H jfrsuenliebe. Roman von Horst Bodemer« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und im „Gardeklub", wie die Vereinigung sich zn kennen pflegte, gab es ein Paar, denen die Moneten locker in der Tasche saßen. Es dauerte nicht lange, so ging das Spiel los. Erft so ein bißchen zum Zeitvertreib, natürlich Mit bescheidenen Sätzen. Weiß der Himmel, ivte's tarn', Kus einmal lag der erste Goldfuchs auf dem Tische. Einer, der ein ausgesprochenes Pech 'hatte, fing an, nervös zu werden, ein »Schein knisterte verstohlen in seiner Hand. „.Nehmen die Herren auch höhere Einsätze an?" Einige warnten. Da trumpfte Hans-Wilhelm auf. „Kinder, seid doch keine Laubfrösche, ihr solltet mal den dicken Notenbuchen und den langen Klotsenbach von meinem Regiment sehen! Bei denen fliegen die braunen Lappen nur so 'rüber und 'nüber!" Und die jungen, noch 'unreifen Leutchen fingen an, einander allerlei Mordsgeschichten aufzubinden. Der dazu getrunkene Sekt tat das übrige, die Leichtsinnigsten glaubten schließlich selbst an ihre Prahlereien. Bald war der erste „ausgemistet". Zahlen wurden auf Visitenkarten geschrieben, die einen ganzen Mvnatswechsel ausmachten, und als .man heimgehen mußte, da hatte der Tag keine Erholung, sondern kapute Nerven gebracht — und einen elenden Jammer, denn nun hieß es Telegramme oder Eilbriefe nach Hanse loslassen, bei denen, die verloren hatten. Der Ehrenkodex sagt: Spielschulden sind Ehrenschulden, die bezahlt man binnen kürzester, vorher festgelegter Frist, öder man schießt sich eine Kugel durch den Kopf. Die aber gewonnen hatten, mußten Revanche geben — selbstverständlich! So kam es, daß die Spielerei die neun Monate — so lange dauert der Kriegsschulkursus — überhaupt nicht aufhörte,. Unter den Hauptleidtragenden aber befand sich Hans-Wilhelm von Moreth: Nachdem er Offizier geworden, bändelte er schnell mit den „Hauptjeuratten" im Regiment an, und die Tempelei S munter weiter. Manchmal kam wohl der moralische . mjammer, wenn ihm die Mutter schrieb, welche Summen er das Jahr über von ihr gefordert, wie sic sich um ihn bange und ein schlimmes Ende kommen sehe. „Ja," sagte sich dann Hans-Wilhelm, „einmal muß ich doch mit dem Gewinnen an die Reihe kommen. Immer bleibt doch das Glück nicht bei denselben Menschen. Hab' ich erst meine Verlnste wieder 'rein, dann höre ich auf — ganz gewiß!" Er bedachte in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht, daß er auch sonst weit über seine Verhältnisse lebte, daß .er jeden Maßstab verloren hatte über Geld und Geldeswert. Wer hoch spielt, raucht gut und trinkt teuer. Hat man gewonnen, sitzen die Moneten locker in der Tasche, hat man verloren — nun, die paar lumpigen Mark mehr machten das Kraut nicht fett. Noch eines vergaß Moreth dabei. Der dicke Rotem buchen war ein Phlegmatikns, der spielte „kalt wie eine Hundeschnauze", während er selbst beim Spielen immer Nerven bekam, das schlimmste Uebel für einen Spieler. Da erhielt Geinsheim die Kürassiere. Er nahm sich Hans-Wilhelm unter vier Augen vor. „Ich werde den Herren die Jeuerei gründlich versalzen!" war das Ende seiner geharnischten Rede. Geknickt ging Moreth heim. Seine Mutter hatte dem Freunde des Vaters offenbar klaren Wem über die Verhältnisse eingeschenkt. Aber die Katze läßt das Mausen nicht. Man spielte weiter, nur vorsichtiger. Eines schönen Tages gabis' einen bösen Krach. Der lange Kleisenbach mußte mit einem ganzen Hut von Schulden den Dienst quittieren. Rücksichtslos stach der neue Kommandeur in das Wespennest. Wer dicke Rotenbuchen wurde zum Train an die Westgrenze in ein gottverlassenes! Nest versetzt, einige andere Uebeltäter hatten Gelegenheit, bei einem längeren Stubenarrest über ihren Leichtsinn nachzudenken. Zu diesen gehörte Hans-Wilhelm von Moreth. Dem heldenmütig gefallenen Vater hatte er es zu bauten, daß es ihm nicht ähnlich ging wie Rotenbuchen, dem Phlegmatikns, der sich in seiner neuen Uniform im Spiegel besah und seufzte: „Kinder, sehr schön sieht der Rock gerade nicht aus, aber verheiratet bin ich ja nicht mit ihm. Sehen wir uns also erst einmal das Grenzdorf an!" Dort führte er in aller Ruhe seinen Karren spazieren und war bald noch dicker geworden — bei dem Skat um die halben Pfennige. Seitdem hörte das Hasardspielen int Offizierkorps auf. Man „"kloppte" seinen Skat, freilich — dem Papier sah maus nicht an, ob um die Pfennige, die Groschen oder um die Markstücke der Point gespielt wurde. Das macht man vorher hübsch leise unter sich ab. Aber der blinde Zufall waltete doch nicht mehr so uneingeschränkt wie beim Hasard. Zeiten kamen allerdings, in denen die leichte Adev Oberhand gewann. Die Garnison lag in einer sehr fruchtbaren Gegend. Auf den Gütern herrschte großer Wohlstand, der Ertrag der Felder wurde zum größten Teile als Saatgetreide und Saatkartoffeln zu hohen Preisen verkauft. Wie. Besitzer oder bereit Söhne gehörten fast alle deut Regimente als Reserveoffiziere an. Der Verkehr mit diesen Familien war äußerst lebhaft, nach den Jagden wurde gewöhnlich ein kleines Jeu arrangiert, das ist weit und breit in deutschen Landen so üblich. Und Wenn die richtigen Brüder unter sich waren, dann blieb es in der Regel nicht bei der „lustigen Sieben" in bescheidenen Grenzen, sondern mau fing an, „eine Strähne abzuziehen", das heißt^ man 'ging zu dem gefährlichen Bakkarat über. 142 Einer der eifrigsten Jäger und tollsten Spieler war Hans-Wilhelm. Man rechnete sicher aus ihn, wenn nach der Jagd „hoch, bar und, hitzig" gespielt werden sollte. DaN war sein großer Fehler, er spielte hitzig, und meistens war er der Hauptleidtragende. Im letzte): Manöver hatte er freilich einen „tollen Dusel" entwickelt, die verwegensten Schläge gelangen fast immer; da wähnte er, jetzt sei seine Zeit gekommen. Und wo war die Gelegenheit günstiger, als tut offt- ziellen Spielsaal, wo einem kein Kommandeur aufs Fell knien konnte! Wer erfuhr davon, wenn er eilt Paar Tage seines Urlaubs nicht in'Moreth, verbrachte! Sein ganzer Leichtsinn war erwacht. Spielen wollte er, bis er feilte Verluste herein, seiner Mutter und dein Grafen Relen- dorfs das Geld wiedergegeben und die aufgenommenen Hypotheken gekündigt hatte. Aber seine überreizten Nerven zauberten ihm noch andere Bilder vor. Ging alles gut — und er zweifelte nicht —, so würde er seinen Aufenthalt in Spa verlängern und soviel zusammeugewinnen, daß er sich eilt Gestüt zulegen konnte, denn das war schon immer sein heimlicher Wunsch gewesen. Hatte er nicht gehört, .daß in Monte-Carlo mancher sich int Handumdrehen Millionen vom Spieltische geholt hatte? Freilich zur rechten Zeit, wenn die Sache anfing, schief zu gehen, mußte man aufhören können. O, er hatte Nase! Sobald er das merkte, würde er sich auf die Bahn setzen und schnurstracks nach Moreth fahren. Er schrieb also ian die Direktion des Eercle des Ertrau- gers in Spa und bat um seine Aufnahme in den Klub. Der lange Kleisenbach hatte früher einmal dort gespielt und behauptet, das Nest zehntausend Franken ärmer verlassen zu haben. Bon ihm wußte Hans-Wilhelm, daß man so und so viele Tage erst aushängen müsse, ehe man Mitglied werden konnte. Widerspruch Ivar fast niemals erhoben, gegen ihn sicherlich nicht. Als er — eine Stunde nachdem ihm sein Kommandeur ernstliche Vorhaltungen über seinen Leichtsinn auf dem Marsch nach der Garnison gemacht hatte — seinen Briefkasten entleerte, fand er die Mitteilung aus Spa vor, daß er im Klub ausgenommen würden sei. Sofort stand sein Entschluß fest. Die Mitgliedskarte steckte er in die Tasche, den Umschlag warf er achtlos in den Papierkorb. Als er das Telegramm an seine Mutter absandte, schlug ihm wohl einen'Moment das Gewissen. Ein ganzes Jahr hatte sie den Sohn nicht gesehen, sehr enttäuscht würde sie über die Nachricht seines längeren Fernbleibens sein. Mer sein Optimismus beruhigt ihn rasch. Wenn er ihr erst aus der dick angeschwollenen Brieftasche die Tausendfranknoten eine nach der andern hübsch langsam auf den Tisch legte und ihr sagte: „So, Mama, da hast du. dein Geld wieder, und nun will ich gleich zu Onkel Relendorff rüber, den habe ich auch um zwanzigtausend Mark angepumpt!" Das würde eitel Freude und Wonne sein. Vielleicht würde sie anfangs die Nase rümpfen, wenn sie die Herkunft des Geldes erfuhr, denn eine alte Frau hat nun einmal sensible Ehrbegriffe, vor allem die Mütter, diu die Welt so gar nicht kannte; aber er würde sie schon beruhigen; o, darüber machte er sich keine Sorge! Das Feingefühl war Hans-Wilhelm »gewaltig abhanden gekommen. Er fuhr über Köln und Berviers nach Spa. Gegen Mittag traf er dort ein. Die Wadesaison war bereits vorüber, aber er kam ja hierher, um zu spielen, nicht zur Kur. Die Klubsäle blieben immer geöffnet. Direkt neben dem Klub, int Hotel d'Orange stieg er ab. Kaum nahm er sich Zeit, den äußeren Menschen aufzufrischen, jede Minute erschien ihm kostbar. Im Bureau! zeigte er seine Mitgliedskarte vor, bezahlte dann die Aufnahmegebühren und würde dann in das erste Stockwerk gewiesen, wo sich die Spielsäle befanden. Bei seinem Eintritt hörte er ein leises Summen, einzelne Stimmen drangen lauter an sein Ohr: „Faites votre jeu! !—i Rienne va plus! — Bonge pair et Passe!" Und dazu klapperten die kleinen Kugeln in den. Rouletten. Die Luft War verbraucht wie die vielen Menschen in diesem großen Saale. Keine eleganten Toiletten waren zu sehen, jeder spielte im Straßenkostüm. Einen Moment fühlte sich Haus-Wilhelm angewidert. Eine klapperdürre alte Frauensperson mit spinnigen Fingern hob! ungeniert den Rock hoch und! nahm ans! dem zer- rifjenen Unterrock, in dem sich eine Tasche befand, ein paar Geldstücke. Der Ausbewah-rungsört sollte Glück briü- gen, Und Spieler sind nun einmal abergläubisch. Ein! Mann mit einem Stiernacken, .großen Diamanten an den fetten Fingern, hatte vor sich einen Stoß Taufendfranken-i noteit liegen und daneben .—i ein Fünfe ent imesstü ck in Kupfer. Ohne diese kleine Münze, gerade diese, wär an Gewinnen seiner Ansicht nach garnicht zu denken. Der junge Offizier schüttelte den Kopf. Ihm War ja bekannt, daß sich die elegante Welt schon längst nicht mehr hier befand, aber als solche Räuberhöhle hatte er sich! den Klub! denn doch nicht vorgestellt, zü. dessen illnftrenj Mitgliedern er nun gehörte. Ein Ekel stieg ihm in der Kehle hoch, aber schliMW nahm er ja nicht diesen Leuten das! Geld ab, sondern der Bank, und was für Ehrenmänner hinter der standen, wußte er ja nicht. Die gute Gesellschaft spielte doch auch hier während der Saison. Mit schnellen Schritten, als wolle er seinen letztens Bedenken aus dem Wege gehen, schritt er zur Kasse, um sein deutsches Geld — vorläufig zehntausend Mark — in frait- zösisches umzuwechseln. (Fortsetzung folgt.) Der Himmel im März. Von Otto F r ö h l i H. Die Tage werden bereits merklich länger. Geht doch z'n Anfang des Monats für den 50. Breitenkreis und den Meridian von Berlin die Sonne um! 6,47 Uhr ans und 5,39 Uhr unter, am 31. 5,42 Uhr auf und 6,28 Uhr unter. Die Tageslänge nimmt also von 10 Stunden 52 Minuten zu Anfang des Moitats uni fast zwei Stunden M, da sie gegen Monatsende bereits 12 Stunden 46 Minuten beträgt. Die Länge der Dämmerung beträgt etwa 38 Minuten, wodurch die Tageshelligkeit uni weitere 76 Minuten verlängert wird. Die Zeitgleichung beträgt zu Anfang des Monats 12 Minuten 34 Sekunden, und sinkt bis auf 4 Minuten 20 e>cT.: Unter den Gestirnen bewegt sich die Sonne gegen Ende des Monats aus dem Sternbilde des Wassermannes in das der Fische,' oder sie tritt (nach alter Kaleuderbezeichnnng) aus dem Zeichen der Fische am 21. morgens 6,18 Uhr in das des Widders. Damit! hat nach astronomischer Zählung der Winter sein Ende erreicht, während nach meteorologischer Zählung, die ncfji. möglichst dem Erwachen der Natur anzupassen bemüht, bereits in den Anfang März der Beginn des Frühlings zu legen ist. Mit der Sonne in Zusammenhang gebracht wird uaa> den neuesten Unter'nchungen das Zodiaiästicht, das einer *iid tpvramide, deren Achse in der Ekliptik liegt, gleicht. Während es in stidttchen Gegenden kürz nach Sonnenuntergang oder auch früh vor Svnnen- aufgang als schwacher Lichtschimmer am Wend-, bezw. Morgen- Himmel sichtbar ist, wird es' für unsere Breiten sichtbar, weint die Ekliptik steiler zum' Horizonte verläuft. Dies ist bei. uns zu^Anfang des Jahres und im Herbst der Fall, so daß es tm Marz bei dunstsreieM Horizont am Abendhimmel sichtbar wird. Herrühren soll es von äußerst fein verteilter Materie, die die öomtle umgibt und nicht viel über die Erdbahn hinausreicht. Von dem sülleir Begleiter der Erde, dem Monde, ist zu er- wühneit: Am 8. um 1,23 Uhr nachts Neumond, am 15. abends 9,58 Uhr erstes Viertel, mW 22. 12,56 Uhr Vollmond. Gleiche- zeitig damit verbunden ist eine totale Mondfinsternis, die über für unsere Gegenden unsichtbar bleibt. Zn beobachten ist sie in Nordamerika, in der westlichen Hälfte Südamerikas, im Stillen Ozean, in Australien, in der östlichen Hälfte des Indischen Ozeans und in Asien mit Ausnahme von Persien, Arabien und Kleinasien. Am 29. um 1,58 Uhr nachmittags ist dann letztes Mondviertel. In Erdferne ist der Mond am 6., in Erdnähe am 21.; sein scheinbarer Durchmesser erscheint alsdann, int Winkelmaße ausgedrückt, 29’ 24”, bezw. 33’ 19” groß. In seiner Nähe, d. h. es befinden sich mit ihm in Konjunktur, angeführt werden! nur die, die zu beobachten sind, a'M 11. gegen 9 Uhr abends Venus! und am 14. gegen 1 Uhr vormittags Saturn. Seinen höchsten Stand über dem Horizont erreicht der Mond am 16., seinen tiefsten Stand aut 28. Tie Mondforschung Hat im Februar erneut einen schweren Verlust erlitten, als der weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes bekannte Astronom Julius- Franz, Direktor der Sternwarte in Breslau, starb. Es ist, als ob überhaupt über die Mond- forschung in den letzten Jahren ein böses Geschick waltet. Vor genau sechs Jahren, int Jahre 1907, würde von der iiiter- nationalen Vereinigung der Akademien eine internationale Kommission zur Mondforschung eingesetzt, um nach einheitlichen Gesichtspunkten die Ergebnisse der Mondsorschung zu sichten und nunmehr eine neue, auf Grund neuester photographischer Beobäch- tungen und genauester Ausmessungen der Negative möglichst große Mondkarte in allen ihren Einzelheiten herzustellen. In diese Kommission wurden gewählt die Franzosen Locwy, der Direktor der Pariser Sternwarte, und Puiseux, aus Deutschland eben Franz, 143 ferner die Engländer Saunder intb Turner, letzterer Direktor der Sternwarte in Oxford, die Amerikaner Newcomb in Washington Nnd SB. Pichering in Cambridge, und endlich der Oesterreicher Weis, in Wien. Besonders sahen ihre Lebensaufgabe in dem i9n(etnftubiuin1 des Mondes Loewy, der auch Präsident der Kont- Nltssion wurde, Puiseux, Franz und Saunder, während die anderen nur zeitweise diesem Studium oblagen. Doch bald nach der Bildung dieser Kommission starb Moritz Loewy am 15. Oktober 1907, dann Newcomb am 11. Juli 1909, im Januar dieses Jahres Saunder, und im Februar Franz. Durch diese Todesfälle hat die Mondforschung ohne Zweifel einen schweren Schlag erlitten, Um so mehr noch, als bisher wegen der Vorarbeiten die Kommission noch nie hat zusamMentreten und etwaige Beschlüsse fassen können. Bon den größeren Planeten zieht Merkur int Sternbilde der Fische, er erreicht am 11. die größte Elongation (18° 19’), und ist dann einige Tage kurz nach Sonncnuntergaiig sichtbar, tritt am.1,28. in untere Konjunktion mit der Sonne, und ist wieder Unsichtbar. — Venus irrt Sternbilde des Widders ist noch Abeitd- stern und strahlt Mitte des Monats im größten Glanze, der am 19. sein MaximUm erreicht. Am 4. ist sie in Sonnennähe, am 26. in größter nördlicher heliozentrischer Breite. Sie geht erst gegen 10 Uhr abends unter. — Mars wandert ans dem Sternbild des Steinbocks in das des Wassermannes, geht etwa eine Stunde vor der Sonne auf und bleibt in der Morgendämmerung verborgen. — Jupiter steht iml Schützen, geht anfangs gegen 4 Uhr, am Ende kurz nach 2 Uhr morgens auf, und ist am Ost- hiMmel vor Sonnenaufgang zu beobachten. — Saturn, der nur langsam rm Stier seinen Ort verändert, kann fast den ganzen Monat hindurch noch bis gegen Mitternacht beobachtet werden. Der Sternhimmel zeigt uns am 1. März um 10 Uhr abends, tort Monatsnntte um 9 und gegen Ende nm 8 Uhr abends, int Meridian über dem südlichen Horizont das durch wenig Helle Sterne ausgezeichnete Sternbild der Wasserschlangc; bent Zenit erscheinen die westlichen Sterne des großen Löwen dicht am Meridian, dann die Sterne des großen Bären, und nach dem nördlichen Horizont ^zu der Polarstern, znM Sternbilde des kleinen Baren gehörend. Nur wenig über dem nördlichen Horizont schneidet deii Meridian die Milchstraße, die in einem nach Osteil geöffneten Bogen sich über die Westhälftc des Sternhimmels hiiizieht. Zwischen ihr und dem Meridian, von Süden aiifangeitd, besindet sich das Sternbild des kleinen Hundes mit Prokyon als hellstem Stern, ^ordlich davon, dort, wo in der Milchstraße eine große dunkle Stelle sich befindet, liegt das durch seine beiden fast gleich Hellen Sterne, Castor und Pollux, leicht erkenntliche Sternbild der Zwillinge. Ueberschreiten wir die Milchstraße, so sehen >vir den Stier mit dem rötlich glänzenden Aldebaran, den Sternhaufen der Plejaden, die sich bereits zum Untergänge rüsten. Sie und die nicht weit Von ihnen auch noch zum Sternoilde des Stieres gehörenden Hyaden zeigen selbst in den kleinsten Fernrohren ein reizendes Bild von der großen Menge kleiner und kleinster Sternchen, die hier auf einem kleinen Raum zufammengedrängt erscheinen. Nach Sudwesten zn sehen wir Orion, hier sind int nördlichen Teile dieses Sternbildes Beteigeuze und Bellatrix die beiden hellsten Sterne, iM südlichen Rigel; zwischen beiden befinden sich die drei Hellen Gürtelsteruc, voll denen aus einige schwächere fast gradlinig nach Unten verlaufen. In dieser Gegend befindet sich auch der nach dem Sternbilde benannte Nebel. Unterhalb des Orion glänzt der hellste Fixstern der bei uns sichtbaren Sterne: Sirius int großen Hunde. Jin Südostquadranten trifft man auf keine besonders Markanten Sternbilder: am Horizont die schwachen Sterne des Raben. IM Südosten erhebt sich allmählich die Jungfrau mit der lehr hellen Spica, von der aus die Sterne des großen Löwen die Fortsetzung in der Ekliptik zu den Zwillingen vermitteln. rM Nordostquadranten trifft man über dem Horizont, immer hoher und höher heraufkommend, zunächst den Pootes mit Ark- turus, ihm folgt das Sternbild der Krone, einen Halbkreis bildend; uackr dem Scheitelpunkt zu führen dann die Sterne des Bären, wahrend unweit der, Nvrdsüdlinie, aber östlich von ihr, der kleine Bar und das langhinziehende Sternbild des Drachen uns wieder ,Dr ’5?lt führen, wo gerade Wega ausgeht und am ,/Endc" der Milchstraße das der Gestalt eines Kreuzes ähnelnde Sternbild des Schwanes aufzugehvn int Begriff ist. Am Rordwest- qiiadranten, in der Milchstraße, trifft man endlich die Cassiapeja, unverfehlbar wegen ihrer M-Gestalt, und auf einige Sterne int großen und ganzen meist wenig bekannter Sternbilder. Abenteuer der Brigadier Gerard. Bon C. D o y l e. MiesichdcrBrigadicrbeiWaterlooauszcichnete. > (Fortsetzung.) Ich ritt nach der Art Napoleons mit eingezogenem Kopfe, und ich wagte nicht, mich nmzudrehen, weil ich fürchtete, sie könnten meinen Schnurrbart sehen. Ich hatte den Kragen des grauen Mantels in die Höhe geschlagen, um ihn lvenigstcns teilweise zu verbergen. Demr auch jetzt konnten sic, wenn sic ihren Irrtum entdeckten, noch n in kehr en und den Wagen einholen. Mer als wir erst wieder auf der Straße waren, konnte ich an dem Dröhnen des Hufschlags hören, wie ineit sic von mir ab waren, und es kam mir vor, als. oh er merklich hauttr würde, und sic mir langsam Näher rückten.- Wir ritten den steinigen, ausge-- fahrenen Weg hinan, bet’ von der Furt ausgiirg. Ich guckte ganz vorsichtig unter meinem Arm durch und merkte, daß mir haupt- sachlrch von einem einzelnen Reiter Gefahr drohte, der seinen mltnV')'v>cn weit voraus war. Es war ein Husar, ein sehr zierliches Burlchchen, auf einem großen, starken Rappen, und sein geringes Gewicht hatte ihn an die vorderste Stelle gebracht. Es ist dies etn Ehrenplatz, aber auch ein gefährlicher Platz, wie er bald erfahren sollte. Ich befühlte die Halfter, aber zu meinem Schrecken waren kerne Pistolen drin. In der einen steckte ein Feldstecher, und dre andere war mit Papieren vollgestopft. Mein Säbel war bei Violette zurückgeblieben. Hätte ich nur meine Waffen und meine kleine Stute gehabt, dann hätte ich mit den Kerlen schon fertig werden wollen. Doch war ich nicht gänzlich unbewaffnet. Der säbel des Kaisers hing am Sattel. Er war 'gekrümmt und ziemlich kurz, der Knaus mit Gold ausgelegt — ein lJnstrument, das besser als Zierat bei einer Parade als zur Berteidigung für einen Doldaten paßte, der sich in Todesgefahr befand. Ich zog ihn, wie er eben war, und wartete, wie's geheii würde. Der Husschlag kam mit jedem Augenblick näher. Schon hörte ich das Schnaufen des Pferdes Und die Drohrufe des Reiters. Der Weg machte eine Biegung. _ Als ich jenseits war, riß ich meinen weißen 'rum und befand mich dem preußischen Husaren von Angesicht zn Angesicht gegenüber. Er ritt zu rasch, um halten zn können, und seine einzige Aussicht bestand darin, mich niederzureiten. Wenn er das getan hätte, würde er zwar selbst den Tod gefuiiden, aber gleichzeitig auch mich und mein Roß derartig verletzt haben, daß mir alle Hoffnung auf weitere Flucht vergangen wäre. Aber der dumme Kerl tvich aus, als er mich warten sah und flog rechts an mir vorbei. Ich beugte mich über den Hals meines Arabers und stieß ihm mein Paradeschwert in die Seite. Es muß eine ausgezeichnete Klinge gehabt habeii und so scharf wie ein Rasiermesser gewesen fein, denn ich fühlte kaum, wie 's eindrang, und doch war's bis drei Zoll (Vom Knauf rot von feinem Herzblut. Sein Pferd galoppierte weiter, und er hielt sich noch ungefähr hundert Meter weit int Sattel, bis er vornüber sank und ’runter stürzte. Ich war seinem Pferd gleich auf den Fersen gefolgt; der ganze Zwischenfall, den ich eben erzählt habe, hatte nur ein paar Sekunden in Anspruch ge- nommeu. Ich hörte das Wut- und Rachegeheul feiner Kameraden, als sie an ihm vorüberkameu, und idji mußte wirklich lächeln, wenn ich dran dachte, für was für einen guten Reiter und Fechter sie beit Kaiser halten mußten. Ich blickte mich wieder um, so vorsichtig wie vorher, und sah, daß keiner von den sieben anhielt. Tos Schicksal, ihres Kameraden wollte nichts bedeuten gegen die Erfüllung ihrer Mission. Sie waren so unermüdlich und unbarmherzig wie Schweißhunde. Aber ich hatte einen guten Vorsprung, und mein guter Araber lief immer noch vorzüglich. Ich wähnte mich schon sicher. Und doch kam in biefem selben Augenblick gerade meine größte Gefahr. Der Weg teilte sich, und ich wählte den schmäleren, weil er mehr Rasen hatte und dadurch den Hufen einen weicheren und bequemeren Untergrund bot. Nun stellen 'Sie sich meinen Schrecken vor, Messieurs, als ich durch ein Tor geritten war, und mich in einem großen Bauernhof befand, der ringsum' durch Stallungen und Häuser geschlossen war, und aus deut es feinen Ausweg gab, als den, auf dem ich eben ’reingekomMeil war! Ja, meine Freunde, wenn mein Haar jetzt schneeweiß ist, so ists wahrlich kein Wunder nach dem', tvas ich'durchgemacht habe! Zurückreiten war ausgeschlossen. Ich hörte die Preußen den Weg hcrsprengen. Ich sah mich um, und die Natur hat mich mit jenem schnellen Blick ausgestattet, der das erste Erfordernis jedes Soldaten, gbcr ganz besonders eines Kavallericführers ist. Zwischen einer langen Reihe Ställe und dem Wohnhaus befand sich eine Einfriedigung für Schweine. Dieser Watz war vorne vier Fuß hoch mit Brettern vierschlagen und die Rückwand bildete eine Mauer, die etwas höher war. Was dahinter lag, konnte ich nicht sehen. Der Raum war nur wenige Meter breit. Es war ein Verzweifeltes Wagnis, aber ich mußte es drauf ankommen lassen. Der Husschlag wurde mit jedem Augenblick stärker, die Feinde stürmten heran. Ich drehte meinen Araber nach dem Schwcine- stall, er nahm auch den Verschlag sehr schön, kam aber mit den Vorderbeinen auf ein schlafendes Schwein und glitt vornüber auf die Knie. Ich flog über die Hintere Maner irnd fiel mit beit Händen gind dem' Gesicht auf ein weiches Blumenbeet. Mein Pferd befand 'sich nun auf der einen Seite der Mauer, und ich auf der anderen, und die Preußen int Hof. Doch ich war sofort wieder auf den ®einen und erfaßte über die Mauer weg den Zügel Meines Pferdes. Sic war aus losen Steinen errichtet, so daß ich leicht einige ’rausuchMeil und eine Oeffnung machen konnte. Als ich ihM 'zurief und mit dem Zügel einen Ruck gab, setzte daS brave Tier über die Bresche, und iml nächsten Moment stand es neben Mir, und ich im Steigbügel. Als ich wieder int Sattel saß, kant mir eine heroische Idee. Die Preußen konnten, falls sie auch beit Weg über bcn Schweinestall wählten, nur einzeln ko Minen, uub ihr Angriff konnte nicht allzu heftig werden, weil sic sich nach dem Sprung nicht erst erholen könnten. Warum sollte ich sic nicht ruhig erwarten und sie, einen nach deut andern, niedermachen, wenn sic über die Mauer kamen? Es war ein großartiger Gedanke. Sie sollten 144 gewahr werden, dak Etienne Gerard nicht bloß aUsreitzen konnte Ich griff nach Meinem Schwert, aber Sw können sich mein Gefühl vorstellen, nies ainis, als ich eine leere Scheide erfaßte. Es war rmräaefatten als das Pferd über das verdammte Schwein gestürzt toar ' Von was für verrückten Kleinigkeiten zuweilen unser Schicksal ablrängt — lauf der einen Seite ein Schwein, auf der anderen Oberst Gerard! lieber die Mauer springen und das SchweA holen? Unmöglich! !Die Preußen waren schon rm Hof ^ch drehte meinen Araber ntm und setzte wieder meine Flucht fort. Aber für 'n. Moment schien niirs, als ob ich ut einer noch viel schlimmeren -Falle steckte als vorher. Ich War tnt Obstgarten, in der Mitte standen Säume und an den Seiten warm Beete. Der ganze Platz war von einer hohen Mauer emgeschl-ossen. ^ch sagte -mir jedoch, daß er irgendeinen Zugang haben müsse, weil doch nicht anzunehmen war, daß jeder Besucher über den Schweine- stall springen würde. Ich ritt also NM die Mauer ruM und fand, wie ich -erwartet hatte, eine Tür, in der ein Schlussel steckte. Ich sprang ab, schloß -auf und öffnete. Da erblickte ich, fctitm sechs Fuß von mir entfernt, einen preußischen Ulanen. . ' Einen Moment starrten wir einander an. Dann schlug rch die Türe zu und schloß sie wieder ab. Von der anderen Seite des Gartens drang ein Krach und cm Schrei an mein Ohr. Ich merkte, daß einer meiner Feinde bei dem Versuch, über den Schweinestall zu setzen, zu Fall gekommen war und sich Schaden getan hatte. Wie -konnte ich aus diesem eul-de-sae rauskommen? Offenbar waren einige von der Gesellschaft um das Gehöfte ruM geritten, während die übrigen direkt ureiner Spur nach waren. Hätte ich meinen Säbel gehabt, so hätte ich beit Ulanen draußen an der Gartentüre liieder-mächen können, aber so 'uausreiteu, Ware der reine Selbstmord gewesen. Hinwiederum, wenn ich lange zögerte, Würden mir sicher einige zu Huß über den Schweinestall folgen, iinb was wärs daun? Ich mußte auf der Stelle handeln, sonst War ich verloren. In solchen Augenblicken arbeitet mein Gehirn Ungeheuer rasch, und interne Handlungen vollziehen sich am promptesten. Mein Pferd Mi! Zugel führend, lief ich ungefähr hundert Meter an der Mauer entlang, an der Seite hin, wo der Ulan Wache stand. Ich blieb stehen, riß mit aller Kraft und in aller Geschwindigkeit oben auf der Mauer eine Anzahl der losen Steine weg und rannte in größter Hast mit meinem Pferd zurück nach dem Ausgang. Wie ich mir gedacht hatte, glaubte er, ich wollte an jener Stelle ausbrecheu, und ich hörte wie er draußen hingaloppierte UM mich abzuschiieidcu. An der Türe schaute ich mich um und «erblickte einen Reiter in grüner Uniform, der den Schweinestall -hinter sich hatte und wild mit einem Jubelgeschrei durch den Garten sprengte — es war Gras Stein, „llebergeben eie sich, Majestät, übergeben Sie sich!" brüllte er mir zu; „Wir wollen Ihnen Pardon geben!" Ich sprang durch die Türe, hatte aber feine Zeit, sie von außen zuzuschließen. Stein war mir gerade auf den Fersen, und auch der Ulan hatte bereits sein Pferd wieder Unigedreht. Ein ©afe, und ich saß auf meinem Araber und fauste wieder los, über eine große weite Wiesenfläche hinweg. Stein üiußte absteigen und das Tor aufmachen, sein Pferd durchführen Und wieder aufsitzen, ehe er mir nachjagen konnte. Ihn fürchtete ich mehr als den Ulanen, Weil dessen Pferd- schwerer und müder War. Ich galoppierte über eine Meile weit, ehe ich mich nm- zuseheu wagte; Stein War einen Flintenschuß hinter mir, der Ulan Wohl ebensoweit hinter ihnt, und von den übrigen konnte ich nur drei erblicken. Meine neun Preußen reduzierten sich so allmählich auf eine geringere Anzahl; immerhin war einer noch zuviel für einen; Unbewaffneten. (Fortsetzung folgt.)' Vermischter. * Das freimaurerische -Geheimnis. Ein erheblicher Teil der Oeffentlichkeit meint noch heute, daß hinter den verschlossenen Türen der Freimaurerlogen irgendwelche geheimnisvollen Zwecke verfolgt würden, die der Oeffentlichkeit mit Absicht vorenthalten werden. Diese Ansicht ist grundfalsch, schreibt Dr. ISrnft Schultze in einem! Aussatz der „Westermannschen Monatshefte" über das „Freimaurerische Geheimnis"; der Frei- inaurerbünb ist heute keine geheime Gesellschaft mehr, sondern nur noch eine geschlossene. Bon einem' Geheimbund kann man nur sprechen, wenn seine Existenz- oder Zahl und Namen feiner Mitglieder unbekannt bleiben sollen, oder wenn seine Absich-ten Und Bestrebungen absichtlich in geheimnisvollem Dunkel gehalten werden. Beides kann von der Freimaurerei nicht gelten. Sie hält ihre „Arbeiten" wenn irgend möglich in eigenen Gebäuden ab, die, wie alle Welt weiß, dieser oder jener Loge oder Großloge gehören. Sie betrachtet die Zugehörigkeit zu deM Bunde nicht als -ein -Geheimnis, sie legt ihre Absichten und Bestrebungen offen bar. Unb -ebensowenig wie ihre Zwecke versucht sie die Mittel -geheimzuhalten, mit denen -sie ihre Ziele zu erreichen strebt. Alle diese Dinge erörtert sie zUM Teil vor der weitesten Oeffentlichkeit. Wenn fte dennoch gewisse andere -Dinge als Geheimnis behandelt, so teilt sie diese Eigenschaft Mit vielen, ja fast muß man sagen mit allen menschlichen Körperschaften. Das einzige Geheimnis, das sie besitzt, ist ein schönes, auf den Schultern vergangener Zeiten ruhendes Ritual mit prachtvollen'/ zUM Wjen sprechenden symbolisch-dramatischen Formen. Innerhalb der Freimaurerei' haben viele Erörterungen über Wesen und Wert des freiMaurerisch-cn „-Geheimnisses" stattg-efunden. -Fast stets ging man davon aus, daß der großen Mehrzahl der Mitglieder des Bundes das Geheimnis, das heißt also das Ritual, überaus lieb geworden war. Gerade weit die ForMen -des Gebrauchtums jedem einzelnen Freimaurer lieb und wert geworden sind, würde er es als eine Entweihung betrachten, wenn über diese Tinge öffentlich hin und her geredet, vielleicht (ober wahrscheinlich) auch gespottet, kurzum, wenn über Dinge diskutiert würbe, die sich einer theoretischen Erörterung entziehen. Denn tatsächlich ist bas freimaurerische Ritual eine Form' des Kultus ohne religiöses Dogma. «Es ist Mit tiefem Gehalt -erfüllt und Wirkt nicht nur auf unsere Sinne Wie auf unser Innenleben beruhigend, stärkend, veredelnd ein, sondern gestattet auch so beziehungsreiche Deutungen, daß daraus für das Nachdenken über Sinn und Wert des Menschendaseins/ über Bedeutung und Notwendigkeit -des Gemeinschaftslebens und ähnliche Fragen die tiefsten Anregungen entspringen können. * Das Messen der Atome. Manchmal scheint es, als ob die Wissenschaft mit Riesenschritten der Lösung des Unlösbaren zueilte. An der Royal Institution zu London hielt Professor Thompson vor kurzem einen Vortrag über die Forschungsresultate, die über die Beschaffenheit des Atoms erzielt worden sind. Man hat nämlich entdeckt, daß man die Atonie sichtbar machen kann, indem man sie elektrisiert. Folgendes schöne Experiment demonstrierte diese Sichtbarkeit. Man sandte einen negativen Strom durch einen luftleeren Raum, und sogleich war eine stabartige grüne Phosphoreszenz bemerkbar, die durch den Glasbehälter hinzog: der Strom der elektrisierten Atome, die an das Glas prallten. Ein positiver Strom brachte ans dieselbe Art eine stab- ähnliche Erscheinung von roter Farbe zum Vorschein. Der grüne Stab konnte durch einen Magneten abgelenkt werden. So ist eS jetzt möglich, die Atonie zu sehen und ihr Verhalten zn beobachten, und des weiteren können sie sogar nach der Methode Profeffor Perrons gezählt und gemessen werden. * Bei einer Gelegenheit, als ein Redner int englischen Parlament sich ans feinen Hut setzte, erhob sich ein irisches Mitglied des Hauses. „Würde es gegen die Ordnung verstoßen," wandte et sich an den „Sprecher", wenn ich den ehrenwerten Herrn zu der Tatsache beglückwünsche, daß, als er sich auf feinen Hut setzte, sein Kopf nicht darin war?" * Ein Herr war wegen eines Versehens seines neuen Dieners sehr in Wut geraten. „Hören Sie mal," schrie er -in seinem Zorn, „ich will die Sachen ordentlich gemacht haben! Halten Sie mich für einen Narren?" — Das kann ich noch nicht-sagen, gnädiger Herr," war die Entgegnung, „ich bin ja erst seit gestern hier."- Redakteurs Freuden und Leiden. Wir lesen in der „Jugend": Zum Eintritt in diesen hehren Berns wird folgendes Rezept aufgestellt: Kannst du: Durch Scheiben springen und sie nicht zerbrechen, Auf Eiern tanzen und sie nicht zerdrücken, Durch Löcher kriechen, ohne dich zu bücken, Fortfliegen mit Gewichten an den Schwingen, Im Jammer tanzen und im Schmerze singen, Vor Aerger lädieln und im Kummer lachen, Jin Gehen schlafen und im Schlafe wachen. Ins Feuer greifen, ohne dich zn brennen, Den Gegner tadeln, ohne ihn zn neunen. Die Feder stets in Rosenbalsam tauchen, Nie bgse werden, wenn auch andere fauchen, Ans jeder Mitteilung die Wahrheit suchen, Mit Dämonen ringen und doch niemals fluchen, Mit Feuilletons erfreuen stets die Weiber — Kann st d u das? — Dann bist du Zeitungsschreiber!! I Logogriph. Schreibst du's mit „b”, läuft drüber mancherlei, Wählst du dafür ein „d", geht's nicht so leicht entzwei, Schreibst du's mit „f", bist du es selbst sogar. — Des Rätsels Deutung ist dir wohl schon klar? Nuflösuug in nächster Nummer. .Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: — — Faß das Leben schnell; Laß keiner Stunde Zeigerschlag vorüber, Wo du nicht sagst, der Augenblick war mein, Ich habe seine Freuden ausgekostet, Kein Tröpflein Balsam ließ ich in dem Kelch. Die Zeit ist schnell, noch schneller ist das Schicksal. Wer feig des einen Tages Glück versäumt, Er holt's nicht ein, und wenn ihn Bijtze trügen. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen^