'Sä'USL äTTpIll mW B _: Firnenrsulch. Roman von Paul Grabern. Mrchöruck verboten.! (Schluß.) . War es nicht wie ein titanenhaftes, urgewülttg^ Trmmphieren über die Alltagsgesetze, die die Tiefen be- herrschen? Der Hohe, der Starte, entwindet sich den Schranken; sein trotziger Mut setzt sich den Purpur lodernden Sonnenglanzes auf den Scheitel — er reißt das fliehende Licht an sich, Herrenhaft, unbekümmert um die dämmer- graue kleine Welt da unter ihm! Nun war Malmort heran. „Gottliebe — warum tatest du mir das?" Dicht stand er vor ihr, so dicht, daß sein heißer, vom Eilen fliegender Atem ihre Wange streifte. „Woher wußten Sie?" Wie mechanisch nur entrang sich ihr die Gegenfrage. Sie beherrschte dabei im Innern nur das eine dumpfe Gefühl der Erwartung einer Katastrophe, des unentrinm- baren Herannahens des Schicksals. „Ich ahnte, ich wußte, daß du noch einmal hierherkommen würdest — zum Abschiednehmen, lind siehst du, mein Ahnen trog mich nicht!" Sie starrte dabei in sein Gesicht, so verändert, mit flammenden Blicken, leiden; chaftlich zuckend, so zum Fürchten und doch in Seligkeiten erschauern machend. So mußte Semele zumute gewesen sein, als sich Zeus über sie beugte, sie zu umfangen in seiner furchtbaren Herrlichkeit. „Es trog nicht." Noch näher neigte er fein Antlitz zu ihr, schon streifte sie fein Bart. „Es will ,daß wir uns finden. Nun hab' ich dich!" — Wie unter einem Blitzschlag zuckte sie zusammen unter seiner Berührung. „Und nun laß ich dich nicht mehr. — Mein, mein! Ewig mein! Und wenn da draußen die ganze Welt zusammenbricht. — Du!" Irre Küsse taumelten brennend auf ihr Gesicht nieder; sie litt sie, bewegungslos; aber dann zündete seine Glut in ihrer Seele. In leidenschaftlichem Ausbrechen umfing sie ihn, preßte sie sich an ihn — wie im Rausch. Nun hatte sie die ersehnte Stunde, die eine einzige des Glücks — nun wollte sie sie auskosten! Und da gestand sie zwischen seinen atemraubenden ^Liebkosungen, leise stammelnd: „Es mußte hier sein, Wulfrin! Es mußte. Die Stätte ist geweiht für uns." Er preßte sie von neuem an sich. Ja, ja — er wußte, weil er ihr damals erzählt, daß hier die Wiege der Mal- morts gestanden. Sie hatte die Hände um seinen Nacken geschlunZM. So, das Haupt zurückgeneigt, sprach sie nun zu ihm weiter: „Weißt du auch, was ich damals empfand, Wulfrin, als du hier mit mir standest, in Trauer über das Erlöschen deines .Geschlechts?" „Nun?" Erwartungsvoll sah er ihr in die großen, feuchtschim- mernden Augen, darin ein höchstes Leuchten entzündet war. Mit einem leidenschaftlichen Ruck riß sie sein.Haupt zu sich hernieder; so hauchte sie ihm mit glühendem Atem ins Ohr: „Selig die Frau, die dir den ersehnten Erben schenken durfte — dreimal selig!" „Gottliebe!" Sie fühlte sich hochgerissen, umklammert, wie zur Vernichtung, und dann brach es über sie herein wie eine brausende, prasselnde, alles niederwerfende Meereswoge, in der sie ertrank in seligem Ersterben. Nur an ihr Ohr scholl wie ans weiter dumpfer Ferne immer wieder ein einziges, leidenschaftszitterndes Wort: „Gottliebe, Gottliebe!" , Als sie wie aus tiefer Ohnmacht wieder erwachte, war die jauchzende Purpurglut auf den Firnen droben erloschen. Starr und bleich, gespensterhaft drohend, standen nun die Berggiganten über ihren Häuptern, die vorhin so bacchantisch gelockt hatten. Aber neben ihr kniete der geliebte Mann und bedeckte ihre Hand mit heißen Küssen. Da war ihr alles wieder gegenwärtig, was geschehen war, und plötzlich sprang sie empor, einen erschütternden Schrei ausstoßend: „Rehe!" Auch Malmort schreckte zusammen. Eine finstere Falte stand zwischen seinen Brauen; aber dann tröstete er: „Es wird sich ein Ausweg finden lassen — ich werde sie nun doch in eine Pension schicken —" Aber es war, als hörte sie ihn nicht. Wie irr starrten ihre Augen vor sich hin: Wortbrüchig, eine Ehrlose! „Gottliebe — Einzige! So hör' doch!" In liebevoller Angst wollte er sie an sich ziehen, aber sie stieß ihn fast zurück Ivie voller Entsetzen. Nur ein dumpf stöhnender Laut antwortete ihm; dann schlug sie die Hände vors Gesicht. Erschüttert redete er auf sie ein, von Zukunftsplänen; er wollte sie nicht lassen — er könne es nicht! Sie wäre ihm mehr als sein eigen Kind. Und wenn er selbst zum Papst gehen sollte — er habe ja einen Verwandten in Rom, in hoher Stellung — er müsse nun die Scheidung seiner Ehe durchsetzen. Sie müsse sein werden, auch vor den Menschen — sein geliebtes Weib. Aber all die beschwörenden, liebeatmenden Worte drangen nicht mehr zu ihrer Seele. Da stand, furchtbar auf- gerichtet, nur das eine erbarmungslose Bewußtsein: Vernichtet! Und wieder griff er nach ihren Händen. Da gab sie ihr Antlitz frei, aber es war wie versteint: kein Blutstropfen mehr in dem starren, lieben Gesicht. Nur ein unerschütterlicher Entschluß stand darauf eingemeißelt. „Nichts davon, Wulfrin! Das alles kann mir die Achtung deiner Tochter nicht wieder geben.Es bleibt nur eines: Wir trennen uns — auf der Stelle. Du gehst zurück in dein Haus, zu deinem Kinde. Was du tatest, darüber bist du 542 zu Lacken, rang er mit ihr, sie am Mantel zerrend, um sie in oie grausige Tiefe zur Linken zu schleudern. Aber noch kämpfte der streitgewohnte, stählerne Fuß mechanisch weiter — trieb ihn doch das beherrschende Gebot: Weiter, höher hinauf — ans Ziel! Aber neue Gefahr. Der Grat wurde vereist. Keinen Halt fand der Fuß mehr am glasharten ©Welag’, und die Hand inußte ihm zu Hilfe kommen mit wuchtigem Stufen- fchlagen. Ein Kämpf um Leben und Tod nun — wer wird der Stärkere fein? Handbreit nur der Grat, rechts und links in trügen rischem, blendendem Weiß nur lose angeklebte Wachten, bereit, wie heimtückische ^Falltüren, die vom Wege irrende Bergbezwingerin in tosendem «Zusammenbruch zur Tiefe zu schleudern. 1 Aus dieser Schneide gang sich die furchtlose Kämpferin Schritt für Schritt empor, setzt auch noch umwirbelt von treibenden Schneeflocken, von spitzen Eiskristallen, die sich wie winzige, aber schneidende Pfeile ins Antlitz bohrten. So rang sie immer und immer wieder, sich anstennnend gegen die tobenden Anfälle des gierig aufheulenden, nach ihr stoßenden Sturms.) Ein furchtbares Ringen. >, Noch immer war kein Ende des Grates zu sehen, und der Eishauch drang erstarrend durch das durchnäßte Gewand Gottliebes bis ins Mark; kaum vermochten ihre frostgelähmten Finger wdy den Pickel zu umklammern, das letzte Mittel der Rettung aus diesem Todeswege. Wehe, wenn auch das noch versagte! Mer wozu noch her Kämpf? Grüßten da zilr Seite nicht eben schon die blauschimmernden Türme und Zinnen, die Eispaläste der Saligen? War nicht das Ziel da, das sie sich gesetzt? Und die Hand der Kämpferin sank, tote des fruchtlosen Weiterringens müde, plötzlich hernieder. Ihr leerer, starrer Blick saugte sich fest an den phantastischen Eisgebilden ^die da, wenn der Sturm einmal die Nebel zur Rechten zerriß, durch die tollen Flockenwirbel auftauchten. *- Da hausten sie, die Saligen. Ob jene, die dem ersten Malmort das Leben geschenkt, wohl auch das Glück der Liebe so gebüßt haben mochte, mit zertretenem Herzen wie sie? So stand sie wie ein Bild aus Stein, mit großen, irren Augen in die Tiefe starrend. Da war es ihr, als ob drunten aus gähnendem Gletscherspalt plötzlich Gestalten auftauchten. Oder war's nur ein Spuk ihres Hirns, das zu erstarren begann boit dem eisigen, tödlichen Frosthauch, der an ihrem Leib, von den Füßen her, herausschlich. v Gestalten — lockend, .winkend! Und nun ein Antlitz, wohlbekannt, aber lang vergessen in wilden Stürmen des Herzens: Ein blasses Gesicht, an den Schläfen die klaffende Todeswunde vom Sturz in die ■ Noch größer, geisterhafter ward der Blick der Erstarrenden. Was willst du hier auf einmal, du stiller Schläfer/ der du doch längst die ewige Ruh gesunden, weit drüben im friedlichen Gottesacker, jenseits der Berge? Was schaust du so vorwurfsvoll, fo streng? Du meinst, weil ich jenem andern gab mit vollen Händen, was ich dir versagte? Daß ich dich in den Tob trieb mit stolzem Ausbruch verletzter Frauenehre, ich, die sich nun fo ganz hingab' an einen Mann — in Sünden und Schmach! So meinst du. Und dennoch trifft mich dein stummer Vorwurf nicht! — Hochauf richtete sich, sieghaft und stolz, noch einmal der Leib der Frosterstarrenden — denn wisse: Dem ich mich zu eigen gab, den liebte ich, liebte ich mehr als mein Leben und segne ihn noch in dieser Stunde.^—: .Also hinweg! DU sollst mir sein Bild nicht Kren, das letzte, das meine Augen sehen sollen. Eine heftig abwehrende Bewegung Gottliebes nach her Tiefe hin, im selben Augenblick ein neuer, rasender Anfall des Sturmes, da glitt der Fuß aus schützender Stufe,- ein Heller Schrei, das Sturmgeheul übertönend: „Wulfrin, Wulfrin!" — dann war die einsame Menschengestalt vom ihm keine Verantwortung schuldig — du wirst ihm ja dein ferneres Leben opfern — alles, loas du noch zu geben haft, du Armer!" „Und du ?" „Ich werde meinen Weg gehen. Das kurze Wort machte ihn erschauern; es wehte ihn plötzlich daraus an wie ein eisiger Todeshauch. „Gottliebe!" Noch einmal schrie es verzweifelt in ihm auf. „Nein, nein, ich lasse dich nicht! Nicht so, nicht in dieser Stunde!" „Sei ohne Sorge um mich, Wulfrin!" Ein eigenes Lächeln stand um ihren Mund. „Ich gehe sicher meinen Weg, und ich bin stark. Ich denke, du weißt es?" In stummer Qual griff er nach ihrer Hand. Sie ließ sie ihm und preßte sie noch einmal mit heftigem Druck. „Hab Dank, Wulfrin, für deine Liebe! Sie gab mir höchstes Glück; fo ist das andere nun nur recht und billig. Und jetzt — leb wohl!" „Muß es sein?" ( _ Mit brennenden Augen starrte er sie an, tödliches Weh im Herzen. „Es muß!" „Tann leb wohl!" Noch einmal brannten feine Lippen aus ihrem kalten Mund; wie ein niedergekämpftes Aufstöhnen rang es sich aus seiner Brust. Dann ließ er sie allein. Sie schaute dem Davonschreitenden nach, starr und ohne Bewegen, bis seine Gestalt im Dünkel verschwunden war. Dä hob sie das Haupt u>id blickte um sich. Mer Mond war indessen über den Bergen drüben aufgegangen. Im Silberduft glänzten die Gletscher vom JardrK delle Domnizelle herüber (— märchenhaft, verträumt, tote mit leisem Winken. Da nickte sie zu dem Garten der Saligen hin: Ich komme zu euch —i eine der euren, wie die eures Stammes, die einst dem ersten Malmort sich vermählt droben im Zauberschloß von Firn und Eis. Und sie wandte den Fuß borthin. —। Ein einsames Wandern in der Mondnacht, allein im Fels, dessen Zacken unheimliche schwarze Schattim über die Hänge und Kare warfen:'In hundert dunklen Höhlen und Schlüsten lauerte das Grauen. Starre, lautlose Einsamkeit ringsum. Doch horch! jetzt fern da droben, Ido der ewige Schnee herrscht, ein seltsames Geräusch. Erst wie das dumpfe Grollen einer nach Beute lungernden Beslle, dann stärker wie heranziehender Donner und mm heulte ein Gebrüll durch die nächtliche Finsternis, das das Blut in den Adern erstarren machte — der Massige Leibdes Gebirges erzitterte: Prasselnd, krachend, fauchend und dröhnend fuhr eine Lawine in naher Bergrinne zu Tal.' Doch die einsame Wanderin schreckte es nicht. Gleichmäßig, ohne Hält, klomm sie den weiten, ihr ja bekannten Weg hinauf zur Höhe. Wie zerbrochen war alles in ihrem Innern u- mit «einem dumpfen Gefühl, als wäre alles seelische Leben in ihr erstarrt, schritt sie bergan, nur von der einen allgewaltigen Borstellung beherrscht: Zu Ende, zu Ende! Was wären ihr die Schrecknisse der Natur? Was konnte stoch Furchtbareres kommen, nachdem das Herz längst erstorben war? Wenn alles vorbei war, das Hoffen und Fürchten? Was andere jn Schrecken erstarren ließ, das konnte für die arme, in Qual versteinerte Seele nur noch willkommene Erlösung sein! So achtete sie nicht auf den Wandel, der sich am Himmel vollzog, wie allmählich jagende, düstere Wolkenheere den Mond überzogen und nicht mehr fveigaben; wie aus den Bergschlüften und Tälern graue, kalte Nebel krocheu, höher und höher die Berge hinaufschleicheud und umzingelnd. Was tat es ihr? War ja doch Licht genug, den Weg zu finden; denn schon kämpfte sich das erste, frostige Tages- grauen durch die Nacht. Aber nun kam ein anderer Feind den unheimlichen Bedrängern zu Hilfe. Der Weg hatte sich gewandt, und um den Bergrücken herum sprang aus vergletscherter Schlucht wütend ein eisiger Sturm Die einsame Wanderin an, die auf schneidend schmalem ,Grat balancierte. In heftigen Stößen suchte er sie 543 Grat verschwunden, die gähnende Tiefe hatte sie verschlungen. Zur Stammutter der Malmorts hatte sich heimgefunden, die den letzten des alten Geschlechts liebend umfangen, und der heulende Sturm sang über ihrem Grabe In dunkler Eisspalte ein dämonisches Sterbelied. Die Nüche im September. Von A. Bur g. Man prophezeit für dieses Jahr einen frühen Herbst. Ländliche Wetterkundige behaupten, den frühen Herbstbeginn an dem zeitigen Reifen der Ebereschen zu beobachten, welche .in diesem Sommer schon Ende Juli und Anfang August mit roten Beerendolden zu prunken begannen. Und wenn der Herbst früh kommt, pflegen auch die im Herbst bei diesen oder jenen Lebensmitteln zu beobachtenden Preissteigerungen früher einzutreten. Das zeigt sich zunächst bei den Eiern, deren Preise im allgemeinen pro Mandel um 5—10 Pfg. höher blieben, als in sonst auch teuren Eierjahren. Ganz gleich, woran die Schuld liegt, die Leidtragenden sind wieder die Hausfrauen, denn die Eier sind unentbehrlich, selbst wenn daran möglichst gespart wird. Von besonderer Bedeutung ist die Eierteurung leider für die Krankenküche, in der die Eier eine große Rolle spielen. Viele Hausfrauen klagen, daß, wenn sie genötigt sind, steif geschlagenes Eiweiß in einer Speise, in einem Kuchen zu verwenden, der Schnee nicht „steht". Und es ist bekanntlich zum Gelingen des Kuchens dringend nötig, daß er steht. Mancherlei Gründe können die Schuld tragen. Am besten schlägt sich Eiweiß, welches nicht ganz frisch vom Gelben abgesondert ist, sondern welches schon mehrere Stunden kalt oder auf Eis gestanden hat. Beim Sondern der Eier ist darauf zu sehen, daß jedes einzelne in einer Obertasse gesondert wird, denn es kann doch vorkommen, daß sich zwischen den Eiern ein nicht ganz gutes befindet, welches die ganze Eiermasse verdirbt und unbrauchbar macht. Das Gelbe muß auf das sorgfältigste abgeteilt werden; sobald die kleinste Spur Eigelb im Eiweiß bleibt, schlägt es sich nicht. Das Gefäß, der Topf oder der Kessel (Messingkessel), in dem das Eiweiß geschlagen wird, soll niemals zu Fett oder Fleisch oder Gemüse benutzt worden sein; findet sich ein Atom von Fett dazwischen, so fällt der Schnee nicht klar, schäumig und durchsichtig aus, sondern wird schmierig und unansehnlich. Während des Schlagens soll man mit der Schneerute die ganze Eiweißmasse in kräftiger Bewegung halten, deshalb ist ein Gefäß mit zu breitem Boden, auf dem sie auseinanderfließt, zu meiden. Man kann zu diesem Zweck das Gefäß auch schief halten. Ruht während des Schlagens ein kleiner Teil Eiweiß nur und kommt nicht mit in Bewegung, so wird der Schnee nicht ordentlich fest. Niemals darf der Schnee längere Zeit stehenbleiben; er ist sofort dem bis dahin fertig gerührten Teig zuzufügen, und dann muß Kuchen oder Speise sofort in den Ofen. Bekanntlich befördert die Zugabe des Eiweißschnees das Aufgehen und Lockerwerden des Teigs und steht sozusagen bei feinen Gerichten an Stelle der treibenden Während man bisher mehr die ausländischen Tomaten für die Küche hatte, reifen nunmehr die, welche in deutschen Gärten gezogen werden. Wenn man reife Tomaten für einige Wochen aufbewahren will, so darf das nur in einem luftigen, trockenen, kühlen Raum geschehen, und indem man sie möglichst aufhängt. Auf Brettern halten sie sich nicht so gut, nie darf man sie auf Stroh oder Papier oder gar auf Säge- spähne legen, weil die zarte Frucht jedes andere Aroma leicht anzieht. Feiner trockener Sand, oder ganz trockene, geruchlose Holzwolle können als Unterlage dienen. Da in städtischen Haushaltungen meist der Raum zum Aufbewahren fehlt, so wird man doch wohl am meisten zur Herstellung von Tomatenmarmelade schreiten, in welcher Gestalt, bei sachgemäßer Zubereitung, die Haltbarkeit fast eine unbegrenzte ist. Man wischt die Früchte mit sauberen weichen Tüchern sehr sorgfältig ab, zerschneidet sie, entfernt mit silbernem Löffelstiel Kerne und Fasern und kocht sie nun im eigenen Saft, ohne jeden Wasserzusatz, unter fleißigem Rühren in ganz weiß emaillierter Kasserolle, cm deren Emaille noch nicht die kleinste Spur fehlt und abgestoßen ist, zu Brei. Diesen Brei rührt man durch ein Sieb, füllt ihn in gut ausgeschwefelte Büchsen oder Dosen (wenn man Glasbüchsen nimmt, müssen sie für das Kochen im siedenden Wasserbade in alte Leinenlappen oder trockenes, frisches Heu oder Stroh gehüllt werden), stellt diese in ein kochendes Salzwasserbad, läßt sie 10 bis 15 Minuten darin kochen, nimmt sie heraus, überfüllt die Oberfläche der Marmelade mit etwas zerlassenem Rinderfett, läßt es darauf erstarren und verbindet die Töpfe mit Schweinsblase oder mit Pergamentpapier. Im Winter ist dieses Mus unschätzbar als Hilfe in der Küche, zu Saucen, Suppen, als Zugabe für Reis, Kartoffeln usw. Früher liebte man Tomatensauce fast nur zu Kalbfleisch oder hellem, zahmem Geflügel, neuerdings ist die Zusammenstellung mit Tomatensauce fast unerschöpflich, man findet sie zu Rindfleisch, zu Reh-, Hirsch-, sogar zu Rebhuhnwildbret. Andere Leute sind dagegen der Ansicht, daß das Waldaroma am besten ohne Zutat sich durchsetze und bleiben bei der bewährten sauren Sahnensauce, welche ja eigentlich auch die vorzüglichste, mildschmeckende Ergänzung des Wildbratens bildet. Im allgemeinen gehört das Rebhuhn zu den ersten Küchenwichtigkeiten des Septembers, doch hat es seit einigen Jahren Preise, die es noch mehr als früher wohl schon, in die Delikatessen-Region verweisen. Manchmal sind ja nicht ganz junge Rebhühner und alte Exemplare, welche sich zum Braten nicht mehr recht eignen, wohlfeiler zu haben. Sie werden oft mit Wirsingkohl zusammen gekocht oder auch mit Linsenmus oder mit Linsen zu einer Linsensuppe. Das Aroma des Rebhuhns paßt sich dem Geschmack der Küche außerordentlich gut an, und oft erscheint eine mit Rebhühnern gekochte Linsenbrühe einer gewöhnlichen Linsensuppe ganz unähnlich. Man weicht die Linsen, nachdem sie gut gewaschen sind, abends vorher ein, gibt sie mit demselben Wasser auf kleines Feuer, gibt das gut gereinigte und ausgenommene Rebhuhn dazu und fügt etwas zerschnittenes Suppenkraut bei. Sobald Huhn und Linsen weich sind, wird die Suppe durch ein Sieb gerührt, abgeschmeckt, gesalzen und mit etwas in Butter braun gedünstetem Mehl verkocht. Das Huhn wird in kleine Stücke geschnitten, und diese gibt man nebst in Butter gclbgerösteten Semmelwürfeln in die Suppe. Um das Gericht noch konsistenter zu machen, kann man in Sälzwasser abgekochte Nudeln oder gargekochte, abgegossene Kartoffeln nebenher servieren. Diese Suppe ist ein Herbstgericht ersten Ranges. Trotzdem es in diesem Sommer auch an Regentagen nicht fehlte, hat es im allgemeinen wenig Pilze gegeben. Die kleinen, früher so wohlfeilen Pfefferlinge (Rehfüßchen) hatten Preise, wie kaum je zuvor; Ende Juli wurden auf dein Großstadtmarkt 60—70 Pfg. für S Kg. gefordert, im Gegensatz zu 15—25 Pf. in früheren Jahren. Eine kleine Ausbeute wurde auch auf dem Lande beim Champignonsammeln beobachtet. Der Champignon ist bekanntlich ber. einzige Pilz, der sich in künstlicher Zucht ziehen läßt, und diesem Umstande ist es zu danken, daß man diesen feinen Würzpilz während des ganzen Jahres haben kann, während man früher die im August und September selbst auf Anger und Triften gesammelten einmachen mußte. Die aus künstlicher Zucht stammenden sind von fast gleicher Größe und haben hübsche runde Köpfe, während die wildwachsenden, die echten Feldchampigons, oft eine sehr verschiedene Größe zeigen. So gut die Pilze als Gemüse, als Würze an Speisen, zu Saucen usw. zu brauchen sind, so vorsichtig muß man beim Sammeln, Kauf und Zubereitung verfahren. Nur ganz geübte Pilzkenner dürfen sich auf die Pilzsuche begeben, und dann ist auch auf die möglichst frische Beschaffeuheit der Pilze zu achten. Pilze, die die kleinste faulige Stelle zeigen, sind immer gefährlich, da sich daraus das eigenartige und scharfe Pilzgift entwickelt. Man muß sich also beim Putzen der Pilze 544 von der absoluten Güte und Frische eines jeden einzelnen Exemplares überzeugen. Ein echter Herbstpilz ist auch der kleine Mousseron, der einen schwachen zwiebelähnlichen Geruch hat und vorzüglich als Zutat zu Hammelfleisch paßt. Steinpilze bringt der September oft noch in reichen Mengen; es finden sich auch kleine Vorräte schwarzer niederdeutscher Trüffeln ein. Diese sollen zwar das Aroma der echten französischen Perigord-Trüfeln nicht erreichen, doch aber besser sein, als die Konserven dieser Art. ■ Von Gemüsen bringt der Monat uns Sommer- und Wintergaben, Weißkohl-, Wirsing- und Rotkohl und eingelegten Sauerkohl, Reste von Bohnen und Erbsen oder Schoten, Blumenkohl, Kohlrabi, Mohrrüber und weiße Rüben und von Früchten alle Arten Sommer- und Herbstäpfel, von Birnen die beliebten Salander, Butterbirnen und Kaiserkronen, von Pflaumen, neben roten, gelben und grünen, die echten blauen Pflaumen, die man in Süddeutschland und Oesterreich auch Zwetschen nennt, und deren Wichtigkeit auch darin liegt, daß sie die begehrtesten Saisonkuchen und das wichtige Dörrobst geben, nicht zu vergessen das im Winter unentbehrliche Pflaumenmus. Aus dem Tagebuch eines Emigranten. Unter dem Titel „Notes intimes d'un emigre" haben die Herren Paul und Martial de Pradel de Lamase soeben die Erinnerungen ihres Großonkels, des Chevaliers de Pradel de Lamase, veröffentlicht, der zu den Emigranten zählte und in der königstreuen Armee Condes gegen das republikanische Frankreich diente. Diese Erinnerungen des Herrn von Lamase sind darum interessant und reizvoll, weil er die Gewohnheit hatte, seine Erlebnisse und Empfindungen auf frischer Tat niederzuschreiben, und sein Tagebuch daher eilte Fülle von anschaulichen Zügen zur intimen Geschichte der Jahre 1789 bis gegen 1800 enthält. Noch am 1. Januar des Jahres 1789 war das Offizierkorps von Straßburg, wo Herr von Lamase damals Artillerieleutnant war, lustig und guter Dinge. Das Tagebuch erzählt: „Gestern war der erste Tag des neuen Jahres: Meine Kameraden und ich haben seinen Vorgänger vergnügt begraben. Das Glas in der Hand, bis zum Rande gefüllt mit dem vorzüglichen Weine von den Hügeln der Mosel, haben wir die Bitz lanz der verflossenen 12 Monate gezogen... Auf! Es leben die Liebe, die Jugend, und die Vergnügungen dieses Erdentales!" 6 Monate später — und es heißt in dem Tagebuche: „Man berichtet mir aus Paris, daß dort eine große Erregung herrsche. Das Volk, dem man unmögliche Hoffnungen vorspiegelt, bildet sich ein, daß der Zusammentritt der Generalstaaten eine Erlaubnis, die schlimmsten Ausschreitungen zu begehen, bedeute. Es scheint auch, daß die Bewegung alle Provinzei ergreift, und selbst wir hier in Straßburg empfinden, daß sich etwas verändert hat." Das sind die ersten Symptome der großen Katastrophe, die das Tagebuch verzeichnet. Jetzt folgen die Ereignisse sich Schlag auf Schlag. 1791 fühlte sich bereits die im Limousin ansässige Familie des Herrn von Lamase nicht mehr sicher, und er geleitet seine Eltern am 3. Juli dieses Jahres nach Deutschland, wo sie in Offenburg sich niederließen. Der Offizier selbst kehrte auf seinen Posten zurück, weil er sich zur Auswanderung noch nicht entschließen konnte. Aber der Boden fing ihm an unter den Füßen zu brennen. In Pfalzburg meuterte das Regiment Auvergne und nur durch geschickte Vereinigung von Energie und Ueberredungskunst brachte Herr von Lamase das schwierige Stück fertig, die Grenadiere noch im letzten Augenblicke zur Besinnung zu bringen. Nicht lange, und das Tagebuch bekennt geradeaus: „Unsere Uniformen sind ganz einfach verdächtig." Die Offiziere werden belästigt, die Auswanderung ist nicht länger aufzuschieben. So begibt sich Herr von Lamase am 30. Dezember 1791 auch seinerseits über die Grenze zur Armee von Koblenz, aber die Verbannung kommt ihm bitter an, und er beruft sich auf Verse Schillers, um seine Niedergeschlagenheit darüber zu kennzeichnen. Die Schilderung, die Herr von Lamase von dem Treb, ben der Emigranten in der Armee von Koblenz gibt, ist sehr .ungeschminkt. „Der schlimmste Skandal ist der, daß der größte Teil der Emigranten keine andere Sorge kennt, als den königlichen Hoheiten den Hof zu machen. Viele diese« Unglücklichen, die den Ernst, ja den Schrecken der Lage noch nicht begriffen haben, bilden sich ein, es handele sich nur um einen schnell vorübergehenden unglücklichen Augenblick, u. sie würden bei ihrer demnächstigen Rückkehr nach Frankreich um so höher belohnt werden, je mehr offenkundigen Eifer und je mehr Ergebung für ihre Herren sie gezeigt haben." Macao und Pharao waren an der Tagesordnung, und man intrigierte sich gegenseitig um die Einladungen beim Grafen von Artois, der so weit möglich, noch immer seine frühere verschwenderische Lebensweise fortsetzte. Nach der Auflösung der Koblenzer Armee ging Herr von Lamase zu dem von Kaiser Franz II. unterhaltenen Heere Condes über. Im Frühling 1796 erschien bei diesem Heere der Graf von Provence, der spätere Ludwig XVIII. und nahm eine Parade „seines" Heeres ab. Der Herr von Lamase war königstreu bis in die Knochen, aber er war nicht blind, und der bourbonische Prätendent gefiel ihm gar nicht. Er sei, so schrieb er in seinem Tagebuch, noch dicker geworden und sehe auf seinem Pferde wie ein Krüppel aus. „Wir defilieren vor ihm, aber nicht in unserer gewöhnlichen Ordnung. Man hat uns in so viele Gruppen eingeteilt, als das französische Heer unter Ludwig XVI. Regimenter zählte, wodurch jede dieser Gruppen auf weniger als ein Dutzend Menschen verkleinert wurde. In dieser Art verliert eine Parade ihre Feierlichkeit und nähert sich einer militärischen Parodie." Ein allerliebstes Streiflicht auf die Stimmung dieser Zeit wirft die von Lamase verzeichnete Unterhaltung zwischen den Vorposten der beiden Armeen. Jenseits des Rheines standen die „Patrioten", diesseits die Royalisten. Der Royalist rief etwa herüber: „Guten Tag, Kamerad! Ich teile Dir eine gute Neuigkeit mit: wir haben den König." „Und wir das Königreich." „Wir werden es wieder erobern: wir brauchen keine Jungfrau von Orleans dazu." „Ihr habt aber doch eine." „Na, die wäre?" „Der Degen Eures Königs". Lamase bemerkt zu diesem drolligen Zwiegespräche: „Die Loyalität verhindert uns in Lachen auszubrechen, aber wir haben die größte Lust dazu." humoristischer. * Erne Gemeinheit. Als Oscar Hammerstein nach in New Yoük in der Manhattan-Oper schaltete, wurde er ständig von einem Jäger nach Freibilletten belagert. Monatelang war es dein hartnäckigen Mann gelungen, seinen Platz ohne Entgelt Au ergattern, bis eines Abends das Haus von dem zahlenden Publikum gänzlich gefüllt war. >Tas schreckte aber den Mann nicht ab, der wieder an der Klasse erschien und sein Gewohnheitsrecht geltend machte. Hammerstein, der benachrichtigt wurde, meinte, man solle dem Manne sagen, der .Direktor wäre in der Nacht plötzlich gestorben. Mit trauriger Miene verkündete also der Kassierers „Mr. Hammerstein ist leider heute nacht gestorben!",— „S8te, • rief der Mann entrüstet, „er ist gestorben und hat, mir für heute abend keine Karten hinterlegt! Da gehe ich bestimmt nicht gU seinem Begräbnis !" Geographisches verschiebratsel. Heidelberg — Elsaß — Amiens — Weißenburg — Friedrichsruh — Versailles — Lothringen. Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer Stadt im nördlichen Deutschland ergibt. Auflösung in nächster Nummer. , i Auflösung des Gitterrätsels, in voriger Nummer.: R A D Reic hstag i r g c w h Ahrweiler eis t 1 t Daghestan g r n Redaktion: I. V.: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen NniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.