ZSZ hj.'NoH., M I? B M - M. (3 mit ihren breiten Schirmdächern in lustigen 'Gruppen beisammen hockten. . Wer weiter flatterten des Poeten Träume. . . zurück zur Garnison . . . um das blonde Haupt eines gewissen jungen Mädchens, das chargenmäßig in unerreichbarer Höhd über dem Unteroffizier stand, das er räumlich' in weiter Ferne wähnte . . . und das in Wirklichkeit, ohne daß Hans Friesen etwas ahnte, nur einen Dagemarsch weit in süß- träumender Ferienruhe unter den rauschenden'Hunsrück- Wäldern weilte. . . Und Hans Friesen dichtete. Eine Strophe nach der anderen fügte er zusammen . . . feilte Zeile auf Zeile in Gedanken durch und sprach sie sich so oft vor, bis sie sich unvergeßlich seinem Hirn eingeprägt hatten, damit er sie am Abend blank und sauber in sein Dienstnotizbuch eintragen könne. . . zwischen Vermerken über Brotempfang. . . Kompagniebefehle . . . Vorposten- instruktionen. . . Nun. wiederholte er noch- einmal die ersten Strophen des Gedichts, das ihm aus' den triefenden Nebeln znge- weht war: „Bist du die Oread'e, Die lauschend Hinterm Felsen schwieg? Bist du des Quells Najade, Die aus der Plätscherwelle stieg? Aus welcher Märchen ferne Hast du dich in mein Sein verirrt? Von welchem fernen Sterne Bist du an meine Brust geschwirrt?" Ja, die zwei Strophen saßen! Das ließ sich nicht bestreiten ! Nun müßte die Antwort kommen. • . also munter weitergereimt. . J „Was soll das zage Fragen? Ich halte dich ans Herz gepreßt. . ." Ja, wahrhaftig, das hatte er getan, wenn es auch noch so märchenhaft klang ... er hatte sie gehalten, die schlanke, blonde Majorstochter, gehalten an seinem Herzen, das unterm Tressenrock des Unteroffiziers so verdammt unvorschriftsmäßig gepocht hatte. . . Ach, und als er seinen Arm züm ersten Male um' den Weichen Körper g ' gt. . . Richtig — so mußte es ja iveitergehen:' „Fühl' deines Herzens Schlagen. Ach. . . und dann. . . dann war ja das Unvergeß-i liche. . . das schier Unglaubliche gekommen . . $ „Und Lippe weilt auf Lippe fest . . Schau, da wär ja wieder eine Strophe beisammen H und auch die Amd feg auf ihren vierzehn Versfüßen . . - 5S4 — Vor dem Dichter trottete in mürrischem Schweigen sein Kompagnieoffizier, der Leutnant Quincke. , Scheußliche Sache, so ein Manöver! — Eigentlich Drenst von morgens früh! um drei bis abends um zehn und von abends um zehn bis früh um tret . . . Die Körperpflege wurde nur noch markiert . . . aussehen tat man schon mehr toif ein Latrinenreiniger und nicht wie ein Angehöriger des ersten Standes der Nation. . . Dabei seit vierzehn Tagen kein weibliches Wesen mehr zu Gesicht bekommen. . die"dreckigen Bauerntrinen zählten nicht mit — die waren höchstens was für die Herren Burschen! Und was das Lächerlichste war. . . seit acht Tagen führte dieser krumme Landwehronkel, dieser Leutnant Fro- benius, die Kompagnie an Stelle des Hauptmanns Goll, der seinerseits als ältester Kapitän des Regiments für den Major Blasberg die Führung des zweiten Bataillons übernommen hatte. Blasberg hatte am Tage nach dem Regimentsfest, unmittelbar vor dem Ausrücken in's Manöver, in eine Nervenheilanstalt gebracht werden müssen. Die Schwermut, die ihn seit dem Tode seiner Frau zu Boden gedrückt hatte, war plötzlich als ausgesprochen krankhafte Melancholie zum Ausbruch gekommen. Und so war nun der unmögliche Landwehroffizier der unmittelbare Vorgesetzte seines patenten Kameraden für die Dauer der Herbstübungen geworden... Und nun das Allerunglaublichste. . . die Sache klappte —! Auf seinem braunen, steifbeinigen „Roland", der frömmsten Kuh aus dem Tattersall der Garnison, machte dieser Frobenius eine ganz leidliche Figur und hatte sich mit seinem vierbeinigen Freund auf ganz erträglichen Fuß zu stellen gewußt. Der innere Dienst funktionierte tadellos . . . na, Kunststück! — So ein Musterexemplar von Feldwebel — und der brillante Unteroffizierersatz! Ja, darauf verstand sich der griesgrämige Hauptmann Goll. . . Unteroffiziere erziehen, das war seine Spezialität! — Uebrigens war ja auch dieser Frobenius selber von einer kommissigen Gewissenhaftigkeit, daß es schon nicht mehr schön war! In der Ortsunterkünft stelzte er wahrhaftig höchst eigenhändig von Quartier zu Quartier, steckte seine Nase in jede Eßschüssel und in jedes Bauernbett, um sich zu überzeugen, ob die Herren Füsiliere auch ordentlich zu essen kriegten und weich genug lägen. Er selber, Quincke, hatte sich zum Glück eine etwas vornehmere Auffassung des Königlichen Dienstes zugelegt. Wofür waren denn die Korporalschaftsführer da? Ja, Frobenius hatte sich in seine Pflichten als Kom- pagniefiihrer ganz famos eingearbeitet und war infolgedessen nnt seiner militärischen Situation zufrieden wie nie zuvor. Er sah sehr verändert aus, hatte sich am Tage vor dem Ausrücken die wenigen HaarsträlMn seines Schädels ganz kahl abscheren, seinen langen, struppigen Vollbart kurz verschneiden lassen. Auch seine Uniform sah nicht mehr ganz so vorsintflutlich aus, seitdem ihr Träger eine etwas vorschriftsmäßigere Haltung gewonnen, und mit seinem braven, alten Roland vollends fühlte er sich verwachsen wie ein Zentaur. Was tat's, ob es regnete von morgens früh bis abends spät und die ganze Nacht hindurch. . .[ „Alles Glück der Erde Liegt auf dem Rücken der Pferde, In der Gesundheit des Leibes . . Freilich, damit war's nun auch Schluß . . . Glück am Herzen des Weibes — damit würde, es wohl niemals was werden. . .!, Seit seinem Sturz im Tanzsaal hatte er jede Hoffnmrg aufgegeben. „Herrgott nein, mit Ihnen ist aber auch wahrhaftig gar nichts auzuf äugen", idaD klang ihm noch immer im! Ohr, und immer meinte er das hochmütige, zurückgeworfene Köpfchen, das empört aufstampfende Füßchen im Gold- käferfchuh zu sehen... ihr hastiges Vondanneneilen. . . den Ausdruck der Wut über die gräßliche Blamage und den verdorbenen Abend im Klang ihrer Stimme... in jeder Bewegung ... Abschiedslos war sie ihm enteilt, und auch! als Dienstag morgens um vier Uhr in der Dämmerung das Regiment von der Kaserne aus an der Wohünng des Majorschorbeimarschiert war zum Bahnhof hin, da hatte sie mit ihrer Mutter Und Schwester auf dem Balkon gestanden und allen Herren einen freundlichen Abschiedsgruß gewinkt. . . als aber er, Wilhelm Frobenius, ans seinem Roland den Säbel vor ihr gesenkt, da hatte sie kühl über ihn hinweggeschaut und dann Herrn Quincke, den Führer des vordersten Zuges der Zweiten, mit um so deutlicherer Freundlichkeit ge- grüßt. . . Ade Hoffnung. . . ade Träume ... ade süße, stolze Verkörperung des alten Amazonenideals . . .! Nein, es war vorbei . . . keine Hoffnung mehr . . .? Und selbst auf das Wiedersehen konnte er sich nicht mehr freuen . . . auf das Wiedersehen, das wenigstens im Bereich der Möglichkeit lag. Denn er wußte ja von seinemLreuube Flamberg, daß die Amazone mit ihrer Schwester ebenfalls auf den Hunsrück hinaufgepilgert war. Nein, hoffen- und sich.freuen — das gab's nicht mehr. Und dennoch . . .! Wilhelm Frobenius zog die Manöverkarte aus seiner Packtasche. Der Regen prasselte auf das Zelluloidfutteral, und durch die Tropfen hindurch suchte der Reiter den Namen, um den sich trotz allem immer und immer seine Träume rankten. . . Am Allenbach entlang, einem Nebenwässerlein der Nahe, dessen Lauf auf der Karte durch zahllose kleine Sternchen begleitet war, welche Mühlen, Schleifmühlen darstelli- ten, an der Einmündung des Beierbachs, war das Dörfchen Hettstein eingetragen und dicht daneben ein kleiner Kreis mit einem Fähnchen. . . Das war das Schlößchen Hett- stein, die.neue Erwerbung der schönen Frau Cäcilie. Hier hauste nun die stramme Reiterin... die fesche Tänzerin ... die lächerlich Verehrte . . . Verrücktheit! — So ein Mädchen und seine Bücher^ existenz ... die Lange-Pfeifeu-Atmosphäre seiner winzigen Junggesellenbude . . . sein .demütiges, halbbäuerliches Mütterchen daheim im Westerwalddörfchen — und dieses Luxusgeschöpf . . . dieses Freiluftwesen . . . Lächerlich! — Und doch . . . und doch . . .! Oh, Schloß Hettstein —! Da horch —: Bum — Und wieder: Bum — Aus den triefenden Nebeln, welche bis tief über dis langgestreckten Kuppenzüge des Jdarwaldes niederhingen, war der erste Kanonenschuß gefallen. . . Bon dort wär der „Feind" zu erwarten: Aufgabe des Regiments, ihn am Heraustreten aus dem dicken Forste zu verhindern. . .. Und Leutnant Blowitz sprengte von der Tete her am Bataillon entlang: „Die Herren Kompagnieführer zum Herrn Major!" Da faßte Frobenius Rolands Zügel kürzer, nahm den linken Schenkel zurück... Ein ganz klein bißchen sträubte sich die faule Kreatur, dann hoppelte sie gemächlichen- Aeppelgalopp mit ihrem Reiter an der Zweiten und Ersten entlang auf den Bataillonskommandeur zu, der seinen Kom- pagnieführern die Gefechtslage -erklären und seine Befehle, ausgeben wollte. Der Herr Major von Sassenbach. . . Der schaute dem Anreitenden entgegen mit Augen,- die Frobenius kannte... mit schelmisch blitzenden Reiterj-i .äugen... „Na, lieber Frobenius, wie war's Quartier?" „Danke gehorsamst, Herr Major! — Waschen müssen hab ich mich auf dem Korridor: meine Schlafstube reichte nur fürs Bett!" „Und ich hab' 'ne Art Tanzsaal gehabt . . . mußte hcUt morgen ’ne halbe Stmrde nach mir selber suchen, bis ich mich > sand! — Sie sehen übrigens ganz vergnügt aus bei diesem Sauwetter!" „Warum auch nicht, Herr Major!? — Man kann ja dabei an die schönsten Sachen denken!" . D-er Major schmunzelte. Eigentlich ein ganz prachtvoller Herr, dieser Don Quichotte! — Schade, das Malheur im Tanzsaal! — Schließlich — Frau Professor wäre doch eigentlich durchaus staudesgemäß getoefen . . . und daß. er ein Bürgerlicher war . . du lieber Gott, wenn ein Mädel mal sechsundzwanzig. Jahrs alt geworden ist. . . u" (Fortsetzung folgt.) — 535 Ein hüttenbergisches Dorf im Jahre M3. Kon Fritz Sauer. Vor mir liegt ein dünnes Quartheftchen aus dem leider Nur sehr mangelhaft erhaltenen Archiv der Gemeinde Allendors an der Lahn aus dem' Jahre 1703. Es trägt den Titel: > Bürgermeister Rechnung, So Johann Adam Volck und Johann Peter Beppler zu Allendorff da Anno 1703. abzulegen gehabt. Diese Bürgermeisterrechnung ist besonders interessant deshalb, Weil in diesem Jahre 1703 das bisher _ zwischen Hessen und Rassau gemeinsame Amt Hüttenberg zwischen beiden Staaten geteilt wurde, wobei Allendorf mit noch sechs Dörfern (Annerod, Hausen, Langgöns, Kirchgöns, Pohlgons. und Leihgestern) an Kessen kam, während Nassau die übrigen sieben sowie das bisher auch gemeinschaftliche Vollnkirchen und das bisher hessische Klern- rechtenbach erhielt. ZuM Zweck der Teilung wurde nach langen Streitigkeiten eine besondere Kommission eingesetzt, deren Kosten auf die einzelnen Orte des Hüttenberges verteilt wurden. So erscheint in der Rechnung als Kosten der Tilgungskommission der Betrag von 76 Gulden 5 Albus 3 Heller?) Dazu kamen noch 1 Gulden 6 Albus 4 Heller Erheberkosten. Außerdem wird der Verbrauch der Landscheidc«, mit 6 Gulden ■ 27 Albus angeführt — ob für Speise oder Trank wird nicht besonders angegeben, nur liefert der Wirt Johannes Volck den Landscheidern 7 Maß Bier, tiie 7 Albus kosten. So kam also die Teilung der kleinen Gemeinde (sie hatte nach den Teilüngsakten im Staatsarchiv 32 Häuser) auf 84 Gulden 8 Albus 7 Heller zu stehen. Aber die Teilung war nicht ohne Streitigkeiten erreicht worden. Es hatte kne- gevische Verwicklungen gegeben, zu deren Lösung Brandenburger und Pfälzer Truppen herangezogen worden waren. Das bezeugt eine Notiz: „Den Bernbeckischen Kindern für Hafer für die Brandenburgische Völker. . 2 Gulden 5 Albus. Die Gesamtkosten der Einquartierung, deren letzte Rate im November 1703 bezahlt wurde, belaufen sich auf 31 Gulden 11 Albus nusd 4 Heller. Die Streitigkeiten, die zur Teilung des Hüttenberges führten, hätten ihren Grund in den drückenden Abgabenverhältnissen im Hüttenberg: Es waren Abgaben zu zahlen an die Verwaltung des Amtes Hüttenberg; von allen übrigen Gefällen erhielten Hessen und Nassau je Y8, Kleeberg % *) Wenigstens war das von Anfang an so gewesen, aber im Laufe der Zett hatte sich das Verhältnis durch Wlösung usw. etwas verschoben. Trotzdem war die Abgabenlast sehr groß, hatte dock) Allendorf im Jahre 1703 allein an ganz regelmäßigen Abgaben 900 Gulden 22 Mbus 4 Heller zu zahlen! Die Hüttenberger hatten sich über die Hohe der Leistungen beschwert und waren um Erleichterung eingekomMen. Daraufhin hatte ihnen der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen seinen Anteil an gewissen Abgaben erlassen, die aber Kassau, weil diese Erleichterung ohne seine Zustimmung geschehen war, auch weiterhineinziehen ließ. Es entspann sich em Street um die Frage, ob 'einer der Mitbesitzer ohne Mitwissen des andern an den Verhältnissen im Gemeinschaftslande etwas ändern dürfe, in dessen Verlauf die fremden Truppen herangezogen wurden und der — wie schon erwähnt — zur Teilung führte. Trotz der von Landgraf Ernst Ludwig zugebilligten .Erleichterung blieb die Abgabenlast noch drückend genug, umsomehr, da die Gemeinde den Erhebern und Exekutoren eine gewisse Summe bei jeder Erhebung zahlen mußten und außerdem noch für dre Zehrung dieser Leute aufzukommen hatte. So betrug das Hebegeld für die Monats- und Römergelder 12 Gulden; außerdem erhielt der Gemeinderechner dafür kroch 4 Gulden 3 Albus 4 Heller. M wird auch stets ganz sachlich angegeben: so und so viel hat der Betrcsfendc damals verzehrt, nur einmal schlagt dre Rechnung einen anderen Ton an: Als der Langßdorff das Teilungsgeld ein- zog, erhielt er für seine Mühe 6 Albus. Außerdem verzeichnet aber die Rechnung sehr entrüsteten Tones: „10 Albus derselbige daMahlß verthan" Ter Vertrag über die Teilung des Hüttenberges kam am 16. Juni 1703 zustande. Die Abgaben für Juni wurden schon allein an Hessen gezahlt. Die Zahlungerr an die Verwaltung des Hüttenberges wären auch noch nach der Teilung zu entrichten — wenigstens m den hessisch gewordenen Dörfern. Denn diese Orte gehörten nach wie vor zum Amt Hüttenberg mit dem Vorort Langgöns, das jetzt ein rein hessischer Gebietsteil war, während der nassauische Anteil zum Amt Atzbach geschlagen worden war. Unter den nach Langgöns geleisteten Zahlungen findet sich: „2 fl — für dreh Karn voll Brennholtz zum Langgönßer Rahthaus . , Die Gemeinde Allendorf besaß damals noch keinen Wald, mußte also das nach Langgöns zu liefernde Brennholz erst selber kaufen. Das jetzt vorhandene Wäldchen war damals noch nicht angelegt, sondern an seiner Stelle befanden sich der Gemeinde gehörende Mecker, die im Jahre 1703 mit Hafer eingesäet wurden, tote folgende u t) 1 Gulden (fl) = 30 alv; 1 alb = 8 Pfg. . „ 2) Das KleiLerger Viertel erscheint schon 1129 Bet, der Stif- tung des Klosters Schiffenberg. Notiz besagt: „2 fl. 15 alb. für zehen Mesten Säehafer auf den Hubenstein. Heinrich Bolcken, Johannes Volcken u. Peter Weigelu." Leibeigen waren in Allendorf — nach einer Notiz der Teilungsakten im Staatsarchiv zu Darmstadt 12 Männer und 17 Weiber. An Wohnhäusern waren nach derselben Notiz 32 vorhanden, deren jedes 3 Rauchhühner zu entrichten hatte. Unverheiratet „einläufftig" waren 15 Leute, Witwen waren 3 int Dorfe. Bis zum Jahre 1703 war Allendorf Filialdorf gewesen und zuletzt von dem Lützellinder Pfarrer versehen worden. Auch die Schulkinder waren nach Lützellinden zur Schule gegangen. Nun erhielt es seine eigene Pfarrei und damit auch seine eigene Schule. Die Besoldung des Pfarrers — der erste hieß Eckhard — 'Betrug 41/s Gulden jährlich. Int Jahre 1713 erhielt sowohl der Pfarrer Rampo von Lützellinden, der Allendorf bis zum Juni.versah, als auch der Pfarrer Eckhard je die Hälfte dieses Betrages. Für em Schulhäus müßte natürlich Sorge getragen werden. Es wurde eins gebaut, das bis vor einigen Jahren benutzt worden ist. Die Baukosten sind außer dem Verbrauch der Arbeiter an Branntwein usw. — mit 24 Gulden 10 Albus angegeben. Ueberhaupt scheint es, als ob 'die Leute, die mit 'der Gemeinde geschäftlich zu tun hatten, sich nichts hätten abgehen lassen. Denn der Verbrauch der einzelnen spielt eine große Rolle in der Rechnung. Wurde ein Bürgermeister und ein Vorsteher nach Langgöns Bernsen, so erscheinen sofort 3 MBüs in der Rechnung. Der Verbrauch der Landscheider, der Vorsteher und des Langgönser Amtsverwesers Eller Bei Gelegenheit der Teilung beläuft sich — wie erwähnt — auf ß Gulden 27 Albus. Die Arbeiter an dem! Neubau des Schulhänses verbrauchten nach und nach 1 Gulden 6 Albus. Der Uhrmacher von OBertteen. der die Kirchenubir reinigte und eine neue Unruhe einsetzte, verzehrt 2 Mbus und so geht es weiter. U. a. verbrauchten die Vorsteher, als sie das Geld zu Heuchelheim holten, 16 Albus. Wirte waren schon 1703 genau so viele in Allendorf toie jetzt, nämlich vier. Die Bürgermeisterrechnung nennt: Johannes Böhmer, Johannes Volck, Heinrich Volck und Koch. Allerdings waren die Getränke damals auch billiger als heute. Män denke, die Maß Bier (4 Schoppen) kostete eine« Mbus = ungefähr 6 Pfennig! In der Bürgermeisterrechnung spielt auch die öffentliche Wohltätigkeit eine Rolle. Den Armen wurden nach und nach 17 Albus 4 Heller gesteuert, ein verwundeter Darmstädtischer Soldat erhält 2 Albus, zwei „von den Türken gefangene" desgleichen, 2 Albus werden zwei Brandbeschädigten zu Wetzlar gegeben, die Brandbeschädigten zu Gambach erhalten einen Gulden, zu einer Kirche hei Alsfeld stiftet die Genteinde 2 Albus usw. Die Beamten der Gemeinde versahen ihren Dienst nicht rein ehrenamtlich, sondern sie wurden dafür Bezahlt. Die Beiden Bürgermeister erhielten je 2y2 Gulden, der Gemeindeschreiber 2 Gulden, der PfenmgMeister (Rechner) erhielt seinen Lohn nach Maßgabe seiner Einnahmen. Nebenbei wurden besondere Arbeiten auch besonders bezahlt und außerdem' hätten diese Leute, wenn sie im Dienste der Gemeinde tätig waren, Anspruch auf freie Zehrung. Das Jahr 1703 war für die Gemeiiide Ullendorf recht günstig. Sie konnte nicht nur Rückstände ans früheren Jahren begleichen und aufgenomMene Kapitalien zurückzahlen, sondern es blteb auch im Jahresabschluß ein Ueberschuß von — 13 Gulden 11 Albus und 3 Heller. Dieser günstige Abschluß ist hauptsächlich darauf zuruckzuführen, daß int Jähre 1703 ein Prozeß zu Allendorfs Gunsten entschieden wurde. Den sogenannten Schlaumschen Sand an der Lahn hatten die Heuchelheimer sich widerrechtlich angeeignet und 18 Jahre lang die Nutznießung davon gehabt. Mehrere Jahre schwebte der Prozeß. Endlich int Jahre 1703 wurde Heuchelheim zur Herausgabe und' zur Zahlung von 1000 Gulde« verurteilt. Aber das Geld war zunächst Ntcht zu erlangen. Mitte 1703 beschwerten sich die Mlendörfer in Darmstadt, daß Heuchelheim nicht zahle, und baten, man möge doch die Heuchelheimer zwingen, die durch das Urteil anerkannte Schuld zu zahlen. So zahlte denn Heuchelheint zunächst 600 Gulden — aber öAt nach vielen, sehr vielen Gängen von und nach Darmstadt, nach Verbrauch manches gestempelten Bogens, deren jeder getreund) mit einem Albus und 4 Hellern verzeichnet steht. Außerdem war die Oertlichkeit von dem Gießener Kammerrat in Augenschein genommen worden und mancher Gulden war für Gänge und Wegzehrung von Bürgermeistern und Boten, für Verehrungen und Zahlungen an Kanzleiräte und -Diener verbraucht worden, bis die Bürgermeister das Geld in Heuchelheim holen und damtt über die Lahn setzen konnten, wobei sie auch wieder 16 Mbus verbrauchten. 1 Die sonstigen Einnahmen der Gemeinde setzten sich zusammen aus: Monatsgelder Satzgeldern, Mai- und Herbstbrand, Pachtgeld der Gemeinde., r und' Ausbrand'. Das Ausorand war von denen zu zahlen, die in der Gemarkung liegende Guter hatten, aber in einem anderen Orte wohnten, also den sogenannte« Forensen Rheinhessens entsprachen. So bietet uns diese Burgermeisterrechnung ein im ganzen erfreuliches Bild von dem stillen Dörfchen int unteren KleeBachtal. 536 Eine Anekdote aus Zssef Aainzens Munde. Won einem Schauspieler hörte ich einstens 'folgende, henke aus alten Papieren wieder ausgegrabene Anekdote, die ihm der rtun-- mehr zur ewigen Ruhe Gebettete gelegentlichKner längeren Ersen- bahufahrt selbst erzählt und nach dem -Dafürhalten des Wieder- erzahlers auch ganz oder zum Teil selbst erfunden hatte. Die Geschichte spielt in der Barbierstube von iBrasper, der anno Dazumal das ganze vornehme Paris rasierte. , Der Held davon ist kein Geringerer tote Victor Hugo, i Wenn „er“ den Laden betrat, so gewährten alle Wartenden ohne -Ausnahme den „roman- tischetr" Bartstoppeln des Meisters den weihevollen Vortritt. Ernes Tages erschien der Dichter wieder. Alles trat respektvoll zurück. Hugo nahm mit nachdenklicher Grandezza in-dem Fauteuil vor dem' Spiegel Platz. Brassier band ihm in -dem erhebenden Bewußtsein, den gefeiertsten TichKr der „grande ination“ rasieren zu dürfen, die Serviette um. Ms er-ihn aber — sit venia ^verbo -— einseifen wollte, machte Victor Hugo plötzlich -eine großartige Handbewegung, als wollte er der ganzen machgeborenen Dichtergeneration den Krieg erklären und äußerte -mit bedeutungsvollem Pathos: „Einen Augenblick!“ .... Tann trat er an das Kafsenpult, ergriff ein Stück Papier, das dort lag, und begann mit einem goldknopfgekrönten Bleistift Verszeilen daraus zu kritzeln. Seine Lippen bewegten sich dabei murmelnd, .feilt linker Arm skandierte augenscheinlich die Versfüße in die -Luft, so daß alles in der Barbierstube ehrfurchtsvoll noch weiter iretirierte, um „die Geburt der Tragödie" nicht zu-stören. Auch Brassier wagte nicht, zu unterbrechen. Er zitterte aber-vor Ungeduld; denn der ganze Laden war mit Harrenden Klienten-gefüllt, von denen einige sogar noch die Post, die an der nächsten Straßenecke zur Abfahrt Bereit stand, benutzen wollten. . . Schließlich hielt -er es nicht mehr aus. „Verzeihen Sie, Meister Hugo," so kam es bebend über seine Lippen, „aber ich habe -heute sehr viel zu tun.“ — „Ich auch!" Ter Dichter war mit-dem lyrischen oder dramatischen Entwürfe anscheinend soweit zu Ende, griff nach Hut und Stock und stürzte, die Serviette, die -er vom Hglse losgerissen! hatte, wie ein Taschentuch in die -Manteltasche knüllend, wie ein Sturmwind davon . . . 'Eine halbe Stunde später waren die Kunden zum größten Teile bedient. . . < „Schnell, Kinder, schnell," rief Brassier zu einigen Gehilfen, -„jetzt heißt es', die Stadtkundschaft bedienen — wo ist die -Liste?" — Er suchte vergebens auf dem Kassenpulte. — „Wo ist die Liste?!" — Mille tonnerres — Victor Hugo hatte die -Rückseite des' Stadtkundenverzeichnisses' zu seinem lyrischen oder dramatischen -Wochenbette ent—entwürdigt, darf man wohl hier nicht sagen (bei der Stelle hätte Kainz liebenswürdig-mephistophelisch gelächelt) . . . Der Meister des messingenen Beckens fährt-wie der Blitz in Frack, Zylinder und weiße Weste und ebenso -rasch in die Wohnung des Meisters der romantischen Dichtkunst . . . Victor Hugo sitzt, dem Himmel sei Dank, am Arbeitstisch zwischen -einem verheißungsvollen Berg von Büchern, Manuskripten und Zetteln . . . Nach manchem Hin und Her gelingt es -dem geängstigten Gevatter Beckmesser endlich, sich Gehör zu verschaffen und dem' ganz in Seine Arbeit vergrabenen Gewaltigen den Zweck seines' Besuches lar zu machen. — Der dreht dich (o, der hoffnungsvolsen Freude) schließlich um Und schütteln seine weiße >Lockenmäh'ne: „Sie haben eine ganz miserable Rasierbude, worin einem1 jede Inspiration fehlt ober, wenn man -sie hat, wieder abhanden kommt . . . Ich habe das armselige, totgeborene Würmchen von Idee längst in den Ofen geworfelt ... - Ich verbitte mir jede weitere Störung . . . Nächstens entziehe ich Ihnen auch- meine Kundschaft!" , , . _______ Jul. B-r, G-n. Vermischtes. * Victor Hugo und seine Setzer. In der „Revue Hebdomadaire“ veröffentlicht Leon Barthou einige Briefe von Victor Hugo an Noel Parfait', ein-armes, aber gebildetes Mädchen, das die Korrektur seiner Werke las, -und der er äufs strengste eingeschärft hatte, keinem Menschen auch nur -ein Wort von dem Inhalt eines Buches- zu verraten, ehe -es auf dem Markte erschienen sei. Aus diesen Briefen geht -nun hervor, daß Victor Hugo geradezu der Schrecken seiner Setzer -gewesen sein muß. Nicht selten ließ er ganze Druckbogen -wieder auseinandernehmen, weil ihm der Raum zwischen den -einzelnen Worten und Versen nicht zusagte, und weil die Teilnahme-des Lesers, wie er fürchtete, durch einen ungleichmäßigen Truck beeinträchtigt werden könne. Besonders charakteristisch in dieser Beziehung ist ein Brief, den er im Jahre 1853, während des -Druckes seiner „Chatiments", an Noel Parfait schrieb und der-folgendermaßen lautete: „Wenn ein Vers so lang ist, daß -er den Raum einer Zeile überschreitet^ so darf er nicht etwa abgebrochen -und in der zweiten Zeile weitergedruckt werden, wie es gewöhnlich geschieht. In solchem Falle ist das Format des Buches -zu ändern. Ob ich den Setzern und Verlegern Unannehmlichkeiten Bereite, kommt dabei nicht in Betracht. Sie sollen die Aenderungen vornehmen -und keine weiteren Worte verlieren, da ich als -erste Forderung aufstelle, miß meine Verse so gedruckt werden, -wie ich sie geschrieben habe." Diese Forderung ging übrigens, wie wenigstens, Barthou versichert, nicht etwa auf die Eitelkeit des Dichters zurück, sondern änf feinen Wunsch,-aus jedem Bande seiner-Werke eine typographische Sehenswürdigkeit zu machen. c *1128 Mark für den Quadratfuß Land. Aus New 3)ort wird berichtet: Kürzlich ist in der amerikanischen Metropole der größte Grundstückshandel abgeschlossen worden, den die Geschichte New Ports bisher anizuweisen hat: eine von Cole- man Dupont organisierte Gesellschaft hat das Grundstück Broadway Nr. 120 gekauft, die Stätte, wo sich das int Januar nieder- gebrannte gewaltige Grundstück der Equitable Lebensversicherung erhob. Für das Grundstück ist ein Preis von rund 56 Millionen Mark festgesetzt worden, so daß auf den Quadratfuß etwa 1128 Mk. entfallen, ein Preis, den man in der New Porter Finanzwelt sogar als billig ansieht. Die Gesellschaft beabsichtigt, auf dem Grundstück eilten neuen 36 Stockwerk hohen Wolkenkratzer zu errichten, dessen Kosten auf 64 Millionen Mk. veranschlagt sind. Schon im Mai 1014 wird der nette Bau gebrauchsfertig sein. Wenn auch dieser neue Wolkenkratzer die Höhe des jetzt vor der Vollendung stehenden Woolworth-Turmes nicht erreicht, so wird es doch nach seiner Vollendung das größte Geschäftshaus der Welt jein. Die Architekten haben Pläne entworfen, die den jüngsten Gipfel amerikanischer Geschästshaiisbailkunst darstellen. Im Parterre sind prachtvolle Arkaden vorgesehen, mit großen Läden und breiten marmornen Treppenhäusern. Die Entwürfe zur Fassade zeigen ein bemerkenswertes Streben znr Einfachheit, die Einzel- foriiien lehnen sich an Renaissancemotive an, als Material für den Bau ist Stein, Backstein und Terraeotta vorgesehen. *®ie Korrespondenz Napoleons 1. Aus Paris wird berichtet: Der Chef der historischen Abteilung des französischen Generalstabs Oberstleutnant Ernest Picard und der Leiter des Kriegsarchivs Louis Tuetey haben soeben den ersten Band der unveröffentlichten Korrespondenzen Napoleons erscheinen lassen. Der stattliche Band von fast 800 Seiten umfaßt die Zeit von 1804 bis 1807. Die Veröffentlichung hat eine interessante Vorgeschichte. Bekanntlich wurde die Korrespondenz Napoleons bereits auf Befehl Napoleons III. in der Zeit von 1859 bis 1869 zum ersten Mal heransgegeben. Es war ein Riesemverk von nicht weniger als 32 Bänden und trotzdem war es unvollständig. In der Kommission, die mit der Ausgabe der Korrespondenz betraut war, hatten sich Meinungsverschiedenheiten ergeben zwischen den Mitgliedern, die alles veröffentlichen wollten und anderen, die die Dinge, die dem Ruhm des Gründers der kaiserlichen Dynastie einträglich sein konnten, unterbrütfeit wollten. Die letzteren erhielten Recht; die Kommission wurde durch ein kaiserliches Dekret vom 3. Februar 1864 aufgelöst und eme zweite unter dem Vorsitz des Prinzen Napoleon, des Vetters Napoleonslll., ernannt. Kein Mitglied der ersten war in die zweite hinüber genommen worden, in ihr herrschte unumschränkt die Ansttf;t des Prinzen, der die Auflösung der ersten mit allen Mitteln betrieben hatte und auf diese Tat sehr stolz war. Der Prinz und seine Kollegen richteten sich ganz nach den Wünschen Napoleons und beschränkten sich darauf, wieder zu geben, „was der Kaiser selbst veröffentlicht hätte, wenn ihm die Aufgabe zugefallen wäre, seine Person und fein System der Nachwelt aufzuzeigen". So find sehr erhebliche Süden in der kaiserlichen Korrespondenz entstanden, wodurch den Historikern die Arbeit sehr erschwert worden ist und es ist daher interessant, daß die neue offizielle Publikation diese Lücken ausfüllt. Sie will alle unveröffentlichten originalen Stücks der Korrespondenz Napoleons I. heranSgeben, die in den Kriegsarchiven aufbewahrt werden, „alle Stücke ohne Ausnahme) sobald sie nur vom Kaiser stammen." Der erste, jetzt erfchienene Band enthält fast nur Dinge militärischen Inhalts. Die Schriftstücke zeigen, wie der Kaiser sich auch um die geringsten Einzelheiten kümmerte, ohne sich jedoch darin zu verlieren und ohne die Herrschaft über die höchsten Fragen der Politik, der Staatsregierung und des Krieges einzubüßen. Es finden fiel) zahlreiche wichtige Dokumente über die Verwaltung, Verpflegung und Bewaffnung des Heeres, über die Verteidigung der festen Plätze des Reiches, die taktischen Operationen, die strategischen Anweisungen, die Organisation der Märsche, der Verbindungslinien des Heeres, die Verwaltung der eroberten Länder usw. — alles Dinge, die für den Geschichtsschreiber jener Zeit von höchster Wichtigkeit find. * Ans Zimmcr gefesselt. „Sie fragten vorhin bett Registrator Dusel, vb er schon wieder kneipen dürfe, ist er denn krank?" — „Das nicht, aber seit einem Vierteljahr verheiratet/ * Schießübung. ,,Na, Huber, ob Sie dort die Hütte' treffen würden. . .?" — „Nein, Herr Förster!" — „Zu toeit?/'; — „Nein. .Aber es ist keine Hütte, sondern ein Brunnen." Erganzungsratsel. '> W . n. . e .. m . au . g . sch . h ., . a. . ei ? e. a. d . rn . u., E . g .. ge . ie.. n w . h ., U.. g .. ge . en'.. n .. 11 Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Sole, Saale, Seele. Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,