Mittwoch, den 2. April ri ll nWW e^is«irQs&j5iL«:M;r-iiM»rit¥r.n» Frauenliebe. Roman von Horst Bodemer« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 14. Kapitel. Der Graf kommt nicht mehr nach Mo reih und! die Nachrichten, die ihm zuteil werden, sind oft wenig befriedigend. i Das reibt seine Nerven auf. Hätte Frau von Moreth nur ein wenig Entgegeukom- Men gezeigt, ihn auch- 'nur mit kurzen Worten ausgefordert: „Sprechen Sie einmal selbst bei uns vor!" — er wäre sofort dazu bereit gewesen. Aber dieser kalte Ton, den sie Nnschlug, wo es sich um Löben und Sterben seines einzigen Kindes handelte, ließ es ihm nicht angeraten erscheinen, nach Moreth zu fahren. Gewiß, man würde ihn Nicht Hindern, Eva zu sehen, falls der Arzt keine Einwände Urachte, aber die Lust, die drüben wehte, Ivar ihm zrr eisig. Er war gewohnt, mit Respekt ausgenommen zu werden, die ihm das meiste! verdankten, in deren Händen sich seine Eva befand, blieben steif und kühl! Oft war er entschlossen, den Arzt zrr sich zu bitten ,aber inr letzten Augenblick ver- ivarf er den Gedanken doch immer wieder. Was er wissen wollte, wurde ihm gesagt, warum sollte er sich also eine Blöße vor dem fremden Manne geben? Ob er eine Autorität kommen lassen sollte? Das war ein Ausweg. Professor von Leyden aus Berlin vielleicht, den er persönlich kannte? Die Tür konnten dem Moreths nicht weisen und der berühmte Arzt wäre sicher gern bereit gewesen, dem besorgten Vater nach der Untersuchung Rede und Antwort zu stehen. Wer er, der sonst kühl überlegte, Vorteil und Nachteil kühl.äbwog und dann mit aller Entschlossenheit verfolgte, was er für richtig hielt, wurde schwankend. Da fühlte Graf Relendorff, daß er sich dem Greisen- alter näherte. Er verschob die Absendung des Telegramms von Tag zu Tag — und Gott fei Dank besserte sich Evas Anstand. ’. Eines Morgens wurde ihm die Nachricht huteil: „Lebensgefahr ist nicht mehr Vorhänden." Befreit atmete er auf. Auf dem Lande spricht sich alles schnell herum, oft Wird dabei aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Es kursierten die wahnsinnigsten Gerüchte über den Grafen und Hans-Wilhelm. Und um zu zeigen, wie man an dem geprüften Ehemann und seiner Frau hing, forderte inan von allen Seiten täglich Nachrichten ein. Moreths bekamen viele Briefe, die ihnen Wohl taten und als Eva das erste Mal wieder klar denken konnte, er- K"' [te man es ihr. Man wollte ihre ersten lichten Momente t mit schlimmer Kunde vom Vater trüben, womöglich trat sonst ein Rückfall ein. Aber dies Bemühen war vergeblich. l.Jst Papa nicht da?" unterbrach sie Hans-Wilhelm und bte Mutter. „Jetzt nicht. Aber du wirst ihn bald sehen." Prüfend ruhte ihr Gesicht auf ihrem Mann. „Du siehst elend aus." „Er ist die ganze Zeit nicht von deinem Bett gewichen," sagte Frau von Moreth. Da verklärte ein Lächeln ihr blasses Gesicht. „Küsse mich Häns-Wilhelm! Die Arme kann ich freilich nicht heben, so schwach bin ich." Und unter einem Kusse schlummerte sie wieder ein — weiterer Genesung entgegen. .„Jetzt müssen wir ihren Vater bitten, zu uns zu kommen," sagte er zu seiner Mutter. Die hagere Frau von Moreth ist in dieser Zeit noch schlanker geworden. „Mein lieber Junge — ich rate ab." Erstaunt sieht er die Mutter an. „Aber Mama, es könnte Evas Tod sein!" Ein versonnenes Lächeln liegt um ihren Mund. !„Niuim mir's nicht übel, ich versteh'dich nicht!" >„Eva hat bis heute treu an deiner Seite gestanden — auch als du dich wieder verleiten ließest zu spielen." Beschämt senkt er den Blick. „Ich sage das nicht, um dich an eine schwache Stunde zu erinnern, denn deine Verfehlungen hast du jetzt mit deinem Weibe, nicht mehr mit mir ins JRetrte zu bringen, sondern um dich folgerichtig zu überzeugen, was Frauenliebe vermag. — Denkst du wirklich, Eva würde die Wahrheit nicht vertragen können?" ^Wenigstens habe ich Angst, ein Rückfall könnte kommen." „Sei unbesorgt, sie hat schon Schwereres um Deinetwillen auf sich genommen mit ruhigem, festem Willen, sie trägt auch dieses noch." „Aber wozu die Aufregungen, Mama?" Du bist doch noch recht töricht, lieber Hans-Wilhelm! Entweder sie bringt jetzt eine Aussöhnung zwischen Euch zustande — und das glaube ich — oder sie steht doppelt stark an deiner Seite. — Das Leben bringt uns oft gar harte Kämpfe." Er ist nicht überzeugt; mit großen Schritten geht er schweigend inr Zimmer auf nnb ab. Ruhig blickt ihm die Mütter nach, sobald er ihr den Rücken zudreht. Endlich bleibt er vor ihr stehen. . „Das Experiment scheint mir zu gewagt." „Du Kleingläubiger!" „Du hast gut reden!" Da steht sie auf und ergreift seine Hände. i „Hans-Wilhelm, du wirst mir z rgeben müssen, ich bin eine schwer geprüfte Frau!" 202 von Mo- Asnutq schlinqt er die Arme nm seine Mutter und drückt sie liebevoll an seine breite Must!— so kindlich, so herzlich, wie er nicht getan seit mehr als zwanzig Jahren. _ Da legt sieh ein glückliches Lächeln aus Frau vo.. reths verhärmtes Gesicht. Glaubst du mtii an deine Mutter, Hanv-Wilhelrn? „Bei Gott, ich will es dir beweisen! Besprich nut Eva schonend, was geschehen soll, blind will ich Eurer Fuhh rmtq folgen!" v , ... tiefet gehst auch du dem neuen Leben zu, du lvirst genesen, fest weiß ich es jetzt. Durch Frauenliebe nurd's geschehen!" r , Andächtig küßt der Sohn der Mutter schmale Hande. * Eva wie ihr Vater hatten Konzessionen machen müssen. Eine Aussöhnung kam zwar zustande, aber innerlich blieb es beim alten. Der Graf und Haus-Wilhelm verkehrten rntt- einander so wenig wie möglich allerdings ; er nannte Relen- dorfs nun „Papa", nicht mehr „Onkel", das war aber auch alles. c ■ Sie trugen beide nicht allzu schwer daran. Eva wurde kräftiger, stundenweise durfte sie schon das Bett verlassen. Hans-Wilhelm aber rief die Arbeit, denn die Frühjahrsbestellung stand vor der Tür. Während der bösen Wochen hatte Drewel in altbewährter Pflichttreue das Gut verwaltet, die Geräte für die neue Kampagne instand bringen lassen und hie und da an Haus und Hof ausgebessert. Der Graf war viel zu den Sitzungen des Herrenhauses in Berlin, er hatte beim Etat des Ministerpräsidenten eine sstede gehalten, die gewaltiges Aufsehen erregte. Er forderte in scharfen Worten, die Behörden sollten strenger gegen Verletzung der Autorität vorgehen, denn auf ihr beruhe in allererster Linie die Macht des Staates. Das war ja vielen aus der Seele gesprochen, aber von dem kühlen Relendorfs hatte kaum einer einen so energischen Vorstoß erwartet; int Herrenhause pflegt, mit Ausnahme von ganz „großen Tagen" der Redestrom ruhig zu plätschern. Im Kreise aber, obgleich man auch hier, in dem konservativen Pommern, sich offen zu des Grafen Anschauungen bekannte, verzog sich mancher Mund zu einem spöttischen Lächeln. „Ob er wohl die Rede dem guten Hans-Wilh!elm im! Kon- zept vorgelesen hat?" meinte Jochen Düsedau. Und int reservierten Zimmer des Schwarzen Adlers antwortete man dem unverbesserlichen Junggesellen: „Er markiert jetzt den Partriarchen, er will uns allen einen moralischen Rippenstoß versetzen, vor allem seiner Tochter!" Die lächelte, als sie die Rede las. >,Hans-Wilhelm, schreiben wir es uns hinter die Ohren!" „Gewiß/' entgegnete er ruhig, wir wollen das gerne jun, wenn Vater einen dauernden Frieden mit uns macht. Vorläufig ist's doch weiter nichts wie ein Waffenstillstand." „Der läuft dem Frieden immer voraus," antwortete Eva mit zufriedenem Lächeln. Frau voit Moreth dachte im stillen: „Wenn sich beide Parteien nicht stark genug fühlen, um den Krieg fortzusetzen!" Sie wenigstens war fest entschlossen, auf ihrer Position auszuhalten und Evas glaubte sie sich sicher zu fein. Wenn nur Haus-Wilhelm nicht plötzlich einmal in einer leichtsinnigen Stunde den Pakt brach. * Graf Relendorfs kam sofort nach seiner Rückkehr aus Berlin auf Moreth. i„3d) habe mit Professor von Bergmann gesprochen, der ja auch im Herrenhause sitzt. Es wird gut sein, du begibst dich auf vier bis sechs Wochen in ein Bad." Eva lehnte es entschieden ab. „Du irrst, du kennst Frauenliebe nicht!" „Nirgends kann ich mich besser erholen, als hier bei Hans-Wilhelm und Mutter." Fratt von Moreth dankte ihr im stillen diese Antwort. Bevor man einer Kranken mit solchen Dingen kam, sprach Man doch mit den Angehörigen darüber. Sie fühlte sich tief verldtzi durch dieses Beiseiteschieben. Auch Hans-Wilhelm konnte sich einer unangeneynten Empfindung nicht erwehren, um des lieben Friedens willen schwieg er aber- t,Reden Sie ihr, bitte, gut zu, gnädige Frau," bat nun der Graf. Aber sie erwiderte frostig: „Dazu habe ich keine Veranlassung. Evas Gesundheit macht ja erfreuliche Fortschritte." Da trumpfte auch Hans-Wilhelm auf.' „Das meine ich auch!" Da empfahl sich der Graf viel schneller, als er ursprünglich gewollt. Kaum hatte sich hinter ihm die Tür geschlossen, so schlang Eva die Arme um ihren Mann. „Nicht wahr, Hans-Wilhelm, du behältst mich gern hier?'< „Aber mein Herzblatt, wie kannst du nur so fragen!" Frau von Moreth saß in ihrem bequemen Stuhl und nickte dazu. Sie war sehr befriedigt, weil sie ihre Schwiegertochter richtig eingeschätzt hatte. Und Eva blühte auf unter der Frühlingssonne. Die Nachbarn kamen und schüttelten die Köpfe. „Daß Sie sich aber so schnell erholt haben, gnädige Frau!" Da schwieg- sie und sah nur Hans-Wilhelm glücklich an. Der ging mit aller Pflichttreue seiner Arbeit nach. — — . (Fortsetzung folgt.) Alt-Laubach und seine Bewohner. Bon Pfarrer Nebel zu Laubach. (Fortsetzung.) Auch Zauberei und Hexenglaube spielte eine große Nolle. Es gab viele Leute, die ein „Gesan" machen tonnten, oder die „etwas wissen" oder „können". Zu einem schwächlichen Kind rief man eine solche Fran. Sie konstatierte, daß das Kind das „Abnehmen" habe, und dagegen half das Messen. An drei Abenden hintereinander kam die Fran, ohne ein Wort zu sprechen, nahm einen selbstgesponnenen Faden und maß damit das au die Tür gestellte oder auf die Erde gelegte Kind dreimal unter gwisperten Beschwörungsworten in die Länge und in die Breite. Nach dem drittenmal wurde am dritten Tag der Faden zusammcn- gewickelt, das Kind Mußte hindurchspucken, darauf wurde der Faden verbrannt. Derselbe Mann, an dem als schwächliches Kind diese Prozedur, wie er mir selbst beschrieb, vorgeuonrmeu wurde, erzählt mir auch, daß er sich als 17jähriger junger Mensch habe berede, lassen, gegen den Rotlauf am Fuß eine Frau,rufen zu lassen die etwas konnte. Sie strich über den Fuß und blies ihn an wobei sie etwas unverständliches murmelte. Tas tat sie nn drs Tagen, dann war der Fuß gut. Noch heute gibt es Leute, dii allerlei können. Sehr gewöhnlich waren auch „Gesnne"-Segen bei Blutungen. Wenn sich auf dem Feld beim Fruchtschneiden jemand mit der Sichel geschnitten hatte, nahm man einen Stein und sprach: „Fleisch und Bein, du sollst schwüren wie dieser Stein, im Namen des Vaters usw." Ties spr ch mau dreimal, beim drittenmal warf man den Stein weg, worauf das Blut stillstand, Ein anderes „Gesan" gegen das Blut lautete: „Heilsam sej diese Wunde, heilsam sei diese Stunde, heilsam sei der Tag, da Jesus Christus geboren war." Dabei wurden die WundrändeL zusammengedrückt, und dies mit jedesmal zugefügtem „im Namen des Vaters usw." dreimal gesprochen. Wenn etwa die Schweine nicht fraßen, wurde der blinde MerK aus dem Armenhaus geholt, der fein „Gefan" machte. Um: neugekaufte Hühner oder Tauben zu gewöhnen, sprach Man, ehe man sie das erstemal herausließ, dreimal zu ihnent „Hier schick ich euch auf Jesu Garten, nnf euch heute abend wieder zu erwarten. Im Namen usw." Oder das neue Huhn ward dreimal unter die Bettdecke gesteckt und dreimal in den Spiegel! gucken lassen und dabei gesagt: „Drück dich wider die Wand, so wirst du in Haus Und Hof bekannt. Im,Namen usw." Wenn dieses Gesan auch vou einer aus Gonterskirchen hierher verheirateten Frau stammt, so dürfen wir doch annehmen, daß es auch in £aug bach heimisch war. Oder das Tier ward dreimal von einer Hand zur anderen um ein Stuhlbein gedreht, und dabei gesagt: „Dreh dich um und kehr wieder um, flieg aus und kehr wieder nach Haus. (Lückenhaft.) Im Namen usw." Wenn eine .Kuh sich verfangen hatte (aufgebläht war), half folgendes „Gesan": „Rott Schwarze, weiße, je nachdem) Kuh hast dich verfangen, wie unser eiland am Kreuze gehangen; ihm schadete das Hangen nicht,- dir schade das Verfangen nicht. Im Namen usw." Auch drem mal gesagt. Wenn ein Kalb oder Ferkel zur Welt kamen, durfte man nichts davon sagen, sonst „könne fe Am was antun". Auch darf inan während der ersten drei Tage nichts aus dem Haus verleihen. Um1 ein Rind anzulernen, sagte man dreimal: „Du sollst gehen unter diesem Joch wie die heilige Frau noch. Im Namen usw. 203 Wenn ein Kind krank war, glaubte man, böse Geister saugten Mut Mark und Blut ouS und gebrauchte dagegen folgendes! i,Gesan": „Elme «an Melme, wo willde dann he? Ei, ich will zu bdmi und dem sein Kind. Elme ^ean Melme, woas' willde dort du? Ich will bem' seine Kind Mark ean Blut sauge aus. Mute «an Melme, des dersste net du. Olver »do ean dem Woald weit an die Stelle angeben) da stiht en Baam', deut sollste Mark «an Blut sauge aus." Tas dreimal gesprochen, dabei geblasen und Unzugefügt: „Im Namen des Vaters usm." Wenn auch das erste dieser zwei Gesane von einem Weickartshainer und das Zweite von einem Ruppertsburger, die in Laubach heimisch geworden sind, überliefert ist, so werden doch dieselben oder ähnliche Formeln auch von eingeborenen Laubacheru gebraucht worden sein. Auch über den Weizen machte man ein Oesim, daß die Spatzen nicht drangingen, auch daß, er nicht brandig wurde. Tabei ging man init drei selbstgesponnenen Fäden um! den ganzen Ucker und schlug sie uni die Frucht. Tort Mußten sie drei Tage Unberührt bleiben, dann konnte man sie wieder abnehmen. Ter Hexenglaube war stark verbreitet, und alte Frauen kamen leicht in den Geruch, Hexen zu sein. Noch heute werden ,die Namen von alten Frauen genannt, deren sich ältere Einwohner noch gut erinnern, unb die allgemein als Hexen galten. Im Grünen Meer lag ein Kind krank, des Abends' strich eine schwarze Katze um das Haus, das war die Hexe. Man warf nach der Katze und traf sie ans Bein, und am anderen Tag hinkte die betreffende Frau. Im Gespräch mit Hexen mußte man sehr vorsichtig fein, und namentlich vermeiden, in kürzerem Zwischenraum dreimal ja zu sagen, denn sonst konnte die Hexe einem etwas antun. Ein Mann erzählte, daß er als mutwilliger junger Bursche seiner Mutter großes Entsetzen einflößte, weil er int Gespräch mit einer Hexe absichtlich kurz hiittereinander dreimal ja sagte. Eine merkwürdige Sache war es auch mit dem „Erbschlüssel". Wenn ein Kind oder ein Stück Vieh verhext oder etwas gestohlen war, ging man zu der Frau, die „konnte". \ Diese nahm den Erbschlüssel, d. h. den Schlüssel von einem1 alten!vererbten Möbelstück, Hing ihn nu einen Faden, den sie 'in die Hand nahm, schlug die alte Bibel oder das Gebetbuch auf, machte!ihr Gesan, worauf der Betroffene die Namen der Verdächtigen nennen mußte. Beim richtigen Namen zuckte der Schlüssel und verriet den Schuldigen. Einen Erbschlüssel bei sich zu tragen, schasst Glück, nameittlich beim Würfeln. Wenn beim Bretzelwürfeln in der Neujahrsnacht einer ungewöhnliches Glück hatte, sagte man: „Der hot en Erb- schlissel bei sich". , Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts erzählte ein Schüler des Gymnasiums aus Laubach Herrn Professor Dr. Röschen, als er zu Neujahr zum' Bretzel-Würfeln üusgegangen fei, habe ihm fein Onkel einen alten Schlüssel in die Tasche gesteckt, damit er Glück habe. Dieselbe Eigenschaft wurde damals und wird vielleicht hier und da heute noch den Regensburger Groschen und Kreuzern, sogenannten Schlüssel- Broschen und -Kreuzern, zugeschrieben, die zwei gekreuzte Schlüssel als Prägung hätten. Diese Münzen galten und gelten vielleicht noch als sogenannte Heckmünzen, und manche hielten sich davon stets in ihrer Kasse, denn dann hat män immer Geld, und dieses Mehrt sich rasch. Als aber die Leute aufgeklärter wurden, verloren sie allmählich den Glauben an all diese Dinge, und die alten Gesane hälfen nicht mehr. So mußte ein Mann, dessen Kuh eine Warze am Hals hatte, und der eine Fran, die konnte, gerufen hätte, daß sie die Warze vertrieb, die Beobachtung Machen, daß die Warze nur immer 'größer wurde und er der Hexe den Laib Brot äls Lohn umsonst gegeben habe. Und ein Knabe, dem die Groß- Untier den Grindbart vertreiben wollte, und dem sie pisperudi Mit der Hand Aber den Bart hin- und herfuhr, mußte über dieses Tun laut lachen, worauf er . mit ein paar kräftigen Ohrfeigen! hon der entrüsteten alten Frau zur Türe hinanÄgeworfeu wurde. Nach dieser Abschweifung müfseu wir aber von den Alt- ^anbachern noch einmal zu Alt-Äaubach zurückkehren, um ein Weiteres wichtiges Gebäude kennen zu lernen, das Brauhaus'. Vs stand zuletzt außerhalb der Stadt, ungefähr da, wo jetzt das Daus des Herrn K. EmMelins steht. Es gab einen städtischen Braumeister, deut man Malz und Hopfen stellte, und der dem Bürger davon fein Bier braute. An das Brauhaus unb das Brauen erinnern sich Uoch alte Leute. Früher gab es ein Brau- Haus innerhalb der Stadt,, und zwar war es der Anbau am Rathaus, und es wird sich da wohl jeder Bürger selbst fein Bier gebraut haben, so gut oder schlecht er es vermochte. Den Hopfen 'zog man selbst; wir finden in alten Flurbüchern unb Gräflichen Rentereyrechmingm den Hopfengarten am. Rams'berg und die alten und die neuen Hoppenstücker, die scheints an der Wetter- gasse gelegen haben. Auch das Malz hat män sich wohl selbst bereitet, finden wir doch auf beut' alten Stadtplan des städtischen Archiv „die Malzdarr", die sich beim Bürgerturm befand. Das so gebraute Bier, das den Haustrunk bildete, scheint nicht berühmt gewesen zu sein, wurde aber nach den vor etwa 90, Jahren gemachten Auszeichnungen des Dr. Köhler, die im Besitz seiner Nachkommen sich befinden, in ziemlichen Mengen getrunken, zumal im' Sommer. „Leider," so sagt er, „wird das Bier zu früh verzapft, jo daß es noch nicht hinlänglich auSaegoPm hat. Zuweilen ist «s auch nicht gar gekocht und erregt so ost Koliken." Wein wird Wenig ober gar nicht getrunken, verrät uns ferner Dr. Köhler, da er zu teuer ist. Bloß die Begütertsten wagen zuweilen, sich durch dessen Genuß Kopfweh, Uebelkeiten, Säure im Magen zu holen, da der gewöhnliche Zapfwein äußerst selten rein gehalten ist. In früheren Jahrhunderten wurde übrigens auch in Laubach Weinbau getrieben, finden wir doch in Gräflichen Rentereyrech- nungen den „Weingarten am Ramsberg". „Apfelwein wird sehr wenig gemacht und scheint überhaupt kein Lieblingsgetränk dec Laubacher zu sein," fährt Dr. Köhler fort, klagt aber dann über die Zunahme des Branntweingenusfes: „schott früh werden kleine Kinder daran gewöhnt, indem' ihnen von den Eltern sogenanntes Brandeweinbrodchen (etwas Brandewein aufs Brod getröpfelt) gereicht wird. Es gibt hier unzählige Säufer: diese Brand«- Weinsucht herrscht nicht nur unter den Männern, sondekn auch unter den Weibern." Von anderen Gebäuden Alt-Lanbächs ist noch „die Färb" zu nennen, ich denke, baß es damit ähnlich wie mit dem Brauhaus war, wo die Bürger das' aus selbstgezogenem Flachs' oder Wolle selbstgesponnene, und vielfach auch selbstgewobene Tuch blau färben konnten. Zu diesem' ganzen Betrieb gehörte auch ein Brechhaus, ja es gab bereit zwei, das Ober- unb bas' Uitter-Brechhaus, ersteres vor dem Obertor gelegen, in dein jetzigen Heynemannschen Garten, bas andere vor dein Untertor, ungefähr da, wo jetzt bas StiÄjre» denkmäl steht. Aeltere Leute erinnern sich ihrer noch, es' waren lange, schmäle Schuppen. Sonntag nachmittags' ober sonst abenbs sammelten sich bort gern bie jungen Burschen, um heimlich ein Pfeifchen zu rauchen, denn sich öffentlich rauchend zu zeigen wie heute jeder kaum konfirmierte Junge, durfte man damals' nicht wagen. — Respekt vor Alt-Laubach aber müssen wir bekommen, wenn wir hören, daß es ein Schlachthaus gab, das uns' der erwäUtte Stadtplan „auf der Planke" zeigt. Wie die Häuser in Alt-Laub ach aussahen unb wie sie eingerichtet waren, bebarf nicht langer Beschreibung, haben wir hoch noch 'eine Menge alter Häuser, bie im! Innern alle bieselbe Einrichtung zeigen: int Erdgeschoß meist Ställe, einige Stufen hinaus links oder rechts eine Stube, oft mit Kammer, bann der Oberstock. Tiefe Stube in halber Höhe möchte ich gerabezu das den Lanbacher Hausbau auszeichnenbe Merkmal nennen. Tie Alt-Lanbacher Häuser zeichnen sich burch ihren tiefen, oft weit in bie Straße hi item ober bis unter bas Nachbarhaus sich erstreckenden Keller, der oft nicht ansgeMauert, sondern einfach in den festen Lehm eingebaiten ist, ans', sowie durch die riesigen eichenen Balken. Dr. Köhler klagt, daß. jetzt vielfach! statt Eichen- Tannenholz verwendet werde, lobend aber weih er zu berichten, daß die stroh- hedeckten und mit Schindeln beschlagenen Häuser von Tag zu 'Tag verschwinden. Es gibt sehr stattliche alte Käufer, aber auch diese haben nur wenig Platz iM Innern, da sie winkelig Unb verbaut sind. Auch kleinere Häuser gab' es unb gibt es noch, baneben aber auch armselige Hütten, bie, soweit sie noch stehen, jetzt als Ställe ober Werkstätten bienen. Laubach zählt nach der neuesten Volkszählung gegen 1900 Einwohner, Dr. Köhler gibt vor jetzt 90 Jahren ihre Zahl auf 2098 an. Wie eng zusammengepfercht müssen ba die Leute gewohnt haben, denn außer der sogenannten Vorstadt, die von etwa 170Ö an entstand, gab es damals noch keine 'Häuser außerhalb der Mauern. Dazu hingen die Häuser vielfach rtnentanber unb erstreckten sich Meist bis dicht an bie Stabtmäuer, so daß der Pfad, der innen um die Brauer lief; Meist so schmal war, daß nur gerade ein Mann hinbukchkonnte. (Schluß folgt.) Die Mche im April. Von A. B u r g. Ein launenhafter Herr, der April! Scheint die Sonne um die Mitte des Monats schon schön war, so tauchen, zunächst aus dem Süden unb Westen Deutschlands gesendet, die ersten im Freien gestochenen Spargel auf; versteckt sie sich mehr hinter Wolken, ober gibt es viel Regen und Kälte, so zögert auch dieses „köstliche" Frühlingsgemüse mit dem Kommen. Wie mit den Spargeln, ist es auch mit ben Erstlings-Pilzen des Frühlings, mit ben Morcheln. Wohin im Walbe die Sonne scheint, ba wachsen auf bem feuchten Sanbboben bie beliebten Pilze. Die ftischeu Morcheln sinb ein Genußpilz ersten Ranges, doch ist bei der Zubereitung die größte Vorsicht geboten. Ein einziges, mit der kleinsten Fäulnisstelle behaftetes Exemplar kann nach dem Genuß Vergiftungserscheinimgen Hervorrufen. Auch Müssen Morcheln sehr oft Unb gründlich gewaschen werden, damit aller Sand unb bie kleinen Steinchen, die sich in ben Falten festgesetzt, abgespült werben. Sobann — unb bas ist bie Hauptsache — müssen bie Morcheln mit kaltem Wasser aufgesetzt werben, bieses läßt man 10 Minuten grünblich kochen, gießt es bann durch ein Sieb ab, drückt die Pilze mit der großen Kelle ein wenig, unb setzt sie bann mit neuem, heißem Wasser auf, um sie nach Belieben zu Gemüse ober bergl. zuzubereiten. Als echtes Frühlingsgemüse gilt bekanntlich bie Zusammenstellung von Schnittspargel, Karotten und Morcheln; man kann vorteilhaft auch Spargelkonserven dazu verwenden. Nicht allbekannt dürste auch Morchelsauee sein, die mau sowohl hell zu Kalbfleisch ober Geflügel, ober dunkel zu Rindfleisch ober Hammelfleisch bereiten kann. Zu heller Sauce werden bie abge- 204 kochten, ab getropften Morcheln grob gehackt, nebst einigen Stücken magerem rohen Schinken oder durchwachsenem Speck in zerlassener Butter solange gedünstet, bis sie die Butter eingesogen haben. Dann wird der Schinken fortgenommen, man würzt mit weißem Pfeffer, geriebener Muskatnuß und gehackter Petersilie, hierauf kocht man die Morchetn mit einer Hellen .Einbrenne von Mehl in Butter, die mit etwas leichter Brühe oder Wasser verkocht, auf, schmeckt ab, zieht die dickliche Sauce mit einem Eidotter ab, und macht sie mit etwas Zitronensaft pikant. Soll die Sauce dunkel sein, werden die durchgedünsteten Morchelwürfel in einer dunkelbraunen Mehleinbrenne aufgekocht. Man gibt etwas Rotwein, Pfeffer, Salz, nach Belieben auch Zitronensaft dazu. Als Zugabe zu Fleisch mit Heller Morchelsauce eignen' sich vorzüglich gebratene Kartoffeln, zu dunkler dagegen m'ehr ein Reisrand, ein Makkaroni- oder Nndelgemüse oder gebackener Kartoffel-Auflauf resp. gebackene Kartoffelrollen. Die neuen Kartoffeln mehren sich auch; neben den Winter- und Frühlings-Maltakartoffeln sind solche aus Algier, aus 'Italien und aus Südfrankreich da, runde und längliche. Zum, Braten eignen sich die festen Kartoffeln natürlich besser als die mehligen, da diese beim Braten leicht zusammenfallen und krümelig werden. Von diesen Arter- bereitet man besser Kartoffel- rollen, indem man die Kartoffeln durch den Quetscher zu Brei drückt und diesen mit Pfeffer, Salz, etwas Milch oder Sahne, einein Ei, geriebenem Käse unb so viel geriebener Senimel mischt, daß, sich Rollen formen lassen, die man in geriebener Semmel wendet und in siedendem! Fett oder Butter schön goldbraun bäckt. Zum Backen gehört so viel Fett, baß die Rollen darin schwimmen. Im allgemeinen wird die Kartoffel als Bestandteil warmer, süßer Nachtischspeisen, etwa als zweites Gericht nach einer dicken, sättigenden Gemüse- oder Hülsenfruchtsuppe, noch wenig geschäht; eine vorzügliche Kartoffelsüß,speise ist folgende; Tie Kartoffeln werden tags vorher gekocht, so daß sie beim Reiben vollständig erkaltet sind. Die geriebene Masse ausgewogen; auf 250 bis 300 Gramm rechnet man 85 bis 100 Gramm Butter, die zu Sahne gerührt wird. Dazu gibt Man nach und nach 3—4 Eidotter und 250 Gramm seinen Zucker und rührt alles zusammen nach derselben Seite eine halbe Stunde. Dann fügt ntan 2 bis 3 Löffel Mehl, die geriebene Kartoffelmasse, etwas abgeriebcne Zitronenschale, 3 bis 4 Löffel dicke saure Sahne, zuletzt den steif- geschlagenen Schnee der 3 bis 4 Eiweiße dazu. Man füllt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute feuerfeste AuflausforM, läßt sie im Ofen 40 biH 45 Minuten langsam goldbraun backen, serviert sie in der Form und gibt Obstsaft dazu. In einem Teile Norddeutschlands, wo sonst allen Kartoffelgerichten sehr gehuldigt wird, z. B. in der Mark Brandenburg, in Pommern, Mecklenburg und an der Wasserkante, .findet Man gerade den sehr schmackhaften Kaffeeblechkuchen von gekochten Kartoffeln selten, den Man in Sachsen so vorzüglich zubereitet. Er muß allerdings ganz frisch verzehrt werden. Eine Vorschrift zu Kartoffelblechkuchen sei hier mitgeteilt. Tie Kartoffeln müssen, wie zu jeder anderen Speise aus gekochten Kartoffeln, tags vorher gekocht und erst nach vollständigem Erkalten gerieben werden. Auf ein Kilogramm Kartoffelntasse, die nach bent Reiben aber nicht im kalte,; Raum stehen darf, damit sie nachher den Hefenteig nicht „durchkältet", rechnet Man 500 bis 600 Gramm laue zerlassene Butter, 2 bis 3 Eier, eine kleine Obertasse lauwarme Milch (in einem Teil dieser Milch wird die Hefe gelöst), 90 Gramm Hefe, eine Messerspitze Salz, einen Teelöffel Zimt und 150 Gramm Zucker (nach Belieben auch Mehr). Davon wird in einem warmen Raum' der Teig geknetet, der, gut warM zngedeckt, über Nacht aufgehen Muß, Am anderen Tage wird der Teig dünn ausgerollt und auf erwärmte, mit warmem Mehl bestreute Kuchenbleche gelegt. Man bestreicht die Oberfläche recht fett mit guter, zerlassener Butter, streut Zucker und Zimt darüber und läßt den Kuchen in Mäßiger Ofenhitze 20 bis 25 Minuten backen. Wer es liebt, kann gehackte oder geriebene süße Mandeln zu deut Teig fügen. Bei nicht zu frühlingsmäßiger Wärme verfügt der Markt noch über reichliche Posten von Puten, Poularden und Poulets, sowohl solchen aus deutschen, wie auch aus ausländischen Mastanstalten, z. B. aus Belgien und Steiermark; nach und nach erscheinen daneben und bald ganz an ihre Stelle tretend, junge Tauben, junge Hühnchen zum Braten und Backen. Alles Geflügel ist sehr teuer, was nur so mehr zu beklagen ist, weil es ja auch, wie z. B. die Tauben, ganz unersetzlich für die Krankenküche ist. Eine Suppentaube, die Man vor 5 bis 6 Jahren Mit 45 bis 55 Pfg. zahlte, ist unter 85 Pfg. bis 1,10 Mk. mcht zu haben, wenigstens nicht beim Geflügelhändler. Perl- ouhner 'werben von vielen Hausfrauen den gewöhnlichen Hühnern als. Braten vorgezogen. Tas Perlhuhn, das auf den euro- paycnen Hllhuerhöfen schon seit mehreren Jahrhunderten heimisch rst, stammt aus Afrika. Der Braten junger Perlhühner rst vorzüglich, ältere dämpft man besser, und es gibt sehr viele Leute, die ent Perlhuhnei dem Kiebitzei an Güte gleich- itetlcn. Da für das Osterfest noch keine Kiebitzeier vorhanden tvären, halten Liebhaber dieses besonderen Ostereis sich jetzt an diesen Genuß. Kiebitzeier werden fast nur in weichgekochtem Zustande verzehrt, und ein Rührei von Kiebitzeiern mit Trüffel« gehört W den allerfeinsten Delikatessen. Außer diesen beliebtestes Wildvogeleiern tverden noch Möweneier und Kräheneier angeboten. .-Ter April ist ein Monat, der dein! Verbrauch des entfachest wewen Käses (Quark oder Topfen) sehr günstig ist. Wenn auch dte;es Lebensmittel während der Wen Zeit etwas teuer geworden ist, so bildet es doch noch immer ein wertviolles Volks- nahrunasnttttel. Leider ist ja die Verwendung be§: Quarks füp dm Küche , rm nördltchen Deutschland noch nicht so vielseittm wte B. tu Oesterreich, wo Tvpfenknödel, Topfenstrudel, Dopftn- auflauf an der Tagesordnung sind. Topfenpfannkuchen z. Buben ehte wohlfeile Nachtisch- oder Mendspeise. Dazu mischr Man 250 Gramm Quark mit einem knappen halben Liter Milch/ 1 bts 2 Eiern, einer Messerspitze Salz, 60 bis 75 Gramm Mehl und ebensoviel geriebener Semmel, wenn inan tvill, auch mit etwas Zucker. Bon dieser Masse backt Man in zerlassener, aelb> Jon dieser Masse bäckt Man in zerlassener, gelbß gewordener Butter, oder in halb Schmalz, halb Butter auf dep flachen eisernen Eierkuchenpfanne kleine, handgroße, mittelstarke oder dünne Kuchen auf beiden Seiten goldbräunlich und bestreut ste mit Zucker und Zimt. Von frischem Obst ftuden sich neben den noch vorhandenen Mpfelftnen, Mandarinen und Grape Fruits und den immer vor» handenen Bananen vortreffliche Aepfel aus Australien und Kali-, formen; von eben dorther kommen auch Pfirsiche und längliche, safttge, PflauMen, von denen das Stück oft 40 -oder 50 Pfg. kostet. Eine merkwürdige Laune mancher Obsthändler bezeichnet gerade dtese ausländischen Früchte, deren Vorhandensein man gewiß zst würdigen versteht, als „EdelfrüchteT Vermischtes. * ,E i n französischer Nationalpark. Bekanntlich haben eine ganze Anzahl von Ländern einen sogenannten „National? park" geschaffen, ein Reservatgebiet (meistens im schönsten Teil des Landes gelegen), das der privaten Spekulation entzogen und in seinem ursprünglichen Reichtum an Flora und Fauna durch be« sondere Schuhmaßregeln erhalten ivurde. Am berühmtesten ist wohl der Nellowstonepark in den Vereinigten Staaten, der nicht weniger als 800 000 Hektar umfaßt und ein Gebiet >vildpittoresken Urwaldes und entzückender Wiesen- und Wasserlandschasten darstellt, die nicht ihresgleichen haben sollen. Schweden, England, Australien besitzen gleichfalls Nationalparks von erheblicher Ausdehnung; die Schweiz sodann zählt deren mehrere, die zusammen 171 000 Hektar bedecken, eine prachtvolle Alpenflora answeisen, so» wie gegen sechssausend Gemsen und siebenhundert Rehe im Schutze ihrer Gehölze und Felsen beherbergen. Jetzt geht auch Frankreich, das von altersher als ein Land von besonderer Naturschönheit gilt, daran, in den malerischen Bergen von Oisaus (Departement Grenoble) einen solchen Reservatpark abzugrenzen. Damit wird die Idee wieder aufgenommen, die früher die Maler von Barbizon zu verwirklichen suchten, als sie vom Staate die „Schutzkonzession" für einen TM des Waldes von Fontainebleau erhielten. Nachher wurde ein ähnlicher Versuch mit der Einhegung eines Gebietes im Massiv der Grande-Chartreuse gemacht — beidesmal scheiterte der Plan an der Gleichgültigkeit der Behörden und der Unzulänglichkeit der zu Gebote stehendeu Mittel. Nun hat sich neuerdings der rührige Konservator der „Gewässer und Wälder" (so lautet sein amtlicher Titel, in Grenoble, Monsieur Mathey, der Sache angenommen und durchgesetzt, daß die speziell in Betracht kommende Gemeinde Saint - Christophe- en -Oisans dem Staate 4200 Hektar ihres Bodens verkauft und weitere 8700 Hektar verpachtet, damit aus diesem Gebiete der Kern eines würdigeii französischen Nationalparks gebildet werde. Tie in Aussicht genommene Gegend vereinigt au? relativ engem Raume : majestätische Berggipfel, malerische Schluchten mit Wildwassern, Gletscher und Felspartien, Almen und alte schöne Wälder; sie darf als ein Kleinnod der Alpennatur bezeichnet werden und ist auch deshalb besonders glücklich gewählt worden, weil der Park durch Ankäufe im benachbarten Vallouise mit Leichtigkeit auf 40- bis 50 000 Hektar gebracht werden kann Praktisch, wie die Franzosen meist dann sind, wenn ästhetische Fragen den Anstoß zu einem Unternehmen geben, haben sie mit der Schaffung dieses Nationalparkes zugleich ein Mittel gefunden, um die seit einem Jahrhundert vernachlässigte Aufholzung des Gebietes von Saint-Christophe ernstlich in die Hand zu nehmen; in der Tat führt der Veneonfluß alljährlich gegen 45 000 Kubikmeter Kies und Felsgerötl in die Ebene von Bourg-d'Oisans hinab und bedroht damit ein weites, fruchtbares Land. Nun werden die Wächter des „ersten Parkes der Republik" (so lantet's hübsch im amtlichen Bericht) den ungestümen Alpengewässern bald eift energisches Halt zurufen. Logogriph. Gern vermittle ich dir der holden Frau Musika Schöpfung; Aendern flugs meinen Kopf, werd' ich ein kunstvolles Werk. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bersteckrätsels in voriger Nummer: Allzuviel ist ungesund. N-daktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R.