Montag sen 29. Januar W Hl I« K 8 AWD WM «FH Glückslasten. Moman von Hanns von Zobeltl^. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Mit einem Male wußte sie es: das-war doch keine bloße Freude am Flirt, die ihn zu dir zog. Dieser Mann hebt dich — liebt dich leidenschaftlich —- Sie erschrak nicht darüber. Sie fühlte auch nicht die leiseste Regung irgend welcher Art der Anteilnahme. Es war lediglich die kalte Konstatierung einer Tatsache. Und die einzige Schlußfolgerung, die sie zog, war auch ein ganz kühles: „Du wirst dazu Stellung nehmen müssen. Aber nicht gleich. Nicht jetzt. Immerhin — es war etwas anderes, so lange du annehmeu durstest, daß er ein Spiel mit dir treibt; es^ ist etwas anderes, nun du weißt, daß er dich liebt. . . „Sind Sie mir sehr böse, gnädiges Fräulein? Sie hatte die Augen schon wieder nach vorn gerichtet. „Ich hasse alles, was auffallen könnte." * „Es gibt Augenblicke, in denen einem alles gleich- ^"^'Die^Menge drängte, schob jetzt den Nebensälen zu, aus denen schon die lustigen Klänge der Zigeunermusik drangen. Signe hätte sich von der Welle for.tragen lassen können. Aber sie blieb, nicht ohne Blühe, stehen. Als ob sie die letzten Worte Hoburgs überhört hätte, sagte sie: „Meine Schwester hat drüben eine Sektbude. Wie kommt man nun am besten aus dieser entsetzlichen Menschenflut heraus? Er deutete wortlos nach der Seite und blieb dicht neben ihr, während sie sich langsam aus dem dichtesten Gewühl zu befreien suchte. Dabei überlegte sie: „Nur jetzt jede Erklärung vermeiden! Wie zwingst du ihil, daß er zur Be- sinnung kommt." Und mit sicherem Instinkt sagte sie ganz leichthin: „Also Sie fanden, Durchlaucht, daß das Bild gelungen war?" „ . .,, . „Sie waren wunderschön. Weiter hab ich nichts ge- Pah — ich meine das Ganze, den Gesamteindruck." Ohne ihn zu Worte kommen zu lassen, fuhr sie lebhaft fort: „Ich hakte so viel Freude an den reizenden Kindern, mit ^'enen ich zusammen stand." . „ „Die Glücklichen, die Ihnen so nahe sein durften — , . . aber sonst... Sie glauben gar nicht, Durchlaucht, wie öd und schließlich auch körperlich anstrengend das lange Stillstehen ist. Und eigentlich, wenn man es recht überlegt, sind diese lebenden Bilder künstlerisch ein Greuel. Ein Gemälde läßt sich doch nur mangelhaft m die plastische Form bringen. Immer werden da Notbehelfe, Kompromisse herauskommen. Schon das ganze Beiwerk, der Hintergrund, das alles bleibt höchst mangelhaft, ist eben Kulisse Sie sprach lebhaft weiter, schritt schneller aus. Immer in dem Wunsch: nur ihn zu keiner Erwiderung kommen lassen. Und dabei regte sich in ihr schon wieder em leiser Spott: „Eigentlich redest du über ihn fort. Wie frühe« auch, am Kamin in Florenz. Wo er dann wenigstens ehrlich sagte: davon verstehe ich gar nichts." Wirklich — er war verstummt. Und nur einmal, als sie das fröhliche Gesicht der Schwester schon zwischen dem Weinlaub und einer Schar junger Herren vor sich sah, sagte er: „Sie sind so klug, gnädiges Fräulein —" „Klug? Ich bitte Sie . . . was gebe ich weiter, als ganz persönliche Eindrücke. Aber da ist meine Schwester. Vielen Dank, Durchlaucht! Sie haben mich vortrefslich aus der wüsten Menge herausbugsiert." Während sie das sprach und wahrend sie sich durch die Umstehenden zu Dodo hineinschob, kam eine leise Freude über sie, daß es ihr so gut gelungen, den Prinzen abzu- fchütteln. Fast etwas wie Uebermut. , Vor einer stunde noch hätte sie sich entschieden geweigert, sich mit der Schwester in bie. holde Aufgabe des Champagnerverkaufs zu teilen. Jetzt griff sie nach der nächsten Flasche, die der Diener entkorkte, stellte sich neben Dodo „Warte, ich Helf dir!" — füllte einige Spitzgläfer und schob das Tablett mit ihnen beinah herausfordernd nach vorn. Die Herren griffen zu. ,, ,, Mit einem raschen Blick überflog sie die Reihe. Friedel war darunter mit einigen jungen Herren vom Amt, zwei, drei Offiziere — die übrigen kannte sie nicht. Aber im Hintergrund stand Hoburg. Auf feinem Gesicht lag ein Schatten der Enttäuschung. Er sah noch einmal zn ihr hinüber, dann klemmte er das Einglas ins Auges, wandte sich ab und verschwand in der vorbeiflutenden! Menge. Es schwirrte, plauderte, lachte um Signe herum. Ein paar ziemlich fade Schmeicheleien für die schönste aller Duchessen fielen — so gar nicht nach ihrem Geschmack. Reben ihr lehnte sich eine der Geschäftstcilhaberiiinen, ein großes Bukett roten Mohn im tiefen Ausschnitt, weit vornüber und kokettierte grobkörnig mit einem jungen Fant, der sich hier Hausrecht erobert zu haben schien. Unwillkürlich straffte Signe den Nacken. „Was bin ich schuldig?" fragte, ein anderer. „Nach Belieben —", „Bewahre —", korrigierte Dodo, „eine Mark das Glas, wobei der Wohltätigkeit keme Schranken gesetzt sind. Signe, du verstehst das Geschäft nicht. So herzoglich darf man hier nicht sein.", Nem, dies Geschäft verstand sie wirklich nicht. Und« nach dem ersten Sturm, den ihr Erscheinen hervorrief, lichtete sich auch die Reihe grade vor ihr. Sie fühlte selbstj schnell, daß sie nicht hierher paßte. Sich mit jedem Belie- biaen, der ein Markstück auf das Tablett legen konnte, in ein Gespräch eiulassen, um drei Mark holdselig lächeln, um zehn Mark ein witzelndes Gespräch ein fädeln — nein, nein! Mer es sollte ja auch nur ein Stippsbesuch hier sein, war ja nur ein Zufluchtsort gewesen. Jetzt nur-bald fort > Da schob sich ein älterer Herr an die Bude heran, mit einem riesigen Vollmondgesicht unter gewaltiger Glatze, lächelte ihr bescheiden-behaglich zu, fast als kenne er sie schon seit Jahren: „Dürfte ich auch um ein Gläschen bitten, gnädiges Fräulein. Dank sehr. Ich suchte sie schon tm großen Saal, man vermißt dort überall die Herzogin von Chouamre. Ja so — Verzeihung — ich vergaß: mein Name ist Neumann. Bei diesem Namen muß man zwei Vornamen mindestens hinzusetzen: Eberhard Joseph Neumann. Ich wollte Ihnen nämlich meinen Dank aussprechen, daß ©te sich meiner Würmer so lieb angenommen haben." Der Mann gefiel ihr, trotzdem er so «gar nichts Aristokratisches an sich hatte. Behäbig wie sein Korpus war seine Sprechweise, und die grauen Augen sahen sie gutmütig an, mit einem Schuß harmloser Bewunderung zugleich. Sie hatte sich den Gatten der eleganten Frau Therese und den Vater von Karli und Magda wohl anders borgestellt. Wer er gefiel ihr auch so, wie er war. Sie kamen in eine kleine Plauderei, während derer Herr Neumann noch zwei Glas Sett trank. Beim zweiten und dritten produzierte er zwar eine komische Lippenverzerrung. . . . . „Merkwürdiges Gewächs — rechter echter Wohltätigkeitssekt, Gubener Schattenseite mit Sauerstoff, von einem Menschenfreunde gratis gestiftet. . ." aber das hrelt ihn nicht ab, allerlei von seiner Familie zu erzählen. Etwas breit, aber so glückstrahlend, daß man die Breite gern mit in den Kauf nahm. Sogar Dodo wurde auf einen Augenblick hereingezogen, als Universitätsnachbarin seiner Ellp. „Verkehrte Welt, denk ich manchmal. Jetzt sitzen die jungen Mädchen in den Hörsälen. Na überhaupt. . . und die Kleinen stehen lebende Bilder. Eigentlich hab ich das nicht gerns gesehen, aber was tut man nicht aus Wohltätigkeit? Sogar das eigene Fleisch und Blut bringt man zum Opfer und die gute eigene Zunge dazu. Denn dieser Sekt ... ich wünsche meines Vaters Sohn eigentlich einen besseren Tropfen." Dann nahm er doch wieder einen kleinen Anlauf zur Galanterie: „Aber selbst der schlechteste Sekt kann unter besonderen Umständen munden . . . Ja, und nun muß ich wohl zu meiner gestrengen Herrin zurück. Denn merkwürdigerweise: heut, glaub ich, könnte sie eifersüchtig werden." Und er legte einen Hundertmarkschein auf den Tisch. „Nein nicht herausgeben . . ." Das klang nun wieder fast bescheiden. Signe tarnt eine Idee. Eigentlich lächelte sie im stillen darüber. Wer sie sprach sie doch ans:.„Bitte, Herr Neumann, ich habe hier nur eine Gastrolle gegeben. Führen Sie mich in den Saal zurück." „Aber mit ljunberttaufenb Freuden, gnädiges Fräulein." Sie huschte aus der Bude. Da stand.er doch ein wenig verlegen, nicht ganz sicher, sollte er ihr den Arm bieten. Sie nahm ihn sich, und sie zogen von bannen. „Ein ungleich Paar —" sagte Fräulein Bärnberg mit dem Mohnblumenstrauß drinnen zu Dodo. > Im großen Saal wirbelte der Tanz bereits. Herr Neumann summte die Walzermelodie — die neueste aus der -Lustigen Witwe" — mit und fragte: „Zn tanzen brauch ich doch nicht, gnädiges Fräulein? Dazu mach ich wohl nicht mehr die rechte Figur. Auch früher schon. Jst's nicht ein Wunder, daß ich trotzdem solch eine liebe, schöne Frau be- Zommen habe?" Es kam wieder so treuherzig heraus. „Warum ein Wunder?" gab Signe zurück. „So töricht sind wir Frauen doch nicht, daß wir die Herren der Schöpfung nach dem Maßstab der Erfolge des Tanzunterrichts abschätzen. Ueberhaupt .— ich will aus meinem Herzen keine Mördergrube machen, ich tan^e ganz gern, aber die Seligkeit der Seligkeiten sehe ich dartn nicht." . Er blickte schmunzelnd auf das schöne Mädchen an feinem' Arm: „Also immerhin eine Seligkeit." Signe lachte: „Unter Umständen — eine kleine: das will ich nicht leugnen." < Und da kam grabe Herr von Horfek von Eberhards Regiment, blieb vor ihr stehen, blickte ein wenig verwundert auf Herrn Neumann, verbeugte sich: „Schenken Sie mir einen Walzer, gnädiges Fräulein —" Herr Neumann sah ihr nach, wie sie mit dem eleganten Offizier dahinschwebte, in der Menge verschwand, wieder auftauchte. Dann streichelte er lächelnd feinen rechten Frackärmel und suchte den Weg zu feiner Frau, die zwischen Exzellenz Grautegaß und Frau von Gudareza bei den Müttern fast Signe war wirklich keine leidenschaftliche Tänzerin'. Siö war ganz ehrlich gewesen, als sie sagte: die Seligkeit der Seligkeiten ist mir der Tanz nicht. Aber sie tanzte germ und tanzte sehr gut, wenn sie einen Tänzer von gleichen Gaben fand. Ein paar Minuten gab sie sich dem Vergnügen rückhaltlos hin. Dann empfand sie, daß die.Gesellschaft rings um sie hemm doch sehr gemischt war, die Gesellschaft der Wohltätigkeitsfeste, zu denen sich jedweder den Eintritt um fünf Mark erkaufen konnte. So gewandt Horfeck sie führte, ein paar Male wurden sie angetanzt; hier und dort blieb wohl eine kleine Jungfrau in rosa Tüll oder ein junges Herrlein, der den Chapeau krampfhaft im Arm festgeklemmt hielt, mitten im Tanz stehen, und der oder die! sagte: „Du — ist das nicht die ans dem Bilde vorhin,. Donnerwetter!" „Ich habe genug — wir wollen aufhören." „Schon? Schade. Aber wie Sie befehlen." Sie standen eine Weile an der Querwand und sahen auf das Getümmel. Und da bemerkte Signe ihren £3ruber. Eberhard tanzte mit einer hochgewachfenen jungen Fran, nicht mehr in der allerersten Jugendblüte, aber immer noch bildhübsch. Man sah es: sie tanzten beide mit Leiden-, schast, konnten kein Ende finden. Immer wieder kamen die nickenden roten Jedem im üppigen blauschwarzen Haar vorüber. Und einmal sah Signe deutlich, wie der Blick der Tänzerin schmachtend die Augen Eberhards suchte. Sie mochte nicht fragen, wer die Dame fei. Die Dame — war es wirklich eine Dame? Man konnte zweifeln., Der Ausschnitt der dunkelgelben ©eibencorjage war gar zu tief; die herrlich geformten Arme waren ganz entblößt^ nur ein schmales Goldkettchen lag über der Schulter. Neuß — lieber nicht fragen — > ... * Als Signe bann bei Mutter staub, die eine kleine Inspektionsreise zu Dodo aiigetreten hakte und über die Zustände au der Settbuide ziemlich entrüstet war, kam Friedel und gesellte sich zu ihnen. Sehr korrekt und sehr naserümpfend. „Liebe Mama, einmal und nicht wieder. Ich finde, man muß auch der Wohltätigkeit Schranken zu setzen wissen." „Das hab ich Papa vorhin auch- schon gesagt. Er findet natürlich alles fcharmank." „Ansichtssache. Ich glaube wirklich, ihr solltet nicht mehr lange bleiben, Mama." „Nur bis Dodo in dieser gräßlichen Sektbude ihren Pflicht genügt hat." (Fortsetzung folgt.) Aus Schneeschuhen. Von Rechtsanwalt L. Raab (Gießen), (Fortsetzung.) IV. Ein Abstecher nach der Barackenhütte. In langem Zng brach man eines' Mittags, bewaffnet mit gemahlenem Kaffee und mit Milch, auf Schneeschuhen nach der idyllisch unter hohen Buchen, am Rand der Forellenteichswiesem gelegenen Barackenhütte auf, einem aus rohen Balken znsammen- gefügten Blockhaus. Wir waren 13 Teilnehmer; außer einigem Fällen, bei denen sich die Umstürzler absolut den Schnee näher ansehen wollten, passierte trotzdem nichts ernstliches. Wir hatten aber auch einen großen Hund, den langhaarigen Tyras des Herrn Inspektors bei uns, der die Unglückszahl zum Glück auf 14 ergänzte. Wer weiß, wie es sonst aus gegangen wäre. Der Jnnenraum der Schutzhütte war ebenso einfach, wie! anheimelnd. Tisch und zwei Bänke, Försterofen, Wandschränkchen^ Feldbett, waren die Ausstattung? Bald brannte ein lustiges Feuer, man sandte aus zum Wasferholen; es wurde Kaffee gekocht,, während die Jungen und solche, die sich dazu zählten, steile Abfahrten und KnnststÜckchen an der Böschung der nahen iDamm- Überführung übten. Der Hund hatte sich vor dein Ofen verrollt und genoß die behagliche Wärme, während die Hütte sich füllte und! es schwer Ivar, Sitzgelegenheit zu schaffen für die vielen Teilnehmer, die mit beginnender Dämmerung hereinströmten. So saß man denn, 7 Köpfe, ober noch mehr, auf einer kurzen Bank, Rücken an Rücken, mit den Jungen Dingern" schäkernd, und es war recht lustig. Gebäck von Weihnachten her wurde herum gereicht, auch Kuchen gabs. Wer geistreiches wollte, konnte sich ans Kirschwasser halten. Beim trauten Lampenlicht flog die Zeit schnell dahin. Man lobte mit Nachdruck und Begeisterung den Helden deH Nachmittags, den im Wald felbftgebrauten Kaffee. Man trank ihn mit Zucker, dem nötigen Verständnis und reichlicher Illusion^ So waren alle zufrieden und man hätte noch lange gemütlich zusammengesessen, wäre nicht der Aufbruch nötig gewesen. Nun ging es wieder zurück, aber aut anderem, Weg, Ein,solcher. Schneeschuh* — 68 marsch in der DünkelWt in langer KetLö hat seine eignen Reize. Mm Anfang und Ende erfahrene Schifahrer, in der Mille die unsicheren Kantonisten, so gehts mit vielen Zurufen, daß man die Vordermänner nicht verliert, langsam voran. Bei diesem lockert sich ein Riemen, bei jenem eine Schraub«; aber man ist über solchen Aufenthalt nicht unwillig. Im Gegenteil, es ist amüsant; es must so sein, man gehört zusammen und darf, nicht auseinander- ionimen, wie ein Zug durch unbekanntes, unwirtliches Land, wre eine Karawane in der Wüste. Hindernisse halten den ganzen strotz auf und fordern ihre Opfer; bei Gräben bekommen z. B. Neulinge plötzlich gern Fallsucht. Im Nebel und dem Zwielicht finbS nur ein &&£ ortskundig sind; die meisten überlassen sich der sicheren ng. Es hatte reichen Schneefall gegeben und deshalb ging der Rückmarsch glall von statten. Schwerer ging es unserem Mer- beinigen Begleiter. !Ter sank immer tüchtig im Schnee ein; er hatte sich zwar in der Hütte tüchtig ausgeruht, wurde aber doch im Schnee rasch müde und als der lange Schneeschuhfahrerzug aus dem Wald bog und in der Dämmerung zwei Gestalten, einem Förster Und Bauern aus Windenau, begegnete, meinte der Forster zum Inspektor, der Tyras müsse eigentlich auch Schneeschuhe haben, Ivas der Inspektor bestätigte: nächste Weihnachten ser, das sein „Christkindchen". Tyras verstand das, er kmff das linke Auge zu, wie er es bei wichtigen Anlässen zu tun pflegte, und netz ein Grunzen hören, das wie Zustimmung klang. Ter Hannjörg ans Windenau hatte mit Staunen in der Dunkelheit einen Schifahrer nach dem anderen vorbeihuschen sehen; das wollte ;a gar kein Ende nehmen. Das machte ihm einen gewaltigen Eindruck; auch liest ihm das Gespräch über den Hund und das nächste Weihnachtsgeschenk feine Ruhe mehr. Er wurde einfilbig und horte den Aufschneidereien seines Begleiters von da an ruhig, aber vhne Interesse zu. Unterdessen war die Schneeschuhgesellschaft wieder beim Klubhaus augelangt. Das Abendessen schmeckt« trefflich und dann wollte das junge Volk noch tanzen. Man genast den Augenblick, da man Nicht mutzte, ob nicht anderen Tags schon ein neidisches Tauwetter große Lücken in die Schneeflächen freßen werde. Voll Befriedigung registrierte man die Expedition auf Schneeschuhen nach der Barackenhütte unter die genußreichen Fahrten in die Winterlandschaft. y. Die Schneeschuhe und der Gemeinderat von Windenau. llnser Hannjörg hatte sich nach langem Marsch-vom Förster verabschiedet und rannte nach Hause, um noch rasch zu essen, da er sonst zur Genieinderatsfitzung, in der heute abend wichtige Dinge verhandelt werden sollten, zu spät kam. Die Beratung war in vollem Gang; man war schon beim 5. Punkt augelangt: „Abfahren des von der Gemeinde benötigten Brennmaterials aus den Waldungen". Man beriet, wie bei frühzeitigem Schneefall dem Einsinken des Viehs abzuhelfen wäre. Man kam jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis und die Sache ging an die „Borschlagskommission". Der nächste Punkt betraf das „Bulletin des Ge- meiirdebullen". Noch vor kurzem war dieses wichtige Gemeindemitglied im Triumphzug von der Bahn abgeholt worden; als er wieder Berge gesehen, hatte der Bulle, ein Zillertaler Kind, hell aufgejodelt und er ging als richtiger Bergsteiger flott voran. Das harte Eis und der viele Schnee hatte ihn aber „schalenwund" gemacht, er bekams in die Untertanen und mutzte an einem Gurt schwebend aufgehängt werden, als ob er schwimmen lernen sollte. Jetzt war er der Gegenstand ernster Sorge und eingehender Besprechung. Da platzte Kaspers Karl, ein Schalk, heraus, man hätte den Bullen auf Schneeschuhen transportieren sollen. Einige lachten, andere faßten den Gedanken ernster auf, namentlich Hannjörg horchte hoch auf und man merkte ihm an, daß er über etwas nach- grit: eite; das angestrengte geistige Arbeiten war nicht seine Sache, das Denken tat ihm weh. Er wollte eigentlich noch zu dem Gegenstand sprechen, aber nachdem beschlossen worden, einen Tierarzt zu Rate S. ziehen, war schon der nächste Punkt: „Pfeift und Schneeschuhe r den Nachtwächter" zur Sprache gekommen. Der gute alte Henrich Heinrich war Nachtwächter, Ortsdiener, Feuerwehrtrompeter, Schweinehirt, Kirchendiener und sonst noch allerhand im Nebenamt. Das nächtliche Tuten mit dem langen Blechrohr und das Ansagen der Stunden sollte abgeschafft und die Zeit nur Noch heruntergepfiffen werden. Die Tute hatte „treu gedient ihre Zeit"; sie hatte manches Abenteuer erlebt; das letzte war aber ganz unheimlich gewesen. Sie war in der Neujahrsnacht bei grimmiger Kälte eingefroren und statt wehmütiger Tuttöne gab Sie nur ein Gurgeln und schließlich nichts mehr zu hören, obwohl ier gute Henrich regelmäßig wie ein Uhrwerk weiter in sie hinein- tutete und ihr gute Worte gab. Erst als die „heiligen drei Könige" kamen und Henrich bei Schmidtjakobs, wo noch Licht und großes Schlachtfest war, seine Tute neben den dampfenden Wurstkessel gehängt hatte, war zum Entsetzen der Anwesenden gerade um Mitternacht die Tute aufgetaut und fing zwölfmal an zu tuten Und von da an in regelmäßigen Zwischenräumen, bis sie das ganz« Getute nachgeholt hatte. Da die Kirchenuhr gerade streikte, wäre dies ganz willkommen gewesen; aber die Windauer glaubten, die Tute sei verhext, trotzdem ihnen ein Schriftgelehrter versicherte, das. sei vor langem einem Trompeter ähnlich ergangen. Der Gemeinderat beschloß! deshalb, her allgemeinen Gänsehaut, die das ganze Dorf beim Gedanken an den Silvesterspuk überlief Rechnung zu tragen und dem Nachtwächter eine Pfeife zu beschaffen, wobei der vorsichtige Balzers Schwarzer anheimgab, für die Pfeife gleich einen Handschuh zu bestellen, damit die Sicherheit des Torfes nicht wieder einfröre. Henrich Heinrich hatte aber noch ein Paar Schneeschuhe auf dem Herzen. Wenn nachts starker Schnee fiel, konnte er in dem weitläufig gebauten Ort, bis zu den zerstreut! gelegenen Gehöften nur schwer seinen Dienst tun, weshalb er um Beschaffung von Schneeschuhen auf Kosten der Gemeinde vorstellig geworden war. Der Fall war wichtig. Die Meinungen gingen hin und her. Henrich war bald Siebeuziger, hatte den Feldzug mitgemacht und war ein braver, immer noch schneidiger Kerl. Aber ein alter Mann auf Schneeschuhen; wer bezahlte ihn, wenn er verunglückte, oder andere, die er anrannte lunib vielleicht schädigte ? Tie „Borschlagskommission" mußte den Fall übernehmen; die sollte sich nächstens das „Alte-Herren-Rennen" auf dem Hoherods- kopf betrachten; da konnte man ja wohl so die Jahrgänge von 70 bis 100 sehen. Vielleicht konnte auch dort gleich Unterricht an Henrich, dem man dies eröffnete, erteilt werden. Nun war auf der Tagesordnung noch „Verschiedenes", auf das der Bürgermeister nicht gern hörte, weil man vom Hundertsten ins Tausendste kam; da hielt es den Hannjörg nicht länger; er meldete sich zum Wort und sprach in abgerissenen Sätzen, die er meist! mit einem lachartigen „Ha, ha" einleitete. Man verstand erst nicht recht, was er wollte; er müsse noch _ einmal auf ben Bullen zurückkommen. Die Schneeschuhe fürs Vieh seien nicht so ohne weiteres wegzuwerfen, man solle einmal nach Breungesh.rin schicken, da sei ein Mohr, der mache Schneeschuhe. Der Herr Inspektor wolle doch seinem Tyras auch Schneeschuhe anschaffen.. Hannjörg wurde durch höhnische Zwischenrufe immer aufgeregter, während der treue „Gevatter" gegenüber beschwichtigte „Lotzt doch de Hannjörg, er hot ganz Rächt". Hannjörg sprach noch von dem Holzabfuhren und den Stieren, sprang auf und schlug dröhnend auf den Tisch und brachte noch einen letzten Trumpf aus „Ha, ha, bei Osse, eich kann nit inseh'n, worim nur bei Zwabcmige Schieschair hun solle". Nun entstand ein Tumult, manche äußerten, es sei ja Unsinn, andere sagten, das müsse probiert werden, das Vieh müsse angelernt werden, so lange es jung sei. Der Bürgermeister hatte fein Protokoll fertiggestellt und nur halb zugehört, er hatte etwas von Jugend und Lernen aufgeschnappt und meinte: ja bringt nur eure werten Angehörigen mit zum Hoherodskopsrennen, da werden wir ja sehen, was sie können. Er schloß rasch die Versammlung.- Hannjörg und sein Anhang waren jedoch damit nicht zufrieden, sie gingen grollend ins Wirtshaus zum „blauen Kreuz" und letzten die Diskussion fort. Da war nun ein Schifahrer eingekehrt, dev von der allgemeinen Heerstraße sich weitab verirrt hatte. Als Hannjörg dessen Schneeschuhe im Hof stehen sah, kam ihm ein erleuchteter Gedanke. Er weihte seine Freunde ein und dann gingH in ben Stall; ber treuesten Kuh des Gastwirts wurde ein Schneeschuh anprobiert und zwar am linken Vordersuß; die Kuh wurde zuerst sehr unruhig, ließ sich aber bann alles gefallen, kam sich sehr wichtig vor und machte ein viel schlaueres Gesicht als die Herumstehenden, die sich vergebens abmühten und schließlich einsahen, daß zwischen einem Schifahrer und einer Kuh doch ein kleiner Unterschied war. ®er Vorsitzende der Vorschlagskommission, der schwarze Schor sch genannt, mit einem Gesicht wie Pergament unb tausend Fältchen, gab die Sache nicht so leicht auf; er hatte das ganze mit Interesse verfolgt und Über die mächtige Brill«, die ganz vorn auf der Nasenspitze saß, hinweg den Kuhfuß undi die Konstruktion des Schneeschuhs genau studiert. Er wollte das weitere „gebührend in Erwägung ziehen". Unser Hannivrg kam spät heim, schlief schlecht ein unb hatte bann einen schweren Traum. Der Tierarzt hatte Rheuma unb konnte nicht kommen, unb es mußte einer, unser Hannjörg, ben Bullen nach der Stadt stthren. Hannjörg auf Schneeschuhen unb der Bulle auf kanadische» Schneereifen! Es war langsam und recht lappig, aber ganz ohne Unfall vorangegangen, bis die Chaussee starkes Gefälle hatte. >Da kam Hannjörg, der vor dem Tier herging unb es, führte, ins Rutschen und der Bulle, der gespreitzt und steifbeinig auf allen Bieren, wie ein Schlittschuhläufer rutschte, unb weil er schwerer war, rascher abwärts glitt als Hannjörg, stieß ihn fortwährend mit dem Kops wider das Kreuz, bis ber Bulle den Kopf senkte unb Hannjörg, dessen Schneeschuhe krätschten, plötzlich auf dem Hals des Tieres saß unb nach hinten rutschte. Er blieb aber mit ber Bindung an den Hörnern hängen und verlor dabei nicht nur beide Schneeschuhe, die ber Bulle nun wie zwei riesige Gamshörner auf seinem Kopf trug, sondern auch sein Gleichgewicht, rollte über ben Rücken des Bullen hinweg in ben Graben unb schrie „Hilfe, Feuer". Er ächzte und stöhnte, war aber in weichen Schnee gefahren, griff Halt suchend um sich und klammerte sich an die — Bettdecke. Die hatte er ganz bernntergezogen, so daß seine bessere Hälfte, die Kathrinlisbeth, die voni „Feuer"-mfen wach geworden war, sich ohne die gemeinsame Drecke vorfaiid und ihn nun „Staches, Olwel" und dergleichen titulierte, obwohl sie ben Ehegemahl nicht sah; benu ber war vom Bett ins Zimmer gefallen unb hatte zum Glück die Bettdecke mitgenommen und unter sich bekommen. Tie Frau machte Licht unb frag, was ber Gemeinderat so schweres am Abend beraten habe. Hannjörg erzählte, wie die ganze Beratung put 64 Schneeschuhe gestellt gewesen fei und meinte, er habe ihnen aber einmal gehörig seine Meinung gesagt. Damck kroch er wieder in die mittlerweile geordneten Berhältnisie und schlles nun zufrieden und glücklich den Rest dieser denkwürdrgen Macht werter. (Fortsetzung folgt.) Vexnrrsehtes. Kk. D i e T a n t i e m e n eines T h e a i erze n s o r §. Das Amt des -Zensors ist in London frei geworden. Tausende beweibe» sich um diesen Posten; denn er ist einer der angenehmsten und einträglichsten, die die englische Regierung zu vergeben Hal. Tas Gehalt ist allerdings nicht so hoch: — 6400 Mk. jährlich — aber der -Zensor bezieht das Trei'ache an Tantiemen. Für jedes Werk, das ihm zur Begutachtung unterbreitet wird, steht ihm die feste Gebühr von 1 Guinea (21 91t.) zu. Hat der Autor aber mehr als zivei Akte zusammengeschrieben, so hat er dem Zensor zwei Guineas zu entrichten. Wenn man bedenkt, daß jährlich un» geiähr 500 Stücke dem Zensor eingereicht weiden, so laut sich wohl verstehen, daß sich für den Posten zahlreiche Liebhaber finden. Aber noch ein anbei es Vorrecht steht dem Zensor laut Parla- mentsakte zu: er hat in jedem Theater zu jeder Vorstellung einen Platz zu beansvruchen. Das Amt stellt jedoch auch grobe Anforderungen an den Inhaber: denn um 500 Manuskrivte jährlich zu lesen und aufmerksam durchzuarbeiten, bedari man nicht nur groben Fleibes und einer gediegenen Aufmerksamkeit, sondern auch eines ausgezeichneten Wissens und, um gerecht zu sein, eines guien Gewissens. Bon den 70uo Stücken, die Mr. Redlord wählend seiner tangjährigen Tätigkeit zur Beurteilung vorgelegt wurden, Hai er nur 30 aus politischen oder moralischen Gründen zu ver- werien brauchen. kf. Bakterien, d i e den Frühling bringen. Altertümliche Leute glauben, die Sonne sei es, die den Frühling erwecke. Das ist aber falsch; wenigstens Hal Professor Müntz, der Leiter des landivlitichaststchen Institutes in Paris, dieser Tage in der Akademie der Wissenschaften einen Vortrag gehalten» in dem er allen Ernstes auseinandeisetzle, nicht die Sonne, sondern gewisse Baktelien brächten den Frühling. Ter Frühling ist seiner Ansicht nach allerdings die Zeit, wo Sie Natur aus ihrem Wiiuerschla'e wieder erwacht; aber die Sonne ist hieiiei eine nebensächliche Erscheinung. Zur Frühlingszeit herrscht unter den Bodenbakterien austeroldeutlich reges Leben,'und diese Regsamkeit der Bakterien ist es, die alle Frühlingserscheniimgen auslöst. Der Etnivand, es könne vielleicht ja die Sonne sein, die auch den Bakterieir des Bodens den Frühling bringe, liegt ivohl nahe, aber Professor Mnutz widerlegt ihn durch bie Angabe (zu der seine Beobachtungen ihn geführt habens, daß die Tätigkeit der Bodenbakterien von der Teniperutur röllig unabhängig ist. Vielmehr gehört es zu den erblichen Eigenscha'ten der Bodenbakterien, daß sie ihre nitrifizierenden Fähigkeiten gerade zur Frühlingszeit besonders ledhait betätigen. Somit hat die Wissenschaft wieher einmal einen schönen dichterischen Gedanken umgebracht — wenn nämlich Professor Muutz nut seinen Angaben recht haben sollte, was aber vorläufig ivohl memand glaubt. ' Außerordentliche Gedäcdtn islei " - n g e n. In einer kleinen englischen Landstadt ist vor kurze-" --'n Rinder gestorben, der weit über die Grenzen seine" imatso les hinaus eine gewisse Berühmtheit hatte. Im €-'■ »er bei sch neu Tagen pflegte der alte Alaun reget mäßig in Schatten ei j Zaumes am Marktplatz zu sitzen, feine Braille-Bib l in o .-auo. Von ZeU zu Zeit las er laut aus der Bibel vor; um viotüffcnbfteit ivar aber das Gedächtnis dieses Blinden, denn wenn er ein Kapitel gelesen hatte, vermochte er es W ort inc Wort austvendlg zu iviederholen. Besonders das Netie Testanient konnte er vollständig ouewenöig und wenn man ihm die Stummer eines Verses zurief, konnte er sofort den Vers auisageii — Eme englische Wochenschrift erinnert in diesem Zusammenhang an eine Reihe berühmter Dichter lind Staatsmänner, die ost ihre Umgebung durch ihr auberordeiitliches Gedächtnis verblüfften. Robert B r o w ning z. B. konnte schon als junger Alann die meisten Werke Shakespeares Wort für Wort auswendig; wen» man den unwahrscheinlichen Fall annimmt, daß durch eine Katastrophe sämtliche Schristen Shakespeares vom Erdboden verschivunden wären, hätte Browning fast alle Tragödien und einen großen Teil der Lustspiele Shakespeares nach feinem Gedächtnis nieöerjchreiben können. Auch das „Verlorene Paradies" Miltons kannte er tast ganz auswendig. Stoch größer vielleicht war das Gedä tnis Maeaulays, des berühmien Historikers. Schon als I2jähriger Junge fonnte er Seotts berühmtes Werk, das „Lai des letzten tzlmnesängers" Wort für Wort aus dem Gedächtnis atüfagen. Als kleiner Junge hatte er mit seinem Vater einen Besuch gemacht, man ließ ihn dabei allem in einem Zimmer, in dem em Exemplar des „Lai" mit dem Tische lag, und als der kleine Maeaulay nach Hause kam, betiamieite/er seiner Mutter ein großes Stück aus dem Werte vor. Auch Str Thomas L a w r e n c e der später Präsident der Akademie tunröe, war nicht nur einer der größten Bildnismater Englands, sonderii attch ein ungewöhnlicher Gedächtniskünstler. Als iünfjähriger Knabe konnte er ganze Seiten aus Shakespeares Dramen oder aus Aliltons großer Ticbtlmg au§- roenbifl beriaqen und wurde nicht selten von Gästen als em kleines Wiinderkind angestannt, wenn er bei Erwähnung eines Stückes von Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck Shakespeare gleich aanze Szenen ans dem Werke nicht nur Wo < für Wort richtig attffagte, sondern attch nut Leidenschaft deklamier te Auch Gladstone verfügte über ein ungewöhnliches Gedächtnis und konnte noch als aller Alami ganze Gesänge aus dem Homer auswendig, wie er überhaupt nie um ein Zitat verlegen war. Weniger bekannt ist, daß auch sein großer Nebenbuhler Disraeli, der Lord von Beaconsfield, ihm in dieser Beziehung kaum nach- staiid. Bei einem Bankett pries jemand das fabelhafte Gedächtnis Gladstones, worauf Disraeli bemerkte, daß solche Gebächtmskuust-- ftücfe em im Grunde sehr einfacher Trick seien. Um das zu behaupten, bat er, man möge ihm ein Buch geben und der Hausherr holte aus seiner Bibliothek die englische Ueberegnng des Homer vom Earl von Derby. DiSraeli nahm das Buch und zog sich auf eine Stunde in das Nebenzimmer zurück: bann kehrte er zurück und deklamierte das ganze erste Buch — rückwärts. Lord R a n - dolph war imstande, »ach einer einmaligen Lektüre der Times die ganze Liste der Inserate atiswendig herzusagen und auch der berahmte englische Humorist Theodore Hock hat diese Gebäcbtuis- leiitiing mehr als einmal vorgeführt. Er war auch imstande, nach einmaligem Gang durch einen ganzen Vorort genau der ReiheAtach die Slatnen sämtlicher Läden aiizugeben, an denen er vorüber gekommen war und die Zahl dieser Warnen und die Länge des zurückgelegten Weges schien bet diefein Gedächtmskunslstück gar keine Rolle zu fyielen. kf. Scha »svie 1 erstreiche. Der Netteste der franzöfischen Scbauspieler, Fr^derie Febvre, der im nächsten Jahre seinen 80. Geburtstag feiert, erzählt aus seiner Schauipieleijuäend einige hübsche Geschichten. „Damals," so schreibt er, „war der Neuling auf den „Brettern, die die Welt bedeuten", dem Spott feiner Kollegen in hohem Maße ausgesetzt. "Auch ich hatte eine harte Schule durchzumachen. Eines Tages {vielte ich im Theater Montparnasse; ritte war die Rolle eines jungen Helden zugefallen Ent prächtiger Schnurrbart war meine Zierde. Ich ahnte nicht, daß gerade er die Spotilust erregen sollte. Etwas aufgeregt betrat ich die Bühne, als plötzlich einer meiner Kollegen mir zuflüstertet „sie haben eine Schnurrbarthälste verloren." Leise fragte ich: „Welche?" — „Tie linke k" — Uurkehren und die rechte Lchnurrbarthälfie eben- falls herniiterreißeu, war das Werk eines Aitgenblickes. AteinloS stürzte ich aiii die Bühne zurück, um nur ja nicht den richtigen Augenblick zu verpassen. Aber kaum hatte ich mich tn »reiner vollen Größe denr Publikum gezeigt, als et» schallendes Gelächter aus brach. Bestürzt und verlegen führte ich meine Hand inst aktiv zunr Gesicht, atro — o Schreck ! — ich fühlte eine Schnurr barthatte, und zivar die linke. — Em anderes Mal spielte ich im Obeon bie Rolle eines Liebhabers in einem Stücke von Hanöry Ich hatte meiner Partnerin eure glühende Liebeserkläriing zu machen. Ern Frerntd, namens Tbiriotr, {weite eilte andere Rolle. Gera e wollte ich mich von der Angebeteten meines Herzens verabschieden und meinen Hat vom Tische nehmen, als ich zu memeitt größten Schrecken bemerkte, baß er — festgenagelt war. Vergebens versuchte ich, ihn losztibekomme». Tas schttdeufrohe Lächeln Thirions, der zweifellos der Urheber dieses Schabernacks war, vernetzte mich in Wut und brachte mich zur Verzweiflung. Ta kam nur plötzlich ein rettender Gedanke: ich sah den Hut Thirions, nahm ihn. eilte hinaus and überließ es dem Spötter, sich aus der Affäre zu ziehe». Selbstverständiich kochte Thirio» vor Aeroer und Schwor mir Rache. Am nächsten Abend traten nyr wieder zusammen tm selbe» Stücke auf. Wiedertmi lag mein Hut auf dem Tiiche, jedoch wohlweislich mit der Oeffnung nach oben, io daß Thirion den ßiand nicht weder feftnageln konnte, -r och Thirion wußte Rat. Er warf alles Alög- liche, ivas ihm gerade m bie Hände fiel: Spiegel, Zeitungen, Bürsten, Bleistifte und Federhalter in den Hut. Glücklicherweise bemerkte ich zur rechten Zeit sei» schändliches Tun. Ich war jedoch der Lage völlig gewachsen. Kaltblütig zog ich eine ieibeae Dieiie- mütze aus der Tasche, verbeugte mich vor dem ernannten Thirion und verließ unter dem Betsallsklatschen der Aieirge als Sieger bte Bühne." * Der Sachverständige. Ein Dorsschullehrer erzählte seinen Kindern von der Notwendigkeit des Segens Gottes: „Bov allen Dingen ist er nötig," sagt er, „ohne ihn gedeiht nichts. Wenn ich z. B. ein Stück Land geackert habe und besät und die Sonne bescheint es und der Regen tränkt es — was fehlt da nur noch, da st die Saat richtig gedeiht? Nun, Franz?" — Franz: „'Dünger, Herr Lehrer." Versteckrattel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt find, wie die Silbe „an" tn „Wanderer". Augenarzt — Erdbeeren — Hänscheii — Redefreiheit - Gabel — Sumpsblmne — pudelnaß — Tischendorf —RundgejaNg — Pierde- schwänze — Harzgerode. Auslösung ui nächster Nummer. Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer r Weiß. Schwarz. 1. K e 2 — f 2 4 7-6. 2 K h 8 — e 5 f Bauer nimmt Läufer, 3. T a 6 — h 6 K h 2 — h 1, 4. T gibt Matt. und Vertag der Brühl'sehen Universitäts-Buch- und Stemdrnckerei, R. Lange. Gieren,