Lirnenraukch. Roman von Paul G r a b e i u. 'Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Stumpf starrte die Frau mit gefalteten Händen auf das blasse Haupt ihres Sohnes. Sie hätte wohl einen Zorn, einen Haß haben sollen auf die da neben ihr, die schuld war an seinem Tode! Um ihres nichtigen Schmuckes willen hatte er sein junges Leben, lassen müssen, hatte sie den Ernährer verloren! Aber es blieb alles kalt und stumpf in ihr. Das war schon so auf -der Welt. Die Armen und Geplagten mußten noch immer mehr zu tragen bekommen, und die Reichen gingen leicht dahin — nun, es mußte wohl so sein, daß dereinst am jüngsten Tage diese die letzten und jene die ersten wurden. Und wieder begann sie ihr Gebet zu murmeln. — Nun hatte sich die erste Leidenschaft des Schmerzes bei Gottliebe gebrochen. Das Besinnen kam ihr wieder. Den Toni konnte sie mit aller heißen Reue über ihre allzu große Härte gestern nicht wieder erwecken; das konnte sie nur sühnen durch unerbittliche Strenge fortan gegen sich selbst. Aber eins stand in ihrer Macht: die Seinen vor der bittersten Not zu retten. Das Heilte Kapital, das bescheidene Erbteil ihrer Mutter, das zu ihrer Verfügung stand, oft hatte sie es gering geachtet; jetzt dankte sie Gott dafür; es sollte nun einem ernsten Zwecke dienen. Doch es widerstrebte ihr, in dieser Stunde heiligen Schmerzes von den niederen Sorgen des Lebens zu sprechen. So erhob sie sich denn und sagte nur, zu der in Andacht versunkenen Frau hingewandt, leise — fast demütig: „Frau Spängler — Gott helfe Ihnen Ihr Leid tragen! — Morgen lassen Sie mich wiederkommen, Ihrer und der Kinder Zukunft wegen mit Ihnen zu reden. Der Toni ist Ihnen genommen worden" — ihre Stimme begann leise zu zittern — „aber Sie sollen darum nicht verlassen sein." Die alte Frau fuhr aus ihrer Stumpfheit aus: Was sagte da die Fremde? Ihre Worte hatten sie mit einem Male an die Sorgen des Alltags gemahnt, die sich melden würden, allzu rasch nur, ehe noch der herbste Schmerz verwunden sein würde. Aber war da nicht eben ein Strahl des Trostes in das aufziehende Düster der Zukunft gefahren? Gottliebe aber heftete noch einmal ihren Blick auf den stillen Schläfer, in stummem Abschied. Dann verließ sie schnell das Gemach. Draußen auf der dunklen Straße trat ein Mann auf Gottliebe zu, der sie dort erwartet haben mußte — Bessow. Grüßend trat er zu ihr. „Ihre Tante war in größter Sorge um Sie, Fräulein Rhhngaert, und ich nicht minder. Ich fürchte, Ihre Nerven sind ernstlich angegriffen. Wollen Sie sich denn nicht endlich Ruhe gönnen?" alm iS, ifl W Sein Don war zärtlich, teilnehmend. „Ich bin schon wieder ganz ruhig. Seien Sie ohne Sorge, Herr Bessow." Ihre Stimme klang in der Tat ernst, aber gefaßt. „Nun, Gott sei Dank!" Erleichtert atmete der Regierungsrat auf. „Sie dürfen mir glauben, Fräulein Rhyn- gaert, ich habe mich wirklich aufrichtigst um Sie gesorgt." Sie schwieg. Eine Weile schritt auch er schweigend neben ihr her, mit sich kämpfend. Endlich aber war er entschlossen. Er wollte die Sache zu Ende bringen. Diese Ungewißheit war ja aufreibend. „Fräulein Rhhngaert, die unglückselige Katastrophe hat uns leider in einer Unterhaltung gestört, die von größter Bedeutung für meine Zukunft, vielleicht auch für die Ihre —" „Ich weiß, was Sie sagen wollen." Mit ruhiger Entschlossenheit schnitt ihm Gottliebe das Wort ab. „Aber bitte — sprechen Sie nicht weiter. Ersparen Sie uns beiden das !" Betroffen fuhr Bessow zusammen. „Das heißt r— ich hätte nichts, sch hätte nie etwas! zu hoffen?" „Ich bitte Sie, ersparen Sie mir doch, deutlicher zu werden!" bat Gottliebe nochmals. „Es wird Ihnen ja genügen, wenn ich Ihnen sage, daß meine Zukunftspläne überhaupt jeden Gedanken solcher Art ausschließ^n. Ich bin des Drohnenlebens überdrüssig, das ich bisher geführt habe — es hat schon lange auf mich gedrückt und mich unzufrieden gemacht — ich werde mir Tätigkeit und Beruf suchen, die mich ausfüllen." ,/AH so!" Ein scharf ironischer Klang tönt« aus den kurzen Worten. Die schwer verletzte Eitelkeit stachelte in Bessow böse Instinkte am, die er sonst sorgfältig unterdrückte. „Das ist ja sehr interessant, mein gnädiges Fräulein! Um so interessanter, als diese ganz neuen, überraschenden Pläne so merkwürdig zusammenfallen mit dem Malheur dieses Burschen, den Sie sich in den letzten Tagen so eng attachiert hatten. Man könnte ja fast glauben —" „Schämen Sie sich, das Andenken eines Toten zu ber- unglimpfen!" Zornlodernd herrschte ihn Gottliebe an, dicht vor ihm stehen bleibend. „Und jetzt sage ich Ihnen: Auch wenn ich jene anderen Pläne nicht hätte, einem Männ von so niedriger Gesinnung gäbe ich meine Hand niemals! So" — und sie wandte sich zum Weitergehen — „und nun darf ich wohl auf Ihre fernere Begleitung verzichten." „Wie Sie befehlen!" Kalt den Hut lüftend, trat Bessow zurück. Allein schritt Gottliebe weiter, durch die Dunkelheit hin. Da fiel in ihr Auge aus der Höhe ein mildleuchtendeo, blasser Schein — die Firnen droben vom Ortlergebtrge. In tief erzitternder Wehmut blieb ihr Blick darauf haften. Das sollte fortab ihr Symbol sein, ihr Sehnen: die stille Größe, die auf irdisches Getriebe hinabschauende Erhabenheit. Und mit dem Bilde jener klaren Höhen würde ibr unzertrennbar vereint bleiben das Bild des armen Un- 478 der neben Rucksack und Seil — der Ausrüstung eines eveu- falls hier zu unfreiwilliger Rast verurteilten fremden Bergführers — an der Wand lehnte. Wie zu einem Vernunft begabten Wesen, wie zu einem verständnisvollen Kameraden sprach da ihr Blick zu dem blanken Stahl: „Ja., ja! Auchs aus dir leuchtet der Unmut! Rasten heißt rosten. War uns beiden Wohler zumut, könnten wir uns droben in den Firn haün!" , , . Die Touristin Log dann langsam nach rechts ein, ul den Korridor, an dem die Führerstube lag. Mußte es denn schon einmal fein, daß fie hier in dem Kasten hockte, danns wenigstens doch noch unter ernsthaften Leuten, gleich ihr zu Hause droben in den Bergen— um Gottes willen aber nur nicht unter dem Volk der Talschleicher, das schwatzend und flirtend da drinnen im Speisesaal beieinander saß, sich und flirtend da drinnen im St , , , 'gemeinschaftlich! über die fatale Regenzeit zu trösten. Bei ihrem Eintritt in die tabaksdunstige Leutestube lüfteten die meisten der Insassen, aufschauend, den Hut Gottliebe Rhyngaert war ihnen allen ja wohlbelannü Seit einer langen Reihe von Jahren, seit jenem ersten Besuch damals, wo der Spängler-Toni — Gott hab ihn selig — das Malheur hatte, war das Fräulein dem Ort treu geblieben. Fast in jeder Saison hatte sie sich in Trasvi sehen lassen, wenigstens auf der Durchreise; fte schien — gewiß infolge der ernsten Umstände dazumal — em besonderem Interesse an dem Ort gewonnen zu haben. . Sie war inzwischen eine firme Bergsteigerin geworden, so zu Haus droben in Fels niid Eis, daß sie seit den letzten Jahren fast stets führerlos ging. Nur bei einigen wenigen, besonders schwierigen Partien ging sie in Begleitung; dann nahm sie stets aus alter Anhänglichkeit den Stadler, trotz seiner 63 Jähre noch heute ein unverwüstlicher, sehnenstarker Zweiter Teil. Immer noch das alte Bild! Die Berge qran verhängt, man konnte kaum den Walo- hang drüben, jenseits des Trafoier Bachs, erkennen, und der Regen rieselte unaufhörlich hernieder; kmm dem Auge bemerkbar, aber mit jenen allerfeinsten Tröpfchen, die durch jede Pore des Tuchs dringen und auch die beste Imprägnierung auf die Dauer illusorisch machen.. , Also Resultat: Weiter zur Haft hier unten mt Hotel verurteilt — wer weiß, wie lange noch! Mit leicht gerunzelter Stirn wandte sich die Dame im schlichten Touristenkostüm um, die da eben von den Eingangsstufen der „Neuen Post" in Trafoi her Ausschau gehalten hatte und langsam, unschlüssig ging sie m den Mur zurück, daß der Hall ihrer Tritte in den schwer benagelten Bergschuhen laut von den Steinfliesen wieder- H^Jm Vorübergehen fiel ihr Auge auf einen Eispickel, der neben Rucksack und Seil — der Ausrüstung eines eben- ^Stcicicr. Zu ihm wandte sich denn jetzt auch Gottliebe. Ohne Umstände ließ sie sich neben ihm bei den Männern nieder, die zusammenrückend Platz auf der Bank gemacht hatten. „Was halten Sie vorn Wetter, Stadler. Will's noch immer nicht werden?" v , . Der Alte wiegte bedächtig den Kopf und warf emeit Blick zum Fenster hinaus, aufs Grau der Bergwaiid drüben. „Es ist ja leicht möglich, das Wetter schlagt bald um — aber i glaub halt nit recht dran." „Ich auch nicht, Stadler!" Mit einem Anflug von Galgenhumor sagte es Gottliebe und« folgte hoffnungslos mit den Augen seinem Blicke, die Arme über der Brust verschränkend. „Eine schöne Aussicht, hier noch, wer weiß wie lange, so zu sitzen! Ihr Mäunsleut habt's gut. Ihr habt eure Pfeife — die vertreibt euch die Langeiveile. Aber was soll so ein armes Frauenzimmer wie ich anfäugen?" Tie Männer lachten treuherzig zu ihrem Scherz; einer der jüngeren Leute machte dabei eine halblaute Bemerkung zu seinem Nachbar. glücklichen, der sie in diese Welt zum erstenmal geführt, fie in ihre Wunder hatte schauen lassen. r Was kündete doch das verlorene Klingen drunten vom Kirchlein? Lauschend hielt sie den Schritt an, sie verstano die mildtröstliche Glockenstimme wohl: Frieden einer armen Ihr Hanvt neigte sich leise, und die Hande falteten sicy ineinander. So ging Gottliebe Rhyngaert langsam oav nachtdunkle Tal hinan. Die Aüche im August. Von Ä. Burg. Der Monat Juli und besonders der Monat Anglist sind auch für die Wirtschaft Erntemonate, die noch vielfach da zum EiN- machen für die Winterzeit genützt werden, wo die/Fruchte aus eigenen Gärten genommen werden, oder wo sie MM zu teuer sind ferner da, wo geeignete Räumlichkeiten zum zweckmäßigen Mnfbcwcchren der Konserven vorhanden sind. Diese Raume sollen käbl trocken, luftig sein. Da man in Großstädten das Ovft on sehr'teuer bezahlen muß und bei den, hohen Mieten eine besondere Kammer (besonders für einfach-burgeckche HausMtnngm) nicht vorgesehen ist, so werden die großstädtischen HansiiauerS meist schweren Herzens auf das Selbsteiuwcheu ve^ichten. Si können das freute leichter als früher, weil sehr gute leistu>msl« deutsche Konservenfabriken uns mit allen erdenklichen.Fruchten, Gemüsen, Marmeladen usw. versorgen, so .daß rnaii beim oe brauch sich die gewünschten Gläser oder Blechdosen awcfraffen kann. — Diejenigen Hausstauen, die selbst emmachen, tim gut, sich an die altbewährten Regeln der Emmachetunst zu Mm, nach denen das Hauserfordernis für Wohlgelingen inid Scm barkeit die tadellose Beschaffenheit der Zutaten ist. Die FiiNyie „Was meint Ihr, Almbächer?" horchte sie auf. „Ich sollt's doch auch einmal damit versuchen?" Gutgelaunt lächelte sie zu dem jungen Menschen ym- über. Der nickte nun vergnügt ein Ja. „Meint wohl, ich wär so schon ein halbev Mannsbild? Sie faßte ihn scherzend, aber doch mit festem Blick ins Auge, daß der junge Mensch etwas verlegen wurde. „Na, nur heraus mit der Sprache! Geniert Euch nicht! Weil Ihr mich gestern nachmittag auf meinem Balkon mit der Zigarette gesehen habt? — Gelt?" , . „ Sie weidete sich mit überlegener Sicherheit an seiner offenbaren Verlegenheit. . .. „Nun, die Zigarette zum Nachmittagskaffee ist freilich meine kleine Schwäche — will's nicht leugnen, Almbacher. Aber zur Pfeife kann ich mich darum doch noch nicht ent-t schließen. Da müßt Ihr schon noch ein Weilchen warten, bis ich vielleicht auch auf den Geschmack komme. Die Männer lachten wieder in harmloser Frvhlichkeitz Gottliebe aber setzte die Hände, ineinandergefaltet, vor sich auf den Tisch, sich bequem an die braungetafelte Zirbel?, Holzwand zurücklehneud. , „ t - ,,3'a, aber im Erlist — was soll werden, wenn j so fortgießt?" ivandte sie sich wieder an Stadler. Der Alte kraute sich ratlos am Kopf. „Jo, dös wär scho schlecht," gab er zu. Eine Pause trat ein, während der die Manner nach-, denklich vor sich hinrauchten. . < „ . „Wenn man wüßte, daß es anderswo besser wäre. ■ kani es schließlich von Gottliebes Lippen, In Landeck und drunten m Bornno regnet s halt auch," meldete Stadler wenig tröstlich, was er von bett Kutschern der Post und Mail coaches heute vernommen i hatte, „'s scheint halt an rechter Landregen zu sein. I Das ist ja aber trostlos!" nun wirklich mißmutig, sagte es Gottliebe. „Dann tät man ja faktisch am besten, man reiste ganz ab aus den Bergen." , Stadler zuckte die Achseln, aber da warf der Mm, Lacher em.ät h^ch nit not, Fräula. Der Pingazza " er meinte den fremden schweizer Führer, der gestern abcnd mit seinem Herrn ans dem Münstertal heraufgetonunen war, „sagt, drüben, im Bündnerland, sei schönster Sonnen-, schein gewes t all die Zeit, wo's hier schon regnen tat. Wirklich?" Gottliebe horchte interessiert auf. „Tas wär'ja ein Gedanke! Nach Graubünden zieht's mich so wie I so schon lange." Sie wurde nachdenklich. „Wie kommt man denn am ehesten da hinüber, Stad-, I fPr ?» fragte sie nun den Alten. Uebers Stilfser Joch, die Umbrailstraße und dann durchs Münstertal wär's doch wohl am besten, wenn s nach dem Engadin zu wollten," gab er Auskunft. . , I Golt liebe erhob sich, der Plan beschäftigte sie bereits Sache will ich mir doch jedenfalls mal überlegen, 9timeiee verabschiedete sich kopfnickend von de,i Männern! und ging hinauf auf ihr Zimmer, ihre Karten einzusehech (Fortsetzung folgt.) 479 müssen sorgsam Ausgesucht und verlesen werden, keine derselben darf tauet/ nur die kleinste angefaulte Stelle zeigen. Denn, auch die kleinste Spur dieses unsichtbar fortwirchernden Pilzes verdirbt den ganzen Vorrat. Nach dem Verlesen und Abpflücken von den Stielen sind die Früchte sauber zu waschen, und auf einem Sieb müssen sie dann vollständig trafen werden. Nasi in die Zuckerlösung geschüttete Früchte verderben ebenfalls' leicht. Eine zweite wichtige Sache ist die Beschaffenheit des Zuckers; man darf niemals sogenannten Kochzucker oder Streuzucker verwenden, sondern nur den besten Hutzucker, und zwar in geläutertem, d. h. mit wenig Wasser aufgelöstem, abgeschäumtem Zustande. Auch die gehörige Menge Zucker muß genommen werden, sollen sich die Früchte halten, so müssen sie auch von der Zuckerlösung vollständig durchdrungen sein. Auf 500 Gramm Früchte rechnet man 500 Gramm Zucker, der — und das ist noch besonders zu beachten — zum richtigen Grad gekocht werden muß, nicht zu fest und nicht zu flüssig sein darf. Wenn er zu fest ist, werden die Früchte leicht unansehnlich und unschmackhaft; wenn er zu flüssig ist, gehen sie leicht in Gärung Wer, werden weinsauer, und dem ist auch durch das oft empfohlene Umkvchen nicht abzuhelfen. Man unterscheidet beim Kochen der Zuckerlösung bekanntlich sieben verschiedene Grade; je länger sie kocht, desto dicker wird sie, desto eher kristallisiert und erstarrt sic. Macht man Früchte, z. B. Pflaumen, Melonen, Gurken, Birnen usw. jn Essig ein, so ist auch nur der allerbeste und reinste Essig zu.verwenden. Natürlich ist die Hausfrau außerstande, den Essig, den sie kauft, durch chemische Mittel auf absolute Reinheit zu prüfen; sie muß deshalb ihren Bedarf von einer als streng reell bekannten Handlung entnehmen. Reiner Essig schmeckt beim Kosten eines Tropfens kräftig sauer, verfälschter hat einen beißenden Nebengeschmack und hinterläßt oft ein brennendes Gefühl im Halse. , Ist es vorgeschrieben, Gewürze, wie Zimt, Nelken oder dergl., mitzukochen, so bindet man diese in ein sauber gespültes weiches Mulläppchen ein. Sie geben dann den 'Früchten keine dunklen Fleche unb lassen sich auch leicht entfernen. Kessel lind Kasserollen, in denen Früchte gekocht werden, dürfen niemals zum Kochen von Fett oder Fleisch benützt worden sein; sind sie von Emaille, so darf nicht die kleinste Stelle Parin schadhaft sein oder gar fehlen. Zum Umrühren bedient man sich neuer, mit kochendem Wasser gebrühter Hohlkellen. Vor Glas- und Por- zellanlöfseln ist zu warnen; man kann sie bei größester Vorsicht unversehens anstoßen, und dann können Splitterchen in die Konserven geraten. Man muß auch die Gläser und Dosen und Saftflaschen sehr sorgfältig reinigen; sie müssen vollständig trocken sein, ehe man Früchte ober Saft hineinfüllt. Das oft als altmodisch verworfene „Schwefeln" wenden sehr zahlreiche Hausfraneir heute noch an. Wenn man keine Gläser mit den modernen Palentver- schlü'ssen Hat, ist das Zubinden mit einer Blase oder.Pergamentpapier _ noch immer an der.Tagesordnung, ebenso legt man noch gern ein mit feinstem Rum oder Kognak getränktes Papier oben auf die iFrüchte ober die Marmelade. Sehr modern sind Heutzutage die verschiedenen Obst-Pasten, die man hier fast stets fertig kauft; in Rußland, namentlich in der Ukraine, ist diese Pastenherstellung eine noch oft geübte.Haus^- kunst, die jede Bäuerin versteht. Bekanntlich sind die russischen Obflpasten berühmt. Im Grunde sind sie nichts anderes, als ein mit sehr reichlichem Zucker sehr dick geeichtes, durchgestrichenes Obstmus, das im Ofen getrocknet, dann zerschnitten und in Schachteln ober in Pergamentpapier anfbeÄahrt wird. Die Früchte sind in diesem Jahre teurer als sonst, teurer sogar als in dem heißen, unfruchtbaren Jahr 1911. In den Großstädten werden Preise von 60 bis 75 Pf. für Vz Kg. schöner Sauerkirschen gefordert; Vz Kg. Stachelbeeren, das sonst für lp—25 Pf. käuflich war, rostet dieses Jahr 30—35 Pf., so daß die sonst als wohlfeil geltende Stachelbeermarmelade in diesem Jahr ihren Ruf nicht aufrecht erhalten kann. Himbeeren dagegen behielten ihre alten, gewohnten Preise, was um so mehr befremdet, als gerade diese köstlichste aller Beerenfrüchte in so gewaltigen Mengen zu Konservenzwecken verbraucht wird. Zu Kompott, zu Saft, zu Marmelade, zu Essig. Denn gerade der Himbeersaft ist auch für den Winter unentbehrlich und hilft, die Küche mit Fruchtsaucen, Fruchtflammeries usw. versorgen. Von den in diesem und int nächsten Monat reifenden Brombeeren stellt die moderne Konservenfabrikation, auch die häusliche, besonders gern Marmelade her, die ein köstliches, seines Aroma besitzt. — Wenn es auch in diesem Jahre etwas mehr Sauerkirschen gibt, als im letzt- vergangenen, so sind leider doch nicht so viel vorhanden, daß man auf billige Kirschkonserven und Saft rechnen kann. Die Sauerkirschen werden ja auch in Mengen zu Saisüngerichten verwendet: Kirschmichel, Kirschklöße, rote Grütze von Kirschen und Kirschen- süllung auf Mürbteig- und auf Hesenteigboden bewähren stets ihren altbewährten Ruf. Kirschenmichel ist außerdem ein vortreffliches Gericht, weil man dazu die sich, in jedem Haushalt sammelnden altbackenen Semmeln vorteilhaft verwenden kann. Man reibt von ungefähr 10 bis 12 altbackenen Milchbroten die Rinde ab und verrührt die Krume in Milch. Inzwischen hat man Vz bis 8/t Kg. Sauerkirschen gewaschen, nach vollständigem Trockenwerden ausgesteint und, mit Zucker bestreut, beiseitegestellt. Die im Mulltuch aiisgedrückten, aufgeweichten Brötchen rührt man im Napf fein, gibt ettvas Zucker, gestoßenen Zimt, zerlassene gute Butter, 5 bis 4 Eidotter, etwas geriebene Semmel (die gesiebte abgenebene Rinde der Semmeln), die Kirschen nebst ihrem Saft und den steifgeschlageneu Schnee der Eiweiße dazu und füllt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute, feuerfeste Tonschüssel oder Auflaufform von Blech. Die die mit Zucker, geriebener Semmel und einigen Butter- flockchen bestreut wird, muß eine Stunde im Ofen backen und wcrd in der Form aufgetragen. Will man Kirschklöße bereiten, 1° verfahrt man genau so, nur nimmt man weniger Eier und macht den Teig mit geriebener Semmel fest, damit er mit den Stria)en (man kann auch weniger Kirschen nehmen) gut zusammen- halt. Davon formt man auf mit Mehl und geriebener Semmel bestreutem Brett nicht zu große, gleichmäßige Klöße, legt sie (utcht zu viel auf einmal) in siedendes, leicht gesalzenes Wasser und läßt sie gar kochen, worauf sie mit dem Schaumlöffel heraus- genommen und auf erwärmter Schüssel angerichtet werden. Man tut gut, einen Probekloß zu kochen, um zu scheit, ob der Teig beim Kochen halt, und um die Kochdauer sestzustellen. 12 bis 15 Mi- nuten dürften genügen. Wenn die Hausfrau keinen passenden Ofen hat oder zum Kirschenutichel den Bratofen nicht heizen will, so sind die Klöße ein vorzüglicher Ersatz für das gute Saisongericht. Der Erntemonat hat natürlich auch die ersten grünen und gelben deutschen Frühäpfel gebracht, die man in Fritz Reuters Vaterland „Austappel" (Ernteäpfe!) nennt und die vielfach als Kompott in Frage kommen. Birnen und Pflaumen dagegen sendet uns noch das Ausland, letztere beiden Arten finden aber noch nicht viel Beachtung. Pfirsiche und Aprikosen sind ebenfalls schon vorhanden, erstere zu der berühmten Sommerbowle, die jetzt die Erdbeerbowle ablöst, letztere werden gern zu einer herzhaften und sehr haltbaren Marmelade verkocht. Hin und wieder sieht man auch schon reife, allerdings aus mehr südlichen Gegeitden stammende Meloneit, die oft nur in Scheiben geschnitten und mit feinem Zucker bestreut, als Nachtisch erscheinen. Neben den grünen Bohnen fanden sich die dicken Puffbohnen ein, die sich besonders in der niedersächsischen Küche eines guten Rufs erfreuen, ferner die Wachsbohnen zu Salatzwecken oder auch mit einer feinen Eiersauce überfüllt, Schoten und Mohrrüben sind ja ein in Deutschland vorzugsweise beliebtes Gemüse. Wie es mit den Fleisch- und Wildpreiscit zum Herbst wird, läßt sich noch gar nicht übersehen, es war ja für den Sommer ein Sinken der Schweinefleischpreise angekündigt, aber bis jetzt hat man, ganz fettes Fleisch ausgenommen, noch nichts davon gemerkt. Die lästigsten Sommerfrischler. Staub und Durst, Hitze und Regen können dem Sommerfrischler wie dem Wanderer das Leben vergällen; schlimmere Plagen als sie alle aber sind die Feinde, die ihm mit stechenden/ beißenden und saugenden Waffen das Blut abzapfen, die Insekten, denn igegen diese lästigsten unter allen Sominerfrischlern gibt es fast kein Mittel. Obenan stehen sicherlich die Mücken, von denen es itt Europa über 1000 Arten gibt. Ein einzelner Mückenstich wäre leicht zu ertragen, aber diese liebenswürdigen Bestien treten zuweilen in so.gewaltigen Schwärmen auf, daß man sich vor ihnen kaum Hergen kann. An einem Augusttage des Jahres 1859 spielte in Neubrandenburg beispielsweise ein Mückenschwarm unter dem Kreuze des Marienkirchturms, und diese Mückenmenge mar so groß, daß es von unten den Anschein hatte, als stiegen Rauchwolken aus der Kirchturmspitze! Aehnliche Erscheinungen sind häufiger beobachtet, und wie man unter solchen Mückenschwärmen leiden kann, davon weiß wohl ein jeder ein Sieb zu singen. Weniger bekannt als die unangenehme Wirkung der Mückenstiche ist das, was man vielleicht als „Technik des Mückenstiches" bezeichnen könnte. Die Fresiwerkzeuge der blutdürstigen Insekten sind dolchartig entwickelt. Sie durchbohren damit fast schmerzlos die schwieligste Haut und bett stärksten Lederhandschuh, und der eigentliche Schmerz entsteht, wenn die Mücke ihren ätzenden Saft in die Wunde ergießt. Schlägt man nach der Mücke,. so bricht gewöhnlich ihr Säugrüssel ab und das verschlimmert die Wunde noch bedeutend. Bei anderen Insekten, z. B. Bienen und Hornissen, deren Stechwerkzeuge aut Hiuterleibe sitzen, reihen mit dem Stachel zugleich gewöhnlich die letzten Hinterleibsringe ab und der Gestochene hat den sauren Trost, daß die Biene ober was es sonst war, an dieser Verletzung sicher stirbt. Das' Gift, das beim' Insektenstiche in die Wunde gelangt, ist in neuerer Zeit untersucht worden. Bei der Mücke handelt es sich um das Eulicin. Es hat die unangenehme Eigenschaft, daß es vom menschlichen oder tierischen Körper erstaunlich rasch aufgesogen wird, und daher sind alle Gegenmittel ziemlich wirkungslos, wenn sie nicht auf frischer Tat angewendet werden. Die gebräuchlichsten und be- quemften Gegenmittel sind wohl Seife, Ammoniak und absoluter Alkohol.^Die vorbeugenden Mittel dagegen, mit denen mau stechende Insekten zu vertreiben hofft, sind nicht allzu wirkungsvoll. Das beliebte Nelkenöl tvirkt nicht stark genug und hat dabei unangenehme Nebenwirkungen; empfehlenswert sind merkwürdig wenig bekannt ist der alkoholische Auszug von persischem Insektenpulver, mit dem man die Haut emreibt. Noch peinlicher als die gewöhnlichen Stechmücken können sich andere Mückenarten bemerkbar machen, und die furchtbarste unter den europäischen Mücken, die glücklicherweise nicht sehr verbreitet ist, ist wohl die zu den Gnitzen gehörige winzige Eolumbatscher 480 Mücke, die kaum die Grütze eines Flohes hak ünd doch Rinder und andere große Tiere töten kann, weil sie in gewaltigen Scharen gleichzeitig vorkommt. Bei Tieren wie bei Menschen suchen sich diese Glichen am liebsten Schleimhäute und Mrgenwinkel als Angriffspunkte. Bienen, Wespen und verwandte Tiere sind weniger zu fürchten, weil sie meistens nur dann stechen, wenn sie gereizt werden, während die Mücken das Stechen berufsmäßig treiben; dennoch aber ist es schon vorgekommen, daß Menschen von Bienen- vder Wespenschwärmen überfallen und beinahe totgestochen worden sürd, denn die Stiche dieser Tiere können bedenkliche Erscheinungen, Ohnmächten, Schwindel, «Fieber ufw., selbst Delirien Hervorrufen. Der Mitteleuropäer ist eigentlich mit seinen Mücken verhältnismäßig gut daran, denn es gibt Länder, deren stechende Insekten unangenehmer und zugleich gefährlicher sind, als die mitteleuropäischen Arten. Die wegen der Jnsektenschwärme berüchtigsten Gegenden in Europa sind wahrscheinlich Norwegen und Lappland. Aus dem.norwegischen Reisewerke von ,Pöttinger kann man sich darüber unterrichten, wie furchtbar die Mückenplage dort ist. „Unsere Handschuhe waren leider," heißt es da, „keine Stulpenhandschuhe, und wenn man das Gewehr benutzte, war ein zentimeterbreiter Streifen Fleisch frei, und hier wurde man entsetzlich gestochen. Ich zählte über 60 deutlich unterscheidbare Stiche, und wahrscheinlich waren es noch viel mehr. Das Handgelenk war bis zur Dicke des Unterarmes angefchwollen." Aehnlich furchtbare Insekten gibt es in Labrador und im tropischen Amerika, ja lam Orinoko begrüßen sich nach Brehm die Reisenden am Morgen mit der Frage, wie sich die Moskitos in der Nacht aufgeführt hätten. Aber auch in Europa erreicht die Insektenplage zuweilen die höchsten Grade. Schon Pausanias berichtet, wie die Einwohner der Stadt Myus in Karien ihre Wohnsitze verlassen mußten, Weik die Mückcnschwärme unerträglich wurden! Was man in einer Stunde leisten iann. C. K. Tie großartigen Leistungen, die durch ben moderne" Sport erreicht worden sind, lassen sich nicht besser illustrieren am durch die Zusammenstellung von S t u n d e n r e k o r d s, durch die eine französische Wochenschrift zeigt, was inenschliche Kraft und Uebung in 60 Minuten vollbringen können. Den Rekord im Stundenlauf hält gegenwärtig Jean Boni», der bei einem Wettbewerb in Stockholm innerhalb der angegebenen Zeit die erstaunliche Zahl von 19,21 Kilometer zurücklegte. Der Läuter, dessen Tempo beim Start verhältnismäßig langsam war, erreichte dies außerordentliche Ergebnis ohne das geringste An- zeichen von Schwäche. Zum Schluß steigerte er seine Schnelligkeit derart, daß er die letzten 400 Dieter in einer Zeit von 1,7 Minuten zurücklegte. Bevor der rasche Franzose diese Leistung vollbrachte, hatte der Engländer Watkins den Rekord gehalten. Er legte nm 16. September 1899 in einer Stunde 18,878 Kilometer zurück, und viele Jahre waren alle Anstrengungen vergeblich gewesen, ihn zu übertreffen. Ter Rekordläufer ist dem Rekordgängcr nur um 6 Km. voraus. Im Marschtempo legte die größte Strecke in einer Stunde Larner zurück 13,375 Kilometer. Dem Rekordmann am nächsten kam einer, der 1 Km. weniger vollbrachte. Wenn man bedenkt, daß ein norinaler Spaziergänger nicht mehr als 5 Km. die Stunde macht, so wird man die Taten dieser Fußgänger richtig einschätzen. Unter den Schivimmern gebührt dem Engländer Jarvis die Krone, der in 60 Minuten eine Strecke von 4,500 Kilometer schivamm. Die Schnelligkeiten, die beim Schwimmen mit dem Strome erreicht wurden, sind itatürlich viel größer; Percy Cavill z. B. legte, von den Wogen getrieben, 8 Km. zurück. Aber das sind keine einwandfreien Sportleistungen. Auf dem Eise hat der Schlitlschtthläuser de Kooning im Laute von 60 Minuten die erstaunliche Entfernung von 32,270 Km. durcheilt; der Rollschtthläuier Swandon blieb in seiner Rekordleistung fast 1000 Dieter dahinter zurück. Mit dem Automobil hat man 120 Km. die Stunde, die eine Zeitlang als das ztt erreichende Ideal erschienen, mehrfach zurückgelegt. Der französische Atttomobilist (Sour, der kürzlich den großen Preis von Amerika für Automobil-Schnellfahrten zu Indianapolis erhielt, brachte in 6V8 Stunden 800 Km. hinter sich. Der Rekord mit dem Motorrad beträgt etwa 105 Km. Diese Entfernung ivurde auf Siner Rennbahn mit einer Maschine zurückgelegt, die nur 52 Kg. wog. Diese Fortbewegungsmittel haben die Eisenbahn au Schnelligkeit bereits überholt. 100 Kilometer die Stunde sind für einen Schnellzug schon sehr viel uitd werden selten übertroffen. Wnnder- bar ist es, daß diese höchsten Fahrtgeschwindigkeiten der Eisenbahn der Radfahrer übertrumpft hat, allerdings von einem kräftigen Motorrad als Schrittmacher geleitet. Vor 10 Jahren würde man einen Propheten, der gesagt hätte, ein Radfahrer werde eines Tages in einer Stunde mehr als 100 Kilometer machen, für einen Narren erklärt haben. Der „Flieger" Paul Gttignard hat das aber fertig gebracht. Seit einiger Zeit hält er den Rekord von ntehr als 101 Kilometer in einer Stunde aus dem Zweirad, den er auf der Münchener Rennbahtt vollbracht hat. ©inb, die Schrittmacher der Radfahrer selbst Radler, so ist natürlich eine so erstaunliche Leistung, wie sie mit einem vorzüglich konstruierten Motor als Schrittmacher erreicht mürbe, unmöglich. Aber auch hier finb bie 50 Kilometer die Stunde, die ntan lange für ein unerreichbares Ziel hielt, bereits überschritten. Selbst di« 40 Kilometer, die der Amerikaner Hamilton ohne Schrittmacher in einer Stunde mit dem Rad zurücklegte, können nicht mehr als Rekordleistung gelten. Nach langen Mühen und Anstrengungen hat der Schweizer Radfahrer Egg mit dem Rade 42 Kilometer in der Stunde zurückgelegt, und dieser Rekord darf zu den be- wundernswertesten gerechnet werden, beim es ist gewiß keine Kleinigkeit, ganz allein, ohne einen zur höchsten Krastentfaltung ausstachelnden Gegner, auf einer einsamen Rennbahn sein Bestes an Krästeu einzusetzen und alle Rekorde zu schlagen. Was die Schnelligkeit der Lenkballons in einer Stunde anbe» trifft, so hängt alles von der günstigen Windrichtung ab; man hat bisher Eisenbahngeschwindigkeit erreicht. Und zulegt die Flugmaschine. Hier hält Brindejouc des Äoulinais den Rekord, denn bei seinem großartigen Rundflng durch Europa hat er aut der zweiten Etappe seiner Reise von Wanne bis Berlin 450 Kilometer in 2 Stunden 5 Minuten zurückgelegt, sodaß eine Durchschnittsleistung von 215 Kilometer in der Stunde herauskommt. Das ist die größte Schnelligkeit, die in 60 Minuten geleistet wurde. vermisster. * Am erikan is ch e G e hä l t er. Ein glücklicher Sterblicher ist Herr Howard Elliott; als er als junger Mensch als schlichter Kommis seine Eisenbahnerkarriere begmutj hätte er gewiß lächelnd den Kops geschüttelt, wenn man ihm erzählt hättet daß dereinst Hunderttausende von Angestellten ihn beneiden würden. Am Sonnabend erhielt er die Nachricht, daß der Aufsichtsrat der New Pork- New Havcn- und Hartford-Eisenbahn beschlossen hat, ihm das'Amt der Leitung dieser Bahn anzubieten, die eines der Lieblingsunternehmen Diorgans war. Herr Howard Elliott ist damit freilich nur „Angestellter", aber bei den Gehältern, die die amerikanische Industrie und amerikanische Eisenbahnen ihren hohen Beamten ans- setzen, wird er fein Los mit Würde tragen, denn das Gehalt, das er beziehen wird, beträgt nicht weniger als 600 000 M Fixum im Jahre. Als Präsident der Northern Pacific-Eisenbahn mußte er sich bisher mit einem Jahresgehalt von 300 000 M begnügen; seine Konkurrenzlinie bot ihm zwar 400 000, aber auf den Rat Pierpout Morgans lehnte Elliott diesen Antrag ab, denn er wußte, daß Morgan für sein weiteres „Fortkommen" sorgen würde. Bis jetzt ist das auch geschehen, aber einen Rekord kann Howard Elliott trotzdem nicht für sich beanspruchen. Im Gegenteil, er ist noch weit von den höchsten Gehallssinsen amerilamscher Jndustrieseld- herrcn entfernt. Als Direktor des Carnegieschen Stahltrustes hat es Charles M. Schwab zu dem hübschen festen Jahresgehalt von 3 200 000 M gebracht, wobei man freilich nicht versäumte, durch Tantiemen das Einkommen des Direktors aufzubessern. kf. Feste Kohlensäure in der Heilkunde. Für die feste Kohlensäure, den eiskalten „Kohlensäureschnee", der seit einiger Zeit in die Heilkunde eingeführt worden ist, find neuerdings, wie die „Naturwissenschaften" nach einem Fachblatte berichten, ein paar neue Anwendungsgebiete ausgeprobt worden, die eine Zukunft zu haben scheinen. Wenn man flüssige Kohlensäure schnell aus einer Stahlbombe ausströmen läßt, so tritt infolge der Verdunstung eine starke Abkühlung ein und die Kohlensäure wird fest. In dieser Form wird die Kohlensäure zu Stäbchen gepreßt und dann zum Aetzen verwendet. So hat F. Rößler bei einigen Fällen van Trachom anstelle der üblichen Behandlung mit Höllenstein eine Actzung der Augen mit Kohlensäure vorgenommen, und bei einer anderen Augenerkrankung, bei Lid- kavemomen, hat Capauncr die gleiche Methode angewendet und je nach der Dauer der Einwirkung eine mehr oder weniger starke Reaktion beobachtet. Eine weitere neue, jedoch noch nicht zur Genüge ausprobierte Auwendnugsform der festen Kohlensäure ist die Behandlung von Hämorrhoiden. Anderson, der hierüber Versuche angestellt hat, ließ unter Aethernarkose etwa 20 Sekunden lang feste Kohlensäure auf die Knoten einwirkeu und behandelte einige Patienten nach dieser Methode erfolgreich. Bei einer Reihe von Hautkrankheiten hat sich die Kohlensäurebehandlung ebenfalls bewährt, und einer ihrer Hauptvorzüge ist, daß sie Schnelligkeit der Wirkung mit Gefahrlosigkeit der Behandlung verbindet Bei der Behandlung der Hautkrebse ist beobachtet worden, daß mit der Größe der mit Kohlensäurcschnee behandelten Fläche die Tiefenwirkung zunimmt. Man kann auf Grund dieser Ergebnisse erwarten, daß der Kohlensäureschnee in der Dermatologie bald weitere Bedeutung gewinnen wird. Charade. Die ersten beiden sind ein hoher Herr, Ein Staatsbeamter in dem Türkenlande; Tie andern beiden steh'n von altersher Als Riesenbildwerk fern am Nilesstrande; Und hast die Namen du geschickt vereint, Ein Held dir vom trojanschen Krieg erscheint. Auflösung in nächster Nummer. .Auflösung des Logogriphs in voriger Numm'tt: S a g a n , Satan. Redaktion : I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.