apselviertel folgen, darauf eine Schicht Schinkenscheiben, nochmal die gleiche Reihenfolge, Kohl, Aepfel, Schinken, obenauf legt man wieder Kohl, befällt die Oberfläche mit ein paar Löffeln saurer Sahne oder bestreut sie nur mit geriebener Semmel und Butier- slöckchen nnd läßt die Speise, die in der Form aufqetragen wird, in gleichmäßiger Hitze iy2—■1% Stunden backen. Man kann auch gargeschmorten Sauerkohl, durchgerührte gekochte Kartoffeln und von Haut und Gräten befreite gekochte Fischreste schichtweise in eine ausgestrichene Form legen, muß aber natürlich etwas Schmalz oder Butter dazwischen geben und backt dieses Gericht im Ofen, bis es auf der Oberfläche goldgelb geworden ist. — In dieser Jahreszeit der fetten Gaus und der (allerdings nur in ländlichen Wirtschaften) stattfindenden Schweineschlächterei, gehört die Be- reit n.; von Schmalz zu deo Vesvuberen Gcp l ge heilen. Und auch da, wo die Verarbeitung des „ganzen Schweines" nicht stattfindet, also in allen den tausenden städtischen Haushaltungen, wird der Bereitung von Schmalz Interesse entgegengebracht. Da hört man oft die Frage oder die Klage, daß man die Grieben nicht so gut verwerten könne. Und es ist doch der Ruhm jeder Hausfrau, nichts unverwertet zu -lassen. Die Haltbarkeit und der Wohlgeschmack der Grieben oder, wie man in südlicheren Gegenden sagt, „Grammeln", ist beschränkt. In ländlichen Küchen Norddentschlands liebt man es sowohl für den herrschaftlichen als für den Leutetisch, abends zu Kartoffeln in der Schale „Äepfel-Grieben" zu geben, d. h, zu den mit etwas flüssigem Fett wieder auf gelindes Feuer gestellten Grieben gibt man eine Anzahl kleiner ganzer rundgeschälter oder größerer zerschnittener geschälter Aepfel, und wenn man diese Zutat liebt, einige kleine geschälte Zwiebeln und läßt die Aepfel weich schmoren. Das Feuer muft ganz klein sein, damit die Grieben nicht etwa dunkel werden. In der ungarischen Küche verkocht man die Grieben mit feingehackten Zwiebeln und etwas Paprika, muß aber fortwährend diese Mischung mit dem'Holzlöffel rühren, dann fügt man etwas heiße süße oder saure Sahne dazu und gibt diese „GrammelMaprika" in eine erwärmte Schüssel. .Gerostete Weißbrotschnitten werden nebenher gereicht. In Haushaltungen, in denen etwa zu Martini eine Gans für den Tisch genügt, ist oft die schwierige Frage, was mit der Leber geschehen soll, die, gebraten, nicht für die Tischgenossen ansreicht. Eine Gänseleberpastete zu bereiten, ist zu Mühsam und bedarf auch kostspieliger Zutaten. Aber ein Lebenpain ist bald hergestellt, und bedeutet, erkaltet und aufgeschnitten, einen vortrefflichen Belag. Dabei sei gleich erwähnt, daß die Haltbarkeit begrenzt ist, länger als zwei Tage läßt sich dieses Gericht am kühlen Ort kaum ausbewahren, deshalb ist es auch geraten, die Pain nur von einer Leber zu machen. Diese wird in Milch gelegt, dann gewaschen, von allen Röhrchen, Haut und Sehnen befreit und feingeschabt. Ungefähr ebensoviel Schweinefleisch hat man gehackt ober man schabt soviel gekochten erkalteten Speck und mischt beides. Inzwischen hat man 3—4 von der Rinde befreite altbackene Semmeln in etwas Brühe oder Wasser geweicht und ausgedrückt und 1—2 kleine geschälte Zwiebeln gerieben. Beides, Semmelbrei und Zwiebeln, dünstet man iit etwas zerlassener Butter gar und zu steifem Brei. Dieser wird ebenfalls zu Leber ,und Fett, gemischt, dazu gibt man ein Eidotter, Salz, weißen Pfeffer, gemischtes Gewürz, etwas geriebenen Parmesankäse und schmeckt bett Teig ab. Eine längliche viereckige Form, wie zu Kastenlüchen ober auch eine kleine einfache runde Auflaufform von Blech, streicht man fett mit guter Butter aus, gibt den Leberteig gleichmäßig hinein, legt Scheiben von fettem Speck oder ein mit Butter bestrichenes weißes Papier darüber, (die Butter nach unten), stellt die Form tu den Bratofen und läßt das Pain eine gute Stunde backen. Nach dein Erkalten wird es aus der Form gestürzt. Diese Zusammenstellung gibt einen guten Ersatz für Gänseleber- wurst, bereu Bereitung im Haushalt am Fehlen der notwendigen Därme scheitert. — Daß neben der Gans, die von Schlachtgeflügel diesen Monat beherrscht, auch die Enten vorzüglich und sehr geschätzt sind, ist selbstverständlich. Leider sind sowohl Gänse als aiich Enten, sobald es sich um beste Ware handelt, nicht billig. AM begehrtesten sind immer die Gänse Mecklenburgs, Pommerns und des Oderbruchs, weil in jenen Gegenden die besten Vorbedingungen für das Gedeihen dieser beiden Geflügelarten gegeben sind: Weide, Stoppeln, klares Wasser und zuletzt sachgemäße Hafermast. An Wildgeflügel bietet der Lebensmittelmarkt die ersten Fasanen, die aber noch nicht das besondere Interesse erregen, da die Hasen eigentlich das Saisonwild sind. In kleinen Vorräten senden auch die nordischen Länder schon Hasel-, Birk- und Schneehühner. Die kühlere Jahreszeit ist allen Seefischen wohlgesinnt, am besten aber sind int November alle Plattfische, z. B. große Schollen, die man in geräuchertem Zustand Flundern nennt, dann die mit Recht auch für festliche Gastrnählcr so geschätzte Steinbutte, die manchmal durch die ein wenig wohlfeilere Heilbutte ersetzt wird. Auch der Lachs ist in dieser Zeit von besonderem Wohlgeschmack, am höchsten (auch im Preise) steht der Rheinlachs mit seinem köstlich dunkel gelben Fleisch; die aus dem Osten kommenden Vettern: bet Bornholmer, der Weichsel-, der Silbrrlachs haben weniger fettes und helleres Fleisch, bilden aber nichtsdestoweniger einen guten Ersatz. Das gleiche gilt vom amerikanischen Räucherlachs, der seit einer Reihe von Jahren sich gut hier ein geführt hat. Krebse und Forellen haben Schonzeit, so weit es sich um solche aus offene» Gewässern, also aus Flüssen und Bächen handelt, sie werden ja auch in Teichen gezogen und deshalb brauchen diejenigen, die beides besonders gern essen, nicht darauf zu verzichten. Beim Türmer. Es ist ein prachtvoller Herbsttag. Die vergangene kalte Nacht und der frische Morgen haben den Herbst in der Natur noch deutlicher als seither Hervortröten lassen. Die reizvolle, inannigfaltige Farbenpracht des Waldes und der Obstbäume gibt unserem Städtchen eine wundervolle Umrahmung. Da lohnt es sich, die Welt auch einmal von oben herab zu betrachten, von unserem Turme aus, der der Silhouette unseres Stadtbildes den charakteristischen Zug verleiht. Schon für uns „Schuljungen" bedeutete der Turin ein oft und gern aufgesuchter Ort. Ein besonderes Vergnügen war es für uns, um 11 Uhr, 1 Uhr oder abends hinauf zu klettern und die Glocke zu läuten, und der Turmwächter hatte Verständnis für unsere kindlichen Neigungen und Späße. Die dunkle Wendeltreppe und die Wohnräume oder vielmehr Wohnräumchen waren uns wohlbekannt. Unsere Kinderzeit ist vorüber, aber erfreulicherweise ivohnt immer noch der alte Turmwächter da droben. Drunten im Städtchen und in seiner Umgebung hat sich manches geändert. Zwar sind die üppigen Wälder und Felder dieselben geblieben, aber eine erfreuliche Entwicklung in der Ausdehnung des Städtchens läßt überall deutlich die Spuren eines Fortschritts in Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie erkennen. Fast überall, besonders am Bahnhofe sind neue Gebäude entstanden. Industrie und Gewerbtätigkeit sind um ein bedeutendes Stück gefördert. Früher hatte die Tnrmuhr hier allein das Privileg, die Zeit anzugeben; heute machen ihr einige industrielle Betriebe durch ihre Signale für die .Arbeitspausen dieses Vorrecht 700 streitig. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wnd man von hier oben ans auch an den scharf und rechtwmkllg ge-, schnittenen Meckern und Wegen die fertiggestellte Feldberpt- nigung erkennen können. Nur wäre zu wünschen, daß die allgemeine Vorwärtsentwicklung in Industrie, Landwirtschaft und Gewerbe so weiter fortschreitet und eine parteilose Unterstützung der verantwortlichen Stelle der Gemeinde-Verwaltung finden möge. Wenn da unten auch manches anders geworden ist, so scheint doch der Turm mit fernem alten Wachter konservativ an der Vergangenheit festzuhalten. Telephon, Wasserleitung, elektrisches Licht und andere moderne Einrichtungen hat er von sich fern gehalten. Und wie und warum sollte es auch anders sein? Es scheint, als hatte der alte Festungsturm, der durch Jahrhunderte hindurch schon manchem Sturm trotzte und schon vieles kommen und gehen sah, auch seinen treuen Wächter gegen alle menschlichen Gebrechen gefeit; 81 Jahre alt, 52 Jahre lang Turmwachter! So tut er, der Typus eines Türmers nut dem charakteristischen runden Käppchen auf dem ergrauten Haupte, Tag für Tag seinen Dienst, wenn auch die Zeit schon lange vorüber ist, da er Tag und Nacht von seinem Turinstübchen aus mittels eines an einem langen Seile befestigten Klöppels jede Stunde selbst schlagen mußte. Seine Fertigkeit im Treppenlaufen ist heute noch erstaunlich. Er läßt es sich nicht nehmen, dem Besucher des Turmes die Umgegend, sein Sprachrohr, Einzelheiten der drei Glocken, das Uhrwerk, tue Pechnasen und manches andere genau zu erklären. Vor einiger Zeit hat er sein 50 jähriges Jubiläum als Turmwächter gefeiert. Man hat ihm gratuliert; auch unser wohlhabendes Städtchen hat dies nicht versäumt und ihn außerdem durch ein ^nbUamns- geschenk von 50 Mk. erfreut. Aber ich glaube, daß hie Hohe dieses Betrags im Verhältnis zur Länge ferner Dienstzeit und zur Höhe seiner luftigen Wohnung etwas knapp bemessen war, jedoch wird mail für sein hundertjähriges Jubiläum mit mathematischer Konsequenz mindestens 100 Mk. m den Gemeinde-Etat einstellen müssen. warum müßen wir schlafen? Die Antwort auf diese Frage lautet ohne weiteres: weil wir müde sind, das heißt, weil unsere Nervenzellen durch die tagsüber aeleistete Arbeit so viel Ermüduugsstoffe angesammelt haben, datz der Blutkreislauf nicht medr im Stande ich diese Stoffwecbfcl- produkte iortzuschasfeu, daß also in den Nervenzellen „erst eine Ruhe- veriode eintreten mutz, um dem Blute diese seqr notige Arbeit zu ermöglichen. Während des Schlafes ruhen unsere Nervenzellen vollständig, und bann können, da ja keine neuen Ermutungsstotze gebildet werden, die angehäuften mit Leichtigkeit fortgegchafst werben. Die Nervenzellen verhalten sich in dieser Beziehung ganz anders wie andere Zellkomplexe unseres Körpers, z. B.^die deS perzeus und der Lmige, die immer, selbst im tieglen schiene, m vo.ier Tätigkeit sind und bereu Stoffwechselprodukte daher immer restlos durch das Blut beseitigt werben müssen. Ist nun Ermüdung zur Herbeiführung des schlafe^ unbedingt nötig? Wir sind geneigt, diese Frage zunächst zu uernemen, denn viele Menschen, die den ganzen lieben Tag nicht die geringste Arbeit geleistet Halen, bei denen also von einer Ermüdung nicht gesprochen werben kann, schlafen trotzdem prachtvoll und behalten ihren gesunden Schlai ohne jede Arbeitsleistung viele Fahre lang. Wie reimt sich das nun mit der Ermüdung zusammen? Wenn wir auch den ganzen Tag die Hände in den schoß legen unb nicht die geringste körperliche' ober geistige Arbeit leisten, so werben unsere Nervenzellen doch miibe, beim unsere Sinnesorgane sind fortwährend in Tätigkeit. Die Nerven nuferes Gesichts- und Gehörsinnes, unferes Geruchs- und Kefühlssinnes empfangen wrt- während Reize von autzeii, durch die sie zur Tätigkeit angeregt werben, sie müssen also auch iortbauernb arbeiten, das heißt Stoff- wechselprobukte bilden. Trotz des Mangels an geistiger und körperlicher Arbeit bilden sich also in den tätigen Nervenzellen die Ermüdungsstoffe, zu bereit Entfernung die Periode des Schlafes unbedingt nötig ist. Daß das Schlafbedürfnis bei arbeitenden Menschen größer ist als bei körperlich und geistig Ruhenden, tit selbstverständlich, da ja bei ihnen bebeuteub mehr Ermudungsstoffe gebilbet werben. ..... In interessanter Weise ist neilerdings durch zwei frauzoiische Forscher die Erinüdung der Nervenzelleii als lirsache des Schlafes experimentell nachgeiviesen worben. Man wußte seit längerer Zeit, daß bis durch anstrengende Arbeit hervorgerufene Ermüdung in den Festen sich dadurch kennbar macht, daß bei den ermüdeten Nerven der Inhalt der Zellen sich bebeutenb verändert. Die Nervenzellen haben außer ihrem Rern zahlreiche dunkle Partien im Protvplasina, die man „Schotten" nennt. Bei ermüdeten Zellen nehmen nun diese Schotten bedeutend ab, um schließlich zum größten Teile oder sogar ganz zu verschwindeit. Tie Forscher verhinderten nun in ihrem Experiment mehrere Hunde, die keinerlei Arbeit leisteten, lange Zeit hindurch, bis zu 250 Stunden, also übet 10 Tage und Nächte lang, nm Schlafen. Tie Untersuchung der Nervenzellen dieser Tiere zeigte nun, daß bei ihnen ebenfalls die Schotten aus dem Innern der Zellen verfchivunden waren, daß sie also einen hohen Grad von Ermüdung zeigten. Wenn die Forscher von der nusgepreßten Gehirnflüssigkeit dieser schlaflosen Hunde kleine Quantitäten anderen normalen und munteren Hunden ein- spritzten, bann wurden diese sofort müde und zeigten ein großes Schlafbedürfnis; in ihren Körper waren also aus künstlichem Wege Ermüdungssloffe gelangt, die im ruhenden Zustand der Nerven, also im Schlafe, ivieber weggeschasft werden mußten. AuS diesen Versuchen geht unzweideutig hervor, daß der Schlaf durch die Ermüdung der Nervenzellen hervorgernien wird, und daß er durchaus nötig ist, um die angehänflen Ermüdungsstoffe aus den Zestenkomplexen wieder zu entfernen, das heißt mit anderen Worten, um Geist und Körper wieder frisch und fähig zur Arbeit zu machen. 0. K. Vermachtes. kos. Wolf unb H u n d. In Gegenben, in denen viele Wölfe Hansen, haben die eingeborenen Jagdhunde eine unüberwindliche Furcht vor ihnen. Treffen sie auf eine irische Wolfe spur, so eilen sie mit eingeklemmtem Schweife und gesträubten Rückenhaaren zu ihrem Herrn unb nehmen unter keinen llmftätiben die Wol sfährte an, selbst dann nicht, wenn' es ein angelernter Wolfspacker vor ihnen tut. Dies bezieht sich auf Hunde, die in den Bergdörfern der Karpathen und ivansMvanischen A'pen anfwuchsen und in Winternächten Gelegenheit hatten zuzusehen, wie mancher ihrer Geiährten vom Wolfe weggeschleppt wurde. Jagdhunde aus Gegenden, in denen Wölfe nicht vort'omm.en, nehmen dagegen die Wolissvur ohne Bedenken wie die des Fuchses an. Ich jagte in Siebenbürgen, so schreibt ein Leser bem Kosmos Hand weiser (Stuttgart!, mit einem deutschen Vorstehhunde, zwei Dackeln unb einer steirischen Bracke. Aste vier nahmen die frische Wolssspur an, nicht nur zusammen, sondern auch jeder astein, sie zeigten auch vor dem erlegten Wolfe keine Furcht, nur Kampiesgier, wie bei Füchsen. Die Furcht der eingeborenen Hunde beruht am bösen Erfahrungen, nicht auf allgemeiner Feigheit, denn dieselben Hunde fallen wütend den grimmigen Keiler an. Jagt ein Hund aufWild- fchwein, Fuchs oder Hafen unb kommt babei in ein Wolfsgehege, fo i t er verloren, ber Wolf fängt ihn unb schleppt ihn fort, wie er es auch mit bem Fuchs macht. Nimmt aber ein unerfahrener (selbst kleiner) Hund die Wolfsspur an unb rückt tautgebenb bem Meister Jsegrimm zu Leibe, so nimmt dieser Reißaus und wird dem Hunde nichts znleibe tun. Der Wolf ist so gewöhnt, daß die Hunde ihn ängstlich meiden, daß er sich durch einen verfolgenden Hund verblüffen läßt unb ihn wie ein ihm unbekanntes Tier miß» trauifch meidet. * Letzte Neuheiten. „Gewiß, diese neuen Seidenstoffe sind sehr hübsch, ein wenig gewagt vielleicht . . . Ich fürchte nur, daß sie für ein Kleid nicht gehen, weil sie sich iiichii an- bei) Sonne halten werden." „O nein, gnädige Fran, da brauchen Sie nichts zu fürchten. Dieser Stoff hat zwei Jahre im Schair- fenfter gelegen und sich nicht eine Spur verändert." viichrrtifch. — D ie Schaubühne, herausgegeben von Siegfried Ja- cobfohn, enthalt in der Nummer 45 ihres neunten Jahrgangs: Der Kaiser baut. Bon Robert Breuer. — Shakespeare. Bon Thomas Carlyle. — Venedig. Von Peter Ältenberg. — Emilia Galotti. Bon S. I. — Das Theatergeschaft: Rückblick und Ausblick Von Max Epstein. — Pygmalion. Von Alfred Polgar. — Ibsen und Maubert. Bon Julius Bad.— Der Abbs de Servy. Von Ulrich Rauscher. — Antworten. — Schirin unb Gertraude. Von Arthur Sakheim. — Tagebuch (Der alte Pagay: Peccavl). Bon Peter Panter. — Aus der Praxis. — Die Schaubühne kostet - 40 Pfennige die Einze.nummer, 3,50 Mark vierteljährlich, 12 Mark jährlich- Probenummern gratis und franko durch alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie durch den Verlag der Schaubühne, Charlottenburg, Dernburgstraße 25 Der Verlag ist auch bereit, neuen Interessenten auf Wunsch bte Schau-, bühne einen Monat lang zur Probe gratis und franko zu liefern. Rätsel. „Ta§ fchmeckt ja herrlich zu dem Brote!" Ruit der- Soldat mit Schmunzeln aus. Setz' statt des letzten Zeichens h und t, Sogleich erhältst du, ivas im Wald zuhaus. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Mir gab' es keine größ're Pciii, War' ich im Paradies astein. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Uuiversitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen.