Donnerstag, den 7. August t<4 ®v. MHEHMB Ä Firnenrsulch. Bornen von Paul Grabern. 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Mit wieder gleichmütig fester Miene machte sich Gott- »rebe noch einige Minuten nm Grabe zu schaffen und entfernte einige abgestorbene Efeuranken. Sie war frei von fentunentalen Regungen bei diesem Werke der Pietät, das dem Toten da drunten galt. Die Jahre hatten ihr inneres Verhältnis auch zu ihm ruhig gestaltet. Die sie im Anfang befallende Reue war verflogen. Sie dachte jetzt leidenschaftslos über jenes unselige Vorkommnis. Sie konnte sich keine besondere Schuld an dem tragischen Ende des armen Jungen beimessen. Sie hatte doch nichts getan, um seine unglückliche Leidenschaft auzufachen, und die Entrüstung, mit der sie seinen liebergriff zurückgewiesen, war demnach ihr gutes Recht gewesen. Wenn er sich das bann so zu Herzen genommen, war es nicht ihre Schuld. Gewiß, sie hatte das tiefste Mitleid mit dem armen Toni, hätte wer weiß was-darum gegeben, hätte sie das alles ungeschehen machen können; aber sie konnte es doch nun einmal nicht ändern. Was sie hatte tun können, war geschehen, für seine Familie war gesorgt worden, und ihm selbst bewahrte sie ein pietätvolles Andenken. So konnte sie ihm denn im Geiste ruhig ins Antlitz sehen, wenn das Bild des Toten dann und wann vor ihrer Seele erschien. Um so mehr, als sie keinem Mann nachher je ein Recht auf fich eingeräumt hatte. Keinem! Herb und kühl hatte sie vielmehr jeden Verehrer von sich gehalten, trotzdem ihre herangereifte Schönheit die Männer nach wie vor angezogen hatte. Sie war selbst jetzt, trotz ihrer 28 Jahre, noch jung und schön. Die ständigen Sportübungen hatten ihren Leib ja vor einem altjüngferlichen- Welken bewahrt, ihm im Gegenteil eine wunderbare, kraftstrotzende Frische verliehen. So war denn das Werben der Männer um sie nichts Verwunderliches, trotz ihres abweisenden Wesens. Ja, vielleicht reizte das gerade nur noch mehr zum Erobern an. Aber sie gewährte keinem auch nur die leiseste Vertraulichkeit. Er konnte also ruhig schlummern da unten, der arme Junge mit dem heißen, leidenschaftlichen Herzen. Keiner konnte und würde sich je dessen rühmen, was ihm versagt worden war! Wie in einem stillen Gelübde beteuerte es Gottliebe von neuem an dem Grabe und strich mit leiser, mütterlicher Zärtlichkeit über das Kopfende des Hügels, als könnte sie damit beruhigend die heißen Schläfe eines fiebrig unruhig Schlummernden berühren. Dann richtete sie sich aus und ging langsam vom Friedhöfe fort. * Heiß stach die Jülisonne auf die Felshalde hernieder, die sich in mäßiger Steigung zur Jochhöhe des breit vorgelagerten Bergkamms hinaufzog. Trotz der Schwüle und des sicherlich nicht leichten Rucksacks schritt aber die einsame Wanderin, deren Tritte hier von öden Felsenkaren widerhallten, rüstig aufwärts, mit weiten, elastischen, ater mäßig schnellen Schritten. Der Weg war nur ein schmaler, wenig betretener Saumpfad, der über Gletscherschlrffe zwischen Blöcken und Fels- schutt entlang führte; nicht selten durch Mulden sonnenerweichten Schnees hindurch, wo der Fuß bis weit über die Knöchel versank. Das ermüdete aber schließlich auf die Däner doch, so daß. die Touristin, wieder auf eine glattgescheuert« Platte gelangt, fich nun auf den trockenen Felsbooen zu kurzer Rast niederließ. Das Haupt auf dem Rucksack, lag Gottliebe Rhyngaert so einige Minuten in wohliger Ruhe, in langen tiefen Atemzügen die reine Luft der Höhe eiuschlürsend. Ihre Blicke schweiften dabei über die sonngebleichten, zerrissenen Bergslanken, die ringsum die Aussicht verschlossen, und darüber hinaus in den tiefblauen Himmel, an dem nicht der leiseste Hauch eines Wölkchens stand. Ungebrochene Stille in diesem weltentrückten Winkel; nicht einmal das Rieseln eines Schmelzwasserrinnsals scholl durch die Einsamkeit. Nur bisweilen ein schriller Pfiff, tr- gendwoher aus dem Blockgewirr am Boden — ein Murmeltier, Has einzig lebende Wesen, das diese Einöde beherbergte. Plötzlich aber brach ein scharfer, peitschender Knall durch die Stille — Gottliebe hob lauschend den Kopf — nun zum zweitenmal, ohne Zweifel: Schüsse. Mit einem Ruck sprang sie aus und schickte die Blicke umher an den Felswänden. Ein Gemsjäger oder gar ein Wilderer? Aber nichts zu sehen. Sonderbar! Gottliebe stand lauschend, den Kopf borge» neigt. Da — wieder der scharfe Knall, dessen Echo die Wände rollend zurückwarfen. Also doch ein Schütze hier und offenbar in nächster Nähe. „Hallo!" Laut scholl ihr Heller Ruf durch die Bergstille. Da eine Antwort, und nun erschien droben vor ihr auf der Jochhöhe eine menschliche Gestalt, scharf und groß stand sie gegen den blauen Aether da: Ein Mann in Hirtentracht, in der Hand eine Peitsche. Gottliebe mußte leise vor sich hinlachen, das also wär der vermutete Wildschütz — ein harmloser Ziegenhirt! Langsam nahm sie ihren Rucksack wieder auf den Rücken und stieg die kurze Strecke zu dem Mann hinaus, der gelassen stehen blieb, nur mit verwunderten Blicken auf das weibliche Wesen hier in seiner Felseneinsamkeit starrend. Der Paß hier war ein wenig begangener Weg. 'Die gebräuchliche Touristenstraße führte drüben, jenseits der Höhen, über das Wormser Joch ins Münstertal. Selten nur verirrte sich einmal ein Fremder hierher, am wenigsten aber eine Frauensperson und noch dazu allein. Mit berechtigter Verwunderung blickte daher der Hirt auf die Herannahende, die nun auch ihn ins Auge faßte, 486 eine verwitterte, altersgebeugte Gestalt in einem verschlissenen, rotbraunen Lodenmantel und bretttramptgem L>ut von nicht mehr zu erkennender Farbe. „Grüß Gott, Alter!" Gottliebe trat zu ihm heran und fragte ihn nach dem Weg. Sie war absichtlich von der üblichen Route ab gewichen, weil sie nach ihrer Karte dieser Seitenpfad schneller ihrem nächsten Ziele, dem Piz Murtero, zuführen foute. In seinem schwer verständlichen, von labiiuschen Ausdrücken durchsetzten Dialekt gab der Alte Auskunft, ivährend sich einige Tiere der jetzt sichtbaren Ziegenherde neugierig herandrängten und an Gottliebes Rock schnupperten, als vb sie einen Leckerbissen in ihrer Tasche vermuteten. Gottliebe entnahm mehr den Gesten als den Worten des Alten, daß sie erst geradeaus gehen, sich dann aber nach rechts halten müsse. So dankte sie denn freundlich für die AuskNnft und machte sich dann auf den Weg, der sich zunächst über ein langgestrecktes, schräg abflachende^> Trümmerfeld zog, auf dem kärgliche Grasstreisen den zerstreut weidenden Ziegen die Nahrung boten. Sie beschleunigte jetzt ihren Schritt nicht nur, da es bergab ging, sondern weil vor ihr nun plötzlich drohendes Gewölk am Horizont, über dem scharf abschneidenden Rande des Plateaus, sichtbar wurde, das ihr bisher durch deu Bergfattel verborgen gewesen war. Ein schweres Wetter braute sich da vor ihr zusammen; die schwarzgraue Wolkenwand vor ihr stand breit und massig da, alle Aussicht auf die gegenüberliegenden Hohen verbergend. Sonst hätte sie, nach ihrer Karte zu urteilen, von dem Joch hier einen weiten Blick über das ganze Berggebiet des Münstertals bis hin zum Piz Utnbrail und Murtero haben müssen. Schade, daß sie so um diesen ersten Gruß des Bündner Landes kam, aus dessen Boden sie hier schon dahinschritt. Doch es war jetzt keine Zeit, darüber zu trauern, das drohende Unwetter trieb, zu Tal zu kommen, in ein schützendes Obdach. Ein kurzer Marsch, aber im Eilschritt, brachte Gottliebe an den Rand des schräg geneigten Plateaus, das nun plötzlich steil zum Tal abfiel. , . Ah — was für ein wunderbarer, einzig fchoner Blick! Trotz der Wetterwand drüben blieb Gottliebe bewundernd stehen. Eine echt bündner Tallandschaft tat sich da vor ihren Blicken auf. Gerade unter ihr, einige hundert Fuß tiefer, eme Alm, saftig grün, über die jetzt gelbe, fast metallisch gleißende Töne hinschillerten, die aus der schwefelgelben, plötzlich sonndurchleuchteten Wetterwand brachen; ganz tief drunten aus der Sohle des schmalen Seitentals ein kleiner See, nut tief grün-blauem, fast schwarzem Spiegel, über den sich ein winziger Nachen hinflüchtete, noch vor dem Unwetter ans schützende Gestade zu kommen. Jenseits des Wassers stieg steil die Felswand aus; au ihre dunklen, vielfach geborstenen Flanken klammerte sich bis in schwindelnde Höhen lichtgrünes Buschwerk, im Stein nistend wie die Adler. Das Schönste aber, was dem wunderbaren Bilde den Augenpunkt gab, ein altes Gemäuer da unten auf der Alm zu ihren Füßen, ein uraltes Bergnest, ein Kastell mit trutzigem, sechseckigem Turm und hoher, halb verfallener Zinnenmauer, rings uuNvuchert von einem lebenden grünen Schutzwall, einem wahren Dickicht von Bergahorn, Kastanien- und Haselnußgesträuch. Gegen die grau- verwitterte Turmwand aber standen, schlankschäftig tote zwei riesige Pylonen, zwei italienische Pappeln, deren dunkle Pyramiden jetzt in einem grün-goldenen Bronzeton slim- menten. Gottliebe stand ganz versunken in dies Bild voll einer großen, ernsten, schtoermutsvollen Stimmung. Zu dem weltverlorenen Felsennest da unten gab- die düstere Wetterwand ja einen wünderbareti Hintergrund. Sie war wie eine sichtbare Verkörperung der grauen Zeit, wilder, düsterer Schicksale, die dies alte Gemäuer im Laufe vieler Jahrhunderte gehabt haben mochte. Ein jäher Windstoß machte Gottliebe auffahren. Keine Zeit jetzt zum Träumen — der Tanz ging los! Die Windsbraut lag schon im Arm des wilden Freiers. Der erste dumpfe Donner brach sich von den Felswänden des Tals. Mit hastigem Griff holte Gottliebe das Lodenkape aus dem Rucksack. So! Und nun hinab, dem/ Kastell dort zu — soweit das Ange reichte, ja der einzige Unterschlupf hier in dem verlassenen Tal. Schon fielen die ersten schweren: Tropfen, und in Sprungschrttten eilte Gottliebe den Zickzackweg die Felswand hinab. Aber trotzdem zu langsam. Noch ehe sie die Alm erreicht hatte, prasselte klatschend der Regen hernieder, und die drei Minuten, während derer sie über den Rasen zum Kastell hinlief, genügten mit ihrem wolkenbruchartigen Wasserschwall, um selbst die imprägnierte Pelerine zu durchnässen. Gott sei Dank, daß sie an ihrem Asyl angelangt war! In die tiefe Wölbung des Dores sich rettend, schüttelte Gott- liebe lachend die schwer gewordene Kapuze ihres Umhangs ab. Dann spähte sie nach der Gelegenheit znm Einlaß. Uralte, starke Eichenbohlen mit schweren, verrosteten Eisenbeschlägen versperrten ihr den Eintritt. Vergebens sah sie sich nach einer Klinke um, lehnte sie sich mit dem ganzen Gewicht des Körpers gegen das Dor; es wich und wankte nicht — verschlossen. Ein gelinder Schreck durchrieselte Gottliebe,. Daran hatte sie ja noch gar nicht gedacht. Wenn das Kastell hier nun unbewohnt war! Was bann? Eine schöne Aussicht, naß bis auf die Knochen hier in dem offenen Torbogen dem Gewitter standzuhalten, vielleicht stundenlang! Da fiel ihr Blick auf den altertümlichen Türklopser, und unwillkürlich griff sie nach dem schweren Eisenring. Dumpf dröhnend rasselte er jetzt, dreimal, viermal, gegen die Eisenplatte darunter, daß es das Prasseln des Regens laut übertönte. Eine Weile regte sich nichts. Plötzlich aber ein Geräusch zur Rechten, und etwas oberhalb in der Torwölbung schob sich ein kleiner hölzerner Fensterladen zur Seite. Ein Kopf ward sichtbar, ein runzliges, bartloses, altes Gesicht; im Dämmer der kleinen Oefsnuug wär nicht gleich zu entscheiden, ob Mann ober Weib. Wortlos starrte der Mensch da oben auf die Einlaßheischende mit mürrischen, mißtrauischen Blicken. „Ach bitte, erlauben Sie mir doch unterzntreten — ich bin vom Unwetter unterwegs überrascht." Hinaufschauend bat es Gottliebe. Es kam keine Antwort von droben, doch das Schiebefenster schloß sich wieder. War das nun ein gutes ober ein schlechtes Zeichen? Geduldig harrte Gottliebe mehrere Minuten. Als sich aber drinnen noch immer nichts rührte, begann ein heftiger Unwille in ihr anfzusteigeu. War sie beim eine verdächtige Landstreicherin, daß man sie hier in diesem Hundewetter vor'm Tor stehen ließ? (Fortsetzung tilgt.) Die Gicheuer 5o!düten!ieöer. Von Dr. Phil. Beyer (Frankfurt a. M.). (Schluß.) Das Verhältnis znm ewig Weiblichen macht überhaupt den Kern des Soldatenliedes aus. Man könnte auch sagen: ine Liebe in allen Abstufungen. Da stehen — sagen wir einmal am weitesten rechts — die Ultra-Konservativen, d. h. die Allzutren- Liebenden Sie sind vom Mädchen betrogen; aber sie lieben weiter fort, die Unglücklichen, und warten, bis man sie nächstens ins kühle Grab senken wird. Beispiel: Ist alles dunkel, ist alles trübe. Dieweil mein Schatz ein' andern liebt. Ich hab gemeint, sie liebte mich, Aber nein, aber nein, :|: sie hasset mich. Dann kommen jene, die zwar glücklich lieben, aber sich nicht wohl fühlen, weil sie vom Liebsten getrennt sind oder von ihm scheiden müssen. Beispiel: Steh ich in finstrer Mitternacht, So einsam ans der stillen Wacht, So denk' ich an mein fernes Lieb, Ob sie mir treu und hold verblieb, und Schatz, ach Schatz, reis' nicht so weit von nur.. Im Rosengarten will ich deiner warten, Im grünen Klee, int weißen Schnee. Es folgt der glückliche Liebhaber, der aber von der Patrouille vor. zeitig abgefaßt wird: Mein schönster Schatz erlaube, nur Nur noch eine einz'ge Viertelstund, Deinen Rosenmnnd zu küssen, Bis die Nachtpatrouille kommt. , . Und dann die Wunschlos-Glücklichen, die nicht einmal „alleine zu einem Glas Weine" gch'n mögen, ohne „Feinsliebchen daM zu haben (Soldaten sein schön) ober die ihren Schatz un Walo« 487 — so vielmal küssen, als „Blätter an Busch und Bäumen" sind Western abend in der stillen Ruh). Nun kommen die Liberalen; sie sind etwas unbeständiger Natur. Verlassen kann man sich nicht auf sie: solang sie lieben, sind sie treu, und wenn sie genug geliebt und genug „Sauerkraut und Braten" vertilgt haben, sind sie „auf einmal verschwunden" (Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren); ehrlich, aber nicht ohne Ironie bekennen sie im Manöver (Morgen marschieren wir zu dem Bauer): Mädchen, ich liebe dich, Heiraten aber tu ich dich nicht. s Und geben weiterhin gutmütige, aber etwas spöttische Ratschläge: Kannst'du nicht schlafen ein, Ei, so nimm dir einen Schlaftrunk ein, Trink ein Gläschen Tee, Zucker mit Kaffee Und ein Gläschen Wein, kannst du schlafen ein. Am gemeingefährlichsten aber sind die Radikalen. Sie ergötzen sich an Vcrführungsgeschichten im Stil der Balladen vom „Hasersack" und von den „Brombeeren", sorgen auch selbst nach -Kräften für die Vermehrung des Proletariats: Ihr Mädchen, nehnit euch nur in acht, Dieweil ihr Jungfern seid; Sonst werdet ihr betrogen, Marschieren wir davon, Und lassen euch das kleine, kleine Kind, Das heisst Soldatenlohn. Sie lieben nicht aus Neigung, sondern weil cs ihnen „Pläsier macht (Ich halt' einmal ein Mädchen), nehmen auch einmal ^orueb mct einer, die nicht „schön von Angesicht" ist, sogar einen "Buckel haben kann, versprechen ihr auch wohl auf ihr Drängen hm, sie cm Sommer zu ehelichen. Natürlich: Der Sommer ist gekommen, Und ich hab sie nicht genommen, und wenn es dann weiter heisst: Scher dich weg von mir, scher dich weg von mir. Scher dich weg von meiner Tür, so steht man, daß sie beim Verstoßen des Mädchens durchaus nicht die feinere Lebensart der Liberalen besitzen. Der Soldat hat nun seine eigene Art, die Lieder zu singen. Beim Zusamnlensitzen singt er auffallend langsam und fast an- dachtcg, wie überhaupt das Volk so singt im Gegensatz zu höheren Gesellschaftskreisen. Beim Marsch wird das anders. Ich hatte Gelegenheit, die Ballade „Es wohnt ein Müller an jenem Teich" einmal von einer Soldatenrunde und dann '.nieder beim Marsch zic hören. Im ersten Fall konnte der Fernstehende an eine (zum Text wenig passende) Trauermusik denken, im zweiten Fall war zunächst einmal das Tempo beschleunigt, ferner aber der Marschrhythmus dadcirch lebhaft geworden, daß anstelle gleichwertiger Noten durch Punktierung einzelner ungleichwertige entstanden waren. Besonders auffallend Ivar das bei dem Vallarallari Vallarallera: int ersten Fall lauter Achtel, nun beim Marsch punktierte Achtel mit je einem folgenden Sechzehntel. Zur Erhöhung von Rhythmus nnb Lebhaftigkeit tragen ferner bei Juchzer und Zwischenrufe verschiedenster Art, welche die Pausen ausfüllen sollen. Da hören nur ein „Kideldiljau" in dem süd- deutschen „Drunten im Unterland", aber auch ein prosaisches „Eins zwei", eingeklemmt zwischen die Strophen des stirnmungs- vollen „Gestern Abend". Oesters ist es nur ein schnelleres .Wiederholen der letzten .Worte: Wollt werden eine Nonn', eine Nonn'. Da gibt's ein Wiederseh'n, ja Wiederseh'n. Bis die Nachtpatrouille kommt, Patrouille kommt. Oesters füllt auch die Melodie die Pause aus, indem sie durch mehrere auf'der letzten Silbe gesungene Noten zur Wiederholung überleitet: Singen immer lust'ge Lieder, Sein den Mädchen gu—u—u—ut; Singen . . Ec wann sehen wir uns wieder. In Philadelphia—a—a—a; Ec wann . . . Aber das macht mir, aber das macht mir, Wer das macht mir Plast—i—ir; Aber das . . 7 Wo diese Verbindungsbrücken fehlen, kann man sehr oft die Beobachtung machen, daß die Pause zu lang ausgedehnt und dadurch der Takt umgeworfen wird. Von feiten einiger Mus-, fettere wurde auf .Befragen erklärt, sie hätten die Gewohnheit, stets mit dem linken Fuße wieder den Gesang anzuheben. Ueber- iegt man sich nun, daß der meist bestehende Auftakt bald ein, bald zwei Taktteile hat, so leuchtet ein, daß im crfteit Fall bei der Wiederholung stets der Schwerpunkt des neuen Takts aus dem rechten Fuß, und nicht mehr wie vorher, auf dem linken ruht. Gewöhnlich entsteht in solchen Fällen eine kleine Verwirrung : einige Leute haben falschen Tritt, wollen aber auch die Wiederholung mit dem linken Fuße beginnen, einige wiederum — vielleicht Gesangvereinsrnirglieder — wollen die strenge Takc- ecnteilung aufrecht erhalten wissen; gewöhnlich aber kämpfen diese beiden kleinecc Parteien vergebens gegen die große Masse. Diese große Masse, die Gesangseinheit, ist stets die Kompagnie; und vb das Bataillon, ober sogar das Regiment geschlossen marschiert, die Gesangseinheit bleibt dieselbe, und singt das ganze Regiment, so singt es eben 12 Lieder zu gleicher Zeit. Gewöhcc- lich machen aber nicht alle Kompagnien mit, manche sind „scng- faul ; zu den singeifrigen gehören augenblicklich n. a. die Leib- und die gebeute. Das Repertoire im Regiment ist ziemlich das- o'i Kompagnien tauschen gewissermaßen aus; so ist ein ^eed, das s. Zt. Hauptmann v. Struensce für die 6. Kompagnie verfaßt hat (Des morgens um halb Fünfe, da ist der Teufel los), auch zu andern Kompagnien des Bataillons, noch nicht aber zu den andern Bataillonen herübergeloaudert. .. Innerhalb der Kompagnie wird einstimmig gesungen, doch cjt eine gelegentliche Vorliebe für Stimmenteilung zu beobachten. **m Schluß jeder Strophe des Drei-Lilien-Liedes gehen die Stimmen, oce über genügende Hohe verfügen, noch eine Terz über die aicoeric herüber. In dem Lied „Auf dem Berg so hoch da droben", steigen dce höheren Stimmen bei „da steht ein Schloß", von der Dumte aufwärts in den Grundton, die andern begnügen sich, von der Qucnte zum Terz herabzuschreiten, so daß em hübscher zweistimmiger Satz entsteht. Noch auffallender ist die Stimmen- teclmrg bet dem „Haltet aus" am Schluß vocc „O Deutschland, hoch in Ehren". Da halten nämlich eine Anzahl Sänger den hohen Toit (die Quinte) fest auf das Wort „aus —", während die andern von der Quinte aus ftufentoeife zum Grundton herab- schrecteccd dce Strophe „im Sturmgebraus" zu Ende singen — bet gutem Gesang von imponierender Schlußwirkung. Innerhalb der Kompagnie wird ferner durchaus einheitlich gesungen; Heute Varianten — das ins Kloster aegangene Mädchen cjt von einigen Sängern bereits zur Nonne „geweiht", bei der Mehrzahl aber erst zur Nonne „bereit" — vernimmt man nur bet fcballerem Zuhören. Wohl aber zeigen sich schon in Nachbar- kompagncen ausfallende Unterschiede. Das doppelte „Fuvivalle- rallera" im Drei-Lilienlied z. B. wird im Regiment aus 2 ganz verschiedene Weisen gesungen, bet manchen Kompagnien zweitaktig, das Motiv bei der Wiederholung um genau 1 Ton erhöht; bei andern Kompagnien viertaktig, in den Hauptakkord- tonen aufwärts steigend, dabei die letzten Silben lang ausgehalten, so daß wir die Hornrufe der Jägerballade noch zu vernehmen glauben, dem das Drei-Lilienlied einst angehörte. Oder: im Lied von der schönen Müllerin kommt hinter dem reftainartigens Anhängsel: „Doch wer war schuld daran? Das war die böse Schwiegermaina . . ." ein zweites, mir von einigen Kompagnien gesungenes: „Eine TrikoTriko-Taille hat sie an, Stiefel ohne Sohlen, und fein’ Absatz' dran". Noch interessanter war mir eine Textverschiedenheit im selben Lied. Am Schluß der eigentlichen ersten Strophe (also vor Beginn des Refrains) heißt es: die Müllerin „wollt' selber Mahlknecht fein", und dieser Text wurde von den meisten Kompagnien wiederholt. Nicht jedoch z. B. von der 5. Kompagnie. Diese sang nämlich „Wollt' selber Mahlknecht sein zu Straßburg an dem Rhein". Da nun die übrigen Strophen mit einer Ausnahme die letzte Zeile wiederholen, hielt ich den Text der 5. Kompagnie für einen „Flickreim", wie sie sich öfters im Volkslied einstellen. Bis ich einem verwandten Lied des 15. Jahrhunderts begegnete, in dem man fang: Nun meri’ent al geliche von ainer Müllerin Die was so mcites riche, Darzu schoen, hübsch mit siic Am Rhein zu Straßburg saß . . . Man fragt sich da: ist es Zufall, diese Heimatübereinstimmung, oder ist die Gedächtnistreue des Volksliedes so bewundernswert, daß die vor einem halben .Jahrtausend genannte Heimat der buhlerischen Müllerin noch heute nicht vergessen ist? Wie dem aber auch sei, sicher ist das Soldatenlied heute, wo die alten Spinnstuben aussterben und die Zusammenkünfte unter der Dorflinde immer seltener werden, die treueste Bewahrerin alten deutschen Volksliedgutes geworden. Und noch etwas anderes sollte die Vorgesetzten veranlassen, das Singen in ihrer Truppe nach Möglichkeit zu fördern. Gesang und Leistungsfähigkeit stehen beim Soldaten in eigentümlicher Wechselwirkung zueinander: der Gesang wirkt belebend und stärkend auf die ermüdete Mannschaft ein, andrerseits zeigt die Kompagnie, die noch nach schwierigsten Strapazen zu singen vermag, damit an, daß sie ihre Frische behalten hat und bereit ist, auch noch weitere Anstrengungen zu ertragen. Trinkgeld und sommerreise. Wenn Sie wünschen, daß Sie weiter zum Tont Paris gerechnet werden, haben Sie sich sofort aus Paris zu entfernen. Sie rönnen noch dem Himmel danken, daß wir heute so milde mit Ihnen verfahren; srütz.w hatte man als anständiger Mensch bereits am Tage nach dem Grand Prix seinen Koffer zu packen, und habet wurde der Grand Prix vor ein paar Jahren noch vierzehn Tage früher gelaufen als gegenwärtig. Nach dem neuen Knigge haben Sie bis zum Nationalfeiertag Gnadenfrist' dann werden Sie erbarmungslos hinausgestoßen in die Wüste her Sommerfrische mit Sonnenstichhitze, bösartigen Insekten, Eisenbahnängsten, Hotel- rechnungen, Komfortmangel und trinkgeldheischenden Wegelagerern. Es gibt Leute — wir gehören selbst dazu —, denen die Trink- gelbfrage bas ganze Reisevergnügen verdirbt; nicht weil der Geiz ihnen bei jedem- kleinen Silberling das Herz bluten läßt, sondern weil in dieser „Aera der Luftfliegerei" und aller möglichen draht- 488 losen Fernwirkungen noch immer nicht das Rezept gefunden ist, wie und was man Trinkgeld zu geben hat. Im allgemeinen kann man sich an die Regel halten, sowohl in Paris wie in den französischen Sommerfrischen: demjenigen das größte Trinkgeld, der nichts für uns getan hat; zum Beispiel dem im Großzeremonienmeister-Prunkgewand einherwandelnden Portier, der uns nur herablassend grüßt. Andererseits am wenigsten Trinkgeld dem, der sich für unschemüht hat, z. B. dem Lastträger oder dem Schuhputzer. Selbst in den französischen, vom großen Reiseverkehr verschonten Provinznestern findet man nur noch wenige von diesen charmanten, ländlichen Herbergen, wo man in Zimmern mit altväterlicher Einrichtung und Himmelbett wunderbar aufgehoben ist und wo man für wenig Geld ein vorzügliches Essen und Trinken bekommt. Da wird man nach ein paar Tagen als der Gast des Hauses angesehen: man ißt mit dem Wirt und dessen Familie, und die zwei Ns drei dienenden Geister, die gleichfalls mit zur Familie zu gehören scheinen, werden von uns vertraulich mit dem Bornamen angeredet. Ta ergibt sich das Trinkgeld, wie in der guten, alten Zeit, von selbst; dieser „vin du Valets wie man damals sagte. „Zwei Sols für dich — damit du mich in gutem Andenken behältst," war das Abschiedswort an den Kellner. Zwei Sols! Tas klingt wie ein schlechter Witz heute. Man höre, wie sich für einen Tnrchschnittsreisenden in Paris die Tages- rcchnung an Trinkgeldern stellt: Jede Autotaxifahrt vierzig bis fünfzig Centimes Pourboire; beim Coiffeur für Rasieren allein drei Sous, für Kopfwäschen, Friktion usw. fünfzig Centimes; jeder Besuch im Kaffeehaus und Taverne 10 v. H. des Bestellten, mindestens aber zwei bis drei Sous. In den besseren Restaurants erwartet der Kellner für Dejeuner oder Diner einen Tribut von fünfzig Centimes bis zu einem Franken; sind wir in Gesellschaft, natürlich entsprechend mehr. In den Galerien, Palais, Museen, Sehenswürdigkeiten sind Trinkgelder meistens verboten; man weiß, wie das gemeint ist. Die Zehnsousstncke fliegen nur so. Im Theater kaufen wir uns ein Programm. Kostenpunkt? „Ce que Monsieur voudra!" Geben wir aber nicht genug, zieht man ein schiefes Gesicht. Man wird deutlicher. „Monsieur Peuse ä nos petits bensfices!" Veranschlagen wir diese „petits bsnsfices" zu niedrig, wird man grob und sängt an, Argot zu reden. Tagestrinkgelder im Hotel machen zusammen zwei Franken. Erfahreire Pariser rechnen ans ihre Tagesäusgaben sogar 20 v. H. Trinkgelder. Da kann man sich denken, was der Ausländer sich für eine Abgabe auferlegen muh, will er nicht als schäbiger Knauser gelten. Das Schlimmste ist aber, dah man die andere Klippe, das Zu- vielgeben mindestens ebenso zn fürchten hat, denn nirgends kommt man so schnell in den Rins eines leicht zu rupfenden Einfaltis- pinsel, eines „poire", wie in Paris. Rach alledem kann man ermessen, was uns bevorsteht, wenn wir einen französischen Badeort genießen wollen! In Paris hat man noch eine Gewvhnheits- skala; da draußen beginnt das Reich uferloser Willkür. Das kümmerlichste Strandnest der Normandie oder Bretagne setzt uns Preise auf wie Ritz oder Bristol, und die Trinkgelder wachsen bei dem Heer von Portiers, Garyons, Chasseurs, Grooms, 'Dienstmädchen, Listjungen, Kutschern, Chauffeurs usw. ins Phantastische.. Im Hoflager von Eompiögne wurde den kaiserlichen Gästen durch den Majordomus beim Mfchiod ein Zettel überreicht, auf dem sie für das Gesamttrinkgeld ihres Aufenthaltes eintaxierk waren — ein fremdländischer Botschafter zum Beispiel auf 600 Franken. Nehmen wir den gebührenden Abstand vom Kaiserpalais und Botschafter: warum könnte nicht in gewöhnlichen französischen Hotels uns gewöhnlichen Sterblichen eine ebensolche Trinkgeldrechnung vorgelegt werden? Freilich: wir würden ja hinterher doch doch wieder Extratrinkgelder zu geben haben. Trinkgelder und Uebertrinkgelder gehören anscheinend zu den aus Pandoras Büchse stammenden Menschheitsplagen, die ewig sind. Auch in ^Frankreich, dem Land des Bon Sens. Vermischtes. * Napoleons Bädeker für den russischen Feldzug. Der französische Mb« Joseph Bonnet, der sich nach Petersburg begab, um in der dortigen kaiserlichen Bibliothek in der umfangreichen Sammlung französischer Manuskripte Forschungen zu veranstalten, hat im Verlaufe feiner Arbeit einen ungewöhnlich interessanten Fund gemacht: er entdeckte das Reisehandbuch, dessen Napoleon sich während des russischen Feldzuges bediente. Das Werk, gewissermaßen ein eigens für Napoleon hergestellter Bädeker durch Rußland, ist mit der Hand geschrieben und bildet einen ziemlich starken Band, der in derbe Pappdeckel gebunden war und an Lederstreifen und Metallöfen anscheinend im Reifewagen Napoleons befestigt war. Man sieht es dem fesselnden Manuskripte, wie der Marzocco ausführt, noch an, daß es häufig benutzt wurde, die Blätter verraten, daß eine nervöse und hastige Hand sie oft umwandte und daß dieses Reisebuch Napoleons von dem Feldherrn sehr oft um Rat befragt wurde. Aber noch interessanter als das äußere Aussehen dieses handschriftlichen Buches ist sein Inhalt, der geeignet schien, die Eroberuugs- lust zu entflammen und doch zugleich die furchtbaren Schwierigkeiten eines kriegerischen Unternehmens gegen Rußland nachdrücklich hervorhebt. Ausführlich wird der Bodenrerchtum Rußlands geschildert, u. a. auch die noch ungehobenen mächtigen Miner al schätze des Uralgebietes, dann aber wird ausgeführt, daß ein Feldzug gegen das russische Reich mit dem Augenblick der Uebcrfchreitung der russischen Grenze Gefahren mit sich bringen müsse, die nicht zu überwinden wären. Das russische Heer wird betrachtet, die gewaltige Ausdehnuug und verhältnismäßig schwache Bevölkerung des Landes geschildert und darauf hingewiescu, daß Rußland infolge feiner Unkultur sich als „jenseits der Eroberungsmöglichkeit stehend, ansehen könne. „Die Feinde", so heißt es wörtlich, „würden hier nicht besser abschneiden wie im Altertum die Römer im Kampfe gegen die Skythen und Parther." Oft genug mögen diese prophetischen Worte im Verlause des Feldzuges im Geiste Napoleons nachgeklungen haben, als sich dieser kluge und vorsichtige Führer durch Rußland längst nicht mehr im Besitze Napoleons befand. Denn das kostbare Buch wurde dem Kaiser in Wilna gestohlen; dort ivar der Reisewagen schlecht bewacht, ein Mönch, namens Pais, benutzte die Gelegenheit, um sich das Gefährt anzufehen und nahm dabei das Reifebuch mit, ohne daß irgend jemand ihn verhinderte oder es auch nur zu bemerken schien. Der Mönch übergab seine Beute dem General Kaizarow, der durch einen eigenhändigen schriftlichen Vermerk die Herkunft des Buches bezeichnete und das Manuskript dann „als ein Zeichen unendlicher Dankbarkeit" dem Alexander Michaelowitsch Berdiew zum Geschenk machte. Mehrfach wechselte das napoleonische Reifebuch den Besitzer, bis im Jahre 1859 Warsolomiew das kostbare Manuskript der kaiserlichen Bibliothek in Petersburg überwies, wo cs seitdem inmitten anderer Handschriftenschätzc schlummerte. — Ein mißbrauchtes Go et he wort, lieber bildende Kunst und. über künstlerisches Gestalten darf ein jeder schreiben^ es sei denn der einzig dazu berufene: der Künstler. Was dem Philosophen, dem Aesthetiker, dem Schulmeister, dem Journalisten recht ist, das ist dem Maler oder Bildhauer noch lange nicht billig. Er wage es nur, aus der Fülle seiner Erfahrungen etwas mitzn- teilen, was landläufigen Anschauungen widerspricht, und alsbald wird er es zu hören bekommen, das vernichtende Dichterwort: Bilde, Künstler, rede nicht! Damit ist der Fachmann für den Kunstrichter erledigt, in seine Schranken zurückgewiesen, ihm in Goethes Namen der Rat erteilt, es beim Pinsel, und Meißel bewenden zu lassen. Nun sind ja dem Leser vier Worte eines Genius in der Regel willkommener,-als vierzig selbst des witzigsten Geschmäcklers, vorausgesetzt, daß die vier am rechten Ort erscheinen, und, wie man sagt, den,Nagel auf den Kopf treffen. Aber diese Voraussetzung trifft hier nicht zu. Goethe ist mißverstanden, und seine Zitatenfreigebigipit schmählich mißbraucht worden. Das an den Künstler gerichtete Schweigegebot hat nämlich mit dem Reden und Schreiben im gewöhnlichen Sinne gar nichts zu tun. Man lese es vollständig, so wie es über dem Abschnitt „Kunst der Dichtungen des Meisters geschrieben steht: Bilde, Künstler, rede nicht! Nur ein Hauch sei dein Gedicht! , Um sein Kunsttverk also handelt es sich, um sein Gedicht, nicht um seine außerberufliche Schrift stell er ei. In unverstümmelter Gestalt rst das Berschen nichts anderes, als eine feine Benierkuug über das Wesen der Lyrik und dessen, was lyrischer Art in den bildenden Künsten ist. Es enthält die Mahnung an den Dichter,— den Maler und Bildhauer — Schöpfer und Gestalter zn sein, nicht Schilderet: und Erzähler, und gleichzeitig fordert es von ihm, er solle in seinem Werke nicht die Wirklichkeit der Tinge gebet:, sondern nur ihren Abglanz, ihren Schein, den Duft, der sie, umschwebt, den „Geisterhauch, der sie umwittert". Das ist der nämliche Gedanke, der auch in Hölderlins Apostrophe an die jungen Dichter zu finden ist: „Lehrt und beschreibet nicht!" Nur ist hier weniger das Un- körperliche, Unstoffliche, der „Traumcharakter" der Kunstschöpfung betont, wie es dem Sänger des Schicksalsliedes vorschwebt, als ihre Tendenzlosigke.it, ihre Freiheit von lehrhaften,^ Nebenrücksicksten, feien diese nun wissenschaftlicher, religiöser, ethischer, morauscher, sinnlicher oder praktischer Art. Jedenfalls aber hat niemand, das Recht, sich auf Goethe oder Hölderlin zu berufen, wenn er eurem Liebermann, Klinger oder Artur Bolkmann den Mund verbieten, ihm das „Schuster, bleib bei deinem Leisten" zurusen will. Z'ttatenratsel. t . Aus jedem der folgenden Zilate ist ein Wort zu nehmen, fo vag sich ein neues Zitat ergibt: 1. Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten. 2. Wenn Sie eine Kunst haben wollen, so haben Sie eilte 1 3. Müßige Ruh' ist das Grab des Muts. 4. Lana, lang tst's her! 5. Er lebte, nahm ein Weib und starb. 6. Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. 7. Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu. 8. Unser Schuldbuch sei vernichlet! 9. Mehr als das Leben lieb ich meine Freiheit. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Im Waffenlärm schiveigeu die Gesetze.___ Redaktion : I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.