Donnerstag den 29. Februar V: ly Bew Wi 1 1 ■ ifl '4 Glückslasten. Koman von Hanns von ZobeltiK. (Nachdruck verboten^ (Fortsetzung.) Dodo hatte toieber schweigend gesessen, ganz! in ihre Ecke des kleinen Balkons gedrückt, der wie ein Schwalbennest der Hotelfassade angeklebt war. Nun sprach sie plötzlich, leise und zärtlich: „Ich muß dir noch eins sagen, Signe . . ." Es klang heraus: ... ich Hoffe, es Hut dir nicht wehe." Und sie griff nach Signes Hand: >,Elly schrieb heut so glücklich. Sie hat sich mit Viktor von Kaltenegg verlobt ..." Nein, es tat nicht weh! Signe konnte gelassen entgegnen: „Das freut mich herzlich !" .Aber die Erinnerungs- sluten kamen doch Aber sie. Als Dodo sch, daß die Schwester ruhig blieb, begann sie weiter zu erzählen: von der Seligkeit der Freundin und von den eigenen Hoffnungen. Was wohl Vater für ein Gesicht machen würde, und Mama wäre gewiß zuerst dagegen. Aber das täte nichts, gar nichts, schließlich würde sie doch ihren Kopf durchsetzen. „Ach, Sgine . . . Signe, ich hab ihn ja so lieb!" Mit einem Male stand Signe auf. Sie küßte Dodo. Uber dann sagte sie: „Mich fröstelt . . . wir wollen zu Bett gehen." * Schließlich brachen die Eltern den Aufenthalt in Neapel früher ab, als geplant war. Mutter setzte ihren Willen durch: sie erklärte, die Ausstattungssorgen raubten chr jede Ruhe. Wenn der Major sogleich zustimmte, so hatte er seine besonderen Gründe. Er spracht sich nicht darüber aus, aber sie merkten es alle: irgend etwas bedrückte ihn; erj hatte Verdruß, vielleicht Sorgen. Man reiste sogar ziemlich schnell heimwärts. Bis Rom fnhr der Prinz mit. Von hier aus kam er in kürzeren Etappen nach — so hatte es Signe gewollt. Sie pmpfand nach dem täglichen Beisammensein der letzten Wochen das Bedürfnis einer kurzen Trennung, mußte einmal wieder allein sein mit ihren Gedanken, ihre:: Empfindungen. Aber es kam noch etwas anderes! hinzu: sie sah die Wolken auf Vaters Stirn, und sie sah irgend ein Unwetter am Horizont. Das mußte ohne Bill abgemacht werden. Denn das hatte sie längst erkannt: so ausgesucht rücksichtsvoll er gegen jedes Glied ihrer Familie war, im Grunde blieben sie ihm Fremde. Höchstens, daß er mit Dodo einen verwandtschaftlichen Ton fand; int übrigen wollte er die letzte Schranke zwischen sich und den Ihren gar nicht fallen sehen. Das war manchmal schmerzlich, aber sie fand es begreiflich. Und seine streng korrekte Art machte es auch weniger empfindlich. Jedenfalls, man konnte sich damit abfinden. Während der Reise suchte sie wiederholt die Gelegenheit einer Aussprache mit Vater. Er tat ihr so leid. Er war still und gedrückt und sah' an jedem Morgen aus, als ob kein Schlaf in seine Augen gekommen wäre. Erst auf der letzten Strecke, von München aus, konnte sie ihn allein sprechen. Er hatte sich unter dem Vorwand, eine Zigarre rauchen zu wollen, in ein leeres Nachbarabteil gesetzt. Hier fand sie ihn: in eine Ecke gedrückt, die Augen geschlossen, ohne daß er schlief, die Zigarre ausgegangen im Mundwinkel. e Sie setzte sich zu ihm, faßte seine Hände und bat. Anfangs wollte er nicht mit der Sprache heraus. Dann fühlte er doch wohl das starke Bedürfnis, sein Herz zu ■cxlcicfttcEti; Friedel hatte seine Mission gut erfüllt. Wer leine Nachrichten waren niederschmetternd: Hardi hatte nicht nur Unglück im Stall gehabt, er hatte gespielt und enorm verloren. Es liefen Wechsel von ihm in hohem Betrage. Friedel schrieb von einigen hunderttausend Mark. Mit seinem praktischen Verstände hatte er übrigens sofort em- gegriffen, wenigstens das Dringendste, allerlei Ehrenschulden, mit Hilfe seines Schwiegervaters aus der Welt geschafft. Das drückte Vater nun doppelt. Friedel mochte ja ganz richtig gehandelt haben; aber hätte er nicht warten können, bis er selber daheim war? Braunsteins Hilfe . ,. darauf hätte er lieber verzichten sollen. Allmählich wurde Kater lebhafter. Friedel hatte so hart geschrieben, geradezu Uiibarm- herzig. Der Bruder sei überhaupt in schlechte Gesellschaft geraten; am besten wäre es, er nähme den ^Abschied. Ganz zu übersehen sei seine Lage nicht, denn er wäre Nicht ehrlich und offen. Ein bitteres Wort; ,Hardi nicht chrlich und offen! Leichtsinnig mochte er sein. Bodenlos lÄchtfinmg. Wer nicht ehrlich und offen — das wollte Vater nicht in den Sinn; darunter litt er am meisten. , Und dann stöhnte er: „Siehst du, Signe, weim er doch nur bei seinem alten Regiment geblieben wäre! Ich war gleich gegen die Versetzung. Aber da war ja nichts zu wollen. Und so ist er in die Sportkreise hineingekommen und — solch schwankendes Rohr, wie er ist — hat sich nlM beherrscht. In dem alten Offizierkorps, da hätte ihn die Kameradschaft gehalten, da hätte man auf ihn aufgepaßt. In dem neuen Regiment blieb er ein Fremder, ging seins eigenen Wege — der arme Junge . - - „ „. . . das Geld! Das ist nicht das Schlimmste. Schließlich muß ich's ihm eben von seinem Erbteil abschreibem Wer — nicht ehrlich und offen! Das schmerzt—' , . . Ueberhaupt das schreckliche Geld! Für Hardi hat's kein Glück gebracht. In kleinen Verhältnissen war er gewiß ein ordentlicher Mensch geblieben. Ein bißchen leicht war er wohl immer, aber wenn ihm der Daumen' aufs Auge gedrückt wurde, tat er doch gut. Sfit er aber wußte, er wird mal ein reicher Junge, seitdem ging's bergab. Und nun . . . nicht offen und ehrlich —" 134 Signe sprach gut zu, tröstete, tote sie konnte, und fühlte dabei schmerzlich, daß sie nicht den rechten Ton traf. „Aber an Friedel hast du doch Freude, Papa!" sagte sre endlich. Da lachte .Vater ganz kurz auf. „Ja —> „. . . Ja. . . der ist verständig. Rein zum Erstaunen sogar." Dann schwieg der alte Herr. Er holte mit zittmgen Händen die Streichholzbüchse heraus, steckte sein Kraut wieder in Brand, tat ein paar Züge, legte die Zigarre beiseite. „Da kann ich dir gleich auch das Neueste, Allerneueste mitteilen. Friedel wird dem diplomatischen Dienst entsagen und bei Braunstein ins Geschäft eintreten. Kannst du dir was Verständigeres vorstellen? ! Es macht sich alles so außerordentlich gut: Hartwig Braunstein ist für die Firma verloren, und tut's der Sohn nicht, so tut's der Schwiegersohn. Erstaunlich klug ausgedacht. Und Friedel paßt da wohl hin . . . „Aber siehst du, Signe, im Grunde ist's doch- nur wieder das erbärmliche Geld! Wenn wir die Erbschaft nicht gemacht hätten, würde auch Friedel hübsch bei seinen Leisten geblieben sein. Nun hat er eben Geschmack am Gelbe und Geldverdienen bekommen. Na, sch bin ja nicht so rückständig, daß ich nicht der Zeit ihr Recht lasse. Nur . . . man gewöhnt sich nicht so rasch hinein. Friedel ist der erste Gudarcza, der Kaufmich wird. Versteh mich recht: das Wort ist nicht böse gemeint. Ich achte und ehre jeden Menschen, der ehrlich verdient. Aber... na ja. . . „. ... Sei doch so gut, Signe, und drücke da mal auf den Knopf. Danke. Ich will mir 'ne Flasche guten Bordeaux kommen lassen. Trink ein Glas mit. Es hilft über 'ne twübe Stunde noch am besten fort . . . Tut mir leid, mein Kind, daß ich dir das alles erzählt habe. Solch 'ne junge Braut hat eigentlich Anspruch aus was Vergnüglicheres. Ja . . . freilich . . Dann, in Berlin, schienen sich Verdruß und Sorge für Vater zu verflüchten. Beide Söhne waren am Bahnhof, und Erna war mit ihnen, blühend und froh. Ihre Anwesenheit dämpfte die Peinlichkeit des Wiedersehens mit Hardt. Der war du bissel niedergedrückt, aber er sah so bildhübsch aus, daß Vater und Mutter alles andere vergaßen. Daheim gab es eine längere Auseinandersetzung hinter geschlossenen Türen. Um Schluß aber kam Eberhard aus Vaters Zimmer und lachte Dodo fröhlich an: „Unser alter Herr ist doch der beste aller Väter!" / Zwei Tage später traf Bill ein. Er fand jetzt selbst, daß die Zeit sehr knapp wär. Und wenn Signe seine heiße Ungeduld um sich fühlte, dann dachte sie immer aufs neue: „wie er dich liebt! Gib ihm wenigstens, was du ihm zu geben vermagst." Mutter wünschte, Schloß Hoburg persönlich zu besichtigen, und Signe war ^in kurzer Besuch dort wenigstens nicht unsympathisch; da sie in Zukunft die Sommermonate auf Hoburg leben wollten, lernte -auch sie den alten Farnilienfitz gern kennen. Es störte sie -auch nicht, daß Bill ganz offen meinte: „Mache dir keine ällzu hoch gespannten Erwar- üun-gen., ScWn tvar Hoburg nie, und es ist in meiner langen JUnggesellönzeit jedenfalls nicht schöner geworden." Schließlich blieben Vater und Dodo zurück. Der alte Herr fuhl^r sich- körperlich nicht recht wohl, hatte allerlei Magen- und .Leberbeschwerden und sollte durchaus im Juli, kurz nach der Hochzeit, nach- Karlsbad. Er war recht übel gelaunt, sand, daß man ihn vernachlässige, und- gab- sicherst einigermaßen zufrieden, als Dodo erklärte, bei ihin bleiben zu wollen. Es war plötzlich sehr warme Witterung' eingetreten!, verfrühte H-ochsommerglut. Die Bahnfahrt wär ziemlich- unerquicklich, Mutter war froh, als sie in Stabentzig aus- - liegen, wo Hoburg sie mit dem Wagen erwartete. Aber ie war doch voller Spannung, und das Vierergespann!, ne ehrerbietige, fast untertänige -Art, wie nicht nur Knt- cher und Diener, wie Stationsbeamte und Bevölkerung grüßten, tat ihr wohl. Signe mußte bisweilen lächeln: Mama wär in jedem Zoll die Prinzessin-Mutter'. Die Fahrt durch- die staubige, reizlose Gegend-, durch Kiesernforst und Heide, vorüber an rauchenden Schloten Und gewaltigen Halden dämpfte freilich die gehobene Stimmung wieder ein wenig. Als Bill dann aber nach vorwärts wies — „Jetzt taucht Hoburg auf, gnädigste Mama" —• war Mutter begeistert. Einem alten Piastenschloß gleich-, hob' sich! Hoburg aus der Ebene. Schon von weitem waren die zwei ungeheuren Türme, die massigen grauen Mauern sichtbar. Etwas unbestreitbar Feudales lag über dem Ganzen. Es war einj rechter Herrensitz, mächtig und trutzig. Der Eindruck blieb noch bei der Einfahrt durch eiuen gewaltigen Schwibbogen über die breite Brücke, die den Schloßgraben überspannte, über einen seht geräumigen Hof dann, auf die große, von ältersgrauen Sand-steinstatueni und Balustraden umrahmte Rampe. Zahlreiche Dienerschaft hatte hier Aufstellung genommen, mit -ein paar Beamten vor der Front und Knechten und Mägden in bunter polnischer Tracht im Hintergründe. Ein hübsches Bild. Und als nun aus der Masse ein lautes Hurra erscholl, p-acktH es auch- Signe; sie nickte Bill dankend zu, verneigte sich, grüßte nach allen Seiten. „Willkommen!" stand rot im grünen Laub über der gewaltigen Pforte. „Willkommen in der Heimat!" sagte Bill, als Signe über die Schwelle hrat; er küßte ihr die Hand. „Willkommen in Hoburg, gnädigste Mama!" Es w-ar etwas wie ein Aufschwung in Signes Herz!; eine Freude: „Hier gehörst du her! Hier wirst du Herrin sein! Wirf alles hinter dich — glaube an die Zukunft!" Warm drückte sieKilU Hand, nnd-hoch-ausgerichteten Hauptes schritt sie durch- die riesige Halle, die breite, zweiwangige Steintreppe hinauf. Und dann zerrann ih-r das alles unter den Händen', An die Dörfer Potemkins mußte sie denken, als der erste Eindruck verrauscht war. Vieles -erklärte, -entschuldigte ja, daß der Schloßherr! seit Jahrzehnten ohne weibliche Hilfe hier gelebt hatte —i wenn er nicht überhaupt in der Ferne war. lieber die Spinnwebennester, den tiefen Staub in Winkeln und Ecken, über den zerschlissenen Damast auf der Tafel, über vieles! andere hätte sie lächelnd hinwegsehen können, während! Mutter bald heimlich zu stöhnen begann: „Polnische Wirtschaft! Polnische Wirtschaft!" Aber der bauliche Verfall des ganzen Schlosses, das sich nach außen noch- so stolz und trotzig reckte, erfüllte sie mit wachsendem Grauen. In der schönen Steintreppe sah sie große Lücken, die Fenster hingen schief in den Angeln; der Fußboden in den Zimmern klaffte in breiten; Rissen. Die Tapeten in den Zimmern hingen teilweise in Streifen herunter. Endlose Räume-, lange Reihen von Ahnenbildern -— und -alles so unsagbar kahl, kalt, nnwvhn- lich. So, als ob seit Generationen niemand eine bessernde Hand angelegt hätte. Nein, schlimmer: seit Generationen konnte hrer niemand auch nur eine Spur von Herz für den Besitz gehabt b-aben. (Fortsetzung folgt.) Die Weite Seele. Skizze von Otto Krack (Berlin). Noch war nicht aller Schnee zergangen, hin und wieder tauchten kleine weiße Inseln verstreut aus dem nassen Boden, aber es! taute von allen Dächern, und der Wind, der um die Häuser pfiffe war nicht mehr so scharf und schneidend; er hatte etwas Laues, fast Warmes, und zwischen den zerrissenen Wolkenfetzen lachte ein klarblauer Himmel. Der Frühling lag in der Luft. Der Kammerherr stand am Fenster seines Arbeitzimmers! und sah durch die Scheiben in das unwirtliche Wetter hinaus. Im Hause war alles still; nur aus dem Kinderzimmer drangen ab und zu gedäinpste Laute herüber. Der weite Platz lag menschenleer, und die Kronen der uralten Lindenbäume, die die mächtige Kirche wie schützend umstanden, rauschten und schwankten im Sturm. Wie lang noch, und an Busch und Strauch glänzten die ersten Knospen, die junge Saat wagte sich zaghaft hervor und bedeckte wie einen lichtgrünen Teppich das weite Feld, das Vieh zog wieder auf die Weide, und die Schwalben schwirrten durch die Luft. Ja, nun war es! bald mit dem Winter vorbei, und draußen auf dem Lande begann die schönste Zeit: die Zeit des Werdens und Wachsens, des Blühens und Gedeihens. Und er dachte an seine Scholle, an seine alte „Klitsche", auf der seit einem halben Jahrtausend die -Eickhofs saßen und an der er mit der zähen Liebe seines Geschlechts hing. Jeden freien Tag verbrachte er draußen, aber warum war er nicht längst ganz hinausgezogen? Warum behielt er sein Amt und blieb in der Stadt? Ja, das Land! Da war es still, einsam, und hier war wenigstens ein bischen Leben, Abwechselung, Zerstreuung Und vor allem, was seine Frau liebte: das Theater,! die Oper. Ja, deshalb war er Hier geblieben. Mer genügte ihr das!? Konnte ihr das, genügen? War es! nicht vielmehr das gerate Gegen- — 135 ,A- keil? Wenn sie in Mer Loge saß, aus die Bühne sah und den' Tönen lauschte, mußte sie das nicht immer aufs neue erregst und aufrühren? Wurde das! Feuer nicht geschürt anstatt gedämpft? Erhielt ihre Sehnsucht nicht stets neue Nahrung? — Die Hände aus dem Rücken ging er im Zimmer umher, Und seine Gedanken schweiften zurück. Ja, daran hatte er damals! nicht gedacht — damals, als der jungen Sängerin sein Herz entgegenflog. Man hatte der Verbindung kaum ein Hindernis! in den Weg gelegt: der Fürst war ihr sehr gewogen, und die Fürstin verhätschelte sie sogar. Aber daß sie ihrem Beruf entt- sagte, daß sie von der Bühne Abschied! nahm, daH ja, das, mußte fein, das war nicht anders möglich. , Auch heute noch ließ sie sich hin Und wieder hören. Beliebt, wie sie bei Hofe war, mußte sie bei besonderen Gelegenheiten im Schloß singen: bei festlichen Veranstaltungen kam man zu ihr, und gern stellte sie sich in den Dienst der Wohltätigkeit. Aber das war auch alles. Sonst war sie zur Untätigkeit verdammt, ihre Stimme feierte, ihre Kräfte lagen brach. _ Und darunter litt sie — er wußte, daß sie litt. Zuerst hatte die junge Ehe sie ganz gefangen genommen. Sie war lauter Liebe und Zärtlichkeit gewesen, und heiß stieg es in ihm auf, weiin er an diese Zeit dachte. All das! Neue Und Unbekannte, was auf sie einstürmte und ihr fast die Besinnung raubte; all die ungewohnten Pflichten, die sie erfüllten und„ ut Anspruch nahmen! Aber.nun war es! vorüber. Im Haus ging alles! seinen geregelten Gang, und die beiden Kinderchen standen schon auf ihren eigenen kleinen Füßen. Sie war zur Ruhe gekommen, hatte wieder Muße für sich gefunden. Und da - da hatte es begonnen. . Er hatte geglaubtj sein junges Weib wäre ganz Gattin, HaUs- srau und Mutter geworden, und alles andere wäre tot; aber dre Wnstlerin in ihr war nicht gestorben — nein — sie hatte sich nicht töten lassen; sie war wieder erwacht und war wieder stark und lebendig — vielleicht so stark wie je zuvor. Das toor der andere Mensch in ihr, ihr anderes Mesen, ihre zweite Seele. Und von außen trat man immer wieder an sie heran. ~-'te manches Anerbieten hatte sie in diesen Jahren schon abgewieien! Lag da aus dem Tisch nicht wieder ein neuer Antrag? , Niemals war ein Wort über ihre Lippeii gekommen — lein Laut der Klage oder des Vorwurfs. Still trug sie es mit sich herum und machte es! mit sich allein ab. Jeden Vormittag, wenn er im Schloß war, ging sie hinaus ins Freie, durch den 8Lald^ Und am See entlang. Jeden Vormittag, Sommer und Winter, tn Sturm und Regen, in Schnee und Eis, in Sonne und Regen, kein Wetter hielt sie zu Haus. Und immer allein — ganz allein, nur den Hund an ihrer Seite. Da stand sie wohl manchmal am Ufer und sah mit feuchten Augen über das Wasser, und wenn es in> ihr schluchzte und weinte, mochte sich ein dumpfer Seufzer aus ihrer Brust ringen und eine kleine Hand sich über ein zuckendes Gesicht legen. Und keine Seele ringsum. Kein Mensch sah es; kein Mensch hörte es. Nur der Hund schmiegte sich an ihre Seite, hob den klugen Kopf zu ihr aus, bis sie ihn streichelte — der Hund, das stumme Tier war ihr Freund geworden, ihr bester Freund, ihr unzertrennlicher Gefährte. t , Ja, so weit war es gekommen. Und so, wurde es weiter'gehen :—■ heut und morgen und alle Zeit bis in die „Ewigkeit. Sie würde ihm entgleiten — ganz langsam und allmählich — wurde sich von ihm entfernen — immer mehr und mehr —• und ihw'fremd werden. Und was war der Schluß? Er würde sie verlieren, er mußte sie verlieren, das war gewiß! Bei dem Gedanken wurde ihm weh, Und sein Herz zog sich zusammen. War dieses junge lachende Weib, dies köstliche Wesen nicht die Freude seiner Tage, das Licht seines Lebens? Wenn er sie nicht mehr hatte, dann wurde es dunkel um ihn — das wußte er — dunkel, öde und leer, dann war er ein einsamer Mann. Die beiden Hände in den Taschen vergraben, stand er wieder am Fenster und wartete. Bis sie hinter der Kirche austaUchte und den Platz durchquerte. Er erkannte sie fast, ehe er sie deutlich sah: An dem leichten Gang, der schlanken jugendlichen Gestalt, dem knappen, fußfreien Schneiderkleid. Und ast der großen Dogge, die sich ganz dicht neben ihr hielt. Als er ihr aus dem Hausflur entgegentrat, legte sie beidd Hände aus seine Schultern, hob sich leicht aüf den Fußspitzen Und! Wßte ihren „blonden Hünen". Und mährend sie die Schweden von den Händen streifte und ihre Sachen ablegte, erkundigte sie sich nach allem und wollte zuerst zu den Kindern hinauf. Aber er Nahm sie unter den Arm und führte fie in sein Zimmer. • „So feierlich, mein Großer?" meinte sie lächelnd, während sie ihn fragend ausah, „was ist denn? Eine Ueberraschung?" „Ja," entgegnete er langsam, „so etwas Aehnliches. Ich denk es mir wenigstens —" Und damit nahm er den großen weißen Brief, der aus dem Tisch lag, Und reichte ihn seiner FräU- „Das ist eben sür dich angekommen —" Während sie sich in den tiefen amerikanischen Lederstuhl zurü'ck- lehnte und das Papier entfaltete, ließ er sich in feinen Schreib!- sefsel nieder. So saßen sie sich Auge in Auge gegenüber. Unwillkürlich beobachtete er sie, wie sie ben Brief durchflog. Kd sah, wie in den braunen Augen ein flüchtiger Glanz auf-. leuchtete, wie das elfenbeinMätte Gesicht ein leises Rot überflog. Aber sie sprach kein Wort; stumm gab sie ihm das Blatt hinüber. „Hab ich das' nicht gedacht?" sagte er, nachdem er zu Ende war, „ein so ehrenvoller Antrag, und das viele Geld, das man dir für ein kurzes Gastspiel bietet! Aber Ulla, freust du dich denn gar nicht?" » Ihre Arme lagen auf wen breiten Lehnen des Stuhls, und ihre Augen irrten wie verloren zum Fenster hinaus. „Worüber soll ich mich freuen?" murmelte sie, „ich weiß nicht —“ Er beugte den Kopf vor und ließ keinen Blick von ihr. „Möch- test du denn nicht —," fragte er leise, „hast du denn keine Lust anzunehmen —?" „Wie?" Sie sprang beinah auf, und ihr Atem flog. Aber es le ar nur ein Augenblick. Gleich sank sie wieder zurück, und die Wimpern senkten sich über die Augen. Mit der weißen Hand strich sie Über das dunkle Holz Und entgegnete fast abweisend: „Wozu der Scherz, Axel? Das ist doch nicht nötig —" „Kein Scherz, Ulla," sagte er und schüttelte den Kopf, „ich mein es ernst, völlig ernst. Und'deshalb möchte ich mit dir sprechen^ Willst du auch offen sein — 'ganz offen und ehrlich —.?" Sie nickte nur. „Mb mir dein Wort daraus!" beharrte er. Unsicher sah sie ihn an, und zögernd legte sie die Rechte ist die Hand, die er ihr über den Tisch entgegenstreckte. „Warum das alles?" fragte fie, „ich verstehe nicht —“ „Du wirst gleich verstehen," entgegnete er, „es handelt sich um keine Kleinigkeit; es! gilt unsere Zukunft, unser ganzes Leben. Mir ist, als! ob wir an einer Wende angelangt sind, vor einer! Entscheidung stehen. Die Welt hält uns für das glücklichste Paar, die glücklichsten Eheleute, und das 'ist ja auch ganz natürlich, es ist ja nichts vorgekommen, gar nichts, aber mir will scheinen —" er suchte nach Worten, den Kopf aus den Schreibtisch gebeugt, und fuhr langsam fort: „mir will scheinen, und vielleicht fühlst du es selbst — es ist zwischen uns nicht mehr alles, tote es sein sollte und 'fein — könnte —" Sie widersprach nicht und machte keine Bewegung. Ruhig saß sie da, als ob sie nichts Neues hörte, als ob sie sich das schon alles selbst gesagt hätte. „Warum meinst du?" fragte fie endlich, „liegt es an mir? Bin ich nicht mehr wie früher? — Hab ich schuld? So sag es nur! Ich will alles tun, ich — ich will mich ändern, wenn wenn ich kann — —" „Du hast keine Schuld, Nlla," entgegnete er, „und du kannst dich nicht ändern, auch wenn du wolltest. Das liegt tiefer. Du bist eben nicht glücklich — nein, nein —" Und dabei hob er die Hand — „du bist nicht glücklich, und ich hab begriffen, warum du es nicht fein kannst. Deine Kunst läßt dir keine Ruhe, die Liebe zum Gesang, zur Bühne, zu Ruhm und Ehren — ja — das alles — nicht wahr? — Antwort mir doch, ist es nicht so?" Er schwieg und sah fie forschend an. Sie aber begann mit leisen, langsamen Worten, nur durch ihre Stimme zitterte die verhaltene Erregung: „Vielleicht hast du recht, mag -fein — ja — ich will mich nicht besser machen, als ichj bin. Das sind zwei Welten, zwei verschiedene Welten. Ich glaub, ich bin dir eine gute Frau, ich glaub, ich bin den Kindern eine gute Mutter^ und wenn ich wählen müßte — Gott, was ist da zu „wählen! Keinen Augenblick mürb ich mich besinnen. Was bin ich ohne euch —? Nichts. — Aber bas andere — sieh mal, Axel —> ich weiß nicht, wie ich dir bas erklären soll — es ist nicht bloß Eitelkeit, nicht Ehrgeiz ober Ruhmsucht, zu gleißen und zu glänzen — nein, das ist mehr, viel mehr — bu stehst wie im Feuer, sind vor bir liegt Sieg ober Niederlage, du bist voll Glut und Begeisterung, du schaffst und schaffst, rastlos unermüdlich, und wenn der große Tag kommt, wenn das Werk gelingt und der Beifalb dich umbraust — das ist — ach, das ist göttlich —!" — Sie war aufgesprungen, die dunklen Augen sprühten, und leidenschaftlicher, immer leidenschaftlicher klangen ihre Worte. „Das läßt sich nicht beschreiben, das! muß man erlebt haben —. Und wer oas erlebt hat, der kann es nicht vergessen — im' Leben nicht — das ist stärker als der Wille, das läßt sich nicht niederzwingeu und ersticken — nein, ich kann es nicht — ich kann es nicht *—“ Es war wie ein dumpfer Wehlaut, und ein Schluchzen rang sich über ihre Lippen. „Das sollst du auch „nicht," rief er dazwischen, „Liebes, das sollst bu auch nicht!" , Aber sie wehrte ab! unb führ mit ber Hand über die Stirn'. „Doch, doch!" sagte sie mit fremder, tonloser Stimme, „es muß ja fein! Laß mir nur Zeit! Hörst du Axel? Laß mir mist Zeit! Ich hab den besten Willen — glaub' mir — unb wenn ich älter werbe — mit ben Jahren — ja, es wird in mir schon stiller unb ruhiger werben, stiller und ruhiger —" Und babei huschte eilt mübes Lächeln um ihren Mund. Er war auch aufgestanden und ging nun erregt im Zimmep auf und ab. „Nein, das ist eine Qual für dich! Eine Qual für dich und mich!" wiederholte er, „das kann ich nicht ansehe«/. kann ich nicht ertragen. Du müßt wieder fingen!" Er trat zu ihr, und sah ihr in die Augeit, die noch seuchjlj schimmerten. „Sag, Ulla," fragte er weich, „möchtest du nicht wieder fingen —?" 186 Sie konnte kein Wort finden. Er sah ttut, wie ihre Lippen bedien, wie ein Zittern durch ihren Körper lies. Schweigend schlang sie beche Arme um seinen Nacken und preßte ihren Kopf an Er strich mit der Hand liebkosend Wer ihre Wangen und küßte das weiche braune Haar. ,,^hst du/ Liebling, nun ist alles gut, nicht wahr? Laß nur! Nun werd alles gut. Wir führen endlich aus, was wir längst wollten. Wir schütteln den Staub von unseren Füßen und ziehen aufs Land. Du tveißt ja, ich bin kein Stadtmensch, und für unser Pärchen ist es auch das beste. Und du gehst und kommst, wies dir gefällt. Ich will dich nicht mehr binden und anketten — nein — dazu hab ich kein Recht t— du sollst frei sein — frei wie der Vogel — flieg, wohin du willst — in die Nähe und Ferne, wohin es dich zieht und lockt — du kehrst ja immer wieder, du weißt ja, Do dein Nest ist, nicht wahr —?" r Regungslos lag sie an seinem Halse und lauschte mit verhaltenem Atem den süßen Worten, die an ihr Ohr drangen. Es kam über sie wie ein großes, großes Glück, daß sie ganz still wurde und die Augen schloß. . Er ließ sich in den großen Lehnstuhl nieder und zog sie auf seine Knie. „Bist du nun zufrieden, »mein Herz?" „Du Guter!" flüsterte sie, „wie ich dir danke! Wie soll ich dir danken —!" v „Ach was danken!" wehrte er, „nicht doch! Ist nicht auch -nein Wunsch erfüllt? Nun siehst du, so ist uns beiden geholfen!" Mer sie wußte esbesser: das hatte feine Liebe getan, seine tiefe, zärtliche Liebe zu ihr, und .ohne daß er es verhindern 'konnte, fcrgriff sie seine Hand und küßte sie. Der Schalttag der grauen. Im Schaltjahre hat jede Engländerin oder Amerikanerin das Recht, um den Mann, den sie liebt, anzuhalten. Dieses Frauenrecht im Schaltjahre ist nicht allein auf die Ueberlieferung beschränkt, sondern es finden sich geschichtliche Belege dafür. Aus Irland stammt die Ueberlieferung, in Schottland dagegen findet sich aus dem Jahre 1288 ein Gesetz, nach dem tatsächlich im Schaltjahre di« Frauen nicht nur um die Männer anhalten dürfen, sondern nach dem die Männer, wenn sie die Werbung nicht annahmen, eine erhebliche Summe als Strafe erlegen mußten, falls sie nicht nachweisen konnten, das sie bereits anderweitig verpflichtet seien. Fast gleichzeitig fall in Frankreich ein ähnliches Gesetz erlassen worden sein. Im 17. Jahrhundert findet es sich nicht als geschriebenes Gesetz, sondern als Gewohnheitsrecht. Im Jahre 1606 wurde ein Buch in London veröffentlicht, daß dieses Frauenrecht ausdrücklich anerkennt und ganz ausführlich sagt, daß während des Schaltjahres die Frauen „durch Worte oder Blicke dem geliebten Manne Bre Liebe erklären dürften". Wie weit die Frauen von diesem orrechte Gebrauch machten, ist leider nicht überliefert worden; man weiß nur, daß in England daraus humoristische Ballsittew entstanden sind. Nur in der Neuen Welt nimmt Man die Rechte der Frauen im Schaltjahre noch sehr ernst. Darüber kommen von jenseits des großen Teiches allerhand Nachrichten. In Escanaba, einer kleinen Stadt in Michigan, hat die Gemeinde selbst die Oberleitung der Dinge in die Hand genommen. Jedes junge Mädchen, das sich auf Grund der Frauenrechte im Schaltjahre verheiratet, erhält von der Gemeinde eine ganz ansehnliche Ausstattung. Dazu gehören die Bestreitung der Kosten für die kirchliche Trlauung, die Bezahlung der Wohnungsmiete (allerdings nur für einen Monat), ein offenes Konto beim Schlächter und Kaufmann, das ebenfalls die Gemeinde für einen Monat bezahlt, zwei Logenplätze im Theater, der Hochzeitsschmsaus im vornehmsten Restaurant der Stadt und eine Tonne Kohlen. Echt amerikanisch ift, daß auch der Rechtsanwalt für die Scheidung von der Gemeinde bezahlt werden soll, falls die amerikanische Darstellung nicht etwa übertrieben ist. In Pittsburg haben nicht die Frauen, sondern die Männer die Sache in die Hand genommen. Hundert Junggesellen haben dort nämlich eine Art Heiratsverein gegründet und warten auf die Dinge, (lies: die Mädchen) die da kommen und um sie anhalten sollen. Es lohnt schon einigermaßen, denn es handelt sich, um 80 Junggesellen, von denen jeder in di« Vereinskasse, zunächst 100 Dollars eingezahlt hat. Von diesem Vereinsvermögen von 32 000 Mark erhält das^erste Brautpaar, das nach den Schaltjahrssitten zusammenkommt, die Hälfte, also 16 000 Mark, einen Zuschuß, den ein junges Ehepaar immerhin nicht verachten dürfte. Dad zweite Paar bekommt die Hälfte des Restes, urch so geht es weiter, bis das Vermögen erschöpft ist. Nicht ganz so lockend sind die 500 Dollars, die der „Hippodrome" in Neuyork für das Mädchen ausgesetzt hat, das im laufenden Jahre um einen Mann anhält und ihn auch heiratet. Mit dieser Auslobung ist eine Bedingung verknüpft: me Braut muß nämlich öffentlich im „Hippodrom" darüber einen Vortrag halten, wie und wo und warum sie um! ihren Gatten ungehalten hat. K. F. vermischtes. * Jede Kugel trifft ja n i ch t. Wenn man die Menschenverluste in- den letzten Feldzügen mit der Zabl der verfeuerten Patronen vergleicht, so ergibt sich die auffallende Tatsache, daß trotz der ztinehmenden Präzision der Feuerwaffen doch die Verluste immer mehr abnehmen. So weist z. B. Waterloo 24 Prozent, Sedan nur 12 Prozent Verluste auf. Es beruht dies daraus, daß die Entfernungen, aus denen das Feuergefecht eröffnet wird, gewachsen sind, und daß die Sichtbarkeit' der Ziele bedeutend ab- genommeu hat. Bei Colenso brauchten die Buren 600 Schüsse, tun einen Treffer zu erhalten, bei den Engländern brauchte man dazu sogar 5000 Schüsse. Die Marokkaner verteuerten 1897 im Kampfe gegen Raisuli 89 000 Patronen, gaben 800 Maschinengewehrladungen ab, warfen 120 Granaten und hatten — keinen Treffer. Die Serben brauchten bei Zaribrod am 24. November 1885 im ganzen 200 000 Schüsse, um 58 Bulgaren zn treffen. Die Franzosen verfeuerten 1881 im Gefecht bei Chellala 35 000 Gewehrpatroneu und 41 Artilleriegeschosse, um 79 Araber zu treffen. Ein Engländer, der sich mit der Schießausbildung der modernen Infanterie befaßt, sagt, ivenn ein Heer soweit gebracht würde, daß mit 600 Schüssen immer ein sicherer Treffer erzielt wird, so wäre das die am besten schießende Armee der Welt. kt. D i e A t h e >i a v o i> C y r e n e. Unter beit Funden, die der amerikanischen archäologischen Exvedition nach Cyrene geglückt sind, sieht die sogenannte Athena von Cyrene, über die der Aus» grabiingsleiter Richard Norton in dem jüngsten Heile des Bulletin of the Archaeological Institute of America soeben Bericht erstattet, an erster Stelle. Tie Grabungsnätte der Amerikaner bildete, wie erinnert sein mag, die Akropolis des alten Cyrene, und zwar sanden sie das in Rede stehende Bildwerk in einem gewaltigen, von ihnen aufgedeckten Bantenkoinplexe, den sie den Kolonadenbau nennen und in dem der gemäß den Ansprüchen der Bevölkerung mehrmals vergrößerte Markt auf der Akropolis vermutet ivird. Diese Athena von Cyrene schildert und preist nun Norton mit folgenden Worten: „Glücklich ist der Ausgräber, der dem Weltvorrat von Schönheit ein Objekt ivie dieses übergeben kann, das aus der besten Periode der griechischen Kunst stammt. Tie Göttin trägt den korinthischen Helm in den Nacken geschoben, so daß ein Dtadem ihres schweren Haares über ihrer breiten heiteren Stirn noch zu sehen ist, während eine einfache, lang herab- sallende Flechte an ihrem Nacken heralisragt. Der Kontrast zwischen der starken glatten Kurve des Helms und dem lieblichen Gesichte barunter ist überraschend, der Kops neigt sich leicht zur Linken, wie eine Blume auf ihrem Stiele. Die Augen sind klar, geradeaus blickend, edel, die Wangen voll über dem starken Kimi, der SDhntb sensitiv, aber streng und stark: ein großer, ganz eigenartiger Pleister muß dieses Gesicht gebildet haben, aas nach so vielen verflossenen Jahrhunderten auf uns mit der Ruhe einer vollendeteii Schönheit blickt." kf. Pflanzen, die in Vogelkäfigen gezogen werden. Einen recht merkwürdigen Anblick gewähren die Versuchsfelder, die die amerikanische Regierung in Arlington in der Nähe von Washington unterhält. In langen Reihest sind dort nämlich richtige Vogelkäfige aufgestellt und unter jedem dieser Drahtgeflechte wächst eine Pflanze. Es handelt sich dabei um japanische Sejabohnen und andere Gewächse, die in verschiedenen Bodenarten gezogen werden, weil ihre Früchte später zur chemischen Analyse, insbesondere zur Untersuchilng auf den Fettgehalt, dienen sollen. Die Vogelkäfige sind natürlich nur zum Schutze gegen Vögel und Mäuse aufgestellt. — Bet der jüngsten Reichstagswahl in Thüringen hat in den Vormittagsstunden ein biederer Bauersmann gewählt — wie sich das für einen deutschen Bürger ziemt. Am Abend kurz vor Schluß der Wahl kommt das Bäuerlein nochmals in das Wahllokal und sagt zu dem erstaunten Wahlleiter: „Heernse, Herr Wahlvorstand, sin Se mal so freindlich und geben Se mich mal meinen Zedel wedder, ich hau mersch annerscht überlegt." (Münchener „Jugend".) * Boshaft. Wirt (zum Stammgast); „Ein feines Weincheit hab' ich jetzt, Herr Bechler!" — Sie wollen mir wohl den Müntz wässerig machen?!" Telegraphenrätsel. .. .. — —..... — .. . — .. — . . — . .t Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: B A 8 8 A 8 T A 8 T A B 8 A B A Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübt'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lauge, Gieren.