&&aa. I r I <1 WMWÄ 19(5 — Nk. 8t Samias, den r. 3utii M 11 .. z/^3(itljfrrbt, fassen Eie das Wort „schlechte Kämveu" nicht wörtlich auf. An Ihren soldatischen Tugenden zweifle ich nicht, ich. meine damit aber: Wer eiue'große Sache verficht, ohne mit.Herz imd Sinn ihr anzugehören, wer eine Sache verficht, von deren Aussichtslosigkeit er überzeugt ist, der ist iuu schlechter Kämpe. Zum Kampfe gehört Wahrheit der Gefühle, Treue der Ueberzeuguug!" „Gräfin, Sie martern mich!" „Nein, Linthardt, ich halte Ihnen Tatsachen vor, und wen Sie ganz und gar erkennen, daß. ich nur zu recht habe, nennen Sie das eine Marter!" schwiegen beide lauge Zeit. Dann raffte sich die Gräfin auf und griff nach einer kleinen Bronzekugel, die n einem Schälchen lag, und warf sie lässig in ein grosses, ilbernes Becken, das von einem zierlichen Dreifuß getragen wurde. Ein feiner, lieblicher Klang ertönte, und im Äugelt- i — einen Napoleon vernichten! — Wer ,. , . Was ist alle Begeisterung der Massen gegen dieses Kriegsgenie, was sind Preußens König und feine Verbündeten, die er erhofft, gegen diesen Eisenkopf!" . Sie ergriff jetzt Linthardts Hand und sagte weich: „Elnthardt, sie verschwenden Ihr Nationalgefuhl, was ein erkünsteltes und erzwungenes ist, an eine verlorene Sache!" „Gräfin, Ihre Worte enthalten Wahres, leider nur zu Wahres! Sie kennen mich und mein Inneres nur zu gut, als daß ich Ihnen widersprechen könnte. — Und dock, muß ich wiederholen: ich muß fort,, ich muß heim. Ich bm nicht nur der denkende Mensch, der sich weltbürK-, liche Anschauungen erworben hat, ich bin auch Edelmann und'als solcher meinem König lehnspflichtig!" „Linthardt, wir leben nicht mehr im Mittelalter, und schlechte Kämpen kann ein König nicht gebrauchen!" „Gräfin!" — Er stampfte mit dem Fuße auf und wandte sich ab. „Verehrte Gräfin, Sie irren, wenn Sie meinen, ich edauöte mir in so ernsten Sachen Späße. Es ist nietn jener Entschluß, zu gehen, oder haben Sie vorhin nicht s^bst gehört, wie di? böhmischen Edelleute spotteten, daß ich noch nicht dem Rufe meines Königs gefolgt bin?" Die Gräfin sah sinnend zu Boden, dann stützte sie ihre Ai nie auf den Marmorrand des Kamins und schaute in tue rote Glut des glimmenden Ulmenholzes, endlich fragte sie leise: „Wohin wollen Sie gehen Junker?" „Heini, Gräfin, heim, nm gleich meinem Bruder Werner m die Armee einzutreten!" Sie wandte sich langsam zu Linthardt und sah ihn er- staunt an. — „Das wollten Sre tun? Sie wollten Has tun? —. .Das können Sie nicht, das können Sie einfach nicht, weil es keinen Menschen gibt, der seine Gesinnung so ver- leugnen konnte, um für die Verleugnung sein Leben und fern Gluck m die Schanze zu schlagen. Oder hieße es' nicht, wider Ihre bessere Einsicht handeln, wollten Sie, in dessen Herzen Napoleon zu einem Gotte erhöht wurde, woll- ten Sie mit helfen, diesen Gott zu vernichten! — Ha, vernichten, - "■ • ' könnte das! Die Flammensrichen rauchen. Roman aus dem Jahre 1813 Wan Mdlx Ksarl Böttcher-Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Linthardt später auf einen Augenblick der Gräfin Men- gegenüber stand, flüsterte er ihr zu: „Ich muß Sie heute noch allein sprechen, unbedingt!" . wandte sich kurz daugch an dn Gesellschaft: „Menie Lieben, des Singen vorhin hat angestrengt, als ich glaubte. Ich wäre wollten?" wenn Sie für heute Abschied nehmen die Herren, auch Linthardt mit, im Vor- «re^Jc^tcbet .halten, rief die Gräfin laut: „Ach, ‘eS,alohe, mit Ihnen hätte ich noch einiges zu besprechen!" 0 . ^an saß er ihr in ihbein Boudoir gegenüber, wie Winter, fo auch heute wieder ganz im Banne dieser schönen Frau. Sie setzte sich an den trotz des lauen Wends ge- yeizteii Kamin, stemmte ihre von roten Schühchen um- lleideten Fuße auf den Bbonzesims des Ofens und hielt die Hande, um sie zu wärmen, an den heißen Marmor. Als Lewuck, Tee reichte und sich dann zurückzog, blickte die Gräfin schelmisch zu Linthardt, der ihr zur Seite saß, ''M nickte ihn, zu, als wollte sie sagen: „Nun, ist dieses, Eckchen nicht traMich, und diese StimniUng nicht geeignet, ein Geständnis zu machen, das ich schon lange erwarte?" dernd^ ))hn?"müeC imuter schwieg, sagte sie aufsor- ich danke Ihnen für den neuen Gunstbeweis, nur diese Besprechung gewährt zu haben," begann Linthardt unsicher und stockend. — „Sie machen mich glücklich, daß Sie mich, der ich noch nicht einmal gleiches Stammesblut nut Ihnen habe, vor Ihren eignen Landsleuten oder Rasse- verwandten auszeichneti!" „Ist Ihnen das recht, Altenlohe?" m bin stolz darauf und danke Ihnen dafür, teuerste KW’1' doch wenn ich Sie vorhin bat, mir auf einen Auqeu- . " Mhor unter vier Augen zu scheukeu, war der Grund em andrer, als Ihnen nur zu danken. — Ich — ich wollte Ihnen - Lebewohl sagen!" < , '(Ltnthardt!" — Gräfin Storsch stand auf und schaute den ziunker entsetzt an, daun sagte sie mit mühsam er- ' gnm|tge|ter Ruhe: fünfer, es ist nicht recht von Ihnen, solche - solche Späße zu machen!" Linthardt war selbst erschrocken über die Wirkung seiner Worte, durch welche die Gräfin ihm ihre innersten Gefühle verriet, uuo der Junker erkannte, was er längst geahnt hatte: die Gräfin Eleonore Storsch-Pisek lieble ihn HmilierM IslerhMnMall M lSHrmrAtykiger AuttvlAsMch. 346 blick teilten sich die Vorhänge und der Heiduck stand int A^^Jnssuff, bringe dem Herrn Erbjunker Mantel und Hut!" Jnssuff verschwand und kehrte mit LintHardts Sachen zurück und half ihin in den Mantel. — Tie Gräfin winkte ihm, iiub der Schwarze zog sich zurück. „Nun, sind Sie mir bös, teuerste Gräfin?" Ja'" Er trat zu ihr und ergriff ihre Hand und.strich kosend darüber hin, und sie lieh ihn gewähren. Dann sagte sie schmollend und mit kindischem Trotze: „Gehen Sie doch, Junker -- der König wartet, und der Freiherr von Lützow, der in Breslau das Freikorps errichtet, bedarf solcher Kämpen!" Er überhörte den Hohn und sagte schlicht: „Bei den Lützowern einzutreten, dürften mir die Mittel fehlen, Sie horchte hoch auf. — „Ich verstehe Sie nicht!" „Ich bin arm, Gräfin, bettelarm!" „Sie sind — ? Junker, Sie belieben heilte abctld eigentümliche Späße zu inachen. Oder meinen Sie, ich kenne deil deutschen Adel so wenig, nm nicht zu wissen,, dah die voir Altenlohe auf Heidehorst zu beit Reichsten des Landes gehören?" „Bis heute nachmittag, oder besser, bis vor fünf Tagen, ja, aber jetzt ist nichts mein, als was ich hier in Prag habe: Ein paar Koffer Bücher, meine Kleider und mein Degen, und streng genommen gehören diese Sachen nicht einmal mir, alles andre ist den meinigen und mir enteignet!" „Ich verstehe Sie noch immer nicht!" fuhr die Gräfin fort. „Will man Ihnen Ihr Eigentum uehmen, weil Sie nicht mitkämpfen?" „Nein, weil wir mitkämpfen, hat man es uns genommen. Ein Hausgesetz unserer Familie, entbanden bei der Verehelichung meines Vaters, sagt: Bon Stund an, da die von Altenlohe die Hand im Kampfe gegen eine französische Macht erheben, verfällt alles .Hab und Gut an die Familie des Stifters des Fideikommih und des Stammvermögens zurück." „Und die Familie wäre?" „Unsere französischen Verwandten in Malmaisou!" Jetzt geriet die Gräfin in Wallung. „Setzen Sie sich Junker, bitte Ihren Hut, — so , ziehen Sie auch den Mantel wieder aus, — so. — Nun hören Sie: Ich sagte vorhin: bleiben Sie da und kämpfen Sie nicht, jetzt aber sage ich: reisen Sie fort und kämpfen Sie, jedoch nicht in Preußens Zlrmee, sondern für sich, und nicht gegen Napoleons Heerscharen, sondern gegen die, die Ihnen Ihren Stammsitz und Ihr Erbe rauben wollen. Sie wissen, ich habe auch Nationalgefühl, aber auch hier nküssen Grenzen gezogen werden. Was ist es, wenn die Leute, tote die Zeitungöck melden, zu Tausenden ihre goldenen Trauringe opfern, was ist es, wenn der Bauer fein Pferd dem Heere opfert, oder gar jeues Mädchen, tote Jussuff vorhin erzählte, der es aus der Druckerei mitbrachte, lveun jenes Mädchen in eifriger Begeisterung ihr Haar verkauft, um den Erlös in die große Kriegskässe zu werfen, was ist das alles gegen den Verzicht auf ein Riesenvermögen, gegen den Verzicht auf die Ihnen anerzogene Bequemlichkeit des Lebens und gegen ein Leben als Betteljunker? — Oder wer gibt Ihnen nach dem Kriege mag er ausfallen, wie er will, Ihre Güter wieder, wer sorgt für Ihren alten Vater und Ihre Schwester, wenn Sie und Ihr Bruder im Felde bleiben? — Nein, Linthardt, behalten Sie Vernunft im Köpfe, wenn die Ihren in Begeisterung alles von sich geworfen haben. Es ist ihre Pflicht, als Erbjunker und Stammesältester, Ihren Familiensitz zu wahren und zu schützen und Ihre Angehörigen werden Ihnen es später, wenn der erste Rausch der Begeisterung vorüber ist und die nüchterne Not des armseligen Lebens nach Ihnen greift, noch Dank wissen. — Also: auf nach der Heimat! Erklären Sie frei und offen: Ich kämpfe nicht mit, denn ich habe mein Hab und Gut, das selbst ein kleines Königreich be- deutet, zu schützen. — Erklären Sie: Was mein ist, das ist des Königs, und ich wäre ein schlechter Untertan,' wollte ich um den Wert einer einzigen Säbelscheide meinem Vaterland ein reiches Erbe entgehen und an Frankreichs Sprossen fallen lassen!" Linthardt ergriff der Gräfin Hand: „Sie herrliche Frau! Sie kennen meine Gedanken fast, wie ich selbst. Sv, genau so dachte ich heute nachmittag, als mir der Kurier die verhängnisvolle Nachricht überbrachte. Ja, so, tote Sie sagen, will ich tun. — Aber freilich, es wird mich harte Kämpfe kosten, und ich habe in der Heimat Vater und Schwester, Bruder und Freunde, — alle, alle gegen mich!" „Nur Mut! Und wenn Sie siegen, ich meine, wenn die Ihren erkannt haben, daß Sie recht taten, dann kommen Sie zu mir, Und dann besprechen wir das, was mir mehr am Herzen liegt, und ich hoffe, auch Jhüen, als Politik and Kriegsgetöse!" Sie reichte ihm die Hand, die er hastig ergriff und küßte. i— Dann nahm er Hut und Mantel und ging von ihr. 3. Teil. Wald und Flur zeigten fröhliches Frnhlingsgrün, und auf den Feldern ward mit Mühe die Frühjahrsbestellung vollendet. Nur vereinzelt zog ein alter müder Gaul, für den Krieg zu schlecht, oder eine magere Kuh die Pflugschar über die Scholle und nur die matte Faust des Greises oder dse schwache Hand eines Weibes drückte das Eisen in die Furche. — Roß und Mann, sonst friedliche Feldarbeit gewöhnt, standen jetzt draußen in Reih und Glied, den großen Korsen niederzuringen. Bon den von Heidehorst ausgerückten 49 Mann waren freilich nicht alle zur offenen Armee gesandt worden, sondern ein Teil, insonderh.it die Aeltern und Schwächer«, wurden zur Landwehr bestimmt, die in allen deutschen Gauen errichtet wurde. . In diesen Tagen fuhren auf der Landstraße, die von der Kreisstadt Wessel nach Schloß und Dorf Heidehorst führte, zwei große Reisewagen dahin und blieben kurz vor Heidehorst int Straßenkot stecken. Aus dem einen Wagen stieg jetzt ein langer, hagerer Herr, die Augen durch eine starkglasige Brille verschanzt und trat an die Tür des- zweiten Wagens. Er sprach französisch zu den Insassen dieses Gefährts: „Gnädige Frau, wir kommen nicht weiter. Wollen Die hier warten, bis ich aus dem Dorfe Vorspann geholt habe, oder wollen Sie die wenigen Minuten, die wir noch bis zum Schloß haben, zu Fuß gehen?" „Wo denken Sie hin, bester Notar? Wir sind in Mal- maison zierliche Spaziergänge gewöhnt und nicht den Morast deutscher Urwaldstraßen!" „Aber Mama!" sagte eine zierliche Dame mit großen, schönen, dunkeln Augen und frischem, seelenvollem Antlitz. „Aber Mama, das kann doch Stunden dauern, bis wir hier ans dem Schlamme gezogen werden. Wir wollen doch zu Fuß nach dem Schloß zu gelangen suchen!" „Du weißt nicht, was du sprichst, Toinettc. Hier im Wagen sind wir doch wenigstens vor den Beleidigungen des Bauernpöbels sicher und durch den Kutscher und den Diener einigermaßen geschützt!" „Aber Mama, wir sind doch nicht unter Wilden! Weißt du nicht mehr, daß Vetter Linthardt uns erzählte, wie bieder und Ehrlich seine Bauern seien. Und außerdem: haben wir nicht den Durchlaßscheiu unseres allerinachtigsten Kaisers und Herrn?" (Fortsetzung folgt.) Gartenkunst. Eine kulturgeschichtliche Studie. Nicht jeder Garten ist ein Kunstwerk. Ein Obstgarten kanü behaglichen Aufenthalt bieten, ein Weiugarteir mit weiten Reben- lanbgängen ist voll natürlicher Anmut: aber wo der Ertrag maßgebend ist, da hat die Kunst noch,nicht mitzusprechen. Soll der Garten ein Kunstwerk sein, so darf nicht der Nutzen, sondern nur die Schönheit maßgebend sein, ja es werden sogar oft alle fruchttragenden Baume aus ihm entfernt und verbannt, als beeinträchtige der materielle Wert den ästhetischen. Die Gartenkunst ist gleich der Baukunst zunächst aus einem praktischen Bedürfnis tzervorgegangen, auf welches der Schönheitssinn veredelnd eitz- gewirkt hat. Als in vorchristlicher Zeit der Mensch aus der großen Menge der Gewächse einige auswählte, um sie zu seinem Nutzen unter seinen Schutz zu nehmeu, da konnte er die Getreidearten in den entlegener«! Feldern anbauen, da sie einmal gesät, sich von selbst Weiter entwickelten: die Fruchtbäume aber, die Gemüse» und Arzneipflanzen, meist Fremdlinge, die ihm aus fernen Ländern auf seinen Wanderungen gefolgt waren, bedurften täglicher Beaufsichtigung Und sorgsamer Pflege. Ihnen wurden schon in früher Zeit gewisse Blumen beigesellt, die durch den Reiz ihrer Form, durch Duft und Farbe die Sinne und Seele des Menschstt erfreuen. Für diese Gewächse ukußte ein besonderer Platz ut unmittelbarer Nähe der Wohnung vorbereitet, durch Zaun over Mauer gegen Eindringlinge und Beschädigungen verwahrt und 347 mit Einrichtung zur Bewässerung versehen werden. In den Zeiten primitiver gesellschastlicher Ordnung war der Wer Gesamt- besitz des Stammes oder der Gemeinde; der Garten aber gehörte dem zu eigen, der ihn. eingefriedigt und bestellt hatte, und so hat sich aus dem Besitze des Gartens das Grundeigentum eitttoi:Mt. Dem schlichten Naturgesühl der Vorzeit erschienen alte, ehrwürdige Baume als Wohnsitze der Gottheit; dann wurde ein mit Bäumen bepflanzter Bezirk einem Gotte geweiht und durch eine Mauer von der profanen Welt abgeschlossen. Als später die Kunst sich an höhere_ Aufgaben wagte, wurde dann mitten im Haine der Tempel mit dem Bilde Gottes erbaut. In solchen geheiligten Hainen lustwandelten die Bürger im Schutze des Gottesfriedens, wenn sie vor den Toren der Stadt die frische Luft genießen wollten. Aus den Tempelhainen gingen die öffentlichen Anlagen der antiken Städte hervor, in den Tempel Hainen ist die Philosophie Griechenlands ausgewachsen. Bevor sich aus griechischem Boden ein selbständiges Kulturleben entwickelt hatte, waren schon Jahrhunderte vorher von den Sultanen des Orients Gärten in den Umgebungen ihrer Paläste angelegt worden, deren Ruhm in der Sage und in der Poesie fortlebt. Von den hängenden Gärten der mythischen Semi- ramis, die das Altertum zu den sieben Weltwundern zählte, ist mir ein mächtiger Trümmerhaufen am Euphrat übrig geblieben. Die. Paradiese der persischen Großkönige gelten bis auf den, heutigen Tag als das lieblichste, was Natur und Kunst in einer Landschaft zu schaffen vermag, lieber die Gärten von Jerusalem hat das hohe Lied poetischen 8öeiz gebreitet, und wenn König Salomon in seinen Gärten wirklich neben Granaten-, Feigen-, Aepfel- und Nußbäumen, neben Weinreben und Palmen, neben Lilien und Narzissen, auch Beete von Balsampflanzen, „Würzgärtlein der Ilpotlseker, Cypcr und Narde, Weihrauch und Myrrhenbaum, Kalmus und Cinnamvn, Safran und Alos" pflanzte, so müssen dieselben reicher an botanischen Seltenheiten gewesen sein, als irgend ein Garten des klassischen Altertums. Wie in Griechenland, so wuchs auch in Rom gegen Ende der Republik die Zahl der großartigen Gartenanlagen derart, daß sie in Italien den Ackerbau fast verdrängten. Tie meisten Gärten der römischen Kaiserzeit waren auf beschränktem Raum rn regelmäßigem Stil mit Terrassen und Treppenbauten angelegt, die hohe Gartenmauer durch gemalte Fernsichten entrückt oder hinter stufenförmigen Bnchsbaumhecken und rebeuumrankten Lnub- gängen verborgen. Gerade Alleen von Platanen und Lorbeerbäumen, deren Stämme von Efeu umrankt waren und zwischen denen Statuen, Hermen, Vasen und andere Bildwerke schimmerten, führten hier zu einem von Säulen getragenen Dempelchen, dort zu einem, phantastischen Pavillon oder zu einem großen Marmorbassin, in das skulpturenreiche Springbrunnen ihr kühlendes Wasser aus Löwenrachen ergossen. >Än Halbkreis schwarzer Zypressen oder Pinien umfaßte viereckige Beete von Violen, Mohn oder Iris, duftige Rosenparterres oder künstlich zugeschuitteng Buchsbaumfiguren. Doch umschlossen die Mauern von Rom auch Landschaftsgärten von ungeheurer Ausdehnung, in bewußter Nachahmung schöner Natursormen geschaffen, mit mannigfaltiger Ter- raiubeiveguug, künftlichen Hügeln und Flüssen, Wald und Rasenplätzen, mit Tierpark, Volieren und Bauwerken aller Art ausgestattet. Daß selbst in kleinen Städten dem einfachen Bürgerhaus niemals ein Hausgarten fehlte, beweisen die Ruinen von Pompeji. Wer in Rom keinen eigenen Garten besaß, begnügte sich, Blumen vor die Fenster zu setzen, und Plinius beklagt die armen Blumen, die ohne Licht und Sonne in den engen Gassen der alten Stadt verkümmern müssen. In der Sturmflut der Völkerwanderung gingen im Abendland e vbne Zweifel die Gärten zuerst zugrunde. Als Rom äuf- hörte, die Hauptstadt der Welt zu sein, verlor sich auch bald der Wohlstand, dessen zu ihrer Blüte die Gärten mehr als jede andere Kunst bedürfen. Ein Rest römischer Gartenkunst fristete sem Dasem in den Klostergärten der Benediktiner, welche den Geschmack der regelmäßigen Beete, der rechtwinkelig gekrenzteü Alleen, tote sie in den Ländern des Mittelmeeres Mode waren Wer die Mpen trugen. Mich die Rosen und Lilien, die meisten Ktichen- und Urzneipflaiizen und die feineren, edleren Obstbäume, zugleich mit der Kunst ihrer Veredlung und Pflege, Würben; durch sie aus ihrem Muttergarten am Monte Casino in den Norden Europas verpflanzt. Glücklicher war der Orient; denn int byzantinischen Reiche, wo die Tradition der oströmischen Kultur ohne gewaltsame Katastrophe das ganze Mittelalter hindurch fort- e^halten blieb, erhielten sich auch in vielen Städten die Gärten und Anlagen bis in spätere Seiten. Als endlich int achtelt Jahrhundert unter der Herrschaft der Araber eilte neue, glänzende Achltur sich entfaltete, die heute noch in den Märchen von 1001 Nücht fortleuchtet, da wurden die schönsten Gewächse des Orients nach Westen nt die Gärten der Kalifen verpflanzt. Die arabischen Gartm bestanden aus rechteckigen Blumenbeeten, die mit Rosen Und Ltltem mit Safsran, Narzsisen, Mohn und Levkojen bepflanzt und nut Salbet, Rosmarin und Lavendel eingefaßt waren. In den rechtwtnkeligen Kreuzungen der gepflasterten Wege standen Zypressen, Orangen- und Zitroneubäume; Reben wölbten schattige | Laubgänge. Im Mittelpunkt ergoß ein Springbrunnen in rau- I schenden Kaskaden kühles Wasser in ein Marmorbecken. Die äußere I Umgrenzung des Gartens bildete ein Gebüsch von Lorbeer, Buchs 1 und Myrte, von persischem Flieder und Poutischem Rhododendron, Oleander mit rosenfarbigen und Granaten mit feuerroten Blumen, eä'n den Teppichbeeten bildeten Blumen in den verschiedensten Farben herrliche Zeichnungen und ganze Inschriften, in den Wasserbecken blühten rote, gelbe und blaue Lotosblumen. snt 14 Jahrhundert in Italien jene wunderbare Zeit der Wiedergeburt aller Künste und Wissenschaften anbrach, da erhoben sich wieder bte lichten Bogenhallen, die heiteren Säulengänge der rvmtschen Architektur und verdrängten die düsteren Spitzbogengewölbe der Gotik, da boten die Trümmer der Villen und Gart en - anlagen der ehemaligen römischen Ritter den Leitfaden zur Restau- ratton, _ bte Gärten bes Altertums erblühten zu neuem Leben. So entstanden nach den Entwürfen der berühmten Künstler Bra- mante, Rafael und Angelo die italienischen Villen des Cinquecento, bte sich in ihrer Malerischen und architektonischen Schönheit fast unverättdert bis in die Gegenwart erhalten haben. Freilich dauerte bte Blüte der italienischen Renaissance isicht lange. Schon zu Ende des 16. Jahrhunderts übernahm Frankreich die Führung tm Reiche der schönen und dekorativen Künste, die es bis auf den heutigen Tag sich zu bewahren gewußt hat. Auch in der Garten- kunst bewährte sich Paris als die Herrscherin der Mode und des Geschmackes. Zwar ist es von England in der Kultur von Schaft- Pflanzen und in der reichen Ausstellung der Gewächshäuser, von Deutschland itt der Züchtung von Florblumen, von Holland in' der von Zwiebelgewächsen, von Belgien in der Einführung bota- micher und floristischer Novitäten übertroffen worden, aber in der künstlerischen Verwertung des gesamten Gartenmaterials hat Frankreich seit Jährhunderten den Ton angegeben, tote auch heute Paris der Mittelpunkt des Marktes ist für all den herrlichen Blumenschmuck der prächtigen Blumenläden unserer Städte. . Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Garten- sttl der italienischen Renaissance auch nach Paris verpflanzt. Int folgenden Jahrhundert wurden aber fast alle Anlagen umgestaltet, nur der Garten des Luxembourg mit seiner Marmorkaskade/ ieinen Doppeltreppen und Steinbalnstraben, mit seinen geradlinigen Alleen und seiner Statuengalerie hat sich erhalten. Unter Ludwig XIV. entwickelte sich auf allen Gebieten der Kunst aus der leichten Grazie der italienischen Renaissance der prachtvolle/ abe rschwülstige Barockstil, der in den großartigen Gartenanlagen,- die dieser Monarch durch Lenötre bei seinen Schlössern zu Fontainebleau, St. Germain, St. Cloud, Versailles, den Tuilerieft ausführen ließ, zu mustergültiger Gestaltung gelangte. Der Garten bildet, gleichsam als Erweiterung des Schlosses, eine Menge riesiger Säle, zierlicher Kabinette, langer Korridore, Arkaden, Kolonnaden, Theater, die durch hvchgewölbte Tore ober durch enge Pforten in Verbindung stehen. Der Fußboden ist mit einem grünen Rasenteppich von unabsehbarer Länge belegt, die Wände sind mit gerade geschnittenen Laubspalieren, wie mit grünen Gobelins austape- ziert, mit marmornen Ruhebänken ausgestattet, mit Vasen und Statuen in verschwenderischer Pracht geziert. Ueberall waltet klare, architektonische Gliederung und regelmäßige symmetrische-Orb- nung. Am Silbe jeder Allee, jedes lauschigen Laubganges zeigt sich als Point de vue hier eine kleine Fontaine, dort eine Statup, eine Pyramide oder ein Obelisk, ein Tempel, ein Müsiksalon, ein Kasino, eine Gloriette ober ein gemalter Prospekt. Nach außen schließt sich der Garten Lenötre's in vornehmer Pracht durch ein monumentales Gitter ab und repräsentiert so die stolze Unnahbarkeit der Majestät. Auf das Zeitalter Ludwigs XIV. folgte die Woche Ludwigs XV., auf das Barock das Rokkoko, das auch in den Gärteft des 18. Jahrhunderts seinen Ausdruck fand. Tie hohe Grandezza Lenötre's artete aus durch schnörkelhaft verschnittenes Hccken- toerf, durch verkünstelte Figuren des Parterres, durch phantastische Muschelgrotteii und kleinliche Wässerkünste, alles dies in Ueber- einstimmung mit der überfeinerten Dekoration, welche die Künstler des Rokkoko über die Budoirs und Salons ihrer Schlösser in üppigster Verschwendung ausgossen. In dieser Uebertreibung ist der altfran- zösische Garlenstil auch nach Deutschland gekommen und hat sich in einigen fürstlichen Gärten bis in die Gegenwart erhalten'. Viele Nachahmung fand er aber nicht, weil diese Gärten helft deutschen, Naturgefühl wenig sympathisch sind. Als im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Frankreich die Reaktion gegen den Absolutismus begann, welcher nicht bloß den Geist des Volkes, sondern auch die Natur in Fesseln einschnürte und selbst den Bäumen die Freiheit verkümmerte, als man in Bewunderung der schönen Natur bie Entdeckung gemacht hatte, baß die Schweizer Alpen eine schöne Gegend und ein würdiges Reiseziel seien, da erschien die Unnatur der .Rokkokvgärtcn, die nur für den Prunk eines korrumpierten Hofes geschaffen schienen, unerträglich. Man ließ die Bäume wieder wachsen wie sie wollten, aber man beseitigte zugleich mit ben geschorenen Hocken auch die Alleen und BluMenparierres. So entstanden beim die Naturgärten der Zopfzeit mit ihren melancholischen Seen und ihren getouitbenen Waldwegen, die in rascher Folge von einer Einsiedelei zu einem griechischen Tempel, von einer Mooshütte zu einer Moschee führten. Dauernden Gewinn brachte diese Periode der Gartenkunst dadurch, daß durch Freistellen einzelner Bäume und Baumgruppen der Sinn für die malerische Schönheit un- verstüMmelter Baumkronen wieder geweckt, und daß durch die gleichzeitige Einführung ausländischer Arten das Material vermehrt wurde, über das die Gartenkünstler verfügen konnten. 348 Demi durch die Anpflanzung norbamerikaiiischex Akazien totb Gleditschie», Eichen, Tulpen- und Lebensbänrne, der Weyniuths- kiefern und anderer Nadelhölzer wurde jene reizende Mannig- faltigelit in der Abstufung des Grüns, in der Gliederung des WanmschlageS, in den Konturen der Ausladungen gegeben, für welche unsere einheimische Flora nicht ausreicht. Wie nun in der neuesten Zeit unter dem Einflüsse gebildeter Aeghetiker und genialer Künstler die geschmacklosen Bauwerke aus den Parken der Zopfzeit verbannt wurden, so wurde in den neuen, ästhetisch säpineu Landschaftsgärten, iuie sie in gleichartigem Charakter sich fast in allen Städten Europas finden, durch farbenreiche Blumenpartien und heitere Rasenplätze der alten, melancholischen Einförmigkeit ein Gegengewicht geschaffen. Wie in unseren Straßen neben einem gothischen ein Kans in italienischer und deutscher oder französischer Renaissance, in klassischem oder orientalischem Stil errichtet wird, so nimmt auch die moderne Gartenkunst ihre Motive aus allen Stilarten der Vergangenheit und verwertet sie am passenden Platz. In diesem Sim- hat Leans, der originelle Schöpfer der Rhciuanlage bei Koblenz, in und um Berlin Reizendes geschaffen. Ebenso zeigt die Gartenkunst ihre Meisterschaft in den Gartenanlagen von Pans, die sich durch peinliche Sauberkeit in der Unterhaltung der Wege, des Rasens, der Blumenbeete, sowie durch tadellosen Geschmack in der Zusammenstellung der Farben und in der Anordnung der Gruppen auszeichnen. Neben deut Landschaftsgarten ist noch der sogenannten Wintergärten und der Gewächshäuser zu gedenken, für welche die moderne Architektur neue geschmackvolle Formell erfunden hat. In der Einrichtung der Palmenhäuser hat bislang England den ersten Rang eingenommen, doch weist man nicht, ob irgendwo in der Welt ein Gewächshaus steht, das in landschaftlichen Reizen dem Palmenhaus der Flora in Charlotten- burg oder dem Palmengarten in Frankfurt gleichkomnit. In den letzten Jahrzehnten haben fast alle Städte ihre Mittelalterlichen Festungswälle in Boulevards und Promenaden uiirgewaudelt, viele haben außerdem Stadtparks angelegt, die jeden-. Bürger allezeit offen stehen und auch dein Aermsten die Erholung in anmutiger Naturumgebung, den Anblick der Wuilder der einheimischen und Ausländischen Flora gewähren. Solche öffentlichen Gartenanlagen und Squares sind die Lungen der Stadt, in denen die durch das enge Zusammenivohnen so vieler Tausende verdorbene Luft gereinigt wird. Mit Recht werden daher nicht bloß in den Großstädten, sondern auch in den meisten Meutere» Städten bedeutende Geldmittel darauf verwendet, nette Anlagen zu schaffen und die alten Promenaden und Parke zu erhalten und zu verschönern und damit dem Bürger einen gesunden Aufenthalt und eine Quelle der Erfrischung und des reinsten Genusses zu gewähren. Dazu kommen jetzt allenthalben in deutschen Landen die großen Spiel- und Sportplätze, Golfplätze usw., die alle dazu dienen, die Gesundheit dec Menschen zu heben uttb zu fördern, die Kraft ttitb Gewandtheit der Heranwachsenden Jugend zu stärken und zu festigen. So schafft die Gartenkunst heute nicht nur für ben Lupus, sondern auch für das dringende Bedürfnis der Gesundheit durch Spielplätze Und Sportwiesen Werte von hoher und allgemeiner Bedeutung. Niemals aber sollten derartige Anlagen gemacht werden ohne Hin- zuzictzung eines Gartenarchitekten, dessen Vorschläge uttb Entwürfe man vorher einholen. sollte. Gr. Vesmißchtss. kf. Die u n t e r g r n nd f a r m. Vor einiger Zeit kauile Herr Robert Smith aus St. Lottis, als er des Stadtlebens ntüde tvar, eine Farttt bei Springfield in Missouri. Als er auf seiner Fnrnt ankattt, sah er, daß er au?s abschettlichstc hineingelegt tvordett tvar, denn der „vortreffliche Acketbodeit" tvar ein sehr steiles Felfenfeld voster Geröll, mit dein landwirtschaftlich durchaus nichts anztisangen tvar. Stöbert Stttith hat auf seinem Grundstücke aber denitoch eine Farm angelegt, eine Farm dazu, deren Erträgnisse die seiner Nachbarn überliessen, kurz: eine llutergrutidsarm. Zu dem Farnt- grundstück gehört nämlich eine Tropfsteinhöhle. Da Robert Smith aus dieser Tropfsteinhöhle mir keine andere Weise die Zinsen für seitt schlecht angelegtes Kapital herattsschlagen konnte, ließ er ohne weiteres die Stalagmiten und Stalaktiten ivegbrechen, besorgte sich etwas Gartenerde und sehr viel Pserdemist und begann alsbald, die „Nntergrundfarm" ztt bewirtschaften. Er hatte nämlich von der französischen Champignonzucht gehört und begann mit dieser. Der Versuch glückte vollkommen, und bei weiteren Versuchen stellte sich heraus, daß auch andere Pflanzen als Vilz, ttämlich zwei hoch ge- schätzte Gemüsearten, in der dunklen Höhle gut gedeihen, Rhabarber und der bleiche englische Celert). Die „klirnatischett Bedingungen" der zttr Untergrttndfarmr gewordenen Tropfsteinhöhle sollen nämlich ganz vorzüglich sein: es herrscht eine gleichmäßige Temperatur, die tttt he t ß e st en «ot nm e r tvie int kältesten Winter zwischen 14 und Io Grad Eelstns liegt; die gleichmäßig warme Luft ist völlig un- beivegt und enthalt gerade so viel Fettchtigkeit, tvie zttnt Gedeihe» der Pflanzen notig ist. Wer die Utttergrundfarnt besichtigt, lernt eure romantische Landschast kennen, die wohl kaum ihresgleichen hat: bet der Besichtigttng fährt man nämlich ht einem geräumigen Geistlicher: verbietet mir, al so gern her." SBoote auf einem breiten Höhlenbache, Scheinwerfer beleuchten dir „Felder" und treffen ab und zu auch auf Reste schöner Tropfstein- btldtmgeit. (?) _. ?m lustige» Onkel Sam. Der Diplomä'L Ste: „Jach, wenn wir verheiratet sind, bqlttt muß ich drei Mensh. boten haben. Er: „Aber gewiß, miet» Liebling. Du sollst Josar 20 Weit-nut nicht zu glÄcher Zeit" - Ihr Grunds ’M Mch, daß Sie so regelmäßig meine Abende andachte» besuchm, Mrs. BroM? „Ja, sehen Sie, mein Mari» verbietet mir, abends anszugehen, und deshalb komme ich immer so gern l-er/^ - Geschäft ist Geschäft. Vater: „Nun,- was, wollen Sre mit meinem Jungen anfangeN, uM ihn von de» Masern zu heilen? Arzt: „Gar nichts, »lein lieber Herr, denn es rst ein vereinzelter Fall. Ich verspreche Ihnen aber 10 Prozent ^^mMlergebuhr^für redes Kind, das sich an Ihrem Jungest anfte®t, — Beste r Bewei s. Mary: „Glaubst du, daß sie sich , ^ozte: „Unbedingt; sie hört zu, wenn er eine Fuß- oollpavtw beschreibt, und er hört zu, wenn sie von einer Toilette erzählt." — Gehorsam. Mutter: „Wer Mabel, wie kaimst du dir zwei Stück Kuchen nehmen?" Mabel: „Bitte, Mama, du hqst Mir gesagt, ich sollte nicht zweimal um etwas bitten." Viichertisch. — De ut sch e M änner. Fünfzig Charakterbilder von Robert Hessen. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. —.Dieses Buch erzählt von dem Leben und Strebe», de» Idee» und Taten, dem Ringen und Erreiche» großer deutscher Männer und gibt so eilt reiches Bild des beutschncitivnalen Lebens fast der ganze» geschichtlichen Zeit unseres Volkes. Wir erleben es mit,, wie dieses in seinen besten Vertretern sich seiner besonderen! Bestlmnlung und eigenartigen Kräfte bewußt wird, Ziele steckt und anstrebt, in trüben und frohen Erfahrungen sich durchringt in der Politik, auf dem Markt, in den Wissenschaften und Künsten. Wir lernen die blühende Wirklichkeit dessen kenne»/ was, so oft in Wolken von Phrasen gehüllt wird, nämlich die deutsche Art, deutsche Aufgaben und Ideale: wir sind überall dabei, wo etwas unternommen und durchgekämpft, wo gewagt Und gewirkt wird; wir sehen Kühnheit und Bedächtigkeit, frohes Hoffen und zähes Standhalteu, den Glauben an die gute Sache unb die Treue zu ihr am Werk, und aus den vielen Charakter.'» und Bestrebungen formt sich ein einheitliches, großes, frisches Bild, des deutschen Wesens rund und treu zusammen. Man klagt häufig, daß es dein Deutschen an staatsbürgerlicher Erziehung fehle: dieses Buch ist geeignet, Deutsche zu bilden, die nicht mehr oberflächliche Tagesphrasen uachbeten; es vermittelt ein tiefes historisches Verständnis der Lebensfragen unseres Volkes unb regt zugleich zu wärmster Teilnahme an seinen Geschicken an, es kann aus Kannegießer» Bürger, aus Festrednern Patrioten machen. Der Verfasser übt die Porträtkunst meisterhaft, mit wenigen Zügen arbeitet er die Eigenart der Personen zugleich scharf und ansprechend heraus; er'weiß uns die deutschen Männer »ienschlich nahezubringen in ein lebendiges, herzliches Verhältnis. Man kann sagen, er macht uns alles, die Personen und Verhältnisse, zur Familiensache, so daß wir alles Sorge» und Sehne», Hoffen und Streben lebhaft mitmachen und uns als lebendiges' Glied einer großen, herrlichen Gemeinschaft fühlen. In jeder Beziehung auf der Höhe wissenschaftlicher Forschung stehend, aber int frischen Ton der Erzählung und des geistreichen Essays geschrieben, ist das Werk bei» Gebildeten, besonders dem im öffent- liche» Lebe» stehenden Politiker, Schriftsteller und denkenden Bürger ein stets anregendes Handbuch, der reifen Jugend aber ein Erzieher zu deutschem Fühlen und Wirken. Zitatenrätsel- Aus jedem dec folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, jo daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Menn die Könige bau'», haben die Kärrner zu tun. 2. Was willst du dich das Stroh zu dreschen plagen? 3. Unterdessen erzähl' ich der Residenz eine Geschichte, wie man Präsident wird. 4; Wenn die Rose selbst sich schmückt, Schmückt sie auch den Garten. 5, Du schaust mich an, als wolltest du mir zürnen. 6. Sag' ihnen, mein Handwerk ist Wiedervergeltung ..,.» 7. Sonst spielt' ich mit Szepter, mit Krone und Stern. 8. Laß nicht zu viel uns an die Menschen glauben. 9. Und die Treue, sie ist doch fein leerer Wahn. 10. Ihr Mann ist tot und läßt Sie grüßen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Nicht bloß im grünen Wellenreiche, Aus der wogenden Meeresflut, Siuch auf der Erde, so fest sie ruht, Stuf ben ewigen alten Säulen Wanket das Glück und will nicht weilen. Schiller. Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.