Samstag, den 28. Dezember W LL- v-ÖW[iirS-3 ^®KlÄw Eines Kindes Tränen. Von I l s e - D o r e Tanne r. (Nachdruck verboten.) Die Fenster des Eßzimmers waren weit geöffnet, die Vorhänge Kurückgezogeu und Die Helle Morgensonne Sonnte ungehindert hinein scheinen auf den einladend gedeckten Tisch und blitzende Lichter auf das silberne FrÜhWcksgerät malen. Und leise wehte der Frühlings'wind Düfte von blühendem Jasmin und Flieder ins Zimmer. Es war ganz still am Kafsee- Itisch, trotzdem drei Menschen dort ihr Frühstück einnahmen. Aber es war keine friedvolle behagliche Stille. Der noch junge Mann, mit dem scharf geschnittenen, klugen, vornehmen Gesicht, hatte die Stirn in Falten gezogen, und iiber den Rand der Zeitung, die er anscheinend sehr interessiert las, flog sein Blick ab und Mn scharf zu der schönen Frau ihm gegenüber, die, ein halb maliziöses, halb verächtliches Lächeln um die jLippen, sich weit in den bequemen Lehnstuhl zurückgelehnt hatte und 'mit erzwungener Ruhe in ihrer Tasse rührte. Die Finger ihrer linken Hand spielten nervös auf der Tischdecke. — Keines der beiden achtete auf das Kind am unteren Ende des Tisches. Das kleine, blasse Mädchen mit dem schlichten Blondhagr und dem seltsant traurig verständigen Mick, 'das weder der schönen Mutter noch den: Vater ähnlich sah, saß ganz mäuschenstill und aß, in ganz, ganz kleinen Brocken an seinem trockenen Zwieback, denn die Kähle war ihm tote zugeschnürk, und es wagte nicht sich zu 'rühren oder darum zu bitten, daß. mau ihm noch etwas Milch geben möchte. Es saß ganz geduckt da, und sein Blich streifte scheu !und angstvoll bald den Vater, bald die Mutter, als wartete es darauf, daß gleich etwas Schreckliches vor sich gehen würde. Es toußte ja so genau, daß es wieder kommen würde, dasIurcht- bare, das das Herz so ängstlich klopfen machte, als müsse man gleich auf der Stelle ersticken. Dann wünschte Klem-Jlse sich immer weit, weit fort oder gar zu sterben, wie ihr kleiner -Bruder, der da draußen auf dem Friedhof so schön still schlafen durfte und so viele Blumen bekam. ' , Da — die Faust des Mannes fiel >o schwev auf die Tr>ch- platte, daß das Geschirr klirrte und klapperte, und das Kind ließ beit Zwieback aus der zitternden Hand fallen und sank ganz m sich zusammen. Sein farbloses Gesichtchen wurde noch bleicher und die Mundwinkel zogen sich schmerzlich herab. Nun war es da. , „ . _ . . „Zinn Donnerwetter, Gerda, so sag doch wenigstens, was du wieder für cineu Grund zum Trotzen zu haben glaubst," torte Nornig der Mann, „du weißt doch, daß mich dieses tückische Mucksen rasend macht." z In dem schönen Gesicht der Frau zuckte teilte Wimper, nur der höhnische Zug um den Mund verschärfte sich. Und langsam, wie gelangweilt, sprach sie: , „Ich habe gefunden, daß e® wenig Zweck hat, mit dir über gewisse Dinge z'u reden — aber wenn du es durchaus wünschest r Der Satz klang in einer Frage aus. ' „Du hörst ja, ich wünsche es," und wieder fiel seine Hand schwer auf den Tisch. , Nun sprach sie langsam, jedes Wort betonend, es gleichsam mit Bitterkeit füllend, und ohne auf deu Mann zu blicken, der, die Lippen fast zusainmengepreßt, fast vor Ungeduld und Grimm zitternd vor ihr faß. „Ich bin seit Jähren an Rücksichtslosigkeit und Unhöflichkeit von dir so gewöhnt, daß ich mich eigentlich über nichts mehr wundere. Aber trotzdem — als ich gestern von allen Seiten gefragt wurde, wo denn mein Herr Gemahl sei, welche wichtigen Gründe ihn an meinem Ehrentage fernhielten, wurde mir doch das ewige Lügen und Verstellen schwer, ich — —" „Au deinem Ehrentage?" fragte er verständnislos. „Ja, an meinem Ehrentage," jetzt blickte sie spöttisch lächelnd zu ihm hinüber und inachte, um ihn noch mehr zu reizen, eine Pause. „Nun also — bitte — erkläre," er trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Tischdecke. „Ich dachte, du liest auch die Nachrichten über Kunst Und Literatur in der Zeitung?" Das spöttische Lächeln wich nicht von ihrem Gesicht. „Ja gewiß — das heißt, immer nicht — nun also?" Sie antwortete nicht gleich, und: „Zum Kuckuck, willst du nun reden oder nicht?" schrie er wütend. Sie sah ihn verächtlich an, dann sagte sie ebenso langsam als vorher: „Ich habe gestern, den wiederholten Bitten des' Vorstandes nachgebend, einige meiner Gedichte in der Vereinigung der Kunst- und Literaturfreuude vorgelesen und großen Beifall geerntet." Einen Augenblick war es still, dann bog sich der Mann in seinem Stuhl zurück und lachte, lachte laut und anhaltend — zu laut, als daß es ganz natürlich geklungen hätte. Das Gesicht der jungen Frau überzog sich mit dunkler Röte, und ihre Augen sprühten zornig. „Glaube nur nicht, daß mich dein Lachen stört — Neid, nichts als Neid — kleinlicher,, häßlicher Neid spricht daraus," sie bebte am ganzen Körper vor Aufregung. Er hörte auf zu lachen und sah sie spöttisch an, so, äls könne er nur mit Mühe seiner Heiterkeit Herr werden. „Nein, liebes Kind — ich bebaute, dir den Gefallen, mich über deinen — hin, hm — sogenannten Erfolg zu ärgern, nicht tun zu können. In meinen Augen ist dieser Verein der „Kunst- und Literaturfreuude", er lächelte höhnisch, „nichts weiter als ein Verein, der die Lobhudelei auf Gegenseitigkeit in großem! Stil betreibt — zum Lachen für ernste Männer," er Iqjjte wieder. „So? nun, ein gewisser Jemand wäre sehr erfreut und geehrt, wenn dieser lächerliche Verein ihn nur einmal, ein einziges Mal um eilten Vortrag bitten, oder überhaupt nur Notiz von ihm nehmen würde." Sie lächelte spöttisch. „Zum Donnerwetter, jetzt hab ichs^ aber satt! Ich verbitte mir dein sinnloses Geschwätz," >er stieß die Tasse, die er zum Munde führen wollte, so hastig auf den Tisch, daß sie zerbrach. „Und ich verbitte Mir dein pöbelhaftes Benehmen — du bist Hier nicht in einer Kneipe," sie war aufgesprungen und stand ihm jetzt, zitternd vor Erregung, gegenüber, die Hände um die Stuhllehne gekrampft. , „Gerda!" das klang wie eine Drohung, und auch der Mann sprang auf. Da — ein kleiner jammervoller Laut tönte durchs Zimmer, ein Laut wie ein angstvoller, gewaltsam unterdrückter Weheschrei, und er wirkte wie ein Strahl eiskalten Wassers auf die beiden Menschen, die sich voll kampfbereiten Zornes gegenüber standen. Gleichzeitig wandten sie ihre Blicke ihrem kleinen Mädchen zu. Das fchlng jetzt die Augen, aus denen große Tränen tropften, halb schuldbewußt, halb ängstlich izu Vater und Mutter auf, während 810 es ft cf? Heldenhaft' bemühte, sein Entsetzen, seinen Jammer' zu unterdrücken. Da legte es sich aus die Herzen der Eltern Une eine schwere Schuld. , _ 9tur einen kurzen, scheuen Blick warf der Mairn auf fern Kind, dann ging er ohne eitt'SBBTt M sagen, aus dem Zintmer. Die Fran aber warf sich neben deut kleinen Mädchen auf dre Knie inieder, umschlang es mit ihren Armen und weinte bitterlich. Und das Kind schmiegte sein Kötzschen an die Mutter und strrch leise Mit der Mageren, kleinen Hand über ihre tränenfeuchte Wange. * Ms Harrs Gerold anr Wend von der Dürer-Aademie, wo er als Dozent für Kunstgeschichte wirkte, nach Hause kanr, sand er eht Schreiben seiner Frau aus der Platte seines Schreibtisches liegen. Sie schrieb: Lieber Hans! Ich schreibe Dir, weil ich weiß, daß ein ruhiger, mündlicher Meinungsaustausch Mischen uns unmöglich ist, und ich doch das, was ich Dir zu sagen habe, ruhig und nrrbceinflußt durch Deine Einwendungen und Deinen Spott sagen möchte. Was ich schon lange gedacht und gefühlt, ist gestern in mir zur Reise, zu einem unabänderlichen Entschluß gekommen. Ws ich gestern unserer Ilse stille, gramvolle Tränen sah, wie sie ein Kind noch nicht tzergießen darf, da schwor ich mir, daß unser Kind, das wir doch beide lieben, so niemals mehr weinen solle. , Wir haben in diesen neun Jahren unserer Verheiratung immer unb _ immer wieder versucht, miteinander ansMkommen, aber Du weißt ja ebensogut als ich, daß es unmöglich ist. Ich bin nun einmal keine Natur, die ihr ganzes Sein und Wesen aufgeben kann, um ganz im' Mann aufzugehen. Ich bin auch eine Persönlichkeit und ich lasse meine Individualität, mein Talent nicht unterdrücken durch Dich. Ich will hier in meinem Schreiben nicht Vorwürfe wiederholen, die ich Dir schon jo oft gemacht, Tu mußt es ja auch schließlich selbst Sen, wenn Du nur einigermaßen objektiv über'Dich nachdenkst, Du eben nur Dich und Deine Interessen in der Ehe gelten' lassen willst. Ich aber verlange auch Verständnis für meine Interessen — gleiches Recht für uns beide. Vielleicht wäre eine ändere Frau, eine weiche, hingehende Natur, sehr glücklich an Deiner-Seite geworden und hätte Dich glücklich gemacht. Wir Wien uns nicht heiraten dürfen. — Aber mein Unbefriedigt sein und Mein Unglück und Deine Enttäuschung über die Frau, die nun einmal Nicht zu Dir haßt, wiegt leicht gegen das Unglück unseres Kindes. Wir tragen die Verantwortung für dieses Kind und wir dürfen ihM Nicht seine Jugend verderben und es nicht noch einmal deut Jammer 'preisgeben, Zeuge solcher häßlichen, widerlichen Auftritte zwischen seinen 'Eltern zu sein. Ich weiß, daß Du tzurückfahren wirst bei dem Wort „Scheidung", daß Du bebst bei dem Gedanken an den „Skandal", an die Klatschereien, daß: Dir hie Meinung der Leute über alles geht. Auch Mir liegt nichts daran, daß die Scheidung von den Gerichten ausgesprochen wird, aber trennen von Dir will ich mich, das ist mein unabänderlicher Entschluß. Du hast oft tage-, ja wochenlang nicht Zeit gehübt. Dich uin Ilse zu Wrnmern, da wird es' Dir auch nicht allzuschwer fallen, sie noch längere Zeit zu entbehren, und int übrigen will ich Dir ja selbstverständlich, was das Wiedersehen mit dem Kinde anbetrif'ft, in jeder Weise entgegenkommen. — Du wirst natürlich z'n allererst daran denken, was wohl die Bekannten sagen werden, wenn ich jetzt allein mit dem Kinde forlgehe, aber da gibt es ja der Erklärungen genug. Daß Ilses Gesundheit einen längeren Aufenthalt in der Schweiz und dann an der See gebieterisch fordert — das sind Meine vorläufigen Reisetzläne —, und Ilse wird es sehr gut tun, einige Monate ganz frei von Schulzwang zu fein. Später wird sich anderes finden, und die Leute werden sich allmählich an unsere Trennung gewöhnen. Ich gedenke .morgen nachmittag mit Ilse abzureisen, und ich bitte Dich um Unseres Kindes willen, das hier zugrunde geht, lege mir kein Hindernis in den Weg. Gerda. Und da saß Nun Haus Gerold, den Brief in der Hand und einen gallebitteren Geschmack int Munde, und es kam trotzdem über ihn wie ein Gefühl der Befreiung'. Nein, er konnte sie auch Nicht länger ertragen, diese täglichen Nadelsfiche. Der ewige Aerger, das kleinliche Gezänk zu Hause hatten an seinem Lebensmut gezehrt, sein geistiges 'Schaffen nicht zu der Höhe 'kom'm'en lassen, die er in seinen Jahren und den glänzenden' .Anfängen nach hätte erreichen Müssen, das hatte er längst gefühlt. Und Tränen über ihre Eltern, solche leidvvllen Tränen konnte er sein kleines Mädchen nicht noch einmal weinen sehen — er würde einwilligen. Und dann gingen seine Gedanken zurück über die Jahre seiner Ehe, diese Jahre voll fast täglichen, kleinlichen Gezänkes. Und er dachte mit tiefem Groll an die Frau, die nie versucht, ihn zu verstehen, die ihn verletzt mit zahllosen, wohlüberlegten Sticheleien, die sich ihm niemals untergeordnet, wie er das von seinem Weibe erwartet. Die ihre Wünsche imMer höher stellte als hie seinen und verlangte, daß ihr Gatte stets ihr ergebenster Diener, ihr Courmacher blieb — mählos verwöhnt, wie sie zu Hause gewesen. Aber dann dachte er auch daran, daß es' sein Wille gewesen', ein reiches Mädchen zU Heiraten, daß er sich niemals tiefer engagiert 'hatte, wenn er erfahren, daß die Betreffende nicht genug Vermögen besaß — denn er wollte hochkomMen, steigen in feinem Berufe, Reifen machen, die ihn wissenschaftlich weiter brachten, und dazu brauchte er Geld. Dann hatte er Gerda Lahar kennen gelernt, mit all ihrem Liebreiz, ihrer Grazie, ihrem Geist -—. die einzige Tochter eines' reichen Vaters. Hans Gerold seufzte tief auf. u Vielleicht wäre es besser gewesen, ein armes Mädchen zu heiraten, sie wäre weniger verwöhnt, weniger eigenmächtig gewesen, hätte sich eher ziehen lassen. — Gerda hatte ein Talent, ein liebenswürdiges, kleines Talent zum Dichten, und sie war früher viel bewundert worden — den reichen, schönen Mädchen geht es wie den Prinzessinnen, ein kleines Talent wird bei ihNen zum Genie — dachte er bitter. Ws Bräutigam übertrug er seine Bewunderung für Gerdas entzückende Persönlichkeit gewissermaßen auch auf ihre (Sebicfyte. Als junger Ehemann hatte er über ihre kleinen Reimereien halb amüsiert, halb mitleidig gelächelt und später las er sie gar nicht mehr. Nicht aus bösem Willen vielleicht — es war ihm als völlig nebensächlich aus dem Gedächtnis entschumnden, daß feine Frau dichtete. Sie aber nahm das tödlich übel, sie wollte bewundert werden und sie rächte sich, indem sie keinerlei Notiz von feinen Arbeiten, von seinem' Berufe nahm...... Sie stellte ihre kleinen nichtigen Arbeiten als gleichberechtigt neben feine ernsten, wissenschaftlichen Studien — er lächelte voller Hohn. , So war es ein ewiges Streiten, Zanken, Nichtberstehen und Uebelnehmen zwischen ihnen gewesen, und es würde so weiter gehen, bis sie beide alt und verbittert fein würben. Mein —• er willigte in dir Trennung. Es war SomMer. Ihr Kind an der Hand schritt Gerda Gerold durch bett Tannenwald. Sie sah Wohler und froher aus, und auch Ilse hatte die bleiche Städtfävbe verloren, ihr schmales Gesichtchen war rosig! angehaucht, und ihre ernsten dunklen Augen, die so Wenig Kindliches Hatten, blickten lebhaft umher. Es war viel Liebliches und Schönes, ivas die Augen von Mutter und Kind sahen — hochgewachsene Tannen mit zartgrünen Spitz- ch.en, schlanke Kiefern mit hellgrünen Trieben, sanstwogende Farne und auf der Lichtung unzählige graugrüne, feinblätterige Ginster- büsche, ,übersät mit Tausenden und vW> er tausenden reingolden schimmernden Blüten. Und die Lust war erfüllt mit einem eigenartig frisch-herben Geruch Nach Tannennadeln, nach Moos und feuchter Erde, einem süßen Duft nach gemähtem Gras', das in der Sonne trocknet, nach Kleeblüten und reisendem Korn. Und traumhafte Stille ringsumher, kein weiteres Geräusch als das Rauschen der Bäume Und das Zwitschern der Vögel. „Ach Mutti, hier ists' zu schön, noch viel, viel schöner als am Genfer See," sagte das" kleine Mädchen so leise, als fürchte es den heiligen Frieden, der es umgab, zu stören. „Und hier sind nicht soviel Menschen, die mit dir reden, da hast du mehr Zeit für mich, das ist das Allerschönste," setzte sie hinzu. Frau Gerda runzelte die Stirn. „Ich habe doch immer Zeit für dich, Ilse, aber du bist -ein Kind und mußt Mit 'Kindern reden und spielen, und ich muß doch auch mit den vernünftigen, erwachsenen Menschen sprechen und' nicht nur"imitier mit meinem kleinen, dummen Mädel." Ilse blickte zu Boden und antwortete nicht, und ihre Mutter dächte daran, was für ein seltsam' stilles, altkluges Kind es war für seine acht Jähre, nicht fröhlich-sorglos' wie andere Kinder. Sie hatte den Schütten, der auf ihres Kindes Jugend gefallen, noch nicht bannen können, und sie konnte es nicht verhindern, daß das Kind sich nach feinem Vater sehnte — ein schmerzlicher Seufzer stahl sich über ihre Lippen. Schritte ließen sich hören, und ein hochgewachsenes'' Paar bog nm die Ecke des Weges. Der Mann hätte seinen Arm iti den der Frau gelegt. Und so halb sich stützend, halb sie führend, schritten sie dicht aneinander gefchmiegt den Weg herunter. „Das sind Hochhurgs," flüsterte Ilse, und ihre Augen strahlten freudig. Und schon hatte der Mann seinen Hut gezogen, und die hübsche blonde Fran an feiner Seite winkte grüßend mit der Hand. „Nein, ist das nett, daß wir uns nun hier auch einmäl treffen," rief sie freundlich. „Das ist nämlich unser Lieblingsweg, Und mein Mann behauptet, so viel gute .Ideen wie aus diesem Wege wären ihm noch nie eingefallen, er wäre einfach nicht mit Geld tzU bezahlen. Kein Wort spreche ich auf dem ganzen Wege, auS! lauter Furcht, die kostbaren Ideen zu verscheuchen," lachte sie. ,^Ja, es ist wunderbar schön und still hier, aber daß Sie hier Ideen, Romanideen habep können, wundert mich, Herr Hochburg. Ich denke, da muß man hoch mehr Anregung Haben, mehr Leben und Menschen Umher, wie in irgendeinem Modebad zum Beiwiel," Meinte Gerda Gerold lchWft. Herr Hochburg lachte. „Man merkt, daß Sie keine Poetennatur sind, gnädige Fran. Ich tzlaube, die Wenigften von uns können draußen im Unruhigen Leben Ersprießliches schreiben, erst in der Stille, im Frieden 811 Der Heiratsantrag des Kidelius. Skizze von Max Bittrich (Freiburg)., In feittent Stübchen am Marktplatz der Stadt Säckingen mn Rhein richtete sich Meister Fidelius Bärlein vom Lager aus: „Was ist?" fragte er. Aus mehreren Betten kam scharf anklagend oder träumerisch die Antwort: „Ich kann nicht schlafen! Die Studenten singen so laut!" Da sprang Bärlein zum offenen Fenster. „Schlast jetzt!"- brüllte er über den Platz, drehte sich um, schrie über die fünf Kinderbetten abermals: „Schlaft jetzt!" und wandte sich neuerdings erregt dem Fenster zu. Er fühlte das Blut kochen. Einem verwitweten Vater mit sechs Kindern die Nachtruhe zu nehmen, das war und blieb ein offenkundiger Skandal. Und ausgerechnet fremde Gäste, Studenten aus Heidelberg, mußten die Ruhestörer sein! Konnten die nicht bequemer am Neckar das Lied vom Trompeter singen? Nein, nach Säckingen mußten sie ausfliegen,- um eine laue Sommernacht in lauten Tag zu verwandeln! „Schlaft jetzt!" befahl Bärlein abermals. Die Studenten vernahmen nichts von seinem Zorn, aber die sechs Kinder krochen rasch unter die Decken, während Bärleins erregt zitternde Hand von den grauen Schläfen zum Ziegenbärtchen ging und daran nach rechter Schneiderart zupfte. „Ihr solltet sechs Kinder haben und keine Frau!" redete er die Studenten weiter an, „da tätet ihr nicht in der Finsternis vvm Schlendrian und vom Muskateller singen und so und so! llitb jetzt schau einer: da steigt der lange Laban auf den Kneiptisch, bigott! Und durch's Neckartal will er reiten, singt er. Ja, du und reiten! Jetzt so junge Leut'^ Sorgen unb Steuerzahlen kennen die doch nicht — und da schau eins hert da springt das lange Gestell der Kellnerin auf den Hals., Man sollt's nicht meinen!" • Weit reckte er sich aus dem Fenster, der Stätte der nächtlichen Fröhlichkeit entgegen. Wahrhaftig, er hatte recht gesehen! Die vor dem Gasthaus zum Löwen den Riesenkrug auf den Tisch stellte, war nicht die täglich in des Schenken'feinem Haus schaffende grobschlächtige Kellnerin, sondern Pas Ämeisele aus der Gasthausküche, ehemals Anne-Marie geheißen, nachher kurzweg Amci genannt ünd endlich dank ihrer Fixigkeit zum Ämeisele geworden. Hatten die buntbcmützteu und bebänderten Heidelberger in den wenigen Stunden den .Verstand dieses Mädchens auf den Kopf gestellt, um das in Fidelius Bärleins Herzen schon monatelang schwere Kämpfe zwischen Hoffen und Fürchten wogten? Gesagt hatte er dem Ämeisele noch nicht das letzte entscheidende Wort, doch dieses Mädchen war nicht dumm und wußte, was Bärlein mit seiner vorsichtigen Andeutung gemeinsamer Wege gemeint hatte. Und trotzdem stand sie nun nachts zwischen den Studenten! — Er maß das Mädchen vom Kopf bis zu den Füßen. Doch, doch: die würde ihm passen! Und kinderlieb war sie auch; das hatte er wiederholt beobachtet. Und wie sie schaffen konnte! Schon in feiner Eigenschaft als Kater hatte er also die Pflicht, sie nicht entwischen zu lassen. Er seufzte. Der gegenwärtige! Zustand war unhaltbar. Er dachte an das einzige Berslein, das in seinem Gedächtnis haftete, weil er in den letzten Monaten oft hatte davonlaufen mögen: ‘ In die Wüste will ich laufen, J Wo die warmen Winde weh'n, Wo die Dromedare saufen Und die dreizehn Palmen stehn. Aber wo wären die Kinder dabei geblieben! Nein, er mußte hier .zugreifen, ehe sich- fremde Hände ftit das Ämeisele wagten! Schleunigst mußte er. ... „Vater!" „Schlast!" : . . . schleunigst müßte er auf das Ganze gehen berm Ämeiseler Kannst und willst du mir und meinen Kindern Helferin und Stütze sein? Oder ziehst du das laute Volk aus Heidelberg vor? — — Freilich, freilich : sie war jung! Aber wenn er weiter überlegte, konnte er ihr die Sehnsucht nach ungewissen Gebieten, eine Neigung zu so junger, Springern, nicht zutrauen. Sie hatte die Augen, unter deren Schutz er seine Kinder gern stellen würde: kluge, ernste Aiigen ohne Feuersünkchen und mit dem Strahl jener Güte, die ferner Heimgegangenen Lene zu eigen gewesen war. Er und seine Pinder hatten sich dabei wohl befunden; und daß neben der .Gutherz,g- Nachher saß sre noch lange auf ihren, Balkon, horchte auf das nahe Rauschen der See und träumte in die stille Sommernacht hinein. — — । Als sie, mit dem Gefühl, von einer schweren, unerträglicher, Last befreit zu sein, den, Hause ihres Gatten den Rücken kehrte, war sie erst mit Ilse für mehrere Wochen an den Genfer See gegangen. Dort hatte; sie mit vollen Zügen all das Schöne um sie her genossen, und kaum ein Gedanke hatte ihrenr Gatten, ihrem Heim gegolten. (Schluß folgt.) kommt die Arbeitsfreudigkeit, die Schaffenskraft über uns, läßt das zur Reife kommen, was allerdings Welt und Menschen erst in uns anregen mußten. Die Ruhe aber erst lehrt uns aus uns selbst M schöpfen — die Anregung zur ausführbaren Idee werden zu lassen — jedoch das mag ja bei einigen auch anders sein —> ier strich freundlich über Ilses Haar, „viel zu brav und artig ist die Kleine, gnädige Frau, noch nicht ein einziges Mal habe ich sie toben und springen sehen. Kannst du dem, überhaupt laufen? Was gilt's, greif mich mal!" und Karl Hochburg jagte plötzlich in knabenhaft großen Sprüngen den Weg hinunter. Ilse ließ die Mutter los und lief' hinterher, so schnell sie konnte, ihre Augen glänzten und ihr Gesichtchen sah jetzt Piel kindlicher aus als sonst. Frau Hochburg schüttelte lächelnd den Kopf. „Ta rennt er nun wie ein Schulbub'. Er ist so kinderlieb — —," sie seufzte. „Ich hatte es ja nie für möglich gehalten, daß Hochburg, der große, geniale Hochburg, der so ernste, ergreifende Sachen schreibt, solch ein froher, fast übermütiger Mensch sei," sagte Frau Gerda halb staunend, halb bewundernd. Jetzt lehrten die beiden atemlos Hand in Hand zurück. „Ich hab' ihr' unreckst getan, sie kann doch ganz brav rennen," lachte Hochburg, sich die ©tritt trocknend. „Uebrigens, gnädige Frau, als wir heute die Kurliste durchsahen, lasen wir zum erstenmal Ihren Namm — bei der Vorstellung hört Man ja nie deutlich. Sind Sie verwandt mit dem bekannten Kunsthistp- tiker Doktor Gerold?" Frau Gerda errötete dunkel. „Mein Mann," sagte sie kurz. „Ach, das ist ja famos," Hochburg wurde ganz enthusiasmiert, -„ich bin ein begeisterter Verehrer Ihres Herrn Gemahls. Eigentlich sind wir ja so ein bißchen Kollegen. Was er schreibt, das ist trockenes Gelchrteiideutsch, seine Schriften haben Leben in sich, er ist auch ein Dichter. Ich interessiere mich sehr für Kunstgeschichte, lese viel darüber, aber ich muß sagen, etwas Feineres als sein letztes Werk über den französischen Realismus, Impressionismus und Idealismus in der Malerei ist mir so bald nicht vorgekommen." „Wir haben Doktor Gerold doch auch einmal reden lyöreit, weißt du noch, Schatz, voriges Jahr in Berlin," meinte seine Frau lebhaft. „Ja natürlich, Glänzend, geradezu glänzend spricht er. Wißen Sie, gnädige Frau, wenn Sie an Ihren Gemahl schreiben, müssen Sie ihn von mir, als einem ganz begeisterten Verehrer, grüßen — oben vielleicht schreiben wir auch einmal gemeinsam eine Karte an ihn." „Ja, das können wir vielleicht," brachte Gerda mühsaM hervor, ängstlich bemüht, ihre Verlegenheit nicht merken zu lassen. „Mein Papa kann auch wunderschöne Märchen erzählen, sagte Ilse plötzlich. Nach Art einziger Kinder, die viel mit Erwachsenen zusammen sind, hatte sie aüsmerksaut zugehört. . Und wenn sie auch nicht alles verstand, sie merkte, daß man ibreit Vater lobte, und ihre Augen strahlten. • Herr Hochburg kniff sie lachend in die Backe. „So, dazu hat der gute Papa also auch noch Zeit gefunden, bei aller Arbeit." ...... „Ja, imitier wenn Mutti des Abmds in ihrem Verein war, hat er mir erzählt," berichtete sie lebhckst, und dann fiel der Blick des Kindes auf das Gesicht der Mutter, was Ille plötzlich verstummen ließ. Karl Hochburg in feiner Unbefangenheit merkte nichts von der Verlegenheit Fran Gerolds, aber der Blick seiner Frau ruhte einen Augenblick scharf beobachtend auf ihr und ihrem Kinde. Ein Gefühl, fast wie Haß, hatte Gerda ergriffen. — War sie darum ihrem Heim entflohen, um nun hier das Lob ihres Gatten singen zu hören? Sie war so glücklich gewesen, daß es ihr gelungen, einmal für Tage wenigstens, solange sie hier weilte, mit keinem Gedanken'an die Zeit ihrer Ehe, mt ihn zu denken, nun mußten diese Hochburgs, von deren Bekanntschaft ste zuerst entzückt gewesen, wieder alles in ihr aufrühren. Man ging zusammen nach der gemeinsamen Pension zuruck, und es gelang Gerda, einen anderen Gesprächsstoff zu finden und festzuhalten. Frau Hochburg, die ihre Bemühungen merkte, unterstützte sie darin. t... Daheim in ihrem Zimmer zitterte bte Erregung, in die sie das Gespräch mit Hochburgs gebracht, noch lange in Gerda nach, und während sie Ilse zur Nacht entkleidete, fragte sie plötzlich.so Abends Märchen erzählt, wenn ich nicht da war? Warum hast du eigentlich nie zu mir davon gesprochen?" Die Kleine blickte sie erstaunt an. 1 „Da habe ich nicht dran gedacht und. — und — ihr wart doch manchmal böse miteinander, da — da meinte ich •— —" stotterte sie. i , _ ,, r.,, Frau Gerda fühlte, wie ihr die Rote der Scham ms Gesicht ftir9‘„@in Kind muß! seiner Mutter alles sagen," sagte sie heftig. „Ich sage dir ja auch alles," meinte Ilse weinerlich, „ich wußte nicht — daß — daß —" „Schon gut, laß nur sein!" sie Beugte sich über ihr Kmd Mn b küßte es. fett auch eine reichliche Portion gesunder Festigkeit vorhanden sein darf, auch das hatte der Sidelius am eigenen Leche ge- ^ilr9ieiit, diese Seite, die liebe Seele mit den starken Armen — das; er die hatte verlieren müssen in ihren Bemühungen 1W sein Wohl! , , .. , Heber sein ernstes Gesicht huschte ein Lächeln, wahrend er sein Ziegenbärtchen neuerdings strich . . . Wie die Lene noch acht Tage vor ihrem Tod das Rettungswerk an ihm vollbracht hatte: es war zum Staunen! „Nein," gestand er sich laut, „diese Seite! ''Schlaft,' sag ich! — Ich rede mit der Mutter!" „Mutterle!" echote ein Kind weich, als mnarrne es die ferne Frau. „Schlaft bigott!" ^Schlaft! Ich denke, sie kommt wieder!" beruhigte er. Und für sich setzte er hinzu: „Nur wird sie künftig Ameisele heißen! und damit legte er sich zu Bett. * Scholl am frühen Morgen, als die Spähen noch ihren Haupt- lärm vollführteu, stand Fidelins vor der Haustür. Er wünschte dem Ameisele einen guten Morgen, als sie auf dem üblichen Weg zum Metzger begriffen war, und fragte, ob sie bereits mit ich ins Reine gekommen sei über den Vorschlag, den er ihr kürzlich, angedeutet habe. Ob denn das sein Ernst gewesen iet? „Sell will ich meinen!" , „Ha nu, den ersten Vers singt mancher und denkt nicht an den zweiten!" .... , „ c ... „So will ich ihn grab' letzt fingen! Lanfen Sie mit nnr eilt Biertelstündle hinauf; es schwätzt sich besser —" „Also!" Und sie begaben sich in sein Schneiderstttbcheit., „Etwas Gut's kann man in einem Biertelstündle immer sagen, wenn kein Aber eingeflochten wird!" begründete sie ihre Bereitschaft. , ..... Droben tat er einen kurzen Blick in ihre verständigen, geheimnislosen Bauernaugen und war ganz Sache: „Also; ich hab' mir schon längst gedenkt: Dn heiratest wieder! Allein woher nehmen und nicht stehlen! Wer sehnt sich nach einem Witwer mit sechs Kindern! Wir sind unserer Sieben und brauchen eine Achte, die täglich sechsfach Mutter ist und einmal Frau." Das Ameisele guckte ernst in ihren Metzgerkorb hinein. „Ameisele. . . willst?" „Sechs Kinder zu bereinigen und zu versorgen, ift viel!' sagte sie. „Aber im „Löwen" wird mir die Sach' allmählich zuwider, seit ich tagsüber am .Herd zu schaffen hab' und nachts Gäste bedienen soll, wenn Hilfe not tut!" Aha: sie war nicht gern bei den Studenten! „Und .wie lange so junges Volk trinken kann! Noch jetzt liegen manche davon im Bett und schlafen!" fuhr sie fort. „Da sollten sie möglichst bald eine Frau erwischen, wie ich eine besessen hab'! Eine Frau, die das Gleichgewicht wieder herstellt, wenn der Herr vom Hans zu viel Weinproben ab- „So, so?" lachte das Ameisele. „Das tat ich natürlich arg gern wissen, ob die Kur auch Bestand haben wird. Ich hätte gelviß nicht die Kraft, sie zu wiederholen." „Ja was!" sagte er und befühlte Kopf und Arme. „So eine Kur hilft bis an's selige Ende. Ich fühl' die Medizin noch jetzt innen und außen, auch wenn ein Jahr drüber vergangen ift!" „Schmeckte sie arg schön?" neckte sie. „Ha, was soll man schwätzen! Mehr nützlich als schön! Ich mein' grab, keine Stunde sei vergangen seit der Bataille. Ich laufe in der stockdunkeln Nacht mit meinem Hagelsrausch über den vereisten Acker vorn Dorfe aus, stolpere mauchiual und falle uud rapple mich wieder auf. i Und als ich 'auf den Kreuzweg lostappe, wo die Hexen tanzen sollen am Schwursteiu, da packt mich jählings genau an der Stelle, wo ich schon drei Tage vorher verdroschen worden bin und wo das Korn auf der Tenne, wieder eine starke Hand hinten im Genick und ich brüllte wie der Marder in der Falle, aber der unsichtbare Geist haut zu lt>ie auf kalt Eisen. Uud wie ich endlich wieder aufrecht stehe, ist der Klopfgeist .spurlos verschwunden gewesen, genau wie beim ersten Ueberfall." „Man solt's nicht meinen! Diese Seite!" lachte das Ameisele. Da leuchteten des Fidelins Augen stolz: „Ja, die hat gewußt, was hilft und nach aiifänglichen Schiuerzen gut tut! — Ja/ wie ich so heim stolziere mit meinem schmerzhaften Gestell . . . sei still, hab' ich mir gedacht, und schluck den Aerger hinter! Erwischen tust du den Sansbuben doch nicht mehr, der bei nachtschlafender Zeit alte Leute verdrischt! Und wie ich heimkomme, hat meine .Sette friedlich geschlafen und kein Wort gesagt. Aber vier Tage später hat sie mich und die Kinder zu sich gcrttfeit: Kinder, eure Mutter kann heute nicht ausstehn und wird vielleicht immer liegen bleiben. Seid schön brav! sagte sich Jetzt so, Kinder wie meine, Erfahrungen haben sie noch feine,; die haben noch keinen rechten Sinn für so Sachen. Unfereinemi freilich fallen alle Sünden ein, auch noch, wenn man nachts Kalender macht oder die Sterne zählt —", Diese Seite!" wunderte sich das Ameisele wieder. „Nachher ist der Doktor einigemal dagewesen, bei der Seite^ „Fidelins" ruft sie an einem Morgen. — „Lene?" — „Adieu, Fidelins!" — „Was redest du auch, Seite!" — „Mit mir geht'H zu Ende. Vergiß die Kinder nicht. Und nicht wahr: Du wirst nie mehr die Nächte durch draußen auf dem Dorf sitzen und einen Schoppen nach dem anderen trinken?" — „Ja! Ja,"" rufe ich. — „Denke zeitlebens an den Geist, der dir den Heimweg versalzen hat?" — „Ja, Lene! Du weißt davon?" — „Ehe ich die Augen zu mache," sagte sie, „will ich dir die Wahrheit sagen: der Geist, der war nämlich ich. Ich bin er gewesen für unsere Kinder, nachdem all mein Zureden bei dir nicht mehr ge°- fruchtet hat" — „Seite!" — „Verzeihst du mir?" — ,,^a, Seite!" .— „Schau, ich muß zu sehr in die Hitze gekommen sein draußen in der Kälte und zu rasch von dir heimgelaufen fein, damit du nicht erfährst, wer dir draußen im Nacken gesessen hat. Schon am nächsten Tag hab' ich meinen Körpetz gespürt, mehr vielleicht als du, und ich hab' dem Doktor gleich angesehen, daß meine Mühle am Abläufen war. Adieu, Fidelins!' — „Adieu, Seite!" — „Du verargst rnir's, nicht?" — „Daß du mir nicht Kränze winden würdest bei der Heimkehr, so viel hab' ich mir selber gedacht!" antwortete ich ihr noch, und da ift Ite ein- geschlafen, die' Sene." Bärlein hielt einen Augenblick still Gedenkfeier. „Ste tft daran gestorben, aber ich bitt tariert." , Das Ameisele strich ihm wie einem Kind über die Backen^ „Willst nicht?" fragte er. „Was drückt dich?" , „Mit den Kindern ivürd' ich wohl fertig, die find ge- „Wenn der Geist doch ivieder vergessen ivürde?" „Das .gibt's nie!" Und er lief an die Kommode. „Schau her das Büchel. Darauf stehen an die tausend Mark bei der Sparkasse. Jetzt will ich nur eine Frage tun: meine Kinder werden eine rechte neue Mutter haben?" . „Das ist ausgeulacht und sicher!" bekräftigte das Ameisele.; Da warf er. ihr das Büchlein in den Korb: „Das nimmst du jetzt mit; es gehört dir als Pfand dafür, daß ich den Klopfgeist nie vergesse!" „Und bleibt den Kindern sicher — unfern Kindern!'^ „Ganz recht! Willst mich jetzt?" „Ich will dich! — Jetzt muß ich aber eilen; sonst wird int „Löwen" zum ersten Male das Mittagessen nicht fertig!" Da sauste sie davon ... Er riß das Fenster auf. Drunten raschelte alsbald das blitzblanke Waschkleid und ein Mädchen- gesicht lachte sonnig. „Ameisele!" „Ich muß jetzt eilen!" „Wir machen bald Hochzeit, weißt?" „Ha nu: ich mein’, im Winter genügt lins ein Ofen!" „'s wär' mir reift!" Husch, husch — verschwand sie im Metzgerladen und kaufte mit Kennerblick das beste Kälberne und Schweinerne. Fidelins zupfte das Bärtchen: „Das Ding hätten wir gepackt!" Und an die Wüste mit den Dromedaren und den dreizehn Palmen dachte er hinfort nicht mehr. ________ Artthmognph. 1 6 9 9 2 5 fremdländische Münze. 2 1 9 8 5 ein Raubvogel. 3 6 12 Mineral. 4 5 2 3 Futtermittel. 5 2 1 Teil eines Wagens. 6 18 5 ein Fluß. 3 2 4 6 Nahrungsmittei. 7 2 9 2 ungarisches Komitat. 8 5 9 8 einen Baum. 9 6 5 1 Titel. 6 9 4 2 weiblicher Vorname. 3 2 2 9 8 Nebenfluß der Elbe. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen den Wunsch zahlreicher Sterblicher. Die Erfüllung desselben gereicht aber nicht selten zum Unglück. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Tie Hälfte deines Lebens ist Erwerben; Verlust, Enttäuschung, Trübsal Schlag at'if Schlag, Verzichten und Entsagen Tag für Tag Erfüllt den andern Teil; der Rest ist Sterben! Redaktion: K. N e u r a t h. — Notatwnsdrurk und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.