Donnerstag, den 26. September IWoSr H-Noi'i Glasser». ii i>ie® ■ÄBA ikH WW N 8 Die Dame im Pelz. Roman von G. W. A p p l e t o n. (Nachdruck »erboten.)' (Fortsetzung.) Nachdem der Notar sich die Geschichte angehört hatte — vollkommen regungslos, als ob es die alltäglichste Sache von der Welt wäre — stimmte er Mortimer in allem bei und gab seinen Leuten gleich die Anweisung, die erforderlichen Schriftstücke sofort anzufertigen. Wir waren im Begriff zu gehen und versprachen, nach etwa einer Stunde zurückzu kehren^ als ich Zufällig einen großen eisernen Geldschrank bemerkte. Da kam mir ein glücklicher Gedanke. Wollen wir das Geld nicht gleich hier lassen? fragte ich. Gesagt, getan. Als wir die Treppe hinuntergingen, meinte Mortimer lachend: Wenn man's mit so teuflichen Kerlen vorhat, kann Man entschieden nicht vorsichtig genug sein. Wir gingen ein Paar Minuten darauf gerade an einer engen Stelle des „Strandes" und debattierten, wo wir essen wollten, als Plötzlich ein Droschkengaul stürzte und der Fahrgast dicht neben uns heftig aufs Pflaster geschleudert wurde. Es dauerte keine Minute, so befanden wir uns in einem großen Gedränge, und als ich mich durchzwängen wollte, fühlte ich deutlich eine Hand an meiner Brusttasche. Ich drehte mich schnell um und erblickte wieder das Gesicht, das ich gestern nacht an meinem Fenster gesehen hatte. Ich tat einen Griff nach ihm hin, er entwischte mir aber und war wie der Blitz verschwunden. Sobald ich aus der Menge herausgetreten war, bemerkte ich sofort, daß mein Rock mit irgend einem scharfen Werkzeug aufgeschnitten und alles, was ich in der Tasche gehabt hatte — es waren größtenteils Papiere — daraus verschwunden war. Sieh hier! sagte ich zu Mortimer, der in diesem Augenblick wieder zu mir stieß. Wenn ich das Geld nicht dort gelassen hätte, wär' ich's jetzt gründlich los. Mortimer stand wie versteinert. Hast du was von dem Kerl gesehen? Jawohl. Derselbe? Genau derselbe. Alter Junge, sagte er, das ist 'n starkes Stück. Wir haben es mit einem verteufelten Gegner zu tun. ■ Darnach können wir es nicht wagen, in einem öffentlichen Restaurant über die Sache zu sprechen. Wir wollen in einen Klub zum Essen gehen. 4. Kapitel. Da im Klub alle Tische besetzt waren, mußten wir während des Essens auf die weitere Unterhaltung über unseren Gegenstand verzichten. Mit Kaffee und Zigarre suchten wir uns jedoch eine abgelegene Ecke tm Rauchzimmer. Mortimer kam zuerst wieder auf unser Thema zurück. Eine höchst merkwürdige Geschichte, wahrhaftig! begann er, und du bist, ich will nicht gerade sagen, in eine üble/ aber sicherlich in eine sehr eigentümliche Lage geraten. Wir wollen nns jetzt mal klar machen, welchd Rolle du eigentlich in der Sache spielst. Das 'ist gerade das, was ich wissen möchte. Also gut. Vor deiner Tür wird ein bewußtloses Weib gefunden. Du magst vielleicht kein guter Samariter sein, aber du bist Arzt. Du wirst hinzugerufen. Deine Pflicht liegt klar auf der Hand. Du läßt sie sofort in deine Wohnung bringen. Ist das eine tadelnswerte Handlung? Nehmen wir mal an, du hättest sie draußen in der Kälte umkommen lassen. Dann würde die ganze Stadt voll sein ob deiner llnmenschlichkeit. Das Weib hat plötzlich das Erinnerungsvermögen verloren. Um so mehr Grund für dich, dich ihrer auzünehmen. . Das sind Dinge, die jeder Mensch zugeben muß, warf ich ein. Schön. Außerdem bittet sie dich darum; und jetzt befindet sie sich in der Obhut deiner Schwester, so daß üble Nachreden vollkommen ausgeschlossen sind. Ich nickte zustimmend mit dem Kopf. Die Tatsache, daß sie eine gewisse Summe Geldes im Besitz hat, fuhr Mortimer fort, ist bloß ein nebensächlicher Umstand. Abgesehen von dem Mangel an Erinnerungsvermögen, befindet sie sich jetzt, wie du sagst, wieder bei vollem Bewußtsein und in voller Zurechnungsfähigkeit. So gut wie ich selbst. Und kann über ihr Eigentum selbstverständlich nach freiem Ermessen verfügen. Soviel steht also unbestreitbar fest. Ganz recht, sagte ich; du darfst aber nicht vergessen, daß der Brief mit dem Gelde — es mag nun hergekommen sein, woher es will — an mich adressiert war. Den Fall gesetzt, du erhieltest ein Kuvert mit deinem Namen und deiner Wohnung darauf und fändest eine Fünfzig-Pfund-- Note drin ohne jedes Begleitschreiben. Was würdest du mit dem Schein machen? Aufheben oder einfach für dich verwenden? Mortimer lachte. Ich würd' ihn. sicher nicht aufheben, antwortete er dann; aber es ist ein kleiner Unterschied zwischen eurem Fünfzig-Pfund-Schein und fünfzigtausend Dollars in Banknoten. ,,. t , Das ist allerdings ein kleiner. Unterschied, erwrderte ich Ich danke dir, daß du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Das hatte ich nicht überlegt. Entschuldige meine Unterbrechung. Bitte, weiter! Nun kommen wir also zu dem geheimnisvollen Mädchen! Wer sie ist und ob sie loirklich mit Garcia unh seinen Mitverschworenen in irgendwelchen Beziehungen steht oder nicht, entzieht sich unserer Kenntnis. Wie du sagst, — 602 — bat sie einen amerikanischen Akzent und einen spanischen Typus. Garcia war zweifellos Spanier und Itejj, wenn ich mich recht erinnerte, damals durchblicken, daß er rn Kalifornien lebe. Sie trägt amerikanisches Schuhwerk und Kleider und hat einen Haufen amerikanisches Geld sei sich. Dieses Geld ist, wie du sagst, an deme Adresse gerichtet. Daraus geht offenbar hervor, day sie eme Amerikanerin und nach England gekommen ist, um dich tn einem besonderen Auftrage aufzusuchen. Warum gerade dich, bleibt vorläufig ein Rätsel. Uitb zwar ein verteufelt schwer lösbares, alter Junge. Unter den gegenwärtigen Umständen ganz entschieden; uDer wir wollen hoffen, daß wir bald Mittel und Wege finden, die uns der Lösung näher bringen. Und damit komme ich auf den springenden Punkt. Sie kommt trt London an, wahrscheinlich auf irgend einem Umweg, um ihren Feinden zu entgehen, und hat das. Glück, den Weg zu ihrem Bestimmungsort richtig zu finden. Sie langt auch an und mit ihr das Geld. So weit war von ihrem Standpunkte aus' alles wohl gelungen. Nun fangen aber deine Nöte an. Du folgst meinen Ausführungen doch? Mit der größten Aufmerksamkeit. Gut, angenommen, ihre Erinnerung kehrt nun nicht so rasch wieder, was willst du dann mit ihr beginnen? Du kannst sie selbst nicht auch in Chancery- Lane deponieren und den weiteren Verlaus der Angelegenheit einfach ab- warten. ,, ,,, , o , Diese Bemerkung ärgerte mich eigentlich etwas, denn es war keine Sache zum Spaßmachen. Darüber brauchen wir nicht zu verhandeln, erwiderte ich, ich dachte, ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt, als ich dir vorhin zu verstehen gab, daß ich die Dame als meinen Gast betrachte. _ Dieser Umstand würde mir durchaus nicht unangenehm sein; ich möchte im Gegenteil ^äßft! pst! Du gerätst wieder in Harnisch, unterbrach mich Mortimer scherzend. Ich will mich vorsichtiger ausdrücken. Ich wollte damit nur sagen, daß es der Dame selbst wahrscheinlich gar nicht unerwünscht sein wiirde, zu wissen, wer sie wäre, woher sie käme und zu welchem Zweck sie dich aufgesucht hätte. Wahrscheinlich nicht, antwortete ich; aber hast du 'ne Idee, wie man das in Erfahrung bringen könnte? Ich habe sogar zwei. Erstens pflegt ein Mädchen in diesem Alter nicht allein zu reisen, sie hat zweifellos eine Dienerin oder Gesellschafterin bei sich gehabt. Und dann ist tausend gegen eins zu wetten, daß sie zuerst in einem der großen amerikanischen Hotels abgestiegen sind. Wir wollen heute nachmittag einen Rundgang durch sie machen; in einem finden wir vielleicht ihre Begleiterin. Es scheint mir eine ziemlich schwierige Aufgabe, sagte ich. Immerhin ist es nicht unmöglich, daß etwas dabei herauskommt. Und nun zu Idee Numero zwei. Die ist, daß sie deine Richmonder Adresse von jemanden bekommen haben muß. Garcia wußte sie nicht, denn er brachte, wie du dich erinnern wirst, den Empfehlungsbrief von deinem Vater damals ins Hospital. Ich meine also, wir müssen auch dort mal vorsprechen und Nachfrage halten, ob eine junge Dame, wie du sie beschrieben hast, während der letzten Tage dort gewesen ist und sich nach deiner Adresse erkundigt hat? Weiß Gott! rief ich. Das ist 'n großartiger Gedanke, da wird sich sofort Herausstellen, ob sie irgendwie mit Garcia in Verbindung steht oder nicht. Ganz recht. Doch zuerst laß uns nun zum Notar zurückgehen. Als wir ankainen, lag schon alles für uns bereit. Ich beschwor pflichtgemäß die im Protokoll niedergesetzten Tatsachen und unterzeichnete mit Mottimer gemeinschaftlich ei» zweites Schriftstück dahingehend, daß wir beide die Verantwortung für die Verwahrung der zehntausend Pfund übernahmen. Nach der Depositengesellschaft in Chancery Lane war es nur ein Katzensprung. Wir mieteten daselbst ein Fach, legten die fünfzig Tausend-Dollar-Noten hinein und erhielten jeder einen Schlüssel dazu. Als wir hinausgingen, atmete ich erleichtert auf. Was das Geld- anlangte, sagte ich zu meinem Freunde, so können uns nun all die Verschwörer der Welt nichts mehr anhaben. Diese Sorge sind wir glücklich- los. Uebri- gens ist es von hier gar nicht weit nach- der Klinik; ßch möchte Vorschlägen, zuerst dorthin zü gehen und- die Hotels nach-h-er abzuklappern. Gut, meinte Mortimer; und wir begaben uns gerades- w-egs nach dem Spital. Ch-arleys Scharfsinn bestätigte sich glanzend-. . Der Pförtner erinnerte sich ganz genau alles dessen, was wir tn Erfahrung zu bringen wünschten. Eine sehr schöne junge Dame — ein feines, elegantes Weib!, >wsie er sich ausdrückte — war am vorhergehenden Tage an seine Tür-e gekommen und hatte nach der Privatadresse des Herrn Doktor Edward Williams gefragt. Er hätte natürlich sofort gewußt, wen ie meinte, und drinnen nachg-esehen. Dann hatte er ihr die -gewünschte Adresse — Richmond, glaubte er, s-er es gewesen — auf ein Zettelchen geschrieben und gegeben. Sie schien hocherfreut darüber, fügte er lachend- hinzu, denn sie gab mir einen Sovereign. Es War doch hofsentlich recht so, Herr Doktor? , „ Ganz gewiß, George, gab ich ihtn zur Antwort; besten Dank! Wir Doktoren können, wie Sie wissen, leider nicht o mit Sovereigns nm uns werfen, aber hier haben Sie wenigstens ein kleines Trinkgeld. Damit gingen wir weg. Was sagst du nun? wandte ich mich- an meinen Freund. Ich geb' dir mein Ehrenwort, Charley, ich hätte im Leben nicht daran gedacht. Daß Garcia in irgend einer Weije mit der Sache in Zusammenhang steht, ist dadurch zweifellos erwiesen. , , . Allerdings, erwiderte Mortimer, aber ich vermute, wir haben trotzdem noch ein schweres Stück Arbeit vor uns, ehe wir die Geschichte richtig aufgeklärt haben. Du mußt bedenken, daß wir von Garcia durchaus keine Kenntnis haben, und ebenso wissen wir nicht, welche Rolle Pein Vater in der ganzen Angelegenheit spielt. Hast du dir das schon mal überlegt? Das habe ich nicht; deshalb brachte mich diese Andeutung auf einen.ganz neuen Gedankengang, der mich- aber der Lösung des Rätsels auch nicht näher führte, denn, wie ich -erwähnt habe, hatte ich von dem TUn und Treiben meines Vaters in der letzten Zeit keine Ahnung. Doch fiel mir ein, daß meine Tante Maria in dieser Beziehung vielleicht Aufschluß geben könnte. Wo wollen wir uns nun zuerst hinwenden? fuhr Mot. timer fort, ins Grand, Cecil, Metropol oder Viktoria? Versuchen w-ir's der Reihe nach, antwortete ich. Schön, sagte er; und im nächsten Moment rollten wrr in einer Droschke nach dem Grand Hotel zu. Es war eine etwas peinliche Sache, in einem solch großen und vornehmen Hotel nach- einer Dame zu fragen, von der man noch nicht mal den Namen wußte. Aber Mortimer verließ sich auf sein sicheres Auftreten und sein feines Taktgefühl. Er fragte sofort nach dem Direktor und ließ ihm feine Karte überbringen. Es dauerte auch gar nicht lange, so wurden wir in sein Privatb'ureau geführt. (Fortsetzung folgt.) Mderikens Verhängnis. Humoreske von Adolf Thiele (Waldenburg). „Also, Friederike, wenn Sie die Zimmer abgeschlossen haben, verstecken Sie die Schlüssel an dem bekannten Ort und schließen Sie dann auch die Wohnung gut ab!" sagte die „Gnädige auf dem Bahnhof zu ihrem Dienstmädchen. „Gnädige Frau können sich ganz auf mich verlassen, versicherte Friederike, „ich wasche hinten noch auf und schließe alles gut ab. Die Gnädige bestieg nun beruhigt in Begleitung ihres Gattern des Bankbeamten Gerlach, den V-Zug, um vom Anhalter Bahnhof aus die Reise in die Berge anzutveten. Ihr Gatte hatte sich diesmal entschlossen, seinen Urlaub in Thüringen zu verleben, und das noch nicht lange verheiratete kinderlose. Paar hielt -es für das Beste, Friederike während dieser Zeit bet ihren Eltchn, leidlich gut gestellten Landleuten in der Neumark, verweilen zu lassen. Nach drei Wochen sollte, sie dann zurückkehren und die Herrschaft erwarten. Gegen Einbruchsdiebftahl hatte der vorsichtige Herr Gerlach auch versichert — alles war in schönstes Ordnung. '■ ■ m L Zu dieser Politik des Vertrauens gehörte auch das Vertrauen auf Friederikens Seele. -T-as Mädchen hatte sich in den drei Monaten, in denen sie Gerlachs „ihre Kraft widmete", zuver- ^^^Heute^war bei der Abreise alles etwas überstürzt worden, Friederike hatte daher noch einige häusliche Pflichten, so das prosaische aber notwendige Aufwaschen, zu erfüllen, elw üe dw 603 Wohnung verließ, uni "mit Lent AbenMge ebenfalls abzureisen. Ein Blick in Friederikens biederes Antlitz sagte ja Volle Sicherheit KU. , Mit den besten Vorsätzen ausgerüstet, strebte die tugendreiche Friederike ihrem Heim zu, als ihr Verhängnis nahte. Friederike nannte, wie es selbst den biedersten Mädchen passieren! kann, einen Bräutigam' ihr eigen, einen Stadtreisenden in Essig Und Oel, der allerdings bis zum Kommerzienrat noch einen ziemlich weiten Weg vor sich hatte. Kiefer hatte natürlich vont Reiseplan seiner Teuren erfahren und traf sie, unt von ihr Abschied zu nehmen, in einem kleinen Restaurant. , Als Friederike, die „sich angezogen hatte" und also restau- ratronsfähig war, das Gastzimmer betrat, sand sie dort ihren Herzensmieter in Gesellschaft eines Freundes, eines lustigen Kollegen, der sich einige Stunden frei gewacht hätte und mit seiner Braut die Freuden des irdischen Käseins genießen wollte. Friederike, die jubelnd begrüßt wurde, wollte nur kurze Zeit bleiben, da ihr pflichttreues Gemüt der verschiedenen Arbeiten gedachte, die ihrer.zu Hause noch warteten. Als nun die beiden Freunde erfuhren, daß die gutmütige Maid für heute abend alleiniger Inhaber der Wohnung war, reifte in ihnen ein kühner Plan. „Weißt du was," sagte ihr Bräutigam zu der verwundert Aufblickenden, „wir gehen alle een bißken zu euch und feiern in ganz einfacher Weise Abschied. Een bißken Essen wird doch wohl noch da sein —" Friederike wollte zuerst von dieser Feier nichts • wissen, als aber beide ihr vorstellten, daß die Sache doch „riesig harmlos" wäre, willigte sie ein. Unauffällig, in zwei Heerhaufen geschieden, rückten nun die Verbündeten in die Wohnung ein. Zunächst wurde einmal die Küche und Speisekammer revidiert, und es wurde sogar noch mehr als „een bißken Essm" gefunden. Der Tisch int Speisezimmer war noch gedeckt, doch ehe man sich niederließ, wurde die gutherzige Friederike überredet, in den Keller hinabzusteigen und einige Flaschen Wein heraufzuholen. Tie Bemerkung des lustigen Freundes, „damit er nicht verdirbt", wurde gebührend belacht. Während man das durch heitere Reden gewürzte Mahl zu dritt eiunahm und Friederike durch mehrmaliges Nötigen zum Trinken noch gutmütiger gestimmt worden war als bisher, unternahmen die beiden edlen Freunde eine Entdeckungsreise in das Zimmer des Hausherrn und kehrten mit einer Kiste Zigarren zurück. Es war eine recht vergnügte Gesellschaft, die beim Schimmer der Gasflamme am Tisch saß und es sich» Wohlsein ließ. Schließlich wurde Friederike nochmals veranlaßt, in den Keller zu steigen. Nun wurde man immer lustiger. Vor Ueberraschungen durch andere Mitbewohner des Hauses war man ja gesichert, befand sich doch die unter der Etage häufende Familie in der Sommerfrische. Ungeniert .bewegte man sich daher 'durch die ganze Wohnung, und unt den Salon gebührend bewundern zu können, zündete man dort den achtflammigen Gaskronleuchter an. Friederike setzte es jedoch mit Entschlossenheit durch, daß im Salon nicht geraucht werden dürfe, und daher hielten sich die Herrschaften auch nicht lange dort auf. Immer mehr dämmerte in Friederike etwas wie Pflichtbewußtsein auf, sie räumte die Tafel int Speisezimmer ab und begab sich dann in die Küche, um aufz-uwaschen. Als sie Kurückkehrte, fand sie die beiden Freunde eiugeschlafen auf dem Sofa sitzend. Sie weckte sie, lüftete das Speisezimmer und veranlaßte durch diesen zarten Wink die Gäste, an den Aufbrnch zu denken. Jede Kleinigkeit brachte sie int Speisezimmer in Ordnung, die Weinflaschen versteckte sie in einer Kammer hinter der Küche, die Fenster wurden geschlossen, die Vorhänge herabgelassen, und dann geleitete sie ihre Gäste auf die Treppe hinaus. Während diese möglichst leise hinabgingen, löschte Friederike die Gaslampe, verschloß die Tür zuM Speisezimmer, versteckte den Schlüssel 7,am bekannten Orte" im Korridor, nahm ihren Handkoffer und verließ ebenfalls die Wohnung., Nachdem sie auch diese richtig verschlossen hatte, siel ihr ein Stein voM Herzen: nun würde hie Herrschaft von der Abschiedsfeier doch nichts merken. ZuM Abendzuge war es zu spät geworden, aber es gab, wie man schon beim fröhlichen Mahle überlegt hatte, noch einen Nachtzug. Tie dankbaren Gäste begleiteten Friederike auf der Elektrischen zum Bahnhof, und nachdem man dort noch vergnügt eingekehrt, brachte man die liebenswürdige Gastgeberin, das heißt Gastgeberin auf fremder Leute Kosten, Mw Wagen. Friederike verlebte ihren Urlaub in stiller Zufriedenheit int Elternhause, und wenn sie hier und da einmal an die Abschieds- seier dachte, so hatte sie das beruhigende Gefühl, daß jede Spur davon getilgt war; zudem würde sie ja einige Stunden vor der Herrschaft in die Wohnung zurückkehren. Doch mit des Geschickes Mächten ... Tas Ehepaar Gerlach hatte beabsichtigt, die Reise an einem Sonnabend zu beenden und spät abends Nach Berlin zurückzufahren. Seit mehreren Tagen herrschte nun int schönen Thüringer Lande Regen und Kälte, so daß es einen Stein erbarmen konnte, und da auch am Freitag abend das Barometer nicht zu steigen geruhte, beschloß Man, schon früh am Sonnabend morgen abzureisen. Friederike wurde telegraphisch benachrichtigt, ehe das Ehepaar „in aller Herrgottsfrüh" bei strömendem Regen tn den Lug stieg. Ms das TelegrämM in Friederikens HpiMät eintras, war das Mädchen jedoch nicht Mehr anwesend; sie war bereits aM frühen Morgen, einer Einladung ihres Bräutigams folgend, nach Berlin abgeöaMpft, um mit ihm dort noch einen halben Tag zu verleben. Tas Telegramm wurde nach Gerlachs Wohnung gesandt/ dort aber war niemand zu Hause, und so wurde es denn hem Hauswirt übergebm. Tas Ehepaar war erstaunt, Friederike, die Wichtgetreue!, nicht zu finden. Der Hausherr öffnete die FlNrtür, Man suchte und fand den Schlüssel zum Speiszimmer, trat ein und machte Licht. Tann ging äs ans Auspacken der Koffer. Schließlich erschien denn auch Friederike und erschrak nicht wenig, .als sie die Herrschaft bereits anwesend sand. Ein prüfender! Blick durch das Zimmer sagte ihr aber bald, daß nichts die lustige .Abschiedsfeier verriet. „Also alles in Ordnung, das ist ja schön!" sagte die junge Fran zu ihrem Gatten, während Friederike sich int stillen freute. Die Hausfrau schritt nun auf den nebenanliegenden Salon zu, öffnete die Tür und taumelte einen Schritt zurück, indem sie einen leichten Schrei ausstieß. Auch dem Gatten, der nach ihr hinblickte, lähmte das Erstaunen die Züge; Friederike meinte aber, sie solle in den Erdboden versinken: da drinnen im Salon — brannte der achtflaMrnige Gaskronleuchter. Die bestürzte Friederike beichtete unumwunden, und ein Schauer von Vorwürfen prasselte auf ihr schuldiges Haupt nieder. Die Gasrechnung wurde auf ihr Konto gesetzt: zwanzigmal vierundzwanzig Stunden acht Gasflammen gebrannt, das gab einen stattlichen Posten, und als Friederike ihr Malheur ihrem Bräutigam klagte, da hatte dieser auch noch die Keckheit, zu sagen: „Tas war ein teurer Urlaub, da wärst du ja billiger fort-, gekommen, wenn du im teuersten Schweizer Hotel gewohnt und dabei eine Gasflamme gebrannt hättest!" €in unwiderstehliches Gambit. In der Schachwelt gibt es gegenwärtig eine wahre Er'- regung. Ueberall zerbricht man sich über das Rätsel, das sie aufgibt, die Köpfe. Sein Name heißt: Die Schweizer Partie. Es ist dies eine Gambitpartie*) und ihr Erfinder ist ein Oester- reicher : der in Stanislaus in Galizien lebende Oberrevident der k. k. Staatsbahnen, Alexander Wagner. gibt eine große Zahl Gambitpartien, mnd allgemein ist das Urteil, daß ihr Reiz in den, man kann beinahe sagen, phantastisch kühnen Entwicklungen liegt, zu denen jede von ihnen führt. Nur aber hat die Praxis gelehrt, daß bei ihnen dem Angreifer die Sicherheit abgeht; er beginnt mit einem Opfer,- und das führt in der Regel zum Verlust. Und nun kommt Herr Alexander Wagner daher. Er entblößt seine Stellung gleich in den ersten Zügen in einer bisher noch nicht dagewesenen Weise und das Ergebnis ist, daß sein Spiel zum Gewinn führt, und zwar in unwiderstehlicher Weise. Er hat in 15 Korrespondenzpartiett 14, sodann in 12 darauf gefolgten Partten 11 gewonnen und jedesMal eine zu Remis gebracht. Und das Schönste ist, daß die großen Meister — unter ihnen der Weltmeister Schlechter — einstimmig erklären, daß sein Gambit, wenn der Gegner es „annimmt", in der Tat unbesiegbar ist. Man muß es demnach, wenn man nicht unterliegen will, „ablehuen". Aber welches die richtige Ablehnug, die richtige Antwort auf seinen entschei- denden Zug — g 2 g 4 — ist, das hat bisher noch niemand gefunden! . Angesichts dessen wird es unsere Leser, unter denen pch ja so viele Schachfreunde befinden, gewiß interessieren, zu erfahren, wie Wagner zu seiner Erfindung gelangte. Er erzählt davon im Neuen Wiener Tagblatt: Auf dem 7. schweizerischen Fernturnier, Nov. 1911, habe ich gegen einen meiner Partner zur. Abwechslung f 2—k 4,eröffnet und statt des üblichen Frontzuges e 7—e 5 zur Antwort f 7—f 5 erhalten. Nun habe ich sogleich im Bilguer nachgeschlagen und darin eilte Notiz gefunden, daß die Deutsche Schachzettung 1859/61 die Fortsetzung 2, 6 2—6 4 erwähnt, sie jedoch für Weiß als unvorteilhaft erklärt (wegen f5X64, 3. Sb 1—c3, Sg—f6, 4. d 2—d 3, e 4xd 3, 5. L fxd 3, d 7—d 5). Die Schachwelt, gewöhnt Jurare in verba magistri (zu schwören auf die Worte des Lehrers), hat sich seither mit dieser Spielart nicht mehr befaßt, trotzdem Bild im Wiener Turnier 1873 mit der Eröffnung 1 f 2—f 4, f 7—f 5, 2. 6 2—6 4, f 5xe 4, 3. d 2—d 3, über Dr. Gelbfuß einen brillanten Sieg errang. Nun habe ich das beregte Gambit eingehend untersucht, mit dem Resultate, daß nach 3. S b 1—c 3, S g 8—f 6, die richtige Fortsetzung nicht 4. d 2—d 3, sondern 4. g 2—g 4 ist, worauf Weiß sofort den Springer bedrohend unter allen Umständen gewinnen muß, zumal auch auf alle Gegenzüge unentwegt 5. g 4—g 5 nachfolgt, worauf Schwarz kaum noch schwache Reniischaucen, und diese nur durch 6. S f 6—g 8 haben kann. „ , m Mit diesem von mir jedenfalls zuerst tn Auwendung gebrachten vierten Zuge g 2—g 4, brachte ich Meinen Gegner tm achtzehnten Zuge zur Strecke, worauf ich diese Eröffnung dem .*) Gambit ist eine Spieleröffnung, wobei vom Anziehenden in den erstell Zügen ein Bauer scheinbar ohne Ersatz preisge- ' geben wird. 604 Turnier zu Ehren „Tas Schweizergrambit" genannt habe. Der Verlauf .dieser Stammpartie war folgender: Weiß: Alex. Wagner (Stanislau). — Schwarz: Direktor V. Castin (Jassy) । 1. f 2—f4, f 7 — f 5. 2. e 2 — e 4, f 5 X f 4. 3. S b 1 — c 3, Sg. 8-fg. 4. g 2—g 4, d 7—d 5. 5. g4-g5, L c8-g 4. 8. Lfl-e2, L g 4 X e2. 7. ' D d 1 Xe2, Sf6-g8. 8,De2-b5, Sb8-d7. 9. D b 5 X d 5, c 7—c 6. 10. Dd5xe4, Dd8-e7. 11. 8 g 1—f 3, 0—0—0. 12. S f 3-d 4, S d 7—c 5. 13. D e4-e3, D c 7—d7. 14. Sc3-e2, Dd7—d5. 15. Tbl—gl, Td8—d6. 16. d 2—d 3, Sc5—e6. 17. De3—h3, Kc—b8. 18. c2—c4. Schwarz gab auf. Zwecks Bereicherung der Analyse habe ich sofort nach Beendigung dieser Partie gleichzeitig zwanzig.Korrespondenzpartien gegen die bedeutendsten europäischen Schachmeister, beziehungsweise Theoretiker begonnen Mit dem bisherigen Ergebnis von 11 Gewinn- und einer Remispartie auf 12 beendigte Spiele. In der Schachwelt hat die Sache großes Aufsehen gemacht. Die in Pistyan versammelten Meister haben die Eröffnung analysiert, doch keine Widerlegung gefunden; und somit glaube ich, das Urteil Meister Spielmanns, welches, die herrlichen Gambitspiele aus der Reihe korrekter Schuleröfsnungen verbannen wollte, glänzend widerlegt zu haben. Tie Schachromantik hat noch lange nicht ihr letztes Wort gesprochen. vermischtes. — Elektrischer Schlaf. In der letzter Nummer der Berliner klinischen Wochenschrift berichtet Tr. Nagelschmidt über eine neue von ihm erzeugte elektrische Stromart, die 6et ihrer Anwendung — je nach dem Orte, an dem der Strom eintritt — eine völlige Aufhebung der Schmerzempfindung oder des Bewußtseins bewirkt. Es handelt sich um einen dosierbaren Wechselstrom. Bei entsprechender Stromstärke und bei geeigneter Anbringung der Elektroden konnte ernt Arm und an der Hand die Schmerzempfindung vollkommen ausgeschaltet werden; die Empfindungslosigkeit war so stark, daß tiefe Nadelstiche und operative Eingriffe nicht mehr gespürt wurden. Nur die Berührungsempfindung blieb zum Teil erhalten. Noch auffallender war die schlafmachende Wirkung, die vorderhand allerdings nur an Tieren nachgewiesen wurde. Ließ man den Strom am Gehirn eintreteu, so erfolgte eine vollständige Narkose, die beliebig lange aufrecht erhalten werden konnte. Nach den Tierversuchen zu urteilen, scheint dieser elektrische Schlaf vollkommen ungefährlich zu sein. Nach Ausschaltung des Stromes waren die Tiere,— Kaninchen und Hunde — in .kurzer Zeit stets wieder munter. Bei einem Kaninchen wurde die Narkose zweimal bis zumwölligen Aussehen von Puls und Atmung gesteigert, so daß das Tier wie scheintot dalag, und beide Male gelang es mittels rhythmischer Einwirkung des gleichen Stromes, das Tier wieder zum Leben zu erwecken. — D ie Krone des Propheten. Der berühmte Tenor der Wiener Hofoper, Leo Slezak, erzählt in der „B. '3. a. M." scherzhaftes aus seinem Leben. Hier eine Probe: „Herr Kammersänger — die Krone! —" „Was denn?" — „Also nämlich die Krone vom Propheten, bitte." — „Wieso?" — „Also bitte, sie ist, wos man so sagt, also nicht in den Prophetenkuffer hineingegangen — jetzt hab' ich sie in Zeitungspapier gewickelt — aber fest mit Spagat (Bindfaden) bitte!" — So reichte mir Franz bei der Abreise ein Paket in den Schlafwagen, zog den Hut und ging. Elsa, mein Gemahl, war entsetzt! „Die schöne, neue Krone, mit den vielen Steinen, Ornamenten, Hermelinbesatz, — wie leicht könnte so etwaS verbogen und aus der Form gebracht werden." — Sofort war eine von den vielen Aergernis erregenden Hutschachteln entleert, die Krone hineingelegt und schlafen gegangen. — Nachts — Zollrevision! „Nichts Versteuerbares?" — „Nein, gar nichts, bitte!" — „Den Karton öffnen!" — Innerlich fluchend, äußerlich freundlich, knüpfte ich das Zeitringspaket auf, — der Beamte verfolgt aufmerksam jede meiner Bewegungen. Als endlich die hermelinbesetzte Krone zum Vorschein kommt, sagte er devot: „Danke gehorsamst, Hoheit, entschuldigen schon die Störtmg!"-- — Napoleon I. und S äuglings schutz. Wir leben im „Jahrhundert des Kindes". Die 'Frage des Säuglings- und Mutterschutzes liegt weit aufgerollt vor uns. Wir hoffen, daß die Humanität dem sozialen Elend gegenüber bald Triumphe feiern wird. Alle Regierungen suchen sich nach dieser Richtung hin zu betätigen. Und da müssen wir entdecken, daß wir eigentlich nur in ausgetretenen Pfaden wandeln. Schon Napoleon der Erste, der Soldatenkaiser, hat vor mehr als hundert Jahren einen geradezu vorbildlichen Mutterschutzverband begründet. Im Jahre 1811 entstand auf direkte Veranlassung des Kaisers die „Societe de la charite maternelle“, die den Zweck hatte: „Armen Wöchnerinnen beizustehen und die natürliche ^Ernährung des Kindes zu fördern". Diese Mitteilung bringt eine indische Zeitschrift, allerdings mit dem Nachsatz: „Es waren vermutlich nicht rein menschliche Empfindungen, nicht nur das Mitleid mit den armen Frauen und ihren Kleinen, die den Korsen zum Treffen dieser Maßregel bewogen. Es erscheint vielmehr die Annahme berechtigt, daß er wie auch bei beut berüchtigten Paragraphen 340 seines „Code Civil“, der das Forschen nach der Vaterschaft (La recher- che de la paternite) verbietet, sein Auge lediglich auf die Vermehrung der Bevölkerung gerichtet hielt, die seiner Autorität unterstand und zwar aus dem Grunde, weil seine menschenmordenden Kriege andauernd neues und lebenskräftiges Material verlangten. Aber immerhin, was auch die Triebfedern gewesen sein mögen, die ihn zur Begründung der „Bereinigung für Mutterschutz" veranlaßt haben, die Tatsache der Begründung selbst zeugt für den weiten Blick des Kaisers in der höchst wichtigen Bevölkerungsfrage. „Der Kaiser stellte selbst 500 000 Franks aus feiner Privatschatulle zur Verfügung; das weiter notwendige Geld wurde durch Zeichnungen und Sammlungen aufgebracht. 'Die Frauen, die für die Unterstützung in Frage kamen, empfingen die Summe von 135 Franks, und zwar so verteilt, daß ein Betrag für die Aussteuer ausgesetzt ivar, ein zweiter für die Unkosten des Wochenbetts, während ihnen außerdem vierzehn Monate lang ein Zuschuß von sechs Franks pro Monat verliehen wurden, abgesehen von anderen kleineren Unterstützungen." Es gibt eben nichts Neues unter der Sonne, sagt Rabbi ben Akibä. Und die scheinbar neuen Ideen der Frauenbewegung sind oft alten Ursprungs. bk. Lina Cavalieri über die Liebe auf den ersten Blick. Die schönheits- tmb liebeskundige Lina Cavalieri soll jüngst nach einer Mitteilung des „Gil Blas" eine Aeußeruug über die „Liebe auf den ersten Blick" getan haben. Sie glaubt, das sei vorweg genommen — an die Wirksamkeit der Liebe aus den ersten Blick, denn auf die Frage, was mau brauche, um geliebt zu werden, soll sie erwidert haben, indem sie eine Geschichte erzählte: „In einem Spielsaale Monte Carlos begegnen sich ein Mann und eine Frau, die einander noch nie gesehen haben. Sie tauschen einen Blick aus und — verstehen sich. Sie wissen, daß sie nicht ohne einander leben können, aber da beide nicht frei sind, dürfen sie nicht sprechen. Sie verlieren einander aus den Angen. Eines Tages führt der Zufall sie wieder zusaminen. Und dieses- mal verlieren sie sich nicht wieder. Eines Tages sagte ich zu einer Freundin: „Ein Herr aus meiner Bekanntschaft hat mich in Paris nach Ihnen gefragt." Und die Dame ruft sosort aus: „Das ist er, es kann kein anderer sein!" — Sehen Sie, ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick. Wenit man liebt, liebt man sogleich." * Der Zug der Kultur. Tourist „Schönes Kind, können wir jeder a Portion G'selchtes haben?" — Sennerin: „Des gibt's halt net, aber Kavierbrötchen oder a Hummer-Mayonnaise könni S' haben!" * Das ist ganz etwas anderes. Tie Frau des Geschworenen, der über eine Schneiderrechnung furchtbar tobt: „Ja, wenn ich eine Mörderin wäre, dann hättest du mich schon längst freigesprochen!" Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein;. "Immer wieder K a n z l e i d e u t s ch. Bei der letzten Reichstagswahl erging au§ einer städtischen Kanzlei eine kleine Mitteilung an die Wahlvorsteher, an der man von dem sonst glücklicherweise doch schon recht weit verbreiteten Streben nach kurzer und deutlicher Fassung gar nichts merkt, und der wir daher gegennberstellen, wie es hätte gemacht werden können. An die Herrn Wahlvorsteher. Anläßlich einer entsprechenden Anfrage teile ich den Herrn Wahlvorstehern ergebenst mit, daß dem nichts entgegensteht, wenn einer etwa am Wahltage von im Wahl lokal amvesen- den Personen ausgesprochenen Bitte, der Protokoll sührer möge nach Nennung des Namens des einzelnen Wählers die unter der der Wähler in der Liste eingetragen ist, laut nennen, Rechnung getragen wird. Den Wahlvorstehern zur Kenntnis: Wenn im W a h l r a u m Anwesende bitten, der Schriftführer möge außer dem Namen des Wählers auch dessen Listen- n u IN m e r aufrufen, so darf dies geschehen. Statt 57 genügten also 25 Worte! Fänden sich doch Wohltäter, die e§' ermöglichten, daß allen deutschen Kanzleibeamten Düngers treffliches Büchlein „Zur Schärfung des Sprachgefühls" in die Hand gegeben werden könnte! Es enthält 200 fehlerhafte Sätze mit Verbesserungen und sprachlichen Bemerkungen, die von einem Ausschüsse des Sprachvereins geprüft sind. Vor kurzem ist es in vierter Auflage erfchienen und bereits in 9000 Abzügen verbreitet. ________________ StStterätfel. Erkelenz — Eschweiler — Bacharach — Bingen — Hofgeismar — Honnef — Mainz — Mühlhausen. Die vorstehenden Städtenamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritten usw. wiederum einen Städtenamen ergeben. Auflösung in nächster Nummer, Auflösung des Logogriphs fit voriger Nummer: Fackel,. Dackel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen,