Donnerstag, den 5. Aull W W Sie Flammenzrichrn rauchen. Roman aus den: Jahre 1813 von Mäsx Karl Böttcher-Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Toinette trat an 'das Fenster, nahm eine Zeitung zur Hand intb schaute, ohne zu lesen, hinein. Wie schrecklich! öde, wie geradezu herzerkältend war es hier. Allein mit der harten Mutter im großen, weite» Schloß, nm sich niemand als den Diener! 'Draußen lachender Sonnenschein, blühende Natur und buntes Leben. Und das letzte, den täglichen Gärig durch den schönen deutschen Frühsommer, untersagte ihr bi'e Mutter nun guch noch. Sie warf eilten Blick nach der Mutter, die hastig schrieb, bald hier in ein großes Geschäftsbuch schaute, bald auf einem Blättchen etwas znsammen- rechnete und dann wieder schrieb. Was war ans dieser Mutter geworden, seitdem die unselige Nachricht von Notar Winter in Mälmaison eintraf, daß Heidehorst, vertragsgemäß! ihnen zugefallen sei! Früher diese feinsinnige Frau voller Kunstgefühl, voller Abscheu vor allem Kleinlichen, vor Men Krämereien des Lebens, und jetzt? Eine kalte Rechnerin, die der so schnell zugekommene Riesenbesitz zum habgierigen Weibe gemacht hatte, das nur noch Sinn und Zeit für diesen Besitz fand — und das alles in lauter abgöttischer Liebe zu ihrem Sohne! Ein Gefühl des Ekels kroch in Toinette empor. Eine Sehnsucht nach einem warmen, fühlenden Herzen, dent sie die Not ihrer 'Seele ausschütten konnte und von dem sie Trost erwarten konnte, packte sie an. Die Sehnsucht erweckte Erinnerungen an die Heimat, an ihr kleines, freundliches Landhaus in Mälmaison, an ihre Freundinnen und an das ruhige, manchmal bescheidene Leben, das doch so schön war. Und diese Sehnsucht und diese Erinnerungen verdichteten sich zu tiefem Heimweh, das sie plötzlich mit Wucht packte und schüttelte. Sie brach in Tränen aus, in heißes Schluchzen. Frau von Bourgee, in ihrer Rechnerei unangenehm gestört, trat zu ihr. „Was hast du vor, Kind? Was wi'llst du? Fehlt dir etwasZ So sprich doch!" , Toinette erwiderte: „Ich will heim, Mütter, hier er- frrert mir das Herz!" Mit einem Schlage war alles mütterliche Gefühl für die Tochter erlöscht. „Tn redest Unsinn, Toinette, du redest tote em ttnreifes Kind! Jetzt, wo wir das schlimmste hmter uns haben, sollten wir das Feld räumen, jetzt, wo sich an Napoleons Fersen der Sieg wieder heftet — denk doch an die Schlacht bei Bautzen am 20. Mai — wo nun ticr Krieg bald ein Ende nehmen und unser Bonaparte den aufsässigen Deutschen neuen Frieden vorschreiben wird, an dem die Barbaren sicher ein Jahrhundert zu kauen haben! — Und bann. Toinette, bann stehen wir da: fran- zvsifche Btlbungsträger inmitten der eroberten Lande h geworden durch unser Ausharren, erworben durch die b<» wunderswerte Entschlossenheit, mit der ich meine Hand auf den Besitz legte. Gestützt werden wir durch Napoleons! göttliche Macht und belohnt durch Emiles, meines Sohnes und deines Bruders, Liebe und Dankbarkeit!" Sie war geradezu in Verzückung geraten, als sie ihre Gedanken rn diese Zukunftsbilder zwang. Nichts regte sich in der stolzen Frau für die Gefühle und Wünsche ihrer Tochter, höchstens Verwunderung und grenzenloses Erstaunen, daß sie Sehnsucht und Heimweh nach Früherm haben konnte. Toinette schob die Mütter von sich. „Mit dir ist nicht zu reden, Mutter. Du bist verblendet, du hast dich in den Gedankeii^ von Emiles Leben und Wiederkehr und von uusers Kaisers Sieg verbissen, das; dich eine Enttäuschung, die uns werden,kann, grausam treffeu muß, Doch was kann ich tun? Aber eins verlange ich, Mutter. Ich sah vorhin im Park den Erbjunker Linthardt!" „Schweig! Schweig!" unterbrach Frau von Bourgee ihre Tochter, „ich erkenne, wie recht ich hatte, als ich dir verbot, noch in den Park zu gehen. Dabei bleibt es!" Sie wandte sich wieder ihrem Schreibtisch zu, aber Toinette hielt sie zurück und sagte: „Höre mich erst, Mutter, du mußt mich hören : Linthardt ist am Verhungern. Ich sah ihn im! Garten, wie er dahinschlich. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst!" „Mag er verhungern, das ist das Los der Schwärmer und Trotzer!" „Mutter!" „Nun ja, es klingt hart, aber verdient er es anders? Ist er nicht ein Verräter an den Seinen?" „Mutter, verhülle mir gegenüber nicht deine Gefühle! Nicht, daß er nicht mit in den Kampf zieht, erbost dich!« sondern daß er dir deinen Besitz streitig macht, odlr besser, daß er seinen Besitz verteidigt, macht ihn Dir zum Feind!" „Wenn du es weißt, warum soll ich es verhehlen? -7 Also nichts mehr davon!" „Doch, Mutter, er ist der Sohn deiner Schwester, und wir leben jetzt von seinem Eigentum. Ich verlange, daß er mit uns speist und daß Jules, unser Diener, ihn auch int übrigen mit versorgt!" Frau von Bourgee lachte schrill auf und setzte sich an ihren Tisch. Das war die Antwort. Da wußte Toinette. daß von ihrer Mutter für Linthardt nichts zu hoffen sei. Sie verließ das Zimmstr und ging zur Küche, in der Jules schaffte. Der Diener war ein Alseskönner und ein Juwel von Lakai. „Jules, kommen Sie, bitte, her!" „Fräulein Toinettchen?" „Jules, Sie kennen mich nun schon seit 15 oder 16 Jähren, nicht wahr?" „Als ganz kleines Dingelchen habe ich Sie über die Straßen von Paris gefahren, und alle Welt war entzückt, und Napoleon, der damals noch Konsul toar, schaute, ich 406 Weiß es noch ganz genau, an der Königstraße selbst einmal in Has Wägelchen und sagte lachend: „Beim Himmel, das wird einmal eine Schönheit!" and er schenkte mir ent Goldstück." „Sehen (Sie, Jules, und ich habe Sie doch immer gern gehabt. Würden Sie mir einen großen Wunsch. erfüllen?" „Mer zehn für einen, Fräuleinchen!" Toinette sprach leise ans! ihn ein und bat ihn, allabends, wenn die Nacht sich senkt, eine Schüssel mit Essen auf das Fensterbrett von Linthardts Zimmer zu setzen, unbemerkt und unerkannt. Der Erbjunker sei am Verhungern. Lint- hardt möge denken, daß ihm eine mitleidige Seele aus dem Torfe, vielleicht seine Schwester, das Essen bringe. Erst weigerte sich Jules, weil er den Zorn von Frau von Bourgee fiirchtete, als aber Toinette herzlich und fast flehentlich bat, versprach er es. Hub als der Abend seine ersten Schatten durch die Büsche flocht und die Schwalben zirpend heimwärts strichen, schlich einer mit dampfender Schüssel am Steinsims entlang und reckte sich unter einem matt erleuchteten Fenster auf die Zehen. Er konnte den Sims wirklich erreichen, obgleich das Zimmer im ersten Stocke sich befand; denn der Boden des Parkes machte hier eine merkliche Steigerung, und die Fenster des Erd- geschosses lagen zur Hälfte kellerartig in dem Garten. Jules stellte also die Schüssel auf den steinernen Außenraub und schlich wieder davon. Das 'Niedersetzen des Gefäßes schien ein leises Geräusch gemacht zu haben. Das Fenster tat sich auf, und müde, mit einer gewissen Furcht, schaute Linthardt in den Park. Da sah er die Schüssel. Er zögerte eine Weite, dann nahm er sie in das Zimmer. Als er das köstliche Gericht erblickte, erwachte der Mensch in ihm. Tie Qualen der letzten junger» tage ließen ihm das Mahl doppelt verlockend erscheinen. Wer mochte der Engel sein, der also seine Not kannte und ihn retten wollte? Nur zwei fand er: Gisela und Toinette. Die letztere schied Ober bei genauer Ueberlegung, aus. Sie war ja seine natürliche Feindin, sie mußte es ja sein, und sie zürnte ihm außerdem wohl noch von jenem Wend her, aM man seinen toten Bruder zu ihm trug'-. Oben ein stand sie so vollständig im Banne ihrer Mütter, die, wie er ja wüßte, ihn haßte. Also von dieser Seite konnte unmöglich die Atzung herrühren. Gisela? Ein Lächeln glitt über seine schlaffen Züge. Das gute Ding! Sie verachtete seine Handlungsweise, weil fie zu jung und unerfahren war, ihn zu verstehen. Anßer- 0-em stand sie ja unter dem Einfluß des Vaters, wie Toinette unter dem ihrer Mutter, aber sie war ein Weib und seine Schwester. Sie ahnte wohl seine Not, und ihr weiblicher Sinn, Liebe, Sorge und Mitlied, schien alles andere zu übertreffen, nur ein Gebot achtend: Hilf ihm! Schon als Kind War sie wandelnde Barmherzigkeit gewesen. Wo sie in einer Kate oder in einer Hofgängerwohnung Not witterte, da half sie mit ihren geringen oder bei größerer Not mit ihres Vaters reichen Mitteln. Er setzte sich zu Tische, und Wollte essen. Da sah er das vorzügliche Fleisch und die französische Zubereitung, wie er fte auf seiner Reise durch Frankreich kennen gelernt hatte, und dann das kostbare Porzellangeschirr! Ta faßte ihn ein schrecklicher Gedanke. Nein, Gisela war nicht die Spenderin, konnte es nicht sein. Sie lebten ja, wie et wußte, in ärmlichen, kümmerlichen Verhältnissen, beinahe von Almosen des Torfes. Woher sollten sie jetzt, in den Zeiten des Mangels und der Teuerung, da der Krieg alles fraß, große Stücke Fleisch bekommen, sie, die mit ihrem alten Diener und der Witwe Wintzer teilen mußten? Und wer hätte int Schulhause die verfeinerte Zubereitung verstanden und ihnen das kostbare Porzellan geliehen, denn aus dem Schloß, das Wußte Linthardt, war "tatsächlich nicht ein Stück mitgenommen worben! Mit schmerzlicher Enttäuschung trat der Erbjunker von ber, Schüssel zurück. „Frau von Bourgee hat mir das Fleisch gesandt, keine andre. Tas Fleisch ist vergiftet. Sie will dem Drama ein Ende machen und mich klanglos aus der Welt schaffen! Daß ich int Torfe weder vermißt noch betrauert Werde, weiß sie recht gut!" So dachte Linthardt, und mit scheuem Griff packte er die Schüssel und schüttete ihren Inhalt weg. Am nächsten Abend stand wieder eine Schüssel bestduf- tenden Essens auf dem Sims, und! wiederum wanderte dieses den gleichen Weg. Am dritten Tage, um die gleiche Zeit, lauschte Linthardt hinter dem Vorhang, bis der Bote kam. Kaum ertönte das leise Geräusch des Nieder setzens der Schüssel, als Linthardt blitzschnell das Fenster aufriß. und hinausschaute. Da sah er Jules erschrocken' unter dem Sims. „Hast du mir gestern und vorgestern auch das Essen gebracht?" fragte der Junker laut und barsch. „Um Gottes willen, nicht so laut, gnädiger Herr. Wenn uns Frau von Bourgee hört, oder gar erfährt, daß ich Ihnen Essen bringe, jagt sie mich zum Teufel!" „Ha, sehr gut, wie ihr Theater spielen könnt! Um jeden Verdacht von meiner gnädigen Frau Tante wegzuwen-! den, mußt du tun, als Wüßte sie gar nichts von diesen geheimen Atzung. Wer befahl dir bann, mich mit Speise zu versorgen, wenn es deine Herrin nicht tat?" Jules zögerte. „Nun, Antwort!" „Ach Herr, zürnen Sie nicht und verraten Sie mich nicht! Tas Fräulein hat mir das Versprechen abgenommen, es Ihnen auf keinen Fall zu: sagen!" „Wer bereitete das Essen?" „Ach, gnädiger Herr, lassen Sie mich doch gehen und machen Sie einen alten Mann nicht wortbrüchig!" Da stieg in Linthardt wieder der furchtbare Verdacht auf: Sie wollen dich vergiften! Das machte ihn rasend, „Hund, elender! Sind deine alten Knochen nicht schpu mürbe genug, als daß du sie noch zum Giftträger hergibst?!" Und er sprang nach dem Bette, über dem ein paar Pistolen hingen, und riß eine herunter und War mit einem Satze wieder am Fenster. Aber Jules war längst im Tunkelü verschwunden. Linthardt, noch die Pistole in der Hand, sank im Sessel am Fenster zusammen. Ein schönes Bild, das sich stift und heimlich in seiner Seele gebaut hatte, brach nieder und wurde ein elendes Zerrbild: Toinette, seiner Widersacherin Kind, wollte ihn töten, wollte ihn morden um schnöden Gewinns willen. In diesem Augenblick erst wurde ihm bewußt, Wie lieb er sie gehabt hatte. Er verlor den Rest seiner Hälftung und schluchzte. Nun War auch bas letzte dahin. So sand ihn Toinette. Sie hatte Jjules Rückkehr ab- gewartet, und als er ihr bebend erzählte, wie Linthardt ihn ertappt und daß er die Speisung als Mordversuch auf- gefaßt hatte, da überwand sie die weibliche Zurückhaltung. Etwas in ihrem Innern sagte ilft, daß sie zu ihm müsse, um ihn vor einem letzten Schritt, vor der Verzweiflung zu retten. Sie eilte durch die langen, öden, finstern Gänge, in denen ihr Schritt schaurig widerklang, tastete sich dann bis an Linthardts Zimmertür, klopfte und öffnete. Als fie ihn vornübergebeugt sitzen sah, die Pistole, die feinen Händen entglitten war, zu seinen Füßen, meinte sie, schon zu spät gekommen zu sein. Sie schrie auf und stürzte vor Linthardt nieder und umschlang ihn und nahm seinen Kops in ihre Hände und hob ihn empor. Als sie in seine lebenden, tränenschweren Augen sah, zog ein Jubel durch ihre Seele, und sie rief: „Tu lebst, Linthardt? Tu lebst?" Sie tastete an seinem Körper und suchte nach einer Wunde. Dann rief fie wieder: „Du lebst und bist unverletzt!" und lüßte ihn mit rasender, lang zurückgedämmter Leidenschaft. Und der Erbjunker, der nicht wußte, wie ihm geschah, der den Zusammenhang nicht verstand, umschlang auch sie, und dann kniete sie zu. seinen Füßen nieder. Ta öffnete sich die Tür und es trat einer ein, den sie hier nicht vermuteten und erwarteten: Pfarrer Tempel. (Fortsetzung folgt.) Theodor Storm und die Musik. Erinnerungen zu Storms 25. Todestag, 4. Juli. Wer Storms Gedichte fo lieft, wie man Gedichte lesen muß! mit den Ohren und nicht nur mit den Augen, der empfindet, wie tief fie in einem seinen und schonen musikalischen Gefühle wurzeln. Es find echte Lieder, gesungene Lieder, nicht lyrische Artefakten. Und wer den Dichter je vorlesen hörte, der empfand auch darin wieder feine musikalische Natur, denn es War, wie Fontane einmal sehr hübsch sich ausgedrückt hat, als ob er Bei seiner Vorlesung immer von einer Violine begleitet würde. Aber erst, Wenn man Storm fingen hörte, konnte man sich bewußt werden, wie innig sein ganzes Wesen mit der Musik verwoben. Wie tief es von ihr erfüllt War. Storm War im Besitze eines schönen Tenors, und wenige Männerstimmen Erschienen und wirkten: nach dem Urtftle von Ludwig Pietsch so unmittelbar als der Ius,- druck einer phantasteersüllteil Seele, wie Storms Tenors 407 Neben der teuren Heimat) der Dichtung und seiner Fa- tnilie bildete die Musik die große Liebe dieses Dichterlebens, das sie von frühen Kindheitstagen an bis ins patriarchalische Greisenalter hinein begleitet hat. Sehr zeitig hat Storm mit der Pflege und Ausübung des Gedankens begonnen; schon als Lü- heücr Gymnasiast ließ er im Hause des Konsuls Nölting, wo eine heitere und schöne Gastlichkeit geübt wurde, gern seinen Tenor erklingen, zu dem Geibels weicher Bariton einen hübschen Gegensatz bildete. Kehrte er daun als Student zu den Ferien ins Vaterhaus heim, so konnte man, wie des Dichters Tochter Gertrud in dem schonen, bei Karl Curtius in Berlin erschienenen Lebensbilde ihres Vaters erzählt, daran sogleich erkennen, daß Theodor wieder daheim war, daß bann dem in die Haustüre tretenden Besucher alsbald Gesang und Spiel entgegen« tönte. In den Ferien unterrichtete er seine Schwester Helene und ihre Freundinnen im Gesänge und übte mit ihneir Duette und Terzette ein. Er war ein strenger Lehrer und nahm den Unterricht sehr genau, und es geschah manchmal, daß seine Schülerinnen, worunter sich auch feine spätere zweite Frau befand, erzürnt, mit heißen Gesichtern aus den Zimmern stürmten. Nun war Theodor Storm ein selbständiger Mann geworden und hatte sich in der Vaterstadt Husum als Wvokat niedergelassen. Alsbald begann er in das Musikleben der „grauen Stadt am Meere" organisierend einzugreifen- und begründete 1843 einen Gesangverein, der noch im selben Jahre sein erstes Konzert veranstalten konnte. 1844 hatte er mit der Geistlichkeit des Ortes einen Kamps darum zu führen, ob die Veranstaltung eines geistlichen Konzertes in einer Kirche statthaft fei, und er hat in dieser Angelegenheit an die zuständigen Geistlichen als „Direktor des Singvereines" einen offenen Brief gerichtet. Ein Mitglied des Vereins hat eine Charakteristik von Storm als dessen Leiter gegeben, die Gertrud Storm mitteilt. -„Er dirigierte mit Feuer und Flamme. Bei den Hebungen konnte er sehr heftig werden. Hauptsächlich seine Schwester Helene, die ihn in der Leitung unterstützte, tvurde oft vor den Herren und Damen gescholten. Wenn nicht zu seiner Zufriedenheit gefiingen wurde, so zog er die Stirn in düstere Falten und bann zitterten wir. War der letzte Ton verhallt, so schloß Storm stumm das Klavier, fuhr eilig in seinem Mantel und stürmte hinaus. Die verblüfften Sänger, die noch Tee trinken und Konfekt essen, vielleicht auch noch tanzen wollten, verschworen sich, nicht wiederzukommen. Zur nächsten Singübung sanden sich doch alle wieder zusammen. Die gemeinsame Freude war zu groß-." Erst als Storm sich seiner Koustanze, die übrigens eine weiche, volle Altstimme besaß, als Gefährtin fürs Leben versichert hatte, wurde er als Bräutigam ein liebenswürdigerer Dirigent. Als Storm nach den bitteren Jahren der Berbamrung in Heiligenstadt wieder ein Amt und eine zweite Heimat gesunden hatte, in der er sich so wohl fühlte, wie er es eben außerhalb Schleswig-Holsteins konnte, da nahm er sich alsbald wiederum des Musiklebens am Orte mit Eifer und Liebe an. 1857 gründete er in Heiligenstadt einen Gesangverein, dessen Chor von 14 nach und nach auf 70 Mitglieder anwuchs. Storm dirigierte, wobei er zwar bis zur Peinlichkeit genau, aber doch viel liebenswürdiger war, als in den Husumer Tagen. Er hatte ein feines musikalisches Gehör und hielt besonders auf Genauigkeit der Ein- fä£e. Der Chor konnte selbst Werke wie den Paulus von Mendelssohn aufführen, wobei Storm die Partie des Stephanus mit echter Künstlerschaft fang. Der Verein gab schließlich seiner Dankbarkeit gegen seinen Gründer und Leiter dadurch Ausdruck, daß er ihm in feierlichster Form eine große Ehrung darbrachte, und ihm als Huldigungsgeschenk das Marxfche Werk über Beethoven überreichte. Im Nachlasse Storms hat sich eine launige Schilderung dieser Huldigungsfeier vorgefunden. Noch kurz, bevor er Heiligenstadt wieder mit dem geliebten Husum vertauschte, hielt er sein letztes Konzert. Es war die „Zerstörung Jerusalems", woran sie fünf Vierteljahre geübt hatten. Storm erzählt: „Als ich zuletzt den vollen, prächtigen Chor von über 50 Sängern, den ich gestiftet hatte, dirigierte, als so aller Blicke an meinem Stäbchen hingen und die Tonwellen nun zum letztenmal ans begeisterter Menschenbrust brausend Hervorströmten, da mußte ich mein Herz in beide Hände fassen, um nicht in Tränen auszubrechen. Auch ich sang noch und sang aus meinem bewegten Herzen mit mächtiger «stimmt „Du wirst ja dran gedenken, denn meine Seele sagt es mir." Es war eine lautlose Stille. So, nachdem eben der volle Chor ausgebraust hat, zu fingen und so gehört zu werden, ist einer der glückseligsten Momente des Menschenlebens. Es war für mich zum letztenmal." Aber der Musik blieb er auch weiterhin treu. Hub sie ihm. Sie tröstete ihn in schweren Stunden. Als er feine Konstanze verloren hatte, saß er, vom Kirchhofe in das leere Haus heimgekehrt, stundenlang am Klavier und suchte sein verwundetes Gemüt durch die Macht der Töne zu besänftigen. Die Hebungen feines? Husumer Gesangvereines setzte er nach Konstanzes Tode nicht einmal aus, denn er wußte, wie wohltuend gerade diese Betätigung im Schmerze für ihn war. Erst als er 1880 von feiner Vaterstadt Abschied nahm, um sich ins Altersheim nach Hademarschen zurückzuziehen, legte er auch die Leitung seines Ber- kines hiebet, und als er zum letzten Male dirigierte, da überreichten ihm die Mitglieder ein Notenpult u,nb einen Taktstock, als Zeichen der Dankbarkeit und zur dauernden Erinnerung.. Da waren denn die schönen Zeiten, wo er des brausenden Chorgesanges sich hatte erfreuen können, vorüber, aber seine musikalisch« Betätigung endete eigentlich erst mit seinem Leben. In Hade- marlchen hat er seine jüngste Tochter Dodo jm Gesänge unterrichtet; täglich übte, er eine Stunde mit ihr und hatte die innigste tfteube an ihren Fortschritten. Mitunter fangen auch Vater und Tochter Duette zusammen, und wenn in den Ferien Sohn Karl eintraf, auf den Storms Liebe und Begabung zur Musik umgegangen war, und der selbst Musikant geworden ist, da mußte er ihn beim Unterrichte unterstützen. So hat auch das stille Dichterhaus zu Hademarschen die Musik geweiht, so hat sie den Dichter bis zu feiner letzten Ruhestatt treulich begleitete ,Lried§ erster Hase." Ein wahres Erlebnis von Hans Schadenfroh. Frieb wär so recht, was man einen „guten Kerl" neunen konnte, ein eingefleischter Junggeselle, der „keine Ofenschraubeir abbeißt, auch keine kleinen Kinder in den Kaffee tunkt", ein Mensch friedlicher und stillvergnügter Gemütsart, hatte auch für alles andere mehr Interesse, als für die Jagd, — sie war ihm zu „blutig". Doch böse Gesellschaften verderben gute Sitten. Tie ewigen Neckereien am Stammtisch wegen seiner Blutscheu ■— man sagte ihm sogar nach, «er habe in feinem elterlichen Garten die Blutbuchen entfernen lassen — ließen in ihm schließlich den mannhaften Entschluß reifen, auch einmal einen „jagdlichen Mord" zu begehen. Ein Hekto Bier war der Preis des ersten „Hasen". Gleich der geschäftsfreie Sedanstag sollte die Entscheidung bringen. Fried wurde in Jagdkostüm gesteckt; ein jeder „lieh" etwas dazu lund man konnte sich kaum des Lachens erwehrenp. als Fried in stolzer Haltung als die reine Maskerade, am Bahnhof erschien. Während bet Bahnfahrt bekam er die letzten Vorlesungen gehalten und nach 1/2 Stunde war man schon im Revier. Stieb, den man aus Vorsicht, hur mit einem Dyorteun Passe bewaffnet hatte, sollte abwechselnd ein Gewehr geliehen; bekommen, damit er nicht außer Aussicht kam. Patronen ■—■. extra gute — bekam er in die Tasche. Nun mußte er zunächst eine Treff probe bestehen; allein, sie fiel schlecht aus. Aus dem aufgesteckten Stück Papier befand sich nach 3 Schüssen fein einziges Schrot. Fried mußte also zu aufgeregt fein; er glaubte es schließlich selbst, so daß ausgemacht wurde, daß Fried erst nach- dem; Frühstück auf Wild schießen dürfe, doch es miag hier gleich verraten sein, daß Frieds Patronen überhaupt „schrotlos" waren; es war dies nur ein Akt „vorbeugender Notwehr" gegen den in der Tat jetzt ganz nervösen Menschen. Bald ging alles zum Frühstück ins Tors und nun wurde der eigentliche „schwarze Plan" ins Werk gesetzt. Der 12jährige Junge des Wirts wurde mit einem Riesen^tallhasen nach ei nein vorher genau bezeichneten Kleeacker gesandt, mit dem Auftrage, dort den Hasen „auszusetzen" und ihn aus sicherem Verstecke zu beobachten. Bald schon nahten die Jäger. Es bemächtigte sich ihrer auf einmal eine „Mordsaufregung", als sie ganz „unerwartet" diesen Riesenhafen sahen. Es gab fast eine Zänkerei, denn jeder wollte einen so kapitalen Kerl selbst schießen. Aber der Jagdleiter hielt strenges Regiment. Fried sollte oer glückliche „Hafentöter" fein. Nun mußte er „anpürschen". Einer der Teilnehmer pürschte ihm „vor". Auf allen Bieren ging es die Furche entlang; Frieds Bewegungen waren ganz unglaublich; alles barst fast vor Lachen. Endlich konnte der ganz aus bem Häuschen geratene Fried „funkeureißen". Allein; Freund Lampe zeigte wenig Respekt davor; er hörte kaum mit seiner kostbaren Aesung auf. Fried eröffnete das reine Schnellfeuer; im 9hi hatte er 9 Patronen verknallt und noch, immer war „bet kugelfeste Hase fast auf demselben Fleck. Tas war noch nicht dagewesen; Fried transpiriert aus allen Knopflöchern vor Aufregung. Der „Borpürscher" meinte schließlich, der Hase müßte ja fast tot sein; nur um zu versuchen, ob man dem furchtbaren Tier nahen könne, warf er mit einer Erdscholle nach ihm, aber er traf zu gut. Der arme Stallhase^ fuhr a teinpo über den Kopf und begann nach allen Regeln der Kunst M „schlegeln"., so daß, mau kaum schnell genug in Frieds Gewehr eine „wirkliche" Patrone laden konnte, mit bem er dem Furchtbaren Tier" nun auf 10 Schritte beit Fangschuß gab. Stolz wie ein Spanier schleppte Fried den ganz zerschossenen Lampe selbst im Rucksack nach Hause. Alle Stammtischgenossen wurden zur Hasenfeier geladen, aber dazu war ein zweiter Betrug erforderlich, denn es sollte auch niemand mehr den „vormals! Stallhasen" feststellen können. Statt Braten gab es _ „Has int Tops". Zwei Schoppen Bocksblut und doppelte Portionen Gewürz genügten, um die Abeudspeise nach allem anderen, nur nicht nach „Has" schmecken zu lassen. Ein paar Hände voll Schrot wurden noch in die Schüssel geworfen, denn nur so konnten Frieds „9 Treffer" nachgewiesen werden. Fried war ganz selig, als er bann nach Tisch noch feierlich zum! Jager ausgerufen wurde, noch seliger aber war er, als er beim Morgengrauen „heim- pürschte"; da ging es manchmal auch auf „allen Vieren". Eine zweite Wette war übrigen» bei bem Essen auch gegen; einen Stammtischgenossen geroo.nn.cn froo.rbenz. dadurch daß er mitafj) 408 dhne den „Stallhasen zu schmecken", denn er hatte renoinnliert, daß, er Stallhasenfleisch selbst in der klernsten Portton schnwckm würde. Damit war für den nächsten Mend wieder ein „Stamm- tisch-Hekto" gesichert. Gesundheit gegen Liebe. Ans New Bork wird berichtet: Durch ganz Amerika geht eine neue Bewegung, die die Pflege der Gesundheit auf ihre Fahnen geschrieben hat. Das Problem der „eugenics" scheint gegenwärtig die Amerikaner am meisten zu interessieren. Ihren praktischen Ausdruck findet die Idee in den Gesetzen, die in verschiedenen Staaten eingeführt werden sollen, um die Eheschließung ungeeigneter Personen zu verhindern. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die Sozialreformer loder auch ein Geistlicher feierlich Protest dagegen erhebt, daß Personen mit anstöckxnden Krankheiten oder geistig Minderwertige heiraten dürfen. Nun hat sogar der 'Senat des großen Staates Penusylvanien soeben ein Gtsetz angenommen, und zwar mit erdrückender Mehrheit, das dieses Prinzip der „eugenischen Ehe" wirklich durchführt. Tas Gesetz, dessen Einführung alle medizinischen Gesellschaften des Staates befürworteten, verbietet die Erteilung einer Heiratserlaubnis allen Personen, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind; die Erlaubniis soll auch nicht erteilt werden, Wenns eine der beiden eheschließenden Personen nicht völlig zurechnungsfähig ist oder unter Bormundschaft steht. Kein Mann darf heiraten, der ‘ innerhalb der letzten 5 Jahre in einem staatlichen Heim ■für 'Fürsorgebedürftige ausgenommen _ war, wenn es nicht hinreichend bewiesen werden kann, daß die Ursache dieser Aufnahme beseitigt ist und er physisch imstande ist, eine Familie zu erhalten. Diesem Borbild beabsichtigen andere Staaten mit ähnlichen Gesetzen zu folgen. Um die Oeffentlichkeit hierfür geneigt zu machen, werden in den verschiedenen Teilen des Landes Versammlungen abgehalten, und „eugenische" Broschüren massenhaft verbreitet. Nicht nur in den Hochschulen, sondern auch in vielen Elementarschulen sind neuerdings Kurse für „Sozialhygiene" eingerichtet, in denen diese Anschauungen gelehrt werden. Einen besonders drastischen Ausdruck sanden sie aber bei einer Tagung der Irrenärzte und Neurologen, die gegenwärtig in, Chicago abgehalten wird. Die Gesetzgeber aller Staaten wurden hier aufgefordert, strengere Ehegesetze zu erlassen, um degenerierte Elemente von der Gründung einer Familie au^uschließen, und die Gouverneure von 15 Staaten ersuchten die Versammlung, Mittel und Wege zu finden wlie dieses Ziel am besten erreicht werden könnte. Den Höhepunkt oder wenigstens den stärksten Wiederhall fand die Auseinandersetzung jedoch, als einer der Redner den Feldzug gegen die — Liebe eröffnete als den Feind, von dem alles Böse kommt. Dr. Morris war es, der frank und frei erklärte, daß alle Liebenden verrückt wären. „Irrsinn ist ein delikates Thema," so erklärte er, und seine Ausführungen fanden allgemeine Zustimmung; „es klingt geschmacklos, ein gesundes junges Weib als wahnsinnig zu bezeichnen, wenn sie im Mondschein neben einem Mann von mittelmäßiger Geistesverfassung sitzt, in dem sie einen wahren Gott erblickt, lind doch ist es eine Art von Geistesstörung, die das Herz dieses jungen! Meibes schneller schlagen läßt und ihre Augen aufleuchten macht, ebenso wie der junge Mann ein Opfer derselben Halluzination ist." Auf die Frage, welche Art Leute denn heiraten sollten, wenn nicht die Liebenden, erwiderte Dr. Morris: „Liebe ist bei der Heiratsfvage nur von untergeordneter Bedeutung. Zwei gesunde und gleichgeartete Personen mit ähnlichen Neigungen sollten einander heiraten, ob sie sich lieben oder nicht, aber vor allen Dingen müßten sie zunächst ein Gesundheitszeugnis beibringen." Tie Versammlung erklärte sich einstimmig für die Einführung von Gesetzen, die alle gesundheitlich nicht geeigneten Personen von der Ehe ansschließen. VermZschtss. ' ' — Der Netteste der deutschen Architekten. Am 2. Juli beging Geh. Oberregierungs- und Baurat 'Professor Dr.- Jng. Julius Raschdorff zu Berlin seinen neunzigsten Geburtstag. Der Senior der deutschen Architekten ist geboren 1823 zu Pleß in Schlesien, besuchte von 1814—1847 die Berliner Bauakademie, legte 1851 sein Baumeisterexamen ab und wurde zwei Jahre später Stadtbaumeister in Köln a. Rh., wo er in der Folgezeit sehr erheblich zur Verschönerung des Städtebildes und zur Förderung des Kunstlebens beigetrageu hat. Er erweiterte nach eigenen Plänen den spätgotischen Gürzenich, leitete den Bau des von Josef Felten im Tudor-Stil entworfenen Wallraf-Richartz-Mu- seums, baute die Provinzialgewerbeschule und verschiedene andere «chulgebäude und restaurierte in glücklichster Weise das gotische! Rathaus mit dem berühmten Hansasaal und den zugehörigen lÜ^stottghen Turm sowie die köstliche Neiiaissancevvrhalle des Wilhelm Vermuken. Unvergessen bleibt, daß er nach Kräften be- strebt, gewesen ist, das ehemals so blühende Kunsthandwerk der rheinischen Metropole zur Mitarbeit heranzuziehen und in seiner Leistungssährgkeit zu steigern. Außerhalb Kölns schuf er das Gymnasial- Md Realschulgebäude Bielefel und im Charaktep italienischer Renaissance das rheinische Provinzialständehaus zu Düsseldorf. Im Jahre 1879 als Baurat und Professor an di« Technische Hochschule nach Berlin berufen, befaßte er sich hinfort neben seinem lehramtlichen Berufe vornehmlich mit Plänen zum Berliner Dombau. Sein Entwurf fand beim Kronprinzen, nachmaligem Kaiser !Friedrich, Billigung, gelangte aber erst nach dessen Tode in den Jahren 1893—1905 zur Ausführung. Dem toten Kaiser baute er das Mausoleum bei der -Friedenskirche zu! Potsdam, und zwar auf höheren Wunsch in Anlehnung an die heilige Grabesttrche zu Juiucheu in Tirol. Auch vollendete er nach Lueäs und Hitzigs Tode den gewaltigen Neubau der Technischen Hochschule zu Eharlottenburg. Nicht vergessen sei sein Entwurf zum 94 Meter hohen Turm der Gertrud-Kirche zu Stockholm, deren alter Turm 1878 einem Brande zum Opfer gefallen war. Harmonisch fügt sich die neue Turmsilhouette dem zwischen 1638 und 1642 vom Nürnberger Meister Jakob Kristler errichteten Kirchenbau an. Als Dozent hat Raschdorff über Städteanlagen und die wichtigsten Borwürfe des Hochbaues gelesen. Hinzu traten Hebungen im Entwerfen von Hochbauten unter Berücksichtigung der Renaissance und im Stegreifentwerfen. Bor Beginn des Wintersemesters 1911 legte der Ächtnndachtzigjährige sein Lehramt nieder, um sich zur wohlverdienten Ruhe zu setzen. Er ist Mitglied der Akademien der Künste zu Berlin, Wien und Brüssel und führt auch den Titel eines Dombaumeisters. — G emü sep ul v er als Sä u g li n g s n ahr u n g. Infolge ihres hohen Kvhlehydratgehaltes sind die Gemüse außerordentlich zweckmäßige Nahrungsmittel, oder vielmehr sie wären es, wenn die Kohlehydrate nicht von einem unverdaulichen Mantel von Zellulose cingeWllt wären. Hm diese reiche Kraftquelle aufzuschließeu, bedarf es also der Entfernung des Holzstoffes. Ties hat der Berliner Physiologe Prof. Friedenthal dadurch erreicht, daß er die Gemüse wie Spinat, Bohnen und Erbsen! fein zermahlen läßt. Die gewonnenen Pulver sind außerordentlich bekömmlich. Sogar zur Ernährung von Säuglingen können sie unter Umständen verwandt werden, wie Untersuchungen aus der Klinik des Wiener Kinderarztes Prof. Kassowitz zeigen. Man gab dort das Gemüsep-ulver mit derselben Menge Mehl und der halben Menge Zucker in Milch oder Haferschleim. Ter süßs Brei wurde von den Kindern gern genommen und, wie Stoffwechsel- Versuche bewiesen, auch gut ausgenutzt. Sprachecke de; Allgemeinen Deutschen Sprachverein;. * Promenadenkonzert. Wer spricht woyl noch von Promenade im Sinne von Spaziergang und von promenieren? Aber Promenaden-Anlagen und dazu Promenadenkonzerte gibt es ivohl trotzdem noch in sehr vielen deutschen Städten. Was könnte nun statt dessen gesagt werden? Selbstverständlich ist an dem Konzert selbst nicht zu rütteln, weil dieses Fremdwort nun einmal zu den unentbehrlichen gehört. 91 her statt Promenade könnte füglich etwas anderes gesagt ivcrden. Eine einsache Fran aus dem Volke sagte einmal in der Pause eines solchen Konzertes: „Warum nennt mau das eigentlich Promenadenkonzert'? Man könnte doch Wandelkonzert sagen." Mancher ivird das lächerlich linden; mit Unrecht: wenn das gesunde Sprachgesühl des Volkes das unbefangen ausspricht, so darf solcher Ausdruck auch öffentlich ruhig geivählt ivcrden, ohne daß man zu besiirchten braucht, der Lächerlichkeit geziehen zu werden. Man weiß ja auch gar nicht, ob es heißen soll „Konzert in den Promenaden" - findet eS doch hier itnd da auch aul Marktplätzen statt — oder „Konzert, bei dem man eilte Promenade machen, promenieren, nmherwandeln kann". Im ersten Falle uu'irde „Anlagenkonzert" die ttebersehung sein, im zweiten jene erwähnte - „Wandelkonzert". Aber am einfachsten käme man wohl um die Schwierigkeit herum, wenn man nur sagte:" Konzert in den und den Anlagen" oder etwa auch: „Freikonzert in den und den Anlagen". Der Zusatz „Promenade" erscheint wirklich ganz und gar überflüssig; denn niemand wird annehmen, daß in den Anlagen einige Dutzend Bänke oder einige Hundert Stühle ausgestellt seien; vielmehr weiß jedermann, daß er bei einem ,/Frei) konzert in Anlagen" daraufangewiesen'ist, umherwandeln, ausaltsränkisch:z>t promenieren. Arithmogr'rph. 13 113 6 Name mehrerer fränkischer Lerrjcher. 2 7 3 6 7 lyrischer Dichter. 3 4 4 7 Fluß in Frankreich. 4 3 6 3 7 geometrisches Gebilde. 3 6 6 Nebenfluß der Donau. 5 2 3 4 3 5 5 männlicher Vorname- 5 3 4 4 7 6 Arzneimittel. 3 4 3 Land in Jnnerasien. 6 3 4 Strom in Afrika. 7 4 4 7 früheres Maß. 6 3 7 4 französischer Feldherr. Die Anfangsbuchstaben der gesundenen Wörter sollen den Namen einer Inselgruppe ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer: Bild, Wild. Reaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen lluiversttäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lanae, Gießen.