MU lll Die Msmmenzrichen rsuchen. Roman ans dem Jahre 1813 Von SJlaig Karl Böttcher--Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zwei Stille, die isich noch vor Stunden Zerfleischen lvollten, lagen jetzt i)o dicht nebeneinander, daß des einen Arm dem andern »auf der Brnst ruhte. Seine tote schwere Hand drückte dem andern das 'bunte Tuch auf die Wunde, daß das Mutbächlein, was daraus hervorsickerte, versiegte. Der eine, der -Feine, der vorhin beim Ansturm auf den! Kanonenhügel vor Kampfeslust den Pallasch int Kreise schwang ,bewegte sich!jetzt ein wenig. Die Ohnmacht wich von ihm, und er schlug die Augen auf, und seine Lippen flüsterten: „Ma mere!" (Meine Mutter.) Er wandte sich, und des andern, Paul Wintzers, Arm rutschte von seiner Brust. Das mußte ihm, Wintzer, Schmerzen machen, denn ein Schütteln überlief ihn und ließ ihn erwachen, Und er verstand ein Wort, das ihm wie süße Musik in den Ohren klang, ein Wort, das ihm traute Heimatsbilder mit einem Schlage vor die Seele stellte. Hatte er recht gehört? Er erhob sich mit dem Rest seiner Kraft und neigte sein Ohr dem Todwunden zu. Da, dessen Lippen bewegten sich wieder, und fetzt hörte Wintzer ganz deutlich das Wort ^Heidehorst". Da raffte er sich auf und faßte mit der Rechten die Säbelklinge, die er ihm selbst in den Schädek geschlagen hatte, und mit einem Ruck zog er sie . heraus und warf sie klirrend von sich und goß dann das Wasser seiner Labeflasche über den heftig blutenden Kopf und stopfte sein Tuch in die Wunde. Den Rest seines Wassers in der Flasche schüttete er dem Verwundeten in den Mund. Nun waren seine Kräfte zu Ende. Er fiel hinüber und lag wieder still. — Am Abend kamen die Krankenträger, um Verwundete zu suchen. Sie fanden auch Paul Wintzer und brachten ihn mit andern Verwundeten zum Feldarzt. Dieser stellte fest, daß Wintzers Nase zertrümmert war, und daß er einen Schuß durch die Wade erhalten hatte. 9. Teil. Wochen waren vergangen. Die Heide begann sich leise M Röten, die Finken nisteten, und der Storch schritt über das Moor. Weite, öde, drückende Stille lag über dem Heidedorf. Dort, wo die Sonne am wärmsten brannte, draußen am Bruch, da saß und hockte in diesen Tagen eine eigne Gesellschaft — ein Haufen Krüppel. Dem einen fehlte ein Bein, dem andern ein Arm, dem dritten eine Hand und so fort. Aber eines hatten sie alle: Heiße, glühende Augen und -ein fröhliches Herz. Hei, wie sie erzählen konnten aus der Schlacht! Alle hatten sie mitgefochten, mitgesiegt! — Nein, mit- tzesiegt nickt alle, etliche waren darunter, die hatten müssen mit zurückweichen, die am 2. Mai bei Großgörschen und am 20. Mai bei Bautzen mitgekämpft hatten. Aber die andern ließen sie das nicht entgelten, sie waren ihnen gleichwertige Kriegskameraden. Und fast alle schmückte das schlichte Kreuz von Eisen die Brust. Und wi,e trugen sie diese eherne Aus-« zeichnung! Kein andrer Schmuck wäre ihnen gleichwertig gewesen. Woche um Woche tvaren aus den verschiedensten Teilen deutscher Lande Halbgeheilte, Verwundete, die aus den überfüllten Lazaretten entlassen worden waren, in Heidehorst eingetroffen, von den Ihren jubelnd empfangen, heil- gepflegt, um dann stolpernd und hinkend morgens mit hinauszukraxeln nach dem Bruch, wo die Jnvaliden-i zusammenkunft stattsand. Sonst Stille int Dorfe. Am stillsten war es im Schulhause. Noch lebte der alte Freiherr, aber seit dem Tage, wo er zwei Söhne auf ein-, mal verlor — der eine vom Tode geraubt, der andre von der Schande ihm gestohlen — seit jenem Tage sprach er fast kein Wort mehr. Er zürnte Gisela und dem Pfarrep und all den andern, die um das schändliche Tun.Linthardts gewußt hatten, nicht. Er tvar zu lauge unter den Menschen gewesen, um verstehen zu können, daß die Lieben ihn schotten wollten, als sie ihm seines Sohnes Verrat verheimlichten, aber eilt leises Mißtrauen gegen alles, was um ihn vor-, ging, hatte sich doch in sein Herz geschlichen. Ein Verzagtsein am Guten und Edeln der Welt und ein grenzenloses Er-i staunen saß in seiner Seele, die sich bis in dies hohe Alter kindliche Reinheit bewahrt hatte, ein Erstaunen, ein Nicht- begreifen, daß ein Sproß von seinem Fleische solches tun konnte, wie Linthardt tat. Schreiner Etzinger hatte dem alten Herrn einen Rollstuhl gezimmert, und nun ließ sich der Freiherr täglich um die Mittagsstunde in das Schulgärtchen rollen. Unter einem Birnbaum, der ihm Schatten spendete, saß er und blickte in die blaue Ferne. Aber kein Blick galt dem alten Schloß, keine Frage nach Linthardt kam über seine Lippen. Jeden Somitagmorgen brachte ihn sein alter Diener nach dem Friedhof, und Gisela schritt an seiner Seite. Dann saßen sie schweigend wohl eine Stunde lang vor der Erbgrust, jn der Werner den letzten Schlaf schlief. Noch eine stille, schweigende Person ivär int Schulhause: Mutter Wintzer. Sie kannte nur einen Gang des Tages: nach dem Schultheißenamt. Wenn sie zurückkehrte, stand ein blasses Menschenkind mit großen, traurigen Augen am Zaune, und sie fragte nicht Mutter Wintzer, und diese sagte nichts. Zwei Frauen, die ihre große, heilige Liebe fest int Schrein des Herzens verschlossen hielten, die Liebe zu einem Menschen, der mit draußen im Felde stand oder int Kampfe für das Vaterland gefallen oder gefangen fortgeführt ivor- den war in welsches Land. Seit Wochen warteten sie auf Nachricht von Paul Wintzer. Es kam keine. Wenn die alte Mutter in den Garten trat, umschlang das junge Mädchen mit den großen traurigen Augen mit beiden Armen das Mütterlein und meinte leise. Die Alt« 402 wußte um die Liebe des Mädchens. Die Tränen Giselas sagten es ihr, und das' eine, das letzte Wort ihres Jungen, als er an jenem Morgen in bent Flur des Hauses von ihr Abschied nahm, sagte es ihr, das Wort: Betreu nur Baroneß Gisela, Mutter, bewahre sie vor allem Schaden! Diese stille, unausgesprochene Liebe, die Gisela zu Paul Wintzer hatte, setzte das Mädchen bei der Mutter in Tochterrechte. Und Gisela, die seit langen, langen Jahren der Mutterliebe entbehrte, griff mit vollen Händen nach dieser zweiten Mutter und öffnete ihr das Herz. Gisela wanderte noch immer allabendlich nach dem Schloßpark, vom alten Etzinger begleitet. Sie wußte, daß sowohl Frau von Bourgee mit Toinette, als auch ihr Bruder Linthardt noch im Schlosse weilten. Gar zu gern hätte sie Linthardt noch einmal gesprochen, aber sie fürcht tetc, Toinette zu treffen. Sie gedachte des Versprechens, das she Werner auf dem Sterbelager gegeben hatte: Toinette eine, Schwester zu sein, und sie wußte nun nicht, wie sie sich zu Toinette stellen sollte, falls sie sic im Schlosse treffen würde. Seit einigen Tagen waren die letzten Verwundeten aus dem Schloß fortgeschafft worden, und der alte, prächtige Ban ließ kaum noch etwas von dem ahnen, was sich vor wenigen Wochen dort zugetragen hatte. Nur sechs große Hügel im Parke, spärlich mit Gras überzogen, bezeugten, daß der Tod hier zu Gaste gewesen und mit reicher Beute abgezogen war. Linthardt führte das Leben eines Gefangenen. Seit er seinen Diener Anatot fortgeschickt hatte, waren zu seinem Unfrieden und bent Zwiespalt feiner Seele noch körperliche Qualen gekommen: ber Hunger. Sein Bargeld war ausgegeben, bie wenigen Vorräte, die Anatol noch für ihn besorgt hatte, waren in kurzer Zeit zur Neige gegangen, und so hatte er in den Tagen, als das Schloß noch Lazarett war, sich von Brot und Krankensuppe genährt, die er den Krankenpflegern und Gehilfen gegen Geschenke: Waffen, Schmncksachen, Silberzeug oder Wein, von dem in Massen im Keller lag, abgekauft oder mehr abgebettelt hätte. Das war nun auch vorbei. Das letzte Mehl, das er gegen einen goldven Ring einem Kranken koch abgetauscht, und das er, mit Wasser verrührt, täglich gegessen, war nun auch zu Ende. Was sollte er nun tun? Sich! selbst ausmachen, uM des Nachts in das übernächste Dorf zu schleichen, wo ihn niemand kannte, und dort Speise kaufen?! Hä, kaufen! Zum Kaufeit gehört Geld, und davon besaß er nicht einen Heller mehr, tirtb den Rest seines Schmuckes wollte er nicht veräußern, um ein elendes Leben zu fristen. Er verließ fein Zimmer, schlich die Dicnertreppe hinab und trat in den Park. Toinette von Bourgee oder deren Mutter hatte er seit jenent 'Abend, da matt ihm seinen toten Bruder brachte, nicht wiedergesehen, lind darum trug er Leid. In Toinette hatte er etwas gefunden, etwas Starkes, Zwingendes, das seiner Seele fehlte, seiner wankenden, kranken Seele. Ja, totenn er so wäre wie Toinette, da fiele ihm wähl sein Werk, Schloß und Besitz für sich und seinen Stamm zu retten und zu halten, leicht. Er prüfte sich ttnd fand, daß er sich freuen würde, wenn er Toinette öfter um sich hätte; er fand, daß sie ihm eine Freundin und Ratgeberin sein könne, wenn sie nicht zur Sippe seiner Widersacher gehörte. Er fand, daß er in all den vergangenen Wochen viel, viel öfter an Toinette gedacht hatte, als ihm bewußt geworden war. Er stand jetzt am Weiher und lehnte sich an eine Birke und schaute in das Wasser. Da sah er, wie gebückt seine Gestalt war, wie sein Gesicht alt und verfallen ihm entgegenschaute. Er blickte an sich hinunter und sah seine verschmutzte, vernachlässigte Kleidnng, und er schämte sich vor sich selbst und kniete ain Stamme nieder und schlug die Hände vor sein Antlitz und weinte. — Er, der Welt- weise und Weltbürger, der einem machtvollen nationalen Gedanken: Befreiung von dem Tyrannen, trotzen wollte, er weinte jetzt über sich selbst und über das Herbe seines selbsterwählten Schicksals. Und über das weiche Moos eines Buschsaums schritt nachdenklich Toinette. Sie sah den weinenden Mann und verstand seinen Schmerz. Und als er sich erhobt und schlaff nach bent Schlosse zuschritt, ohne sie zu bemerken, sah! sie seine verlotterte Gestalt unb sein hageres, hungriges Antlitz. Sie gebuchte ber Tage, ba er, ein seiner Weltmann voll blendenden Geistes, voll Vornehmheit, in ihrem Hause weilte in der französischen Heimat, und sie gedachte der Stunde, ha sie sich selbst in ihrer einsamen Mäbchenkammer im Lanöhause zü Mälmaison ihre Liebe zü bent deutschen Erb- sunker gestanden hatte. Diese Liebe war nicht erloschen, sie lebte noch, zwar ein verbotenes, armseliges Leben, jetzt gepaart mit Mitleid. Toinette schritt nun ebenfalls in das Schloß und sprach mit der Mutter. Frau von Bourgee lebte wie eine Einsiedlerin. Seit bent Tage, wo wildes Kriegsgetümmel ums Schloß getobt hatte und die eisernen Stücke in Park und Hof und Dach des Schlosses krachend barsten, da man Sterbende in das Haus und Tote hinaustrug, war sie von einer krankhaften Erregtheit, von einer Furcht befallen worden, die sie zittern machte, sobald sie ihr Zimmer verließ. Dazu kam nun noch die Sorge um ihren Sohn, von dem sie auch seit Monatsfrist keine Nachricht erhalten hatte. Ihr Rechtsbeistand, der Notar, war seit Besitzergreifung der Kreisstadt durch die Deutschen und Verjagung der französischen Beamten ein ungetreuer Helfer geworden. Die nicht zu sanfte Faust preußischer Gernadiere schien ihm doch bei weitem mehr zu bewirken, als das Gold der französischen Herrschaft draußen auf Heidehorst. Wiederholt, zuletzt fast täglich, schickte Frau von,Bourgee ihren Diener nach ber Stadt zum Notar, ihn aufzufor- dern, Erkundigungen über ihren Sohn, den Leutnant Emile von Bourgee, einzuziehen. Aber der Notar Winter vermochte beiden jetzigen, gänzlich daniederliegenden Postverhältnissen und der verwickelten Lage nichts weiter festzustellen, als daß die Leibhartschiere einen äußerst blntigen Kampf gegen eine fast uneinnehmbare preußische Artilleriestellung gehabt hatten. Eine Verlnstliste sei nicht zu bekommen, auch wisse man nicht, wo die Verwundeten alle untergebracht worden wären. Nach seiner Ansicht könne Leutnant von Bourgee entweder nur tot ober gefangen sein, sonst hätte er doch sicher bei den ihm zustehenden Geldmitteln unb ber Ver- binbung mit den höchsten Offizieren und Hofämtern einen Weg gefunden, Nachricht an die Mutter gelangen zu lassen. Tot ober gefangen! Ihr Emile tot — er, für beit sie bte ganze Mühe ber Reise aus ber schönen, sichern Heimat, aus bent Glanze des napoleonischen Hofes unternommen hatte, nach dem öden Heidehorst, nach jener barbarischen Gegend, unter Menschen, die sie wie den Tod haßten. Nein, sagte sie sich, er ist nicht tot, er kann nicht tot sein! Die Willensstärke Frau zwang beit Gedanken nieder und ließ durch ihren eisernen Willen nur einen Gedanken entstehen; er lebt, er wird eines Tages kommen, mit Ruhm bedeckt, und aus ihrer Hand den königlichen Besitz entgegennehmen. So verzichtete sie ferner auf weitere Erkundigungen Doktor Winters, weil sie, wie sie ihrer Seele. vortäuschte, vom Leben Emiles überzeugt war, in Wirklichkeit aber, weil sie sich den süßen Gedanken: Emile kommt wieder! nicht rauben lassen wollte durch eine sichere, aber schreckliche Nachricht, weil sie die Wahrheit fürchtete. Täglich saß sie stundenlang vor ihrem kleinen Schreibtisch, hatte Gutspläne unb Feld- und Flurkarten vor sich liegen, ordnete hier durch Randbemerkungen an und bestimmte dort etwas, nahm Einsicht von den Geldern, die der frühere Besitzer aus dem Gute herausgewirtschaftet und auf sichern, meist ausländischen Banken angelegt hatte, verteilte auf. bent Papier die großen Geldsummen für den Verkauf von Vieh, Geräten, Samen, las landwirtschaftliche Bücher; kürz, sie fühlte sich als ihres Sohnes Vermögensverwalter unb als seinen Beistand, und sie wußte, baß er bei seiner Rückkehr alles in'tadellosem Zustande vorfinden würde. Heute schrieb sie an ein Pariser Bankhaus, nm ihm die Summe von etlichen Hundert Dukaten, die sie von der französischen Heeresverwaltung für bas kurz nach ihrer Ankunft im Schloß verkaufte Vieh erhalten hatte, gleich überweisen zu lassen. Toinette trat zur Mütter. „Wo wärst dü, mein Kind? Ich sah dich vorhin durch den Park gehen und muß gestehen, daß ich diese Unvorsichtigkeit nicht begreife. Du bist nicht in dem Parke von Mälmaison. Du bist in einem Barbarenlande, wo allerhand Volk herumlungert, das seine ohnehin nicht zarten Sitten im Kriege nicht gerade verfeinert hat. Du scheinst dir der Gefahr, wenn du allein in den Park gehst, gar nicht bewußt zu sein. Außerdem könntest du dem Menschen von drüben begegnen!" Toinette zuckte zusammen. Unter dem „Menschen von drüben" meinte die Mutter stets den Erbjunker Linthardt. Die alte Dame verabscheute den Neffen jetzt. Wäre er in ihre Macht gegeben, sie hätte ihn kaltblütig! umbringeü können. (Fortsetzung folst.1 ! 403 Sie Mche im Juli. Von A. B u r g. , Wie alle, Einzelheiten, die von der Hochzeit der deutschen Kaisertochter in die O Öffentlichkeit drangen, allgemeines Interesse erregten, so auch die Speffenfolg« für die Zeremonientafek. Was, gewiß zahlreichen Lesern, besonders Hausfrauen, in dieser Speisenfolge vom kaiserlichen Hvchzcitsfest ausgefallen sein dürste, ist die Tatsache, daß „kalter Rehrücken" als Bratengang erschien. .Der Kaiser, soll eine Vorliebe für kalten Maten haben, und es soll solcher vielfach jetzt gereicht werden. Jedenfalls eine Anordnung, die nunmehr auch überall nachgeahmt werden dürfte. — Es hat übrigens immer Hausfrauen gegeben, die z. B. die Reste eines Bratens, besonders auch eines Wildbratens, dessen feiner Geschmack beim „Aufwärmen" leidet, nicht in der Sauce warm werden ließen, sondern den Braten kalt zu der gewärmten Sauce reichten. Kartoffelmus oder Kartoffelsalat, der aber auch leicht warm (sein müßte, werden dazu am passendsten sein. Für bürgerliche Haushaltungen hätte die „Mode" des kalten Bratengangs noch den großen Vorteil, daß die Arbeit des Bratens am festlichen Tage oder am Sonntage fortfällt, indem man (was allerdings an heißen Tagen weniger empfehlenswert ist, als in den kühleren Jahreszeiten) den Braten abends vorher zubereiten kann. Tie Sauce kann dann ja zur Zeit fertig gemacht werden. Kalte Suppen, sog. Kaltschalen, sind ja schon längst ein hochbeliebtes Sommeressen im mittleren und nördlichen 'Deutschland; im Süden stehen Halbgefrorenes, Gefrorenes und die Gramolata in verschiedenen Zusammensetzungen an deren Stelle, und ganz im Norden und de,nr nördlichqn Guropa herrschen die kalte Fruchtgrützc in Milch oder die in kalte Milch geschütteten gesüßten Beeren vor. Es scheint manchen Leuten seltsam, daß derartige Gerichte die Stelle der Suppe einnehnten und zu Beginn der Mahlzeit gegessen werden; demgegenüber ist zu bemerken, daß im Norden, auch an der Wasserkante in Mecklenburg pnjd Pommern, wie in ihren Stammlandern, Tänemark und Schweden, süße kalte Suppen , oder rote Grütze oder auch kalte Buchweizengrütze in Milch, niemals den Beginn, sondern stets bas Ende der Mahlzeit bilden. In Berlin und in der Mark Brandenburg, auch noch in einigen anderen Provinzen liebt Man die sommerliche Bierkaltschale sehr. Vorbedingung zu dieser Bierkaltschale ist die Verwendung eines leichten, Hellen, wohlschmeckenden Bieres; das idealste soll das Berliner Weißbier dazu sein. Wo man Berliner Weißbier nicht haben kann und von Brauubicr eine Kaltschale nicht mischen möchte, kann man vorteilhaft eine von Apfel- !vein bereiten. Auf eine Flasche Apfelwein rechnet Man zwei knappe Liter Wasser, 125—130 Gramm unechten Sago, Zucker nach Belieben. Das Wasser bringt man zum Kochen, gibt die feinabgeschälte Schale einer kleinen oder halben Zitrone dazu, rührt den Sago hinein und läßt unter öfterem Rühren alles langsam recht klarkochen. Daun gibt man den Wein und den Zucker dazu. Mit dein Wein darf die Flüssigkeit nur ein Weilchen ziehen, nicht kochen, weil sich dadurch das feine Aroma des Weins, verflüchtigt. Dann stellt man die Suppe kalt, möglichst auf Eis. Soll sie noch , eine besondere Würze haben, so kann man etwas Vanille, _ einige Stückchen Ananas, ein Sträußchen Waldmeister, 1—2 geschälte Pfirsiche hineingeben. Uebrigens sind solche Kaltschalen und steife Grützen, die aus Fruchtsaft oder aus Milch mit irgendwelchem dickenden Bestandteil gekocht wurden, nicht nur als Nachspeise zum Mittag, sondern auch besonders »uni Abendessen sehr beliebt. Aus dieser Beliebtheit hat sich die einfachste kalte Sommerspeise, die es gibt, und die auch im mittleren und nördlichen Deutschland ihre Heimat hat, niemals verdrängen lassen: die saure Milch oder dicke Milch, die mit Zucker und geriebenem Brot, manchmal auch noch! mit einer Zugabe von süßer Milch gegessen wird. Wenn man frische, gut gekühlte Buttermilch haben kann, so ist auch die Bereitung einer aus der niederdeutschen Küche stammenden Buttermilchkaltschale sehr empfehlenswert. Man reibt ober stößt sehr dunkles, altbackenes Schwarzbrot, mischt es mit Zucker und etwas gestoßenem Zimmt, gibt davon erst 1—2 Löffel in jeden Suppenteller und füllt dann gute, mit etwas frischer Sahne verquirlte Buttermilch dazu. Schließlich sei noch an eine vorzüglich erfrischende, dabei nahrhafte Speise erinnert, die, nach einer vegetarischen Vorschrift, aus weißem Käse (Quark oder Töpfer), geriebenem Schwarzbrot oder Schrotbrot und geschmorten oder eingemachten Johannis-, Preißel-, Brom- oder Heidelbeeren zusammengestellt wird. Das Brot wird fein gestoßen und, damit es recht gleichmäßig ist, durch ein Sieb gerührt, bann mit gehackten süßen Mandeln und Zucker vermischt. Von dem Brot gibt man einige Löffel auf den Boden einer Glasschale, darauf eine Schicht eingekochte Beeren (ohne Saft), darüber eine Schicht frischen, durch ein Sieb gestrichenen, Nut etwas süßer Sahne und Zucker vermischten Quark, laßt nochmals Brot, Beeren und Quark folgen und gibt, wenn man lmll, etwas Schlagsahne. obenauf. Man sieht, daß man mit den einfachsten Zutaten int Sommer, bei einigem Nachdenken, die verschiedensten erfrischenden und nahrhaften Gerichte Herstellen kann. Man verlangt ja von der Sommerküche gern „leichte" Speisen und verschmäht die schweren und fettreichen, die in der kalten Jahreszeit an der Tagesordnung sind. Teile eines Schinkens oder eines' Schinkenknochens Helfen zur Bereitung verschiedener tritt er Gerichte. Ta sind z. B. die Schinkenklöße, die vorzüglich ^u grünem Kopfsalat passen. Man reibt von 8—10 altbackenen; A ..Hbrotm die Rinde ah, weicht sie in Wasser oder etwas heller Brühe und drückt sie im gutgespülten Seichtuch aus, um sie onn orn teinem Brei zu rühren. Inzwischen hat man M—350 Gramm gekochten Schinken (Reste) ohne Fett in kleine ^"urfet ileschnttten, etwa 125 Gramm fetten Speck in etwas grofeere. Die Speckwürfel werden auf der Pfanne goldgelb ge- braten und nebst deut geschnittenen Schinken zu dem Semmelbrei gemischt. Dazu fügt man 1—2 Eier, Salz, weißen Pfeffer, feingehackte Petersilie, 4—5 Löffel Mehl und ebensoviel geriebene gesiebte semmel, so daß ein guter, haltbarer Kloßteig entsteht, der für 2—3 Stunden recht kühl gestellt wird. Dann formt mau ruiwe Kloße. da raus, wendet sie in Mehl und kocht sie in fierendem Salzwasser^gar. Um die Kochdauer festzustellen, muß nuA £tnm Probefloß kochen. Sie werden mit dem Schaum- lofsel^ herausgenommen, auf eine leicht erwärmte Schüssel gelegt, S ,~utter gerösteter Semmel bestreut und mit zerlassener Butter überfüllt. , W erfrischende Beigabe zu Fleischspeisen ist neben Kopf- uud Gurkensalat auch die neue Sauergurke beliebt, die im Juli Erstlingsdelikatesse ist und ihre „Reise" einer besonderen Art des Einlegens verdankt. In der berühmten märkischen Gurken- gegend des Spreewaldes kann mau jetzt bald auf dem Bahnhof Lubbenan rm Genuß von am EiseubahnzUge angebotenen frischen fauren Gurken schwelgen. Tic alten Kartoffeln werden nach und nach weniger beachtest und die mepten Hausfrauen machen, wenn auch nicht täglich, so doch hin und wieder einen Versuch mit „neuen Kartoffeln". Wir haben nicht mehr nur, wie vor dreißig und vierzig Jahren, als neue Kartoffeln die länglichen, weißen, fogenanittcn Nierenkar-, tofieln, sondern alle möglichen guten runden Md länglichen Sorten. Von den runden erfreut sich vielfach die „blaue" einiger Vorliebe. Aber auch die Weißen sind vortrefflich. Blumenkohl ist noch teuer, erst gegen Ende des Monats pflegt er billiger zu werden; sehr begehrt, als „neu vom Jahr", ist der erste krause, grüne, deutsche Wirsingkohl, der von sehr .vielen Menschen dem glatten, Hellen, holländischen bei weitem vorgezogen wird. Namentlich mit einer leichten, gut abgeschmeckteii Fleischfarce gefüllt/ oder so als Kohlrolle zubereitet, dann in etwas Brühe oder Butter geschmort, ist er vorzüglich. Für Salatzwecke sind Wachsbohnen zu haben, die man auefy oft in einer gut seimigen Eier-, sauce reicht, und wenn die Witterungsverhältnisse entsprechend günstig sind, pflegen die beliebtesten SomMergemüse: Schoten und Mohrrüben wohlfeiler zu werden. Mohrrüben erhalten dann auch^,,volkstümliche" Preise, ein Umstand, der feit Jahren schon für Schoten ausgeschlossen ist. Von Haarwild gibt es Reh, und von Wildgeflügel ist die Wildente neu, und da, wo sie nicht vollständig nur von Fischen sich ernährt, auch sehr schmackhaft. Gegen den ihr ost anhaftenden etwas fischigen Geschmack wird empfohlen, sie nach dem Zurechtmachen, Ausnehmen, Waschen und Abtrocknen innen und außen mit Salz abzureiben und sie mit reichlicher, güt gewaschener imd wieder trocken gewordener Petersilie zu füllen, oder mit geschälten, gebrühten, mit gehackter Petersilie gemischten Kartoffeln. Auf dem Schlachtgeflügelmarkt gibt es neben Suppenhühnern gute; aber nicht billige Brat- und Backhuhucheu. Ersteres ist mehr nord-, letzteres mehr süddeutsch. Durch die Umhüllung in Mehl, Ei und geriebene Semmel, und das schnelle Ausbacken in siedendem Fett, wird dem zarten Fleisch der Saft vollständig erhalten. Die norddeutfche Küche erreicht dies für die Brathühnchen durch das Umlegen von dünnen Speckplatten, die das HeransfließeU des Fleischsaftes verhinderir uub andererseits dem! Fleisch eilten) seinen Geschmack geben. Krebse sind eine sehr beliebte Juli-Delikatesse, ferner für die seine Küche Forellen. Auch Aale und Bratschollen, sowie geräucherte Flundern wsirden sehr geschätzt, Schollen und Flundern namentlich an der Wasserkante, in den Ostfeebädern, wo der Binnenländer sie so frisch haben kann, wie sonst niemals, Daß städtische und großstädtische Hausfrauen beim Erwerb von Räucherfischen vorsichtig fein müssen, um nicht unfrische Waren Kalte Suppen, sogenannte Kaltschalen, sind ja schon längst ein Fische, gilt für jede Jahreszeit, für den Sommer aber besonders! DK verschwenderUM Ameisen. Ter gute Ruf des betriebsamen Ameisenvölkchens ist in Gefahr ! Galt die kluge und fleißige Waldbewohneiiu schon in der klassischen Fabel als Musterbild der Sparsamkeit, so Hot die moderne Forschung noch manchen, liebevoll studierten Eiuzelzug zu dieser „Haupt- und Kardinaltugend" hinzuentdeckt. Das wollte indes einen besonders kritisch veranlagten Gelehrten nicht schlafen lassen, und so kommt cs, daß der französische Naturforscher Cornel; uns soeben mit einer Publikation auswartet, die nichts mehr und nichts weniger bezweckt, als einem „törichten Ameisen- Aberglauben" gründlich den Garaus zu machen. Tie Dichter und empfindsamen Seelen haben gut protestieren — sie werden trotz alledem die neue, recht unpoetische Wahrheit anhören müssen. Monsieur Cornetz hatte bereits durch frühere Arbeiten gezeigt, daß die im Reiche der Ameisen beobachteten viel bewunderten „sozialen Tatsachen" nicht entfernt so zahlreich seien, als man 404 gemeinhin annimmt und daß gewisse, aus den ersten Blick recht „vernünftig" erscheinende Aeußernngen des Instinktes einer genaueren Prüfung keineswegs standhalten. Auf Grund langjähriger Beobachtungen, die der Gelehrte in Algier (wo die Ameisen sehr zahlreich und in verschiedenen Arten Vorkommen) angestellt hat, gelangte er zu der Ueberzeugung, das; es auch mit der gerühmten Sparsamkeit der fingen kleinen Tiere bedenklich hapert. Ter Forscher stellte zunächst genau fest, unter welchen Bedingungen diese Insekten während der guten Jahreszeit in ihren Magazinen die Vorräte für den Winter anhänfen. Von zehn Ameisen, die sich mit der Verproviantierung befaßten, brachten durchschnittlich nur drei zweckentsprechende Gegenstände herbei; zwei leisteten überhaupt nichts, und die übrigen fünf schadeten mehr, als sie nutzten, indem sie allerhand Sacheir heran- schleppten, die unverwendbar waren und von den besser instrn- ierten „Arbeiterinnen" wieder aus dem Nest hinausbefördert werden mußten. Die „Erziehung" der letztgenannten sieben Hilfskräfte war deinuach noch recht mangelhaft. Was sodann die „Sparsamkeit" unter dem kleinen Völkchen angeht, so teilt der Gelehrte das Ergebnis eines bei den verschiedensten Arten von Ameisen angestellten Experimentes mit, beut man eine gewisse Beweiskraft nicht abfprechen kann. Nachdem die Tiere acht Tage lang eine Menge Getreidekörner, die man in die Nähe ihres Banes geschüttet, in die Borratskamntern geschleppt hatten, beobachtete man am nennten Tage, daß sich um das Nest herum viele kleine Häuschen von Körnern befanden, welche die Tiere, aus dem Bau tvieber hinausgeworfen haben mußten; die Körner waren zerbissen und bis zu einem guten Drittel ihres Umfanges ab- geknappert. Dabei handelte es sich um durchaus gute Vorräte, was sich sofort ergab, wenn man sie in die Nähe eines anderen Nestes legte, dessen Bewohner noch iticht genügend verproviantiert waren; diese stürzten sich alsbald über die willkommene Atzung her und behielten sie auch später in ihren Vorratsräuinen. Ter Forscher gelangt ztt dein Schlüsse, daß die Bewohner des ersten Baues, so bald sie in den ungewohnt schitelleit Besitz eines beftinmüen Vorrates gekommen waren, mit diesem „Vermögen" nicht hcrnszichaUen vermochten, sondern ein „Gelage" veranstalteten und es sorglos verschivendeten. VsL'MZschtes. ff. Haben di e Römer geraucht? Jüngst sind in der Nähe von Sevilla, in einer altrömischen Niederlassung, die bis ins Jahr 205 v. Chr. zurückreicht, durch den Archäologen der Universität in Madrid, Professor de Los Rios, pseiseimrtige Gebilde gefunden worden, die ganz den Heute gebräuchlichen kleinen Tabakspfeifen gleichen. Damit ist die Frage, ob die alten Römer bereits geraucht haben, neuerdings lvieder lebendig geworden. ,Es handelt sich dabei nicht etwa nm einen Scherz, sondern um! eine ,ernste wissenschaftliche Frage. Es sind bereits vor Jahren in römischen Gräbern und Ruinen typische Raucherpfeifen gesunden Morden, z. B. in Neufville-le-Pollet, in Seincinfsrieur in Frankreich, am Hadrianswall, im Berner Jura, in Northumberland, in Schottland, Irland, der Schweiz, Holland und in Rom selbst. Gs unterliegt keinem Zweifel, daß. man es wirklich mit einem Gerät, das seinerzeit zum Rauchen gebraucht worden war, zu tun hat. Es braucht nicht gerade der Tabak — eines der Pier Beschenke der neuen Welt — gewesen zu sein; es werden ja auch Heutzutage noch, wie jeder Rauchkundige von seinen ersten Ber- fuchen berichten kann, gelegentlich noch Rauch- und Brandopfer aus anderen Kräutern dargebracht. Die alten Skythen z. B. haben Hanf geraucht. IM frühen Mittelalter war Lavendel als Rauchstoff verbreitet. Der Dichter Jaime Febrer schrieb im Jahre 1276 in seinem epischen Gesang über die Eroberung von Valencia ziemlich eingehend über das Lavendelrauchen. Es verscheuche den Schlaf und gäbe Ausdauer und Kraft, weil es die Feuchtigkeit des Gehirns austrockne. Professor de Los Rios Und mit ihm ein anderer Archäologe, Mr. Camille Pitollet, Neigen zu der Ansicht, daß das Lavendelrauchen bereits den Römern bekannt war. Es ist nämlich auf einer der soeben bei Walencia gefundenen Pfeifen, die übrigens aus einem meer- schaumähnlichen Stoff besteht, eine kleine Pflanze eingraviert, die die genannten Professoren als Lavendelkraut gedeutet haben. Natürlich könnte es sich' auch Um Opium gehandelt haben, das römische Legionäre auf ihren Streifzügcn im Orient kennen gelernt und nach Westen gebracht haben könnten. Dem widerspricht aber, daß sich in den aufgefundenen Rauchpfeifen kein Niederschlag, wie er beim Opiumrauchen aufzutreten pflegt, gefunden worden ist. Jener vlämische Maler, der seinerzeit den Odysseus mit einer großen Pfeife im Munde dargestellt hat, hat also vielleicht keinen allzugroßen Fehler begangen. * Erzwungene Heimkehr. „Jetzt um 3 Uhr kommst du nach Hause?" —- „Was soll ich machen? Es sind ja alle Gasthäuser jetzt geschlossen!" * Das Lied v o m braven Mann. Lehrer: „Wir wollen heute ein Gedicht kennen lernen, das voll einem braven Mann handelt." — Fritzchen: „Ach, Herr Lehrer, das kenne ich schon von meinem Vater." — „So? Na, das ist hübsch von deinem Vaker> daß er dir solche Gedichte vorliest. Weißt du auch noch, wie es anfängt?" — „Ja: Wer niemals einen Rausch gehabt/ der rst kein braver Mann!" Sprschicke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein;. * Born Trinken. In scherzhasten Ausdrücken nnb Neve» Wendungen, die sich auf das Trinken, besonders auf ein lieber« maß darin beziehen, ist unser von jeher allzu trinffröhliches Volk unerschöpflich. Man nennt diese Seite sprachlichen Hliulors nach dein Titel eines darauf bezüglichen Werkes von Joh. Fischart nud) bie Trünke n litanei. Zunächst gibt es für bas Trinken selbst allerlei volkstümliche Ausdrücke. Der eine hebt einen, ein zweiter g e n e h m i g t ihn, ein dritter gießt ihn hinter die Binde, ein vierter pfeift, tutet ober schmettert ihn gar, und ein fünfter ruft habet ans: „Nun bncke bich, liebe Seele, es kommt ein P l a tz r e g e n“, oder : „Setz dich auf eine Rippe, liebe Seele, es kommt ein Wolkenbr u ch." Auch bie Trinklust finbet mannigfache Bezeichnungen. Einer hat eine trockene Leder, ein anderer ein gutes (Befall c, und wieder ein anderer kann einen 9 e h ö eigen Hieb ober Stiefel vertragen; er trinkt wie ein B ü rste n b i u b e r, letzteres eine scherzhafte Anlehnung an mittellateinisches duroa, deutsch Bursch (mundartlich Burscht, so bei I- P- Hebelh was zunächst ein Haus bedeutete, in dem Studenten zusammen wohnten, dann diese selbst (ugl. Frauenzimmer). Wer einem guten Trunk etwas allzu reichlich zugesprochen hat, bekundet das auch in seinem Gange: er kann den Strich nicht halte n, er hat schief oder schwer geladen, er gleicht also einem überladenen Erntewagen u. dgl. m. llederhaupt beziehen sich auf die nicht immer angenehmen Folgen dcs Trinkens, abgesehen von den dafür üblichen Tierbezeichnungen, wie Spitz, Bock, 21 ffe, Kater eine Unmenge von Redewendungen, wie: Er hat s i ch die N a s e b e g o s s e n, z u st a r k e i n g e h e i z t, bat einen i e b weg, sieht den Fimmel für eine Baßgeige an, ist bla u, hat ein Oelköpschen oder Del am Hut, ist knüll, kanonenvoll ober gar sternhagelvoll. Von anderen 2lu§brücfen, die uns noch eine Stufe tiefer führen (gerbe n, Ulr i ch rufe n u. dgl.) reden wir hier lieber nicht. ------------ I m m e (Essen) Vücherttsch. „ — Deut f ch c M eiste r p rosa. Ein Lesebuch von Eduard Engel. Mit dem Bilde Lessings und 8 handschriftlichen Lesestücken. Verlag von George Westermann in Braunschweig und Berlin. In seinem Sammelwerke „Deutsche Meisterprosa" hat sich Eduard Engel von derselben Strenge leiten lassen, die er in der „Deutschen Stilkunst" verteidigt hat. Nicht ein beliebiges deutsches Lesebuch wird in der „Deutschen Meisterprosa" geboten, sondern hier haben wir ein deutsches Meister- und Musterlgse- buch mit der strengen Durchführung der zwei allen wahrhaft guten Stil beherrschenden Grundsätze: sehr wertvoller Inhalt und künstlerische Form. Eduard Engel hat mit Finderglück und Geschick das inhaltlich Wertvollste und künstlerisch Vollendetste aus allen Jahrhunderten deutscher Prosaliteratur ausgewählt, sich dabei aber keineswegs gehalten an die allbekannten, durch den Abdruck in unzähligen Lesebüchern einigermaßen abgedroschenen Prosastücke, sondern er hat eine Fülle herrlichen neuen Stoffes zusammengetragen, Woran der Leser, auch abgesehen von der Freude an der künstlerischen Form, reichen Jiihaltsgenuß gewinnen wird. Keinen äußeren Schmuck nur, sondern eine unmittelbare kostbare Bereicherung des Inhaltes selbst stellen die beigegebenen Handschriften unserer größten Prosameister bar. Ganze lange überaus wertvolle Meisterstücke von Goethe, Schiller. Kleist, Jakob Grimm, Ms- Marck, Moltke, Marie von Ebner-Eschenbach sind in schöner Faksimile-Wiedergabe in dem Bande enthalten, nicht ihres Wertes als Autographen wegen, sondern eben als Bestandteile des Inhaltes selbst. So ist u. a. der berühmte erste Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe aus dem Sommer 1794 in zwei langen Briefen von zusammen 11 Seiten nach der Handschrift abgedruckt; ferner ein Stück aus Heinrich von Kleist's nicht sehr bekanntem großartigem „Katechismus der Deutschen"; ein 4 Seiten langer geschichtlich wertvoller Brief Bismarcks, und die Krone dieser erlauchten Hand- schriftensammlnng: die letzten Aufzeichnungen Moltkes in feinem 91. Lebensjahre, die in der edelsten Sprache und künstlerischsten Form die Weltanschauung des großen Menschen und Feldherrn enthalten. Logogriph. Bald bin in Büchern ich, häng' an den Wanden bald; Mit einem andern Kopfe leb' ich in dem Wald. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummert Tilly (x a 1 i 1 e i Sulla Ger i Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen«