jOjjh ^emböcH' u. Ctjf R ab- sliH WM WW Sommerlkutnsnts. Roman von Walter Bloem. Copyright 1910 by Grethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ws die 'Gruppe am Biwak der zweiten Kompagnie vor- überkam, 'hemmte Nelly ihren Schritt... schon von weitem sah sie, den ihr Blick suchte . . . Frobenius Hatte seine Kompagnie b:im Gepäck antreten lassen und hielt Gewehrappell ab . . . gewissenhaft ging er von Mann zu Mann... jeder mußte mit ausgestreckter Rechten die Waffe, aus der die Verschlußteile entfernt waren, in die Höhe halten, und der Kompagnieführer schielte durch den Lauf hindurch, ob er auch gründlich gesäubert sei... Tausend, wie er sich verändert hatte in den paar Manövertagen! — Ordentlich militärisch sah er aus ... ordentliche kriegerisch, der gelehrte Herr, trotz seiner großen Brille... mit den kotbespritzten Reitstiefeln, dem kurzverschnittenen Bart, der zerknitterten Feldmütze überm tiefgebräunten Gesicht . . . Nelly wußte: jetzt durfte sie nicht stören! Und schnell folgte sie ihren Reisegefährtinnen, die, von einer ganzen Schar Offiziere umschwärmt, ihren Vater zu begrüßen gingen. — Wo aber die Unteroffiziere der Zweiten um ihr Feuer- chen 'hockten und sich! ihre Erbswurstsuppe zurechtbrutzelten, da war ein junger Bursch Halbleibs emporgeschossen... Himmel! !— die Oreade, die lauschend hinterm Felsen schwieg! die H!eldin all der zallosen Lieder, welche ihim zugeflogen waren auf den Märschen der letzten Tage... Auf! !— auf! iht entgegen! — aber, Teufel nein, Wer Kar man denn? — Ein armer KomMiß kn abe. . . nichts [als ein ganz gewöhnlicher Kaldaunenschlucker . . . Er in seiner schirmlosen Feldmütze, in seinem geflickten Tressenvock, mit feinen ungewaschenen Händen... und sie ... sie wandelte fern, fern und unerreichbar... wie ein Leibhaft gewordener Dichtertraum . . . . Wer suchten nicht ihre Augen? — suchten sie nicht — ' Nun hatten sie gefunden. . . ihn gefunden. . .! We flaumig!en Bäckchen flammten... sie nickte ihm' kurz Und gemessen.... , i Na sprang er auf. . . stand stramm . -. . legte die Hand [art die Feldmütze... und warf sich dann wieder lang hm neben das qualmende Feuer . . . überhörte die plumpen Späße seiner Kameraden,- des Sergeanten Metzges, des OberlazarettgeWfen Nattermüllerr des . Unterofftzpers Franzkowiak. -' ! i ! ' ! .. l‘ • ' , Stumm Und ausgehungert löffelte 'er aus dem blechernen Kochaeschirrd.eckel seine Erbswurstsuppp. in sich hinein — seine Seele aber formte den letzten Vers zn seinem Morgenliede: „In Demut will ich- pflücken, was mir das Glück geoffenbart ganz ohne Sinn beglücken, ist Glückes Art — ist — Glückes — 'Art.* * Vor dem Bataillonsstabszelt, der einzigen Behausung inr ganzen Biwak, die mit den Wohnungen zivilisierter Menschen eine entfernte AehUlichkeit hatte, unter dem Vordach, das wenigstens einen dürftigen Schutz gegen den immerzu mUnter niederströmenden Regen bot, hatte fich eine lustige Tafelrunde zusammengeschart . . . ein Paar hochkant gestellte Kisten bildeten Tische und Sitzgelegenheit . . . . das Service bestand aus groben Steinguttellern, aber die erlesensten Delikatessen der Saison gab's diesmal zn schmausen statt der üblichen Fcldkost, der Preßgcmüse-i suppe, des halbverbrutzelten Konservengoulasch. . . Das' heißt, auch diese kriegsmäßigen Speisen fanden ihre Abnehmer ... die drei Damen kosteten sie mit Begeisterung . . . . die mitgebrachten Herrlichkeiten überließen sie den Herren... . Den Sekt trank man aus ramponierten Kaffeetassen!... HAN meiner is kein Henkel dran . . .!" „Schad' nischt — is Henkell drin!" schmunzelte her flaumbärtige Carstanjen. Sassenbach hielt eine kleine Rede auf den holden Besuch: „Mit hold meine ich' natürlich: nur die gnädige [Frau, nicht euch', ihr Mädels . . . das bildet euch bloß nicht ein!" Mit galantem, stürmischem „Oho!" protestierten die Leutnants. Frau Cäcilie War still... sie nahm sich zusammen; denn einmal hatte sie einen Blick ihres Gatten aufaefangen, der mit stummer, banger Beobachtung an ihr hing, als sie hingerissen . . . selbstvergessen mit Martin Flamberg geplaudert. . . [Doch immer verglich! lechzend, qualvoll ihr armes Herz. Hier ein friedlich knisterndes Herdfeuer — dort eine jetzt verhalten glostende, oft aber heiß und goldigrot auflodernde Glut. Warum bin ich herausgekommen? — Nutzlose Onä- Ictci! 1 f Und doch zählt, sie angstvoll Viertelstunde um Viertel>- stunde, die verrann unter neckendem Geplauder, hin und wieder flatternden Scherzworten. Der Sekt schäumte in bläuen Emaillebechern, in 'zerbrochenen Dassen aus dem Fünfzigpfennigbasar. Gleichmäßig tropfte draußen der Regen aus den ziehenden Nebel- fchwaden hernieder. Die Dämmerung! sank. Gesättigt, 642 sangen draußen dis Soldaten immer totb immer wieber bas Heimkehrlied: „Es winket uns in weiter Ferns Das liebe, teure Vaterhaus! Wir War'n Soldaten, waren's gerne, Doch jetzt ist unsre Dienstzeit aus! Ihr Bruder, stoßt die Gläser an — Es lebe der Reservemann! Wer treu gedient hat seine Zeit, Dem sei ein volles Glas geweiht!" Und eine tief lastende Melancholie umwob' das' Haupt der schönen Frau... Warum war sie 'nur heraufgekommen? Es hatte ja doch keinen Zweck. 'Mit einem Male meldete von draußen her die Stimnte des Postens vor der Fahne: „Der Herr Oberst kommt!"-- Hei — das platzte wie eine Granate mitten hinein! in die harmlos schmausende Gesellschaft! Der Major sprang auf: „Herrschaften, laßt mich durch!" Er stelzte mit seinen vom langen Reiten und langen Sitzen steifgewordenen Beinen aus b-em Schutze des Zeltdachs heraus, dem Regimentskommandeur entgegen, der heute das Detachement führte. Durch den Nebel kam's von der Chaussee herangetrabt . . , der 'Regimentsstab, die Herren in Mützen. . . Oberst von Weizsäcker, neben ih!m, unnahbar wie immer, Herr von Schoenawa, sein 'Adjutant, und Oberleutnant Menshausen, der als Ordonnanzoffizier zum Regiments- stabe kommanbiert war — ein paar Trompeter und Meldereiter von den Deutz er Kürassieren in ihren mattblinkenden Stahlhelmen. ' Der Oberst, stattlich und rosig, mit den bräuuweißen, beständig zuckenden Schnurrbartslämmchen, nahm die Meldung des Biwaksrvmman-danten entgegen, tat ein paar Fragen über Nachrichten vom Feind, Sicherheits- maßregeln, -Verfassung und- Gesundheitszustand! der Mannschaften . . . Da hatte er unterm schützenden Dach des Stabszeltes die Hellen Regenmäntel, die wehenden Schleier der Damen erspäht. Neugierig, in ritterlicher Haltung, trabte er heran und begrüßte die errötenden Gäste des Biwäks. „Meine Damen — allerhand Respekt! Bei dieser Sintflut im rauhen Kriegsgetümmel?" Einen hämischen Zug um die Mundwinkel, hielt Oberleutnant Menshausen zur Linken des Obersten. Schau, schau, die schöne Frau Cäcilie im Biwak — und dis beiden Fräulein von Sassenbach' . . . und- selbstverständlich in der Nähe der schönen Fran der Herr Sommerleutnant Und Maler aus Düsseldorf. . . und- neben dem schlanken Majorstöchterlein die- Karikatur, der Gehirnfatzke aus, Bonn . . . Ein Skandal, daß man durch- das an sich! ja sehr ehrenvolle Kommando verhindert war, die Entwicklung- dieser interessanten Ereignisse aus der Nähe zu verfolgen. v Abex warte — nächstens im Korpsmanöv-er. . . was sagte die Manöverquartierverteilungsliste? Samstag, den neunzehnten September bis Sonntag, den zwanzigsten September: Re-gimentsstab — Schloß Hettstein — Erstes Bataillon — Bataillonsstab, erste und zweite Kompagnie: Dorf Hettstein —. Dann werden wir also die ganze Gesellschaft dicht bei- fammen haben . . . dann werden ja hie Dinge mehr oder weniger Zum Klappen kommen... dann könnte man vielleicht gar ein bißchen nachhelfen. . .! Wie. das würde sich finden! — Jedenfalls irgend etwas würde sich dann -ereignen . . . ein kleiner Spaß . . . eine kleine Abwechslung in diesem verflucht eintönigen Kommißdafein Dann würde man sich entschädigen können für so manchen Aevger, den man hatte schlucken mit ff en . . . Inzwischen mußte man freilich die Karre lausen, lassen. Wie sie laufen wollte... Wenn mau nur einen Vertrauensmann wüßte —? Atz — Quincke — auch in dieser Wildnis das unv-ermeid'- liche Monokel ins fahle Gesicht geklemmt. . . Menshausen winkte den jüngeren Kameraden an die Seite seines Gaules, streckte ihm die braunbehandschuhte Rechte hin: „Sie, lieber Quincke —. im Interesse Unseres Offizierkorps — beobachten Sie doch' mal die Heiden Herren des Beurlaubtenstandes, den Flamberg und den Frobenius, -ein bißchen genauer, wenn die Kamen, in der Nähe sind'.,. Brand eis hat iä! Kn Schlößchen hier in der Nähe gekauft s-5 also werdet ihr wohl öfter das Vergnügen haben — Mir kommt's vor, als vo die beiden fremlben Herren --- 7,Selbstverstänblich, lieber Menshausen, hab-'s längst tz'e^ merkt . . . Denken Sie, ich schlafe mit offenen Augen?!" Leise tuschelten die beiden Herren.- . s / — Und Quincke paßte auf, -als nun der hohe Stab Post dannen getrabt wär. . ; 1 -- Immer tiefer sank die Dunkelheit . . .- die Damen, von den Herren geführt, unternahmen noch' einen Rundgang durchs Biwak, während die Azetylenlampen des Mercedes', vom Chauffeur entzündet, bereits weiße, gleißende Licht-i kegel in die Abenddünste zeichneten... Aha. . . Frau von Brandeis wieder zwischen ihrem Mann und Herrn Flamberg . . . ja, ja, immer ä trois . unbegreiflich diese eselhafte Vertrauensduselei des Kapifi täns . . . Und Fräulein Nelly v'on Sassenbäch natürlich Seite an Seite mit dem Hagern Landwehrleutnant. . .! ; Quincke schlich hinter den beiden her und lauschte. Ja, mein altes Mütterchen, gnädiges Fräulein —! eine ganz, ganz einfache, einsame alte Frau! Sie hat sich nicht entschließen können, nach meines Vaters Tode das Dörfchen droben auf dem Westerwald zu verlassen, wo ihr Mann dreißig Jahre lang die Buben Und- Mädel in die Geheimnisse des ABC eingeweiht hatte... ach ja, eine, einfache Frau! Aber was für Augen, gnädiges Fräulein... Augen wie so -ein altes wundertätiges Waldw-eiblein Ms bCTlt , „Ach ja . . . die möcht ich wohl kennen lernen —!" Feine Zusammenstellung, grinste Quincke: junge Dame von Stand, passionierte Reiterin und Tänzerin. Tochter -eines preußischen Stabsoffiziers--und eine B auer nschulm eister switw e in einem Waldnest! — Na! ja. . . wenn die Menschen verrückt werden, fängt's im Kopf an —! -Wer es kam noch toller. Im Halbdunkel gewahrte Quincke, daß das jüngere Fräulein von Sasseubach, unauffällig zurückzubleiben suchte. Und wahrhaftig! — D-a tauchte aus der Mitte der Mannschaften, die um ihre Lagerfeuer rasteten, die Gestalt -eines Unteroffiziers auf . . . , , Aha, der Einjährige, der den langweiligen Quatsch zum Regimentsfest- verbrochen hatte! — . , . . Weiß der Himmel — -er begrüßt sie wie ein Kavalier.. ? sie plaudert mit ih-tn... Und nun zieht der Einjährige ein Notizbuch aus der Tasch-e. . . nimmt eine beschriebene! Meldekarte heraus. . . reicht sie der Dame. . . Die er-, rötet tief . . . legt sie sorgsam zusammen und steckt sie in die innere Tasche ihres Regenpaletots' • • • - ■ Warte, Bürschchen . . . dich wollen wir mal auf deinen Standpunkt zurückbringen. . .! „Nun, gnädiges Fräulein. . . wollen Sie sich nicht Ihrem Fräulein Schwester anschließen? Die Damen begeben sich bereits zum Auto zurück. . . Bitte übrigens einen Moment um Verzeihung! -— Sie, Einjähriger, hier haben Sie zwanzig Pfennige . . . gehen Sie doch- mal gum Marketender an den Kaiitineuwagen und- holen Sie mir ein Schinkenbutterbrot . . . Sie können's mir ans Offizierzelt bringen. . .!/,( Hans Friesen wär einen Augenblick starr . dann faßte er sich-, wandte sich kurz herum, spähte in die Gruppe der Füsiliere hinein, die ums Lagerfeuer saß: „Mäkowiak!^ Der Angeredete, -ein hübscher, polnischer Rekrut, stand sofort in strammer Haltung neben dem Unteroffizier: „Zur Stelle!" „Herr Leutnant Quincke wünscht ein Schinkenbutter-i Brot vom Marketender ans Offizierzelt. Hier ist das Geld."- „Einjähriger, ich habe Sie selber beauftragt, toie, Sie gehört haben! — Ist das vielleicht unter Ihrer Würde^ Was?!" -„Jawohl, Herr Leutnant Quincke biß sich auf die schmalen Lippen: „Na — bann erteile ich Jhüen -also hiermit den dienstlichen Befehl, mir das. Butterbrot zu holen!" Hans Friesen stand stramm . . . regungslos . - - - „Wollen Sie sich vielleicht der Gehorsamsverweigerung Vor versammelter Mannschaft schuldig! machen —,?!"■ Hans Friesens Lippen bebten... ; Er erinnerte sich der Strenge der militärischen Gesetzer der Vorgesetzte hat in dem Augenblicks in dem er befiehlt. — 543 immer reHt' f=. R Er nahm -Än! Wsilier das' MeV Mieder ab, machte stramm kehrt und stapfte ins' DUnkes, dorthin, wo die Laternen des Marletenderivagens gelblich auf- leuchteten >— Dafür sollte der Frechling ihm Rede stehen e= litt vierzehn Tagen, wenn der Lunte Mck ab gestreift war... Warte, du Affe! Wollen sehen, wer am dosten. schießt von Nus zweien! —. f - । H Tränen der Wut jund WnrpöruNg! in den Äugest,- sprachlos hatte Molly dem Auftritt zn geschaut: Mas ist abscheulich, Herr Ostincke!"- „Wieso?" näselte der Leutnant, >,is doch höchstens 'ne Ehre für den Unteroffizier, tojettn. er seinem Zugführer einen Gefallen tun kann!" ftsÖ sag' es meinem Vater h verlassen Sie sich draus!" (Fortsetzung folgt.) Alfred v. Berger. Von R i Ha r d M. M e y e r (Berlin). Alfred V. Berger war am 30, April 1853. in Wien geboren. Vein Vater war der berühmte Advokat Johann Nepomuk Berger,- der als, Mitglied des freisinnigen -„Bürgerministeriums" einen Augenblick lang eine bedeutende politische Rolle spielte, dann aber zusammen mit dem später so übelberüchtigten Grasen Taaffe und dem polnischen Grafen Potocki durch sein Ausscheiden dies Ministerium spaltete und auf unübersehbare Zeit dem' österreichischen Liberalismus die Regierungsfähigkeit nahm —, ein Schritt, der ihm, schwerlich mit Unrecht, von seinen bisherigen Gesinnungsgenossen nie verziehen wurde. Der Sohn ist -ein leidenschaftlicher Bewunderer des. Vaters gewesen; er hat (mit seinem Bruder, dem ultramontanen Reichsratsmitglied Wilhelm v. Berger, gemeinschaftlich) in dem schönen Buch „Im Vaterhäuse" ihm tot Denkmal gesetzt und auch in der reichen AufsatzsaMmlung „Bund j>er Heimat" ihn lebhaft verteidigt. Vielleicht, weil von jener Neigung, das eigene Urteil sehr hoch zu bewerten — und von jener Unzuverlässigkeit, die man dem Vater nachsagte, in dem Sohn ein gut Teil fortlebte. , ‘ t Johann Nepomuk Berger hatte als Mmister einen hohen Orden mit der sarkastischen Bemerkung „Mitgefangen, mitbehangen" angenommen, aber von dem Recht, den Adelstitel zu führen, das damit verbunden war, nie Gebrauch gemacht. Gleich nach seinem Tode aber Machten beide Söhne erfolgreich ihre Ansprüche geltend ; so daß sie erbten, was der Vater nicht besessen hätte. . Man denkt an den Scherz des geistreichen Villers über Religionswechsel:! sonst könne man doch nur vertauschen, was Man besitze, die Religion aber werde vorzugsweise von Leuten -gewechselt, die keine haben. • . -ä Von seinem Vater her hatte Alfred v. Berger auch indisches Blut in den Adern, was ihm später nicht mehr gegenwärtig war. Sein höchster Ehrgeiz war, ein Wiener zu sein, vielmehr „der Wiener", wie ja die eifrigsten Repräsentanten städtischer ^hpen meist eingewanderten Familien angehören. (Der Vater war aus Prosnitz in Mähren gebürtig.) Keine dichterische -Persönlichkeit seiner Zeit stand ihm näher als Ferdinand- v. Saar, der Dichter der „Wiener Elegien". Seine Heimatsschilderungen sind das Persönlichste und Schönste, was er geschrieben hat, und seine Dankrede auf Raimund die Krone seiner literarischen Charakteristiken. Sein tiefster Schmerz war nicht, daß ihm die Leitung des Burgtheaters erst nur leihweise anvertraut, -bann zu spät übergeben wurde; sondern, daß man ihn nicht als Lyriker würdigte. In der Tat sind seine Gedichte denen Saars wohl vergleichbar, außer, daß 'zu häufig der Geist statt des. Gemüts spricht; aber seine wirkliche Bedeutung werden wir so wenig in Bergers Lyrik finden, -als Berger selbst -die Saars — zu dessen lebhaftem Verdruß. "•=== in feiner Dramatik finden wollte. - , > . Berger war als Schriftsteller vielseitig tätig. Er hat, wie alle hervorragenden Wiener, Novellen geschrieben: gut geschriebene, feilt pointierte, psychologisch oberflächliche Erzählungen, die etwa die des geistreichen Historikers Guglia oder des witzigen Juristen Burckhardt — seines Amtsgenoffen am Burgtheater — nur durch ihre Ausdehnung übertreffen. Ganz anders steht es mit seinen kritischen und dramaturgischen Büchern. Alfred von Berger ist wohl der bedeutendste literarische Dramaturg unserer Zeit gewesen. Als Theaterleiter haben Brahm und Reinhardt ihn sicher übertroffen — zwar habe ich nie einer Aufführung in einem von Berger geleiteten Theater beigewohnt, kann aber zuverlässigen Berichten trauen; und welche dauernde Wirkung hat er wohl in Hamburg oder Wien Hinterlasten? Als Kritiker sind -Bahr und Schlenther und Kerr ihm überlegen, die viel melst Beobachtungsgabe, viel Mehr Interesse für schauspielerische Eigenart besitzen. Aber in der Kunst, an einem Theaterstück neue Seiten zu zeigen; in dem Talent, den Schauspielern die Grundlage der künstlerischen Wirkung zu geben; in der Fähigkeit, etrt Drama von Shakespeare, Schiller, Hebbel deut Publikum gegenüber mit allen Reizen einer „Novität" auszustatten, ward dieser Wiener nicht einmal von dem Berliner Meister der Dheater- Eauserie, von Theodor Fontane, erreicht. Ws er war eben Wiener. Er war SuMWacksen Mit jenem wienerischen Verhältnis zum Aurgtheater,- wie es der Berliney der entsprechenden Kreise etwa zur Universität hat; mit jener Freude an den Mimen, mit jenem Adelsstolz des Stammgastes an dem ersten Meater deutscher Kunst, wie sie nur an der Douast gedeihen, wie sie aber doch von dem gelehrten Germanisten an der Hochschule bis zu dem autodidaktischen Polizeiosfizianten alle Kreise erfüllen. Im Grunde war er, der der typische Wiener seist wollte, Wiene bielleicht nur in diesen beiden Dingest: in seinem Verhältnis zu der Stadt selbst, und zu ihrem vornehmsten Theater.- Wien hat er geliebt, wie nur diese Stadt geliebt wird; nur daß M ihm nicht wie Karl Lueger gegönnt war, seine Liebe fruchtbar zu machen. Das Burgtheater war das Ziel seiner langen Liebe.- Tie Ehe mit Stella Hohenfels, der reizvollen Schauspielerin ast der Burg, verschloß ihm lange den Platz, für den er geboren schien; aber int Grunde sind feine dramatischen Vorträge, feine Studien und Kritiken, ist sogar feine Hamburgische Dramaturgie (die er so zu beginnen die Naivität oder das Raffinement besaß) für die Burg geschrieben und über seine unmittelbaren Zuhörep fort geht die Rede immer nut nach Wien. Uber schon diese Ausdauer entspricht sticht ganz wenigstens dem herkömmlichen Bild des Wieners. Auch äußerlich entsprach Berger ihm nicht. 5?;Sr war auf feine Größe und Körper stärke S, wie alle, denen in der Jugend Schwächlichkeit eigen und früher wahrscheinlich war. Die ungeheuerliche Figur mit dem Kttenben Bauch unb dem bis zur Formlosigkeit aufgeblasenen hat Max Liebermann mit künstlerisch,er Schadenfreude verewigt und freilich mehr -das Körperliche durch eilte über die Ufer tretende weiße Weste betont -als die eigentümliche Grazie, die in dem Mann lag, wenn er sprach, ja wenn er sich bewegte. Ist Weimar kam fein Wagen spät in der Nacht vor dem Gasthause an, in dem wir wohnten; wir zitterten vor den Schritten des Riesen — aber nichts war zu vernehmen: er erzählte uns am folgenden Tag, daß er, sobald er in ein Gasthauszimmer käme- Pantoffeln anzöge. Das mag man nun symbolisch deuten wie man will: als liebenswürdige Rücksicht des wohlerzogenen Ge- sellschaftsmenschen — oder auch als „Leisetreterei"; denn es ist nicht zu leugnen, daß Berger recht sehr „Diplomat" war. Ist Wien empfahl er sich durch Wendungen, die astf den Thronfolger berechnet waren; in Berlin opferte er in einer Denkrede auf Wildenbruch den zu Feiernden feiner Furcht für unmodern gehalten zu werden. Schließlich steckt 'wohl in jedem Dramaturgen etwas vom Schauspieler. . . _ ■ Aber Berger war jedenfalls mehr Dramaturg als Schauspieler. Seine Luft, über dramatische Thematas' und dramaturgische Fragen zu reden, war unerschöpflich. -Es gehen überhaupt über, feine unermüdliche Freude an geistreichen Vorträgen und Monologen, Anekdoten genug um; aber im Mittelpunkt blieb immer das Theater. Dachte er gar an feine geliebte Burg, so ging die übrige Welt verloren. Ein Wiener Schriftsteller erzählte nur: als die Direktion Berger besonders nahegerückt schien, habe Berger auch Hermann Bahr, als den einflußreichsten Kritiker, besucht.- Berger geht in lebhaftem Einzelvortrag in der Stube auf und ab; Bahr liegt auf dem Sofa und hört zu, wie Berger schließlich im Eifer des Monologs entwickelt: „Und wenn ich dann erst so weit bin, bann wird von dem Kerl, beut Hermann Bahr, auch keins von feinen Schundstücken mehr -aufgeführt . £ ," Bahr verneigt sich dankend; Berger merkt es nicht. 1 Das ist nicht undenkbar. Denn eben diese Mischung von Naivität und Raffinement, -diplomatische Berechnung und theatralische Selbstberauschung machte den Mann so interessant, sobald er sprach — was eben nichts Seltenes war — verschwand die Unförmlichkeit; jedes Wort war effektvoll, aber nicht bloß aus Berechnung, sondern weil iit jedem Wort das ganze Interesse des geistreichen, vielbelesenen uitb vielbewunderten Mannes lag./ Er war der Weltmann unter den Dramaturgen; aber nicht mit jelter blasierten Diplomatenpose, die Dingelstedt unausstehlich m'achte,- fonbern mit einer stets frischen Genußfähigkeit, die ihn liebenswürdig machte. Genau so, wenn er schrieb. Sei» Genuß war gewiß nicht frei von Eitelkeit; in seinem Genuß ant Kunstwerk empfand er sich selbst, freute sich feiner geistigen Gewandtheit^ feiner Originalität — feiner Genußfähigkeit. Aber das gah eben feiner durchaus unnaiven Art, die Kunstwerke aufzunehwem eine persönliche Naivität als Gegengewicht Berger,- so lebhaft er es verstand, unzufrieden zu fein, war kein „Wiener Raunzer ; von der Scheltsucht -der Grillparzer und Bauernfeld besaß er so. wenig wie von ihrer Unfähigkeit, dem Wiener Boden bnzu- kommeii. Er hatte zu viel Freude an sich, um dauernd an dem Mißgeschick zu leiden, das ihn so lang von dem Platz Heinnch Laubes hielt; und daß diese behagliche, und übrigens tn vielen großen Talenten wohlbegründete, Melkeit durch seine treue Sehnsucht geadelt wurde, hebt das Bild des merkwürdigen .Mannes fast in die Höhe ei-:->s psychologischen Problems, Verm^chLss. * K a f f e e b e r e i t u n g o h n e F e n e r. Die neiiesten Forschungen über die Beschaffenheit der Kaffeebohnen ergaben, daß die ungesunden und bitteren Bestandtetle tote Koffein und Tannm durch -das kochende Wasser gelöst und zur vollen Wirkung gebracht werden, daß dagegen andererseits die Oele, durch die Wohl- 644 Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen, Büchertisch. „Willkommen" — ist der Name einer neuen illustrierten 10-Pfennig-Bücherei, von der die ersten 6 Bändchen jetzt vorliegen. Es handelt sich joieder darum, gegen die Neberflutuugj unseres Volkes mit Schundliteratur anzukämpfen, deren verrohendem Einflüsse aber nur dann wirksam Widerstand geboten werden kann, wenn unser Streben nach Veredelung des Volksgeschmackes nicht nur den Volkston selbst richtig trifft, sondern auch in der Preislage dem literarischen Schunde Mit gleicher Waffe entgegen» tritt. Der Ruf des Verlags von Hermann Hillger in Berlin W. 9. bürgt dafür, daß die neue Bücherei nur literarisch durchaus wertvolle Arbeiten bringen wird, deren Inhalt auch! dem. nach Spannung lechzenden Volksgeschmack in ausgiebigster Weise gerecht wird, wie die vorliegenden Bändchen: „Phoma, der Sanrojedenfürst" von Olga Wohlbrück, „Unsere Menagerie" von Gräfin Baudissich -„Der Posträuber", Texanische Hochlandsgeschichte von Philipp, Berges, „Die Stumme", Roman von Leopold p Sacher-Mafoch und andere Humoresken auf. das beste beweisen. Zcherzrätsel. Einen langen, scharfen Schnabel Und zwei hohle runde Augen, Nicht ein Untier aus der Fabel, Nein, zur Arbeit muß es taugen. Weiß bei Frau'n sich einzunisten, Täglich lehrt es die Erfahrung, Und bei manchen 3ournaliften Kaut das Raubtier geift’ge Nahrung. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der KönigsprornenadS in voriger Nunnnerfl Ein jeder gibt den Wert sich selbst; wie hoch ich Mich selbst anschlagen will, das steht bei mir. So hoch gestellt ist keiner auf der Erde, Daß ich mich selber neben ihm verachte. Schiller. nach hegen gu können glaubte, in bitterer schnöder Weise enttäuscht; nicht selten aber auch hat sich ein Faulpelz und scheinbarer Dummkopf später als Genie entpuppt. Und hierfür ist Balzac ein treffliches Beispiel! Der Aufnahmebericht, den die Schulannalen des Lycäe de Vendome von dem Verfasser der „Politique Humaine" geben, ist nichts weniger als schmeichelhaft. „Honorö Balzac", so heißt es da, „ist 8 Jahre alt; hat die Pocken gehabt, ist aber sonst frei von körperlichen Gebrechen; besitzt ein sanguinisches Temperament; ist leicht erregbar.” Gar bald stellte es sich heraus, daß Balzac kein Musterschüler war: während der ganzen sechs Jahre, die er im Lycee de Vendome die Schulbänke drückte, zählte er stets zu den „Ccmcres", d. h. zu den Schülern, die die Furcht und das Entsetzen eines jeden Lehrers darstellen. Balzac gab nie eine richtige Antwort, Vorbereitungen für den Unterricht kannte er überhaupt nicht und das Auswendiglernen war ihm ein Greuel. Aber sein vortreffliches Gedächtnis half ihm sehr ost durch. Während ver Lehrer sich mit den anderen Schülern abplagte, lernte Balzac seine Aufgaben. Aber, wehe dem Armen, wenn der Lehrer ihn als Ersten vornahm! Unweigerlich fiel er stets hinein. Balzacs Schultage waren eher alles andere als glücklich, und als er nach Hause zurückkehrte, da erschraken seine Angehörigen über den mageren unb schlecht aussehenden Knaben, der beständig in einer Art Schlaftaumel zu leben schien. Seine Schwester, Frau von Surville, schrieb das „einer Art geistiger Verdauungsstörung" zu. Während seiner Schuljahre hatte Balzac ohne Wissen der Lehrer die Bücher einer Leihbibliothek zum größten Teile durchflogen und hier legte er den Grundstock zu (einem späteren Wissen. Stach bem Jahre 1813 kehrte er nicht nach dem Lycse de Vendöme zurück, vielmehr verbrachte er das folgende Jahr in dein College zu Tours und bann bezog er die Universität zu Paris. * SOt u l e i) Hafid i m Tunnel. Den trüben Zeiten in Marokko läßt der Exsultan Muley Hasid eine Vergnügungsreise in Frankreich folgen. Die Reife von Marseille nach Vichy, so wird aus Paris berichtet, hat bem Marokkaner sehr gut gefallen, war jeboch nicht tret von Abenteuern. Die Strecke ist reich an Tunneln. Ein Tunnel aber ist für Muley Hafib etwas so Entsetzliches, daß er sich jedesmal auf die Durchfahrt besonders vorbereiten mußte: er saß jedesmal am Fenster seines Sonderwagens, in der einen Hand, zur Abwehr böser Geister vermutlich, einen Talisman, in der anderen den wohl ebenso zuverlässigen Dolch. Auf einer Haltestelle ist dem Sultan übrigens ein drolliges Mißverständnis widerfahren. Eine Französin, die Verwandte in Tanger hat, wollte den Sultan festlich empfangen und stellte sich mit einem Blumensträuße am Bahnhof auf. Muley Hafib aber hielt sie für ein Blumenmädchen. Er nahm sanft lächelnd den Blumenstrauß und — drückte ihr ein Zivanzigfranks stück in die Hand! * Entschuldigung. Pfarrer (zu einem jungen Kirschen dich): „Junge, Junge, wie lautet das siebente Gebot? —■ „Entschuldigen Herr Pfarrer, damals war i grab! net in her Schul'." geschmack und Aroma zustande loittmen, bemt Kochen ZU schnell verdunsten. Bon diesen Erfahrungen ausgehend, empfiehlt em Sachverständiger in der Zeitschrift „Die Küche" als beste MetHvdet den Kaffee möglichst start als Extrakt mtt kaltem Wasser zu berertem unb erst im Augenblick, da er genossen werden soll, durch Zusatz von Heister Milch, Sahne, ober auch nun Wasser zu erwärmen. Besonbers wenn Kaffee auf Vorrat, A. B. für längere touren,- bereitet werben soll, empfiehlt sich das kalte Verfahren, bet dessen Anwendung Haltbarkeit bis auf drei Wochen unb darüber erzielt würbe, wenn man den Extrakt gut verkorkt an kühlem Orte aufbewahrte. Von großer Wichtigkeik für diese Extraktbereitung ist das Mahlen der gebrannten Kaffeebohnen/ die zu möglichst feinem Mehl, unb zwar sehr rasch gemahlen werben müssen, weil die durch schnelle Reibung» entstehende Wärme die Abdunstung der duftenden Oele begünstigt. Das Mahlen soll (wo das möglich ist) auch erst unmittelbar vor der Bereitung geschehen. ■ Nun schüttet man das Kaffeemehl in den Trichter einer fogcnannten Karlsbader Porzellanmaschine, lästt jedoch Deckel unb den oberen Einsatz fort. Auf den Kaffee legt man ein Stückchen keimfreies Eis und lästt dann langsam kaltes Wasser, am' besten tiu9 der Leitung (nicht hartes! Quellwasser), über Eis unb Kaffee tropfen, während man Wasser und Kaffee zu dickem Brei verrührt. Die Filtration wird erleichtert, wenn man zwischen Trichter unb Kanne einen kleinen Holzspan klemmt, der den Zutritt von Luft gestattet. Nachdem genügend Wasser durchgesickert, gießt man den flüssigen Kaffee nochmals! auf den nassen Grund, damit er zum zweiten Male durchsickere, wobei das Eis, falls nötig, erneuert- werden must. Da ein starker Extrakt erzielt werden soll, muß selbstverständlich nicht zu viel Wasser im Verhältnis zinst Kaffeemehl verwendet werden, weil erst kurz vor dem Genuß der richtige Stärkegrab hergestellt wirb durch Zusatz von kochender Milch, Sahne ober Wasser, wodurch die aromatischen Oele dann gelöst werden. - Die Anwendung von Metallkannen oder Trichtern ist nicht Zu empfehlen, weil sich in den Ritzen leicht vegetabilische Rückstände festsetzen, die mit der Zeit in Zersetzung übergehen unb dem Kaffee einen unangenehmen Geschmack verleihen. Besonders-, wenn der Kaffee in größerem Vorrat hergestellt werden soll, empfiehlt sich diese Art der Zubereitung statt des bisherigen Verfahrens, bei welchem ein stundenlanges Warmhalten, meist sogar in Metallgefäßen, dem sonst duftenden Getränk Aroma unb! Wohlgeschmack raubt., " Oelsen er ung i in Eisenbahnbetrieb. Die 23 er' waltungsbirektion der Southern Pacific Co. hat zu Ende des vorigen" Jahres beschlossen, die Kohlenheizung auf dem ganzen großen Gebiet ihrer Eisenbahnlinien durch die Oelheizung zu ersetzen. Der großen Kosten halber wird man allerdings die schon im Gebrauch befindlichen Maschinen nicht abschaffen, aber keine neuen für Kohlenheizung eingerichtete mehr bestellen. Sowohl die großen Gebirgslokomotiven wie die kleineren auf der Ebene laufenden sollen künftig mit Petroleum geheizt werden. Ganz besonders große Leistungen erwartet die Southern-Pazisic-Gesellschaft von einer Lokomotive mit Oelheizung, die kürzlich in Betrieb gestellt worden ist. Sie wiegt 174 Tonnen, und zu diesenr Gewicht kommt noch der Tender mit 81 Tonnen. Die Lokomotive ist teilweise ganz anders gebaut als die bisher gebräuchlichen und bekannten. Auf ihrer Front befindet sich der Raum für den Lokomotivführer, dagegen sind Feuerung und Kessel in die Rückseite eingebaut. Der Lokomotivführer, der somit'ganz vorn in der Maschine steht, kann die weite Strecke frei überblicken, ein Umstand, der die Betriebssicherheit erhöhen dürste. Die Form des Tenders ist zylinderförmig; da er Petroleum und nicht Kohle zu fassen hat, hat man ihn ähnlich wie einen Damvfkessel gebaut und damit auch eine Ersparnis an Raum erzielt. Die Lokomotive hat Hoch- und Niederdruckszylinder, zwanzig Räder, sechs Achsen für die Maschine, vier stir den Tender. Sie hat die Aufgabe, die Sierra Nevada zu durchfahren und ist die erste einer Reihe von weiteren Lokomotiven mit Oelheizung, die sich die genannte Gesellschaft bereits bestellt hat. kf. Die Erziehung durch die Puppe. Ein schlechtes Erziehungssystem ist es wahrlich nicht, das man soeben in England ins Leben , zu rufen beginnt. Nicht mit Wissenschaft sollen die jungen Mädchen — es handelt sich um diese — abgeguält werden, sondern sie werden auf den ureigensten Beruf der Frau, der doch nun einmal ist, Mutter zu werden, vorbereitet. Nicht gar fo leicht ist es, ein Kind von den ersten Tagen an zu warten und zu hüten. Hiervon ist der „Bund der Puppe” ausgegangen. Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren wird eine Porzellanpuppe „zur Pflege" übergeben, denen sie dann eigene Namen geben, und alle müssen versprechen, die Porzellanpuppe genau so zu behandeln, als wenn sie etwa ein lebendes kleines Schwesterchen sei. Wöchentlich einmal findet eine Lehrstunde statt. Dort werden dann in gemeinverständlicher Weise wichtige Säuglingsfragen behandelt, als da sind, die Reinigung des Kindes, seine Ernährung und vieles andere. In der kurzen Zeit seines Bestehens ist der „Bund der Puppe” beträchtlich gewachsen und er erfreut sich der Fürforge der englischen Behörden in hohem Maße. kf. 21 u § Balzacs Schuljahren. Der Knabe ist nicht immer der Vater des Mannes I Wie häufig hat ein Knabe die chonsten Hoffnungen, die man für feine Zukunft seinen Anlagen