Mittwoch den 5t. Januar MM HiBkVl Glückslasten. Noman von Hanns von ZobeltiK (Nachdruck verboten^ (Fortsetzung.) Signe hatte nur mit halber Aufmerksamkeit hingehört. Eie sah mit ihren scharfen Augen drüben, ziemlich entfernt, Eberhard und Hoburg und jene junge Frau im gelben Kleide mit dem blendenden Nacken. Und etwas wie ein leiser Verdruß flieg in ihr auf. Wie konnte sich Hoburg, nach dem, was er ihr vorhin gesagt, dieser — dieser Frau zu gesellen! Dann lächelte sie das widrige Gefühl nieder: was ging das sie an? Und damr begann auch Eberhard schon wieder zu tanzen, ivieder wie vorhin — „Sag mal, Friedel, da sieh, bitte: mit wem tanzt Eberhard eigentlich?" fragte Mama. Friedel klemtnte das Monokel ein und tat, als ob er suchte und nichts sehe. „Hardi — unser Hardi . . .?" „Er will's nicht sehen —" dachte Signe. Mer da kam das Paar ganz in der Nähe vorüber und Mutter fragte noch einmal höchst interessiert: „Da, Friedel, grad vor uns —" „Ach so, Mama ... ich lernte die Dame nicht!. . und dabei lächelte er so malitiös, mit zusammengekniffenen Lippeti, daß Stgne wußte: er kennt sie doch. Aber eine Krähe hackt natürlich der anderen die Augen nicht aus. 1 Gleich darauf kam Vater. Er war in rosigster Stimmung, hatte allerlei alte Bekannte getroffen, bei Dodo ein paar Glas Sekt getrunken, im holländischen Teezimmer sich von irgend einer Schönheit einen Bolsschen Li.ör kredenzen lassen, hatte viel Bewunderung seiner Aeltesten glatt heruntergeschluckt — und wollte jetzt int Tunnel soupieren. Auch Friedel war nicht abgeneigt. So wurde Dorothee herbeizitiert, es fügten sich schnell in ihre Eskorte noch ein paar junge Herren ein, so daß man wenigstens den Vorzug eines kleinen, in sich geschlossenen Kreises hatte. Gerade als man einen Tisch erobert hatte, fand sich der Prinz ein, und Friedel forderte ihn auf, mitzutun, ehe es Signe hindern konnte. Vielleicht hätte sie das auch nicht getan — sie war sich selbst nicht ganz im klaren. Es war etwas in ihr, wie die Lust, mit der Gefahr zu spielen, und dann sagte sie sich zugleich wieder: Eine Gefahr? Wo ist denn da eine Gefahr —" Mer so richtete sie es doch ein, daß der Prinz nicht unmittelbar neben sie zu sitzen kam, sondern auf der anderen Seite des Tisches, zwischen Mutter und Dodo. Und bereute es gleich wieder, denn nun war sie dem fast verzweifelten Blick seiner Augen erst recht ausgesetzt. Den frecktch wohl nur sie bemerkte. Oder legte sie in die grauen Augen etwas hinein, was gar nicht darin lag? Jedenfalls war Hoburg sehr still. Ueberaus artig gegen Mutter, verbindlich gegen Dorothee, aber nicht gerade ge» sprächig. Und das gefiel Signe, denn sie dachte unwillkürlich an manche Stundet: fadesten Gesellschaftsklatsches im Salon der Fürstin zurück. Und während sie mit Friedel und Herrn von Horseck plauderte, dachte sie doch auch: „Eigentlich sieht Hobttrg gut atts. Seine Schönheit — der Himmel bewahr mich vor jedw sogenannten Männerschönheit! Aber die alte Rasse verrät sich in jedem Zug, in dem gut geschnittenen schmalen Gesicht, in der hageren Figur, in den langen schmalen Händen." Man sprach über das Fest, man sprach über Wohltätigkeitsfeste überhaupt. Vater war enthusiasmiert, Mutter kritisch, Friedel ablehnend. Und Dodo fand es reizend, um gleich darauf energisch zu versichern: nicht zehn starke Gäule brächten sie noch einmal in solch eine Sektbude. Dabei wurde sie rot über das gattze Gesicht und kicherte dann etwas verlegen, was ihr reizend stand. Friedel versuchte ein paar Mal, den Prinzen in das Gespräch zu ziehen. Aber Hoburg antwortete immer ausweichend mit halben Worten, die eben- eeine Bejahung wie eine Verneinung bedeuten konnten. richt war er unaufmerksam. „Oder", dachte Signe, „vielleicht folgt er nur der Maxime seiner Kreise, die nicht gern nach irgend einer Seite hin ohne zwingenden Grund verletzt." Aber immer, wenn er es unbemerkt tun zu können glaubte, streifte fein Blick wieder zu Signe hinüber. Bald mit kurzem Aufflammen, bald wie in stummer Bitte. Es wurde ihr immer peinlicher. Und um sich selbst abzulenken, widmete sie sich desto mehr ihrem jungen Nachbar zur Linken, plauderte, scherzte mit ihm, kokettierte vielleicht ein wenig, um dann plötzlich zu bemerken, daß sie hier ein anderes Feuer entzündete, das im Begriff stand, lichterloh aufzuflammen. . . „Was denkt sich dieser Herr von Horfeck! Ein lieber netter Mensch, prächtiger Gesellschafter, famoser Tänzer —alles: ja! Aber nur hier iticht Hoffnungen erwecken, die nie in Erfüllung gehen können!" . . Sie versuchte schnell einen kalten Wasserstrahl ins Feuer zu gießen, aber der schien mehr wie Oel zu wirken. Wahrhastig, dieser blutjunge Leutnant machte ihr verliebte Augen, wurde sentimental, sprach von dem seligen Glück seiner soeben verheirateten Schwester und von der eigenen Sehnsucht nach einer Häuslichkeit. Du lieber HiMmel, am Ende hatte er auch nur zu tief in das Sektglas geguui. Dann blickten mit einem Male — war's Zufall! —i alle gleichzeitig auf. Dicht am Tische vorüber schritt Eberhard mit einer kleinen Gesellschaft, die kanariengelbe Dame am Arm. Er stutzte einen Moment, als er die Eltern und Geschwister sah, nickte dann flüchtig, vielleicht mit einem kleinen Verlegenheitszug um den Mund, und ging weiter. Ein paar Tische entfernt nahm die Gesellschaft Platz. Vater schmunzelte: „Pompös! Allewetterchen —!" Doch er bekam gleich einen Blick von Mutter, der ihn erst er« staunt aufsehen, dann verstummen ließ. Schnell trank er sein Glas teer, mit einer gewissen verschämten Emsigkeit. 66 Signe hatte kaum auf die schöne Frau hingesehen. Aber der Herr, oer nun an deren anderer Serie Platz nahm, interessierte sie. Herr Köhne — August Köhne! Wie eine seiner» bläulichen ernsten Gesicht und der schiefen Nase. Karikatur nahm er sich neben der stolzen Gestalt aus mit Ganz in sich znsammengesunken saß er, drehte an seinem Glase oder schien das Muster in der Serviette zu studreren. Und die arrderen drüben lachten rings um ihn. Ain übermütigsten die junge Frau., Sie hatte vorhin beim Vor- überschrerten einen duftigen Spitzenschal umgehabt, jetzt warf Einmal nahm dieser Herr Köhne den Schal von der Stuhl- sie ihn zurück. Wie Alabaster schimmerten die Schultern, lehne auf, ivollte ihn ihr wieder umlegen, aber sie streifte ihn gleich aufs neue ab und lachte. Lachte mit glänzenden Augen und zeigte die blitzenden Zahne. \ Das Gespräch hüben Ivar etwas ins Stocken gekommen. Eigentlich sprachen lediglich noch die Herren, gleichgültige Dinge, und auch sie vermieden dabei sichtlich, nach dem anderen Tisch hinüberzusehen. Nur Vater konnte es sich nicht versagen, dann und wann einen verstohlenen Blick nach dem Nebentisch zu werfen. Und mit einem Male fragte er ganz erstaunt Horfeck: „Aber ist das denn möglich, die Dame hat ja links — etwas seitlich — einen kleinen Brillanten zwischen Den Zähnen?" „Eine neue Mode, aus Amerika importiert. Ein einplombierter Diamant —" Vater hatte ganz leise gefragt. Aber Mutter hatte manchmal feine Obren. Sie schob ihren Teller indigniert zurück, sagte ziemlich laut: „Ich glaube, wir gehen —" und stand auch schon auf. Man mußte durch die Säle zu den Garderoben. Es ging ziemlich wild zu, das Gedränge war womöglich noch größer als vorher, der Lärm noch lauter; die Stimmung schien nach dem Souper noch gehobener zu sein. An der Sektbude saß noch immer, von einem Schwarm von Anbetern umringt, Fräulein Bärnberg; aber die großen roten Mohnblumen an ihrer Brust waren zerflattert. Signe hatte versucht, an der Seite der Mutter zu bleiben, die wie eine Fürstin, ohne rechts und links zu sehen, sich ihren Weg bahnte. Eine Weile war das möglich gewesen. Dann war sie abgedrängt worden, und plötzlich ging Hoburg neben ihr. > Schweigend zuerst. Und sie dachte: „Wie fängst du's nur an, daß du ihm so gut entwischst wie vorhin?" Da sagte er, wie aus tieferem Sinnen heraus, ganz unvermittelt: „Sie waren doch die Schönste —" „Auf diesem Fest der Wohltätigkeit und der Uuschönheit." „O, an schönen Frauen hat es hier wohl nicht gefehlt. Aber keine war so -schön wie Sie, gnädiges Fräulein. So sieghaft schön wie die Herzogin von Chouanne." „Die Herzogin von Chouanne ist mnter dein Fallbeil gestorben — und ich fahre nach Hause. Gute Nacht, Durchlaucht, amüsieren Sie sich weiter mit den Schönheiten, die bleiben." Ueber sein hageres fahles Gesicht huschte eine ganz leichte Röte: „Pah —" machte er, zögerte einen Moment und sagte dann: „Sind Sie mir böse, gnädiges Fräulein?" Sie standen schon in der Tür der Garderobe. Von innen winkte Vater, der — mit etwas bekümmertem Gesicht — dem Diener den Pelz seiner Frau abnahm und ihn ihr Äußerst sorgsanl um die Schultern legte. „Böse? Nein, Durchlaucht. Wie sollte ich! Gute Nacht — und viel Vergnügen." Signe schlüpfte schnell an ihm .vorüber, mit einem leichten Kopfnicken. Mutter war unwirsch. „Wo bleibst du denn, Signe. Dodo, den Kragen hoch — du willst dich wohl erkälten. Nun, Otto, kommst du endlich? Du scheinst dich ja gar nicht trennen zu können> Vater stand nämlich noch auf eines Augenblicks Länge bei Herrn von'Horfeck undsragte leise: „Sagen Sie mal, wer war eigentlich die Dame... die. . . mit der Brillantplombe?" Er sprach es leise, und der junge Offizier gab ebenso leise zurück: ,-Eine Frau Köhne — der Mann ist Schauspieler." • » So leise sie flüsterten, Signe hatte es doch gehört. Und vor ihr tat sich mit einem Male eine Tragödie auf. Oder' war's nur eine Komödie?' ■7. Dodo quirlte in dem Zimmer der Schwester herum. Sie War gerade aus der Vorlesung gekommen, hatte den Kopf voll von „Goethes Lieben", wie sie es ausdrückte, philosophierte von ihrem Kaminfell aus über die Liebe im allgemeinen, über Friederike, Lotte und Lilli im besonderen, fand Goethe in einem Atemzuge einen scheußlichen Schurken und einen Wundermann, einen Halbgott, sprang auf, machte einige Müller-llebungen, lief zu Signe, die am Schreibtisch- saß, um ihr schnell einen Kuß in den Nacken zu geben, kuschelte sich wieder vor die Kaminflamme hin. „Was man erlebt — was man erlebt!" Pause und Aufrichten in Sitzstellung, dreimaliges Armstrecken vorwärts, seitwärts, rückwärts. „Diese Berliner Mädels I Wir Kör- liner sind doch die reinen Waisenlämmer dagegen. Ich hab ja noch gar nicht mit dir darüber gesprochen — wann kommen wir denn überhaupt mal zum vermünftigen Plappern bei dem Geruder! So was wie neulich auf dem Zaubersestj bei Kroll, so was geht nicht auf 'ne frischabgezogene Elefantenhaut. Also denk dir —" Ausstrecken, Rückenlage, Arm unter deni Nacken — „kommen da zwei Mädels zu uns hereingewutscht, Freundinnen von meinen Seklkolleginnen — brrr! brrr! haben Progrämmer verkauft, tuscheln und tuscheln hinter uns — denk dir — renommieren, wie viel sie zusammengebettelt haben und — denk dir — nehmen sich jede je zwei Mark von dem Gelde, um sich davon Pralinees! zu kaufen. Von dem Gelde —■ denk dir! Solche Gemein-, heit — Mädels aus ganz anständiger Familie. Das heißt, was mmt so nennt. Na und dann dieses Fräulein Bärnberg, unglaublich, sag ich dir. Ich bin ja nicht so, mal so'n bißchen Augenklappern — na warum denn nicht? Aber so sich auf dem Präsentierteller darbieten . . . hier siehst duf mir, hier hast du mir . . . Pfui Geier! Diesen Männern!" (Fortsetzung folgt.) Auf Schneeschuhen. Von Rechtsanwalt L. Rc^ab (Gießen) (Fortsetzung.) VI. Das Ewig-Weibliche. Das Beste kommt zuletzt. So auch beim Schilauf. Staunte man schon die ersten Männer, die mit Schnee;chuhcu auszogen, an, so kannte die Verwunderung über die ersten Weiblein, die sich ebenso bewaffneten, keine Grenzen. Man sah die geheiligte V 'ellschaftsordnuug bedroht, wo sollte das hinsühren! Auch an Spott fehlte es nicht; denn die ersten Vertreterinnen des zarten Geschlechts sahen anfangs in ihrer unsportmäßigen, zufamiuen- gelesenen Ausstattung nicht immer entzückend aus. Bald mehrten sich zrim Aerger der einen, zur Freude, der anderen männlichen Partei die Teilnehmerinnen; der Schisport wurde anziehender. Man zog sich auch besser und zweckmäßiger an, nicht nur der Manu, and? die Fran. In die rauheren Sitten des Hütten- lebens kam mit den holden Vertreterinnen der sanftere Ton, die größere Ordnung, die Rücksichtnahme, eine Grenze fürs Ungebundene. Das Leben auf den Hölzern vergesellschaftete sich leichter, streifte die steife Etikette des Stadtlebens für die Tage des Sports ab und lehrte die Menschen, sich wenigstens eine Zeitlang natürlicher zu geben. Neben der Freude an Betätigung in zwangloser Gemeinschaft, trieb manche der Vertreterinnen des schönen Geschlechts der berechtigte Wunsch auf die'Bretter, die Herren der Schöpfung auch auf diesem Feld aus die Möglichkeit eines künftigen gemeinsamen Lebenswegs hin aufs Korn zu nehmen. Der Anschluß war hier leidster als sonst. Das hatte and) Leuchen Müller aus Karlsruhe sd)on längst herausgefunden. Sie hatte fid) mit einer Peusionsfreundin aus Darmstadt verabredet, auf dem Hoherodskopf, wo günstige Schneckverhältnisse für Anfänger im Schneeschuhlauf waren, ein paar lustige Wintersporttage zu verleben. Die Freundin war mit ihrem Vetter, einem Studenten aus Gießen, schon vorausgefahren, sie war deshalb floh, in Schotten einem Herrn, der auch Schneejd-ulstäufer mit dam Ziel: Hohevods- kopf, war, sich anschließen zu können. Leuchen sah reizend ans in roter Rodelmütze, weißem Sweater und blauem Dourenrock, einem Teil eines schicken Norweger Schiläuferinnen ko stums. Sie hatte einen kleinen Schließkorb vorausgesandt, mit dessen Inhalt sie den Schneid eines schönen Badenser Mädels ins rechte Licht zu setzen hoffte. Sie unterhielt fid) gern, ließ fick) alles erklären, hatte Interesse für den flachen Aschenkegel am Wäldchen zwischen Schotten und Michelbach, wo man heute noch die vulkanische Asche, durchbrochen vom Lavaflnß, Lapilli und Bomben, den Niedersdstag eines mächtigen Aschenregens sieht, sah mit Staunen, daß es in Michelbach trotz des als Sibirien verschrieenen Vogelsbergs noch Nußbäume gibt, sah dern Maler zu, der dort am! Dorfeingang, ans Holzschuhen stehend, trotz der Kälte eine schöne Winterlandschaft auf seine Leinwand zauberte. Sie war im Schilauf Neuling, hatte str-welnagelneue Schneeschuhe mit „modernster" Bindung und als sie am Breungeshainer Friedhof vorbei war, hielt es sie nicht länger, sie mußte auf die Bretter, die für einige Tage ihre Welt bedeMen sollten. Der Herr fahr ihb ÄchelrÄ 67 Hr, tote sie sich eine Zeitlang mit dem Riemenwerk abquälte. ®a sie aber manches verkehrt machte, gab er ihr doch einige.Anleitung, B weh!, wie er meinte, beim Schneeschullaus auch die Frau „selbst der Mann" sei. Sie bedauerte so strenge Gesetze, vom Schlittschuhlaufen war sie eine größere Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit gewöhnt. Nun, man mußte sich schließlich auch damit abfinden. Am Ende hatte der Herr, der sonst sehr nett und freundlich 3u ihr war, doch recht. Warum sollte das Weib sich immer so zimperlich geben. Sie wollte deshalb tapfer sein. Wie konnte man aber nur so rasch müde werden. Sie hatte das „Viertel- stündchen" Aufstieg doch unterschätzt. Ihr Begleiter, der mühelos vorausging und selbst steile Stellen, wie ohne besondere Anstrengung und ohne Stock auf seinen Schneeschuhen nahm, was ihr ganz unbeschreiblich schien, tröstete sie, daß sie die Anfängerschwierigkeiten bald überwinden werde und da sie so gewandt, graziös, jung und geschmeidig sei — sieh in, er konnte doch ^galant sein — so werde sie rasch fernen und eine flotte Schneeschuhläuferin werden. Sie glaubte auf seinen Zuspruch, gewann Sicherheit, obwohl sie mit dem Balancieren noch auf »em Kriegsfuß stand, war aber herzlich froh, als sie auf der Höhe war; dort war schon ein lebhaftes Treiben, ein ganzer Wald von Schneeschuhen stand im Schnee am Klubhaus und sie wollte Neugierigen nicht das Bild eines haltlosen, fallenden Mädchens geben. Sie wußte noch nicht, daß beim Schneeschuhlauf niemand mehr darauf achtet, ob fich andere geschickt oder. ungeschickt anstellen, daß sich deshalb auch niemand seiner anfänglichen Unbeholfenheit zu schämen braucht. Lenchen Müller wurde von ihrer Freundin und deren Vetter gleich begrüßt und ins Gespräch gezogen, so daß sie ganz vergaß, rhrem Begleiter zu danken. Zu chrer Beruhigung erfuhr sie, daß das Schließkörbchen angekommen war. Sie packte es ans und kam, als das Essen schon im vollen Gang war. Man hatte sich ohne viel Umstände an die 'langen Tische gesetzt, wie es gerade kam; Vorstellung war unnötig. Von selbst ergaben sich Gruppen und bunte Reihen; die Tanten verstanden sich darauf, dies ganz unbeabsichtigt einzurichten. Eine der älteren Damen — pst! Der jüngeren HanSmütterchen! — hatte sich mit gewohnter Sicherheit des Suppenlöffels bemächtigt und teilte jedem sein Quantum zu. Lenchen Müller fand, als Spütkommende, nur noch einen Stuhl frei und wollte schon dem glücklichen Zufall danken, daß sie ihrem Begleiter gegenüber zu sitzen kam, als ein rascher Blick — Frauen haben hierfür ein scharfes Auge — sie erkennen ließ, daß ihr freundliches Gegenüber an der nun unbehandschuhten Hand einen Ehering trug. ES war doch zu dumm, traf man einmal einen netten Mann, bann hatte ihn natürlich schon eine andere weggeschnappt. Um sich über ihre unangenehme Entdeckung rascher hinwegzuhelfen, dankte sie mit mehr Worten, als sie eigentlich vor hatte und als nötig gewesen wäre, für die Unterstützung. Sie war aber keine Kopfhängerin und so hatte sie längst bemerkt, daß der frische Herr neben ihm sie mit Interesse beobachtet hatte. Der freche Mensch, dachte sie, sah ganz unverwandt herüber. Daß sie selbst fast ebenso interessiert hinübergeblickt hatte, siel ihr nicht aut Nein, es war doch kein frecher, sondern ein lieber, guter, junger Mann, der so unverhohlen und offenherzig sie bewunderte Und so treu aus seinen Augen schaute, daß sie ihm nicht bös sein konnte; selbst nicht, als er ein Gespräch mit der ungeschickten, Wendung einfeitete, man merke ihr aber stark an, daß sie heute zuin erftenmal auf Schneeschuhen stehe. Er habe sie bei ihrem Heraufmarsch beobachtet, cs sei schon mehr ein Herauffallen gewesen, fügte er mit gutmütigem Spott hinzu. 'Ter Begleiter von vorhin meinte, er sei wohl ein erfahrener Schiläufer und da möge er fich des Fräuleins etwas annehmen und ihr Altleitung geben.. Er sagte mit Freuden zu und sie nahm den Vorschlag mit Wärme an. Jetzt nahm sie ihrem früheren Begleiter auch nicht mehr übel, daß er schon verheiratet war; er hatte seine Sache gut gemacht und ihr in Hugo Grote, wie sympathisch ihr dieser Name war, einen guten Ersatz verschafft. Lenchen und Hugo waren von da au unzertrennlich. Sie übten fleißig, sie war eine eifrige Schülerin, er ein aufmerksamer Lehrer. Sie fiel viel und gefiel ihm doch immer besser; jeder neue Fall war sein Fall, beim da konnte er sie aufheben. Er fand, daß das bei einem schönen, jungen Mädchen eine ganz angenehme Beschäftigung sei. Sie war boshaft genug, ihm seine Aufgabe nicht zu leicht zu machen; sie „machte sich schwer" und wenn er beherzt zugriff, als wenn er einen schweren Mehlsack zu sich Heraufziehen wollte, so war das ganz in der Ordnung._ Wenn ihre Stirnlöckchen dabei fein Gesicht berührten, ober fein Schnurrbart ihre Wange kitzelte, so wurden sie verlegen und lachten wieder so glücklich zusammen, so daß Grete Livsius, die von weitem diesem Treiben zusah und mit von Neid und Mißtrauen geschärftem Frauenblick erkannte, daß beide schon auf dem besten Wege waren, sich ineinander unsterblich zu verlieben, sie dachte, so leicht dürfe man es den Männern doch glicht machen. Sie meinte zu sehen, daß Lenchen beim Aufgehobenwerden (unnötig weit den Kopf zur Seite bog, als wollte sie sich förmlich Win Wssen präsentieren. Hand aufs Herz Lenchen, dieser Verdacht war nicht ganz unbegründet, der liebe, dumme Kerl war so schüchtern und schwer von Begriff. Sie war ihm so gut, und er hatte sie schon zum Fressen gern, das wußte sie. Sie waren, den Spuren anderer folgend, auf die Hoherains- Kornwiese gezogen, genossen von hier einen unbeschreiblich klaren Blick auf die Rhön. Ueber dem Dunst der Ebene hob sich scharf der dunkle Sarg der Milseburg ab, rechts davon glänzte das Schnce- feld der Wassirkuppe, noch weiter rechts, wie ein Gegenstück des Hoherodskopfs der Kreuzberg; bann kamen noch andere Rhön- berge. Noch weiter rechts sah man sogar den Odenwald und darin den Kegel des Melibocus, steiler als der Tünsberg, ans der Bergstraße hervorragen. Aus der Hoherainsbornjviese blieben sie nicht lange, hier wurde zu viel geübt, es war das reine Schlachtfeld; kaum einer, der nicht Spuren seines Sturzes und ganze Mulden im weichen Schnee hinterlassen hätte. Auch waren zu viel Menschen da. Lenchen und Hugo bradjen deshalb bald wieder auf und zogen! nackj der Forellenteichwiese oder nach den Schwarzbachswicseu und gelegentlich auch nach der sog. Rennbahn, obwohl dort der Schnee diesmal gerade nicht günstig war. Hier lernte sie erst den Reiz der Schnelligkeit kennen. Die Schneeschuhe gingen ja förmlich mit einem durch. Dabei bekam, sie doch ein Gefühl der Unsicherheit und nahm es dankbar an, wenn Hugo sie, wie beim Schlittschuhlaufen mit kreuzweise gehaltenen Armen leitete. ' (Schluß folgt.) Line Tragikomödie des Lebens. Aus Paris wird berichtet: Im Pariser Stadtteil Montrougd entstand in den letzten Tagen eine Verkehrsstockung: durch die Straßen zog ein ärmlicher Leichenwagen, eine Beerdigung dritter Klasse, aber hinter dem Wagen marschierten int langen Zuge phantastische Gestalten mit großen Schlapp hü teil; unzählige Künstler und Künstlerinnen aus dem Quartier latin und vom Montmartre. Und wenn man fragte, wen diese zahllose Gefolgschaft zu Grabe geleitete, so erhielt man die Antwort „Rousseau", schlechthin „Rousseau". Den man hier zur fetzten Ruhe brachte, war eine unbekannte Berühmtheit, war der alte arme Henri Rousseau, der 15 Jahre lang das traurige oder glückliche Opfer Pariser Künstlerübermutes gewesen war. Tas Opfer eines riefen» haften Ulkes, wohl des größten, den bas alle Zeit erfinbungs- reiche unb lustige Künstlervölkchen ber Seinestabt ersonnen hat. Bis vor wenigen Monaten arbeitete ber arme Rousseau, so wirb erzählt, noch als schlichter Zollbeamter, und seinem ganzen Wesen nach war er nie dazu geschaffen, berühmt zu werden. Aber in seinen Freistunden führte er den Pinsel und malte, und die Kollegen vom Montmartre hatten ihm aus Scherz eingerebet, er fei ein großes Genie. „Sie sagen mir," so erzählte ber arme alte Henri mit einem bescheibenen Lächeln, „ich sei ein echter Primitiver, tch sei ber erste unter ben Postimpressionisten. Ich verstehe mich nicht auf Worte, ich bin nur Maler." Unb mit einer liebens- würbigen Gebärde wies er ben Besucher bann zu seiner Leinwand. Seine Schöpfungen waren in der Tat geeignet, Verblüffung zu erwecken. Er war wirklich ein Primitiver, alle seine „Schöpfungen" blieben stets die Kinder seiner anspruchslosen unb naiven Unschuld. Dabei war er ein lieber alter Kerl, alle Studenten und Malschüler hatten ihn gern unb so tarn es auch, bafciman ihm eines Tages aus Ulk in den Salon des Jndepenbente aufnahm und feine grotesken Bilder zum Gaudium ber jungen Künstler aufhängte. Es war ein toller unb vielleicht auch ein grausamev Scherz. So sah man vor einigen Jahren eine Malerei des alten Rousseau, bie er „Jatwiga" getauft hatte, wie er bescheiden versicherte : „Nach einem wunderschönen polnischen Mädchen, das ich einst in meiner Jugend sah." In der Mitte des Bildes sah man auf ein rotes Pgüschsofa hingestreckt bie Gestalt einer nackten Frau. Aber bieses Sofa stand in der Mitte eines tropischen Urwaldes, den offenbar noch nie ein menschlicher Fuß betreten hatte. Hier mitten in der Wildnis lag die schöne Jatwiga und lanfchte einem Neger, ber auf einer Kaktusstaube saß (was sicherlich sehr unbequem fein mußte) unb auf einem wunderlichen Instrumente spielte. Zwei Löwen, ein Tiger unb eine Klapperschlange krochen durch die Klänge dieser postimpressionistischen Musik angelockt aus dem Dickicht unb blickten mit sichtbarer Rührung auf die schöne Jatwiga. Paris lachte sich halbtot über diefcs Bild, aber bie jungen Witzbolde vom Quartier Latin und vom Montmartre trieben ben Sckjerz noch weiter unb brachten es sogar bahin, daß ein ausländischer Kunstfreund das merkwürdige Stück als modernste französische Malerei kaufte. Tie Freunde erzählten dem alten Henri, er sei nun das Haupt einer neuen Schule und da er ein wirklich ehrlicher unb naiver Mensch war, nahm er das alles für bare Münze. Ihm wäre es nie in beit sinn gekommen, baß man sich über ihn luftig machen könne, unb die jungen Leute sorgten auch dafür, daß dem alten Rousseau üe Enttäuschung erspart blieb, je die Wahrheit zu erfahren. Er hat nie zu wissen bekommen, baß seine Gemälde für alle Welt nur eilte Quelle unerschöpflicher Heiterkeit bildeten. Er saß daheim unb malte, bie Freunde sorgten dafür, daß feine Werke stets ge- ’auft wurden, was fich leicht machen ließ, da ber gute Henri bei il(em Fleiß jährlich nur ein Bild fertigstellte. Ter Erlös reichte aus, um ben Alten über Wasser zu halten und voll Stolz.sagte er immer: „Meine Kunst ist mir Nahrung und Trunk." Nach ber Jatwiga verblüffte er Paris mit einem Riesengemälde „Unsere Vorfahren tanzen um den Baum der Freiheit". Inmitten ber großen Leinwand — denn Henri Rousseau malte mir räumlich große Bilder — hing auf ber Spitze eines Baumes eine rote türkische Mütze und ringsumher tanzten halbnackte MännergestalM, bie auffällig populären zeitgenössischen Politikern ähnelten, Ank 68 ^uße beS Baumes lag ein Skein, auf dem der alte Henri «wer Verse eines Gassenhauers geschrieben hatte: Anprös de ma blond« Qn'il fait bon, fait bon, fait ton!" Tiefe neue Frerheits- hymne erregte Stürme der Heiterkeit, Rousseau aber war entzückt, als er bei einem Besuche des Salons Dor der Eröffnung eine Gruppe junger Maler einen wilden Tanz um dies Gemälde aus führen sah. Auch hier fühlte er nicht den Spott, ferne Augen füllten sich mit Tränen und still jagte er: „Ja, das rit nnrklrch Ruhm. Niemand hat die Illusionen des wackeren Mannes je zerstört. Als keine Käufer für die Bilder mehr aufzutreiben,waren, legten die jungen Maler zusammen und überreichten ihm die Summe mit der Erklärung, der Großfürst X. habe das Werk für seine Galerre erworben. Man unterstützte ihn nach Kräften und stets hinter der Maske berühmter Kunstmäcen, die angeblich den großen Meister vergötterten. Noch kurz vor seinem Tode richtete stch der Sterbende in seinem Bette auf; an seinem Lager waren die Freunde versammelt, die vor 15 Jahren ihren Ulk ausgeheckt hatten, und nicht mehr das Herz fanden, ihren alten Schützling aufzurlaren. Und zu ihnen gewandt meinte Henri Rousseau nachdenklich: „Ach, wenn doch der deutsche Kaiser Frankreich die Jatwiga zurückgeben würde Jetzt, da es mit mir zu Ende geht, wäre es mir Hoch ein schöner Gedanke, das Werk im Louvre zu wissen." ^enn man hatte ihm erzählt, daß jene berüchtigte Jatwiga em Lieb- lingsstück in der Gemäldesammlung des deutschen Kaisers geworden sei und wie immer glaubte es der gute Henri unb war Über diese Anerkennung seiner Kunst tief gerührt. vermischtes. * Der Einfluß des Stillens. Den vereinigten Bemühungen der Aerzte und aller auf dem Gebiete der 'Hi ul ter- und Säuglingsfürsorge Arbeitenden ist es gelungen, der alten Wahrheit, daß die natürliche, die Ernährung durch Muttermilch, die beste und gesündeste Ernährung für das Kind ist, überall zur Geltung zu verhelfen. Jede 'Slutter meist, es ist am besten für das Kind, ivenn es gestillt ivird; manche Frauen sind aber noch der Ansicht, daß das Slisten wohl einen Vorteil <ür das Kind, aber einen Nachteil für sie selbst bedeute. Ta ist es nun interefiant zu hören, was ans einer im Münchener Museum für Saugluigs- sürsorge befindlichen Tabelle hervorgebt. nämlich, dast die Frauen, die ihre Kinder selbst stillen, einer Erkrankung au Krebs der Brustdrüsen und der Unterleibsorgane ivcit weniger ausgeietzt sind als jene Frauen, die das Stillen unterlassen. Besonders bei den Erkrankungen an Krebs der Brustdrüsen ist das ganz deutlich ersichtlich; in den drei Kreisen Bayerns, in denen am wenigsten gestillt wird, betrugen die Todesfälle an Brustkrebs 204, 245, 192, gegen 108, 100 und 96 in den Kreisen, in denen die Zahl der Stillenden eine große ist. Wir sehen daraus, ivie Groth iMünchener Med. Wochenschrift) sagt, daß die Ernährnng der Säuglinge an der Brust der Mutter selbst einen weitgehenden Schutz vor Erkrankungen an Krebs der Brustdrüse und der sexuellen Organe geiväbrt. ♦ Teeblätter als Gemüse. Gleichwie in England viel Geschmack daran gefunden wird, Zigare'len ans Teebläitern zu rauchen, so liebt man es im westlichen Sibirien, schon benützte, abgebrühte Teeblätier noch als Gemüse mit Feit zubereitet auf den Tisch zu bringen; dies nils etwas merkivürdig erscheinende Gericht hält man sogar für recht nahrhast — woran jedenfalls das Fett, mit dem man es schmort, das Hauptverdienst Hal. Te>ni Teeblätter an sich — und gar noch ausgelaugte — haben natürlich keinen Nähriverk, der auch nur der Rede wert wäre. Ihre „Nahrhaftigkeit' spukle ab.er selvamerweise doch viel in den Körnen herum. So behauptete glich der französische Autor Payeu, Teeblätier seien nahrhaiter als alle anderen vegetabilischen Erzeugnisse. Und auch die Javaner der ärmeren Volksklassen glauben — wie A. I. Resink in einer interessanten Studie über den Tee mittelst — den Nährwert des Reises dadurch erhöhen zu können, daß sie ihn in Tee kochen 1 * Sprachnöte in Italien. Wenn der Deutsche von seiner Jtalienfahrt nach Hause kommt, so erzählt er viel von dem Land und seinen Schönhelten, kritisiert das Volk und seine Gebräuche, aber selten bedenkt er, welche komische Rolle er selbst mit seinen Sprachkenntnissen unter den redegewandten Menschen gespielt hat. Seine Sprachnöle beginnen meist schon beim Entziffern der Firmenschilder. „Kamiere e lattiere-1 lieft er über einem Laden und sofort denkt er an einen Milch- und Sohneverkauf. Wie groß ist sein Erstminen, als er hinter bet Tür einen Kupferschmied hämmern sieht. „Sale e tabacehi“ erklärt sich Frau Müller mit Tabakjälen und erst das Studium des Reiseführers macht sie daraus aufmerksam, daß jenes tleme Ge chäst ein Salz- unb Tabak- verkaus ist. Auch die „gcneri diversi“ haben nichts mit verschiedenen Schwiegersöhnen zu tun, sondern sind Gemischtroaren- haudlungeii meist sehr bescheidener Art. Der Sprachieniel treibt erst recht sein Wesen mit den Fremden, wenn sie sich in ein Geschäft wagen. So verlangte ein Herr in einem Laden carta bollita (bollita ----- gekocht), er meinte aber bollata (gestempelt); in einem anderen erregte eine Dame stürmische Heiterkeit, weil sie eine banda bianca (banda — Musikkapelle) für eine Krageurüsche forderte und bann gar em online da te (online — ein nicht näher zu bezeichnender Körperteil, coli na = Sieb. Hat sich nun ber des Italienischen Unkundige von ber Piazza della Signorina, womit e Signoria meint, zu einer Trattoria burchgetastet, so steigert sich seine Unbeholfenheit zur Verzweiflung, In bem überfüllten Raume sucht er sich bem Kellner bemerkbar zu machen. „Vst, heh, Ober 1" Winken unb Servieileiiichwenken erweisen sich als kraftlos. Endlich nimmt sich ein Italiener feiner an und ruft mit dröhnender Stimme . „cameriere“, — „Kammerjäger' echot der Deutsche. Doch das Zauberivort ist gefallen unb schon steht ber Schwarzbefrackte vor bem Gaste. Was soll er wohl essen? Fleisch mag er nicht, denn sein (Säumen kann sich an den unvermeidlichen Kitoblauch nicht gewöhnen. Darum wählt er Eier, ganz einfache eegeier. Schüchtern kommt es von fernen Lippen: „Dua uva da sedere“ (nuva — Eier, uva — Trauben, sedere — sitzen. Sprachlos sieht ihn der Jüngling mit der kühnen Stirnlocke an und bann antwortet er höflich: ..queste non si fanno, Signore.“. Dann also „cartoffele“ (patate — Kartoffeln). Aufs neue erhellt die Gesichter ber übrigen Gäste schabenfrohes Lachen. In seiner Not verfällt der Teutone auf ein noch primitiveres Gericht. „Brodo“ ru5t er unb meint Brot. Einen Augenblick später erscheint^ der Kellner mit einer großen henkellosen Tasse unb gießt bem Fremden die duftende Brühe in einen Teller. Das erste Gericht war nicht schlecht geivählt unb für bas zweite wirb ber Zufall sorgen. Bachertisch. — Sturm unb Drang. Dichtungen aus der Geniezeit. Heransgegeben, mit Einleitung unb Anmerkungen versehen von Dr. Karl Frey e. fDlit 6 Beilagen in Kunstdruck und zahlreichen Bigneiteii. Goldene Klassiker-Bibliotbek. Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin. Bier Teile in zwei Leinenbänden. — „Sturm unb Drang" — so heißt bie wilde, (raftgeniale Bewegung in ber zweiten Halste bes 18. Jahrhunberts bie wie ein Frühlingssturm durch die deutsche Literatur dahinbrauste unb der Vorbote war jenes Sommers, auf dessen Höbe Goethe unb Schiller flehen. Trotz vorhandener Ausgaben, die einzelnen Dichtern ober der ganzen Zeit gewidmet sind, fehlte es bisher an einer Sammlung, bie auf knappstem Raume bas Beste bes Sturmes und Dranges vereinigte und die Bewegung in ihrer ganzen Bielfälligleit deutlich werden ließ. Die vorliegende Ausgabe der „Goldenen Klassiker-Bibliothek', die von keinem ähnlichen Unternehmen an Reichhaltigkeit übertroffen wird, füllt endlich die Lücke. Sie beschränkt sich, unter Ausschluß der kritischen und theoretischen Werke, auf die dicht e r i s ch e n Leistungen der Geniezeit, bringt aber nun alles, was für die eigentlichen Stürmer und Dränger irgend von Bedeutung ist. So finden wir beim : Gerstenberg mit dem „Ugolino', Leisewitz mit dein „Julins von Tarent' und zivei kleineren Stücken ; Lenz ist seiner bichierischen Bedeutung entsprechend sehr reichlich vertreten mit einer Auswahl seiner Gedichte, ferner mit seinen bekanntesten Dramen unb dramatischen Entwürfen, den Luslipielen nach Plantns, dein „Pandämoiiinm Germanikum" unb einigen Erzählungen. Von Wagner ist „bie Kindermörderin" unb die wenig bekannte Farce „Voltaire am Abend feiner Apotheose' auf genommen; von Klinger durfte das Drama, bas der ganzen Epoche den Namen gegeben hat, nicht fehlen; aber die drei anderen daneben iviedergegebenen Stücke charakierisieren den Dichter besser; Maler Müller ist ebenfalls mit Gedichten, dazu mit zahlreichen Idyllen und Szenen zu Worte gekommen. So ist hier alles vereinigt, was man in einer solchen Sammlung erwarten kann, darunter vieles, was bisher in feüenen Originalausgaben so gut wie unzugänglich war. Eine Gesamteinleitniig gibt die notwendige Orientierung, Anmerkungen am Schlüsse der Ausgabe die ivnnscheus- roerten Erläuterungen. Alle sechs Dichter roerbeit uns außerdem durch forgfältig reproduzierte Porträts oder Silhouetten vor Augen gestellt, ben Idyllen des Malers Miiller sind ferner die von seiner Hand stammenden Titelvignetten beigegeben roorben. Auch sonst weist die Ausgabe, was Druck, Papier und Einband betrifft, alle Vorzüge ber Golbenen Klassiker-Bibliothek auf. Gitter-Rätsel. In bie Felder nebensteheiider Figur sind bie Buchstaben aa a, b bbbbb, dd, eeeee e e e e e e e e, g g g g, i i, 1 1, n n, o o, r r r r, s, t t, ü ü derart einzutragen, daß bie senkrechten unb wagerechten Reihen gleichlautenb solgenbes ergeben: 1. Wenig schmeichelhafte Bezeichnung. 2. Ort in Oesterreich. 3. Schmackhaftes Gemüse. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer t Narrenhände bejubeln Tisch unb Wände. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Umversitäts-Buch- unb Stembrnckerei, R. Lang«, (Biejeifc