Donnerstag, den 8. Mai MA "aiJi Zwei Welten. Roman von' Emina Merk. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jnr kleinen Schiffchen schwammen sie draußen auf der Kartblauen Fläche in dem sonnigen Geglitzer. Um sie her so köstliche Sonntagsstille. „Mir kommt -es immer noch so wunderbar vor, daß Sie hier sind, gnädiges Fräulein, ich bin wie in einer Märchen- stinlmung. Tas Unmöglichste, das Unwahrscheinlichste er« eignet sich spielend, -als hätte mir eine gutgelaunte Fee eine Wünschelrute geschenkt! Sie glauben gar nicht, wie leid Sie mir -eigentlich taten, als ich Sie das erste Mal -sah!" „Warum tat ich Ihnen leid, Herr Reichmann? Weil rch damals noch keine Aussicht hatte, Ihre Bekanntschaft «t machen?" fragte sie mutwillig. „Ja, auch zum Teil," gab er lachend zurück. „Das war allerdings mehr für mich selbst schmerzlich. Aber so diese Damen in ihrer Nähe — die langweiligen Gesichter in Ihrer Loge — die Nachbarinnen, mit denen Sie sich nirter- halten mußten. Mau sah Ihnen an, wie wenig Sie das Geschwätz interessierte." „Das haben Sie alles bemerkt?" „O ja, ich habe dafür einiges Verständnis. Wie kommt sie in diese Umgebung, dachte ich. 'Sie hatten so etwas von -einein wilden Vogel unter Spatzen, um nicht zu sagen unter zahmen Gänsen." Sie lachte hell. „Ich habe -auch jetzt oft das Gefühl, als wäre ich aus dem Käfig -entschlüpft, ans dem Pferch meinetwegen!^ „Ich habe ja ähnliche Empfindungen selbst durchlebt, wissen Sie! Darum erriet ich die Sehnsucht in Ihrem jungen Gesicht. Darum verstand ich den Schrei nach Freiheit, der -auf Ihren Lippen schwebte!" „Sie?" meinte sie ungläubig. „Ich bitte Sie, Männer ahnen doch gar nichts von solch einer eingeschlosse-- n-en Madchenexistenz! Sie dürfen ja immer und überall Ihr Leben einrichten nach Ihrem Geschmack!" ,,O passiert.. Da täuschen Sie sich doch gründlich, tznadrges Fräulein. Ich bin ja einfach durchgebrannt, weil rch es nicht mehr aushielt in dem Kreis, in den sch durch dre Verhältnisse hineingeraten war." Sie blickte fragend zu ihm auf, und während er die Ruder bewegte und das Schifflein weitersteuerte in die werte, einsame Wasserfläche hinaus, erzählte er: Vater war Musiker, ein lieber, warmherziger -Mensch, dem es wohl ernst Ivar mit seiner Kunst, der aber gelegentlich auch toll, unvernünftig-, kindisch sein konnte mrt seinem -Jungen, der für meine Kna-bentorheiten und meme grünen Schwärmereien ein so wunderbares Ver- , ständnis hatte, daß er ein Kamerad zugleich und ein Er- gtcfrer für mich war. Er ist früh gestorben, bei einer Wagenfahrt verunglückt. Und meine Mutter hat ein paar Jahre später -ein zweites Mal geheiratet. Einen Kaufmann in Mannheim. Darin liegt schon alles. Me eng« herzigen Kreise der Handelsstadt, in denen man von Kunst nicht viel wußte, in denen nur Geld eine Rolle spielte und der ganze brave, höchst achtbare, höchst wohlhabende und höchst korrekte Anhang!". Nach einer kurzen Pause fufjr er fort: „Ueberall dieselbe Einrichtung, dieselben Lebensgewohnheiten, dieselben Ansichten, -ein Mensch wie der andere! Und wenn einer aus der Art herausfällt, daun ist er ein Lump oder ein Narr! Zwischen diesen beiden Kosenamen hatte ich bei jeder Szene mit. meinem Stiefvater die Wahl! Ich hatte das Gymnasium -absolviert, mein Jahr gedient. Nach dem Willen meines verstorbenen Vaters, nach meinem eigenen brennenden Wunsch sollte ich jetzt -auf die Kunstakademie nach München. Ich hatte ja schon viel gezeichnet, weil mich diese Tätigkeit reizte, lockte. Und statt dessen hätte rch mich nun plötzlich für Kaffee interessieren sollen, für die schivankenden Kaffeepreise, mein Stiefvater „arbeitete!" in Kaffee. Wenn er mir die Schätze Indiens gezeigt und gesagt hätte: wähle. Das Verdienst du in meinem Geschäft! — ich hätte nicht gekonnt. Es ging einfach iricht! Sp habe 16). mir d-enn mit einundzwanzig Jahren das Erbteil meines Balers ausbezahlen lassen — es war klein genug — und mich mit den wenigen tausend Mark durch,gefristet — manchmal durchgehungert, bis ich etwas verdiente. Geschadet hat es mir nichts, nicht wahr? Und Bereut habe ich es auch nicht! Nur seine Natur nicht urnmodelu, nur nicht seine Individualität verleugnen, daran geht man zugrunde! Mn ein bißchen Entbehrungen noch lange nicht!" Er sah so mutig, so froh aus, so recht wie ein Tapferer, der sich in allen Lebenslagen zu behaupten vermag uird sich nicht unterkriegen läßt vom Leben. Ihre Augen hingen tut ihm, wärmer, als sie wohl selbst wußte. „Für Ihre Mutter muß -es doch sehr traurig gewesen sein," meinte sie dann rasch, mit einem Erröten den Blick wendend. „Sie sind ihr wohl g-arch entfremdet?" „Meine Mutter hat mehrere kleine Kinder, ich weiß nicht, ob sie den großen Sohu nicht ganz vergessen hat)" erwiderte er, und ein Schatten flog über sein sonniges Gesicht. „Ich habe natürlich viel verloren. Seit sieben Jahren weiß ich nichts mehr vom Familienleben, feit sieben Jahren habe ich niemand mehr, der nur ein bißchen Interesse an mir nimmt. Es war schwer, besonders in der -ersten Zeit. Man fühlt doch oft ein so unbezwingliches Sehnen nach einer warmen Frauenhand, nach einer lieben, weichen Frauenstimme, vor allem nach jemarrd, dem man rückhaltlos vertrauen kann." 282 In einer ganz bewegten Stimmung schaute Httdegwrd in die Wetten, die um das Schiff kanzten — em so werter, weiter Himmel lag Wer ihnen, so licht und. sonnenklar schrm- nrerte die Ferne. Die Schönheit um sie her drang so tief in ihre junge Herzen, sie waren wie umweht von Poesie Des Abends sahen sie zusammen die Sonne sinken, ihre letzten Strahlen irr glühendem Rot verzittern, danrr streg im Ostet: über der spiegelnden Fläche der Mond empor, ern breiter Goldstreifen wogte über dem See. Immer zauberhafter wurde die Landschaft. — — —• Als Reichmann ein paar Wochen mit ihnen zusammen ivar, sagte tiurt der Decken eines Abends, während der junge Mann eiligst an das Ufer hinübersprang, um Httde- gcirb, die allein auf den See hinausgerudert war, berm Aussteigen behilflich zu sein. , „Hören Sie, lieber Holst, ich nrerrre, Sre sollten Ihren hübschen, jungen Kollegen freundlichst ersuchen, anderwärts feine Studien fortzusetzen. Er hat sich, seit er hier ist, ohnedies mehr mit Ihrer Tochter als mit ferner Malerei beschäftigt. Viel länger wäre das nicht wünschenswert, weder für das Fräulein, noch für ihn. Die beiden gefallen sich einander schon allzu gut." , „Hören Sie doch nicht auf diesen Griesgram!" rief Steinberger. „Soll denn gar kein Vergnügen mehr auf der Welt sein? Muß inan gleich dazwischen fahren, wenn zwei junge Leute einmal von Herzen lustig und übermütig sind? Zum Kuckuck, es ist doch kein Verbrechen, wenn die beiden einander gefallen!" „Nein, Verbrechen ist's keins, aber eine Torheit! Ich glaube nicht, daß Holst seiner Tochter Reichtümer mit- zugeben hat, und Reichmann — nun ja, er ist ein talent- voller Mensch! Was heißt das bei einem Maler heutzutage? Daß er nicht direkt verhungern muß, ivenn er ein bißchen Glück obendrein hat und nur für sich allein sorgen luuß, daß er aber den dümmsten Streich seines Lebens begeht, wenn er sich verliebt und nicht rasch Reißaus nimmt!" „Wenn Sie allen Idealismus aus der Welt fortwünschen, dann dürfen Sie sich nicht mehr darüber wandern, daß es Ihnen unter den Menschen nicht mehr gefällt!" meinte Steinberger. „Ich den Idealismus fortwünschen! Wer ich bitte Sie! Die Kritiker haben mich ja alle einen Süßholzraspler von unverdaulichem Idealismus genannt." „Nun, dann müssen Sie auch der Fügend ihren Lebensmut und ihr Vertrauen auf die Zukunft lassen. Wo kämen wir denn sonst hin? Da stürbe ja die Wett aus l" „Wäre das etwa schade?" höhnte van der Tecken. „Ihr Standpunkt! Deswegen schaffen Sie die Liebe doch nicht ab," lachte Steinberger. „Als ob Liebe unter den herrschenden Verhältnissen überhaupt die geringste Existenzberechtigung hätte!" rief fein Gegner bitter. „Geld, Geld, Geld ist die Parole! Beim Verloben und Heiraten erst recht! „Meine Tochter heiratet eine Million!" „Mein Sohn hat sich mit ein paar Zinshäusern verlobt!" So sollten sich die Väter und Mütter, deren Kinder Mich haben, ausdrücken. Was tut denn der Mensch, der Name bei der Sache?" Holst hatte vor sich hingelächelt, mit seinen ivarmen, seelenvollen Angen, die manchmal etwas Kindliches hatten, trotz des düsteren Bartes und der stark vom Leben ausgearbeiteten Züge. „Sie irren sich doch in den Menschen, Herr von der Decken! Hat meine Tochter nicht die Millionen ihrer Adoptiveltern im Stich gelassen, um zü ihrem armen Vater zu kommen?" „Wenn sie es nur nicht noch einmal bereut!" murmelte der pessimistische Schriftsteller. „Ist sie nicht glücklich in der Einfachheit, die ich ihr bieten kann? Wenn sie mit Reichmann lacht und scherzt in ihrem Uebermut, das macht mich noch lange nicht be- sorgr für ihre Herzensruhe. Es steckt mehr Vernunft und Ueberleguttg in so einen; jungen Mädchenkopf, als man meint. Ich bin so fest überzeugt, der junge Mann ist ihr nur wie eure Staffage in der hübschen Landschaft!" Es klang aber doch eine leise Beunruhigung durch seine Stimme, ittib als sich Hildegard an diesem Abend, an seinen Ärm hing und mit so glühender Begeisterung sagte: „Vater, ich iw.n’fe es dir tausendmal, jeden Dag, vaß du mich hierher brachtest! Ich bin so furchtbar glücklichst!" — Da sah er sie doch recht forschend an und strich ihr mit einem Seufzer über die heißen Wangen. Galt dieser Jubel wirklich nur der Frühlingsschönheit? Waren ihre Gedanken noch ganz bei dem Vater, dem sie so "türmisch dankte? Ein Gefühl der Verantwortung beklemmte ihnr die Brust, eine erste Batersorge, in all dem neuen Vaterglück, eine dumpfe Angst vor einen: strengen Wort, einem herben Eingreifen, das am Ende als schwere, grausame Pflicht an :hn herantreten könnte. 14. Grimberg hatte das Porträt von Marianne von Flassan üst vollendet; sie sollte zur letzten Sitzung erscheinen. Im Grunde fürchtete er sich davor, mit einem weiteren- Herumändern das Bild zu verderben, nur Nebensächliches durfte noch übermalt werden. Und vor allem, er wollte sie noch einmal sehen. Er hatte bisher nicht an das unerbittliche Ende denken mögen, er hatte sich mit dem Gedanken hingefristet: fie wird kommen, morgen, oder in zwei oder in drei Tagen! Noch hatte ihn ja, ebenso mächtig wie die Sehnsucht nach' ihr, die Begeisterung für seine Arbeit durchglüht. Ter ehrgeizige, aufregende Wunsch, dieses holde Gesicht, über dem ein so rührender Schimmer von Wehmut lag, mog- lichst reizvoll und lebendig wiederzugeben, diese Schönheit, die ihn so tief bewegte, auch voll und Lanz zum Ausdruck zu bringen.' Aber als er nun an diesegn letzten Vormittag mit dem fast fertigen Bilde auf sie wartete, da war der Schöpferjubel verflogen, ernüchternde Zweifel an fernem Werke quälten ihn, der Schmerz über das Ewlg-Unerretch- bare, über den Abstand zwischen dem Bild, wie es vor seinen Augen schwebte, und wie es hier auf der Leinwand! stand, jener bittere „Katzenjammer", der den echten ernsten Künstler wohl am schwersten packt. llitb zu den Ehrgeizwunden kam das Leid über dre nahe Trennung. ... Eine rasende, wilde Leidenschaft hatte rhn erfaßt jur diese schöne, traurige Frau, die in selbstvergessenen Momenten mit so trostlosem, verzweifeltem Blick ins Leere starrte. , ... ~, ,, Er wußte so wenig vorr ihr. Erne gewrsse scheu hatte ihn davon abgehalten, Erkundigungen über sie ernzuzrehen, nur ihren Namen vor Fremden zu nennen. Er hätte es, nicht ertragen können, eine frivole Bemerkung, ein banales Wort über sie mit anhören zu müssen. Und er, der sonst so keck und frei mit Frauen zu plaudern wußte, hatte rhr gegenüber keine Frage gewagt, bei diesem .stundenlangen Zusammensein mit keinem Wort, verraten, iuie ihre Rahe ihn bewegte, wieviel seine Gedanken sich mit ihr beschäftigten. ,, Welches Schicksal hatte sie so unnahbar, so verschlossen genracht, daß sie nie über sich selbst sprach, ja, daß sie auch ihn zu dieser Zurückhaltung zwang, die sonst gar nicht in feinem Wesen lag? t . Gerade dieses Rätselhafte, Verqchlererte:n ihrem Wesen reizte ihn, den Erfahrenen, der schon so manche recht „zugeknöpfte" Damen kennen gelernt, ganz unsagbar. , (Fortsetzung folgt.) Die internationale Baufach-Ausfteüung in Leipzig. Von Paul Westheim. Sonnabend ist der festgesetzte Tag, von dein au das Publikum in die internationale B a u fa ch - A us st c l l u n g in Leipzig eingelassen werden wird. Der König von Sachsen wird zur Eröffnung erscheinen. Man wird ihn durch ein Riescn- gelänbe führen, ihm eine Menge Hallen und Pavillons zeigen, in betten das weite Gebiete des B a u e n s und Wohnens n a ch alten R i ch t u n g e n zur Schau g e st e l l r sein wird. Er wird zwar nicht so waghalsige Klettertouren zu unternehmen haben wie ein neugieriger Besucher, der kurz vor der Eröffnung gern gescheit hätte, was es denn eigentllch hier zu sehen gibt; aber von den vielen Dingen, die demnächst diese großen Hallen füllet: werden, wird auch er sich einstweilen noch erzählet: lassen müssen. Alle erdenkbaren Baustoffe sollen vorgeführt, ihre Verarbeitung und Verwendung gezeigt werden. Baumaschinen. und -Methoden, die wissenschaftlichen Hilfsmittel Zur die Baustoffprüfuna, Unfallverhütung, Wohnungshygiene, Woh- nungsiünst, Städtebau, Bcrkehrsaulageu, Jugenicurkonstruktivncn, Probleme der Bodenpolitik und hunderterlei andere Fragen wcr- ben zur Schau und zur Diskussion gestellt werden. Man wird eilte Kunstausstellung haben, in der cs Hodler und Renoir utw 283 natürlich Max Klinger gibt, wird.fidj in einem besonderen Pavillon an den Ausgelassenheiten unserer Karikaturisten, der Gul- branson, Wilke, Trier usw. ergötzen. Künstgewerbe und Raumkunst wird der deutsche Wcrkbimd vorsühreu, in dessen Raume einstweilen ein paar bunte Glasfenster von Pechstein, C^sar Klein und Beugen,verheißungsvoll hineinblicken. Es wird sehr viel und sehr Interessantes hier zu studieren geben — dereinst im Mai. Aber eine so ausgedehnte Schau wie diese Baufach-Ausstellung ist an sich schon, eine Anlage, die zu fesseln vermag. Besonders uns Deutsche, die wir doch im Gegensatz zu den Stuckmoustreu der romantischen Ausflelluugsarchitekturen (man denke au die Weltausstellungen von Brüssel und Paris) seit 'Fahren um eure künstlerische A u s st e l l u u g s r e g i e bemüht waren. Diese neue Sachlichkeit und Anständigkeit war auch für Leipzig be- strmmeud, und wie 1901 die Künstler-Kolonie in Darmstadt, die Dresdener Künstgewerbeausstellung 1906 oder die Hygiene- Ausstellung Spiegelbilder des architektonischen Wollens waren, so ist in gewissem Sinne auch Leipzig eine Bilanz. Auch Leipzig gibt -eine Antwort ans die Frage, wo wir heute architektonisch stehen. Man machte keine „Dokumente" mehr wie in der Darmstädter Zeit, man befleißigte sich auch wohl .nicht mehr wie in Dresden, die ganze Persönlichkeit dem sachlichen Baugedanken uuterzuordnen. Man hat einen neuen Halt gefunden in der Tradition. Tradition nicht so leblos, so renaissancelich, so maskeradenhaft verstanden, wie das von Brüssel und Paris sest- zustellen war. Aber doch Vergangenheit, die mit einem an der neuen Sachlichkeit erzogenen Sinn aufgefaßt worden, die sogar dem schwachen, dem unpersönlichen Baumeister Sicherheiten gibt, die ihn vor Entgleisungen bewahren. Man hat ja wohl auch in Leipzig nicht die ausgeprägten Architekteupersönlichkeiteu wie in Dresden, hat nicht die viel bewährten Aussiellungsregissenre, die selbst 'vor dem vertvegen- steu Ginsall nicht zurückznscheuen brauchen. Den Lossow u. Kühne, die das monumentale Rcpräseutationsgebäude der Hygieueaus- stelluug schufen, hatte mau nur die Weidenbach-Tschammer cnt- gegenzusetzen, die sich Jn beit viele» Hallen, die sie errichtetes, einer sehr großen Anständigkeit und sachlichen Gediegenheit befleißigten, die aber, merkwürdigerweise gerade in dem Repräseu- tatiousgebäude versagten. Das Aeußcre mit der hochragenden Löwenfassade mag noch hingehen, aber den Festsaal mit Säulen, deren Stoßkraft unter einer Kruste stilisierter Blattornamente erstickt ist, kann man nicht anders als gesiunnngsbeflissenes Kunstgewerbe,bezeichnen. Dieser Bau, der mit den Jndustriehalleu einen gewaltigen Raum umspannt, liegt an deni Schnittpunkt der beiden Haupt- aderu, die das Gelände durchziehen. Die eine Achse bildet die Straße des 18. Oktober, die von dem Völkerschlachtdenkmal in gerader Linie in das Zentrum der Stadt hineinführt. Der Hamburger Gartenarchitekt Migge hat aus dieser Straße eine Zypressenallee gemacht, die mit ihren flach gehaltenen Wasserbecken und Blumenbeeten zu einem stimmungsvollen Dokument neudeutscher Gartenkunst geworden ist. Die Querachse, die von einem mit mächtigen Figuren besetzten Portal ihren Anlauf nimmt, findet ihren Abschluß in der von dem Deutschen Betonverein und der Stadt Leipzig errichteten Beto uh alle. Wilhelm Kreis hat sie gebaut oder richtiger: er hat mit dieser ganz in Beton nachgebildeten Pantheon- Anlage zeige» wolle», daß mit einem so modernen Material genau dieselbe Wirkung erzielbar ist wie mit dem Stein, den die Alten beim Bau des Pantheon verwenden mußten. Eine Beweisführung, die professoral anmutigen mag, die aber gelungen ist. Den» das Kreissche Pantheon mit seiner schönen Kuppel ist nicht weniger sein und reif. Der Konkurrenz des Beto», dein Eisen, hat Br u»o Taut nebenan ein Monument errichtet, das in einem gewissen Gegensatz zu diesem Experiment 'Wucht und Schönheit zu entfalten sucht durch die Herausarbeitung der ganz neuen Ausdrucks- möglichkeiteu, die in dem Material als noch ungelöst schlummern. Aus Grisaillegläseru und mächtigen I-Eisenträgern, die eine vergoldete Kuppel tragen, hat Taut einen achteckigen Turm geformt, der als ein Monument unserer Technik, unseres Zeitgeistes und nicht zuletzt als ein eindrucksvolles Monument des Stahlwerkverbandes das Gelände beherrscht. Man muß im Inner», in dem hübschen Kinoraum stehen, um die heimliche Musik der aufstrebenden Träger zu erleben. Zusammen mit dem Maler Mutzenbrecher, dem Keramiker Martens, dem Silhouettenschneider Repsold hat ,der Architekt an Stoffen und Konstruktionen inancher- let ausprobiert, was die Sinne entzückt. Derlei Experimente soll e8 auch in der »och unfertigen Halle des W erd and i- bnildes gebe», der hier seine bekannte Propaganda für einzelne Baultoffe fortietzen will. Ei» »euer Baustoff: der Guhciseu- Beto» soll während der Ausstellung schon praktisch erprobt 1 »erben, feilte der Brücken, die zur Ueberführung der Eisenbahn angelegt werden mußte, und die zur Erinnerung an den Heerführer der Verbündeten: -schwarzenberg-Brücke genannt wurde, «A r lfl» Material, das im Gegensatz zu den geschlossenen Wandflachm des Betons eine freiere Detaillierung zu erlauben scheint, ausgesührt. Nicht minder eindrucksvoll ist die gewaltige Doizkonstruktion einer Sporthalle, die übrigens wie auch das Kongreßgebäude und das Haus der Fachpresse eine ansprechende Fassade bekommen hat. Sehr würdig präsentiert sich auch der vo» Fritz Boggcn- berg er errichtete Bau, der eine mustergültige Krankeni- hailsaulage enthält. Es wird das ein Teil der großen Hygieue-Ausstellnug sein, die hier gezeigt wird. Z» ihr wird man rin weiteren Sinne auch das von der Generalkommission der Gewerkschaften errichtete Backsteinhaus rechnen können, an denen au Baitgerüsteu, Aufzügen, Schutzvorrichtilugeu, an Holz- bearbeitnugsmaschiueu gezeigt werden soll, mit welchen Mitteln 51e Unfallziffern herabgedrückt werde» köiinte». An die Hygiene- Ausstellung schließt sich die Gruppe der R e p r ä s e»t a t io ns - bauten an, die von der Stadt Dresden, dem sächsischen Staat, von Oesterreich und schließlich von allerlei privaten Ausstellern errichtet worden ,sind. Bei dem österreichischen Haus, das im letzten Ä ^vlent und in aller Hast aufgeführt wurde, meint man auch im etwas von der durch die Balkanwirren erzeugten Nervosität zu vermerken. Im Innern sieht man aber schon allerlei feimiervige Dinge, der, Wiener Künstler herumstehen. Versprechungen, die hier wie in de» anderen Hallen wohl in kurzer Zeit eiugelöst sein werden. , Daß es an* Ulk und Vergnügungen, an Musik-, Tanz- nii-b Trmkgelegenheiten bei solcher Veranstaltung nicht fehlen dürfe, ist ei» alter Ausstellungsgrundsatz, gegen den die Leipziger natür- uch auch nicht verstoßen wollten. Und sie haben wahrlich ergiebig für das Amüsement gesorgt. 'Nicht weniger als drei Rummelplätze sind angelegt worden. Der eine, bei dem die Leute von der Vogelwiese^ihre eigenen Regisseure waren, wird hoffentlich allen anderen Sinnen mehr Wonne bereite» als einem empfindsamen Auge. Für Menschen, die damit behaftet sind, ist ein empfindsamer Rummel, ein „Dorfch en" angelegt worden, tn dem zwischen den Kulissen der Heimatskunst gezecht stmd geschlemmt werden kann. Man hat eine alte Dorfstraße mit einem Kirchlein, einer Dorfschule, einer Schmiede, einer Obstweinschenke und derlei Häuschen aufgebaut, in denen außer der Gaudi das Auge noch in Biedermeierei schwelgen Fann. Auf diesen Ton ist auch das Alt-Leipzig gestimmt, das wie das Bölkerschlachtdenk- mal an die Zeit vor hundert Jahren erinnern will. Die.Pleißen- burg, die Universitätswandelhalle, der Zwinger, der alte Mar- stall, die Paulinerkirche und das Dominikanerkloster find da zu einer malerischen Gruppe vereinigt worden und man braucht nur mit etwas Phantasie sich daraus die Kneiperei wegzudenkein um Stadt und Geist der Völkerschlachtzeit vor sich erstehen zu. sehen. Was die Ausstellung auch alles bietet, das gewaltigste BaN-> fach-Dokument erlebt man schon bei der Einfahrt in die Stadt. Der neue von Lossow u. Kühne gebaute Leipziger Hauptbahnhof ist nicht nur die größte derartige Bcrkehrs- anlage des Kontinents; er ist mit seinen ivundervoll gespannten Hallen bereits eine der gewaltigsten Lösungen der Probleme,- die das Programm einer solchen Ausstellung aiismachen. Neues über das Drama von Meyerling. 3um Tode des Kronprinzen Rudolf)h. Einer der wenigen lebenden Zeugen des Dramas von Meher- ling, die Gräfin Marie Larifch, mleldet sich jetzt zum Worte, Jin Mittelpunkte ihrer in diesen Tagen in London erschienenen Selbstbiographie, die den Titel trägt: „Meine Vergangenheit",- steht der geheimnisvolle Tod des Kronprinzen Rudolph und der Baronin Marie Betsera. Gräfin Larifch ist die Tochter d«S Herzogs Leopold von Bayer» aus dessen morganatischer Ehe mit einer Schauspielerin. Kaiserin Elisabeth von Oesterreich war eine Schwester des Herzogs und die kleine Marie war schon in jungen Jahren ihre LieblingsuMe. Mit dem Dramä von Mey-erling verknüpfen die Gräfin Marie Larifch die ver- schlungensteu Bande. Sie erklärt selbst, sie würde den Schleier nicht gelüftet haben, wäre sie nicht in Schmähschriften in entwürdigender Weise angegriffen worden. In ihren Bekenntnissen schont sie sich! selbst nicht und so haben denn ihre Erzählungen Mindestens den Schein der Wahrheit für sich. Die Vetseras spielten nur eine untergeordnete Rolle in Wiener Hofkreisen. Sie warben eifrig um- die Gunst der Gräfin.Larifch. Marie Vetsera, die als ein jugendschönes, prachtvolles Weib mit etwas sinnUchem Charakter geschildert wird und die Gräfin Maris Larifch traten einander näher, und bald hatte die Gräfin Kenntnis von der Liebe, die die Baronesse zu dem! Kronprinzen Rudolph im Herzen trug. Kronprinz Rudolph und die Baronesse Marie fanden in der Gräfin Larifch den — leider —- willigen Postillon d'amour, der nicht nur die Liebesbotschaften hi» und her beförderte, sondern auch- Rendez-vous geschickt arrangierte. Ta fam eines Tages der Höhepunkt. Kronprinz Rudolph hat die Gräfin, Marie Vetsera zu feine» Privaträumen in der Hofburg zu geleiten. Dabei ließ er durchbliche», baß, eine politische Gefahr fein Leben bedrohe. Gr überredete feine Kusine dann weiter, eine Stahlkassette in Verwahr zu nehmen, die in feinöm- Besitze nicht gefunden werden dürfe. Sie solle sie solange behalten, bis er selbst sie -urückv erlangen würde. Würde er sterben, so solle sie die Kassette der Person aushÄndigen, die zum Beweise, daß sie uni dM Geheimnis wisse, ihr folgende vier 284 Buchstaben nennen würde: „9i. I. U. ©■" Dre Gräfin iveigerte sich anfangs. Sie beschwor ihn, sich feinem Vater, dein Kaiser KN offenbaren. Seine Antioort >oar: „Damit würde ich mir mein eigenes Todesurteil unterzeichnen." Erst nach! langenr Zögern erklärte sie sich bereit, ihm! beiznstehen. Am folgenden Tage holte sie dann Marie Vetsera ab unter dem Vorwande, mit ihr Einkäufe M Machen. Sie brachte sie zur Hofburg. , Zu ihrem Schrecken weigerte sich Konprinz Rudolph, sich? von Alane wieder zu trennen und auch sie ließ er nicht eher wieder frei, cU bt» sie ihm! geschworen hatte, ihn nicht zu. verraten. Zur Erklärung seiner Handlungsweise erzählte er ihr, „daß in zwei Tagen ihm etwas Großes zustoßen könne". „Und ich wüiische dann Marie bei mir zu haben", schloß er emphatisch. Die Gräfin iv'ar also gezwungen, die Hofburg ohne Marie Vetsera zu verlassen. . . . Zwei Tage darauf erfuhr sie das Drama von Unmittelbar danach besuchte sie der Hosarzt Dr. Wiederholer auf Befehl des Kaisers. Aus seinem Munde erfuhr sie die näheren Einzelheiten des Dramas- „Der Kronprinz schrieb seiner Frau," so erzählte ihr der Arzt, „daß er für drei Tage zur Jagd nach Meyerlrng gehen wurde,- er Würde jedoch M einem Familiendie!ier°am 30. Januar zurück sein . . . Er verließ Wien zwei Stunden nach Marie Marie Vetsera, die zum Jagdhause von Meherling un Wagen fuhr. Die beiden verweilten dort einen Tag und die Nacht. Äni 29. kamen einige Freunde des Kronprinzen... !Er ging nicht auf die Jagd; er schlitzte eine Erkältung vor. Am Abend saß' er am Tisch, -ein seidenes Taschentuch um den Hals gewunden . . . Kronprinz Rudolph und Marie aßen ziisanimen Abendbrot und Lvschek (der Diener des Kronprinzen) erhielt Befehl, seinen Herrn uM 7 Uhr am folgenden Morgen zu wecken. In den unteren Räumen Hub dann eine Orgie der Trunkenheit an . . . Loschek erschien uM 7 Uhr, um seinen Herrn, zu wecken. Der Kronprinz schickte ihn zurück und befahl ihm, in einer halben Stunde wieder zu klopfen. Er tat, wie ihm geheißen wurde. Aber -er erhielt keine Antwort. Voller Unruhe eilte er zum Grafen Hoyos. Sie brachen die Tür auf . . . Ueberall wär Blut, RUdolp'h lag auf der Seite, in der einen Hand den Revolver. Sein Kopf war nahezu zerschmettert. Auch Marie -Vetsera lag tot mit einem Schuß in dem Kopf." Dr. Wieder- hösc-r erzählte dann Weiter, daß leere Champagnerflaschen herum- l-agen und eine Karaffe voll Branntwein neben dem Bette gefunden wurde . . . .Weiterhin berichtete er dann eine gruselige Geschichte von der Fortschasfung des Leichnams der Baronin. Die Leiche ward völlig angezogen, und in der Nacht v-on Verwandten der Baronin, deni Grafen Stockau und Alexander Baltazzi nach Wien gebracht. Auf der Fahrt saß die tote Baronin zwischen ihnen. Es geschah dies auf Befehl der Polizei, die bei der Bevölkerung den Eindruck erwecken wollte, daß die Baronin noch tont Leben sei. Auf dem Friedhöfe des Zisterzienserkosters von Heiligenkreuz ward die Leiche ohne jegliche Zeremonie beigcsetzt. Drei Wochen später erhielt die -Gräfin folgenden Brief der Baronin, der in Weherling später gefunden worden War. „Liebe Marie —- Vergib mir all die Unannehmlichkeiten, die ich Dir verursacht habe. Ich danke Dir von Herzen für alles, Idas Du für mich getan. Wenn Dir das Leben zu schwer wird — und ich! fürchte, es witd Dir nach dem. Was wir getan haben, schwer werden — folge uns. Es ist das Beste, was Du tun kannst. Deine Marie." Am Tage nach der Beisetzung des Kronprinzen erhielt die Gräfin eine Botschaft, in der ein Unbekannter sie unter Mitteilung der Buchstaben „R. I. U. O." -ersuchte, sich in der Nacht an fehler einsamen Stelle einzufinden. Der Unbekannte erwies sich !als der Erzherzog Johann (der spätere Johann Orth), den die Gräfin als einen intimen Freund Rudolphs kannte. Er nahm die Kassette in Empfang, und sagte, daß ihm dadurch, daß sie sie so getreulich verwahrt habe, das Leben gerettet scki. „Bedaure Rudolph nicht," fuhr er dann fort, „wenn der Kaiser diese Mapiere gefunden hätte, würde es viel schlimmer um ihn gestanden Haben. Der Kronprinz hat sich selbst erschossen. Aber wenn der Kaiser alles gewußt hätte, dann wäre es seine Pflicht gewesen, ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen und ihn als Verräter erschießen zu lassen . . . „Mein Gott", rief ich! aus, „was war's? Dachte er an die Krone Ungarns?" Der Erzherzog nickte. Und plötzlich fielen mir die Worte meiner Tante ein, die Wir erzählt hatte, daß Rudolph in den Händen der Freimaurer' sei. . . . „Glauben Sie, daß Rudolphs Pläne fehlschlugen?" fragte ich weiter. „Und daß er die erste Nachricht hiervon in Meyerling erhielt und daß er dann aus Furcht . . ." Der Erzherzog nickte schweigend „Mag sein," antwortete er ausweichend, „über begreifen Sie, was die -Gefahr der Entdeckung für Rudolph bedeutet haben Maß, für ihn, mit seinen durch Drogen und Brannt- wem untergrabenen Nerven? Die Furcht allein mag ihn zum Selbstmord getrieben haben. Schade, daß er so schwach war. ßr hat mir gegenüber sein Mort gebrochen." Als Erzherzog Johann dann der Gräfin Lebewohl sagte, vertraute er ihr an, daß er Oesterreich verlaßen werde, „um zu sterben, ohne zu ft erbat." Ans diesen Worten schließt sie, daß Johann Orth noch lebt und nur aus den geeigneten Zeitpunkt wartet, um wieder anfzutauchen. VevmLschtes. K.-K. Die Einwirkung des Lichtes aus Milch, Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, eine moderne Molkerei oder eine Milchfonservenfabrik zu besichtigen, dem' wird wohl sicher in dem Raume, in dem die Milch verarbeitet wurde, ausgefallen sein, daß die Fenster dieses Raumes nicht aus gewöhnlichem, sondern aus gelbbraun gefärbtem Glase hergestellt sind. Der Grund, warum! man in solchen'Milche verarbeitenden Betrieben gefärbtes Fensterglas verwendet, ist in der Mn Wirkung des Lichtes auf den Geschmack der Milch! zu suchen. Läßt man Milch bei Luftzutritt eine Viertelstunde lang von der Sonne bescheinen, so nimmt sie sofort eilten unangenehmen, bitterlichen Geschmack än, weil sich unter der Einwirkung des direkten Sonnenlichtes der Sauerstoff der Luft mitt dem Milchfett verbindet. An der den Geschmack beeinträchtigenden Wirkung sind vornehmlich die bläuen Strahlen des Sonnenlichtes beteiligt. Aber nicht nur der Geschmack, sondern auch die Haltbarkeit der Milch wird von einer Bestrahlung -durch direktes Sonnenlicht ungünstig beeinflußt. Man hat nun gesunden, daß Milch in Flaschen aus rotem! Glase viel länger frisch bleibt und daß man die gleiche günstig« Erscheinung beobachten kann, wenn mlatt die Flasche mit rotem Seidenpäpier umwickelt. Farbiges Glas ist jedoch, namentlich für Milch, von unteren Hausfrauen nicht gerne gesehen, sie mit Recht auch das Produkt, das sie einmufen, sehen wollen, Dagegen wird Man für Kindennilch, die in den Großstädten zumeist in Flaschen verkauft wird, die Abgabe in mit farbigem Seidenpapier umwickelten Flaschen als einen hygienischen Fortschritt begrüßen können. Dr. Ha ste r li k-München. "Schutz den V og e l u e st ernl Sobald die Zeit heran ist, daß Eier in den Vogelnestern liegen, erwacht in vielen Knabe» der böse Trieb, die Eier auszunehmen. In einigen Fällen kommen die Eier in irgend eine Sammlung; in den meisten Fällen werden sie sortgeworseu und zertreten. Aus jete i Fall wird durch diese Nesträuberei in weitem Maße eine Zimahme der Vogelwelt verhindert. Nicht umsonst mahnt aber der alte Vers: »Nimmst du dem Vogel Nest und Ei, ift’S mit Gesang und Obst vorbei." — Während nun bei den Eierdiebstählen keine Tierquälereien vorkommen, ist dies aber meistens der Fall, meint die Plünderungen der Buben sich aus die ausgebrüteten jungen Slestvögel erstrecken. Rücksichtslos werden die kleinen, unschuldigen Tiere aus dcr^elter- licheu Behausung herausgeworseu oder es ivird ein andererFrevel mit ihnen verübt. Dringend notwendig ist es, daß in den Schulen die Kinder über das Verwerfliche der Eier- und Nestlingsränberei belehrt und die angezeiglen jugendlichen Täter mit empfindlichen Schulstrafen belegt werden. Auch die Ellern sollten solche Tinge ihrem Nachivnchs nicht ungestraft durchgehen lassen. Ein Menschen- kind, das mitleidslos den Vögelchen ihre Kinder fortnimmt und mordet, ist in Gefohv, ein hartherziger, rücksichtsloser Mensch zu werden, der in späterer Zeit gewiß auch nicht zögern wird, gegen die eigenen Eltern undankbar zu handeln. Jung geivohnt, alt getan! *KeineBesorgnis. Maurer: „Oba—a—a—acht! Ziegel kommt!" — Passant: „Machen's doch nicht so a furchtbares Geschrei da oben; eh Sie den Ziegel loslasseu, bin i längst um die Eck'!" * Rückzug. Eifersüchtiger Ehemann (unverhofft in das Zimmer seiner Frau tretend): „Ja, was versteckst du da? (Entreißt ihr das Papier.) Die Rechnung deiner Schneiderin? Da nimm! Ich will dieses Mal nichts gesehen haben!" * „Warum schließt Fräulein Schreihals die Augen beim Singen?" — „Vielleicht hat sie ein mitfühlendes Jom;." .— „Ich verstehe Sie nicht ganz." — „Vielleicht kann sie es nichts mitansehen, wie wir leiden." * Die Gattin: „Was soll das heißen, daß du Frau Browns Mann erzählst, du fragtest mich nie wegen etwas um Rat?" — Der Gatte: „Nun, Schatz, das tu ich doch auch nicht. Tn wartest gar nicht ab, bis du gefragt wirst." Auflösung in nächster Nummer. W K M II H vnchstaben-Nöffelsprung. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Au Gottes Segen ist alles gelegen. Itebaftion: K. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Dietz«»