Donnerstag, den 28. November »Bf V ? Das Amethyst-Fläschlein. Eine Erzählung von A. K. Green. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich fühlte einen Stich im Herzen, dann aber war es mir, als ruhe es kalt uno empfindungslos in meines- Brust und habe zu schlagen aufgehört. Aus dem Summen, zu dem sich alle Töne' in meinem Ohre mischten, hörte ich Sinclairs Stimme sich von neuem erheben; er stellte nunmehr die Frage, die mir auf der Zunge schwebte. Wann war das? Nachdem .Herr Armstrong das Zimmer betrat oder vorher? Oh, erst nachdem er eingeschlafen war. Ich hatte eben das Gaslicht ausgedreht, da sah ich Fräulein Camer- deu hineinschlüpfen und sofort wieder heraüskommen. Ich werde die Nadel sehr sorgfältig suchen, Sir. Also hatte sich Herr Armstrong geirrt! Dorothea war es, nicht Gilbertine, die er das Zimmer hatte verlassen sehen. Ich nahm meine ganze Selbstbeherrschung zusammen und blickte Sinclair ins Ange. Dorothea ist heute abend grau gekleidet; aber vielleicht hat Herr Armstrong die Farbe in der Kaminfeuerbeleuch» tung nicht richtig erkannt. Möglicherweise waren beide in der Bibliothek, meinte Sinclair. Aber ich sah wohl, daß er diese Mutmaßung nur in Rücksicht auf mich aufstellte. Auf alle Fälle, fuhr er fort, können wir auf diesem Wege zu keinem beweiskräftigen Ergebnis gelangen; wir müssen unseren ursprünglichen Gedanken wieder aufnehmen. Ich bin gespannt, ob Gilbertine mir eine Gelegenheit. geben wird, mit ihr zu sprechen. Für dich wird es leichter sein, als für mich, gab ich verdrossen zur Antwort. Sobald Dorothea bemerkt, daß ich mich ihr nähern will, braucht sie nur einen aus dem halben Dutzend junger Männer heranzuwinken, dann ist mein Plan zerstört. Um halb zehn Uhr soll eine Probe der Zeremonie stattfinden. Dann könnte ich ja meine Frage Vorbringen. Aber die Geschichte muß vorher noch in Ordnung gebracht werden. Ich könnte nie die Posse spielen, vor euch allen au der Seite Gilbertines zu stehen, mit einem solchen Zweifel im ! Dflnn mußt du sie früher aufsuchen. Bestehe darauf, daß sie dir eine Minute zu einem kleinen Gespräch gewährt. Wenn sie sich weigert — Genug! unterbrach er mich. Wir treffen uns also um zehn Uhr wieder au diesem Platze ^da. Sehe ich ruhig genug aus, um mich jetzt unter Sie Tanzenden mischen zu können? Sie werdet! mich natürlich von allen Seiten begrüßen. . c r Warte noch einen 'Augenblick. Die bevorstehende Hochzeit hat dich in ernste Stimmung gebracht, das ist alles. Es verging geraume Zeit, ehe es mir auch nur gelang, einen Blick von Dorothea zu erhaschen. Als endlich dieser Moment kam, -war sie vom Tanze leicht gerötet und sah wunderschön aus. Gewöhnlich war sie ein wenig blaß, aber nicht einmal Gilbertine, trotz ihrer frischen Gesichtsfarbe, besaß blühendere Wangen als sie, jetzt wo sie sich, vom Walzer ermüdet, gegen die blaßrote Wand lehnte und zum ersten Male ihr Auge langsam dorthin richtete, wo ich, in zerstreutem Geplauder mit meiner Partnerin begriffen, stand. Lieblich waren ihre Augen, wie geschaffen um bewundert zu werden, und eine leise, aber herzliche Sprache redend. Aber sie waren von einer unbeschreiblicheit Klugheit im Schach gehalten. Nie hatte ich sie ganz frei von dieser Zurückhaltung gesehen. Heute abend vollends waren sie mir ein unverständliches Rätsel. Und doch schien sie noch aus einem anderen Grunde, als der Aufregung des Tanzes, zu zittern; die kleine Hand, die vor wenigen Stunden so vertraulich in der meinigen geruht, war keinen Augenblick still. Sie bewegte sie da und dort über die Falten ihres grauen Kleides. Ich bemerkte dies nicht ohne mir die trübselige Frage zu stellen, ob das kleine Amethyst- Herzchen, die Ursache meines Entsetzens, irgendwo unter den luftigen Fältchen und Spitzen versteckt lag, die sich so schnell auf ihrer schwer atmenden Brust auf und ab bewegten. Konnte ihr Blick dem meinigen standhalten, selbst in dieser kalten und uninteressierten Weise, wenn der Tropfen, der uns für immer trennen konnte, auf ihrem Herzen verborgen lag? Sie wußte, daß ich sie liebte. Von der ersten Stunde an, wo ich sie int Salon ihrer Tante in der Sechsunddreißigsten Straße getroffen, hatte sie meine Leidenschaft erkannt, so völlig es mir auch gelungen Ivar, sie vor den Augen anderer zu verbergen. Unerfahren, wie sie damals war, hatte sie dennoch so rasch wie irgend eine große Dame der Gesellschaft -erraten, welchen Eindruck ihre lieblichen Reize und ihre milde Zurückhaltung, die mir den Atem benahmen, auf mich gemacht hatten.' Und wenn sie auch niemals meine Verehrung offen annehmen wollte und jeden Versuch, ihr meine Liebe zu beweisen oder gar zu gestehen, niederschlug, so war ich so sicher, daß sie meine Gefühle richtig würdigte, als sie mir das liebste, wenn auch rätselhafteste Wesen auf -der Welt war. Als ich nun am Ende des Tanzes ihren Augen begegnete, sagte ich mir -daher: Vielleicht erwidert sie meine Liebe nicht, aber sie weiß, daß ich sie liebe, und da sie eine rasche Auffassungsgabe besitzt, würde sie meinem Auge niemals mit solch ruhigem Blicke begegnen, wenn sie eine Tat ausführen wollte, die mich unfehlbar ins größte Elend stürzen würde. Doch war ich noch nicht so sehr befriedigt, daß ich ohne ein Wort von ihr mich hätte zurückziehen mögen. Daher ergriff ich diese Gelegenheit, -entschuldigte mich bei meiner Dame und ging zu Dorthea hinüber. Darf ich Sie um den nächsten Tanz bitten? fragte ich. 746 Tie schlug bk Augen nieder und zog sich in einer Weise zurück, die beinahe einer Flucht gleichkam. Danke, aber ich tanze nicht mehr heute abend, sagte sie und suhr mit der igattb nervös nach dem Haare. Ich gab mir keine weitere Mühe. Ich folgte dieser Hand mit dem Blicke, worauf sie lebhaft errötete und augenscheinlich noch ängstlicher mir zu entkommen trachtete. Dies veranlaßte mich, noch einmal mit ihr zu reden. Schenken Sie mir einen Augenblick, Fräulein Dorothea! Wenn Sie nicht mehr tanzen wollen, so kommen Sie mit auf die Veranda, das Meer zu betrachten. Es ist wunderbar heute abend. Ich werde Sie nicht lange aufhalten. Das Licht hier tut meinem Ange weh; außerdem möchte ich Sie so gerne fragen — Nein, nein, warf sie heftig ein, offenbar aufs tiefste erschrocken. Ich kann den Salon nicht verlassen. — Stellen Sie mir keine Fragen! Suchen Sie sich eine andere Tänzerin — tun Sie das, für heute ab end! Ist das Ihr Wunsch? Mein fester Wille. Sie blickte mich scharf an. Ich spürte, wie mich mein Mut verließ, und befürchtete, meine Gefühle zu verraten. Somit beehren Sie mich nicht mit Ihrer Achtung, murmelte ich und verbeugte mich sehr höflich, da ich mir bewußt wurde, daß wir die allgemeine Aufmerksamkeit mehr auf uns zu ziehen begannen, als mir wünschenswert war. Sie verharrte in ihrem Schweigen. Wiederum berührte sie ihr Haar. Ta wechselte ich den Ton. Ruhig, aber mit einer Betonung, die sie rühren mußte, flüsterte ich: Wenn ich- Sie jetzt verlasse, wollen Sie mir morgen mitteilen, warum Sie mich jetzt so oberflächlich behandeln? Mit eirter Schärfe, die nichts weniger als ermutigend war und die in seltsamem Gegensatz zu ihrer scheinbar plötzlich wiedererlangten Heiterkeit stand, erwiderte sie: Jawohl, ja, wenn diese ganze Aufregung vorüber ist. Damit reichte sie einem vorübergehenden Bekannten die Hand und drehte sich einen Augenblick später wieder in dem Wirbel — sie, die mich eben versichert hatte, sie wolle heute abend nicht mehr tanzen. 3. Kapitel. Ich wandte mich zum Gehen und wollte, meines Vorgehens kaum bewußt, den Salon verlassen. Plötzlich umringte mich -eine Gruppe junger Leute; ich wußte kaum, was ich zu ihnen sagte. Ich erinnere mich nur noch, daß ich mich einige Minuten später wieder allein fand, und das kleine Zimmer aufsuchte, in dem Beaton eine halbe Stunde zuvor verschwunden war. Er war der einzige leidenschaftliche Karteiispieler in der Gesellschaft. Erwartete ich, ihn an einem der Tische dort zu treffen? Möglich ist es. Soviel steht fest, daß ich mich der Türe näherte und im Begriffe war, einzutreten, als ich einen schweren Schritt auf die innere Türschwelle zergehen hörte, die Tür auffbog und- ich einer älteren Dame geg-enüberstand, die ich nunmehr ein wenig näher beschreiben muß. Es war eine beleibte, -gewichtige, nicht sehr großgewachsene Dame, mit einem Gesicht, dem herabfallende Wangen und- hervorstehende Backenknochen den Haupt-ansdruck verliehen. Wenn ihre kleinen Augen auf jemand gerichtet waren, riefen sie einen unbehaglichen und- unangenehmen Eindruck hervor, aber wenn sie anderswohin blickten, konnte man sich- fragen, in was das Imponierende dieses Gesichtes lag, und man suchte vergebens in seinen tiefen Runzeln und unbestilmuten Linieir nach dem Geheimnis jenes geistigen ititb körperlichen Widerwillens, den der geringste Blick in dieses kalte, unbewegliche Gesicht erregte. Dieses Weib besaß ungeheure Mittel, sich Geltung zu verschaffen, und ein darauf sich aufbauendes, vernichtendes Selbstbewußt- seiir sprach aus jeder Bewegung ihres gewichtigen Leibes, der dreimal so viel Raum zu beanspruchen schien, als einem menschlichen Wesen von Rechts wegen znkommt. Dazu kam, daß man sie selten ohne- -eine wahre Schaustellung von Diamanten sah, die ihrer breiten Büste das Aussehen der juwelenbeladenen Brust eines orientalischen Götterbildes gab. Um den Eindruck abzurunden, erinnere ich daran, daß ich so freimütig war, diese Dame — wie in meinen Gedanken — so auch hier -als „Drachen" zu bezeichnen. Der Blick, mit dem sie mich empfing, hatte etwas Grftrges und Drohendes an sich. Augenscheinlich stand ich zur Zeit nicht in Gunst bei ihr. Während ich mir nicht bewußt war, wie ich ihr Mißfallen erregt haben konnte — denn bisher hatten wir immer auf freundschaftlichem Fuße miteinander gestanden — zog ich aus ihrer Ungunst eine Erklärung für die abweisende Behandlung, die mir von feiten ihrer von ihr abhängigen Nichte zuteil geworden war. Doch warum grollte mir die alte Dame? Mehr als einmal war mir berichtet worden, daß sie große Stücke auf mich hielt. Hatte ich nun ohne mein Wissen etwas getan, wodurch ich ihren Groll erregt hatte, oder hatte sie gerade Pech im Kartenspiel gehabt, wodurch ihr Zorn hervorgerufen worden war, der nun nach einem Opfer suchte? Ich trat in das Zimmer, um die Frage zu entscheiden. Zwei Herren und eine Dame standen in offenbar verlegenem Schweigen an einem Tische, auf dem Karten lagen, die mir einen Eindruck machten, als seien sie von einer erregten Hand dorthin geworfen worden. Einer der Herren war Will Beaton; er war es, der die Bemerkung- falleu ließ: Gerade hat sie ausfindig' gemacht, daß die jungen Leute sich vergnügen. Ich bin gespannt, an welcher ihrer zwei unglücklichen Nichten sie ihre üble Saune heute nacht auslassen wird. Oh, das ist keine Frage, fügte die Dame hinzu, die neben ihm stand. Seit sie Aussicht hat, Gilbertine auf eine vernünftige Art loszuwerden, hat sie sich ganz ausschließlich der zurückbleibenden Bürde gewidmet. Ich habe gehört, fuhr sie lebhaft fort, indem sie einen Blick nach der Türe warf, um sich zu versichern, ob der Gegenstand ihres Gesprächs außer Hörweite sei, daß sie heute Dorothea Kanterben -eine zünftige Predigt gehalten hat. Kein Mensch weiß den Anlaß dazu anzugeben, denn das Mädchen scheint ihr jeden Wunsch an den Augen abzulesen. Aber es gibt Frauen, die mehr Galle besitzen, als sie für ihren -eigenen Gebrauch benötigen; sie müssen ihre Wut an irgend einem unschuldigen Opfer auslassen. Mit diesen Worten warf sie ihrerseits d.e Karten, die sie bisher in der Hand gehalten hatte, auf beit Tisch. Ich zwinkerte Beaton mit den Augen zu unb trat auf die Veranda hinaus. Eine Minute später folgte er mir, und in der Ecke, wo die Reben am dichtesten wachsenging unsere Unterhaltung vor sich. (Sortierung folgt.) Der Mann mit der roten Mütze. Von Arthur Za p- p. Der Beamte mit der weithin leuchtenden grellroten Mütze/ der die Eisenbahnzüge aus der Station abfahreu läßt und auch im übrigen den Betrieb auf dem Bahnsteig leitet, der bie vielfachen Wünsche des Reisepublikums entgegennimmt und ihnen nach Kräften und soweit es sein Dienst gestattet, entspricht, wird gewöhnlich „Herr Vorsteher" angeredet, und er gilt auch- sonst in weiten Kreisen als der Bahnhofsvorsteher. Das ist eine irrige Anschauung. Der Bahnhofsvorsteher, dem der gesamte Betried auf einem Bahnhof untersteht, bleibt für das große Publikum in der Regel unsichtbar. Er verbringt den größten Teil seiner Dienstzeit in seinem Bureau, und seine Arbeit ist zumeist Schreibarbeit. Er hat die Berichte- über glle Vorfälle im Bahnhofsbetrieb an die vorgesetzten Behörden: an die Betriebsämter und au die Direktion zu machen, er hat die ihm unterstellten Beamten für die einzelnen T-ieustzweige zu kommandieren und natürlich auch darüber zu wachen, daß der gesamte Betrieb auf der ihm uuter- stellten Station seinen ordnungsmäßigen Verlauf nimmt. Der Mann mit der roten Mütze, der speziell den Außendienst auf der Station zu leisten hat, ist in der Regel ein Eisenbahnassistent; auf kleineren Bahnhöfen ist seit mehreren Jahren der Unterassistent, ein Unterbeamter, an seine Stelle getreten, der sich vom ersteren äußerlich dadurch unterscheidet, daß er weder auf Uniformrock, Litewka noch 'Mantel die goldgeränderten Achselstücke trägt. , Der Fahrdienstleiter den größeren und mittleren Stationen hat einen außerordentlich verantwortungsvollen Dienst, Er ist verantwortlich für die fahrplanmäßige Zugfolge, für den richtigen Signaldienst, von £em die pünktliche und die gefahrlose Ein- und Ausfahrt der Züge abhängt, er ist verantwortlich für den Telegraphendienst, soweit sich dieser auf den Zugmeldedienst bezieht, und für den Rangierdienst, der seine besonderen Gefahren mit sich bringt, besonders zur Winterszeit, bei Nacht und bei nebeligem Wetter. Und bei all diesem schweren, gefahrvollen und verantwortungsvollen Dienst ist der Fahrdienstleiter fortwährend von dem reisenden Publikum in Anspruch genommen. Er soll über alles, was mit dem Reiseverkehr in irgendeiner Verbindung steht, Auskunft geben. Was für ein ganz außergewöhnliches Maß von Geduld und Selbstbeherrschung dazu gehört, um bei allen 747 nicht selten über das Maß des Möglichen und Ziemlichen hinaus- gehenden Fragen, Wünschen und Anforderungen von häufig nicht immer taktvollen Reisenden stets höflich und entgegcnkonmieud zu bleiben, kann nur der richtig beurteilen, der den Dienst eines vielgeplagten Fahrdienstleiters aus eigener Erfahrung kennt. Es ist bekannt, das; das Eisenbahnverkehrswesen in den letzten zehn Jahren eine ganz ungeheure Entwicklung genommen hat. So ist z. B. auf einer bestimmten Strecke, lvo noch vor sieben Jahren am Tage 25 und bei Nacht 16 Züge verkehrten, der Verkehr derartig gestiegen, das; jetzr während des Tagesdienstes, zwischen 7 Uhr früh und 7 Uhr abends, 60 Züge und in der Nachtzeit 5 Züge ein- bezw. ausfahren. Tas ist "in der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne eine Verkehrssteigerung von rund 210 Prozent. Mit dieser Verkehrssteigerung aber hat, wenigstens so- lveit die Eiscnbahuassistcutcnschaft in Frage kommt, die Personalvermehrung keineswegs Schritt gehalten, und so kommt es, daß derselbe Eifenbahnassistent, der vor sieben Jahren während seines acht- bis zehnstündigen Dienstes 25 bzw. 16 Züge abfertigte, heute während derselben Dienstdauer 60 bzw. 55 Züge abzu- sertigen hat. Ja, es gibt mitteldeutsche Verkehrszentrcn, die heute einen täglichen Verkehr von nahezu 200 aus- und einfahrenden Zügen haben. Man kann sich denken, welche ungeheuerliche Arbeitslast und Verantwortung der Fahrdienstleiter einer solchen Station zu tragen hat, besonders zur Sommerszeit, wo zu den fahrplanmäßigen Zügen noch eine große Anzahl von Extra- und sogenannten Vor-Zügen kommt. Natürlich sind mit dieser engen Zugfolge allerlei Verkehrsstörungen verknüpft, die sofortige Abänderungen des Fahrplans bedingen. Es kommt vor, daß auf solchen verkehrsreichen Strecken, die vier oder auch sechs neben- einanderlausende Schienenstränge haben, zwei oder drei Züge halten, die auf das Einfahrtsignal warten. Eine einzige Verspätung, die irgendein Zug der 'Strecke erlitten hat, wirft den ganzen Fahrplan über den Haufen, und der Fahrdienstleiter, der vielleicht innerhalb 10 Minuten 5 verschiedene Züge abzusertigen hat, muß geistesgegenwärtig und entschlußschnell die notwendig ge- wordeneii Dispositionen treffen. Es ist nicht immer leicht, sich int Verlauf weniger Sekunden zu entscheiden, welchem Zug am zweckmäßigsten zuerst Einfahrt zu geben und welche sonstigen Aen- derungen und Beschlüsse ungeordnet und gefaßt werden müssen, um rechtzeitige Anschlüsse herzustellen und einen möglichst ineinandergreifenden, geordneten Zugverkehr herbeizusühren. Zu gleicher Zeit aber, wo so wichtige und schnelle Entschließungen gefaßt werden müssen, sieht sich der Fahrdienstleiter von Reisenden umdrängt, die alle mit mehr oder minder großem Wortschwall und mit jener hastigen, dringlichen und ungeduldigen Nervosität, die das „Reisefieber" bei vielen erzeugt, ihm ihre Anliegen vortragen. Der eine will wissen, auf welcher Station er umzusteigen hat, der ziveite erhebt Beschwerde über einen Schaffner, der ihm grob begegnet sei, der dritte klagt, daß sein Gepäck nicht richtig verladen ist, der vierte^ endlich verlangt, daß ein Bor-Zug eingelegt werde, da er und seine Mitreisenden sonst nicht rechtzeitig den Anschluß aus einer anderen Station erreichen. Ist es da ein Wunder, wenn solch vielgeplagter Beamter, der vielleicht überdies noch private Sorgen hat, einmal für einen kurzen Moment die klare, ruhige Ueberlegnng verliert und eine unrichtige Taste des Blockapparats berührt und so einen fälligen Zug auf ein .falsches Gleis leitet, auf dem schon ein anderer Zug hält? Tie Folge der momentanen Verwirrung ist ein Zusammenstoß und für dessen unfreiwilligen Urheber, sofern Menschcn- leben dabei zugrunde gehen, je nach den Umständen eine kürzere ober längere Gefängnisstrafe, lSchon seit Jahren haben die Eiseu- bahnassistcnten petitioniert, an Stelle der gesetzlich festgclegten entehrenden Gefängnisstrafe in solchen Fällen, wo weder böswilliges Verschulden noch grobe Pflichtvcrnachlässiguitg vorliegt, Festungshaft eintreten zu lassen.) Wer möchte einen solchen Beamten nicht bedauern, der seiner Ehre und Stellung verlustig geht und mit seiner Familie in Not und "Elend gerät, weil er den an ihn herantretenden übermenschlichen Anforderungen nicht gewachsen war und für einen kurzen Moment den; Kopf verlor! Es gibt kaum einen zweiten Friedensberuf, in dem ein augenblickliches Versagen der geistigen Kraft, der Entschlußfähigkeit für den Zugehörigen so schwere, verhängnisvolle Folgen herbeiführen könnte. Nur der Lokomotivführer ist in dieser Hinsicht mit dem Fahrdienstleiter in Vergleich zu stellen. Dazu kommen die zahlreichen Betriebsgefahren, von denen die im Eifenbahndienst stehenden Beamten und Arbeiter beständig bedroht sind. Sehr charak- teristisch find die Zahlen, die die soeben veröffentlichte neueste Unfall-Statistik der preußischen Eisenbahnverwaltung ergibt. Danach sind im vergangenen Jahre im preußischen Eisenbahnbetrieb insgesamt 2199 Personen verunglückt, davon 645 tödlich. Auf Reisende entfallen nur 66 Todesfälle und 483 Verletzungen. Bekanntlich steht Deutschland, was die Sicherheit des reisenden Publikums Be'rifft, unter allen Kulturländern an erster Stelle.") l"3 1 Personen (214 tot und 18 schwerverletzt) ließen sich in selbstmörderischer Absicht "überfahren. Der ganze Rest, also der bei weitem größere Teil: 365 Todesfälle und 1003 Verletzungen kommt auf das Personal der Eisenbahnverwaltung. Durchschnittlich verliert also von dem im preußischen Eisenbahndienst stehenden Per- wnal täglich ein Bediensteter im Beruf das Leben, und drei Beamte bzw. Arbeiter tverdeu verletzt, hauptsächlich wohl im Rangierdienst, der auch Hern Fahrdienstleiter untersteht. Ter Volksmund, welcher sagt: „Der Eisenbahnbeamte steht mit einem Fuß im Gefängnis und tryt dem anderen int Grabe", trifft also diesmal den Nagel auf beit Kopf. Daß ein erheblicher Prozentsatz von Opfern des gefährlichen Eisenbahktdielftes auf die Assistente,t- schaft und unter dieser auf den besonderen Dienstzweig des Fahrdienstleiters, des Mannes mit der roten .Mütze, entfällt, erhellt aus der besonderen Beschaffenheit dieses Dienstes. Wer hat nicht schon gelegentlich von einem jener Fälle gelesen, in denen der Fahrdienstleiter, um einen unvorsichtigen Fahrgast zu retten, in heroischem Pflichtgefühl fein Leben verloren oder aufs Spiel setzte! Wir erinnern uns eines solchen Falles, der sich vor nicht langer Zeit auf der Haltestelle Groß-Lichterfelde-Süd ereignete. Eine Frau wollte noch schnell einen eben einlaufenden Zug benutzen; von der entgegengesetzten Seite kommend, wollte sie,- bie, herabgelassene Schranke hebend, über daS Gleis. Gerade in diesem Moment setzte sich der Zug in Bewegung. Der Fahrdienstleiter, ein~ 65jähriger alter Beamter, der dicht vor feiner Pensionierung stand, bemerkte^den Vorgang; er sprang hinzu, um die zwischen den Schienen Stehende zurückzureißen, strauchelte, fiel zu Boden und lvurde im nächsten Moment zugleich mit der unvorsichtigen Frau von der heranrollendeii Lokomotive zermalmt. Auch in seiner Eigenschaft als Bahnpolizeibeamter hat schon mancher Fahrdienstleiter im Zusammenstoß mit renitenten, rohen Fahrgästen den Tod ober schwere Körperverletzungen erlitten. Kurz, der Dienst eines" Fahrdienstleiters ist wohl der schwierigste, verantwortungsvollste und gesundheitsschädlichste int ganzen Eisenbahnbetriebe. Deshalb werden auch die jungen Beamten, die int Vollbesitz ihrer frifdien Manneskraft stehen, zuerst diesem Dienstzweige zugeteilt. Uebrigens befinden sich die Aspiranten und Diätare meistens im Alter zwischen 35 bis 40 Jahren, wenn sie zur ctatsrnäßigett Anstellung als Assistent gelangen. Nach längerer Dienstzeit werden sie bann in einen weniger verantwortungsvollen, weniger Körper unb Nerven aufreibenden Dienstzweig übergeführt, wie z. B. in den inneren Abfertigungsdienst: bett Güter-, Kassen- und Fahrkartendienst, wenn sie nicht schon vorher bei geeigneter Befähigung in die Bureaus der Betriebsämter unb der Direktionen versetzt worden sind. Freilich, auch hier finden sie ein vollgerütteltes Maß Arbeit vor. Vor dem 'vielgeplagten Fahrdienstalter genießen sie immerhin bett großen Vorzug, daß sie freie Sonntage haben, d. h. wenn sie nicht zur Aushilfe beim Fahrkartenverkauf kommandiert werden, unb daß sie vor allem bett regelmäßigen, stärkenden Nachtschlaf nicht zu entbehren brauchen. Dem Fahrdienstleiter ist int ganzen Jahre, außer in feiner Urlaubszeit, kaum vergönnt, sich eines Sonntags mit frischen, voll erhaltenen Kräften der Familie zu widmen und an einem gesellschaftlichen ober künstlerischen Vergnügen teil- zuiiehincii. Tie tägliche Dienstdauer beträgt auf einem größeren Bahnhof in der Regel acht Stunden, aus einem kleineren zehn vts zwölf Stuttdett. An bett Sonntagen liegt der Dienst auf größeren Stationen so, daß an einem Sonntag der Dienst von 6 Uhr morgens bis mittags 2 Uhr und von 10 Uhr abends bis Montag morgens 6 Uhr dauert, am zweiten Sonntag währt der Dtenst von mittags 2 Uhr bis abends 10 Uhr, unb am dritten Sonntag schließt der Dienst, der am Sonnabend 10 Uhr abends begonnen hat, um 6 Uhr morgens. Der Beamte bleibt au diesem Sonntag von morgens 6 Uhr an dienstfrei und beginnt erst am Montag nachmittags 2 Uhr von neuem den Dienst, dessen Turnus sich alle drei Wochen wiederholt. Natürlich wird der Beamte, der am Sonntag früh zwischen 6 und 7 Uhr todmüde nach Hause kommt, zunächst fein Ruhebedürfuis, so gut es am Tage in einer in der Regel beschränkten Wohnung möglich ist, zu befriedigen versuchen. Wenn er bann, noch abgespannt von dem meist kaum ungestörten und wenig erfrischenden.Tagesschlaf, nachmittags sein Bett verläßt, wird er sich, besonders in der arbeitsvollen Sommerzeit, zu einem Ausflug mit feiner Familie kaum aufgelegt fühlen und auch sonst wenig Neigung empfinden zur Teilnahme an einer eine heitere, genußreiche Seelenstimmung vorausfetz enden gefellfchaftlichen ober künstlerischen Veranstaltung. Wie sehr aber her Körper, die Nerven und die Lebensfrische und Freudigkeit dieses Märtyrers des Dienstes durch den häufigen Nachtdienst mitgenommen werden, kann man sich einigermaßen vorstellen, wenn man erwägt, daß der Fahrdienstleiter ungefähr die Hälfte seines gesamten Dienstes in der Nacht abzuleisten hat und daß ihm der Dienst nur einfach wie Tagesdienst angerechnet wird und daß er auch im übrigen bie geringste Extravergütung dafür erhält, während doch sonst überall Nachtarbeit höher bewertet wird als Tagesarbeit. Auf kleineren Bahnhöfen, lvo der Verkehr kein so starker und der Dienst deshalb kein so anstren- genber ist, haben 2 Beamte in wöchentlichem Wechsel in 7 aufeinanderfolgenden Nächten von je 12 Std. Dauer den Dienst zu »ersehen. Aus dem Mitgeteilten wird der Reisende bereits erkannt haben, ein wie geplagter Beamter solch ein Fahrdienstleiter ist, und er wird gewiß bie Lehre daraus ziehen, daß er seinerseits Zeit unb Aufmerksamkeit des Mannes mit der roten Mütze nicht übermäßig in Anspruch nehmen darf und daß er es nicht gleich als Unhöflichkeit und Bureaukratismus auslegen sollte, wenn ölch ein vielbeschäftigter, überangeftrengter und mit schwerer Verantwortung beladener Beamter einmal etwas kurz angebunden tfK 748 wie Gewürze wirken. Die Kochkunst tragt die Unentbehrlichkeit der Gewürze Rechnung, indenr sie sie verwendet, uni die Speisen schmackhafter zu wachen. Diese größere Schmackhaftigkeit wirkt aber auf dem Unwege über die Psyche auf die Speichel- und Magensekretion ein, und dies ist der erste Anteil der Gewürze bei der Verdauung. Außer diesem aber gibt es noch vier weitere Aufgaben der Gewürze, wie Alfred Gigvu in Basel, der hierüber gegenwärtig Untersuchungen ausführt, in der „Klinisch-therapeutischen Wochenschrift" auseinandersetzt. Manche Gewürze beeinflussen die Absonderung der Verdauungsflüssigkeiten unmittelbar. Kochsalz und aromatische Gewürze — die die Arzneimittellehre als Stomachiea verordnet — regen die Absonderung an. Hierher gehören der Jng- !ver, Zimt, Gewürznelken und Pfeffer. In ähnlicher.Weise wirken auf Magen- und Darmtütigkeit manche Bitterstoffe, jedoch nicht mit der Nahrung gegeben, sondern vorher in .den Blagen gebracht, K. B. die Bitterstoffe des Enzians, des Llbsynths und des Hopfens. Einige Gewürze tierischer Herkunft, die Würzstoffe der Fleischbrühe, des Kaviars, der Sardellen und einiger Käsesorten, wirken ähnlich wie die aromatischen unmittelbar fördernd auf die Tätigkeit des Vcrdauungskanals. Als beinahe vollkommen vernachlässigt stellt Gigon die Wirkung der Gewürze auf Hie Darmflora dar: manche Gewürzstoffe entfalten eine antibakterielle Wirkung. Hierher gehört z. B. das Allylsenföl, das in Radieschen und "Rettichen vorkommt, ferner ein ähnliches Del, das im Knoblauch, in Zwiebeln nnd verwandten Mlinmarten vorhanden ist. Es scheint, als ob die Kochkunst hiervon eine unbewußte Kenntnis habe, denn Nahrungsmittel, die pathogene Mikroorganismen enthalten könnten, Hummer, Schnecken, Kaviar und einzelne Käsearten, sowie Fisch- und Vogelgerichte, die Hautgout haben, pflegt man stark $u würzen. Eine vierte Eigenschaft, die manche Gewürze haben, ist die Wirkung auf den intermediären Stoffwechsel: sie sparen Eiweiß. Auf welche Weise dies geschieht, weiß man nicht sicher. Jedoch zeigt ein Beispiel gleich, worum es sich handelt: der Malaie und der Japaner leisten bei ihrer Kost von stark gewürztem Reis mehr, als unsere mitteleuropäischen Arbeiter. Vielleicht spielen Kaffee und Kaffeeersatzmittel eine ähnliche Rolle. Als letzte Wirkung der Gewürze ist schließlich der Einfluß auf das Nervensystem zu nennen. Alkohol, Koffein nnd Theobromin, deren Wirkungen ja hinreichend bekannt sind, gehören zu diesen. „Hirn- gennßmitteln". Gleichfalls gehört in diese Gruppe der Würzstoff der Vanille, der sich übrigens auch im Hafer findet, und die Wirkung der Lorbeerblätter scheint auf etwas ähnlichem zu beruhen. vermißtes. — Der Geburtstag der reich st en Frau der Welt. Aus New Nork wird berichtet: Europa würde vielleicht den Kopf schütteln, wenn es sähe, wie die amerikanische Presse dem 78. Geburtstag H e t t h G r e e n s fast ebenso viel Platz einräumt wie dem ganzen Balkankrieg. Die greise Geschäftsfrau und Multimillionärin wird von Jahr zu Jahripopulärer, führt sie doch noch heute mit unverminderter Kraft die Verwaltung ihres Millionenver- mögens, leitet ihr Geschäft, gibt ungezählte Hunderttausende ohne Lärm und Pose für gemeinnützige Zwecke und verschmäht es für ihre Person mit ihrem Reichtum zu prunken. „Sie ist eine jener Amerikanerinnen", so schreibt «ein führendes New Aorker Blatt, „die sich nicht schämt zu sparen und die recht erfolgreich gegen die hohen Lebenskosten ankämpft". Die alte Dame wurde natürlich von Reportern überlaufen nnd gutmütig lächelnd empfing sie die bunte Schar der Wißbegierigen in ihrem Bureau. Dort saß sie, auf ihrem Kontorsessel, in strenger Einfachheit gekleidet, aber ihre roten Backen verrieten, daß ihr Arbeit und Enthaltsamkeit wohl bekomme. Die Besucher waren nicht wenig verblüfft, als sie Hetty Green damit beschäftigt sanden, Zwiebeln zu kauen. Und vergnügt meinte sie: „Lächeln Sie nur, aber die gesunde Farbe meiner roten Backen verdanke ich diesen Zwiebeln: Zwiebel ist das gesündeste, was es gibt, und ich könnte nicht existieren, wenn ich nicht immer eine in Reichweite hätte." Dann plauderte Frau Hetty Green dreiviertel Stunden mit den Reportern und geizte nicht mit Winken und Ratschlägen für die Jugend. Denn damit hat sie sich abgefunden: an ihrem Geburtstag ist sie das Opfer der Oeffentlichkeit und an diesem einen«$oge muß sie ihre Zurückgezogenheit anfgeben. * Bluineu als — Rattenfänger. Eine höchst eigenartige Entbeckmig machte unlängst ein Handelsgärtner in Bette- ionlaine. Er beobachtete nänrlich, wie ein Rattenpaar sich an seinen hübschen, hellroten Nelken, die er mit aller Liebe pflegte, dick und fett fraß Da der Gärtner durch diese sonderbare Geschmacksrichtung der 9inlten indes sehr geschädigt wurde, versuchte er, ihnen allerlei Delikatessen anderer Art, als da sind Käse, Speck, Schinken usw., in der vorsichtig ausgestellten Rattenfalle als Lockspeise mt- zubieten. Vergebens. Endlich probiert er es mit einer Nelke, lind richtig. Ter erste Nachtwanderer siel auf die ihm lieb gewordene Leckerei hinein und ward gefangen. Täglich unternahm er nun dasselbe Experiment und mit gleichem Erfolg, so daß er bald die Rattenplage als überwunden betrachten durste Diese merkwürdige Vorliebe der Tiere für starkdufteude Blumen will sich der amerikanische Gärtner zunutze machen imb eine Lockspeise mit Blumen- geruch Herstellen, die die lebenden Blumen ersetzen soll. Außer mit Nelken versucht er es gleichzeitig mit Rosen und Maiblumen und Ivill beobachten, welche dieser Blüten die stärkste Anziehungskraft auf die Ratten apsznüben vermag. * Protest. Vater (auf das Thermometer blickend): „Heute sind neun Grad!" — Der kleine Fritz: „Wieso! Sonst sind doch neun nngrad!" Lprachecke der Allgemeinen Deutschen tzprachvereinr. D i e 2l k t i e n g e s e t t s ch a f t e ii a l s D e u t s cy v e r d e r b e r Seit etlichen zwanzig Jahren n mmt die Zahl der Altiengesell- scbaften, Gesellschaften in. b. H. usw. stetig zu, und seitdem finden sich in allen Nachrichten über sie sprachliche Fügungen, die jedem gesunden Sprachaefühl hohniprechen und doch mit Leichtigkeit vermieden werden fönnlen. Ta heißt es: „Tie Ungarische Heinrich Lavp A.-G. für Tiefbohrungen", „Die Hauptversammlung der Bletallbank und Nletallurgische Gesellschaft Akliengesellschait", „der Direktor der Vercinigte Gummiivarenfabriken", „die Deutsche Kabelwerke Akt.-Ges.", die „Höchster Farbwerke vorm. Meister, Lucius L Brüning Akt.-Ges. bezeichnet den meschäfisgaug als günstig", „die Direktion des Friedrich Krupp Grusonwerk", „Aktien der Deutsche Gasglüvlicht A.-G.", „Aktien der Schwelmer Eisenwerk Müller & Ko. A.-G.", „Teilschuldverschreibungen der,Siemens' Elektrische Betriebe A.-G.", Aule he der Mutter & Schulze G. in. b. H." usw. usw. Das ist a les fei» Deutsch: aber mau wird eiinuenben, die Gesellschaften seien gerichtlich so eingetragen und an dein gerichtlich festgelegten Namen dürfe nicht gedreht, noch gedeutelt werden. Ist es deiui wirklich gerichtlich verboten, „der Metallurgischen Gesellschaft" zu sagen? oder „die Aktien der Deutschen Gasglühlicht- Aktiengesellschaft" ? oder „die Hauptversammlung der Ungarischen Aktiengesellschaft für Tiefbohruugen Heinrich Lapp" ? oder „Abschluß der G. in. b. H. Müller & Schulze" (statt: . . der Mütter & Schulze G, in. b. H.) ? Wenn das wäre — der beschränkte Laienverstand würde es nun und nimmer begreifen. Kann denn nicht anch das Gericht, das doch sonst jetzt so sehr auf gutes Deutsch hält, dafür sorgen, daß die Firmen in tadellosem Deutsch eingetragen werden? Gibt es tatsächlich rechtliche Bedenken gegen solche Fassungen, die sprachrichtig sind, wie: „die Aktiengesellschaft .Schwelmer Eisenwerk Mütter & Ko.'", „die G. m. b. H. Mütter & Schulze'", „der Vorstand der A.-G. .Metattbank u. Metatturgifche Gesellschaft' besieht aus . „die A.-G. .Höchster Farbwerke" usw. usw.? In der Tat: wenn es nicht erlaubt sein sollte, diese Umstellung vorzunehmen — man könnte es nicht verstehen. Bücherüsch. — Tartarin von Tarascon von Alphonse D a u b’ e t, mit 45 Zeichnungen von Emil Preetvrins, darunter 11 Vollbilder. Erschienen im Gelben Verlag, Mundt und Blumtritt, Dachau. Es läßt sich darüber streiten, ob der Tartarin d-er beste humoristische Roman ist, jedenfalls gibt es schw«erlich einen, dessen genialer Humor noch heute so «hinreißend und unwiderstehlich wirkte wie der dieses berühmtesten Werkes Alph. Daudets. In der so geistreich erfundenen Gestalt des Mützenjägers und großen Löwentöters, den man den Don Quixote des 19. Jahrhunderts nennen könnte, kristallisieren sich die typischen Wesenszüge der französischen Rasse zu einem Bilde von lebendigster Anschaulichkeit. Emil Preetorius hat dem wertvollen Text entsprechende, sehr feine Zeichnungen geliefert. — „Kikerik i", Hesse-Nassauer Geschichtercher un Gcdichter- cher von Karl «Heinz Hill. Verlag von Josef Marschall, Wiesbaden, Nikolasstr. 7. Preis 2 Mark. Drollige „Geschichtercher", „vieh-losophische" Tierfabeln, nette Schulscherze vom „kiaane Gc- zewwel", urkomische „Weltbetrachtimge", spaßige Siuglieder und eine bunte Schüssel „Tuddi-smddi" — das alles schenkt uns Hill's lustiger „Kikeriki". Der inhaltreiche Band eignet sich gleich seinem.Vorgänger „Pastille gege Grille" ebensogut als Vortragsbuch im geselligen Kreise, wie zur stillen Erheiterung im Sorgen- stnhl. _____ Köiiig$3iig. eh Auflösung in iWinter Nummer. w n Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer r W i n t e t ü b e r 5 i e b e r. Redaktion: K. Neurat h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen,