samstag, den 5. April c A9 W Efi w.ytkr?' ■gr. au.t&Jfc'HaU~<»1 Mich. Z8sIW ry WlSSjl S I '* -.‘‘h. ^Ä®J & 2 WS MW ffrsuenliebe. Roman von Horst Bodemev« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Das gab' ein schönes Hallo, als sich Hans-Wilhelm von Moreth zum ersten Male wieder im Kasino einfand. „Junge, bist du stark geworden!" „Hat mich auch ein schönes Stück Geld gekostet. Hab' Mich fast vollständig neu equipieren müssen." „Pvmmersche Kartoffeln schlagen an!" „Gott sei Dank, Herrschaften, und nun seid auf meinen Leibesumfang nicht eifersüchtig!" Man lachte und trank ihm tüchtig zu. Beerenburg und seine Schwadr onsvffiziere hatten ihn eingeladen, es war eine fidele Kneiperei. Beim Dienst am nächsten Morgen würde der Brummschädel schon rasch vergehen. Hans-Wilhelm war es, als hätte er nur einen längeren Urlaub hinter sich; er ritt vor seinem Zuge öder stand in der Reitbahn mit demselben Pflichteifer, "den er ehemals gehabt. Der jtene Kommandeur galt als scharf; so schlimm war es aber nicht; dem lief oft mal „eine Laus über die Leb!er", war die 'runter, war die Sache auch' erledigt. Für solche Menschen hatte Hans-Wilhelm immer etwas üb rig gehabt. Bei Beeveüburgs war er sehr oft, täglich schrieb er an Goa, die Nachrichten, die er erhielt, lauteten fortgesetzt gut. Eines Tages, gegen Mittag, bummelte er über dia Hauptgeschäftsstraße der Garnison, den Breitenweg. Auf einmal hörte er eine Stimme hinter sich. „Tag auch, Haus-Wilhelm!" Er traute feinen Ohren nicht. Wahrhaftig — der dicke Rotenbuchen! „Menschenkind, ’n Tag auch! Hast du dich wieder 'mal verirrt in das Nest unserer Jugendstreiche?" „Wie bn siehst, Laneelot." So nannte er Hans-Wilhelm, nach dem Buben im französischen Kartenspiel. „Was machst du denn in deinem lothringischen Nest? Schiebst bn fleißig Starren?"1 „Hat sich ausgeschvben." ,„Jawoll, Hans-Wilhelm! Unb deshalb bin ich hier. Ich will nämlich rehabilitiert toerben" „Also ben Abschied nehmen und unsere Uniform wieder haben?" „Sehr richtig! Rittmeister z. D. mit dem' Koller sieht doch besser aus, als in der Fuhrjacke." „Wohl scheinst blt dich nicht gefühlt zu haben die letzten Jahre." „Man muh eben tragen, was mau nicht ändern kann. — Uebrigens gratuliere ich dir zu deiner Verheiratung und zu dem Mädel." „Bißchen spät. Aber ich danke dir." „Du weißt, die Schreiberei war nie meine sharür Seite."- Hans-Wilhelm lacht. „Höchstens auf Wechsel." „Du — das habe ich schon längst aufgesteckt!" „Sehr vernünftig. Ich auch. — Aber nun sage bloßj warum willst du denn den Mschied nehmen?" „Gehen wir da in die alte räucherige Bude frühstücken, tote ehemals! Das Herumstehen fällt mir nach gerade schwer." „War nie deine Passion — weiß ich." „Nee, auf meine alten Tage hat sich diese Abneigung auch nicht geändert." Bei einer Flasche Mosel saßen sie bald in ihrer alten Ecke, mit Freuden begrüßt von dem Wirte. Er wüßte, Herr von Rotenbuchen und Herr von Moreth hatten immer eine gute Zeche gemacht. „Hat man mal Pech gehabt, kommt auch der Dusel wieder, wenn man hübsch aWarten kann", meinte Rotew buchen. „Das freut mich. Hast du dich etwa verlobt?" „Gott soll mich behüten — nee! Stirbt da vor zwei Monaten urplötzlich ’n Vetter von mit in Ostpreußen, ganz jung noch, dreiundzwanzig Jahre alt, und ich werde über Nacht — Majoratsherr!" „Sieh mal an!" ' . „Wert ist die Klitsche nicht allzu viel, aber sie lmrds mich dicken Kerl bequem tragen. Natürlich stecke ich schleu- uigst ben königlichen Dienst auf, denn langweiliger kann's in ber Pillkaller Ecke auch nicht sein, als an her französischen Grenze bei ben Knoblanchfressern. Die Bande, ich meine die Großgrundbesitzer an der russischen Grenze, ist aber verwünscht hochnäsig — na, da möchte ich eben bei festlichen Anlässen gerne ben Koller tragen. Kannst du mir das verdenken ?" Hans-Wilhelm berührte diese Rederei nicht gerade auge- uehmJ aber er schwieg, weil er den dicken Rotenbuchen kannte; ber war in seinen Ausdrücken immer etwas drastisch gewesen. Er lenkte deshalb das Gespräch ab. ■ „Was macht eigentlich der lange Kleiseubach?" „O je, dem gehts höllisch dreckig! — Denke Dir, vor längerer Zeit schrieb er ’nen Brandbrief an mich aus Chicago ; dort war er entweder Kellner oder Hausknecht : ganz klug bin ich aus dem Herzensergüsse nicht geworden. Ich hab' ihm zweihundert Mark geschickt, mehr hatte ich beim besten Willen nicht übrig." „Der arme Start!" Ach was, bedauern! Laneelot, ’ne Pflaume die vom Baume fällt, hängt kein Mensch wieder auf." Hans-Wilhelm schwieg und dachte sich feinen Teil. Sie beide waren auch beinahe vom Baume gefallen, nur ein gütiges Geschick hatte jie davor Vewdhrt. Ob der dicke Rotenbuchen wirklich so fliichlich und herzlos ivür? "Der riß ihn aus' seinem Brüten auf. „Mo ivohnst du denn Hans-Wilhelm?"' „In der Spiegelstraße — neben Beerenburg. — Und! Du?" " , . „gut Prinzen Eugen. — Heute mittag will ich ms Kasino kommen."" „So sei mein Gast." „Allerschönsten Dank, Lancelot." Der Licke Rotenbucheri, den die meisten lange nicht mehr gesehen hatten, wurde ordentlich gefeiert. Morgen Wollte er dem Kommandeur persönlich seinen Wunsch vortragen,' das Offizierskorps mußte natürlich einstimmig einverstanden sein, sonst durfte sein Gesuch, die Uniform der Kürassiere nach der Verabschiedung zu tragen, nicht weiter-! gegeben werden. „Herrschaften, wie stehts denn jetzt mit der J'eueref hier fragte Rotenbuchen nach der Tafel. „Alle geworden", wurde ihm zur Antwort. „Aber 'nen anständigen Skat wird- nran sich doch leisten können?" „Daß du auch immer gleich die Karten zur Hand nehmen müßt; direkt krankhaft ist's von dir," meinte Hans-Wil- Helnr. Rotenbu.cheu schüttelte sich vor Lachen. „Menschenskind, wo hast denn du das Moralprcdigen gelernt?" Solche Neckereien fielen Hans-Wilhelm immer auf die Nerven. „Na ja, ’nen Skat spiele ich ja mit!" Natürlich verlor Moreth. Je größer fein Pech wurde, um so mehr trank er, und als der Abend hereinbrach, schlug Rotenbuchen vor, bei ihm im Hotel ein kleines! Jeu zu entrieren. Hans-Wilhelm wollte nicht mithalten, aber ein paar junge Leutnants waren bereit, mit dem' Rittmeister „eine Strähne abzuziehen". „So komm doch wenigstens mit, Hans-Wilhelm, und sei kein Frosch!" Und er ging mit, versicherte aber immer wieder", setzen würde er nicht. ■ Rotenbuchen sagte: „Na, so läßt du's bleiben! Interessant ist doch's Zusehen auch und 'nen Schluck wirst du doch wohl noch vertragen können!" Er kannte den Freund besser. Hatte er ihn einmal in seiner Bude, dann setzte er schon. Rotenbuchen hatte sich nicht verrechnet, als der Morgen tagte, war Hans-Wilhelm blank, rind viertausend Mark tu Ehrenscheinen schleppten seine Kameraden mit heim. Was nützte ihm jetzt sein Zorn. Im stillen hatte er sich damals, als Eva krank geworden, Vorwürfe gemacht, daß er die Karten wieder zur Hand genommen, denn er war in erster Li'nie Schuld daran gewesen, daß die Nervenfieber bekommen. Und nun hatte er wieder einmal in einer Nacht mehr verspielt, als Moreth in einem ganzen Jahre nach Arbeit vom grauen Morgen bis zur sinkenden Nacht einbrachte. Da verlor er den Halt. Auf keinen Fall durste sein Weib erfahren, was geschehen. Wie aber sollte er den Schaden heilen? Ein einziger Weg blieb ihm: solange weiterspielen, bis er seinen Verlust wieder herein hatte. Im Manöver: bot sich ja Gelegenheit dazu. Ein Wucherer, der ihm schon früher oft geborgt, zeigte sich bereit, achttausend Mark gegen Wechsel, anständige Zinsen und Provision, so daß aus den acht- fast neuntausend wurden, zur Verfügung zu stellen. „Kenn' ich doch den Herrn Baron. Er wird mich nicht int Stich lassen." Der Mann hatte keine Angst, denn immer war das Geliehene zurückgezahlt worden, manchmal hatte er allerdings warten müssen, aber jebt hatte der Baron ja eine schwer reiche Frau. Als Haus-Wilhelm heimfuhr nach seiner Hebung, befand ei' sich in ähnlicher Stimmung wie damals, als ihn Beerenburg auf die Bahn gesetzt hatte. Die Zeit hatte ein Heidengeld verschlungen, zwanzigtansend Mark waren flöten gegangen, aber nur auf ein Vierteljahr, länger auf keinen Fall. Im Januar mußte er also das Geld zusammen haben. Wie das geschehen sollte, war ihm vorläufig noch schleierhaft. Keine Freude verspürte er, Weib' Und! Kind' wiederzufi sehen, sondern ein heimliches Bangen. Er fluchte vor sich hin, dachte nach und kam zu keinem Entschluß. Er, der vor dem Bilde seines Vaters gelobt, endlich ein Mann zu werden- war ein Jammerlappen geblieben, so stark nnd groß! und alt er war. Da haderte er wieder einmal mit Gott und der Welt. - * Eva, die ungeduldig ihres Mannes Briefe erwartete- merkte sehr bald, daß ihn irgend etwas bedrückte. Metz herzliche Ton gelang ihm nicht mehr so gut, der Stil hatte oft was Gequältes. Und als das Manöver begann- kamen ans den verschiedenen Quartieren meist nur kurze Postkarten. Seine Mutter schüttelte den Kops. '„Er könnte mehr schreiben. Freilich, verwöhnt hak er mich ja in dieser Beziehung auch nie." 1 Eva versuchte ihren Mann herauszuredeu. „Mm, Mama, er erlebt doch nichts, was mich interessiert, und die Uebungeu sind anstrengend; er wird oft todmüde sein." Die alte Frau sah dann stumm vor sich hin und dachte sich ihr Teil. Ihren starken Jungen strengte der Dienst gewiß nicht übermäßig an. Und Eva würde, es gewahr; ihre Sorge um .Hans- Wilhelm nahm von Tag' zu Tag zu. — Auf dem Bahnhof erwartete sie ihn und wußte sofort alles. Sein Blick war scheu, in nervöser Haft erkundigte! er sich nach seiner Mittler und dem Kinde. Ruhig gab! ihm Eva Bescheid; er sollte erst wieder zu seinem Weibe Vertrauen fassen; das Weitere würde sich dann schon finden. Der prüfende Blick seiner Mutter tat ihm weh. Ed ließ Drewel kommen, um mit ihm zu arbeiten. Kaum hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen, sagte die Mütter: „Er hat wieder gespielt und verloren, Eva." >A'ber Mama!" „Ja, ja, ich kenne doch meinen Jungen!" Eva tat ganz gleichgültig. „Mm, so wird es eben bezahlt." „Diesmal ist's viel!" „Du siehst zu schwarz. Kann er nicht auch anderen' Aerger gehabt haben?""' „Nein! Aber ich möchte dich bitten, Eva, quäle ihn nicht zu einem Geständnis'; er ist dann gleich so heftig."" So schwer es ihr fiel, Eva lachte. „Die Mütter ist besorgter um ihren Sohn als ich um' meinen Mann!" Ruhig entgenete Frau von Moreth: „Gebe Gott, mein Kind, du lernst nie diese Angst der Mütter kennen."" Da stand Eva auf und ging hinaus'. Die Mütter sollte nicht sehen, wie ihr die Tränen hochstiegen. (Fortsetzung folgt.) Fraktur oder Antiqua. Auf dein- 9. Berbandstag der Hilfsschulen Deutschlands, der in Bonn abgehalien wurde, sprach der Kommerzienrat Friedrich So en necken über das Thema: „Ist für Schulneulinge im allgemeinen und Hilfsschüler im besonderen Fraktur oder Antigua zunächst geeignet?"" Dir geben den Vortrag im Auszug wieder: Zur Beantwortung, der int Thema gestellten Frage ist die genaue Kenntnis der Schriftentwicklung nötig. Antiqua und Fraktur stammen ab von den Großbuchstaben des Volksstammes der Latiner. Im Laufe der Jahrhunderte erlitten diese Buchstaben verschiedene Veränderungen. Zuerst verwandte man die Großbuchstaben in verkürzter und schreibgeläufiger Form als Kleinbuchstaben, dann bildeten sich die romanischen Schristformen, die bereits durch ihre Undeutlichkeit der Schrift schadeten. Die unheilvollste Veränderung erhielt die Schrift durch den Einfluß des gotischen Baustils: Tic Großbuchstaben gestalteten sich unter seiner Macht allmählich zu komplizierten Bildern, deren' Bedeutung oft nur erraten werden konnte. Die Buchstaben sollten mehr sein als Schrift, sie sollten Ornamente sein. Die Deutlichkeit der Schrift wurde also dem ornamentalen Bedürfnis der Architektur nuter- georduet. Zufolge schnelleren Schreibens wichen die gotischen Buchstaben immer mehr von ihrer ersten Form ab. Diese sehr willkürliche Schrift wurde landesüblich und von der Mitte des 15. Jahrhunderts ab in den verschiedensten Spielarten bei uns allgemein jur den Buchdruck verwandt. Dir kennen sie unter dem Namen „Fraktur". Nebeu der Fraktur benutzte man anfangs — 211 — vielfach als einfachere Schrift die „Schwabacher Schrift", die ftch ans der italienischen „Lettera form'ata" oder „Lettern tonda" gebildet hat. In Deutschland fügte nian diesevsSchrift noch einige .Ecken hinzu und nannte sie Schwabacher oder alte Rotundschrist. Wie verschnörkelt und kompliziert Fraktur und Schwabacher Schrift find neben der Antiqua, zeigt ein Vergleich. Wahrend die Fraktur aus 66 und die Schwabacher Schrift aus' ,67 Elementen besteht, fetzt sich die Antiqua aus nur wenigen Grundformen zusammen. Ws der Buchdruck aufkam!, benutzte man auch in den westlichen Ländern allgemein solche Typen, die nach den geschriebenen Buchx- staben geschnitten waren. 'Diese Länder erkannten bald die Un- zweckmäßigkeit solcher Schrifttypen und kehrten zu den einfachen vorgotischen Buchstaben, den. lateinischen, zurück. Nur Deutschland verharrte in dein Schristirrtum und wurde darin von seinen führenden Schreibin'eifiern, wie Johann und Anton Neudorffer, Michael Baurenfeind und Ehr. Gottlob Rostberg, Nur noch bestärkt. Vielfach wird Albrecht Dürer als Mitschöpfer der Fraktur betrachtet, „er war aber weit entfernt von dem' Jrrwahne, als seien diese altmodischen gotischen Lettern deutschen Ursprungs oder- deutschen Charakters", wie Thausing schreibt. Während in Deutschsland drei Jahrhunderte hindurch eilte Verbesserung der Fraktur — trotz mannigfacher Versuche — nicht erzielt worden war, hat sich die Antiqua in den westlichen Ländern Europas in derselben Zeit zu einer Schrift von hervorragender Einfachheit, Deutlichkeit und Schönheit entwickelt. Wie die Fraktur, so ist auch die spitze Schreibschrift weder verbesserungs- noch verschönerungsfähig. Das habe ich in meiner Schrift „Das deutsche Schri'ftwesen und die Notwendigkeit seiner Reform" früher schon ausführlich nachgewieseu. Es sei nur wiederholt, daß Deutschland in dem Uebergange zur lateinischen Schrift ein Jahrhundert aufgehalten worden ist durch eine geschickte Fälschung des Krefelder Kalligraphen und Kupferstechers Heinrigs' S. Dieser kannte von London her die herrlichen englischen r der lateinischen Schrift, die mit spitzer Feder geschrieben wurde. Ohne das ziu bedenken, stellte Henrigs die Schreibvorlagen so her, wie man ste wohl mit spitzem Stahl in die Kupferplatte für den Druck eingravieren, nicht aber mit nur einer spitzen oder nur einer breitspitzigen Feder schreiben konnte. Nur auf dem! Gebiete der Zierschriften war im' letzten Viertel' des vorigen Jahrhunderts das Aufkommen einer leicht schreibbaren Schrift, der Rundschrift, als Neubelebung des Schreibens zu verzeichnen. In neuerer Zeit versucht Man, die vor 100 Jahren verworfene Schreibschrift unter dem Namen „Renqissauee" wieder aufzufrischen. Diese für den Unterricht sowohl wie für diqAusführung gleich schwierige Schrift wieder einzuführen, hieße die Pferde hinter den Wagen spannen. Eine andere wunderliehe Schriftrichtung unserer Zeit erstrebt schon für Abc-Schützen künstlerische Ziele int Schreib- uuterricht und sogar die Ausbildung einer „persönlichen" Handschrift bei jedem einzelnen .Schüler, ohne zn bedenken, daß sich die charakteristische, ost mir zur Undeutlichkeit führende Verschiedenheit der Schrift im späteren Lehen noch früh genug einstellt. In der Mit der Tagung der Hilfsschullehrer verbundenen Ausstellung sind einige Originalblätter von den besten Schreibmieistern Italiens, Spaniens, Frankreichs, der Niederlande, Englands und Deutschlands aus dem 16. bis 19. Jahrhundert''von mir ausgestellt. Ein Vergleich lehrt, daß eS irrig ist, die spitze Schreibschrift für spezifisch deutsch zu halten, da auch Frankreich, die Niederlande und England früher eine spitze Schreibschrift hatten und Deutschland gegenüber den andern Ländern noch sehr rückständig und einer Neugestaltung seines Schriftwesens. sehr bedürftig ist. Da die Antiqua die einfachere und leichtere, die Fraktur die zusammengesetztere nnd schwerere Schrift ist, Muß der erste Unterricht nach Pädagogischen nnd psychologischen Grundsätzen mit der Antiqua beginnen. Auch hygienisch erhält die Antiqua vor der Fraktur den Vorzug, denn durch Verwendung der Antiqua wird der Ueberbürdung vorgebeugt, Auge und Gehirn der Kinder werden mehr geschont. Wie der Schreib- und Lese-Unterricht am zweckmäßigsten eiirzurichteu ist, habe ich am Schlüsse der von mir 1881 herausgegebenen Schrift „'Das deutsche Schriftwesen Usw." bereits angekündigt. !Tieser Versuch) einer wissenschaftlichen Gestaltung des Schreib- und Lese-Unterrichts ist hervorgegangen aus der Erfahrung mit meiner Rundschrifimethode, der bekanntlich ganz einfache Begriffe zugrunde liegen. Ein gerader Strich und ein Halbkreis, beide in vier verschiedenen Größen, sind die Elemente, aus denen die Schrift entsteht. Diese bis dahin ganz neue Art der Schriftbildnng steht in krassem Gegensätze zu der äuster- lichen, systemlosen und verwirrenden Darstellung der Schrift in früheren Jahrhunderten. Nach demselben Grundprinzip des Aufbaues der B'uchstabenforMeit stach einheitlicher, bestimmter Regel konstruierte ich eilt System' für die Antiqua, nach dem alle Buchstaben aus nur wenigen Elementen aufgebaut werden können, nämlich aus vier Maden Strichen von verschiedener Größe, einem Halb- und einem Biertelkreis. Eine Schrift, die sich aus so wenigen Elementen vollständig zusammen setzen läßt, eignet sich ganz besonders zpr manuellen Betätigung für trie Schüler, Die einfachen Forchen der Antiqua lassen sich ohne irgendwelche Schwierigkeit vom Schüler spielend nachbilden, und zwär in mannigfacher Weise. Pie manuelle Betätigung pflegte fitait bisher im Unterricht durch den Gebrauch von Lesekasten mit ganzen Buchstaben. Um bei dieser Arbeit mehr geistige Betätigung des Kindes anzustreben, mußten Lesekasten tn Gebrauch genommen werden, die nur Buchstabenelemente bieten, um- das Verständnis für die Buchstäbensormen dadurch mehr zu unterstützen und das ANeignen der Buchstabenvorstellungeii ivesent- ltch zu erleichtern. 'Tas Verständnis für die Buchstaben so rMe n kann also durch boz Werküntrrricho Wit bestem Erfolge vorbereitet werden, wenn im ersten Schreib- und Lese-Unterricht Antiqua verwandt wird. Welcher methodische Weg nun bei dem Erlernen der Antiqua im ersten Schreib- und Lese-Unterricht einzuschlagen ist, zeigt ihr natürlicher geschichtlicher Entwicklungsgang. Danach soll ber Unter» ruht mit den Großbuchstaben Beginnen, weit sie die einfachsten Formen zeigen. Selbst Erwachsene sind nicht imstande, Frakturgroßbuchstaben aus dem Gedächtnis nachzubilden, die Großbuchstaben der Antiqua hingegen kann schon ein Kind ans dem. Gedächtnis schreiben. Die weitgehende UebereinstimMung der lateinischen Großj- und Kleinbuchstaben erleichtert dem' Kinde das an zweiter Stelle folgende Erlernen der Kleinbuchstaben außerordentlich. Darauf folgt die Behandlung der schrägen Druckschrift als. Vorübung für die Schreibschrift, denn die Schreibschrift entsteht, wenn man die schräge Druckschrift in geläufigem Federzuge und die Buchstaben eines Wortes zusammenhängend schreibt. Solch logische Schreibmethode ist mit der Fraktur nickst auszustellen; denn sie entbehrt ber erkennbaren Verwandtschaft ber Schreibschrift mit ber Druckschrift. Abgesehen von ber manuellen Betätigung durch den Gebrauch der losen SchriftelSm'ente des Schreibkastens wird in Volksschulen die Schrift, die das geläufige Schreiben vorbereitet, in Uebungs- schristen mit Vordrucken durch das Schreib-Zeichnen aüs'geführt. Neben beit ganzen Buchstaben sind auch bereit Teile, neben den großen, bie entsprechenden kleinen Buchstaben vorgedruckt, so daß Anschauen, Denken und lieben als 'FundaMentalsätze alles Unter» richts vereinigt sind. Sprechen solch zwingende Gründe für die Verwendung der Antiqua im' ersten Schreibunterricht, so ist die nächste logische Folgerung für den ersten Leseunterricht die Forderung von solchen Fibeln, bie mit der Antiqua Beginnen. Henry van de Velde und das moderne rrunftgewerbe. ZUM 50. Geburtstag des Künstlers. (3, April.) Von Paul Westheim (Berlin). Es scheint fast, als müßte Män bent deutschen Publikum den Manu erst toi eher vorstellen, dessen 50. Geburtstag jetzt von ihm gefeiert werden soll. In der ganz großen'Oesfentlichkeit scheint er nicht mehr zu stehen, und wenn die Renommiernamen ber neuen deutschen Knnstgewerbebeweguug genannt werden, dann ist gewöhnlich der van de Veldes nicht darunter. Wieso das? Vor 10 und 15 Jahren, znv Zeit der Gewerbe- reforin in Deutschland, stand doch gerade dieser Name int Mittelpunkt all der leidenschaftlich geführten Erörtermtgen. Kein anderer ist wie er beschimpft, verhöhnt und verlacht worden. Und das aus keinem andern Grunde, als weil er damals schon eilt paar Kunst- gewerbe-Maximen predigte, bie heute als Selbstverständlichkeiten dem jüngsten Kunstgewerbeschüler geläufig find. Oder sind wir uns etwa nicht alle darüber einig, daß ein Zweckgerät so gebaut sein soll, daß es seinen Zweck aufs beste erfüllt, daß es eben seine Schönheit durch die Herausarbeitung dieser Zweckbestim- MUng erhält? Haben unsere Sinne nicht gelernt, ,daß auch die Stoffe eilte Seele haben und daß es.Aufgabe des Handwerkers ist, durch die richtige, die mäterialgerechte Bearbeitung diese innere Schönheit der Stoffe zu enthüllen? Ist esmicht eine Gassenweisheit, daß auch die Maschine einer künstlerischen Produktion fähig sei? Wenn man heute wieder einmal die „Laienpredigten" durchliest, ist man erstaunt, Ivie Grundsätze, die uns so selbstverständlich eingeben, damals Sturm. und Aufruhr erregen konnten. Tas Apostolische und Revolutionäre au diesen Predigten wird uns erst begreiflich, wenn wir auf einen Augenblick an den Makartplunder zurückdenken, ber damals das deutsche Heim erfüllte. In den letzten Jahren scheint es ein bißchen in Vergessenheit geraten zu sein, daß ber Anstoß dazu, daß dieser Plunder aus unseren Häusern toeggefegt wurde, von diesem Belgier ausgegangen ist. Er hat bie Lehren ber Morris und Ruskin zu uns nach Deutschland herübergebracht, er hat durch seine Weckrufe in den 90er Jahren die ersten Maler-Architekten aus ihren Ateliers 6er» ausgelockt und zuerst eine Jntellektuellenschicht aufgerüttelt zum Kampf gegen eine architektonische und kunstgewerbliche Phraseologie^ die mit dem frischen Geist unserer Zeit so gar, gar nichts zu tun hatte. Van de Velde wollte es nicht in den Sinn, daß mau, um wieder zu künstlerischen Gewerbeleistungeir zu gelangen, sich außerhalb der Gegenwart zu stellen hätte. Er wär auch zu sehr Sozialist, um eine Gewerbekunst zu erstreben, die auf eine ganz dünne Oberschicht beschränkt bleiben mußte. „Es wurde meine aufrichtige Absicht", bekennt er, „durch mein Werk auf eine große Anzahl von Menschen zu wirken, ttnb hierdurch wurde ich auf industrielle Verfahren ljingeroiefen. Ich gewann die Ueberzcugung, daß ein Mensch umso mehr gälte, auf je mehr Menschen er wirke. Mein Geist fand es wahrhaft unmoralisch, noch ferner Werke herzustellen, bie nur in einem einzigen Exemplar vorhaitden sein konnten . . ." Gedankengänge, bie in der Folge zu dem slihrkn 218 ist das ein schöner Kranz! ,Der geht nach Berlin," erwiderte! r Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße» Schlvarz. Shl - f2. K e 4 n. f 3. humoristisches. * Teilnahme. Frau Huber mit Anhang berührt änf einer Reise auch Potsdam. Man befindet sich in einem großen! Blumenladen, wo ein Rosenstrauß gekauft wirb. Dabei fällt ihr! Blick auf einen zur Absendung bereitliegenden großen Kranz: „Ach, Weiß. 1. D d 2 - c 3 2. D c 3 — e 5 f 3. Tg2 — g3 seht Matt. Frische Eier für den Vinter. Ein praktischer Wink für die Hausfrau von Dr. phil. Webe r. Um in den Wintermonaten ohne größeren Kostenaufwand gute Eier genießen zu können, soll eine praktische Hausfrau in der Zeit der billigen Preise für die Herbst- und Wintermonate Vorsorge treffen. Wie für den Winter Gemüse, Obst usw. eingemacht wird, lohnt cs sich, auch eine größere Menge Eier zn konservieren. Zur Haltbarmachung von Eiern eignet sich vorzüglich Wasserglas, eine syrnpartige Flüssigkeit, die in der Erstarrung ivie Glas atlssieht. Für etwa hundert Eier vermischt inan ein halbes Kilo Wasserglas, das für 15 Pfg. in jedem Drogen- oder besseren Kolouialwaren- geschäft äit haben ist, mit fünf Litern vorher gekochten: und wieder erkaltetem Wasser. Um das eingekaufte Wasserglas ain seine Gebrauchsiähiakeit zu prüfen, verrührt inan drei Teile Wasser mit einem Teil Wasserglas. Schwimmen in dieser Mischung die Eier noch, so ivar das Wasserglas unverdünnt und zweckentsprechend, d. h. von brauchbarer Qualität gewesen^ Die Eier iverden mit der Spitze nach unten in einen irdeirei: Topf oder ein verzinntes eisernes Gefäß gelegt. Man gießt die Mischling über die Eier, bis sie etwa zivei Finger breit über diesen steht. Das Gefäß muß gut — am besten mit Leinen — gegen die Luft abgeschlossen werden. Nach einiger Zeit wird die Lösung zu einer >nilchigschleiinigcn Flüssigkeit. Hieran erkennt mau, daß das Wasserglas seine Tätigkeit alisgeübt hat. Die Kaltschale des EieS ist nämlich mit feinsten Blüschen versehen, die dem Luftaustausch für das beim Brüten anf- keiinende Leben bienen. Liegen nun die Eier längere Zeit, so dringen zersetzende Keime der Luft in das Ei ein nnd bewirkci: den Fäulnisprozeß, wodurch das Ei znm Gewiß untauglich ivird. Das Wasserglas schließt nun diese Poren der Kaltschale luftdicht ab und bewirkt so, daß die Eier in demselben Zustande, wie sie zur Zeit des Konservierens waren, inonatetang erhalteii bleiben. Die für das Einlegen bestimmten Eier müssen gairz frisch sein. Ain besten nimmt man solche, die rein aus den: Nest kommen. Auf verschiedene Weise lassen sich die Eier auf ihre Frische hin untersuchen. Legt mm: sie z. B. in Wasser, so sinkt das frische Ei, weit es schwerer als Wasser ist, unter, während das ii: Zersetzung übergehende Ei, in den: sich Luft angesammelt hat, obe>: schwimmt. Faule Eier schivappern auch beim Schütteln. Ein weiteres Verfahrei: zur Feststellung, ob Eier frisch sind, ist folgendes: Man schneidet in ein Stück schwarzer Pappe ein Loch, welches ungefähr die Größe eines Eies hat, und hält das Ei zwischen sollten, was wir Maschiiienkunst und weiterhin! „Qüalitätsärbeit" genannt haben. Es ist nur zn begreiflich, daß die große Menge (einem Schaffen vom' Anfang an bis jetzt kühl und zurückhaltend gegenüber-- gestanben hat. Er war gänzlich frei voni allen spielerischen Sentt- Mentalitäten, denen die Modernsten der Moderne!: scheinbar doch nicht ganz entraten möchten. Er hätte gar nichts mehr von: gefälligen Dekorateur an sich und wär bist iznm Nerv Künstler. Mit der Aaren und bestimmten Logik des Ingenieurs schuf er Hauser und Hausgerät. Wie die Automobile, die Luftschiffe, d:e Maschinen, deren Schönheit er nicht weniger bewunderte als die Akropolis, schuf er Dinge, in denen eine Funktion ganz Form unb ganz große Form geworden Ivar. Jede Kurve ivar herausgeboren aus einer innerliche!: Notwendigkeit, und jede Linie war eine Kraft. Die Kraft einer genialen Persönlichkeit. Wie ein Dichter suchte- er seine Zuhörer mitzureißen zu der uralten _ Erkenntnis von der in jeder Linie lebendig wirkenden Ausdruckskraft. Mit keinem anderen Erfolge, als daß die .Ohnmacht sich der Lime bemächtigte, als daß ein vielgeschäftiges Trabantengeschlecht der Welt weißzumachen suchte, das Wesen des neuen Kunstgewerbes fei eine schauerliche Sezessionslinie. Man kann es begreifen, daß einen Mann wie van de Velde der Ekel packen mußte vor einer Unfähigkeit, die sich auf ihn als einen Führer zu berufen wagtt. Als der Großherzog von Weimar ihm die Leitung einer Kunstgeiverbe-Schule in der Goethestadt übertrug, da folgte er diesem Ruf, der für ihn gewiß ehrenvoll war, der ihn aber doch ausschalten mußte von den ganz großen, ganz lebendige,: Aufgaben der Zeit, die da gestellt werden, wo aufstrebende Industrien ihre gigantischen Taten vollbringen. Tic ganze Entwicklung, die das Moderne Kunstgewerbe gerade in Deutschland genommen hat, jene Durchgeistigung der gesamten Produktion, ist scheinbar die beste Bestätigung dieses idealistischen Vorkämpfers. Scheinbar, was er aus unseren Gewerben ausgefegt haben wollte, ist ja zum größten Teil aus der Produktion getilgt. Von dem wirklich modernen, wirklich aus der Zeit herausge- börenen, durch und durch qualitativen Kunstgewerbe sind wir irr unseren Tagen, da fast allenthalben Mit unzulänglichem Können das Biedermeier unb das schlechte Rokoko der 60er Jahre nachgeahmt werden, weiter denn je entfernt. Van de Velde hat wiederholt dagegen Protest eingelegt, daß das die Erfüllung der voi: Ruskin unb Morris gegebenen Lehren sein könnte. Zweifellos ist es unsere Pflicht, diese großen Ideen rein zu erhalten gegenüber einem ebenso ohnmächtigen wie geschäftigen Eklektikertnm. Für diese Ideen wird die Zeit sicherlich noch kommen. Eine neue, eine tatendurstige Jugend wirb sich ihnen verschreiben und Vai: be de Velde wird bann Antrieb unb Ahnherr fein. Silbenrätsel. an, be, bi, bürg, den, der, ei, sra, fit, fen, le, men, mi, nk, ol, ne, o, pan, ra, rt, fmn, sa, so, to. Aus vorstehende!: Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Titel und Namen eines Gelehrten bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes: 1. Besondere Art theatralischer Vorstellungen. 2. Einen Vogel. 3. Deutsches Land. 4. Name mehrerer Städte. 5. Sagenhafte Wesen. 6, Dänische Insel. 7. Altstcilisches Volk. 8. Eine Zierpflanze. Auslösung in nächster Nummer: Auflösung der Schach-Aufgabe in vorigör Nummer: der Ladeninhaber. — „Ach, ist da jemand gestorben?" fragt teil- nahmsvoll Frau Huber. * Dame: Du ungezogener Bengel, seit dem Tage, an dem ich geboren wurde, habe ich nicht solche Redensarten gehört." —< Junge: „Ja, das kann ich mir denken, daß an hem Tage, wo Sie geboren wurden, mächtig geflucht worden ist." * Eine gute Seele. -,So geht's, Frau Müller: neulich habe ich Ihnen den Schirm geliehen und heute habe ich nun selbst keinen." — „Ach, ich hätte ihn ja schon langst wiedergebracht —■ wenn es nur nicht alle Tage geregnet hätte." * Die ökonomische Hausfrau. „Schweizerkäse kaufe ich nicht, der ist zu unökonomisch." — „Wieso?" — „Nun, da muß man doch bei jedem Pfund die Löcher mitbezahlen." * Kindermund. Ter kleine Karl: „Ach, Onkel, schneide mir doch ein Stückchen Schinken ab!" — Onkel: „Weshalb denn ich? Lasse ihn dir doch von deiner Mama abschneiden." —< Der kleine Karl: „Ach nein, Onkel, Mama sagt immer, dst schneidest so sehr dick auf!" Büchertisch. — Das literarische E cho. Halbmonatsschrift für Lite- raturfreunbe (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Herausgegeben von Dr. Ernst Heilbvrn. Verlag: Egon Fleischet u. Co., Berlin W. 9). Däs 1. Aprilheft ist soebei: mit folgendem Inhalt erschienen: Ed. Hehck: Begriffe und Form'en der Bibliothek. C. Ch. Bry: Heinrich Federer. Heinrich Federer: Autobiographisches Skizze. Wolfgang Schumann: 1813. Ernst Lissauer: 'Drei Gedichte. Rudolf Pechel: Künstler-Novellen. Georg Minde-Ponetk Neue Kleistliteratur 1. Arthur Eloesser: „Bürger Schippel"« Georg Witkowski: Von der Leipziger Bühne. Echo der BühneM Echo der Zeitungen unb Zeitschriften. Echo des. Auslands. Kurz« Anzeigen. Notizen. Nachrichten. Bühnenmärkt. Zeigefinger unb Daumen jtt dieser Oeffnung vor eine Lamps. Schimmert das Ei hell durch, ist es frisch und geeignet zum Konservieren. Die auf die oben beschriebene Art eingelegten Eier haben bis in das neue Jahr hinein den ivohlschmeckenden und nahrungs- krästigen Inhalt wie frische Eier, und übertreffen die in: Handel befindlichen ausländischen Eier, die vielfach in großen Kühlräumen mangelhaft konserviert sind, bedeutend an Wohlgeschmack und Bekömmlichkeit. Sie eignen sich nicht nur zum Backen, sondern auch zun: Kochen. Roh genoffeil mit einem Zusatz von Kognak odeS Portwein wirb auch ein verwöhnter Geschmack nichts daran auszusetzen haben. Bein: Kochen konservierter Eier muß jedoch eine besondere Vorschrift beachtet werden. Unter der Kalkschale des Eies befindet sich eine sogenannte Schalenhaut. Diese spaltet sich am stumpfen Ende des Eies und bildet, wie jeder weiß, eine Luftblase. Bein: Kochen des Eies dehnt sich die Luft in der Blase aus unb bahnt sich durch die Poren einen Ausweg. Da aber bei eingelegten Eien: das Wasserglas die von der Natur vorgesehene!: Luftöffnungen dicht verschlossen hat, kam: die überschüssige Luft nur durch Sprengung entweichen. Um dies zu vermeiden, bringt man mit einer Stecknadel in die Luftblase eine kleine Oeffnung unb verschafft dadurch der Luft einen Ausgang. Die gekochten Eier sind in: Geschmack von Stempeleiern nicht zu unterscheiden.