Samstag den 27. Januar ü W »‘»“X'.'a'ürCTCTlo >727LsL-r, b’ W H M W Glückslasten. Roman von Hanns von ZobelttA.- LNaMruck verboten,) (Fortsetzung.) Am Vormittag des Festes fand noch eine Generalprobe in Kostüm statt, un.er erschwerenden Umständen, wie Exzellenz Grautegaß nicht mit Unrecht fand, denn es herrschte in den Sälen eine nnbeschreibliche Unruhe. An den Wänden wurden die Verkaufsbuden aufgeschlagen, die Dekorateure hämmerten, pappten, kleisterten; Gärtner brachten Girlanden, hier und dort lag ein Stapel gespendeter Verkaufswaren. Dazwischen huschten die Mamas, deren Töchter am Abend als schmucke Ladnerinnen, Konditor- Mägdelein, Kaffee-, Tee-, Sektnymphen amtieren sollten, und stritten mehr oder minder erregt über die besten Plätze. Auch diesmal hatte Signe gleich, nachdem über ihrem Bilde der Vorhang zum zweiten Male niedergerauscht war, ihre beiden Müder an die Hand genommen, war von der kalten Bühne in die Garderobe gegangen, hatte sie et» wenig eingemummett, sich selbst den Mantel übergehangen, saß nun mit ihnen int Vordersaal in Dodos halbofsener Sektbude und erzählte ihnen Märchen. Sie in der Mitte der schmalen Bank, rechts und links je eines der Kinder. Aus oem Theatersaal klang die Musik gedämpft herüber. Der kleine Karli war ein Grundtoffel und mit dem nüchternen Geschäftssinn des Herrn Papas — Tabak en gros — ein wenig erblich belastet. Er hatte immer seine Zweifel, wollte immer aufs neue wissen, ob es wirklich leibhastige Zwerge gäbe, ob die Feen wirkliche Flügel hätten und der König eine wirkliche Krone aus purem G-olde trüge. Und Signe bestätigte immer aufs neue, daß sich alles genau so verhielte, wie sie es erzählt hatte. Mit großen Augen sahen beide Kinder zu ihr auf. ! Plötzlich bemerkte Signe, daß sie beobachtet wurde. In einiger Entfernung stand ein .Herr, der kein Auge von dem hübschen Bilde verwandte. Anfangs störte sie es nicht; sie beachtete es kaum. Dann wurde es ihr doch ein wenig lästig. Sie versuchte den Vorhang der Verkaufsbude herabzulassen. „Nun wurde es nämlich Abend," erzählte sie. „Und es wurde dunkel —" Aber die Leinwand gab nicht nach, sie nestelte vergeblich an den Schnüren. Da trat der Fremde näher und bat: „Darf ich behilflich sein?" Sie wollte zuerst mit Eisesmieue danken. Dann erkannte sie den Herrn. Er war ihr bei der letzten Probe vorgestellt worden: August Kähne —_ und sie hatte ein leises Interesse dabei empfunden, weil sie den beliebten Komiker schon auf der Bühne gesehen hatte. Dann hatte sie auch die urdrolligen Chansons mit angehört, die er zur Laute sang, als einer der wenigen Theaterleute, dte sich in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hatten. Etwas unbescheiden fand sie ihn jetzt. Und das glattrasierte Gesicht, von dem man nicht ablesen tonnte> war es jung oder alt, mißfiel ihr: es war so grenzenlos unschön mit der breiten Nase, die wie aus der richtigen Horizontallinie geschoben erschien, und dem lippenlosen Mund. Wer dann sah sie die Augen: große graue Augen mit einem ernsten, traurigen Blick -- und dann sagte Herr Kähne sehr bescheiden: „Seien Sie nichts böse, gnädiges Fräulein... ich habe Kinder so lieb. . ." nno ihre Abwehr war mit einem Male gebrochen. Es kam zu einem kleinen Gespräch. Das heißt, eigentlich sprach er nur mit beit Kindern. Merkwürdig gut verstand er das. Er machte ein paar Tierstimmen nach; er ließ den Wolf erscheinen, redete tut hohen Diskant als böse Hexe und darauf wieder als die gute Großmutter. Die Kleinen, die anfangs scheu gewesen waren, wurden schnell zutraulich. Karli erklärte sogar: „Der Onkel versteht'saüer besser als du, Tante." Nur einmal eigentlich wandte sich Herr Köhne direkt an Signe. „Darf ich mir die Frage erlauben, gnädiges Fräulein — nicht wahr, Sie haben einen Bruder, der bei den Garde-Dragonern steht?" Sie bejahte unbefangen, und da sagte er noch: „Ich habe Ihren Herrn Bruder einmal in der Gesellschaft kennen gelernt —" Daun kamen die Zuschauer aus dem Saale zurückgeströmt, und Herr Köhne ging auch, nachdem er beiden Kindern die Hand geschüttelt und sich Vor Signe verbeugt hatte. Er ging. Wer an der Tür wandte er sich noch einmal um,-und da sah sie wieder den seltsam traurigen Blick der großen grauen Augen, der dem unschönen Gesicht einen so eigenen Ausdruck-gab. Während des ganzen Tages konnte sie die-Erinnerung an diese ernsten traurigen Augen nicht los werden. Dann brachte ber Abend freilich so viel Aufregung, daß sich der Eindruck verwischte. Ja, als sie,, hinter den Kulissen stehend, die Bäukelsängerlieder Kähues mit anhörte, sah sie nur noch das häßliche, fast klownhafte Gesicht mu der grotesken Nase. Professor Knut hatte richtig prophezeit: die Herzogin von Chouaune wurde zum Haupterfolg in der-bunten Reihe der Darbietungen. Die Zuschauer starrten zunächst in atemloser Stille; bis dann ein tobender Beifall dte schöne Frauengestalt im dunkelblauen Sammetgöwand mit dem hochgetürmten rotblonden Haar grüßte. Unten in der ersten Reihe saß die hohe Protektorin neben Exzellenz Grantegaß, die immer wieder entzückt flüsterte: „Meine Idee, "Durchlaucht . . . meine Idee . . „Wer ist denn diese wunderschöne junge Frau?" „Keine junge Fran, Durchlaucht. Ein Fräulein vor Gudarcza." „Merkwürdig, daß ich sie noch nie sah." Exzellenz Grautegaß berichtete, daß die Familie erst s kürzlich nach Berlin gezogen wäre, daß Frau von Gudarcza — 58 — Mein Sie mir. 'M o Aus Schneeschuhen. Won Rechtsanwalt L. Raab Wetzen). I. Nach dem Vogelsberg. Am ersten Weihnachtsseiertag morgens im strömenden Regen mit Schneeschuhen am Bahnhof zu erscheinen, musste für Unkundige nnsatzoar sein; da war denn auch eine lange Jungfrau ne war sogar noch länger die zu ihrem Begleiter mit spotiiichem Blick aus meine Hölzer äußerte „ich mochte wissen, wo jeftt Schnee ist" Ich ärgerte mich nicht einmal und dachte nur „Du yast ja keine Ahnung" und hasste, datz der Vogelsberg nicht em ,o schäbiger Kunde sein und Mich im Stich lassen werde^ ^re .-seit „zwischen den Jahren" war doch sonst recht günstig sur Schnce- ch,i.bmu>^'wird schwere Rucksack geschultert sind das Tragen der Schneeschuhe, das Unangenehurste, beim Schisport, sangt an. Ich wähle den Gang über Rudingshain. Sprudelndes Wasser allenthalben; es kommt „aus allen Änopslochern . Hatte ooch der vergangene Sommer nur den zehnten ^eü davon gehabt! Am Dorseingang lause ich in die Kirchgänger hinein, die den Feiertagsgottesdienst verlassen haben. <0n eines Bauern gut- mtigem Gesicht meine ich im Gemisch von Unglaubigtei, und Mitleid zu lesen, datz er inir vergebliches Abmühen mst meiner! Schlepperei Voraussagen möchte. So wenig kennt ihr nächsten stn- wolmer euren Vogelsberg! Jenseits der sungen geschastig rauschenden Nidda nimmt mich der Dom, des hochstämmigen Buch- walds aus und nach kurzer Zeit umfangt mich die Feterlichlbit! der schweigenden Natur. Wie wohl tut diese Einsamkeit. An ein paar Baumrodemaschinen mache ich Halt und sehe nur die Einrichtung an. Es ivar ein willkommener Anlatz, die Schneeschuhe und den Rucksack abzuschultern; das Bergangehen hüt chwerer Last strengt doch an. Ja, ja, im Fri hl-alst reif hm Landsturm II. Wirklich, schon zu alt fürs Schneeschuhtaufen? Nein, ich lasse mich nicht so rasch zum alten Eisen werfen, frisch zn- gefasst, es geht schon weiter, es war nur Has Ungewohnte, ©tuben, sieche, Stadtverweichlichte. ®te Luft weht frischer, da kommt auch schon der erste Schriee, schüchtern ml Graben der langes : Waldschneise gelegen, vereinzelt, verloren oder wie achtlos über j Beim Hmaustreten aus dem Wald fällt mich ein Pfeifen mch | Stürmen an, Vogelsberger Heidewind aus. erster Hand, so verb^ Bewunderung auszusprechen." . Sie antwortete nicht. Sie ignorierte ihn vollständig. Und wieder hörte ji.e die leise, raunende Stimme: „Also zu den Vorstandsdamen gehörte; auch von der Millionen- 1 erb sch ast ließ sie einiges einfließen „Das junge Mädchen wird Aufsehen machen. So sh und reich außerdem. Ein seltener Vogel, sozusagen, liebe Exzellenz. Wenn es geht, stellen Sw mir faulem... sv'ie war doch der Name? . . . richtig, Gudareza, nach I)Cr Man mußte Signe suchen. Schließlich wurde sie in einer der Garderoben gefunden, wo sie wieder, mit den Kindern saß. „Durchlaucht mochten das gnädige Fram lein kennen lernen!" - e-te lacheste. "Adwu, Kindes Schlaft wohl —" Magda und Karli hingen an ihrem Haise — „Aber mein Haar dürst ihr nicht so zausen . . . ntorgin besuch ich euch. So, nun noch einen "fußen Kuß . . . uno schlaft hübsch und träumt recht schön . . ." 1 Es war ausgemacht worden, daß die Mitwirkenden wahrend des Abends in ihren Kostümen bleiben sollten, grau von Elsterburg wußte aus Erfahrung, wie sehr dav Farve und Leben in die Gesellschaft brachte. i So wurde Signe doppelt schnell erkannt, als sie in der ersten Pause den Saal betrat. Sie hörte das leise Raunen: „das ist sie" . . . „die schöne Herzoglich . . . sie Wte, tote man ihr unwillkürlich Platz machte; sie sah, wie sich alle I Augen auf sie richteten. Und sie schritt mtic stolz erhovenem Haupte durch die Menge der Mitte zu, wo sie vorhin schon die Fürstin bemerkt hatte. Die hohe Protektorin hatte sich in ihrer langjährigen Tätigkeit als „Wohltatigkeitsspitze" einen besonders gütigen, liebenswürdigen, aber stets mit etwas .Herablassung gemischten Ton gegen die Mitwirteuden bei allen ihren y eit eit angewöhnt. Es lag immer ein wenig gesellschastiiche Reserve darin. Als Signe ihr gegenüberstand ui:d ihre tadellose, tiefe Verbeugung machte, versagte dieser Ton vollständig. Die Fürstin reichte ihr die Hand, dankte ihr, nickte und nickte wieder, erkundigte sich mit wenigen Worten nach den Estern und sagte dann, als das Klingelzeichen den zweiten Teil der Vorstellung ankündigte, indem sie dem jungen Madcyen nochmals die Hand zum Kuß reichte: „Hoffentlich sieht man Sie in diesem Winter recht häufig, Fräulein von Gudarcza.' Alles ganz schlicht und einfach. Der Vorhang ging auf. Signe wandte sich, um einen Platz zu suchen. Da traf ihr Blick ans den Prinzen Hoburg. Er stand seitwärts an der Wand, das Einglas im Ange, und starrte scharf zu ihr hinüber. So scharf, so ausgespro- | chen, daß Signe fühlte: er sieht nur dich. Sie ging schnell durch die nächsten Reihen und war froh, als sie weiter hinten einen Platz fand mitten unter wildfremden Menschen. Die Vorstellung interessierte sie wenig. Dilettantenkram, fand sie, dem man künstlich durch Einschieben von einigen Darbietungen wirklicher Bühnengrößen Relief zu geben versucht hatte. Ihre Ansmerkfamkeit war amf gestört. Sie mußte wider Willen immer aufs neue an Hoburg denken. Wie kam der Prinz dazu, sie derart anzu- starren! Eigentlich war's fast beleidigend. Oder hielt er’S für sein gutes Recht, weil jte soeben noch dort auf der Bühne gestanden hatte, weil sie noch,im Kostüm war? Faßte er's als Entgelt für den Obolus aus, den er auf dem Altar der Wohltätigkeit entrichtet hatte? Nun — er sollte nicht im Zweifel bleiben, daß ihr diese Art nicht behagte. - Und dann dachte sie noch daran, was Baker vorgestern abend erzählt hatte. Vater hatte bei Hoburg-seine Karte abgegeben, als Gegenbesuch, und war angenommen worden. Aeußerst liebenswürdig — natürlich. „Eigentlich ein ganz nettes bescheidenes Kerlchen, dieser Prinz. Ich hatte so mein Vorurteil, aber er hat's zunichte gemacht. Er hat mir wirklich gefallen — dein Prinz!" Und dabei hatte Va'er herzlich gelacht, Mutter hatte, gelächelt, und Dodo wiederholte: Dein Prinz! Laß dir's nicht gefallen, Signe." Sie aber batte geschwiegen, geschwiegen mit hochgezogenen Achseln, wie sie oft schwieg, wenn sie dachte: „Eine Entgegnung lohnt Sie zürnen mir doch? Darf ich Ihnen denn nicht sagen, wie schön — wie wunderbar schön Sie aussahen?" - Sie fühlte seinen Atem in ihrem Nacken und empfand den diskreten Duft des Veilchenparfüms, das er bevorzugte. Er mußte sich ganz weit vorgebeugt haben. ~ , „Warum so unbarmherzig, gnädiges Fräulein! Da sagte sie endlich, ohne sich umzuwenden, leise, aber hart: „Sie stören mich — und andere." Eine Weile schwieg er. Sie versuchte gewaltsam ihre Aufmerksamkeit auf die Bühne zu konzentrieren, wo em kleines Lustspiel sich in erschreckender Dilettanten-Langsam- keit abwickelte. Aber dabei dachte sie immer: „Wie muß er sich bis hierher durchgedrängt haben. Wie unendlich peinlich ist es. Wenn nun irgend ein Bekannter hier m der Nähe sitzt und dich beobachtet." Scheu sah ]te nad) reditS und links. Nein — sie war in eine Reihe von Zuschauern hineingeraten, die mindestens anscheinend völlig durch ote Vorgänge auf der Bühne in Anspruch genommeii waren, kleine Leute, die sich einmal den billigen Woh^ratigcett^- qenuß gegönnt hatten. , . , r , „Wenn Sie wüßten, wie ich diesen Abend herbetge,ehnt habe," hörte sie wieder. „Da lebt man nun m derselben Stadt, und es ist so schwer----" . Diesmal kam er nicht weiter, denn die dicke Madame neben Signe, die andächtig beide Hände im Schoß über den Pompadour gefaltet hatte, unterbrach ihn mtt einem entrüsteten „Pst". Und von der anderen Seite kam auch ein leises, aber energisches „Ruhe. . ."" Signe stieg das Blut zu Gericht. Und sie beugte:, „Wie kommst du nur nachher möglichst schnell nach vorn W den Kreis deiner Bekannten —" Endlich siel der Vorhang. _ , So schnell als möglich stand sie auf, wollte sich, durch die Masse drängen. Aber die stand wie festgcbannt, jubelte Beifall. Und da war Hoburg schon neben -ihr Sie wollte ihn mit einem kalten, zuruckwetsenden -Blick abwehren. Doch tote sie ihn ansah, bemerlte sie, wie erregt cr war Der etwas süffisante Ausdruck, der bisweilen tn seinem Gesicht lag, war völlig gewichen. Er b. teste zu ihr auf wie ein Bettler. Wer tit diesem flehenden Blick lag doch noch etwas ganz anderes. — (Fortsetzung folgt.) sich nicht!" ; Plötzlich wurde sie von rückwärts angesprochen und erkannte die dünne Stimme Hoburgs. gnädiges Fräulein" — hörte sie — „vergeben her ich tonnte nicht länger warten, Ihnen meine — 69 Veteranen, mit frischen und vernarbten Wunden, manche ohne AvmL und Beine, Krüppel, kopflos, oder zerzausten Hauptes, rote Struwwelpeter. Sie opfern sich auf in täglichem, stündlichem Kampf mit den unerbittlichen Stürmen, die sie vernichten wollen. Mensch, der du oft verzagen willst, nimm dir schon an den jungen Fichten ein Beispiel, schau, wie sie sich wehren gegen die eisige Umarmung, wie sie nicht zusammenbrechen wollen unter der Schneelast, die sich breit auflegt auf die weichen, jugendlichen Schultern Aber dort sichst du mit Wehmut eine Gruppe „Helden des Schlachtfeldes". Junge Kiefern sind's, sie neigen ihr Haupt bedenklich zunt Boden hin, gedrückt von Sturmes Gewatt, der über die glücklicheren Genossen gefahrlos hinwegbrauste nttd jählings dann auf die wehrlosen Kleinen herabstürzte, ©mb es schon Opfer, oder werden fie sich wieder strecken und sich durchringen? Nimm dir, wenn es der Schnee erlaubt, und du nicht ttbit oder Spuren „anreistest", bei deinen Schistreifzügen ein bestimmtes Ziel, es erhält dich mehr in Spannung und ermüdet dich mast so. Besuche z. B. auf dem Oberwaldplatcan die Stelle, wo trotz dieser Höhenlage eine Zeitlang eine „Industrie" ihr Heim ausgeschlagen hatte, einen Torfstich. Du siehst ans dem schon ansschltestendeir Tannengebüsch gerade noch eine Ruine hervorschauen, früher etn lustig summender Motor, jetzt eingerostet; das stattliche Schwung- rad steht still. In dieser Einöde eine Erinnerung an den Erfindungsgeist des Menschen. Einst ein nützliches Glied int Treust der Menschheit, des Fortschritts, dienst du jetzt bescheidenerem Zweck. Der Fußgänger findet an dir eine Wegbezeichnung, einen roten Strich auf meistern Feld. So bist du wenigstens iroch zu etwas nütze. Es wird nicht lange dauern, dann schlageiidie Fichten über dir zusammen und sind dein grünes, ewig grünes Mausoieurn, dem Zufall des Entdeckers preisgegeben, ein tzeuge, daß einst aus dem hohen Vogelsberg, selbst in dieser Einöde, eine bescheidene Industrie „blühte". , , , . . Hast du Glück, dann siehst du trotz des Winters, in der Nahe des Taufsteins nicht nur Wildfährten, sondern auch Wild selcht, z. B. zwei Rehe, die schwerfällig, weil der Schnee sie hemmt, über die Schneise herüb er wechseln. Sie springen in der Richtung nach dem Bismarckturm ab; vielleicht wollen sie sehen, ob er noch steht. Die armen Tiere tun sich im Schnee recht hart. Mau möchte ihnen so viel „Anpassung" wünschen, dast sie noch mit Schneeschuhen auf die Welt kommen. Wie sich jede Bewegung im Wald abhebt; es ist so füll, nichts rührt sich. Die mit Schm« behangenen Christbäumchen stehen, wie Soldaten, in Rech und Glied und wie vor der Front der Soldaten gewahrt man die geringste Aenderung, noch gehoben durch die Plastik der Schwarz- weißlünst der Meisterin Natur, die mit so einfachen .-.iittem, dunklem Gegenstand und heller Schneepartie, diese bWauberntz schönen Bilder malt. III. Das Musikalische. Es gab auf dem Hoherodskops eine Zeit, da wär das unansehnliche „Shmphonion" das einzige Instrument Heute Lmmt es für den Schifahrer, der die langen Winterabende an das Klubhaus gefesselt ist, kaum noch in Betracht. Wemi es sein Geklimperan- fängt, merkt man erst, dast es noch da ist. Doch mag der dünne spieldosenähnliche Ton bescheisenen Ansprüchen manchmal genügen. Bisweilen streikten die glatten und der Karren bleibt stecken; oder mitten im Spiel giüts Kanonen- schläge, wenn gerade eine Verbeulung die kritische stelle streift. Da der Schifahrer Geduld haben must, wird er auch über diche Unebenheiten Hinwegkommen und das Stück, das ihn Nicht aus- lästt. spielt sich, wenn kein mitleidiges Versagen emtritt, ohne Erbarmen ab. Seit einiger Zeit ist an Stelle des alten einfachen Bumbasses", bei dem an einem Stecken eine Darmsaite unten über eine mit Luft gefüllte Schweinsblase gespannt war, und der so gehandhabt wurde, als wenn man eine aufrechtstehende Stange ziemlich weit unten durchsägen wollte, em moderner Ersatz geixten mit Becken, Schellengeläute, Tambounn, federndem Bodcm- stost und dergleick-en; mancher Schifahrer Hais schon versucht, in die Geheimnisse dieses merkwürdigen Instrumentes einzudrmgen. Bei „dezentem Spiel" klingt es nicht übel; die meisten legen allerdings das Hauptgewicht auf den Radau und bait'ann man mit ihm das Unmöglichste leisten. Jedenfalls knüpfen sich, an sein klingendes Dasein die Erinnerungen an manche lustige -Stirnbein zwangloser Schifahrerrunde. Denn gewöhnlich tritt er in Aktion, wenn die Fidulität auf der Polhohe steht und das war früher, ach der Kreis der Schneeschuhfreunde noch kleiner war, leichter und öfter der Fall, als heute, wo mit der vergrößerten Jnteressentenschar! eine Anfreundung schwerer geworden ist. Zur Weihnachtszeit kommt ein Spezialinstrument zur Geltung, der Christbaumständer, der den geschmückten Weihuachtsvaum dreht, an dem "diesmal auch Schneeschuhlaufer en mmtahire hingen, und dies mit unermüdlichem „O du fröhliche" und „Stille Nacht" Zu allen Zeiten aber, seitdem eS auf die Hohe gebracht luar,- hat das geduldige Klavier seine Aufgaben überreich erfüllt. Was hat es aushalten müssen vom Winter, Wetter und von den Menschen Als wir noch ein kleines Häuflein Sasifahrer waren und der Klubwirt noch nicht den Winter im Klubhaus zubrachte und nur nach Bedarf Samstags oder Sonntags uns begleitete,, da war es zwar sorglich in Decken verpackt, hatte aber doch jahraus, Urwüchsig und unverfälscht, wie du, ewig junge Basaltkuppe, die! Ihre Lavaflüsse wie eine riesige Spinne ihre Beine nach, allen Seiten ausstreckt, und auch meine Spinne ist, die mich immer wieder fängt. Bei diesem Unwetter ist es ein Kreuzweg, der nun durch die steinbesäte Mulde und jeusetts hinan zur Höhe des HoherodsVopfes führt; aber der Gießener Schiklub „Wintersport hat es dankenswerter Weise auch zu einem wirklichen Kreuzweg gemacht, denn Holzkreuze geben als Nebel- und Winterwegbezeich- nung die Richtung an, wenn man in hilfloser Lage, verirrt, in der Dämmerung, im Schnee und bei Nebeltreiben ist; und selbst dann findet man sich allein nur schwer von einer zur anderen Stange Ja, man must es kennen, das Gefühl der Verlassenheit, wenn es einen Heist und kalt überläuft und man nicht aus noch ein roetß, ohne Gefühl, ob der Schi bergan oder eben geht. Dann setze dich nicht, wenn dich die Nacht überrascht, müde nieder; es könnte ein Schneesturm über dich hinwegfegen und dich zudecken und erst im Frühjahr holt die Sonne dich wieder heraus als — ^Ah.^hult^e Leiche. Es geht nicht so, wie bei der Taschenuhr, die vor Weihnachten beim Klubhaus im Schnee verloren wurde und wieder lustig weiter ging, als die warme Märzsonne sie wachgeküßt, und man ihre Sehnen gespannt hatte, ober wie bei dem anderen Zeitmesser, den unser Freund im ddoveinber beim Taufstein auf der Straße plötzlich verinißte und trotz Absuchens im Schnee nicht mehr fand, über den Holz- und Bierfuhrwerk und die ganze Strenge des Vogelsberger Winters ohne Schädigung hiiiwegging, bis auch er im nächsten Frühjahr ein fröhliches Wiederticktack feierte. Du musst den Vogelsberg im Winter kennen fernen, da wird er dir durch sein subalpines Wesen Bewunderung abnötigen, so geringschätzig du im Sommer über seine weichen Linien, seine „Aussichtspunkte", sein verschlossenes, einsames Wesen denken magst. Wozu braucht er mich nun Vi Stündchen vom Ziel mit entern peitschenden Regen anzugreifen, daß, ich doch noch zu meinem Wettermantel meine Zuflucht nehmen muß und trotzdem tüchtig naß werde? Das machen die launigen Gesellen alle so! Un- verdrossen schreite ich durch die Schneeplacken weiter und bin endlich oben. i£er Klubwirt macht ein süßsanres Gesicht, der Feiertagsbesuch ist recht kläglich; man braucht kaum alle Finger, pm die Unentwegten zu zählen; Gießen hat wieder einmal fast mehr als 100 Prozent des Besuches gestellt. In der Ebene muß es jetzt ganz trostlos aussehen. Hier oben hat ein Wetter eingesetzt, bei dem man keinen Hund vor die Türe schickt, es tobt und heult fürchterlich. Da beschränkt man sich aufs Innenleben Und lernt Geduld. Und ein Trost ists, daß es wenigstens nicht' mehr schlechter werden kann. Pfeifend klatscht der Regen wider die Scheiben. Endlich gegen Abend scheints, als wenn Schnee, richtiger Schnee, sich in die überreiche Nässe mischen wollte. Die Nacht wird Abkühlung und Schneefall bringen. So wars auch; es war Schnee gefallen und im Wald, wo noch alter Schnee lag, und wo es geschützter war, konnte man von da an täglich ganz leidlich Schneeschuh laufen. II. Im Oberwald. Ist es nicht ein Genuß eigner Art, zeitig am Morgen auf Schneeschuhen durch tiefverschneite Waldschneisen, die schon in her Nähe manchmal wie zusammengewachsen aussehen, lautlos dahtn- zugleiten? Ta lockt ein Vöglein mit leisem Ton. In dieser Höhe und Winterlandschaft? Nein, es ist keine Täuschung, es wiederholt sein schüchternes Rufen. Vielleicht freut es sich, m dieser Einsamkeit noch ein lebendes Wesen zu sehen. Ich- spähe ins Fichtengezweig, bekomme es aber nicht zu sehen. ' An der Oberwaldstraße begrübe ich die Ruinen des alten Ahornbaumes, einer bekannten Weg- und Landmarke der Zigeuner. Was könnte dieser alte Geselle, der immer noch steht und jedes Jahr aufs Neue ausschlägt, erzählen! Jetzt ist es unwirtlich hier oben und es begegnet dir kein Mensch. Du könntest ungefährdet große Werte mit dir Herumtragen. Für Spitzbuben sind die Verhältnisse hier doch zu streng , . . _ Jetzt stört dich niemand; du ziehst, tu Gedanken versunken, mit den Schneeschuhen Furchen in den weichen Schnee, und läßt auf dich wirken, was dich fesselt. In den Schneisen, wo dicht mit Schnee bemängelte Fichten von hüben und drüben sich naher kommen zu wollen scheinen, wirds früh am Mittag dunkel; wenn die Nebenschleier wehen, dann verweben sie schon ganz in nächster Nähe in der Abenddämmerung alles ins Graue, Unfaßbare, Verschwommene und dem Ungewissen strebst du entgegen, gerade tote so oft im Leben unserer nächsten Zukunft. Da starrt dir wohl etwas entgegen, wie der riesige Kopf eines Ungeheuers, das auf dich lauert; kommst du. näher, dann ist's eine harmlose Fichte. Gespenstig vergrößert sich alles. Hast du dich daran 'gewöhnt, und stört es dich nicht, bann laß dieses erhabene Schweigen des Waides, die Majestät der Winterlandschaft, auf dich wirken und laß auch . auf Schneeschuhen dir Zeit, komm nicht ins Rennen, wenn Beschaulichkeit am Platz ist. Denn so allein nut deuten Gedanken bist du sonst nicht in dem rauschenden Alltag. Das sind geschentte Stunden hier oben, die dem Menschen Sammlung und Gletch- gewicht wieder bringen, ein Verweilen mitten tn der Hast des gebens So friedlich auch der Wald scheint, so setzt es doch ost erbitterte Kämpfe in ihm ab. Schau dir nur dst^Vnchen an, die etn Stück an der Oberwaldstraße entlang am Taufstein stehen und sich namentlich an der Wetterseite förmlich um ihn. geschart haben. 60 jahrein in ungeheiztem Raum wohl Wer die Hälfte des Jahres mi bringen müssen. Isis ein Wunder, dast es fetzt altersschwach und stumpf geworden ist? 'Sie gar so sehr_ über es schimpfen, tun ihm aber Unrecht; es hat allezeit sein Bestes gegeben, man must es nur verstehen, es aus ihm herauszuholen. _ Und rote daulbari sollten gerade wir Schifahrer ihm sein für bte Verlurzung der langen Abendstunden. Wie lustig gings oft zu bei seinen Klangen, ob sie gemeinsamen Liedern dienten, mujtkaltichen Bortragen und Sologesängen stimmbegabter Kunstfreunde, oder dem fröhlichen Tanz ausgelassener Menschen, die so frisch drauflos wirbelten, dast die allzubeguemen „Kommodschuhe" und Pantoffel manchmal ihren Herrn verloren: Schlapper flogen durch den Saal, Jubel, Jauchzen überall. Juchhei — ein Mordsgetriebe! , , In solchen übermütigen Stunden hast du, arnies Klavier, Jung und Alt erfreut; manchmal schien die ganze Bude auf den Kopf gestellt und wer unbeteiligt plötzlich hereingeschneit gekommen wäre, hätte gemeint, es sei Fastnacht. In dir, schmuckloser Kasten, ruht ein Stück Poesie des alten, einfachen Hohevodskopflebens, jener heiteren, bisweilen tollen Winterabende, die die damals noch kleine Zahl der Schifreunde zu harmloser Geselligkeit vereinte; du weckst die Erinnerung an beneidenswert kindlich frohe Stunden, in denen man, losgelöst von Ernst und Sorge, ganz ,wie ausgewechselt sein konnte. So erfreue noch lange, bis «ein besserer Ersatz dich ablöst, als Hauptträger des Musikalischen alle, die nach acnustreichen Schneeschuhtagen am Abend den gutgemeinten Klängen lauschen. Wer deine Leidensgeschichte kennt, wird dich gerecht beurteilen und dir immer noch ein dankbarer Zuhörer sein. (Fortsetzung folgt.) Hof-Couren und ihre Geschichte. Unter den Zeremonien mit Berliner Haie spielen eine hervor- raaende Rolle bte Gouten: sie bedeuten eine Huldigung der Hoi« aeiellichait vor dein Throne und gewähren hie Möglichkeit, solche Peiwnen, die zum 'ersten Male bei Hole erscheinen oder durch Erhöhung ihres Ranges und durch Orden ausgezeichnet tvorden sind, dem Herrscherpaar vorzusiellen. Es werden Sprech- und Tesilier- Couren unterschieden. Bei den Svrech-Coureu sind die Geladenen, geichleden nach Kategorien ihres Ranges, in verschiedenen (tie- mäcbeni des Schlosses onfgeftelli. Tie Majestäten machen in den Gemächern die Runde und nehmen den Gruss der Beisammelieit emaeaen. Hingegen bei den Tefilier-Eomen defiliert jeder Geladene an dem unter dem Thronhimmel befindlichen Herischerpaar vorüber, wobei drei Verbeugungeii zu machen sind: die erste vor dem Kaiser, die zweite vor der Kaiserin und die drille vor beiden zwammen. Tie Reihenfolge der Defilierenden wird nach der Raug- folge bestimmt. Alien voran schreiten die Mitglieder des diplo- ntaliichen Korvs, und zwar die Botschnsterinnen an der Spitze. So ist die Tefilier-Cour der eigentliche Huldigungsakt, daher sie auch als stilnt du tröne bezeichnet wird. Tie groszen Wmler'estlichkeiten bei Host, die gegeir Ende Januar beginnen und mit verschiedenen Maskenbällen dem Karneval {ent Recht eüiränmen, pflegen mit solcher Defilier-Conr eingeleitet zu iverden. Alanche junge Tarne, die zum ersten Male am Defilieren teilacnoninten hat, wird iroh sein, dies schivieiige und ans- regende Präludium überwiniden zu haben. Es ist keine Kleinigkeit, nut einer drei Bieter langen Schleppe die Zeremonie sicher und graziös aiiszuiühren. Tie Augen der ganzen Hofgesellschast sind auf die Novize gerichtet. Tie defilierenden Herren haben es bei roeuem leichter. Auch wird an ihnen, zumal ivenn es sich um emcn Geheimrat erster oder ziveiter Klasse handelt, der seine Zeit mehr hinter dem Aktenlisch als auf dem glätten Parkett des Hofes vervraebt hat, weniger icbarie'Kritik geübt. Bismarck wurde nach- gerülimt, dc.st er das Defilieren mit uniiachahntliclier Würde und vollkontmenster Finesse erledigte. Allzu o't ist er ober bei diesen Feierlichkeiten nicht erschienen, denn während der letzten anderthalb .iahrzehnte seiner amtlichen Tätigkeit hielt er sich ja von allen Hoffestlichkeite» nach Möglichkeit fern. Eine besondere Art der Defilier-Couren ist die sogenannte Spiel-Eonr. Sie findet nur statt am Abend der Vermählung eines Prinzen oder einer Prinzessin des Königlichen Hauses, sotern die betreffeube Vermählung im Berliner Schloff gefeiert wird. Tie Atajestäten sitzen bet biefer Zeremonie mit dem Bratitvaare an einem unter den Thronhimmel gestellten Spieltisch. Ebenso lassen sich Kronpriitz tmb Kronprinzessin, sowie die übrigen Prinzen und Prinzessinnen an Spieltischen zu beiden Seiten des Thrones nieder. Hinter den Stühlen stehen die Hofchargen, . Hofstaaten und Tanten und Kavaliere vonr Dienst. Tie geladenen Personeir haben mm unter Verbeugungen, wobei die erste an das Brautpaar, die beiden anderen an Kaiser und Kaiserin gerichtet werden, das Defilieren ausznn'threii. Aus Conrtoisie gegen die Vertreter der Mächte befahl der alte Kaiser Wilhelm, bah sein Spieltisch erst dann unter dem Thronhimmel aufgestellt werde und man sich überhaupt erst dann an bett Spieltischen nieberlasseii solle, wenn bas biplomalische Korps defiliert sei. Gespielt ivird bei dieser Gelegenheit an den Spieltischen schon längst nicht mehr. Tatsächlich ist aber im in. Jahrhundert gespielt worden. Der selisame Brauch mag aulgekommen iettt im Laufe des 17. Jahrhnnberts, und ztvar ivahrlchetnltch am spanischen oder französischen Hofe. Tas Kartenspielen wurde ja damals in beit Hohen Regionen mit Ivahrer Letbenscha't geübt. Kein Abend verging, an dem nicht Ludwig XIV. seine L'hombre- Parlie gehabt hätte. Eine seiner Partneriimen pflegte Madame de Maintenon zn fein. Auch wurden Piguet, Reversy, L'homme, Imperial, Triomphe, Brelan, Anpapillon, Bingtguatre, Höre, Hoc, L'Emprunt und Laitsqnenet (Landsknecht) gespielt. Alle diese Spiele waren hoffähig. „Hier in Frankreich", schreibt Elisabeth Eharlotte von Orleans 1695 aus Paris an ihre Halbschwester, bte Rangräfin Louise in Hannover, „ist bas Tanzen nun ganz aus der Blöde; sobalb Assembleen sind, tut man nichts als Landsknecht spielen; dies Spiel ist am meisten en eogue.“ Und später berichtet sie: „In den Salon, wo man spielt, gehe ich nicht bin, beim bie Spieler sehen die, so nicht spielen, scheel an und meinen als, ^nan bringt ihnen Unglück." In diesem Milieu dürste auch die Spiel-Cour erivachsen sein. Am branbenburg-preußischen Hofe scheint sie in Aufnahme gekommen zu sein unter dem ersten Preusten- könig, ber bekanntlich für Zeremonien und prächtige Hoihaltiing sehr eingenommen war. Auf den brandenburgischen Albrecht Achilles, ber ebenfalls Pracht und Glanz liebte, lägt sich nicht znrüclgreifen, denn anher beut Fackeltanz ist von den damals üblich geivefeiten Zeremonien nichts übrig geblieben. Vermachtes. * Grost-Paris. Alan braucht kaum daran zu erinnern, dasi bie Bevölkerungsdichtigkeit nuferer modernen Weltstädte in gar keinem rechten Verhältnis zur verfügbaren Bodenfläche sieht. Tahev das Streben der grosteu Städte, durch Eittgemeiitdung der umliegenden Ortfchasten 'Dictum zu gewinneit für bie Anlage von Parks unb bett Bau von breiten, gestmdheitlich einwändfreten Strasten London (7 251000 Eiitwohner auf 17^715 Hektar) und Retvport (4 767 000 Einwohner auf 81 670 Hektar) sind normt gegangen. Chicago, Philadelphia und Berlin sind dem Beispiel gefolgt. ' Jetzt schickt sich auch Paris an, den alten Fesiungsgüttel zn sprengen, der nut seinen 94 Forts die Stadt feit dem Janre 1841 einengt und befjen militärische Bedeutung durch bie weit örau&eit vor ber Hauptstadt liegenden modernen Befesligungsbauten sozusagen auf Null gesunken ist. Ter Rat ber Stabt belicht sieb gegenwärtig mit dem Plane, die 22 unmittelbar vor den jetzigen Festung-nvällen lteoenden Ortschaften einzugememben. Hierdurch würden ber Ei wohiterzahl nicht weniger als 627 ouO Seelen hinzugenigl; was aber wichtigee erscheint: beut Gebiet von nur 7088 Hektar (auf betn zurzeit die Stadt zusammeitgebräitgt ist) weitere 9uO0 Hektar. Tas neue „Grog-Pans" bliebe alsdann mit 8 390 000 Einwohnern die britt- gröstle Stabt ber Welt (welchen Rang ihm bekanntlich Grotz-Berltn ftreitig macht) und würde sich über eine mehr als dovvelr fo grojfs Fläche, wie gegenwärtig, ausdehnen. Immerhin hielte es in bieicitt Punkte nicht einmal ben Vergleich nut den „fletneieit“ ameri« kaniscbeit Grogstädten ans, von benen z. B. Chicago (Einwohnerzahl 2 1 5 00 jj über den gewaltigen Flächenraum von 47 530 Hektar verfügt. * Erklärt. Alte Jungfer (von einer Reise zurückgekehrt)! „Ach, wie elend schaut mein armes Amichen aus." — Nachbartn (die ihn in Pension gehabt): „Ja, dem Kat halt die Ans)Pracht mit Ihnen gefehlt I" . Schachaufgabe. Schivarz. 8 6 3 2 5 4 1 7 6 5 3 8 7 4 2 1 g h a b abedefgh d e Weist. Weist setzt mit dem vierten Zuge Mait. Auflöfung tu nächster Wununer. Auflösung der Charade in voriger Nummert Stnrzbach. Redaktion: K. tzleurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Umversitäts-Buch- und Storni) rueferei, R. Lang«, fötejen»