fr *;v Ml W „ Kauernblut. wwnuiit von Gerhart t>. Amhntor (Dagobert v. Gerhardt). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) .Die Sitzung der Strafkammer des Landgerichts hatte vrs in beu späten Abend gewährt. Die letzte Sache, bei der auch der Staatsanwalt Teil mitzuwi .ren hatte, war die Aburteilung des verhafteten Car- valpo gewesen. Teil hatte in fast halbstündiger Rede auf Grund der ihm von Peter gemachten schriftlichen Mitteilungen den ganzen Hergang jenes nächtlichen Einbruches mit peinlichster Gcimui;-;iicü und packender Redekunst geschildert. Offenen Mundes, starr vor Erstaunen, hatte Carvalho zugehört; er» schöpfender hätte er selber die Sache nicht erzählen können. v,a.de Peter Dechner denn geplaudert? War sein Eid so gar nichts wert gewesen? Fürchtete er nicht die Rache der ver- ra.cne.ii Genossen? Als aber Teil dazu überging, die nichtswürdige Art und Weife zu schildern, wie der Angeklagte sich der Mithilfe Peters versichert, wie er ihn umgarnt und verlockt, sich in sein Vertrauen hineingelogen und seine politische Verstiegenheit, die eine rein theoretische Verirrung des Idealisten ohne alle praktischen Konsequenzen und ohne jede Gefahr für die Gesellschaft gewesen wäre, dazu benutzt hätte, ihn zur Teilnahme au einem gemeinen, auf schlaue Weise als selbstlose Grosstat hingestellten Verbrechen zu verführen, da hatte das Erstaunen und die Verblüffung Carvalhos den höchsten Grad erreicht — war denn dieser Staatsanwalt allwissend? Sah er denn einem jeden in die Herzkammern hinein und konnte er dort auch die verborgensten Gedanken lesen? Aber es sollte für Carvalho noch schlimmer kommen. Die weitere Rede des Staatsanwalts wurde für ihn zu einer Art moralischer und körperlicher Mißhandlung, unter deren zerfleischender Wirkung er sich schmerzlich stöhnend zusam- menkrümmte und mehrmals drauf und dran war, auszurufen: „Halt, cs ist genug! Ich gestehe ja alles ein! Verurteilt mich, aber laßt mich nicht länger durch diesen Ankläger da foltern!" Wie wohl ein Leichenredner, wenn es ihm darauf an» kommt, eine Trauerversammlung bis ins innerste Mark zu rühren, den Verstorbenen unter Verschweigung seiner Schwächen nur in der reinen Schöne einer ihm angedichteten Vollendung zeigt und jedem einzelnen der Leidtragenden berechnend vorhält, welch ein herrliches, unersetzliches Wesen er an dem Dahingegangenen verloren habe, so zermürbte auch Tell nicht nur den Angeklagten, sondern auch die Richter und das mitanwesende Publikum, indem er Peter Dechner, den Maurermeister, als einen hochbegabten, von Grund aus edlen und selbstlosen Menschen schilderte, der nur durch fortgesetzte Mißerfolge und eine Kette widriger, unverschuldeter Schicksale auf die schiefe Ebene politischer Verirrungen gedrängt worden wäre. Ein einziger materieller Erfolg, irgend eine freundliche Wendung seiner trostlosen äußeren Lage, der Zuspruch eines wahrhaft treuen und ehrenwerten Freundes würden diesen verbitterten Mann unzweifelhaft sofort umgestimmt und in die Bahnen bürgerlicher Tätigkeit und Zuverlässigkeit zurückgeführt haben; ein schönes, groß angelegtes Menschenleben galt es hier zu retten; statt dessen hätte sich der Satan in Gestalt eines internationalen Hochstaplers, eines ehr- und gewissenlosen Banditen, an den Unglückseligen herangedrängt, um ihn vollends haltlos und elend zu machen und den Verratenen dann meuchlerisch in den Abgrund der Schanoe zu stürzen. Wenn er, der Staatsanwalt, die geheimnisvollen und um so verderblicheren Einflüsse des Angeklagten auf den des höchsten Mitleids würdigen Selbstmörder bis in die letzten Nervenfasern zu verfolgen und bloßzulegen vermöge, so verdanke er dies zwei eigenartigen Umständen: erstens seiner verwandtschaftlichen Beziehung zu Peter, der sein Stiefbruder gewesen sei, und zweitens dem erschöpfenden Bekenntnisse- das Peter noch kurz vor seinem freiwilligen Ende niedergeschrieben und ihm durch einen dritten zugesandt habe. Und wie nun diese bloßstellende Blutsverwandtschaft mit Peter glücklich erwähnt war — o, sie hatte dem selbstbewußten Manne eine ungeheuere Willensanstrengung gekostet und ihm den Schweiß in feinen Kügelchen auf die Stirn getrieben —, da empfand er das gesteigerte Bedürfnis, diesen Stiefbruder geradezu als ein weißes, fleckenloses, nur der abgefeimtesten Verführung zum Opfer gefallenes Lamm darzustellen, während er zur Schilderung des Angeklagten die Farben nicht grell und brennend genug zu nehmen wußte; ja, zuletzt tauchte er seinen Pinsel in den Pech- und Schwefelpfuhl der Hölle, das konterfei dieses in Menschengestalt umhergehenden Teufels nur einigermaßen dem Original entsprechend wiederzugeben. „Sehen Sie dort den Nichtswürdigen an," so fuhr er in seiner donnernden Philippika fort, „leider kann er nur des Diebstahls mittels Einbruchs angeklagt werden, in Wahrheit aber ist er ein verabscheuenswerter Mörder und die Schmach des ruchlosesten und schändlichsten Meuchelmordes, begangen an dem. armen Peter Dechner, steht in Flammenschrift auf seiner Judasstirn geschrieben!" „Genug, es ist genug!" hatte Carvalho gesagt. Alles Blut war aus seinen Wangen gewichen, und in ohnmächtiger Wut und Reue knirschte er mit den Zähnen aufeinander. Dieser nur einem schweren Seufzer ähnelnde Ruf, der kaum von den Richtern und dem Publikum verstanden worden war, hatte den Staatsanwalt im Flusse seiner Rede unterbrochen. Er stutzte einen Moment und Wurf einen spähenden Blick nach der Anklagebank, vor der sich der halb vernichtete Carvalho kaum noch aufrecht stehend erhielt — aber neue Wut entflammte ihn; diese Menschenbestie dort hatte ihn gezwungen, feine verwandtschaftliche Beziehung zu einem Anarchisten, einen Selbstmörder zu enthüllen; er haßte den 754 Aus einer elsässischen Ale nftavt. Von &. Schede-Heller, Straßburg. Das Städtchen. Es liegt lang hingestreckt in einer Talmulde zwischen rauchenden Fabrikschloten, schroff aufsteigenden Bergen, deren Wände und Gipfel sich über den roten Dächern zu schließen schemen. Dunkle Tannenwälder schneiden ins leuchtende Grün der Matten em, an „Sie, Herr Pfarrer? Was hat Sie denn hierhergeführt?" fragte Teil, indem er auf der Treppe Halt machte und dem Gefragten die Hand bot. Dieser erwiderte den Handdruck, nickte Just freundlich zu und sagte mit gedämpfter Stimme: „Ich hatte hier rn der Nähe Geschäfte und da hatte mir Herr v. Brant einen Strauß Rosen aus seinen Treibhäusern mitgegeben, den ich Herren Lampert überbringen sollte — Sie wissen, er hat morgen seinen Geburtstag. Wie ich nun hier ins Haus trete und den ersten Treppenabsatz erreiche — denken Sie nur meinen Schreck! — da liegt ein Mensch regungslos vor meinen Füßen. Erschrocken beuge ich mich nieder und erkenne Herrn Wilhelm Lampert — barmherziger Gott! Er mußte eben die Treppe hinabgestürzt Jein; er hatte das Bewußtsein verloren. Ich mache natürlich Lärm, man kommt herbei, und wir schafften den scheinbar Leblosen hinauf nach seiner Wohnung und ins Bett. Ist w tot? fragt entsetzt seine Gattin. Ich konnte sie beruhigen, denn ich spurte seinen Odem und Herzschlag; aber — aber er hatte Blutstropfen int Ohr und war fahl wie der Kalk an der Wgnd; das waren schlechte Zeichen, und ich hatte Mühe, meine ernste Besorgnis der ohnehin schon geängstigten Frau zu verbergen. Es wurde natürlich gleich nach dem Arzt gesandt und letzt ist er drinnen bei dem Verunglückten— Gott gebe, daß es besser verlauft, als es den Anschein hat!" Der alte Herr lüftete seinen runden, schwarzen Filzhut und schritt bedächtig die Treppe hinab. Tell und Just, denen auf ihr Klingelii die Magd geöffnet hatte, traten m den Vorflur der Lampertscheii Wohnuiig und von dort in das nach dem Hofe hinaus gelegene Schlafzimmer. Ans den Zehenspitzen schlich Tell an das Krankenbett und schaute fragend Frau Julie und den Arzt an, dw am' Fußende des Bettes standen. Der Arzt zuckte die Achseln und deutete nach dem Patienten. Frau Julie fing wieder zu ! weinen an. Ein einziger Blick nach dem Pflegevater belehrte Tell, daß hier eine verhängnisvolle Veränderung vor- gegangen war. Tell trat ans Kopfende des Bettes und beugte sich zu denk Goldschmied hinab: „Mein armer Pflegevater, wie geht es denn?" Er hatte die Hand des Kranken «tP griffen und streichelte sie teilnehmend. Herr Wilhelm Lampert versuchte, nach der Seite, von wo die Worte kamen, hinzublicken, aber es wurde ihm offenbar schwer; er gab es auf und begnügte sich, die Lippen I murmelnd zu bewegen , „Ich kann ihn nicht verstehen, sagte Teil, der sich hilflos nach seiner Pflegemutter umschaute. , . Diese hatte gerade den scheidenden Arzt, der einige Verhaltungsmaßregeln gegeben und für den nächsten Morgen seine frühzeitiges Wiederkommen in Aussicyt gestellt hatte, bis zur Tür geleitet; sie eilte nun ans Bett und fragtä I mit sanfter Stimme: „Was willst du, Wilhelm?" „Sag's ihm doch," versetzte der Kranke mit Anstrengung, und als die Gattin nicht gleich erriet, was sie saget« solfle fügte er einige stammelnde Laute hinzu, die für Teil völlig unverständlich waren, von Fran Julie aber verstanden wurden. „Du meinst, was wir heute früh besprocheii haben?" Srerr Wilhelm versuchte zu nicken, was aber keineswegs gelang, der Ausdruck seiner Züge kündete aber, daß sein Wunsch richtig verstanden worden war. „Ach Gott," hob Frau Julie, gegen Tell gewandt, an, „der Vater wünscht, daß ich Dir das mitteile, was er mir erst noch heute früh als feinen letzten Willen bezeichnet und auch schon seit längerer Zeit aufgeschriebeti hat. Aber", sie wandte sich wieder an den Gatten, „wozu beim jetzt, Männe? Das hat doch Zeit; Du wirst es, wenn Du mit Gottes Hilfe wie- ! der gesund bist, dem William selber sagen." „Nein, nein," hauchte der Kranke, „sage es ihm, ich will | wissen, ob er — es auch tun wird." I Diesmal hatte er etwas deutlicher gesprochen und auch | Tell hatte ihn verstanden. lFortsetzung folgt.) Urheber dieser Zwangslage mit verdoppeltem Ingrimm und, I die Hand pathetisch gegen ihn ausstreckend, fuhr er mit er I hobener Stimme fort: „Da, schauen Sie hm überzeugen Sie sich wie der Angeklagte durch Miene und Gebärde wdes Wort der Anklage als wahr bestätigt! Er ist unfähig, auch nur ein Jota dessen zu bestreiten, was gegen ihn vorgebracht wird, und ich bedauere, daß ihm nicht wegen Mordes der Prozeß gemacht werden darf, daß auf ihn nur der §243 al. 2 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich Anwendung findet, der das von ihm begangene Verbrechen mit Zuchthaus bis I zu zehn Jahren bedroht." _ , Den Blick, den Carvalho letzt dem Staatsanwalt zuwarf, konnte dieser nicht mehr sehen, denn er hatte sich schon wieder den Richtern zugewandt; wohl aber saß lemand tm Publikum, der diesen haßerfüllten, rachsüchtigen Blick bemerkte und unter der Drohung desselben bange zusammenschauerte. I Es war Friedrich Just, der ein Zeuge des großen Erfolges seines Lieblings hatte sein wollen. Wenn Just auch eine zwiefache Genugtuung empfand, daß den Bösewicht, der ichon I den Vater Teils ruiniert hatte, nun endlich doch noch die Strafe ereilte, so beschlich ihn doch nun auch die Sorge um Tell, der sich die Todfeindschaft eines Mannes zugezogen hatte, der vorläufig zwar durch ein paar Jahre Zuchthaus unschädlich gemacht werden würde, nach dieser Zett aber an seinem Ankläger vielleicht Rache zu nehmen versuchen konnte. Die Verhandlung war beendet. Der Gerichtshof hatte sich nur kurze Zeit zur Beratung zurückgezogen, dann war er wieder erschienen und hatte Carvalhos Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus verkündet. Der Verurteilte hatte auf jedes Rechtsmittel Verzicht geleistet und seine Strafe Mort angetreten. Teil war nach seiner Schreibstube gegangen, hatte dort Barett und Robe abgelegt und sich durch Begießen der Hände mit kaltem Wasser wieder einigermaßen erfrischt. Er atmete auf; Gott fei Dank, das war nun ubcrstan- ; den. Er dachte an den Verbrecher und konnte trotz aller Schwäche und Schonungslosigkeit, mit der er gegen ihn vorgegangen war, ihm doch eine gewisse Achtung nicht versagen, denn Carvalho war bis zuletzt für alle Mahnungen und Bedrohungen unzugänglich geblieben und hatte die Person des dritten Mitschuldigen mit keiner Silbe verraten. Auch ein so tief gesunkener Mensch war also der Treue gegen feinen Spießgesellen fähig! Es war nun festgestellt worden, daß dieser dritte Fritz gerufen worden und wahrscheinlich nut einem Teile der Beute nach London geflüchtet war. Immerhin hatte Teil einen schönen Erfolg zu verzeichnen, und er hätte wahrlich zufriedener fein können, wenn nun dieser Erfolg nicht mit einer so bedenklichen Schädigung von Dells gesellschaftlichem Ansehen hätte erkauft werden müssen So dachte wenigstens der Staatsanwalt; er glaubte die Welt zu kennen, und er fah im Geiste, wie ängstlich man sich fortan von ihm zurückziehen würde. Aber er wußte, was er zu tun hatte, um sich und anderen peinliche Lagen zü ersparen. Volle Weltflucht, strengste Zurückgezogenheit von allem Verkehr, das war für ihn hinfort ein Gebot der Selbstachtung! Er mußte fein Amt aufgeben, er mußte um feine Entlassung aus dem Staats- und Justizdienste einkommen.— das war unerläßlich! Freiheit und Einsamkeit, das waren hinfort die Bedingungen, unter denen er allein noch weiter existieren konnte! „ rr , Schon morgen wollte Tell seine Pflegeeltern aufsucheu und mit ihnen von seinen Plänen sprechen. Er hatte seine Toilette beendet, den Paletot angezogen und stülpte den Zylinder auf, um fortzugehen, als Just, ohne erst anzuklopfen, über die Schwelle seiner Amtsstube stürmte. - „Herr Staatsanwalt, Sie möchten schnell nach der Horn- straße kommen; Fran Lampert hat eben einen Dienstmann hierher gesandt, Herr Wilhelm Lampert ist die Treppe hinabgestürzt — es soll schlecht mit ihm stehen." Ein bedauerndes „Oh!" war alles, was Tell erwiderte. Aber er flog, nachdem er Just ein Zeichen gemacht hatte, ihn zu begleiten, durch den Korridor und über die Breite Steintreppe hinab bis vor das Portal des Kriminalgerichts, sprang in eine herangewinkte Droschke, ließ Just ebenfalls einsteigen und rief dem Kutscher das Ziel der Fahrt und ein dringliches „Schnell, schnell!" zu. Als er mit seinem Begleiter die Hornstraße erreicht hatte und die Treppe zur Larnpertschen Wohnung emporstieg, kam ihm ein geistlicher Herr entgegen. Es war der Pfarrer Sammler aus Breditz bei Giesdorf, dem auch die Seelsorge in Giesdorf übertragen war und den Tell vom Brankschen Hause her schon näher kannte. 765 den Felsenhängen klammern sich niedrige Bauernhäuser und Melkerhütten fest. Sie schauen aus glitzernden Fensteraugen gar fröhlich und frei auf die Kleinstadt herab, die tief drunten im Kranze rhrer Berge zu ersticken droht. Dem Städtchen sind überall Grenzen und Schranken gesetzt; an jeder Straßenbiegung erhebt sich ein Berg, der den Blick ins Weite versperrt. Aber die Bewohner sind es zufrieden. Sie haben sich ein Theater, eine Badeanstalt und einen Wasserleitungsturm im Rokokostil erbaut, und etwas Selbstbewußtes und Würdevolles geht von ihnen aus. Die Häuser, im gestärkten'Sonntagsröckle, bilden rechts und links von den Straßen Spalier, und die Menschen, die dort aus- und einwandeln, scheinen ewig Halbtrauer zu tragen. Die moderne Welt, die hier, wie in einer Großstadt, in Handschuhen und Lackstiefeln ausgeht, die kleinen Geschäftsleute und Angestellten, die es den Fabrikherren gleichtun wollen, reden französisch; aber von den Arbeitern, Schulkindern und Bauern, die an Markttagen mit langsamen Ochsemoagen ins Städtchen hereinfahren, hört man das biedere Elsässer Platt. Eine lange Hauptstraße zieht sich von einem Ende des Ortes zum andern; nach Norden führt sie zur deutsch-frairzüsischen Grenze, während sie nach Süden in die Ebene und das heiß pulsierende Leben einer Großstadt Mündet. Die Herzen der Einheimischen sind nach der sranzösischen Grenze gewandt; die wenigen altdeutschen Beamten aher, die im Post- und Bürgermeisteramt angestellt sind, blicken sehnsüchtig in die Ebene hinein und hoffen auf baldige Versetzung. Der Fabrikherr. Er ist ein reicher Mann, der sich ein Auto und einen Diener halten kann und deutsch mit einem' starken französischen Akzent spricht. Darum ist er im Städtchen sehr angesehen und seine Vorschläge dringen in den Gemeinderatssitzungen durch. Seine Wohnung ist ganz in dem alten französischen Stil eingerichtet. Im Salon stehen Louis XVI.-Sessel, im Eßzimmer Henri IV.-Möbel. Auf dem Büchertisch liegt neben deni „Temps" und einer elsässischnationalistischen Zeitung „Colette Baudochc", Maurice Barrel neuer Roman über die Urinöglichkeiteu einer Ehe zwischen einer Elsässerin und einem Deutschen, sei der Mann noch so gut und edel. Tie Tochter des Fabrikherrn hat nach Nancy geheiratet; sein Sohn studiert in der Sorbonne und seine Frau bezieht Kleider und Hüte aus^ Paris. An dem politischen Leben eines Landes nimmt der Industrielle keinen tätigen Anteil. Von den Wahlen hält er sich fern, denn er ist ein entschiedener Protestant, und der Karckidat, der die französisch-elsässische Frage vertritt, ist Zentrumsmann, während der liberale Reichstagsabgeordnete kein waschechter Elsässer mehr ist. So überläßt der Fabrikherr es dem Volke, sich zwischen diesen zwei Uebeln für das geringere zu entscheiden. Ter Fabrikherr trägt unter dem Arm ein schweres Buch mit sieben Siegeln. Es ist die ungelöste elsässische Frage. Nach seiner Meinung sind alle Deutschen Pangermanisten, die dem Elsaß keine rechte Verfassung geben wollen, die die vornehme französische Kultur verdrängen und „leur culture" an die Stelle seyen möchten. Tie Träger dieser Kultur sind in Straßburg der Kaiserpalast mit seinem erdrückenden ziegelroten Dach und die modernen Viertel mit ihren Karyatiden und Verschnörkeluugen, denen gegenüber das Rohan-Schloß und die stilreinen Sandstein- Paläste sich behaupten. Freilich — das Münster nnd die alten gotischen Häuser sind deutsch; doch das hat man in der Familie des Fabrikhcrrn vergessen. Goethe war ein genialer Geist, nur man liest ihn nicht, und Wagner ist im deutschen Leipzig geboren, aber den hört man in Paris und spricht Tristan und Isolde „Tristan et Jseulde" aus. Ein Verkehr mit den Altdeut- schen ifk Unmöglich. Es wäre sogar kompromittierend, sich auf offener Str-ße mit dem Postdirektor zu unterhalten. Nur einmal im Jahr öffnet sich im Hause des Fabrikherrn das den Deutschen sonst fest verriegelte Tor. Monsieur erinnert sich daran, datz er nicht nur nach Paris, sondern auch nach Frankfurt reist. Madame hat ein gutes Wendessen bestellt und aus dem Keller alte Weine herauftragen lassen. Nun tvarten sie beide im Louis XVI.-Salon. Es klingelt. Der Diener öffnet die Tür, nimmt dem Gast Hut und Ueberzieher ab Md läßt ihn in den Salon eintreten. Es ist der Berliner Händler, der jedes Jahr nach Lüttersheim kommt, um in der Fabrik des Industriellen; seine großen Einkäufe zu machen. Madame M e u r h. Sie ist die Putzmacherin und wohnt in einem einstöckigen Hause neben dem alten, epheuumsponnenen Glockenturm. Jedes Jahr erhalten die Damen des Städtchens eine Visitenkarte, Madame Meury sei nach Paris abgereist und drei Wochen darauf eine zweite, sie sei mit den neuesten „modäles de Paris" zurück- gekehrt. Sie ist ein gar seltsaiuer Mensch. Eine Katholikin, die die Protestanten achtet, eine Französin, die im Elsaß tvohnt und doch nie iwer die Deutschen sth impft, eine Frau, die da meinh, das Madonnenbild in ihrer Stube müsse für alle, ohne Unterschied von Land und Konfession, dasselbe gütig versöhnende Lächeln haben. i Sie hat keinen Laden. Durch eine enge Stiche, wo ein paar Hüte ausgestellt sind, gelangt man in einen zweiten Raum, in dem gerade Platz für ein Sofa, einen Tisch und zwei Stühle ist. Es duftet hier immer ein wenig nach Rosenkränzen und Weihrauch, so mystisch und weltentrückt, so gar nicht, wie in einem Putzmacheratelier, wo man Geschäfte machen will. Langsam^ ein wenig keuchend kommt Madame Meury an; das Haar schon gebleicht, die Hände welk; aber mit einem Gesichr, auf dem unseres Herrgotts Frieden geschrieben steht. „Petite, apporte donc les chapeaux!" „Petite," ist das Lehrmädchen, das die neuesten Modelle bringen soll. Derweilen erkundigt sich Madame Meury nach diesem und jenem und hat für jede Freude ein Lächeln und für jedes Leid eine Träne. Die Hute sind in großen Holzschachteln verpackt und tauchen aus weißen, knisternden Seidenpapieren hervor. Madame M'eury nimmt sie vorsichtig in die Hand mrd fährt sanft über die fächelnden Federn und schimmernden Flügel. „Des modeles de Paris," sagt sie dann, immer mit derselben Verwunderung und Verehrung, als rede sie von der Kirche und der gütigen Mutter Gottes. Fast scheint es, als möchte sie die bullten Vögel behalten, damit sie ihr im elsässischen Klein- städtchen von der leuchtenden Stadt im Herzen Frankreichs erzählen. „Et maintenant —" Sie ist in die Wirklichkeit zurückgekehrt. Die Hüte werden! aufprobiert, betastet, geprüft, bis man sich für den kleidsamsten entschieden hat. Dann tritt man aus der kleinen Stube wieder heraus und geht mit einem Pariser Hut fort. Ja — und mit noch etwas, das seltener und wertvoller ist — mit dem ausgleichenden Frieden, der dem stillen Winkel entströmt und auf dem alten Gesicht leuchtet. La chronique scandaleuee. Was aus dem Städtchen werden würde, wenn Madame Zippel nicht in ihrem Spezereiladen säße, ist nicht aus'zudenken. Sie ist das Gewissen der Stadt. Die Ehrenhüterin. Die Ehrabschneiderin. Außerdem verkauft sie die besten Kuchen ünd hat in ihrem einzigen Schaufenster zur Oster- nnd Weibnachtszert die verlockendsten Kunstwerke aus Zucker Und Schokolade und wundersame mit Konfitüre gefüllte Würstchen, die das Entzücken der ganzen gaffenden Schuljugend bilden. Seit 25 Jahren thront sic hinter ihrem Kontor. All die jungen Eheleute — die Städter heiraten nur unter sich — hat sie als Kinder gesehen und ihnen „pour un sou de bonbous" verkauft. Das räumt ihr gewisse Reckte und ein ^«.rkes Selbstbewnßtsein ein. Sie steht trotz ihrer Runzeln und geblich neu Haare noch genau so fest mrd sicher in ihrem Lader: da, den Kvpf zwischen die breiten Schultern gestemmt und die Arme in die Hüsten gestützt. An Werktagen sieht MM sie geschäftig in ihrem Laden hin und hergehen, Waren wiegen, einpacken und verschnüren, ivobei emsig polemisiert und kritsirert wird. Sonntags aber brächte keine Gewalt, nicht einntal die Predigt des guten Pfarrers, sie von ihrem Fenster weg. Dort sitzt sie hinter halb geschlossenen Läden und späht durch die Spalten auf die Kirchgänger und Touristen hinab. Das betrachtet Madame Zippel fast als eine Pflicht. Sie sammelt Stoff, prüft und wägt, und die Chroniken, die sie am Montag früh in ihrem Laden an die Städter weiter aibt,sind weit fesselnder als die, die in der Zeitung stehen. Da kann män nun erfahren, daß Madame $ einen neuen Federhut trägt, daff; der Fabrikherr seine Frau vernachlLssigt und recht ost nach Straßburg fährt, daß ein gefährlicher Flirt zwischen diesem Herrn und jener Dame entstanden ist. Verlobungen, Geburten, Ehescheidungen, Todesfälle hat Madame Zippel lange vorher prophezeit. Sie ist eine bewuichernswerte Frau, die nicht so leicht zu ersetzen wäre. Im ehrbaren Städtle verbieten die Ehegatten ihren Frauen die Lektüre seichter Bücher. Daftir aber lebt Madame Zippel — la chronique scandaleuse ■— die für das Wohl und die Ehre der Stadt die peinlichste Sorge trägt, — und freilich auch dafür, daß die Tugend dort nicht zu eintönig wird. Der Tourist. Er studiert in Straßburg: aber alle Sonntage benützt er die frühesten Züge, um Bücher unb Papiere zu vergessen nnd in die Vogesen hiimuszuwandern. Um 9 Uhr ist er angekommen. Wie eng ist das Städtchen, wie leer die Straßen, wie drücken die Berge? Der Tourist merkt es nicht. Jeder,Sonntag ist für ihn ein Festtag. Seiine Augen leuchten so hell, wie die Sonne aus den Dächern, und das junge Blut kreist und pocht in dem jauchzenden Herzen. Ein Spielmann geht an ihüt vorüber und streckt die Hand aus. Der Tourist zieht einen Nickel aus der Tasche: „Grüß Gott," sagt er und geht seines Weges weiter. Vögel stiegen über seinem Haupt, ans den Gärten duftet der Flieder, und eine große Liebe, eine unendliche Sehnsucht erfüllen fein Herz. Ueber den Häusern und Fabrikschüotcn stehen die Berge mit ihren, hellen Matten und dunklen Wäldern und winken und locken. Zu dem Gipfel wird er steigen und von der Grenzhöhe aus die Kamnüvandcruug machen, und immer auf der Höhe bleiben und ins weite, sonnenüberstureto Land hinausschauen. An einem stillen Plätzchen zwischen Blumen und Gräsern wich» er sich lagern, fein Ränzle vom Rücken schnallen nnd sein Mittagsbrot elfen und Krumen für die Vögel ausstreuen. Dann wird er weiter wandern, durch die einsamen Höhen, an wild aufgetürmten Felsen u:ti> jäh abstürzeuden Vergwäichen vorbei, und überall wird die Welt voller Glanz und Bläue sein. Im Gedanken daran -vcrden seine Augen noch heller,, seine Schritte fester. Jetzt kommt er an dem • kleinen Spezereiladckn — 756 vorbei und grüßt Madame Zippel, die auf der Türschwelle steht. Sie schaut ihm verwundert nach und ruft ihrer Tochter lachend zu: „Lite e mol, Lina, do geht wider e Prussien mit dem Ruck- sückle." Der Tourist hat es nicht gehört. Er wandert still aus dem engen Städtle hinaus — auf die freien Höhen. Vermochte». kf. Der A st r o n o in und die ewige Wiederkunft. Der englische Astronom Sir Robert Ball, deffen Tod soeben aus London gemeldet ivird, >var ein sehr angenehmer Gesellschafter, der wegen seiner Scherze überall gern gesehen, aber wegen seiner scharfen Zunge auch etivas gefürchtet ivar. In England ist nun eine Anekdote über ihn im Schwange, die erzählt, wie er einmal seinen Meister gefunden bat. Er war in ter Shakesoearestadt Stratwrd mit ein paar Gefährten eingekehrt, ließ die Wirtin ruien und wollte sie nun zur Freude seiner Genossen ausziehen. . „Sie wissen wohl," so begann er Seinen Scherz, „daß sich alle Ereignisse nach je tausend Jahren immer wiederholen. Stach tausend Iahten sind wir also ivieder bei ihnen- und essen und trinken genau, rote wir es jetzt eben getan haben. Wollen Sie uiis mm für liniere heutige Zeche bis dahin Kredit geben?" Die wackere Wirtin aber ließ sich durchaus nicht ans der Fassung bringen und erwiderte: »Das weiß ich sehr wohl, daß sich alles nach je tausend Jahren wiederholt. Sie sind auch vor tausend Jahren schon bei mir gewesen, und damals sind Sie mir Ihre Rechnung schuldig geblieben. Wenn Sie mir nun heute die Rechnung von vorigem Mule bezahlen wollen, hat es mit der heutigen bis nach tausend Jahren Zeit." Tie Chronik lügt nicht hinzu, ob Sir Robert Ball nun die ältere oder die neue Rechmmg bezahlt habe; bezahlt aber hat er gewiß auf diese tressliche Abfertigung hin. * Das Beschwichtigungs'mi ttel. Das iteuengagietie Kindermädchen kommt zu Airs. Rah und klagt, daß daS Baby immerfort weine. Die Mutter denkt nach, dann kommt ihr die Erleuchtung und sie sagt: „Jetzt hab' ich's, Minnie, Babys letztes Kindermädchen war farbig. Die Stiefelwichse steht gleich hinter der Küchentür." *Der Stolz des Straßenkehrers. Zwei Straßenkehrer sitzen nach getaner Arbeit auf der Bordschwelle und sprachen von einem Kollegen, der tags vorher gestorben ist. „Bill Ivar doch wirklich ein guter Straßenkehrer," sagte der eine. „O ja," stimmt der andere nachdenklich zu. „Aber weißt Du, so um die Laternenpfähle herum war er ein bißchen schwach." Lprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachverein;. * Die Verschwommenheit des Fremdworts. Zu welchen Unklarheiten oder unbeabsichtigt unrichtigen Darstellungen die Benutzung selbst solcher Fremdwörter führen kann, die vermeintlich ganz allgemein bekannt und in ihrem Brgr ffe verständlich sind, das zeigt recht deutlich folgender Satz: „Tie bisherigen Brutapparate beruhten auf einer ständig kontrollierten Wärme- zunchr. Tie Kontrollvorrichtmig zum Konstanthalten der Wärme, die selbst bet Benutzung von Termophormasse nötig ist, ist kompliziert und teuer." Man schlug dem Schreiber dieses Satzes vor, statt „kontrolliert" dem besseren Sprachgebrauche gemäß „überwacht" zu sagen; der aber bekämpste das mit den Worten, die beiden Wörter deckten sich durchaus nicht, denn das Wort „kontrolliert" sehe eine „selbsttätige" Regelung vor, während baS „Heber- wachen" eine solche ausschließe; gemeint sei aber in diesem Falle die erste Art der Siegelung. Nun bedeutet aber das Wort „kontrollieren" nach dem herrschenden Sprachgebrauche und nach dem allgemein bekannten Inbegriffe nur „überwachen" oder eine der verschiedenen Abschattungen dieses Begriffes, wie beaussichtigen, nachsehen, prüfen, feslstellen u. dgl. Kein Sprachwörterbuch aber enthält eine Verdeutschung ober Begriffserklärung, die dem vom Verfasser mit dem Worte verbundenen und beabsichtigten Begriffe „mechanisch ober selbsttätig regeln" entspricht. ..Tas, was er meinte, ist also durch das benutzte Fremdwort sachlich ganz unrichtig wiedergegeben worden. Er hätte eben statt des bloßen „kontrolliert" sagen müssen: „selbsttätig kontrolliert" oder besser „selbsttätig geregelt" ober and; „selbsttätig zu regelnd". Es ist die alte Geschichte: das Fremdwort ist ein geheimnisvoll alles und jedes umfassendes Gesäß, aber unsere deutschen Wörter lassen sich diese Ge- heimniskrämerei nicht gefallen und sagen klipp und klar, was sie sagen wollen und sollen. griffen war, bringt der Verlag F. A. Brockhaus die deutsche Ausgabe des vielgenannten Tagebuchs, das der unglückliche Polarforscher Scott bis zu seinem Tode geführt und das man vor jetzt einem Jahr bei seiner und seiner Geführten Leichen gefunden hat. Dieses Tagebuch füllt den ersten Band des neuen Reisewerkes. Der zweite enthält die abwechslungsvollen Erzählungen zahlreicher Geführten, die sich auf mannigfachen wissenschaftlichen Neben- expeditionen bewährten, Scott auf seinem Weg zum Südpol eine Strecke weit begleiteten und schließlich zur Auffindung der verschollenen Polabteilung auszogen. So gewinnen wir ein übersichtliches und anschauliches Gesamtbild dieser unseligen, vom Unglück erbarmungslos verfolgten Expedition, die die Erreichung ihres Zieles und hervorragende toissenschaftliche Resultate auf allen möglichen Gebieten der Polarforschung mit dem Tode ihrer besten Männer bezahlen mußte. Natürlich konzentriert sich das Interesse des Lesers zunächst auf den ersten Baud, auf das Tagebuch, worin Scott über seine ganze Reise, über seine Vorbereitungen zum Marsch nach dem Südpol, über die Ausführung und das schreckliche Ende dieses Unternehmens Rechenschaft gibt, soweit überhaupt ein Mensch von sich erzählen kann, nämlich unmittelbar bis zu der Stunde, wo der Dod ihm die Feder aus der Hand nimmt. . „Schickt dieses Tagebuch meiner Frau", so lautet seine letzte Bitte — das Wort Frau ist ausgestrichen und „Witwe" darüber geschrieben. Welch eine Vorgeschichte von himmelstürmeu- deil Plänen und siegesgewissen Anfängen, von vielversprechenden Erfolgen und um so herberen Enttäuschungen, von heldenmütigen Kämpfen und übermenschlicher Ausdauer haben diese letzten Worte! Und welch eine Reihe ergreifender Bilder eines modernen Heldenepos zieht mit den einzelnen Etappen dieses furchtbaren Todes- marsches über Schnee und EiS, durch unaufhörliche Orkane und unerträgliche Kälte, an uns, die wir behaglich am Lesepult die Blätter des nyt .dem Herzblut tapferer Männer geschriebenen Briches umwenden, vorüber! Die Helden des Altertums und des Mittelalters versinken und aus unserer eigenen modernen Welt steigen als neue Symbole Persönlichkeiten herauf, die noch gestern unter uns weilten und an unserm wissenschaftlich-kulturellen Loben rührigen Anteil nahmen. Plötzlich sind sie in die objektive Ferne der Geschichte versetzt und predigen noch ihrem eigenen Zeitalter das Evangelium der Kraft und des Mutes, des hingebenden Idealismus utrd der wortkargen Seelengröße. Denn hier ist keine nachdichtende Erzählerkunst, keine nachträgliche Ausschmückung und lkebertreibung glücklich überstandener Abenteuer, sondern das eindringlichste aller Abenteuer selbst in seiner ursprünglichen . Gestalt, Leben und Tod in den andeutenden Umrissen, wie sie eben nur ein Tagebuch vermittelt, das zur eigenen Erinnerung für späte fröhliche Tage niedergeschrieben ist. Scott hat sich und seinen tapferen Kameraden, die auf dem Rückweg vom Südpol einer nach dem andern zusammenbrachen und aus der weiten Eisfläche des Südens ihr einsames Grab gefimben haben, ein Denkmal gesetzt, vor dem Mit- und Nachwelt mit Ehrfurcht stehen und dessen Inschrift — dieses Tagebuch selbst — sie mit staunender Ergriffenheit lesen wird. Um die Haupthelden ,des ersten Bandes, Scott, Dr. Wilson, Rittmeister Oatcs, Leutnant Bowers und Deckoffizier Evans, die aus den intimen Blättern des' Tagebuches zu greifbaren Charakteren herauswuchsen, gruppiert sich dann eine ganze Schar junger tüchtiger Männer, von denen ein Teil int zweiten Bande mit den Berichten ihrer Abenteuer uns angenehm' und vielseitig beschäftigen. Mit den ernsten Momenten auch dieses Bandes, mit der Schilderung der Entsatz- expeditivn, der Ausfindung der Verunglückten usw. kontrastiert wohltuend manche humoristische Szene aus dem eigenartigen Leben in der Antarktis, aus der Heimat der schwerfälligen Robben und zutraulichen Pinguine, und das Nomadenleben im Zelt, die Schlittenreisen durch Nacht und Eis, das Ueberwintern in Höhlen, too kaum ein Tier sein Leben fristen Tarnt, das alles vermittelt uns eine unabsehbare Fülle neuartiger und unvergeßlicher Eindrücke, die nachhaltiger sind als ein Dutzend Abenteurerromane, weil es wirkliches Leben ist, das sie wiederspiegeln. Obendrein ist dieses neue Reisewerk des Brockhausschen Verlags mit einer verschwenderischen Fülle ein- und mehrsaMger Illustrationen ausgestattet, die künstlerisch auf einer Höhe stehen, die auf solchen Expeditionen bisher nie erreicht werden konnte. So klingen Inhalt und Ausstattung ungemein harmonisch zusammen und geben dem Buche einen geradezu persönlichen Reiz, der allein schon genügt ihm eine große Lesergemeiude zu sichern. ErgärMngsMsel. E. n.. A.. e. n P. i. e. p.. n.. n, H.. ß .. n. ch. b.. m .. r. i. . e. n; R..(). b..in..r. t. .e.n w.. l .e.ß.n: W..d.n . i. e. 21. .e.n 23. .n! Auslösung tu nächster Plummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer r Trag ein Herz, den Freuden offen, Doch zum Leidenskamps bereit; Lern' im Mißgeschicke hoffen, Denk des Sturms bei heitrer Zeit. SaliS. Viichertisch. — Kapitän Scott, Letzte Fahrt. Zwei Bände mit 750 Seiten Text, über 200 ein- und m e h r s a r b i g e n Abbildungen, einem Faksimile und 5 Karten. Leipzig, F. A. Brockhaus. Geb. 20 Mk. Die Tragödie, die sich zu Anfang des Jahres 1912 am Südpol abspielte und von der schon int Februar ds. Js. die ersten erschütternden Nachrichten die Welt erfiillten, liegt nun in ihren literarischen Dokumenten vor uns. Zugleich mit der englischen Originalausgabe, die am Tag ihres Erscheinens ver8?