samrtag, den 5. Zn!i "MW ■Me 5 t?BÖTogi< aüi~g ff.Hoi l. G i g.sse.n~ ■'9 Dir Mmmenzeichen rauchen. 9t oman Ms tietn Jahre 1813 von Miaix Karl Böttcher-Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 10. Teil. Gegen Abend des gleichen Tgges ivar draußen am Bruch, wo sich die Kriegsinvaliden alltäglich versammelten, eine erregte Unterhaltung geführt ioorden. Fridolin Etzinger, der nun heil und wohlgemut gleich seinem Vater auf seinem Stelzfuß daherhinkte, war der lauteste und erregteste. „Er ist ein FeigliW, Kameraden, ein elender Feigling! Nicht um Erhaltung des Gutes, um Errettung! seines Erbes bleibt er zurück, nein, er weiß genau, denn er ist ja Student der Rechte, er weiß genau, daß die Enteignung von Heidehorst zu Recht geschieht unb nicht geändert werden rann. — Und wenn nach dem Kriege die Sache vor das preußische Kammergericht kommt, wird und muß dies auch zu Linthardts von Altenlohe Ungunsten entscheiden. — Also das ist es nicht. Seine feige Seele ist es, die ihn hinter Schloß Und Riegel hält, er fürchtet für Leib und Leben — und, Kinder, hört mich doch an: Ist er denn nicht ein Schandfleck für unser Dorf und unsre Heimat? Wenn wir zu unfern Nachbarn kommen, nach Hohenlichtenau, nach Tichenow, nach Altblumenau oder sonst wohin, sie verlachen und verhöhnen uns, sie zeigen mit den Fingern auf uns: Das find die Heidehorster, die einen Feigling, die einen Verräter unter sich dulden. — Es ist eine Schande! — Wir alle hier haben gefochten, haben uns in Schmerzen gewunden, haben unser Blut und unfern gesunden Leib für den Kstnig dahingegeben und haben gehungert und gefroren und gedurstet und geblutet und' krüppeln nun umher bis an unser Lebensende. Und er, er lebt wie ein Fürst üppig -drüben in seinem Schloß, als ob ihn die ganze Sache gar nichts anginge. — Zum Kuckuck, Kameraden, seit ihr Memmen geworden? Ausräuchern müssen wir ihn! Auf, den roten Hahn auf die Bude!" „Nee, Kameraden, das tun tvir nicht! Zwar hat Etzinger recht, wenn er den Erbjunker Linthardt einen Feigling nennt, aber solange der alte Freiherr noch lebt, und solange die Baroneß noch im Dorfe ist, können wir dem Verräter nicht an den Kragen. Es wäre undankbar und roh von uns, wollten wir dem Erbjunker Gewalt antun! Mir hat der alte Freiherr viel Gutes erwiesen, und Gisela hat meine Mutter gepflegt, als sie damals in die Sense gefallen war!" So sagte ein andrer. Und ein dritter: „Was kümmert ihr euch um den alten Baron. Er hat nichts mehr gemein mit seinem Sohne und haßt ihn, gerade wie wir. Jawohl, Pfarrer Tempel hat es meinem Vater erzählt, daß der Baron nie von Mhardt spricht!" ■ „Seid nicht albern, Kinder! Denkt ihr wirklich, daß ein Vater mit einem Malle alle Liehe, die seit drei Jahrzehnten im Herzen sitzt, herausreißen kann? Das versteht ihr nicht!" warf der WindmMer ein. „Kameraden, laßt das Streiten! Also wenn wir dem Erbjunker nicht an den Kragen können, des Alten wegen, na, dann wollen wir ihn wenigstens vom Schloß jagen. Wer raus muß er aus Heidehorst, mag er sich eine andre Heimat suchen!" „Aber wie?! Gutwillig geht der nicht!" „Holz vor die Fenster — Pech drauf und angeb rannte Ausräuchern hat noch immer geholfen!" „Geht nicht, Kinder — geht nicht! Denkt an FraUi von Bourgee und ihre Tochter! Sie könnten zu Schaden kommen, und wir würden es büßen müssen. Der Anschlag auf dem Schultheißenamt, den das preußische Zentral- kommando gestern geschickt hat, sagt deutlich: „Die französische Herrschaften wohnen nach vorläufiger Feststellung und nach 'Aussage des Freiherrn von Altenlohe zu Recht im Schloß zu Heidehorst. Jede Belästigung oder gar Schädigung der Damen o der ihrer Dienerschaft ivird streng bestraft." „Sie soll ja gar nicht belästigt werden. Wir wollen nichts weiter, als den Junker zwingen, Schloß und Ort zu. verlassen!" „'Ja, das wollen wir, das ist unser gutes Recht! Wir sind Veteranen und Ordensträger und brauchen keinen Verräter unter uns zu dulden. Auf, Kameraden! Sogleich wollen wir uns aufmachcn nnb vor das Schloß ziehen. Du, Etzinger, und du, der Windmiiller, ihr geht ins Schloß, ihr habt das beste Mundwerk. Ihr fordert den Junker in aller Ruhe auf, sofort Schloß und Dorf zu verlassen, und wenn er sich weigert, ruft ihr uns, imb wir packen urld schleppen ihn mit Gewalt fort bis über die Dorfgrenze!" Alle waren jetzt einverstanden, und der lange Zug von Krüppeln und Verwundeten, wohl zwanzig au der . Zähl, bewegte sich nach dem Schloß. Stumm und schweigend stelzten sie durch die Fluren, kein Wort fiel, und jeder schien überzeugt zu sein, daß er jetzo einen hohen und heiligen Auftrag zu erfüllen habe. Doch eine sah den Zug, das war Pfarrer Tempels Luise. Das kluge Mädchen fach staunend dem Zuge nach und bald schien ihr klar, wohin die Invaliden wollten. Eine wilde Angst packte sie, und sie hastete zum Vater. „Vater, Vater! Die Burschen — die Invaliden, sie ziehen alle zum Schloß — sie wollen vielleicht dem Erbjunker ..." „'Schweig, Kind! Ich mag nichts hören, und rch kann dem Junker uicht helfen. Er ist ein Verräter!" „Aber Vater, vielleicht ivollen sie ihm ans Leben!" „Das ist der Verräter Los!" „Aber Vater, du bist der Pfarrer!" Da brauste er auf: „Ja, Kind, ich bin der Pfarrer! Und ich wollte, ich wäre der Schäfer oder der Nachtwächter Muß denn der Pfarrer seine Gefühle verleugnen, und darf 4 IG er niemals Mensch sein?! Und ich will es fein, ein Mensch, ein Mann, ein deutscher Mann will ich sein! Und der drüben im Schloß, der die Wut der braven Burschen bis aufs äußerste reizt, er hat mich auch geschlagen mit seiner Verräterseele! Wer befreit mich von der Schuld, daß ich seinetwegen schwach wurde und die Unwahrheit sagte! — Hilft mir der Verräter?" Da fiel des Pfarrers Mick auf das Bild des gekreuzigten Heilands, das zu seinen Häupteu hing. — Es war ein altes Gemälde von hohem, künstlerischem Wert. Aus den Augen des Erlösers blickte unendliche Liebe, aber auch Unendliches Weh, und Tempel, der schon hundert- und tausendmal zu diesem Heiland auf geblickt, schaute jetzt wie gebannt in die Augen des Gottessohnes. Und er stand, Ivie von unwiderstehlicher, unsichtbarer Kraft getrieben, auf, nahm Hut und Stock unb sagte weich und ergebungsvoll: „Er hals allen, die ihtn weh getan!" Dann schritt er in den Abend hinaus. 1 Die kühle Luft tat ihm wohl. Schon hing die Dämmerung in den Fluren, die jetzt weit und breit int Unkraut wucherten. Schwache Mendröte zog sich in langen, schimmernden Streifen über bcn Himmel, und von den Wiesen stieg kräftiger Heuduft auf, und die Grille zirpte im Grase. Ein Bild reinsten, unendlichen Friedens. Als er au den Busch saunt kant, der am Wege lag, da sah er, nicht zweihundert Schritt von ihm, bett Zug der Krüppel kommen. Langsam wie ein Leichenzug schritten sie vorwärts. Es war ein ergreifendes Bild: Vorn Etzinger, der junge, und neben ihm der Windmüller, beide das Kreuz auf der Brust, und I) in ter ihnen alle die andern, gebückt Und schlottrig, mit alten Zügen im jungen Antlitz. Gebrochene Jugend, junges Alter. Opfer des Krieges nnb Märtyrer der Freiheit waren sie bisher gewesen, und nun: ein Chor der Rache, nicht der ungestümen, wilden, stürmischen Rache, nein, der kalten, steten, uneniriunbaretl Und um so furchtbarem Rache. Immer näher kamen sie, imnier näher, wie eilt schleichendes', mordlustiges Raubtier. Man hörte keinen Laut aus ihrem Munde, nur das Stelzen der vielen Krücken, das Klappern der Stöcke aus dem steinigen Feldwege klang herüber. Jetzt kamen sie au den Buschsaum, hinter dem Pfarrer Tempel stand, und der Pfarrer trat hervor und stand nun plötzlich seitlich von ihnen. Alle, alle hatten ihn gesehen, mit einem Male. Seine hohe, hünenhafte Gestalt, seitt großes, blondes Haupt schien noch gewachsen zu sein. Scharf und gewaltig hob er sich in seinem schwarzen Ueber- rock in der klaren Abendlust vom Weiß des Grundes ab. Er stand mitten in einer Insel weißer Margaretenblumen. Er hob seinen Stock ein wenig, und da standen Fridolin Etzinger und der Windmüller still und die andern desgleichen. Und von Pfarrer Tempels Haupt ging ein Leuchten ans, ein ernstes Fragen brach aus seinen Augen, und! Fridolin Etzinger schlug vor diesem machtvollen Blick seine Augen nieder. Wie der Heiland selbst stand Tempel vor ihnen, in fürstlicher Hoheit, edel und unnahbar. Kein Wort sprachen seine Lippen, und kein Wort siel aus den Reihen der Krüppel. Nur einen Augenblick verhielt Fridolin seine Schritte, dann bog er ein, den Weg, den Pfarrer Tempel gekommen war, das Schloß im Rücken lassend. Und alle, alle schritten stumm und schweigsam am Pfarrer vorüber, alle sahen' feinen Blick und senkten schuldbewußt den ihren. Als der letzte au ihm vorbeigeschritten war, blickte er ihnen noch lange nach, und keiner schaute sich um, als fürchte er diesen Blick des Pfarrers. Nun griff sich Tempel mit beiden Händen ans Herz, das sich beim Anblick dieser vernichteten, zerstörten Jugend krampfte, und Tränen rollten ihm über die Wangen. Alle, alle kannte er, alle hatten zu seinen Füßen gesessen und aus seiner reichen Seele geschöpft. Das waren also seine Jungen, die die Lehren Jesu von ihm empfangen, uuld denen er den Samen für alles Gute in die ©eefe gelegt, das waren sie, die noch vor wenigen Monden als junge, übermütige Burschen verschämt und schüchtern zu ihm kamen, Ivcnit sie in Herzensnot waren. Nie war einer un- getröstet und unberaten von ihm gegangen. — Und nun waren sie Krüppel, Hilflose, Sieche, Schwache! — Ein namenloser Jammer packte ihn an, und mit stillen Tränen ging, er den Weg, beit er ben Burschen verlegt hatte: nach Schloß Heidehorst. Ms er an die große Straße kam, bie die Dörfer mit der Kreisstadt verbindet, ritt ein Bote auf müdem Pferde daher. Als er den Pfarrer sah, hielt er fein Roß an. „Wißt Ihr, Herr, ob hier im Schlosse ein Erbjiinker zu Altenlohe wohnt?" „Ja, es wohnt ein Mensch hier dieses Namens!" „Ich habe, einen Brief, groß und schwer, an ihn, möchte aber vor Dunkelheit noch zurück sein. "MM Ihr Euch einen Batzen verdienen, Manu? Ich teile gern meinen Botenlohn mit Euch, wenn Ihr dem Junker den Brief bestellt. Die Nacht ist finster, und allerhand Gesindel treibt sich umher, ja, man munkelt sogar, daß französische Heerscharen von Westen her im Anzuge feien!" „Behaltet Euer Geld, Freund, und reitet ruhig heim. Den Brief will ich Euch gern besorgen, denn ich wollte so- eben selbst zum Junker von Altenlohe!" Der Pfarrer nahm den großen Brief, schob ihn in seine Tasche und wünschte dem Reiter eine gute Nacht und eine glückliche Heimkehr. „Halt, Herr, wer seid Ihr? Ich muß dem Postmeister in Wessel Bescheid sagen, wem ich den Brief übergeben habe!" „Ich bin Emanuel Tempel, der Pfarrer dieses Ortes," gab Tempel zurück und schritt weiter. Der Bote wandte feilt Pferd und ritt die Straße, die er 'gekommen war, zurück. Der Pfarrer aber ging nachdenklich und gesenkten Hauptes dem Schloßt zu. Durch eine kleine Pforte, die er kannte, trat der Pfarrer in das große, Haus. Tausendmal war er in den vielen Jahren hier gewesen, kannte jeden Gang, jede Stufe, jede Tür. Er wußte auch, wo Liutharbl wohnte, imb mit ruhigem, sicherm Schritte, der hohl von beit Wänden widerklang> ging er nach des Erbjunkers Tür. Ehe er die Hand auf die Klinke legte, lauschte er einen Augenblick, aber brinneit schien alles still zu fein. Ganz, ganz schwacher Lichtschimmer stahl sich durch die Ritzen des Holzes, ein Zeichen, baß der Junker noch wach war. llnb nun tat er bie Tür auf und staub auf ber Schwelle. Drinnen aber saß vor dem Fenster im Sessel LinlHardt, ber Junker, und zu seinen Füßen kniete die Französin, bie der Pfarrer von feinen Krankenbesuchen her kannte, als das Schloß noch Lazarett war. Ein jäher, heißer Zorn stieg in ihm hoch, wie er bie beiden fo vor sich sah. Hatte er nicht soeben den JUnker vor der Rache der Veteranen errettet, ihn, bcn Ehrlosen? Und zur selben Stunde koste dieser mit jener jungen Französin, bie er seine Feinbin wähnte! Aks er aber in bie Augen und in das Antlitz ber beibeit sah, wußte er, baß es nicht minniglich Minuten gewefeit waren, die sie mit- einanber verlebt hatten, beim Gram und Sorge, bitterste Mutlosigkeit sprach aus ihren Zügen. (Fortsetzung folgt.) Ignaz IeUneiZ unfreiwilliger Heldentod. Von Richard W c n g r a f. Diese ganze Geschichte hat sich nur begeben, weil der Professor Wemola an der Realschule in Boskvwitz, Mähren, dem Ignaz Jelinek nicht gewogen war und ihn bei der Nachprüfung in Naturgeschichte durchfallen ließ. Also, weil Ignaz Jelinek kein Tetraeder samt Achsen zeichnen konnte, mußte er im entscheidenden Augenblick der wissenschaftlichen Laufbahn entsagen und in das Knrzwareu- geschäst der Brüder Fischl eintreten. Damit war nun sein Frei- ivilligenrecht verwirkt und er mußte in seinem cinundzwanzigsteu Lebensjahre aus einer für Boslowitzcr Verhältnisse sowohl gesellschaftlich als materiell nicht ungünstigen Stellung ansscheiden, um für drei Jahre seinem Kaiser zu dienen. Als er erfuhr, daß er zum Kaiserjäger in der südtirolischen Garnison Riva auscrsehen sei, hatte er noch ganz unklare Vorstellungen von den Dingen, die seiner harrten. Darum freute er sich nicht wenig, durch die Gunst des Schicksals zü einer io ritterlichen und wohlangesehenen Truppe und in eine so romantische Gegend inmitten wilder Bergriesen und am llfor eines tiefblauen sanftplätschernden Sees zu gelangen. Frohgemut trat er int Besitze des schwarzen Holzloffers mit den sogenannten Proprietäten, einer Stiefelbürste, Kleiderbürste, Putzlappen und was sonst da hiuciiigchört, mit den elterlichen Segenswünschen und mit zwanzig Kronen in Silber wohlversehen die weite Reise an. Indessen erfüllten Riva und die vierte Kompägnie des! dritten Kaiserjägerbätaillons keineswegs die Hoffnungen, die Ignaz Jelinek in sie gesetzt hatte. Schon die Abrichtungszeit brachte seinem nicht schwächlichen, aber an keinerlei Anstrengungen gewöhntÄt Körper viel Mühsal und Unannehmlichkeiten. Bei den Brüdern Fischl war er wegen seines gefchMen und gewandten Benehmens besonders beliebt gewesen. Hier in Riva hatte, mau kein Per- 411 ständnis dafür. Gerade was ihm in Bvsbolvitz Mm Verkaufe vvn Anstiößbörteln, Knöpfen, Resormhafteln fo nützlich gewesen war, seine znvorlio m m end - mimtcre, scherzgeneigtc Art, galt bei den KäisekiÄgcrn für unmilitärisch. Namentlich war es ein italienischer Zugführer, der Jelinek große Schwierigkeiten machte. Ernannte ihn gerne „porco tebegto" und so geschah cs dem.Jelinek, was ihm früher nie geschehen war, daß er für einen Tcutsche-n gelten durfte. Auch zu den Kameraden wollte sich lein rcclchds Verhältnis Herstellen und was die Mädchen vvn Riva betraf, fo waren sie entweder überhaupt unzugänglich oder nur gerade für den Jäger Jelinek. Um die Weihnachtszeit erbat Jelinik beim Rapport einen achttägigen Urlaub nach Hause, erhielt aber statt dessen wegen feiner schlechten Haltung einen ebenso langen Kasernenarrest. Während der Feiertage, da er beschäftigungslos und einsam auf seinem Strohsache herumlungerte — selbst der Besuch der Kantine tottr dem Arrestanten verboten — beschloß er kurzerhand, seinen Abschied zu nehmen. @r- wartete nur mehr das Ende seiner Arreststrafe ab, dann schlenderte er an einem sonnenwarmen Machmittag zum Kasernentor hinaus und nahm in einem Wirtshaus weit draußen eine große Schachtel in Empfang. Dieser. Kostkarton fand sich einige Tage später auf geheimnisvolle Weise vor dem Kasernentor und enthielt alsdann Ignaz Jelineks gesamte dürftige Montur. Der aber früher diese schlotternden Hosen, diesen allznweiten Waffenroch nnd die faltige Kappe ge- tragen hatte, fuhr uni dieselbe Zeit seelenvergnügt mit L-odeu- onzug, Gemsbart und Touristenabzeichen, behaglich rauchend und schmunzelnd von Mailand nach Genna. Tort sand Ignaz Jelinek, kurz bevor er seinen letzten Fünf- lireschein wechseln mußte, ein bescheidenes Unterkommen als deutscher Korrespondent bei „Fratelli Ascoli, merci coloniali". All- mühlig lernte er italienisch und erwies sich seinen Brotherren so nützlich, daß sie ihn mit der Vertretung des Hauses an der Warenbörse betrauten, was wiederum von ungemeinem Nutzen für die Erweiterung seiner kaufmännischen Bildung und seines ganzen Gesichtskreises war. Ganz besonders interessierte ihn die Be- wegung auf dem Kautschuliuarkte, er lernte die Ware und ihre Kreise kennen und wagte sich hier und da schon an ein klcinejs Spekulationsgeschäft auf eigene Rechnung. Und als er auf solche Art, vier oder fünf Jahre seit seiner Desertion mochten wohl vergangen sein, seine paar Tausend Lire beim „Creditö mvbiliare" liegen hatte, da beschloß er, in das Ursprungsland des Gummibaumes an die Westafrikanische Küste zu gehen und dort teilweise für eigene Rechnung, teilweise für die der Brüder Ascoli, von' denen er mit namhaften Mitteln versehen war, das kostbare Produkt gegen Glasperlen, Messingringe, bedruckten Kattun einzutauschen. Schon lange hatte Ignaz Jelinek schwer darunter gelitten, daß er in sein Vaterland nicht znrüchkehren konnte. Darum wäre er gern italienischer Staatsbürger geworden. Aber da hätte ihm wiederum zumindest ein halbes Militärjahr geblüht, darum gedachte er — denn irgendwohin soll der Mensch doch gehören — Engländer zu werden. Und in der Kolonie Grapetown war sein erster Gang zum britischen Gouverneur, dem er seine Absicht kundgab, ein Angehöriger des Königreichs Großbritannien zu werden. Der Kanzler nahm Jelineks Gesuch mit großer Jnteressen- losigkeit entgegen, vielleicht legte England nicht allzuviel Wert auf diesen neuen Staatsbürger, vielleicht war der Beamte auch ein wenig ungehalten über die viele Schreiberei, die ein solches Anliegen mit sich bringt. Kurz, in den Wochen, die Jelinek zur Ausrustüng seiner Karawane brauchte, war die Erledigung nicht gekommen. Indessen hatte er mit großem Eifer die Kamele und Träger ausgeivählt, die den Kautschuk — cs durfte schließlich auch Elfenbein oder gediegenes Gold sein — auf ihrem Rücken atcs dem Innern nach Grapetown schaffen sollten, und die kleine.Truppe eingeborener Soldaten, die mit ihren Winchestergewehr'en die Sicherheit der Karawane verbürgen mußten. Und als Ignaz Jelinek im schlohweißen Tropestanzuge, die Browning Pistole in gelben Leibgurt, quer über dem Rücken das kurzläufige Magazingewehr, auf seinem Dromedar an der Spitze des' Zuges landeinwärts' ritt, da konnte er sich eines' Lächelns nicht erwehren, wenn er gedachte, daß niemand anders' als er, der gewesene Kaiserjäger Ignaz Jelinek aus Boskowitz, Mähren, jetzt als eine 'Art Feldoberst an der Spitze seiner Getreuen unbekannten Abenteuern, Gefahren und Reichtümern entgegenritt. Die Karatvane war von Glück begünstigt. Mit Hilfe notdürftiger Landkarten Und eines geschickten Dolmetschers fanden sie den Weg gerade zu den Stämmen, die am meisten Kautschuk geerntet, und den größten Bedarf au Messingringen, Glasperlen und bedruckten Kattunen hatten. Und hier kam dem Karawanm- Käuptling wiederum seine gefällige und entgegenkommende Natur- aiilage zu statten. Es machte ihm gar nichts aus, ob in einem Dorf wehrhafte Männer oder bloß Frauen und Kinder waren; niemals ließ er die Besitzer reicher Kautschukvorräte, wie dies e zu jener Zeit wohl üblich war, vor Beginn der geschäftlichen rredung ausknüpfeu, sondern er kaufte genau so ein,, wie er es in Italien gemacht hätte: Er besah sich die Ware und gab dann ungefähr ein Viertel dessen, was recht und billig war. So ging ihm schon viele Tagereisen weit her Ruf eines gerechten, weißen Und gütigen Gebieters voraus. Vier Monate war die Karawane unterwegs, da gelangte sie zu einer Missioiiärstation, genannt Niamba, wo sie einige Tage Rast machte. Diese Station, tfe an der gewöhnlichen Karawanenstraße lag, hatte Ignaz Jelinek auscrscheu, um dort Nachrichten in Empfang zu nehmen. Als er den Postbeutel öffnete, fiel ihm zunächst ein Brief mit der Schrift seiner Mutter in die Hande. Zitternd riß er ihn auf und da stand, daß es dem Vater gar nicht gut ginge und wie traurig es sei, wenn ein Kind iiicht mehr in der Sterbestunde des Vaters da sein dürfe. Mer wenn Ignaz Jelinek wollte, S> Hebe es noch ein Mittel. In seiner großen Güte hätte der Kaper allen Deserteuren, die sich selber meldeten, Straflosigkeit zugesichert. Und wenn Jelinek ein Herz für seine armen alten Eltern hatte, sollte er gleich zurückkommen und seinen Jugendstreich gut machen. In der Nacht, die darauf folgte, tat Ignaz Jelinek kein Auge zu und am Morgen gab er seinen Scutcn den Befehl, sich reife» fertig, »u machen. Während die letzten Ballen verschnürt, die Proviantbeutel, die Futtersacke und Wasserschläuche gefüllt wurden, zog Jelinek mit dem Bleistifte auf der Karte einen geraden Strich, der führte von Njamba nach dem nächsten Hafenplatz. Freilich, das mar nicht Grapetown, aber ivas kümmerten ihn nun die Weisungen seines Genueser Hauses, was die Entscheidung des britischen Gouverneurs 'über feilt Gesuch, er wollte heim. Unwillig murrten Trager und Soldaten, als von der Straße m den Busch abgeschwcnkt wurde, aber das Versprechen dreifacher Löhnung besänftigte sie. Hielt man sich unterwegs nicht länger auf, so konnte die Karawane in vierzehn Tagen an der Küste sein. Eines freilich hatte der Herr der Karawane übersehen: Daß es auch in jenen wilden und von andern europäischen Einrichtungen ganz unberührten Landstrichen etwas gibt, wie eine Staatsgewalt. Die Gegend, die er bisher durchstreift, war englischer Schutzhohcit untertan gewesen und England gibt den Kautschukhandel frei, weil es bei der Ausfuhr eine ansehnliche Abgabe, erhebt. Der Kongostaat aber hat sich die Ausbeutung des Gummibaumes das 'Monopol Vorbehalten und verfolgt aufs grausamste jeden, der sich dagegen vergeht. Die Linie nun, die. Jelineks Bleistift zur Küste gezogen hafte, kreuzte einen wenige Meilen breiten Streifen kongolesischen Gebietes, der wie eine lange und schmale Ziiiige in das britische Gebiet hineinragte. Freilich, die Grenzen waren nicht abgesteckt und viel umstritten. Kein Schlagbaum warnte, kein Zollwächter schreckte Jelinek, als er drei englische Meilen nach dem Eintritt in jene Landzunge feilt Lager aufschlug. Um das Morgengrauen nun begannen die Kamele unruhig zu schiiauben. Mit einem Male fielen Schüsse und als dic schlaftrunkeiien Träger und Soldaten sahen, wie die Wachtposten am Lagereingang zusammenbrachen, warfen sie sich auf "bic Knie. Den Browning in der erhobenen Hand trat Jelinek vor sein Zelt, doch ließ er die Waffe sinken, als er sich nicht wilden Neger- Horden, sondern einer Truppe uniformierter Schwarzer mit einem weißen Sergeanten an der Spitze gegenüber sah. Der Sergeant fragte mit drohender Stimme im Namen des Königs Leopold, Beherrschers des unabhängigen Kongostaates, ob sich die Karawane ergeben wolle. Das aber war um diese Zeit schon geschehen. Und jetzt waren die Soldaten nicht mehr Jelineks Soldaten, sondern die des Sergeanten und die Träger und die Kamele, die sein und der Firma Ascoli Gut, es mochte an die zehntausend Pfund wert sein, aus ihren Rücken getragen hatten, gehörten dein Sergeanten des unabhängigen Kongostaates. Und nun band der Sergeant dein Verbrecher, denn das war nun Ignaz Jelinek, die Hände hinter dem Rücken, schwang sich auf sein Kamel und schleppte den Gefangenen an einem Seile nach. Wps weiter Ignaz Jelineks Schicksal gewesen, ist nie so recht ans Tageslicht gekommen. Denn die Verhandlung vor dem Militärgerichtshofe in Borna mußte in Abwesenheit des auf dem Transport verstorbenen Delinquciiteii durchgeführt werden. Doch ergab sie mit großer Gewißheit, daß die Konfiskation der Waren zu Recht bestehe, und daß den Sergeanten keinerlei Verschulden an dem Tode des Ignaz Jelinek treffe. Einige Wochen später kam die Nachricht von dem Schicksal der Karawane nach Grapctown und es ergab sich, daß mit einem Male das Gesuch des ehemals österreichischen Staatsbürgers Ignaz Jelinek um Ausnahme in den Verband des Königreichs Großbritannien in günstigem Sinne erledigt worden war. Da erhoben die. englischen Zeitungen einen großen Lärm und im Unterhause gab es eine erregte Debatte über diesen unerhörten Fall der Vergewaltigung britischer Interessen durch den kleinen Kongostaat. Drei englische Panzerkreuzer erschienen vor der Koitgomündiing und sechs Torpedoboote schickten sich an, stromaufwärts zu fahren. So hielt es die königlich kongolesische Regierung für das klügste, nachzugeben, ihr Be- bauern über den Vorfall auszusprechcu und ienen schmalen, langgestreckten Streifen Land, dessen Grenzverhältnisse ohnedies nie ganz klar gewesen waren, in gütlichem Wege an den mächtigen Nachbarn abzutreten. Aus den Berichten über die englische Parlamentsdebatte erfuhr endlich auch Frau Jelinek — ihr Gatte war längst schon gestorben — von dem traurigen Ende ihres Ignaz.und von den großen Reichtümern, die er, freilich nur sehr vorübergehend, besessen hatte. Freunde rieten ihr, in Brüssel Ansprüche geltend zu machen und gewiß ■ wird sie irgenbeinmal irgendetwas bekommen, denn die österreichisch-ungarische Diplomatie hat sich der Sache angenommen und cs gibt in irgend einem Archiv ans 412 dem Ballplatz einen dicken Faszikel, der alles Wissenswerte über den Fall Jelinek enthält. Sonst ist "in Oesterreich Ignaz Jelineks Name so gut wie vergessen. In England aber gilt er noch heute für einen Pionier des britischen Handels, für einen tapferen Soldaten des Friedens, der ans dem Felde der Ehre gefallen ist. Lin Bänkellied von Wilhelm Busch. Im Juliheft von Velhagen & Klafings Monatsheften zeichnet Willy Rath, der einstige Willibald Rost her Münchener Scharfrichter, in knappen Umrissen eine Geschichte des Bänkelliedes, dessen Bedeutung längst nicht mit der M-oritat der Jahrmärkte von ehedem erschöpft ist. Im Gegenteil hat die Gattung nach und nach eine bemerkenswerte Verfeinerung erfahren. Bänkellied ist uns schließlich alles Volkstümlich-Sangbare weltlicher Art, sofern es irgendeinen Einschlag humoristischen oder satirischen, epischen oder dramatischen Wesens hat. Es umfaßt also ungefähr, das ganze Reich des eigentlichen Liedes mit Ausnahme des geistlichen und des int engeren Sinne lyrischen Gedichts tioit ungemischt inniger, nichtgeselliger Stimmung. Es ist und bleibt Gemeinschaftssache; was sich der Einsamkeit (oder auch der naiven Zweisamkeit), der himmlischen oder irdischen Andacht ergibt, gehört nicht dazu; ebensowenig Kinder-, Lob- und Bernfslieder, wenn sie nicht irgendwie über ihre nächste Bestimmung hinaus — erheiternd, anklagend oder einfach unterhaltend — sich an die Allgemeinheit wenden. Bänkellieder in unferm weitern Sinn sang man auch inmitten fröhlicher Kneiprunde oder Hochzeitsgesellschaft, in der Spinnstube oder zum Tanz —• bei manchen verrät das sogleich der betonte Rhythmus — gelegentlich wohl gar vor dem „©entert" einer Meistersingerzunft oder vom Gerüst einer Mysterienbühne herab; Bänkellieder sang man sich aber vom erhöhten Tritt der Musikanten und der Gaukler, von jenem bescheidenen Ansatz zur Schaubühne, der in Süddeutschland schon lange vor Erfindung des „Tingeltangels" das Brettl hieß. Nach diesen Gesichtspunkten streift Rath durch unsre Literatur von Erzpoeteit bis Eichendorff und näher an die Gegenwart heran und teilt schließlich ein in weiteren Kreisen noch unbe- kamttes Gedicht von Wilhelm Busch mit, das ganz in den Ton der alten Moritat paßt. Es ist betitelt „Fürs Militär". Rieke näht auf die Maschine, Nischke war beis Militär; Dennoch aber ließ sie ihne Niemals nahe bei sich her. „Wozu" — fragt sie oft verächtlich — „Wozu nützt mich der Soldat, Wenn man bloß durch ihn hauptsächlich Soviel hohe Steuern hat??" — Einstmals ging sie nach dem Holze; Nischke wollte gerne mit; Aber nein, partu nicht wollt' se. Daß er ihr dahin beglitt. Plötzlich springt aus dem Gebüsche Auf ihr zu ein alter Strolch: Stiere Augen, wie die Fische, Kalte Hände, wie der Molch. „Runter" — schreit er — „mit die Kleider; Denn sie lebt in Ueberfluß; Da ich ein Fabrikarbeiter, Der sich was verdienen muß!"' Weinend fallen Jäck- und Röckchen« . Zitternt löst sich der Turnür; Nur ein kurzes Unterglöckchen Schützt vor Scham und Kälte ihr, Aber jetzt da tönt es: „Halte!"• Und ein scharfer Säbel blunk. Anfgeschlitzt mit einer Spalte Floh sich brüllend der Halunk. Dies "tat Nischke, der trotz allen Rieken heimlich nachgeschleicht, Die sich unter Dankesiallen Jetzt um seinen Hals verzweigt. O, ihr Mädchens, laßt euch raten. Ehrt und liebet den Soldat, Weil er sonst vor seine Taten Nicht viel zu verzehren hat . . ; VsNmßscbLss. bk. Der Hofen streik der Mönche. Ein sonderbarer Streik ist soeben in dem Kloster Sankt Michael in Maikop im Kaukasus ausgebrochen. In dieses Kloster ist vor titrier Zeit ein neuer Abt eingezogen, der sich in der peinlich genauen Erfüllung der Klosterregeln und der Ordensvorschristen nicht genug tun konnte Redaktion: K. Neurat h. und der seinen Mönchen nicht nur die unschuldigsten Zerstreuungen und Bequemlichkeiten untersagte, sondern ihnen sogar die unbedingten Lebensbedürfnisse einschränken wollte. Neulich hat er dem versammelteil Konvent mitgeteiU, daß die Hosen, die die Mönche unter ihren Kutten trügen, nur die Fleischeslust und die menschlichen Schwächen anregten und daß er deshalb nur eine rauhe Unterkleidung von Sackleinwand geftatten werde. Die Mönche protestierten eilergisch gegen diese Vorschrift. Sie machten namentlich darauf aufmerksam/ daß das Kloster auf einem hohen Berg gelegen und allen Unbilden der Witterung und den Launen des kalten Windes ausgesetzt sei, weshalb sie die Hosen unbedingt zum Schutze ihrer Gesundheit branchteil. Aber der Abt blieb unerbittlich. Jetzt haben die Mönche beschlossen, in einen Streik zu treten. Sie verweigern bis auf weiteres die Morgen- und Abendmesse zu fingen, bis ihnen ihre geliebten Hosen ivieder zugestanden würben. * Vom lustigen Onkel Sam. Zarter Wink Dichter: „Glauben Sie nicht, weit» ich eine meiner vier Balladen streichen würbe, daß ich damit den Akt verbessern könnte 1" Theaterdirektor: „Gewiß, uni fünfundzwanzig Prozent." — Verdienter Loh n. „Da leie ich in der Zeitung von einem alten Junggesellen in Ohio, der gestorben ist und sein ganzes Vermögen der Frau hinterlassen hat, die ihm einst einen Korb gegeben " „Und da sagt man noch, daß es keine Dankbarkeit in der Welt gäbe.” — Der w afjte Sherlock Holmes. Sherlock Holmes trat in das Zimmer und sah sich überall um. Die Bilder waren in Stücke geschnitten, die Stühle waren zerbrochen, der Tisch lag oben auf dem Flügel. Der Teppich schwamm in Blut. „Hier ist jemand gewesen,” folgerte er mit wundervollem Scharfsinn ans diesen Feststellungen. — Der Professor. „John," sagte die Gattin des Professors, „du wirft aber sehr vergeßlich. Weißt du, daß du mir die ganze Woche über noch keinen Kuß gegeben hast?" „Um Goites- ivillen!" erwiderte der Professor, ans tiefem Sinnen über ein schwieriges Problem auffahrend, „ich habe doch die ganze Woche über jemand geküßt Hast du eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte ?" Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;. * Lob der heißen Herzen. Da schelten sie uns Chauvi- nifteit, wenn wir an ihrer AusländereiAnstoß nehmen, da spotten sie über Deutschtümelei, wenn irgend ein kräftiges Wörtlein zum Lobe deutscher Art ihre empsindlichen Ohren trifft, da bezeichnen fie imä als Kleinigkeitskrämer, wemt wir unsere Sprache von dem Wüst vergangener Zeiten reinigen wollen. Laßt ench's nicht an- fechten! Ich lobe mir die heißen Herzen, die, wenn andere die Vorzüge fremder Völker rühmen, sichereisern für alles, was deutsch heißt: für deutschen Landes Schönheit, deutschen Volkes Herrlichkeit, deutscher Sitte Hoheit, deutscher Sprache Pracht und Sibel, Kraft und Fülle; ich grüße die wackeren Männer und Frauen, die, ihrer deutschen Art bewußt, sich's nicht aniechten lassen, wenn die Gegner sie schmähen, die Lauen und Gleichgültigen höhnen ober die Achsel zucken; die, ob auch ihr Herz blutet ob erfahrener Verkennung, doch ungebrochenen Sinnes, die Seele voller Hochgedanken, weiterjchreiten, weil sie wissen, daß noch immer der Sieg den heißen Herzen gehört hat. Denn nicht der rohe Stoff, sondern nur der Geist vermag das Antlitz der Welt umzugestalten. O, nehmt eS zu Herzen, ihr deutschen Volksgenossen, was der alte Sänger der „Offenbarung" in seltsam-fremdartigen und doch so eindringlichen Worten seinem Volke zugerufen hat: „Ich weiß deine Werke, baß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du falt ober warm wärest l Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werbe ich dich ausspeien aus meinem Munde.” R. Palleske (Landeshut i. Schl.). ditatenrätfd. Aus jedem der solgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei. 2. Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz. 3. In großes Unglück lernt ein edles Herz Sich endlich finden,..... 4. Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn; Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen. 5. Du hast Diamanten und Perlen, Hast alles, was Menschenbegehr! 6. Dachtet ihr, der Löwe schliefe, weil er nicht brüllte? 7. Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. 8. War es immer wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen. Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: I'ippin — Heine - 31!e — Einte — Inn — Philipp — Pillen — Ili — Nil - Efie - Niel; Philivpine n. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,