am III „ Lsurrnblut. ßtoman von .Gerhart v. A m y n t o r (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) lieber Justs glattes, rasiertes, sonnengebräuntes Gesicht flog em Schimmer höchster Befriedigung, ein Auflächeln innerster Wonne und Seligkeit; er wollte des Assessors Hand an seine zuckenden Lippen ziehen; doch dieser litt es nicht, indem er weit die Arme öffnete und den kleineren Mann, der jetzt ebenfalls aufgestanden war, kräftig an seine Brust drückte. „Lassen Sie uns Freunds bleiben," sagte er tiefbewegt, „und als erstes Zeichen Ihrer Freundschaft erfüllen Sie mir einen Wunsch imb stecken Sie die vierhundert Mark, die Ihrer Rechnung nach den Brüdern Dechner zukommen, wieder ein unb stellen sie ihnen zu. Dann aber noch eine Bitte," fügte Teil hinzu, nachdem der andere ein paar Banknoten von der auf dem Tische liegenden Summe fortgenom-- men und in sein Ledertäschchen zurückgelegt hatte, „erwäh- nen Sie gegen niemand, daß die beiden,Dechner meine Stiefbrüder sind. Der -eine derselben, Adolf, ist Instrumentenmacher und, soviel ich weiß, ein ganz ordentlicher und braver Mann; aber Sie iverden begreifen, daß mir die nahe Verwandtschaft mit einem Handwerker nicht gerade zur Empfehlung in meiner Laufbahn als Staatsbeamter dienen würde--" „Warum denn nicht?" ivagte Just sehr bescheiden, aber doch einigermaßen verblüfft zu fragen. Tell lächelte: „Das verstehen Sie freilich nicht. Sie haben fünfundzwanzig Jahre im freien Amerika gelebt und alle Vorurteile wie Staub von den Schuhen geschüttelt. Glauben Sie nur ja uicht, daß ich meinerseits nicht die höchste Achtung vor dem ehrlichen Handwerk habe; ich beneide sogar in vielen Dingen meinen Stiefbruder Adolf, denn er ist ein zufriedener, stiller und glücklicher Mensch, dem es nach allen Seiten hin gelingt und der sicher einmal etwas Erkleckliches vor sich bringen wird; aber wie nun einmal die Dinge bei uns liegen, ist für -einen Assessor und Hilfsarbeiter int Ministerium, der bald noch höher befördert zu werden hofft, der nähere Verkehr mit einem Handwerker nicht gerade empfehlenswert; er würde mir schaden, mich in den Augen der Gesellschaft herabsetzen und verdächtigen; ich kann mich wirklich darauf nicht einlassen und muß, so leid es mir tut, dem Vorurteile der Welt Rechnung tragen." „Durch mich solleit Sie nie einen Nachteil erfahren, lieber Herr Assessor, das verspreche ich Ihnen beim Angedenken au Ihre Fran Mutter, die wir beide doch wohl lieb gehabt haben." „Ich danke Ihnen, lieber Herr Just, und freue mich, daß Sie mich nicht mißverstehen. Noch zwingender für mich liegt die Sache mit dem anderen Dechner namens (Beter. Der Mensch wollte durchaus nichts lernen, wenigstens nicht das, was er lernen sollte. Er fabelte immer davon, daß eu ein großer Baumeister werden und die Welt mit seinen epochemachenden Schöpfungen überraschen würde; den Weg aber, der ganz allein zu diesem Ziele hinführen konnte, wollte er nicht gehen. Besonders das Studium der alten Sprachen widerte ihn so au, daß ihn Herr Lampert aus der Tertia des Ghmnasiums herausnehmen und zu einem Maurermeister in die Lehre geben mußte. Im Anfänge ließ er sich ganz gut au; die praktische Tätigkeit schien ihm zu behagen; er besuchte in den Wiutermonateu eine Fachschule, wurde dann Geselle und arbeitet seit einem Jahr als erfahrener und brauchbarer Polier. Es hätte ihm, allem Anschein nach, ganz gut glücken können, ivenigstens ein tüchtiger und vielleicht auch ivohlhabender Meister zu werden, wenn er sich uicht mit Leib und Seele der politischen Bewegung angeschlossen hätte. Er ist politisch ganz radikal, und ich ivill und darf niemals daran erinnert werden, daß das Blut meines Vaters auch in seinen Adern fließt. Begreifen Sie, daß mich das Bekanntwerden von irgend welchen Beziehungen zu diesem anrüchigen Menschen unvermeidlich ruinieren würde?" . Friedrich Just nickte: „Ich begreife — ja, ja! — wenn ich auch uicht einsehen kann, warum das so sein muß, denn wie kann man für das Verhalten eines Bruders veraut- wortlich gem-acht werden? Soll man denn seines Bruders Hüter fein?" „In gewisser Hinsicht bin ich allerdings mit verantwortlich für die Aufführung meines Stiefbruders; denn man könnte aus feinem Verhalten doch einen Rückschluß auf die Kinderstube machen, die auch mir zuteil wurde." „Sie haben ja leider keine rechte Kinderstube keuneik gelernt; im Hause fremder Leute sind Sie aufgewachsen." „Das würde mich nicht entschuldigen, sondern vielleicht nur die mit belasten, die mir die rechte Kinderstube vorenthalten haben." Friedrich Just zuckte schmerzlich zusammeu: „So ma- djen Sie Ihrer armen Mutter einen Vorwurf daraus, daß sie den Heroismus besaß, sich von ihrem einzigen Kinde zu trennen, um es den Gefahren der Verwilderung auf ihren endlosen und abenteuerlichen Reisen zn entziehen?" „O nein, Herr Inst; ich segne das Andenken meiner Mutter, die mehr an mir getan hat, als tausend andere Mütter in gleicher Lage getan haben würden. Aber wenn man von meinen näheren Familienverhältnisseu erführe, würde man ihre Dunkelheit jedenfalls bemängeln imb sich mehr unb mehr von mir zurückziehen. Es ist schon besser, glauben Sie mir, wenn meine beiden Stiefbrüder gar nicht für mich vorhanden sind und meine Herkunft und Verwandl- schaft in keiner Weise erörtert werden; ich werde den beiden Dechners gewiß nichts in den Weg legen, hoffe aber, daß sie auch mir immer drei Schritt vom Leibe bleiben werden." Er machte eine Pause, in der er die noch auf dem Tische liegenden Banknoten zusainmenschob, um sie in feinem Schreibtisch zu verschließen, dann fragte er, einen mehr mun- 626 teren Gesprächston anschlagend: „Sind Sie denn jener Pfiffikus, der gestern meine Pflegeeltern vor eurem so empsino- lichen Verluste bewahrt hat?" „So wissen Sie schon? Ich denke, Sie haben Frarr Lampert noch gar nicht gesprochen?" „Meine Aufwärterin ist heute früh schon im Lampert- schen Hanse gewesen und hat mir von da die grosse Neuigkeit mitgebracht. An Ihnen ist ja ein Detektiv verdorben; wie kamen Sie denn nur auf die Vermutung, daß der fremde Baron ein Schwindler sei? Kannten Sie denn den Patron?" „Ich kannte ihn nicht und doch erinnert er mich an irgend jemand, der mir schon einmal in unliebsamer Werse mußte begegnet sein. Wie ich bemerkte, daß er Herrn Lampert nach Diktat schreiben ließ und dessen Vornamen auch als den seinen angab, da kam mir plötzlich ein unbezwingliches Mißtrauen gegen diesen gespreizt vornehmen Kunden, und ich beschloß seine Pläne, wenn sie etwa betrügerisch sein sollten, sofort zu vereiteln. Ich eilte, ohne mich'lange zu besinnen, zu Frau Lampert, um sie für alle Fälle zu warnen; der Erfolg'hat mir vollkommen recht gegeben. Wenn man, wie ich, lange in der Weit nmhergeworfen worden ist, hat man die Menschen kennen gelenit und traut ihnen im allgemeinen nicht viel Gutes zu." „Wissen Sie denn jetzt, wer es eigentlich war?" „Trotz meines schärfsten Nachsinnens kann ich es nicht herausbekommen; ich bedauere immer noch, daß mir Frau Lampert nicht gestatten wollte, die Polizei zu holen; wir hätten den Vogel eingefangen und dann hätte ich am Ende doch seine Art etwas näher bestimmen können. Vielleicht flattert er mir noch einmal über den Weg; dann soll er nicht wieder so ungerupft davonhuschen. Doch nun, mein lieber Herr Assessor, gestatten Sie mir, daß ich mich empfehle, ich muß mein Gewissen beruhigen und noch jene beiden aufsuchen, von denen ich Ihnen gegenüber nie mehr sprechen werde." Tell faßte die Hand des Scheidenden und schüttelte sie. „Adieu, mein lieber Herr Just. Wann werden Sie denn wieder nach Ihrem gelobten Lande zurückkehren?" „Mein gelobtes Land ist jetzt Deutschland; ich bleibe hier. Wenn man so lange vom Vaterlande fern war, dann lernt man alle seine Schönheiten und Vorzüge erst recht erkennen; glauben Sie mir, Herr Assessor, es gibt kein herrlicheres, anheimelnderes Land als das liebe Deutschland — Gott segne es!" , Der Assessor, der gar manches an den heimischen Verhältnissen ausznsetzen hatte, blickte den anderen, dem er viel eher eine gewisse Hinneigung zum Weltbürgertum zugetraut hätte, verwundert an. „Sie sind ja ein Idealist, trotz Ihrer fünfundzwanzig- jährigen amerikanischen Irrfahrt! Wohl Ihnen, wenn Sie Ithaka gefunden haben!" „Mein Ithaka? Das war ja wohl — warten Sie — rch hab's: das war die Heimatsinsel des Odysseus, nicht?" Und wie der andre nickte, fuhr er freudig fort: „Sehen Sie, so ganz habe ich meine Schulkcuntnisse noch nicht vergessen. Mein Ithaka! Gewiß, ich habe gefunden, was ich suchte, und freiwillig verlasse ich nicht wieder die heimische Scholle." „Was wollen Sie aber beginnen, können Sie denn als Rentner leben? Berlin ist ein sehr teures Pflaster." „Nicht teuerer als New York. Ich bin ein anspruchsloser, mäßiger Mann; ich werde mich schon einzurichten wissen. Und wenn es nicht reichen will, nun, dann verstehe ich auch noch dies und das, mit dem ich mir mein Taschengeld verdienen kann. Auf Wiedersehen, wenn Sie gestatten, mein lieber Herr Assessor." Er drückte aufs neue die Hand des anderen und schaute mit Genugtuung an dessen Tannenwuchs empor. Da blieb sein Blick wieder an dem Mensurschmisse haften, der des Assessors linke Wange zeichnete, und fast besorgt fragte er: „Sie haben da eine tüchtige Narbe — man hat Ihnen doch nicht etwa einmal nach dem Leben getrachtet?" Tell fuhr mit der Linken über die Narbe und lachte, „(gut Stammbuchzeichen eines meiner besten Freunde — nein, lieber Herr Just, so schlimm hat's niemand mit mir gemeint." „Das freut mich, das freut mich in der Tat. Ich möchte auch niemand raten, mit Ihnen ernsthafte Händel anzufangen, er bekäme es fortan mit mir zu hin." - „Ei, ei, ss würden Sie mein Sekundant sein,?" „Nicht Ihr Sekundant, vielmehr Ihr Helfer und Beschützer, Ihr Blitzableiter! Nur über meine Leiche hin geht hinfort der Weg zu Ihnen; wer Sie anrühren wollte, dem würde ich den Hals umdrehen." „Also Bundesgenossen auf Tod und Leben!" scherzte der Assessor, dem die jugendliche Erregbarkeit des entschlossenen Graukopfes ungemein gefiel. „Aus Tod und Leben!" bestätigte Just, und nach einem nochmaligen Händedruck war er zur Tür hinaus. Just zog auf der Straße die Uhr und sah, daß es schon in der siebenten Nachmittagsstunde war; wenn er Adolf Dechner, der nach Eintritt des Feierabends wahrscheinlich seine Werkstatt verlassen würde, noch antreffen wollte, mußte er eilen. Er nahm aber keine der am Magdeburger Platz haltenden Droschken, denn er war ein sparsamer Mann und scheute unnötige Ausgaben. Mit langen, elastischen Schritten ging er auf einen heranrollenden Straßenbahnwagen zu, schwang sich geschickt auf das Trittbrett und ließ sich bis zum Potsdamer Platz mitnehmen. Dort sprang er wieder ab, um sich auf einem Wagen der Ningbahtr nach dem nördlichen Ende der Friedrichstraße zu begeben. Obgleich er viele Jahre lang nicht mehr in Berlin gewesen war und gerade in dieser Zeit die Wandlung der Spreestadt zur Metropole des Deutschen Reiches sich vollzogen hatte, fand er sich doch mit der Umsicht des Weitgereisten sofort in die neuen Ver- kehrseinrichtungen, und nach wenigen kurzen Fragen an die Leute hatte er schon binnen vierundzwanzig Stunden die zweckentsprechende Benutzung der verschiedenen Straßenbahnlinien mit Sicherheit erlernt. Am Ende der Friedrichstraße angekommen, verließ er wiederum den Wagen und setzte seinen Weg in die Chansseestraße hinein zu Fuß fort. Bald bog er in eine der rechts abführenden Straßen^ein und blieb vor einem Hause mit einer hochgewölbten Toreinfahrt stehen. Er erhob sein Antlitz, prüfte noch einmal die Hausnummer, die er im Dämmerlicht gerade noch erkennen konnte, und entdeckte dann neben der Einfahrt ein Schild, auf dem in großen goldenen Buchstaben j)ie Worte standen: „Adolf Dechner, Instrumentenmacher. Hof rechts, zweite Tür." , , „Das wäre richtig," murmelte er vor sich hin und schritt nun weiter nach dem Hofe des umfangreichen Gebäudes. In der in diesem Hofe befindlichen Werkstatt Adolf Dech- ners hatte sich eben eine eigenartige Szene abgespielt. Der Bruder des Instrumentenmachers, der Maurerparlier Peter Dechner, war dort vor einer Viertelstunde eingetroffen, um Adolf zu besuchen. . „Nanu?" hatte Adolf verwundert gefragt, „ich denke, Dn bist in Giesdorf?" „Ich komme direkt von dort," hatte der Bruder erwidert, indem er seine Kappe aus der erhitzten Stirn abrückte, „wir schenken uns heute die Ueberstnnden; meine Leute sind abgerackert genug; gestern ist mir schon ein Steinträger jämmerlich abgefallen; man braucht sich für das dumme Pack doch nicht gerade die Hanl vom Leibe zu schinden; der dumme Glaskasten, den wir draußen bauen, wird noch zeitig genug fertig. Dann kann ja der Herr Baron von Brank unseren vornehmen Herrn Stiefbruder, den Herrn Assessor, mit hineinstellen und seinen Gästen als Wunderpflanze zeigen, ha, ha, ha!" Er lachte höhnisch und spuckte aus. „Na, na" mahnte Adolf gemütlich, „hab nur nicht wieder Deinen fürchterlichen Furor; mich bekehrst Du doch nicht." (Fortsetzung folgt.) Mythen Md Zagest im Menwald. Bon 5p a u s Otto B c ck. e r. Der Odenwald gehört zu den Gebirgen, die sich durch einen besonderen Reichtum an Mythen und Sagen auszerchnerr. Kein Wunder, ist doch der Odenwald eine alte Knltusstätte des germanischen Gottes Wotan und noch manche Erinnerung an alte Zeit lebt unbewußt in Volksherzen und in Volksbräuchen immer noch weiter. Hier darf aber erwähnt werden, daß der Name Odenwald mit dem Gotte Odin überhaupt nichts zu tun hat, obwohl man diese Ableitung des Namens des Gebirges öfters hören kann; Odin ist die nordisch-skandinavische Bezeichnung des Göttervaters und bei uns in Deutschland völlig unbekannt geblieben. Auf den Wotanskult ist jedenfalls die schönste aller romantilchen Sagen, die Mär vom Ritter R o d e n st e i n und dem S ch uel - lertsgeist zurückzuführen. Die Erscheinung ist ja bekannt,: mit Hussa und Hallo, mit Peitschenknall und Hundegebell saust unsichtbar durch die Lüfte die wilde Jagd und der wilde Jäger ist niemand anders als der alte Gott Wotan, den die christliche Kirche zu einer gespenstigen, teuflischen Wesen umgewandelt hat. Es ist 627 Ret Gott des Sturmes, der auf dem achtsüßigen Roß Sleipnir rettet, der Herr der Walküren. Der milde Jäger vom Rodenstein hieß sogar im Bolksmund der „Wöbe", aber keiner vermochte sich etwas darunter vorzustellen, nur der Name erinnert noch an Urzeiten. , Rodenstein und Schnellerts, beide längst Ruinen, liegen in eurer Gegend des Odenwaldes, die besonders reich ist an mythischen UN? romantischen Elementen. Der Rodenstein liegt, unweit Frän- n A°^rumbach am Ostabhang der Neunkircher Höhe. Neunkirchen selbst war mt Mittelalter Wallfahrtsort, da ein wundertätiger Onell dort floß, dies führt uns wieder auf heidnischen Quelleukult und auf uralte Zeiten zurück. Wildweibchenstein und Wildfraucn- Mus, zwei imposante Feldpartien auf dem schönen Berg, sind gleichfalls Stätten der Sage und berichten uns von Naturwesen, Felsweibchen, die dort gehaust. Die Ruine Schnellerts liegt auf einem der Neunkircher Höhe benachbarten mit ihr parallel laufenden Höhenzug, der Böllstciner Höhe, oberhalb von Nieder-Kains- bach. Die Böllsteiner Höhe ist gleichfalls eine Wotanskultusstätte unserer Vorfahren, bei denen sich hier.im Odenwald das Heidentum noch gar lange erhalten hatte. Wie eine Erinnerung an die nebel- duster.e Vorzeit starrt bei Wöllstein ein mächtiger verwitterter Granitblock von Hausgrösze zum Himmel empor; von ihm geht die Sage, daß. er sich bewege, ivenn der Hahn kräht. Er steht unter Denkmalsschutz, und das ist gut, denn die Bauern hätten beit morschen Riesen gar gern schon als Kies benutzt. Zwischen den beiden Ruinen Rodenstein und Schnellerts liegt das breite, fruchtbare Tal der Gersprenz, und dieses Tal ist der Schauplatz der gespenstischen Erscheinungen, die mit den beiden. Sagenstätten verknüpft sind, denn der Geist fährt von der einen Burg zur anderen und kehrt dann wieder zurück. Dabei nimmt er seinen Weg mitten durch den Hof eines Bauern in Ober-Kainsbach und in Fränkisch-Crumbach läßt er sich bei einem Schmied sein Rotz beschlagen. Immer aber hat der Auszug des Geistes etwas zu bedeuten; er kündet Krieg und Unruhen im deutschen Lande an, doch auch bei anderen Ereignissen, wie Kaiserkrönungen, zieht er um. Darüber sind uns noch amtliche Protokolle aus dem 18. Jahrhundert erhalten, und selbst bis ins 19. Jahrhundert, 1848, ist der Rodenstein noch gehört ivorden. Seitdem freilich nimmermehr. Tas hatte seinen Grund. In den sechziger und siebziger Jahren bss vorigen Jahrhunderts, die gewiß politisch stark bewegt waren, hatte der Rodenstein sich noch einmal hören lassen können, wenn ihn nicht Scheffel — git Tode gehetzt hätte. Der Dichter der Roden- shnnlieder hat leider die alte schöne Sage so umgebildet, daß die nationale Weiterbildung unmöglich war. Nicht Mehr zog der Rodenstein ans, um drohende Kriegsgefahr zu künden, sondern weil er den letzten Schoppen zu trinken vergessen hatte und deshalb keine Rache im Grab linden kann. Wir schreiben hier keineswegs zugunsten der Abstinenzbewegung, aber es ist doch zu bedauern, daß die schöne nationale Sage durch die von allen trinkfrohen Menschen ja gern gesungenen Lieder Scheffels ein unrühmliches Ende ge- Milden hat; sie hätte ein besseres verdient. Biel schöner als die Märe von dem ewig durstigen alten Saufbold, der seine Dörfer vertrinkt, ist doch der ursprüngliche Zug, da der Ritter Rodenstein, seinem Kaiser sogar bis über das Grab treu, dem Reiche zu Hilfe eilt, wenn es in Gefahr. Die Sage hat einen geschichtlichen Hinter- grund in Person eines Rodenstzeiners, der in den Türkenkriegen kämpfte. Daneben besteht eine frühere, davon völlig unabhängige, romantische Sage, nach welcher der Ritter Rodenstein von seiner Gattin verflucht ivard, weil er sein Versprechen, den wüsten Fehden zn entsagen, gebrochen. j Die Rodcnsteiner, die einst auf der Burg im Odenwald saßen, waren ein begütertes Geschlecht, das aber schon 1671 ausstarb. Die Burg weckt heute mit ihren epheuumrankten Trüminern eine reizvolle Stimmung. Beschattet von hohen ernsten dunklen Fichten liegt sie mitten in der Waldeinsamkeit. Schön ist der granitne Torturm am Südende der Burg mit seinem Rundbogensries und den mächtigen Buckelquadern aus rotem Sandstein. Sonst ist nicht viel Mauerwerk übrig. Die Scheffelgedenktafel inmitten der Trümmer fällt völlig aus dem Rahmen der Umgebung heraus. Im Gegensatz zum Rodenstein ist aber von der Ruine Schnellerts kaum noch ein spärlicher Rest, zu sehen; der Stumpf eines Turmes und ein paar Mauerstücke verschwinden fast im Wald; davor ein doppelter Wall und ein Graben — das sind die sichtbaren Ueberreste, an die sich die Schnellertssage knüpft. Wer die Burg bewohnt hat, ist unbekannt. Von dem Wotansmythus des wilden Jägers wenden wir uns zur Sage von einem Wotaussprossen, dem Helden Siegfried. Siegfried fand nach der Sage im Odenwald den Tod, als er mit den Burgundenhelden zur Jagd zog. An einem Brunnen, an dem er trank, verlor er sein Leben. Stit Alters kennt auch die Ueberliefe-- rung den Siegfriedsbrriunen int Odenwald. Es sind aber deren! mehrere, die sich, wie eiftft im klassischen Altertum die sieben Städte um die Geburt Homers, darüber streiten, der Schauplatz von Siegfrieds Tod zu sein. Man nennt als solchen Hiltersklingen, Hüttcn- thal und Grasellenbach. Hiltersklingen aber scheidet ohne weiteres «us, da hier gar kein Brunnen existiert; er liegt vielmehr bei dem allerdings nahen Ort Hüttenthal, die beide in dem breiten Tal der Marbach gelegen,sind, einer lufie der andere weit ausgedehnt, mit Aeckern und Wiesen zwischen den einzelnen Hofrciten. Wenige Schritte,abseits der großen Landstraße Heppenheim—Fürth—Hetzbach entspringt im Wald ein Opell, der Lindelbrunnen, aber auch Siegfriedsbrnnnen genannt wird. Von Unten herauf quillt in einem 13mm mit halbkugelförmiger Vertiefung das Wasser, darüber breitet eine dem Odenwaldpoeten Karl Schäfer geweihte Linde V*J Vv Der Siegfriedsbrunnen von Grasellenbach liegt nicht wie der Lindelbrunnen im Tale, sondern auf einer Bergeshöhe, an dem von Grasellenbach zum Spessartkops, einem 548 Mtter hohen! S.andstemberg, hinausführenden Pfade. Durch Kiefernwald geht der chnan, bis man auf soiMiger freier- Bergeshühe angelangt ben Blick über weite Gebirgszüge schweifen läßt. Eine steinerne Hand weist uns zum Brunnen, der unter hohen alten Fichten aus dem roten Sandstein entspringt — ein schönes kühles, lauschi- < ok'-i zum Rasten auf weiter Wanderfahrt. Ein im Jahre 1851 errichtetes Kreuz mit einer Inschrift, welches die Verse des Nibelungenliedes über Siegfrieds Tod iviedergibt, mutet etwas naiv an. Es liegt nun nahe, zu der Frage Stellung zu nehmen, welcher der beiden Brunnen den Vorzug verdient, den Namen des größten deutMen Sagenhelden zu führen. Die Frage darf natürlich nicht dahin gestellt werden, wo Siegfried erschlagen worden sei oder nnt welchem Recht die lieberlieserung den einen ober anderen Ort als Schauplatz des Mordes bezeichnet, sondern vielmehr wird man nur fragen dürfen: Hat der unbekannte Verfasser jener Strophen von Siegfrieds Tod die Odenwaldlandschaft gekannt und hat er vielleicht bei seiner Schilderung den einen ober anderen Platz im Auge gehabt? Aus der mittelhochdeutschen Sprache unseres großen. Nationalepos dürfen wir daraus schließen, daß fein Bearbeiter ern Süddeutscher gewesen ist, vielleicht ein Rheinfranke, dem dann doch auch der Odenwald nicht unbekannt gewesen ist. Und nun rufen wir uns ins Gedächtnis die 16. Aventiure des Nibelungenliedes „Wie Siegfried erschlagen ward". Wir erinnern uns der Jagd, die die Wormser Helden in ben Odenwald führte, denken an bas frohe. Mahl nach dem glücklichen Gejaib, bei dem es aber an dem Getränk, dem Wein , fehlt. Hagen entschuldigt sich auf Siegfrieds Vorwurf damit, daß er den Wein auf den Spesfart gesandt habe. Nun ist ganz ausgeschlossen, daß mit diesem Spesfart das Nachbargebirge östlich des Mains gemeint feilt kann,, da die Entfernung gar zu groß ist; vielmehr erkennt man in dem Spessart den oben schon erwähnten Berg, den Spessartkops. Wir erinnern uns weiter, daß Hagen von einer Quelle im Walde spricht, und daß die Helden einen Wbttlauf zu der Quelle über den „schönen Anger" durch das hohe Gras unternahmen; als erster kommt trotz der Wasfenrüstung Herr Siegfried an und siegt über König Gunther und Hagen, die nur int Rock gleich zwei Panther laufen; feine Ritterlichkeit aber, die ibn auf den König warten läßt, damit dieser zuerst trinken kamt, kosten ben Helden das Leben. Vergleichen wir nun die Schilderung int Epos mit der Landschaft, so müßte man dem Brunnen von Hüttenthal unbedingt den Vorzug geben, man müßte sagen, daß der Dichter die Landschaft des Marbachtals int Ange hatte, als er den Schauplatz von Siegfrieds Tod schilderte. Denn nur in dem weiten Wiesengrunb des Tals kann man den Anger finden, über den der Wettlauf zu dem Quell int Walde stattfand; bei dem Brunnen auf dem Spesfart- kops findet sich gar kein Wiesengrunld, und er liegt ja auf Bergeshöhe, weit entfernt von den Wjesen drunten in GrasellenbaH. Auch ist die Entfernung zwischen dem Spessartkopf, dahin Hagen den Wein sandte, und dem Brunnen an seinem Nordabhang viel zu gering, um in den Zusammenhang der Stelle in der Dichtung zu passen, während die Entfernung des Hüttenthaler Brunnens vom Spessartkopf sehr wohl hineinpaßt. Dazu kommt noch, daß bereits int Jahre 795 in der Grenzbefchreibung der Hüttenthaler Mark der Hüttenthaler Brunnen als „Lintbrunnen" erwähnt luirb, und daß in demselben Jahre ein „Burgundhart" genannt wird, die zu Hiltersklingen gehörte. Es bestehen also hier ganz alte Beziehungen. / Mit diesen Erwägungen soll feilt Urteil in der Frage der „Echtheit" der Siegfriedsbrunnen abgegeben werden. Ganz im Stich läßt uns die Volkssage. I. W. Wolf berichtet in feinen „Hessischen Sagen" über bett Siegftiedsbrunnen folgendes: „DerfelÄ liegt bei Hiltersklingen und (!) Grasellenbach int Odenwalb unb an ihm sollen zwei Männer einander erschlagen haben. Die Hirtenknaben gingen nicht gerne in den Mittagsstunden in die Nähe des Brnn- nens, denn sie sagten, alsdann erscheine dort der Siegfried und der habe Hörner auf dem Kopfe wie der leibhaftige Teufel". Man sieht, daß ja nach eine Erinnerung an den „hörnernen Siegfried" besteht, aber aus der vom Blute des Drachen stammenden Hornhaut sind Teufelshörner geworden und von dem Helden unseres Nationalepos, dem altnordischen Frühlingsgott, ist nichts übrig geblieben, er ist in sein Gegenteil, die Tcufelsfratze, verkehrt. Ritterliche Klänge tönen uns aus dem Nibelungenlied entgegen und das Rittertum ist ja auch der beste Nährboden der romantischen Sage. Deshalb soll hier noch zweier Odenwälder Sagen aus der glanzvollen Zeit des deutschen Mittelalters gedacht werden. Jhv Sitz jutb zwei Ruinen an der nördlichen Bergstraße, Frankenstein und Tannenberg. Der Frankenstein liegt unweit Darmstadt auf einem langgestreckten, schönen, bewaldeten Berg. Oestlich von der Burg führt eilt steiler Pfad hinab ins Tal nach Nieder-Beerbach. An der Kirche des freundlichen Dörfchens steht ein seltsames Steinbild, die Statue eines Ritters im Platteitharnisch von 1530. Die Rüstung ist in 628 allen Einzelheiten vorzüglich nachgebildet; der Bildhauer ist mcht bekannt. Der Ritter trägt Schwert und Streithammer; zu fernen Füßen liegt ein Drache. 'Es ist der Ritter Georg der Drachentöter, >der, wie die Sage verkündet, einen das Nreder-Beerbacher Tal verheerenden Lindwurm tötete. Dem Untrer mußten als Opfer junge Mädchen dargebracht werden, und als selbst die Braut des Ritters Georg von Frankenstein, das Förstertochterchen Mariechen, geopfert werden sollte, bekämpfte er das Untrer, schlug es zu Tooe, aber verendend noch stach ihn der Wurm unter die Kniescheibe, daß auch der Sieger sein Leben lassen mußte. Als die Swlle, wo der Lindwurm gehaust hat, wird noch der sog. Katzenborn gezeigt, der an dem zum Frankenstein hiuauftührenden Weg liegt; es rst ein aus dem Mittelalter stammendes Brmrnenhauschen, das bis vor zehn Jahren noch den Frankenstein mit Wasser versorgte. Der Zusammenhang dieser Lokalsage mit dem Heiligen Georg, dem Drachentöter, ist unverkennbar. .. , . ~ Ebenso findet sich ein Zusammenhang zwischen der bei Tannen- berg lokalisierten Sage mit der int gemein gut des deutschen Lölkes stehenden Märe vom „Graf im Pflug . Die Gründer der Burg Tannenberg war Konrad von Tannenberg, ein Verwandter der '.Herren von Bickenbach. ED geriet bei einer Fahrt ms heilige Land in die Gewalt eines Sarazenenfürsten. Um ihn zu befreien, zog feine Gemahlin Anna-Else als Ptlgrtm verkleidet an den Hof lenes Ungläubigen und wußte durch ihren süßen sang und ihr Saiten- spiel den Moslem so zu rühren, daß er ihr einen Wunsch frei gab und ihr den Christensklaveit überließ. Unerkannt geleitete pe den Gatten nach Hause, wo jedoch Neid und Mißgunst der Verwandten die unerschrockene Frau so sehr verdächtigte, daß der Gemahl ihr fast ihre 'Treue schlecht gelohnt hätte. Schon wollte er die des Ehebruchs verdächtigte Fran mit dem SckMert inederstoßeu, als sie ihm im Gewand des Pilgrims, der ihn ans dem Land der Ungläubigen gerettet, erschien und er voll Reue seinen Irrtum erkannte. . Roch mancherlei Sagen fönnten wir auffuhren von verborgenen Schützen mit allerlei Teufelswerk (Auerbacher Schloß und Frankenstein) vom Teufel selber, wie er beim Kirchbau um seinen Lohn geprellt ward (Teufelsklaue auf dem Kerrgottslbergi bei Darmstadt) von der Knodener Kunst des „Festmachens , worüber uns aus den Kriegszeiten des 18. Jahrhunderts noch berichtet wird, allein das würde uns gar zu weit fuhren. Hiev sollte nur der wichtigsten Erscheinungeil aus der Mythen- und Sagenwelt gedacht werden, um dem Besucher des Odenwalds einen Hinweis darauf zu geben, welch eine Fülle von romantischen und poetischen Eindrücken seiner dort wartet. Vermischter. 1 ■ * Das Ueberwinterii von Geranien und Fuchsien. Wenn mau vor Eintritt strengerer Nachtfröste die meistens noch in Blüte stehenden Geranien und Fuchsien von allen abgeblühten Blumen und gelben Blättern befreit, sie noch einmal durchdringend gießt und in eilten hellen, luftigen Keller oder ungeheizte Zimmer stellt, so hat man zunächst das Nötigste getan. Die weitere Pflege besteht im Reinhalten von allen gelben und modernden Blättern, bwut nichts ist gefährlicher als Fäulnis. Gegossen wird nur mäßig und besser eher zu wenig als zu viel. Fuchsien können im Winter eher Feuchtigkeit vertragen als Geranien, die man im Dezember bis Anfang März ganz trocken werden lassen kann. Etwa noch nachkommende Blüten werden entfernt, denn sie schwächen die Pflanzen nur unnötigerweise. Das Gesagte bezieht sich auf Pflanzen, die über Sommer in Töpfen gestanden hätten. Auch ganze Feirsterkästen, mit Geranien oder Fuchsien bepflanzt, kann man auf diese Weise, ohne die Pflanzen zu stören, durch den Winter bringen. Im Frühjahr, von Mitte März an, müssen die Stöcke jedoch aus ihren Gesäßen her- ausgenommeu, an den Wurzeln etwas eingekürzt, die Triebe kräftig zurückgeschnitten und in nahrhafte, frische Erde verpflanzt werden. Mit dem durch den Winter Bringen ist es also nicht, getan und wer diese Frühjahrsarbeit versäumt oder nur oberflächlich besorgt, das Zurückschneiden ungenügend handhabt, wird trotz aller sonstiger Pflege nur lang aufgeschossene, mäßig blühende Pflanzen haben. Bei Geranien, die über Sommer im Freien gestanden hatten, muß, bevor sie in Töpfe gesetzt werden, ein großer Teil der mastigen Triebe weggeschnitten werden. Man entfernt hierbei immer die längsten Triebe und schont die untersten, so daß man niedrige und nicht zu umsaugreiche Büsche erzielt. Wem es an geeigneten Räumen zum Durchwintern fehlt, plage man sich nicht mit vergeblicher Arbeit, sondern kaufe im nächsten Frühjahr neue Pflanzen. * Ein kleines Mißverständnis. Eine lustige kleine Komödie der Irrungen, in die die britische Flotte verstrickt worden ist, erhält durch eine Nachricht aus Sydney ihre Aufklärung. Vor einiger Zeit Tief in Sydney von einem vor Noumea in Neu- Kaledonien liegenden kleinen englischen Kreuzer folgende lakonische Alarmnachricht telegraphisch ein: „Matrosen und Soldaten von Kaledoniern^geschlageii." Da Neu-Kaledonien bekanntlich eine französische Sträflingskolonie ist, und dort au Desperados fein Mangel herrscht, war man in Sydney sehr be- I beunruhigt und sandte schleünigst ein zweites britisches Kriegs» schiff ab, zum Schutze der englischen Untertanen. Man glaubtet an einen Aufstand der Kanakas, aber als tatenbereit das Kriegs-, schiff eintraf, erklärte sich die Alarnachricht auf überraschende! Weise: das Telegramm aus Noumea wollte nur besagen: daß bet einem großen Fußballkampf die französischen Matrosen Und Soldaten der Kolonialinfaitterie von dem Klub der Neu-Kaledonier besiegt worden waren ... * Gobelins als — Hosenböden. Wird man die Erfahrung, die Vor einiger Zeit ein Pariser Kunsthändler mit einem heiteren und einem nassen Auge machen mußte, als ein Zeichen des wachsenden Kunstverständnisses unserer Zeiten deuten können? Die Zeitschrift Psle-Msle erzählt die Geschichte: auf seiner Entdeckungsfahrt durch die Provinzen fand der Kunsthändler in der Küche eines Bauernhauses an der Wand ent Stück Stoff hängen: und als er es näher untersuchte, blieb kein Zweifel/ daß es sich um das Stück eines prachtvollen alten Gobelins aus den Zeiten der Hochblüte dieser Kunst handelte. Wohin aber waren die fehlenden Stücke gekommen? Der Kunsthändler, der ein gutes Geschäft wittern mochte, begann den Bauern zu fragen/ und schließlich erklärte ihm die Bäuerin, die Stücke wären nicht mehr da, sie habe sie dazu benutzt, um an den Beinkleidern ihrer recht zahlreichen Nachkommenschaft die schadhaft gewordenen Hoseil- böden zu flicken. Gobelins als Hosenböden: der Fall hat noch ein Gegenstück. Und das war ein Selbstporträt Rembrandts, das heute die Zierde einer bekannten Galerie bildet und das seinerzeit ein Kunsthändler in einem kleinen Gasthof entdeckte, in dem das Meisterwerk als — Wachstuch auf einem Waschtische lag. _________ _ Bücherlisch. — Unter dem Titel Knnstwart —; Dürerbuu8 — Buchhandel, Denkschrift und Protest gegen die Mittelstelle für Volksschriften hat die berufene Vertretung des deutschen Buchhandels, der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, eine Broschüre herausgegeben, die Stellung zu dem Versuche von Dr. Avenarius nimmt, die gesamte Bolksschriftenliteratur, soweit ihr Preis nicht 1 Mk. übersteigt, einer Zensur bezw. Abstempelung zu unterwerfen und ihren Vertrieb in einer in Dresden zu errichtenden Mittelstelle für Volksschriften zu konzentrieren. In eingehender Weife und unter Berücksichttgung aller bisher er- fchienenen Aeußernngeu im Knnstwart sowohl wie in der buch- häudlerischen Fachpresse legt die Broschüre die Gründe dar, die zur Ablehnung dieses Projekts im Buchhandel geführt haben, und sucht zugleich die Oesfentlichkeit über die Behandlung der Streitfrage durch den Kunstwart und die Art feiner Polemik aufzukläreu. Die Broschüre wird auf Wunsch allen Interessenten auf Verlangen von der Geschäftsstelle des Börsenvereins, Leipzig (Buch- händlerhaus), kostenlos übersandt. — Calderons Meisterdramen. 8 Teile in 2 Wilden, mit Einleitungen und Anmerkungen herausgegeben von W. v. Wurzbach. In 2 Leinenbänden. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Calderons glänzeiide Phantasie und glaubensstarke Mystik, seine Bühnenbegabung und prachtvolle Sprache werden immer neue Bewunderer finden. Gr ist heute beliebter als je, und für die weitere Ausdehnung seines alten Ruhmes als Klassiker der spanischen Bühne werden die 15 Meisterwerke sorgen, die hier in den besten Uebersetzungen von sachkundiger Hand in preiswürdiger Ausgabe zufammengestellt, zum Ritt ins alte romantische Land einladen: „Das Leben ein Traum, Der wundertätige Magus, Die Andacht zum Kreuze, Der Arzt seiner Ehre, Der standhafte Prinz, Der Richter von Zalamea" und wie sie alle heißen, fesseln heute wie vor Jahrhunderten den Hörer und den Leser. — Molisres M e i ste r d r a m e n. Nebersetzt von Wolf Grafen Baudissin. Mit Einleitungen und Anmerkungen von Philipp August Becker. In einem Scinenbaub. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Molitzres Herrschaft ist unbestritten: er ist einer der wenigen Klassiker, .die, erhaben über Raum und Zeit, in jedem, auch dem engsten, Verzeichnisse der Meisterwerke aller Rationen Aufnahme gesunden haben und finden werden. Der Zeitgenosse Calderons, der Vater der Komödie, wie ihn seine Landsleute nennen, ist jung geblieben. Er hat nicht nur den besten seiner Zeit genug getan: der Schöpfer des modernen Sitten- und Charakterlustspiels wirkt heute genau so stark und lebendig wie vor Jahrhunderten auf der Bühne und beim Lesen. Der Herausgeber hat 8 Prachtstücke ausgewählt, in denen die unfehlbare Meisterschaft des großen Menschenkenners besonder- klar zu Tage tritt. _________ -- Mtsrl. Ke,mst du den mächtigen Herrscher, der noch von niemand bezwungeii? — Seh' statt des ftnßes p f, nun wird ein Wirtschastsgerät. Auflösung in nächster Nunirncr. Auflösung des Kapselräifels in voriger Nummer: Bei gutem Winde ist gut segeln. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R, Lange, G.eß