MW Der König von Thule. Roman von Paul Grubern. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Junge war doch auch kein Baby mehr, sogar von einer recht robusten Gesundheit im allgemeinen. Da würde die kleine Erkältung oder Magenverstimmung bei ihrer Abreise ja längst wieder behoben sein. Der Lehrer, bei dem er in Pension war, war ja auch ein sehr sorgsamer, verlässiger Mann, ein guter Arzt war auch zur .Hand — sie konnte also wirklich wohl wieder ganz ruhig sein. So scheuchte denn also Frau Söllnitz alle Besorgnisse hinweg, und eilig schritt man nun dem Pferdedepot zu, wo der Aufbruch zum Ritt nach den heißen Quellen erfolgen sollte. Allerdings hatten sie sich durch ihre Wege eben stark verspätet; aber hoffentlich war die übrige Gesellschaft auch nicht so pünktlich gewesen. Diese Hoffnung trog indessen. Als die drei am Rendezvous ankamen, war die Reiterkavalkade längst davon; nur ein Dutzend der isländischen Ponys stand noch in dem Gehege, daneben eine Gruppe von Männern, die sie bewachten. „Was mut?"' Fragend sah> der Regierungsrat die Leidensgefährten an. „Das ist mir aber furchtbar peinlich, daß ich die Herren nun noch um das Vergnügen gebracht habe," bedauerte Frau Söllnitz.1 „Wer bitte!" beruhigte sie Görtz. „Doch was sangen wir irun an in dem Stumpfsinnsnest Reykjavik?" Gelangweilt sah er die in der Tat nicht sehr amüsante, schnurgerade, ungeflasterte Straße hinab, zu beiden Seiten die niedrigen, barackenförmigen Wellblechhäuschen mit ihren unansehnlichen Fassaden. - „Wir wollen doch erst mal sehen, ob wir nicht noch nachreiten können. Ich werde einfach hier mal nach dem Weg fragen," meinte der Leutnant. Er wollte doch seine eleganten breeches und gelben, lackledernen Reitgamafchen nicht umsonst angezogen haben; auch hatte er sich bereits mit einem hübschen Jfabellenpferdchen streichelnd vertraut gemacht. „Holla!" wandte er sich an die Leute, die, ohne sich, um die Fremden zu kümmern, bei!den Tieren standen. „Wär so god — wer ar den vej til warme Killen?" redete er sie mit seinem eigenartigen Dänisch an, das er an Bord aus einem kleinen Reiseführer gelernt hatte, und auf das er nun nicht wenig stolz war. Aber die Leute verstanden ihn nicht. Nach einigen werteren resultatlosen Versuchen, gab er, ärgerlich werdend, die Sache auf. Suchend blickte er um sich. Seine schnarrende Leutnantsstimme hatte mit ihren ungewohnten Lauten noch einige Personen aus dem Laden des Hauses gelockt, vor dem sich das Pferdegehege befand. Es waren drei Männer oder Herren, von denen namentlich der eine, ein hochs- gewachsener Mann, in seinem englischen Touristenanzug mit Kniehose und Reitgamafchen ganz „zivilisiert" aussah. „Ob ich den fremden Etranger da mal frage?" wandte sich Kreßmann halblaut an Frau Söllnitz. „Aber es ist offenbar ein Englishm-an, und Englisch kann ich nicht. Würden Sie nicht so liebenswürdig sein, gnädige Frau?" Er wußte, daß sie sehr gut englisch sprach. Frau Söllnitz fühlte sich als Reisekameradin zur Aushilfe verpflichtet; um so mehr, als die Herren ihretwegen ttnt den Ritt zu kommen drohten. So näherte sie sich denn den drei Herren auf der Schwelle des Geschäfts, die, offenbar von ihnen sprechend, herübersahen, und redete den mutmaßlichen Engländer in seiner Muttersprache an. Dieser aber zog, unter höflicher Verbeugung, seine Reitmütze und erwiderte, die Stufen herunterkommend: „Ich spreche nur mangelhaft englisch; aber ich sehe, Sie sind Deutsche; so verständigen wir uns wohl so am besten. — Sie wünschen den Weg zu wissen, den Ihre Reisegefährten geritten sind? Ich könnte ihn Ihnen wohl sagen, aber Sie würden sich kaum zurechtftnden. Doch wenn es Ihnen recht ist, geleite ich Sie bis an die „Warmen Quellen" — ich wollte ohnehin selbst jetzt ausbrechen." Höchst angenehm überrascht, einen so gut deutsch sprechenden Helfer in der Not gefunden §11 haben, der sich sogar gleich als Führer anbot, dankte Fran Söllnitz herzlich. „Wer, wenn wir Ihre Zeit nur nicht zu sehr in Anspruch nehmen," fügte sie hinzu. „Auf Island hat man mehr Zeit, als einem oft lieb ist," erwiderte aber der Fremde mit ernstem Lächeln. „Uebri- gens ist der Umweg über die Quellen für mich nur klein. Dort werden Sie ja dann wohl Ihre Gesellschaft einholen, denk ich." Mit stummem Gruß trat nun der Fremde an den beiden Herren vorüber zu den Pferden, wo er zu des Leutnants starkem Verdruß sich gerade den Jsabellenhengst herausholte — offenbar sein eigenes Pferd. Auch im Sattelund Zaumzeug sah es stattlicher als die übrigen ziemlich struppigen Gäule aus. Bürgerlich suchte Kreßmann nach einenl anderen Leibroß. Zu dumm! grollte er bei sich. Auf dem Isabellen hätte er eine so gute Figur gemacht vor Frau Söllnitz' kritischen Augen, die ja eine perfekte Reiterin sein sollte. Auch die junge Frau war zwischen die Pferde getreten« 194 — von denen mehrere einen Damensattel trugen. Prüfend sah sie sich um: da trat der Fremde zu ihr. . , „Hier nehmen Sie den Fuchs. Es ist em gutes Tier, xief er. Dankend nahm Frau Söllnitz das Pferd, mit Hilfe des schnell herbeigeeilten Leutnants sich in den sattel schwingend. 1 . ... . . Nun waren auch die beiden Herren ansgesessen, und der Leutnant wollte recht forsch abreiten; aber sein Schimmel rührte sich nicht vom Fleck, drängte vielmehr dichter an die anderen Tiere Heran. Kreßmann stieg das Blut zum Kopf, daß hier seine Reitkunst so diskreditiert werden sollte. Wütend stieß er dem hartnäckigen Gaul die Absätze in die Rippen und Hieb mit der Gerte; aber der schüttelte nur phlegmatisch den dicken Kopf. Fraii Söllnitz lachte hell auf. „Infamer Schinder! Merkt n türlich, daß man kerne Eisen hat!" wetterte der Leutnant. „Hierzulande reitet niemand mit Sporen, und es geht auch so," belehrte der Fremde, und- in der Tat ging auf einen leisen Zuruf sein Pferd alsbald anstandslos aus dem H-arrfen heraus. Wütend sah ihm Kreßmann zu; der Kerl war ihm höchst unsympathisch! Inzwischen hatten zwei der Leute sein und des Regierungsrats Pferd -ergriffen und führten sie -aus dem Gehege heraus. Frau Söllnitz' Tier schloß sich darauf freiwillig den aufbrechenden Geführten an. Der Fremde ritt an ihrer Seite, alsbald mit ihr die Spitze des kleinen Zuges nehmend. „Die Ponys gehen ungern -aus der Gesellschaft ihrer Kameraden," erklärte er. „Es sind eben noch halbe Herdentiere, und sie werden meist im größeren Trupp geritten,., da man auf Reisen hier immer Reserve- und Parkpferde mitnimmt. Aber Sie werden sehen — sie gehen gut." Und er hatte recht. Auf einen neuen, hellen Zuruf setzten sich alsbald alle Tiere in Galopp, ein äußerst geschwindes, aber angenehmes Tempo. Es war wirklich zum Verwundern, tote die halbgroßen Pferde so fördernde Gänge hatten. „Famos! Und man sitzt wie in der Wiege!" lobte, in Reiterlust erstrahlend, Frau Söllnitz. Sie faß in der Tat vorzüglich im Sattel, und, lange Zügel gebend, drängte sie, mit dem Absatz anklopfend, ihren Fuchs noch schneller vorwärts. So kam der kleine Zug, in gestrecktem Galopp durch die Straßen jagend, bald vor die Stadt hinaus und ritt nun über eine langgestreckte Bodenwelle, wo zwischen kleinem Felsgetrümmer auf dem spärlichen Graswuchs allenthalben Ponys in kleinen Trupps weideten. „Sie sind gut bekannt hier," wandte sich Frau Sollnitz nach längerer Pause wieder an ihren Begleiter. „Sie halten sich wohl schon längere Zeit in Island auf?" „Ich bin hier ansässig." „Wie — immer?" Staunend sah die junge Frau ihn an. Ein leises Lächeln hellte das ernste Gesicht des Fremden für einen Moment auf. „Ja — wundert Sie das?" „Allerdings! Ich stelle es mir tödlich vor, hier zu leben." „Wenn man einen Beruf hat, läßt sich's überall leben." „Für einen Mann —■ vielleicht! Und was sind Sie, wenn ich fragen darf?" „Arzt." Bei der kurzen Antwort huschte es wie ein Schatten über das Gesicht des Fremden. „Arzt? Ja, dann freilich!" Eine kurze Pause chat ein; dann nahm Frau Söllnitz wieder das Wort. „Sie sprechen ein so ausgezeichnetes Deutsch; Sie haben "sich gewiß längere Zeit in Deutschland aufgehalten? Wohl als Student?" „Ich bin Deutscher von Geburt." Abermals traf ein staunender Blick der jungen Frau ihren Begleiter. ,/Wer wie in aller Welt sind Sie denn hierher verschlagen Wörden? In diesen letzten Winkel der Welt?" Diesmal entging die Verfinsterung seines Gesichtes Frau Söllnitz nicht. Sie merkte, daß ihre harmlos-neugierige Frage den Fremden offenbar peinlich berührte. „Pardon!" bat sie, mit einem Lächeln sich und ihm über die Situation hinweghelfend. „Ich bin sehr inquisitorisch. Aber ich bitte natürlich, meine Frage nicht ernst zu nehmen." „O bitte —" beschwichtigte er. „Ihre Verwunderung ist ja durchaus berechtigt. Und ich säße auch nicht hier, wenn mich nicht besondere Umstände hergeführt hätten. Meine Mutter war eine Dänin, und so habe ich Beziehungen nach hier bekommen." „Ah so," leichthin sagte sie es; aber dann schwieg sie, gleich ihm. Sie hatte das Empfinden, daß da doch noch etwas Besonderes hinter diesen nichtssagenden Beziehungen stecken müsse. Aber sie wollte natürlich nicht indiskret sein, und was- ging es sie auch schließlich an? So ritten sie lange Zeit schweigend nebeneinander her. Die Gegend ringsum war trostlos eintönig; eine dürre Ebene ohne Strauch und Baum. Nur dann und wann erhob sich vor ihnen eine Terrainwelle aus der Ebene, und man sah, wie sich auf ihrem Kamm -als scharfe Silhouetten, frei gegen die Lust stehend, die Gestalten einzelner Reiter oder kleiner Trupps entlang bewegten. „Hier auf Island reitet wohl alles?" nahm Frau Söllnitz das Gespräch wieder auf. „Ja," bestätigte ihr Begleiter. „Bei dem völligen Mangel an Holz auf der Insel >— Sie wissen doch, Bäume kennt man hier bei uns nicht 1— kennt man keine Wagen, Das Pferd ist daher das einzige Transportmittel. Männer, Frauen, Kinder — alles reitet hier. Es ist zugleich auch das einzige Vergnügen, das miau hier hat." „Mein Gott, entsetzlich! Sterben Sie denn hier nicht vor Langerweile? Kein Theater, Konzert — nichts! Was fangen denn die Menschen hier bloß mit ihren langen Abenden an, namentlich im Winter?" Der Fremde lächelte leise vor sich hin. „Man besucht sich-, musiziert und plaudert, oder liest zu Hause. Freilich — für verwöhnte Großstadtmenschen ist es hier ein zweites Sibirien, das glaub' ich wohl." „Ich stürbe hier binnen vier Wochen, oder würde verrückt! Das weiß ich ganz gewiß." Ein wirklicher Schauder überlief die junge Frau. Der Fremde sah sie mit seinen ernsten, prüfendeu Blicken an. „Für eine Natur wie die Ihre wäre das Leben hier freilich Gift. Auf Island weht eine rauhe Luft; nur das Gesunde und Starke dauert hier." Wie Worte trafen sie. Lebhaft wandte sie sich ihm zu. „Sie halten mich also für krankhaft und schwach?" „Ja. Wie alle Großstadtmenschen." Ruhig hielt er ihrem Blick stand. Das rief ihren Widerspruch nur noch mehr wach. „Gewiß! Ich bin nervös, sensibel — ich geb es zu. Unser Gesellschaftsleben bringt es mit sich. Aber muß darunter auch die Gesundheit der Gesinnung leiden?" „Ich sage: Ja!" „Sie sind sehr sicher in Ihrem Urteil!" warf sie ihm hinüber. Die sarkastische Schärfe ihres Tones traf ihn nicht. „Man geht nicht umsonst in die Wüste," erwiderte er ernst und ruhig. „Man lernt in -der Einsamkeit das Leben und die Menschen leidenschaftslos bewerten. Es wehte sie aus seinen Worten eine stille Resignation an, die ihre Gereiztheit wieder verfliegen ließ, „Sie haben früher auch in der Großstadt, in der Gesellschaft, gelebt?" Eine leise Teilnahme sprach aus ihrer Frage. „Ja — und ich war kulturkrank tote Sie. Sie sehen: ich habe daher vielleicht ein gewisses Recht, so zu sprechen." Wieder stockte das Gespräch. Die #junge Frau hing ihren Gedanken nach. Ein merkwürdiger Mensch! Was mochte ihn aus dem vollen Leben hinäusgetrieben haben in die Einsamkeit hier? Bei seinen doch noch jungen Jahren! Sie schätzte ihn höchstens Ende dreißig. „Und Sie sind nun glücklich geworden, hier in Ihrer Wüste?" fragte sie nach einer Weile, zu ihm ausseljend. Er antwortete nicht gleich. „Glücklich?" gab- er dann langsam zurück. „Davon sprach ich nicht. Mer die Kraft, über alles Leid des Lebens mit stillem Lächeln hinwegzuschreiten, das ist ja wohl ebenso gut — vielleicht sogar noch besser." Wieder erschauerte die junge Frau im Innersten. „Eine trostlose Anschauung!" rief sie impulsiv aus,- 195 „Nein, nein — offne den Sonnenschein des Glücks' gibt es rein wahres' Leben! Was Sie da Preisen, ist die traurige Weisheit des Mters, dem alle Lebensfrische schon verdorrt ift, Aber solang das Herz noch jung ist, schreit es ua!ch 'Glück — nach etwas, au das es sich hängen kann mit feinem Sehnen und Hoffen, mit feinen innersten Fasern!" Es war etwas geheim Leidenschaftliches in ihrer Stimme, so daß er nun teilnehmend forschend den Blick auf sie heftete, auf ihr feines Gesicht, in dem es da so schmerzlich aufznckte. Das war der leise Aufschrei einer suchenden Seele, die dem Glück in blindem Irren nachjagte. (Fortsetzung folgt.)' Eine Heldin. Novelle von Max Karl Böttcher-Chemnitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Am Nachmittag desselben Tages überbrachte Herr von Merkwitz dem Herzog ein Gesuch des Kammerherrn Grafen zu Hollen um Gewährung einer Audienz. Hans Jochen wollte eben eine Ausfahrt unternehmen. „Wo ist der Graf?" „Bitten Sie ihn hierher." Während Merkwitz sich seines Auftrages entledigte, durchmaß der Herzog mit großen Schritten sein Arberts- zimmer, dann blieb er in Gedanken versunken am Schreibtisch stehen. Was mochte der Graf von ihm wollen? Seine Entlassung? Etwas wie Beklommenheit erfaßte den jungen Fürsten. Der Kammerherr war ihm ein unheimlicher Mensch, — in seiner Anmaßung, gestarrt mit kriecherischem Devotismus — ein widerlicher Mensch. Da meldete der Leibjäaer den Grafen. Hollen war in großer Uniform. Fast brs zur Erde neigte er sich vor dem Landesherrn. - „Bon jour — Herr Graf. „Ew. Hoheit gehorsamster, untertänigster Diener." „Sie haben um eine Audienz nachgesucht. Was wünschen Sie?" „Wollen Ew. Hoheit allergnädigst geruhen, eine Mitteilung entgegenzunehmen und mir anschließend eine Bitte zu gewähren?" . „Sprechen Sie." „Ich habe mich heute — verlobt." „Gratuliere, Graf." Er reichte ihm kühl die Hand. „Gehorsamsten Dank, Ew. Hoheit. Doch die Hofsitte gebietet, daß ich pflichstschuldigst um Ew. Hoheit aller- gnädigsten Konsens gehorsamst bitte." „Den haben Sie natürlich, Graf. Sie wissen doch-, wie ich über solchen äußerlichen Etikettenkram denke. Also nochmals: Ich gratuliere. Und darf man wissen, wer die Uuserwählte Ihres Herzens?" „Ew. Hoheit sind sehr gnädig. Meine Braut ist Fräulein von — Hämmerling." „Herr — sind Sie von Sinnen," schrie der Fürst und trat dicht vor Hollen hist. Doch dieser wich nicht zurück. Auge in Auge standen sich die beiden Männer gegenüber, des Kammerherrn Blick triumphierte. Ml der in den letzten Monaten aufgespeicherte Haß sprühte aus' diesem einzigen Blick. Hans Jochen hätte sich wieder gefaßt. Mit ruhiger Stimme sagte er: „Sprechen Sie, Was soll diese Maskerade, erklären Sie sich." „Das ist in wenigen Worten getan: Fräulein von Hämmerling und ich — wir lieben uns." „Das lügen Sie, Herr Graf. Eine Dame von Fräulein Von Hämmerlings Gesinnung kann einen Wann Ihres Schlages nicht lieben." „Ew. Hoheit!" sagte Hollen drohend' und scharf. „Was soll dieser Ton Ihrem' Fürsten und Herrn gegenüber? Ms Chef des herzoglichen Hauses verbiete ich Kathinka von Hämmerling diese Heirat.' Ich habe die Pflicht, für das Glück dieser Name Sorge zu tragen —und eine Ehe Kathinkas mit Ihnen zu billigen, hieße: Diese Pflicht verletzen." „Dann wird Fräulein von Hämmerliu selbst zu Ew. Koffeit komiUen, von Ew, Hoheit Konsens zu erflehen." Der Fürst lachte auf: „Das wird W nicht tun, denn sie liebt Sie nicht." „Wie könnte sie mir dann schreiben: „Ich bin die Ihre?" Hans Jochen schien die Fassung zu verlieren. Nur mit Mühe hielt er noch au sich. „Mein Herr, Sie leiden an Halluzinationen." „Bitte, Ew. Hoheit," sagte Hollen mit glattem Höflingslächeln und reichte dem Fürsten Kathinkas Brief. Hans Jochen warf einen Blick darauf. „Wahrhaftig," stieß er hervor. Ihm wurde schwarz vor den Augen. „Lassen Sie mich allein," gebot er noch. Mit stierem Blick sah er dem Höfling nach, bis sich die Tür hintev diesem schloß, dann brach er an seinem Schreibtisch zn- sammen. Am Abend begab sich der Herzog ohne Begleitung nach dem Gartenpalais der Fürstin. Im Vorzimmer zu der Fürstin Schlafgemach saß Kathinka von Hämmerling. Sie erbleichte als der junge Fürst eintrat. „Verzeihen Sie, wenn ich Sie erschreckte, Kathinka. Aber ich danke dem Zufall, daß ich Sie allein hier treffe, ich habe mit Ihnen zu reden." Kathinka hob in stummer Bitte die Hände, jedoch der Herzog sagte: „Es muß sein, Kathinka, ich werde wahnsinnig, wenn ich nicht Klarheit bekomme." Er setzte sich Kathinka gegenüber und schaute geraume Zeit stumm zu Boden, daun sagte er unvermittelt: „Wie konnten Sie mir das antun, Kathinka? Gerade mit diesem Menschen?" Kathinka schwieg. „Aber so sprechen Sie doch, — sagen Sie nur ein Wort." Und flehend bat er: „Sagen Sie, Kathinka, daß es nicht wahr ist. Es kann ja nicht wahr sein." „Es ist nichts mehr daran zu ändern." Der Herzog fiel in sich zusammen: „Also doch." Kathinkas Herz wollte brechen. Der stnmme Schmerz, die tiefe Verzweiflung, die Hans Jochen zeigte, waren beredter, als tanfend Liebesworte. Schon wieder wollte sie die Selbstbeherrschung verlieren, da richtete sie der Gedanke: Du mußt stark sein, auf. Sie faßte des Herzogs Hand und sagte weich: „Hans Jochen, es durfte nicht anders sein, — es mußte eine Mauer gebaut werden zwischen uns, — der Ehre zuliebe — und Clarissa zuliebe." „So, ist es ein Opfer, was Du briugst? Nie werde ich das annehmen, — nie — nie ein solches Opfer. Im Augenblick noch löse ich mein Verlöbnis, und jenen Schurken lasse ich ans dem Schlosse peitschen wie einen Hund." Beide waren aufgesprungen. Kathinka aber wuchs aus sich heraus, wie eilte Heldin stand sie dem Herzog gegenüber, und mit scharfer Stimme sagte sie: „Das wirst Du nicht tun, hörst Du, Haus Jochen, — denn ich liebe den Grafen. Nur langsam schien der Herzog das Gehörte zu fassen, aber dann sank er in sich zusammen und wankte hinaus, * Am nächsten Tage brachte das Regierungsblatt die Nachricht: „Durch die bevorstehende Vermählung Sr. Hoheit des Herzogs wird das gesamte Hofwesen wesentliche Erweiterungen erfahren, so daß sich die Neugründung eines Hofmarschallamtes nötig macht. Zum Chef dieses Amtes wurde der Kammerherr Herr Graf zu Hollen unter gleichzeitiger Ernennung zum Hofmarschall, Exzellenz, bestimmt. Die Leitung des Oberhofmarschallamtes verbleibt weiter in den bewährten Händen Sr. Exzellenz des Herrn Oberhofmarschalles von Graul." Zwei Tage später wurde die Verlobung des Hofmarschalles Grafen zu Hollen mit der Hofdame Ihrer Durchlaucht, der Fürstin Clothilde, Fräulein von Hämmerling, veröffentlicht. Noch nie war der joure fixe bei Ihrer Exzellenz, Frau Staatsminister Dr. Löwe, so zahlreich besucht geweseu wie heute. Aber die Frau Minister wußte auch nicht mehr wie die anderen Damen. „Mein Mann war ebenso erstaunt wie wir. Er rechnete täglich mit der Entlassung Hollens, und auch Geheimsekretär Dr. Brian war derselben Meinung — und statt dessen diese ungeheuere Beförderung. Nicht wahr, Frau Geheimrat Brian, Sie können das bezeugen?" „Gewiß, Exzellenz, mein Mann glaubte sogar bestimmt, daß Merkwitz Hofmarschall werden würde, denn er hat aus eignem Munde Sr. Hoheit gehört, wie unsympathisch er diesem Hollen gewesen ist,"--- Man wußte also nichts. Ja, diesmal hatten nicht einmal die Lakaien und Leibjäger eine Ahnung, die doch sonst 196 gereichen wird. Blumenerde. Wichtig wie für das Leben des Manschen ist für die Pflanze Nahrung und Klima. Denn nicht jede Pflanze liebt denselben Boden und nicht jede von den vielen, die aus aller Herren, Länder — von den Gipfeln der Gebirge und aus den Wäldern! der Tropen — zu uns gebracht sind, um in friedlichem, engem Beieinander zu leben, liebt gleiche Wärme, Rässe und Sonne. Aber das wichtigste und gemeinhin am wenigsten bedachte ist die Erdart, in der unsere Pfleglinge wurzeln und Nahrung finden soll. Darum einige Worte über die Erde, womit wir demnächst die Töpfe und Kästen füllen werden. Sie sei das erste, was wir bedenken! Es gibt mancherlei Erdarten; hier biei Hauptsächlichsten: Walderde (Lauberde), Ackererde (Wiesen- oder Lehm-Erde), Moor- erde und die künstlich gewonnenen: Kompost- und Düngererde. — Aus diesen setzen wir all« nötigen Mischungen zusammen, indem wir noch nach Bedarf: Kalk, Flustsand, Lehm, Torf (Müll) und andere Bestandteile unserer Erdoberfläche bineinmengen. — Doch wie beschafft sich der Liebhaber diese Erden, wenn er sie nicht vom Gärtner kaufen will? Lauberde sammelt er im Buchen- walde, indem er in Rillen und Furchen, wo das Fall-Laub am dicksten liegt, unter der obersten Schicht der Blätter die feuchte, lose, schwammige Masse zusammenhackt, die aus halb und ganz verfaulten Blättern, aus Samenkapseln, kleinen Aestchen und aus den feinen, alles durchziehenden Baumwurzelenden sich bildet. Sie ist leicht und fruchtbar und allen Waldblumen (den sogen. Humus-Wurzlern) willkommen; z. B. den Begonien, den Alpenveilchen und den Farnen. Auch benutzen wir sie in den nächsten Wochen zur Aussaat der Pflanzen, die wir im warmen Zimmer heranziehen werden, z. B. für Begonien, Lobelien u. a. Man siebe sie noch nicht, sondern lasse sie recht grob. — Die lehmige Ackererde, die man überall findet, darf nicht zu bindig und zu schmierig sein; sie dient den Pflanzen, die die volle Sonne lieben, z. B. den Geranien. — Die Moorerde gewinnt man aus den Torfstichen der Heide-Moore, doch besorgt man sie sich besser beim Gärtner, weil nur abgelagerte Moorerde säurefrei ist. Sie ist gut für viele Sumpf- und Hochgebirgspflanzen, z. B. die Hortensien und die Rhododendron. ■— Die Komposterde dagegen kann nur der erzeugen, der alle Reste der Küche, all« Abfälle und alle Unkräuter (aber ohne ihre Samen!), über- haupt alles, was fähig ist zu faulen, mit Sorgfalt und Geduld auf einen Haufen schlichtet, diesen Haufen pflegt und behütet, ihn tränkt mit Jauche und anderer kräftiger Brühe, .... also für den Städter ist es nichts; er muß sie kaufen, wenn auch teuer, aber haben muß er sie, wenn er schöne Amazhllis und Echeverien ziehen will. — Ihr verwandt, aber nicht dasselbe, ist die Mist- erde, welche entsteht, wenn Pferdedünger verwest. Diese ist durch- aus unentbehrlich als Zugabe zu fast jeder Pflanze, ivenn anders diese irgendwie kräftig gedeihen soll. Auch sie kann dem Städter nur der Gärtner liefern oder der Freund äuf dem Lande. Man kennt sie auch als „Mistbeeterde"; denn im Mistbeet bildet sie sich am besten, und zwar im Laufe des Jahres aus der Düngerschicht, die zuerst die nötige Wärme durch ihre Zersetzung immer „gut unterrichtete Seite" der Reporter und Skandaljäger Dre Teegesellschaft bei Frau Minister erkannte wieder einmal, daß Fürstenlaunen unberechenbar sstnd. Ebenso erstaunt wie über Hollens Beförderung war man natürlich auch über seine Verlobung mtt Kathinka von Hämmerling. Das Fräulein wurde allgemein bedauert, bemt es war in der Gesellschaft sehr beliebt, wahrend Hollens üble Eigenschaften zur Genüge bekannt waren. Und als die Herrschaften das Ministerpalais verließen, mochten wohl viele denken: Dieser Hollen ist mir ja etn widerlicher Mensch, aber er ist Hoftnarschall, also einer der Höchsten des Landes, deshalb muß ich mich ihm möglichst angenehm machen. (Fortsetzung folgt.) Vie Zimmerpflanzen und ihre pflege. Eine Anleitung für Liebhaber. I. Zum schönsten Schmuck unserer WohMngen gehören gut gepflegte, gesunde Pstanzen, die bei einiger Wartung die für sie aufgewandte Mühe reichlich lohnen. Bedauerlicherweise gehen jährlich eine ganze Anzahl von schönen wertvollen Gewächsen zu Grunde, weil sie nicht sachgemäß behandelt werden und viele Hausfrauen verzichten deshalb resigniert auf weitere Pflanzenzucht, weil sie doch keinen Erfolg mehr davon erhoffen. Wir geben nun im folgenden eine sachgemäße Anleitung, indem wir zunächst die ■allgemein iwtwendigen Bedingungen erörtern, um dann von Woche zu Woche die vorzunehmenden Arbeiten anzugeben. Wir hoffen, daß unsere Leser diese Anleitung mit Erfolg benutzen werden, und damit nicht nur eine angenehme, lohnende Unterhaltung finden werden, sondern auch einen schönen, reizvollen Schmuck, der sowohl deur Zimmer, als auch dem Balkon und dem Garten zur Zierde erzeugte, dann verfaulte und schließlich lose und mürbe iourde; strohige Teile soll die Tilngererde möglichst wenig mehr enthalten. — Ter Kalk, den der Blumenfreund verwendet, muß gelöscht und alt-abgelagert sein. Er wird nur in ganz geringen Portionen gegeben, wenn der übrigen Erde der Kalkgehalt mangelt, und nur den kalkliebenden Pflanzen, z. B. den meisten Glockenblumen. — Den Flußsand dagegen verwenden wir sehr ausgiebig bei fast jeder Pflanzenart. Er ist ungemein gesund für jede und verhindert alle möglichen Krankheiten, allein schon dadurch, daß er einen schnellen Wasser-Durch- und -Abzug in unseren Blumentöpfen gewährleistet. Für di« Aussaat vollends und für die Stecklingszucht ist er ganz unentbehrlich: nicht den 20. Teil des Erfolges würden wir haben, wenn er fehlte. Aber genau ist auf seine Beschaffenheit zu sehen: er muß frei sein von jeder Beimischung, und darum, wenn er es nicht schon ist, so muß er so lauge gespült werden, bis das Wässer des Eimers, in dem wir ihn umrühren, so rein und klar ist wie ein Bach. Außerdem soll er nicht zu fein, sondern eher grobkörnig sein. — Ten Lehm, den wir der Erde in einigen Fällen hinzufügen müssen (z>. B. für Rosen, Veilchen, Nelken und Lorbeer) gewinnt man am einfachsten, indem man die Maulwurfs Haufen auf Rasenflächen abhebt, sonst auch an alten Fachwerkbauten, wo man dann, wenn solche abgerissen werden, gleich Kall und Lehm in unübertrefflicher Qualität zusammen findest. Ter Lehm soll nicht feingepulvert werden, weil er sonst, wenn angefeuchtet, alt» zuleicht steinhart und undurchlässig wird. — Ter Torf endlich ist in allen Gärtnereien billig zu haben; auch ihn zerreibt man nicht allzu fein. Er saugt das Wasser an und hält es lange; darnM wird er immer da angewendet, wo man das Erdreich feucht, locker und leicht wünscht. •— Man sieht, der Kombinationen sind genug angegeben; doch lohnt sich die Muhe, tu diesem Labyrinth den rechten Weg zu suchen, denn die Hälfte aller oft so unerklärlichen Fehler und Krankheiten unserer Blumen sind nur darauf zurückzusühren, daß man ihren Wurzeln nicht das Erdreich gab, aus dem ihre Vorfahren jahrtausendelang ihren Lebenssaft zogen; denn wie kein Raubtier sich von Pflanzenkost und kein Wiederkäuer sich von Fleisch ernähren mag, so widersteht der einen Pflanze das, was der anderen ein Leckerbissen ist. vermischte». — Eine Blute des Amtsstils lesen wir in Nummer 3955 des „Deutschen Fahndungsblattes". Der Untersuchungsrichter beim Landgericht Düsseldorf erläßt folgenden Haftbefehl: „Der Fleischtransporteur Jpenrü Maliers ist zur Untersuchungshaft zu bringen, weil er dringend verdächtig ist, zu Ralingen am 4. 3. 12 gemeinschaftlich mit dem jetzt in Untersuchungshaft sitzenden Schreiner Theodor Eggert, mit Gewalt gegen eine Person fremde bewegliche Sachen einem anderen in der Absicht weggenommen zu haben, sich dieselben rechtswidrig zuzueignen, und zwar auf einer Straße, indem sie dem Vorarbeiter Johann Sunter, den sie in einer Wirtschaft kennen gelernt, der für sie ter bezahlt und bei dem sie einen größeren Geldbetrag gesehen hatten, von der Wirtschaft Qnerling in Eckamp ein Stück nach feiner Arbeitsstelle an der Vollardey erstraße in Eckamp begleiteten, indem dann auf diesem Wege in der Nähe des Bahnüberganges auf der Rather Straße in Ralingen Wolters dep Junker plötzlich anpackte und festhielt, während Eggert ihm aus seiner Gesäßtasche seine Barschaft im Gesamtbeträge von utfa gefähr 46 Ml in Zivei-, Drei- und Fünsmarkstückeu herguS- nahm, worauf beide wegliesen — Verbrechen gegen §§ 249, 250 Ziff. 3, 256, 47 St.G.B. — und weil ein Verbrechen bett Gegenstand der Untersuchung bildet und daher Fluchtverdacht gesetzlich begründet ist." + + * * +.+

Q' Q Q Q Q Skat-Ausgabe. Vorhand erhält folgende Karten! Mittel- und Hinterhand passen, worauf Vorhand Grand spielt. Obwohl der Spieler keine Zehn hereinbringen kann, auch im Skat kein Auge findet, gewinnt er dar Spiel. — Wie war die Karten- -«rteilung und der Gang des Spieles? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer. Weiß Schwarz 1) L e 3 — £ 4 + L g 8 n. f 4 2) S d 8 — c 6 + K e 5 — d 5 3) D g 4 — g 8 -ft- und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, ©tejeife