I-y - m. 6t Montaz den 29. April iTJM £BSI Der König von Thule. Roman von Paul Grabern. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Keines sprach ein Wort, aber jedes fühlte: Es war da eben wie ein zündender Funke von einem zum anderen gesprungen. So standen sie in süß. beklemmendem Schweigen weiter im Sturmbrausen. Er spähte nach dem Ausdruck in ihren Zügen; aber sie stand so, daß er nur die weiche Linie ihrer Wange sehen konnte und das rosige Ohr, das die windgelösten Locken umflatterten. Und weiter, wie liebkosend glitt sein Blick hinab an ihrer schlanken, noch so mädchenhaften Gestalt, die der silbergraue Gummimantel lose umschloß, beim Wehen des Sturmes sich dicht um ihre feinen Formen schmiegend. In einer heißen und doch reinen Verehrung umfing so sein Blick ihre ganze Erscheinung, deren Liebreiz ihm in dieser Stunde zum ersten Male zum Bewußtsein kam. Bisher hatte sie ihn nur seelisch interessiert, ein inniges, aber ruhiges Freundschaftsgefühl hatte ihn zu ihr hingezogen; jetzt aber merkte er, wie ihre ganze Persönlichkeit, auch ihr äußeres Wesen, ihr holder Frauenreiz, auf thn wirkten. Vorhin, unter ihrer flüchtigen, sekundenlangen Berührung — das fühlte er jetzt mit steigender Gewißheit — war in ihm etwas zum Leben erwacht, was er noch nie gekannt hatte. Eine unwiderstehlich treibende Macht, so zart, so süß und doch so sturmgewaltig wie da draußen das aufbrandende Meer! Seine Brust spannte sich in einem machtvollen endlosen Atemzuge, als wolle sie eherne Banden sprengen, die sie bisher eingeschnürt hatten; in seinen Armen zuckte es, als wollten sie sich blitzschnell ausstrecken, das Neue, Wonnevolle mit starker Hand an sich zu reißen, was da. zu seligem Rausch lockte — aber plötzlich flog ein jähes Erblassen über Amthors Züge, und weit geöffnet starrten seine Augen hinaus ins Weite, in das Nachtdunkel derl Wetterwand hinten am Horizont — als käme von dort aus der düsteren Ferne, von der grauen Insel Thule her, ein bleicher Schemen geflogen, ein grausames Schreckgespenst, das nun mit seinen eiskalten Fittichen plötzlich über sein heißes Herz hinstrich und die zum Licht drängenden Keime sm selben Augenblick unbarmherzig erstarren ließ. Eva Söllnitz sah dieses jähe Erschrecken auf Amthors Zügen nicht: mit geschlossenen Augen bot sie ihr Antlitz dem Sturmwehen bin. Ein weltentrückter, selig-verträumter Ausdruck verklarte ihre Züge. Immer wieder durchlebte sie im Geiste den Moment vorhin, wie ihr seine zärtliche Frage ins Ohr geklungen war und wie dann sein Arm gezittert hatte unter ihrer Berührung. Mein Gott, was hatte das zu bedeuten? Sollte er doch anders als freundschaftlich für fie empfinden? Ihr war plötzlich, als tue sich mit einem Schlage eine ganz neue Welt vor ihr auf, eine Welt voll leuchtenden, flutenden Sonnenscheins, voll jubelnden Glücks. Und plötzlich klangen ihr seine Worte in der Seele, die er neulich abends zu ihr gesprochen, so fest, so zuversichtlich: „Glauben Sie mir, bas Leben wird Sie entschädigen für das, was es an Ihnen getan hat!" — Ein heimliches Zittern überfiel sie: War das so gemeint? — Es begann ihr plötzlich zu schwindeln vor dem unwillkürlich über sie hereinbrechenden, überflutenden Glücksgefühle. „Entschuldigen die Herrschaften, aber Herr Kap'tän lassen bitten, die Back zu räumen. Sie soll wegen des Sturmes ganz für Passagiere gesperrt werden." In höflichem Ton überbrachte der unbemerkt hinzugetretene Matrose die Meldung des Kapitäns der „Hamburg" an Dr. Amthor. Sie leisteten der Aufforderung Folge und kehrten auf das Promenadendeck zurück. Aber es war ihnen beiden nicht danach zu Sinn, unter Menschen zu weilen. So trennten sie sich denn. Es war ein hastiges, beklommenes Verabschieden, und sie vermieden es, sich dabei in die Augen zu sehen. Sis fühlten es ja beide nur zu gut, daß da zwischen ihnen unausgesprochen etwas war, was des erlösenden Wortes harrte' Eben hatte der Zufall die schon vor der Schwelle stehende Entscheidung noch einmal aufgShalten; aber die nächste Stunde des Alleinseins miteinander würde die Entscheidung bringen! > XI. Eva Söllnitz hatte sich gleich von Amthor getrennt. Auf dem Vorplatz, einem schon im Kajütenbau belegenen geschützten Raum, traf sie unvermutet auf ihre kleine Freundin Anne-Marie, die unbekümmert um das Schwanken des Schiffes mit einer Puppe auf dem weichen Smyrnateppich spielte. Etwas abseits stand das Fräulein mit zwei Damen int Gespräch. „Tante Eva!" Mit einem freudigen Aufschrei flog das Kind der jungen Frau in die Arme. ■ „Mein süßer Liebling, wo steckst du denn? Ich habe dich ja gestern und heute morgen überall vergeblich gesucht?" fragte Eva Söllnitz, die Kleine zärtlich liebkosend an sich pressend. Wer da stand plötzlich das Fräulein bei ihr. „Anne-Marie!" mit strengem Ton zog sie das Kind an sich. „Du weißt doch, du sollst das nrcht!" und schnell riß sie die Kleine an sich. Eva Söllnitz blickte höchst verwündert und betroffen auf die Erzieherin, die es vermied, sie anzusehen, jon«i dern mit verkniffener, fast feindseliger Miene das zer- drückte Kleidchen der Kleinen wieder glatt strich. Was hatte das zu bedeuten? Eine Frage schwebte der jungen Frau auf der Zunge; aber da merkte sie zufällig 266 Me in leiser Schadenfreude aufleuchtenden Blicke der beiden Damen drüben, und rasch wandte sie sich mit einem kurzen, aber herzlichen „Auf Wiedersehen, meine Anne-Mie!" ab. Im Weitergehen aber grübelte sie nach: Was war das eben? Es legte sich plötzlich etwas, so dunkel und beklemmend, auf ihr eben noch so jubelnd leichtes Herz. Sie zerbrach sich den Kopf. Hatte sie denn dem Fräulern vielleicht unwissentlich etwas getan? Vergeblich sann sie nach. Und dann die boshaften Blicke der beiden anderen da! Sie kannte die Damen gar nicht persönlich; aber freilich!, sie wußte cs ja längst: Sie war den meisten Frauen hier an Bord ein Dorn im Auge, weil sie sich so ex- Kusiv verhielt und weil sich die Herren so um sie bemühten. Wer mochten sie doch! Eva Söllnitz warf unwillkürlich den Kopf zurück. Jetzt sollte es ihr erst recht ganz gleichgültig sein, wo sie ihn an ihrer Seite wußte als ihren treuen Beschützer — bald vielleicht vor aller Welt, mit dem unbestrittenen Recht dazu! Eine heiße Blutwelle schoß ihr bei dem Gedanken rns Antlitz. — Welch Glück, daß sie schon in dem dunkeln, schmalen Korridor zu ihrer Kabine war! — Daß sie es wagte, solchen Gedanken überhaupi zu denken! War es denn nicht Torheit, Vermessenheit? Sollte sie nicht lieber solchen Gedanken noch im Keim ersticken mit aller Kraft ihrer Vernunft, anstatt ihn mit ihrem geheimsten Herzenssehnen zu nähren und zu stärken? Sie trat jn ihre Kabine ein und schloß die Tür mit fliegender Hand hinter sich. Dann preßte sie beide Hände gegen ihre fieberhaft erregt pulsenden Schläfe. Wie ihr ganzes Wesen in Aufruhr stand, wie ihr Herz pochte! Alles, alles um jener flüchtigen. Sekunde vorhin willen. Nein! Leidenschaftlich jauchzte es in ihr auf. Nein, stein! Sie wollte diese,r süßen Rausch nicht unterdrücken, sie wollte jhn auskosten — mehr, mehr bis zu Ende! Ein Hornsignal, das „Siegfriedsmotiv" aus der Wag- sterschen Oper, das draußen auf dem Gang hellschmetternd geblasen .wurde, schreckte sie plötzlich auf. Lang- san, nur fand sie sich in die Welt zurück. Ah so — es war Zeit, sich! zu Tisch zurecht zu machen! Ein neuer Gedanke ließ sie nun aufspringen. Ja, sie wollte sich schmücken, — schön, sehr schön wollte sie sein, für ihn! Und sie eilte ans Werk. Seit langen Jahren wär ihr das Toilettemachen eine so gleichgültige Sache gewesen. Ihre Gedanken waren ja so ganz andere. Aber heute machte ihr mit einem Male wieder diese natürlichste Frauenkunst eine hohe Freude. Sie wollte ihm gefallen, wollte in seinem geheimen, auf-, leuchtenden Blick glückselig lesen, daß er sie ein wenig hübsch fand. So musterte sie denn eifrig ihre Toilettenschätze. Endlich hatte sie das Richtige gefunden. Zu einem glatten, schwärzen Rock eine dufttge, schneeweiße Crßpe de Chines Bluse, ganz einfache aber mit kostbaren Valenciennes-Spitzen besetzt, die Taille umschlossen von einem echten, ältislän- bischen Goldfiligrangürtel, Hen sie sich von der Insel mitgebracht hatte. Schnell trat jie dann fort zu dem Waschtischschränkchen, das gleichzeitig auch als Frisiertoilette diente, um dort stoch ihr Haar ein wenig zu ordnen. Um dabei besseres Licht zu haben, griff sie nach der Zuggardine vor dem Kabinenfenster, um diese beiseite zu schieben. Dabei fiel ihr Blick zufällig auf einen Brief, der auf dem Fensterbänkchen lag. Etwas überrascht griff sie danach: Ein Brief? An sie? Die Aufschrift, jn der Tat mit ihrer Adresse, trug ihr unbekannte Federzüge, offenbar von einer Frauenhand; das Kuvert zeigte das Wappen der „Hamburg". Der Brief war also hier an Bord geschrieben worden. Schnell erbrach sie das Schreiben und überflog im Augenblick die wenigen Zeilen: „Verehrte Dame! Wir sind nicht länger gesonnen, Ihr unerhörtes, jeder guten Sitte jns Gesicht schlagendes Benehmen stillschweigend zu dulden. Die Komödie mit Ihrem Liebhaber, den Sie so „zufällig" aus Island getroffen haben, ist doch! zu plump Zrnd durchsichtig, als daß wir Ihr schamloses Treiben nicht durchschauten. Wir lassen uns aber solchen Skandal nicht länger ungestraft bieten, und die ganze Schiffsgesellschaft wird Ihnen durch ihr Verhalten fortab zeigen, daß sie Sie moralisch gerichtet hat. In gebührender Hochachtung mehrere entrüstete Frauen." Mit totenblassem Antlitz starrte Evä Söllnitz auf das Schreiben, das ihre zitternde Hand hielt. Im ersten Moment hatte sie die volle Bosheit dieser Beschuldigung noch gar nicht begriffen. Nun aber verstand sie alles, und wankend schleppte sie sich zu dem Sofa hin, wo sie ver- nichtet zusammenbrach. Man hielt sie für eine leichtfertige Frau, die mit ihrem Geliebten zusammenreiste! Stöhnend wühlte sie den Kopf in das Polster. Nun wurde ihr ja alles klar: Dieses stumme Ausweichen der Leute bei ihrem Kommen — das sonderbare Benehmen des Kinderfräuleins vorhin — die boshaften, schadenfrohen Blicke! (— Ja, das angedrohte Urteil über sie war schon vollzogen: Sie war der allgemeinen Verachtung anheimgefällen, von der Gesellschaft geächtet, ausgestoßen! — Durch das offene Fenster hatte man ihr, der Verfehmten, das Pernichtende Schriftstück dahin gelegt. Mein Gott! Die Schande — der Schimpf! Eine Weile jvar sie wie niedergeschmettert, völlig gelähmt, nur eine Beute dieses Gefühls brennender Schmach. Dann aber rüttelte sie das zweite Hornsignal auf. Sie mußte sich fassen — soeben ging inan zu Tisch. Was nun? Wild stürmten ihr die Empfindungen, die Gedanken durcheinander. Bald fchwebte ihr als einzige Möglichkeit vor, die ganze Zeit der Reise in ihrer Kabine zu bleiben, als krank im Bette liegend. So entging sie 'wenigstens all den Martern der Aechtung, die man über sie verhängt hatte. Bald aber bäumte es sich in ihr auf. Nein, warum sollte sie das alles schuldlos leiden? Warum sich wie ein wund- geschossenes Wild Perstecken? Znin Kapitän des Schiffes wollte sie gehen, seinen Schutz anrnfen, ihm die ganze Infamie mitteilen und um strenge Untersuchung gegen die Schuldigen, bitten! Aber auch das hätte ja keinen Zweck gehabt. Wie sollte er die Anstifter ermitteln? Und wie sie strafen? Er hatte ja keine Macht dazu. (Fortsetzung folgt.) Uaspar Hauser. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Tr. Mfred Funke. Auch die Weltgeschichte hat, wie einst die Karte Afrikas, ihre weißen Flecken, die trotz eifrigster Forschung nie ausgestellt worden sind. Tie Personen der Prätendenten, die in säst allen Reichen Europas ihre Anhänger fanden, um dann als Betrüger zu verschwinden, sind zum Teil nie mit absoluter Sicherheit bestimmt worden. Wer war Pascha Michael Cigala, der als angeblicher Sohn des Sultans Murad beim allerchristtichsten Könige Ludwig XIV. und der Königin Maria von Polen fürstliche Gast, freundschaft fand, und dem der deutsche Kaiser in Breslau trotz allen Geschreis ein Jahresgehalt und Wohnung anweisen ließ? War er ein Prinz oder, wie seine Gegner behaupteten, ein Stallh knecht aus der Walachei? Niemand weiß es. Wer war der Mann mit der eisernen Maske, der Gefangene Ludwigs XIV.? Selbst der Scharfsinn eines Voltaire hat die Frage nie gelöst, und heute noch zerbrechen sich Pariser Archivare, wie die Erscheinungen der Literatur beweisen, dm Kopf über diesmi Problmr. War er der Sohn Richelieus und der Anna von Oesterreich oder eist Minister des Herzogs von Mantua, der seinem französischen Feind? in die Hande gefallen war? Diese Lesart ist die modernste, aber darum nicht weniger Vermutung als ihre Vorgängerinnen, von denen eine ganz phantasievolle Pariser Darstellung unserer Zeit allen Ernstes will, die Eiserne Maske sei niemand anders als der „enthauptete Karl von England" gewesen, für den eist Ersatzmann geköpft worden sei! Vom portugiesischen Sebastian bis zum russischen Demetrius haben Präteudmten überall Land und Volk in Wirren gestürzt. Keine Frage aber ist leidenschaftlicher umstritten worden, als die nach dem Verbleib des unglücklichen Dauphin von Frankreich, des Sohnes Ludwig XVI. und der Marie Antoinette. Heute noch erscheint in Paris die Zeitschrift „La Plume", die keiner anderen Politik dient als der, die Nachkommen Naundorffs in den Besitz der Erbschaft der Bourbonen zu setzen. Schon Jules Favre führte für den ehemaligen Uhrmacher Karl WilheltN Raum dorff, der erst in Spandau, dann in Brandenburg, dann in Crossen lebte, in Paris als der Herr Moriel de Saint-Didier auftrat, den Prozeß, und wenn dieser auch mit der Abweisung der Naundorffs endete, so ist doch 'heute noch die Zahl der Franzosen groß, die in der auftallenden Aehnlichkeit der Naundorffs mit den Bourbonen den sicheren Beweis für den „echten und wahren Ludwig XVII." und seine Familie zu haben glauben. Für die Familie BourboN wäre ein anderer Ausgang des Prozesses allerdings insofern sehr 267 peinlich gewesen, als die Familie Naundorfs die vielen Millionen des Vermögens Bourbon eingestrichen haben würden. Tas allerletzte Wort ist allerdings noch nicht sm der Naundorfs-Frage gesprochen, wenn auch im vergangenen Jahre Gegner der Familie Naundorfs durch genaue Forschungen entdeckt haben wollen, daß der erste Naundorfs der illegitime Sohn eines Soldatenweibes in Halle a. S. gewesen sei. König Wilhelm! II. von Holland war jedenfalls anderer Meinung, als er den alteren Naundorfs in Delft beisetzen und auf das Grabmahl schreiben ließ: „Hier ruht Ludwig XVII., Karl Ludwig, Herzog der Normandie, König von Frankreich und Navarra, geboren zu Versailles am 27. März 1785, gestorben zu Delft am 10. August 1845." In den Kreis der Tauphinlegende würde auch eine Person eingezogen, über die trotz eifrigster Forschung niemals Sicherheit geschaffen worden ist: Kaspar Hauser. Tie Lesart, daß Hauser mit dem Dauphin von Frankreich identisch sei, ist allerdings aus zeitlichen Gründen sofort nach denr Entstehen aufgegeben worden, wenn Jie auch noch hin und wieder Gläubige finden mag. Dafür aber wollen andere ihn mit Bestimmtheit in Verbindung mit der badischen Dynastie bringen, trotzdem seitens des Archivs in Karlsruhe diel unanfechtbarsten Dokumente dagegen vorgebracht wurden. Fassen wir zunächst die Historisch beglaubigten Vorgänge über die Person Hausers zusammen. Am 26. Mai 1828 erschien bei dem Rittmeister von Wessenig m Nürnberg ein 16jähriger Bursche, um sich als Reiter anwerben zu lassen. Er sei ein Findelkind, und ein Zettel seiner Mutter, den Hauser vorzeigte, bestätigte die Angaben über Datum der Geburt und Taufe. Tiefer Zettel, der den 30. April 1812 als Geburtsdatum trug, machte allerdings schon einen nierkwürdigen Eindruck.. "Von seiner Vergangenheit wußte Hauser wenig zu berichten, die wenigen Angaben aber machten einen geheimnisvollen, romantischen Eindruck. Er habe stets in einem dunklen Raunt gesessen und keinen Menschen zu Gesicht bekommen. Nahrung und Trank wurden ihm während der Nachtruhe gebracht. Tann sei ern unbekannter Mann bei ihm erschienen und habe ihn gelehrt, den Namen Kaspar Hauser als den seinen zu schreiben. Irr einer Nacht trug ihn der Unbekannte! aus dem Gemach und geleitete ihn ms unter die Manern Nürnbergs. Ter hübsche Bursche, der anfangs nur wenige Sätze! in oberbayerischer Mundart sprechen konnte, dem auch das Gehen sehr sauer wurde, erregte Aufsehen, besonders durch die aristokratische Form seiner Hände und Füße. Ter Nürnberger Professor Taumer, deut er zur Erziehung übergeben wurde, ^entdeckte an ihm allerdings keinerlei sonderliche Geistesgaben. Seltsamerweise wurde Kaspar Hauser am 17. Oktober 1829 im Keller des Professors mit einer Stirnwunde aufgefunden, die ihm ein Unbekannter beigebracht haben sollte. Dieser fei vermummt in den Keller geschlichen und habe ihn überfallen. Nun wurde Hauser zu seiner Sicherheit bei dem Mägistratsrat Breitenbach untergebracht und erhielt eine Wache. Eine Zeit darauf nahm ihn Herr von Tücher in sein Haus, und hier lernte Lord Stanhope den sonderbaren Burschen kennen, um den die geschäftige Fama bereits ihre Legenden spann. Lord Stanhope erblickte in Hauser eine geheimnisvolle Person, deren Leben einer hoben Stelle unerwünscht sein mußte. Er nahiU sich Hausers daher sorgfältig an, ließ ihn mit sich reisen und sorgte in icder Beziehung für seine Sicherheit und sein Wohlergehen. Spater geriet Lord Stanhope durch Widersprüche in den Aussagen Hausers in Zweifel über dessen Ehrlichkeit, nannte jhn dann offen einen Betrüger und zog sich von ihm zurück. Nun brachte inan ihn Nach AnsbachMnd gab ihm einen Schreiberposten auf dem Gericht. Hauser wurde auch dazu benutzt, um Klarheit über zwei Personen zri verschaffen, die ebenfalls lange Zeit die Welt der Neugier in Erregung setzten: die „Geheimnisvollen von Eishausen", einem Dorfe bei Hildburghausen. Dort nahm 1810 ein geheimnisvolles Fremdenpaar im Schlosse Wohnung. Der Herr mit den Manieren eines Hochadligen nannte sich Graf Vaval de Versah und stand Nur durch Briefwechsel mit der Außenwelt in Verbindung, Übte aber eine ausgedehnte Wohltätigkeit. Dieser Umstand schützte Du wohl vor eingehenden Fragen der Meiningischen Regierung nach Namen und Art. Semd an den Geistlichen des Dorfes gerichteten Briefe behandelten Fragen der Wissenschaft und Politik: der Geistliche mnßte sie aber sogleich nach der Lektüre der Boteiv- frau wieder mitgeben. Tie Dame des Schlosses ließ sich nie in der Oeffentlichkeit sehen, nur fern sah man sie im Park, selbst vor der Tienerschaft erschien sie dichtverschleiert. Als sie auf ben Tod erkrankte, wurde kein Arzt gerufen. Als sie sttarb wurde sie im Park beerdigt. Ter Graf gab ihre Personalien kurz an: „Sophie Botta, ledig, 58 Jahre alt." Man brachte Hauser nach Eishauseu, um vielleicht von ihin durch aufflammende Erinnerung etwas über die geheimnisvollen ^Fremden zu erfahren oder ihn selbst von dem Grafen erkennen zu lassen. Die Reise war ohne jeden Erfolg. Wohl aber entstand die Legende, daß die verstorbene Sophie Botta niemand anders als die Tochter Ludwigs XVI. gewesen sei und sich aus Furcht vor Verfolgungen und Mördern hier verborgen habe. Ms Graf Vaval selbst 1845 starb, schloß man aus seinen Papieren, daß er ein Holländer namens Cornelius van der Valck gewesen sei. Eine holländische Kaufmannsfamilie gleichen Namens erhielt tatsächlich dm Nachlaß des Grafen ausgehändigt, Verwandte und Erben der Gräfin haben sich aber nie genreldet. Kaspar Hauser sollte sich des stillen Lebens in Ansbach nicht lange freuen. Obwohl er sehr zurückgezogen seine Tage verbrachte und bald im täglichen Leben den Bürgern der ehemaligen Mark-, graseustadt ein gewöhnliches Menschmkind wurde, lebte er in einer beständigen Sorge um sein Leben. In der Tat wurde er am 14. Dezember 1833 mit einem tiefen Stich in der Brust heimi- gebracht und starb drei Tag« später. Er gab zu Protokoll, daß der vermummte Fremde, der ihn schon im Hause des Professors! angefallen habe, sein Mörder sei. Tas Gericht kam bei der Untersuchung zu keinem bestimmten Ergebnis. Jur Schloßgarten zn Ansbach, wo der Mordanfall geschehen sein sollte, steht heute ein Tenkstein mit der Inschrift: „Hie occultus occulto occisus est, hier wurde ein Geheimnisvoller geheimnisvoll ermordet." Man hat später die Verwundung in Nürnberg als Komödie Hausers ansehm wollen, audji seinen Tod für Selbstmord erklärt, weil Hauser mit seiner Nolle keinen Erfolg in der Welt gehabt habe und statt eines Prinzentitels die Gänsefeder des Äogentz schreibers erwischt habe. Tas ist aber wahrscheinlich nrcht der Fall. Also blieb die Frage offen: Wer hatte ein Interesse daran, den harmlosen Burschen durch Meuchelmord aus der Welt zu schassen? Eine ganze Literatur besteht über den Ermordeten, aber bis heute ist keine zuverlässige Lösung gefunden. Viele Autoren, die in Nürnberg oder Ansbach mit ihm in Berührung kamen, haben jede Aenßerung, die er zu ihnen tat, und jede Beobachtung aufgezeichnet. Hartnäckig erhielt sich jahrzehntelang der Verdacht, Hauser sei ein Sohn des Großherzogs von, Baden und seiner Gemahlin, der geborenen Stephanie Beauharnais, der Verwandten Napoleons durch di« Heirat mit Josefine, gewesen, am 29. September zur Wett gekommen und von der Gräfin Hochberg beiseite geschafft worden. Tas großherzogliche Archiv zu Karlsruhe hat freilich, als das Gerede zu arg ivnrde, amtlich, die künden über Geburt, Nottaufe, Tod und Beisetzung dieses kleinen Prinzen veröffentlicht, aber es gibt heute noch Leute, die in Kaspar Hauser den unglücklichen Prinzen sehen wollen. Heute beschäftigt sich kaum ein Historiker noch mit der Person des seltsamen Menschen. Tie Frage nach seiner Herkunft wird stets offen bleiben. Er selbst gehört zu denen, die in der Maske durch die Weltgeschichte geschritten sind. . Höchstens der Beobachter menschlicher Phantastereien grübelt bei der Betrachtung der Vergangenheit nachdenklich über den Reiterburschen, der damals ganz Europa beschäftigte, und der leicht eine politische Rolle Hätte spielen können, wenn sein Geist schärfer und die Szene der Politik eine andere gewesen wäre. Niemand als der Stein int Schloß tzu Ansbach redet heute von ihm. Occultus occulto occisus est. Die grotze Zigeuner-Hinrichtung im Jahre \n(> in Gietzen. Tie jetzig« Verfolgung der Gebrüder Ebender wegen der Ermordung des Förster Romanus erinnert an die große Razzia auf Zigeuner, die in unserer Gegend im Jahre 1725 mit ungleich besserem Erfolg abgehalten wurde. Ter Gießener Chronist Prof. Tr. Buchner berichtet auf Grund des Kalenders von 1728, der sich „Ter hinkende Und stolpernde, doch eilfertig fliegend und laufende Reichsbote" nannte, über die große Zigenncrbande und deren Hinrichtung das Folgende. Nicht Teutschland allein ist mit Vagabunden und Zigeunern im Anfang des 18. Jahrhunderts angefüllt gewesen, die eine Plage für die Bevölkerung in Stadt und Land geworden wareir, sondern ganz Europa klagte über die Verbrechen, die diese Banden vollbringen, und es könnten nicht Galgen nnd Räder genug gebaut werden, diese Teufelsbrut auszurotten. Die Stände des Oberrheinkreises beschlossen daher, einen förmlichen Feldzug gegen die Zigeuner und andere Landstreicher ins Wer? zu setzen, diese gefänglich einzuziehen und int Fall des Widerstandes solche totzuschießen. So wurden denn auch wirklich auf Hesscu-Tarmstädtischem und Fuldaschenr Gebiet 100 Zigeuner dingfest gemacht. Nach kurzer Gerichtsverhandlung fanden zum Abscheu und Exempel die Hinrichtungen statt und zwar nach der Bestätigung des Urteils durch den Landgrafen Ernst Ludwig als Kreisobersten am 14. und 15. November 1726 in Gießen, am 16. März 1727 in Darmstadt. Ter Abt von Fulda verteilte die Hinrichtungen der auf seinem Gebiet Mitgefangenen Zigeuner auf die Zeit vout 10. Dezember 1726 bis zum 28. März 1727. Tie Namen der in Gießen hingcrichx- teten 24 Männer und Frauen waren: Frmrz und Lorenz Lantpert, Anton Alexander genannt der kleine Galattt ttnd dessen Frau Attna Chrtstine, Johann ka Fortune, HeMperla ,unb_ dessen Mutter Marie Rosine, sowie dessen Frau Anna Maria, Christian Gottfried uni) Johann la Fortnn, Joh. Lorriesgen, Gabriel und dessen Ehefrau Katharina, Heinrich Störtzinger, Becker-Hanns, Hans Heinrich Fourea, Joh. Peter Salentin genannt Funker, Friedrich St. Amur genaniit der Lange, Student Belten und Ehefrau, Joh. la Fourc, Joh. Reinhold, Hans Heinrich Stoffel oder Balanton, außerdem noch 3 Weiber. Tie Gefangenen waren 'beschuldigt des Mordes an einen gewissen Emmerau, des Bandendiebstahls und verschiedener Diebstähle und Gewalttaten. Wo die Gefangenen, die alle ziim Tode verurteilt würben, fahrend der weitläufigen Untersuchung in 268 Metzen untergebracht »baren, sagt das Kalendarium nicht, doch ist es wahrscheinlich, daß man sie in den danach genannten Herdew- turm eingesperrt hatte. Drei Tage vor der Hinrichtung wurde die ganze Gesellschaft nach dem Rathause auf den Markt verbracht und in den Gerichts- ftuben durch starke Wachen gewahret, auch die nötigen Vorderem tungen zur Hinrichtung getroffen. Eine furchtbare Aufregung unter den Gefangenen entstand, als am Tage vor der Hinrichtung den Frauen di« kleinen Kinder abgenommen wurden, die sich, bis dahin mit den Gefangenen in einem Raum befunden hatten. Hätte es die Wache nicht verhindert, so wären die Kinder eher um- gebracht als ausgehändigt worden. Rach wenigen Stunden aber war toieder ziemliche Ruhe eingetreten und die Gefangenen erwarteten gelassen ihre Sterbestunde. Am 14. November versammelte sich morgens um 9 Uhr das peinliche Gericht auf dem Rathaus und zog von dort mit den Verurteilten und der Geistlichkeit auf den Markt, der von einem weiten Kreis von Zuschauern umgeben war. Die Richter nahmen Platz an der peinlichen Gerichtstafel, das Urteil wurde nochmals öffentlich verlesen, den Verurteilten die Stäbe gebrochen und dann deren 10, darunter 2 Frauen, wieder in das Rathaus zurück gebracht. Tie 14 andern aber, darunter 5 Frauen, wurden den Henkersknechten übergeben und unter Bedeckung einer starken Bürgerbewachung nach der Richtstätte gebracht, die sich links auf der Höhe der Marburger Straße befand und nach Buchners Angabe nur auf dem Rodberg gewesen sein kann. Tort wurde im Beisein einer großen Zuschauermenge die Hinrichtung vollzogen. Drei Zigeuner wurden gerädert, sechs gehängt und fünf, darunter 2 Frauen, mit dem Schwert enthauptet. Ten folgenden Morgen um 9 Uhr wurden die übrigen Zigeuner vom Rathaus auf den Markt verbracht, wo man ihnen Mitteilung von der tags vorher erfolgten Hinrichtung ihrer Genossen machte, worauf sie ebenfalls zur Richtstätte geschafft wurden. Unterwegs baten zwei der Verurteilten unter Heulen und Winseln um Gnade, zwei von ihnen wünschten, wenn sie schon sterben müßten, nicht durch den Strang, sondern durch das Schwert zu sterben. Einer der Gesellen gedachte seiner noch nicht eingefangenen Frau und seiner Kinder. Er wünschte, daß es der Frau ebenso ergehen möge wie ihm; für die Kinder aber bat er um Schonung. Am standhaftesten hielt sich Hemperla. Nach verrichtetem Gebet rief er vom Stuhl, ans dem vor ihm die Zigeuner hingerichtet waren, mit überlauter Stimme in die vieltausendköpfige Zw- schauermenge hinein, wenn ein guter Katholik unter ihnen sei, fo solle er einige Seelenmessen für ihn lesen lassen, und zum Zeichen, daß er es auch tun werde, einen Wink mit dem Hut geben. Als dies von verschiedenen Seiten geschah, wandte sich Hemperla zu den Henkersknechten mit,den Worten: „Nun, ihr Brüder tragt mich hin", woraus diese ihn zum Tode brachten. Fünf Leichen wurden aufs Rad geflochten und ihre Köpfe auf Stangen gesteckt, die Gehängten wurden unter dem Galgen verscharrt, zwei Leichen aber, die eines Gehenkten und einer enthaupteten Frau, kamen aus die Anatomie der Universität. Tie ttt Darmstadt inhaftierten Zigeuper kamen besser davon, 5 wurden hingerichtet, 6 unter dem Galgen gebrandmarkt und ausgepeitscht, eine Zigeunerin nur ausgepeitscht, darauf alle noch Lebenden auf ewig aus dem Oberrheinkreis ausgewiesen. Einer der Hingerichteten Zigeuner, Nikolaus Bördel genannt Breitfuß, war nach seiner Gefangennahme noch dadurch bekannt geworden, daß er wiederholt in Frankfurt und Darmstadt auf unglaubliche Weise unter Zerreißung der stärkster: Banden aus dem Gefängnis entkam. Als man ihn aber wieder einfing, fesselte man ihn mit einer ganz neuen, aus 7 schweren Ketten bestehenden Fessel, die sein Entweichen unmöglich machte. Man sollte meinen, diese Strenge gegen die Vagabunden und Zigeuner hätte etwas genützt, um die Darmstädter Lande vor ihnen zu bewahren, aber schon 1734 sah sich der Landgraf genötigt, mit einer strengen Verordnung wieder gegen die Horden vorzugehen. Der Landgraf Ernst Ludwig verordnete: Alle erwachsenen männlichen und weiblichen Zigeuner und das sich zu ihnen rottende Mord- und Raubgesindel, tvelche nach Mlauf eines Monats mit oder ohne Paß im Lande angs- troffen wird, sind an Leib, Leben und allen Habseligkeiten vev- sallen. Mithin soll männiglich erlaubt sein, sie zu verfolgen, sie entweder totzuschießen, oder sie gefänglich einzuliefern. Tem- jettigen, der eine solche in die Mordacht und in öffentlichen Bann erklärte Mannsperson lebendig einbringt, soll nebst alle dem, was er bei ihr findet, wenn man deren Eigentümer nicht kennt, eine Prämie von 6 Rthl., von einem ertöteten aber eine Belohnung von 3 Rthlr. von dem zunächst wohnenden fürstlichen Beamten gegen Schein ausgezahlt erhalten. Aber auch diese unerhörte Maßregel scheint wenig genützt zu haben. Tie Erklärung mußte 1742 von der Regierung in Gießen aufs Rene durch Anschlag am Rathaus bekannt gemacht werden. Geholfen hat auch dies nicht, denn 1790 und 1.792 klagt das Gießener Wochenblatt über die fahrenden Völker, die die Gegend durch Mord und Raub unsicher machen und betten der einzelne Staat damals nicht steuern konnte. Vermischtes. * ©in Denkmal für den Erfinder der Nähmaschine. In Lyon hat sich ein Ausschuß gebildet, der dem Erfinder der Nälni a .bitte, dem Schneidergesellen Barthälemi Tbtmonnier, ein Denkmal errichten will, um damit das Unrecht tutebev gut zu machen, das die kurzsichtigen Zettgenoüen einst dem Alaune zufügten, der nach langer, mübseltger Arbeit und nach bitteren Entbehrungen die erste wirklich praktiseb brauchbare Näh- mnichine konstruierte. Denn die vorder hergenellten mechanischen Nähapvarate hielten vor der Praxis nicht Stand und vermochten nicht nutzbringend zu arbeiten; erst der kleine Schneidergeselle aus Arbresle, der Erfinder des Kettenstiches, ersann jene Maschine, deren Prinzipien noch beute die von der Technik so luunbetbar vervollkommneten Maschinen beherrschen. Thimonnier war 1793 geboten und schlug sich recht und schlecht als Scbueidergesette burcl); er Hörte von beut in Amerika erfundenen NäHgpparat und ruhte nicht eher, bis er nach jahrelangem Darben durch größte Sparsamkeit die ^Oo Francs ztijammengebracht hatte, mit denen er sich einen jener Apparate ans Neuyork kommen ließ. Dann setzte er sich in Lyon in seiner kleinen Stube an die Arbeit, grübelte, sann und versuchte, bis er endlich feine Nähmaschine ermüden hatte, die zum ersten Male mit einer Hakennabel mechanisch den Kettenstich auS» führte. Die Frennde hielten den grübelnden kleinen Schneider- ge’ellen für wahnsinnig. 18.9 endlich konnte er sein Patent nehmen, aber nun begann auch für ihn die Stelle bitterster Enttäuschungen: die Schneider zerstörten seine ersten Maschinen, lueil sie sich in ihrer Zukunft bedroht fühlten, Unterstützung blieb aus, und so verkroch sich der enttäuschte Erfinder verbittert und verkannt in ein kleine» Nest im Departement Rhone, wo er vergessen und unbeachtet in bitterer Armut starb. * Der Herr Unteroffizier. „Fettmeier, Unglücksi- mensch! Ter Herr Hauptmann hat ja gestern gesagt, jeder soll sich bemühen, ein hervorragender Soldat zu iverden — aber damit hat er doch nicht gemeint, daß Sie Ihren dicken Wanst ’ne halbe Meile vor die Front strecken sollen!" vllchertisch. — Euphorion, Zeitschrift für Literaturgeschichte, heraus- gegeben von August Sauer. XVIII. Band. 4. Heft. Leipzig und Wien, k. u. k. Hof-Buchdruckerei und Hof-Verlags-Buchhand- lung Carl Fromme, 1911. Das Schlußheft des 18. Bandes wird eröffnet durch einen zusammenfassenden sehr übersichtlichen Aufsatz über Schuppius von Otto Lerche in Wolfenbüttel. Neben Fortsetzungen früherer Untersuchungen bringt das Heft neue Beiträge zum Leben Kästners, Ewald von Kleists und Grabbes von Wolfram Suchier in Halle a. S., von Bruno Hirzel in Washington und von Alfted Bergmann in Leipzig. — Albert Gehler in Basel veröffentlicht unbekannte Stammbuchblätter von den Dichtern des Göttinger Hains. Paul Kluckhohn in Göttingen liefert wichtige Beiträge Mr Würdigung von Schillers Prosasttl. Friedrich Warnecke in Magdeburg sucht in das Verständnis von Goethes schwierigem Gedicht: „Groß ist die Mana der Epheser" einzudringen: O. v. d. Pfordten in Straßburg identisiziert im Gegensatz zu der bisherigen Ansicht den Doktor Marianus im zweiten Teil „Faust" mit Faust selbst, lieber die bisher unbekannten Beziehungen Friedrich Schlegels und Wilhelm v. Humboldts zu ungarischen Schriftstellern bringen die Forschungen I. Bleyers in Budapest schätzenswertes Material bei. Leben und Charakter des in letzter Zeit zu größerer Bedeutung gelangten Romantikers Wetzel erfahren aus Freundesbriefen nähere Beleuchtung, die Friedrich Ranke in Straßburg zugänglich macht. Zahlreiche kleinere Beobachtungen, Rezensionen und das von Alfred Rosenbaum in Prag mit gewohnter Sorgfalt gearbeitete Register beschließen das Heft und den Band. Charade. Die ersten beiden Silben künden Dir die olympische Gestalt, Tie einstmals aus verschiednen Gründen Als göttlich hehres Wesen galt. Tenn oft, so melden uns die Sagen, Fand im Olymp das Dritte statt, Und alle schlürften mit Behagen, Was Eins und Zwei geboten hat. Tas Ganze aber bildet heute Nach großem Werk ein Fest der Ruh’, Die 'Dlaurer und die Zimmerleute Eis beinen herzlich gern dazu. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger NummÄk, Bedenke dies; schon manchmal trat ein Segen In der Gestalt des Unglücks dir entgegen; Dir fehlte nur in jener Zeit des Leidens Ter klare Blick des scharfen Unterscheidens. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lang«, Grete»