Montag den 26. Februar ms W L i I WMZ &TO Glückslasten. Wontctn von Hanns von Zobeltitz. (NaMrnck verboten,) (Fortsetzung.) Früher hatte sie sicht in guten Stunden, über heu leichten Flirt zwischen beiden amüsiert; in bösen, wenn sre Schmerzen hatte oder mißgelaunt war, Stachelworte darüber gehabt. Im Grunde war es ihr gleichgültig gewesen; sie besaß in mancher Beziehung bie, leichte ~e« bensaussassuug einer Herzogin vom Hose Ludwigs X\. und fand es ganz selbstverständlich, wenn sich zwischen eurem Prinzen Hoburg und einer hübschen jungen Hofdame eine kleine Tändelei anbahnte. Aber Hoburg selbst? Wenn er eine Begegnung mit ihr suchte, dann hatte er den Weg in das Grand Hotel zu finden. Etwas anderes durfte nicht in Frage kommen. Signe war entschlossen, nicht zur Fürstin zu gehen. Mindestens heut nicht. Später — vielleicht — wenn Ho- burg den Eltern seinen Besuch gemacht hatte. Im Frühstückszimmer saß Vater schon beim' Tee Auch er hatte Post erhalten. Cdit ganzer Packen Briese jag vor ihm, neben Tasse und Teller. Sonst stöhnte er nicht selten über die vielen Postsen- dunqen, über die Abrechnungen der Hausverwalter, die Briefe der Bank, seines Anwalts und all der anderen Menschlein und Institute, die ihm den Genuß des Reich- tums verbitterten. Heut schmunzelte er recht vergnügt. Er hatte einen Brief von Eberhard, der selten schrieb, Md dessen Episteln daher an sich hoch im Kurse standen. Es war aber auch etwas Angenehmes, was Hardi berichtete, er hatte gleich bei der Eröffnung der Rennsaison zwei stattliche Preise erobert. Auch einen Zeitungsausschnitt hatte er beigelegt. Das schmeichelte Vater doch: den Aeltesten als erfolgreichen Herrenreiter zwischen den Matadoren des grünen Rasens genannt zu sehen. „Der junge Garde-Dragoner gewann das Adolf-Rennen in der höchsten Vollendung. Sein schnittiger „Habalük" zeigte den Konkurrenten fast vom Start an die Eisen." , Mutter war noch nicht erschienen. So saß Signe mit dem Vater allein. , , Er sah noch einige Schreiben durch- brummelte dies, brummelte das, nahm ein Stückchen Hühnerleber mit Speck, am Rost gebraten, trank ein Schlückchen Tee. Endlich meinte er: „Sag mal, Kind, wir sollten ja heut nach dem Lunch mit Braunstein nach der Villa . . . wie heißt das Ding doch. . • Dora . . ." „Dora Pamphili Papa." . . , . „Meinetwegen. Die Dora hab ich fa behalten, und das genügt. Wieviel Stunden braucht man denn dazu. Signe gab Auskunft. Aber sie dachte dabei mit Schrecken: „Also wieder mit Braunstein zusammen! ^ch muß ihm ausweichen!" Da fiel ihr die Einladung der Fürstin ein. Ihre Bedenken zerslatterten Sie bat hastig, sie zu dispensieren, erzählte von dem Briefe, übertrieb« ein wenig den leidenden Zustand der Greisin. „Schade!" meinte Vater. „Es wird gewiß eine nette Partie. Was Braunstein vorschlägt, hat Hand und tfup. Ueberhaupt ein netter Kerl. Gewinnt, je naher man ihn kennen lernt, immer mehr." Er blinzelte. ein wenig verschmitzt zu der Tochter hinüber. „Ich hatte ja auch so meine Vorurteile. Es ist eine andere Welt, diese Familie ja . . . aber alles was wahr ist: der Hartwig ist ein Pracht tiger Mensch. Aber du hörst wohl gar Nicht, Signe? O ja — sie hatte gehört. Jedes. Wort. Und jedes Wort brannte in ihrer Seele. Aber sie nickte nur haltig und bat noch einmal: „Ihr habt gewiß nichts dagegen, wenn ich heute zur Fürstin gehe." Vater machte ein etwas enttäuschtes Gesicht.. Aber er mochte auch nicht Nein sagen. Signe Hütte, wie immer, das richtige Gefühl; man war es der Fürstin schuldig. Als Signe in den Salon der Fürstin trat, humpelte die alte Dame ihr am Krückstock entgegen. Slchtlich erfreut, herzlich fast. „Signe . . . das ist einmal hübsch, daß Sie gleich kommen. Lassen Sie sich ansehen. Ausgezeichnet! Bißchen fatiguse um die Augen. Sie haben gewiß zu viel mitgemacht in dem Sodom nnu Gomorrha da oben —", sie wies mit der Elfenbeinkrücke in die Richtung, wo sie sich Berlin dachte. „Uebrigens angezogen . . . wie nennt mau das doch so wunderschön bei euch da vbeu , erneutes Ausstrecken des Stockes ■— „einfach erstklassig. Leises spöttisches Lachen: „Na, wenn ich so denke — früher Ihre Fähnchen, liebe Signe! Ja, es wachst der Mensch. . . und nicht nur mit seinen höheren Zwecken. Aber wir wollen uns setzen. Bitte, rücken Sie mir nur den Sessel für mein elendes Piedestal etwas näher heran. Dann war alles wie einst. Alles, als ob Signe noch die Hofdame Ihrer Hoheit wäre. Sie sollte unterhalten und wurde durch hundert kleine Bosheiten unterbrochen, die nun einmal >zum täglichen Brot der Fürstin gehörten, kleine harmlose Bosheiten, die sie ehedem oft arg geschmerzt hatten. Das war freilich vorbei: heut glitten die Pfeile von ihr ab. Sie konnte selbst dann lächeln, als die Fürstin das Lorgnon hob: „Nja, Signe, wie alt sind Sie eigene lief)? Dreiundzwanzig . . . nun, das ist noch lung.Uber Sie müssen doch langsam an die Ehe denken. Die Manner lieben ja im allgemeinen nur 'die Rosenknospen. Eine törichte Gesellschaft. Nja . . . -ober sind Sie s o verständig, gar nicht heiraten zu wollen?" Wieder etu leises spöttisches Lacben. „Sagen Sie nichts, meine Liebe. Die Wahrheit würden Sie mir doch nicht sagen. Das heißt, ich habe immer gedacht, ein Uebermaß von Herz hätten Sie nicht. Grad so zum Hausgebrauch mag's reichen . . /6 Dann war mit einem Male Hoburg da. 126 geschlossen. (Fortsetzung folgt.) Musikalische Schundliteratur. Alle Mnste haben produzierende und reproduzierende Vertreter- beide werden künstlerisch und handwerksmäßig betrieben-/ wobei das letztere ebenso in ehrendem Sinne für den Kunsthand- werker aufgesaßt werden kann une tn tadelndem chr den P,rischer. Die Leistungen beider teilt man in Gutes, Mrttclwure und Schlechtes. Für die beideir ersteren hat man aus der Zeit der Fremdwörter die Bezeichnungen prima und sekunda noch hen^rnt Gebrauch, für die letztere dagegeir das ehrliche deutsche Wort Schund Hier interessieren von den Künsten lediglich dre Dichtkunst die eigentlich nur produzierend ist, da ihre reproduzierende Schwester, die Schauspielkunst, ihr wohl nur bedtngnngsweUc: zugezählt werden kann, und die Tonkunst, die beide Zweige gleichwertig pflegt. Die Tichtkmist kennt kein Handwerk, wenigstens nicht ich ehrenden Sinne, während die reproduzierende Tonkunst iieben der künstlerischen Ausübung einen weiwcrbreitcten und von allen Seiten als wahlberechtigt angesehenen, unentbehrlichen Kunst- handwerkerstand besitzt, aus deni eine nicht kleine Schar z'n ersten Künstlern heranwuchs. Tatsache ist es, daß die ausgezeichnetsten Virtuosen der Blasinstrumente zum großen Aeu aus den Militärkapellen hervorgcganqen sind, die wieder in der Mehrzahl ihre musikalische Ausbildung beim Stadtmnsikus genoßen. Diese Stadtkapellen bilden heute noch ihre Schüler vollständig handwerksmäßig aus, sie werden als Lehrlinge angenommen und avanzieren nach einer vorher ausbedungenen Lehrzeit zu Ge- hilscii (Gesellen), wenn sie mindestens zwei Instrumente (cm Blas- und ein Streichinstrument) beherrschen. Diese Kunsthand-- tvcifct, biö ntcin in ^otbbeutfdjlcirtb üiel fällig 5)2 u f i t c r nennt, während man den Künstler mit Musiker bezeichnet,, tonnen, wenn sie in ihrem Rahmen bleiben, Minderwertiges teilten, aber niemals Schund; damit könnte man nur unter Umstanden, auf die ich später kommen werde, ihre produzrerendeii Kollegen beschuldigen. Es soll iiuii schon schwer sein, den Schriftstellern Schund nachzuweisen, wenn man Von vornherein den auf den ersten Blick jedem erkennbaren Schmutz ganz beiseite läßt, der ja leider, und nicht in neuerer Zeit, oft viel zu weitherzig , der Kunst zugezählt wird. Unmögliche aber ist es, den Komponisten £cwn& nachzuweisen, zumal solchen, Pie in, den Regelns der Kunst rechts Er spielte den Erstaunten, oder er spar wirklich er- , staunt. „Sie hier, gnädiges Fräulein? Und dann gleich * wieder ganz korrekt: „Ich bin gestern angekommen, konnte daher noch- nicht meine Karte ttn Grand Hotel abgeben, öfl geht Ihren verehrten Eltern gut?" Und wieder schien es ganz wie ehedem. Sie aßen zu dritt am Kamin. Die Fürstin streute ihre »Melten «rs und musterte ungeniert durch ihr großes 6°^gerandertes Augenglas bald Signe, bald den Neffen, und beide plauderten. Aeußerlich ganz tote früher. Und doch empfanden beide: es war ganz anders. Es lag ei.it Erleben zwischen ’ Dann und wann ries die alte Dame: „Bill, wirs noch rin wenig Holz nach. Aber nicht fo titel. Du ahnst gar nicht, tote teuer diese Räuberbande dte elenden Spane berechnet." Oder sie sagte: „Bitte, meine Liebe, schieben Sie mich näher an das Feuer." Oder sie nahm den llftnen Spiegel, den sie immer im Pompadour mit sich führte, heraus uud wickelte, sorgsam in das Glas sehend, eine der grauen Locken, die ihr tief in die Stirn hingen, um den Finger. Oder sie sagte: „Ihr spielt wohl . ., da . . . eine recht miserable Rolle am Hofe, Bill, ihr Vasallen dritter Ordnung?" Oder sie meinte: „Na, Signe, meine Gute, erinnern Sie sich noch, wie nett ich damals war, als eie die Nachricht vom glücklichen Tode Ihres Millionenonkels erhielten? Gleich ließ ich Sie reisen. Ha . . . reistest du nicht übrigens auch am selben Tage, lieber Bill. 5^» in einem seltsamen Gemisch von Niederträchtigkeit, Bitterkeit und Wohlwollen und alles doch mit einer Art von Grandezza vorgebracht. Und dann kicherte ste leise: „^ept bitte ich auf zehn Minuten um Entschuldigung. _ Meute Masseuse wartet. Himmel, diese Folter-Schergtu wird mir svieder gut zusetzen." - Signe wollte sich empfehlen. Sie fühlte: mit dem Prinzen durfte sie nicht allein bleiben. Aber da erhob die Fürstin Wehklagen und Einspruch. .Ich denke gar nicht daran. Sie so schnell fortzulasfen. Du leistest Signe gewiß gern Gesellschaft Set nicht zu ennuyant. (Streng dich ein wenig an, Bill. Und als Signe noch einmal bat, sie zu entlassen: „Aber Kind, Sie waren doch sonst nicht so närrisch. Ich durchschaue Jhve schwarze Seele ebenso wie ich sehe, daß Sie ^zhr schönes Haar etwas stark toupieren: seien Sie unbesorgt, tn meinem Salon dürfen Sie mit Bill allein fein. Aus meine Verantwortung."- ’ „ Sie humpelte hinaus. Daun sagte Hoburg fosort: „Befehlen Sie, daß ich gehe, gnädiges Fräulein?" Und seine Augen sprachen: „Erlaube, daß ich bleibe." Signe war an das Fenster getreten. „Aber Durchlaucht, ich bitte Sie..." Er trat zu ihr. Ein paar Augenblicke war Schweigen! zwischen ihnen. Er versuchte eine konventionelle Anknüpfung: „Tante hatte ihre besonders grantige Stunde — „Ich fand Hoheit ganz wie früher." „Sie freute sich so sehr auf Ihr Kommen. — ^ch brauche wohl nicht besonders zu tiersichern, daß ich nicht ahnte, Sie heut schon hier zu treffen." c Signe neigte nur leicht zustimmend den Kopf. Die Gedanken drängten sich in ihr. Sollte dies doch ihre Schick- falsstunde werden? Sie dachte zurück an die erste Werbung des Prinzen. Hatte sich seitdem irgeüd etwas verändert? Ihm gegenüber? Nein — nein! Aber in ihr selbst war eine Veränderung vorgegangen. Aermer war sie nämlich geworden, vereinsamt. ...... „Es war so öde in Berlin, gnädiges Fraulein — immer noch hielt er bett konventionellen Ton fest — „die gesellschaftliche Saison zu Ende, die Sportkärnpagne noch in den Anfängen. Wer konnte, flüchtete. Ich war ein paar Wochen in Schlesien. Aber ich hielt es auf meuter alten Raubritterburg nicht aus. Doch da rede ich und frage nicht einmal: Wie ist es JhUen ergangen? Sie haben viel Schönes gesehen und erlebt?" „Viel Schönes gesehen, Durchlaucht. Ob immer in der richtigen Stimmung, die Schönheit zu würdigen . . . ich weiß es nicht . . ." „Sie sehen sehr ernst aus." „Es mag wohl sein ..." Signe hatte die Hand auf den Fensterriegel gelegt und blickte auf die Straße hinab. Noch nicht einmal hatte sie ihm in die Augen gesehen. Als wüßte sie ganz genau, dgß pr bann fragen würde Und sie dachte: „Warum siehst du ihn nicht an? Spiel dir keine Komödie vor. Einmal mußt du dich doch ent»! schließen. Eigentlich bist du schon entschlossen. «Das große Glück, auf das die kleinen Mädchen hoffen, wird dir ja nie werden. Dazu gehört ein heiteres oder auch ein zärtlicheres Herz. Horch doch nur auf dein eigenes: schlagtfs auch nur um einen Takt schneller als sonst?" , , „Eine Ewigkeit, dünkt mich, ist vergangen, feit ich Sie zum letzten Male sah —" „Wenige Wochen, Durchlaucht. Ans dem Fastuachts- ball im Schloß sahen wir uns znm letzten Male." „Sie haben das behalten?" „Ich habe ein gutes Gedächtnis." Sie dachte weiter: - Jetzt fahren die Eltern nut Braunstein nach der Villa Pamphili hinaus. Wie enttäuscht der Aermste sein wird. Ja — ich könnte ihm helfen! Aber das ist es ja eben: ich würde mich nie tn feinem* Milieu einleben können. Grad jetzt empfand ich's wieder/ wo ich hingehöre meiner ganzen Veranlagung nach, lieber noch einmal Hofdame als die Schwiegertochter des Hauses Braunstein." , r . ... , „Ein gutes Gedächtnis!" hörte sie neben sich und horte das lebhafte Klingen der Stimme heraus. „Erinnern Sie sich auch der . . . erinnern Sie sich unserer letzten Unterredung in Ihrem Elternhause?" „Wie sollte ich nicht, Durchlaucht?" Sie beugte sich ganz vor, daß-ihre Stirn an dem kühlen Fensterglase ruhte. Und sie rief sich zu: „In wenigen Minuten wirst du Braut fein. Mein Himmel, ja! Warum sehUst du dich eigentlich nach dem andern, -dem Höchsten . . . was die MenscyletN Liebe nennen. Dir ist's doch nicht gegeben. Tausche anderes dafür ein. Jeder kann nicht alles haben. Bescheide dich: einst wäre es deine Seligkeit gewesen, eine Prinzesfln auf der Bühne zu sein — nun wirst du eine wirkliche Durchlanchh Du wirst beneidet-genug sein. Törin du, daß du zögerst. Sieh ihn doch an!" ., . , , Ich habe getreulich gehalten, was ich damals versprach. Nicht wahr? - Ich bin Ihnen nie lästig gefallen. Ich war schon froh, wenn ich Sie sehen durste, wenn ich ein paar freundliche! Worte von Ihnen erhaschte . . ." Er wartete. Aber sie sprach nicht. Sie hatte die Augen — '127 Wenn nun die Entdecker des musikalischen Schundes sür so'regt'es sicherlich die "Tanzlust an. Also nicht die Musik ist es, die begeistert oder eine andere .Stimmung erzeugt, sondern der Rhythmus und das Tempo — die Musik hat damit abiolut nichts zu tun. Mit der Wirbeltrommel, die keine Musik hervorbrmgt, kann man Stimmungen Hervorrufen und bie banalste Melodie schandeln. Leopold I. von Anhalt-Dessau, der alte Dessauer, hat nach der alten MarschmÄodie, deren zotiger Text wohl ziemlich bekannt ist (So leben, wir, so leben wir usw.), m der Kirche den geistlichen Text des Gesangbuches fingen lasten und, um mit Theodor Körner zu reden — seine reuige, aber besoffene Armee hat sich daran mit ihrem alten Dessauer erbaut. Aehnlich, freilich incht so drastisch, verfährt man in einigen Städten Ror^ amerikas, wo man der Melodie manches weltlichen Liebeslieds geistlichen Text im Gottesdienst unterlegt. Die Musik kann mehr oder weniger wertvoll fein, aber soweit es sich nicht inn stümperhaften Dilettanten siam handelt, ist sie eben Sache be« Gesihmackes. Es gibt viele Menschen, die die Klasiiler und darüber hinaus bis Wagner unb Brahms hochschätzen, aber einer Salome und dergleichen 'keinen Geschmack mehr abgeivutnen können. Die Musik an sich ist gar nicht fähig, zum Schund herab- zusinken, das vermag allein der ihr abfichtlich oder iinabsichtlich beigegebene oder hinzugefügte Text. Würde icntanb etwa wagery das herrliche und zugleich weihevolle Trio des Trauermarsches Leider ist!es dieseii Männern und Frauen, deren ehrliche Bestrebungen kein Gutgesinnter bestreitet, noch, nicht „emmal gelungen, klipp und klar auszubrücken, was diese krankende Bezeichnung eigentlich verdient. Ist es eine RichsilNg ober und es gewisse Bestrebungen in ihr? Soll alles, was Salonmusik, ~te breiteren Massen für bie vornehmere Literatur empfänglich gemacht werben konnten. Ein weiterer Vorschlag, ber ben ersten ergänzen sollte, war die Beschaffung einer neuen UnterriMs- Htcratur, um den Musikschüler den Unterschied von gut und schacht rascher erkennen zu lassen. Daran, daß man T-'^rartiges und zwar vom Besten in Hülle und Mille zur Hand hat, an dem selbst die verbissensten Neuerer nicht zu deuteln wagen (Bach, Berens, Berttni, Cramer, Czerny, Dtabelli, Herz, Knorr, Kohler, Kullack, Loeschhorn, Moscheles, Riemami Schmitt usw.),dachte man nicht, auch nicht an die gewaltige lieberproduktton auf allen Gebieten, bei der namentlich die Herren Modernen oft recht schlecht abgeschnitten haben. Ein dritter Weg, der erst kürzlich in Vorfckstag Spracht wurde, aber bei aller Anerkennung für das ernste Bestreben der Pädagogen mit dem besten Willen nicht beschritten werdat kann, ist nachstehender: Der pädagogische Verband hat eme Kommission aus ehrenhaften, unparteiischen Mu|ik|achverstandmai gebildet, bei der alle eingehenden Kompositionen — es erscheinen zurzeit einige Tansenbe in jebem Monat geprüft werden unb — soweit biefe bie Zensur bestanden haben — Mit aneM Stempel Von ber Prüfungskommission ausgewählt versehen werben sollen, worauf diese bann in einem Spezialkatttlog A'usiiahme sinben sollen. Ganz abgesehen davon, daß sich kein honetter 䔓« U. to"® SÄWÄÄ ** I f» «'*** * an. <”• friedliche, fruchtbare Arbeit leisten kann, wenn barm Richtungen aller Schattierungen vertreten sind. Ist es bem Verband wirklich ganz unbekannt, in welcher Werse unsere Großen stU der Kunst __ unb besonders in ber Musik sich gegenseittg beurteilt und■ ' | 1 w™b°i-uua‘‘'beS*" Rlwtbmus" veredein, wie umgekehrt ver- geschätzt haben? Weiß er tatsächlich sticht, mtt welch unglaublich durch Aeubmung des Rhytyttmmreo u ) feindseligeu Bemerkungeii sie gegcitetnanber zu Felde gezogen sind? Gewiß mag nicht jeder Ausspruch verbürgt fein, viele aber sind es unb können als bare Münze gelten, oo hat ^os. Haydn, als er die 'ersten Werke L. van Beethovens hörte, die. Aeußerung getan: aus diesem wird nie etwas' Ordentliches werden. Beethoven hat dann wieder über die Opern von W. M. Mozart geurteilt: solche Werke könne er nicht komponieren, dagegen habe er einen Widerwillen. H. Berltoz nannte die Opern G. Rossinis einen nielodischen Zynismus, während dieser behauptete, bei bat Opern von C. M. v. Weber Leibschmerzen zu bekommen. B. Romberg bezeichnete die Quartette Beethovens als barocke.^ Zeug, unb G. F. Händel war der Ansicht, daß sein.Koch ein befferer Musiker sei als Ch. W. Gluck, der große NeuMpfer der mnsteu Oper. Franz Liszt urteilte über bie Werke Johr?. Biahins nnt ben Worten: Das ist 'eine Musik für biejentgen, die am heb ft en gar keine Musik haben; von L. Cherubim meinte er, es ginge ihm wie bem Erzherzog Karl, er wache die bestm stKane, verlöre Aber stets die Schlacht; auch für das Elwpaar Robert und Clara 128 Von Fr. Chopin (aus bet Sonate op. 35) für Schund zu ^klaren Wenn aber der musikalische Janhagel daM ürolt: „>;n der Wusm der Sahara ging der.Cohn mit seiner Sarah , dann ist es doch wohl nur durch den Text geschändet. Genau so geht es mn dem Choral „Mein erft Gefühl sei Preis und Dank '-dessen letzte Worte in preuß'sch Courant umgewandelt werden. ®te ^0)1196 Ouvertüre „Jphigene in Aulis von Chr. W. Glrick ist von einem Unberufenen „en Parodie conngue für zwei Smgstcmmen verunziert, und dem prächtigen Marsch aus der, „Stummen von Portici" von D. Auber hat man den blodsmmgen Text unterlegt „Kommen sie rein, kommen sie rem m dre gute Stube . Wre mancher schöne Tanz und Marsch ist durch törichte ^.extunterlage verdübelt worden, ohne der scheußlichen Zoten zu gedenken, die hier und da bekannt sind! So z. B. Jot. Gungl, Erinnerung, an Peterhof: „Ach nur ein einziges Mal macht' ich noch tanzen , Carl Millöcker, Carlotta-Walzer: „Mutter, der Manu mit dem Koks ist da", Joh. Strauß Vater, Annen-Polka „Den Heinrich liebt' ich einst mit Glut", „Jos. Gunzel, Kriegers Lust Marsch: „Keiner war wohl je so frech wie der Bürgermeister! Tschech", F. v. Suppö, Fatinitza-Marsch: ,L)u bist, verrückt, mein Kind", Regimentskolonne, Marsch: -Mach Mir -keine Wippchen vor", Jos. Lanner, Abendsterne, Walzer: „Hast du nicht meinen Aujust gesehn" usw. Wenn aber vielleicht gar die Wachter des guten Geschmacks den Tanz überhaupt als eine musikalische Verirrung bezeichnen, so müßten Beethoven, Chopin, Liszt, Schubert unb viele andere Meister mit in den Bann getan werden. Wirft man ern, daß deren Tänze keine für vulgäre Drehungen bestimmten Musikstücke seien, so sage ich: Spielt sie nur in den richtigen Rhythmen, dann geht es ganz famos. , . . Mit welchem Recht also will eine kleine Minorität, und sei sie noch so überzeugt von der Richtigkeit ihrer Kunstbestrebungen, eine gewaltige Mehrzahl zu ihrer Ansicht zwingen, deren Betätigung doch nur den Zweck haben könnte, Millionen die Freude an der von ihr gepflegten, einfachen Kunstsorm zu rauben? Weiß denn diese jetzt sich an der Spitze dünkende Minorität, wie lange es noch dauern wird, bis auch sie abgetan ist? Die Kerne Gemeinde der Hypermodernen rümpft schon heute die Nase über die veralteten Richard Wagner, Jos. Brahms und ihre Gefolgschaft. Hat sie denn ganz vergessen, daß Hiller, Lachner, Rasf, Rubinstein und viele andere Führer einer erst jüngst vergangenen Periode dem Nachwuchs kaum noch dem Namen nach bekannt sind? Heber guten und schlechten Geschmack wird sich immer streiten lassen:, während des einen Leibspeise Kartoffelsalat mit Leinöl ist, liebt der andere Vogelnester und Wildbraten ä la haut-goüt. Von der Musik behaupten Männer, die in anderen Künsten hochgeschätzt sind, daß sie ein mit unangenehmen Geräuschen verbundenes! Unterhaltungsmittel sei. Unsere Modernen haben in den letzten Jahren sür die einfachste Kunstform, das Lied, das geradezu eine einfache Klavierbegleitung fordert, das Orchester als Beigabe herausgestellt. Warum haben alle unsere großen Liederkomponisten, wie Franz, Brahms, Lassen, Schubert, Schumanm Hugo Wolf, selbst Loewe und Rich. Wagner darauf verzichtet? Vermutlich weil sie es für geschmacklos hielten und der Meinung waren, mit einfacheren Mitteln hierbei mehr zu erreichen. Ausgeschlossen ist es, baß es selbst der mächtigsten Partei gelingen Tann, alle unsere deutschen Komponisten ausnahmslos zu einer Richtung, wie das jetzt angestrebt wird, zu vereinen. Sollte aber doch der Fall möglich sein, so müßte man das Grablied unserer deutschen Komponisten anstimmen. Schon jetzt macht sich das Fremdländische in unferm Konzertsaal, Theater und Sortiment breit, wie jeder weiß, der nur einigermaßen seine Augen offen halt. Dann aber würde uns das Ausland überschwemmen und der deutsche Komponist den Schaden davon tragen. Lassen wir also jedem seinen Geschmack und der großen Menge ihr Lieb, ihre einfachen Weisen. Die Musik kennt keinen Schund, weil sie keinen hat. Ernst Challier sen.-Gießen. vermischte». kf. Woran erkennt man das Alter speisender Damen? Ein Pariser Gastronom hat einen neuen — unb felbft- verständlich nach seiner Meinnng untrüglichen — Altersmesser für Damen gestmden. Aut Grund langjähriger Erfahrung bestimmt er das Älter jeder speisenden Dame nach folgenden Grundsätzen: Begnügt sich die Tischdame mit angeregter Unterhaltung, bis das Dessert heramtaht, und greift sie bamt beim Eise, bei bet Schokolade, beim Creme und bei den verzuckerten Fruchten zu, so kann man versichert sein, daß sie eine junge Dame ist, die tue 20 noch nicht überschritten hat. Aber beginnt sie nu dem Hors b oenureS, eroöht sie sich an Kaviar, Lachs und ähnlichen Delikatessen und verzichte? bann auf den Rest des Mahles, so ist sie zwischen 20 unb 30 alt unb - verheiratet. Zieht sie allein anderen Geflügel vor labt sie sich an entern Fasanenstiigel, so hat sie das verhängnisvolle 30. Jahr überschritten, aber sie ist noch nicht bei dem für jebe Dame noch unangenehmere» 35. Lebensjahre angelangt. Nach dem 35. Lebensjahre „verschlingt sie" Wild, dessen Hautgout lede ^anie dieses Alters besonders liebt. 91ber, und letzt kommt der Schlich- effekt des Ganzen, nimmt die Dame nach Schluß des Mahles Käse zu sich und bevorzugt sie habet den „schmackhaften, riechenden" Camembert, so kann jeder ivisseu, ivoraii er ist; er hat es mn einer Dame „ohne Alter" zu tun, wie die französische Sprache sich höflich ausbrückt. _____________ Bauern aber konnten sich nicht daran gewöhnen, ihre Türen ge- schlossen zu halten, unb wenn sie in den Abendstunden das Haus verließen, würben sie ohnehin gestochen. Nach diesem Mißerfolge ließ die italienische Regierung in den Sümpfen in großem Maßstabe fanitäre Arbeiten vornehmen, die auch darauf abzielten, die Mehrung der Stechmücke zu begrenzen, aber alle diese Versuche erhielten nur sehr dürftige Ergebnisse und man mußte erkennen, daß die Ausrottung der Mücken nicht durchzuführen war. Mit einem Gefühle der Resignation beschloß man nun, durch die Anwendung von Chinin das Hebel wenigstens etwas zu mildern; bald sollte sich zeigen, daß man ans diesem Wege Erfolge erringen konnte, die tatsächlich einer Ausrottung der Malaria fast gleichkamen. Da Chinin teuer ist, brachte Prof. Celli einen Gesetzentwurf ein, der die Regierung verpflichtete, Chinin in großem Maßstabe herzustellen und zum Selbstkostenpreise zu verkaufen. Man lieferte das Chinin in gezuckerten 20 Zentigramm schweren Pillen und eine Schachtel mit zehn dieser Pillen konnte für 22 Centesimi geliefert werden. Die Wirkungen des Chmrno, das auf diese Weise nun endlich den breiteren Brtölkerungsschrchten zugänglich gemacht war, übertraf alle Erwartungen, denn die Pillen bewährten sich nicht nur als Heilmittel, sie wirkten auch immunisierend. Prof. Gualdi sorgte dafür, daß etn neues Gesetz angenommen wurde, durch das alle Gemeinden, Behörden uno Unternehmer öffentlicher Arbeiten verpflichtet würden, den Beamten und Arbeitern das Chinin kostenfrei zu liefern und ote überraschend günstigen Ergebnisse dieser Maßnahmen, deren chitrch- sührung sich auf eine Reihe von Jahren verteilt, liegen letzt vor. Sie geben ein erfreuliches Bild. Es starben an der Malaria im Jahre 1887 21.000 Menschen, 1900 15 800, 190b 4800 und 1909 3500. Die Zahl der in der römischen Campagna von Malaria betroffenen Bauern ist nach den Jllnstrations von 31 der Bevölkerung im Jahre 1900 auf 3,4 Prozent cm -oahre 190b gesunken. Bon den Zollbeamten wurden 1900 65 Prozent des ganzen Personals malariakrank, nach der regelmäßigen Ausgabe von Chinin sank die Zahl 1906 .auf 7,30 Prozent und erreichte 1910 endlich 3,95 Prozent. Um die Krankheit völlig auszurotten, wird nichts weiter nötig sein, als die systematische Erziehung der Arbeiter zur regelmäßigen Benutzimg des Chinins; es t|t rem Zweifel, daß noch haute viele von ihnen aus Mißtrauen oder aus Gleichgültigkeit das Mittel Verschmähen; Wenn diese letzte Klippe überwunden ist, werden in der römischen Campagna die JJialana» fälle zst den Seltenheiten gehören. Das Ende der Malaria in der römischen Campagna. Die Malaria, die seit den Zeiten des Altertums Jahr um Jahr in der römischen Campagna unzählige Opfer fordert, scheint nun von der modernen Wissenschaft endgültig besiegt zu sein. . Lange Zeit hindurch hatte man angenommen, daß die Krankheit, wie schon ans ihrem Namen hervorgeht, durch die schlechte Lust (mal aria) hervorgerufen wurde, die dnrch'die Ausdünstungen der Sümpfe entsteht. Diese Theorie wurde vor einigen Jahren durch neue Forschungen widerlegt: es zeigte sich, daß die Malaria durch die Stiche einer gewissen Mückenart weiter verbreitet würbe. Aber das Insekt wurde nicht mit dem Krankheitskeime der Malaria! geboren, die Mücke infizierte sich! erst, wenn sie einen malaria- kranken Menschen stach. Ans Anregung Prof. Crassisj führte man in der Campagna dann feine Drahtnetze ein, die an den Türen unb Fenstern angebracht wurden, um den Stechmücken den Zutritt zu verwehren. Die mit diesem äußeren Schutzmittel vorgenommenen Versuche hatten das denkbar günstigste Ergebnis. Die Drahtnetze wurden in den Kasernen und Bahnhöfen eingefütjrt und auch in Privathitusern; die Logogriph. Mit „k" ist es ein spitz Gerät, Man kann daran leicht hängen bleiben. Mit „f" gar wohl es um dich steht, Kannst du darein gerettet treiben. Mit „b" verkündet es Besitz, Als höchstes Ziel erscheint es Vielen; Mit „m" ist es zur Jagd dir nütz, 2)1 it „rf" kann man schön b’rauf spielen» Auslösung in nächster Nummer» Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels m timger Nr.r Baben Zürich Wivn Breme» Chi»a Jndivn Korea Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Hniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.