Samstag, den 29. Juni Sa t£'Sl Ä BM <7; | sDH '. ■ Äj iBQji flMW ^Wtzi i-fiji WZ > '«W Die von GrünLingen. Roman von Freiherr von Schlich t. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Sie werden mitfahren, Komtesse, —- es lohnt sich doch gar nicht, mit mir darüber zu streiten, Das ist weder die Sache, noch meine Person wert. Nicht wahr?" Sie hörte die grausame Ironie aus seinen Worten wohl heraus. „ , r „Sie haben vollständig recht, Herr Baron, es lohnt sich nicht, deswegen zu widersprechen. Sie könnten sonst vielleicht wirklich glauben, ich hätte besondere Gründe, zu Hause zu bleiben —." „Worin sollten die auch wohl bestehen, Komtesse. In meiner Person doch gewiß nicht." . > „Absolut nicht." , „Das freut mich. Denn es hätte mich aufrichtig betrübt, wenn Sie plötzlich an meiner Gegenwart aus irgendwelchen Gründen Anstoß nehmen sollten. Wir haben uns ja bisher ausgezeichnet vertragen — und werden dies doch auch in Zukunft tun." Sie antwortete nicht, sondern erhvb sich von ihrem Platz und trat auf Alexa zu: „Der Baron hat mich da auf einen Gedanken gebracht, den ich nicht zurücktveisen möchte, denn ich glaube wirklich, Herr Landrat, Sie haben recht Mit dem, was Sie vorhin sagten. Wer sich keine Mühe gibt, einen Sport kennen zu lernen, darf ihn auch nicht verdammen. Wenn Sie also gestatten, möchte ich wohl auch mitfahren." „Aber Komtesse, von „gestatten" ist doch gar nicht die Rede! Ich freue mich aufrichtig, daß Sie sich beteiligen wollen." Deutlich merkte man dem Landrat die Freude an der bevorstehenden Partie an. Bei Alexas Worten und ihrer Bitte, sie doch einmal abzuholen, hatte es so hell und freudig in seinen Augen aufgeleuchtet: er hatte ihreinen so dank- ersüllten Blick zu-geworfen, daß sie es fast bereute, ihm so entgeaengekommen zu sein. Mußte er nicht, daraus schließen, daß sie es sehr wohl bemertt hatte, wie er ihr gegenüber heute einen anderen Ton anschlug als sonst? Und Mußte er nicht aus ihrer Bitte, aus dem darrn enthaltenen Wunsch, wieder mit ihm zusammenzutreffen, schließen, daß sie mit feinem stummen Werben einverstanden war? Für einen Augenblick wollte sie verlegen werden, dann aber kehrte ihr lustiger Uebermut zurück, sie mußte daran denken, wie sie gestern erklärt hatte: unter allen Umständen heiraten zu wollen, und wie der Vater ihren Namen und den des Landrats zusammengenannt hatte — —. Wie schon so oft am heutigen Abend, ließ sie auch jetz. ihren Blick über den Landrat gleiten. Aber als sre die Augen wieder von ihür abwandte, sah sie den Baron. Der stand an einem Stuhl gelehnt und betrachtete sie till. Fetzt umspielte ein heiteres Lächeln. Jemen Munv, und heimlich und verstohlen nickte er ihr aufmunternd zu, aP wollte er ihr sagen: nur Mick, wenn du den Mann nimmst, hast du alle Ursache, zufrieden zu fern! -< Sie wußte: er hatte ihre Gedanken erraten, den Blick, mit dem sie den Landrat musterte, richtig verstanden. Und nun wurde sie doch wirKich verlegen und wandte sich errötend schnell den anderen zii. —> IX. Der Baron setzte seinen Namen mit einem kräftigen Federstrich unter die tauge Epistel, die er an S?an8 geschrieben hatte. Dann nahm er den Bogen zur Hand und überflog ihn nochmals: Schloß Gründingen, den......< •' ! Sehr verehrter Herr Graf! Haben Sie herzliche Dank für die vielen Briefe, die Sie mir in immer kürzer werdeiiden Zwischenräumen in den letzten vierzehn Tagen sandten. Ich fühle, es ^hnen ja vollständig nach, daß Sie am liebsten mit nur beständig telephonisch verbunden Wären, um mich (eben Augenblick fragen zu können: wie steht es? Aber ich könnte Ihnen auch dann nur zur Antwort geben: es steht gar nicht, es liegt, und zwar rm argen. Welche Mühe habe ich mir nicht gegeben, die Frau Gräfin umzustimmen! Ich bin für den Bürgerstand mit allen Lanzen, die ich auftreiben konnte, in der Hand zum Turnier geritten, und jedesmal wurde ich in den Sand gestreckt, denn es gibt Mauern, die man Nicht'einrennen kann., Sre werden mir sagen: selbst die chinesische Malier sei gefallen! Aber vergessen Sie bitte nicht, daß die schon lange wackelte und daß ein einziger energischer Fußtritt Europas genügte, um sie umzuwerfen. y Die Ansichten Ihrer sehr verehrten Frau Mutter sind aber starrer, als das Ebereschenholz meiner Lanzen, sie zersplitterten, mein Wissen machte keinen Eindruck, meine Reden hatten keinen Erfolg. Ich sage mit Absicht: es gibt keine Mühe, die es gibt, die ich mir nicht gab, um ^hneu zu helfen. Und wenn es das gäbe, so verdiente ich wirklich, in den bürgerlichen Adelsstand erhoben zu werden, - so warm habe ich die Vorzüge und die Taten des Bürgern standes gepriesen! Nicht nur Ihretwegen, sondern aus. vollster Ueberzeugung. . Ich bekenne Ihnen mit der mir eigenen Offenherzigkeit, daß mein Wissen hier zu Ende ist. Sie sprachen einmal von einer hermetisch verschlossenen MLnoverkon- servenLüchse —i *— ich wußte oft daran denken, wenn meine schönsten Worte auch nicht den leisesten Eindruck auf die Frau Gräfin machten! ' uwei Möglichkeiten gibt es trotz alledem noch! DiS eine besteht darin, daß wir nicht von ement vereidigten Bückierrevisor, wohl aber von einem anerkannten Heraldiker den Stammbaum der Familie Ihres Fräulein Kraut darauf- 398 tytn Prüfen lassen, ob sich Iba nicht doch irgendwie und irgendwo mal ein Adeliger Herumgetrieben hat. So etwas hilft wirtschaften, pflegte ein alter Freund von mir immer in Monte Carlo zu sagen, wenn er das Maximnm gewonnen und es seelenvergnügt in die Tasche steckte. Wenn er dann später abfuhr, hatte ihm die Bank natürlich alles wieder abgenommen. Aber das konnte ihm seine Freude, gewonnen zu haben, nicht trüben. Ich meine: wenn Sie mir nur einen kleinen Tropfen adeligen Blutes nachweisen können, so wäre das von einem enormen Wert. Ich dagegen würde an die zuständige Behörde schreiben und nochmals nach- orschen lassen, ob nicht vielleicht doch in Ihrer Familie rgendwo etwas bürgerliches Blut fließt. So etwas kommt ausendmal öfter vor, als man glaubt. Sie wissen, daß es elbst regierende Fürstenfamilien gibt, in denen eine „bürgerliche Kanaille" herumspukt, die es ihren Enkeln schwer macht, sich ihrer Abstammung zu freuen--Suchen Sie den adeligen Blutstropfen — ich suche den bürgerlichen. Haben wir beides gefunden, dann ist der Sieg leicht. Gelingt es aber nicht, so habe ich noch einen anderen Klan, auf den ich schon deshalb sehr stolz bin, weil er meinem eigenen Schädel und nicht dem eines französischen Schwankdichters entsprang! Und der hätte eigentlich viel mehr Veranlassung als ich, der Vater dieses Kindes zu sein. Und nun versprechen Sie mir, bitte, sich nicht zu Wundern und, vor allen Dingen, nicht vorn Stuhl zu fallen. Sitzen Sie ganz fest? Ja? Fassen Sie lieber noch einmal Mit beiden Händen an die Lehne. Und nun hören Sie. Wenn alle Stricke reißen, muß ich mich verloben — pnd zwar nicht, lvie Sie natürlich meinen: mit Komtesse Dagmar, das kommt später, wenigstens hoffe ich es bestimmt! Nein, ich verlobe mich mit — — sitzen Sie fest? — also: ich verlobe mich mit Ihrem Fräulein Braut. Mir ist, als wäre mir da eben etwas an den Kopf geflogen. Aber das war doch Wohl nur ein Irrtum, denn es handelt sich natürlich nur um eine Scheinverlobuug. Ich Würde mir drei Tage Urlaub erbitten, Sie in Ihrer Garni- fon besuchen und als „glücklicher Bräutigam" heimkehren. Bei der großen Gastfreundschaft der Ihrigen würden Ihre Eltern den Wunsch äußern, Ihre — nein: meine — oder doch Ihre Claire kennen zu lernen. Sie würden sie einladen — Fräulein Claire würde mit oder ohne Mama (am liebsten ohne, denn sonst ist die Rolle zu schwer zu spielen!), also Fräulein Waire würde erscheinen und alle Herzen bezaubern und gewinnen. Schon mit Rücksicht auf mich würde Ihre Frau Mutter keine abfälligen Bemerkungen über bie bürgerliche Abstammung meiner Braut, — die ja in Wirklichkeit die Ihrige ist :— machen können. Und wenn sie dann mit Claire Freundschaft schloß, ihr den ersten Kuß gab und sie in die Arme nahm, dann würde ich Vortreten und sagen: „Na, wenn Sie Claire nun schon einmal im Arm halten, dann behalten Sie sie jetzt nur auch, denn Claire ist gar nicht meine Claire, sondern gehört Ahrem Herrn Sohn — t—." Und dann würde Ihre Frau Mutter nachgeben; denn ihr Stolz würde sich dagegen auflehnen, eine Bürgerliche tn ihren Armen und an ihrem Herzen gehalten zu haben, dre chr doch eigentlich ganz fremd ist. Die Angst vor dem Spott, dre Furcht, ins Gerede zu kommen und lächerlich zu erscheinen, würde sie veranlassen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und sie sogar vielleicht dahin bringen, »u erklären, sie hätte die kleine Jntrigue von Anfang an durchschaut. 1 ö Der Plan ist also wirklich gar nicht so dumm, wie er Kuerst aussreht! Im Gegenteil: ich bin sehr stolz auf ihn. Ich fühle Ihnen ja nach, daß Sie meinem Vorschlag nicht so ohne weiteres zustimmen, denn Fräulein Claire und ich müßten uns natürlich wie Verlobte benehmen, wenngleich ich Ihnen selbstredend mein Wort darauf gebe, der leidenschaftsloseste aller Bräutigams zu sein. Aber wir müssen Ms manchmal verstohlen die Hand drücken, und wenn es gar nicht anders, geht, muß ich sie auch einmal in Gegenwart der anderen auf das Haar oder auf die Stirn küssen — Meinen Arm um ihre Taille legen und sie an mich ziehen. Flog da schon wieder etwas an meinem Kopf vorbei? Fast war mrr so. So Sie erregt aufgesprungen sein sollten und mich für Wahnsinnig halten, bitte ich Sie, sich ruhig wieder hinzu- setzm und meinen Geisteszustand als völlig normal anzuerkennen. Dre Sache ist nämlich gar nicht so schlimm, wie sie int ersten Augenblick aussieht. Vergessen Sie nicht, daß ich die feste Absicht habe, Ihr Schwäger zu werden, auch nicht, daß Sie bet Ihrem offiziellen Abschiedsbesuchi die Liebenswürdigkeit hatten, mich schon als solchen zu betrachten ! Nach göttlichem und nach menschlichem Recht wird Ihr Fräulein Braut also doch meine Schwägerin werden: Daß ich da bis an mein Lebensende zu Ihrer zukünftigen Frau Gemahlin „Frau Gräfin" sagen werde, halte ich für ausgeschlossen. Na, und ob ich da nun ein paar Wochen später oder früher zu ihr „du" saae, ist doch ganz gleich. Und noch eins: ich könnte ja den Herrn Grafen oder wenigstens Komtesse Alexa ins Vertrauen ziehen. Das letztere halte ich sogar für unbedingt nötig. Die würde Fräulein Claire mit aller Herzlichkeit aufnehmen, bei ihrer Lebhaftigkeit würde sie sofort mit ihr aufrichtige Freundschaft schließen, sie natürlich gleich „du" nennen, und auch das würde die Frau Gräfin bestimmen, später ja juud Amen zu sagen. Ich verkenne das Neue und Eigenartige meines Planes durchaus nicht, aber ich sehe keine andere Möglichkeit, zum Ziel zu gelangen, falls die chemische Blutuntersuchung der beiden Familien refultatlos verlaufen sollte. — — Lesen Sie bitte diese Zeilen Ihrem Fräulein Braut vor, besprechen Sie alles mit ihr, versuchen Sie, deren Bedenken zu zerstreuen, sich unter einem falschen Vorwand auf Schloß Gründingen einführen zu lassen. Und wenn Sie meinem Plane beistimmen, dann schicken Sie mir eine Zeile. Sie werden mich jederzeit bereit finden, mich mit Ihrem Fräulein Braut zu verloben; ich reise sofort nach Einpfang Ihrer Einwilligung ab, um dann mit einem Verlobungsring auf der Linken wieder znrückzu- kehren. Ich grüße Sie herzlichst und bin mit dem Ausdruck meiner größten Hochachtung stets Ihr getreuer Nikolaus Hans Horst Freiherr von Scheidegg. Der Baron schob den Brief in ein Kuvert und drückte dann sein Siegel darauf. „So," sagte er sich, „nun bin ich begierig! Die guten Leute werden mich sicher für ein ganz klein wenig über- geschnappt halten, am Anfang werden auch sie — ebenso wie Komtesse Dagmar — nie — niemals! sagen, — abu dann werden sie es sich doch überlegen." Er mußte selbst über die Idee, die er da geboren, lachen, er beschäftigte sich den ganzen Tag mit ihr, und das machte, daß er heute eine ganz andere Heiterkeit zur Schau trug, als sonst. Er lachte immer in sich hinein, so daß der Graf zu ihm sagte: „Was haben Sie nur,’ Baron? — Irgend etwas stimmt mit Ihnen nicht, Sie machen ein Gesicht, als hätten Sie einen übermütigen Streich vor." „Um Gottes willen," rief der Baron ganz erschrocken, der da fürchtete, sich zu verraten, „wie können Sie mir solche Schändlichkeiten zutrauen! Nein, es ist etwas ganz anderes — ich habe heute einen Brief erhalten, der alte Jugenderinnerungen wieder wachruft, die stimmen mich heiter. Man war doch früher ein Windhund mit Eichenlaub und Schwertern -—." „Gott sei — — Dank," wollte der Graf sagen. War es Zufall oder Absicht, daß ihn in dieser Sekunde eilt Blick der Gräfin traf? So wurde aus dem „Dank" ein „es geklagt". Aber die Betonung der beiden letzten Worte stand in einem so schreienden Widerspruch zu den ersten Worten, daß alle, selbst die Gräfin, hell auflachten. Nur der Graf faß mit einem ganz verlegenen Gesicht da. „Was ist denn da so furchtbar komisch?" fragte er. „Ich meine: seine Jugendsünden und -Torheiten zu bereuen, ist doch viel besser, als sich ihrer zu rühmen." Aber schließlich lachte er selbst mit und murmelte einige Worte vor sich hin, die kein Mensch verstand. (Fortsetzung folgt.) vas unglückselige Klölenspiel. Eine Stammtischgeschichte von Fritz Rose (Zürich).- Mein Freund Emil saß schon den ganzen Abend da, als wenn ihm eine Laus Über die Leber gelaufen wäre, wie man zu sagen pflegt. Umsonst, daß der Rentier Schnee- müller die urältesten Witze zum Besten gab, und der Forst- adjunkt Schimmelmann, das jüngste Mitglied unserer Skat- sch so Ei be Sl 399 der schon lange auf die günstige Gelegenheit gewartet hatte. „Die siebente Runde!" rief er dem 'Kellner zu. Man stärkte ich, und Emil fuhr fort: Sofaecke und fange an zu spintt- Ma kommt in der Welt. Ich spür' Anzuge, unausweich- ir flöten könnte! Es etz' mich also in meine Sofaecke und fange an zu ffrintt* ieren, woher all das Unglück kommt in der Welt. Ich spür' es mit allen Nerven: Es ist im Anzuge, unausweichlich, unabänderlich. . . Wenn ich nur flöten könnte! Es ist das einzige Mittel. Ich Halt's sonst nimmer aus. Da rätlt mir ein: Ob ich den Kortzieher nehme oder Pie Zahnbürste? Halt... ich hab's... ein rettender Ge- „Also ... ich habe meinen Urlaub nicht bekommen! Ja, noch schlimmer, mit der Gehaltserhöhung zu Miaelis ist's auch wahrscheinlich Essig. Und, um das Maß dieses Unglückstages voll zu machen, hat sich noch meine Schwiegermutter und meine jüngste Schwägerin zum Besuch angemeldet. Was sagen Sie, meine Herren? Ich war wütend . . . wütend sag ich Ihnen! Was war zu tun? Da siel mir meine Flöte ein. Wenn ich die nicht hätte! .Also, her mit dem Ding. Reingestoßen mit dem Putzer und . . . knacks, entzwei ist er. Ei, da soll doch gleich . . . Ich danke! —" „Sie kennen alle meine Frau?" Man bejahte aller- 'eits. „Auch Sie, Herr Forstadjunkt? Eine geborene Rumpelmann ! Ich beteure Ihnen: eine Perle von Frau. Be- onders was die Küche betrifft. Jh-re Schmalzmchen... einfach delikat. Wer einen Fehler hat sie. Sie kann das Flöten nicht vertragen. Sagt, die Flöte fei sentimental, ür blonde Heinriche, unmännlich. Ziehharmonika war' ihr lieber. Nun, das versteht sie nicht. Also . . . Meine Frau hatte nämlich gerade einen neuen Reiserbesen gekauft. . . von den neumodischen mit den langen Stielen. Wenn ich da einen ausrupfen konnte . . . das. wäre ja. . . Gedacht, getan! Ich ziehe also vorsichtig die,Stiefel aus, damit es kein unnötiges Geräusch gibt. . . ja, nun lachen sie wieder, die Unverheirateten! — schlüpfe in die bequemen Hausschuhe und öffne fachte die Tür, um zu horchen. Alles still auf dem Vorplatz, auch m der Küche rührt fich nichts. Vorwärts, die Gelegenheit ist günstig. Aha, da steht er schon in der Ecke: Besen, Besen, sei's gewesen! Rasch mit dem Küchennwfler her und — siehst du wohl, das kommt davon — zu klein ist er geraten, per neue Flötenstock. Also noch einmal — ritsche, ratsche — zerbrochen ... na endlich, der dritte ist richtig. Tadellos. Nach vollbrachter Tat, meine Herren, bekam ich nun doch einen gelinden Schrecken. Wenn sie es merkte? j—; Hoffen wir das Beste. Schließlich, was schadet es dem Besen, wenn er ein paar Reiser weniger hat? Er hat noch genügend andere. Man zählt sie doch nicht! Oder man zählt nur so, als wenn einem die ersten Haare ausfallen, ungläubig, in humoristisch-wehmütiger Stimmung. Der Trost: Es find ja noch so viele da! _ Und damit hab' ich zu blasen artgefangen. Und wie? Sie hätten mich hören sollen! Nie war ich besser aufgelegt, wie die Künstler sagen. Die Läufe perlten nur so . . . und immer Luft. Kein Versager. „Keinen Urlaub, Herr Direktor?" Tulu . . tulu . . ich flöte darauf. ~ „Keine Zulage in den teuren Zeiten?" Tulu — tulu! „Unö die Schwiegermutter mit Tante Berta? — Au mein' Herz, ihr Teuren alle, ttflü tülü . . . . Zuguterletzt pfiff ich sogar auf den Besen meuter Frau. Meinetwegen kann sie was merken! Von mir aus . . . E^Aber das hätt' ich nicht tun sollen! Der Mensch versuche die Götter nicht! Denn Hochmut . . ." „Kommt vor dem Fall," rief der Semrnarlehrer dazwischen, „wir schenken Ihnen weitere Zitate, aber Nicht beU ,Mn Sündenfall," verbesserte der Kirchendiener „ bin schon bei der Vertreibung aus dem Paradiese, versetzte Emil. Denn plötzlich höre ich in der Küche em furchtbares GehMl und Zähneklappern. Kem Zweifel, da setzt es Hiebe. Ich bin gegen die Prugelpiidagogik. „Wenn ich's aber nicht getan habe! brüllt der Huanzel, J — ich beginne langsam zu begreifen. Hier wird em Justizmord verübt, ein Unschuldiger gestraft „Do ch hast dn's getan, wer wird aus Mutwillen den neuen Besen verderben? — Schon wieder Schlage, Geheul. gesellschaft „Zur luftigen Sieben" sich >br Lachen aus- । (Mitten wollte und ein über das andere Mal sein: „Nein, ' o was!" meckerte. Emil lächelte trübselig vor sich hin. Endlich —- bei der sechsten Runde i— faßte er Mut und begann: . ., „Ich wollte nämlich gern Pfingsten in die Sächsische Schweiz, aber ich habe keinen Urlaub bekommen!" „Hine illae lacrimae!" zitierte der Seminarlehrer. „Wer Sie irren sich" fuhr Emil fort, „wenn Sie glauben, daß ich mir daraus etwas mache. Die Sache liegt tiefer. Sie wissen, ich bin Beamter geworden, ... Katasterkontrolleur, aber ich habe meinen Beruf verfehlt, ich hätte Musiker werden sollen. Flötist! Flöten ist meine Leidenschaft, leider .... mein Verhängnis! Wenn's wieder Frühling wird, wie jetzt, und die Sonne vom Himmel lacht ... da muß ich flöten, und wenn ich wich auf dem Bureau gelb und grün ärgere, dann muß ich erst rech» flöten. Ich kann nicht anders!" , „Bravo!" warf der Kirchendiener Muller em, „das hat Luther auch gesagt." Emil seufzte und führte feinen Schoppen zuM Munde. Dann fuhr er fort: „Sehen Sie, meine Herren, es gibt lein besseres Gegenmittel gegen chronische Verstopfung und Dickblütigkeit. Die Flöte her . . . tnlü, tulu!" er machte einige imaginäre Griffe, . . . „alles weg, wie fortgeblasen. '— Friedrich der Große in feinem Sanssouci .- . . der kannte das Mittel. 'War ein Pfiffikus, hihi — — spottete sie alle aus. Wenn's ihm so recht miserabel ging, wissen Sie s . . nach der Schlacht bei Kolin oder so, was glauben Sie ;. . einfach geflötet hat er. Das gab ihm frischen Mut und stärkte ihm das Rückgrat. Ja, was ich! erzählen wollte ... Sie sollen mir nämlich raten. Ihm hätte das nicht passieren können. Ausgeschlossen, Aus — ge schlossen! Ich will Ihnen etwas sagen. Er wär nämlich doch ein Dilettant auf der Flöte . . . Friedrich der Große!" „Oho," sagte Herr Rentier Schneemüller, „das wäre noch erst zu beweisen! Das Flötenkonzert ist kein Kinderspiel '" „Waren Sie dabei, als er es komponierte?" erwiderte Emil schlagferttg. „Ich sage: Friedrich der Große war ein Dilettant — und ich kann es beweisen. Es gibt em Rezept, woran man den wahren Künstler erkennt . . . ein unfehlbares Rezept! Der alte Kammermusiker Langbein hat mir's verraten. Der wahre Flötenkünstler putzt seine Flöte selber. Friedrich der Große putzte sie nicht. Er ließ sie putzen!" Emil blickte sich triumphierend um, niemand wägte eine Erwiderung. „Er ließ sie putzen. Wer das toerben Sie mir glauben: Ein Kammerdiener kann kerne Flöte putzen. Dazu gehört Begeisterung Md Liebe zur Kunst. — Prosit die Mahlzeit! Blasen Sie mal, wenn die Flöte nicht ordentlich sauber ist! Blank muß sie fern, blitzblank! Kein Stäubchen. Und Zeit brancht's für die vierzehn Locher und Klappen. Wir Beamten, ... die Gründlichkeit, die haben wir, Gott sei Dank. Nach Ms kommen gleich bte Flötisten." Emil lehnte sich in seinen Stuhl zurück und schien in Nachdenken zu versinken. . _ „Und deine Geschichte?" rappelte ich ihn auf, „zur Sache, komm endlich zur Sache!" , Ich bin bei der Sache! Mitten drin! — Ihr Zeitungsschreiber, ihr verflixten." Er warf mir einen herausfordernden Blick zu. „Da schreibt ihr immer: Heutzutage ist für alle Bedürfnisse gesorgt. Mau könnt' alles kaufen, wenn rnan's kaufen kann. Nicht die Bohne! Schreiben Sw das mal in Ihr Blatt! Nicht mal einen einfachen Floten- putzer kann man kaufen. Glauben Sie nicht? Da gehen Sie nur mal zu Tietz: „Ich möcht' einen Flotenputzer haben!" Auslachen wird man Sie: „Mogens vielleicht n’ Lampenputzer, Sie Herr?" - „Was, Lampenputzer l Mtenputzer..." „Bedauere führ! die führen wir net! Wer kümmert sich denn in Deutschland um die Bedurs- niffe der Kunst? „Wer man braucht einen Flötenputzer, wenn man Flötist ist, :— so notwendig, wie's liebe Brot Und was man nicht kaufen kann, muß man — stehlen. Ooer finden, je nach dem. Einmal hab' ich einen gefunden. Auf emem Kehrichthaufen. Sie lachen? —< Ich sage Ihnen: Sargen Sie nicht! Schließlich findet man alles auf dem Kehrichthaufen." „Ein Grund zum Trinken!" bemerkte der Oberförster, 400 — „Meinst', ich finde das GeW auf der Straße, sauer verdienen muß es der Vater." ... Das war mir zuviel, meine Herren!. Der Franzel ist schließlich mein einziger Sohn und alleiniger Erbe. Es brannte mir in der Seele. „Daher kommst du, Franzel, sofort!" Er erschien. „Na, Franzel," redete ich mit dem sanftesten Baterton auf ihn ein, „die Sache ist ja nicht so schlimm. Die Mutter meint's nicht so bös'. Sieh, du hättest es halt eingestehen sollen!" Ich konnte doch unmöglich mich selber beschuldigen. „Wenn ich's aber nicht getan hab' ?" beharrte der ,Franzi hartnäckig. „Nun, niein Sohn — Unrecht leiden ist besser als Unrecht tun!" Was konnte es helfen — die Prügel hatte er einmal weg. „Ich hab's doch nicht getan!" sagte er patzig. Es zuckte mir in den Fingerspitzen, aber ich beherrschte mich. „So ein verdammter Bub!" Aber das dachte ich nur; irr Wirklichkeit griff ich in die Tasche und holte einen Fünfziger hervor. „Da, geh' hin, kauf' dir was! Und denk', daß du einen guten Vater hast!" Da schaut er mich plötzlich so sonderbar an . . . und dann guckt er auf die Flöte und den neuen Flötenputzer... „Und dein' Fünfziger, den mag i net!" ruft er und wirft mir einen unsagbar verächtlichen Mick zu. Und fort ist er. Wissen Sie, was er gemacht hat, der Malefizbub ? In die Küch'n ist er 'gangen zu der Mutter, die ihn eben noch geschlagen hatte — und da haben sie zusammen über die Verderbtheit der heutigen Väter gesprochen! Meine Frau sagt: „.Ich soll das Flötenspielen nur auf- gebm — und wenn ich fo fortmache, so kann sie nicht dafür einstehen, daß der Franzel ein anständiger Mensch wird! Flötenspielen und Kinder erziehen, das vertrüge sich nicht!" I da soll doch gleich! — - Seppl, eine neue Runde! Nun bitt ich Sie, soll ich flöten —, oder soll ich nicht flöten?" ___________ wenn die wände Ghren haben. Gerade ein Jahr ist verflossen, seit die breite Oesfentiichkeit zum ersten Male von dem unheimliche» „Diktographen" hörte. Und seitdem hat der Diktograph eine» Siegeszug angetreten, wie ihn wenige moderne Einrickstungen gehabt haben. Ten Gipsetpunkt seines Ruhmes erklomm er in dem wohl noch allbekannten Dynamitardenprozeffe, in dein der amerikanische Detektive Burns die Angeklagten aus Grund der Auszeichnungen des Diktographs überführe» konnte. Welcher Popularität sich der Diktograph augenblicklich, wenn mid) nicht in den Kreis«,, die häufig mit dem Gesetz in Konflikt kommen, erfreut, beweist die Tatsache, daß heute zu den beliebtesten Ainerican Drinks — der „dietograph cooktail“ gehört. Das neueste heft der „Populär Eleetricity" enthält ein Interview mit dem Erfinder dieses unheimlichen Gesellen, K. M. Turner. Das erste Wort, das Turner an den Journalisten richtete, war: „Sind Sie schon diktographiert worden?" Höchst erstaunt verneinte der Journalist diese seltsame Begrüßungsfrage, und geradezu erschrocken wurde er, als von dem Schreibtische aus einmal gleich einem Echo seine Antwort zum zweiten Male laut und deutlich erscholl. Lächelnd wies der Erfinder aus eine kleine Uhr und er verriet dem Ueberraschten, daß die Uhr einen Diktographe» entfalte. Turner unterscheidet zwischen dem „Diktographen für Geschäfts- zwecke" und dem „Diktographen für den Kriminalisten". Wie viele Erfinder, so bezeichnet auch Turner sein Meisterstück als „unglaub- l,ch einsach". Der Diktograph besteht im wesentlichen aus einer UebertragungSscheibe, bezw. einem Schallsammler, und einem Schalltrichter, der die Antwort des am anderen Drahtende befind- llchen Menschen wiedergibt. Dieser Schalltrichter sehlt selbstverständlich bet dem „Diktographe» für kriminalistische Zwecke", da natürlich .dort der Sprecher wohl kaum an eine Antwort des Hörers denken mag. Der GeschäftSdiktograph weist aus einer Schalltasel eme Reche von Stöpseln auf, die einfach niedergedrückt werden, um so eine diktographische Verbindung mit einem beliebigen der angefchloffenen Räume herzustellen. Man braucht also bloß am Schreibtische zu sitzen, in den Raum hineinzusprechen, und in einem vielleicht einige Stockwerke höher liegenden Zimmer ist em Stenograph imstande, das ganze Diktat wortgetreu auszunehmen, ja, ec kann sogar, falls er etwas nicht genau verstanden Hatz ein lautes „Stop l" dazwischen rufen, ohne im Schreiben auszuhören. ES gibt wohl kaum einen Geschäftszweig im alltäglichen - *,n, dem der Tiktograph nicht Umwälzungen Hervorrusen Aus wie sinnreiche Weise er angebracht werden kann, ent- buute der Erfinder dem Interviewer, indem er ihm mitteilte, daß em Liankler seinen Diktographen in einer winzigen Schreibtischuhr *a;- Hat er eme Unterredung mit einer Person, die er wort- "ulrunehmen wünscht, fo tritt er aus einen unter dem Schreibtische aus den, Boden befindlichen, durch eine Matte verdeckten Knops, wodurch der im Nebenraum befindliche Stenograph benachrichtigt wird. Dieser braucht dann bloß seinen Diktographen in Tätigkeit zu setzen. Zunr Handwerkszeug des Detektivs gehört der Diktograph schon-längst und der schon oben erwähnte Bums ist so „verliebt" in ihn, daß er ständig einen kleinen, rote einen Taschenkodak aussehenden Diktographe», der kaum ein halbes Pfund wiegt, bei sich trägt. Er besteht aus einem Schallsammler bezw. Uebertrager, einer Empsangsscheibe und einem Paar Trockenelementen, kurz, er ähnelt dem gewöhnlichen Taschenteleson außerordentlich. Vermischtes. kf. Welches ist das s ch ö u st e V o l k? Jedes Volk hält sich selbst für das schönste: dem Eskimo schwebt als Schönheitsideal eine Eskimogestalt mit platter Nase vor, denr Chinesen ein schlitzäugiger Chinese und so fort. Daß es von dieser Regel doch Ausnahmen gibt, hat eine Abstimmung gezeigt, die die bekannte Monatsschrift „Strand" jüngst hat ausführen lassen. Danach hak z. B. ein deutscher Gelehrter die Eingeborenen von Samoa für die schönsten Menschen erklärt. Ter Engländer Landow sucht die Schönheit im eigenen Lande und erklärt die Engländer für das schönste Volk; merkwürdigerweise setzt er jedoch cm die zweite Stelle in der Rangordnung der Schönheit die — Japaner! Shackleton, der berühmte Südpolforscher, hat auf seinen vielen Reise» nirgends schönere Frauen angetroffen als unter den angelsächsischen Völkern, den Engländern und Amerikanern. Ein anderer berühmter Forschungsreisender dagegen, Sven Hedi», nimmt für Skandinavien, insbesondere für Schweden und Norwegen, die Palme der Schönheit in Anspruch. Tie meisten Stimmen der Abstimmung haben die Italiener erhalten. Der Engländer Markus Stene' erklärt sogar den Italiener für den „typischen Menschen". Ein englischer Maler, Sir William Goseombe John, ist völlig seiner Meinung, Ebenso denkt Arthur Giesy; seiner Ansicht nach "haben, was die Schönheit angeht, die Italiener die Erbschaft des klassische» Griechenlandes «»getreten. Allerdings fügt er zu diesem Urteil hinzu, daß sich die schönsten Männer unter den indischen Bergstämmen, den Sikhs und Palputs, finden, während die schönsten Frauen in Irland und die schönsten Mädchen in Samos zu finden find. Nach Ansicht des „Strand" lautet das Endurteil so : die schönsten Männer sind die Italiener, während die schönsten Frauen die Engländerinnen sind. Hinzuzufüge» ist, daß man sich vor der Abstimmung darüber hätte einigen müssen, ob unter Schönheit die Schönheit der Gesichtszüge, der harmonische Wuchs oder beides gleichzeitig verstanden werden soll. ______________ Gerlikon. 1. V. cK 2. M. carS 3. V. CD M. tfA H. carK M. trZ Diamantrötsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a, e e e e e, i i i, 1 1 1, o o o, r r r, s 8 s 3 s, t derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten: 1. Einen Buchstaben. L. Griechische Göttin. 3. Italienischer Dichter. 4. Weiblichen Vornamen. b. Fluß in Bayern. 6, Beliebte Speise. 7. Einen Buchstaben. Die senkrechte und ivagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: **. Abkürzungen: tr — Treff, p = Pique, c — Coeur, car — Carreau trB == Treff-Bube, pA ----- Pique-Aß, cD Coeur-Dame uff. Im L>kat liegen pZ und oarA, Vorhand hat tr8, tr7, cK, yl>- c9, c8, c7, carZ, carD, cai9; Rest für Mittelhand. Verlauf des Spieles; Berfomrene Weife. Viel liebe Wunder birgt der Wald, Doch keins, das mich so hold betört Wie eines Vögleins Schlummerlied, Dem nichts den Abendsrieden stört. Schon ist ihm wie ein Traum entrückt Der laute Tag mit Glück und Not, ___ Leis zittert um sein Laubversteck Der Sonne letztes, blasses Rot. Und reiner, süßer quillt der Sang, Indes gemach das Gold zerrinnt, Die fleine Seele lauscht verzückt Dem Märchen, das sie selber spinnt. Alfred Huggenberger. 25. 14. 24. 68 Äugen. H. eZ V. carZ H. cA Sa. Webftttion; f. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitSts.Buch- und Steindruckerei, R. Lang», GieZe»