Donnerstag, den 27. Juni iE 'i h'h'kKä ■ÄM1 gWMWW □nrffif W Die von Gründingen. Roman von Freiherr von Schlicht. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Gräfin fühlte es ihm ja nach, daß es für ihn ein eigentümliches Gefühl sein mußte, den altadeligen Geschlechtern jetzt bis zu einer gewissen Grenze gleichberechtigt und gleichgestellt zu sein! Vielleicht mochte er es auch empfinden, daß man über seine Erhebung in den Adelsstand doch einige spöttische und höhnische Bemerkungen gemacht hatte, daß man ihn noch nicht für so voll ansah, wie er es wohl wünschte. Und es nahm sie sehr für ihn ein, daß er ihr trotz seines neuen Namens mit alter Bescheidenheit gegenübertrat, nicht mit seinem Adel prahlte, die Bewohner des Schlosses nicht mit kardialer Herzlichkeit begrüßte, sondern daß er auch jetzt noch die Schranken anerkannte, die zwischen einem einfachen „von" und dem stolzen gräWchen und früher reichsunmittelbaren Geschlecht derer von und zu Gründingen bestanden. In Wirklichkeit hatte aber die Befangenheit und Unruhe des Landrates einen ganz anderen Grund, und wenn sich die Gräfin, im Gegensatz zu anderen Müttern, nie mit dem Gedanken beschäftigte, daß ihre Kinder auch jemals heiraten würden, schon deshalb nicht, weil nach ihrer Auffassung selbst der Höchstgeborene noch nicht gut genug für ihre Töchter war, so hätte sie vielleicht bemerkt, daß die unnatürliche Lebhaftigkeit des Landrats, die seiner Verlegenheit entsprang, dann am stärksten war, wenn er sich am lebhaftesten mit Alexa unterhielt--. Und sie hätte dann daraus doch vielleicht ihre Schliisse gezogen und dann ihrerseits nach einem Gummi gerufen, um den Bindestrich, der da zwischen den beiden anscheinend gezogen wurde, schnell und gründlich auszuradieren. — •— Die Freundschaft zwischen Alexa und dem Landrat war ebenso alt wie ihre Bekanntschaft. Als er auf Schloß Gründingen vor nunmehr zwei Jahren seinen Antrittsbesuch machte, hatte sie gleich an ihm Gefallen gefunden. Von hoher, vornehmer, eleganter Erscheinung, war er der Typus des modernen Beamten, der — im Gegensatz zu früher —nicht nur Wert auf umfassende Kenntnisse, sondern auch auf das Aeußere seiner Erscheinung legt, weil er ganz genau weiß, daß heute die Gabe und die Fähigkeit, nach außen hin zu repräsentieren, oft von entscheidendem Einfluß ist. Er war sehr reich und kannte sehr genau den Vorteil, der ihm auch hieraus für ein späteres Avancement zugute kam. Trotzdem aber war er doch nur so weit von dem Wert seiner Persönlichkeit durchdrungen, als er es aus praktischen Gründen der Oeffentlichkeit gegenüber für nötig hielt. Er hatte den Ehrgeiz, Karriere zu machen, aber er war kein Kriecher und kein Streber, im Gegenteil: er trat seinen höchsten Vorgesetzten mit derselben Ruhe entgegen, die er stets im Verkehr zur Schau trug, und dies hatte im Verein mit seinen Fähigkeiten und seinem Reichtum schon lange die Aufmerksamkeit der maßgebenden, oberen Kreise auf ihn gelenkt. Er war im Laufe der Jahre ein häufiger, gern gesehener Gast auf Schloß Gründingen gewesen, und er hatte in seinem mit allem nur denkbarer Luxus eingerichteten Heim, dem seine verwitwete Schwester Vorstand, auch die gräfliche Familie zu wiederholten Malen begrüßen und bewirten dürfen. Aber sonderbarerweise war die Freundschaft zwischen ihm und Alexa stets auf demselben Punkt geblieben, den sie am ersten Tag erreicht hatte. Sie hätten selbst nicht sagen können, woran das lag, vielleicht hatten sie auch beide nicht den Wunsch gehabt, daß ein wärmerer Ton zwischen ihnen Platz greifen möge. Aber mit Erstaunen, mit einer leisen Verlegenheit und Unruhe bemerkte Alexa jetzt, daß das in Zukunft anders werden zu sollen schien, daß er die Absicht habe, um sie zu werben, daß er nicht mehr damit zufrieden war, in ihr nur die Freundin zu sehen. Die Art und Weise, wie er sich im Gespräch meist an sie wandte, die Blicke, mit denen er sie oft von der Seite streifte, die Aufmerksamkeiten, die er ihr in jeder Hinsicht bewies, schienen ihr mit ihrer Vermutung recht zu geben. Uni) sie glaubte die Gewißheit dafür zu erhalten, als her Landrat jetzt erzählte, daß ihm eine schwere Trennung bevorstände. Seine Schwester stand im Begriff, sich wieder zu verloben und sehr bald zu verheiraten. Dann war sein Haus vereinsamt, und er mußte sich nach einer anderen Dame umsehen, die die Repräsentation übernahm. Alexa wußte, daß die Schwester die Schuld trug, daß der Landrat noch ledig war. Er hatte selbst oft scherzend davon gesprochen und erklärt: selbst wenn er eine Göttin an Schönheit, Klugheit, Anmut und allen anderen möglichen und unmöglichen Tugenden seiner Schwester zu- führen und erklären würde: das ist meine Braut, selbst dann würde sie sagen: die ist für dich noch lange nicht gut genug. Und sie würde ihm keine Ruhe lassen, bis er ihr zuliebe doch wieder frei und ungebunden dastand. „So hatte ich also doch recht, wenn ich annahm, daß er sich nur uobilitieren ließ, weil er sich verheiraten will," dachte die Gräfin. Aber auch da hatte sie unrecht. In Wirklichkeit hatte er einen ganz anderen Grund, der ihn veranlaßt hatte, darum zu bitten, daß ihm der Adel, der früher schon einmal in feiner Familie erblich gewesen war, von neuem verliehen werde. Er konnte sich nicht darüber täuschen, daß sein bürgerlicher Name ihm für eine Karriere, wie er sie sich dachte, doch ein Hindernis war. Gewiß, auch Bürgerliche brachten es zum Minister. Aber trotzdem: schaden konnte der Adel keineswegs, und damit war ihm auch die Möglichkeit gegeben, in die nächste Nähe der maßgebenden Persönlichkeiten zu kommen, mit ihnen in direkte Berührung zu treten. — ,3,94 — Er w ollte Karriere machen, weil er die Arbeit liebte, und weil ihn die praktische Verwendung seiner Kenntnisse und Fähigkeiten reizte, und da war ihm der Adel tun förderlich. Er begründete sein Gesuch mit der Motivierung, daß vor vielen Jahren in seiner Familie der hannoversche Militäradel erblich gewesen sei, daß er aber später von dem preußischen Heroldsamt nicht anerkannt wurde. Trotzdem hätte er vielleicht kein Gehör gefunden, wenn man nicht schon in Berlin au maßgebender Stelle auf ihn aufmerksam geworden wäre. Zum Teil hatte er allerdings auch Alexas wegen um den Adel nachgesucht. Als seine Schwester ihm vor einigen Monaten davon sprach, daß sie doch wohl dem Werben ihres alten Verehrers nachgeben werde, da war sein erster Gedanke gewesen, nun auch zu heiraten. Er hatte im Geiste Umschau gehalten unter allen jungen Damen, die er kannte und die für ihn in Frage kamen, und immer» wieder war er auf Alexa zurückgekommen. Eine bessere Frau als die, konnte er sich nach seiner Meinung gar nicht wünschen, aber er verkannte die Schwierigkeiten nicht, die sich ihm, dem Bürgerlichen, entgegenstellten, wenn er die Absicht zeigen würde, ernstlich um sie zu werben. Daß Alexa, falls sie ihn jemals lieben sollte, an seinem bürgerlichen Namen Anstoß nehmen würde, hielt er für ausgeschlossen, aber er kannte die starren Ansichten der Gräfin und den Einfluß, den sie auf ihren Mann ausübte, obgleich ■— oder vielleicht gerade weil der sein freier Herr War und tun ititb lassen konnte, was er wollte--. War er aber iwbilitiert, so würde die Gräfin ihn zwar auch noch nicht als ihresgleichen ansehen, aber dann war doch wenigstens die Möglichkeit vorhanden, daß sie sich mit Würde in das Unvermeidliche fügen würde. Natürlich war der Landrat auch Leutnant der Reserve. Er hatte bei einem sehr feudalen Kavallerieregiment gedient, und trotzdem er damals nichts in die Wagschale zu werfen hatte, als seinen bürgerlichen- Namen und seine Millionen, war er doch bei seinem alten Regiment Offizier geworden, und er erzählte jetzt von einem Herrenabend, den er noch vor wenigen Tagen dort mitgemacht hatte. Auch zwei königliche Prinzen hatten daran teilgenvmmen, und von denen kam das Gespräch auf den Hof, auf einige neue harmlose Kaiseranekdoten und schließlich auf die Vorliebe des Herrschers für den Automobilsport. „Sie werden sich schon auch noch bekehren lassen, Herr Baron," meinte der Landrat. „Oder stehen Sie dem modernen Kraftwagen noch immer so ablehnend gegenüber wie damals, als wir am ersten Tage unserer Bekanntschaft davon sprachen?" „Sie haben mich ganz falsch verstanden, Herr Landrat. Ich habe die Wichtigkeit des Automobils nie verkannt, aber keine, selbst nicht die schönste Automobilfahrt bietest mir einen Ersatz für das Vergnügen, ein paar feurige Jucker zu lenken, — oder nun gar erst einen schönen Gaul zu reiten." „Ganz meine Ansicht, lieber Baron," stimmte der Graf ihm bei, „und ich meine: wir alten Kavalleristen haben die Pflicht, die den Gäulen gelobte Treue bis an den Tod zu halten, und wer seinen Pferden die Beine abschraubt und sie auf Kammer gibt, der sündigt an dem herrlichsten Geschöpf, das der liebe Herrgott nächst dem Menschen hat auf tue Welt kommen lassen." „Bravo, Herr Graf," rief der Baron. Aber der Landrat erhob abwehrend beide Hände: .Meine Herren, verzeihen Sie das harte Wort: Sie reden von Dingen, die Sie nicht verstehen. Sie, Herr Graf, Haben mir zu wiederholten Malen erklärt, keine Macht der Erde brächte Sie je in ein Automobil, und Sie, Herr- Baron, sagten einmal: ich vermeide es soviel wie nur möglich, mich in ein Auto zu setzen. — Ja, meine Herren, wre wollen Sie denn da Freude und Lust an dem neuen Sport bekommen, wenn Sie ihn gar nicht pflegen? Wie soll rch Sie denn da bekehren?" „Aber wir wollen uns doch auch gar nicht bekehren lassen, tiefen der Baron und der Graf fast gleichzeitig, uw> der Graf fing noch einmal an: „Wir alten Kavalleristen — —" , ,.r das Wort sehr schön, er berauschte sich gewissermaßen daran, und sicher hätte er eine begeisterte {Rehe über seine kavalleristische Tätigkeit gehalten, trotz- I deüi 'er sie, solange er im Dienst war, täglich verwünschtet wenn der Landrat ihü nicht unterbrochen hätte. , „Ich bin doch auch Kavallerist gewesen, Herr Graf, Seine Majestät ist doch auch ein leidenschaftlicher Reiter. Ich erinnere Sie nur an seine Teilnahme an den Parforcejagden und an die großen Kavallerieattacken, die er in jedem Manöver selbst anführt. Aber das eine schließt doch das andere nicht aus. Ich will Ihnen sogar entgegenkommen, Ihnen gestehen, daß ich mir das Automobil zuerst nur kaufte, weil es Mode war und weil ich es satt hatte, mich danach fragen zu lassen, wann ich mir einen Wagen kaufen würde. Aber seitdem ich ihn habe, liebe ich ihn mit allen Fasern meines Herzens." „Und Ihre schönen Gäule stehen unterdessen im Stall und bekommen dicke Beine," schalt der Graf. „Sie werden steif und lahm, —-. es ist ein Jammer." Der Landrat wurde ein klein wenig verlegen: „Sie haben vielleicht recht. Das Klügste wäre es schon, die Tiere zu verkaufen, — aber ich kann mich doch nicht von ihnen trennen. Sie wissen übrigens, Herr Baron, daß Sie mir noch einen Besuch schuldig sind, — eigentlich weniger mir, als meinem Stall. Es würde mich aufrichtig freuen,- Ihnen meine Pferde einmal vorreiten und vorfahren zu lassen. Wenn es Ihnen recht ist, lasse ich Sie einmal zu mir abholen. . Mein Kutscher wird froh fein, wenn er mal endlich wieder jemand fahren darf." Der Baron erklärte sich sehr gern zu dem Besuch bereit, dann aber fragte er: „Ist es nicht auch ein Unrecht gegen ^ren Kutscher, daß Sie Dem gar keine Arbeit mehr geben? Er verlernt das Fahren, nnd wenn es später ein Unglück gwt, — was dann? Auch die Pferde wollen täglich im Geschirr gehen; spannt man die nur alle paar Wochen ein, dann werden sie unruhig und machen Dummheiten." „Mit mir nicht!" rief der Landrat, „ich setze mich nicht mehr rein in den Wagen, das geht mir lauge nicht metjr schnell genug. Aber wissen Sie — so dahiuzusausen auf inenschenleerer Chaussee — hast du, was kauust du — unnier noch etn bißchen schneller — es sieht's ja keiner —. Na, und wenn schon! Wenn mich- einer wegen zu schnellen Fahrens anzeigt, daun bestrafe ich mich selbst, aber natürlich verhöre ich vorher den Angeschuldigteii, und Meisters bin ich dann dazugekommen, mich freizusprechen und die von nur gegen mich selbst erhobene Anzeige als unbegründet zurückzuweisen." Alle lachten. Aber der Landrat widersprach: „Ich meine das ganz ernsthaft, meine Herrschaften; beim ich werbe boch nicht das Gesetz umgehen! Einmal habe ich Mich auch zu hunbert Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibnngs- falle für je zehn Mark zu einem Tag Haft, verurteilt — „Und haben Sie gesessen?" rief Alexa lustig. „Ich wollte sitzen, Komtesse, denn ich war gerade damals sehr erkältet und konnte sowieso nicht aiisgehen. Aber bevor ich meine Strafe antrat, legte ich gegen meine Verurteilung bei mir selbst Revision ein und kam dann doch zu einem Freispruch. Die hundert Mark schenkte ich aber trotzdem an demselben Tage einer armen Familie; denn gerecht, wie ich nun einmal bin, kam ich zu der Ucberzeügung, daß ich wenigstens die Kosten des Verfahrens auf mich nehmen müßte." Dann kani das Gespräch wieder auf das Automobil und die Pferde zurück, und Alexa rief plötzlich: „Herrgott, Herr Landrat, jetzt könnten Sie mich doch! wirklich mal zu einer Automobilsahrt abholen! Früher ging es ja nicht« wir hatten ja keine Anstandsdame. Ihre Schwester fährt nicht, Mama wollte nicht, Dagmar auch nicht, von Papa gar nicht zu reden. Nun aber geht es: der Baron muß mit! Das ist famos!" Und in freudiger Erregung klatschte w vergnügt in die Hände: „Nicht wahr, Herr Baron, Sie mb fein Spielverderber?" Der stimmte lachend bei: „Wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kann, gern. Aber hoffentlich fährt Komtesse Dagmar auch mit, denn wenn Sie vorn sitzen — und das tun Sie, soweit ich 'Sie kenne, ganz sicher, dann mmi ich während der ganzen Fahrt den Mund halten« rnd das ist langweilig." nUd sich an Dagmar wendend« fragte er: „Könnten Sie sich nicht auch entschließen, mit- zufahren, Komtesse?" , „Unter keinen Umständen. Bitte, geben Sie diesen Gedanken ganz aus." ' Vielleicht besinnen Sie sich doch noch eines anderen« Komtesse. Sie haben mir ja bisher stets die Freude ge« 395 macht, alle meine Bitten zu erMlen. Sie Verden es auch dieses Mal tun" Er stand neben ihr und sprach bas Wort so leise, daß die anderen^ die leWast plauderten, sie nicht verstanden. Sie sah mit haßerfüllten Augen in sein übermütiges und überlegen lächelndes Gesicht und knirschte wieder leise mit den Zähnen. (Fortsetzung folgt.) Die Reformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals landgräflichen und ritterschaftlichen Orten der östlichen und südöstlichen Vogelsbergs. Von Pfarrer Zinn in Herbstein, (Fortsetzung.) Alle evangelischen Pfarrer wurden abgesetzt und vertrieben und durch katholische Priester Zersetzt. Die widerspenstigen Gemeindeglieder wußte man durch schwere Geldstrafen und Androhung gleicher Ausweisung zum Gehorsam zu zwingen., Mit solchem Eifer gingen die Kommissare zu Werk, daß ste in der kurzen Zeil vom 26. Februar bis 26. März 1603 bereits die meisten Kirchen in dieser Weise mit Erfolg „visitierten". , £ne und da, wie z. B. in Hammelburg, mußten erneute Jesuiten- missionen unter dem Schutze der gewappneten Hand und strenge kaiserliche Mandate nachhelfeu. Doch verließen viele lieber Haus und Hof als ihren ©tauben. Im Städtchen Hammelburg allem gingen an 100 Evangelische um ihres Glaubens willen ins Elend. Auch nach Lauterbach kamen damals viele um ihres Glaubens willen aus solchen fuldischen Orten Vertriebene und baten um Aufnahme. Ende 1604 war das „Bekehrungswerk" der Hauptsache nach vollbracht. Rühmend konnte Papst Clemens VIII. un öffentlichen Kardinalskollegium als Verdienst Balthasars her- v'orheben, daß er seit seiner Wiedereiiisetzimg 20 000 Seelen zur katholischen Kirche zurückgeführt habe. Doch darf zum besseren Verständnis dieser Erfolge eins nicht verschwiegen werden. Zur selben Zeit nämlich, in welcher der Abt sein Bekehrungswerk unter kaiserlichem Schutz zu Ende führte, ernannte er den betuch- tigtcn Balthasar Nuß zum Zentgrafen in Fulda und ubertrug ihm zugleich die Direktion in peinlichen Mut- und Zaubersachen. „Seit dieser Ernennung", heißt es in der , Buchoma Zwengers (1882 Nr. 2), „trat in dem Lande Fulda eme Hexen- versolgung ein, welche in dem Zeitraum von nur 3 Zähren gegen dritthalbhundert Unglücklichen das Leben kostete. 5) Nach einem Eintrag in der Herbsteiner evüngel. Pfartchronik sah um das Jahr 1860 der damalige Herbsteiner Pfarrer Stock im Besitze des dortigen Laiibrichters Weidig eine alte, von einem ehemaligen Freiensteinauer Lehrer und Pfarrer geschriebene Chronik/) in welcher berichtet sei, daß Balthasar „schlechte Laien und Priester zurückreformierte", sein „Land mit dauernder Strenge leitete" und „obgleich in den Fasten"?) doch an einem Tage 7 arme Weiber wegen Hexerei habe verbrennen lassen und tu seiner letzten Regierungszeit „über die Maßen viel Manner und Weiber wegen Zauberei" habe brennen lassen. Ferner berichtet diese Chronik: Balthasar habe im ganzen Stift große persecutiones (Verfolgungen) verübt, und „wie er manches betrübte Herz und Gewissen gemacht, weiß männiglich". Bezeichnelid für den Haß, mit dem dieser Restaurator bei seinem plötzlich 1606 erfolgten Tode allgemein bedacht wurde, ist die Notiz desselben Freiensteinauer Chronisten, daß die Ritter sich weigerten, ihn zu Grabe zu geleiten, und daß das Volk sich erzählte, „die Zunge habe ihm einem wütenden Hunde gleich spannlang aus dem Hälfe gehängt", während ein Jesuit ihm „die Leichpredigt latme (lateinisch) geredt habe". Selbst die katholische Fulder Chronik, die 1839 zu Vacha gedruckt wurde und Balthasar lobt, Lr habe im In- und Ausland das größte Ansehen gehabt und sei mit dem Ruhmesdeukmal ewiger Verdienste gestorben, gesteht natu: ^Wenn sonst Würde und Frömmigkeit auch den unbarmherzigsten Krieger besänftigen, so lehrt uns hier die Erfahrung, daß es auch Ausnahmen gibt." Jedenfalls steht fest, daß Fürstabt Balthasar von Dernbach eine ungewöhnlich begabte Herrschernatur war, voll glühender Begeisterung für die katholische Religion in ultra- montan-jesuitischer Ausprägung. Unbekümmert durch sein in echtjesuitischer reservatio mentalis feierlich bei seinem Regierungsantritt reversiertes Versprechen: „So gerebelt wir mit Kraft dieses Briefes, was dieselben von Fulda rechtliche, nützliche und löbliche Freiheit und Herkommen von Alters gehabt und hergebracht 6) Nach Hattendorf a. a. O. Vgl. das „Fuldaer Historienbüchlein" des Domkapitulars Dr. Malkmus und die Gesch. der Hexenprozesse von Soldan, neu bearb. von Heppe. «) Nachfrage nach dem Verbleibe dieser Urkunde waren bis jetzt, ergebnislos. , .! . ’) Tie österliche Beichte und Kommunion, die bevorstand nnd anbefohlen wurde, faiid gerade unter den Frauen große Ablehnung haben, daß wir sie, ihre Erben und Nachkominen auch fürder dabei lassen uttb nach unserm Vermögen dabei handhaben und schirmen wollen ohne alle Gefährde", hat er, der Mahnung des Papstes Pius V. folgend, die Wiederherstellung des katholischen Glaubens und die Ausrottung des ihm verhaßten Protestantismus im Lande zu seiner Lebensaufgabe geuiacht. Mit einer Energie, die durch keine Schwierigkeiten und keine Enttäuschungen, selbst durch jahr- zehiitelange Verbannung, .nicht zu ermüden war, hat er sich für diesen Plan eingesetzt. Jedes Mittel, das Erfolg versprach, ist ihm recht gewesen. Menschliche Rücksichten, Billigkeitsgefühl und Erbarmen kannte er nicht. Sein Leben verzehrte sich in dem Streben nach dem einen Ziel, das er sich gesetzt hatte, und wie er zu Grabe ging, da war auch in Fulda und dem ganzen fuldischen Lande alles evangelische Leben in seiner Blüte geknickt und hoff- pungslos zu Grabe gegangen. 7. Wie Herbstein wieder katholisch wurde. Als eilt'damals unmittelbar dem Fürstabt Balthasar unterstelltes Städtchen ist auch Herbstein in den Jahren 1603 und 1604 eilt Opfer der int vorigen Kapitel beschriebenen Gegenreformation geworden. Dafür können ivir zunächst ein gut katholisches. Zeugnis anführen, nämlich den nachmals zum Erzbischof von Freiburg gewählten Bischof Dr. Komp von Fulda. Dieser Kirchenfürst gab, als er noch Regens des Fuldaer Priesterseminars ivar> ein anonymes Schriftchen ohne Datum heraus mit dem Titelr „Balthasar von Dernbach, genannt Gräuel, Fürstabt von Fuldaj und Professor Dr. Heppe zu Marburg."') Tas Schriftchen wollte eine Widerlegung Heppes sein und nachweisen, daß die Rückkehr zum Katholizismus in der Abtei Fulda nicht durch obrigkeitliche Gewalttätigkeit, sondern allein durch die lesuttiscm „Pre- bigt des Wortes Gottes" und „aus freiem Willen der Bevölkerung" sich vollzogen habe. In Wirklichkeit aber ist die, Broschüre, die her Verfasser, dem sicher archivalisches Material zu Gebote stand, bezeichnender Weise nicht mit seinem Namen decken wollte, eine großartige Rechtfertigung Heppes; denn ste fuhrt ettte Menge Einzelheiten an, die, nicht durch die: Brille der befangenen und tendenziösen ultraniontanen Geschlchtsdarstellung/ sondern vorurteilslos im Lichte der geschichtlichen Wirklichkeit betrachtet, ebensoviele Zeugen für die Richtigkeit der Darstellung Heppes sind. So erzählt Komp z. B. von dem Verlauf der Gegenreformation zu Hammelburg, daß der neue Pfarrer und sein ^efutt dort Widerstand fanden, daß wiederholte Gesandtschaften und Jesuitenmissionen nötig wurden. Ganze 12 katholische Kommunikanten waren der Erfolg! Man nahm die Renitenten zur Ctnzel- befragung vor im Beisein des Amtmanns und Priesters, und, als alles nichts half, zog man ein Dekret des Kaisers Rn^ls heraus unb setzte eine Frist von mehreren Monaten, in welcher die Evangelischen entweder ihren Glauben oder dem Vaterlande entsagen sollten. Etwa 100 wanderten aus! Das Merkwürdigste aber ist, daß diese 100 Glaubenstreuen von Komp als ^rneift im Vermögen zurückgekommene, übelberüchtigte und der Magie ergebene (!) Leute" bezeichnet werden. Das Vermögen war ihnen in Wirklichkeit wohl durch obrigkeitliche Strafen für ihren Ungehorsam entzogen worden. Nun nahm man ihnen auch noch den ehrlichen Namen, indem Man sie der„Magie bezüchttgte, und wären sie nicht ausgewandert, dann hätte man ihnen sicher auch noch unter dem Vorwande der Hexerei grausam das Veben genommen. Wie ein frivoler Hohn auf ine geschichtliche bittere Wirklichkeit klingts, wenn Komp im Blick 'auf diese Ereignisse pathetisch schreibt: „Wer kann hier mit Heppe von Gewalttätigkeit reden? Kein Soldat, kein Schwertstreich, nur die Predigt des Wortes Gottes und die Gnade von Oben!" Man sieht an diesem Beispiel Kompscher Geschichtsdarstellung, daß emer reich an kirchlichen Ehren, aber arm an Liebe sein kann, an Siebe zu Andersdenkenden und an Siebe zur geschichtlichen Wahrheit. Dieser so beschaffene Autor gibt nun auf Sette 27 feiner obengenannten Broschüre auch eine Darstellung über den Verlauf der Gegenreformation Balthasars in Herbstein, die uns wegen der bann enthaltenen, offenbar auf alte protokollarische Aufzeichnungen zuruck- gehenben Einzelheiten interessiert. Sie lautet wörtlich: „Als ein Jesuit nach dem durch Berge und Wälder von ber übrigen! Abtei getrennten Städtchen Herbstein kam, das sich noch lange bent alten Klauben erhalten hatte,-) und seinen Austrag») mit- gcteilt hatte, — predigte et und feierte da er noch die heiligen Gewänder vorfand, die hl. Geheimnisse/) denen die Burger still und aufmerksam beiwohnten. Dem nachfolgenden Pfarrer erklärten die gutherzigen Leute, sie glaubten ihr Seben nach beit i) Die Broschüre findet sich in der Ständischen Bibliothek äU ^Der offizielle Heb er tritt Herbsteins zumLuthertum geschah, wie wir in Kap 4 sahen, int Jahre 1548. Die prattstche Durc^ führung der Reformation in Lehre und Kultus aber ließ ich erst von 1558 an verwirklichen, als Valentin Eckhardt als erster evangelischer Pfarrer aufziehen konnte. , 3) Gemeint ist die Verlesung des Religionsedikts Balthasars vom 24. Februar 1603. Da diese! Visitationen nach Komp bereits am 26. März vollendet waren, so muß bet Jesuit zwischen diesen beiden Terminen nach Herbstein gekommen fern, *) d. h. die Mesfe. 396 Lehren ihrer Obrigkeit eiurichten zu müssen, — die Rathsglieder folgten später nach." Dieser Bericht ist nicht nur interessant durch das, was er erzählt, sondern auch durch das, was er — verschweigt. Man könnte gerührt sein über diese „gutherzigen Leute", wenn nicht der Satz: „Die Ratsherrn folgten später (!) nach", zu denken gäbe. Die Ratsherrn sind doch sonst der Mund der öffentlichen Meinung. Warum zögern sie und erklären nicht auch sofort freudig ihren Heber tritt zum Katholizismus, wenn doch die übrige ganze .Gemeinde es so leichten Herzens tat? Oder sollte feier Uebertritt des gemeinen Volkes vielleicht auch nicht so gutwillig und harmlos sich vollzogen haben, wie Komp es darstellt? Zum mindesten fällt auf, daß der Jesuit sich einen neue n Pfarrer „nachfolgen" läßt. Man fragt sich: was ist aus dem alten seitherigen evangelischen Pfarrer geworden? Und klingts nicht wie eine Bestätigung der Hcppeschen Geschichtsdarstellung, daß die Rekatholisieeung der Bewohner der Mtei durch starken obrigkeitlichen Druck erfolgt sei, wenn Komp selber naiv berichtet, die Leute hätten dem von der Obrigkeit ihnen gesetzten neuen katholischen Pfarrer erklärt, sie glaubten ihr Leben nach den Lehren ihrer Obrigkeit (!) einrichten zu müssen (!) ? (Fortsetzung folgt.) vom Zohanniterturm zu Nidda. Ein altes Wahrzeichen von Nidda ist der Johanniterturm, der Rest einer ehemals katholischen, wahrscheinlich 1492 erbauten und im 30 jährigen Krieg zerstörten Kirche. Der unterste, gewölbte Teil des Turmes diente offenbar früher als Sakristei: auf 'den Turm gelangte man von der Empore der Kirche aus. Ms die Kirche zerstört war, durchbrach man, um an die 3 Glocken zu gelangen, welche peute noch allsonntäglich geläutet werden, das Gewölbe und stieg auf einer Leiter, später einer engen Treppe, nach dem Glockenstuhl. Zur Johanniterkirche waren seinerzeit der sog. Johanniterhof, ein Teil von Nidda und Wallernhausen (als Filial) eingepfarrt. Auf diesen „Gehannstnrm", wie ihn die alten Niddaer nennen, sollte in diesen Tagen ein Blitzableiter angebracht werden, um den Turm selbst und auch die Umgebung vor Blitzschlag und Feuersgefahr zu schützen. Als man am Turmhelm die Haken festmachen wollte, erwies sich das Holzwerk als teilweise vermürbt. Es war eine Reparatur nicht zu vermeiden. Dachdeckermeister Orth von hier errichtete in wenigen Tagen am oberen Teil des Turmes ein.Gerüst, das bis zum Helm reickste und nahm Knopf, Kreuz und Hahn ab. In dem Kopf befanden sich 2 Aktenstücke und ein kleines Blatt. Die Stücke stammen aus 1796 und 1804. Im ersten Aktenstück wird berichtet, wie der Steinbccker- meiltcr Löwenstein eine gründliche Reparatur vorgenommen, bei der auch Knopf, Hahn und Kreuz abgenonnnen und später wieder eingesetzt worden seien. Es wird weiter gemeldet, wie während des Umbaus das Geläute unterbleiben mußte, und welche Freude zu Ostern die Einwohner empfunden hätten, als die Glocken wieder ihre ehernen Stimmen hätten erschallen lassen. Ferner werden interessante Mitteilungen gemacht über die durch den französischen Krieg hervorgerufene Teuerung. So kostete ein Achtel Korn 16 Gulden, Gerste 12, Weizen 36, Hafer 12. Rindfleisch das Pfund 14 Kreuzer, Schweinefleisch 14 Kr., Schaffleisch 12 Kr., 1 Eh 1 Kr., das Pfund Blitter 40 Kr., das Pfund „Kees" 14 Kr. (das war damals teuer — man berechne es heute, den Kreuzer gleich 3 Pfennige!!) Auch von ansteckender Krankheit wird berichtet, welche damals grassierte. Ferner werden die damals amtierenden Pfarrer, Lehrer, Ratsherrn usw. notiert. B om Jahrel804 wird folgendes berichtet: Der 20. Juli, Nachdem die Nacht hindurch viele Gewitter umhergezogen waren, dre nm so mehr Unruhe verursachten, weil seit einiger Zeit manche traurige Nachricht von Hagel- und Wasserschaden bekannt wurde, kam gegen 2 Uhr des morgens ein abermaliges Gewitter von Norden her über die Stadt gezogen. Plötzlich erfolgte ein heftiger Schlag und beim anbrechenden Tag sah man, daß unser Zo- hanniterturm hart davon beschädigt sei. Der Strahl fuhr auf den Wetterhahn, schmelzte die Spitze der Federn etwa *4 Zoll breit, lief an der Stange des Kreuzes hinunter und fuhr am Stiefel des Knopfes heraus (wo er unten zwei Löcher schmelzte) und von da nach der Nordseite des Turmdaches, welches an dieser Seite an zwei Flächen ganz abgedeckt, alle Latten und Dielen und sogar vier Sparren weggeschleudert wurden. An der Mittagsseite wurde ein Stück von Schiefersteinen entblößt. Hingegen 30 Schuhe vom Knopf herunter war der Turm ringsum ganz abgedeckt, die Sparren auseinandergerissen, daß das Kreuz nicht mehr seststand. An zwei Seiten der Maner sah man von außen Blitzbeschädi- gungen, in etlichen Rissen, von der Sandbank waren ein paar Stücke abgeschlagen und an zwei Bäumen, welche anchieser Maner standen, alle Blätter versengt. An der mittleren Glocke auf der Nordseite war das Joch zerrissen und vier eiserne Bänder weggeschleudert. Der Strahl fuhr nördlich an der Glocke vorbei, daß der Name Stephan (D. Glockengießer) weiß geschmelzt ward. Ein Teil des Glockenstnhls der atideren Glocken war zersplittert und am Rand der Glocke drei kleine Knöpfchen zusammengeschmelzt. „So oft (schreibt der Verfasser) wir die Glocken läute» hören, wollen wir dem großen Erhalter im Himmel danken und auch Unsere Kinder zum Dank darüber anweisen, daß unsere schöne» Glocken unversehrt blieben und der Blitz keines von unfern Häusern anzündete. Die Reparatnrkosten, welche mit großer Bereitwilligkeit die Kirchspielgenossen übernahmen, betragen in allem 320 Gulden. Steindecker Löwenstein vollführte auch dieses Mal die Arbeiten. Bon den Z e i t v er hä l t n i s s e n heißt es: Unsere Zeiten sind jetzt wieder besser als 1796. Wir leben in Frieden und haben auch wieder wohlfeile Zeiten. Das Achtel Korn kostet 7—8 Gulden, das Pfund Ochsenfleisch 10 Kreuzer. Unsere diesjährige Ernte ist zwar nicht die allervollkommenste, aber doch sehr gut gewesen: es gibt auch ziemlich Obst, besonders außerordentlich viel „Quetsche". Und was noch hinzukommt, ist die Gnade Gottes,, die uns vor allem Schadeil bewahrt hat. „Er hat gesorgt, bewacht, geschützt und alles wohl bedacht, gebt unferm Gott die Ehre." Der Herr bewahre unsere Kirche und Wohnungen ferner vor Schaden und lehre uns öor. ihm wandeln, damit er unser Schild und Lohn bleibe. Es folgen eine Reihe von Namen von Beamten und Bürgern, z. B.: Sell, Ellcnberger, Sellheim, Rübe, Schneider, Erk, Bechtold, Kirchhof. Die Pfarrer waren: Thudichum, Victor, die Rektoren: Becker, Gombel, Präzeptor: Schlapp. Vermischtes. * Engli! che S t u d e n t e n st r e i ch e. Während in Deutschland der industrielle Geist der niodernen Zeit Schritt um Schritt die alte Burschenhcrrlichkeit einengt und den Uebermut der fröh- lichen akademischen Jugend immer mehr auf wenige kleine llui- versitätsstädte begrenzt, sind bei den Studenten Englands, ganz besonders aber in Cambridge lustige Streiche noch heute an der Tagesordnung, und am meisten amüsiert sich das heilere Volk der Musen jünger, wenn es dabei gelingt, die würdige Obrigkeit einmal gründlich hineinzulegen. Von einem solchen wohlgelungenen Streiche der Studenten von Cambridge berichtet Silvia Braghi im „Emporium". Ter Fall liegt bereits einige Jahre zurück und ereignete sich während des Aufenthaltes des Sultans von Sansibar in London. Eines Tages erhielten die Universitätsbeliördeu, sowie der Bürgermeister die Nachricht, daß der Sultan inoffiziell der berühmten Universitätsstadt einen Besuch abstatten ivolle. Sofort kam hastiges Treiben in das sonst so gemächtiche Leben des alten Cambridge. 'Rektor und Bürgermeister überboten sich an auf- geregtem Eifer, und mau organisierte schleunigst einen würdiavr Empfang der afrikanischen Majestät. Eine Musikkapelle begann zu proben, ein Frühstück im Rathanse wurde vorbereitet, man appellierte an die Begeisternngsfähigkeit der Studenten, die nnf- gefordert wurden, nach Kräften zu einem würdigen Empfange des erlanchten Gastes beizutragen lind dann kam der große Tag: genau zur festgesetzten Stunde traf die schwarze Majestät, von zwei Sekretären und einem Dolmetsch begleitet, in Cambridge ein, wurde mit Musik empfangen, bestieg unter dem Jubel der Menge die bereitstehcnde Equipage und dankte für alle Kundgebungen durch eine merkwürdig tie’e Verneigung des ganzen Oberkörpers. Man lud den Siiltan auch ein, einem Gottesdienst in der Kapelle des Kings College beizmvohnen, aber der Herrscher von Sansibar schien diese Einladung nicht günstig aufznnehmen ; der Dolmetscher erklärte daun, es vertrage sich nicht mit den Ueberzengungen Seiner ’Dtajeftät, als Besucher die heiligen Tempel von Gläubigen einer anderen Religion zu betreten. Diese taktvolle Anschauung des Sultans rührte den Bürgermeister tief. Am Abend reiste der hohe Herr daun unter den Iubelrnseu der Bevölkerung ab. Wie groß aber war am nächsten Morgen der Schrecken und die Empörung des würdigen Herrn Bürgermeisters und der ehrbaren Herren Stadtväter von Cambridge, als sie ans Londoner Blättern ersahen, daß der echte Sultan von Sansibar an dem betreffenden Tage als Gast in einem der königlichen Schlösser geweilt hatte. §!at-Aufgabe. Hinterhand spielt Treff-Solo auf folgende Karten: Das Spiel geht verloren, obwohl noch 21 Augen im Skat liegen. — Wie saßen die Karten imb wie mußte gespielt werden? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Eger, Eber, Neger. Redaktion: K. Neura tb. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Uninersstäm-Buch- und Steindruckerei, N. Lang«, Giejr»