vÄSw ijVTßiuii II H 3 |Ä MM Eines Kindes Tränen. Won Jlse-D-ore Tanner. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Jede Woche ließ sie Ilse eine Karte an den Vater schreiben. Manchmal _ hatte diese auch aus freien Stücken darum gebeten, einen Brief schreiben, zu dürfen,.und hatte dann in ihrer kindlich Unbeholfenen Schreibweise dem Vater von allem erzählt, was sie erlebt und gesehen. Und regelmäßig jede Woche war eine Karte oder ein Kurzer Brief von ihm an Ilse angekommen, „Grüß die Mutter", stand immer darin. Als sie nun das kleine, stille und billige Seebad ausgesucht. Um den Rest des Sommers und soviel vom Herbst wie nur möglich hier zu verbringen, war sie entzückt gewesen, in ihren Penfion den Dichter und Schriftsteller Hochburg kennen zu lernen. Und nun 'mußte gerade -dieser Mann ihren Gatten kennen und loben. Wie hatte er doch gesagt — „ich bin ein begeisterte« Verehrer Ihres Gatten" — und sie war sich wie ein dummes Schulmädchen vorgelommen, sie hatte nichts von seinem neuen Merk, nichts von seinen Vorträgen gewußt. Und wer war daran schuld? Nur er, nur er, der sie dahin gebracht, durch seine Rücksichtslosigkeiten und feinen Spott, daß sie ebensowenig nach seiner Arbeit gefragt, wie er nach der ihren. Uebrigens, sie wollte Hochburg doch auch einmal danach fragen, was er von den Gedichten Gerda Lahars hielt. Er konnte ja keine Ahnung haben, daß sie das sei.--- * Gerda war auch in den nächsten Tagen viel mit dem Ehepaar zusammen. Die sonst so scheue kleine Ilse hing wie eine Klette an Hochburg, er beschäftigte sich auch in einer ganz allerliebsten Weise mit ihr. „Onkel Hochburg ist fast so nett wie Papa zu mir," sagte das Kind. Und als Gerda dem beriihmten Mann einmal ihre Bewunderung darüber ausgesprochen, daß er so reizend verstehe mit Kindern umzngehen, wie sie es eigentlich noch nie bei einem 'Herrn gesehen, hatte er gemeint: ( „Nun, Ihr Herr Gemahl muß doch geradezu ein Meister in dieser Kunst sein, nach allem, was Jlschen mir erzählt und wie sie von ihrem Vater schwärmt." An demselben Tage, .sie sprachen gerade von' Neuerscheinungen in der Literatur, fragte Gerda: „Was halten Sie von dm Gedichten Gerda Lahars, Herr Hochburg?" Er schüttelte nachdenkend den Kopf. „Habe nicht die Ehre — mir gänzlich unbekannt. Offen gestanden bin ich kein großer Freund von den modernen Dichterinnen — einige wenige natürlich ausgenommen. Von den Gedichten der meisten kann man im günstigen Fall .nur sagen — sie wären besser ungedichtet geblieben." „Die armen Dichterinnen! Gut, daß nicht alle so scharf urteilen luie Sie, Herr Hochburg. Halten Sie beim die Dichtungen der Männer wirklich für so viel besser?" fragte Gerda gereizt. Er zuckte lächelnd die Achseln. „Die männlichen Poeten sind weniger gefährlich." . t .. „Haben Aje eine Sammlung von der Dame — wie hieß sre doch gleich?" „Gerda Lahar. Ja, ich habe zufällig eine Sammlung mit, ich kann sie Ihnen morgen mitbringen." „Nun schön, das wäre sehr freundlich von Ihnen. Hier beim Meeresrauschm wirklich gute Gedichte zu lesen, wäre mir ein besonderer Genuß. Nun muß ich Sie auch auf 'Ihre Literaturkenntnisse hin prüfen. Kennen Sie die 'Schriftstellerin Maria Benda?" .Gr warf feiner Frau einen schelmischen Blick zu. „Ja, .aber natürlich, ich liebe ihre einfachen, frohen und doch so tiefen, kleinen Geschichten sogar sehr," rief Gerda lebhaft. Frau Hochburg war leicht errötet, und ihr Mann legte jetzt zärtlich den Arm um ihre Schulter. „Dann stelle ich sie Ihnen hiermit feierlichst vor." Gerda war 'einen Augenblick so erstaunt, daß sie keinen Ton sagen konnte. Frau Hochburg lachte. „Ja, seit ich seine Frau bin —," sie gab ihrem Gatters einen scherzenden Klapps — „fragt kein Mensch mehr nach mir. Wir armen Frauen berühmter Männer habm es schlecht, wir müssm immer bescheiden im Schatten stehen, das werden Sie auch wissen, liebe Frau Gerold." Heber ihre letzte Behauptung fing Hochburg nun einen scherzhaften Streit mit seiner Frau an, das enthob Gerda einer Antwort und gab ihr Zeit, ihre Verwirrung zu überwinden. Am nächsten Morgen brachte sie Hochburg ihre kleine Gs- dichtsammlimg. Schon am folgenden Tage gab er sie ihr wieder. „Nun?" fragte Gerda atemlos. Er machte ein komisch-verzweifeltes Gesicht. „Kennen Sie die Dame?" Sie errötete: ,Ffa — -das heißt — ich bitte Sie, gar keine Rücksicht darauf zu nähmen, ob mir die Dichterin bekannt ist -oder nicht, Ihr offenes Urteil wäre mir von großem Wert." „Nun denn also — es sind einige ganz niedliche, stimmungsvolle Reimereien dabei, aber nicht ein einziges gutes Gedicht. Die Dame hätte besser getan, das Dichten nur sür den Hausbedarf zu betreiben." Gerda wurde sehr blaß und dann dunkelrot. -Frau H-ock)-burg faßte erschreckt nach ihrer Hand: „Um Himmels willen, liebe Frau Gerold — Sie sind doch nicht am Ende selbst —“ Gerda nickte stumm!. „Wenn ich gewußt hätte, daß Sie selbst Gerda Lahar sind, -gnädige Frau, hätte ich- auch nicht anders urteilen können," sagte Hochburg einfach. Gerda lächelte schwach. „Sie haben mich jedenfalls von einer Eitelkeit kuriert, und das ist sehr gut." -Hochburg zog tief seine Strandmütze vor ihr ab: „Alle Hochachtung, gnädige Fran, ich habe noch keine Dante, -zumal dichtende Dame, getroffen, die ein absprechendes Urteil so sein und klug auf genommen hätte wie Sie," sagte er bewundernd. Als Gerda nachher wieder abends einsam auf ihrem Balkon saß, konnte sie es doch nicht hindern, daß plötzlich Träne aus Träne aus ihren Augen 'tropfte. Ihr Mann hatte ihr vor Jahren dasselbe gesagt, fast mit denselben Worten. Aber ihm hatte sie nicht geglaubt, und feilt Urteil hatte fie aufs tieffte verletzt, es war eigentlich der Anfang zu ihrer -Entfremdung gewesen. Wenn er, wenn Hans anders gewesen wäre — liebevoller. 814 tzie See Hinaus. , , . ~ .. Und plötzlich weinte Gerda zornige, bittere Tranen. Warum konnte sie denn hier draussen nrcht Ruhe und Frieden frnben’ Warum konnte Ilse nicht vergessen rote andere Kinder jtnb sich ganz an die Mutter anschließen? Sie hörte nicht, daß Schritte sich nahten, erst als Fran Hoch- burg bW vor ihr stand, blickte sie aus tränengefüllten Augen auf. Frau Hochburg ließ sich neben ihr nieder. ,,Es Ivar m« doch zu viel, das Gehen aus den Steinen — darf ich ehrten Gesellschaft leisten?" und als Gerda stumm nickte und dann hastig mit ihrem.Taschentuch über die Augen fuhr, schlang sie zärtlich den Arm um die junge Frau. „Wollen Sie mir nicht sagen, was Sie bedrückt, liebe Frau Gerda? Ich frage nicht aus Neugier, ich habe Sie und Jlschen lieb gewonnen in dieser Zeit. — Vielleicht kann ich Ihnen Helsen?" Und Gerda sprach!. "Es war ihr eine Erleichterung, sich einmal rückhaltlos auszusprechlen gegen eine so feine, kluge Frau. Maria Hochburg hörte zu, ohne sie zu unterbrechen. „Kind, Kind, wie ist .es nur möglich, daß zwei so begabte, geistig hochstehende Menschen, die so gut zueinander passen, sich so auseinander leben können," sagte sie dann ernst. „Wir passen eben nicht .zusammen, das stst das Unglück," nachsichtiger, das, was er an ihr getadelt hatte, in anderer, gütiger Weise gesagt hätte — dann, ja dann wäre manches andere gekommen. Nur er ioar an allem schuld. Gerda sprang auf und ging auf dem Balkon Han und her. ytohitti, rief da Ilses Stimme aus dem Zimmer. Mutt^iA KL gmrz- vergessen, dir den Drief an Papa m geben. Da auf dein Tisch liegt er — bitte, schreck! doch die Adresse „Sßarum schläfst du denn noch nicht?" Sie beugte sich über das Bett, und die Kleine schlang noch einmal die Aermchen um her Mutter Hals Und wßte sie. Da fühlte Gerda, daß die Wange des Kindes tränenfeucht war. „Du hast ja schon wieder geweint, Ilse. ,^Jch bange mich so nach Papa/, schluchzte auf. Gerda legte das Kind in bte Kissen zurück und wischte ihm sorglich die Tränen ab, dann streichelte sie ihr beruhigend die Wangen, aber ^^'ckMpn"war, nahm sie den Bries und ging ^^Ohin Zögen^ös-fnete Gerda beit Umschlag. Da stand in Ilses ungelenker Kindevhandschrist: „Liber Papa! Warum körnst du noch immer nicht her? Ick bange mich ser nach! dir nick ich weine ost aber das darf die Mutti rach ^ehen sonst ist sie böse. Dir .ist ess ser hipsch und dm Onkel st ser gut zu mir. Liber Papi, rat ist doch.bald dem Geburts-- ;ag, da kanns du doch nich ohne uns sem. Kom, doch her oder schreibe das wir komen sollen wenn du wtlls kom ich auch ganz allein, wenn die Mutti mich auf die Eilebahn letz. Liber Papa ich habe dich ser lieb und ich bange mich! ser nach dir £iein;e ich will dir was ser hipsches zum Geburtstag schenken Gerda faltete den Brief wieder zusammen, steckte ihst in einen neuen Umschlag und schrieb die Adresse darauf. Um ihren Mund lag ein harter, trotziger Zug. — Schon am nächsten Tage fragte Ilse, ob noch keine Antwort ijbtt torent Papa an fie g^vmNlen tvare, unp btc JJciitteT Mrte ihr, daß das noch! nicht möglich sei. AN Nachmittag fragte sie wieder, und als sie auch am, nächsten Tage wieder eine verneinende Antwort erhielt, brach sie plötzlich m Tranen aus, und Gerda konnte sie nur mit Mühe beruhigen. Sie atmete tote befreit auf, als Hochburgs den Seesteig herunterkamen und. fragten, ob sie nicht mitgehen wollten, weiter hinauf nach dem ©temitranb, um schöne, bunte, platt cckgeschlisfene Sterne zu suchen. Das Kirck war gleich Fetter und Flamme, all er. Kummer schien öergefren, aber Gerda erklärte, daß sie sich müde suhle Und lieber allein zurückbleiben wolle. ' Sie suchte sich einen Platz, w ert ab von den Strand korben und schwatzenden Menschen, setzte sich in den Sand und sah auf rief Gerda erregt. Die Aeltere schüttelte den Kopf. „Sie haben es gemacht wie so viele Eheleute — <§te erwarteten einer vom anderen das Glücklichmachen, ohne selbst etwas dc-tzu zu tun. Der gute Wille aber, der mußt natürlich, vorhanden sein," setzte sie leiser hinßu. „Denken Sie nur an die Vielen Ehen, wo Mann und Frau ganz verschieden sind! Wo die Frau einfach nicht imstande ist, den Mann zu verstehen, nur in Wirtschaftssorgen und Kleinlichkeiten aufgeht, ober der Mann nichts weiter ist als ein brutaler Genußmensch, ober gar geistig tiefer steht als die Frau. Bei Ihnen sind alle Glücksmöglichkeiten gegeben. Und — seien Sie Mir nicht böse, wenn ich hart werde — Sie haben ein Kind, ein liebes, feinfühliges Kind, um dieses Kindes wegen hätten Sie sich unter allen Umständen ineinander fügen müssen." „ ,, , ,, _ „Ich ging ja fort mit Ilse, damit sie nicht weiterhin Zeugs der häßlichen Streitigkeiten zwischen ihren Eltern sem sollte," „Ilse liebt aber ihre beiden Eltern gleich, — Gerda seufzte. „Sie leben in so glücklicher, so harmonischer Ehe — Sie haben gut reden." . Frau Hochburg errötete. „Ja, liebste Frau Gerda, glauben Sie denn, daß es nicht auch bei uns Kampfe gegeben, hat? Gerade weil so viel Gleiches .ist zwischen Ihrer Ehe und der unseren^ gerade darum habe ich so herzliches Interesse für Sie. Bei Ihnen liegen die Verhältnisse doch ganz ahnhtch — ZK Mann ist sehr bedeutend auf seinem Gebiet, und Sie — bitte, bitte, seien Sie mir nicht böse — ich finde Ihre Gedichte ja sehr niedlich, aber —" , .... Wenn sie nicht geschrieben worden waren, wäre es ein Unglück, zu der Ansicht bin ich selbst gekommen," sagte Gerda bitter. Und dann, wir Frauen müssen doch weicher, nachgiebiger sein als die Männer, wir sind doch, die Schwächeren trotz allem und allem, und gerade in dieser Schwäche liegt liniere Starke, Glauben Sie mir, Ihr Gatte wird es Ihnen nie vergessen, wenn Sie jetzt nachgebett, er wird immer in Ihrer Schuld blecken. „Wer weiß, ob er nicht froh ist, mich los zu sein. Das glauben Sie doch wohl selbst nicht, Frau Gerda. Kann denn eine echte, tiefe Liebe überhaupt sterben? Ich glaube sicher, daß er jetzt, wo Sie zum erstenmal flür längere Zeit voneinander getrennt sind, auch über Ihre Ehe nachdenken wird und sich bann auch nicht ganz freisprechen wird von Schuld- ^nd ^venn auch nicht — es ist Ihre Pflicht als Mutter, Ihrer Ilse den Vater wiederzugeben." Gerda seufzte, dann faßte fte nach der Hand Frau Hoch- burgs und drückte sie. „Ich danke Ihnen, Sie meinen es gut mit mir — aber ich weiß heute noch nicht, was ich tun werde, ich- will noch einmal Nachdenken über alles." J Ilse und Hochburg waren jetzt wieder ganz nahe heran gekommen. Beide schleppten.schwer an den gefundenen Steinen. Ilse hatte ihr Eimerchen bis an den Rand vollgepackt und einen besonders schönen Stein trug sie in der Hand. „O Mutti, ich habe einen ganz wundervollen, großen Stein gefunden, daraus mache ich einen Briefbeschwerer für Pappi zum ^H^hburg hatte einige selten hübsch abgeschliffene Steine in sein Taschentuch geknüpft, jetzt legte er sie seiner Frau in den Schoß. „Aber Mann, willst du bte etwa alle nntnehmen? Denk an bie Ueberfracht," meinte sie entseht. ,Dasür kaufen wir gar keine Mitbringsel, alle Freunde und Verwandte bekommen solch einen seinen Briefbeschiocrer inttge- bracht, da machen wir noch riesige Ersparnisse. Sie sah ihn so erschreckt an, daß er lachen mußte. „Na, beruhige dich — da mußt du mich doch nun lchon genug kennen, um zu wissen, daß bas nicht mein Ernst ist. Nur ein ober zwei besonders schöne will ich zum Andenken mitnehmen. „Onkel Hochburg, kannst du mir nicht vielleicht lchon heute zeigen, rote man Briefbeschwerer macht?" fragte xfrfr plötzlich, „Morgen nämlich — vielleicht muß ich morgen schon abrerien, sie wurde dunkelrot. ,, „ . , rr „ m ,, „Was der tausend, du willst uns hier allein lasten? Wohin soll denn die Reise gehen?" . \ _ „Es ist möglich, daß wir zu meines Mannes Geburtstag nach Hause fahren," sagte Gerda, aber sie sah Frau Hochburg nicht an dabei. „Morgen aber sind wir bestimmt noch hier. Gleich- darauf verabschiedete sie sich mit Ilse, bte immer vor dem gemeinschaftlichen Abendessen zu Bett gebracht wurde, Frau Hochburg gab Gerda einen zärtlichen Kutz: „Tun sie es, tun Sie es," flüsterte sie ihr ins Ohr. Ilse schmiegte unterwegs zärtlich ihre Wange an die Hand bcV SJtllttCT. „Fahren wir wirklich zu Pappis Geburtstag nach Hause?" fronte fic. Ich weiß noch nicht — quäle mich nicht," sagte diese schroff« Die erste Post brachte einen Brief Hans Gerolds an seins Frau. Er schrieb: „Liebe Gerda! , Es tut mir leid, wenn ich Dich durch btc Bitte, bte ich heuttz an Dich richten muß, betrübe. Es jütb jetzt zehn Wochen, daß Du Ilse allein gehabt hast, ich henke, es ist nicht unbillig vost mir, wenn ich Dich nun bitte, sie mir für einiget Tage zu schicken« Bitte, schicke ober bringe sie Sonntag bis Rostock, ich werde, sie von bort abholen ttnb sie Dir nach acht bis zehn Tagen! wohlbehalten roieber bis Rostock zurückbringen. In der Hoffnung, datz es Dir in jeder Beziehung gut gebt, mit bestem Gruß, Hans. An seine Tochter hatte er ein kleines Briefchen eingelegt, das lautete: „Meine liebe, kleine Jste! . Ich danke Dir sehr für Dein liebes Briefchen und freite mich, daß Du den Papa, der sich sehr nach seinem Töchterchen sehnt/ noch nicht vergessen hast. Nein, an meinem Geburtstag will ich nicht so schrecklich einsam sein, wie jetzt all bte Wochen, ba soll mein, fischen zu mir kommen. Ich habe die Mama gebeten. Dich nur zu schicken. Ich grüße und küsse Dich, mein liebes Kind. . Dem Vater/ Gerda schickte keine Antwort auf den Brief ihres Mannes, aber noch am selben Tage begann sie zu packen, fieberhaft eckig und aufgeregt — 815 Glückseligkeit. ■ I zu geben. . Gewiss, an und für sich hatte der Komlirerzrenrat gegen bte I Offiziere nicht das geringste einzuwenden, er begegnete ihnen stets i I mit Iber größten Liebenswürdigkeit, ein- oder zweimal im Winter t I lud er sie auch zu sich in das Haus, aber trotzdem bestand da eine Schranke, die nicht zu überschreiten war, und ehe der Kommerzienrat seine Tochter einem1 Leutnant zur Frau gab, eher geschah sonst was. Das wußte Leutnant von Brinken selbst am allerbesten, und wenn es ihm auch im Laufe des, letzten! Jahres gelungen war, Schön-Ellens Liebe zu gewinnen,, die Einwilligung des Vaters fehlte noch, und selbst Ellen, die sich« nichts sehnlicheres wünschte, als daß ihre heimliche Verlobung bald eine offizielle sei, sah keine Möglichkeit, den Vater umzustimmen. Ja, sie wagte es sogar nicht einmal, mit dem Baler auch nur ganz tm allgemeinen darüber zu sprechen, was bann geschehen würde, wenn sie sich doch noch einmal in einen Leutnant verlieben solle. Silvesterabend im Kasino in übermütiger Sektstimmung mit der» Kameraden abgeschlossen hatte, und bei der es sich barum handelte, daß er bis heute abend um zwölf Uhr, ehe die Glocken das alte Jahr zu Grabe läuteten, nicht nur mit der schönen Ellen, der Tochter 'des schwerreichen Kommerzienrates, verlobt sein wolle, sondern daß er vor allen Dingen das allen unglaublich erscheinende Kunststück fertiggebrackst habe, den Kommerzienrat zu bewegen, zu dieser Verlobung seines einzigen Kindes seine Einwilligung Ilses Seligkeit, als sie erfuhr, daß es nun wirklich nach Hause gehen sollte, kannte keine Grenzen. Sie sprang und lachte und war so kindlich ausgelassen, tote ihre Mutter sie eigentlich noch nie gesehen. — Und wenn er mich auch gar Nicht totff, wenn s nup des Kindes wegen ist. Es soll nicht hin und her geschrckt werden zwischen seinen Eltern. Und wenn er mrr setzt bte Türe weist — sie preßte die Zähne in die Lippe, um nicht laut auszuschluchzen — so soll und muß er mir auch Ilse lassen ganz allein unb für immer — dachte sie. Am nächsten Morgen reisten sie ab. Sie kamen am Abend in der Heimat an. Gerda ließ das Gepäck auf dem Bahnhof und ging den kurzen Weg nach ihrem Hanse zu Fuß, das Kind an der Hand, das ganz still geworden war und nur ab und zu die Hand der Mutter zärtlich druckte und an ihre Lippeii zog. Mit zitternden Knien durchschritt bte junge Frau den kleinen Vorgarten ihres traulichen Herms, ihr Herzschlag stockte saft, als sie bie Klingel gezogen hatte und bann Schritte hörte. Das Mädchen öffnete und prallte zurück. „Herr Gott, die gnädige Fran!" stammelte sie. .Still — wir wollen den Herrn überraschen," flüsterte Gerda. „Der Herr ist drinnen," sagte das Mädchen leise. Portftren^ins °Zimmer^^Sie^ ftlbf^blieb' v^borge/ stehen. I Aber so verzagt Schlön-Ellen auch ost war, wenn fie mit bemi ‘ Da saß ihr Mann über seine Arbeit gebeugt. Sie sah sein kühn I Geliebten zusammentraf, Leutnant von Brinken gab trotzdem die aefchnittenes Profil den fein geformten, bartlosen Mund, den sie I Hoffnung noch nicht auf. Wenn es gar Nicht anders ging, mußte N r o geliebt hatte Das dich/dunkle Haar, durch das sich die List, die er sich ausgedacht hatte, zum Ziele fuhreni, bettn baß on Sckläsen ckon Silberfäben zogen er seine Wette verlor und zu bent Schaden inGestalt zahlloser Jetzt wandte Ts Gerchb den Kopf und mit einem halb- Sektflaschen, bie er bann zu bezahlen hatte, auch noch heu Spott VM, Ä L «AjÄ'ÄÄ - ***• *"• ÖtfiÄWÄffÄ A mpin klünes Mädchen" murmelte er ergriffen, seines Hauses gab. Cs war em kühner Plan, den er fick aus- ääääää®sa k»JÜS* •* « **" -** ""w. « »en,. « «,.» bu »1« « Ja Hans, ich komme, um dich zu fragen, ob wir — ob I um sich bei diesem durch dne Karte anmelden zu lassen, in der du es noch e'inmal versuchen willst mit mir. Ich — ich habe er den Herrn Kommerzienrat tn einer brtngenben, persönlichen nachgedacht über uns — ich habe viel Schuld — ich — wir Angelegenheit um eme kurze Unterredung bat. müssen doch beide unser Kind erziehen," sagte sie scheu mit ver- I Der Diener ging, um den Gast anzumelden, und voller Un- sagenber Stimme. , I geduld wartete Leutnant von Brinken auf dessen Rückkehr. Gott Gerda" der Mann griff sich an den Kopf, als träume I ^i Dank, der Kommerzienrat war bereit, ihn zu empfangen, cr — „Gerda!" das klang wie ein .Jubelschrei, und plötzlich - - - - — - - - “■----------- hatte er das Kind, das sich noch immer an ihn schmiegte, achtlos beiseite geschoben und stürzte auf bie Frau los. Er riß sie in seine Arme und bedeckte ihr Gesicht Mit Küssen. „Gerda, daß du zu mir kommst — daß du so zu mir gt> sprachen — ich weiß nicht, wie ich dir danken soll, Gerda, ich chwöre dir, ich werde diese Stunde nie vergessen. ,,^ch bin em chlcchter Kerl, ich habe schuld an allem ich hätte versuchen ollen, dich zu verstehen, ich habe dich so ost gekrankt, bin oft so ähzornig, so brutal gewesen." Sie hielt ihni lächelnd den Mund zu, ihre Augen standen voll Träneti. „Nichts mehr davon, Hans, wir haben beide schuld. Wir haben uns bdbe all bie Jahre betragen wie zwei ungezogene, eigensinnige Kinber, aber ich als Fran, ich hatte nachgiebiger fein foltert__u /Gerda, daß du so sprichst," er schüttelte ungläubig den Kopf, aber seine Augen ruhten voll Bewunderung auf ihr. Sie wurde rot. „3a, ich habe viel gelernt ba braunen, sagte sie. „Und kommst du nur des Kindes wegen?" fragte er feste und senkte frinen Blick tief in den ihren. Sie barg das Gesicht